Rallye Racing, November 1980 - Rallye Frieg

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Rallye Racing, November 1980 - Rallye Frieg

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Spitze mit dem Ascona 4a': -

zwei Sekunden vor Rohr a-'

dem Fiat. Kleint und Kulläro

begannen mit Bremsproble--

men auf Asphalt. lrgendwann

im Laufe der Rallye streckten

sich dann alle Opel - Kulläng1

Berglund (Getriebeschaden).

Cerrato/Guizzardi, nachdem

sie die Führung (40 Sekunden

Zeitverlust, den ein platter

Beifen verursacht hatte) bereits

abgegeben hatten

(Steckachse), Tony/Rudy

(Bremsprobleme) und Jochi

Kleint/Gunter Wanger in der

letzten Nacht.

Jochi fuhr eine unglaublich

gute Rallye, auch wenn sein

Teamchef Jochen Berger zeitweise

der Ansicht war, ,,dem

tanzt doch der Fröquelin

(Sunbeam Lotus) vor der

Nase herum". In der letzten

Nacht, Jochi hatte gerade mit

zwei Sekunden Vorsprung

Hannu Mikkola/Arne Hertz

(Ford Escort) vom dritten

Platz verdrängt, kam für ihn

das Ende. Ein Ende, von dem

Walter Röhrl meinte: ,,Es ist

unverantwortlich. die Hinter-

-:, r,3ttft.,r.:\j:i itr'iIcil . -: rD

Dieter L

Strarnagl:

lllhlterRiihrl -

tYtIG}TELT}T

gewaltig um die Ohren fahren. achse nicht zu wechseln,

Vielleicht ein vierter, funfter wenn man vier Stunden Zeit

derfUlqnndesJqhrcs

Platz - Hauptsache ankommen

und für die Weltmeister-

Erfolg gingen die beiden Eu-

hat." Kurz vor einem großen

schaft punkten."

ropameister also baden. Der

Walter Röhrl war beinahe felsenfest

Einbruch von Opel begann mit

|s tällt schwer, sich vorzu- erfüllung bis zum Letzten - all

Estellen,

davon überzeugt, daß Anders

daß Walter

Kulläng

Röhrl

und

in

endete

das zusammen ist in etwa die am Ende dieser Rallye einer mit Jochi Kleint -

seiner augenblicklichen Form

ein Getriebe,

Antwort. Für Walter Röhrl haben

die Fans Bewunderung vorne sein würde: Die Rus-

mehr

der vier Opel Ascona 400 das

ein

in der

ernsthafter Konkurrent

Karrenzzeit nicht

erwachsen

flottgemacht

könnte. Der erste

werden

und Respekt, zur ganz großen

selsheimer waren mit dem Europameisterteam

Joch i Kleint/ das vielleicht (?)

konnte,

deutsche A utomob

und

i l-Weltme

ein Differential,

i- Popularität fehlt ihm die Attitüde

des Stars - seine allen Gunter Wanger und mit den hätte gewechselt

ster ist - sportlich gesehen -

doch vorher

der Mann des Jahres. Das

werden

zugäng I i c he sym path isc h e Art beiden Schweden Anders müssen.

Phänomen Röhrl völlig zu ergründen,

und seine angeborene Natürlichkeit

stehen dagegen. Ein Start - ltalien setzte auf die (Ford

Kulläng/Bruno Berglund am Ari Vatanen/David

ist selbst für

Richards

diejenigen

Escort)

nicht leicht, die ihn

übernahmen

ständig

begleiten: Beinahe

computerhaft arbeitender beiden,,Conrero"-getunten die Spitze, nachdem

unvergleichliche

an

Profi

dem

auf der einen, ein 400er mit Vorjahressieger

Begabung, geistige

und körperliche Beweg-

Fiat 131 Abarth von Al6n/Kivimäki

der Motor (Öl

Mensch, den man mögen

,,Tony"/,,Rudy" und Cerratol

in der

muß, auf der anderen Seite -

Guizzardi.

lichkeit, Wille,

Kupplung)

Ehrgeiz, Pflicht-

endgültig den

das ist Walter Röhrl.

Cerrato war nach den ersten Geist aufgab. Die Leistung

vier Asphaltprüfungen an der

BITTE BLÄTTERN SIE UM

7

a o l

11/1e8offiffiat


I

des Fiat-Aggregats - der Motor

pumpte Ol - wurde von

Prufung zu Prufung imrner 9e

ringer, Markku fuhr mr nocff

Bestzeiten. aber clie ertdgutige

Verendur€ war rxlr eine

Frage &r Zen - und ge kam.

Attilio Bettega der bererts auf

der ersten Sonclerpntfung 13

Minuten stancl. ureal ilTn das

Getriebe Dlotzlch a.t selbstäM$

wurde terte Scfiraube

an der Aufiän$ng war lose).

hatte im lGmof urn Platz eins

ohnehin nfchts mitzureden.

