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Vortrag Olaf Kastner

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Die Rolle des Unternehmens in der Berufsbildung in China<br />

–<br />

Vision der BMW Brilliance Automotive Ltd.<br />

Rede von <strong>Olaf</strong> <strong>Kastner</strong>, Präsident und CEO, beim chinesisch-deutschen Dialog zwischen<br />

Berufsschulen und Wirtschaft in Chongqing, 23.08.2012<br />

Persönliche Begrüßung der offiziellen Teilnehmer<br />

Sehr geehrte Damen und Herren,<br />

Ein bekannter dt. Politiker hat einmal gesagt, dass Bildung und Ausbildung unser Pass für die Zukunft<br />

ist und das Morgen denjenigen gehört, die sich heute darauf vorbereiten (Wolfgang Gerhardt). Der<br />

Trend und Zukunftsforscher Matthias Horx formuliert einen Bildungsbegriff, nachdem Bildung es<br />

ermöglicht, in Zukunft kluge Fragen stellen zu können und Zweifel willkommen zu heißen sowie<br />

seine eigenen und individuellen Talente zu kennen.<br />

Keine Sorge, ich wede nicht weiter in die akademische Theorie abgleiten, die Zitate verdeutlichen<br />

aber, über welche Themen ich heute sprechen möchte. Ausbildung ist ein zentraler Punkt der<br />

Zukunftssicherung von Unternehmen und natürlich der Individuen. Einfach formuliert, könnte man<br />

behaupten, dass die Rolle des Unternehmens in der Berufsbildung in China nicht anders als in<br />

Deutschland sein muss.<br />

Ich bin jedoch überzeugt davon, dass BMW Brilliance Automotive Ltd. in der Berufsausbildung<br />

anders agieren muss als in Deutschland. Dies gilt sowohl für die aktuelle Phase, in der wir die<br />

Vorbereitungen für die Etablierung einer dualen Berufsausbildung in China treffen, als auch für die<br />

Zeit, in der wir gemeinsam mit Schulpartnern und in unserem Fall der AHK Shanghai eine solche<br />

Berufsausbildung fest verankert haben werden.<br />

Berufsausbildung, wie wir sie aus Deutschland kennen, bildet einen wesentlichen Baustein für die<br />

Fachkräftesicherung eines Unternehmens. Für unser Unternehmen spielen eine Reihe weiterer<br />

Überlegungen und Argumente eine wichtige Rolle, warum und wie wir Berufsausbildung betreiben.<br />

Bevor ich auf diese Überlegungen konkret eingehe, will ich zunächst den Rahmen spannen, in dem<br />

wir uns bei BBA bewegen.<br />

Die Marke BMW hat sich in den letzten Jahren hervorragend entwickelt; das gilt in beeindruckender<br />

Weise für den chinesischen Markt. Mit dem Bau des zweiten Werkes, das wir im Joint Venture BMW<br />

Brilliance Automotive Ltd. betreiben, haben wir unsere Produktionskapazität auf 200.000 Einheiten<br />

erweitert und können damit die aktuelle lokale Nachfrage bedienen; mögliche weitere Steigerungen<br />

sind abhängig von der künftigen Marktentwicklung. Darüber hinaus haben wir inzwischen das erste<br />

Motorenwerk der Marke BMW außerhalb Europas in Betrieb genommen und stärken damit unser<br />

Committment zu China. Wir haben mit diesem Schritt auch unser internationales Produktionsnetzwerk<br />

um einen wesentlichen Baustein erweitert.<br />

Dabei sind wir sowohl im Joint Venture als auch im Gesamtkonzern BMW Group darauf eingestellt,<br />

mit kurzfristigen Schwankungen umgehen zu können; wir sind uns bewusst, dass die Volatilität<br />

zunimmt. Doch lassen wir uns durch kurzfristige Schwankungen nicht von unserer langfristigen,<br />

klaren Strategie abbringen. Der Markt in China wird langfristig weiter wachsen. Aktuell liegt der<br />

Anteil der Premiumfahrzeuge am Gesamtmarkt bei ca. 7,5 bis 8 %; in den USA beträgt dieser Anteil<br />

1


etwa 14 %. Parallel dazu wächst die Mittelschicht in China kontinuierlich, wodurch sich ein doppeltes<br />

Wachstumspotenzial ergibt, das dazu führen wird, dass China künftig der weltweit größte Luxusmarkt<br />

sein wird.<br />

Nimmt man also diese Entwicklung sowie die Einbettung unseres Joint Venture in das internationale<br />

