Ist Pflegebeziehung planbar? Am 28. Oktober fand das 5. Symposium

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Ist Pflegebeziehung planbar? Am 28. Oktober fand das 5. Symposium

KLIFO Hauszeitschrift der Kantonalen Psychiatrischen Dienste Sektor Nord

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Ausgabe 3/2005, Dezember

Ist Pflegebeziehung planbar?

Am 28. Oktober fand das 5. Symposium "Pflegebeziehungen" statt. Der Erfolg bestätigte,

dass die Teilnehmenden mit ihrer Anwesenheit eine gute Wahl getroffen hatten.

Es ist bereits zur Tradition geworden, dass der Pflegedienst der KPD-SN am letzten Freitag

im Oktober zum Symposium Pflegebeziehungen einlädt. Dieses Jahr stand es unter dem Titel

"Ist Pflegebeziehung planbar?" Schon früh am Morgen hatte Oliver Lüttin seine Bauminstrumente

im Saal des Personalrestaurants in Stellung gebracht. Mit den aus ihnen hervorgezauberten

archaischen Klängen und Rhythmen stimmte er auf das Symposium ein.

Beziehung und Kommunikation das A und O

In seiner Begrüssungsansprache ging Josef Fässler, Vorsitzender der Geschäftsleitung, auf

die hervorragende Bedeutung von Beziehungen und Kommunikation in den Gesundheitsberufen

ein. Er überbrachte die Grüsse der Geschäftsleitung und bedankte sich bei den Veranstaltern

für die aktive Auseinandersetzung mit dem Thema und bei den Herangereisten für ihre

Teilnahme.

Pflege als Problemlösungs- und Beziehungsprozess

Bruno Facci führte durch das vormittägliche Programm. Er erinnerte daran, dass gemäss einer

Definition die Pflege ein Problemlösungs- und Beziehungsprozess sei. Zum Thema Problemlösung

seien allenthalben praxisorientierte Instrumente vorhanden. Zum Thema Beziehungsprozess

gebe es zwar eine Vielzahl von Vorstellungen und Literatur, aber kaum systematisch

geplante und ausgewertete "Beziehungsprozesse". Die Symposien Pflegebeziehungen

wollen diesem Umstand abhelfen.

Ist Pflegebeziehung eine Pflegediagnose?

Das erste Referat hielt Ian Needham in unserer Klinik kein Unbekannter, hatte er doch

über 31 Jahre in verschiedenen Funktionen bei uns gearbeitet, zuletzt als Pflegewissenschafter.

In dieser Rolle nahm er auch den Auftrag der Veranstalter wahr, sich zur Frage "Ist Pflegebeziehung

eine Pflegediagnose?" zu äussern. Mit der von ihm gewohnten wissenschaftlichen

Akribie untersuchte er das Thema und führte die Anwesenden in die abstrakte Welt der Pflegediagnostik

ein. Dabei erprobte er die Wirkung einer Pflegediagnose zur Pflegebeziehung auf

die Teilnehmenden. Und es zeigte sich, dass dieses Vorgehen nicht ganz unproblematisch ist.

Ian Needham nahm die Vor- und Nachteile einer Pflegediagnose "Pflegebeziehung" unter die

wissenschaftliche Lupe, bewertete sie. Sein abschliessendes Fazit zur gestellten Frage, ob

Pflegebeziehung eine Pflegediagnose sei, fiel eher negativ aus. Obwohl mit einer entsprechenden

Pflegediagnose gute Grundlagen zur Reflexion vorhanden seien, könne eine entsprechende

Pflegediagnose die Arbeit in der Praxis komplizieren. Aus seiner Sicht bestehe deshalb heute

keine Notwendigkeit, eine Pflegediagnose "Pflegebeziehung" einzuführen.


