ANHANG zu ANHANG Tabellen - Jochen Fahrenberg

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ANHANG zu ANHANG Tabellen - Jochen Fahrenberg

Persönlichkeitsmerkmale und Religion

Auch eine im Jahr 2003 durchgeführte Repräsentativbefragung von 1931 Personen in den alten und 544 in den

neuen Bundesländern (Schuman & Schoen, 2005) enthält Items zum Bereich der Religion neben sozialen

Einstellungen, Werten, Wählerverhalten usw. auch eine Kurzfassung des Persönlichkeitsinventars NEO zur

Beschreibung von fünf übergeordneten Persönlichkeitseigenschaften: Neurotizismus, Extraversion, Offenheit für

Erfahrungen, Verträglichkeit und Gewissenhaftigkeit. Die acht Items zur Religion bezogen sich auf die

Wichtigkeit Gottes im eigenen Leben, auf den religiösen Glauben, den Glauben an den Himmel, an das Leben

nach dem Tod, an die Hölle, an Jesus sowie die Kirchgangshäufigkeit. Zwischen diesen Daten und den

Persönlichkeitsmerkmalen bestanden nur minimale Zusammenhänge (r < 0.10); die Varianzaufklärung konnte

z.T. in multiplen Regressionen etwas erhöht werden, doch waren die soziodemographischen Variablen weitaus

geeigneter, Varianz aufzuklären (Jagodzinski, 2005). Der Autor warnt ausdrücklich davor, überhaupt aus

Korrelationen auf die Richtung der Abhängigkeiten zu schließen.

Religionspsychologische Aspekte

Larson et al. (1986) fanden deutliche Unterschiede zwischen den religiösen Überzeugungen von Psychiatern und

Psychologen als sie feststellten, dass von den Mitgliedern der American Psychiatric Association 43 % und von

Mitgliedern der American Psychological Association nur 20% an Gott glaubten. Im Vergleich zur

Gesamtbevölkerung waren relativ viele Psychotherapeuten religiöse Apostaten, d.h. in religiösen Elternhäusern

aufgewachsen, dann jedoch atheistisch oder agnostisch geworden: 29 % von 3000 Befragten (40 % unter den

Psychoanalytikern und 26 % bei den nicht-psychoanalytischen Psychiatern, klinischen Psychologen und

psychiatrischen Sozialarbeitern). Larson und Witham (1997) verglichen die Aussagen von 1000 zufällig

ausgewählten (Natur-) Wissenschaftlern mit einer Untersuchung von Leuba im Jahr 1916. An einen persönlichen

Gott glaubten 1996 ca. 39 Prozent (1916 waren es 42 %); der Glaube an die persönliche Unsterblichkeit nahm

auf 38 % ab (damals 51 %).

Ein psychologisch interessantes Untersuchungsthema bilden die Zusammenhänge zwischen Religiosität

und der Furcht vor Tod und Sterben (Ochsmann, 1993) und Gesundheit (Koenig, McCullough & Larson, 2001).

Zur Bedeutung religiöser Werte in der Psychotherapie siehe u.a. Bergin (1991) und zur Beurteilung von

eklesiogenen Neurosen, d.h. der Frage ob bestimmte religiöse Erziehungsweisen bei der Entstehung dieser

Neuroseformen eine ursächliche oder nur begleitende Rolle spielen siehe Buggle (1992, 1993) und Pfeifer

(1993). Zur möglichen Rolle von Wertorientierungen und Menschenbildern in der Psychologie und

Psychotherapie haben mehrere Autoren Stellung genommen (u.a. Baumann, 1999; Jaeggi; 2001; Kutter et al.,

1998; Schmuck, 2000). Es mangelt jedoch an empirischen Untersuchungen über die vermuteten differentiellen

Effekte.

(3) Vorausgegangene eigenen Arbeiten in Auszügen

Die erste Untersuchung mit dem Leib-Seele-Fragebogen

Die erste Fassung des Fragebogens wurde in den 80er und 90er Jahren regelmäßig in der einführenden

Vorlesung "Geschichte, Wissenschaftstheorie und Berufsethik der Psychologie" eingesetzt, primär als

didaktisches Hilfsmittel. Nachdem auch Studierende anderer Fakultäten befragt werden konnten, wurden

statistische Auswertungen durchgeführt und schließlich durch K. Wider auch Psychotherapeuten und Ärzte

befragt.

Die Tabelle P gibt eine Übersicht über die Präferenz für eine bestimmte Auffassung des Leib-Seele-Problems.

Am häufigsten wurden die Auffassungen von Komplementarität oder von Wechselwirkung genannt. Zwischen

den Studierenden der geisteswissenschaftlichen und der naturwissenschaftlichen Fächer zeigten sich keine

deutlichen Unterschiede in den Präferenzen für bestimmte Auffassungen (Fahrenberg, 1999; siehe auch

Fahrenberg, 1979, 1981, 1989, 1992).

Das Leib-Seele-Problem wäre dann kein Scheinproblem, wenn die jeweilige Überzeugung bestimmte

Konsequenzen für die Praxis hätte. Welche Erklärungen und Schlussfolgerungen ein Monist bzw. ein Dualist zu

bestimmten biologischen und psychologischen Fragestellungen geben würde, hat Bunge (1984) in spekulativen

Andeutungen zu unterscheiden versucht. In der Diskussion über Wissenschaftstheorie ist es weithin akzeptiert,

dass aus bestimmten Vorentscheidungen fundamentale Konsequenzen für die Strategien der Begriffsbildung,

Erklärung und Hypothesenprüfung in einer empirischen Disziplin folgen. Weshalb sollte dies nicht auch für

ontologische Überzeugungen, welche das Kategoriensystem gegenstandsadäquater Empirie betreffen, gelten?

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