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Serie Teil 6: Die 70er und ihre Bausünden - Regensburger ...

Serie Teil 6: Die 70er und ihre Bausünden - Regensburger ...

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SERIE SERIE Die siebziger Jahre Dezember | Januar 2014 Dezember | Januar 2014 Die siebziger Jahre So sah der Neupfarrplatz 1972 aus: links das alte Kaufhaus Merkur, daneben die Alte Feuerwache, von der nur noch die Fassade steht. Der Neupfarrplatz vor dem Umbau von der anderen Seite. Rechts das Möbelhaus Bathenschlager. Der Bismarckplatz 1975: nur mit einem Brunnen als große Parkfläche. OB Rudolf Schlichtinger begrüßt Bundeskanzler Willy Brandt. umgarnt, er hat keine Aktien. So bleibt ihm nur mit seinem Fußball-Spezl vom ESV 27, dem Heider-Charly, die Stadt zu erobern. Sie gehen ins Colosseum, dort wird Live-Rock gespielt. Eine der beliebtesten Bands: Mass mit Günther Radny, der Legende des Lokalrocks. Allerdings ist der Weg dorthin für den Bernd nicht einfach: Als noch nicht Volljähriger (war man damals erst mit 21) muss er über die Steinerne Brücke und somit an der Thundorferstraße vorbei. „Und dort war damals der Straßenstrich“, erinnert er sich. „Ein gefährliches Pflaster.“ Wie gefährlich, werden wir später erfahren… Die Bausünden der Siebziger Nicht nur am Neupfarrplatz entstehen in der Innenstadt Gebäude, die nicht zwangsläufig zum Mittelalter-Charme passen: An der Ecke Ludwigstraße/Weißgerbergraben wird ein Betonkubus hochgezogen, in dem später die Deutsche Bank residiert. Das Amt für Stadtentwicklung urteilt in der Rückschau: „Eine im Altstadtensemble störende Ästhetik.“ Der Ernst-Reuter-Platz verändert sein Aussehen völlig. Ende der Sechziger Jahre sind am Übergang zur Maxstraße und zur D.-Martin- Luther-Straße drei fünfstöckige Häuser gebaut worden, 1973 geht es fast dem kompletten parkähnlich bewaldeten Platz gehörig an den Kragen. Der alte Keplerbau und unzählige Bäume verschwinden, statt ihrer stellt die Evangelische Kirche einen gewaltigen Plattenbau hin – ein Studentenwohnheim. Die Bewertung der Stadtentwickler in ihrem Buch „Regensburg im Fokus“ über vier Jahrzehnte später: „Das einst repräsentative Altstadt-Entree ist durch die Negierung der überkommenen Maßstäbe und Baufluchten architektonisch aus den Fugen geraten.“ Auch die Alte Mauth an der heutigen Alten Nürnberger Straße verliert ihre Brückenkopf- Funktion an der alten Bundesstraße bei Winzer. Der vierspurige B8-Ausbau drängt sie vollkommen in den Hintergrund. Krawattenzwang im Fürstenhof, Coolness im Parabel Shur Doch wo vergnügte sich ein normaler Regensburger? Beim Tanzen in der Seidenplantage oder beim Handerer auf Kareths Höhen. Sonntagnachmittag auch in der Tanzschule Neubert in der Kreuzgasse, wo viele junge Leute ihre ersten Schritte lernten. Andere versuchten sich in der Tanzschule Huber. Auch Bernd Tensierowski ging gern tanzen. „Aber nie im Fürstenhof. Dort herrschte Krawattenzwang. Die trug man als junger Wilder aber nicht. Zwar hätte man sich auch an der Garderobe einen Binder leihen können, aber der war unansehnlich, und das kostete noch relativ viel.“ Den Bernd zieht es dann in ein anderes Tanzlokal, in Regensburgs erste Diskothek. „Die hat der Schwarz Werner am Fischmarkt mit ausrangierter Deko vom Horten eingerichtet. Take Five hieß der Laden.“ Und wer sich nicht zur Musik bewegen wollte? „Die coolen Leute trafen sich im Lokal Parabel Shur in der Keplerstraße“, sagt Tensierowski, heute 61. „Zum Essen ging man ins Schwipp Schwapp unter den Schwibbögen.