Luigi Pantisano - Arbeitskreis Quartiersforschung

quartiersforschung.de

Luigi Pantisano - Arbeitskreis Quartiersforschung

Ältere Migranten_innen

im Stadtquartier

Eine Fallstudie auf der Grundlage von drei Modellvorhaben

des ExWoSt-Forschungsfeldes ‚Innovationen für familienund

altengerechte Stadtquartiere‘

Prof. Dr. Johann Jessen | Prof. Dr. Tilman Harlander | Prof. Wolfgang Schwinge

Universität Stuttgart | Fakultät für Architektur und Stadtplanung

Städtebau-Institut

Fachgebiet Grundlagen der Orts- und Regionalplanung

Luigi Pantisano

Diplomarbeit SS 2008 Oktober 2008


2

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis

I Einführung 7

II Ältere Migranten_innen: 13

Begriffe, Fakten, Stadtbezüge

1 Begriffsbestimmungen 13

1.1 Bevölkerung

1.2 Bezeichnungen

2 Phasen der Migration nach Deutschland 16

2.1 Anwerbeabkommen von 1955 bis 1973

2.2 Migration von 1980 bis 2000

3 Lebenslage der älteren Migranten_innen 20

3.1 Demografische Daten

3.2 Ökonomische Situation

3.3 Gesundheitliche Lage

3.4 Wohnsituation

4 Ältere Migranten_innen in der Stadt 25

4.1 Ethnische Kolonie

4.2 Transmigration

5 Bisherige Lösungsansätze 28

5.1 Soziale Handlungsempfehlungen

5.2 Innovative Stadtprojekte

6 Zusammenfassung 34

III Untersuchungsräume 37

und Methode

1 Stadtquartiere für Jung und Alt 37

1.1 ExWoSt-Forschungsfeld ‚Innovationen für

familien- und altengerechte Stadtquartiere‘

1.2 Forschungsleitfragen: Stadtquartiere für

ältere Migranten_innen

2 Auswahl der Fallstudien 39

2.1 Methode des Auswahlverfahrens

2.2 Statistische Auswertung der

27 Modellvorhaben

2.3 Auswahl der drei Modellvorhaben

3 Gespräche und Befragungen 45

4 Zusammenfassung 47

IV A Fallstudie

Neue Vahr Nord, Bremen

XX

1 Städtebauliche Bestandsanalyse XX

2 Ältere Migranten_innen in der XX

Neuen Vahr Nord

2.1 Lebenslage

2.2 Bezug zum Stadtquartier

2.3 Verhältnis zur Deutschen Gesellschaft

3 ExWoSt – IFAS Modellvorhaben XX

3.1 Familien- und Quartierszentrum

3.2 Bürgerbeteiligungsverfahren

3.3 Angebote im Familien- und

Quartierszentrum

3.4 Infrastrukturelle Versorgung

3.5 Wechselbeziehungen

4 Bewertung der Fallstudien XX

4.1 Städtebauliche Situation der

Neuen Vahr Nord

4.2 Umsetzung des Familien- und

Quartierszentrum

4.3 Lebenslage der älteren Migranten_innen

5 Handlungsempfehlungen XX

5.1 ‚Gemeinschaftseinrichtungen im

Quartier‘ für ältere Migranten_innen

5.2 Infrastruktur und Wohnen


Inhaltsverzeichnis 3

IV B Fallstudie Nauener Platz,

Berlin

XX

1 Städtebauliche Bestandsanalyse XX

2 Ältere Migranten_innen im XX

Stadtquartier Nauener Platz

2.1 Lebenslage

2.2 Bezug zum Stadtquartier

2.3 Verhältnis zur Deutschen Gesellschaft

3 ExWoSt – IFAS Modellvorhaben XX

3.1 Nauener Platz – Umgestaltung für

Jung und Alt

3.2 Bürgerbeteiligungsverfahren

3.3 Umgestaltung des Nauener Platzes

3.4 Urbane Freiräume im Stadtquartier

Nauener Platz

3.5 Wechselbeziehungen

4 Bewertung der Fallstudien XXX

4.1 Städtebauliche Situation des

Stadtquartiers Nauener Platz

4.2 Umbau des Nauener Platzes

4.3 Lebenslage der älteren

Migranten_innen

5 Handlungsempfehlungen XXX

5.1 ‚Gestaltung urbaner Freiräume‘ für

ältere Migranten_innen

5.2 Gemeinschaftseinrichtung

2 Ältere Migranten_innen in XXX

der Pfingstweide

2.1 Lebenslage

2.2 Bezug zum Stadtquartier

2.3 Verhältnis zur Deutschen Gesellschaft

3 ExWoSt – IFAS Modellvorhaben XXX

3.1 Allengerechtes Wohnen im

Haus NOAH

3.2 Bürgerbeteiligungsverfahren

3.3 Angebote im Haus NOAH

3.4 Wohnsituation in der Pfingstweide

3.5 Wechselbeziehungen

4 Bewertung der Fallstudien XXX

4.1 Städtebauliche Situation in

der Pfingstweide

4.2 Umbau des ‚Allengerechten Wohnen –

Haus NOAH‘

4.3 Lebenslage der älteren Migranten_innen

5 Handlungsempfehlungen XXX

5.1 ‚Attraktives Wohnen im Quartier‘ für ältere

Migranten_innen

5.2 Gemeinschaftseinrichtung und Freiraum

V Leitlinien XXX

Resümee

Dank

XXX

XX

IV C Fallstudie Pfingstweide,

Ludwigshafen

1 Städtebauliche Bestandsanalyse XXX

Quellenverzeichnis

Anhang

Eidesstattliche Erklärung

XXX

XXX

XX


I Einführung

„Wir riefen Arbeitskräfte und es kamen Menschen“

Max Frisch

Zielsetzung und Vorgehensweise

Der Millionste Gastarbeiter der Bundesre

pu blik Deutschland wurde am 10.9.1964

am Köln-Deutzer Bahnhof von Bürgern und

Journalisten feierlich begrüßt und als Geschenk

überreichte man ihm ein Moped

(Meier-Braun 2006: 204). Diese Einreise als

Gastarbeiter_in wurde dank der ersten ‚Vereinbarung

über die Anwerbung und Vermittlung

von italienischen Arbeitskräften nach

der Bundesrepublik Deutschland’ im Jahr

1955 möglich. In den Folgejahren wurden

weitere Verträge mit Griechenland, Spanien,

Portugal, Marokko und der Türkei unterzeichnet.

Insgesamt kamen im Zuge der

Anwerbeabkommen 14 Millionen Ausländer _

innen zum Arbeiten in die Bundesrepublik.

Vor allem die männlichen Gast ar beiter waren

nicht lange allein, da die zurückgebliebenen

Familien ihnen nach Deutschland folgten.

Eine schwere Wirtschaftskrise und die stetig

steigende Anzahl an Arbeitsmigranten_

innen veranlasste Deutschland im Jahr

1973 zu einem absoluten Anwerbestopp

mit den oben genannten Staaten. Dieser

radikale Bruch macht deutlich, was die

politische Führung schon länger befürchtete:

die hier lebenden Ausländer_innen

richteten sich auf einen langen Aufenthalt

in Deutschland ein.

Es vergingen mehr als 30 Jahre seit dem

Anwerbestop bis die Bundesrepublik

Deutschland im Jahr 2005 in dem neuen

Zuwanderungsgesetz das Eingeständnis

schrieb: „Deutschland ist ein Einwanderungsland“.

Zeitgleich veröffentlichte das Statistische

Bundesamt die Ergebnisse des

Mikrozensus 2005. Hier werden erstmalig


6

Einführung

Zielsetzung und Vorgehensweise

25

1 2

1 Der Millionste Gastarbeiter

am Bahnhof Köln-Deutz

2 Gastarbeiter am

Bahnhof

‚Deutsche mit Migrationshintergrund‘ als

eigenständige Untergruppe eingeführt.

Demnach leben 15,3 Millionen (19% der

Gesamtbevölkerung) Menschen in Deutschland

die einen Migrationshintergrund angeben.

(Statistisches Bundesamt 2006: 75)

Diese hohe Zahl an Migranten_innen ist

eine Entwicklung, welche auf die Anwerbeabkommen

von 1955 bis 1973 zurückgeht.

Aber was geschah seitdem?

Die erste Arbeitsmigration hatte zur Folge,

dass die Gastarbeiter_innen sich in Städten

niederließen, in denen große Industrieunternehmen

ihre Produktionsstätten hatten.

Der Familiennachzug sorgte dafür, dass

sich ethnische Kolonien bildeten, um fern

der Heimat in Schutz und mit Rückhalt der

eigenen Landsleute zu leben. Damit schien

für die meisten eine Integration in Deutschland

unnötig. Warum denn auch? Das

Leben in Deutschland sollte nur vorübergehend

sein bis genügend Geld angespart

war. Mit diesem höheren Wohlstand wollten

die Gastarbeiter_innen in die Heimat zurückkehren.

Der Verdienst der Anfangsjahre

wurde in den Bau von Häusern in der

Heimat investiert, während sie in Deutschland

in bescheidenen Verhältnissen zur

Miete wohnten. Die Gastarbeiter_innen

kehrten aber, anders als gedacht, nicht in

ihre Heimat zurück, sondern blieben. Sie

gründeten in Deutschland ihre Familien,

zogen ihre Kinder groß und mittlerweile

hüten sie schon ihre Enkelkinder.

Die ehemaligen Gastarbeiter_innen und

heutigen älteren Migranten_innen sind bisher

nur am Rande im Blickfeld der Forschung.

Sie werden seit einigen Jahren von

der Migration- und Altersforschung aus

einzelnen Blickwinkeln beleuchtet. Ein Beispiel

hierfür sind die Alten- und Migrationsberichte

im Auftrag der Bundesregierung.

Bisher wurde die besondere Lebenslage,

der Gesundheitszustand und das Wohnverhältnis

der älteren Migranten_innen in

Deutschland untersucht. Ein weiteres

wichtiges Stichwort in der Altersforschung

ist die ‚Rückkehrillusion‘. Die meisten ehemaligen

Gastarbeiter_innen, welche mittlerweile

im Ruhestand sind oder kurz davor


Einführung

Zielsetzung und Vorgehensweise

7

3

4

stehen, hadern fast 50 Jahre nach ihrem

Eintreffen in Deutschland weiterhin mit der

Frage: Zurückkehren oder Bleiben? (Dietzel-

Papakriaou 1993: 10) Dabei zeichnet sich

schon ab, dass sie fern ihres Herkunfts landes

ihren Lebensabend verbringen werden.

Die Beauftragte der Bundesregierung für

Altersfragen hat gemeinsam mit der Arbeiterwohlfahrt,

dem Deutschen Roten Kreuz

und den Diakonischen Werken ein ‚Memorandum

für eine kultursensible Altenhilfe‘

erstellt. Darin wird die interkulturelle

Öffnung in der Ausbildung zur Altenpflege

gefordert. Dies ist notwendig da eine Pflege

innerhalb der Familie, anders als von vielen

älteren Migranten_innen erwartet, ausbleiben

wird. (AKA 2002: 4)

Am Ende des Kalten Krieges und dem Fall

der Berliner Mauer fand in Deutschland

eine Besonderheit in der Migration statt. In

den Jahren 1988 bis 2005 wanderten in

einer großen Zuwanderungswelle über drei

Millionen Menschen mit deutscher Volkszugehörigkeit

aus den ehemaligen Ostblockstaaten

nach Deutschland ein. Im

Juni 1990 trat das ‚Aussiedleraufnahmegesetz‘

(AAG) (BGB1.1990I S.1247) in

Kraft, in dem man den Zuzug der Spätaussiedler_innen

regelte. Die hauptsächlich

aus Russland, Polen und Rumänien

stammende Personengruppe war bis dahin

noch von den Folgen des Zweiten Weltkrieges

betroffen. Die Spätaussiedler_innen

wurden wegen ihrer deutschen Volkszugehörigkeit

erst vertrieben und dann in ihrer

‚neuen Heimat‘ verfolgt. Sie unterscheiden

sich in ihrem Status von den Gastarbeiter_

innen, da man ihnen und ihren Angehörigen

nach Einwanderung und entsprechendem

Antrag die deutsche Staatsangehörigkeit

erteilt. Sie beklagen Benachteiligungen

auf dem Arbeitsmarkt und eine mangelnde

soziale Integration. Sie kamen allerdings

im Vergleich zu den Gastarbeitern_innen

mit einem anderen Ziel in die Bundesrepublik.

Die älteren Menschen mit einem

russischen oder polnischen Migrationshintergrund

möchten bleiben und ihren

Lebensabend hier verbringen. (Koller 1997:

766)

3 Gastarbeiter in Essen

4 Italienische Gastarbeiter


8

Einführung

ExWoSt–IFAS Projektbeschreibung

6

4 5

5 Gastarbeiterinnen

am Band

6 Gastarbeiter vor

Zementwerk

In der aktuellen Stadtplanungsforschung

steht der demographische Wandel, die dadurch

zusätzlich notwendige Zuwanderung

und dessen Folgen für die Städte im Blickfeld.

Die älteren Migranten_innen wurden

in diesem Forschungsfeld bisher wenig untersucht.

Die genannten Fragestellungen

der bisherigen Forschung machen deutlich,

dass die Stadtplanung die Anforderungen

der älteren Migranten_innen in zukünftige

Planungen an ein Stadtquartier mit einbeziehen

muss. Welche Lösungen nötig sind,

wird man erst dann feststellen können.

Meine Diplomarbeit wird auf der Grundlage

des Forschungsfeldes ‚Experimenteller

Wohnungs- und Städtebau – Innovationen

für familien- und altengerechte Stadtquartiere‘

das Thema der älteren Migranten_

innen im Stadtquartier untersuchen.

ExWoSt – IFAS

Projektbeschreibung

Das Forschungsfeld ‚Experimenteller Wohnungs-

und Städtebau‘ (ExWoSt) – ‚Innovationen

für familien- und altengerechte

Stadt quartiere‘ (IFAS) ist im Bundesministerium

für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung

(BMVBS) und des Bundesamtes für Bauwesen

und Raumordnung (BBR) eingebunden.

(BMVBS; BBR 2007: 7) Unter dem Titel

‚Stadtquartiere für Jung und Alt‘ wird das

nachbarschaftliche Zusammenleben von

jungen Familien und älteren Menschen wissenschaftlich

untersucht. Innerstädtische

Quartiere werden durch individuelle Maßnahmen

als Wohnort und Erlebnisraum

wieder lebenswert gestaltet, indem praktische

Beispiele umgesetzt werden. Ziel ist,

die Suburbanisierung zu stoppen und der

Schrumpfung der Städte entgegen zu

wirken.

Mit Hilfe von 27 Modellvorhaben wird das

Forschungsprojekt ‚Stadtquartiere für Jung

und Alt‘ umgesetzt. Jeweils neun Stadt-


Einführung

ExWoSt–IFAS Projektbeschreibung

9

7

8

quartiere sind in drei Themenschwer punkte

unterteilt (BMVBS; BBR 2007: 7):

- ‚Gemeinschaftseinrichtungen im

Quartier – Umbau sozialer Infrastruktur‘

- ‚Gestaltung urbaner Freiräume –

Öffentlicher Raum für alle Generationen‘

- ‚Attraktives Wohnen im Quartier –

Nachbarschaften von Jung und Alt‘

Das Thema „ältere Migranten_innen im

Stadtquartier“ wird anhand der Auswahl

von drei Stadtquartieren aus den 27

Modell vorhaben behandelt. Die Auswahl

erfolgt in mehreren Schritten auf der Basis

von Bevölkerungsdaten, der städtebaulichen

Situation und der Thematiken der

Modellvorhaben.

Die Stadtquartiere werden jeweils im

The men schwerpunkt des Modell vorhabens

bezüglich der Belange der älteren

Migranten_ innen analysiert. Diese Vorgehensweise

ermöglicht es aufzuzeigen, wo

sie eine bedeutende Bevölkerungsgruppe

darstellen. Es wird geklärt, ob die älteren

Migranten_innen bei der Planung der innovativen

Modellvorhaben ‚für Jung und

Alt‘ bedacht wurden. Die Untersuchung

beruht auf einer Bestandsaufnahme, auf

Gesprächen mit Experten_innen und Passantenbefragungen.

Die Stadtquartiere werden

hinsichtlich der entstehenden Fragen

zu älteren Migranten_innen bewertet und

Empfehlungen für weitere Untersuchungen

oder Planungen formuliert.

Basierend auf dem Forschungsstand der

Alters- und Migrationsforschung und den

Fallstudien der drei Modellvorhaben des

ExWoSt-IFAS Forschungsfeldes, werden

als Ziel dieser Diplomarbeit Leitlinien für

den Umgang mit älteren Migranten_innen

im Stadtquartier vorgeschlagen. Diese Diplom

arbeit soll ein Einstieg in das Thema der

„älteren Migranten_innen im Stadtquartier“

sein und weitere Untersuchungen anregen.

7 Gastarbeiter an

Passierstelle

8 Gastarbeiterin am

Bahnhof Köln-Deutz


II Ältere Migranten_innen:

Begriffe, Fakten, Stadtbezüge

„Ich bin aus Deutschland...woher genau?...aus Berlin...ja,

aber woher genau?...aus Kreuzberg...und woher kommen

Deine Eltern?...aus der Türkei...ahh, dann hast Du einen

türkischen Migrationshintergrund!...ja, aber ich bin aus

Deutschland.“

1 Begriffsbestimmungen

1.1 Bevölkerung

Ausländer_innen und Personen mit Migrationshintergrund

Bezeichnungen wie „Ausländer_innen“ und

„Migrationshintergrund“ werden von der

Bevölkerung und Forschern sehr unterschiedlich

verstanden und individuell eingesetzt.

Die Grundlage der hier verwendeten

Bevölkerungsdefinitionen ist der Bericht

des statistischen Bundesamtes: ‚Leben in

Deutsch land – Haushalte, Familien und Gesund

heit, Ergebnisse des Mikrozensus

2005‘. Einige Fragen wurden um den Zusatz

‚mit Migrationshintergrund‘ erweitert, damit

eine bessere Quantifizierung der Gesamtbevölkerung

möglich ist. Zudem finden die

Begriffe ‚Ausländer‘ und ‚Deutsche mit Migrationshintergrund‘

eine ausführliche Erläuterung.

Folgende Be völkerungs gruppen

sind nach „Staatsangehörigkeit und deren

Erwerb unterschieden“: (Statistisches Bundesamt

2006: 73)

1. „Deutsche, die auch früher nie eine an

dere Staatsangehörigkeit besessen

haben“

2. „Deutsche, die – mindestens – eine

weitere Staatsangehörigkeit besitzen“

3. „Ausländer, die keine deutsche

Staatsangehörigkeit besitzen“

4. „eingebürgerte Ausländer ohne weitere

Staatsangehörigkeit“

5. „eingebürgerte Ausländer mit – mindestens

– einer weiteren

Staatsangehörigkeit“

6. „Statusdeutsche und Spätaussiedler,

die nie eine ausländische Staatsangehö

rigkeit besaßen oder die deutsche

Staatsbürgerschaft nicht durch Einbürgerung

erhielten“


12

Ältere Migranten_innen: Begriffe, Fakten, Stadtbezüge

Begriffsbestimmungen

25

9

9 Formen der Zuwanderung

nach Deutschland

Die Menschen in den Gruppen eins und

zwei werden in dieser Arbeit als ‚Deutsche‘

bezeichnet, wenn ihre Eltern keinen Migrationshintergrund

haben, auch dann nicht,

wenn sie selbst eine weitere Staatsangehörigkeit

besitzen. (Statistisches Bundesamt

2006: 74)

Personen in der Gruppe drei werden hier,

wie auch in den Erhebungen vom Mikrozensus,

als ‚Ausländer‘ bezeichnet. Sie gehören

zur Gruppe der ‚Personen mit

Mi gra tionshintergrund‘, sind aber keine

Deutschen. Hier wird differenziert zwischen

‚Zugewanderte Ausländer der ersten Generation‘

und den in ‚Deutschland geborenen

Ausländer_innen der zweiten und

dritten Generation‘. Die Ausländer der ersten

Generation sind im deutschen Sprachgebrauch

ebenfalls als die ehemaligen

‚Gastarbeiter_innen‘ bekannt. (Stati stisches

Bundesamt 2006: 74)

In den Gruppen drei bis sechs werden die

‚Deutschen mit Migrationshintergrund‘ beschrieben.

Diese zeitgerechte und neu eingeführte

Unterscheidung ist wichtig für

zukünftige statistische Erhebungen. Der

im Mikrozensus 2005 eingeführte Faktor

‚Deutsche mit Migrationshintergrund‘ sollte

zum Standard gehören, damit in Zukunft

Einheitlichkeit unter den statistischen

Ämtern der Länder und Kommunen

herrscht. Auf diese Weise werden all diejenigen

Menschen erfasst, die oftmals

Schwierigkeiten mit der sozialen Integration

in Deutschland haben wie die ‚Ausländer_

innen‘. In den Erhebungen der ExWoSt-

IFAS Stadtquartiere ist dies oftmals nicht

der Fall. Im Mikrozensus 2005 wird bei den

‚Deutschen mit Migrationshintergrund‘ zwischen

den ‚zugewanderten‘ und ‚nicht

zugewanderten‘ unterschieden. Bei den

zugewanderten Deutschen mit Migrationshintergrund

handelt es sich um die Spätaussiedler_innen

und den eingebürgerten

zuge wanderten Ausländer_innen. Mit ‚nicht

zuge wanderte Deutsche mit Migrationshintergrund‘

werden die Kinder der Zugewanderten

Spätaussiedler_innen und Aus -

länder_ innen bezeichnet. (Statistisches

Bun desamt 2006: 74)

Ältere Migranten_innen

Die hier verwendete Bezeichnung der ‚älteren

Migranten_innen‘ bezieht sich auf

Personen mit einem Migrationshintergrund

und einem Alter über 65 Jahre. Bei der Differenzierung

in ‚ältere Spätaussiedler_

innen‘ oder ‚ältere Bewohner_innen‘ ohne

oder ‚mit türkischem Migrationshintergrund‘

bezieht sich das ‚ältere‘ ebenfalls

auf Personen über 65 Jahre.


Ältere Migranten_innen: Begriffe, Fakten, Stadtbezüge

Begriffsbestimmungen

13

1.2 Bezeichnungen

Migration

Der Begriff ‚mit Migrationshintergrund‘

wurde im vorigen Abschnitt geklärt. Was

bedeutet aber Migration? Wann wird dieser

Begriff verwendet und welche weiteren

Facetten und Ergänzungen gibt es? Die

Definition im ‚Wörterbuch der Soziologie‘

von Günter Endruweit und Gisela Trommsdorf

lautet: „Migration (...) umschreibt die

beiden Prozesse der Zu-/Einwanderung

(Immigration) und Ab-/Auswanderung

(Emigration), wobei es sich um einen

Wohnortwechsel von relativer Dauer handelt

(also nicht: Pendeln zwischen Arbeitsund

Wohnort, innerörtliche Umzüge,

Rei sen, Tourismus, Vagabundismus, Nomadismus).“

(Nauck 2002: 362)

Von Bedeutung für diese Diplomarbeit ist

die internationale Migration von einem anderen

Staat nach Deutschland. Personen

sind dann als ‚Migraten‘ oder ‚Zuwanderer‘

zu bezeichnen, wenn sie ihren Lebensmittelpunkt

für eine längere Zeitdauer von

einem Staat in einen anderen verlegt

haben. (Zeman 2005: 11) Erwähnenswert

ist, dass der Begriff des ‚Migranten‘ in der

öffentlichen Diskussion problematisch behaftet

ist. Die Gruppe der in Deutschland

lebenden US-Bürger definiert man demnach

nicht als Migranten, obwohl dies auch

auf sie zutrifft. Die kleinere Bevölkerungsgruppe

der Marokkaner_innen wird indes

als typische Migrantengruppe wahrgenommen.

(Zeman 2005: 10)

Transmigration und Kettenmigration

Von Bedeutung in Hinblick der ‚älteren

Migranten_innen im Stadtquartier‘ ist die

‚Transmigration‘: Das Aufrechterhalten von

10

sozialen Beziehungen in mehr als einer Region

und Gesellschaft über einen längeren

Zeitraum.

Mit ‚Kettenmigration‘ wird das Nachwandern

von Mitgliedern eines Dorfes oder

eines Verwandtschaftssystems in den nahen

Umkreis des Aufnahmelandes definiert.

(Nauck 2002: 362)

Integration und Segregation

Der Begriff der Integration wird im öffentlichen

Gebrauch und in der Forschung unterschiedlich

eingesetzt. Integration wird hier

als ein Zustand verstanden, in dem sich

Migranten_innen als vollständiges Mitglied

in der Aufnahmegesellschaft fühlen und

von dieser auch als solches betrachtet

werden. (Zeman 2005: 12) Die Teilnahme

am gesellschaftlichen Leben in einer Stadt

oder einem Quartier, in der eigenen Gruppe

oder darüber hinaus wird als positive ‚soziale

Integration‘ verstanden und ist Ziel vieler

sozialer Integrationsprojekte mit Mi granten_

innen. Die für die Stadtplanung wichtige

‚räumliche Integration‘ wird meist als Gegenteil

der ‚residentiellen Segregation‘ ver-

10 Bevölkerung mit Migrationshintergrund,

2005


14

Ältere Migranten_innen: Begriffe, Fakten, Stadtbezüge

Phasen der Migration nach Deutschland

2 Phasen der Migration nach

Deutschland

2.1 Anwerbeabkommen von

1955 bis 1973

25

11

11 Männergruppe in Köln

standen, aber oft nicht explizit definiert.

Häussermann und Siebel (1998: 28) definieren

Segregation als „die ungleiche Verteilung

der Wohnstandorte verschiedener

sozialer Gruppen im städtischen Raum“.

Dies wird im Sprachgebrauch auch als

‚Ghettoisierung‘ bezeichnet, welches einen

extremen Vergleich mit nordamerikanischen

Verhältnissen impliziert, was aber

bezogen auf Deutschland nicht zutrifft.

(Häussermann/Siebel 1998: 42) Vielmehr

ist die ‚residentielle Segregation‘ ein Zustand,

der durch die Ansiedlung von Arbeitervierteln

in der Nähe von neuen Betrieben

im 19. und 20. Jahrhundert entstanden ist.

Hier wurden Industriearbeiter angesiedelt,

die einer schwachen sozialen Schicht

angehörten. Die während der Anwerbephase

von Gastarbeitern einsetzende Kettenmigration

hat „dazu beigetragen, dass

nationale und ethnische Zuwanderungsminoritäten

in bestimmten Wohnquartieren

überrepräsentiert sind“. (Nauck 2002: 470)

Anwerbephase

Die Geschichte der Migration nach

Deutschland begann im Jahr 1955. Die

erste ausgehandelte „Vereinbarung zwischen

der Regierung der Bundesrepublik

Deutschland

und der Regierung der Italienischen Republik

über die Anwerbung und Vermittlung

von italienischen Arbeitskräften nach der

Bundesrepublik Deutschland“ (Bundesanzeiger

Nr. 11 1956) legte den Grundstein.

Hier wurde die Vermittlung der Arbeitskräfte

aus Italien geregelt und Fragen zur

Anreise, Lohn und zum Familiennachzug

geklärt. Ab dem Jahr 1960 folgten schrittweise

Abkommen mit Griechenland, Spanien,

Türkei, Marokko und abschließend

1964 mit Portugal. (de.wikipedia.org 2008)

Am 10. September 1964 ist der Millionste

Zuwanderer am Köln–Deutzer Bahnhof

ausgestiegen. Der Portugiese Armando

Rodrigues de Sa erhielt als Willkommensgeschenk

ein Moped überreicht. Politiker,

Journalisten und Bürger der Stadt feierten

diesen Tag gemeinsam. Die Zahl der Arbeitsmigranten

war zunächst auf wenige Hunderttausend

festgelegt, aber der anhaltende

Wirtschaftsboom und der Arbeitskräftemangel

ließ diese Zahl stetig steigen. Bereits

1970 lebten 1,95 Mio. Arbeitsmigranten_

innen mit ihren nachgezogenen Verwandten

und Bekannten in Deutschland. (Spiegel

Magazin 1970: 51) Städte und Industrie-


Ältere Migranten_innen: Begriffe, Fakten, Stadtbezüge

Phasen der Migration nach Deutschland

15

betriebe errichteten für ihre neuen Arbeiter_

innen ganze Stadtquartiere in unmittelbarer

Nähe der Produktions stätten. Die prekären

Zustände der Wohnbaracken störte die wenigsten.

Warum denn auch? Das verdiente

Geld wurde nicht in Deutschland ausgegeben,

sondern in der fernen Heimat zum Beispiel

in den Bau von Häusern investiert. Das

erwünschte Ziel der Gastarbeiter_innen war,

bei der Rückkehr ins Heimatland in einem

höheren Wohlstand als bei der Abreise zu

leben. (Dietzel-Papakriaou: 97)

Integration erwünscht?

In der Anfangsphase der Zuwanderung bemühten

sich öffentliche Stellen gemeinsam

mit ehrenamtlich aktiven Bürgern um die

Belange der zumeist jungen Männer. Es

wurden Feste organisiert, deutsches Essen

angeboten und der Kontakt gesucht. Eine

weitere Hilfe bestand darin, an Supermärkten

und bei Behörden mit mehrsprachigen

Broschüren oder gar Bewohner_innen

beim übersetzen zu helfen. Die jungen Migranten

sollten sich willkommen fühlen in

ihrem neuen Zuhause. (Spiegel Magazin

1970: 51)

Weite Teile der deutschen Bevölkerung reagierten

weniger euphorisch auf die Aufbauhilfe

von außen. Die Sorge galt anfangs

vor allem den deutschen Frauen und den

möglichen Belästigungen durch die vielen

ausländischen Männer. Der Bürgerverein

einer süddeutschen Kleinstadt protestierte

über die Ansiedlung von 420 türkischen

Gastarbeitern: „420 Junggesellen in engster

Nachbarschaft mit nur 75 deutschen

Familien halten wir für eine große Gefahr.“

(Spiegel 1970: 52) Zu einer Ausländerfeindlichen

Stimmung trugen auch Äußerungen

der damaligen politischen Führung bei.

12

Schon 1964 erklärte Bundeskanzler Erhardt

„auf Gastarbeiter könne verzichtet werden,

wenn jeder Deutsche eine Stunde länger arbeiten

würde.“ (Thränhardt 2002: 2) Als im

Jahr 1973 die Anwerbung von Gastarbeiter_

innen aufgrund erster Arbeitslosenzahlen

gestoppt wurde, lebten 3,5 Millionen ausländische

Bürger_innen in der Bundesrepublik.

(Thränhardt 2002: 4)

In den Folgejahren wurden viele Kampagnen

durch konservative Politiker gestartet,

um die Zahl der Ausländer in Deutschland

zu verringern. Der Baden-Württembergische

Ministerpräsident Filbinger forderte Ende

der siebziger Jahre eine „freiwillige Rotation“,

um „junge, frische Gastarbeiter_innen

zu bekommen“. (Thränhardt 2002: 4)

12 Türkische Gastarbeiter

in ihrer Wohnbaracke


16

Ältere Migranten_innen: Begriffe, Fakten, Stadtbezüge

Phasen der Migration nach Deutschland

25

13 25

14

13 Asylantragsteller in der

Bundesrepublik

Deutschland nach

Herkunfts ländern

von 1990 bis 2006

14 Asylantragsteller

2.2 Migration von 1980 bis

2000

Asyl

In den 1980er und 1990er Jahren flohen

viele unter Verfolgung oder Krieg leidende

Menschen nach Deutschland. Die Zahl der

Flüchtlinge stieg mit Beginn des ersten

Golfkrieges im Irak und dem später folgenden

Jugoslawienkrieg im Jahr 1992 bis

auf 450.000 Menschen an. Bis dahin kamen

jährlich rund 100.000 Asylbewerber nach

Deutschland (Statistisches Bundesamt

2006). Das Recht auf Asyl war im Grundgesetzartikel

16 garantiert: „Politisch Verfolgte

genießen Asylrecht“. Aufgrund von

gezielt geführten Antiasyl-Kampagnen in

der Boulevardpresse und einer hitzig geführten

Diskussion in der Politik kam es zu

dem bekannten „Asylkompromiss“ im Jahr

1992 zwischen den Fraktionen der CDU/

CSU, FDP und der SPD. Das in der Verfassung

festgeschriebene Asylrecht wurde

begrenzt mit der Möglichkeit Asylsuchende

an Drittstaaten der Europäischen Union

abschieben zu können. Einen traurigen

Höhepunkt und ein Ende der fremdenfeindlichen

Welle wurde mit dem rechtsextremistischen

Mordanschlag von Solingen

erreicht. Hier starben fünf türkische Bewohner

eines Mietshauses in der westdeutschen

Stadt Solingen. Im Jahr 2006 betrug die

Zahl der Asylanträge noch 30.100 von

denen 251 (0,8 Prozent) anerkannt und

bewilligt wurden. (Statistisches Bundesamt

2007: 48)

Spätaussiedler_innen

Das Ende des Kalten Krieges zwischen den

NATO Staaten und dem Ostblock und der

darauf folgende Mauerfall in Berlin führte

zu einer neuen Zuwanderungswelle. Nach

dem zweiten Weltkrieg wurden viele

deutschstämmige Bürger in den ehemaligen

Ostblock-Staaten für den deutschen

Krieg zur Verantwortung gezogen. Viele

wurden umgesiedelt oder mussten fortan

unter schwierigen Verhältnissen leben. Die

Abwanderung oder Einreise nach Deutschland

genehmigten ihnen die jeweiligen

Staaten selten und versuchten sie eher

daran zu hindern. Mit dem Beginn der poli-


Ältere Migranten_innen: Begriffe, Fakten, Stadtbezüge

Phasen der Migration nach Deutschland

17

15

tischen Liberalisierung einiger Ostblock-

Staaten und der Unterzeichnung von

Abkommen mit Deutschland wurden die

Reisebedingungen am Ende der 1980er

Jahre gelockert. Kamen 1987 erst 78.523

Spätaussiedler_innen nach Deutschland

waren es 1990 schon 397.073. Während in

den ersten Jahren eine Einreise nach

Deutschland ohne Einschränkungen möglich

war, mussten einwanderungswillige Spätaussiedler

einen Aufnahmeantrag im Herkunftsland

stellen. Im Jahre 1993 sah sich

die Bundesregierung dann gezwungen das

Bundesvertriebenengesetz neu zu verabschieden,

in welchem eine Begrenzung der

aufzunehmenden Spätaussiedler_innen auf

100.000 Personen jährlich festgesetzt wurde.

Fortan durften nur noch deutschstämmige

Bürger aus der ehemaligen Sowjetunion

nach Deutschland übersiedeln. Bis dahin

wanderten zu gleichen Anteilen Bürger aus

Polen und Rumänien ein. Im Jahr 1996

stammen 97 Prozent der einreisenden

Spätaussiedler_innen aus der ehemaligen

Sowjetunion. (Koller 1997: 767, Statistisches

Bundesamt 2007: 63)

Integration erwünscht?

Die Integration der Spätaussiedler_innen

in Deutschland war und ist eine andere

Aufgabe als für andere Migranten_innen.

Sie erhalten bei der Einreise und der Bestätigung

ihres Aussiedlerstatus die deutsche

Staatsbürgerschaft. Trotz finanzierter

Sprach kurse schien eine Integrationsförderung

nicht notwendig, da man sie statistisch

als Deutsche erfasste. Doch sie

empfinden ihr Leben in der Bundesrepublik

ungeachtet ihrer deutschen Identität

als ein Leben in der Fremde. Gründe

hierfür sind die oftmals fehlende Anerkennung

von Berufsqualifikationen zum Beispiel

bei Akademikern und eine geringe

Sprachkenntnis. Eine zwingende Bedingung

bei der Genehmigung einer Übersiedlung

aus den Ostblock-Staaten nach

Deutschland in den 1950er bis 1980er

Jahren war die „Ausreise zum Zweck der

Familienzusammenführung“ (Koller 1997:

772). Dies führte zu einer starken Konzentration

der Spätaussiedler_innen in bestimmten

Regionen Deutschlands und zur

Segregation in vielen Städten.

15 Zuzug von Spätaussiedler_

innen und ihrer Familienangehörigen

in die Bundesrepublik

Deutschland nach

Herkunftsländern von 1985

bis 2006


18

Ältere Migranten_innen: Begriffe, Fakten, Stadtbezüge

Lebenslage der älteren Migranten_innen

25

16

16 Personen mit Migrationshintergrund

in der Bundesrepublik

Deutschand im

Jahr 2005

3 Lebenslage der älteren

Migranten_innen

3.1 Demografische Daten

Allgemein

Die älteren Migranten_innen sind zunächst

ältere Menschen wie ihre deutschen Altersgenossen.

Sie stehen im Übergang zum

Rentenalter oder sind schon in Rente. Der

Beginn dieser neuen Lebensphase erweist

sich für viele als große Lebensumstellung.

Rentner_innen müssen lernen fern ihrer Arbeitsstätte

mit ihrem Alltag umzugehen.

Die bisherige Alters- und Migrationsforschung

zeigt trotz vieler Gemeinsamkeiten

große Differenzen zwischen den zwei Bevölkerungsgruppen

auf. Die ökonomische

Lage der älteren Migranten_innen ist

schlechter als bei den gleichaltrigen Deutschen.

Ihre Wohnsituation ist hiervon beispielsweise

geprägt, da viele noch heute

im Vergleich in kleinen Wohnungen leben.

Die schwierigen Arbeitsbedingungen während

der Anwerbephase haben aber auch

die Gesundheit der älteren Migranten_

innen besonders negativ beeinträchtigt.

Die Freundschaften zur deutschen Bevölkerung

beschränkten sich auf Kontakte mit

Arbeitskollegen im jeweiligen Betrieb, welche

im Rentenalter meist abbrechen. Einen

Rückhalt kann den älteren Migranten_innen

die Solidarität und Hilfe der eigenen Familie

bieten. Diese Nähe zur Familie ist aber

nicht mehr selbstverständlich. Die Lebensplanung

der Kinder ist nicht immer mit dem

Altern der Eltern vereinbar. Die traditionellen

Erwartungen der älteren Migranten_

innen lassen sich kaum mit dem Leben der

jungen Generation in einer modernen

Gesell schaft vereinbaren. Oftmals führt

dies zu Zerrissenheit und Enttäuschung.

Die älteren Migranten_innen sind trotz vieler

Ähnlichkeiten keine homogene Gruppe.

Die ethnischen und kulturelle Unterschiede

sind groß. Ältere Migranten_innen aus der

EU haben andere Anforderungen, als ältere

Türken_innen und diese wiederum andere

als die älteren Spätaussiedler_innen.

(Zeman 2005: 57)

Demographische Daten über die älteren

Migranten_innen in Deutschland sind nur

beschränkt vorhanden. Noch im Jahr 2005

weist Zeman in der Expertise ‚Ältere Migranten

in Deutschland‘ auf die schlechte

Datenlage hin. (Zeman 2005: 7) Im selben

Jahr änderte sich dies mit der Veröffentlichung

des Mikrozensus 2005. Die daraus

resultierenden Ergebnisse bilden die statistische

Grundlage für diese Diplomarbeit.

Im Jahr 2005 lebten in der Bundesrepublik

insgesamt 7,3 Millionen Ausländer_innen,

entsprechend 9 Prozent der Gesamtbevölkerung.

Hinzu kommen nun 8,0 Millionen


Ältere Migranten_innen: Begriffe, Fakten, Stadtbezüge

Lebenslage der älteren Migranten_innen

19

17 18

Personen mit Migrationshintergrund, welche

bisher in den Statistiken als Deutsche

galten. Somit lebten im Jahr 2005 15,3 Millionen

Personen mit Migrationshintergrund

in Deutschland, was 19 Prozent der Gesamtbevölkerung

entspricht. (Statistisches

Bundesamt 2006: 75)

Alter

In Deutschland leben 1,2 Millionen ältere

Migranten_innen mit einem Alter über 65

Jahren. Bei den 45 - 65 jährigen Migranten_

innen liegt der Anteil bei 3,3 Millionen. Es

ist nicht abzusehen, wieviele Migranten_

innen aus der jüngeren Altersgruppe weiterhin

im hohen Alter in der Bundesrepublik

verbleiben, aber sicher ist, dass die Anzahl

der älteren Migranten_innen in den nächsten

Jahren stetig steigen wird. Prognosen

gehen davon aus, dass im Jahr 2010 von

der Gesamtbevölkerung 1,3 Millionen Menschen

60 Jahre und älter sein werden. Im

Jahr 2020 soll ihre Anzahl auf 1,99 Millionen

und im Jahr 2030 bis auf 2,85 Millionen

ansteigen. (Grieger 2005: 15) Der

geschlechtliche Anteil unter den älteren

Migranten_innen beträgt bei Frauen und

Männern jeweils rund 50 Prozent. Im Gegensatz

dazu ist dieser bei den älteren

deutschen Frauen ab 65 Jahren bei 58,5

Prozent. Der höhere Prozentsatz an Männern

unter den älteren Migranten_innen

kann eine Folge der Vorselektion von jungen

und gesunden Männern während der

Anwerbephase sein. (Statistisches Bundesamt

2006: 77)

Herkunftsländer

Die Herkunftsländer der älteren Migranten_

innen lassen sich mit den Daten des Mikrozensus

nicht mehr definieren. Hier kann

man einzig auf die Daten der ausländischen

Bevölkerung zurückgreifen. Die verfügbaren

Daten gehen auf Erhebungen des Statistischen

Bundesamtes 2003 und der

Beauftragten der Bundesregierung für Migration,

Flüchtlinge und Integration zurück.

Die größten Gruppen an über 60 jährigen

Ausländer_innen bilden die Bürger aus den

ehemaligen Anwerbestaaten. Aus dem

ehemaligen Jugoslawien kommen 35,3

Prozent der über 60 jährigen, aus Spanien

17 Alterspyramide 2005 nach

Migrationserfahrung,

Ausländer und Deutsche

18 Alterspyramide 2005 nach

Migrationserfahrung,

Personen mit Migrationshintergrund


20

Ältere Migranten_innen: Begriffe, Fakten, Stadtbezüge

Lebenslage der älteren Migranten_innen

25

19,8 Prozent, aus Griechenland 15,5 Prozent,

aus Italien 12,1 Prozent und je 10,2

Prozent aus der Türkei und Portugal. Eine

Angabe zum Alter der älteren Spätaussiedler

_innen in der Bundesrepublik ist

bisher nicht vorhanden. (Zeman 2005: 23)

(siehe Anhang)

3.2 Ökonomische Situation

Allgemein

Die Rentenhöhe für Arbeiter_innen richtet

sich nach der Beitragshöhe während der

Erwerbszeit. Bei älteren Migranten_innen,

führt dieses System zu kleineren Renten,

da sie meist eine kürzere Erwerbstätigkeit

nachweisen. Zudem waren sie häufiger arbeitslos

und Empfänger_innen von Sozialhilfe.

Im Jahr 2003 lag laut so zio ökonomischem

Panel das Durchschnittseinkommen eines

über 60 jährigen Deutschen bei 1470,20

Euro Netto. Vergleichsweise gering sind

hingegen die 1077,60 Euro Nettoeinkommen

gleich altriger Ausländer_innen.

Die Armutsrisikoquote lag bei 32,1 Prozent.

Auch zwischen Migranten_innen aus verschiedenen

Herkunftsländern bestehen

Unterschiede in der Einkommens- und

Rentenhöhe. Das Pro-Kopf-Einkommen

von 60-jährigen Ausländer_innen aus der

Türkei, Griechenland und Ex-Jugoslawien

befand sich deutlich unter dem von älteren

Migranten_innen aus den anderen EU-

Anwerbestaaten. Hinzu kommt, dass ältere

Ausländerinnen aus der Türkei häufig auf

den Unterhalt der Ehegatten oder anderer

Familienangehörigen angewiesen sind.

Daraus folgt eine hohe Armutsquote bei

verwitweten oder geschiedenen türkischen

Migrantinnen. (Zeman 2005: 30; Özcan,

Seifert 2006: 22; Matthäi 2005: 45) (siehe

Anhang)

Vergleich mit älteren Deutschen

Die meisten älteren Migranten_innen haben

trotz ihrer Erwerbstätigkeit kaum Ersparnisse.

