Serie Teil 1: Die 30er Jahre - Regensburger Stadtzeitung

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Serie Teil 1: Die 30er Jahre - Regensburger Stadtzeitung

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die 1930er jahre Juni 2013 Juni 2013 die 1930er jahre

Regensburg – wie wir wurden, was wir sind

Neue Stadtzeitungsserie über die Geschichte unserer Stadt/ Teil I: Die 1930er Jahre

Regensburg ist vor hundert Jahren ein kleines, unbedeutendes

Provinzstädtchen mit 52600 Einwohnern und

nur die Nummer 6 im Freistaat: München, Nürnberg,

Augsburg, Ludwigshafen (die Pfalz gehörte damals noch

zu Bayern) und Würzburg haben mehr. Große Industrieansiedlungen

gibt es in der Oberpfalz nicht, lediglich der

1910 eröffnete Luitpoldhafen gilt als größere wirtschaftliche

Errungenschaft. Immerhin: Zwischen Stadtamhof

und Hauptbahnhof und zwischen Ostentor und Wilhelmstraße

fahren bereits seit 1903 zwei Straßenbahnlinien.

1924 wächst die Stadt dann mit einem Schlag

um 26.000 Einwohner. Die ehemals selbstständigen

Dörfer Kager, Ober- und Niederwinzer,

Stadtamhof, Steinweg, Weichs, Reinhausen,

Sallern, Gallingkofen, Wutzlhofen und Schwabelweis

werden eingemeindet. Doch mit den

zusätzlichen Einwohnern holt man sich auch

Bedürftige in die Stadt. Die Zahl der Wohlfahrtsempfänger

(so hieß die Sozialhilfe damals)

stieg ebenso rasant.

Die Lausbuben von der Weingasse

Einer von ihnen war der spätere überzeugte

Gewerkschafter Walter Zauner (starb 2005 mit

72 Jahren). Der Vater des 1932 geborenen und

in der Weingasse aufgewachsenen Buben ist

Sanitäter bei der Wehrmacht, doch das Geld

reicht hinten und vorne nicht. Zauner schreibt

in seinen „Regensburger Erinnerungen“ (2002,

Eigenvertrieb): „Wir waren arm, konnten nicht

einmal die Miete zahlen. Ich bin mit meiner

Mutter immer in die Kreuzgasse gegangen, da

war das Wohlfahrtsamt. Wenn wir nach Hause

gekommen sind, hat meine Mutter der Hausfrau

dann zwölf Mark und 50 Pfennige hingelegt,

soviel Miete haben wir damals bezahlt.“

Doch die Armut stört den kleinen Walter nicht

weiter. Er und seine Freunde sind echte Altstadt-Lausbuben,

die das tun, was Jungs in

dem Alter machen: den anderen Streiche spielen.

Der Nachbarin schmieren sie die Türklinke

mit Lehm ein, dratzen sie immer wieder beim

Klingelputzen. Und sie lieben das Schussern:

Die runden, einfarbig bemalten Kugeln aus

gebranntem Lehm gab es beim Forchthammer,

dem großen Spielwarengeschäft. Es gab

auch Glasschusser, die hießen Baroler. Ein Baroler

war zehn Lehmschusser wert“, erinnert er

sich. Der Forchthammer sollte über Jahrzehnte

noch Generationen von Buben begeistert,

besonders um die Weihnachtszeit, wenn im

Schaufenster am Kohlenmarkt die große Eisenbahn

aufgebaut war….

Doch von der konnten die Buben in den Dreißigern

nicht einmal träumen. Sie schauten

vielmehr immer, dass sie irgendwo was zum

Essen abstauben können. Zu Hause gab es ja

kaum was.

Kaum Arbeit, kaum Wohnungen

Denn die Weltwirtschaftskrise, die seit 1929

anhält, ist auch in Regensburg allerorts zu

spüren. 28,5 Prozent der Bevölkerung sind von

öffentlicher Unterstützung abhängig – jeder

dritte Erwerbsfähige hat keinen Job! Die nächsten

Hiobsbotschaften lassen nicht lange auf

sich warten: Die Bleistiftfabrik Rehbach steht

vor dem Ruin. Und dem nordwestlich des

Rennplatzes gelegenen Flughafen, den vor

allem die Deutsche Lufthansa auf ihrer Strecke

München – Nürnberg ansteuert, wird später

auch noch die Genehmigung entzogen.