“ Später in den Nightclub in der Obermünsterstraße, nebenan ins Riverboat und ganz spät in den Pferdestall neben dem Hotel Maximilian. Die Disco mit wechselndem Namen in der Unteren Bachgasse meidet der Bernd. „Da waren sehr viele Amis, es gab öfter Ärger.“ Außerhalb der Stadt macht vor allem das Beratzhausener Tanzcafé Titania von sich reden. Dort spielen samstags und sonntags bekannte Orchester, auch The Lords, ja sogar Fred Bertelsmann und Willy Hagara treten dort auf! En vogue sind damals auch die Mopeds und Mofas. Besonders weit oben in der Gunst der jungen Regensburger: Kreidler Florett, Hercules M5 und bei den Langhaarigen das Velo Solex. Der Bernd hatte eine DKW Victoria. City-Center, Allwetterbad und der überdachte Bahnhof Neben dem Kaufhaus Merkur steht auch ein anderes imposantes Innenstadtgebäude in den Siebzigern im Zentrum eifriger Diskussionen: das Hotel Maximilian. Die Stadt kauft den heruntergekommenen Prachtbau am Tor zur Altstadt für zwei Millionen Mark und will dort ein Wirtschafts- und Kulturzentrum schaffen, einen Kongresssaal mit angegliedertem Hotel. Investor Robert Eckert schwebt dort aber mit dem City-Center ein eigenes Einkaufszentrum vor. Und 1970 schon gibt es die Sorge um den Fortbestand des Evangelischen Krankenhauses. Doch OB Schlichtinger beruhigt: „Die Auflösung dieses Krankenhauses ist nicht beabsichtigt“, so der Rathauschef. Im Stadtwesten gibt es eine große Baustelle: Dort entsteht für sagenhafte fünf Millionen Mark das Allwetterbad für 10000 Besucher jährlich. Im September 1970 erfolgt der erste Spatenstich, am 3. Juni 1972 ist Eröffnung. Besondere Attraktion: Das Bad, das später „Westbad“ genannt wird, verfügt über ein Zeltdach, das bei schönem Wetter geöffnet und bei schlechtem geschlossen werden kann. Diese Konstruktion erweist sich jedoch schon bald als sehr anfällig. Das Dach bleibt fortan geschlossen und wird später gegen ein normales ausgetauscht. Auch in der Innenstadt zeigt sich Regensburg sehr fortschrittlich. Am 10. Mai 1972 wird die Königstraße zur Fußgängerzone erklärt, die Schwarze-Bären-Straße folgt bald darauf. Beim städtebaulichen Seminar entsteht eine Vision: Der Hauptbahnhof soll überbaut werden. Um ihn vom Stadtsüden und der Universität her besser zu erschließen, sollen über den Gleisen Büros, Läden und Wohnungen entstehen. Auch die Erneuerung der Galgenberg- und der Kumpfmühler Brücke werden empfohlen, „sie entsprechen nicht mehr den Erfordernissen der Zeit“, heißt es. Die Bahn ist damals von wichtiger Bedeutung für die Stadt: In 18 Dienststellen arbeiten rund 4.400 Beschäftigte, 380 Züge passieren die Domstadt täglich. Bernds Partykeller unter dem Dachboden Der Bernd baggert nun schon über ein Jahr bei der Dagmar, doch er kann nicht landen. Obwohl er doch 1970 schon ein megalässiges Auto fährt: einen roten Fiat 850 Sport Coupe, den er beim Stahl gekauft hat. Beliebt ist der Bernd hingegen bei den Kumpels. Denn er hat zum einen sehr tolerante Eltern und zum anderen handwerkliches Geschick: Er baut den Dachboden des elterlichen Reihenhauses zum Partykeller aus: In einem schmalen Raum zimmert er eine Bar, dazu eine langgezogene Sitzbank mit Polstern, die er leuchtendrosa und schwarzglänzend überzieht. An den Wänden hängen Poster aus der Bravo. Und dort, wo sonst die Mutti tagsüber Wäsche aufhängt, wird getanzt. „Ich weiß heute noch nicht, wie das meine Eltern ausgehalten haben“, gesteht der heutige Betriebsratsvorsitzende bei der Galeria Kaufhof. „Sie sind um neun ins Bett, und wir haben oben bis eins mit 20 Leuten Party gemacht.