Das verdiente Einkommen floss in

den Anfangsjahren in die Heimat zur Unterstützung

der Familie oder in den Bau von

einem Eigenheim. Ihr Ziel war stets die

Rückkehr in die Heimat in einen höheren

Wohlstand. Ein nicht zu unterschätzender

Faktor wurde später die finanzielle Unterstützung

der eigenen Kinder in der Ausbildung,

Studium oder in Zeiten der

Arbeitslosigkeit. Diese Mittel erhalten die

älteren Migranten_innen aufgrund ihrer geringen

Renteneinkommen von ihren Kindern

oftmals als Unterstützung zurück. Die

älteren Migranten_innen sind insgesamt

mit ihrer ökonomischen Situation unzufriedener

als gleichaltrige Deutsche. (Zeman

2005: 57)

3.3 Gesundheitliche Lage

Allgemein

Das Anwerbeabkommen im Jahr 1955 mit

Italien regelte die Auswahl der Arbeiter_

innen auch bezüglich ihrer Gesundheit.

Gewünscht waren junge, starke und gesunde

Männer. Im Vergleich mit der deutschen

Bevölkerung war die Gesundheit der

Migranten_innen über viele Jahre nachweislich

in einem besseren Zustand. Dieser

‚Healthy Migrant effect‘ ist heute nicht

mehr feststellbar. Sie leiden durch die jahrelange

schwere Arbeit an hoher Frühverrentung.

Die Beschäftigung in Betrieben


Ältere Migranten_innen: Begriffe, Fakten, Stadtbezüge

Lebenslage der älteren Migranten_innen

21

der Industrie und Bergbau war verknüpft

mit einer hohen Belastung. Erholungsphasen

waren selten, stattdessen wurden

Überstunden gemacht. Körperlich schwere

Tätigkeiten in Akkordsystemen und im

Schichtverfahren hatten gesundheitliche

Folgen für ihr Muskel- und Skelettsystem.

Nicht selten standen viele zusätzlich unter

Lärm- und Hitzebelastungen, verknüpft mit

der Einatmung von chemischen Stoffen.

Das Verdauungs- und Atmungssystem ist

bei vielen infolge geringer Arbeitsschutzmaßnahmen

angeschlagen. Ein Zusammenhang

zwischen langer Aufenthaltsdauer

in Deutschland und physischen und psychischen

Erkrankungen wird deutlich. Einfache

tägliche Tätigkeiten wie das Tragen

einer Einkaufstasche oder das Laufen einer

Treppe werden für viele zunehmend schwerer.

Eine steigende Anzahl an älteren Migranten_innen

ist heute pflegebedürftig.

(Deutscher Bundestag 2001: 30; Zeman

2005: 36)

Pflegeillusion

Die älteren Migranten_innen sind wie der

größte Teil der älteren Deutschen verheiratet

und leben gemeinsam in einem Haushalt.

Ältere Migranten_innen leben dabei

häufiger gemeinsam mit mehr Personen

oder in Mehrgenerationenhaushalten. Diese

Form des Zusammenlebens ist nicht, wie allgemein

gedacht, die Regel sondern zunehmend

eine Ausnahme. (Zeman 2005: 27)

Sie verlangen Aufnahme und Unterstützung

wie es in ihrer eigenen Kultur üblich

ist. Die Erwartung, in einem gemeinsamen

Haushalt von den eigenen Kindern die nötige

Pflege und Zuwendung im Alter zu

erhalten, wird meist enttäuscht. (Dietzel-

Papakyriakou & Olbermann 1998)

Die familiäre Unterstützung bleibt mehr

Wunsch als Realität. (Zeman 2005: 63)

Viele ältere Migranten_innen im Ruhestand

sind daher auf Pflegedienste angewiesen,

können diese aber aus finanziellen oder

kulturellen Gründen nicht in Anspruch nehmen.

Die Altersforschung plädiert daher seit einigen

Jahren für eine kultursensible Altenhilfe:

Ein Arbeitskreis von mehreren

Verbänden, darunter die Beauftragte der

Bundesregierung für Ausländerfragen, der

AWO-Bundesverband und das Deutsche

Rote Kreuz haben hierzu ein Memorandum

verfasst. Darin wird erkannt, dass in den

nächsten Jahren die Anzahl der älteren

Migranten_innen wachsen wird und eine

interkulturelle Öffnung bei der Pflege stattfinden

muss. Die individuellen Bedürfnisse

von zum Beispiel älteren Türken_innen sollen

schon in die Ausbildung einfließen.

(AKA 2002: 5)

3.4 Wohnsituation

Allgemein

Im Vergleich mit der deutschen Bevölkerung

leben Migranten_innen in kleineren Wohnungen.

Die Angst vieler deutscher Vermieter

vor Ausländern im eigenen Haus

und Diskriminierung auf Seiten der Wohnungsmaklern

ist ein häufig auftretendes

Phänomen. (Gestring, Janßen, Polat 2006)

Ältere Migranten_innen weisen aus diesem

Grund eine längere Wohnortverbundenheit

mit meist höheren Mieten auf, als ältere

deutsche Einwohner_innen. In einer Untersuchung

des Ministeriums für Arbeit und

Sozialordnung im Jahr 1995 wurde festgestellt,

dass 94,1 Prozent der Befragten

25


22

Ältere Migranten_innen: Begriffe, Fakten, Stadtbezüge

Lebenslage der älteren Migranten_innen

19

25

20

19 Anteil der Ausländer_innen

in Deutschen Städten von

1995 bis 2005

20 Räumliche Verteilung von

Ausländer_innen in

Deutschland im Jahr 2005

seit mehr als 15 Jahren in derselben Wohnung

leben. Bei 63,6 Prozent beträgt die

Wohndauer in der selben Wohnung mehr

als 25 Jahre. (Zeman 2005: 40)

Die älteren Migranten_innen hegen wegen

ihrer prekären gesundheitlichen Lage besondere

Wohnansprüche. Kleine Wohnungen

machen eine häusliche Pflege fast

unmöglich. Die Ausstattung der Wohnung

von älteren Migranten_innen ist im Vergleich

zu der deutschen Bevölkerung

schlechter. Bei älteren Migranten_innen

sind Garten, Balkon oder eine Terrasse

eher selten. Älteren Migranten_innen sind

weniger zufrieden mit der eigenen Wohnsituation,

sie leben meist in Miete und in

stigmatisierten Wohnquartiere. Der Besitz

von Wohneigentum wäre hingegen ein Zeichen

für eine lange Aufenthaltsorientierung

und eine größere Zufriedenheit mit der

ei genen Wohnsituation. (Özcan, Seifert

2006: 42)

Räumliche Verteilung in Deutschland

Migranten_innen wohnen in Deutschland

überwiegend in Ballungsräumen, was auf

die Anwerbephase zurückzuführen ist.

Nach Angaben des Mikrozensus 2005

leben 43,5 Prozent der Migranten_innen in

Großstädten mit mehr als 100.000 Einwohner_innen.

Ein Drittel von ihnen lebt in

Kleinstädten bis 20.000 Einwohner_innen.

Im Vergleich lebt die deutsche Bevölkerung

fast zur Hälfte in Kleinstädten. (Statistisches

Bundesamt 2007: 64)

Über 90 Prozent der ausländischen Bevölkerung

verteilt sich auf die westlichen Bundesländer.

1,91 Millionen ausländische

Einwohner_innen waren im Jahr 2006 in

Nordrhein-Westfalen angesiedelt, 1,27 Millionen

in Baden-Württemberg und 1,17

Millionen in Bayern. Das sind je Bundesland

fast 10 Prozent an der Gesamtbevölkerung.

Im Vergleich lebten in Sachsen-Anhalt

46.386 Ausländer_innen, was einem Anteil

von 1,9 Prozent an der Gesamtbevölkerung

entspricht. (Laufende Raumbeobachtung

BBR 2006)


Ältere Migranten_innen: Begriffe, Fakten, Stadtbezüge

Ältere Migranten_innen in der Stadt

23

4 Ältere Migranten_innen in

der Stadt

4.1 Ethnische Kolonie

Kettenmigration

Die ersten Gastarbeiter_innen wanderten

in Regionen mit einer hoher Anzahl an Arbeitsplätzen.

Betriebe aus Industrie und

Bergbau waren im Ruhrgebiet angesiedelt

und wurden zu einem wichtigen Arbeitgeber

für die Gastarbeiter. Als weitere Regionen

sind Stuttgart und München zu

nennen. Hier sorgt die Automobilindustrie

bis heute für hohe Beschäftigungsraten.

Migranten_innen der ersten Generation arbeiten

und leben dieser Tage noch in solchen

Ballungsräumen.

Die anfangs beschränkte Anzahl der Arbeitsmigranten_innen

wurde alsbald nach

Forderungen der Industrie erhöht. Die

Gastarbeiter_innen forderten ihre Verwandten

und Bekannten im Herkunftsland auf

ihnen zu folgen. Der geregelte Familiennachzug

tat ein Übriges dazu. Personen

aus einem engen sozialen Kontext lebten

nun gemeinsam in Deutschland. Oftmals

entstanden sogar Dorfgemeinschaften fern

der Heimat. Während der Anwerbephase

kamen viele solcher Gemeinschaften zustande.

Die Bildung der ethnischen Kolonien

wurden durch negative Erfahrungen

bei der Aufnahme in Deutschland gefestigt.

(Dietzel-Papakyriakou 1993: 90)

Die eigene Gruppe nutzte vielen Migranten_

innen der ersten Generation bei der Bewältigung

von Anfangsschwierigkeiten in

ihrem neuen Aufnahmeland. Hierbei spielte

die psychische Hilfe eine wichtige Funktion.

Heimweh und soziale Sorgen wurden

in der eigenen Gruppe aufgefangen. Die

einzelnen Migranten_innen fühlten sich beschützt.

Ebenso war der Alltag in der

Fremde mit der Verwendung der eigenen

Sprache einfacher. (Dietzel-Papakyriakou

1993: 107)

Bei der Gruppe der Spätaussiedler_innen ist

der Vorgang der Kettenmigration besonders

ausgeprägt. Bis zu der liberalen Öffnung der

Ostblockstaaten war die ‚Familienzusammenführung‘

der einzige Grund, welcher

Spätaussiedler_innen erlaubte nach Deutschland

einzuwandern. Dies führte zu einer gezielten

Kettenmigration, die auch nach

Ende des Kalten Krieges weiter anhielt. In

vielen deutschen Städten haben sich ethnische

Kolonien der Spätaussiedler gebildet,

welche bis heute fortbestehen. (Koller

1997: 772)

Räumliche Struktur der ethnischen Kolonie

In den beschriebenen Kolonien haben sich

mit der Zeit ethnische Infrastrukturen gebildet.

So sind Läden für die Bedürfnisse der

eigenen Gruppe entstanden. Vereine, die

bei Problemen helfen und als Interessenvertreter

fungieren sind keine Seltenheit.

Ebenso entstanden Kulturvereine, um die

eigene Herkunft und Tradition zu erhalten

und diese nach außen zu präsentieren.

Stadtquartiere mit einer ethnischen Kolonie

sind meist auch von sozial benachteiligten

Bevölkerungsgruppen besiedelt. Dies führt

oftmals zur Stigmatisierung des Stadtquartiers

im Gefüge der Stadt. Bezeichnungen

wie ‚Ausländerviertel‘ oder ‚Ghetto‘ drücken

die Sichtweise der restlichen Bevölkerung

aus. (Dietzel-Papakyriakou 1993: 90)


24

Ältere Migranten_innen: Begriffe, Fakten, Stadtbezüge

Ältere Migranten_innen in der Stadt

21

besser Qualifizierte

In der Untersuchung „Altern in der Migration

– Die Arbeitsmigranten vor dem Dilemma:

zurückkehren oder bleiben?“ stellt die Autorin

Maria Dietzel-Papakyriakou ein zirkuläres

Modell der ethnischen Kolonien auf.

Es werden zwei Kreisläufe beschrieben,

bestehend aus einem inneren und einem

äußeren Kern. Die Rückkehrorientierten

Migranten_innen bilden den inneren Kern.

Um diesen inneren Kern bilden sich in „kreisförmigen

Peripherien die anderen Subgruppen

der Ethnie“ (Dietzel-Papakyriakou 1993:

90). Zu diesen Untergruppen gehören diejenigen

Migranten_innen mit Verbleibeabsichten.

Dies sind meist aus Enttäuschung vom

Herkunftsland zurückgekehrte Migranten_

innen die nun mit einer Verbleibeabsicht in

Deutschland bleiben. Am äußeren Rand

des äußeren Kerns leben die besser qualifizierten

Migranten_innen. Diese sind abgelöst

vom ‚inneren Kern‘ und versuchen

den Anschluss an die Aufnahmegesellschaft.

Die zweite Generation der Migranten_innen

befindet sich zunächst im

‚äußeren Kern‘. Entsprechend der gesammelten

Erfahrung entscheidet sich der ‚Aufenthaltsraum‘.

Bei positiver Erfahrung wird

der Weg in die Aufnahmegesellschaft gewählt,

bei negativer kehren sie zurück in

den ‚inneren Kern‘. (Dietzel-Papakyriakou

1993: 90)

21 Zeichnung eines zirkulären

Modells einer ethnischen

Kolonie

Zweite Generation

sucht Erfahrung im

äußeren Bereich

Rückkehrorientiert

Innerer Kern

Verbleibeabsichten

Äußerer Kern

Positive Segregation

In der Altersforschung wird zunächst geäußert,

dass der Versuch einer Integration der

älteren Menschen mit jüngeren Menschen

sich eher negativ auswirkt. Für ältere Menschen

besteht die Gefahr einer Abhängigkeit

von der jungen Generation. Sie

empfinden es als Kontrolle und Zwang sich

an die jungen Menschen in ihrer Umgebung

anzupassen. Es wird empfohlen eine

selbständige Altersgestaltung zu fördern.

Für ältere Migranten_innen ist dies in der

eigenen ethnischen Nachbarschaft möglich.

Hier sind die nötige ethnische Infrastruktur

und die persönlichen Bekanntschaften

in räumlicher Nähe vorhanden. (Dietzel-

Papakyriakou 1993: 120)

Das ‚Insularity-Konzept‘ basiert auf einer

gesellschaftlichen Integration von älteren

Migranten_innen durch Segregation und

Abgrenzung. In der eigenen ethnischen

Kolonie besteht die Möglichkeit eines ei -

gen ständigen Lebens im Alter. Die Integration

der älteren Migranten_innen innerhalb

der eigenen Gruppe ist keine Selbstverständlichkeit

und bedarf der Förderung.

Hierbei spielt die räumliche Entfernung

zwischen Personen mit Migrationserfahrung

eine wichtige Rolle. Die Möglichkeit

zum Austausch mit gleichaltrigen über Migrationsvergangenheit

und Lebenserfahrung

stärkt ihre soziale Integration. Der

Kontakt auf gleicher Augenhöhe wird gestärkt

und eine Binnenintegration gefördert.

In dieser Situation lassen sich ge ringere


Ältere Migranten_innen: Begriffe, Fakten, Stadtbezüge

Ältere Migranten_innen in der Stadt

25

psychische Erkrankungen und bessere

Selbst hilfe bei älteren Migranten_innen

nach weisen. Das individuelle Selbstbild und

das Kompetenz- und Sicherheitsgefühl bleiben

erhalten. Die wichtigste Kompetenz ist

die Überzeugung, selbst noch fähig zu sein,

die eigene Lebenslage verbessern zu können.

(Dietzel-Papakyriakou 1993: 128)

Rückkehrwunsch

Die Herkunftsländer der Arbeitsmigranten_

innen förderten das Bestehen eines Rückkehrwunsches.

Gründe hierfür war die

Mischung aus Fürsorge gegenüber den eigenen

Staatsbürgern, Nationalismus und

ideologische Motive. Ein wichtiger Aspekt

für die Herkunftsländer waren die finanziellen

Transferleistungen der Gastarbeiter mit

denen sie gute Devisenbilanzen erreichten.

Heute hingegen haben die Herkunftsländer

ein geringes Interesse an einer Rückkehr

ihrer älteren Staatsbürger_innen. Alte und

kranke Menschen bedeuten für viele Staaten

hohe Folgekosten, daher sind diese

nicht mehr erwünscht. Die erste Generation

der Migranten_innen pflegt trotz vieler

Jahre fern der Heimat eine große Verbundenheit

zum Herkunftsland. Anzeichen

hierfür sind oft an Häuserfassaden in Städten

zu sehen. Sie haben Satellitenanlagen,

um muttersprachliche Fernsehsender zu

empfangen. So erklärt sich auch nach vielen

Jahren in der Ferne das Interesse am

Tagesgeschehen und an der Politik des

Herkunftslandes. Migranten_innen können

unter bestimmten Bedingungen diese Verbundenheit

mindern. Faktoren für eine Annäherung

an das Aufnahmeland sind ihre

Wohnqualität, Sprachfähigkeiten und bestehende

interethnische Kontakte. Erweisen

sich diese Punkte als schlecht, ist eine

Annäherung an Deutschland unwahrscheinlich.

Die Bindung zum Herkunftsland wird

dann meist verstärkt und eine Integration

schwieriger. (Dietzel-Papakyriakou 1993:

80)

4.2 Transmigration

Pendeln in das Herkunftsland

Die älteren Migranten_innen leben in einem

Dilemma angesichts ihres Rückkehrwunsches.

Schaffen sie die Rückkehr ins Herkunftsland

nicht, sind sie in ihrem Mi grationsziel

gescheitert. Dies zuzugeben fällt

ihnen besonders schwer, da viele Fragen

ungeklärt bleiben. Die emotionale Bindung

an die Heimat, Kindheitserinnerungen, die

errichteten Häuser und das wärmere Klima

verschieben eine endgültige Entscheidung.

Ein Kompromiss stellen jährliche Reisen in

die Heimat dar. Man spricht hier auch von

‚Transmigration‘ oder ‚Pendeln‘. Die älteren

Migranten_innen pendeln mit Erreichen der

Rente zwischen Deutschland und der Heimat,

um zum Beispiel im Sommer die klimatischen

Vorteile zu nutzen. Ein solcher

Aufenthalt kann variieren von zwei bis zu

sechs Monaten. (Zeman 2005: 43) In der

restlichen Zeit leben sie in Deutschland.

Hier genießen sie eine bessere gesundheitliche

und medizinische Versorgung und die

Nähe zu ihren Kindern und Enkelkindern. In

dieser Übergangsphase stellen viele fest,

dass sie mit den Lebensbedingungen in

der Heimat nicht mehr vertraut sind und

Schwierigkeiten haben sich einzuleben.

Eine Entscheidung wird mit dem Pendeln

nur hinaus gezögert. Mit zunehmenden


26

Ältere Migranten_innen: Begriffe, Fakten, Stadtbezüge

Bisherige Lösungsansätze

alters bedingten Krankheiten wird das Pendeln

schwieriger und die Entscheidung fällt

meist von selbst. Die älteren Migranten_

innen bleiben in Deutschland. (Özcan,

Seifert 2006: 69)

5 Bisherige Lösungsansätze

25

22 Migranten_innen in einem

interkulturellen Garten

5.1 Soziale

Handlungsempfehlungen

Die Alters- und Migrationsforschung spricht

Handlungsempfehlungen zum Umgang mit

den älteren Migranten_innen aus. Die

Stadtplanung kann aus einzelnen Empfehlungen

bezüglich des Themas der älteren

Migranten_innen weitere Vorgehensweise

ableiten. Die hier vorgestellten Aspekte

geben erste Anregungen für die Betrachtung

der in Kapitel IV untersuchten Modellvorhaben.

22

Selbsthilfepotenziale und Stärkung der

Kompetenz

Ältere Migranten_innen wurden bisher

unter dem Aspekt ihrer schwierigen Lebenslage

betrachtet. Oftmals wird aber

vergessen, dass sie mit ihrem Akt der Auswanderung

handelten, um ihren Wohlstand

zu erhöhen. Mit Mut und Durchhaltevermögen

haben sie Kompetenzen in einem

fremden Land entwickelt, um ein neues

Leben aufzubauen. Sie verfügen über Erfahrungen

aus zwei oder mehreren Gesellschaften.

Daher darf bei der Betrachtung

von älteren Migranten_innen nicht nur an

die Defizite gedacht werden, sondern auch

an ihre Stärken und Kompetenzen. Diskriminierungen

und Unterbewertungen aus

der Gesellschaft hatten Folgen für ihr

Selbstbild, wodurch sie sich selbst ihrer

Fähigkeiten nicht mehr bewusst waren.

(Olbermann 2003: 14)

Für die älteren Migranten_innen ist die

‚Binnenintegration‘ in der eigenen ethnischen

Kolonie zur Bewältigung des Alltags

und zur Entfaltung von Selbsthilfepotenzialen

wichtig. Das ethnische Umfeld übernimmt

die Vermittlungsfunktion zwischen

den älteren Migranten_innen und den bestehenden

Unterstützungsangeboten im

Stadtquartier. Das ethnische Umfeld gilt es

anzuerkennen und zu fördern, „dass sie ihr

Potenzial als Basis für die Entwicklung weitergehender

Bezüge zur Aufnahmegesellschaft

entfalten können.“ (Olbermann

2003: 15)

Soziale Integration im Freiraum

Der Freiraum spielt für die soziale Integration

eine bedeutsame Rolle. Dieser Aspekt

wird bisher in Bezug auf ältere Migranten_

innen wenig betrachtet. Für Migranten_

innen aus mediterranen Regionen, aus


Ältere Migranten_innen: Begriffe, Fakten, Stadtbezüge

Bisherige Lösungsansätze

27

ärmeren und ethnischen Minderheiten stellt

sich der Freiraum als besonders wichtig

dar. Arbeitsmigranten_innen kommen

meist aus landwirtschaftlichen Regionen

mit großen Familien in großen Häusern.

Das Leben in Wohnungen bedeutet für sie

die Einengung ihrer Bewegungsfreiheit.

Darüber hinaus ist der Freiraum in diesen

Regionen der wesentliche Ort für Begegnung

und Kommunikation. Für die Bevölkerung

in benachteiligten Stadtquartieren

ist der Freiraum ebenso bedeutend.

In ärmeren Nachbarschaften mit hoher Arbeitslosigkeit

verbringen Menschen mehr

Zeit Zuhause vor ihrem Fernseher. Ein geringeres

Einkommen hindert sie daran, sich

frei in der Stadt fortzubewegen. Somit ist

das Stadtquartier, in dem sie viel Zeit verbringen,

umso wichtiger. Eine mögliche

Schnittstelle für ältere Migranten_innen

zwischen Herkunftsland und Deutschland

kann der Garten sein. Dieser ist für viele

eine Erinnerung an die Kindheit. Die Gartenkultur

leistet einen wichtigen Beitrag

gegen Einsamkeit. Hier können multikulturelle

Kontakte unter den Bewohner_innen

eines Stadtquartiers entstehen, die zu einer

besseren Integration führen. (ZiS 2005: 332

ff) Darauf basierend hat sich ein weltweites

Netzwerk gegründet. An dem Projekt ‚Interkulturelle

Gärten - Wurzeln schlagen in

der Fremde‘ sind allein in Deutschland

mittlerweile 59 Gärten beteiligt. (www.stiftung-interkultur.de)

Kultursensible Altenhilfe

Die Heterogenität der älteren Migranten_

innen auf kultureller und sozialer Ebene

benötigt spezifische und vielfältige Wohnangebote.

Das einzig wahre Wohnkonzept

für ältere Migranten_innen gibt es nicht.

Ebenso unterscheiden sich die Anforderungen

der älteren Migranten_innen von

denen der deutschen Senioren_innen. Es

wurden schon viele Konzepte und Modellvorhaben

zur Verbesserung der Wohnsituation

für ältere Migranten_innen umgesetzt.

Man hat Projekte bezüglich der Altenhilfe in

neuen Wohnformen und neue Ansätze die

sich an das Wohnumfeld richten versucht.

Letztere sind in jüngster Zeit ins Blickfeld

geraten. Auf dem Feld der neuen Wohnformen

für ältere Migranten_innen gibt es wenige

Beispiele. Als stationäre Wohnanlage

ist das 1997 vom Deutschen Roten Kreuz

in Duisburg eröffnete ‚Haus am Sandberg‘

deutschlandweit bekannt. Hier wurden

zum ersten Mal kultursensible Aspekte in

der Altenpflege eingeführt.

5.2 Innovative Stadtprojekte

Einzelne Städte bemühen sich seit mehreren

Jahren die Bevölkerungsgruppe der

älteren Migranten_innen bei Planungen von

Stadtprojekten einzubeziehen. Nachfolgend

werden drei innovative Projekte in

Anlehnung an die Themenschwerpunkte

des ExWoSt–IFAS Forschungsfeldes vorgestellt.

Diese zeigen eine praktische Umsetzung,

im Umgang mit den besonderen

Lebenslagen der älteren Migranten_innen.

Interkulturelle Begegnungs- und Beratungsstätte

für Senioren, Hannover

Die interkulturelle Begegnungs- und Beratungsstelle

für Senioren liegt im Stadtteil

Nordstadt, ein Stadtteil mit einer hohen

Anzahl an Migranten_innen. Im Jahr 1999

wurde ein bestehendes Gebäude unter

altengerechten Vorgaben renoviert und


28

Ältere Migranten_innen: Begriffe, Fakten, Stadtbezüge

Bisherige Lösungsansätze

25

25

kann auch von gehbehinderten Senioren

genutzt werden. Das Projekt wurde im

Rahmen des Forschungsprojektes „Entwicklung

innovativer Konzepte zur sozialen

Integration älterer Migranten/innen“ wissenschaftlich

untersucht. (Olbermann

2003: 120ff; www.migranten-initiativen.org

2008)

Das Projekt ist nicht nur auf eine einzelne

Nationalitätengruppe älterer Migranten_

innen in Hannover ausgerichtet. Die unterschiedlichen

Gruppen nutzen an jeweils

anderen Tagen die vorhandenen Räume.

Montags stehen diese beispielsweise den

deutschen Senioren_innen und dienstags

den türkischen Migranten_innen zur Verfügung.

Die Gruppen arbeiten selbstorganisiert

und werden von ehrenamtlichen

Migranten_innen geleitet. Die Kommunikation

findet jeweils in den Sprachen der Herkunftsländer

statt. Damit erfolgt eine

Stärkung der eigenen Identität und ermöglicht

älteren Migranten_innen mit geringen

Deutschkenntnissen teilzunehmen.

Für die inhaltliche Gestaltung sind die

einzelnen Besucher selbst verantwortlich.

Dabei nutzen sie die Sprach- und

Vermittlungs kompetenzen der Gruppenleiter.

Wichtig bei den Treffen sind Beratungsveranstaltungen

zu Themen wie

‚Diens te der Altenhilfe vor Ort‘, ‚Pflegeversicherung‘,

‚Grundsicherungsgesetz‘, und

‚Sozialhilfe‘.

Zusätzlich finden regelmäßige Treffen der

Gruppenleiter im Gemeinschaftsraum statt.

Hier koordinieren sie gemeinsame Aktivitäten

der unterschiedlichen Gruppen. Auf

diese Weise entstehen aus den selbstverwalteten

getrennten Gruppen interkulturelle

Aktivitäten zwischen den Besuchern.

Ziel ist es, dass die einzelnen Beteiligten

ihre kulturellen Gewohnheiten und Identität

stärken und neuen Raum schaffen für das

Interesse an den anderen ethnischen Gruppen

aus ihrem Stadtteil. (www.migranteninitiativen.org

2008)

Die Initiatoren der AWO geben vier Konzeptpunkte

als erfolgreiches „Instrument“

des Projektes an:

- Die Mitsprache und Teilhabe der älteren

Migranten_innen erfolgt mit den

zweimonatigen Leitungstreffen. Die

Gruppenleiter fungieren als Bindeglied

zwischen Begegnungsstätte und Besuchern.

Sie vermitteln Wünsche sowie

Regeln (z.B. Hausordnung) und

Absprachen.

- Die Besucher_innen genießen einen Vertrauensvorschuss.

Die einzelnen Gruppen

erhalten einen Schlüssel und können

selbstständig über die Nutzungszeiten

entscheiden, ohne abhängig vom sonst

üblichen Empfangspersonal zu sein.

- Die Angebote gehen sensibel mit der

Umsetzung von interkulturellen Projekten

um. Eine lange Anlaufzeit wird bei

gemeinsamen Festen und Ausfahrten

eingeplant. Solche Projekte sind erst mit

selbstbewussten ethnischen Gruppen

möglich. Daraus sind gemeinsame interkulturelle

Feste entstanden.

- In Folge einer positiven Entwicklung der

einzelnen älteren Migranten_innen werden

die Selbsthilfepotenziale in anderen

Aktivitäten innerhalb und außerhalb des

Stadtquartiers genutzt.

(www.migranten-initiativen.org 2008)


Ältere Migranten_innen: Begriffe, Fakten, Stadtbezüge

Bisherige Lösungsansätze

29

23 24 25

Mietergärten im Berliner Viertel in Monheim

am Rhein

Das Berliner Viertel in Monheim am Rhein

weist typischen Merkmale einer 1970er

Jahre Wohnsiedlung auf. Mehrgeschossige

Wohnungen mit großen ungepflegten

Freiflächen zwischen den Gebäuden.

Unter den 10.000 Einwohnern lebt ein

hoher Anteil an Migranten_innen und sozial

schwachen Bevölkerungsgruppen.

Nachbarschaftliche und interkulturelle

Streitigkeiten unter den Bewohner_innen

sorgen für Konflikte im Stadtquartier. (IS-

Nordrhein-Westfalen 2001: 8)

Die Aufwertung der Grünflächen in Mietergärten

fand zwischen den Jahren 1995 und

2000 statt. In sechs Bauabschnitten wurden

160 Mietergärten erstellt. Die unmittelbar

an den Häusern angelegten Gärten

können ausschließlich von Bewohner_

innen im Erdgeschoss genutzt werden. Der

Zugang erfolgt über eine Treppe direkt aus

der Wohnung. Die zentralen Gärten sind

auch für andere Bewohner_innen nutzbar.

Dieses innovative Projekt war Teil einer Studie

des Europäischen Forschungsprojektes

‚Neighbourhood Housing Models‘ (NEHOM).

(IS-Nordrhein-Westfalen 2001: 21)

Den Mietern wurde in einem ersten Schritt

mit Hauswurfsendungen, Haustürgesprächen

und Versammlungen Informationsund

Beteiligungsmöglichkeiten geboten.

Viele Bedenken und Gegenargumente

mussten mit Hilfe des vorhandenen Stadtteilbüros

im Stadtquartier ausgeräumt werden.

Ein gemeinnütziger Gartenbetrieb hat

schließlich mit Hilfe von Arbeitslosen und

Bewohner_innen des Berliner Viertels die

Umbaumaßnahmen vorgenommen.

In einem zweiten Schritt organisierte das

Stadtteilbüro monatlich stattfindende Gartennutzer_innen

treffen. Das Ziel hier ist die

Gründung eines Mietergartenvereins, der

selbstständig die Gärten verwaltet und

Feste organisiert. (IS-Nordrhein-Westfalen

2001: 27)

Die Planer des Projektes haben mehrere

Ziele verfolgt:

- Die bestehende Konfliktsituation unter

den Bewohner_innen sollte mit Hilfe

neuer nachbarschaftlicher Kontakte und

23 Mietergarten mit Zugang

aus einer Erdgeschosswohnung

im Berliner

Viertel in Monheim

24 Mietergarten im Berliner

Viertel in Monheim


30

Ältere Migranten_innen: Begriffe, Fakten, Stadtbezüge

Bisherige Lösungsansätze

Kommunikation über die Gebäude hinaus

verbessert werden

- Neugestaltung des Außenbildes des

Stadtquartiers und gleichzeitig stärkere

Identifikation der Bewohner_innen mit

diesem

- Entstehung neuer sozialer Netzwerke

und Förderung der Selbsthilfepotenziale

- Aufwertung der bestehenden bisher

eher kleinen Wohnungen und des

Erscheinungsbildes des Wohnumfeldes

(IS-Nordrhein-Westfalen 2001: 35)

25

25

25 Innenhof des Wohnmodells

inter-ethnische Nachbarschaft

in Wien

Die Mietergärten sind mittlerweile fester Bestandteil

des Stadtquartiers. Die Nachfrage

ist sehr hoch und es gibt eine Warteliste für

die Nutzung der Gärten. Ein positives Ergebnis

ist die entstandene Kommunikation

unter den Bewohner_innen. Die Einsamkeit

für viele ältere Migranten_innen wird gemindert

und die Beschäftigung außerhalb der

eigenen Wohnungswände stärkt ihr Kompetenzgefühl.

Das Projekt war für viele der

Startpunkt für die Mitbestimmung bei Projekten

ihres Stadtquartiers. Insgesamt sind

die Bewohner mit ihren Mietergärten sehr

zufrieden und geben an, dass sich ihre Lebensqualität

gebessert hat. (IS-Nordrhein-

Westfalen 2001: 12)

25

Wohnmodell inter-ethnische Nachbarschaft,

Wien – ‚Der globale Hof‘

Das Wohnmodell ging aus einem Konzeptund

Architekturwettbewerb als Sieger hervor,

obwohl das Vorhaben ohne das Thema

der Integration ausgeschrieben war. Das

Siegerprojekt sah vor die Wohnungen je zur

Hälfte mit Einheimischen und Migranten_

innen zu belegen. Das soziale sowie architektonische

Konzept der Siedlung steht

unter dem Motto des ‚Aufeinanderzugehen‘.

Die Gebäude sind in Blockform um einen

Innenhof gruppiert und bieten 140 Wohnungen

für rund 300 Bewohner.

‚Der globale Hof‘ besitzt großen Begegnungsflächen:

ein Saal mit rund 300 m²,

vier Gemeinschaftspenthäuser, zwei Gemeinschaftsterrassen

und vier überdachte

Gemeinschaftsloggien. Zusätzlich wurde

ein moderner Wellnessbereich mit Sauna

und Dampfbad für alle Bewohner_innen

geschaffen. Die kleinen Gruppenräume ermöglichen

eine Differenzierung und die

Trennung von privaten und gemeinsamen

Bereichen. Insgesamt stehen über 1000 m²

Fläche für Begegnungsräume zur Verfügung.

Eine gemeinschaftlich genutzte Satellitenantenne

ermöglicht den Empfang

von über 80 in- und ausländischen Sendern

und vermeidet, dass jeder Haushalt

sich eine eigene Antenne auf den Balkon

stellt.

Die Flexibilität der Wohnungsgrundrisse

hatte eine hohe Priorität. Diese können die

Bewohner ihren unterschiedlichen Ansprüchen

und Lebensentwürfen entsprechend

verändern. Auf dem Dach eines Gebäudes


Ältere Migranten_innen: Begriffe, Fakten, Stadtbezüge

Bisherige Lösungsansätze

31

26 27

wurden private ‚Kräutergarteln‘ geschaffen,

um als Schrebergärten die nachbarschaftliche

Kommunikation zu fördern.

(Zeitschrift Wohnen 2004/5: 39)

Das Integrationskonzept hat laut einer wissenschaftlich

durchgeführten Studie des

Architekten und Sozialwissenschaftlers

Joachim Brech großen Erfolg. Das Projekt

wurde nicht primär gestartet um das Modell

der multikulturellen Gesellschaft zu

leben. Die Planer_innen wollten vielmehr

eine Siedlung schaffen in der eine hohe

Anzahl an Migranten_innen zur Normalität

gehört.

Es leben Menschen aus 18 Nationen unter

einem Dach. Die Mieten sind nicht hoch,

können aber von Menschen aus den niedrigsten

Einkommensschichten kaum bezahlt

werden. Die Bewohner_innen geben

an, nicht aufgrund der Mischung sondern

des Angebots wegen eingezogen zu sein.

Die Angebote werden von den Bewohner_

innen selbst organisiert und reichen von

Frauenturnen, Beachvolleyball bis zu internationalem

Kochen. Diese Vielfalt wird als

Bereicherung gesehen. Die Bewohner_

innen feiern gemeinsam viele Feste. Es

kommt vor, dass Österreicher mit den Muslimen

den Ramadan feiern und umgekehrt

Weihnachten. Außerdem wird unter den

Bewohner_innen rücksichtsvoll mit den unterschiedlichen

kulturellen Regeln umgegangen.

Entstehen doch Konflikte, führen

die Bewohner_innen dies auf zwischenmenschliche

Probleme oder auf die vielen

Aktivitäten um das Haus zurück und nicht

auf die vielen Nationalitäten. In der Studie

wird festgestellt, dass eine dorfähnliche

Struktur entstanden ist. In Wien werden

mittlerweile weitere Integrationswohnbauten

nach dem ,Wohnmodell inter-ethnische

Nachbarschaft‘ gebaut. (Zeitschrift Wohnen

2004/5: 40ff)

26 Treffen der Bewohner_

innen des Wohnmodells

inter-ethnische Nachbarschaft

in Wien

27 Bick auf die ‚Kräutergarteln‘

auf dem Gebäude des

Wohnmodells interethnische

Nachbarschaft

in Wien


32

25

Ältere Migranten_innen: Begriffe, Fakten, Stadtbezüge

Zusammenfassung

6 Zusammenfassung

Deutschland hat in seiner Nachkriegsgeschichte

mehrere Migrationsphasen erlebt.

Die erste große Welle an Zuwanderern begann

im Jahr 1955. Mit einem Anwerbeabkommen

kamen über mehrere Jahre

arbeitswillige meist junge Männer aus Italien,

Griechenland, Spanien, Türkei, Marokko und

Portugal. Eine florierende deutsche Wirtschaft

sorgte für die hohe Anzahl an Gastarbeiter_innen,

welche sehr bald ihre

Familienangehörigen und Freunde nachholten.

Alle träumten davon, viel Geld zu

verdienen und dieses in der Heimat zu

inves tieren. Bei der Rückkehr wollten sie in

höherem materiellen Wohlstand leben. Mit

der Wirtschaftskrise im Jahr 1973 brach

die Welle der Gastarbeiter_innen ab. Eine

zweite Welle begann ab dem Jahr 1980.

Durch die Kriege im Irak und in Jugoslawien

kamen Flüchtlinge und Asylsuchende. Nach

dem Fall der Mauer 1990 siedelten Bürger_

innen der ehemaligen DDR nach Deutschland.

Aus den ehemaligen Ostblockstaaten

kamen deutschstämmige Bürger_innen. Die

hohe Anzahl der Migranten_innen sorgte

lange Zeit bei den deutschen Einwohner_

innen und bei einigen Politikern für Unmut.

Beide großen Migrationsphasen wurden

mit dem Erlass von Gesetzen gestoppt.

Die Gastarbeiter_innen die hier schon seit

vielen Jahren lebten gingen aber nicht wie

erwartet in ihre Heimat zurück sondern

blieben.

Bis heute leben noch ehemalige Gastarbeiter_innen,

Flüchtlinge und Spätaussiedler_

innen in Deutschland. Sie steuern auf den

Ruhestand zu oder sind mittlerweile in

Rente. Ältere Migranten_innen haben die

selben Vorstellungen, Wünsche aber auch

Nöte wie die deutschen Altersgenossen.

Aufgrund ihrer Migrationsbiografie ist die

Lebenslage der meisten älteren Migranten_innen

bezüglich ihrer ökonomischenund

gesundheitlichen Situation schlecht.

Zudem leben sie in präkeren Wohnverhältnissen.

Sie haben ihr Verdientes in den Bau von

Häusern in ihrer Heimat investiert. In

Deutschland müssen sie ihre geringe Rente

für meist hohe Mieten ausgeben. Die

schwere Arbeit in der Industrie und im Bergbau

hat ihre Gesundheit besonders negativ

getroffen. Sie sind auf Pflege angewiesen

und erwarten, dass Ihre Kinder, in die sie

ebenfalls viel Geld investiert haben, für sie

sorgen. Dies erweist sich als Illusion, da

sie eine moderne Lebensplanung haben,

fern der kulturellen Traditionsvorstellungen

ihrer Eltern. Ältere Migranten_innen

wohnen aufgrund ihrer finanziellen Situation

in benachteiligten Stadtquartieren in

Wohnungen mit geringer Ausstattung. Insgesamt

sind sie mit ihrer Lebenslage unzufrieden,

bis heute kaum in das

ge sellschaftliche Leben integriert und

hegen weiterhin den Wunsch in die Heimat

zurückzukehren. Die älteren Spätaussiedler_

innen leben unter der selben Situation,

möchten aber in Deutschland bleiben. Sie

schweben zwischen den Kulturen ihrer eigenen

Herkunft und der ihrer neuen Heimat.

Die Gastarbeiter_innen wurden bei ihrer

Einreise auf regionale Ballungsräume mit

vielen Arbeitsplätzen verteilt. Familien und

Freunde sind ihnen über Jahre hinweg in

diese Zonen gefolgt. Diese Kettenmigration

fand vor allem auch bei Spätaussiedler_


Ältere Migranten_innen: Begriffe, Fakten, Stadtbezüge

Zusammenfassung

33

innen statt. Die gesetzliche Lage in den

ehemaligen Ostblockstaaten erlaubte ihnen

eine Ausreise nur bei einer Familienzusammenkunft.

In deutschen Stadtquartieren

sind durch diesen Vorgang viele ethnische

Kolonien entstanden – begünstigt auch

durch einen hohen Wohnungsmangel und

den darauffolgend entstandenen Neubausiedlungen

der 1960er Jahre. Eine Integration

in die deutsche Gesellschaft hat für

viele älteren Migranten_innen bis heute

nicht stattgefunden. Der Wunsch einer

Rückkehr in die Heimat hat dies behindert

und die älteren Migranten_innen erkennen

erst in der Rente, dass sie diesen Wunsch

nur schwer erreichen werden. Sie kompensieren

diesen Wunsch mit jährlichen Reisen

in die Heimat während der Sommerzeit

und pendeln solange, bis die nötige medizinische

Versorgung sie dazu zwingt, hier

zu bleiben.

Ältere Migranten_innen haben trotz ihrer

eher schlechten Lebenslage viele Kompetenzen

und Selbsthilfepotenziale. Sie

haben dies bereits in der Vergangenheit

mit ihrer Auswanderung bewiesen als sie

aus eigener Kraft ihre Situation und schwierigen

Verhältnisse gemeistert haben. Ihre

Kompetenzen gilt es in ihrem gewohnten

Wohnumfeld zu stärken. Hierzu gehören

infrastrukturelle Einrichtungen mit der

Möglichkeit der Selbstorganisation von

Treffpunkten mit gleichaltrigen aus der eigenen

ethnischen Gruppe. Erst dann kann

ein interkultureller Austausch stattfinden.

Für ältere Migranten_innen sind Orte der

Begegnung auch im Freiraum wichtig. Hier

kann auf ihre Herkunft aus landwirtschaftlich

geprägten Regionen aufgebaut werden.

Ein Garten für Obst- und Gemüseanbau

28

bietet ihnen, wie im genannten Beispiel der

Mietergärten im Berliner Viertel in Monheim

am Rhein, die Möglichkeit der Beschäftigung

und Kommunikation. Die Einsamkeit

im Alter kann über neue Kontakte ebenso

gemindert werden. Ältere Migranten werden

aufgrund ihrer gesundheitlichen Lage

früh auf Pflege angewiesen sein. Eine barrierefreie

Wohnung mit der Möglichkeit der

Pflege ist ebenso wichtig wie eine kultursensible

Altenhilfe. Die Pflegeinstitutionen

haben in den letzten Jahren erkannt, dass

ältere Migranten_innen wie deutsche

Senioren_ innen zunehmend ohne Pflege

der eigenen Kinder auskommen müssen.

Sie gehen dazu über, in der Ausbildung auf

kulturelle Unterschiede einzugehen und bilden

viele junge Erwachsene mit Migrationshintergrund

aus. Ältere Migranten_innen

wünschen sich, so lange es ihnen möglich

ist in einem ihnen bekannten Umfeld zu

wohnen. Hier möchten sie die Kontakte zu

ihrer ethnischen Gruppe pflegen und für ihre

Lebensleistung respektiert werden.

