Ausgabe 2/11 Download - RegJo

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Ausgabe 2/11 Download - RegJo

Das Regional-Journal für Niedersachsen

Hannover Oldenburg Osnabrück Wolfsburg Braunschweig Salzgitter Hildesheim Göttingen

II/2011

Schutzgebühr 5,00 €

tanzende Verhältnisse


egjo niedersachsen editorial 3

Wenn eins zum andern passt:

die Logistikregion Hannover

Wenn der Wind ...

Perfekte Anbindung

Zentrale Lage

Leistungsfähige logistische Knoten

Markgerechte Logistikflächen

und -immobilien

Persönliche Projektbetreuung

Renommierte Unternehmen und

Logistikdienstleister profitieren bereits

davon. Wann sehen wir Sie bei uns?

Mehr Infos im „Logistikprofil“ –

jetzt anfordern, Anruf genügt!

... der Veränderung weht, kommt Bewegung in festgefahrene

Strukturen. Eine niedersachsenweite Erfahrung.

Über die erneuerbaren Energien ist ja schon so ziemlich alles

geschrieben worden. Auch die regelmäßigen Innovationen finden

immer wieder ihren Weg zu einer interessierten Leserschaft. Der

Technikbegeisterte kommt dabei genauso auf seine Kosten wie der

Investor oder der ökologisch Interessierte. Und klar – die Erwartungen

über den Ausbau der Erneuerbaren werden immer wieder

von der Realität überholt, eine ganz neue Industrie trägt zur

Belebung des Landes bei, aber inzwischen auch der Kommunen,

denn die Energiewende hat eine ausgeprägt dezentrale Komponente.

Betrachtet man den hiesigen Pioniergeist jedoch international,

muss man sich schon fragen, ob die Mühe nicht nur ein Tropfen

auf den heißen Stein bleibt. Denn die Klimaschutzabkommen

sind faktisch tot, Entscheidungsträger weltweit nehmen diese Entwicklung

nur noch achselzuckend zur Kenntnis. Hierzulande hingegen

bleibt die Euphorie ungebrochen, auch wenn die Politik die

Wende derzeit nur halbherzig voranbringt. Hier entwickelt sich

ein enormes auch wirtschaftliches Potenzial für die Zukunft, das

mutige Unternehmer, Wissenschaftler und Kommunen weiter vorantreiben,

indem sie die komplexen Herausforderungen der Energiewende

meistern.

Niedersachsen ist aber nicht nur im Ausbau der Erneuerbaren

Spitze, auch im Maschinenbau für die Landwirtschaft werden

hier globale Akzente gesetzt, sei es auf technischem Gebiet oder

mit neuem Saatgut. Doch ein Bereich, in dem schon naturgemäß

viel Bewegung steckt, wird landesweit kaum beachtet, weil oft das

breite Interesse fehlt: der Sport. Die Fußball-Erstbundesligisten

Wolfsburg und Hannover kennt man vielleicht noch, in anderen

Sportarten hingegen sieht es mau aus. Dabei spielen zahlreiche Vereine,

Männer wie Frauen, in den ersten Ligen zu Feld, Wasser oder

Matte mit und dies oft auch deutlich überrepräsentiert im Ländervergleich.

Lassen Sie sich überraschen.

Sven Grünewald

Chefredaktion

Ansprechpartner: Michael Krantz

Telefon (0511) 616 23 416

www.unternehmerbuero-hannover.de

Wirtschafts- und

Beschäftigungsförderung

QR Code RegJo

Der QR Code („quick response“) kann von allen Smart-Phones

gelesen werden und verlinkt Sie direkt mit der Internet seite

des RegJo Magazins und des Polygo Verlages. Apps für den

QR Code sind in den bekannten App-Stores erhältlich. Der

QR-Code (QR steht für englisch: quick response = schnelle

Antwort) ist ein zweidimensionaler Code (2D-Code), der von

der japanischen Firma Denso Wave im Jahr 1994 entwickelt

wurde. Ursprünglich wurde der QR-Code zur Markierung von

Baugruppen und Komponenten für die Logistik in der Automobilproduktion

eingesetzt.

RegJo Niedersachsen bei Facebook:

www.facebook.com/RegJoNiedersachsen


4 Inhalt regjo Niedersachsen regjo Niedersachsen Inhalt 5

16 Agrartechnik

38 Energiewende

64 Binnenschifffahrt

80 Spitzensport

Modernster Maschinenbau und innovatives Knowhow

in der Agrartechnik geben der Landwirtschaft

weltweit ein neues Gesicht.

