Studie - Regionalverband Saarbrücken

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Studie - Regionalverband Saarbrücken

Der Niedriglohnsektor in der

Bundesrepublik Deutschland

Eine sozialwirtschaftliche Betrachtung

PETER GILLO

REGIONALVERBANDSDIREKTOR


Der Anteil der Niedriglohnbeschäftigten an allen Vollzeitbeschäftigten ist in der Bundesrepublik

Deutschland in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Lag er 1999 noch bei 16,92%

(16,65% in Westdeutschland), ist er bis zum Jahr 2010 um 3,95 Prozentpunkte auf 20,87%

gestiegen (in Westdeutschland um 4,16 Prozentpunkte auf 20,81%).

Dies ist insbesondere bemerkenswert, da die bundeseinheitliche Niedriglohnschwelle, bzw.

die Niedriglohnschwelle in Westdeutschland, im betrachteten Zeitraum deutlich gestiegen

ist. Betrug diese Schwelle 1999 noch 1.546 € ist sie bis zum Jahr 2010 um 256 € (+16,56%)

auf 1.802 € angestiegen (in Westdeutschland von 1.627 € um 263 € (+16,16%) auf 1.890

€).¹ Im Durchschnitt geht man von einer Steigerung der Niedriglohnschwelle von 1,6% pro

Jahr aus.


1

Bei den Niedriglohnschwellen handelt es sich um durchschnittliche monatliche Bruttolöhne. Die Bundesagentur für Arbeit

orientiert sich hierbei an der Definition der OECD wonach: als Geringverdiener gilt, wer als sozialversicherungspflichtig

Vollzeitbeschäftigter weniger als 2/3 des Medianentgelts aller sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigten erzielt

(Niedriglohnschwelle).

2


Die genauen Werte sind der nachfolgenden Tabelle zu entnehmen und stammen von der

Statistik der Agentur für Arbeit.

Anteil

Niedriglohnbeschäftigter

Deutschland

bundeseinheitliche

Niedriglohnschwelle

in €

Anteil

Niedriglohnbeschäftigter

Westdeutschland

Niedriglohnschwelle

in Westdeutschland

in €

1999 16,92% 1.546 16,65% 1.627

2000 17,28% 1.578 17,00% 1.656

2001 17,64% 1.620 17,29% 1.696

2002 17,90% 1.652 17,50% 1.726

2003 18,42% 1.678 17,94% 1.755

2004 19,02% 1.695 18,51% 1.772

2005 19,55% 1.706 19,09% 1.785

2006 20,14% 1.708 19,84% 1.792

2007 20,38% 1.728 20,21% 1.815

2008 20,50% 1.768 20,30% 1.855

2009 20,43% 1.784 20,23% 1.870

2010 20,87% 1.802 20,81% 1.890

In diesen Daten sind Personen, die als Teilzeitkräfte arbeiten, Beamte und Auszubildende

nicht enthalten.

In der öffentlichen Diskussion gehen die Meinungen hierzu stark auseinander. Handelt es

sich um eine gelungene Arbeitsmarktpolitik, die insbesondere unqualifizierte Personen den

Zugang auf den Arbeitsmarkt erleichtert hat, oder wurden Normalverdiener, im Zuge einer

misslungenen Arbeitsmarktpolitik, in den Niedriglohnsektor verdrängt?

1. Situation in der Bundesrepublik Deutschland auf Grundlage des Gutachtens des Institutes

der deutschen Wirtschaft ²

In einem ersten Schritt werden die Daten aus dem Gutachten des Institutes der deutschen

Wirtschaft Köln betrachtet. Das Institut verwendet für sein Gutachten die Daten des SOEP

(Sozio-ökonomische Panel). Hierbei wurden im Kalenderjahr 2009 20.800 Personen befragt.

Bei diesen 20.800 Personen handelte es sich bei knapp 12.000 um Erwerbstätige. Dies entspricht

ca. 38,9 Millionen Menschen in der Grundgesamtheit. Bei ca. 11.000 Personen waren

alle notwendigen Angaben vorhanden, um einen Stundenlohn auszurechnen.

Die Niedriglohnschwelle wurde dabei als 2/3 des Medianwertes definiert (analog der OECD

Definition). Von der Betrachtung ausgeschlossen wurden jedoch Selbstständige und Auszubildende.