28 Geschenkübergabe eines

Mopeds für den Millionsten

Gastarbeiter


III Untersuchungsräume

und Methode

„Zur Bewältigung des demographischen Wandels und der

Migration wollen wir mit Modellvorhaben Städte dabei unterstützen,

Wohnquartiere kinder- und familienfreundlich zu

gestalten und die Infrastruktur barrierefrei und altengerecht

umzubauen.“ Koalitionsvertrag CDU/CSU und SPD (2006)

1 Stadtquartiere für Jung und Alt

1.1 ExWoSt-Forschungsfeld ‚Innovationen für

familien- und altengerechte Stadtquartiere‘

Im Jahr 2006 hat das Bundesministerium

für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung

(BMVBS) zusammen mit dem Bundesamt

für Bauwesen und Raumordnung, basierend

auf den Koalitionsvertrag zwischen

CDU/CSU und SPD das Forschungsfeld

‚Innovationen für familien- und altengerechte

Stadtquartiere‘ gestartet. Das Forschungsfeld

folgt dem Ansatz, ein Generationen-

übergreifendes Zusammenleben in

innerstädtischen Stadtquartieren zu fördern.

Mit Hilfe interdisziplinärer Fachrichtungen

werden städtebauliche Maßnahmen sowie

soziale Aktivitäten in Stadtquartieren an

praktischen Beispielen untersucht und

wieder lebenswert gestaltet. (BMVBS 2007:

7) Die Bearbeitung der Forschungsfragen

erfolgt anhand von drei Themenschwerpunkten:

- ‚Gemeinschaftseinrichtungen im

Quartier – Umbau sozialer Infrastruktur‘

- ‚Gestaltung urbaner Freiräume –

Öffentlicher Raum für alle Generationen‘

- ‚Attraktives Wohnen im Quartier –

Nachbarschaften von Jung und Alt‘

Im Fokus steht die Gestaltung von Generationen-übergreifenden

Treffpunkten in Gemeinschaftseinrichtungen

für unter schiedliche

Bevöl kerungs gruppen im Stadt quartier.

Der öffentliche Raum ist ebenfalls ein wesentlicher

Ort, in dem sich Bewohner_

innen aufhalten, beobachten, begegnen

und ihre Freizeit verbringen. Eine weitere

Voraussetzung in Stadtquartieren für Jung

und Alt ist Wohnraum für alle Generat i-

onen. Viele Gebäude müssen mit Hilfe

altengerechter Standards angepasst wer-


36

Untersuchungsräume und Methode

Stadtquartiere für Jung und Alt

Gemeinschaftseinrichtungen im Quartier

Gestaltung urbaner Freiräume

Attraktives Wohnen im Quartier

Bremen:

Düsseldorf:

Hamburg:

Ingelheim:

München:

Offenburg:

Sonneberg:

Erfurt:

Schwerin:

Neue Vahr Nord

Hellerhof/Garath

Hamm-Süd

Ingelheim-West

Ackermannbogen

Historische Innenstadt

Wolkenrasen

Roter Berg

Neu Zippendorf

Frankfurt:

Sangerhausen:

Berlin-Mitte:

Berlin-FH/KB:

Dessau:

Leipzig:

Magdeburg:

Fürstenfeldbruck:

Kiel:

Nordend

Kumpelplatz

Nauener Platz

Warschauer Straße

Historischer Stadtpark

Grünau

Salbke

Innenstadt

Gaarden-Ost

Braunschweig:

Heidenheim:

Kassel:

Oberhausen:

Ludwigshafen:

Arnstadt:

Flensburg:

Fürth:

Lübbenau:

Östliches Ringgebiet

Heidenheim-West

Kirchdirmold

Klosterhardt-Nord

Pfingstweide

Arnstadt Ost

Mürwik

Westliche Innenstadt

Neustadt

25

29

29 Die 27 Modellvorhaben des

ExWoSt–IFAS Forschungsfeldes

den. Sind die genannten Kriterien in einem

Stadtquartier unzureichend, ziehen junge

Familien in Vorstädte und ältere Menschen

bleiben ohne die ihrem Alter entsprechende

Versorgung zurück. (BMVBS 2007: 7)

Das ExWoSt-IFAS Forschungsfeld unterstützt

finanziell zu jedem Themenschwerpunkt

jeweils neun Modellvorhaben. Die

insgesamt 27 Modellvorhaben verteilen

sich über die gesamte Bundesrepublik

Deutschland. Diese werden zusätzlich mit

Hilfe von Forschungsassistenzen wissenschaftlich

begleitet. In Erfahrungswerkstätten

und über die Kommunikation im

Intranet tauschen sich die Akteure unterschiedlicher

Fachbereiche über die Entwicklung

der Modellvorhaben aus. Diese

experimentellen Projekte verfolgen das

Ziel, in den kommenden Jahren ein Beispiel

für weitere Stadtquartiere im Land zu

sein. Ergänzend wurden 30 Fallstudien

von schon abgeschlossenen innovativen

Projekten erstellt. Die Ergebnisse bieten

wichtige Impulse für die Fragestellungen

des Forschungsfeldes. (BMVBS 2007: 8)

1.2 Forschungsleitfragen:

Stadtquartiere für ältere

Migranten_innen

Das Forschungsfeld ExWoSt–IFAS ‚Stadtquartiere

für Jung und Alt‘ wird mit Hilfe

von zehn Forschungsleitfragen untersucht.

Diese sind weit gefasst, um die unterschiedliche

Generationen und Ge schlechter

-übergreifende Bevölkerungsgruppen in

einem relevanten Stadtquartierskontext zu

beobachten. Die spezifischen Lebensinteressen

und Anforderungen sollen festgestellt

und innovative Lösungsansätze

erprobt werden. Die infra strukturelle Versorgung,

Freiräume und Wohngebäude

schaffen ein lebenswertes Stadtquartier

mit konfliktfreien Nachbarschaften. Mit

neuen Trägerschaften, Kooperationen und

Verfahren werden über die Zeit der Modellvorhaben

hinaus, neue Vernetzungen für

nachhaltige Nachbarschaften in den Stadtquartieren

geschaffen. (BMVBS 2007: 9)


Untersuchungsräume und Methode

Auswahl der Fallstudien

37

Diese Diplomarbeit setzt bei manchen der

Forschungsleitfragen an und möchte die

Bevölkerungsgruppe der älteren Migranten_

innen unter raumrelevanten Aspekten untersuchen.

Für die Stadtforschung gilt es zu

untersuchen, welche spezifischen Lebensinteressen

der älteren Migranten_innen sich

als besonders relevant bezüglich Gemeinschaftseinrichtung,

Freiraum und Wohnen

erweisen. Fragen zur Bildung von „Ethnischen

Kolonien“ wurden bisher nur unter

Migrationsaspekten untersucht, sind aber

auch wie unter Kapitel II gezeigt wird, für

die Stadtforschung relevant.

Basierend auf den bestehenden 27 Modellvorhaben

werden zunächst Stadtquartiere

mit einem hohen Anteil an älteren

Migranten_innen ausgewählt. Nach einer

Auswahl von drei relevanten Modellvorhaben,

die jeweils einem Themenschwerpunkt

zugeordnet sind, wird geprüft, ob ältere

Migranten_ innen bei der Konzeption und

bei den Bürgerbeteiligungsverfahren eine

Rolle spielten. Ein Vergleich zwischen der

heterogenen Gruppe der älteren Migranten_

innen und den unterschiedlichen Herangehensweisen

der Akteure in den drei

Stadt quartieren wird hierdurch möglich.

Anhand drei Fallstudien wird untersucht,

welche konkreten Anforderungen ältere

Migranten_innen an die räumliche Umwelt

stellen. Außerdem werden Handlungsempfehlungen

zu den drei Themenschwerpunkte

vorgeschlagen.

2 Auswahl der Fallstudien

2.1 Methode des

Auswahlverfahrens

Die Auswahl der neun Modellvorhaben hat

in drei Phasen stattgefunden. In der ersten

Phase fand eine allgemeine statistische

Auswertung der vorhandenen oder über

das Internet zugänglichen Bevölkerungszahlen

statt. Aufgrund der geschilderten

Schwierigkeiten bezüglich statistischer

Zahlen zu Personen mit Migrationshintergrund

konnte bei den meisten Städten

ausschließlich auf Ausländerzahlen zurückgegriffen

werden. Zahlen bezüglich älterer

Migranten_innen in den Stadtquartieren

waren bis auf wenige Ausnahmen nicht zu

erhalten. Eine erste Auswertung hat mit

Hilfe von Annahmen stattgefunden. Ein

Stadtquartier mit einem hohen Anteil an

Ausländer_innen oder Migranten_innen

und gleichzeitig vielen über 65 jährigen

Einwohner_innen ließ auch eine hohe Anzahl

an älteren Migranten_innen vermuten.

Aus dieser statistischen Auswertung gingen

drei mögliche Stadtquartiere je Themenschwerpunkt

hervor.

In einem zweiten Schritt wurden die statistischen

Ämter dieser ausgewählten Kommunen

angeschrieben, um eindeutige

Zahlen zum Anteil der Personen mit Migrationshintergrund,

deren Alter, Nationalitäten

und die sozialen Daten (Arbeitslosigkeit,

Sozialhilfe) der ausgewählten Stadtquartiere

zu erhalten. Bis auf wenige Ausnahmen

waren die erforderlichen Daten zu

Personen mit Migrationshintergrund zugänglich.


38

Untersuchungsräume und Methode

Auswahl der Fallstudien

25

In der dritten Phase fand die endgültige

Auswahl der drei Stadtquartiere statt. Hier

wurden alle neun bis dahin ausgewählten

Modellvorhaben nach mehreren Kriterien

verglichen. Zusätzlich zu den gesammelten

Bevölkerungsdaten waren stadtplaneri sche

Daten, forschungspragmatische Kriterien

und die Modellvorhaben von Bedeutung.

2.2 Statistische Auswertung

der 27 Modellvorhaben

Verfügbarkeit der Daten

Viele der großen Städte stellen Daten ihrer

statistischen Ämter auf die städtische Homepage

und machen diese für Jedermann zugänglich.

Gab es keine Daten über das

Internet zu beziehen, musste auf die vom

Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung

zur Verfügung gestellten Informationen

zurückgegriffen werden. Man muss bedenken,

dass die definierte Größe der Stadtquartiere

der Modellvorhaben zum Teil von

denen der offiziellen Stadtteile differiert. Bei

dieser ersten Auswertung waren zudem Unterschiede

bei den verfügbaren Daten festzustellen.

‚Gemeinschaftseinrichtung im Quartier‘

Die Stadtquartiere der Modellvorhaben im

Themenschwerpunkt ‚Gemeinschaftseinrichtung

im Quartier‘ haben insgesamt einen

hohen Anteil an älteren Bewohner_innen ab

65 Jahren. Den geringsten Anteil an älteren

Bewohner_innen weist das Hamburger

Stadtquartier Hamm-Süd mit 17,5 Prozent

auf. Die Spitze bildet das Stadtquartier Wolkenrasen

der ostdeutschen Stadt in Sonneberg

mit 30 Prozent älteren Bewohner_innen.

Der Anteil der Ausländer_innen ist bei den

Stadtquartieren in diesem Themenschwerpunkt

insgesamt eher gering. Dieser variiert

von 2 Prozent im Stadtquartier Wolkenrasen

bis zu 20,5 Prozent im Stadtquartier Hamm-

Süd. (siehe Anhang)

Als geeignet wurden die Stadtquartiere

Neue Vahr Nord in Bremen, Hamm-Süd in

Hamburg und Neu Zippendorf in Schwerin

empfunden. Diese drei Stadtquartiere

haben jeweils einen hohen Anteil an Ausländer_innen

oder Migranten_innen und

gleichzeitig älteren Bewohner_innen.

‚Gestaltung urbaner Freiräume‘

Die Anzahl der älteren Bewohner_innen in

den neun Modellvorhaben des Themenschwerpunktes

‚Gestaltung urbaner Freiräume‘

variiert von 12,7 Prozent beim

Stadtquartier Nordend in Frankfurt am

Main bis zu 51 Prozent im Stadtquartier

„Innenstadt“ in Fürstenfeldbruck. Angaben

zu den Ausländer_innen waren einzig von

sechs Stadtquartieren verfügbar. Hier weisen

die drei ostdeutschen Stadtquartiere

Friedrichshain in Berlin, Agnesviertel in

Dessau und Salbke in Magdeburg einen

Ausländeranteil von unter 5 Prozent auf. Im

Vergleich haben das Kiez Nauener Platz in

Berlin 41,6 Prozent und Gaarden-Ost in

Kiel 38,2 Prozent Ausländer_innen. (siehe

Anhang)

Aufgrund des hohen Ausländeranteils werden

die Stadtquartiere Nauener Platz in

Berlin, Gaarden-Ost in Kiel und Nordend in

Frankfurt am Main ausgewählt.

‚Attraktives Wohnen im Quartier‘

Der Anteil der älteren Bewohner_innen in

den Stadtquartieren des Themenschwerpunktes

‚Attraktives Wohnen im Quartier‘


Untersuchungsräume und Methode

Auswahl der Fallstudien

39

liegt am niedrigsten mit neun Prozent im

Stadtquartier Klosterhardt-Nord in Oberhausen.

Die Spitze bildet das Stadtquartier

Kirchditmold in Kassel mit 40 Prozent. Insgesamt

haben die Stadtquartiere in diesem

Themenschwerpunkt einen hohen Anteil an

älteren Menschen. (siehe Anhang)

Die Ausländerzahlen sind hingegen – bis auf

eine Ausnahme – gering. Diese variieren von

1,7 Prozent im Stadtquartier Neustadt in

Lübbenau bis zu 53 Prozent in Klosterhardt-

Nord.

In der Pfingstweide in Ludwigshafen sind

von den älteren Bewohner_innen rund 10

Prozent älter als 65 Jahre. Die Auswahl

viel auf die westliche Innenstadt in Fürth,

die Pfingstweide in Ludwigshafen und

Klosterhardt-Nord in Oberhausen.

2.3 Auswahl der drei

Modellvorhaben

Auswahlkriterien

Die Auswahl der Fallstudien erfolgt mit dem

Vergleich der bisher ausgewählten Stadtquartiere

anhand vier Kriteriengruppen:

- Bevölkerungsdaten

- räumlich-relevante Daten

- Modellvorhaben

- forschungspragmatische Kriterien

(siehe Anhang)

Bei den Bevölkerungsdaten sollte erkennbar

sein, dass in dem jeweiligen Stadtquartier

ältere Migranten_innen ein relevanter

Faktor sind und in Zukunft sein werden.

Die Nationalität der jeweils größten Migrantengruppe

und die sozioökonomische

Lage der Bewohner_innen sollten sich wenn

30

Bremen

Ludwigshafen

Berlin

möglich unterscheiden. Die Angemessenheit

der Quartiersgröße ist für den Rahmen

dieser Diplomarbeit wichtig. Mit den räumlich-relevanten

Daten sind die Lage in der

BRD sowie die stadtplanerische Gebietskulisse

und die Architektur gemeint. Wichtig

für die Auswahl waren auch die forschungspragmatischen

Kriterien bezüglich

eines guten Datenzugangs, sowie der

finanziellen Machbarkeit der Reise für die

Bestandsaufnahme.

Ziel war es, drei Stadtquartiere mit unterschiedlicher

Struktur auszuwählen. Es

muss gesagt werden, dass die angeschriebenen

Kommunen die Be zeichnungen

‚Ausländer_innen‘ und ‚Mig ranten _innen‘

verschieden definieren. Drei Kommunen

konnten zudem keine Angaben zu den

älteren Migranten_innen oder älteren Ausländer_innen

zur Verfügung stellen.

30 Deutschlandkarte mit den

ausgewählten Modellvorhaben


40

Untersuchungsräume und Methode

Auswahl der Fallstudien

Neue Vahr Nord

25

31 32

31 Bremen

32 Blick auf den zukünftigen

Eingang des Familien- und

Quartierszentrums in der

Neun Vahr Nord

A Neue Vahr Nord, Bremen

Für den Themenschwerpunkt ‚Gemeinschaftseinrichtungen

im Quartier‘ wurde

die Neue Vahr Nord in Bremen ausgewählt.

Der Datenzugang zu den Stadtquartieren

Hamm-Süd in Hamburg und Neu Zippendorf

in Schwerin war schlecht. Beide Städte führen

keine Angaben zu Personen mit Migrationshintergrund.

Erwähnenswert ist einzig,

dass in Hamm-Süd rund 7,5 Prozent ältere

Ausländer_innen leben. Dies ist der höchste

Wert unter allen im Vergleich stehenden

Stadtquartiere. (siehe Anhang)

Sachstandsbericht

Unter dem bisherigen Arbeitstitel ‚Familien-

und Quartierszentrum‘ sollen mehrere

bestehende Gebäude um einen gemeinsamen

Freiraum vernetzt und umgebaut werden.

Die Neue Vahr Nord liegt im Osten der

Stadt Bremen. Der in den 1950er und

1960er Jahren errichtete Stadtteil Neue

Vahr ist in den Stadtkörper räumlich integriert,

aber durch soziokulturelle Grenzen

von der restlichen Stadt getrennt. (proloco,

Glatthaar, Lehmann 2007: 4) Insgesamt

leben in der Neuen Vahr Nord 8068 Bewohner_innen.

Die Bevölkerung ist „ärmer“

als in den anderen Stadtteilen, Beleg hierfür

ist der hohe Anteil an Hartz IV Empfängern.

Zudem liegt der Anteil der Menschen

mit Migrationshintergrund bei 55 Prozent.

Davon sind allein ein Viertel Spätaussiedler

aus der ehemaligen Sowjetunion und Polen.

Der Anteil an Personen über 65 Jahre ist mit

21,5 Prozent geringer als im städtischen

Durchschnitt, dafür ist der Anteil an Jugendlichen

verhältnismäßig hoch. Der Anteil älterer

Migranten_innen liegt heute bei 5,2

Prozent und wird in Zukunft weiter steigen.

(Statistisches Landesamt Bremen)

Die größte Schwäche des Stadtquartiers

Neue Vahr Nord sind die fehlenden Begegnungsangebote

für Jung und Alt. Es herrscht

ein Mangel an organisierten Treffpunkten,

sei es ein Café oder eine Kultureinrichtung

mit Beratungs- und Informationsmöglichkeiten.

Das Familien- und Quartierszentrum

soll ein solcher Ort sein. Der soziale und


Untersuchungsräume und Methode

Auswahl der Fallstudien

41

Nauener Platz

33 34

nachbarschaftliche Zusammenhalt soll gestärkt

und das neue Haus zum Identifikationspunkt

für die Bewohner_innen werden.

Junge Menschen und die Senioren_innen,

ebenso wie die unterschiedlichen Nationalitäten

und Kulturen, sollen sich hier zu gemeinsamen

Aktivitäten treffen. Die Arbeit

im neuen Mehrgenerationenhaus wird durch

die Hilfe von Freiwilligen aus dem Stadtquartier

ermöglicht. (proloco, Glatthaar, Lehmann

2007: 4)

B Nauener Platz, Berlin

Das Stadtquartier Nauener Platz in Berlin

wird im Rahmen des Themenschwerpunktes

‚Gestaltung urbaner Freiräume‘ analysiert.

Das Stadtquartier Nordend in Frankfurt

am Main ist für den Rahmen einer Diplomarbeit

in der Fläche und Bevölkerungszahl

zu groß. Gaarden-Ost in Kiel scheidet aus,

da Bremen als Stadt in Norddeutschland

schon vertreten ist und die Belange der

türkischen Migranten_innen im Stadtquartier

Nauener Platz wegen ihrer hohen Anzahl

besser untersuchen werden können.

(siehe Anhang)

Sachstandsbericht

Das Stadtquartier um den Nauener Platz

liegt im Stadtteil Wedding im Bezirk Berlin

Mitte. Insgesamt leben dort 11872 Bewohner_innen.

Das Wohnquartier gilt als soziales

Problemgebiet aufgrund der hohen

Arbeitslosigkeit und einem Anteil von rund

64 Prozent Menschen mit Migrationshintergrund.

Der Nauener Platz ist in den letzten

Jahren zunehmend verwahrlost. Der

‚Trinkertreff‘ und ‚Drogenumschlagplatz‘

hat bis zum Jahr 2004 alle schwächeren

sozialen Gruppen vom Platz verdrängt.

Kinder und ältere Menschen fühlten sich

nicht mehr wohl. Es hat sich die Bürgerinitiative

‚Nauener Neu‘ gegründet, um den

verlorenen Raum zurückzuerobern. Aufgrund

von Gestaltungsmängeln und neuen

Anforderungen der verschiedenen Bevölkerungsgruppen

im Stadtquartier werden

die Grün- und Freiflächen umgestaltet.

(Walz 2007: 3)

33 Haus der Jugend und

Nauener Platz

34 Berlin


42

Untersuchungsräume und Methode

Auswahl der Fallstudien

Die Gestaltungsentwürfe entstanden unter

einer hohen Bürgerbeteiligung. Wichtig war

für die Beteiligten bei der Planung die Vielfalt

der Nutzer zu erreichen. Folgende Zielgruppen

werden erwähnt: „insbesondere

MigrantInnen im Wohnumfeld, anwohnenden

Senioren/innen, Kinder- und Jugendlichen

sowie bereits bestehenden Initiativen.“

Ein „Platz für alle“ steht als Ziel am Ende

dieses Umgestaltungsprozesses. (Walz

2007: 4)

Pfingstweide

25

35 Ludwigshafen am Rhein

Der neue Nauener Platz soll allen Bewohner_innen

des umliegenden Wohnquartiers

als neuer Identifikationsort dienen. Die neue

Gestaltung möchte einen attraktiven und

belebten Treffpunkt schaffen. Senioren_

innen wie Jugendliche sollen sich zu jeder

Tageszeit sicher fühlen. Das Haus der Jugend

soll zum Ort der Kommunikation zwischen

den Generationen und Kulturen des

Stadtquartiers werden. Bisher teilt das

Haus der Jugend den Freiraum. Eine stärkere

Verknüpfung des Gebäudes mit dem

Freiraum soll diese Teilung aufheben. (Walz

2007: 7)

C Pfingstweide,

Ludwigshafen

35

Das Stadtquartier Pfingstweide in Ludwigshafen

wurde für den Themenschwerpunkt

‚Attraktives Wohnen im Quartier‘ ausgewählt.

Das Modellvorhaben des Stadtquartiers

Klosterhardt-Nord in Oberhausen

wäre als Fallstudie für diese Diplomarbeit

gut gewesen, da hier das Thema der Transmigration

der älteren Migranten_innen im

Fokus steht. Eine Wiederholung der bestehenden

Untersuchung sollte aber für diese

Diplomarbeit vermieden werden. Der schlechte

Datenzugang zu dem Stadt quartier Innenstadt

West in Fürth verhindert eine weitere

Bearbeitung. (siehe Anhang)

Sachstandsbericht

Der Stadtteil Pfingstweide wurde in den

1970er Jahren für junge Familien und wohnungssuchende

Gastarbeiter der nahe liegenden

BASF Werke aufgebaut. Die Stadt

Ludwigshafen und die BASF sind bis heute

mit ihren Wohnungsbaugesellschaften am

Stadtquartier beteiligt. Sie gaben den Anstoß

für das Projekt ‚Haus NOAH – Allengerechtes

Wohnen‘. Die Pfingstweide wurde als Trabantenstadt

in den 60er Jahren geplant. Die

Kettenhochhäuser haben im Zentrum bis zu

17 Stockwerke, am Rand sieben und die

Punkthäuser mit vier und acht Geschossen

verdeutlichen die hohe Wohndichte. (Hahn,

Grünewald 2007: 5)

Im Stadtquartier leben 6434 Bewohner_

innen. Der Altersschnitt auf der Pfingstweide

ist im Vergleich zu den Anfängen


Untersuchungsräume und Methode

Auswahl der Fallstudien

43

stark gestiegen. Ein Viertel der Bevölkerung

ist über 65 Jahre alt. Die offiziellen

Zahlen sprechen von einem Anteil von 24

Prozent Migranten_innen. Die eingebürgerten

Ausländer_innen werden in diesen

Daten nicht als Migranten_innen erfasst,

sondern weiterhin als Deutsche gezählt.

Aufgrund einer gesteuerten Vergabe und

Verteilung von Wohnungen durch die

LUWOGE gibt es in der Pfingstweide keine

dominierende Bevölkerungsgruppe. (Stadtverwaltung

Ludwigshafen, Bereich Stadtentwicklung)

Das Haus NOAH ist der Versuch für die

Senioren_innen in der Pfingstweide ein

Angebot zu schaffen, das sowohl die unterschiedlichen

Wohnsituationen als auch

die erhöhte Pflegebedürftigkeit berücksichtigt.

Die gegenseitige Hilfe von älteren

Menschen und jungen Familien steht im Mittelpunkt

des Konzeptes für das ‚Allengerechte

Wohnen‘. Junge Mütter wünschen sich eine

„Wahl-Oma“ als Babysitterin und die älteren

Menschen wiederum benötigen junge Erwachsene

die ihnen Hilfe anbieten. (Hahn,

Grünewald 2007: 3)

Es werden fünf Projektbausteine gefördert.

Während die ersten vier Bausteine vor

allem auf spezielle Angebote im Haus

NOAH zielen, ist der Generationen-

Nachbarschaftstreff auf das Stadtquartier

ausgerichtet. Hier soll die Nachbarschaftshilfe,

die Seniorenarbeit und die interkulturelle

Zusammenarbeit gefördert werden.

Das im Haus NOAH integrierte Concierge-

Büro ist als Ansprechpartner mit „Kümmerer-

und Informationsfunktion“ für die

Bevölkerung des gesamten Stadtquartiers

gedacht. (Hahn, Grünewald 2007: 4)

36

Die Wohnungsbaugesellschaften des Haus

NOAH wünschen sich, dass genügend Interessenten

das vielfältige Angebot annehmen

werden. Nachbarschaftliche Treffen sollen

über die neu geschaffenen Stockwerke

stattfinden. Die Netzwerkerin möchte in den

unterschiedlichen Themenbereichen Netzwerke

für Bevölkerungsgruppen aufbauen.

Dies wird durch bürgerschaftliches Engagement

der Bewohner unterstützt. (Hahn,

Grünewald 2007: 9)

3 Gespräche und

Befragungen

Es wurden Gespräche mit zwei Zielgruppen

geführt. Zum einen mit Schlüsselpersonen

aus dem jeweiligen Stadtquartier mit

Kenntnissen aus dem Umfeld der älteren

Migranten_innen. Zum anderen fanden

kurze Passantenefragungen mit zumeist

deutschen Bewohner_innen an unterschiedlichen

Orten des Stadtquartiers statt. Direkte

Befragungen von älteren Migranten_ innen

36 Haus NOAH


44

Untersuchungsräume und Methode

Auswahl der Fallstudien

25

sind nur möglich, wenn die nötige Sprachkenntnis

vorhanden ist. (Janssen, Gestring,

Polat 2006) Die Vorbereitung von bilingualen

Interviews hätte den Zeit- und Finanzrahmen

einer solchen Arbeit überstiegen.

Gespräche mit Experten_innen

Für die Gespräche mit Experten_innen

wurde aus zwei verschiedenen Personengruppen

gewählt. Der ersten Gruppe

gehören die Ansprechpartner_innen und

Projektbeteiligten der Modellvorhaben an.

Die zweite Gruppe besteht aus Personen

mit langjähriger Erfahrung bezüglich der älteren

Migranten_innen in den untersuchten

Stadtquartieren. Die Gespräche mit den

Experten_innen fanden mit Hilfe eines Gesprächsleitfadens

statt. Dieser bestand

aus sechs Fragen und drei Frageschwerpunkten

(siehe Anhang):

- Beteiligung der älteren Migranten_innen

am Modellvorhaben

- Situation der älteren Migranten_innen im

Stadtquartier

- Verhältnis zu Deutschland und ihrem

Herkunftsland

Die Fragen dienten als Leitfaden für offene

Gespräche mit den Experten_innen. Die

Eindrücke und Auswertungen fließen in

die Beschreibungen der Fallstudien ein.

Eine quantitative Darstellung dieser findet

nicht statt. Die Dauer betrug zwischen 45

und 90 Minuten. Insgesamt wurden zehn

Gespräche mit Experten_innen geführt.

Jedes Interview wurde mit einem Diktiergerät

aufgenommen.

Passantenbefragungen

Es wurden ausschließlich Befragungen

mit Passanten_innen einer vom Autor geschätzten

höheren Altersgruppe geführt.

Die Befragungen erwiesen sich grundsätzlich

als schwierig. Ältere Menschen

sind gegenüber jüngeren Interviewern

eher zurückhaltend und skeptisch. Zusätzlich

erwies sich das heiße Sommerklima

während der Bestandsaufnahme als

schwere Herausforderung für die älteren

Bewohner_innen. Ältere Migranten_innen

weigerten sich, bis auf wenige Ausnahmen,

wegen geringer Deutschkenntnisse

an den Interviews teilzunehmen.

Die Fragen an die Passanten_innen wurden

den Themenschwerpunkten des Forschungsfeldes

angepasst und bezogen sich

auf ihre Wohnsituation, ihre Einschätzung

des Freiraums, der vorhandenen infrastrukturellen

Versorgung und ihrem Verhältnis zu

den älteren Migranten_innen. Für die Befragung

von älteren Migranten_innen standen

drei spezifische Zusatzfragen zur Verfügung.

Insgesamt wurden 32 Passanten in den drei

Fallstudien befragt. Die Interviews wurden

mit Hilfe eines Fragebogens (siehe Anhang)

durchgeführt und dauerten in der Regel jeweils

rund zehn bis fünfzehn Minuten. Mehrfachantworten

waren möglich, so dass sich

manche Befragungen zu längeren Gesprächen

entwickelten. Eine tabellarische Auswertung

der Passantenbefragungen ist im

Anhang dieser Arbeit beigefügt. (siehe Anhang)


Untersuchungsräume und Methode

Zusammenfassung

45

4 Zusammenfassung

Das ExWoSt-Forschungsfeld ‚Innovationen

für familien- und altengerechte Stadtquartiere‘

fördert Modellvorhaben in Stadtquartieren

mit einem hohen Anteil an jungen

Familien und älteren Menschen. Die in

Zukunft wichtige Bevölkerungsgruppe der

älteren Migranten_innen ist bisher nur an

einem Projekt und nur in einem Themenschwerpunkt

im Fokus. Die Auswahl von je

einem Modellvorhaben in den drei Themenschwerpunkten

‚Gemeinschaftseinrichtungen

im Quartier‘, ‚Gestaltung urbaner

Freiräume‘ und ‚Attraktives Wohnen im

Alter‘ ermöglicht es, die Belange der älteren

Migranten_innen aus mehreren Blickwinkeln

zu untersuchen. Es gilt festzustellen,

welche spezifischen Lebensinteressen die

verschiedenen älteren Migrantengruppen

haben und welche Anforderungen sie an

ein Stadtquartier stellen.

Die statistische Auswertung der Modellvorhaben

zeigt, dass viele Stadtquartiere

von einer beträchtlichen Anzahl älterer

Ausländer_innen und Migranten_innen bewohnt

werden. Die stadtplanerischen Kriterien

wiederum zeigen, dass Stadtquartiere

mit einer hohen Anzahl an Ausländer_innen

und Migranten_innen eher zu den sozial benachteiligten

Stadtquartieren gehören und

daher meist eine negative Außenwirkung

ausstrahlen.

Ein guter Datenzugang war nur bei wenigen

Stadtquartieren vorhanden, vor allem

bezüglich der Angaben von Personen mit

Migrationshintergrund. In den Forschungsberichten

der Modellvorhaben konnte schon

im Vorfeld herausgelesen werden, dass wenige

Stadtquartiere die älteren Migranten_

innen als eigenständige Bevölkerungs -

gruppe wahrnehmen.

Die Stadtquartiere Neue Vahr Nord in Bremen,

Nauener Platz in Berlin-Wedding und

die Pfingstweide in Ludwigshafen werden

als Fallstudien untersucht.

Die in Bremen dominierende Gruppe der

älteren Spätaussiedler_innen wird mit der

Gruppe der älteren türkischen Migranten_

innen in Berlin verglichen. In Ludwigshafen

überwiegt keine Migrantengruppe, was

einen Vergleich mit zwei über viele Jahre

gewachsenen ethnischen Kolonien zulässt.

Die öffentlichen Räume werden mit einer

stadtplanerischen Bestandsaufnahme untersucht.

Mit Experteninterviews ist es

möglich, einen genaueren Einblick in die

Situation der älteren Migranten_innen und

ihre Beteiligung an den Modellvorhaben zu

bekommen. Geführte Passantenbefragungen

ermöglichen die Meinung der älteren

Bewohner_innen zu den hier relevanten

Themenschwerpunkten bezüglich der

städtebaulichen Situation und den älteren

Migranten_innen zu erfahren. Die Auswertungen

der Gespräche werden in die Bestandsanalyse

und in die Bewertung der

Stadtquartiere einfließen.


IV A Fallstudie

Neue Vahr Nord, Bremen

‚Gemeinschaftseinrichtungen im Quartier –

Umbau sozialer Infrastruktur‘

1 Städtebauliche Bestandsanalyse

Vorgehensweise

Die Analyse des Modellvorhabends ‚Familien-

und Quartierszentrum‘ auf der

Neuen Vahr Nord in Bremen basiert auf

vier Schritten. In einem ersten Schritt wurden

die bestehenden Statistiken, Vor- und

Zwischenberichte sowie weitere Informationen

und Presseartikel zu dem Projekt

studiert. Im zweiten Schritt fand die städtebauliche

Begehung des gesamten

Stadtquartiers statt. Mit Hilfe von Beobachtungen

entstanden Notizen und Informationen

zur älteren Bevölkerung, der

Gebäudestruktur, Freiraum, Verkehr und

vordergründig der Infrastruktur. In der dritten

Phase fanden Gespräche mit zumeist

älteren deutschen Bewohner_innen statt:

Insgesamt zehn Gespräche mit je fünf

Frauen und Männern. Das Durchschnittsalter

der Befragten betrug 72 Jahre und

ihre Durchschnittswohndauer auf der

Neuen Vahr Nord 32,7 Jahre. Im letzten

Schritt haben Gespräche mit Experten_

innen des Stadtquartiers stattgefunden.

Der Quartiermanager und Ansprechpartner

des Modellvorhabends Herr Stöver war der

erste Gesprächspartner. Er lebt seit vielen

Jahren auf der Neuen Vahr und ist selbst

mit einer Spätaussiedlerin verheiratet. Der

Pastor der evangelischen Kirchengemeinde

Herr Krauss erlebt seit einem Jahr die älteren

Migranten_innen des Stadtquartiers in

seiner Messe und bei vielen Hausbesuchen.

Die Leiterin des Altenpflegedienstes

ADVERTUS Frau Kuse engagiert sich seit

vielen Jahren ehrenamtlich in zwei Nachbarschaftstreffs

im Stadtquartier. Ihr Pflegedienst

leistet durch ihre Mitarbeiter_innen


48 Fallstudie Neue Vahr Nord, Bremen

Städtebauliche Bestandsanalyse

Stadtquartier

Neue Vahr Nord

Hauptbahnhof

25

37 38

37 Stadtplan Bremen

38 Neue Vahr Nord 1965

39 Städtebauliche Struktur

Neue Vahr Nord

mit Migrationshintergrund eine kultursensible

Altenhilfe. Sie haben Zugang zu vielen

Wohnungen älterer Migranten_innen in der

Neuen Vahr Nord.

Quartiersgeschichte

Die Kriegszerstörungen nach dem zweiten

Weltkrieg führten in Bremen zu einem Mangel

an 30.000 Wohnungen. Die stadteigene

Wohnungsbaugesellschaft GEWOBA entschied

sich zum Bau von Wohnungen ‚auf

der grünen Wiese‘, außerhalb des ursprünglichen

Stadtkerns. Diese bot den

Planern in Bremen die Möglichkeit eine

‚neue‘ Stadt nach den theoretischen Prinzipien

der Moderne zu bauen. In den Jahren

1954 bis 1957 plante und erbaute der

Stadtplaner Ernst May zunächst nach der

„Gartenstadtidee“ von Howard die „Wohnund

Schlafsiedlung“ Gartenstadt Vahr. Die

Neue Vahr sollte nach dem Modell einer

weiterentwickelten „Gartenstadt“ entstehen,

wie sie Le Corbusier in der Charta von

Athen propagierte. Der von der Soziologie

entwickelte Nachbarschaftsgedanke wurde

hier durch die Trennung der Funktionen

von Wohnen, Erholen, Verkehr und Arbeit

ergänzt. Alle Einrichtungen die Bewohner_

innen für den Alltag benötigen, sollten zu

Fuß erreicht werden können. Die Errichtung

der Neuen Vahr folgte in den Jahren 1957

und 1963 und bot den Bremer Bewohnern

über 10.000 neue Wohnungen. Die entstehenden

Hochhäuser sollten bunte Fassaden

erhalten und „den Optimismus einer

neuentstandenen und immer stärker werdenden

Arbeiterbewegung nach dem

Kriege demonstrieren“. (www.bremen.de

2003; ksa.schule.bremen.de)

Städtebauliche Situation

Die Neue Vahr Nord liegt im Osten der Stadt

Bremen. Das Stadtquartier ist räumlich im

Stadtkörper eingebettet, aber die umgebende

bauliche Situation trennt es vom Rest

der Stadt. Im Osten grenzt das Stadtquartier

an die Autobahn A27, im Süden an die

stark befahrenen Autobahnzubringerstraßen

Richard-Boljahn-Allee und im Westen

an die Bürgermeister-Spitta-Allee. Im Norden

erstreckt sich über die gesamte Länge

des Stadtquartiers ein Golfplatz.


Fallstudie Neue Vahr Nord, Bremen

Städtebauliche Bestandsanalyse

49

39

3

1

5

August-Bebel-Allee

3

Paul-Singer-Straße

Karl-Kautsky-Straße

4

2

Carl-Severing-Straße

2

5

Richard-Boljahn-Allee

2

1

1

1

Berliner Freiheit

2

Alvar-Aalto-Hochhaus

3

Kleines Nachbarschaftszentrum

4

Spar-Markt

5

Plus

1

Familien- und Quartierszentrum

2

Leerstehende Schule

1

Vahrer See

2

Naherholungsfläche

3

4

5

Golfplatz

Hippodrom

Schrebergartenanlage

4

100m


50 Fallstudie Neue Vahr Nord, Bremen

Städtebauliche Bestandsanalyse

Neue Vahr

Nord

4 5

1 2 3

Neue Vahr

Südwest

Neue Vahr

Südost

25

40 41

40 Orientierungsplan Neue

Vahr

41 Alvar Aalto Hochhaus

Der Stadtteil Vahr ist in vier Ortsteile aufgeteilt:

Gartenstadt Vahr, Neue Vahr Nord,

Neue Vahr Südwest und Neue Vahr Südost.

Das Herzstück und bekannteste Bauwerk

der Neuen Vahr ist das mittlerweile

denkmalgeschützte 22 stöckige Alvar-Aalto-Hochhaus.

Am Fuße des Hochhauses

befindet sich noch heute die ‚Berliner Freiheit‘

– ein 1950er Jahre Einkaufszentrum,

das mit dem Namen die Solidarität der

Stadt Bremen mit der geteilten Hauptstadt

versinnbildlichen sollte. (www.bremen.de)

Die Neue Vahr ist außerdem in fünf Nachbarschaften

untergliedert. Die Nachbarschaft

eins befindet sich im Ortsteil

Südwest, die Abschnitte zwei und drei sind

im Ortsteil Südost zusammengefasst. Die

Neue Vahr Nord besteht aus den Nachbarschaften

vier (West) und fünf (Ost).

Am nördllichen Rand des Stadtquartiers an

der Paul-Singer-Straße stehen zweigeschossige

Einfamilienhäuser in Reihenhausbauweise.

Diese erstrecken sich über

die Gustav-Radbruch-Straße. Eine Besonderheit

im Stadtquartier ist eine große

Schrebergartenanlage im Osten der Nachbarschaft

fünf. Die ‚grüne‘ Anlage dient

Städtebaulich als Puffer zwischen der

Wohnbebauung und der angrenzenden

Autobahn. Das gesamte Stadtquartier ist

hauptsächlich geprägt von drei- bis achtgeschossigen

Mehrfamilienhäusern. In der

Mitte der Nachbarschaften befinden sich

die niedrigeren Gebäude und an den äußeren

Bereichen, angrenzend an die Verkehrsstraßen

stehen die höheren Gebäude.

Drei 18-geschossige Hochhäuser sollen

die Monotonie der Gebäudeanordnung

auflockern und den Bewohner_innen eine

Orientierungsmöglichkeit bieten. Die Gebäude

dienen in ihrer Funktion fast ausschließlich

dem Wohnen. Die

Erdgeschosswohnungen haben aber anders

als bei den Vorgärten der Reihenhäuser

keinen direkten Zugang zu den

vorhandenen Grünanlagen.

Ein erstes Anzeichen für die in den Gesprächen

berichteten sozialen Schwierigkeiten

der Bewohner_innen äußert sich räumlich

in der Nachbarschaft vier. Der Wohnbe-


Fallstudie Neue Vahr Nord, Bremen

Städtebauliche Bestandsanalyse

51

42 43

reich am Schulgelände unterscheidet sich in

der Gebäudestruktur von den anderen Bereichen

des Stadtquartiers. Die hier stehenden

Grundschulgebäude wurden aufgegeben

und die Schule geschlossen. Die Auflösung

wurde nötig, da durch eine freie Schulwahl

in Bremen im letzten Jahr nur 18 Schüler angemeldet

wurden. Die Eltern nahmen in Kauf

ihre Kinder in entferntere Schulen zu fahren.

Der Ruf der Schule war angesichts des

hohen Ausländeranteils unter den Schülern

sehr negativ. Ein kleiner Teil der Gebäude

und des Geländes wurde von der Freien

evangelischen Bekenntnisschule Bremen

erworben und eingezäunt. Die restlichen

noch leerstehenden Gebäude wurden auf

Grund von Vandalismus im Fensterbereich

mit Holztafeln verbarrikadiert. Die nach

Schließung der Schule gebaute Skateanlage

für Jugendliche ist ebenfalls von Zerstörung

betroffen. Im Gegensatz zum Freiraum des

restlichen Stadtquartiers ist der gesamte

Außenraum des Schulgeländes verdreckt

und die Grünanlagen ungepflegt.

Die neue Schule besitzt eine Kaufoption auf

das restliche brachliegenden Gelände. Dies

führt dazu, dass weder GEWOBA noch die

Stadt eine Restaurierung des bestehenden

Geländes in Betracht ziehen, bis das weitere

Vorgehen der evangelischen Bekenntnisschule

entschieden ist. Jugendliche und

andere zumeist arbeitslose Bewohner „lungern

hier rum“, wodurch Konflikte mit den

umliegenden Bewohnern_innen entstehen.

Zudem sorgt das am Eingang des Stadtquartiers

liegende Gelände für eine negativen

Außenwirkung.

42 Fünfgeschissiges

Mehrfamilienhaus

43 Dreigeschossiges

Mehrfamilienhaus


52 Fallstudie Neue Vahr Nord, Bremen

Ältere Migranten_innen in der Neuen Vahr Nord

25

44 45

44 Reihenhäuser an der

Paul-Singer-Straße

45 Reihenhäuser

2 Ältere Migranten_innen in

der Neuen Vahr Nord

2.1 Lebenslage

Demografische Daten

In der Neuen Vahr Nord leben insgesamt

8068 Menschen. Die zwei größten Bevölkerungsgruppen

sind die älteren Bewohner_innen

über 65 Jahre (21,5 Prozent) und

die Bewohner_innen mit Migrationshintergrund

(54,5 Prozent). Bis heute bestehen

noch 700 Erstverträge mit Bewohner_innen

der ersten Stunde. Sie leben seit über 50

Jahren in der Neuen Vahr Nord und werden

als „Vahraonen“ bezeichnet. Von den Bewohner_innen

über 65 Jahren leben 40

Prozent in Einpersonen- und 52,5 Prozent

in Zweipersonenhaushalten. (Amt für soziale

Dienste, Bremen 2008)

Der Anteil der Ausländer_innen beträgt

18,68 Prozent. Der hohe Anteil an Bewohner_innen

mit Migrationshintergrund lässt

sich mit den rund 24,9 Prozent Spätaussiedler_innen

aus den ehemaligen Ostblockstaaten

begründen. Bewohner_innen

mit türkischem (7,4 Prozent) oder afrikanischem

(4,5 Prozent) Migrationshintergrund

sind in geringerer Anzahl im Stadtquartier

vertreten. (Statistisches Landesamt Bremen

2006)

Rund fünf Prozent der älteren Bewohner_

innen über 65 Jahren im Stadtquartier sind

Migranten_innen. Die Bevölkerung der

Neuen Vahr Nord wird in Zukunft vor allem

von Personen mit Migrationshintergrund

bewohnt sein, wie die 76,1 Prozent Migranten_innen

unter 18 Jahren zusätzlich

verdeutlichen. (Statistischen Landesamt

Bremen 2006)

Gesundheitliche Lage

Der Pflegedienst ADVERTUS stellen fest,

dass die älteren Migranten_innen kaum

Zugang zu den Angeboten des deutschen

Gesundheitssystems haben. Viele wissen

nicht was ihnen per Gesetz zusteht. Die

meisten älteren Bewohner_innen erhalten

Hilfe aus ihren Familienverband. Dies ist

bei älteren Spätaussiedler_innen und türki-


Fallstudie Neue Vahr Nord, Bremen

Ältere Migranten_innen in der Neuen Vahr Nord

53

46 47

schen Migranten_innen ähnlich. Aber auch

in der Neuen Vahr Nord bestätigt sich zunehmend,

was in Kapitel II als Pflegeillusion

bezeichnet wird. Schon jetzt sind im

Stadtquartier viele ältere Migranten_innen

auf die Hilfe von Pflegediensten angewiesen.