Die Umstellung der Energieversorgung

auf erneuerbare Energien hat viele

Handlungsebenen.

Praktisch, voluminös und vor allem

zuverlässig: Die Vorzüge der Binnenschifffahrt

werden wieder attraktiv.

Jenseits der wenigen Sportarten in den

Massenmedien ist Niedersachsen in vielen

sportlichen Bereichen Spitze.

Wirtschaft

Politik & Soziales

Technik & Wissenschaft

Land & Umwelt

Kultur & Freizeit

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Kampagne: In Siebenmeilenstiefeln unterwegs:

Das Weserbergland präsentiert sich.

GVZ Dörpen: Das Güterverkehrszentrum Dörpen

im Landkreis Emsland wird 15.

Produktschmiede für die Landwirtschaft:

Anlagenbau, Landwirtschaft und Energie

sind die Schwerpunktbranchen im Landkreis

Nienburg/Weser.

„Boomtown“ Oldenburger Münsterland:

Zwischen Oldenburg, Bremen und Münster

erlebt das Oldenburger Münsterland ein starkes

wirtschaftliches Wachstum.

Partner für den Mittelstand: Die AWADO

Deutsche Audit GmbH hat als besondere Zielgruppe

Unternehmen aus dem Agrarbereich.

Eine Idee für die Energiewende: Seit 1994

baut die Windwärts Energie GmbH Anlagen

zur regenerativen Stromerzeugung.

Flotte unter Strom: E.ON Mitte Vertrieb bietet

seit Neuestem Elektromobilität für Geschäftskunden.

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Interkommunal: Die Gemeindewerke Bovenden

agieren zukünftig als interkommunales

Projekt.

Strom tanken: Die Stadtwerke Northeim

eröffnen die erste Stromtankstelle in einem

Autohaus.

Das Wachsen der Graswurzeln: Die Energiewende

vitalisiert eine ganze Branche:

Stadtwerke und kommunale Versorger erleben

eine Renaissance.

Leinen los für eine freie Fahrt: Immer

mehr Unternehmer setzen auf einen neuen,

aber durchaus bekannten Minipartner: die

Binnenschifffahrt.

Auf einen Blick: Die Industrie- und Gewerbegebiete

ganz Niedersachsens.

Immer die richtige Größe: Mit KomSIS ging

vor zehn Jahren das niedersächsische Standortportal

für Gewerbegebiete an den Start.

Erweiterung einer guten Idee: Göttingen

erweitert mit dem GVZ Siekanger und dem

Ausbau des Kern-GVZ das Logistikangebot.

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4 Köpfe – 4 Meinungen: Wie kann Niedersachsen

seine Schlüsselposition in der Erzeugung

regenerativer Energien ausbauen?

Die beste Schule Deutschlands: Gewinner

des Deutschen Schulpreises 2011 ist die

Georg-Christoph-Lichtenberg-Gesamtschule

Göttingen.

EU-Agrarpolitik: Was die neue europäische

Landwirtschaftspolitik ab 2014 bringen

könnte.

Zapfenstreich: Die Bundeswehr präsentiert ihr

neues Stationierungskonzept.

Modellregion Elektromobilität: Eine Modellregion

im Raum Oldenburg-Bremen erprobt den

Einsatz von Elektrofahrzeugen und erforscht

neue Verkehrskonzepte.

Fischschwärme und norwegische Seemanöver:

Für die Umsetzung der Energiewende

müssen die deutschen Stromnetze zwangsläufig

neu strukturiert werden. Lösungsvorschläge

gibt es reichlich, doch der Wille

dazu muss letztendlich von allen Beteiligten

kommen.

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NordWestBahn: Stets höchste Qualität ist der

Anspruch der NordWestBahn aus Osnabrück.

„Über den Bildungsföderalismus grundsätzlich

neu nachdenken“: Interview mit Prof.

Wolfgang Lücke, Vizepräsident für Studium

und Lehre an der Universität Göttingen, über

Hochschulfinanzierung und die Veränderungsfähigkeit

der Hochschulen.

Erfolg ernten! Modernster Maschinenbau in

der Agrartechnik gibt der Landwirtschaft ein

neues Gesicht.

Zukunft säen: Die südniedersächsische KWS

ist einer der Global Player in der Züchtung

und Entwicklung neuen Saatguts.

Innovationen 2011: Der Innovationspreis

des Landkreises Göttingen kürte wieder

viele Ideen. Die Ausschreibung für 2012 läuft

bereits.