Produktionsnetzwerk der BMW Group, dann ergeben sich weitere Argumente für den Aufbau einer<br />

dualen Berufsausbildung. Mit einer solchen Form der Fachkräftesicherung tragen wir zur langfristen<br />

Erfolgssicherung des Unternehmens bei.<br />

Erfolg am Markt wird jedoch zu allererst von den Kunden bestimmt. Daher benötigen wir nicht nur<br />

attraktive Produkte, sondern ebenso innovative Konzepte für die Mobilitätsanforderungen der Zukunft.<br />

Dazu gehört die Elektromobilität ebenso wie die nachhaltige Umsetzung eines konsequenten<br />

Umweltbewusstseins auch in der Produktion. Kundenorientierung zeigt sich gleichfalls im Aufbau und<br />

der Pflege eines landesweiten Händler- und Servicenetzwerkes; hier haben wir beispielsweise im<br />

vergangen Jahr 140.000 Manntage in die Qualifizierung unserer Händler investiert. Bildung und<br />

Qualifizierung sehen wir parallel zur Kundenorientierung als Schlüssel zum Erfolg.<br />

Eine schlüssige Lokalisierungsstrategie ist eine weitere Facette. Mit unseren Angeboten an unsere<br />

Mitarbeiter wollen wir einer der attraktivsten Arbeitgeber sein. Dabei sehen wir das Entgelt nur als<br />

einen Teil der Benefits, die wir unseren Mitarbeitern bieten. Das Gesamtpaket sowie die Arbeits- und<br />

Führungsatmosphäre müssen attraktiv sein, um Mitarbeiter zu gewinnen und an das Unternehmen zu<br />

binden.<br />

In unserer Personalpolitik agieren wir langfristig, weil auch dort strategische Aspekte<br />

handlungsleitend sind. Als Beispiel nenne ich gern die Vielfalt unserer Belegschaft, die wir auch<br />

hinsichtlich der Altersstruktur steuern, um nicht eines Tages eine Vielzahl von erfahrenen Mitarbeitern<br />

wegen Renteneintritts innerhalb kurzer Zeit zu verlieren.<br />

Auf Grundlage unserer klaren Strategie und unserer konsequenten Mitarbeiterorientierung können wir<br />

attraktive Chancen in unterschiedlichen Bereichen eröffnen; dies gilt sowohl für Einstiegs- als auch für<br />

Entwicklungsmöglichkeiten in unserem Unternehmen.<br />

Gerade weil wir im Premiumsegment aktiv sind, ist es für uns selbstverständlich, dass alle unsere<br />

Produkte die gleiche Qualität bieten, unabhängig davon, an welchem Ort sie gefertigt werden.<br />

Deswegen stellen wir auch an unsere Mitarbeiter in jedem Tätigkeitsbereich die gleichen<br />

Kompetenzanforderungen. So ist es nur konsequent, dass wir bei BBA aktuell dabei sind, im Bereich<br />

der Berufsausbildung Impulse zu setzen und unsere exzellenten Erfahrungen mit dem dualen<br />

Berufsbildungssystem aus Deutschland auf die lokalen Bedingungen in China zu übertragen.<br />

Dabei sind wir auf chinesische Partner angewiesen, die das Potenzial einer geteilten<br />

Ausbildungsverantwortung zwischen Schule und Unternehmen erkennen und mit uns gemeinsam<br />

umsetzen wollen. Ich bin überzeugt davon, dass wir mit dem jetzt noch kleinen Beginn schnell einen<br />

Schneeballeffekt erzielen. Dabei hoffen wir selbstverständlich auf viele Unterstützer und Mitstreiter;<br />

andere Unternehmen wollen wir ebenso gewinnen wie Schulen und Bildungsanbieter insgesamt. Nur<br />

gemeinsam werden wir eine qualitativ hochwertige Ausbildung umsetzen und dauerhaft gewährleisten<br />

können.<br />

Für unsere chinesischen Partner ist es sicher ein Pilotprojekt, Berufsausbildung nach dem Prinzip der<br />

dualen Verantwortung und dualen Arbeitsteilung umzusetzen. Wir sind uns der Verantwortung, die<br />

wir mit einem solchen Piloten eingehen, bewusst. Gleichzeitig freut es mich aber auch ganz<br />

2


persönlich, miterleben zu können, mit welch beeindruckendem Engagement Lehrer an der<br />

Entwicklung von Ausbildungsgängen arbeiten.<br />

Wir haben uns bereits mit einer Berufsschule, nämlich der Shenyang Equipment Manufacturing<br />

