PDF - Institut für Psychologie - Albert-Ludwigs-Universität Freiburg

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12 Kapitel 2

2.2 Einfluß von Vorannahmen über Umweltschadensfälle auf

die Bewertung eines konkreten Vorfalls

Die Untersuchung des Einflusses von schematischen Vorannahmen über die Verursachung von

Umweltschadensfällen auf die Bewertung von Informationen über einen konkreten Vorfall in

der Rückschau und auf Basis widersprüchlicher Informationen wird in die folgenden drei Fragestellungen

untergliedert:

• Vorhersehbarkeit der Ursache eines Umweltschadensfalls

• Bewertung eines Umweltschadensfalls vor und nach Bekanntwerden seiner

Ursache

• Bewertung eines Umweltschadensfalls auf Basis von widersprüchlichen

Informationen

2.2.1 Vorhersehbarkeit der Ursache eines Umweltschadensfalls

Befragt man Menschen nach der Wahrscheinlichkeit, mit der sie alternative Ergebnisse eines

unsicheren Ereignisses erwarten und erhalten sie nach Abgabe ihrer Einschätzung Informationen

über die tatsächliche Entwicklung, tritt häufig eine Verzerrung der Erinnerung an die ursprüngliche

Einschätzung auf. Im Vergleich mit einer uninformierten Kontrollgruppe liegt die

rückschauende Prognose der Befragten näher bei dem ihnen rückgemeldeten Ergebnis. Ähnliche

Überschätzungen dessen, was man vermeintlich hätte vorhersehen können, treten auch dann

auf, wenn bereits Ergebnisinformationen vorliegen, und eine Prognose angegeben werden soll,

was man erwartet hätte, wenn man die Zusatzinformationen nicht bereits gekannt hätte. Subjektiv

entsteht der Eindruck, man habe „es so kommen sehen“ bzw. es habe ja „so kommen müssen“.

Dieses Phänomen, daß die Prognosegüte bzw. die Vorhersehbarkeit eines Ereignisses nach

Bekanntwerden zusätzlicher Informationen über seinen Ausgang systematisch überschätzt

wird, wird in der Literatur als Hindsight Bias (Rückschaufehler) bezeichnet (vgl. Hawkins &

Hastie, 1990). Zur Erklärung des Hindsight Bias werden vorwiegend kognitive Prozesse diskutiert.

Die in der Literatur postulierten Erklärungsmodelle unterscheiden sich vor allem darin,

welchen Stellenwert sie genuinen Gedächtnisprozessen und rekonstruktiven Urteilsprozessen

beimessen (vgl. Stahlberg & Maas, 1998). Eine weitere Argumentationslinie hebt die Bedeutung

metakognitiver Einflüsse auf den Hindsight Bias hervor (Werth, 1998). Als Material werden

Fragen nach der Beurteilung eines mit Unsicherheit behafteten Ereignisses verwendet, zu

denen numerische Schätzungen in freiem oder gebundenen Antwortformat abgefragt werden.

Das Auftreten des Hindsight Bias wird unter anderem davon beeinflußt, ob ein Ereignisses positiv

oder negativ bewertet wird (Schkade & Kilbourne, 1991), Überraschung auslöst (Ofir &

Mazursky, 1997), ob es zufallsbedingt oder auf kontrollierbare Einflüsse zurückzuführen ist

(Wassermann, Lempert & Hastie, 1991) und ob es konform mit bestehenden sozialen Stereotypen

ist (Bodenhausen, 1990).

Der vorliegenden Arbeit liegt die Überlegung zugrunde, daß die subjektive Vorhersehbarkeit

von unsicheren Ereignissen nicht nur davon beeinflußt wird, ob Informationen über ihren tatsächlichen

Ausgang bekannt sind, sondern auch davon, ob diese Zusatzinformationen konsistent

mit allgemeinen Vorannahmen und Erwartungen über die betreffende Ereignisklasse sind.

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