Fit für die Erneuerbaren: Die Akademie für

erneuerbare Energien Lüchow-Dannenberg lädt

zum 6. Biogas-Fachkongress.

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Wegeswünsche: Die Hochschule für angewandte

Wissenschaft und Kunst wird 40 Jahre.

DEULA-Nienburg: Weiterbildungen

in der Agrartechnik ermöglicht die

DEULA-Nienburg.

Mit Persönlichkeit: Aus der Hochschule

wird die Universität Vechta – mit neuem

Selbstbewusstsein.

Ein Stadtwerk im Klimaschutz: Am 28. Januar

1861 nahmen die Göttinger Stadtwerke ihre

Arbeit auf. Heute nimmt der Beitrag zum Klimaschutz

breiten Raum ein.

Weltkultur und regionales Erbe: Hildesheim

ist ein attraktives Reiseziel dank abwechslungsreicher

Kulturszene, landschaftlich reizvoller

Umgebung und Weltkulturerbe-Stätten.

Wussten Sie, dass...: Anekdoten und Kurioses

aus niedersächsischen Landen.

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Ausgezeichnet: Die Niedersächsische Sparkassenstiftung

verleiht den Museumspreis

2011 an drei Museen für herausragende Konzepte

und Leistungen.

Niedersachsen gut in Form: Niedersachsen

hat sportlich gesehen einiges zu bieten: 39

Frauen- und Männer-Mannschaften tummeln

sich in den verschiedensten Sportarten in den

höchsten Ligen Deutschlands.

Veranstaltungskalender: Die kulturellen,

musikalischen und sonstigen Highlights in

Niedersachsen.

Cover: Die J.E.T.s aus Goslar/Andreas Schönfelder

Bilder: Amazone, Harz Energie, Anders Seefeldt, Rolf Kamper


egjo niedersachsen Meinung 7

4 Köpfe – 4 Meinungen

Niedersachsen kann eine Schlüsselposition in der Erzeugung regenerativer Energien beim Gelingen der

Energiewende spielen. Welche dahingehenden Entwicklungen gilt es zu verstärken oder anzustoßen?

Lutz Hofmann, Professor für

Energieversorgung an der

Universität Hannover: „Die

Stromnetze besitzen eine

Schlüsselfunktion für den

weiteren Ausbau der erneuerbaren

Energien (EE) und

die Erreichung der Klimaschutzziele.

Deshalb ist der

koordinierte Ausbau von EE

und der Stromnetze unumgänglich.

Dabei sind drei Schwerpunkte zu setzen: Ausbau

der Übertragungsnetze (380 und 220 kV) für den großräumigen

Energietransport; netzverträgliche Integration von

dezentralen Erzeugungsanlagen (DEA) auf Basis von EE

und Übernahme der Eigenschaften konventioneller Kraftwerke

für die Bereitstellung der Systemdienstleistungen;

Aus- und Umbau der Verteilungsnetze (bis 110 kV) und Einsatz

von Netz- und Energiemanagementsystemen (Smart

Grid) zur Koordination der DEA mit dem Verbrauch, gegebenenfalls

unter Einsatz von Energiespeichern.“

H a n s - H e i n r i c h S a n d e r,

Umweltminister in Niedersachsen:

„Wichtig ist, dass

die Energiewende bezahlbar

ist. Daher müssen Erneuerbare

Energien wettbewerbsfähig

werden. Dazu gehört,

zu hohe Solarstrom-Förderung

systematisch abzuschmelzen.

In Niedersachsen

spielt die Windkraft

eine große Rolle, vor allem Offshore-Windparks in der

Nordsee. Der Strom muss zu den Verbrauchszentren in Südund

Westdeutschland, Netzausbau ist unumgänglich, wo

nötig mit Erdkabeln. Für diese neuen Stromtrassen gilt es,

den Dialog vor Ort zu verbessern und für Akzeptanz zu

werben. Auch müssen Stromspeicher ausgebaut und entwickelt

werden, ein Ansatz sind Pumpspeicherkraftwerke

in Bergwerken im Harz. Und wichtig ist es, Energie effizienter

zu nutzen. Die Elektromobilität ist ein Beispiel, die

Abhängigkeit vom Erdöl zu reduzieren.“

David Petersen, Gruppenkoordinator

Greenpeace

Hannover: „Trotz großem

Potenzial ist leider kein klarer

Kurs für eine zukunftsfähige

regenerative Energieversorgung

erkennbar.