Ohne diese beiden Personengruppen blieben ca. 10.000 Datensätze übrig. In einem

nächsten Schritt wurden noch Personen ausgeschlossen, deren Angaben nicht plausibel

waren bzw. der Stundenlohn kleiner oder gleich 2 € war. Die auf dieser Grundlage berechnete

Niedriglohnschwelle lag im Jahr 2009 bei 8,94 € Bruttostundenlohn.

2

„Der Niedriglohn in Deutschland: Entwicklung, Struktur und individuelle Erwerbsverläufe“; Berlin, 30. Juni 2011

3


Bereits hier tauchen erste Ungereimtheiten bei dem Gutachten auf. So wird seitens des

Instituts unterstellt, dass ein Stundenlohn unter 2 € nicht vorkommen kann bzw. so

unwahrscheinlich ist, dass diese Gruppe ausgeblendet wird. Des Weiteren fehlt mit der

Gruppe der Selbstständigen eine statistisch signifikante Größe. Betrachtet man beispielsweise

das Jobcenter des Regionalverbandes lässt sich festhalten, dass die Gruppe der

Selbstständigen, die zusätzlich Leistungen nach dem SGB II beantragen mussten, in den

letzten Jahren stark gestiegen ist. Im August 2011 waren ca. 2,7-mal so viele Selbstständige

im Jobcenter gemeldet als im März 2007. Hierbei handelt es sich keineswegs

um eine Entwicklung, die nur im Regionalverband zu beobachten ist. In der gesamten

Bundesrepublik Deutschland waren im März 2007 62.871 selbstständig tätige Aufstocker

gemeldet. Bis zum August 2011 stieg diese Zahl mit 127.829 auf mehr als den doppelten

Wert an.

Im Folgenden werden die Eintritte und Austritte in bzw. aus dem Niedriglohnsektor genauer

betrachtet. Es soll hierbei untersucht werden, woher die Niedriglohnbeschäftigten

stammen bzw. in welches Lohnverhältnis sie bei Austritten wechseln. Als Grundlage

dieser Betrachtung dienen Daten aus dem SOEP und dem Gutachten des Institutes der

deutschen Wirtschaft Köln.

Lohnstatus

der Austritte

Lohnstatus

der Eintritte

Normalverdiener 52,4 % 42,6 %

sonst. Erwerbstätige ³ 14,7 % 20,0 %

Schüler/Studenten u. ä. 4,1 % 7,1 %

Rentner 2,6 % 1,4 %

Nicht-Erwerbstätige 8,8 % 10,7 %

Arbeitslos 17,5 % 18,2 %

Quelle: Gutachten des Institut der deutschen Wirtschaft Köln

Es ist deutlich zu erkennen, dass es sich bei 42,6% der Neueintritte in den Niedriglohnsektor

um Personen handelt, die vorher als „Normalverdiener“ galten. Die Gruppen der

vormals arbeitslosen bzw. nicht erwerbstätigen Personen stellen lediglich 18,2% bzw.

10,7% der Neueintritte in den Niedriglohnsektor und liegen somit kumuliert deutlich

unter den vormals Normalverdienern. Gleichzeitig werden 17,5% der Personen, die den

Niedriglohnsektor verlassen, wieder arbeitslos bzw. 8,8% verlassen den Niedriglohnsektor

als Nicht-Erwerbstätige, sind also beim Ausscheiden aus dem Niedriglohnsektor

schlechter gestellt als vorher.

3

Gruppe der Auszubildenden, Selbstständigen und Personen, für die kein plausibler Stundenlohn berechnet werden konnte.

4


Betrachtet man die Bewegungen auf dem Arbeitsmarkt ergibt sich folgende Matrix.

zu Geringvon

verdiener

Geringverdiener

Normalverdiener

Sonst

Erwerbstät.

Schüler

Studenten

Normalverdiener

Sonst.

Erwerbstät.

Schüler

Studenten Rentner

nicht

Erwerst.

Alo.

53,8% 24,1% 6,8% 1,9% 1,3% 4,1% 8,0%

4,8% 86,1% 3,0% 0,4% 1,2% 1,7% 2,8%

8,8% 15,5% 64,2% 3,0% 0,9% 2,5% 5,2%

6,8% 6,8% 17,7% 61,0% - 3,4% 4,0%

Rentner 0,9% 0,8% 0,6% - 95,3% 1,1% 1,1%

nicht

Erwerbst.