Zudem gibt es kaum Wohnraum. 1929 liegen

der Stadt 3.944 Wohnungsgesuche vor. Ein

Viertel aller Haushalte besteht aus mindestens

fünf Personen, besonders in der Altstadt ist

die Bevölkerungsdichte sehr hoch. Riesige

Unterschiede gibt es hingegen bei der Einkommensverteilung:

OB Otto Hipp verdient

20.000 Reichsmark im Jahr, ein Angestellter

durchschnittlich 3.990 Reichsmark – und ein

Wohlfahrtsempfänger muss mit 500 Reichsmark

auskommen.

Auch die Haushaltsituation der Stadt ist ernst

– sie ist praktisch zahlungsunfähig: 1931 ist sie

mit einer Million Reichsmark verschuldet, das

Abrechnungsjahr 1932/33 weist sogar 1,67 Millionen

Miese auf. Einen ausgeglichenen Haushalt

will der OB erst gar nicht anstreben – die

ohnehin armen Regensburger müssten noch

mehr Opfer bringen.

Nazis blitzen anfangs ab

Die wirtschaftliche Situation lässt in Deutschland

eine politische Gruppierung immer stärker

werden – die Nationalsozialisten. In Regensburg

aber haben andere das Sagen – die

von der Bayerischen Volkspartei. Die kommt

bei der Reichstagswahl 1932 auf mehr Stimmen

als die NSDAP, SPD und KPD zusammen.

Im Stadtrat sitzen ehrenwerte Männer wie der

Brauereibesitzer Fritz Emslander oder der spätere

Verleger der „Mittelbayerischen Zeitung“

Karl Esser.

Selbst als am 5. März 1933 – da ist Hitler schon

Reichskanzler – erneut gewählt wird, liegt die

BVP mit 40,18 Prozent vor den Nazis (30,58

Prozent) und der SPD (18,14 Prozent)

Doch dann setzt Reichspräsident Hindenburg

Reichskommissar General von Epp ein. Der

braune Gefolgsmann kontrolliert die Polizei,

lässt SS und SA auch in Regensburg groß werden

– am 9. März 1933 weht vom Regensburger

Rathaus die Hakenkreuzfahne. In der dem Gau

„Ostmark“ mit Hauptsitz Bayreuth zugeschlagenen

Ratisbona wird das öffentliche Leben

gleichgeschaltet, die anderen Parteien lösen

sich entweder auf oder werden verboten.

Wer nicht spurt, bekommt das zu spüren: Als

der Vorsitzende der Schreiner-Innung nicht zurücktreten

will, entdeckt eine SA-Kommission

„Unregelmäßigkeiten in seinen Büchern“. Die

Stadt enthebt den Mann seines Amtes.

Die größenwahnsinnigen Pläne der Nazis

Die Nazis mit ihrem Kreisleiter Wolfgang Weigert

residieren zunächst im „Braunen Haus“

am Bismarkplatz 5, ziehen dann in die Spatzengasse.

1934 lassen sie sich im Dresdner-Bank-

Haus am Neupfarrplatz nieder.

Sie denken an einen Parteikomplex am Minoritenweg,

ziehen dann aber doch in die

Schwarzhaupt-Villa in der D.-Martin-Luther-Str.

Das Kaufhaus Rothdauscher an Neupfarrplatz in den Dreißiger Jahren.

Heute ist hier „Zara“ angesiedelt.

12, die fortan „Ostmarkhaus“ heißt. Doch das

Gebäude ist zu klein für alle Außenstellen der

NS-Schergen.

Sie planen im Stadtpark einen Wahnsinnsbau.

Das Grundstück stellt die entmachtete

Stadt natürlich kostenlos zur Verfügung. In der

kompletten Osthälfte des Parks soll die Nazi-

Zentrale mit Aufmarschplatz für 50.000 Leute,

Festhalle und Verwaltungskomplex entstehen.

Über die zu errichtende Dietrich-Eckert-Brücke

soll der direkte Übergang über die Donau geschaffen

werden. Zum Glück wird 1939 nicht

einmal das Holzmodell des Irrsinsprojektes

fertiggestellt. Denn die Nazis selbst rücken von

dem Vorhaben ab: Es gibt schlichtweg zu wenig

Arbeiter in der Stadt, die die vollkommen

überdimensionierte Festung bauen könnten.