Niedersachsen rühmt sich

zwar gerne seiner angeblichen

Vorreiterrolle im

Bereich der erneuerbaren

Energien, gleichwohl spart die Landesregierung nicht an

Warnungen vor einer zu „radikalen Wende“. Dabei sind die

derzeitigen Anstrengungen viel zu zaghaft! Greenpeace hat

mit dem Energiekonzept „Der Plan“ klar berechnet, dass

eine Versorgung mit 100% erneuerbare Energien bis 2050,

verbunden mit einem Atomausstieg bis 2015, machbar ist

– ohne die Versorgungssicherheit zu gefährden. Hingegen

gefährdet der Neubau von schmutzigen Kohlekraftwerken

den nötigen Umbau im Energiesektor. Das Thema Klimaschutz

wird damit endgültig zu einer leeren Floskel.“

Stephan Barth, Geschäftsführer

von ForWind – Zentrum

für Windenergieforschung:

„Am zukünftigen

Energiemix wird Windenergie

einen ganz wesentlichen

Anteil haben – eine

besondere Chance für den

Nordwesten. Schon heute

stehen circa 25% der bundesweit

installierten Windleistung

in Niedersachsen und auch beim Ausbau der

Windenergie auf See können wir ganz vorne mit dabei

sein. Frühzeitig wurden die richtigen Weichen gestellt, um

durch Forschung das notwendige Know-how aufzubauen.

Zudem liegt der Weltmarkt für Offshore-Windenergie in

den kommenden Jahren vor der Haustür. Doch die Herausforderungen

offshore sind immens und können nur partnerschaftlich

mit Verbündeten gemeistert werden. Länderübergreifende

und koordinierte Kooperationen zwischen

Wissenschaft und Wirtschaft sind dafür notwendig.“

Bildnachweis: Hofmann, Niedersächsisches Ministerium für Umwelt und Klimaschutz, Petersen, ForWind


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S c h u l p r e i s

m u s e u m

A g r a r p o l i t i k

E i s e n b a h n

Prof. Rosemarie

Kerkow-Weil ist neue

Präsidentin der Fachhochschule

Hannover.

Zuvor amtierte die

Professorin für Pflegewissenschaften

und Ehefrau von Hannovers

Oberbürgermeister Stephan Weil

als Vizepräsidentin der Evangelischen

Fachhochschule Hannover sowie der

Hochschule Hannover.

Prof. Stephan Thomsen

ist neuer Leiter

des Niedersächsischen

Instituts für Wirtschaftsforschung

(NIW) in

Hannover. Der bisherige

Juniorprofessor für Arbeitsmarktökonomik

an der Universität Magdeburg

folgt Dr. Rainer Ertel und Prof. Dr. Javier

Revilla Diez, die das NIW gemeinsam

geleitet hatten.

Francisco Javier

Montoya Cázarez

erhält das New York-

Stipendium 2012 der

Niedersächsischen

Sparkassenstiftung und

des Ministeriums für Wissenschaft und

Kultur. Der in Braunschweig lebende

Künstler wird für die Einzigartigkeit

seiner Skulpturen sowie Zeichnungen

und Aquarelle ausgezeichnet.

Prof. Stefan Hell ist

Leiter des Max-Planck-

Instituts für biophysikalische

Chemie Göttingen.

Für seine Entwicklung

der Lichtmikroskopie

und ihre Anwendungen im biologischen

Umfeld ist ihm der Göteborger

Lise-Meitner-Preis verliehen worden,

der sich damit einreiht in zahlreiche

vorherige Auszeichnungen.

Jochen Meusel,

Geschäftsführer der Conmedia,

kann sich über

einen Erfolg im Wettbewerb

„Filmpreis Cannes

Corporate Media 2011

freuen. Zum zweiten Mal in Folge gewannen

die Braunschweiger einen silbernen

Delphin, diesmal mit dem Zwölf-Minuten-

Film „Digitale Welten“.

Die beste Schule Deutschlands

Die Robert-Bosch- und die Heidehof-Stiftung loben jährlich den Deutschen Schulpreis

aus. Gewinner 2011 ist die Georg-Christoph-Lichtenberg-Gesamtschule Göttingen.

Im Juni überreichte Bundespräsident Christian

Wulff der Georg-Christoph-Lichtenberg-Gesamtschule

im Göttinger Stadtteil

Geismar den Deutschen Schulpreis. Der

Preis zeichnet Schulen für ihre Qualität, für

die Umsetzung neuer Konzepte und Ideen,

für ihre schülerorientierte Leistung aus –

Schulen, die in Deutschland Vorbilder für

andere Schulen sein können.

