in Stadtpolitiken in Deutschland und Frankreich - Institut für ...

quartiersforschung.de

in Stadtpolitiken in Deutschland und Frankreich - Institut für ...

„Kulturelle Differenzierungen“ in quartiersbezogenen

Stadtpolitiken in Deutschland und Frankreich

Eine Analyse politischer Logiken

Präsentation im Rahmen des Jahrestreffens 2011 des AK Quartiersforschung

- Migration und Integration im Quartier -

Dipl.-Geogr. Florian Weber

Institut für Geographie, FAU Erlangen-Nürnberg

Kochstr. 4/4, 91052 Erlangen

florian.weber@geographie.uni-erlangen.de

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Ausgangspunkt

- 1999: Förderbeginn Soziale Stadt in

Deutschland

- 1970er Jahre: Anfang der politique de la ville

in Frankreich

Übergreifende

Logik:

quartiersbezogener

Ansatz

weitere Übereinstimmung:

vielfach Quartiere als solche mit hohem „Migrantenanteil“ beschrieben

in Deutschland:

Migrant_innen als Zielgruppe

in Frankreich:

Migrant_innen offiziell nicht

erfasst

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Ansatz des Forschungsinteresses und Aufbau des Vortrags

Wie werden in den beiden Stadtpolitiken „kulturelle

Differenzierungen“ „problematisiert“?

Weichen die beiden Stadtpolitiken tatsächlich so weit

voneinander ab oder zeigen sich doch übergreifende Logiken?

Vorgehen:

- Problematisierungsbegriff in Anlehnung an Michel Foucault

- Diskurstheorie von Ernesto Laclau und Chantal Mouffe

- Vorstellung des Untersuchungsdesigns

- zentrale Ergebnisse des deutsch-französischen Vergleichs

- Zwischenfazit

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Theoretische Perspektive und Operationalisierung

Problematisierungsbegriff in Anlehnung an Michel Foucault:

- Konzeptionalisierung des (politisch) Erfassten

- bewirkt spezifische Art und Weise, zu reagieren bestimmte

Bearbeitungen werden nahe gelegt

Diskurstheorie von Ernesto Laclau und Chantal Mouffe:

- Vorstellung fester, abgeschlossener Strukturen wird zurückgewiesen

- Fixierung von Bedeutung durch Wiederholung und Reproduktion

- Diskurs = temporäre Bedeutungsfixierung

- Knotenpunkte festigen Bedeutungen relational

- hegemoniale Diskurse = Diskurse, deren Konstruktionscharakter in

Vergessenheit geraten ist

- Argumentationsmuster und Widersprüchlichkeiten in den politischen

Logiken können herausgearbeitet werden

Operationalisierung: Analyse narrativer Muster

- Regelmäßigkeiten in der Erzählstruktur aufdecken

- qualitative Zusammenhänge sichtbar machen

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Untersuchungsdesign

A) Dokumentenkorpus

Erfassung der Grundausrichtungen und Leitlinien der Stadtpolitiken

+

B) Korpus aus Interviews mit Mitarbeitern der Stadtpolitiken

Erfassung von umgesetzten Maßnahmen und aktuellem Vorgehen

Blick auf unterschiedliche administrative Ebenen

mehrere Fallstudien in Deutschland und Frankreich

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Ergebnisdarstellung: nationale Ebene – Deutschland

Explizite Problematisierungen „kultureller Differenzierungen“ in der Sozialen

Stadt in Deutschland auf nationaler Ebene:

- Soziale Stadt: enge Koppelung an Migrant_innen

- „Integration“ als Maßnahmenschwerpunkt fest verankert

- enge Koppelung an den gesamtgesellschaftlichen Bedeutungsgewinn von

„Integration“

- territoriales Integrationsmanagement

- „kulturelle Differenzierungen“ in verschiedenen Maßnahmen, beispielsweise:

„Ich denke, eins, was sehr erfolgreich ist und was sicherlich auch wichtig

ist, ist, dass man Migrantinnen und Migranten selbst stärkt […], dass die

qualifiziert werden, dass die auch so ne Art Multiplikatorenfunktion in ihre

eigene community hinein übernehmen.“

- „Integration“ als hegemonial gewordener Knotenpunkt

Mitarbeiterinnen des BMVBS, September 2010

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Ergebnisdarstellung: nationale Ebene – Frankreich

Dominanz impliziter Problematisierungen in der politique de la ville in

Frankreich auf nationaler Ebene:

- Grundlogik: territoriale Ungleichheiten beseitigen, Migrant_innen offiziell

kein Kriterium

- Gebiete der Stadtpolitik vielfach als solche mit hohem Migrantenanteil

- Migrant_innen geknüpft an Probleme und Ressourcen

- „Integration“ in Frankreich primär außerhalb der politique de la ville

behandelt: Integrationsvertrag und Maßnahmen der Behörde Acsé

- aber auch innerhalb der politique de la ville Problematisierung „kultureller

Differenzierungen“, allerdings Dominanz impliziter Problematisierungen

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Ergebnisdarstellung: nationale Ebene – Frankreich

Dominanz impliziter Problematisierungen in der politique de la ville in

Frankreich auf nationaler Ebene:

- mögliches Aufbrechen:

„Also wird man diese Trennlinie zwischen Integration, spezifisch behandelt

auf der einen Seite, und politique de la ville auf der anderen Seite

wahren? Also ich habe Zweifel daran, da ich finde, dass die politique de la

ville auch ein Ziel der Integration von Bevölkerungsgruppen hat.“

Leitender Mitarbeiter des SG-CIV, November 2010

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Ergebnisdarstellung: lokale Ebene – Deutschland

Dezidierte Problematisierungen „kultureller Differenzierungen“ in der

Sozialen Stadt in Darmstadt:

- Quartiere Eberstadt-Süd und Kranichstein in Darmstadt als solche mit

hohem Migrantenanteil, spezifischen Problemen, aber auch Ressourcen

beschrieben

- hegemoniale Verfestigung Soziale Stadt und Integration

- zeigt sich auch in den umgesetzten Maßnahmen

- Beispiel des Quartiermanagements:

„Also ich kann durchaus sagen, wenn man jetzt nur die Bewohnerarbeit

sieht, dann arbeite ich in 80% der Zeit mit unterschiedlichen Gruppen von

eingewanderten Menschen zusammen und das Thema Integration ist im

Fokus.“

Mitarbeiterinn des Quartiermanagements Kranichstein, Oktober 2010

- nationale Argumentationsmuster setzen sich auf lokaler Ebene fort

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Ergebnisdarstellung: lokale Ebene – Frankreich

Explizite Problematisierungen „kultureller Differenzierungen“ in der

politique de la ville in Bondy:

- Migrant_innen explizit mit bestimmten Problemen und Ressourcen

verknüpft

- werden direkt handlungsrelevant, beispielsweise im aktuellen Stadtvertrag

- „Integration“ als transversale Herausforderung/Zielsetzung

- explizite Fördermaßnahmen

- Legitimation über pragmatisches Vorgehen auf lokaler Ebene:

„Ich denke, dass man in jedem Fall, je mehr man sich dem Gebiet

annähert, pragmatisch sein muss.“

Projektleiterin des CUCS, Oktober 2008

Abgrenzung von der nationalen Ebene, wo das Thema als stark „tabuisiert“

bezeichnet wird

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Zwischenfazit

Blick auf die nationale Ebene:

- vermeintliche Unterschiede schienen sich zunächst zu bestätigen

- Soziale Stadt: „Integration“ als Maßnahmenschwerpunkt

- politique de la ville: primär implizite Problematisierungen, aber auch

mögliches Aufbrechen

deutlich anderes Bild auf der lokalen Ebene:

- Soziale Stadt in Darmstadt: Reproduktion nationaler Argumentationsmuster

- Politique de la ville in Bondy: Bruch zur nationalen Ebene, da eine explizite

Berücksichtigung von Migrant_innen erfolgt

transnationale Übereinstimmungen, die nicht zu erwarten gewesen wären

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