Engineering School, und der AHK Shanghai auf ein MoU verständigt. Bereits in wenigen Wochen<br />

sollen die ersten jungen Menschen in Kooperation zwischen der Schule und BBA mit ihrer<br />

Ausbildung beginnen. Selbstverständlich ist es das Ziel, diese Auszubildenden nach erfolgreicher<br />

Lehre bei BBA als Fachkräfte zu übernehmen.<br />

Inhaltlich konzentrieren wir uns dabei zunächst auf zwei Bereiche, die für das Unternehmen besonders<br />

wichtig sind, die aber auch attraktive Entwicklungsmöglichkeiten bieten, weil sie langfristig zu den<br />

Kernbereichen des Unternehmens zählen. Starten werden wir mit den Bereichen Mechatronik und<br />

Elektronik. Dabei müssen die konkreten Ausbildungsinhalte ebenso gemeinsam mit unserem<br />

Schulpartner entwickelt und vereinbart werden wie wir ebenfalls die Vermittlung der Lehrinhalte<br />

zwischen Schule und BBA aufteilen müssen. All diese Dinge sind wesentlicher Bestandteil für eine<br />

erfolgreiche Partnerschaft. Wir haben somit die Chance, hier in China neue Wege in der Partnerschaft<br />

zwischen Schule und Unternehmen zu beschreiten.<br />

Die Berufsschule übernimmt dabei eine wesentlich größere und wichtigere Rolle als im deutschen<br />

Berufsbildungssystem, weil sie von Beginn an in die inhaltliche Ausgestaltung der Ausbildungsgänge<br />

einbezogen ist. Diese Rolle sollte ihr dann auch am Ende der Ausbildung, wenn es um Prüfungen und<br />

Dokumentation von Prüfungsleistungen geht, in gleicher Weise eingeräumt werden. Und wer weiß,<br />

vielleicht können angesichts einer immer stärker international verflochtenen Welt solche Beispiele<br />

auch wieder auf das deutsche Berufsbildungssystem wirken und dort Weiterentwicklungen anstoßen.<br />

Mein Verständnis vom dualen Bildungsprinzip ist es, dass beide beteiligten Einrichtungen durch den<br />

gesamten Prozess der Berufsbildung hindurch als Partner agieren. Das beginnt bei der gemeinsamen<br />

Definition und Festlegung von Lehrinhalten, geht über die aufgeteilte Vermittlung der Lehrinhalte in<br />

je eigener Verantwortung bis hin zur gemeinsam verantworteten Prüfung am Ende der Ausbildung.<br />

Wir wollen mit unserem Angebot an Berufsausbildung die Grundlage schaffen, dass auch weitere<br />

Stufen auf der Karriereleiter erklommen werden können. Deshalb ist in unserem Verständnis der<br />

Beginn einer Berufsausbildung in unserem Unternehmen auch immer der Beginn der individuellen<br />

Personalentwicklung.<br />

Erst wenn wir Ausbildung und Personalentwicklung als Ganzes betrachten und entsprechend<br />

umsetzen, werden wir auch im Unternehmen die Früchte ernten können, die wir in der<br />

Berufsausbildung gesät haben. Aber ich bin überzeugt davon, dass bei einer gut gelebten Partnerschaft<br />

zwischen Berufsschule und Unternehmen wichtige Informationen über die Entwicklung der<br />

Auszubildenden und das Potenzial jedes Einzelnen ausgetauscht werden. Deshalb werden es am<br />

meisten die Lehrer und Ausbilder sein, die die angestrebte Partnerschaft zwischen Schule und<br />

Unternehmen mit Leben erfüllen und nicht zuletzt für die Auszubildenden zu einem dauerhaften<br />

Erfolg machen werden.<br />

Doch ich will von den eher bildungspolitischen Themen zurückkommen zu den pragmatischen und<br />

unternehmensbezogenen Aspekten. Da wir als BBA auch Bestandteil der BMW Group sind, können<br />

wir unseren Mitarbeitern, egal ob mit einer akademischen oder einer beruflichen Qualifizierung, nicht<br />

nur Entwicklungsmöglichkeiten in China und unseren hiesigen Aufbaufeldern bieten, sondern auch<br />

Aufgaben an anderen Standorten der BMW Group weltweit anbieten. Letztlich können wir aber nur<br />

Angebote unterbreiten und unsere Mitarbeiter ermuntern, einen solchen Weg einzuschlagen. Wir sind<br />