5,6% 7,2% 3,3% 1,3% 2,4% 74,5% 5,8%

Alo. 11,5% 11,8% 6,5% 1,8% 7,9% 6,9% 53,7%

Quelle: Gutachten des Institut der deutschen Wirtschaft Köln

Lesehilfe Zeile 1: Im Betrachteten Zeitraum blieben 53,8% Geringverdiener, 24,1% wurden

zu Normalverdienern, 6,8% gingen einer sonstigen Erwerbstätigkeit nach, 1,9% wurden

Schüler/Studenten, 1,3% Rentner, 4,1% wurden nicht erwerbstätig und 8% arbeitslos.

Es ist deutlich zu erkennen, dass gut die Hälfte der Niedriglohnbeschäftigten im Folgejahr

auch im Niedriglohnsektor tätig ist. Nur ca. 24 % gelingt es, in besser bezahlte Beschäftigungsverhältnisse

zu wechseln.

Entgegen weitläufiger Meinung handelt es sich bei Personen, die im Niedriglohnsektor arbeiten,

selten um nicht qualifizierte Arbeitskräfte. Laut der Studie des Instituts der deutschen

Wirtschaft Köln besitzen ca. 80% der Niedriglohnbeschäftigten mindestens eine abgeschlossene

Lehre. Selbst bei Tätigkeiten, die einen Hochschulabschluss voraussetzen, ergibt

sich ein Niedriglohnanteil von rund 7%. Nur bei ca. 40% aller Beschäftigungsverhältnisse im

Niedriglohnbereich wird keine Berufsausbildung vorausgesetzt. Bei den übrigen 60% handelt

es sich um Stellen im Niedriglohnbereich, die explizit eine Ausbildung voraussetzen. Es

handelt sich also keineswegs um unqualifizierte Arbeitnehmer. Hier liegt somit ein enormes

Potential an Fachkräften, die mit entsprechenden Umschulungen, aktiviert werden könnten.

Besonders bedenklich ist die Lohnsituation in speziellen Branchen. So arbeiteten 2009 55%

aller Niedriglohnbezieher im produzierenden Gewerbe, dem Einzelhandel, der unternehmensnahen

Dienstleistungen 4 und dem Gesundheits- und Sozialwesen. Im Bereich des

„Gastgewerbes“ handelt es sich beispielsweise bei 62% aller Beschäftigten um Niedriglohnbeschäftigte.

4

Hierunter fallen u.a. die Arbeitnehmerüberlassungen. Hierbei ist zu beachten, dass dieser Bereich oftmals unterfrequentiert

ist, da Arbeitsnehmer sich beispielsweise eher als Produktionshelferbezeichnen, als sich im Bereich Arbeitnehmerüberlassung

einzuordnen.

5


2. Situation im Saarland und im Regionalverband Saarbrücken

2.1 Daten der Arbeitskammer des Saarlandes

Im Folgenden wird die Situation des Arbeitsmarktes im Saarland und, soweit möglich, im Regionalverband

Saarbrücken gesondert betrachtet. Die hierzu verwendeten Daten stammen

von der Statistik der Bundesagentur für Arbeit und der Arbeitskammer des Saarlandes. 5

Nach Angaben der Arbeitskammer des Saarlandes arbeiteten im Kalenderjahr 2011 mehr als

58.000 Vollzeitbeschäftigte (dies entspricht mehr als einem Fünftel aller Vollzeitbeschäftigten)

im Saarland unter der Niedriglohnschwelle von 1.890 € brutto (Wert 2010). Damit liegt

das Saarland über dem westdeutschen Schnitt.

Es lassen sich folgende Punkte festhalten:

• Mehr als 15.000 Erwerbstätige müssen im Saarland ihr Erwerbseinkommen durch Arbeitslosengeld

II aufstocken, davon alleine 3.000 Vollzeitbeschäftigte (ohne Azubis, Beamte

und Selbstständige).

• Am stärksten von Niedriglöhnen betroffen sind Frauen, Jüngere und gering Qualifizierte 6

• Im Bereich der Dienstleistungen ist fast jeder Dritte ein Niedriglohnbezieher.