“ Erste Gastarbeiter kommen, Spezial arbeitszeiten für Frauen Regensburg geht es damals gut, in der Stadt herrscht in den Siebzigern Vollbeschäftigung. Der IHK-Bezirk vermeldet 1970 116.000 industrielle Beschäftigte, im Dezember 1971 stehen 1.250 Arbeitslosen 2.131 offene Stellen gegenüber. Heyden Chemie hat eröffnet, mit der neuen Halle verfügt die Maschinenfabrik Reinhausen Gebrüder Scheubeck ab Juni 1970 über eine Produktionsfläche von 18.000 Quadratmetern. An der Ecke Schwabenstraße/Bajuwarenstraße ist vier Wochen vorher das neue Fernmeldeamt in Betrieb gegangen. Die Lederfabrik, Siemens (1970 mit über 7.000 Beschäftigten), das Teppichwerk, Elfi’s Strumpffabrik, Rieger + Schild und der Turmuhrenbau Rauscher geben den Menschen Arbeit. AEG, Triumph, die vielen neuen Kraftfutterbetriebe entlang des auf fast doppelte Länge ausgebauten Hafenbeckens bieten Stellen. Im ehemaligen Gut Haslbach und an der Straubinger Straße werden Gewerbeflächen erschlossen. Am Ende des Jahrzehnts wird im August 1979 sogar ein neues Einkaufszentrum eröffnen – das Alex-Center im Stadtnorden. Die Firmen suchen händeringend nach Arbeitskräften, gehen dabei ungewöhnliche Wege: Aus Italien und der Türkei werden die ersten Gastarbeiter verpflichtet. Für Frauen gibt es Sonderarbeitszeiten: Siemens bietet statt der üblichen 8,2 Stunden täglicher Arbeitszeit Sechs-Stunden-Schichten, die Konservenfabrik punktet mit dem Spätdienst von 17 bis 22 Uhr. Erst gegen Ende des Jahrzehnts sollte sich die Beschäftigungslage in der Stadt ändern, 5.750 Arbeitslosen stehen 1977 2.250 offene Stellen gegenüber, 1979 sind bei 2.650 Angeboten noch 4.750 Regensburger ohne Job. Die Kämpfe um die Levi’s-Jeans Doch wie geht es weiter mit dem Bernd und seiner Umschwärmten? „Er hat mir halt einfach nicht gefallen, mit seinen Schnittlauchhaaren, der Brille, dem Oberlippenbärtchen“, gesteht Dagmar, die derweil zuhause andere Kämpfe ausfechten muss. „Die Haare wurden länger, die Röcke kürzer, das war meinen Eltern nicht immer recht.“ Und dann auch noch diese neumodischen Hosen! „Was hab ich meinen Vater angebenzt, dass ich mir eine Levi’s-Jeans kaufen darf! Endlich war es soweit. Ich bin rein zu Jeans-Müller Im Juli 1973 feiern Bürger erstmals ihre Stadt. Blick von oben über die Dächer und Höfe der Silbernen-Kranz-, der Baumhacker- und der Weingasse. Politische CSU-Urgesteine: Hildegard Anke (ganz li.), Ex-Innenminister Herrmann Höcherl (daneben) und Parteichef Franz-Josef Strauß (Mitte) Die Massen stürmen das neue Kaufhaus. 12 Die Regensburger Stadtzeitung Die Regensburger Stadtzeitung 13

SERIE SERIE Die siebziger Jahre Dezember | Januar 2014 Dezember | Januar 2014 Die siebziger Jahre Die Gesandtenstraße als Altstadt-Hauptverkehrsader von West nach Ost. am Brixener Hof, kauf die Hose für 29,95 Mark. Als ich heimkomme, nimmt sie mir die Mutter und tauscht sie um.“ Das Mädel bezirzt den Papa, der gibt nach. „Ich durfte die Hose wieder holen. Doch als meine Mutter mitbekommen hat, dass ich mich damit in die Badewanne gesetzt habe, ist der Watschenbaum erst recht umgefallen.“ Dom-Spatz Bier und der Ostermeier Im Almanach der Stadt bewirbt Heizungsbauer Jakob Zirngibl vom Kassiansplatz 1970 das hundertjährige Bestehen, die Milchwerke ihren „Echt Bulgara Joghurt“ und VW-Hartl den neuen Automatic-Käfer. Das Bischofshof-Bier heißt damals noch Dom- Spatz, für Kinder gibt es „Jaffa Silber-Zitro“ oder „Kola-Mix“. Ihre Wurst kaufen die Regensburger mit Vorliebe beim Ostermeier. Die Fleischwaren- und Wurstfabrik von der Klostermeyergasse am Donaumarkt hat in der ganzen Stadt 16 Filialen und wird später sogar die Olympischen Spiele beliefern. Das beliebteste Modehaus gibt es auch schon seit 100 Jahren, es steht am Neupfarrplatz und ist für jeden Regensburger nur „der Rothdauscher.