Die Bewertung basiert auf sechs Qualitätskriterien:

Zum einen gehören zu einer

guten Schule natürlich die Leistungen der

Schüler sowie die Unterrichtsqualität, der

Unterricht soll laut Robert-Bosch-Stiftung

„verständnisintensiv und praxisorientiert“

sein. Weitere Kriterien sind die Verantwortung

der Schule, ebenso wie Schulklima

und Schulleben und die Verwurzelung der

Schule in der außerschulischen Gemeinschaft,

auch wird die Schule als „lernende

Institution“ bewertet. Ein wichtiges Kriterium

ist außerdem der Umgang mit Vielfalt,

wo es um die Konzepte geht, mit denen

die Schule mit einer heterogenen Schülerschaft,

mit Schülern verschiedener Kulturen,

mit verschiedenen Bildungshintergründen

und Leistungsmöglichkeiten

optimal umgeht. Dieser Punkt liegt Schulleiter

Wolfgang Vogelsaenger besonders am

Herzen: „Wir haben an der IGS eine ganz

andere Sichtweise auf Kinder als im dreigliedrigen

Schulsystem. Die Kinder können

sich bei uns entwickeln, ohne dabei in

Schubladen einsortiert und immer wieder

umsortiert zu werden.“

Was macht die Schule nun also zur

besten Schule Deutschlands? In der Laudatio

heißt es: „Die Schule setzt durchgängig

auf Teamstrukturen mit größtmöglicher

Eigenverantwortung. Im kleinsten

Team, in der bewusst heterogen zusammengesetzten

Tischgruppe, die über einen

langen Zeitraum miteinander lernt, übernehmen

Schülerinnen und Schüler die

Verantwortung für das eigene Lernen und

Handeln, aber auch für das Weiterkommen

der anderen. Die extreme Spannbreite im

Leistungsbereich der Lernenden wird produktiv

genutzt: Individualisierte Lernprozesse

und die Möglichkeit, unterschiedliche

Niveaustufen zu erreichen, sind integriert

in das gemeinsame Lernen.“

JW

Genaueres über den Preis und das ausgezeichnete Konzept der Göttinger IGS unter

www.schulpreis.bosch-stiftung.de

Ausgezeichnet

Die Niedersächsische Sparkassenstiftung

verleiht den Museumspreis 2011.

Das Emsland Moormuseum in Geeste, das

Deutsche Marinemuseum in Wilhelmshaven

und das HöhlenErlebnisZentrum

in Bad Grund werden mit dem Museumspreis

2011 der Niedersächsischen Sparkassenstiftung

ausgezeichnet. Das Moormuseum

erhält einen mit 25.000 Euro

dotierten Preis für seine vorbildliche Weiterentwicklung

zu einem führenden Moormuseum

in Europa. Das Deutsche Marinemuseum

bekommt einen mit 10.000 Euro

dotierten Preis verliehen für seine wissenschaftliche

Aufarbeitung und Präsentation

der Geschichte der Deutschen Marinen seit

1843. Das HöhlenErlebnisZentrum erhält

einen mit 10.000 Euro dotierten Preis für

die gelungene Vermittlung der Geschichte

der „ältesten Familie der Welt“.

Mit dem Museumspreis zeichnet die

Niedersächsische Sparkassenstiftung alle

zwei Jahre Museen im Land aus, die Vorbildliches

auf dem Feld der Museumsarbeit

geleistet haben und mit ihrer Arbeit anderen

Einrichtungen als beispielhaft vorgestellt

werden können. Der Museumspreis

wird 2011 zum zehnten Mal vergeben, zur

Jury gehören Vertreter verschiedener Stiftungen

sowie des Museumsverbandes für

Niedersachsen und Bremen e.V. VS

EU-Agrarpolitik

Was die neue europäische Landwirtschaftspolitik

ab 2014 bringen könnte.

Ein von der Europäischen Kommission

erarbeitetes Programm soll eine neue

Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) für die

Landwirtschaft und Verbraucher ab 2014

regeln. So besteht das aktuelle Einkommen

von deutschen Landwirten zu etwa 50

bis 70 Prozent aus Transferleistungen der

Europäischen Union. Ziel ist es, dass die

Regelung aus Zuschüssen und Direktzahlungen

neu geordnet wird. Ab 2014 soll es

daher laut Vorschlag der EU-Kommission

eine neue Basis für Prämien geben. Außerdem

soll der ökologische Aspekt bei Bezuschussungen

an Landwirte mehr als bisher

berücksichtigt werden. Auch einen Aufschlag

für Junglandwirte und eine Obergrenze

von 300.000 Euro pro Betrieb sollen

eingeführt werden.