• Fast 60% der Arbeitnehmer in Kleinbetrieben erhalten Niedriglöhne. Tendenziell gilt: je

kleiner die Firma, desto höher der Anteil an Niedriglohnbeschäftigten.

• In den Kreisen Neunkirchen und St. Wendel liegt der Anteil der Niedriglohnbezieher bei

einem Viertel (ermittelt nach dem Arbeitsortprinzip).

Als Grund für die Zunahme an Beschäftigungsverhältnissen im Niedriglohnsektor sieht die

Arbeitskammer insbesondere Kostensenkungsprogramme der Unternehmen, sowie politische

Entscheidungen zur Ausweitung des Niedriglohnsektors. Hartz-Gesetze und Zumutbarkeit

sind hierbei nur zwei Stichworte. Ein Empfänger von Leistungen nach dem Zweiten Sozialgesetzbuch

(SGB II) ist per Gesetz verpflichtet, „alle Möglichkeiten zur Beendigung oder

Verringerung ihrer Hilfebedürftigkeit auszuschöpfen“ (§ 2 Abs. 1 SGB II). Dies schließt die

Annahme von Jobangeboten im Niedriglohnsektor ein. Auch wenn die Hilfebedürftigkeit

hiermit nicht beendet werden kann, kann sie zumindest verringert werden.

Im Saarland wird dieses Problem dadurch vergrößert, dass das saarländische Lohnniveau

rund 10% unter dem westdeutschen Niveau liegt. Dies wird auch als ein Grund für die anhaltenden

Wanderungsverluste aus dem Saarland angesehen. Im privaten Dienstleistungssektor,

den sogenannten marktbestimmten Dienstleistungen, beträgt die Lohndifferenz zu

den übrigen westdeutschen Bundesländern 17%. Die einzigen Branchen, in denen das saarländische

Lohnniveau über dem westdeutschen liegt, sind: Glas und Keramik, Baugewerbe,

Information und Kommunikation und sonstige Waren. Zwischen 2000 und 2010 ist die Lohnquote

im Saarland um 5,7 Prozentpunkte gesunken (Westdeutschland 2,2 Prozentpunkte).

5

AK Fakten: Einkommen im Saarland 2011

6

Als geringqualifiziert gelten ungelernte Arbeitnehmer/innen ohne Berufsabschluss oder Arbeitnehmer/innen mit Abschluss,

die mindestens seit 4 Jahren in, an oder ungelernter Tätigkeit berufsfremd arbeiten und ihre erlernte Tätigkeit

nicht mehr ausüben können.

6


Eine Zusammensetzung der saarländischen Aufstocker kann nachfolgendem Diagramm entnommen

werden:

Quelle: Arbeitskammer des Saarlandes, eigene Darstellung


Es ist deutlich zu erkennen, dass die meisten Aufstocker neben Grundsicherung Einkommen

aus geringfügigen Beschäftigungsverhältnissen beziehen (52,4%). Bei 19,17% der Aufstocker

handelt es sich um Vollzeitbeschäftigte (ohne Auszubildende), bei 15,18% um Teilzeitbeschäftigte,

bei 8,59% um Selbstständige und bei 4,66% um Auszubildende.

Der nach Kreisen geordnete Anteil der Vollzeitbeschäftigten (ohne Auszubildende), die unter

der Niedriglohnschwelle arbeiten, kann nachfolgender Grafik entnommen werden. Der

gesamtsaarländische Schnitt liegt bei 22,2%.

Hierbei war das Arbeitsortprinzip ausschlaggebend, nicht das Wohnortsprinzip. Der Regionalverband

profitiert hierbei vor allem von den überdurchschnittlich vielen „größeren“

Firmen, die in Saarbrücken und Umgebung angesiedelt sind.