Judenverfolgung in Regensburg

Weniger einsichtig sind die Schreckensherren

in ihrem Rassewahn: Auch in unserer Stadt

kommt es in den Dreißiger Jahren zu Übergriffen

gegen jüdische Mitbürger. 1933 leben 427

Juden in der Stadt, sie sind zum Teil wichtige

Geschäftsleute. Das Kalkwerk Funk oder die

Tietz-Kaufhäuser in der Maxstraße, der Ludwigstraße

und Stadtamhof sind in jüdischer

Hand.

Nach und nach werden die Juden gezwungen,

ihren Besitz zu verkaufen, sie dürfen auf der

Dult keinen Stand mehr betreiben, am Viehmarkt

im Schlachthof nicht mehr teilnehmen.

Wirte werden aufgefordert, sie nicht mehr zu

bedienen; Frauen, die in jüdischen Geschäften

einkaufen, bei der Stadtverwaltung denunziert.

Manche Juden ahnen, welcher Terror

ihnen bevorstehen: 91 wandern aus.

1938 macht die „Reichskristallnacht“ auch vor

Regensburg nicht Halt. 100 Österreicher, die

sich auf einem Lehrgang beim NS-Kraftfahrerkorps

befinden, stürmen am 9. November

die jüdische Synagoge an der Schäffnerstraße,

schütten Benzin aus und zünden sie an.

Die Feuerwehr wird erst nach eineinviertel

Stunden verständigt. SS und SA verwüsten

jüdische Geschäfte und halten die jüdische

Bevölkerung auf den Polizeirevieren am Minoritenweg

und am Jakobstor fest. In einem

„Schandmarsch“ treiben die Anhänger der

Nationalsozialisten die Regensburger Juden

durch die Maximilianstraße.

1939 leben noch 160 Juden in Regensburg.

Schwimmen im alten Hafen,

im Winter auf die Donau

Das alles bekommen der Walter von der Weingasse

und seine Freunde nicht so genau mit.

Sie haben andere Sachen im Kopf: Im Sommer

macht sich die Bande auf zum Schwimmen im

alten Hafen, da kostet der Eintritt nur ein Zehnerl.

Drei Becken, eines für Nichtschwimmer,

einen halben Meter tief. Eines für Schwimmer,

das hatte zwei Meter. Und das große. „Das war

vier Meter tief, unter dem war kein Bretterboden.

Wenn man da einen Kopfsprung gemacht

hat, ist man unten fast im Dreck des Hafenbeckens

steckengeblieben“, schreibt Zauner.

Im Winter gibt es fast jedes Jahr Eisstoß an

der Donau – kein Wehr und keine Staustufen

bremsen die Schollen. „Man konnte von der

Altstadt über die Donau zum Oberen Wöhrd

gehen“, so Zauner. Und wenn’s ein besonders

Das ab 1936 erbaute Göringheim (heute Ganghofersiedlung) nach der Fertigstellung.

harter Winter war, „dann konnte man bei der

Hengstenbergbrücke ebenfalls zu Fuß über

die Donau.“

Der Aufschwung

Bei der Übernahme der politischen Macht

durch die Nazis sind die gesellschaftlichen Probleme

noch die alten. Zu wenig Wohnungen,

zu wenig Arbeit.

Für die 81.106 Einwohner (Stand bei der Volkszählung

1933) gibt es exakt 20.765 Wohnungen.

3.900 Menschen können ihre Miete nicht

bezahlen, bleiben aber dennoch in den Wohnungen

– denn es mangelt auch an Notunterkünften.

Nur 196 Regensburger können in

Baracken oder Eisenbahnwaggons untergebracht

werden. Dazu die hohe Arbeitslosigkeit.

Doch wie sollen die beiden Probleme angegangen

werden? Die Stadt löst das eine mit

dem anderen. Mit Siedlungsbau, der auch Arbeit

bedeutet. Das geht Hand in Hand: Zum

einen werden die Menschen jetzt endlich

beschäftigt, zum anderen schaffen sie sich

selbst vernünftige Bleiben. Ab 1933 entstehen

an den Ausläufen der Stadt drei große

Wohngebiete. Zunächst das Westheim und

das Schottenheim – benannt nach dem damaligen

NS-Oberbürgermeister. Noch bis in

die Achtzigerjahre prangte übrigens in der

heutigen Konradsiedlung an einer Steinmauer

das Hakenkreuz.

Das Schottenheim gilt als Wohn-Vorzeigeobjekt.