“ Südzucker startet jeden Herbst die Kampagne, die Bauern mit ihren Zuckerrüben-Gefährten stehen an der Straubinger Straße Schlange. Ein gesellschaftlicher Höhepunkt im Leben der Stadt ist der Regensburger Faschingsumzug. 30.000 Menschen säumen beim Gaudiwurm im Februar 1972 die Straßen. Überhaupt gilt der Fasching da noch was! Die Leute reißen sich um die Karten für den Hof- und Diplomatenball. Auch die Studenten sorgen für Frohsinn in der fünften Jahreszeit: „Durch sie verloren die Faschingsbälle ihre Steifheit“, erinnert sich Bernd Tensierowski. „Erst waren es die berüchtigten Faschingsbälle im Polytechnikum an der Prüfeninger Straße.“ Das war 1958 aus der Regensburger Bauschule hervorgegangen, das Bayerische Hochschulgesetz machte aus ihm und Fachschulen in Selb, Landshut und Zwiesel zum 1. August 1971 die Fachhochschule Regensburg. „Dann kamen die Unibälle dazu, zu denen auch Nicht-Studenten in Scharen drängten.“ Studentenkneipen schießen wie Pilze aus dem Boden Mit den Studenten kommen andere Kneipen in die Stadt. Vorreiter ist einmal mehr Cornelius „Neli“ Färber, der mit seiner gleichnamigen GmbH in der Roten-Löwen-Straße das Namenlos eröffnet. Legendär sind auch das Ambrosius in der Brückstraße, das immer etwas heruntergekommene Adabei in der Glockengasse, das Forum in der Oberen Bachgasse, die Zille in der Badstraße mit der berühmten Lasagne. Und natürlich die Schwedenkugel in der Haaggasse mit den vielen Konzertplakaten sowie das Hinterhaus in der Roten-Hahnengasse mit den ewig wackligen Regalen, die immer umfielen, sobald ein Gast sie beim Kommen oder Gehen mit der Schulter streifte. Es gab auch neue angesagte Studenten-Discos. Das noch heute bestehende Zap und die Tangente am Petersweg, in die der Bernd aber nicht hineinkam. „Für mich war die Tür nie ein Problem“, kontert Dagmar. Für den Bernd auch nicht mehr, als er dem Betreiber Martin Fuchs Immer mittendrin: Der frühere Woche-Chefredakteur Jupp Titz (2. v. li.) neben Ex-Innenminister Herrmann Höcherl. Hinten rechts der gescheiterte SPD-OB-Kandidat Albert Schmid. ein paar Schilder für die Disco gemacht hatte. Das große Fest wird geboren Wegen der positiven wirtschaftlichen Lage geht es auch der Stadt gut, und entsprechend wird viel gebaut: 1970 wird am 7. Januar der Caritas-Kindergarten in der Landshuter Straße eröffnet, im Februar die neue Kreissparkasse am Neupfarrplatz, im April die Zentrale der Stadtsparkasse in der Luitpoldstraße (heutige PSD-Bank). Beim Neubau der Versicherungskammer an der Ecke Speichergasse/Dreikronengasse legen die Arbeiter ein acht Meter breites Straßenstück frei: Es gehört zur Via principalis, der Hauptstraße, die durch das 179 erbaute Römerlager führte. Haidplatz, Goldenes Kreuz und Thon-Dittmer-Palais werden saniert, an vielen Stellen der Altstadt historische Gebäude hergerichtet. Die Schönheit der Stadt wollen die jungen Altstadtfreunde Klaus Caspers und Gerhard Sandner den Regensburgern näherbringen. Sie planen das 1. Regensburger Bürgerfest, bei dem auf den Plätzen, auf denen sonst die Blechkarossen parken, und in den verborgenen Hinterhöfen der Stadt Straßenschauspieler, Bänkelsänger, Musikgruppen von Rock bis Blasmusik auftreten und Marionettentheater und Gaukler ihre Künste zeigen. Als Gage gibt es für jeden Mitwirkenden eine Maß Bier. Das Fest am 14. und 15. Juli wird ein Riesenerfolg. Zehntausende kommen in die Stadt, blicken in Höfe, die sie noch nie gesehen haben, die Presse schwärmt von „der Vielzahl von schöpferischen und für das Zusammenleben fruchtbaren Kräften.