Nicht anders ergtng es Datsun

mil Tinrc Salonen/Seppo Harjanne

( Cretrbbeschaden) und

Harry l€|-sröm/Claes Billstam

(Verteibr). - Mit Timo

Salonen war, ebenso wie mit

Markku Alön, wieder einer der

rein theoretischen WM-Verfolger

von Walter Röhrl weg.

Uber die beiden Alfetta Turbos

mit Verini/Scabini (auf der

Autobahn ausgebrannt) und

Pregliasco/Reisoli (Benzinq

pumpe) gibt es ebenfalls

i keineWorte zu verlieren.

o& Di. Positionen, zumindest

$ nach der zweiten Etappe, war

ren insoweit geklärt, als jeder

I wußte: lrgendwann, späteö

stens. wenn es wieder auf As-

S phalt geht, schnappen sich

B RöhrUGeistdörfer die beiden

{ Ford Escort-Piloten Vatanen/

$ RicnarOs. Hannu Mikkola/

\ Arne Hertz schlugen sich mit

F den beiden Sunbeam Lotus

! (Toivonen/Lindquist und Frö-

E quelinfl'odt) und den zu die-

Si ser Zeit noch anwesenden

g KleintflA/anger (Opel Ascona)

t herum. Hannu Mikkola kam

$ nie so ganz nach vorne, eint

mal stand ein Rad am Escort

f; krumm, dann wieder ein deö

fekter Reifen - mal dies und

$ mal jenes.

rt AriVatanen fuhr sich zwar den

halben Kotferraum ab, verkürzte

seinen Escort um ein

gewaltiges Stück, aber er verlor

dabei keine Zeit. Und er

wußte, daß Walter Röhrl kommen

würde. Der Regensburger

war nie, in keiner Phase

der Rallye, mehr als 64 Sekunden

hinter dem Spitzenreiter.

Drei Minuten Vorsprung wettzumachen,

das traute ihm jeder

Insider zu, sobald es auf

Oben: Mlt Hllfe

selnes Maskottchens

steuerte Presotto

den Gr.

1-Escort zum

Klassensleg.

Llnks: Eln drlftender

FIat

500, etwas zerknlttert

von elner

flotten

Rolle vorwärts.

Unten: Hoppla,

AttlllolCopllot

Bernacchlnl

hat kaum dle

kaputte

Schelbe entfernt,

da trltt

Bettega schon

aufs Gas.

Asphalt ging und egal, wer an

der Spitze ist. Der Champion

brauchte nicht aufzuholen.

Auf Schotter fuhr er teilweise

110 Prozent, um Vatanens

Zeiten mitzuhalten.

Sobald der Regen kam, kam

auch Röhrls Stärke ganz voll

zur Geltung. Den Fiat hatte

man inzwischen um 25 kg direkt

auf der Hinterachse beschwert,

der Regensburger

fuhr ständig mit halbvollem

Tank - so erreichte Pianta fur

den Fiat das Optimalste an

Traktion. Eine schlaflose

Nacht in San Marino, eine Havarie

mit einem Brückenpfeiler,

ein Fiat ohne Lüftung und

Heizung, also fuhr Walter einhändig

und war mit der anderen

ständig dabei, die beschlagenen

Scheiben freizubekommen.

Langsamer

wurde er dadurch allerdings

nicht. Genausowenig durch

die Tatsache, daß die Gegensprechanlage

während der ersten

Prüfung der letzten

Nacht ausfiel: Christian Geistdörfer

lotste Walter per Handzeichen

ä la Taubstummensprache

über den Kurs. Der

Erfolo war die zweitschnellste

Zeit. Über alle diese Probleme

fluchte Röhrl zwar auf bayerische

Art, aber sie hielten ihn

nicht auf.

Röhr/Geistdörfer gingen mit

Vorsprung auf den Asphalt

und mit noch mehr Vorsprung

in die Nacht der 1000 Kurven.

Erst da fing er an, bei Regen

seinen Vorsprung auf knapp

sieben Minuten auszubauen.

Einer hielt mit: Henri Toivonen,

der auf dem Sunbeam

Lotus eine grandiose Rallye

fuhr, der zwar nur auf den

fünften Platz kam, weil er ganz

am Anfang 11 Minuten (Stoßdämpfer)

fing, war fantastisch.

Am Ende der letzten Nacht

brach Röhrl dann doch noch

einmal der Schweiß aus. So

ganz ohne Zittern sollte er

nicht zu Sieg und Titel kommen:

Plötzlich war im Fiat

nämlich Weltuntergangsmusik

zu hören - das Kling-Klong

des lose gewordenen Differentials,

das Walter bis hin

zum Ziel beinahe verrückt

machte. Die letzte SonderPrüfung

schattte der Wagen

noch, bereits lendenlahm,

doch dann war der Ofen aus.

Glückliches Ende von Röhrls

Triumphfahrt - einem Meisterstück

der Taktik und Schnelligkeit.