Besonders die älteren Spätaussiedler_innen

verweigern die Annahme der

vorhandenen Angebote aufgrund ihres

Argwohns gegenüber Pflegediensten.

Ökonomische Situation

Der Arbeitslosenanteil liegt im Stadtquartier

bei 26,2 Prozent und ist damit um 8,5

Prozent über dem städtischen Wert. Das

neue Arbeitslosengeld II beziehen 27,8

Prozent der Bewohner. Von den Kindern

haben 55,8 Prozent mindestens einen Elternteil,

der von Hartz IV lebt. Vor allem die

Gruppe der Migranten_innen ist von Arbeitslosigkeit

und Armut betroffen. (Amt für

soziale Dienste, Bremen 2008) In der Evaluierung

‚Integriertes Handlungskonzept

Neue Vahr‘ bezüglich des Programmes

‚Wohnen in Nachbarschaften‘ in der Neuen

Vahr Nord wurden auf Basis von statistischen

Daten grafische Karten erstellt. In

diesen wird ersichtlich, dass in den Bereichen

des Stadtquartiers mit hohem Anteil

an Menschen mit Migrationshintergrund

auch diejenigen wohnen, die von Arbeitslosengeld

II leben. (IWS, proloco 2006: 11) In

den Gesprächen mit den Experten_innen

wird bestätigt, dass besonders die älteren

Spätaussiedler_innen in Armut leben. Viele

von ihnen haben noch nie in Deutschland

gearbeitet und leben entweder von Hartz

IV oder haben eine geringe Rente. Eine

Folge hiervon ist ein geringer sozialer Kontakt

zu anderen Bewohner_innen. Die wenigsten

können sich den Besuch im Café

oder die Mitgliedschaft in einem Verein

leisten. Manche greifen zum Alkohol und

andere vereinsamen mit steigendem Alter

immer mehr.

Sprachkenntnisse der Spätaussiedler_innen

Die Experten_innen berichten, dass die älteren

Spätaussiedler_innen in der Neuen

Vahr Nord geringe Deutschkenntnisse

haben. Viele können nur ihre Mutterspra-

46 Einkaufszentrum

Berliner Freiheit

47 Leerstehende Grundschule


54 Fallstudie Neue Vahr Nord, Bremen

Ältere Migranten_innen in der Neuen Vahr Nord

che und aufgrund geringer Bildung fällt vielen

das Erlernen einer neuen Sprache

schwer. Im Stadtquartier hat vor allem die

zugezogene Gruppe der Spätaussiedler_

innen mit jüdischem Glauben geringe

Deutschkenntnisse. In einigen Aspekten

dieser Arbeit wird deutlich, dass sich diese

geringe Sprachkompetenz negativ auf ihre

Lebenslage auswirkt.

2.2 Bezug zum Stadtquartier

25

48 Neungeschossiges

Hochhaus an der

Karl-Kautsky-Straße

Ethnische Kolonie

Die älteren Migranten_innen leben vermehrt

in den Mehrfamilienhäusern der

Nachbarschaft fünf. Die älteren deutschen

Menschen wohnen hingegen vermehrt in

den Reihenhäusern. Aufgrund der grafischen

Karten kann vermutet werden, dass

in Nachbarschaft fünf rund 30 Prozent an

älteren Bewohnern und rund 45 Prozent an

Menschen mit Migrationshintergrund

leben. In Nachbarschaft vier sind die Migranten_innen

jünger und in größerer Anzahl

vertreten. (IWS; proloco 2006: 10) Die Experten

bestätigen, dass sich die unterschiedlichen

Migrantengruppen wiederum

in einzelnen Häusern oder Straßenzügen

konzentrieren. Ein Beispiel hierfür ist die

Carl-Severing-Straße in der Nachbarschaft

vier in der vermehrt Spätaussiedler wohnen.

Das Stadtquartier ist durch die baulichen

Situation von den anderen Bewohner_

innen der Stadt als „Ghetto“ stigmatisiert.

Diese Außenwirkung ist beispielhaft für

Stadtquartiere mit räumlich segregierten

ethnischen Gruppen einer schwachen sozialen

Schicht. (IWS; proloco 2006: 10)

48

Rückkehrwillen

Bei den älteren türkischen Migranten_innen

und den anderen älteren Gastarbeiter_

innen in der Neuen Vahr Nord bestätigen

sich die in Kapitel II beschriebenen Auswirkungen

des verpassten Migrationsziels

und der daraus folgenden Rückkehrillusion.

Die Experten sagen aus, dass diese

Bevölkerungsgruppen an psychischen

Problemen leiden und auf Pflege angewiesen

sind.

Die älteren Spätaussiedler_innen litten in

ihrer Heimat zum Teil unter Verfolgung oder

schweren Lebensbedingungen. Sie berichten

von ihrer großen Armut und der schwerer

körperlicher Arbeit in Herkunftsländern

wie Kasachstan oder Sibirien. Trotz der negativen

Erfahrungen aus der Heimat haben

die älteren Spätaussiedler_innen zu ihrer

Kultur, dem Essen und wie schon berichtet

zur Sprache eine große Verbundenheit.

Viele von ihnen haben einen Satellitenanschluss

mit dem sie ausschließlich russisches

Fernsehen empfangen.


Fallstudie Neue Vahr Nord, Bremen

Ältere Migranten_innen in der Neuen Vahr Nord

55

49 50

2.3 Verhältnis zur Deutschen

Gesellschaft

Die älteren Spätaussiedler_innen sind eher

zurückhaltend und verschlossen. Sie

möchten im Stadtquartier wenig auffallen

und trauen sich nicht, Kontakte mit deutschen

Bewohner_innen aufzubauen. Die

Experten_innen bestätigen, dass die älteren

Spätaussiedler_innen kaum Kontakte

zu den deutschen Bewohner_innen haben.

Sie stellen fest, dass die älteren türkischen

Migranten_innen ein besseres Verhältnis

zu den Deutschen unterhalten. Der Grund

hierfür soll die bessere Sprachkenntnis der

älteren türkischen Migranten_innen sein.

Die älteren deutschen Bewohner_innen

äußern sich in den geführten Passantengesprächen

eher negativ zum Verhältnis zu

den Bewohner_innen mit Migrationhintergrund.

Obwohl die Mehrzahl der Befragten

angibt keinen Kontakt zu Migranten_innen

im Stadtquartier zu haben. Vor allem ihr

Verhältnis zu den Spätaussiedler_innen ist

getrübt. Negative Äußerungen gegenüber

der Gruppe der türkischen Migraten_innen

sind hingegen keine gefallen. Es bestehen

Konflikte zu den jüngeren „Russen“ und zu

den älteren „russischen“ Männern. Sie sollen

auf den Bänken vor den Häusern „rumlungern“

und alles verdreckt hinterlassen.

Abends sei es laut und viele ältere deutsche

Bewohner_innen fühlten sich hierdurch

bedroht. Einige Bewohner_innen

äußern sich erfreut darüber, dass bei ihnen

im Haus keine „Russen“ wohnen. Früher

sei es besser gewesen, da die ersten Gastarbeiter

„dynamisch waren und arbeiten

wollten“. (siehe Auswertung, Anhang)

Die Experten_innen vermuten, dass die

Spätaussiedler_innen aufgrund der Verfolgungen

und Unterdrückung im Herkunftsland

Misstrauen gegenüber staatlichen

Stellen in Deutschland haben. Dabei trennen

sie nicht zwischen kommunalen Behörden,

der Kirche oder einem Altenpflegedienst. Sie

haben Angst vor einer Benachteiligung durch

die Annahme von staatlicher Hilfe. Vor allem

die Altenpflegeeinrichtungen berichten, dass

sie mit dieser Zurückhaltung von Seiten der

Spätaussiedler_innen kämpfen.

49 Bach in Nachbarschaft 5

50 See in Nachbarschaft 4 an

der Karl-Kautsky-Straße


56 Fallstudie Neue Vahr Nord, Bremen

ExWoSt – IFAS Modellvorhaben

51

2

1 1 3

und Quartierszentrum‘ entwickelt. Es wird

in den Räumen der Heilig-Geist-Kirche,

eines Waschhauses der Wohnungsbaugesellschaft

GEWOBA und dem angrenzenden

Sparkassengebäude entstehen.

(proloco, Glatthaar, Lehmann 2007: 3)

25

1

2

3

1

2

ev. Kirchengemeinde

Waschhaus

Sparkasse

Spielplatz der Generationen

August-Bebel-Kreisel

51 Orientierungsplan

Familien- und

Quartierszentrum

2

3 ExWoSt – IFAS

Modellvorhaben

3.1 Familien- und

Quartierszentrum

Die im Auftrag der Stadt Bremen erstellte

Evaluation ‚Integriertes Handlungskonzept

Neue Vahr‘ bemängelt den „Abbau sozialer

Infrastruktur im sozial schwächsten Ortsteil“

(IWS, proloco 2006: 15). Die Nachbarschaft

vier hebe sich ab, da hier eine

„stärkere negative Ausprägung bei den

statistischen Indikatoren wie niedrige

Wohndauer, höherer Anteil von Menschen

mit Migrationshintergrund, sowie höherer

Anteil von Sozialhilfeempfänger/innen besteht“

(IWS, proloco 2006: 15). Das zuständige

Quartiersmanagment hat nach dieser

Beurteilung mehrere soziale Träger des

Stadtquartiers eingeladen, um ein Konzept

für ein neues Mehrgenerationenhaus zu erstellen.

Das geplante Projekt wurde in der

weiteren Bearbeitung zu einem ‚Familien-

Daten und Fakten

Der neue Standort des Familien- und Quartierszentrum

befindet sich am Kreisel August-Bebel-Allee.

Das Waschhaus wird

umgebaut und um ein Geschoss aufgestockt.

Hier soll ein Saal mit Balkon entstehen.

Den beteiligten Trägern werden Räume

zur Verfügung gestellt. Die Besonderheit

hierbei ist ein geplantes Café mit Küche

und ein Medienraum für die Installation von

acht bis zehn Computern. Zusätzlich zur

Erweiterung des Waschhauses stellt die

Heilig–Geist–Kirche den bestehenden Saal

und Gruppenräume aus dem Gemeindehaus

zur Verfügung. In einem ehemaligen

Sparkassenbüro bekommt eine ‚Krabbelgruppe‘

ihren Raum. Ein ‚Spielplatz der

Generationen‘ soll die bestehenden Gebäude

verknüpfen. (proloco, Glatthaar,

Lehmann 2007: 4)

Finanziert wird das 1.100.000 € teure Projekt

von der Wohnungsbaugesellschaft

GEWOBA, aus dem ExWoSt Fördermitteln,

aus dem Projekt ‚Soziale Stadt‘, von der

Stiftung ‚Wohnliche Stadt‘, aus dem Impuls-Programm

der Stadt Bremen und von

der St. Petri Kinder- und Jugendhilfe. (Amt

für soziale Dienste, Bremen 2008)

Das Projekt setzt sich aus fünf Projektträgern

zusammen:

- Amt für Soziale Dienste Bremen, Haus

der Familie Vahr

- Heilig–Geist–Kirche der Evangelischen


Fallstudie Neue Vahr Nord, Bremen

ExWoSt – IFAS Modellvorhaben

57

Kirchengemeinde in der Neuen Vahr

- St. Petri Kinder- und Jugendhilfe,

Förderwerk Bremen GmbH

- Vacances GmbH, Mobiler Sozial- und

Pflegedienst

- Advertus GmbH & Co. KG, Pflege-,

Senioren- und Familiendienste

(Amt für soziale Dienste, Bremen 2008)

Das Modellvorhaben gliedert sich in vier

Projektbausteine. Die Erarbeitung eines

neuen Trägermodells ermöglichte die Zusammenarbeit

von verschiedenen Institutionen.

Der Entwurf, die Planung und der

Bau des Familien- und Quartierszentrums

wurden mit Beteiligung der Bewohner_

innen durchgeführt. Eine Innovation stellt

der Medienraum dar. Dieser soll die Bewohner_innen

des Stadtquartiers vernetzen

und ihnen die Möglichkeit schaffen,

Dienstleistungen über ein virtuelles

Schwarzes Brett anzubieten. Auf dem

neuen Bereich zwischen den Gebäuden

entsteht ein ‚Spielplatz der Generationen‘

vor allem für die älteren Bewohner_innen

der Neuen Vahr Nord. (proloco, Glatthaar,

Lehmann 2007: 3)

3.2 Bürgerbeteiligungsverfahren

Die Bewohner_innen der Neuen Vahr Nord

wurden zu einer Auftaktveranstaltung am

8. April 2008 eingeladen. An dieser nahmen

rund 70 Bewohner_innen teil und es

wurden drei Arbeitsgruppen eingerichtet.

Die Schwerpunkte der Arbeitsgruppen

lagen in der Erarbeitung und Organisation

des geplanten Cafés, des Medienraums

und des Veranstaltungsraums. Die bisher

52

beteiligten Bürger sind fast ausschließlich

deutscher Herkunft. Darüber hinaus gab es

bisher keine Bürgerbeteiligung.

Die Experten_innen im Stadtquartier äußern,

dass sie große Schwierigkeiten

haben, ältere Migranten_innen an der Erarbeitung

des Projektes zu beteiligen. Zu der

Gruppe der älteren Migranten_innen mit

türkischem Migrationshintergrund besteht

bisher kein Zugang. Es gebe kein vorhandenes

Netzwerk und keine Anknüpfungspunkte.

Zu den älteren Spätaussiedler_innen

gibt es indirekte Kontakte über russischsprachige

Multiplikatoren. Einige Beteiligte

des Projektes haben einen Migrationshintergrund

oder sind mit Migranten_innen

verheiratet. Die Betroffenen selbst halten

sich aufgrund Sprachunsicherheiten und

dem Misstrauen gegenüber öffentlichen

Trägern zurück. An der Heilig–Geist–Kirche

sind bei den Messen viele ältere Spätaussiedler_innen

anzutreffen. Der Versuch an

sie heranzutreten, um sie in die bestehenden

Angebote einzubinden, scheiterte bisher.

52 Waschhaus


58 Fallstudie Neue Vahr Nord, Bremen

ExWoSt – IFAS Modellvorhaben

25

53 54

53 Blick von der August-

Bebel-Allee auf das

zukünftige Familien- und

Quartierszentrum,

Computeranimation

54 Zugang zum Waschhaus

3.3 Angebote im Familienund

Quartierszentrum

Im Konzept für das Familien- und Quartierszentrum

haben sich die beteiligten Träger

das Ziel gesetzt „die Lebenssituation

der Bewohnerinnen und Bewohner der

Neuen Vahr Nord durch angemessene –

auch Hilfs-Angebote zu verbessern und

die Solidarität untereinander zu fördern“

(proloco, Glatthaar, Lehmann 2007: 7). Das

neuen Haus soll für alle Bewohner_innen

jeden Alters und jeder Kultur offen sein und

ihnen als Ort für „Unterstützung, Austausch,

Begegnung, Beschäftigung, Bildung,

Beratung und Integration“ (proloco,

Glatthaar, Lehmann 2007: 7) dienen.

Die erste Herausforderung gegenüber älteren

Migranten_innen liegt darin, sie auf das

Familien- und Quartierszentrum aufmerksam

zu machen. Die neu geplanten und

bestehenden Projekte sollen ihnen vorgestellt

werden und sie im Idealfall an das

Haus binden. Die Multiplikatoren_innen

sollen mit ihrer Sprachkompetenz vermitteln

und bei der Erarbeitung von passenden

Angeboten mithelfen. Die zwei

beteiligten Pflegedienste haben sich verpflichtet

nicht kommerzielle Angebote für

ältere Menschen anzubieten. (Amt für soziale

Dienste, Bremen 2008)

Die Bewohner_innen der Neuen Vahr Nord

werden mit einer Fülle von Kursen gelockt.

Für ältere Migranten_innen sind Sprachkurse

und Gesprächskreise in den neuen

Räumen geplant. Die neu geschaffenen

Veranstaltungsräume möchte man zur Ausführung

von Kulturveranstaltungen nutzen.

(Amt für soziale Dienste, Bremen 2008)

Das geplante Café und der Medienraum

werden von den Trägern als wichtige Elemente

genannt, um Angebote für ältere Migranten_innen

auszuführen. So soll das

neue Café als Treffpunkt für Jung und Alt

jeder Kultur dienen. Mit niedrigen Preisen

möchte man vor allem die sozial Schwächeren

im Stadtquartier erreichen. Das Innovative

am Familien- und Quartierszentrum

stellt der Medienraum dar. Hier wird ein

Computerkurs mit dem Schwerpunkt Internet

angeboten. Dabei sollen die älteren

Spätaussiedler_innen lernen, über Email


Fallstudie Neue Vahr Nord, Bremen

ExWoSt – IFAS Modellvorhaben

59

und Chat mit ihren Verwandten in der Heimat

zu kommunizieren. Ein Wunsch, der

von Seiten der älteren Spätaussiedler_

innen mehrfach geäußert wurde. Das Herzstück

des Medienraums soll eine

zweisprachige Tauschbörse werden. Diese

soll die Stärken der älteren Migranten_

innen nutzen. Die Träger stellen sich vor,

dass jüngere Bewohner_innen handwerkliche

Hilfe anbieten und im Gegenzug die

älteren Bewohner_innen auf ihre Kinder

aufpassen. (Amt für soziale Dienste, Bremen

2008)

3.4 Infrastrukturelle

Versorgung

Öffentliche Programme und Angebote

Die Neue Vahr wird auf unterschiedlichen

Ebenen von drei sozialen Programmen finanziell

gefördert. Die Mittel werden entsprechend

der Projekte auf die einzelnen

Nachbarschaften verteilt. Die Neue Vahr

Nord stellt einen Schwerpunkt der Förderung

dar. Das Bundesprogramm ‚Soziale

Stadt‘ unterstützt in mehreren Bereichen

im Stadtquartier Projekte zur städtebaulichen

Aufwertung. Die Stadt Bremen unterstützt

dies mit dem Programm ‚Wohnen in

Nachbarschaften (WiN)‘. Ein Quartiersmanager

soll Träger in 1960- und 1970er Jahre

Stadtquartieren vernetzen, finanzielle Mittel

aus unterschiedlichen Projekten kombinieren

und das Bürgerengagement und die

Bürgerbeteiligung steigern helfen. Das

Programm ‚LOS -Lokales Kapital für soziale

Zwecke‘ ist aus dem Europäischen Sozialfonds

der Europäischen Union finanziert.

Unterstützung finden Stadtteile, die als soziale

Brennpunkte gelten um soziale und

beschäftigungswirksame Potenziale zu aktivieren.

Insgesamt werden durch die bereitgestellten

Gelder gleichzeitig bis zu 27

Projekte in der Neuen Vahr finanziert und

gefördert. (Amt für soziale Dienste, Bremen

2008)

In den Expertengesprächen wurde geäußert,

dass sich das Bürgerzentrum an der

Berliner Freiheit um die Bewohner_innen

der Neuen Vahr mit türkischem Migrationshintergrund

bemüht. Erwähnenswert ist ein

Gymnastikkurs für ältere Frauen. Dieser

war ursprünglich für alle älteren Frauen gedacht,

ist aber mittlerweile nur von älteren

türkischen Migrantinnen besucht. Das Bürgerzentrum

versucht zudem mit Sprachförderkursen

die älteren Migranten_innen im

Stadtquartier durch eine bessere Sprachkenntnis

zu integrieren.

Ein weiteres Projekt um den älteren Migranten_innen

ein Treffpunkt im Gemeindehaus

zu bieten hatte weniger Erfolg. Der

‚Fastumsonstladen‘ war als Flohmarkt gedacht.

Bewohner_innen haben Bücher, Gegenstände

oder Haushaltswaren

gespendet. Diese wurden dann im Gemeindehaus

zu einem geringen Preis verkauft.

Trotz einer zweisprachigen (Deutsch/

Russisch) Werbeaktion kamen keine älteren

Migranten_innen.

Ehrenamtliche Projekte

In der Neuen Vahr Nord gibt es drei Projektgruppen,

die sich um die Belange der

Gruppe der Spätaussiedler_innen kümmern.

Die Gruppe ‚MUT–Unterstützung

und Motivation tut gut‘ ist eine „Interessengemeinschaft

von Zugewanderten, Einheimischen

und Experten“, die sich mit dem

Thema „Berufliche und soziale Integration


60 Fallstudie Neue Vahr Nord, Bremen

ExWoSt – IFAS Modellvorhaben

25

55 56

55 Kleines Nachbarschaftszentrum

in der

Paul-Singer-Straße

56 Innenansicht,

Einkaufszentrum Berliner

Freiheit

von Aussiedlern“ auseinandersetzt (Vahr-

Plan 2004/18: 6). Aus MUT wurden mehrere

Personen mit einem akademischen

Abschluss zu Multiplikatoren ausgebildet.

Sie sollen bei den vielen Projekten im

Stadtquartier vor allem mit ihrer Sprachkenntnis

helfen. Der Verein ‚Familie im Hilfenetz‘

hat das Projekt ‚IDAL‘ initiiert, um

Menschen mit Behinderungen und russischem

Migrationshintergrund zu unterstützen.

Der Verein ‚Bremen.ru e.V., Sprachen

– Kultur – Leben‘ verfolgt das Ziel, den

Spätaussiedler_innen im Stadtquartier, Informationen-

und Betreuungsmöglichkeiten

zur sozialen Integration und

Arbeitssuche in Deutschland aufzuzeigen

und ihnen die Teilhabe am öffentlichen

Leben in der Neuen Vahr zu ermöglichen.

Ein Schwerpunkt liegt darin, russischsprachigen

Akademiker_innen Wege ins Berufsleben

in Deutschland aufzuzeigen.

(VahrPlan 2006/30: 8)

In den Nachbarschaften der Neuen Vahr

und in der Gartenstadt Vahr organisieren

Bewohner_innen regelmäßige Nachbarschaftstreffs.

Hier sollen vor allem ältere

Bewohner_innen angesprochen werden,

wobei die älteren Migranten_innen nur selten

teilnehmen. Ein spezielles Projekt in der

Neuen Vahr Nord ist die Initiative ‚Mahl-

Zeit‘. Das ‚The Cruise Cafe Hotel‘ in Bremen

verteilt jeden Sonntag an der

Heilig–Geist–Kirche kostenloses Essen für

Kinder und Familien. Das Essen wird vom

Hotel, den Lieferanten und ehrenamtlichen

Bewohner_innen gesponsert. Bis zu 70

Kinder und Erwachsene nehmen dieses

Angebot wahr. Die Teilnehmer sind zum

Großteil Spätaussiedler_innen. Das kostenlose

Essen wird auch von älteren Migranten_innen

in Anspruch genommen.

(VahrPlan 2008/39: 7)

Kommerzielle Angebote

Die Versorgung der Bewohner_innen mit

Dienstleistungen und Lebensmitteln in der

Neuen Vahr Nord war bei der Planung mit

den kleinen Nachbarschaftszentren und

dem großen Zentrum mit der Berliner Freiheit

und einem Marktplatz vorgesehen. Ein

Nachbarschaftszentrum befindet sich an


Fallstudie Neue Vahr Nord, Bremen

ExWoSt – IFAS Modellvorhaben

61

der Paul-Singer-Straße. Hier ist eine Versorgung

mit Lebensmitteln wie ursprünglich

vorgesehen nicht mehr gegeben. Die

Lebensmittel- und Gemüsehändler haben

sich verlagert. Die älteren Bewohner_innen

mit und ohne Migrationshintergrund in den

Nachbarschaften vier und fünf kaufen

daher bei der Berliner Freiheit ein. Am

westlichen Rand des Stadtquartiers befinden

sich zusätzlich zwei Supermärkte, welche

die Bewohner_innen der Nachbarschaft

vier versorgen.

Die Berliner Freiheit wurde im Jahr 2003 zu

einer modernen Einkaufsmall umgebaut.

Hier sind bis zu 65 Läden vorhanden, vom

Lebensmittelhandel (Extra, Aldi) bis zum

Schuhladen (Deichmann) ist alles vorhanden

was für die Versorgung der Bewohner_innen

der Neuen Vahr notwendig ist.

Der Umbau zu einer modernen ‚Einkaufsmall‘

hat zu der Schwächung der kleinen

Nachbarschaftszentren in der gesamten

Vahr geführt.

Die Pflegedienste Vacances und Advertus

haben sich eine kultursensible Altenhilfe

zum Ziel gesetzt. Dies leisten sie mit der

Einstellung von Mitarbeiter_innen mit Migrationshintergrund.

Sie informieren zudem

über ihre Angebote mit Broschüren in türkischer

und russischer Sprache. Wichtigste

Hilfe ist zur Zeit die Unterstützung bei der

Vorbereitung und Übersetzung während

der medizinische Erstuntersuchung.

57

3.5 Wechselbeziehungen

Freiraum

Der Freiraum wird in der oben genannten

Evaluation (IWS, proloco 2006: 7) als das

positive Markenzeichen der Neuen Vahr

Nord beschrieben. Gemeint sind die großzügigen,

die Gebäude umgebenden Grünanlagen.

Das Stadtquartier ist durchweg

mit Wiesen und Bäumen bestückt. Zwischen

den Gebäuden und auf den Wiesen

befinden sich Spielplätze für die Kinder des

Stadtquartiers. Die älteren Bewohner_innen

nutzen die an den Wegen vereinzelt aufgestellten

Sitzbänke. Die Wege werden gerne

zum Spazieren und Radfahren genutzt. Der

gepflegte Freiraum wird von der GEWOBA

mit Hilfe über das Stadtquartier verteilten

Hauswärtern gewährleistet. Die Bewohner_innen

äußern sich sehr positiv über die

Pflege der Grünanlagen durch die GE-

WOBA. Der gepflegte Freiraum trägt zur

Wohnzufriedenheit der Bewohner_innen im

Stadtquartier bei. (siehe Auswertung, Anhang)

57 Senioren_innen nach dem

Einkauf in der Berliner

Freiheit


62 Fallstudie Neue Vahr Nord, Bremen

ExWoSt – IFAS Modellvorhaben

25

58 59

58 Brücke (Karl-Kautsky-

Straße) über der

Richard-Boljahn-Alee

58 Alkoholisierte Männer

am Vahrer See

Eine Bereicherung des Freiraums ist der

Vahrer See (Neue Vahr Südost) und die

durch die neue Vahr Nord führenden Bäche

die zum Rhododendronpark oberhalb des

Golfplatzes führen. Der Vahrer See hat eine

hohe Aufenthaltsqualität, wird aber von

den Bewohner_innen der Neue Vahr Nord

aufgrund der Entfernung wenig genutzt. In

den Passantengesprächen wird zudem geäußert,

dass sich am Vahrer See ältere

Spätaussiedler treffen und sich alkoholisieren.

Sie hielten sich als Gruppe dort auf,

seien laut und würden die Anlagen mit Flaschen

und Müll verschmutzen. Die befragten

älteren Bewohner geben an, dass sie

daher die Gehwege am Vahrer See nicht

mehr zum Verweilen und Spazieren nutzen.

Ebenso hielten sich ältere Spätaussiedler

um die Berliner Freiheit, am Parkhaus und

auf der Straße in stark alkoholisiertem Zustand

auf. Während der Bestandsaufnahme

konnten die beschriebenen Vorgänge an

den jeweiligen Orten beobachtet werden.

(siehe Auswertung, Anhang)

Verkehr

Das Straßennetz sei hingegen die negative

Komponente des Stadtquartiers. (IWS;

proloco 2006: 7) Die breiten Hauptstraßen

in der Neuen Vahr werden von den Bewohner_innen

als Trennung der einzelnen Ortsteile

wahrgenommen. Der Ortsteil Nord

wird von den südlichen Ortsteilen von der

Richard-Boljahn-Straße getrennt. Diese

stark befahrene Straße ist mit Hilfe einer

Brücke überquerbar. Die Karl-Kautsky-

Straße wird von Senioren_innen auf dem

Weg zur Berliner Freiheit genutzt. Dieses

Einkaufszentrum erreichen sie nur mit großer

Anstrengung durch einen Umweg über

Treppen und Rampen. Die Nachbarschaften

vier und fünf sind von der Karl-Kautsky-

Straße geteilt. Diese muss von den

Bewohner_innen des Stadtquartiers befahren

werden wenn sie mit dem PKW an ihre

Häuser gelangen möchten. Fußgänger_

innen können diese an zwei Stellen überqueren.

Zum einen am Kreisverkehr an der

Paul-Singer-Straße und zum anderen wenige

Meter vor der Brücke. In den Beobachtungen

der Straße zeigt sich, dass


Fallstudie Neue Vahr Nord, Bremen

ExWoSt – IFAS Modellvorhaben

63

Bewohner_innen der Nachbarschaft vier,

auf dem Weg zur Berliner Freiheit, diese

trotz des starken PKW-Verkehrs wild überqueren.

Wie beobachtet wurde, ist die Gefahr

eines Unfalls auch beim Übergang am

Kreisverkehr groß. Hier ist die Straße, ohne

weitere Beschilderung, ausschließlich mit

schmalen Streifen am Boden markiert.

In den Wohnbereichen ist trotz der angrenzenden

Autobahn kaum PKW lärm zu vernehmen.

Dabei hilft, dass die Straßen in

den Nachbarschaften als verkehrsberuhigte

Zonen nur mit Tempo 30 befahrbar

sind.

Wohnen

Die Gebäude aus den 1960er Jahren in der

Neuen Vahr Nord sind nicht altengerecht.

Viele Gebäude wurden in den letzten Jahren

modernisiert, der Schwerpunkt lag hier

aber beim Dämmen der Häuser, um den

hohen Energieverbrauch zu senken. Ein

Umbau zu altengerechten Gebäuden wäre

mit hohen Kosten verbunden und stellt

sich als sehr schwierig dar.

Die erste Hürde für ältere Bewohner_innen

in den Gebäuden sind die Aufzüge. Bei

Mehrfamilienhäusern mit weniger als vier

Geschossen sind keine Aufzüge vorhanden.

In der Nachbarschaft fünf ist dies

südlich der Heinrich-Schulz-Straße (k) der

Fall. Hier leben bis zu 30 Prozent Bewohner_innen

über 65 Jahren. Mehrfamilienhäuser

mit mehr als vier Geschossen sind

ebenfalls nicht altengerecht, obwohl Aufzüge

vorhanden sind. Diese halten jeweils

auf den halben Geschossen, so dass bis

zur Wohnungstür bis zu fünf Stufen nach

oben oder unten zurückgelegt werden

müssen. Die Wohnungen selbst sind ebenfalls

nicht altengerecht. Die Bäder sind zu

klein um sie mit einem Rollator zu betreten,

geschweige denn mit einem Rollstuhl. Dies

liegt vor allem an den rund 60 cm schmalen

Türen.

Die Wohndauer kann ein Indikator für die

Zufriedenheit der Bewohner_innen sein.

Bei den Befragten liegt die Wohndauer in

ihrer jetzigen Wohnung zwischen 18 und

50 Jahren. Ein unterschied in der Wohndauer

lässt sich bei den Bewohner_innen

in der Nachbarschaft vier feststellen. Hier

ist ein höherer Anteil an Bewohner_innen

mit einer Wohndauer unter zwei Jahren.

Der Großteil der befragten Bewohner_innen

empfinden ihre Wohnungsgröße und die

Miethöhe als angemessen. Mehr als die

Hälfte der Befragten gibt an, sich in ihrer

Wohnung wohl zu fühlen. (siehe Auswertung,

Anhang)

In den Expertengesprächen wird überwiegend

ein Straßenzug als Problemzone genannt.

Die Carl-Severing-Straße (d) habe

zu viele „Russen“ und „Schwarze“. Vor

allem die jugendlichen „Russen“ fahren auf

der Straße mit ihren Fahrzeugen zu schnell

und oftmals nutzen sie die Wendeplatte der

Carl-Severing-Straße als Parkplatz, um

gleichzeitig aus mehreren Autos laute

Musik zu hören. Dies hat schon oft zu Beschwerden

der anliegenden Bewohner_

innen geführt. In anderen Bereichen des

Stadtquartiers fallen ebenfalls Jugendliche

als störend auf. Die GEWOBA sah sich gezwungen,

Sitzbänke an den Wegen oder

Spielplätzen zu entfernen, da Jugendgruppen

selbige zerstörten oder umliegenden

Bereiche verschmutzten.


64 Fallstudie Neue Vahr Nord, Bremen

Bewertung der Fallstudien

25

4 Bewertung der Fallstudien

4.1 Städtebauliche Situation

der Neuen Vahr Nord

Freiraum

Die Neue Vahr Nord weist wenige der typischen

Merkmale einer 1960er Jahre Hochhaussiedlung

auf. Die Gebäude sind in

einem guten Zustand, der Freiraum ist sehr

gepflegt und schön gestaltet und die Verkehrsanbindung

an die Stadt ist ebenfalls

gut. Einzig die leerstehende Grundschule

in Nachbarschaft vier suggeriert, dass hinter

der „sauberen Fassade“ des Stadtquartiers

soziale Schwierigkeiten herrschen.

Die GEWOBA ist bemüht, Außenanlage

und Gebäude in Stand zu halten. Das geht

so weit, dass sie bei Beschwerden und

Konflikten zwischen Anwohnern_innen

zum Beispiel die Sitzbänke entfernen. Vor

allem dann, wenn sich ältere männliche

Spätaussiedler auf den Bänken betrinken

und Schmutz hinterlassen. Das Entfernen

der Bank verlagert diese Gruppe allerdings

nur. Die deutschen Bewohner_innen machen

alle Spätaussiedler_innen für die geringe

Anzahl an Sitzbänken verantwortlich.

Die Neue Vahr Nord mit rund 8000 Bewohner_innen

besitzt keinen öffentlichen Platz.

Der Marktplatz an der Berliner Freiheit liegt

außerhalb des Wohngebiets.

Wohnsituation

Die Wohnsituation für die älteren Migranten_

innen in der Neuen Vahr Nord ist schlecht.

Sie leben in gering ausgestatteten Wohnungen.

Diese sind nicht altengerechten, obwohl

25 Prozent der Bewohner_innen über 65

Jahre alt sind. Keine Aufzüge, viele Treppenstufen

und kleine Wohngrundrisse gehören in

der Neuen Vahr Nord zum Standard.

Verkehr

Ein Manko, welches schon in den Berichten

geäußert wird, ist die räumliche Trennung

der einzelnen Nachbarschaften

aufgrund der breiten Verkehrsstraßen.

Diese Trennung spüren vor allem die älteren

Bewohner_innen im Stadtquartier. Trotz

eingeschränkter Mobilität sind sie gezwungen

weite Wege zu gehen. Der Weg zur

Berliner Freiheit erweist sich für die älteren

Bewohner_innen als anstrengende Aufgabe.

Die kleinen Nachbarschaftszentren

wären für die wenig mobilen älteren Bewohner_innen

wichtig, wurden aber von

den günstigen und vielfältigen Angeboten

in der Berliner Freiheit geschwächt.

4.2 Umsetzung des Familien-

und Quartierszentrum

Projekt

Die breite Trägerschaft aus öffentlichen

und nichtöffentlichen Beteiligten wird als

innovativ bewertet. Betrachtet man diese

aber bezüglich der älteren Migranten_innen

zeigt sich ein anderes Bild. Die älteren Migranten_innen

ohne christlichen Glauben

werden aufgrund der Lage und Beteiligung

der evangelische Kirchengemeinde schwer

erreichbar sein. Insbesondere die Gruppe

der älteren türkischen Migranten_innen

kann kaum unter einem christlichen Kreuz

an Angeboten teilnehmen. Ebenso werden

sich unter den älteren Spätaussielder_

innen primär diejenigen angesprochen füh-


Fallstudie Neue Vahr Nord, Bremen

Bewertung der Fallstudien

65

60 61

len, die evangelischen Glaubens sind.

Das neuen Familien- und Quartierszentrum

ist für ältere Bewohner_innen aufgrund der

Lage nicht einfach erreichbar. Sie müssen

mindestens eine breite Verkehrsstraße

samt Kreisel überqueren und betrachtet

man die Wohnlage der älteren Migranten_

innen, so sind sie besonders benachteiligt.

Während sie eher im südlichen Bereich des

Stadtquartiers leben, ist das Familien- und

Quartierszentrum im Norden und somit

besser für die älteren deutschen Bewohner_innen

erreichbar. Die Planer_innen hatten

ursprünglich vor, die verlassenen

Gebäude der ehemaligen Schule in Nachbarschaft

vier zu beziehen. Dies wurde

wegen der bestehenden Ankaufoption der

privaten evangelischen Bekenntnisschule

abgelehnt. So erweist sich die Lage als ungünstig.

Der großzügig wirkende ‚Spielplatz

der Generationen‘ ist in Wahrheit eher

kleinräumig und in Hinterhoflage. Der Eingang

zum neuen Gebäude ist ebensowenig

von der Straße sichtbar. Die Aufstockung

um ein Geschoss soll hierbei Abhilfe schaffen.

Der geplante Umbau wird ausreichend flexible

Räume für unterschiedliche Angebote

zur Verfügung stellen. Das Café, der Medienraum

und der große Veranstaltungsraum

ermöglichen viele Angebote für die spezifischen

Belange der älteren Migranten_

innen.

Obwohl eine richtige Bürgerbeteiligung

nicht stattfand, ist die Kompetenz der beteiligten

Planer_innen bezüglich der älteren

Spätaussiedler_innen groß. Die bestehenden

Kontakte zu russischsprachigen Multiplikatoren

_innen werden bei der Planung

von Angeboten genutzt.

Die anderen älteren Migranten_innen haben

eine geringe Mitsprachemöglichkeit erhalten.

Die älteren türkischen Migranten_innen

seien als Gruppe im Stadtquartier schwer

erreichbar und eher der Moschee und ihren

eigenen Kulturvereinen zugewandt.

Viele geplante Angebote in der neuen Gemeinschaftseinrichtung

richten sich an die

älteren Spätaussiedler_innen im Stadt-

60 Kreisel, August-Bebel-

Allee

61 Vorplatz der Evangelischen

Heilig-Geist-Kirche


66 Fallstudie Neue Vahr Nord, Bremen

Bewertung der Fallstudien

25

quartier. Die Ansiedlung der Pflegedienste

im Haus ermöglicht mehrsprachige Beratungen

in Fragen bezüglich Gesundheitsund

Pflegeleistungen.

Insgesamt sind die vielen vorhandenen Angebote

und sozialen Einrichtungen für die

Belange der älteren und der Bevölkerung

mit Migrationshintergrund in der Neuen

Vahr zu begrüßen. Darin zeigen sich abermals

die Bemühungen der sozialen Institutionen,

die Lebenslage der älteren

Migranten_innen zu verbessern. Doch werden

die vorhandenen Stärken der älteren

Migranten_innen zu wenig genutzt, um

Selbsthilfepotenziale zu fördern. Die Fülle

an Angeboten ist bisher eher verstreut und

wird an keiner Stelle gebündelt.

4.3 Lebenslage der älteren

Migranten_innen

Den zuständigen Planer_innen ist seit einigen

Jahren bekannt, dass die Personen

mit Migrationshintergrund die größte

Gruppe im Stadtquartier stellen. Sie sehen

die neue differenzierte Bevölkerungszählung

des Mikrozensus 2005 als Chance, da

sie nun Zahlen haben welche belegen,

dass die Spätaussiedler_innen im Stadtquartier

eine ethnische Kolonie bilden. Das

Sozialzentrum der Neuen Vahr arbeitet an

einigen Projekten um die Lebenslage der

Spätaussiedler_innen zu verbessern. Der

Aufbau eines Netztwerks mit russischsprachigen

Multiplikatoren_innen ist ein

wichtiges Projekt für die älteren Spätaussiedler_innen,

da sie geringe Sprachkenntnisse

haben.

Verhältnis zur deutschen Gesellschaft

In den Passantengesprächen zeigt sich ein

sehr negatives Verhältnis der deutschen

Bewohner_innen zu den Migranten_innen.

Viele Äußerungen grenzen an Wut und

Fremdenfeindlichkeit gegenüber den Spätaussiedler_innen.

Sie werden nur als „die

Russen“ oder „die Polen“ wahrgenommen.

Vor allem unter den Bewohner_innen der

Carl-Severing-Straße herrschen viele Konflikte

zwischen älteren Deutschen und einigen

jungen Spätaussiedler_innen. Diese

Abneigung spüren besonders ältere Spätaussiedler_innen

sehr deutlich. Sie entschieden

sich in ihre Heimat zurückzukehren

und wurden aufgrund der geringen Akzeptanz

der deutschen Bewohner_innen enttäuscht.

Sie sind keine „Russen“ sondern

auch Deutsche. Die befragten Experten_

innen unterschätzen diese negative Stimmung

und gehen eher davon aus, dass die

unterschiedlichen Gruppen aneinander

vorbei leben. Ebenso wird die Abneigung

der Spätaussiedler_innen gegenüber staatlichen

Stellen ausschließlich mit ihrer Biographie

begründet. Ihre Zurückhaltung im

Stadtquartier basiert ebenso auf den negativen

Erlebnissen mit den deutschen Bewohnern_innen.

Ein Vorgang, welcher

schon bei den älteren Gastarbeiter_innen

festgestellt wurde.

Die älteren türkischen Migranten_innen

Ein Paradoxon ist die Situation der älteren

türkischen Migranten_innen. Anders als zu

vermuten wäre, fallen sie als Gruppe im

Stadtquartier kaum auf. Trotz unterschiedlichem

kulturellem und religiösem Hintergrund

gab es keine negativen Äußerungen

von Seiten der Befragten. Sie würden im

Gegensatz zu den „Russen nicht schmarotzen

sondern arbeiten“. (siehe Auswer-


Fallstudie Neue Vahr Nord, Bremen

Handlungsempfehlungen

67

tung, Anhang)

Die älteren türkischen Migranten_innen finden

bisher auch von Seiten der Institutionen

wenig Betrachtung, obwohl ein Viertel

der Migraten_innen im Stadtquartier einen

türkischen Migrationshintergrund hat.

Trotzdem werden alle Anstrengungen der

Gruppe der Spätaussiedler_innen zugewendet.

5 Handlungsempfehlungen

5.1 ‚Gemeinschaftseinrichtungen

im Quartier‘ für ältere

Migranten_innen

Die Fallstudie der Neuen Vahr Nord hat gezeigt,

dass die älteren Spätaussiedler_

innen im Stadtquartier zurückhaltend sind

und Ängste gegenüber öffentlichen Trägern

haben. Sie sind schwer zu erreichen

und nur wenige sind gesellschaftlich integriert.

Infolge ihrer geringen Sprachkompetenz

und der schlechten Lebenslage sind

sie auf die Hilfe von muttersprachlichen

Multiplikatoren_innen angewiesen. In der

Fallstudie wurde ebenfalls gezeigt, dass

sich die Bevölkerungsgruppen der älteren

Migranten_innen unterscheiden. Die älteren

türkischen Migranten_innen scheinen

besser integriert zu sein und ein besseres

Verhältnis zu den deutschen Bewohner_

innen zu haben als die übrigen Bevölkerungsgruppen.

Die Akteure im Stadtquartier

gehen aber fälschlicherweise davon aus,

dass ältere türkische Migranten_innen Hilfe

von der Familie erhalten und sie nicht auf

62

öffentliche Träger und Angebote angewiesen

sind. Die vorhandenen Angebote sind

daher meist spezifisch auf die Bevölkerungsgruppe

der Spätaussiedler_innen zugeschnitten.