“ Es ist die Geburtsstunde des Regensburger Bürgerfestes, das seither alle zwei Jahre abgehalten wird, mittlerweile ist das letzte Juni-Wochenende fester Termin dafür. 1979, bei der 1800-Jahr-Feier der Stadt, dauert das Fest sogar eine Woche. Höhepunkt dabei: der Dreieinhalb-Stunden-Auftritt der Bayerischen Blueslegende Willy Michl am Neupfarrplatz – bei strömendem Regen. Der Kanal und die Westumgehung Für die bessere Verkehrsanbindung der Stadt sind zwei Projekte besonders wichtig: Die Westumgehung und der Rhein-Main-Donau- Kanal, der Stadtamhof zur Insel machen und den Straßenzug Steinweg-Stadtamhof vernichten wird. Im Oktober 1970 gibt es eine große Bürgerversammlung zum Kanal im legendären Quelle-Festzelt, über das wir später berichten werden. 1977 ist die Bundes-Wasserstraße dann weitestgehend fertig gestellt, im Jahr darauf fahren die ersten Schiffe flussaufwärts von Regensburg nach Kelheim. Bei der Westumgehung wird 1970 der Teilbereich zwischen Prüfeninger Straße und dem damaligen Brunnweg freigegeben – 1,4 Kilometer Stadtautobahn! Im Dezember 1971 sollten es sogar 6,5 Kilometer werden, vom Kreuz bis nach Pfaffenstein. Acht Millionen Mark hat die Schnellstraße gekostet. Dann war aber vorerst Schluss, der Spatenstich für den Pfaffensteiner Tunnel sollte erst im März 1974 erfolgen. Mit dem Tunnel wurde auch der Knoten Regensburg-Nord fertig, an dem die B 15 aus Pfreimd auflief. Die durchgängige Autobahn nach Weiden und Hof gab es lange noch nicht. Die Westumgehung, wie auch die Oberpfalzbrücke 1972 über dem Kanal erbaut (sie sollte einmal über die Donau und quer durch die Westnerwacht zum Arnulfsplatz führen), sind wichtige Bestandteile einer aberwitzigen Verkehrsplanung, die bereits seit gut einem Jahrzehnt verfolgt wird und die Bürgermeister Hans Weber 1972 in einem Aufsatz erstmals klar erläutert. Äußerer Ring, Mittlerer Ring, Innerer Ring Zwischen 1961 und 1971 hat sich die Zahl der in der Stadt zugelassenen Autos fast verdoppelt, von 19.653 auf 37.390. Für den daraus resultierenden Durchgangsverkehr stehen laut Weber aber nicht genügend Umgehungsstraßen zur Verfügung. Deshalb sollen in jedem Stadtteil Radialstraßen ausgebaut werden, die sternförmig zu den drei geplanten Hauptverkehrsachsen führen: zum Äußeren, zum Mittleren und zum Inneren Ring. Selbst die Ölkrise, die auch Regensburg im Oktober 1973 die autofreien Sonntage beschert, ändert nichts an diesem Vorhaben. Der Äußere Ring war von der Westumgehung zur Frankenstraße über die auszubauende Walhalla-Allee Richtung Schwabelweis geplant, von dort aus über die (übrigens erst 2013 fertiggestellte) Parallelstraße zur Bahnlinie Regensburg–Hof zur B 16 und über die Osttangente weiter Richtung Hafen und Einhauser Straße. Vom Stadtosten sollte die neue Südtangente nach Königswiesen führen, zum Ringschluss mit der Westumgehung. Der Mittlere Ring sollte von der Furtmayr- in die Frieden- und die eben erst vierspurig ausgebaute Kirchmeierstraße verlaufen. Dort ginge es wieder ein Stück auf die Westtangente und die Frankenstraße. Bei der Nordgaustraße führt der Ring weiter auf Weißenburger und Landshuter Straße und über die Hermann- Geib-Straße zur Furtmayrstraße. Der