3


überzeugt davon, dass mit einer qualitativ hochwertigen Berufsausbildung unsere Attraktivität als<br />

Arbeitgeber sehr positiv beeinflusst wird.<br />

Als Teil eines international agierenden Großunternehmens können und wollen wir Mitarbeitern aus<br />

unterschiedlichen Tätigkeitsbereichen die Möglichkeit eröffnen, ihre Kenntnisse und Erfahrungen<br />

auch an Unternehmensstandorten einzubringen, die außerhalb des eigenen Landes liegen. Unsere<br />

bisherigen Erfahrungen innerhalb der BMW Group bestätigen uns darin, diesen Weg weiter zu<br />

beschreiten und auszubauen. Wir eröffnen damit nicht nur dem einzelnen Mitarbeiter einen attraktiven<br />

Entwicklungsschritt. Wir gewinnen als Unternehmen auch nicht zuletzt dadurch, dass diese<br />

Mitarbeiter mit neuen Eindrücken und frischen Ideen vom Auslandseinsatz an ihren Ausgangsstandort<br />

zurückkehren.<br />

Junge Menschen und ihre Eltern müssen erfahren, dass eine attraktive Tätigkeit und eine erfolgreiche<br />

Karriere auch dann Wirklichkeit werden kann, wenn kein Hochschulstudium absolviert wurde. Für uns<br />

in Deutschland ist das alles nichts Neues; im Gegenteil, wir haben im Rahmen der europäischen<br />

Bildungsaktivitäten sogar erreicht, dass der berufliche Weiterbildungsabschluss Meister bzw.<br />

Techniker dem Hochschulabschluss Bachelor gleichwertig an die Seite gestellt wird. Wir wollen<br />

unseren Beitrag dazu leisten, eine solche Gleichwertigkeit der unterschiedlichen Bildungsansätze auch<br />

in China zu etablieren. Das setzt eine Berufsausbildung voraus, die qualitativ hochwertig ist, den<br />

Bedarfen der Unternehmen entspricht und in gemeinsamer Verantwortung von Schulen und<br />

Unternehmen umgesetzt wird.<br />

Da ich nach den Visionen gefragt wurde, will ich abschließend noch einen weiteren Aspekt ergänzen,<br />

der über die Berufsausbildung hinausgeht, für mich aber sehr viel mit Berufsbildung als lebenslangem<br />

Prozess zu tun hat. Für mich ist es selbstverständlich, dass wir besonders leistungsstarke und<br />

engagierte Absolventen einer Berufsausbildung im Rahmen der Personalentwicklung auch<br />

wissenschaftlich weiter qualifizieren können. Da die Anforderungen in der Arbeitswelt immer<br />

komplexer werden, wird es immer häufiger erforderlich sein, einzelne Bausteine der fachlichen<br />

Weiterqualifizierung in Kooperation mit Hochschulen durchzuführen. Ich will diesen Gedanken heute<br />

nicht vertiefen, denn es geht um Berufsausbildung. Mir ist es aber wichtig, auch diesen Aspekt zu<br />

erwähnen, denn für mich und für BBA endet Bildung nicht mit dem Abschluss einer Ausbildung,<br />

sondern sie ist Bestanteil unseres gesamten Lebens.<br />

Für das Ziel einer Etablierung von Berufsausbildung nach dem dualen Prinzip brauchen wir einen<br />

langen Atem, zumal Bildungsprozesse meistens erst langfristig Wirkung zeigen. Wir sind bei BBA<br />

davon überzeugt, dass wir mit unserer langfristigen Strategie sehr gut aufgestellt sind, um dauerhaft<br />

erfolgreich zu sein. Selbstverständlich müssen wir mit einer Vielzahl von Instrumenten arbeiten, um<br />

Mitarbeiter zu gewinnen und zu halten. Daher sind unsere Qualifizierungsprogramme unterschiedlich<br />

lang und richten sich an unterschiedliche Zielgruppen. Dabei wünsche ich mir, dass wir mit unserem<br />

Beispiel insbesondere im Bereich der Berufsbildung viele Mitstreiter gewinnen; denn das Potenzial,<br />

das die chinesische Jugend bietet, werden wir sicherlich nicht als einzelnes Unternehmen entwickeln<br />

können.<br />

Visionen werden aber nur wahr, wenn wir pragmatisch, konsequent und überzeugend daran arbeiten.<br />

Ich wünsche mir, dass wir, dass BBA dafür viele aktive Mitstreiter gewinnt.<br />

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.<br />

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