Die Akteure hoffen, dass die

älteren türkischen Migranten_innen sich

von diesen ebenfalls angesprochen fühlen

und teilnehmen. Das geplante Familienund

Quartierszentrum wurde unter den

gleichen ungünstigen Voraussetzungen

geplant. Die verschiedenen Gruppen der

älteren Migranten_innen auf der Neuen

Vahr Nord bedürfen jedoch jeweils spezifischer

Angebote. Es ist notwendig, dass die

einzelnen ethnischen Gruppen sich im

Stadtquartier räumlich zurückziehen können.

Auf diese Weise besteht eine Möglichkeit

zur Stärkung der Selbsthilfepotentiale

und des Kompetenzgefühls der Einzelnen.

Die Nutzung einer Gemeinschaftseinrichtung

mit interkulturellen Angeboten von

Seiten der älteren Migranten_innen wird

erst dann stattfinden. Die nachgewiesene

Schwäche der Neuen Vahr Nord bezüglich

mangelnder Begegnungsräume würde sich

verbessern und zur Stärkung des gesam-

62 Ehemaliger Schulhof der

leerstehenden Grundschule


68 Fallstudie Neue Vahr Nord, Bremen

Handlungsempfehlungen

25

ten Stadtquartiers führen. Die Handlungsempfehlungen

werden unter Betrachtung

dieser Belange geäußert.

Standort

Das neue Familien- und Quartierszentrum

ist an einem ungünstigen Standort geplant,

wenn es auch ältere Migranten_innen erreichen

soll. Insbesondere die älteren türkischen

Migranten_innen fühlen sich wegen

der Nähe zur evangelischen Heilig–Geist–

Kirche nicht angesprochen. Der bisherige

Standort ist zudem schwer zu erreichen

und wirkt noch wie ein Hinterhof. Der geeignete

Standort ist, wie die Planer_innen

selbst festgestellt haben, das Gelände der

brachliegenden Grundschule in Nachbarschaft

vier.

Die Schulgebäude bieten die Möglichkeit

der Modernisierung zu einem Familienund

Quartierszentrum. Für diesen neuen

zentralen Standort spricht ebenfalls die

Lage mitten in einer Nachbarschaft. Dieser

Stadtort ist für die älteren Bewohner_innen

ohne Hindernisse erreichbar und würde vor

allem den sozial benachteiligten Bewohner_innen

entgegenkommen. Der Schulhof

schafft zudem die nötige Fläche für einen

öffentlichen Platz für die Neue Vahr Nord.

Das geplante Café und der ‚Spielplatz der

Generationen‘ ergänzen diesen auf geeignete

Weise.

Nach Vorbild des Projektes ‚Breede School‘

in Rotterdam sollte die Nähe zur evangelischen

Bekenntnisschule zu einer Kooperation

führen. Die Räume des Familien- und

Quartierszentrums und der öffentliche Platz

könnten gemeinsam genutzt werden. In

diesem Beispiel bietet ein großes Schulzentrum

die Möglichkeit mehrere Institutionen

und Funktionen unter einem Dach zu

einen. Eine Schule, Kindertagesstätte und

Senioren_innen Wohnen haben eigene

Räume und auch gemeinschaftlich nutzbare

Bereiche. (SI-ORL, Jessen 2008: 24)

Das bietet eine neue Perspektive für das

Familien- und Quartierszentrum.

Angebote im Familien- und Quartierszentrum

In Anlehnung an das vorgestellte Beispiel

einer interkulturellen Begegnungs- und Beratungsstätte

für Senioren in Hannover,

empfiehlt sich in einem ersten Schritt die

Gründung von selbstständigen ethnischen

Gruppen unter Beteiligung von Multiplikatoren_innen.

Dies sollte in Räumen außerhalb des Familien-

und Quartierszentrums ermöglicht

werden, um die bestehenden Ängste der

älteren Migranten_innen abzubauen. Mehrere

dezentrale Begegnungsorte in den

leerstehenden Wohnungen müssten dafür

zu Gemeinschaftsbereichen umgebaut

werden. Geeignet sind große, gut erreichbare

Wohnungen in den einzelnen Baublöcken.

Vorstellbar sind auch ‚parasitäre‘

Bauten auf den Gebäuden.

Dieser Gemeinschaftsraum sollte für alle

Bewohner_innen des selben Wohnblocks

nach vorheriger Anmeldung zugänglich

sein. Die älteren Migranten_innen bekämen

somit den notwendigen Raum für selbstorganisierte

Treffen und Feste in der eigenen

ethnischen Gruppe.

Die Themen innerhalb der Gruppe sollten

wie beim genannten Beispiel offen sein,

damit interessierte älteren Migranten_innen

immer die Möglichkeit zur Teilnahme

haben.

In einem zweiten Schritt fänden regelmäßige

Treffen der Gruppenleiter_innen im


Fallstudie Neue Vahr Nord, Bremen

Handlungsempfehlungen

69

großen Veranstaltungsaal des Familienund

Quartierszentrum statt, um gruppenübergreifende

interkulturelle Angebote

oder Aktivitäten und Feste zu organisieren.

Angebote in der Neuen Vahr Nord

Auf der Neuen Vahr Nord gibt es eine Fülle

an soziale Projekten und Angeboten für

Migranten_innen. Eine wesentliche Verbesserung

ihrer Lebenslage ist bisher, trotz

jahrelanger Bemühungen noch nicht eingetreten.

Die höhere Effektivität ließe sich

mit einem reduzierten aber dafür gezielten

Angebot schaffen. Besonders die Gruppe

der arbeitslosen Jugendlichen mit Migrationshintergrund

bedarf einer Unterstützung

in den nächsten Jahren. Ihre Lebenssituation

sorgt für viele Konflikte mit den älteren

Bewohner_innen.

5.2 Infrastruktur und Wohnen

Stärkung der Infrastrukturellen Versorgung

Die Neue Vahr Nord mit seinen rund 8000

Bewohnern bedarf einer eigenen Infrastruktur.

Die Stadtplaner_innen schufen die

kleinen Nachbarschaftszentren. Diese sind,

wie diese Analyse zeigt, auch heute notwendig.

Die älteren Bewohner_innen benötigen

eine zu Fuß erreichbare

Einkaufsmöglichkeit. Die Berliner Freiheit

sollte nicht als Ersatz der Nachbarschaftszentren

betrachtet werden. Vielmehr

bietet sich eine Kooperation der

GEWOBA mit der Berliner Freiheit an. Es

empfiehlt sich, dass dessen Einzelhändler

die Möglichkeit erhalten die Nachbarschaftszentren

als Zweigstelle zu nutzen,

63

um für die wenig mobilen Bewohner_innen

notwendige Lebensmittel anzubieten. Dies

führt zu einer Aufwertung der bestehenden

Nachbarschaftszentren. Eine Hilfe für die

älteren Bewohner_innen wäre auch das

Angebot einer kostenlosen Busfahrt zwischen

den Wohngebieten und der Berliner

Freiheit.

Wohnen

Die GEWOBA hat als alleiniger Träger die

Chance, die Neue Vahr Nord auf die heutige

Wohnanforderungen der unterschiedlichen

Bevölkerungsgruppen anzupassen.

Ein neues Modellvorhaben mit dem Umbau

oder Neubau von Gebäuden mit altengerechten

Wohnungen ermöglicht ein besseres

zusammenleben von Jung und Alt im

Stadtquartier. Als Beipiele bieten sich die in

Kapitel II erwähnten neun Modellvorhaben

des Themenschwerpunktes „Wohnen im

Quartier“ an. Die spezifischen Wohnanforderungen

der älteren Migranten_innen

könnten somit ebenfalls baulich umgesetzt

werden.

63 Brücke der Karl-Kautsky-

Straße in Richtung Berliner

Freiheit


70 Fallstudie Neue Vahr Nord, Bremen

hgtdess

25


Fallstudie Neue Vahr Nord, Bremen

hgtdess

71


IV B Fallstudie

Nauener Platz, Berlin

‚Gestaltung urbaner Freiräume – Öffentlicher Raum für alle

Generationen‘

1 Städtebauliche Bestandsanalyse

Vorgehensweise

Die Bestandsanalyse des Stadtquartiers

Nauener Platz hat in drei Schritten stattgefunden.

Die Aufnahme des Stadtquartiers

hat im vornherein mit Hilfe der Zwischenberichte

und vor Ort mit Plänen während

des zweitägigen Aufenthaltes stattgefunden.

Spezielles Augenmerk lag bei der Beobachtung

beim Nauener Platz.

Die Passantenbefragungen wurden hier

ebenso hauptsächlich mit älteren deutschen

Bewohner_innen geführt. Diese fanden

verstreut über das gesamte

Stadtquartier statt. Insgesamt wurden 14

Personen, davon acht Frauen befragt. Das

Durchschnittsalter der Befragten betrug 72

Jahre und ihre Durchschnittswohndauer im

Stadtquartier rund 22 Jahre. (siehe Auswertung,

Anhang)

Die Expertengespräche fanden mit drei

Personen statt. Das erste Gespräch wurde

mit Herrn Bienek geführt. Er ist der ehrenamtliche

Leiter der Initiative ‚Nauener Neu‘

mit Sitz im Haus der Jugend auf dem Nauener

Platz. Der zweite Gesprächspartner

Herr Scheibig ist Raumplaner und als Moderator

zwischen den unterschiedlichen

Bewohnergruppen am Projekt Nauener

Neu beteiligt. Zusätzlich leitete er die Workshops

mit Bürgerbeteiligung und entwickelte

hierzu ein spezielles Brettspiel. Die

dritte Gesprächspartnerin konnte aus zwei

unterschiedlichen Sichtweisen berichten.

Zum einen ist Frau Sükran Altunkajnak Architektin

und Mitarbeiterin im Quartiersmanagment

Pankstraße und zum anderen hat

sie einen türkischen Migrationshintergrund.

Sie lebt mit ihrer Familie seit vielen Jahren


74 Fallstudie Nauener Platz, Berlin

Städtebauliche Bestandsanalyse

Stadtquartier

Nauener Platz

Hauptbahnhof

25

64 65

64 Ehemaliges OSRAM-

Firmengelände

65 Berlin

66 Städtebauliche Struktur

Quartier Nauener Platz

in Berlin-Wedding und kann von ihren Erfahrungen

aus vielen Projekten mit älteren

Migranten_innen berichten.

Quartiersgeschichte

Der Nauener Platz liegt im alten Berliner

Stadtbezirk Wedding. Dieser Stadtteil ist vor

750 Jahren aus einem adligen Gutshof entstanden,

woraus er auch seinen Namen hat.

Bekanntheit und ein gleichzeitiges Bevölkerungswachstum

erlangte Wedding erstmals

um die Jahrhundertwende, als sich viele

Unternehmen der Elektroindustrie ansiedelten.

Allen voran die drei bekanntesten Marken

Rotaprint, AEG und vor allem OSRAM

als Produzent der ersten Glühbirne. Die

steigenden Anzahl der Arbeiter wurde in

kleinen und aus heutiger Sicht unbewohnbaren

Mietskasernen im Stadtquartier untergebracht.

Aufgrund der damaligen

kommunistischen und sozialistischen Gesinnung

der Arbeiterschaft ist das Stadtquartier

bis heute als „Roter Wedding“

bekannt. Nach dem zweiten Weltkrieg

wurde Wedding dem französischen Sektor

zugesprochen. Über ein drittel der Gebäude

war zerstört und konnte erst in den 1950er

und 1960er Jahren wieder aufgebaut werden.

Damit verbunden hat man die noch

bestehenden Mietskasernen abgerissen.

Ab den 1970er Jahren wandelte sich Wedding

von einem Industrie- zu einem Dienstleistungsbezirk.

Die Gründung der

Technischen Fachhochschule Berlin, die

Übernahme des bestehenden Krankenhauses

durch die Uniklinik und die Ansiedlung

von zwei großen Einkaufszentren beschlossen

diese Wandlung. Heute arbeiten zwei

Drittel der rund 50000 Arbeiter des Bezirks

im Dienstleistungssektor. Nach der Verwaltungsreform

wurde der Bezirk Wedding mit

dem Bezirk Tiergarten und dem Bezirk Mitte

zum Neuen Bezirk Mitte fusioniert. (wedding.berndschimmler.de)

Um den Nauener Platz herum stehen viele

gründerzeitliche Bauten und eine Konzentration

von Nachkriegsbauten. Die Anwerbeabkommen

lockten aufgrund der

angesiedelten Elektroindustrie viele Gastarbeiter_innen.

Menschen mit Migrationshintergrund

sind heute die Mehrheit im

Stadtquartier Nauener Platz.


Fallstudie Nauener Platz, Berlin

Städtebauliche Bestandsanalyse

75

Reinickendorfer Straße

1

2

3

4

5

6

1

2

1

Haus der Jugend

Jugendbibliothek ,Jerusalem’

Seniorenwohnanlage

Türkischer Gemüsehändler

Penny-Markt

Lidl

Nauener Platz

Leopoldplatz

Volkspark Humboldthain

U-Bahn

U-Bahn-Haltestelle

Nauener Platz

3

4

1

1

2

Reinickendorfer Straße

Schulstraße

1

2

5

6

66

100m


76 Fallstudie Nauener Platz, Berlin

Städtebauliche Bestandsanalyse

68

f

e

d

k

g

i

h

c

b

j

a

25

67

67 Blick aus

Reinickendorfer Straße in

Richtung Nauener Platz

68 Orientierungsplan

Stadtquartier Nauener

Platz

Städtebauliche Situation

Das Stadtquartier Nauener Platz befindet

sich in innerstädtischer Lage. Es wird von

den Projektbeteiligten des Modellvorhabens

auf insgesamt 11 Baublöcke (a-k)

eingegrenzt. Der Nauener Platz liegt südlich

auf dem zentralen Block. Bis auf eine

Seniorenwohnanlage stehen hier mehrere

öffentlich genutzte freistehende Gebäude.

Auf dem nördlich angrenzenden Block (g)

stehen das jüdische Krankenhaus von Berlin

und zwei weitere Seniorenstifte. Diese

großen mehrgeschossigen Wohnanlagen

sind ebenso freistehend und von Grünflächen

umgeben. In der Hofseite stehen zum

Teil, entsprechend der Größe des Blocks,

weitere Wohngebäude. Im Erdgeschossbereich

an der Straßenseite befindet sich

die Versorgungseinrichtungen für das

Stadtquartier. Zugang zu den Gebäuden

erlangt man aus der Hofseite auf welcher

zudem der Freiraum für die Bewohner_

innen angesiedelt ist. Viele der Häuser sind

von Außen beschädigt. Eine Ausnahme bilden

die Gründerzeitgebäude an der Straße

Liebenwalderstraße (d-e) welche erst in

den letzten Jahren modernisiert wurden.

Die Innenhöfe sollen zum Rückzug und

Verweilen für die Bewohner_innen dienen,

wozu viele Spielplätze und Grünflächen

angelegt wurden. Diese sind aber heute

meist verwahrlost, ungepflegt und verschmutzt.

Geräte wurden beschädigt und

zum Teil mit alten Möbeln von den Bewohner_innen

selbst ausgetauscht. Viele Höfe

dienen mittlerweile nur noch als Ein- und

Ausfahrten zur Tiefgarage. Im Vergleich

hierzu sind die Freiräume der Seniorenwohnanlagen

weiträumig, gepflegt und gut

nutzbar. Diese privaten Flächen dürfen

aber ausschließlich von den älteren Bewohner_innen

der Seniorenwohnanlage

genutzt werden.

Das Stadtquartier wird von zwei vierspurigen

Straßen durchschnitten. Die Schulstraße

in Südwest-Nordost Richtung und die

Reinickendorferstraße in Nord-Süd Richtung.

Die zwei Straßen trennen die jeweiligen

Baublöcke des Stadtquartiers und

kreuzen sich am Nauener Platz.


Fallstudie Nauener Platz, Berlin

Ältere Migranten_innen im Stadtquartier Nauener Platz

77

B

A

69 70

Die Infrastruktur ist durch die verschiedenen

im Stadtquartier lebenden Ethnien geprägt.

In den Gebäuden an der Straße

befinden sich viele kleine vor allem türkische

Läden. Restaurants und Dönerbuden,

Gemüsehändler und Fleischereien, Bäckereien

und Reisebüros, alle mit zweisprachigen

Angeboten und Mitarbeiter_innen.

Zusätzlich gibt es türkische und arabische

Kulturvereine, welche vor allem von den älteren

Männern und Jugendlichen genutzt

werden. In den letzten Jahren sind zudem

Wettbüros, Spielhöllen, Internetcafés und

Bars entstanden. An der Reinickendorferstraße

befindet sich gegenüber (Block d)

des Nauener Platzes ein großer türkischer

Gemüsehändler. Weiter südlich (Block a)

stehen sich ein Pennymarkt und ein Lidl

gegenüber.

Bauliche Anzeichen für eine hohe Anzahl

an Bewohner_innen mit Migrationshintergrund

im Stadtquartier Nauener Platz ist

die ethnische Infrastruktur sowie die vielen

Satellitenanlagen an den Fassaden der

Häuser. Ebenso ist aber im Stadtquartier

eine hohe Anzahl an älteren deutschen Bewohner_innen

zu beobachten, wie sie die

stark ethnisch geprägte Infrastruktur nutzen.

Die älteren Bewohner_innen der Seniorenwohnanlage

sind auf die viele kleinen

Läden angewiesen, wenn sie nicht den

weiteren Weg gehen möchten um zu Lidl

und Pennymarkt zu gelangen.

2 Ältere Migranten_innen im

Stadtquartier Nauener Platz

2.1 Lebenslage

Demografische Daten

Für das Stadtquartier Nauener Platz stehen

zwei statistische Räume mit Daten zur Verfügung.

Genaue Daten zur Bevölkerung

waren nur für einen größeren Raum A erhältlich.

Für den Raum B welcher sich auf

den eingegrenzten Bereich dieser Arbeit

bezieht sind ausschließlich Daten zur Ge-

69 Statistische Bezirke

Stadtquartier Nauener

Platz

70 Türkischer Gemüsehändler

an der Reinickendorfer

Straße


78 Fallstudie Nauener Platz, Berlin

Ältere Migranten_innen im Stadtquartier Nauener Platz

25

71 72

71 Modernisierte

Häuserfront in der

Liebenwalder Straße

72 Ansicht zwischen Baublock

b und c

samtzahl der Bevölkerung und zu den Ausländer_innen

und nicht den Migranten_innen

verfügbar. Die vorhandenen Werte lassen

vermuten, dass es prozentual kaum Unterschiede

gibt. Im Raum A leben insgesamt

27370 und im Raum B 11872 Bewohner_

innen. Männer sind mit 52,7 Prozent leicht

höher vertreten.

Im Raum A leben rund 3500 ältere Bewohner_innen

über 65 Jahre mit einem Anteil

von 13 Prozent an der Gesamtbevölkerung.

In den Gesprächen wurde geäußert,

dass allein in der Seniorenwohnanlage bis

zu 1000 Menschen leben. Unter den älteren

Bewohner_innen haben ein Drittel oder

genau 1170 Personen einen Migrationshintergrund.

(Amt für Statistik Berlin-Brandenburg

2008)

Im kleineren Raum B leben über 5400 Ausländer_innen

mit einem Anteil an 45,6 Prozent.

Auf diese Zahlen stützt sich der erste

Sachstandsbericht der Träger des Nauener

Neu Projektes. Im größeren Raum A wird

aufgrund der neuen Zahlen zu Personen

mit Migrationshintergrund deutlich, wie

viele Migranten_innen „wirklich“ im Stadtquartier

leben. Insgesamt leben 17500 Migranten_innen

im Quartier mit einem Anteil

von rund 64 Prozent an der Gesamtbevölkerung.

Davon sind rund 5000 Personen

mit einem türkischen Migrationshintergrund.

Die anderen Migrantengruppen im

Stadtquartier kommen aus dem ehemaligen

Jugoslawien, aus arabischen Staaten

und aus Polen. (Amt für Statistik Berlin-

Brandenburg 2008)

Gesundheitliche Lage

Die Experten_innen bestätigen, wie im Kapitel

II beschrieben wurde, dass die älteren

türkischen Migranten_innen von gesundheitlichen

Problemen geplagt sind. Im

Stadtquartier Nauener Platz wird aber vor

allem auf die psychischen Probleme hingewiesen.

Viele ältere türkische Migranten_

innen leiden an Einsamkeit.

Nur wenige werden von den eigenen Kindern

gepflegt. Die hohe Anzahl an türkischen

Migranten_innen im Stadtquartier

suggeriert eine große Gemeinschaft die in

Wahrheit nur für wenige existiert. Werden

die Erwartungen der Pflege von den eige-


Fallstudie Nauener Platz, Berlin

Ältere Migranten_innen im Stadtquartier Nauener Platz

79

73 74

nen Kindern nicht erfüllt, werden Pflegedienste

nicht in Anspruch genommen,

aufgrund der „Schande“ vor der türkischen

Gemeinschaft. Viele kehren dann lieber in

eine Heimat zurück, in der sie sich kaum

zurecht finden. In den letzten Jahren haben

sich allerdings viele deutsch-türkische mobile

Pflegedienste gegründet. Vor diesen

wird aber gewarnt, da oftmals keine Profis

dahinterstehen, sondern Amateure die versuchen

eine Marktlücke zu nutzen, so zum

Beispiel türkischsprachige Betreiber von

Restaurants.

Ökonomische Situation

Das Stadtquartier Nauener Platz ist ein soziales

Problemgebiet. Die hohe Anzahl an

Dienstleistungsgewerben macht es für die

gering qualifizierten Migranten_innen

schwer eine Arbeit zu finden. Rund 3200

Bewohner_innen im Raum A sind arbeitslos,

das entspricht einer Quote von 11,7

Prozent. Davon sind rund die Hälfte, 1400

Bewohner_innen, mit Migrationshintergrund.

Ältere Migranten_innen mit einem

Alter ab 55 Jahren weisen eine Arbeitslosenquote

von 6,6 Prozent auf. Eine räumliche

Verteilung der Arbeitslosen wie in der

Fallstudie Neue Vahr Nord kann hier infolge

der Datenlage nicht gezeigt werden. (Amt

für Statistik Berlin-Brandenburg 2008)

Ältere Frauen mit türkischem Migrationshintergrund

In den Gesprächen und den Beobachtungen

hat sich gezeigt, dass die älteren Frauen

aus der türkischen Migrantengruppe besondere

Lebensverhältnisse aufweisen. Zunächst

sind sie für die Familie zuständig.

Nur sehr wenige haben je gearbeitet und

beziehen im Alter eine sehr geringe Rente.

Sie waren und sind von ihren Männern abhängig

und völlig auf deren Einkommen angewiesen.

Sie müssen heimlich an

Deutschkursen teilnehmen, da ihre Männer

das nicht erlauben. Ebenso erfahren viele im

Alter Gewalt von ihren Ehemännern und

manche auch von ihren Kindern. Es wird berichtet,

dass viele ältere türkische Migrantinnen

in ihren Wohnungen „verkommen“. Ihre

Männer verweigern ihnen die Inanspruchnahme

notwendiger Pflege.

73 Hausfront

74 Ältere Migranten_innen an

einer Bushaltestelle am

Nauener Platz


80 Fallstudie Nauener Platz, Berlin

Ältere Migranten_innen im Stadtquartier Nauener Platz

25

75 76

75 Gastronomiebetrieb an der

Reinickendorfer Straße

76 Kulturverein für türkische

Migranten

Stirbt der Ehemann, beginnt die Zeit der

Einsamkeit und der psychischen Klagen.

Wenn sie früher ihre Probleme für sich behielten

so ist heute kein Zuhörer mehr anwesend.

Selbsthilfekompetenzen sind für

viele kaum vorhanden. In dieser Bestandsaufnahme

wird deutlich, dass vor allem die

älteren Frauen mit türkischem Migrationshintergrund

im Stadtquartier Nauener Platz

die Aufmerksamkeit der sozialen Akteure

benötigen.

2.2 Bezug zum Stadtquartier

Ethnische Kolonie

Die Experten_innen schildern, dass in vielen

Häusern in denen türkische Migranten_

innen der ersten Generation leben, sich

kleine Inseln mit Verwandten und Bekannten

aus dem selben Dorf oder Region gebildet

haben. An der Prinz-Eugen-Straße

hat sich eine solche „Insel“ gebildet.

Im öffentlichen Raum sind die älteren Migranten_innen

eher zurückhaltend. Sie

sehen es nicht als selbstverständlich an,

die verhandenen Sitzbänke zu benützen.

Sie möchten nicht auffallen oder den deutschen

Bewohner_innen etwas wegnehmen.

Die älteren Migranten_innen müssen ihr

Stadtquartier kaum verlassen. Sie brauchen

nicht einmal die deutsche Sprache

sprechen, um sich im Alltag zurecht zu finden.

Diejenigen westlich der Reinickendorferstraße

erhalten im nahen Umkreis ihrer

Wohnungen Lebensmittel und Dienstleistung

in ihrer türkischen Muttersprache.

Im Gegensatz dazu verhalten sich die Jugendlichen

sehr selbstbewusst im Freiraum.

Vor den Kulturvereinen oder vor den

großen Einkaufsmärkten sitzen sie in Gruppen

mit älteren Männern zusammen. Vor

dem Pennymarkt wurde beobachtet, dass

sie auf dem Gehsteig in einer großen

Gruppe mit jungen Erwachsenen sehr aufbrausend

und laut auftreten. Die hier einkaufenden

älteren deutschen

Bewohner_ innen und diejenigen mit Migrationshintergrund

waren hierdurch sichtlich

verängstigt.


Fallstudie Nauener Platz, Berlin

Ältere Migranten_innen im Stadtquartier Nauener Platz

81

77

Rückkehrwillen

In den 1980er Jahren sind viele Migranten_innen

in die Heimat zurückgekehrt

sind. Die Experten vermuten, dass der Anlass

die Einschulung der eigenen Kinder

war. Sie sollten eine bessere Bildung wie in

Deutschland genießen. Die Rückkehr erwies

sich für viele als schwere Aufgabe, da

der Unterschied zwischen Berlin und den

ländlichen Regionen des Herkunftslandes

zu ziehen, gravierend waren. Wer in den

1980er Jahren an einer Rückkehr gescheitert

ist, hat es meist bis heute nicht geschafft.

Stattdessen pendeln sie jährlich

zwischen Deutschland und ihrem Herkunftsland.

2.3 Verhältnis zur Deutschen

Gesellschaft

dort über die Jahre vieles verändert hat. Ein

Verhältnis zu den deutschen Bewohner_

innen besteht nicht, vielmehr lebt man aneinander

vorbei. Sie leben in der Mehrheit im

Stadtquartier und sind nicht auf die Kontakte

zu älteren deutschen Senioren_innen

angewiesen.

Die jungen Erwachsenen hingegen sind

zwiegespalten. Bei der Fussballeuropameisterschaft

ließ sich beobachten wie

gleichzeitig türkische und deutsche Fahnen

an vielen PKWs hingen. Für die Jugendlichen

ist ihr Bezirk Wedding die zweite Heimat.

Dies geht soweit, dass es Rivalitäten

zu Jugendlichen und Bewohner_innen aus

den anderen Bezirken der Stadt gibt, unabhängig

deren Nationalität.

Die älteren deutschen Bewohner_innen

schätzen in den Befragungen das Verhältnis

zu den türkischen Migranten_innen als

ausreichend bis schlecht ein. Fast alle befragten

älteren Deutschen geben an, trotz

der hohen Anzahl an Migranten_innen, keinen

Kontakt zu ihnen zu haben. Vor allem

das Auftreten der jugendlichen Migranten_

innen sorgt bei vielen für Unmut und oftmals

Angst. Das Verhältnis zu den

türkischen Händlern in der Reinickendorferstraße

wird hingegen als respektvoll und

freundlich beschrieben: „Man begrüßt sich

per Handschlag“. (siehe Auswertung, Anhang)

77 Gastronomiebedarf

In den Gesprächen mit den Experten_innen

wird geäussert, dass die älteren Migranten_

innen eine große Verbundenheit zum Herkunftsland

aufweisen. Obwohl sich auch


82 Fallstudie Nauener Platz, Berlin

ExWoSt – IFAS Modellvorhaben

25

78

78 Südliche Seite,

Nauner Platz

3 ExWoSt – IFAS

Modellvorhaben

3.1 Nauener Platz – Umgestaltung

für Jung und Alt

Der heutige Nauener Platz wird von den

Bewohner_innen nicht als städtischer Platz

wahrgenommen. Die Gründe hierfür sind

nicht nur baulicher, sondern auch sozialer

Natur. Auf dem Platz steht zentral das

Haus der Jugend. Diese Gemeinschaftseinrichtung

teilt den Platz ist zwei fast

gleich große Hälften. Südlich des Hauses

liegt der Spielplatz getrennt vom Bolzplatz

auf der nördlichen Seite. Infolge der geringen

Nutzung von verschiedenen Bevölkerungsgruppen

hat der Platz an Attraktivität

verloren. Die Grünflächen, Gebüsche und

Bäume sind ungepflegt, der Bolzplatz ist

wegen des Asphaltbodens nicht bespielbar

und an vielen Stellen sind Spuren von

Vandalismus erkennbar. Der Nauener Platz

litt bis zum Jahr 2004 unter der hohen Kriminalität

im Stadtquartier. Die gleichnamige

am Nauener Platz liegende

U-Bahnhaltestelle war besser bekannt als

die ‚Drogenautobahn‘. Auf den Gleisen

wurde gedealt und die Wiese auf der nördlichen

Hälfte diente den Dealern als versteck

für ihre Drogen. Hier wurde die Ware

für die Käufer eingebuddelt. (Walz 2007: 3)

Im Jahr 2004 hat sich eine Bürgerinitiative

gegründet um den Nauener Platz für die

Bewohner_innen des Kiez wieder attraktiv

zu gestalten. Die Initiative ‚Nauener Neu‘

hat als erste Maßnahme das Café Naumi

am Haus der Jugend, mit einem kleinen

Außenbereich zum Spielplatz hin eröffnet.

Die Wiedereroberung des Platzes hat aber

mit einem anderen Abwehrmittel geklappt.

Die Bürger_innen der Initiative ‚Nauener

Neu‘ haben sich auf Drogensuche begeben.

Sie haben tagsüber auf der Wiese gegraben

und immer wieder Drogenbeutel

entfernt. Daraufhin hat sich die Drogenszene

vom Nauener Platz entfernt.

In einem zweiten Schritt wurde mit Mitteln

vom Bundesprogramm ‚Soziale Stadt‘ ein

Platzmanager unter Führung des Quartiersmanagment

Pankstraße für eine neue

Platzgestaltung eingestellt. Dieser hat ein

breit angelegtes Bürgerbeteiligungsverfahren

gestartet an dessen Ende ein Gesamtkonzept

samt Vorentwurf stand. (Walz

2007: 4)

Daten und Fakten

Der Nauener Platz hat eine Gesamtgröße

von 5000 m². Wobei die nördliche Seite

rund zwei Drittel des Platzes einnimmt.

(Walz 2007: 7) Das Haus der Jugend ist ein

1950er Jahre Gebäude. Im Quergebäude

ist die Kindertagesstätte angesiedelt. An


Fallstudie Nauener Platz, Berlin

ExWoSt – IFAS Modellvorhaben

83

79 80

den südlichen Spielplatz angrenzend befindet

sich das Gebäude der mittlerweile

geschlossenen Jugendbücherei ‚Jerusalem‘.

An die nördliche Wiese angrenzend

steht eines von drei Gebäudekomplexen

der Seniorenwohnanlage welche in den

1970er Jahren erbaut wurde.

Am 14. Juni 2008 war Baubeginn der Umgestaltung

des Nauener Platzes, voraussichtliche

Übergabe an die Bewohner_innen

ist im Jahr 2009. (Der Nauener 2008/5: 1)

Das erste Bürgerbeteiligungsverfahren

wurde mit rund 16.000 Euro aus Bundesmitteln

der ‚Sozialen Stadt‘ finanziert. Für

die zweite Phase der Beteiligung und die

darauf folgende Umsetzung werden

200.000 Euro aus städtischen Mitteln und

800.000 Euro aus dem ExWoSt Forschungsfeld

bereitgestellt. (Walz 2007: 4)

Projektbeteiligte

Zu den Projektbeteiligten der Umgestaltung

des Nauener Platzes gehören öffentliche

und private Träger sowie Bewohner_ innen

des Stadtquartiers:

- Bürgerinitiative Nauener Neu

(Initiatoren_innen)

- Haus der Jugend (Initiatoren_innen)

- Bezirksamt Mitte, Berlin - Stadtentwicklung;

Jugend und Finanzen

(Projektträger_innen)

- Quartiersmanagment Pankstraße

(Koordination)

- L.I.S.T. GmbH, Susanne Walz und

Harald Haertwig (Quartiersmanager_in)

- Platzmanagment (Koordination)

- Conceptfabrik, Holger Scheibig

(Moderator)

(Der Nauener 2008/5: 3)

Das Modellvorhaben gliedert sich in mehrere

Projektbausteine. Mit der Freiraumplanung

soll eine räumliche Struktur entwickelt

und veränderbare und innovative Raumelemente

für die unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen

gestaltet werden. Die

Landschaftsplanung übernimmt das Büro

planung freiraum aus Berlin. Für den neuen

Platz wird ein innovatives Lichtkonzept von

Prof. Brigitte Schulte-Fortkampp von der

TU Berlin entworfen. Die Partizipation der

79 Nördliche Seite,

Nauener Platz

80 Lageplan, Vorentwurf für

die Umgestaltung des

Nauener Platzes


84 Fallstudie Nauener Platz, Berlin

ExWoSt – IFAS Modellvorhaben

25

81

81 Älteren Migranten_innen

und Kindern beim

Brettspiel in der Moschee

Bewohner_innen des Stadtquartiers ist ein

wichtiger Baustein sowie die Moderation

und Vermittlung zwischen ihnen und den

übrigen Projektbeteiligten. (Walz 2007: 4)

3.2 Bürgerbeteiligungsverfahren

Die erste Phase des Bürgerbeteiligungsverfahren

bestand aus zehn Schritten und

unterschiedlichen Maßnahmen. Für die

verschiedenen Verfahren wurden fünf spezifische

Bevölkerungsgruppen angesprochen.

Das Quartiersmanagment und der

Moderator hatten die Idee, anders als üblich,

die Bevölkerungsgruppen nicht einzuladen

sondern sie an ihren Treffpunkten

und Lebensorten zu besuchen. Die Senioren_innen

wurden in ihren großen Wohnanlagen

erreicht. An die Frauen des

Stadtquartiers ist man ebenso über die Seniorenwohnanlagen

und die Bürgerinitiative

Nauener Neu gelangt. Ein Schwerpunkt

lag bei den vielen Migranten_innen im

Stadtquartier. Jugendliche wurden in einem

türkischen Jugendklub gewonnen. Wohlwissend,

dass ältere Migranten_innen nur

schwer für ein Bürgerbeteiligungsverfahren

zu erreichen sind, ist die Y.E. Moschee im

Stadtquartier kontaktiert worden. Hier

haben sich die Älteren ebenso gesträubt,

ließen aber unter ihrer Aufsicht die Kinder

teilnehmen.

Statt passiver Beiträge in einer Befragung

wurden die Bewohner_innen mit einem

speziell für den Nauener Platz entwickelten

Brettspiel beteiligt. Fragen zu sechs Kategorien

sollten zu einem anderen Denken

anregen, um einfacher utopische und unkonventionelle

Vorstellung für die Gestaltung

des Platzes zu äußern. Abschließend

fand ein Forschungsrundgang mit Theaterpädagogen

statt. Die Beteiligten haben die

verschiedenen Orte des Nauner Platzes

mit Fantasieideen bespielt. (conceptfabrik,

planung freiraum 2007: 6)

Nach Abschluss dieser ersten Phase sind

in einer Raumnutzungswerkstatt mit den

unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen

die entwickelten Ideen räumlich auf dem

Platz angeordnet worden. Hieraus ist das

Gesamtkonzept und der Vorentwurf entstanden.

Insgesamt nahmen über 200 Bewohner_innen

teil. Rund die Hälfte der

Teilnehmer_innen hatte einen Migrationsintergrund,

davon waren wiederum viele Kinder

und Jugendliche.

Die finanziellen Mittel des ExWoSt Forschungsfeldes

haben drei weitere Beteiligungsverfahren

ermöglicht. Gemeinsam

mit Bürgern ist auf dem Platz mit Hilfe der

TU Berlin ein innovatives Lichtkonzet entstanden.

Auf ‚Soundwalks‘ erfassten die

Bewohner_innen den Platz klangtechnisch.


Fallstudie Nauener Platz, Berlin

ExWoSt – IFAS Modellvorhaben

85

82

(conceptfabrik, planung freiraum 2007: 7)

Gemeinsam mit Senioren_innen konnten

zudem spezielle Seniorenmöbel für den

Freiraum entwickelt und von der Firma Giro

Vitale produziert werden. (Giro Vitale 2007)

Pankstraße haben bei diesem Verfahren

viele Haustürgespräche und Befragungen

mit älteren türkischen Migranten_innen im

Stadtquartier durchgeführt.

82 Ansicht auf die südliche

Hälfte des Nauener Platzes

nach der Umgestaltung

Der Moderator des Bürgerbeteiligungsverfahrens

berichtet, dass die älteren Migranten_innen

sich kaum aktiv beteiligt haben.

Ihre schon beschriebene Zurückhaltung

macht es schwer sie bei einem Bürgerbeteiligungsverfahren

zu erreichen. Türkische

Migranten_innen gehen von der Annahme

aus, dass „die Stadt oder der Staat wissen

muss wie es richtig geht“. Die älteren deutschen

Senioren_innen waren ebenso

schwer zu erreichen. Die Bemühungen der

Projektträger, die älteren Migranten_innen

des Stadtquartiers zu beteiligen sind deutlich.

Eine weitere Hilfe waren die schon bestehenden

Erfahrungen des Bürgerbeteiligungsverfahrens

und die Befragung für die

Umgestaltung des nahegelegenen Leopoldplatzes.

Die türkischsprachigen Mitarbeiterinnen

des Quartiersmanagements

3.3 Umgestaltung des Nauener

Platzes

Die Gestaltungsmaßnahmen für den neuen

Nauener Platz sind weitreichend. Vor allem

auf dem größeren und bisher vernachlässigten

nördlichen Bereich. Hauptsächliches

Planungskonzept ist die Schaffung von neu

gestalteten Räumen für alle Bevölkerungsund

Altersgruppen, welche zur Kommunikation

als Treffpunkt und Rückzugsort

dienen. Hierbei war es wichtig auf die Belange

der Generationen, Geschlechter und

der Migranten_innen einzugehen.

Die stark befahrene und geräuschvolle Reinickendorferstraße

wird mit einer neuen,

verbreiterten Promenade vom Platz weggerückt.

Durch eine Bogenform entstehen


86 Fallstudie Nauener Platz, Berlin

ExWoSt – IFAS Modellvorhaben

25

jeweils im Norden und im Süden vergrößerte

übersichtliche Bereiche als Eingang

zu den Platzhälften. Die älteren Migranten_

innen nutzen den Freiraum gerne um das

Geschehen auf einem der Platzbereiche

verfolgen zu können. Einige vorhandene

undurchsichtige Gebüsche und Baumgruppen

werden entfernt. Heckenpflanzen

gliedern diesen Bereich neu und schaffen

Räume mit unterschiedlichen Aufenthaltsmöglichkeiten.

Ältere Migranten_innen nutzen

Sitzbänke im Freiraum nicht nur zum

Ausruhen sondern oftmals zum Verweilen

und als Treffpunkt, vor allem um sich als

Gruppe in einen kleineren Raum zurückziehen

zu können. Ältere Bewohner_innen

sehen zudem in Gebüschen hinter Sitzbänken

eine Gefahr. Die Umgestaltungen

gehen auf diese Aspekte ein. (conceptfabrik,

planung freiraum 2007: 26)

Im südlichen Bereich wird der Spielplatz

vergrößert und mit neuen Spielgeräten

ausgestattet. Zusätzlich wird eine größere

Nähe zum Café Naumi geschaffen, um den

Eltern und Großeltern bessere Beobachtungsmöglichkeiten

zu geben. Für die Sicherheit

der Kinder wird ein neuer

spielplatzüblicher Zaun errichtet, um die

Gefahr der nahen Reinickendorferstraße zu

bannen. Ein Sorge, die von älteren Deutschen

und älteren Migranten_innen geäußert

wurde. (conceptfabrik, planung

freiraum 2007: 26)

Der ‚Marktplatz‘ am Durchgang vom Haus

der Jugend wird offener gestaltet, um Veranstaltungen

und andere Aktivitäten zu ermöglichen.

Der Asphaltbelag bekommt ein

Muster welches sich bis zur anderen Platzhälfte

zieht. Hiermit soll eine visuelle Verbindung

zwischen den zwei Bereichen

geschaffen werden. (conceptfabrik, planung

freiraum 2007: 26)

Der Bolzplatz bleibt bestehen, wird aber in

zwei Hälften geteilt. Hiermit soll die Möglichkeit

entstehen, auch andere, mädchenfreundliche

Sportarten auszuüben. Der

neue Sportplatz erhält Sitzstufen hin zur

Reinickendorferstraße und wird somit zu

einer vom gesamten Bereich sichtbaren

‚Bühne‘. Der große Bereich hinter dem

Sportplatz wird mit einer hügeligen Wiese

bestückt. Frauen mit türkischem Migrationshintergrund

haben sich Wiesenflächen

gewünscht. Die Experten_innen führen

dies auf die meist ländlich geprägte Heimat

der älteren Migranten_innen zurück. Ihre

Enkelkinder sollen die Möglichkeiten bekommen,

auf einer Wiese spielen zu können.

An den Rändern sollen die neu

entwickelten Möbel stehen, die gleichzeitig

für Senioren_innen und Kinder nutzbar

sind. (conceptfabrik, planung freiraum

2007: 26)

3.4 Urbane Freiräume im

Stadtquartier Nauener Platz

Öffentliche Räume

Das Stadtquartier Nauener Platz ist von

drei weiteren öffentlichen Plätzen und

Parks umgeben. Der Leopoldplatz grenzt

südlich an das Stadtquartier Nauener Platz

heran (Block a-b) und wird von dessen Bewohner_innen

genutzt. Die Schulstraße

verbindet die beiden Plätze. Der Leopoldplatz

wurde ebenso von dem Quartiersmanagment

Pankstraße umgestaltet. Junge

und alte Bewohner_innen sowie Migranten_innen

sind mit Hilfe von Befragungen


Fallstudie Nauener Platz, Berlin

ExWoSt – IFAS Modellvorhaben

87

83 84

bei der Planung beteiligt worden. Während

der Bestandsanalyse haben sich jeweils

viele Kinder mit Migrationshintergrund auf

dem dortigen Spielplatz aufgehalten. Auf

den Bänken saßen ebenso vereinzelt ältere

Migranten_innen. Die Jugendlichen nutzen

vor allem in der warmen Jahreszeit die

nördlich an das Stadtquartier angrenzenden

Sportplätze und das öffentliche Freibad.

Im nahen Umkreis des Stadtquartiers befinden

sich für die Bewohner_innen zwei

öffentliche Parks. Der Volkspark Humboldthain

liegt Südöstlich vom Stadtquartier

und ist an einem S-Bahnhof gelegen. Die

Uferstraße ist eine grüne Promenade an

einem Bach, die diesen ebenfalls tangiert.

Im Nordwesten gelegen befindet sich der

Schillerpark mit Liegeflächen, Fußwegen,

Spiel- und Sitzmöglichkeiten.

Innenhöfe

Im Stadtquartier gibt es einen Unterschied

zwischen den öffentlichen Hinterhöfen der

Baublöcke und den privaten Freiräumen

der Seniorenwohnanlagen. Letztere sind

großzügig gepflegt, mit vielen Gehwegen

samt Sitzbänken bestückt und nur von den

älteren Bewohner_innen der Seniorenwohnanlage

nutzbar. Die Innenhöfe der

Blockbebauung sind hingegen ungepflegt,

vieles ist zerstört und vermüllt.

Der Baublock (a) südlich der Reinickendorfer-

und Schulstraße wird hier beschrieben,

da es für das gesamte Stadtquartier beispielhaft

ist. Die Häuser sind zur Hofseite

sehr unterschiedlich gestaltet und wurden

seit Jahren nicht modernisiert. Auf fast

allen Balkonen stehen verschieden große

Satellitenschüsseln für den Empfang von

ausländischen Fernsehsendern. Die Bäume

in den Grünbereichen stehen eng zusammen

und nah an den Fassaden. Sie sind

undurchsichtig und nehmen den unteren

Geschossen das Sonnenlicht. Auf dem Hof

entstehen auch am Tag dunkle Bereiche.