Mehrfamilienhäuser und kleinere Siedlerhäuser

wechseln sich am Flachlberg, im

Reichen Winkel und an der Sandgasse ab. Die

Wohnform gilt als so innovativ, dass sie 1938

Blick auf den Weinmarkt vom Oberen Wöhrd aus Mitte der Dreißiger Jahre.

Über die Steinerne Brücke fährt die Straßenbahn.

An einem jüdischen Geschäft sind die Scheiben eingeworfen.

Juden werden bei einem Schandmarsch durch die Stadt getrieben.

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Öffentlicher Personennahverkehr in den Dreißiger Jahren: der Bus nach Kumpfmühl.

auf einer internationalen Ausstellung in Tokio

gezeigt wird.

Gebaut wird aber auch im Stadtosten. Rund

um die Landshuter Straße entstehen ab 1935

die Prinz Leopold-, die Raffler-, und die Pionierkaserne.

Zudem wird die damalige Hindenburgstraße

(heute Zeißstraße) ausgebaut.

Die finanzschwache Stadt erholt sich ebenfalls.

Die Ausgaben werden strikt gekürzt: Die

Mitgliedschaften und die Unterstützung von

Vereinen werden gestrichen, die Genehmigung

von Wohlfahrtsunterstützung erschwert.

Außerdem wird die Bürgersteuer drastisch erhöht.

1933 erzielt die Stadt deshalb einen

Überschuss von 570.000 Reichsmark.

Der Glücksfall: die Flugzeugwerke

Auch vor 80 Jahren gab es das immer wieder: Hochwasser in Stadtamhof.

Doch der eigentliche Motor für die wirtschaftliche

Entwicklung Regensburgs kommt

es 1936 ins Laufen. Da entscheiden sich die

Bayerischen Flugzeugwerke, aus denen später

Messerschmitt werden sollte, in Regensburg

eine Fabrik für einmotorige Jagdflugzeuge

zu errichten. Die Anlage zwischen dem Rennplatz

und dem Krankenhaus der Barmherzigen

Brüder sollte später zum zweitgrößten Werk

dieser Art in Europa werden und bis zu 11.000

Beschäftigte haben.

Die müssen natürlich untergebracht werden.

Und so entsteht im Stadtsüden ab 1936 das

Göringheim – die heutige Ganghofersiedlung.

Im ersten Bauabschnitt werden 76 Mehrfamilien-

und 152 Einfamilienhäuser mit Einliegerwohnungen

und großzügigen Gärten zur

Selbstversorgung hochgezogen. Insgesamt

608 Wohnungen, für die zwischen 26 und 56

Reichsmark Miete zu bezahlen sind. Im zweiten

Bauabschnitt 1938/39 sind es noch einmal

242 Wohnungen.

Die Messerschmitt-Werke sorgen dafür, dass

es der Stadt so richtig gut geht: Mehr Gewerbesteuer,

hoher Zuzug, viel sportliche und

kulturelle Veranstaltungen, hohe Löhne, gute

Sozialleistungen. Die Kommune beklagt sogar

einen Facharbeitermangel!

Und baut selbst fleißig: 1936 die Polizeidirektion

und das technische Rathaus am Minoritenweg.

Der Luitpoldhafen hat 1937 seine Kapazität

weit überschritten, ein neuer wird geplant.

Das Stadtgebiet wird noch einmal vergrößert:

1938 kommen Ziegetsdorf, Dechbetten und

Prüfening nach Regensburg.

Nur Großbaustellen – die Stadt boomt

Nach der Eingemeindung dieser drei Dörfer

hat Regensburg jetzt 97.969 Einwohner, ist auf

dem Weg zur Großstadt. Der Zuzug der Messerschmitt-Arbeiter

hat den Wohnbau weiter

angekurbelt, insgesamt gibt es jetzt 24.557

Wohnungen in der Stadt – aber auch 326 Menschen,

die in Notunterkünften hausen.

Doch den meisten Menschen geht es einigermaßen

gut. Schließlich sind überall in der Stadt

Großbaustellen zu finden:

- die Autobahnen im Stadtsüden

- der Rhein-Main-Donau-Kanal am Protzenweiher,

für den Häuser in Stadtamhof abgerissen

werden, dafür entsteht in Steinweg

ein neues Wohngebiet

- am Moltkeplatz/Minoritenweg das neue

Arbeitsamt, das AOK-Haus, das Ostmark-

Museum

- das Holzverzuckerungswerk in Schwabelweis

- die Schulen in Königswiesen, im Göringund

im Schottenheim

- der Kindergarten im Schottenheim

- die Jugendherberge am Unteren Wöhrd

- die Erweiterung der Kinderklinik

- Volkswohnblöcke an der Augsburger Straße

- Offizierswohnungen im Kasernenviertel

- die Wolfgangskirche in Kumpfmühl

Auch die Zukunftsaussichten sind 1939 rosig.

