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Hintergrund zum Thema Emotionen

Hintergrund zum Thema Emotionen

damals erst das bezeichnet, was einem bewusst wurde.

Heute werden die Begriffe «Emotion» und «Gefühl» meistens

synonym verwendet. Im Gegensatz zu Stimmungen sind

Emotionen kurz und intensiv. Während sich Stimmungen meist

auf länger andauernde Bedürfnisse beziehen, stehen Emotionen

im Normalfall mit einem auslösenden Objekt in Verbindung.

Alle Grundemotionen reflektieren dabei entweder Anziehung

oder Abstossung. «Eine Emotion ist ein Feedback darüber, wo

ich hinsichtlich einer Zielerreichung stehe», sagt der Neuropsychologe

Dr. Christian Scheier, Mitinhaber des Marketing-

Beratungsunternehmens decode. «Wenn das Ziel ist, das Tennismatch

zu gewinnen, ich aber dabei bin zu verlieren, resultieren

negative Emotionen. Wenn ich es gewinne, werde ich mit positiven

Emotionen belohnt.» Empfindungen werden also entweder als

angenehm oder unangenehm wahrgenommen. Sieht man auf der

Strasse einen Hund, will man entweder näher hingehen oder sich

entfernen. Nach dieser Grundsatzentscheidung folgen dann

detailliertere Emotionen: Will man den Hund streicheln oder

betrachten, empfindet man Angst oder Ekel?

Fühlen alle dasselbe?

Der US-amerikanische Psychologe John B. Watson beschrieb

Emotionen als «intersubjektiv beobachtbares, erbliches Reaktionsmuster».

Er war der Meinung, bei jedem Menschen würden

dieselben Emotionen durch denselben Reiz ausgelöst. Zuvor hatte

sich schon der britische Naturwissenschaftler Charles Darwin im

1872 erschienenen Werk «The expressions of emotion in man and

animals» damit beschäftigt, dass sich die grundlegenden Ausdrucksformen

von Emotionen über die Spezies Mensch hinweg

ähneln. Der US-amerikanische Anthropologe und Psychologe

Paul Ekman verfolgte diese Fragen rund hundert Jahre später

weiter. Er gilt bis heute als einflussreichster Emotionsforscher.

Ekman definierte die sechs Basisemotionen Freude (Happiness),

Überraschung, Wut, Trauer, Ekel/Verachtung (Disgust) und Angst.

Freude / Glücksgefühl

Überraschung

Wut

Trauer

Ekel / Verachtung

Angst

Die sechs Grundemotionen nach Paul Ekman

Diese Basisemotionen werden laut Ekman in allen Kulturen

durch dieselbe Mimik ausgedrückt – der Ausdruck von Emotionen

ist demnach universell. Dadurch wird es möglich, auch

ohne Sprache Gefühlsregungen auszutauschen. Sogenannte

Spiegelneurone helfen uns, anhand des mimischen Ausdrucks

den emotionalen Zustand unserer Mitmenschen zu erkennen

und uns in ihre Lage hineinzuversetzen. Es sind Nervenzellen,

die beim Betrachten eines Vorgangs das gleiche Aktivitätsmuster

aufweisen, wie es entstünde, wenn dieser Vorgang nicht nur

(passiv) betrachtet, sondern selbst (aktiv) durchgeführt würde.

Augen- und Mundpartie sind für diese Übertragungen am

wichtigsten. Evolutionsbiologisch ging es dabei vor allem um

Empfindungen wie etwa Angst: Durch seinen Gesichtsausdruck

konnte ein Mitglied die ganze Gruppe vor einer drohenden

Gefahr warnen. Aber auch positive Gefühle wie Freude können

vom Gesicht eines Einzelnen auf andere übertragen werden.

Oder wer möchte verneinen, dass Lachen ansteckend ist?

«Toy Story» mit Paul Ekman

Ekman liess Urvölker Gesichter auf Fotos interpretieren und

selber ihre Gefühle mimisch ausdrücken – sie verstanden die

Bilder und machten ähnliche Bewegungen. Damit war seine

Theorie weitgehend bestätigt. In akribischer Arbeit erstellte er

dann mit seinem Kollegen W. V. Friesen das Facial Action Coding

System (FACS), worin alle emotionalen Gesichtsausdrücke

klassifiziert wurden. Rund 10 000 verschiedene Gesichtsausdrücke

wurden auf diese Weise festgehalten. Das FACS

kam später in unterschiedlichsten Bereichen zum Einsatz:

in der Psychotherapie etwa (beim Verstehen nonverbaler

Kommunikation), in der plastischen Chirurgie und bei Sicherheitsdiensten

wie FBI und CIA (Erkennung von Kriminellen

und Terroristen). Selbst die Filmindustrie griff auf Ekmans

Erkenntnisse zurück: Die Macher des ersten komplett animierten

Kinofilms «Toy Story» hauchten ihren Figuren mithilfe

des FACS Leben ein.

6 impact 3 | November 2013

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