Der südlich gelegene Spielplatz ist nicht

mehr nutzbar. Die Tischtennisplatte ist kaputt,

die Sitzflächen der Bänke fehlen und

der Sportplatz hat einen Asphaltboden, auf

dem Jugendliche nicht spielen möchten.

83 Freiraum der Seniorenwohnanlage

84 Leopoldplatz


88 Fallstudie Nauener Platz, Berlin

ExWoSt – IFAS Modellvorhaben

25

85

86

85 Innenhof Block a,

Wiese mit Sofa und

Sitzbank

86 Innenhof Block a,

Rückseite Penny-Markt

Der Bodenbelag auf dem Hof reicht von

Kieselsteinen, Sand, Asphalt bis zu einer

Wiese. Letztere ist ausgedürrt und ohne

Sitzmöglichkeiten. Die Bewohner_innen

haben selbst eine alte für den Außenraum

ungeeignete Polsterecke auf die Wiese gestellt.

An diese Wiese grenzt das Lager des

Pennymarktes. Große Mülltonnen und die

Abluft des Einkaufsladens verursachen

einen unangenehmen Geruch auf dem gesamten

Hinterhof. Zudem sind viele Müllreste

um die Mülltonnen herum verstreut.

In den Passantengesprächen wird ein

deutlicher Unmut über den öffentlichen

Freiraum geäußert. Die Mehrheit bewertet

diesen als mangelhaft, ungepflegt und als

unsicher. Die befragten Senioren_innen äußern

sich besorgt um ihre Sicherheit. Sie

trauen sich abends nicht aus dem Haus zu

gehen und fühlen sich von den vielen „ausländischen“

Jugendlichen bedroht. Sie äußern

den Wunsch, man solle den

Jugendlichen Arbeit geben, damit sie nicht

mehr auf der „Straße rumlungern“. Mehr

Polizeipräsenz würde ihr Sicherheitsgefühl

steigern. (siehe Auswertung, Anhang)

Verkehr

Die Gehsteige an der Reinickendorfer- und

Schulstraße sind breit und großzügig. Da

die Hinterhöfe kaum genutzt werden, verweilen

Jungendliche und junge erwachsene

Männer mit Migrationshintergrund vor

den Häusern, Einkaufsläden und Kulturvereinen.

Das Quartiersmanagment beobachtet öffentliche

Räume im Stadtquartier, auf

denen sich ältere Migranten_innen - zumeist

Frauen - treffen und verweilen. Solche

Bereiche sind an Vehrkehrsberuhigten

Kreuzungen und Straßen entstanden. Hier

wurden Sitzbänke aufgestellt, die dankbar

angenommen werden. Die Experten_innen

stellen fest, dass der Außenraum des gesamten

Stadtquartiers für die älteren Migranten_innen

eine Erweiterung ihres

Wohnbereichs ist. Sie nutzen diesen bewusst

als Treffmöglichkeit, zum Verweilen

und zum Beobachten.

Der Verkehr an der Reinickendorferstraße


Fallstudie Nauener Platz, Berlin

ExWoSt – IFAS Modellvorhaben

89

erweist sich für viele ältere Bewohner_

innen als Barriere im Stadtquartier. Das

Überqueren ist schwierig, da nur an der

Kreuzung mit der Schulstraße Füßgängerampeln

vorhanden sind. Die Senioren_

innen aus der Wohnanlage sind meist mit

Rollatoren unterwegs und überqueren die

Straße meist langsam an Verkehrinseln

ohne Zebrastreifen, um beispielsweise zum

türkischen Gemüsehändler zu gelangen.

Diese Situation entsteht ebenfalls im südlichen

Bereich der Straße bei Pennymarkt

und Lidl.

3.5 Wechselbeziehungen

Infrastrukturelle Einrichtungen

Das Haus der Jugend auf dem Nauener

Platz ist eine soziale Einrichtung für Kinder

und Jugendliche. Gruppenräume für Veranstaltungen,

ein Medienraum mit Computerarbeitsplätzen,

ein Saal für Tanz- und

Gymnastikkurse sowie das Café Naumi ermöglichen

viele Angebote. Letzteres ist mit

einem günstigen Essensangebot auch für

jüngere Bewohner_innen eine Alternative

im Stadtquartier. Im Haus der Jugend ist

zudem das Radio JOJO angesiedelt und

es gibt Räume für die Initiative Nauener

Neu. Erwachsene oder ältere Menschen

erhalten hier keine Angebote, da der

Schwerpunkt ausschließlich bei den Jüngeren

liegt. Die Mitarbeiter_innen des Café

Naumi berichten, dass sie eine hohe Kinderarmut

im Stadtquartier feststellen. Sie

geben jeden Nachmittag, eine halbe

Stunde vor Schließung, ihr Essen umsonst

heraus. Hier kommt es vor, dass Kinder

Schlange stehen, um etwas essen zu dürfen.

Die Expertengespräche gaben Aufschluss

über weitere Angebote und Projekte im

Stadtquartier. Der Verein ‚die Brücke‘ bietet

Migranten_innen im Stadtquartier Beratung

bezüglich Arbeitsmöglichkeiten, Gesundheitsfragen

und Alltagsproblemen. Ein

Netzwerk von sozialen Projekten und Trägern

für ältere Migranten_innen ist bisher

nicht vorhanden. Ein Versuch stellt ein Projekt

des Bezirksamtes Mitte dar, 17 Bewohner_innen

mit Migrationshintergrund

zu Multiplikatoren_innen auszubilden. Sie

sollen ältere Migranten_innen bezüglich

gesetzlicher Möglichkeiten der Pflege beraten

und durften in Berlin selber Pflegeeinrichtungen

besuchen. Sie konnten diese

unter Betrachtung der Belange älterer Migranten_innen

untersuchen und als geeignet

auswählen.

Im Stadtquartier besteht seit mehreren

Jahren eine Frauengruppe aus älterer türkischen

Migrantinnen mit dem Ziel der

Selbsthilfe. Die Frauen treffen sich an

Nachmittagen, um gemeinsam Tee zu trinken

und sich auszutauschen. Sie möchten

ihre Einsamkeit überwinden und sich unterhalten.

Ihr Selbstbewusstsein wird hiermit

gestärkt und ihre psychischen

Krankheiten gemildert. Die Leiter_innen der

Frauengruppe organisieren in regelmäßigen

abständen Teenachmittage gemeinsam

mit deutschen Seniorinnen. Anfangs

gab es aufgrund sprachlicher und kultureller

Ängste Schwierigkeiten in beiden Gruppen.

Mit verschiedenen Spielen wurden

diese Barrieren abgebaut. Die Teenachmittage

sind mittlerweile für beide Gruppen

eine willkommene Abwechslung.


90 Fallstudie Nauener Platz, Berlin

Bewertung der Fallstudien

4 Bewertung der Fallstudien

4.1 Städtebauliche Situation

des Stadtquartiers Nauener

Platz

25

87

87 Hausfassade an der

Reinickendorfer Straße

Wohnen

Im Rahmen der Bestandsanalyse war eine

Untersuchung der Wohnsituation der älteren

Migranten_innen bezüglich ihrer Wohnungen

nicht möglich. Es kann angenommen

werden, dass die Gründerzeit- und Nachkriegsgebäude

im Stadtquartier Nauener

Platz nicht altengerecht sind.

Die Passantenbefragungen geben weitere

Aufschlüsse über die Wohnsituation im

Stadtquartier. Die Mehrheit der Befragten

lebt alleine und in Miete. Die Miethöhe wird

als angemessen bis teuer bewertet. Etwa 60

Prozent der älteren Bewohner_innen gaben

an sich in ihren Wohnungen wohl zu fühlen.

Dies rührt sicher daher, da viele der Befragten

in den Seniorenwohnanlagen leben. Negative

Äußerungen sind eher zur

Gesamtsituation des Stadtquartiers zu vernehmen.

Die deutschen Senioren_innen

geben an, dass es „früher“ besser war als

noch weniger „Ausländer“ im Stadtquartier

lebten. Sie merken, dass sie die Minderheit

im Stadtquartier sind und berichten, dass

sie gerne wegziehen würden. (siehe Auswertung,

Anhang)

Gebäude

Das Stadtquartier Nauener Platz ist im Unterschied

zu den anderen beiden in dieser

Diplomarbeit untersuchten Fallstudien ein

über Jahrhunderte gewachsenes Stadtquartier.

Die Gründerzeitgebäude wurden

in den letzten Jahren modernisiert aber

viele befinden sich in einem schlechten

baulichen Zustand. Vor allem im Hinterhofbereich,

ist eine Modernisierung vieler

Baublöcke notwendig.

Die Gebäude der Seniorenwohnanlagen

sind aus den 1970er Jahren. Sie wurden

altengerecht gebaut und werden bis heute

von den zuständigen Stiftungen stetig modernisiert

und gepflegt. Dies macht sich in

der Zufriedenheit der Bewohner_innen bemerkbar.

Infrastruktur

Die vor allem ethnisch geprägte Infrastruktur

ist ohne eine Planung entstanden. Die

in den letzten Jahren entstandenen Internetcafés,

Callcenter und Wettbüros haben

meist auffällige Werbebanner und Leuchtzeichen

im Außenraum. Dies führt zu einem

negativen Bild des Straßenraumes. Die

nützlichen Bäckereien, Gemüsehändler

und Fleischereien haben sich weit aus besser

in das Straßenbild eingefügt.

Bezüglich der älteren Migranten_innen im

Stadtquartier, ist diese ethnisch geprägte


Fallstudie Nauener Platz, Berlin

Bewertung der Fallstudien

91

88 89

Infrastruktur zu begrüßen. Die älteren Migranten_innen

können sich im Stadtquartier

selbstständig bewegen und in ihrer Muttersprache

einkaufen. Für viele Muslime ist

eine türkische Fleischerei wichtig, da sie

hier wissen, dass die Tiere nach ihren kulturelle

Regeln verarbeitet werden.

Die älteren deutschen Senioren_innen aus

den Seniorenwohnanlagen sind hingegen

auf diese Infrastruktur angewiesen. Sie

gehen am Morgen mit ihren Rollatoren zum

Gemüsehändler gegenüber des Nauener

Platzes und sind froh über dessen Angebot.

Die entfernt gelegenen Penny und Lidl

sind nur unter großer Anstrengung zu erreichen.

Trotzdem muss diese Entwicklung

als negativ bewertet werden. Ein gemischtes

Angebot muss in einem von rund

10.000 Menschen bewohnten Stadtquartier

möglich sein.

Verkehr

Die stark befahrenen Reinickendorfer- und

Schulstraße sind nicht nur gebaute Barrieren

sondern für die älteren Bewohner_innen

im Stadtquartier ein Sicherheitsrisiko. Im

Wissen, dass rund ein Viertel der Bewohner_innen

über 65 Jahre alt ist, sollte eine

sichere Überquerungsmöglichkeit geschaffen

werden. Während der Bestandsanalyse

konnten mehrmals gefährliche Verkehrssituationen

mit älteren Bewohner_innen beobachtet

und per Video festgehalten

werden.

Freiraum

Der Freiraum ist der negative Aspekt des

Stadtquartiers Nauener Platz. Die Hinterhöfe

sind in einem baulich schlechten Zustand.

Diese sind für Kinder, Jugendliche

und Ältere nicht nutzbar. Die Bäume und

Gebüsche müssen gepflegt, Kinderspielplätze

wieder hergestellt und der Müll muss

entfernt werden. Jugendliche Migranten

halten sich somit lieber auf den Straßenräumen

vor den Häusern auf. Kinder, Mädchen

und Ältere fühlen sich von ihnen

bedroht und werden verdrängt. Dies führt

zu vermeidbaren Konflikten zwischen den

älteren deutschen Senioren_innen und den

jugendlichen Migranten.

Zu begrüßen sind die Anstrengungen des

88 Fußgängerüberweg an der

Reinickendorfer Straße

89 Blick auf die Reinickendorfer

Straße


92 Fallstudie Nauener Platz, Berlin

Bewertung der Fallstudien

den. Eine Neugestaltung des Platzes kann

zu einer Brücke im Stadtquartier werden.

25

90 Innenhof Block a

90

Quartiersmanagment Pankstraße für die

älteren Migranten_innen Sitzbänke aufzustellen

und diese zu verwalten. Diese spontan

entstandenen Räume sind ebenso

wichtig wie die geplanten Plätze im Stadtquartier.

4.2 Umbau des Nauener

Platzes

Projekt

Die Rückeroberung eines als Drogenumschlagplatz

bekannten öffentlichen Platzes

durch eine Bürgerinitiative bedarf Bewunderung.

Die daraus entstandene finanzielle

Unterstützung für dessen Neugestaltung

ist, gerade weil es aus einer Bürgerinitiative

entstanden ist, begrüßenswert. Der Nauener

Platz wird bisher kaum von den Bewohnern_innen

mit Migrationshintergrund

westlich der Reinickendorferstraße erreicht.

Die Straße ist eine große Barriere,

aber vor allem sind auf der östlichen Seite

keine Angebote und Infrastruktur vorhan-

Bürgerbeteiligung

Das Bürgerbeteiligungsverfahren ist positiv

zu bewerten. Der Ansatz des Quartiersmanagments

und des Moderators, die einzelnen

Gruppen bei ihren Treffpunkten vor Ort

zu besuchen, hat viele Bewohner_innen

mit und ohne Migrationshintergrund involviert.

Der Zugang auf die Moschee um die

vielen älteren muslimischen Migranten_

innen des Quartiers zu erreichen darf nicht

unterschätzt werden. Sie haben hier indirekt

einen für sie wichtigen Wunsch geäußert.

Die Beteiligung ihrer Kinder und Enkel

in der Moschee am Verfahren zeigt, dass

sie einen kinderfreundlichen Platz wünschen

da sie meist in der Familien und vor

allem mit ihren Kindern die Plätze des

Quartiers nutzen. Die bestehenden Erfahrungen

aus vorhergehenden Befragungen

zur Umgestaltung des Leopoldplatzes und

der Betreuung durch Frau Altunkajnak des

Quartiersmanagments hat ebenfalls zu

einem umfangreichen Input von Seiten der

älteren Migranten_innen geführt. Der spielerische

Ansatz der Verfahren hat den Bewohner_innen

die Möglichkeit eröffnet, zu

formulieren wie sie ihren Platz heute erleben

und welche Anforderungen sie an

einen neuen Nauener Platz haben.

Umgestaltung

Die Planung und Gestaltung des Nauener

Platzes geht auf viele geäußerte Wünsche

der Bewohner_innen ein. Für die älteren

Migranten_innen sind die geschaffenen

Rückzugsräume mit Sitzbankgruppen von

Vorteil. Hier bekommen sie die Möglichkeit

der Begegnung und Beobachtung und


Fallstudie Nauener Platz, Berlin

Handlungsempfehlungen

93

können sich gleichzeitig in ihrer Muttersprache

unterhalten. Die Einzäunung des

Spielplatzes und die hierdurch entstehende

Sicherheit für die Kinder schafft für die Bewohner_innen

mit Migrationshintergrund

westlich der Reinickendorferstraße eine Alternative

zum sicheren Leopoldplatz.

4.3 Lebenslage der älteren

Migranten_innen

Die bestehende ethnische Kolonie von Bewohner_innen

mit türkischem Migrationshintergrund

ist ein Trugschluss. Ebenso

der scheinbar stärkere Familienzusammenhalt

ist in Wahrheit nicht vorhanden.

Die hohe Einsamkeit und die daraus folgenden

psychischen Krankheiten sind eine

Bestätigung dieser These. Das entstehende

Netzwerk von türkischsprachigen

Migranten_innen ist ein Anfang, wird allerdings

nicht ausreichen, um den älteren Migranten_innen

im Stadtquartier einen

angenehmen Lebensabend zu ermöglichen.

Zusätzlich zur Umgestaltung des

Freiraums ist eine Gemeinschaftseinrichtung

für alle älteren Bewohner_innen von

nöten.

Freiraum als Begegnungsort

Der Freiraum des Stadtquartiers ist für sie

eine Erweiterung des Wohnraumes. Sie

wünschen sich mehr Grünflächen im Freien,

mehr Sitzbänke vor den Häusern und auch

an kleinen Plätzen. In den Gesprächen mit

den Experten_innen wird deutlich, dass eine

neue Aufenthaltsqualität des Freiraums

ihnen die Entscheidung, nicht mehr in ihre

Heimat zurückzukehren, erleichtern würde.

91

5 Handlungsempfehlungen

5.1 ‚Gestaltung urbaner

Freiräume‘ für ältere

Migranten_innen

Die Fallstudie des Stadtquartiers Nauener

Platz in Berlin hat ermöglicht, die hier dominierende

Bevölkerungsgruppe der türkischen

Migranten_innen zu untersuchen. Es

wurde festgestellt, dass ein urbaner Freiraum

für die älteren Migranten_innen nicht

nur ein Aufenthaltsraum zum Verweilen

darstellt, sondern ein wichtiger Begegnungsort

für sie ist.

Im Alter leiden die älteren Migranten_innen

im Stadtquartier Nauener Platz an Einsamkeit.

Die Entfernung von den eigenen Kindern

und der starke Rückkehrwunsch in

die Heimat führt bei ihnen zu psychischen

Krankheiten. Die ethnische Kolonie bietet

ihnen, anders als vermutet wird, im Alter

keinen Rückhalt mehr. Ihre geringe sprach-

91 Kinder mit Migrationshintergrund

in der Moschee

während des Bürgerbeteiligungsverfahrens


94 Fallstudie Nauener Platz, Berlin

Handlungsempfehlungen

25

92

92 Ansicht auf die südliche

Hälfte des Nauener Platzes

nach der Umgestaltung in

Richtung Reinickendorfer

Straße

liche Kompetenz macht sie aber abhängig

von den ethnisch geprägten Versorgungseinrichtungen

im Stadtquartier.

Eine Verbesserung der Lebenslage für die

älteren Migranten_innen ist somit nur über

eine bessere Integration in der eigenen

ethnischen Gruppe möglich. Ein neugestalteter

Nauener Platz kann dazu den nötigen

Raum bieten. Die Akteure des

Stadtquartiers sahen die älteren Migranten_innen

von Beginn an als eine Zielgruppe

bei den Planungen des Nauener

Platzes und werden viele der geäußerten

Wünsche umsetzen.

Der Freiraum beschränkt sich für die älteren

Migranten_innen aber nicht nur auf einen

öffentlichen Platz. Sie betrachten Gehsteige

vor ihren Häusern oder vor den Kulturvereinen,

nicht ausgewiesene öffentliche Räume

und auch die bestehenden Innenhöfe der

Wohnbebauung als ihren Freiraum im Stadtquartier.

Diese aktive Nutzung des Freiraums

macht Handlungsempfehlungen für

den gesamten Freiraum des Stadtquartiers

nötig. Die Fallstudien haben gezeigt, dass

hier große Mängel bestehen.

Der neue Nauener Platz

Der Nauener Platz befindet sich seit Juni

2008 in der baulichen Umgestaltung. Vorschläge

zu diesem Projekt sind nicht notwendig,

da die Anforderungen und Wünsche

der älteren Migranten_innen an einen neuen

Nauener Platz infolge des Bürgerbeteiligungsverfahrens

bei der Gestaltung eingeplant

wurden. Weitergehende Überlegungen

gibt es einzig zu einer besseren Verbindung

zwischen dem westlichem Teil des Stadtquartiers

und Nauener Platz nötig. Die Reinickendorferstraße

bildet an dieser Stelle

eine räumliche Barriere. Hierbei steht die Sicherheit

beim Überqueren der Straße an

erster Stelle. Die unmarkierten Verkehrsinseln

müssen durch Zebrastreifen und eine

sichtbare Beschilderung ersetzt werden. Das

ist in einem Stadtquartier mit einer hohen

Anzahl an älteren Bewohner_innen notwendig.

Zusätzlich sollten die Verkehrsplaner,

Lösungen in Richtung einer Verkehrsberuhigung

durch eine Geschwindig keits begrenzung

für PKWs oder Maßnahmen zur

Verringerung des PKW-Verkehrs am Nauener

Platz in Betracht ziehen.


Fallstudie Nauener Platz, Berlin

Handlungsempfehlungen

95

Urbaner Freiraum im Stadtquartier Nauener

Platz

Die Innenhöfe der Baublöcke sind in ihrem

heutigen Zustand nicht nutzbar. Für die

Anwohner_innen könnten die Innenhöfe

hingegen eine Erweiterung ihres Wohnbereiches

sein. Es empfiehlt sich eine zukünftige

Umgestaltung mit mehreren denkbaren

Vorgehensweisen.

Die Innenhöfe sollten in neue Nutzungsbereiche

eingeteilt werden. Dazu gehören

Pufferzonen zu den angrenzenden Erdgeschosswohnungen,

sowohl moderne

Spiel- als auch ansprechende Aufenthaltsbereiche.

Von Bedeutung ist ebenso die Pflege der

Innenhöfe. Die Verantwortung hierfür sollte

den Anwohner_innen übertragen und in regelmäßigen

Abständen von Akteuren des

Stadtquartiers überprüft werden. Die Mülltonnen

der Bewohner_innen, des angrenzenden

Einzelhandels und sonstige

Gerätschaften gehören in dafür vorgesehene

Räume.

Eine innovative Chance für die Innenhöfe

des Stadtquartiers eröffnet das Konzept

der ‚Internationalen Gärten‘. Die neuen

Nutzungsbereiche des Innenhofs können

für Schrebergärten zur Verfügung gestellt

werden. Die Beteiligung der älteren türkischen

Migranten_innen an solchem Projekt

würde ihre bestehende Kompetenz stärken

und gleichzeitig ihre Selbsthilfe fördern.

Zudem könnte die Bildung einer Schrebergarten-Gemeinschaft

ihre Einsamkeit mindern

und eine Integration in die eigene

ethnische Gruppe fördern. Das vorgestellte

Beispiel der Mietergärten im Berliner Viertel

in Monheim am Rhein zeigt, dass sich

die Kommunikation zwischen den Ethnien

des Stadtquartiers durch ein solches Projekt

verbessert. Vorstellbar ist ebenso die

Schaffung eines Netzwerkes von mehreren

Gartengemeinschaften in den unterschiedlichen

Baublöcken des Stadtquartiers. Ziel

ist es, die Integration zu den anderen Bewohner_innen

zu verbessern und gleichzeitig

die Qualität des Freiraums zu

steigern.

5.2 Gemeinschaftseinrichtung

Die älteren Bewohner_innen mit und ohne

Migrationshintergrund benötigen Räume

für Begegnung, Beratung und Angebot.

Eine öffentliche Gemeinschaftseinrichtung

ist im Stadtquartier Nauener Platz nicht

vorhanden. Es empfiehlt sich, die leerstehenden

Jugendbibliothek in eine Gemeinschaftseinrichtung

umzuplanen. Die Lage

auf dem Nauener Platz und die Nachbarschaft

zum Haus der Jugend sind ideal. Ein

‚Haus der Generationen‘ kann für ältere Migranten_innen

mit Angeboten zur Stärkung

von Kompetenzen und der Selbsthilfe die

Einsamkeit mindern.


IV C Fallstudie Pfingstweide,

Ludwigshafen am Rhein

‚Attraktives Wohnen im Quartier –

Nachbarschaften von Jung und Alt‘

1 Städtebauliche Bestandsanalyse

Vorgehensweise

Die Pfingstweide ist das zuletzt untersuchte

Stadtquartier für die Fallstudien. In

der Zeit der Durchführung der Bestandsanalyse

waren in Rheinland-Pfalz Schulferien.

Viele Bewohner_innen mit und ohne

Migrationshintergrund befanden sich im

Urlaub. Die Passantenbefragungen konnten

mit acht älteren deutschen Bewohner_

innen durchgeführt werden. Davon hatte

kein Bewohner_in einen Migrationshintergrund.

Das Alter der drei Frauen und fünf

Männer lag im Schnitt bei 72,8 Jahren und

somit ähnlich der Befragten Bewohner_

innen in den beiden anderen Fallstudien.

Die Wohndauer der befragten auf der

Pfingstweide beträgt im Schnitt 24,3 Jahre.

Eine Passantenbefragung verlagerte sich

von der Straße in die Wohnung eines langjährigen

Bewohners des Stadtquartiers

und wurde zu einem langen Gespräch.

Die Gespräche mit vier Experten_innen aus

dem Stadtquartier fanden in zwei Abschnitten

statt. Das erste Gespräch fand mit Gerold

R. Blaese statt. Er ist jahrelanger

Bewohner der Pfingstweide und in vielen

Arbeitskreisen bezüglich der Interessen der

Migranten_innen des Stadtquartiers ehrenamtlich

tätig. Herr Blaese verbrachte viele

Jahre für das Unternehmen BASF im Ausland

und beschreibt sich selbst als Migrant.

Das zweite Gespräch fand in einer Runde

mit drei Experten_innen statt. Frau Christa

Müller ist ebenfalls jahrelange Bewohnerin

der Pfingstweide und hier ehrenamtlich

aktiv. Sie ist die Vorsitzende einer Arbeitsgemeinschaft

der Vereine auf der Pfingstweide.

Als frühere Lehrerin im Stadtquartier


98 Fallstudie Pfingstweide, Ludwigshafen am Rhein

Städtebauliche Bestandsanalyse

Stadtquartier

Pfingstweide

Hauptbahnhof

25

93 94

93 Stadtplan Ludwigshafen

94 Pfingstweide nach der

Fertigstellung

hat sie viel Erfahrung im Austausch mit den

heute älteren Migranten_innen vor Ort.

Beim Gespräch anwesend waren auch

Frau Hahn als Ansprechpartnerin und Mitarbeiterin

der BASF Wohnungsbaugesellschaft

LUWOGE und Frau Wich in ihrer

Funktion als ‚Netzwerkerin‘ des Haus

NOAH.

Quartiersgeschichte

Das Stadtquartier Pfingstweide war, wie

der Name schon andeutet, eine Viehweide.

Diese lag auf der Gemarkung der Edigheimer

Gemeinde und war gekennzeichnet

von ständiger Überflutung durch den nahen

Rhein. Einzig in der Pfingstzeit konnte das

Gelände von Vieh beweidet werden. Im

Jahr 1966 vergab die Stadt Ludwigshafen

am Rhein den Auftrag an die städtische

Wohnungsbaugesellschaft GAG ein Gutachten

zur Wohnbebauung zu erstellen.

Bei der Stadt Ludwigshafen waren rund

7000 Menschen auf Wohnungssuche gemeldet,

davon waren allein 3000 beim Unternehmen

BASF, welches schon zu

damaliger Zeit der wichtigste Arbeitgeber

der Stadt war. Diese Wohnungsnot zwang

den Gemeinderat und die BASF noch im

selben Jahr zu einer Vereinbarung über den

Bau einer Siedlung auf der Pfingstweide.

Die BASF war zuständig für die Planung

des Projektes und gründete eine eigene

Wohnungsbaugesellschaft LUWOGE. Der

Auftrag für ein weiteres Gutachten zum bestehenden

Bebauungsplan wurde an das

Berliner Büro von Albert Speer jr. vergeben.

Dieser veränderte den Bebauungsplan hin

zu einer verdichteten Wohnbebauung. Die

vorgesehenen viergeschossigen Mehrfamilienhäuser

und die neungeschossigen

Punkthochhäuser wurden um Kettenhochhäuser

im Zentrum des Stadtquartiers ergänzt.

Die vorgesehene Geschosszahl

sollte von sieben am Rand bis zu siebzehn

Geschossen im Zentrum reichen. Diese

Maßnahmen führten zu dem Charakter

einer Trabantenstadt. Im Herbst 1967 begannen

die Bauarbeiten für das neue

Stadtquartier Pfingstweide. (www.pfingstweide-info.de

2008)

Fast alle Bewohner_innen des Stadtquartiers

Pfingstweide sind bis heute Mitarbei-


Fallstudie Pfingstweide, Ludwigshafen am Rhein

Städtebauliche Bestandsanalyse

99

95 96

ter_innen der BASF. Viele Migranten_innen

zogen daher nach Ludwigshafen. Die LU-

WOGE sorgte von Beginn an stets für eine

Mischung bei der Vergabe der Wohnungen

zwischen den Nationalitäten der Gastarbeiter_innen.

Bis heute überwiegt keine

bestimmte Bevölkerungsgruppe mit Migrationshintergrund.

Städtebauliche Situation

Das Stadtquartier Pfingstweide befindet

sich am Stadtrand im Norden von Ludwigshafen

losgelöst von der restlichen

Stadt. Es wird von zwei sechsspurigen Autobahnzubringerstraßen

im Süden und

Osten eingegrenzt. Im Osten trennt diese

das Stadtquartier vom großen Industriegelände

der BASF. In westlicher Entfernung

liegt der Stadtteil Frankenthal und im

Süden Edigheim. Im Norden des Stadtquartiers

blickt man in die Weite aufs

Ackerland.

Auf dem Stadtquartier stehen 300 Einfamilienhäuser

und 2400 Geschosswohnungen,

wovon rund 30 Prozent in privatem

Eigentum sind. Jeweils 30 Prozent verteilen

sich auf die Wohnungsbaugesellschaften

LUWOGE und GAG. (Zahiri 2007: 48)

Auf den zwei zentralen Wohnbereichen befinden

sich am Rand viergeschossige

Mehrfamilienhäuser und zur Mitte hin bis

zu siebzehn-geschossige Hochhäuser. In

den Außenbereichen sind ebenfalls Mehrfamilienhäuser

und zusätzlich neungeschossige

Punkthochhäuser. Die

Einfamilienhäuser stehen im Norden und

Osten des Stadtquartiers. Sie sind freistehend,

aber auch als Reihen- und Hofhäuser

gebaut.

Die Pfingstweide ist aus dem Stadtzentrum

mit den öffentlichen Verkehrsmitteln nur

unter großem Zeitaufwand erreichbar. Eine

Fahrt dauert rund 45 Minuten und ist mit

zweimaligem Umsteigen von der Tram in

den Bus verbunden. Eine gute Anbindung

an die Bundesstraßen erleichtert die Erreichbarkeit

mit dem PKW. Das gesamte

Stadtquartier ist eine fußgängerfreundliche

verkehrsberuhigte Zone 30. Brücken zwischen

den unterschiedlichen Wohnblöcken

helfen zusätzlich beim Überqueren der

Straßen.

95 Neungeschossiges

Punktshochhaus

96 Blick auf Reihenhäuser und

zentrale Kettenhochhäuser


100 Fallstudie Pfingstweide, Ludwigshafen am Rhein

Städtebauliche Bestandsanalyse

25

97 98

97 Marktplatz am

Einkaufszentrum

98 Blick auf das Einkaufszentrum

und zentrale

Kettenhochhäuser

99 Städtebaulicher Strukturplan

Pfingstweide

Am Fuß der Kettenhochhäuser liegt das

Einkaufszentrum samt Marktplatz des

Stadtquartiers. Das eingeschossige Zentrum

beherbergt 16 unterschiedliche Läden,

von einem Penny Lebensmittelladen und

einem Schlecker Drogeriemarkt über zwei

Bäckereien und einem Bekleidungsgeschäft

bis zu mehreren Restaurants und

Cafés. Das Angebot ist für die Bewohner_

innen ausreichend, einzig das Fehlen eines

Metzgereibetriebes wird beklagt. Das Gebäude

ist auf der zentralen Anhöhe über

Fußgängerbrücken aus den Wohnbereichen

erreichbar. Viele bauliche Mängel und

eine dunkle Passage reichen für heutige

Anforderungen an ein Einkaufszentrum

nicht mehr aus. Die Pfingstweide ist ausgestattet

mit einer Grundschule auf dem

südlichen und einem Kindergarten auf dem

nördlichen Wohnblock. Kultur- und Freizeitangebote

sind vor allem für Jugendliche

vorhanden. Im Bürgerhaus im Süden

hat sich das Jugendfreizeithaus angesiedelt

und im Osten des Stadtquartiers eine

Jugendfarm. Zusätzlich sind eine protestantische

und eine katholische Kirche für

die sozialen Belange der Bewohner_innen

zuständig.

Im Jahr 1996 wurde von den Wohnungsbaugesellschaften

des Stadtquartiers die

Initiative ‚Unsere Pfingstweide soll attraktiver

werden‘ gestartet. Hierbei wurden bauliche

Maßnahmen an den Außenanalgen,

den Eingangsbereichen der Gebäude und

den Spielplätzen im Wert von 25 Millionen

Euro finanziert. Diese Initiative wurde im

Jahr 2003 um das Projekt ‚Zukunft Leben

– Pfingstweide‘ ergänzt. Hier wurden in

einem Idee- und Kreativwettbewerb Vorschläge

zu den neuen Anforderungen des

Wohnens erstellt. Aus diesen ging die Idee

für das hier untersuchte ‚Allengerechte

Wohnen – Haus NOAH‘ hervor. (LUWOGE

2006)


Fallstudie Pfingstweide, Ludwigshafen am Rhein

Städtebauliche Bestandsanalyse

101

1

Haus Noah

2

Einkaufszentrum

3

3

1

Kettenhochhäuser

Marktplatz

Londoner Ring

2

3

Geschosswohnungsbau /

Hochhäuser

Einfamilienhäuser

2

3

4

1

Punkthochhäuser

Bushaltestelle / Wendeplatte

4

1

3

1

1

2

B9

4

Brüsseler Ring

3

2

3

Budapester Straße

4

99

Kanaldamm (B9)

50m


102 Fallstudie Pfingstweide, Ludwigshafen am Rhein

Ältere Migranten_innen der Pfingstweide

25

100 101

100 Einfamilienhäuser im

Norden

101 Mehrfamilienhäuser

2 Ältere Migranten_innen in

der Pfingstweide

2.1 Lebenslage

Demografische Daten

Die Pfingstweide hat eine Kapazität an

Wohnungen für rund 9000 Menschen.

Heute zählt die

Pfingstweide 6434 Bewohner_innen, das

entspricht einer Schrumpfung von fast

3000 Bewohner_innen. Grund hierfür ist

der Abbau von Arbeitsplätzen bei der

BASF. Viele junge Familien zogen es vor in

die Kernstadt oder ins Umland zu ziehen.

Ein Viertel der Bewohner_innen, 1674 an

der Zahl, ist über 65 Jahre alt. Zählt man

die über 50-jährigen hinzu, steigt ihr Anteil

auf 35 Prozent. (Stadtverwaltung Ludwigshafen

2008, Bereich Stadtentwicklung)

Die statistischen Daten und die Definition

der Bewohner_innen mit Migrationshintergrund

basieren nicht auf den Erhebungen

des Mikrozensus 2005. Zu den Migranten_

innen werden Ausländer_innen und ausschließlich

diejenigen mit doppelter

Staatsbürgerschaft gezählt. Eingebürgerte

und Spätaussiedler_innen fallen durch dieses

Raster und zählen weiterhin zu den

deutschen Bewohner_innen. Nach heutiger

Zählung beträgt der Migrantenanteil in

der Pfingstweide 24 Prozent. Die älteren

Migranten_innen machen 10 Prozent der

älteren Bewohner_innen im Stadtquartier

aus. Das statistische Amt hat bestätigt,

dass Zahlen nach dem Mikrozensus 2005

vorhanden sind, aber auf Wunsch der

Stadtverwaltung bis nach den Kommunalwahlen

2009 zurückgehalten werden. Zwei

vorhandene Daten helfen dabei, den realen

Migrantenanteil anzunehmen. Bei der

Frage des Glaubens geben 60 Prozent an,

Christen zu sein, 40 Prozent hingegen sind

andersgläubig, darunter viele Muslime. Das

Land Rheinland-Pfalz hat Daten des Mikrozensus

veröffentlich, in denen die Stadt

Ludwigshafen auf einen Anteil von 40 Prozent

Bewohner_innen mit Migrationshintergrund

kommt. Somit kann angenommen

werden, dass auf der Pfingstweide eben-


Fallstudie Pfingstweide, Ludwigshafen am Rhein

Ältere Migranten_innen in der Pfingstweide

103

falls rund 40 Prozent Bewohner_innen mit

Migrationshintergrund leben. (Stadtverwaltung

Ludwigshafen 2008, Bereich Stadtentwicklung)

Genaue Zahlen zu den Nationalitäten sind

ebenfalls nicht vorhanden und die folgenden

Angaben werden auf die Expertengespräche

zurückgeführt. Die größten

Gruppen sind die Bewohner_innen mit türkischem

und italienischem Migrationshintergrund.

Eine Besonderheit der

Pfingstweide ist, dass die deutschen Bewohner_innen,

welche zumeist in den Einfamilienhäusern

leben, jahrelang für die

BASF im Ausland gearbeitet haben. In Gesprächen

beschreiben sie sich heute selbst

als Migranten_innen.

Ökonomische Situation

Die älteren Migranten_innen sind im Vergleich

zu Altersgenossen in den anderen

untersuchten Fallstudien finanziell besser

gestellt. Sie erhielten als Mitarbeiter_innen

der BASF hohe Gehälter und beziehen

heute eine dementsprechende Rente. Sie

sind aber eher aus einem bildungsschwachen

Milieu. Dies spiegelt sich auch bei

ihren Kinder wieder, was an den geringen

Empfehlungen für das Gymnasium für Kinder

mit Migrationshintergrund zu erkennen

ist. Die Arbeitslosenquote von 12,7 Prozent

trifft somit die Jugendlichen und jungen Erwachsenen.

Von den Arbeitslosen im

Stadtquartier haben 7,2 Prozent einen Migrationshintergrund.

(Stadtverwaltung

Ludwigshafen 2008, Bereich Stadtentwicklung)

Die Experten_innen berichten, dass sich

viele Jugendliche den Tag im Freiraum vertreiben,

meist an den Sitzbereichen am

Marktplatz und an Bushaltestellen, was

oftmals zu Konflikten mit Besucher_innen

des Einkaufszentrums führt.

Gesundheitliche Lage

Die älteren Migranten_innen können auf

der Pfingstweide nicht auf die Pflege durch

ihre Kinder zählen. Viele sind wegen der

schlechten Arbeitsmarktlage weggezogen.

In den Gesprächen gehen die Experten_

innen davon aus, dass entweder innerhalb

der Familie eine Lösung gesucht wird, oder

private Pflegedienste auf der Pfingstweide

beauftragt werden. Diese bieten eine kultursensible

Altenhilfe an. Finanziell sind die

älteren Migranten_innen durch ihre jahrelangen

Beiträge in das Gesundheitssystem

abgesichert.

2.2 Bezug zum Stadtquartier

Gesteuerte Verteilung der Bevölkerungsgruppen

In den Gesprächen wurde geäußert, dass

die Wohnungsbaugesellschaft GAG in den

Anfangsjahren der Besiedelung des Stadtquartiers,

die unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen

nicht gesteuert Verteilte.

Dies führte bald zu Konflikten innerhalb der

von der GAG geführten Gebäude. Die türkischen

Migranten_innen und sozial schwachen

Personen überwogen in den

viergeschossigen Sozialwohnungen. Dieses

Ungleichgewicht wurde über Jahre

wieder behoben. Die LUWOGE, als Wohnungsbaugesellschaft

der BASF, steuerte

von Beginn an die Belegung ihrer Gebäude.

Sie wollten eine soziale sowie räumliche

Durchmischung erreichen. Die Kriterien der

Belegung waren der Bildungsgrad, der so-


104

Fallstudie Pfingstweide, Ludwigshafen am Rhein

Ältere Migranten_innen der Pfingstweide

25

102

heute noch einen sozialen und finanziellen

Rückschritt bedeuten. Es wird aber auch

von gegenteiligen Beispielen berichtet.

Viele ältere Bewohner_innen mit türkischem

Migrationshintergrund hingegen

haben zum einen die deutsche Staatsbürgerschaft

angenommen und zum anderen

die Möglichkeit genutzt, sich auf der

Pfingstweide eine Eigentumswohnung zu

kaufen. Die Experten_innen bewerten diesen

Vorgang als Zeichen für den Bleibewillen

der hier lebenden älteren türkischen

Migranten_innen.

102 Blick auf das Haus NOAH,

rotes Fenster des

Stockwerks Stockwerk

,Generation 50+‘

ziale Status und später dann die Nationalität

der Bewohner_innen. Die

Ansprechpartnerin der LUWOGE vertritt

den Standpunkt, dass nur mit einer gesteuerten

Verteilung ein Quartier funktionieren

kann.

Erwähnenswert ist eine größere Gruppe

von integrations- und einbürgerungswilligen

Bewohner_innen mit vietnamesischen

Migrationshintergrund im Stadtquartier. Sie

reden zuhause meist Deutsch um die eigene

Integration und die ihrer Kinder zu

fördern. Sie beantragen sobald wie möglich

die deutsche Staatsbürgerschaft und

wohnen geballt in bestimmten Bereichen

des Stadtquartiers.

Rückkehrwillen

Die Experten berichten, dass etliche der

älteren Bewohner_innen mit italienischem

Migrationshintergrund heute in Deutschland

bleiben wollen. Sie sind im Vereinsleben

des Stadtquartiers integriert und

ziehen es vor in ihr Herkunftsland zu pendeln,

als endgültig wieder zurück zu kehren.

Eine Rückkehr würde für sie auch

2.3 Verhältnis zur Deutschen

Gesellschaft

In den Gesprächen äußern die Experten_

innen, dass die älteren Migranten_innen

ein normales bis positives Verhältnis zu

den deutschen Bewohner_innen im Stadtquartier

haben. Dieses Verhältnis ist von

den vielen Arbeitsjahren mit deutschen

Kollegen bei der BASF geprägt. Hier sind

viele Freundschaften entstanden, die bis

heute noch bestehen. Die Bewohner_innen

bestätigen diese Vermutung in den Befragungen.

Die Mehrheit gibt an, noch heute

Kontakte zu älteren Migranten_innen im

Stadtquartier zu haben. Sie bewerten das

Verhältnis als gut und schildern positive Erlebnisse

mit den Migranten_innen in ihrer

Nachbarschaft. Selbst bei Nachfragen des

Autors zu bestimmten Konfliktsituationen

fielen fast keine negativen Äußerungen. Die

Experten_innen berichten eher von Konflikten

in den angrenzenden Stadtteilen

Edigheim und Oppau.


Fallstudie Pfingstweide, Ludwigshafen am Rhein

ExWoSt – IFAS Modellvorhaben

105

3 ExWoSt – IFAS

Modellvorhaben

3.1 Allengerechtes Wohnen

im Haus NOAH

Die heutige Bewohnerstruktur auf der

Pfingstweide führt zu veränderten Wohnanforderungen.

Die hohe Anzahl an älteren

Bewohner_innen benötigen neue Wohnformen

infolge gesundheitlicher Schwierigkeiten,

geringer Mobilität und Einsamkeit.

Aufgrund der veränderten Bewohnerstruktur,

entschieden die Träger der Pfingstweide

mehrere Geschosse eines

bestehenden Hochhauses als Modellvorhaben

für ein ‚Allengerechtes Wohnen‘

umzubauen. In den Beschreibungen des

Projektes wird darauf hingewiesen, dass

„dem Migrationshintergrund der älter werdenden

Bevölkerung Rechnung getragen

werden“ soll. (LUWOGE 2006)

Das ‚Allengerechte Wohnen‘ wurde im

Haus NOAH (Nachbarschaftlich, Offen, Allengerecht,

Hilfebietend) umgesetzt. Das

modernisierte Hochhaus liegt auf dem

nördlichen Wohnblock in Nähe der zentralen

Kettenhochhäuser und des Einkaufszentrums.

(LUWOGE 2008: 3)

Daten und Fakten

Im Haus NOAH wurden zwei mal zwei Geschosse

und das Foyer umgebaut. Das

zweite und dritte Stockwerk mit 690 m²

und das achte und neunte Stockwerk mit

620 m². Der Umbau hat im Jahr 2007 begonnen

und wurde im Frühjahr 2008 eröffnet.

Die Konzeptphase, welche zum

103

endgültigen Projekt geführt hat, begann

schon im Jahr 2003. Finanziell wird das

Projekt von der LUWOGE und zusätzlich

vom ExWoSt-IFAS Forschungsfeld gestützt.