Kongruente Beziehungspflege

Anschliessend musste Bruno Facci den Teilnehmenden die Absage der zweiten Referentin

überbringen. Glücklicherweise hatte sich Rüdiger Bauer, der am Nachmittag einen Workshop

leitete, für das vormittägliche Referat gewinnen lassen. Er übernahm das Thema der verhinderten

Referentin, nämlich "Kommunikation und Beziehungsgestaltung im Prozess der psychiatrischen

Pflege". In seinen Ausführungen ging er auf die von ihm entwickelte kongruente Beziehungspflege

ein. Diese sei entstanden aus der Beobachtung, aber auch aus der intensiven Beschäftigung

mit verschiedenen Forscherinnen und Forschern aus der Pflege. In lebendiger

Sprache, angereichert mit anschaulichen Beispielen aus seiner langjährigen Praxis, untermalte

er seine Vorstellungen über die Pflegebeziehungen und verschiedene Kommunikationsprinzipien.

Er stellte seine sieben Thesen zur Pflegebeziehung verständlich vor und illustrierte sie mit

eigenen praktischen Erfahrungen.

Fragen und Antworten

Die der Pause folgenden Vertiefungen über die beiden Referate hatten zum Ziel, sich intensiver

und in direkter Auseinandersetzung mit den Referenten mit den Themen zu beschäftigen.

Ein reges Fragen und Antworten und Begegnungen mit den Referenten prägten diese workshopartig

durchgeführten Vertiefungen.

Besuch im Regenwald als Abschluss

Einen Höhepunkt besonderer Art stellte die abschliessende Vorstellung von Oliver Lüttin

dar. Einen Ast des vor der Bühne aufgestellten hohlen Baumes aus Heiden hatte er zu einem

Didgeridoo umgewandelt. Es füllte den Raum mit ungewohnten und dennoch berührenden Tönen.

Der gemeinsame Besuch im Regenwald begeisterte alle. (Oliver Lüttin hatte für alle Teilnehmerinnen

und Teilnehmer ein kleineres oder grösseres Instrument bereitgestellt, das sie auf

seine Anweisung hin zum Klingen, Tönen oder sonst zum Erschallen bringen mussten.) Ein

lang anhaltender und herzlicher Applaus war der Dank für die gelungene Bereicherung des

Vormittags.

Vertiefende Workshops

Das leichte und dennoch bekömmliche Mittagessen mit Salaten und kleinen Snacks sowie

einem feinen Dessertbuffet begeisterte alle Anwesenden. Gestärkt ging es dann am Nachmittag

in die verschiedenen Workshops:

- "Beziehungs-Weisen! Leibliche Kommunikation als Element von Beziehungsgestaltung in

der Pflege mit Professorin Charlotte Uzarewicz;

- "Biografie-Arbeit als Grundlage zum Aufbau einer Pflegebeziehung" mit lic. phil. Kathrin

Siegfried und Diplompsychologin Susann Henkelmann-Strickler

- "Beziehungsdiagnostik?" mit Rosamunde Wolff-Baumgartner, Fachkrankenschwester für

Psychiatrie sowie mit Rüdiger Bauer zum Thema "Beginn der Pflegebeziehung und Assessment".

Positive Rückmeldungen

Schnell war der Nachmittag zu Ende. Verschiedene mündliche Rückmeldungen an die Organisatorinnen

und Organisatoren zeigten, dass auch das diesjährige Symposium wieder sehr

gut aufgenommen wurde. Auch die schriftlichen Auswertungen enthielten fast ausschliesslich

positive Rückmeldungen. Von einigen Teilnehmenden wurde besonders geschätzt, dass in diesem

Jahr das Personalrestaurant gänzlich rauchfrei betrieben wurde. (Zur Nachahmung empfohlen

für das ganze Jahr!?).

So viel Lob gibt natürlich den Organisatorinnen und Organisatoren Mut, auch für ein sechstes

Symposium Pflegebeziehung einzuladen.

PS Ein paar nachträglich eingegangene persönliche Rückmeldungen von Teilnehmenden bestätigten

auch, was die Organisatoren gedacht hatten: Die Symposiumsbesucherinnen und

-besucher hatten eine gute Wahl getroffen; schade, dass es im Vergleich zum grossen

Aufwand doch etwas wenige waren. Die Abwesenden hatten Unrecht.

Bruno Facci, Leiter Pflegedienst

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