Innere Ring hätte die gravierendsten Eingriffe in die Altstadt zur Folge. Ausgehend von der Gabelsberger Straße verliefe er über die Landshuter- und Luitpoldstraße zum Ernst- Reuter-Platz, weiter über den Petersweg zum Emmeramsplatz. Ein Durchbruch beim Roten-Lilien-Winkel sollte eine Schneise zur Kumpfmühler Straße schlagen. Dort würde es weiter über die Wittelsbacher Straße zum Platz der Einheit gehen, wo ein weiterer Durchbruch zur Holzlände vorgesehen war. Über Kepler-, Thundorfer- und die neue Donauuferstraße würde der Ring dann bei der Königlichen Villa wieder an die Gabelsbergerstraße anschließen. Alle drei Ringe sollten mindestens vierspurig ausgebaut werden, von ihnen würden Einbahnstraßen in und aus der Stadt führen. Eine der Radialstraßen geht über die geplante Bayerwaldbrücke, deren Errichtung zwischen 1972 und 1977 vorgesehen war und die die Donau zwischen Frankenstraße und Eiserner Brücke überspannen sollte. Eine der Zufahrten auf diese Brücke, die einstmals zweispurige Reinhausener Brücke, wurde sechsspurig ausgebaut und 1972 für den Verkehr freigegeben. 1979 beginnt der Bau der Donaubrücke bei Schwabelweis als Teil der Osttangente, mit 207 Metern eine der längsten Stabbogenbrücken Deutschlands. Parkhäuser, Parkhäuser, Parkhäuser An der Südrampe der Bayerwaldbrücke sollte das Kolpinghaus abgerissen und statt seiner ein zusätzliches Parkhaus entstehen. Das am Petersweg gab es ja schon, das am Dachauplatz wurde im Juni 1971 beschlossen. Rings um die Innenstadt wurden weitere Parkhäuser angedacht, bis 1990 waren 6.000 neue Stellplätze veranschlagt. Auch am Arnulfsplatz wird 1976 das frühere Wirtschaftsgebäude der Brauerei Emslander für eine Tiefgarage abgebrochen. Als wären all diese Pläne nicht irrwitzig genug gewesen, wollten die Verkehrsplaner sogar die D.-Martin-Luther-Straße untertunneln. Sie war wie der Brunnweg, die Prüfeninger- oder Kumpfmühler Straße als Radialverbindung vorgesehen. Ja, sogar die schmale Sternbergstraße sollte vierspurig verlaufen! Zum Glück wissen wir aus den vorangegangen Teilen unserer Serie, dass den Stadtvätern das Geld ausgeht, weswegen diese Vorhaben nie in die Tat umgesetzt werden. Welch törichte Vernichtung der Schönheit Regensburgs ist uns da erspart geblieben! Neue Linsen, neue Frisur – da klappt’s auch mit der Kollegin Doch wie geht es weiter mit dem Bernd und der Dagmar? Nachdem sich der junge Mann 18 Monate lang nur Abfuhren bei dem Mädchen aus der Sachsenstraße geholt hat, setzt er alles auf ein Karte: Der Schnauzer kommt weg, und auch bedingt durch den Fußball – der Bernd gehört mittlerweile zum Landesliga-Kader der 27-er, das ist die vierte Liga – ersetzen Kontaktlinsen die Hornbrille. Außerdem steht ein wichtiger Besuch in der Maxstraße an: „Da war der Modefriseur Bellenhaus“, erinnert sich der Bernd. „Dem hab’ ich ein Bild von einem Filmstar gezeigt und gesagt: So will ich ausschauen.“ Die Reaktion des Friseurs? „Er meinte: Bua, des kannst du nie bezahlen. Aber ich mach was aus dir.“ Mit dem neuen Haarschnitt kommt der Bernd in die Arbeit. „Da hat er mir dann auch gefallen“, sagt Dagmar. Bauboom bei den Schulen An den Regensburger Schulen herrscht Raumnot! Die geburtenstarken Jahrgänge werden Direkt am Rathaus vorbei führte die Ost-West-Route durch die Innenstadt. Das berühmte Zeltdach des Westbads. 1978 wird das Thon-Dittmer-Palais saniert. Das Jakobstor im April1975 14 Die Regensburger Stadtzeitung Die Regensburger Stadtzeitung 15

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