Dleter L. Scharnagl

ERGEBNISSE

Rallye San Remo, 7. Lauf zur Fahrer-

Weltmelsterschaft, 6.-12. Oktober

1. RöhrUGeistdörfer (Fiat Abarth)

10.22,42; 2. Vatanen/Richards (Ford

Escort RS) '10.29,17; 3. Mikkola/Hertz

(Ford Escort RS) 10.36,52; 4. Fräquelinfiodt

(Sunbeam Lotus) 10.39,29; 5.

Toivonen/Lindquist (Sunbeam Lotus)

10.40,27 ; 6. Bettega/Bernacchini (Fiat

131 Abarth) 10.rt8,02; 7. Presotto/

Sghedoni (Ford Escort) 11.13,50; 8.

ZordanlDalla Benetta (Opel Ascona)

11.50,4i1; 9. Bernocchi/Scotti (Opel

Ascona) 12.25,45; 10. Pallanca/Audibert

(Porsch el 12.39,27 .

BBW11l1e80


Tri'umph-hhilanmfiüel

dert, all das ihm Auferzwängte Lenkrad zu bringen: Markku

plötzlich von sich wirft. indem Alön auf dem Fiat 131 Abarth

er einfach wie ein wildgewordenes

Pferd ausbricht und da-

als einzigen Fahrer auf seinem

von ,,Lucky", Attilio Bettega

vonrennt. Walter Rohrl wird eigenen Fiat 131 Abarth, Walter

Röhrl auf einem Prototyp

dann zum Vulkan. der zu

speien anfängt, wenn er Fiat 131 Abarth, der, um 70 kg

merkt. daß es um seine Freiheit

geht, daß er in ein Kli-

Rallye aufgebaut worden war.

abgespeckt, für die Korsikaschee

hineingepreßt werden Giorgio Pianta: ,,Walter, du

soll, für das er keinen Sinn mußt unbedingt 50 km mit

sieht. Es ist nicht so, daß er

dabei seine Pflicht gegenüber

seinem Beruf. dem des Rallye-Profis,

vernachlässigen

würde. Nein, ganz im Gegenteil

- es ist mit Sicherheit ein

Großteil dessen, was ihn so

edolgreich gemacht hat.

Bei der diesjährigen Rallye

San Remo war es nicht anders.

Er und Christian Geistdörfer

hatten ihr Trainings-

war, Unten:

abgekommen

pensum auf den Asphaltpisten

in den Ligurischen Seeal-

Mikkola (hinten

Wenn Hannu

pen auf den engen winkelrgenim.Escort) zum

Berg- und Paßstraßen ebensc Uberholen ansetzt,

nützt

hinter sich wie die Scnorrerprsten

in der f.e'rl cnen Toskana tus-Motor in

auch der Lo-

und aucn or-ce'''r auf der Fr6quelins Talbot-Sunbeam

Adria-Serte rund um die Republik

San Marino.

nichts mehr.

Normalerweise hätten beide

im Dreieck springen müssen,

denn bis kurz vor dem Start

zur 2865 km langen San

Remo-Rallye (49 Wertungsprüfungen

über 526 km

Schotter und 284 km Asphalt)

war noch nicht klar, auf welchem

(wenn überhaupt) Fiat

die WM-Leader starten würden.

Der andauernde Streik im Turiner

Fiat-Werk interessierte

die Konkurrenz jedoch mehr

als Walter Röhrl und Christian

Geistdörfer. Beide machten

sich auf den Weg nach Brixen,

trieben sich in den Bergen

Sudtirols herum und entsoannten

sich und ließen sich

am Abend im Freundeskreis

den ,,heurigen" Wein durch

die Gurgel rinnen. Walter

Röhrl, der normalerweise nur

ab und zu ein Gläschen trinkt:

,.An einem Abend hab' ich

neun Achtel Federweißen getrunken.

Keine Angst, der war

so neu. daß der Alkohol noch

keine Zeit zum Ausbreiten

hatte.

"

Okay, also trafen beide am

Sonntag, knapp 24 Stunden

vor dem Start, in San Remo

ein, fragten, ob überhaupt Autos

da wären, und waren beruhigt,

als von Test-lngenieur

Giorgio Pianta das ,,Ja" kam.

Mit einigen Klimmzügen

schaffte das Urvieh Pianta,

sämtliche Fiat-Fahrer hinters

6ffi11/1s80

Rechts: Da war

AriVatanen

wieder etwas

zu flott um die

Ecken getlogen

- das Heck

seines Ford

Escort zeigt

deutlich, wie

sehr er vom

rechten Weg

t;-..

*{,

dem Fiat testen, der Motor ist

brandneu, den habe ich in einem

Husarenstück noch aus

dem Werksgelände gezaubert."

Der Lange fuhr kurzerhand

in Richtung San Romolo,

kam zurück und meinte: ,,Etwas

nervös, das Gerät, aber

es geht vorwärts. Auf dem

Schotter werden sie mir mit

diesem Rennauto allerdings

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