Denn weitere wichtige Bauvorhaben sind bereits

geplant:

- Zubringerstraßen zu den Autobahnen

- ein Ledigenheim in Dechbetten

- Ausbau der Hofgartensiedlung

- Wohnungen für Postbedienstete rund um

die Furtmayrstraße

- ein städtisches Altenheim, durch das in der

Altstadt 100 Wohnungen frei werden sollen

- das neue Gesundheitsamt am Minoritenweg

Bei den Zauners in der Weingasse sollte sich

die gute Konjunkturlage ebenfalls bemerkbar

machen. Der Vater wechselt zur Reichsbahn.

„Ab dem Zeitpunkt ist bei uns zu Hause etwas

Geld geflossen“, schreibt Walter Zauner.

Kohlen schlichten für die Brotzeit

Das wichtigste Erlebnis für den Siebenjährigen

ist 1939 aber seine Einschulung. „Ich weiß

noch gut, dass ich an diesem Tag eine kurze

Lederhose angehabt hab und ein Hemd dazu,

keine Jacke und Klapperln. Außerdem kann

mich auch noch erinnern, wie ich am ersten

Schultag die Weingasse vorgegangen bin und

Regensburger Erinnerungen“

In seinem Büchlein erzählt Walter Zauner (1932 - 2005)

seine Lebensgeschichte und damit auch die vom Leben

in der Stadt. Der Lausbub aus der Weingasse wurde

durch den Zweiten Weltkrieg zum glühenden Pazifisten

und überzeugten Gewerkschafter. Als Jugendlicher

protestierte er gegen die Wiederbewaffnung unter

Adenauer, als junger Mann wurde er in den 50ern von

einem amerikanischen Militärgericht zu vier Jahren Gefängnis

wegen Sabotage verurteilt, weil er die Sprengkammern

an der Mariaorter Brücke zugemauert hatte.

Zauner, der seine Erfahrungen als Jugendlicher bei der

Sprengung der Steinernen Brücke kurz vor Kriegsende

gemacht hatte, saß drei Jahre ab. Doch er ließ sich im

Zuchthaus nicht verbittern. Seine Regensburger Erinnerungen

sind eine Liebeserklärung an die Stadt und an

das Leben. Erhältlich u. a. bei Bücher Pustet.

mächtig stolz war, weil ich eine Schultüte im

Arm trug.“

Walter und seine Freunde bekommen in der

Kreuzschule ein Fräulein als Lehrerin: „Schwarzhaarig,

vielleicht so dreißig bis fünfunddreißig

Jahre alt, wir haben sie alle bewundert.“

Das Fräulein fragt die Buben, wer bei ihr zu

Hause Kohlen aufschlichten möchte. Alle wollen,

Walter und ein anderer dürfen. „Gemeldet

haben wir uns in der Hoffnung auf was zu

Futtern, und tatsächlich wurden wir nicht enttäuscht.

Wir sind in die Wohnung, die war irgendwo

in der Kumpfmühler Straße, und dann

haben wir vier Zentner Briketts fein säuberlich

aufgeschlichtet.“

Natürlich haben die Buben eine Brotzeit bekommen,

das war für Walter „das Wichtigste.

Das Allerwichtigste aber auf längere Sicht war,

dass unsere Noten ab dem Tag besser wurden.

Statt einem Vierer haben wir seither einen

Dreier bekommen – das ist uns gleich aufgefallen.“

Doch bald schon sollte sich alles verändern.

Der Krieg kam.

(ssm)

Folge zwei unserer Serie „Regensburg – wie wir wurden,

was wir sind“ beschäftigt sich in der Juli-Ausgabe mit der

Stadt im Zweiten Weltkrieg.

Fotos: Stadt Regensburg, Bilddokumentation, Christoph Lang

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So zeigte sich die Jakobstraße

Personenschifffahrt auf der Donau

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Die bereits damals von Alleebäumen gesäumte

Karthauser Straße.

Die Synagoge ist nach der Reichskristallnacht eingerüstet.

Walter Zauner.

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