(LUWOGE 2006)

Projektbeteiligte

Das Projekt ist sowohl von öffentlichen und

privaten Trägern sowie Bewohner_innen

der Pfingstweide gestützt:

- Arbeitskreise mit Beteiligung von

Bewohner_innen

- LUWOGE, Wohnungsbaugesellschaft

der BASF

- GAG, Wohnungsbaugesellschaft der

Stadt Ludwigshafen

- Netzwerkerin am Haus NOAH

(Koordination)

- Deutsches Rotes Kreuz

- BauWohnBeratung Karlsruhe

(Koordination)

- VIVA Familia, Service für Lokale

Bündnisse (Moderation)

(LUWOGE 2006)

103 Grundriss eines Umgebauten

Stcokwerkes des

Haus NOAH


106 Fallstudie Pfingstweide, Ludwigshafen am Rhein

ExWoSt – IFAS Modellvorhaben

25

104

104 Begegnungszentrum im

Haus NOAH

Die Realisierung des Projektes erfolgte mit

Hilfe von fünf Projektbausteinen. An erster

Stelle stand die Kooperation und Kommunikation

zwischen allen beteiligten Trägern

und den Bewohner_innen. An zweiter und

dritter Stelle standen der Umbau der beiden

Stockwerksbereiche in ‚Stockwerke

Generation +‘ und ‚Stockwerk für Senioren

mit Pflegebedarf‘. Die letzten beiden Bausteine

‚Pfingstweide-Netzwerker und Concierge‘

und

‚Generationennachbarschaftstreff mit integriertem

Concierge-Büro‘ sind Gemeinschaftsangebote

für das gesamte

Stadtquartier. (Hahn, Grünenwald 2007: 3)

sere Pfingstweide soll schöner werden‘.

Die Neugestaltung des Freiraums war ein

erster Schritt. In einer Befragung zum Themenschwerpunkt

Wohnen im Jahr 2002

unter den älteren Bewohner_innen mit und

ohne Migrationshintergrund im Stadtquartier,

wurden neue Wohnanforderungen dieser

Bevölkerungsgruppe festgestellt. Die

Einsicht in die Auswertung der Befragung

war aus Datenschutzgründen nicht möglich,

daher können hier keine konkreten Ergebnisse

vorgestellt werden. Die LUWOGE

gibt an, dass die älteren Migranten_innen

aber keine spezifischen Anforderungen

zum Wohnen geäußert haben sollen. Im

Jahr 2004 wurde ein Kreativwettbewerb

unter dem Motto ‚Zukunft Leben Pfingstweide‘

initiiert. Hier durften von den Bewohner_innen

bis zu Architekten_innen alle

teilnehmen. Als Ergebnis aus den Befragungen

und dem Wettbewerb ist der Arbeitskreis

‚Wohnen und plus‘ entstanden,

an welchem auch Bewohner_innen des

Stadtquartiers schriftlich und ausschließlich

in deutscher Sprache eingeladen wurden.

In diesem Arbeitskreis entstanden die

konkreten Ideen und Konzepte zur Umsetzung

für das Haus NOAH. Ein weitfassendes

Bürgerbeteiligungsverfahren zum

Projekt wurde nicht durchgeführt. (LU-

WOGE 2006)

3.2 Bürgerbeteiligungsverfahren

Das Haus NOAH ist ein Ergebnis des im

Jahr 1996 von den Wohnungsbaugesellschaften

der Pfingstweide und der Stadt

Ludwigshafen gestarteten Projektes ‚Un-

Die Experten_innen geben in den Gesprächen

an, dass die älteren Migranten_innen

an der Gestaltung des gesellschaftlichen

Lebens auf der Pfingstweide bis auf wenige

Ausnahmen nicht teilnehmen. Den älteren

Migranten_innen sei selbst nicht

bewusst, welche Anforderungen sie haben,

daher wurde keine Notwendigkeit der Beteiligung

gesehen. Der Arbeitskreis ‚Woh-


Fallstudie Pfingstweide, Ludwigshafen am Rhein

ExWoSt – IFAS Modellvorhaben

107

105 106

nen und plus‘ hat die älteren Migranten_innen

nicht in ihre Überlegungen bei der Bearbeitung

des Konzeptes für das Haus NOAH

eingeschlossen. Die LUWOGE äußert,

dass sich Migranten_innen vor allem in

dem Arbeitskreis ‚Öffentlichkeitsarbeit‘ beteiligt

haben. Die Ansprechpartnerin Frau

Hahn erwähnte, dass dies nur stattfand,

wenn sie öffentlich auftreten konnten und

es Geld dafür gab.

3.3 Angebote im Haus

NOAH

Das erste und zweite Obergeschoss des

Haus NOAH wurde für eine altershomogene

Wohngemeinschaft umgebaut. Dieses

neue Stockwerk ‚Generation +‘ besteht

aus zwölf Wohnungen zur Miete und ist für

Senioren_innen mit Einschränkungen geplant.

Die ein- bis drei-Zimmerapartments

sind 20 m² bis 80 m² groß. Die Wohnungen

sind barrierefrei und auf die Pflege in der

eigenen Wohnung eingerichtet. Drei mal

die Woche, jeweils für drei Stunden kommen

Pfleger des Deutschen Roten Kreuzes

in das Stockwerk ‚Generation +‘. Dieses

spezielle Betreuungskonzept legt aber keinen

Fokus auf eine kultursensible Altenhilfe.

(LUWOGE 2008: 14)

Das Stockwerk ‚Generation 50 +‘ befindet

sich im achten und neunten Geschoss.

Hier wurden insgesamt zehn Wohnungen

für diese junge Altengeneration mit ebenfalls

ein- bis drei-Zimmerapartments in der

Größe von 40 m² bis 80 m² umgebaut. Das

Angebot für diese Bewohnergruppe reicht

von Nachbarschaftshilfe bis Botengänge

oder Beratung der Netzwerkerin und des

Concierge im Haus. (LUWOGE 2008: 10)

Die Innovation der beiden Stockwerke besteht

in einem neu geschaffenen, über zwei

Geschosse reichenden Gemeinschaftsbereich.

Dieser ist im Stockwerk ‚Generation

50 +‘ in Selbstorganisation nutzbar. Die

hier befindliche Küche lädt zum gemeinsamen

Kochen, und die Sitzecke zum Verweilen

ein. Ein Ausblick über das

Stadtquartier ist durch das neu geschaf-

105 Gemeinschaftsbereich im

Stockwerk ,Generation

50+‘

106 Wohnung im Stockwerk

,Generation 50+‘


108 Fallstudie Pfingstweide, Ludwigshafen am Rhein

ExWoSt – IFAS Modellvorhaben

25

107 Vorplatz des Haus NOAH,

rotes Fester von Stockwerk

,Generation +‘

107

fene rot gerahmte Fenster möglich. (LU-

WOGE 2008: 10)

Die Netzwerkerin des Haus NOAH möchte

den Gemeinschaftraum im Erdgeschoss zu

einem Bewohnertreff für alle Bewohner_

innen des Stadtquartiers gestalten. Ihr bisheriger

Schwerpunkt liegt in Angeboten für

Begegnungen von Jung und Alt. Die älteren

Bewohner_innen äußern in den Passantenbefragungen,

dass sie sich eine

Gemeinschaftseinrichtung wünschen, da

eine solche bisher nicht vorhanden ist. Sie

sind über das neue Wohnangebot im Haus

NOAH informiert, wissen aber bisher wenig

über die Arbeit der Netzwerkerin und des

Bewohnertreffs. Junge und ältere Migranten_innen

haben bisher noch keine Priorität

bei den Überlegungen des

Bewohnertreffs.

In der Projektbeschreibung stand, dass der

Anzahl der älteren Bewohner_innen mit Migrationshintergrund

im Stadtquartier Rechnung

getragen werden soll. (LUWOGE

2006) In den Gesprächen mit den Experten_innen

wurde nun geäußert, dass die

älteren Migranten_innen nicht Teil der

Überlegungen bei der Realisierung des

Haus NOAH waren. Dabei gibt die LU-

WOGE mehrere Punkte an. Die Anforderungen

der älteren Menschen an eine

barrierefreie und altengerechte Wohnung

seien gleich, unabhängig von der Nationalität

der Bewohner_innen. Die LUWOGE

hat bisher bei der Vergabe von Wohnungen

von Seiten der älteren Migranten_innen

keine spezifischen Wohnanforderungen

festgestellt. Einzig die Ausrichtung des

Balkons sei manchen wichtig, um Sat-Anlagen

für den Empfang von Fernsehsendern

aus dem Herkunftsland aufstellen zu

können. Zudem sei die Migrantenanzahl

unter dem städtischen Durchschnitt. Insgesamt

wird festgestellt, dass noch keine

Migranten_innen die Wohnungen im Haus

NOAH besichtigt haben. Daher stellt Frau

Hahn von der LUWOGE die These auf: „Ältere

Migranten_innen bekommen das Älterwerden

im Familienverband besser

hin“.

Die Netzwerkerin Frau Wich möchte versuchen,

Migranten_innen stärker in den Bewohnertreff

einzubinden. Bisher hat sie mit

ihren Projekten vor allem Kinder und Jugendliche

Migranten_innen erreicht. Sie

möchte mit dem Arbeitskreis ‚Interkulturelles

Miteinander‘ zusammenarbeiten, um

mögliche Multiplikatoren mit Migrationshintergrund

ins Haus NOAH einzuladen

und ihnen die vorhandenen Angebote vorzustellen.

Die älteren Migranten_innen des

Stadtquartiers mit geringen Deutschkenntnissen

wissen bisher noch nicht von der

Existenz des Haus NOAH.


Fallstudie Pfingstweide, Ludwigshafen am Rhein

ExWoSt – IFAS Modellvorhaben

109

3.4 Wohnsituation in der

Pfingstweide

Baustruktur

Die Mehrfamilien- und Hochhäuser bestehen

aus wenigen Baukörpertypen, diese

kamen aber in hoher Wiederholungsrate vor.

Die Einfamilienhäuser liegen eher abgeschottet

im Stadtquartier und sind meist von

hohen Mauern umgeben.

Das Einkaufszentrum in der Mitte des Stadtquartiers

ist um 3,50 m höher als das umgebende

Gebiet. Über drei Fußgängerbrücken

aus den Wohngebieten ist dieses zu erreichen.

Die bis zu siebzehn Geschosse hohen

Kettenhochhäuser sorgen für eine hohe

Wohndichte, bilden aber gleichzeitig eine

Barriere zwischen den nördlichen und südlichen

Wohnbereichen der Pfingstweide.

In den Gesprächen wurde geäußert, dass

die Mehrfamilienhäuser mit bis zu vier Geschossen

nicht altengerecht sind, da diese

keinen Aufzug besitzen. Die Hochhäuser

sind mit Aufzug ausgestattet, benötigen

aber einen Umbau hin zu einer barrierefreien

Nutzung. Eine Modernisierung der Gebäude

hat bis zum Jahr 2002 stattgefunden, jedoch

nicht bezüglich Barrierefreiheit, sondern

eher zur Umgestaltung der Häuserfassaden.

Die befragten älteren Bewohner_innen

geben an, dass die Miete zu hoch ist und die

Wohnungen und Einfamilienhäuser für eine

oder zwei Personen zu groß sind. Die Mehrheit

der Befragten gibt aber an, sich in ihren

Wohnungen wohl zu fühlen.

108

Abriss der Kettenhochhäuser am Einkaufszentrum

Die Experten_innen berichten, dass die

BASF in den letzten Jahren eine hohe Anzahl

an Arbeitsplätze abgebaut hat. Dies

führte zu der beschrieben Schrumpfung

von rund 3000 Bewohner_innen in der

Pfingstweide. Vor allem deutsche Bewohner_innen

zwischen 25 und 50 Jahren und

die über 65-jährigen zogen dadurch ins

Umland. Migranten_innen sind dem Trend

entgegen in hoher Anzahl in die Pfingstweide

gezogen. Zur Stabilisierung hat die

LUWOGE einen Teil ihrer Wohnungen erfolgreich

an die Mieter verkauft.

Die beschrieben Bevölkerungsschrumpfung

führte zu einem Leerstand in 66 Gebäuden

des Stadtquartiers. Die LUWOGE

entschied sich daher für den Abriss der

großen Kettenhochhäuser am Einkaufszentrum

und für die Umsiedlung der hier

noch lebenden Bewohner_innen. Diese

Hochhäuser sollen durch eine niedrigere

Wohnbebauung ersetzt werden. Die bisher

im Hochhauch befindlichen Arztpraxen bekommen

am Kreisverkehr ein neues Gebäude.

Abriss- und Baubeginn ist für das

Jahr 2009 vorgesehen.

108 17-geschossiges

Kettenhochhaus


110 Fallstudie Pfingstweide, Ludwigshafen am Rhein

ExWoSt – IFAS Modellvorhaben

25

3.5 Wechselbeziehungen

Soziale Infrastruktur

Auf der Pfingstweide sind mehrere Vereine

unter dem Dach einer Arbeitsgemeinschaft

zusammengeschlossen. Die Bandbreite

reicht von Sportvereinen, Kirchenangeboten

bis zu politischen Parteien. Der jüngst

aufgenommene Verein ist die ‚Türkisch-Islamische

Frauengruppe – Frauenbildungsstätte

IGRA‘. Sie kümmern sich um die

Verbesserung der deutschen Sprachkenntnisse,

die Stärkung des Selbstvertrauens

und der Kompetenzen der weiblichen Bewohnerinnen

mit türkischem Migrationshintergrund.

Das IGRA möchte im

Stadtquartier als Vermittler zwischen den

Bewohner_innen fungieren und Beratung

und Betreuung vor allem für die älteren

Frauen anbieten. (www.arge-pfingstweide.

de) Die LUWOGE äußert, dass sie solche

Bemühungen unterstützt und bereits in

vergangenen Jahren für Mütter von Kindern

im Kindergarten oder der Grundschule

geheime Deutschkurse finanzierte. Es geschieht

deshalb geheim, da die Ehemänner

dies meist nicht wünschen.

Ein türkischer Unternehmer hat ein Patenprojekt

gemeinsam mit integrierten türkischen

Migranten_innen gestartet, um

anderen Bewohner_innen bei der Integration

zu helfen. Dieses Projekt ist aufgrund

geringen Interesses nach kurzer Zeit gescheitert.

Auf der Pfingstweide finden in

regelmäßigen Abständen interkulturelle

Gemeinschaftsfeste statt. Hier werden zum

Beispiel internationale kulinarische Spezialitäten

angeboten und verkauft.

Urbaner Freiraum

Der Marktplatz im Zentrum des Stadtquartiers

wurde aufgrund der neu gestalteten

Buswendeplatte verkleinert. Die Wendeplatte

samt Bushaltestelle ist nicht mehr in

Nutzung, da die geplanten Abrissmaßnahmen

der Kettenhochhäuser eine Verlegung

der Haltestellen im gesamten Gebiet zur

Folge hatte. Der Marktplatz ist heute ein

kleiner Vorplatz des Einkaufszentrums. Die

Sitzmöglichkeiten begrenzen den Platz neu

und laden zum Verweilen ein.

Im Zuge der Umgestaltung des Freiraums

wurden viele Wiesenflächen, auch die ein

Meter breiten Grünstreifen an den Häusern

neu gepflegt und zum Schutz einen Meter

hoch eingezäunt. Auf den Wiesenflächen

zwischen den Mehrfamilienhäuser stehen

Schilder mit dem Hinweis die Wiesenflächen

nicht zu betreten. Diese Flächen sind

eher ungepflegt. Dementsprechend bewerten

die Bewohner_innen den Freiraum eher

als mangelhaft. Sie bemerken zudem, dass

auf den Wegen viele Stolperfallen vorhanden

sind. (siehe Auswertung, Anhang)

In den Gesprächen wurde geäußert, dass

auf dem Bürgerpark vor allem Jugendgruppen

in späten Stunden verweilen, um sich

hier zu betrinken. Sie verlassen den Park

meist in vermülltem Zustand, was zu Konflikten

mit Anwohner_innen führt. Jugendliche

halten sich in ihrer Freizeit außerdem

am Marktplatz und an den Bushaltestellen

im Stadtquartier auf. Einige Überdachungen

und Bänke an Bushaltestellen im

Stadtquartier wurden aus diesem Grund

entfernt.


Fallstudie Pfingstweide, Ludwigshafen am Rhein

Bewertung der Fallstudien

111

109 110

4 Bewertung der Fallstudien

4.1 Städtebauliche Situation

in der Pfingstweide

Bauliche Situation

Die Mischung der Bautypen in Dichte und

Höhe auf der Pfingstweide sorgt für eine

Auflockerung der sonst monoton wirkenden

Stadtquartieren der 1960er und 1970er

Jahre. Einzig die Kettenhäuser im Zentrum

des Stadtquartiers bilden eine visuelle Barriere.

Das negative Außenbild des Stadtquartiers

rührt insbesondere von diesen

hohen und dichten Gebäuden. Der Abriss

ist somit nicht nur aus Gründen des Rückgangs

der Bewohnerzahlen zu begrüßen.

Das Einkaufszentrum kann in der zentralen

Lage von allen Bewohner_innen erreicht

werden. Das Gebäude ist von außen kaum

einsehbar, im Inneren dunkel und wenig

einladend. Das Angebot ist gering, trotz

der Anzahl der Geschäfte. Für die älteren

Migranten_innen ist ausschließlich ein türkischer

Gemüsehändler vorhanden. Die

Vielfältigkeit der Nationalitäten und Kulturen

im Stadtquartier wird im vorhandenen

Angebot nicht ausgeschöpft und genutzt.

Freiraum

Die Umgestaltung der Grünanlagen erfolgte

nicht nach Kriterien der besseren

Nutzbarkeit, sondern eher der Pflege und

Absperrung wegen. Die Einzäunung von

schmalen Grünstreifen am Gebäude ist unglücklich.

Ebenso ist unverständlich, wieso

Wiesenflächen zwischen Mehrfamilienhäusern

von den Bewohner_innen nicht genutzt

werden dürfen. Es zeigt sich, dass

die Bewohner_innen diese Vorgaben nicht

einhalten und die Wiesenflächen dadurch

ungepflegt sind. Einzig die Spielplätze sind

für alle frei zugänglich. Bei der Umgestaltung

hätten bevölkerungsspezifische Anforderungen

an den Freiraum eine Rolle

spiele müssen. Die verkehrsberuhigten

Zone 30 ist für die älteren Bewohner_innen

mit und ohne Migrationshintergrund positiv.

108 Blick in das

Einkaufszentrum am

Marktplatz

110 Neugestalteter Eingangs

bereich der Punktshochhäuser,

eingezäunte

Grünbereiche


112

Fallstudie Pfingstweide, Ludwigshafen am Rhein

Bewertung der Fallstudien

Monaten der Abwesenheit betreuen.

Das Dienstleistungs- und Pflegekonzept

des Stockwerks ‚Generation +‘ ist auch auf

eine Wohngemeinschaft von älteren Migranten_innen

übertragbar da sie, wie schon

erwähnt wurde, meist eher häusliche

Pflege wünschen. Das Deutsche Rote

Kreuz ist Mitinitiator des Memorandums

‚kultursensible Altenhilfe‘ daher sollte dies

auch im Haus NOAH möglich sein. (AKA

2002: 3)

25

111 Einzimmerwohnung im

Haus NOAH, Stockwerk

,Generation 50+‘

111

4.2 Umbau des ‚Allengerechten

Wohnen – Haus

NOAH‘

Der Umbau der Stockwerke zu altengerechten,

unterschiedlich großen Wohnungen

in einem bestehenden 1970er Jahre

Hochhaus ist vor allem wegen dem großen

Gemeinschaftsbereich für die jeweiligen

Bewohner_innen innovativ. So haben selbst

diejenigen mit einer kleineren Ein-Zimmer

Wohnung eine Erweiterung ihres Wohnbereiches

um diese neu geschaffene Fläche.

Für allein lebende ältere Bewohner_innen

ist dieses Konzept eine Hilfe gegen Einsamkeit.

Die Integration innerhalb einer

Wohngemeinschaft im Alter ist zu begrüßen,

kann aber in den ersten Jahren nur mit

externer Unterstützung erfolgreich sein.

Für die älteren Migranten_innen welche

noch zwischen Deutschland und ihrem

Herkunftsland pendeln können, sind aus

diesem Angebot vor allem die kleineren

und günstigen Wohnungen geeignet. Der

Concierge könnte ihre Wohnungen in den

Die Annahme von Seiten der LUWOGE und

der Projektträger, dass die älteren Migranten_innen

das Altern in der Familie besser

hinbekommen, ist – wie die Alters- und Migrationsforschung

aufzeigt – falsch. Es

bleibt unverständlich, wieso nicht auf die

Anforderungen der älteren Migranten_innen

bei der Bearbeitung des Projektes eingegangen

wurde. Die LUWOGE bestätigte

bereits in der Projektbeschreibung, dass

die Anzahl der älteren Migranten_innen im

Stadtquartier wächst und sie diesem Aspekt

beim Haus NOAH Beachtung schenken

wollen. Im Gespräch weist die

Ansprechpartnerin Frau Hahn von der LU-

WOGE darauf hin, wie wichtig die Sprachfähigkeiten

von Migranten_innen für eine

Integration sind. Die vorhandene Broschüre

ist aber ausschließlich auf deutsch und die

abgebildeten Personen sprechen eindeutig

ältere deutsche Bewohner_innen an. Insgesamt

bleibt fraglich, ob ein interkulturelles

Wohnen nach dem Konzept des Haus

NOAH möglich ist. Ein Bürgerbeteiligungsverfahren

mit älteren Migranten_innen hätte

dabei helfen können, dies festzustellen.

Der Bewohnertreff im Erdgeschoss des

Haus NOAH wird noch nicht wie gewünscht


Fallstudie Pfingstweide, Ludwigshafen am Rhein

Bewertung der Fallstudien

113

als Angebot für das gesamte Stadtquartier

verstanden. Die Idee der Netzwerkerin

Multiplikatoren_innen mit Migrationshintergrund

in das Haus NOAH einzuladen, ist

ein richtiger Versuch, um ein mögliches

Netzwerk aufzubauen.

Bürgerbeteiligung

Ein Bürgerbeteiligungsverfahren bezüglich

des Haus NOAH hat nicht stattgefunden.

Die Bewohner_innen wurden zwar eingeladen,

um sich am Arbeitskreis ‚Wohnen und

plus‘ zu beteiligen. Es nahmen jedoch nur

Wenige teil. Die älteren Migranten_innen

konnten genauso wenig mit einem Anschreiben

auf Deutsch angelockt werden.

Vielmehr hätten die Projektträger versuchen

können über die Frauenbildungsstätte

IGRA zumindest die älteren

türkischen Migranten_innen zu erreichen.

4.3 Lebenslage der älteren

Migranten_innen

Die Lebenslage der älteren Migranten_

innen bezüglich ihrer ökonomischen Situation

ist im Vergleich zu den anderen

untersuchten Stadtquartieren eher positiv.

Ihr Verdienst bei der BASF gewährleistet

hohe Renten und sichert sie finanziell für

das Alter ab. Das Pendeln ins Herkunftsland

und die Betreuung durch private Pflegedienste

ist für sie daher möglich, auch

wenn sie von ihren Kinder nicht gepflegt

werden.

Das gute Verhältnis zu den Bewohner_

innen mit deutscher oder anderer Nationalität

erleichtert ihnen die Entscheidung

112

ihren Lebensabend in Deutschland zu verbringen.

Dieses positive Verhältnis beruht

aber nicht ausschließlich, wie angenommen

wird, auf einer gesteuerten Vergabe

der Wohnungen. Ein weiterer entscheidender

Faktor ist, dass deutsche Bewohner_

innen als BASF-Mitarbeiter immer Kontakt

zu Migranten_innen hatten. Einige der Bewohner_innen

aus den Einfamilienhäuser

waren für die BASF viele Jahre im Ausland

tätig und somit selbst über Jahre hinweg

Arbeitsmigranten_innen.

112 Sitzbereich im Freiraum

der Mehrfamilienhäuser


114 Fallstudie Pfingstweide, Ludwigshafen am Rhein

Handlungsempfehlungen

25

113

113 Buswendeplatte am

Marktplatz

5 Handlungsempfehlungen

5.1 ‚Attraktives Wohnen im

Quartier‘ für ältere

Migranten_innen

Die Fallstudie der Pfingstweide in Ludwigshafen

am Rhein hat deutlich gemacht, dass

die Belange der älteren Migranten_innen

noch nicht das Bewusstsein von allen Akteuren

im Stadtquartier erreicht haben. Infolge

fehlender statistischer Daten wird der

tatsächliche Anteil an Personen mit Migrationshintergrund

in der Pfingstweide unterschätzt.

In der Planung des Modellvorhabens

‚Allengerechtes Wohnen – Haus NOAH‘

führte dies dazu, dass die älteren Migranten_innen

bei der Planung nicht berücksichtigt

wurden. Spezifische

Wohnanforderungen der älteren Migranten_innen

– wie in Kapitel II beschrieben –

traten bei der Fallstudie daher nicht zu

Tage.

Die Pfingstweide unterscheidet sich in der

Bewohnerstruktur von den beiden anderen

Fallstudien. Die Lebenslage der älteren Migranten_innen

in der Pfingstweide ist besser

und ihr Verhältnis zu den deutschen

Bewohner_innen ist positiv. Als Grund hierfür

gilt die gesteuerte Vergabe von Wohnungen

durch die LUWOGE. Ein weiterer

Aspekt ist ihre Erwerbstätigkeit bei der

nahen BASF. Diese sorgte für eine soziale

Absicherung der älteren Bewohner_innen

und in Folge dessen für ein geringes Konfliktpotenzial.

Manche Gruppen der älteren

Migranten_innen weisen aber auch in der

Pfingstweide übliche Merkmale auf. Sie

sind eher bildungsfern, haben geringe

Deutschkenntnisse und integrieren sich

kaum in das gesellschaftliche Leben des

Stadtquartiers.

Die Fallstudie zeigt, dass in Bezug auf die

älteren Migranten_innen noch viele offene

Fragen zu klären sind. Nur wenige Kinder

sind bereit die Eltern zu pflegen. Die endgültige

Entscheidung über eine Rückkehr

in das Herkunftsland bleibt auch in der

Pfingstweide lange aus. Das Modellvorhaben

‚Allengerechtes Wohnen‘ im Haus

NOAH bietet ihnen viele gute Ansätze. Sie

zeigen dafür jedoch bisher kein Interesse,

da eine mehrsprachige Vermittlung der Angebote

nicht vorhanden ist und für pflegebedürftige

ältere Migranten_innen keine

kultursensible Altenhilfe geboten wird. In

den Handlungsempfehlungen wird besonders

auf die bestehenden positiven Merkmale

der Bevölkerungsstruktur im

Stadtquartier eingegangen.

‚Allengerechtes Wohnen – Haus NOAH‘

Das Haus NOAH wurde im Juni 2008 eröffnet.

Einige der Wohnungen wurden schon


Fallstudie Pfingstweide, Ludwigshafen am Rhein

Handlungsempfehlungen

115

bezogen.

Ältere Migranten_innen haben bisher aber

kein Interesse am Haus NOAH gezeigt. Vor

allem die Vermittlung des bestehenden Angebots

an die älteren Migranten_innen

kann verbessert werden. Es ist wichtig, die

vorhandenen Broschüren in mehreren

Sprachen zu verteilen, um ältere Migranten_innen

über das Angebot in ihrer Muttersprache

zu informieren. Ebenso sollten

diese Broschüren und Werbeplakate schon

in den Illustrationen der Bilder das Gefühl

vermitteln, dass auch ältere Migranten_

innen im Haus NOAH erwünscht sind.

Eine kultursensible Altenhilfe durch das

Deutsche Rote Kreuz im Stockwerk Generation

plus würde ebenso dabei helfen, ältere

Migranten_innen in das Haus NOAH

zu locken. Ohne ein solches Angebot ist

eine Integration von ihnen unwahrscheinlich.

Die neue Mitte der Pfingstweide

Der Abriss der Kettenhochhäuser schafft in

der Pfingstweide eine neue Mitte. Diese

Chance sollte von der LUWOGE genutzt

werden, barrierefreie und altengerechte

Wohngebäude an dieser Stelle zu planen.

Das Beispiel des Wohnmodells einer interethnischen

Nachbarschaft mit dem 50:50

Verteilungskonzept empfiehlt sich für die

Pfingstweide aufgrund der heute schon

„gemischten“ Bevölkerungsstruktur. Das

gute Verhältnis unter den Bewohner_innen

verstärkt sich weiter in einem solchen

Wohnkonzept. In den Gebäuden können

Möglichkeiten des Rückzugs, aber auch

der Begegnung der unterschiedlichen Bewohnergruppen

zur Stärkung der gesamten

Nachbarschaft führen.

In der Pfingstweide ist der Bewohnertreff

im Haus NOAH die einzige Gemeinschaftseinrichtung

mit Angeboten für ältere Bewohner_innen.

Die Befragungen haben

gezeigt, dass die Netzwerkerin und der Bewohnertreff

nicht als Angebot für alle Bewohner_innen

im Quartier wahrgenommen

werden. Die Umsiedelung in eine neue

Mitte öffnet den Bewohnertreff für alle Bevölkerungsgruppen.

5.2 Gemeinschaftseinrichtung

und Freiraum

Der Abriss und ein Neubau des Einkaufszentrums

sollte die LUWOGE in Betracht

ziehen. Ein modernes Einkaufszentrum

kann zur Attraktivität des Quartiers beitragen.

Die hohe Anzahl an Bewohner_innen

mit Migrationshintergrund sollte hier aktiv

genutzt werden, um interkulturelle Angebote

und Dienstleistungen zu ermöglichen.

Freiraum

Die Einzäunungen der Grünbereiche vor

den Häusern sollten entfernt werden.

Ebenso die Nutzungsbeschränkungen der

Wiesenflächen. Der vorhandene Freiraum

ist hingegen unter dem Aspekt der unterschiedlichen

Benutzergruppen zu betrachtet:

Spielplätze für Kinder und Jugendliche

in verschiedenen Altersklassen, für Mädchen

entsprechende Räume, Sportplätze

für unterschiedliche Sportarten und Verweil-

und Begegnungsbereiche für die älteren

Bewohner_innen mit und ohne

Migrationshintergrund sind nur einige der

möglichen Aspekte einer zukünftigen Planung.


116 Fallstudie Pfingstweide, Ludwigshafen am Rhein

hgesfc

25


Fallstudie Pfingstweide, Ludwigshafen am Rhein

hgesfc

117


V Leitlinien

„Internationalität und Umgang mit Vielfalt in einer integrierten

Stadtgesellschaft, interkulturelle Offenheit und Kompetenz ...

machen für Bürger und Neubürger die Attraktivität von

Städten aus.“ Andreas Kapphan, Memorandum ‚Auf dem

Weg zu einer nationalen Stadtentwicklungspolitik‘

Die älteren Migranten_innen sind eine

wachsende Bevölkerungsgruppe in vielen

Stadtquartieren Deutschlands. Ihre Lebenslage

wurde in dieser Diplomarbeit, basierend

auf der bestehenden Alters- und Migrationsforschung,

unter soziodemographischen

und räumlichen Aspekten betrachtet.

Die drei durchgeführten Fallstudien haben

dabei geholfen, die Herausforderungen für

Stadtquartiere mit älteren Migranten_innen

aufzuzeigen. Hierbei konnte in jeweils einem

Stadtquartier ein Themenschwerpunkt vertieft

werden. Dies ermöglichte einen Vergleich

zwischen drei unterschiedlichen

Bevölkerungsstrukturen und städtebaulichen

Gegebenheiten. Zum einen konnte

dadurch die Vorgehensweise von Akteuren

in einem Stadtquartier im Umgang mit den

älteren Migranten_innen aufgezeigt werden.

Zum anderen wurden ihre Anforderungen

an Gemeinschaftseinrichtungen, urbanen

Freiraum und ihre Wohnsituation im Stadtquartier

festgestellt. Für die Stadtplanung

können im Umgang mit älteren Migranten_

innen im Stadtquartier abschließend zehn

allgemeine sowie räumliche Leitlinien definiert

werden:

Öffentliches Bewusstsein schaffen

Die älteren Migranten_innen stellen spezifische

Anforderungen an ein Stadtquartier.

Sie unterscheiden sich von anderen Bevölkerungsgruppen,

in ihrer Lebenslage und

zukünftigen Perspektiven. Die Akteure in

Bund, Länder und Kommunen sind aufgefordert,

bei Bewohner_innen und Projektträgern

in Stadtquartieren die Belange der

älteren Migranten_innen in das Bewusst-


120 Leitlinien

25

sein zu rufen. Die Erweiterung von statistischen

Erhebungen um die Bevölkerungsgruppe

„Personen mit Migrationshintergrund“

in allen Städten und Stadtquartieren

sind ein erster Schritt.

Ältere Migranten_innen sind heterogen

Die älteren Migranten_innen sind eine heterogene

Bevölkerungsgruppe. Herkunft

und Migrationsbiografie sorgen für unterschiedliche

ökonomische und gesundheitliche

Situationen. Kulturelle und religiöse

Hintergründe der einzelnen Gruppen führen

zu verschiedenen Anforderungen. Eine

Verbesserung der Lebenslage für ältere

Migranten_innen im Stadtquartier ist nur

unter Beachtung dieser Unterschiede möglich.

Die älteren Spätaussiedler_innen

möchten in Deutschland ihren Lebensabend

verbringen, die türkischen Migranten_innen

wünschen eine Rückkehr in ihre Heimat.

Muttersprache als Mittel der Integration

Die Bemühungen der letzten Jahre für eine

bessere Integration von Kindern und jungen

Migranten_innen sind zu begrüßen. Eine

Integration der ehemaligen „Gastarbeiter_

innen“ war hingegen nicht geplant, sie

mussten nur das Nötigste lernen und beim

„Wiederaufbau“ helfen. Im Alter können sie

die deutsche Sprache aber nicht mehr

besser erlernen. Die aktive Teilnahme der

älteren Migranten_innen am gesellschaftlichen

Leben in Städten kann nur mit der

Möglichkeit der Verwendung ihrer Muttersprache

geschehen. Öffentliche Institutionen,

soziale Projekte und Dienstleistungen

müssen mehrsprachige Angebote schaffen.

Zurückhaltung und Ängsten begegnen

Die älteren Migranten_innen zeigen eine

große Zurückhaltung gegenüber öffentlichen

Institutionen und Angeboten auf. Die

ehemaligen Gastarbeiter_innen erfuhren

viele Enttäuschungen in den Anfangsjahren

in Deutschland. Die älteren Spätaussiedler_

innen litten in ihren Herkunftsländern unter

staatlicher Diskriminierung und Verfolgung.

Öffentliche Institutionen und Projektträger

benötigen Verständnis und Geduld aufgrund

dieser Ängste. Sie müssen ältere

Migranten_innen aktiv an der Haustüre, in

Treffpunkten und Vereinen „abholen“, wenn

sie ihre Beteiligung an Stadtprojekten und

Gemeinschaftseinrichtungen wünschen.

Netzwerke schaffen

In den Städten wurden über Jahre hinweg

Vereine von Migranten_innen für die Interessen

und Kulturen der eigenen ethnischen

Gruppe gegründet. Viele Kinder der

älteren Migranten_innen haben eine Ausbildung

oder ein Studium absolviert.

Ehrenamtlich aktive und integrierte Migranten_innen

können Multiplikatoren_innen bei

der Beratung und Vermittlung von Angeboten

werden. Die Gründung von Netzwerken

aus Multiplikatoren_innen mit Migrationshintergrund

in Vereinen ist zu fördern. Ein

solches Netzwerk bildet die Schnittstelle

zwischen Akteuren in Stadtquartieren und

älteren Migranten_innen.

Selbstorganisation ermöglichen

Die älteren Migranten_innen kamen als

junge Menschen nach Deutschland um ihre

Lebenssituation zu verbessern. Sie stammen

aus meist sozial schwachen Regionen mit

geringen Arbeitsplätzen. Mit ihrer Migration

in ein für sie fremdes Land haben sie

Selbsthilfewillen und Pioniergeist bewiesen.

Diesen Willen und diese Kompetenz haben


Leitlinien 121

sie im Alter verloren. Im Schutz der eigenen

Gruppe können sie ihre Stärke wiedererlangen

und ohne Scham wegen des gescheiterten

Migrationszieles wieder am

gesellschaftlichen Leben teilnehmen. Ältere

Migranten_innen benötigen in ihrem Stadtquartier

Gemeinschaftsräume zur Selbstorganisation.

Urbaner Freiraum als Begegnungsort

Ältere Migranten_innen leben in kleinen

Wohnungen mit bescheidener Ausstattung.

Der Freiraum in einem Stadtquartier ist für

ältere Migranten_innen eine Erweiterung

ihres Wohnbereiches. Aufgrund ihrer Herkunft

aus ländlichen Regionen und ihrem

kulturellen Hintergrund sind sie gewohnt,

öffentliche Räume aktiver zu nutzen. Dieser

ist für sie ein Ort für sozialen Austausch zur

Überwindung von Einsamkeit, Raum für

Beobachtungen und ein Spielplatz für ihre

Enkelkinder. Ein urbaner Freiraum für ältere

Migranten_innen benötigt Aufenthaltsbereiche

mit Sitzbankgruppen, Übersichtlichkeit

des Raumes und ein hohes

Sicherheitsgefühl.

Kultursensible Altenhilfe Zuhause

Die Arbeit in der Industrie und im Bergbau

hat gesundheitliche Folgen für die älteren

Migranten_innen. Im hohen Alter hegen sie

daher die Vorstellung von den eigenen Kindern,

häuslich gepflegt zu werden, so wie

sie es für die Eltern taten. Die Kinder führen

aber ein unabhängiges Leben fern des

Elternhauses und verweigern oft diesen

Wunsch. Die Pflege in einem Seniorenheim

birgt für ältere Migranten_innen eine große

Enttäuschung und das Gefühl der Schande

gegenüber der eigenen ethnischen Gruppe.

Wohnungen für ältere Migranten_innen

müssen altengerecht und barrierefrei sein,

mit der Möglichkeit einer häuslichen kultursensiblen

Altenhilfe.

Pendeln zwischen zwei Ländern

Viele ältere Migranten_innen streben noch

heute eine Rückkehr in das Herkunftsland

an. Die Vorzüge der Infrastruktur des deutschen

Gesundheitssystems und die Nähe zu

ihren Kindern und Enkelkindern führt jedoch

häufig dazu, dass sie diesen Wunsch aufgeben.

Sie pendeln fortan zwischen zwei

Staaten und beeinflussen gleichzeitig die

Entwicklung in zwei Stadtquartieren. Die

Transmigration der älteren Migranten_innen

gilt es zu unterstützen. Bezahlbare Wohnungen

mit der Betreuung durch einen Concierge

während der Abwesenheit ist eine der

möglichen Lösungen.

Integration in der ethnischen Kolonie

Die Anwerbeabkommen für Gastarbeiter_

innen und die Regeln für eine Einreise von

Spätaussiedler_innen führten zu einer Kettenmigration

mit der Folge von räumlicher

Segregation in Städten. Ältere Migranten_

innen leben noch heute in Stadtquartieren

mit einer hohen Anzahl an Bewohner_innen

derselben ethnischen Kolonie. Diese gab

ihnen in den Anfangsjahren den nötigen

Rückhalt. Die ethnisch geprägten Versorgungseinrichtungen

im Stadtquartier

erleichterten ihnen das Leben in Deutschland.

Mit zunehmendem Alter ziehen sich

viele ältere Migranten_innen aufgrund gesundheitlicher

und finanzieller Schwierigkeiten

zurück. Sie leben oft in Einsamkeit

und Armut. Öffentliche Institutionen müssen

daher eine Integration der älteren Migr

a n t e n _

innen in die eigene ethnische Kolonie


Resümee

In dieser Diplomarbeit wurde einleitend die

Frage nach den spezifischen Anforderungen

der älteren Migranten_innen an ein

Stadtquartier zu drei Themenschwerpunkten

des ExWoSt–IFAS Forschungsfeldes

‚Stadtquartiere für Jung und Alt‘ gestellt.

Das Ergebnis der theoretischen Darlegung

des bisherigen Forschungstandes und der

drei durchgeführten Fallstudien findet sich

in den Handlungsempfehlungen und in den

benannten Leitlinien wieder. Darüber hinaus

ergaben sich weitere Erkenntnisse bezüglich

der älteren Migranten_innen im Stadtquartier.

Die ehemaligen Gastarbeiter_innen und

heutigen älteren Migranten_innen haben

ihre schwierige Lebenslage, die aus dem

Beginn der Anwerbephase des Jahres

1955 resultiert, in vielen Stadtquartieren

noch nicht überwunden. Ihre Situation hat

sich nicht gebessert, sondern mit zunehmendem

Alter eher verschlechtert.

Bezeichnend ist dabei ihr stetiger Wille zur

Rückkehr in die Heimat. Das Pendeln

zwischen Deutschland und ihrem Herkunftsland

lässt ihren Zwiespalt räumlich zu Tage

treten. Die älteren Migranten_innen leben

seit rund 50 Jahren in Deutschland, sind

hier aber emotional noch nicht angekommen.

Während der Bearbeitung dieser Arbeit

und den zahlreichen geführten Gesprächen

wurde deutlich, dass die älteren Migranten_

innen in Deutschland eine Würdigung ihrer

erbrachten Lebensleistung wünschen,

diese aber bis heute nicht erhalten haben.

Die älteren Spätaussiedler_innen gleichen

in diesem Aspekten den anderen älteren


124 Resümee

25

114

114 Die drei Modellvorhaben

Migranten_innen, obwohl weiterhin viele

Unterschiede bestehen.

Die durchgeführten Fallstudien ermöglichten

den Vergleich drei unterschiedlicher städtebaulicher

Strukturen und Bevölkerungsgruppen

sowie der Vorgehensweise der

verschiedenen Akteure. Die Stadtquartiere

Neue Vahr Nord und Nauener Platz versuchen

jeweils mit ihren Modellvorhaben

gezielt die spezifische Lebenslage der

überwiegenden Bevölkerungsgruppe der

Migranten_innen zu verbessern. Das Bürgerbeteiligungsverfahren

beim Nauener Platz

ist ein gelungenes Beispiel für die Umgestaltung

eines öffentlichen Platzes.

In der Pfingstweide ist den Akteuren die

Thematik der älteren Migranten_innen bewusst,

wird aber bisher ausgeblendet. Sie

berufen sich auf ältere statistische Erhebungen,

statt mit der tatsächlichen Anzahl der

Bevölkerungsgruppe der älteren Migranten_

innen offen umzugehen. Daher bleiben im

Themensschwerpunkt ‚Attraktives Wohnen

im Quartier‘ weiterhin viele Fragen offen.

Die Transmigration der älteren Migranten_

innen im Stadtquartier ist eine wichtige

dieser offenen Fragen und sollte einen

Schwerpunkt bei weitergehenden Forschungen

in der Stadtplanung bilden. Viele ältere

Migranten_innen bewohnen jeweils eine

Wohnung oder ein Haus in Deutschland

und in ihrem Herkunftsland. Die Bewohner_

innen mit Migrationshintergrund in ethnischen

Kolonien haben meist gemeinsam in

bestimmten Stadtquartieren ihres Herkunftslandes

gebaut. Diese Stadtquartiere stehen

oft leer und werden nur geballt in einem

bestimmten Zeitabschnitt des Jahres genutzt.

Welche Auswirkungen dies auf die

dortige Stadtentwicklung und die Infrastruktur

hat, kann ebenso untersucht

werden, wie die Auswirkungen auf die

jeweiligen deutschen Stadtquartiere. Die entstehenden

spezifischen Wohnanforderungen

bedürfen innovativer Lösungen.

Die in dieser Diplomarbeit benannten Leitlinien

bieten den Akteuren auch in anderen

Städten eine Grundlage bei der Planung

von Gemeinschaftseinrichtungen, urbanen

Freiräumen und altersgerechten Wohngebäuden

im Umgang mit älteren Migranten_

innen im Stadtquartier.


125


Dank

Am Ende meines Studiums möchte ich mich an erster Stelle bei Herrn Professor Dr. Johann

Jessen für seine Unterstützung und Beratung sowie der intensiven fachlichen Betreuung

bei dieser Diplomarbeit bedanken.

Besonderer Dank gebührt Herrn Dipl. Ing. Christian Holl für seine große Unterstützung

und intensive fachliche Betreuung bei dieser Diplomarbeit und während meines gesamten

Studiums an der Universität Stuttgart.