7


2.2 Daten der Bundesagentur für Arbeit und des Jobcenters Saarbrücken

Wie in nachfolgender Tabelle deutlich zu erkennen ist, ist der Anteil der erwerbstätigen an

den erwerbsfähigen hilfebedürftigen Leistungsbeziehern im Regionalverband in den letzen

Jahren deutlich gestiegen:

Anteil erwerbstätige an erwerbsfähige Leistungsempfänger [%]

Deutschland Westdeutschland Saarland

Regionalverband

Saarbrücken

März 07 21,2 20,7 19,9 19,4

September 07 24,6 23,9 23,3 22,5

März 08 25,2 24,2 23,4 22,7

September 08 27,5 26,2 25,3 24,3

März 09 26,2 24,7 24,0 23,7

September 09 27,6 26,0 25,0 24,6

März 10 27,0 25,6 24,7 24,2

September 10 29,1 27,7 26,6 26,0

März 11 28,3 27,2 26,4 26,2

Juni 11 29,4 28,3 27,2 26,7

Juli 11 29,6 28,4 27,3 26,8

August 11 29,8 28,5 27,7 27,2

Lag der Anteil im März 2007 noch bei 19,4%, so stieg er binnen 4,5 Jahre um 7,8 Prozentpunkte

auf 27,2% an. Dies bedeutet, dass jeder vierte Leistungsempfänger, der als

erwerbsfähig eingestuft ist, auch einer Arbeit nachgeht. Allein im Regionalverband Saarbrücken

subventioniert der Staat durch Transferleistungen rund 7.450 Beschäftigungsverhältnisse.

Betrachtet man das Saarland handelt es sich um ca. 15.350, im westdeutschen

Raum um 874.000 und in der gesamten Bundesrepublik um ca. 1,366 Mio. Beschäftigungsverhältnisse

7 .

Nachfolgende Grafik verdeutlicht die Entwicklung der Aufstocker im Regionalverband Saarbrücken

nach Einkommen. Hierbei wird zwischen den Kategorien „≤ 400 €“, „>400 € und

≤800 €“ und „>800 €“ unterschieden.

7

Stand: August 2011

8


Es ist deutlich zu erkennen, dass die Anzahl der Aufstocker im Einkommensbereich 400 € bis

unter 800 € am deutlichsten gestiegen ist. Der größte Zuwachs fand somit in Lohngruppen

statt, die nicht den klassischen geringfügigen Beschäftigungsverhältnissen zuzuordnen sind.

Bei den Einkommen > 800 € handelt es sich in den meisten Fällen um Vollzeitbeschäftigte,

deren Einkommen zur Sicherung des Lebensunterhaltes nicht ausreicht. Wie obiger Grafik

deutlich entnommen werden kann, ist deren Anzahl seit 2007 auch signifikant gestiegen.

Der Einbruch Ende 2008 bis März 2010 ist insbesondere auf die Wirtschaftskrise zurückzuführen.


4. Fazit

Es ist fraglich, ob mit dem gewollten Ausbau des Niedriglohnsektors in der Bundesrepublik

Deutschland der große Arbeitsmarktpolitische Wurf gelungen ist. Es ist deutlich zu erkennen,

dass es sich bei Beschäftigungsverhältnissen im Niedriglohnbereich nicht um eine

Einbahnstraße handelt, die in einer Beschäftigung zu „Normallöhnen“ endet. Auch der

umgekehrte Weg ist mit 42,6% aller Eintritte kein Einzelfall. Auch die Tatsache, dass nur

ca. 24% aller Niedriglohnbeschäftigten den Aufstieg zu Normalverdienern schaffen ist kein

Riesenerfolg. 28,9% der Niedriglohnbeschäftigten verschlechtern sich sogar und driften in

die Nichterwerbstätigkeit (8,8%) bzw. Arbeitslosigkeit (17,5%) ab bzw. treten als Rentner

gänzlich aus dem Arbeitsleben aus (2,6%).

Es manifestiert sich vielmehr der Eindruck, dass der Staat mit Transferleistungen das Einkommen

aufstockt, um den erwerbstätigen Leistungsempfänger den Lebensunterhalt zu

sichern. Wie oben beschrieben handelt es sich in der gesamten Bundesrepublik bei rund

1,366 Millionen Erwerbstätigen um Aufstocker.

Auch die Theorie, dass der Niedriglohnsektor unqualifizierten Arbeitnehmern den Einstieg

in den Arbeitsmarkt ebnen soll, hält einer genaueren Prüfung nicht stand. 80% aller Niedriglohnbeschäftigten

verfügen zumindest über eine abgeschlossene Berufsausbildung. Auch

die Tatsache, dass für rund 7% aller Niedriglohnbeschäftigungsverhältnisse ein Diplom vorausgesetzt

wird, spricht Bände.

9

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