Ohne die Hilfe der Institutionen, der Bewohner_innen und der Passanten_innen in den

Stadtquartieren Neue Vahr Nord in Bremen, Nauener Platz in Berlin und Pfingstweide in

Ludwigshafen am Rhein hätte diese Diplomarbeit nicht zustande kommen können. Ich

möchte denen danken, die mir mit ihrer Erfahrung im Umgang mit den älteren Migranten_

innen im Stadtquartier in Gesprächen zu dieser Diplomarbeit geholfen haben.

In Bremen waren dies:

Inka Kuse,

Martin Krauß,

Dirk Stöver,

In Berlin:

Sükran Altunkajnak,

Thomas Bienek,

Holger Scheibig,

In Ludwigshafen:

Christa Müller,

Pamela Wich,

Tanja Hahn,

Gerold R. Blaese,

Ich möchte meiner Freundin Kristina Pieger liebevoll danken. Ohne deine tägliche Unterstützung

und Hilfe hätte ich dieses Ziel nie erreicht. Ich danke allen Freunden, die mir auf

vielfältige und intensive Weise bei der Umsetzung meiner Diplomarbeit geholfen haben.

Abschließend gilt mein Dank dem Studienwerk der Rosa-Luxemburg Stiftung, die mir das

Studium an der Universität Stuttgart in finanzieller und ideeller Hinsicht ermöglicht hat.

Diese Diplomarbeit widme ich meinen Eltern, Maria Pantisano und Giuseppe Pantisano.

Grazie per tutto, vi voglio bene.

Stuttgart, Oktober 2008

Luigi Pantisano


Quellenverzeichnis


130

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Neue Vahr Nord.

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80 conceptfabrik; planung-freiraum. Power-Point-Präsentation

(2007): Nauener Platz, Berlin Mitte-Wedding. Analyse +

Vorentwurf.

81 conceptfabrik; planung-freiraum. Power-Point-Präsentation

(2007): Nauener Platz, Berlin Mitte-Wedding.

Bürgerbeteiligung

82 conceptfabrik; planung-freiraum. Power-Point-Präsentation

(2007): Nauener Platz, Berlin Mitte-Wedding. Analyse +

Vorentwurf.

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113 Foto: Luigi Pantisano (2008)

114 Foto: Luigi Pantisano (2008)

115 Zeman, Peter (2005): Ältere Migranten in Deutschland –

Befunde zur soziodemographischen, sozioökonomischen

und psychosozialen Lage sowie Zielgruppenbezogene

Fragen der Politik und Praxisfeldentwicklung. Berlin

116 Zeman, Peter (2005): Ältere Migranten in Deutschland –

Befunde zur soziodemographischen, sozioökonomischen

und psychosozialen Lage sowie Zielgruppenbezogene

Fragen der Politund Praxisfeldentwicklung. Berlin

117 Zeman, Peter (2005): Ältere Migranten in Deutschland –

Befunde zur soziodemographischen, sozioökonomischen

und psychosozialen Lage sowie Zielgruppenbezogene

Fragen der Politik und Praxisfeldentwicklung. Berlin

118 Statistisches Bundesamt (Hrsg.) 2007: Statistisches

Jahrbuch 2007. Für die Bundesrepublik Deutschland;

Wiesbaden

119 eigene Darstellung

120 eigene Darstellung

121 eigene Darstellung

122 eigene Darstellung


138


Anhang


140

Anhang

Staatsangehörigkeit und Alter der in Deutschland lebenden Ausländer, 2003

115


Anhang 141

Quelle: SOEP DIW 2003 116

Quelle: SOEP DIW 2003

117


142

Anhang

118


Anhang 143

Auswertung der Statistik der Modellvorhaben – Themenschwerpunkt

,Gemeinschaftseinrichtungen im Quartier‘ – Daten (2006/2007)*

Stadt (S) Bremen(07) Düsseldorf(07) Hamburg(06) Ingelheim(06) München(06) Offenburg(06) Sonneberg(06) Erfurt(07) Schwerin(07)

Quartier (Q) Neue Vahr Nord Hellerhof/Garath Hamm-Süd Ingelheim-West Ackermannbog./

Schwabing-W

Historische

Innestadt

Wolkenrasen Roter Berg Neu Zippendorf

Projekt Neue Vahr Nord Hell-Ga Hamm-Süd West Ackermannbog. Innenstadt Wolkenrasen Roter Berg Neu Zippendorf

Bevölkerung S 547934 585054 1754182 24414 1326206 58993 23252 199242 97001

Ausländer S 71914 13,1% 100572 17,1% 248246 14,2% 2029 7,7% 304445 23,0% 5678 9,6% - - 6043 3,0% 4331 4,5%

65 und Älter S 144655 26,4% 145558 24,9% 325639 18,6% 1210 23,6% 210001 15,8% 11799 20% 5536 23,8% 40808 20,5% 26882 27,7%

Ausländer 65 S - - - - 21537 6,6% - - 22909 11,0% - - - - - - - -

Bevölkerung Q 8000 24842 3851 5128 1500 (BBR Daten) 2000 (BBR Daten) 5620 (BBR Daten) 5883 5974

Ausländer Q 4301 53,7% 2606 10,5% 779 20,5% - - 225 15,0% 200 10% 112 2,0% 197 3,3% 1015 17,0%

65 und Älter Q 1734 21,7% 6618 26,6% 674 17,5% - - - - 400 20% 1686 30% 1335 22,7% 1434 24%

Ausländer 65 Q - - - - 51 7,5% - - - - - - - - - - - -

Auswertung

Hohe Anzahl an

Ausländern und

zukünftigen älteren

Ausländern

Geringe Anzahl

an Ausländern

Höhere Anzahl

älterer Ausländer

durch

Migrantenzahlen

und bei Zählung

ab 60

Keine Daten im

Internet zu

finden

Ausländerdate

n irrelevant

Datenmix aus

BBR Daten und

Statistikamt

Kleines, neu

gegründetes

Stadtquartier

Datenmix aus

BBR Daten und

Statistikamt

Kleines Quartier

Schwerpunkt bei

Innenstadtsanierung

Datenmix aus

BBR Daten und

Statistikamt

Ausländerdaten

irrelevant

Hohe Anzahl an

Älteren

Ausländerdaten

irrelevant

Hohe Anzahl an

Älteren

Gute Anzahl an

Ausländern und

zukünftigen älteren

Ausländern

*Auf Grundlage der Erhebungen der einzelnen Statistischen Ämter (Land/Kommune)

119

Auswertung der Statistik der Modellvorhaben – Themenschwerpunkt ,Gestaltung urbaner Freiräume‘ – Daten (2006/2007)*

Stadt (S) Frankfurt(06) Sangershausen Berlin-Mitte(06) Berlin-FH/KB(06) Dessau(06) Leipzig(07) Magdeburg(06) Fürstenfeldbrück Kiel(07)

Quartier (Q) Nordend Kumpelplatz/4

Stadtquartiere

Kiez Nauener

Platz

Friedrichshain/

Kreuzberg

Agnesviertel Grünau Salbke Innenstadt Gaarden-Ost

Projekt Nordend Kumpelplatz Nauener Platz Tackenberg-Pro

Wohnen

Generationenpark

Laubengarage Lesezeichen Marktplatz-Ost Sportpark

Bevölkerung S 662001 30993 3416000 3416000 77394 510512 229631 35275 236902

Ausländer S 164174 24,8% - - 477000 14,0% 477000 14,0% - - 32788 6,4% 8004 3,5% 2575 7,3% 19471 8,2%

65 und Älter S 107569 16,2% 7438 24,0% 628544 18,4% 628544 18,4% - - 111964 22% - - 5715 16,2% 42601 18,1%

Ausländer 65 S 15649 14,5% - - 28630 4,5% 28630 4,5% - - - - - - - - 1269 3,0%

Bevölkerung Q 54662 - 12211 (BBR

Daten)

263388 (BBR

Daten)

3500 (BBR Daten) 67000 (BBR

Daten)

4200 (BBR Daten) 425 16200

Ausländer Q 11626 21,3% - - 5080 41,6% 13169 5,0% 105 3,0% - - 63 1,5% - - 6202 38,2

65 und Älter Q 6939 12,7% - - 4724 16,5 79016 30,0% 1190 34% 18090 27% 1138 27,1% 217 51% 2079 12,8%

Ausländer 65 Q 1012 14,5% - - - - - - - - - - - - - - - -

Auswertung

Gute statistische

Daten vorhanden

Großes Quartier,

hohe

Bevölkerungszahl

Beachtliche

Anzahl älterer

Migranten

Keine Daten im

Internet zu

finden

Datenmix aus

BBR Daten und

Statistikamt

Hohe Anzahl an

Ausländern und

zukünftig älteren

Ausländern

*Auf Grundlage der Erhebungen der einzelnen Statistischen Ämter (Land/Kommune)

Datenmix aus

BBR Daten und

Statistikamt

Sehr großes

Quartier, hohe

Bevölkerungszahl

Geringe Anzahl

an Ausländern

Datenmix aus

BBR Daten und

Statistikamt

Ausländerdaten

irrelevant

Hohe Anzahl an

Älteren

Datenmix aus

BBR Daten und

Statistikamt

Kaum Daten im

Internet zu finden

Hohe Anzahl an

Älteren

Ausländerdaten

irrelevant

Datenmix aus

BBR Daten und

Statistikamt

Ausländerdaten

irrelevant

Hohe Anzahl an

Älteren

Kleines Quartier

Hohe Anzahl an

Älteren

Gute statistische

Daten vorhanden

Hohe Anzahl an

Migranten und

zukünftigen

älteren Migranten

120


144

Anhang

Auswertung der Statistik der Modellvorhaben – Themenschwerpunkt "Attraktives Wohnen im Quartier" – Daten (2006 / 2007)*

Stadt (S) Braunschweig(06) Heidenheim(07) Kassel(07) Oberhausen(07) Ludwigshafen(06) Arnstadt(06) Flensburg(06) Fürth(06) Lübbenau(06)

Quartier (Q)

Östliches

Randgebiet

Heidenheim-

West

Kirchditmold/

Vorderer West.

Klosterhardt-

Nord

Pfingstweide Arnstadt-Ost Mürwik Westliche

Innenstadt

Neustadt

Projekt

St.Leonhardt

Garten

Dorf in der Stadt Hand in Hand Tackenberg-Pro

Wohnen

Pfingstweide Arnstadt-Ost Bestandsentwicklung

Westliche

Innenstadt

Neustadt

Bevölkerung S 240171 49247 192121 218089 167906 26000 86630 113627 12595

Ausländer S 18792 7,8% 6530 13,3% 25280 13,6% 24645 11,3% 46551 27,7% - - 7082 8,2 % 15730 13,8% - -

65 und Älter S 51072 21,3% 13442 27,4% 38808 20,2% 55913 25,6% 31953 19% - - 16141 18,6% 20744 18,3% - -

Ausländer 65 S 2118 4,1% 1001 7,5% - - - - 2161 6,7% - - - - 1257 6% - -

Bevölkerung Q 25324 1300 (BBR

Daten)

10551 2000 (BBR

Daten)

6434 3000 (BBR

Daten)

14086 12510 9500 (BBR Daten)

Ausländer Q 1416 5,6% 221 17% 1266 12% 1060 53% 1549 24% - - 605 4,3% 5004 40% 161 1,7

65 und Älter Q 4273 16,8% 312 24% 4220 40% 180 9% 1674 26% 1005 33,5% - - 2001 16% 2660 28%

Ausländer 65 Q 155 3,0% - - - - - - 184 14,9% - - - - - - - -

Notizen kleiner Quartier kleines Quartier Datenmix aus

BBR Daten und

Statistikamt

Datenmix aus

BBR Daten und

Statistikamt

Hohe Anzahl an

Ausländern und

zukünftig älteren

Ausländern

Aus Gesamtbevölkerung

13418

MIgranten_innen,

hier bei Ausländern

hinzu gezählt

Hohe Anzahl

Ausländer und

Älterer

Keine Daten im

Internet zu

finden

Hohe Anzahl

Älterer

Daten aus

Wikipedia

Hartz IV 20%

Arbeitslose 7%

Hohe Anzahl

Ausländer und

Älterer

Ausländerdaten

irrelevant

Schwerpunkt-

Problematik bei

Arbeitslosen 22%

*Auf Grundlage der Erhebungen der einzelnen Statistischen Ämter (Land/Kommune)

121

* Berlin Frankfurt Kiel Bremen Hamburg Schwerin Oberhausen Ludwigshafen Fürth

Bevölkerung Migr. 63,9%

Migr. 30,1%

Migr. 38,3%

Migr. 54,5%

Ausl. 20,5%

Ausl. 17,0%

Ausl. 51,0%

Migr. 24,0%

Ausl. 40,0%

Ältere 13,0%

Ältere 13,5%

Ältere 12,8%

Ältere 21.5%

Ältere 17,5%

Ältere 24,0%

Ältere 9,6%

Ältere 26,0%

Ältere 16,0%

ÄMigr. 4,3%

ÄMigr. 2,4%

ÄMigr. -

ÄMigr. 5,2%

ÄAusl. 7,5%

ÄAusl. -

ÄAusl. 3,4%

ÄMigr. 2,5%

ÄAusl. -

Nationalitäten

Türkei

ex Jugoslawien

Türkei

Aussiedler

Türkei

ex Jugoslawien

Türkei

Andere

Polen

- -

ex Jugoslawien

Italien

-

Arab. Staaten

Italien

Irak

Türkei

Mazedonien

Türkei

Quartiergröße < 27.370 51.372 16.208 8068 3851 5974 1903 6434 12510

Lage in BRD

Ost Mitte/Süd Nord Nord Nord Nord/Ost Mitte/West Süd/West Süd/Ost

Gebietskulisse

Blockrand

Innerstädtisch

Blockrand

Innerstädtisch

Blockrand

Innerstädtisch

Großwohnsiedlung

Innenstadtrand

Blockzeile

Innenstadtrand

Großwohnsiedlung

Kernstadt

Zeilenbau

Randstadt

Großwohnsiedlung

Nördlicher

Stadtrand

Mischgebiet

Zentral

Architektur Gründerzeit (60 J) 1880 - 30. Jahre Gründerzeit 50. - 60. Jahre 50. - 60. Jahre 70. - 80. Jahre 50. Jahre 70. Jahre Gründerzeit

Soziale Struktur

Problemquartier

Viele Arbeitslose

Attraktives

Wohnquartier

> Soz. Mischung

Gastarbeiter

Soz. Probleme

Schlechte Sozioök.

Situation

„Soziale Stadt“

Mangelnde soz.

Infrastruktur

Fehlende

Nachbarschaften

Viele ältere

Türken_innen

Fehlende

Nachbarschaften

Ärmere Schichten,

Altengerechte viele Migranten

Wohnungen Nötig

„Soziale Stadt“

Datenzugang Sehr Gut Mittel Gut Sehr Gut Schlecht Schlecht Gut Gut Schlecht

Reisekosten Erstattung Möglich Unwahrscheinlich Unwahrscheinlich Weiss Nicht Weiss Nicht Weiss Nicht Unwahrscheinlich Unwahrscheinlich Unwahrscheinlich

Sonstiges

kostenlose

Übernachtung

möglich

- kostenlose

Übernachtung

möglich

*Auf Grundlage der Erhebungen der einzelnen Statistischen Ämter (Land/Kommune)

Thema ÄM wird

an diesem

Modellvorhaben

von BBR

bearbeitet

Befragung von

Senioren zum

Wohnen

vorhanden

Probleme

zwischen älteren

Deutschen und

jungen Migranten

122


Anhang 145

Gesprächsleitfaden

Das Thema meiner Diplomarbeit lautet: Ältere Migranten_innen im Stadtquartier.

Eine erste theoretische Aufarbeitung erläutert die bisher aus der Forschung

benannten Anforderungen der älteren Migranten_innen an ihr Leben in Deutschland.

Diese Anforderungen werden in den Kontext des Stadtquartiers gestellt

und am Beispiel von drei (Neue Vahr Nord - Bremen; Nauener Platz - Berlin;

Pfingstweide - Ludwigshafen) Modellvorhaben des ExWoSt-IFAS Forschungsfeldes

untersucht. Dieses Gespräch soll dabei helfen die Beteiligung der älteren

Migranten_innen im Stadtquartier zu erfahren. Die erste Frage lautet...

1. Welche Rolle spielen/spielten die älteren Migraten_innen im Stadtquartier

bei den unterschiedlichen vorhandenen Projekten? z.B. ExWoSt-IFAS Projekt /

soziale Stadt

2. In welcher Weise wurden die Vorschläge und Wünsche der älteren

Migranten_innen bei den diversen Projekten beachtet und fanden diese eine

Umsetzung?

3. Wie beurteilen Sie die Lebenslage/Situation der älteren Migranten_innen auf

dem Stadtquartier?

4. Welche Aspekte und Fragen sind Ihnen bekannt bezüglich der älteren

Migranten_innen?

- Bleiben die älteren Migranten_innen in Deutschland oder pendeln sie oft in

ihre „Heimat“?

- Welche Rolle spielt heute noch das „Heimatland“?

- Können die älteren Migranten_innen bei Pflegebedürftigkeit auf die Hilfe ihrer

Kinder zählen?

In der bisherigen Alters- und Migrationsforschung verglich man Aspekte der

Lebenssituation der älteren Migranten_innen mit denen der älteren Deutschen.

Hierbei schneiden die älteren Migranten_innen meist schlechter ab. Als

Beispiel kann man die schlechtere gesundheitliche Situation der ehemaligen

Gastarbeiter aufführen. In den Ergebnissen merken Forscher an, dass für ältere

Migranten_innen spezielle Angebote nötig sind. Meine nächste Frage lautet...

5. Sind im Stadtquartier spezielle Angebote für ältere Migranten_innen z.B. in

der Altenpflege oder Gemeinschaftseinrichtungen vorhanden, und sehen Sie

persönlich solche speziellen Angebote hier im Stadtquartier als notwendig an?

Bei Stadtteilen mit einer hohen Anzahl an Migranten_innen spricht man oftmals

von „Ghettos“. Dies weist auf die schlechte Soziale Situation im Quartier hin,

aber auch auf den besonderen Zusammenhalt der Migranten_innen, in dem wie

es scheint, ein außenstehender keinen Zugang hat...

6. Wie würden Sie das Verhältnis zwischen den älteren Migranten_innen und

der deutschen Gesellschaft/Senioren_innen beschreiben?

Abschließend würde mich ihre Einschätzung der älteren Migranten_innen im

Stadtquartier interessieren....


146

Anhang

Passantenbefragung

Neue Vahr Nord, Bremen

Guten Tag! Haben Sie 10 Minuten Zeit für eine Befragung? – Ich

studiere Stadtplanung an der Universität Stuttgart und arbeite

zur Zeit an meiner Diplomarbeit. Das Thema befasst sich mit der

Lebenssituation der Senioren_innen im Stadtteil. Zuvor möchte

ich Sie fragen ob Sie es gestatten dass ich unser Gespräch

aufnehme? Nach der Befragung wird die Aufnahme gelöscht

und ihre Antworten bleiben anonym. Ich beginne mit der ersten

Frage... (Wohnen)

1. Wohnen Sie in der Neuen Vahr Nord? JA NEIN

2. In was für einem Haustyp wohnen Sie?

1-FMH 2-FMH MFH HH

3. Wie würde Sie die Größe Ihrer Wohnung beschreiben?

klein mittel groß ______m²

4. Wie lange leben Sie schon in Ihrer jetzigen Wohnung?

_________________________________

5. Mit wievielen Personen leben Sie gemeinsam in Ihrer Wohnung?_________________________________

6. Wohnen Sie zur Miete? JA NEIN

7. Ist aus Ihrer Sicht die Miethöhe ihrer Wohnung angemessen

oder...? 1 2 3 4 5 6

_________________________________

8. Fühlen Sie sich in Ihrer Wohnung wohl, oder würden Sie auch

in Betracht ziehen wegzuziehen?____________________________

Als zweiten Aspekt der Befragung möchte ich Ihre Meinung und

Bewertung der Freiräume in der Neuen Vahr Nord erfahren...

(Freiraum)

1. Wie beurteilen Sie Nutzbarkeit des Freiraums (Parks, Plätze,

Straßen) im Viertel? 1 2 3 4 5 6

2. Was könnte ihrer Meinung nach besser sein?

_________________________________

3. Welche Plätze im Viertel benutzen Sie?

_________________________________

4. Wie beurteilen Sie die Sicherheit (im Freiraum) tagsüber im

Viertel? 1 2 3 4 5 6

5. Wie beurteilen Sie die Sicherheit (im Freiraum) abends im

Viertel? 1 2 3 4 5 6

6. Was würden Sie sich zur Erhöhung der Sicherheit im Viertel

wünschen?_______________________________

Da meine Diplomarbeit sich besonders mit der Lebenssituation

von Senioren_innen befasst, möchte ich Ihnen ein paar Fragen

stellen um die bestehenden Angebote für Senioren_innen auf der

Neuen Vahr Nord besser kennen zu lernen... (Gemeinschaft/

Pflege)

1. Sind Ihnen Pflege- und Altenheime oder mobile Dienste für

Senioren_innen hier bekannt? JA NEIN

2. Sind Ihnen Einrichtungen oder Plätze mit Treffpunkten für

Senioren_innen hier bekannt? JA NEIN

3. Was würden Sie sich wünschen um das Leben für Senioren_

innen im Viertel zu verbessern?____________________________

4. Haben Sie Freundschaften mit anderen Bewohnern_innen im

Quartier? JA NEIN

5. Sind darunter auch Kontakte mit Senioren_innen einer anderen

Nationalität? JA NEIN

6. Wie beurteilen Sie das Verhältnis zwischen Deutschen und

Personen einer anderen Nationalität? 1 2 3 4 5 6

________________________________

7. Alles in Allem, wie bewerten Sie die Lebens- und Wohnqualität

auf der Neuen Vahr Nord? 1 2 3 4 5 6

________________________________

Um mir eine bessere statistische Auswertung zu ermöglichen,

benötige ich noch zwei Angaben zu Ihrer Person. Welche...

(Person)

a. Nationalität/Migrationshintergrund besitzen Sie?

_________________________

b. Wann ist Ihr Geburtsjahr? _____________________

ZUSATZFRAGEN AN ÄLTERE MIGRANTEN_INNEN (mit guten

Deutschkenntnissen)

Abschließend möchte ich aus Ihrer Sicht als Migrant/Ausländer/

Einwanderer wissen, wie Sie die Situation der Älteren Migranten/

Ausländer/Einwanderer sehen. Hierzu habe ich noch drei Fragen

an Sie...

1. Wie eignet sich das Quartier für ältere Migranten_innen?

1 2 3 4 5 6

2. Glauben Sie, dass die Lebensbedingungen für Ältere Migranten_innen

leichter gleich schwieriger sind als für

deutsche Senioren_innen? ____________________________

3. Welche Unterstützung für ältere Migranten_innen der Neuen

Vahr Nord würden Sie sich wünschen?__________________


Anhang 147

Auswertung Passantenbefragung

Neue Vahr Nord, Bremen

Fragen zum Bereich „Freiraum“

Allgemeine Daten zu den Befragten

Befragte Insgesamt 10

Frauen 05

Männer 05

mit Migrationshintergrund 01

Durchschnittsalter 72

Fragen zum Bereich „Wohnen“

1. Wohnen Sie in der Neuen Vahr Nord? (10/10)

JA 10 NEIN -

2. In was für einem Haustyp wohnen Sie? (10/10)

EFH - 2-FMH - MFH 09 HH 01

3. Wie würden Sie die Größe Ihrer Wohnung beschreiben?

Klein - Ausreichend 09 Groß 01

Durschschnittsgröße (07/10) 59,7 m²

4. Wie lange leben Sie schon in Ihrer jetzigen Wohnung/Neue

Vahr Nord? (10/10)

Durchschnitt 32,7 Jahre (18 - 50 Jahre)

5. Mit wievielen Personen leben Sie gemeinsam in Ihrer Wohnung? (10/10)

Allein 04 ZU ZWEIT 06

6. Wohnen Sie zur Miete?

JA 08 NEIN 02

7. Ist aus Ihrer Sicht die Miethöhe ihrer Wohnung angemessen oder...? (08/10)

1 -

2 02

3 04

4 02

5 -

6 -

8. Fühlen Sie sich in Ihrer Wohnung wohl, oder würden Sie auch in Betracht

ziehen wegzuziehen? (Mehrfachantworten möglich)

- Fühlen sich wohl (06)

- Nein, früher war alles besser, jetzt sind hier zuviele Ausländer (02)

- Nein, man wird von den Deutschen schlecht behandelt

- Nein, wenn ich nicht so krank wäre, würde ich wegziehen

1. Wie beurteilen Sie dieNutzbarkeit des Freiraums (Parks, Plätze, Straßen) im

Viertel? (10/10)

1 01

2 07

3 -

4 01

5 01

6 -

2. Was könnte ihrer Meinung nach besser sein? (Mehrfachantworten möglich)

- Es fehlt nichts (03)

- Es fehlen Sitzbänke, ältere werden nicht erneuert (02)

- Sitzbänke vor der Haustüre führten zu Gelagen von ausländischen

Jugendlichen, dies führte oft zu Problemen und vor allem zu Dreck. Daraufhin

wurden diese Sitzbänke entfernt.

- Alles wird kaputt gemacht, hier leben zu viele Ausländer. Sie können sich nicht

benehmen.

- Hunde sollten nicht auf der Wiese „kacken“

- Es sollte weniger Ausländer auf der Straße und im Freiraum geben

- Zu viele Bäume, im Sommer bekommt man daher wenig Licht

- Die Brücke zur Berliner Freiheit ist ärgerlich, vor allem Senioren_innen haben

Schwierigkeiten beim Überqueren

3. Welche Plätze im Viertel benutzen Sie? (08/10)

- eher keine, ich fahre viel Fahrrad (02)

- den Freiraum insgesamt zum Spazieren

- Vahrer See, (02) mittlerweile wird da aber nur noch gegrillt, deswegen nicht

mehr so gerne

- Bänke vor dem Haus

- keine, ich sitze lieber auf meinem Balkon

4. Wie beurteilen Sie tagsüber die Sicherheit (im Freiraum) im Viertel? (09/10)

1 01

2 06

3 01

4 -

5 01

6 -

5. Wie beurteilen Sie abends die Sicherheit (im Freiraum) im Viertel? (09/10)

1 01

2 05

3 -

4 01

5 02

6 -


148

Anhang

6. Was würden Sie sich zur Erhöhung der Sicherheit im Viertel wünschen?

(Mehrfachantworten möglich)

- Als älterer Mensch hat man Angst, die Bevölkerung ist schlecht. Hier ist

ein sozialer Brennpunkt, zu viele Arbeitslose und Ausländer leben hier. Die

Deutsch-Russen sind ein Problem. Die Jugendlichen pöbeln rum und die Alten

besaufen sich.

- Mehr Polizeipräsenz (02)

- Größere Entschiedenheit der Polizei und Staat

- Mehr Ausländer sollen ausgewiesen werden, ich würde ihnen zeigen wo es

lang geht

- „diese sogenannten Gäste“

- Begleitung vom Bus nach Hause wäre gut, selber habe ich sehr viel Angst

- Man liest ja Zeitung und da bleibe ich Zuhause

Fragen zum Bereich „Gemeinschaft“

1. Sind Ihnen Pflege- und Altenheime oder mobile Dienste für Senioren_innen

hier bekannt? (08/10)

JA 07 NEIN 01

2. Sind Ihnen Einrichtungen oder Plätze mit Treffpunkten für Senioren_innen

hier bekannt? (07/10)

JA 06 NEIN 01

3. Was würden Sie sich wünschen um das Leben für Senioren_innen im Viertel

zu verbessern? (Mehrfachantworten möglich)

- Nichts, alles ist super

- Aufzüge in den Häusern

- Straßenübergänge sind gefährlich (03)

- Betreuung ist gewährleistet

- Einkaufszentren sollen gestärkt werden (03)

- Mehr Sport- und Bewegungsangebote

- Weniger Ausländer, mehr Deutsche sollten hier leben

- Mehr Einrichtungen als Treffpunkte, z.B. ein Café

- Wir haben etliche Migranten_innen im Haus, aber keine Probleme

- Gut, keine Probleme

- Mir ist wichtig, dass sie anständig sind, bei mir im Haus, ist dass kein Problem.

- Mir scheint, dass viele arm sind und in zu kleinen Wohnungen leben

- Es war mal besser, aber die Schwarzen und die Russen integrieren sich nicht

und sind nur unter sich

- Es sollte ein Einwanderungsstopp in Deutschland geben und die hier sollten

deutsch lernen

- Ich würde eine Handgranate in die Häuser der Carl-Severin-Straße werfen,

dann wären ein paar weg

- Bei uns im Haus leben nur Deutsche – „Gott sei dank“

- Wir hatten Probleme mit Türken im Haus (02)

- Vor den Häusern wo die Polen und Russen wohnen, liegen Flaschen und

Dreck rum, das stört uns sehr

- Die Bushaltestellen verdrecken Sie mit Sonnenblumenkernen

7. Alles in Allem, wie bewerten Sie die Lebens- und Wohnqualität auf der Neuen

Vahr Nord? (10/10)

1 -

2 06

3 -

4 02

5 02

6 -

- Wohne sehr gerne hier (04)

- Sehr zufrieden, sind nur zu viele Russen hier

- Man darf nichts sagen, man ist immer nur Ausländer

- Nicht mehr, in vielen Häuser gibt es Probleme. Viele Russen haben ein

Alkoholproblem, sie sind nicht wie die Gastarbeiter. Sie waren dynamisch und

wollten arbeiten.

- „Multikulti“ klappt nicht, auch wenn Bremen eine weltoffene Stadt ist

- Man lernt leider die Menschen, wenn man in einem HH, wohnt nicht kennen

4. Haben Sie Freundschaften mit anderen Bewohnern_innen im Quartier?

(09/10)

JA 06 NEIN 03

5. Sind darunter auch Kontakte mit Senioren_innen einer anderen

Nationalität? (10/10)

JA 03 NEIN 07

6. Wie beurteilen Sie das Verhältnis zwischen Deutschen und Personen einer

anderen Nationalität? (09/10)

1 -

2 03

3 01

4 02

5 03

6 01


Anhang 149

Auswertung Passantenbefragung

Allgemeine Daten zu den Befragten

Befragte Insgesamt 14

Frauen 08

Männer 06

mit Migrationshintergrund 03

Durchschnittsalter 72

Fragen zum Bereich „Wohnen“

1. Wohnen Sie in der Neuen Vahr Nord? (14/14)

JA 14 NEIN -

2. In was für einem Haustyp wohnen Sie? (14/14)

SENIORENANLAGE 07 MFH 06 EFH 01

3. Wie würde Sie die Größe Ihrer Wohnung beschreiben? (14/14)

KLEIN 01

AUSREICHEND 09

GROSS 04

DURCHSCHNITT m² (08/14) 56 (44 m² - 90 m²)

Nauener Platz, Berlin

4. Wie lange leben Sie schon in Ihrer jetzigen Wohnung/Kiez? (14/14)

DURCHSCHNITT Jahre 21,8 (1 - 50 Jahre)

5. Mit wievielen Personen leben Sie gemeinsam in Ihrer Wohnung? (14/14)

ALLEIN 11

ZU ZWEIT 02

ZU DRITT 01

6. Wohnen Sie zur Miete? (14/14)

JA 12 NEIN 02

7. Ist aus Ihrer Sicht die Miethöhe ihrer Wohnung angemessen oder...? (12/14)

1 01

2 02

3 04

4 02

5 03

6 -

8. Fühlen Sie sich in Ihrer Wohnung wohl oder würden Sie auch in Betracht

ziehen wegzuziehen? (Mehrfachantworten möglich)

- Fühlt sich wohl (08)

- Nein, die anderen Bewohner der Anlage stören mich

- Nein, würde gerne mit anderen gemeinsam wohnen, aber ist mir zu teuer.

Deutschland war früher besser

- Viele Deutsche sagen uns, wir sollen in unsere Heimat zurückkehren

- zu viele Kinder und Ausländer in der Wohnanlage

- Würde gerne wegziehen, aber wohin? Das Umfeld hat sich hier sehr ver

schlechtert, mittlerweile zu viele Ausländer hier

- Die Ausländer hätte man nicht alle an einen Ort ziehen lassen sollen, alles

verdreckt und verkommt nun

- Mein Sohn möchte, dass ich mit nach Bayern ziehe

Fragen zum Bereich „Freiraum“

1. Wie beurteilen Sie Nutzbarkeit des Freiraums (Parks, Plätze, Straßen) im

Viertel? (14/14)

1 -

2 03

3 01

4 04

5 06

6 -

2. Was könnte ihrer Meinung nach besser sein? (Mehrfachantworten möglich)

- Zu viele Säufer (02)

- Arbeitslose Jugendliche sind das Problem im Freiraum, man sollte sie mehr

beschäftigen (02)

- Weniger Ausländer, damit es sauberer wird (02)

- Mehr Sauberkeit, alle Plätze sind verdreckt (03)

- Nichts, das Ambiente in der Seniorenanlage ist schön beim Spazieren

- Mehr Angebote für Kinder

- Neugestaltung Nauener Platz geht an den Wünschen der Menschen vorbei,

werden sicher weiterhin die selben Leute nutzen

- Nein, nutzt eh nichts

3. Welche Plätze im Viertel benutzen Sie? (10/14)

- Grünräume in der Seniorenanlage (03)

- Keine (03)

- Schillerpark (02)

- Keinen wegen dem Volk hier

- Brunnenplatz oder mein Balkon

4. Wie beurteilen Sie tagsüber die Sicherheit (im Freiraum) im Viertel? (13/14))

1 -

2 05

3 03

4 02

5 03

6 -


150

Anhang

5. Wie beurteilen Sie abends die Sicherheit (im Freiraum) im Viertel? (13/14)

1 -

2 -

3 03

4 02

5 06

6 02

6. Was würden Sie sich zur Erhöhung der Sicherheit im Viertel

wünschen? (13/14)

- Mehr Polizeipräsenz (05)

- Mehr Polizeipräsenz, ich wurde hier schon überfallen aber es tut sich nichts

- Ich habe keine Angst, da ich durch die Einsamkeit eh bald tot bin

- Den Jugendlichen sollte man Arbeit geben (02)

- Oft Angst heim zu gehen, bin selber Ausländer habe aber Angst abends heim

zu laufen

- Ist gut so wie es ist (02)

- Ich lasse mich mit dem Taxi vor der Haustür abholen, fahre nicht mehr mit der

Bahn. Seit das Fahrpersonal nicht mehr in der U-Bahn ist die Nauener Platz

Haltestelle schlimm.

- In den Seniorenanagen sollten die Türen verschlossen sein, jeder kann

reinkommen.

Fragen zum Bereich „Gemeinschaft“

1. Sind Ihnen Pflege- und Altenheime oder mobile Dienste für Senioren_innen

hier bekannt? (12/14)

JA 07 NEIN 05

- Seniorenwohnanlage (07)

- zu teuer, würde gerne in ein Seniorenheim

2. Sind Ihnen Einrichtungen oder Plätze mit Treffpunkten für Senioren_innen

hier bekannt? (12/14)

JA 06 NEIN 06

- in der Iranischen Straße ein Seniorentreff

- in der Seniorenwohnanlage gibt es Treffpunkte (04)

- im türkischen Kulturverein

3. Was würden Sie sich wünschen um das Leben für Senioren_innen im Viertel

zu verbessern? (Mehrfachantworten möglich)

- Nichts, ist eh alles egal (05)

- Mehr Sicherheit

- Ist zu wenig los, es leben ja nur Senioren hier

- Mehr finanzielle Unterstützung vom Staat, alles ist zu teuer

- Das die jungen Leute mehr Lehrstellen bekommen

- Sichere Straßenübergängen, z.B. Zebrastreifen

4. Haben Sie Freundschaften mit anderen Bewohnern_innen im

Quartier? (12/14)

JA 05 NEIN 07

5. Sind darunter auch Kontakte mit Senioren_innen einer anderen

Nationalität? (12/14)

JA 04 NEIN 08

6. Wie beurteilen Sie das Verhältnis zwischen Deutschen und Personen einer

anderen Nationalität? (13/14)

1 01

2 02

3 04

4 04

5 02

6 -

- Frauen können kein Deutsch

- Die türkischen Läden sind super, man wird per Handschlag begrüßt, aber

sonst nicht so gut (02)

- Hier kein Problem, aber die jugendlichen Ausländer machen mir oft Angst

- Kein Problem

- Könnte besser sein, ich kaufe auch nicht bei den Türken ein

- Überhaupt kein Kontakt zu den Migranten (02)

- Sie können kein Deutsch und wollen den Kontakt nicht (02)

- Es entstehen keine Freundschaften, sie helfen nur gegen Bezahlung

- Sie mögen die Deutschen nicht, sie sind uns feindlich gegenüber

- Sie bekommen keine richtige Erziehung, sie haben hier zu viele Freiheiten

7. Alles in Allem, wie bewerten Sie die Lebens- und Wohnqualität im

Viertel? (13/14)

1 01

2 02

3 02

4 04

5 03

6 01

- Früher wars schöner (03)

- würde lieber wegziehen

- Schlecht

- Seit hier so viele Ausländer leben ist es schlechter geworden, sie können kein

deutsch, vor allem die Jugendlichen. In den Schule sind zu viele Ausländer

und deswegen zeihen viele junge Menschen weg. Mit den Gastarbeitern war

es super.

- Zu viele Ausländer hier

- Bin froh wenn ich mal einen Deutschen treffe

- Politiker sollten mehr für die sozial Schwachen hier tun

- Sehr schlecht, hier leben viele Sozialhilfeempfänger. Komme aber eher mit

Ausländern klar als mit Deutschen


Anhang 151

Auswertung Passantenbefragung

Pfingstweide, Ludwigshafen

Fragen zum Bereich „Freiraum“

Allgemeine Daten zu den Befragten

Befragte Insgesamt 08

Frauen 03

Männer 05

mit Migrationshintergrund 00

Durchschnittsalter 72,8

Fragen zum Bereich „Wohnen“

1. Wohnen Sie in der Neuen Vahr Nord? (08/08)

JA 08 NEIN -

2. In was für einem Haustyp wohnen Sie? (08/08)

EFH 03 2-FMH - MFH 02 HH 03

3. Wie würde Sie die Größe Ihrer Wohnung beschreiben? (08/08)

KLEIN -

AUSREICHEND 03

GROSS 05

DURCHSCHNITT m² (07/08) 97,3 (75 m² - 250 m²)

4. Wie lange leben Sie schon in Ihrer jetzigen Wohnung/Pfingstweide?

DURCHSCHNITT Jahre 24,3 (05 - 36 Jahre)

5. Mit wieviel Personen leben Sie gemeinsam in Ihrer Wohnung? (08/08)

ALLEIN 02

ZU ZWEIT 05

ZU VIERT 01

6. Wohnen Sie zur Miete? (08/08)

JA 03 NEIN 05

7. Ist aus Ihrer Sicht die Miethöhe ihrer Wohnung angemessen oder...? (03/08)

1 -

2 01

3 -

4 -

5 02

6 -

8. Fühlen Sie sich in Ihrer Wohnung wohl oder würden Sie auch in Betracht

ziehen wegzuziehen? (Mehrfachantworten möglich)

- Fühlen sich wohl (06)

- Nein, fühle mich nicht wohl da die Wohnung zu teuer ist, kein guter Standard

- Solange ich mich selbst versorgen kann, möchte ich gerne hier wohnen

1. Wie beurteilen Sie Nutzbarkeit des Freiraums (Parks, Plätze, Straßen) im

Viertel? (08/08)

1 -

2 02

3 -

4 02

5 04

6 -

2. Was könnte ihrer Meinung nach besser sein? (Mehrfachantworten möglich)

- Die Plätze sind ungepflegt und dreckig, niemand kümmert sich darum (02)

- Die Spielplätze verwahrlosen, vor allem Jugendliche randalieren

- Die Grünflächen sind ungepflegt

- Die Wege sind nicht gut und sollten renoviert werden

- Alles ist gut so wie es ist

- Auf den Wegen ist viel Unkraut, man muss alles selber säubern, die

Stadt tut nichts

- Hunde kacken überall hin

- Die Autobahn ist zu laut, man braucht Schallschutzwände

3. Welche Plätze im Viertel benutzen Sie? (06/08))

- Marktplatz (02)

- Den Platz vor unserem Haus

- Früher sind wir viel spaziert im Viertel

- ich nutze keine Plätze (02)

4. Wie beurteilen Sie tagsüber die Sicherheit (im Freiraum) im Viertel? (08/08)

1 03

2 04

3 01

4 -

5 -

6 -

5. Wie beurteilen Sie abends die Sicherheit (im Freiraum) im Viertel? (08/08)

1 -

2 03

3 02

4 -

5 03

6 -


152

Anhang

6. Was würden Sie sich zur Erhöhung der Sicherheit im Viertel wünschen?

(Mehrfachantworten möglich)

- Polizei oder Sicherheitsfirmen, gegen Vandalismus und die Jugendlichen (03)

- Großer Ausländeranteil und viele Arbeitslose hier

- Vorschriften werden hier (und in Deutschland allgemein) verfolgt daher gibt es

wenig Probleme.

- an den Bushaltestellen hielten sich viele Jugendliche auf die Angst machten,

nun ist die BH weg

Fragen zum Bereich „Gemeinschaft“

1. Sind Ihnen Pflege- und Altenheime oder mobile Dienste für Senioren_innen

hier bekannt? (08/08)

JA 08 NEIN 00

- Haus NOAH ist bekannt unter den Bewohnern

2. Sind Ihnen Einrichtungen oder Plätze mit Treffpunkten für Senioren_innen

hier bekannt? (08/08)

JA 03 NEIN 05

- Treffpunkt im Haus NOAH (03)

3. Was würden Sie sich wünschen um das Leben für Senioren_innen im Viertel

zu verbessern? (Mehrfachantworten möglich)

- Mehr Angebote zur Beschäftigung von Senioren

- Aufzüge in den Häusern

- Freundschaften wurden wegen HH Abriss auseinander gerissen

- Mehr Sauberkeit

- Behindertengerechte Straßen ohne Stolperfallen

- Ich bin zufrieden

- Ich bin ein Einzelgänger daher brauche ich keine Angebote, gehe selbst

Wandern

- Die Ausländer hier verdrecken vor Ihren Häusern nicht und sind meist sauber

- Sie sind nett

- Mit meinen italienischen Nachbarn ist alles super, sonst gibt es ja

nicht so viele

- Sie integrieren sich nicht und ziehen sich eher zurück

- Vor allem von den Deutschen aus könnte der Kontakt besser sein

- Sie sind als Gastarbeiter gekommen und wir lassen sie heute links liegen

- Im Haus haben wir viele Ausländer und mit allen haben wir guten Kontakt

- Bei christlichem Hintergrund ist alles eher Reibungslos, bei Muslimen weniger

weil sie die deutsche Sprache nicht können

7. Alles in Allem, wie bewerten Sie die Lebens- und Wohnqualität auf der

Pfingstweide? (08/08)

1 -

2 03

3 03

4 02

5 -

6 -

- Einkaufsmöglichkeit ist sehr schlecht, ein Metzger fehlt im EKZ (03)

- Fühle mich wohl (02)

- ÖPNV ist schlecht, man braucht sehr lange um in die Stadt zu gelangen

- Der Freiraum könnte besser sein

- Zu viele Ausländer in Ludwigshafen aber hier ist es okay

4. Haben Sie Freundschaften mit anderen Bewohnern_innen im

Quartier? (08/08)

JA 08 NEIN 00

5. Sind darunter auch Kontakte mit Senioren_innen einer anderen

Nationalität? (08/08)

JA 06 NEIN 02

6. Wie beurteilen Sie das Verhältnis zwischen Deutschen und Personen einer

anderen Nationalität? (07/08)

1 -

2 05

3 01

4 01

5 -

6 -


153


Eidesstattliche Erklärung

Ich versichere an Eides statt durch meine eigene Unterschrift, dass ich die vorliegende

Arbeit selbstständig und nur mit den angegebenen Hilfsmitteln angefertigt habe. Alle

Stellen, die wörtlich oder dem Sinn nach anderen Veröffentlichungen entstammen, sind

durch meine Angabe der Quellen als solche kenntlich gemacht. Die Versicherung bezieht

sich auch auf in der Arbeit gelieferte Zeichnungen und bildliche Darstellungen.

Stuttgart, den 16. Oktober 2008

Luigi Pantisano

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