Zudem soll das Geld von der Europäischen

Union grundsätzlich nur noch an

aktive Landwirte gehen und damit Energiekonzerne

wie RWE, die derzeit einer

der größten Bezieher von Landwirtschaftszuschüssen

für Flächen in Nordrhein-Westfalen

ist, ausschließen. Außerdem können

durch eine Angleichung innerhalb der EU-

Mitgliedsländer zukünftig Kontrollen von

Lebensmittelbetrieben und Gaststätten

transparenter werden.

VS

NordWestBahn

Stets höchste Qualität ist der Anspruch

der NordWestBahn aus Osnabrück.

Rund 150 Triebzeugführer und Servicemitarbeiter

sind täglich im Einsatz, damit

die Züge der NordWestBahn ihre Fahrgäste

sicher und pünktlich an ihr Ziel bringen.

Um den qualitativen Anforderungen

dauerhaft gerecht zu werden, ist das Unternehmen

bestrebt, technisch beste Qualität

zu bieten. Nach mehreren Pannen im Jahr

2010, wie ein Unfall in Geldern, bei dem

ein Güterzug frontal gegen einen abgestellten,

fast fabrikneuen LINT-Dieseltriebwagen

der NordWestBahn fuhr, werden derzeit

einige Fahrzeug komplett erneuert. Da

die Reparatur teilweise sehr aufwändig ist,

werden diese Züge erst Mitte 2012 wieder

einsatzbereit sein. Bis dahin stellt die Nord-

WestBahn Ersatzbusse und auch Fahrzeuge

anderer Eisenbahngesellschaften bereit.

Auf einer Streckenlänge von aktuell

etwa 1.350 Kilometern befördert die Nord-

WestBahn jährlich um die 19 Millionen

Fahrgäste. Derzeit beschäftigt das im Jahr

2000 gegründete Verkehrsunternehmen

etwa 650 Mitarbeiter und kann sein Netz

stetig ausbauen. So konnten seit Dezember

2010 neue Strecken zwischen Oberhausen

und Duisburg-Ruhrort sowie Oberhausen

und Dorsten in das Streckennetz aufgenommen

werden.

VS

Bildnachweis: Fachhochschule Hannover, Thomsen, Niedersächsisches Ministerium für Wissenschaft und Kultur, Max-Planck-Institut

für biophysikalische Chemie, Conmedia, Robert Bosch Stiftung/Max Lautenschläger

Bildnachweis: Emsland Moormuseum, Anders Seefeldt, NordWestBahn


10 Magazin regjo niedersachsen regjo niedersachsen magazin 11

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Kampagne

GVZ Dörpen

Zapfenstreich

Wegeswünsche

DEULA-Nienburg

Mit Persönlichkeit

In Siebenmeilenstiefeln unterwegs: Das

Weserbergland präsentiert sich.

Das Güterverkehrszentrum Dörpen im

Landkreis Emsland wird 15.

Die Bundeswehr präsentiert ihr neues

Stationierungskonzept.

Die Hochschule für angewandte Wissenschaft

und Kunst wird 40 Jahre.

Weiterbildungen in der Agrartechnik

ermöglicht die DEULA-Nienburg.

Aus der Hochschule wird die Universität

Vechta – mit neuem Selbstbewusstsein.

Ende 2010 startete die Weserbergland AG in

Hameln die Regionalmarketing-Kampagne

„Wirtschaftsraum Weserbergland“. Ziel ist

es, dem vor allem als touristische Destination

bekannten Weserbergland ein zusätzliches

positives Image als Wirtschaftsstandort

zu verleihen. „Der Schlüssel zum

Erfolg unserer Kampagne liegt in der engen

Zusammenarbeit aller regionalen Akteure“,

betont Hans-Ulrich Born, Vorstand der

Weserbergland AG. „Bis heute haben sich

bereits mehr als 25 Partner aus der Wirtschaft

dazu bekannt, die Kampagne inhaltlich

und finanziell zu unterstützen.“

Die Kampagne richtet sich vorrangig

an Fachkräfte mit ihren Familien oder

Partnern und informiert über die beruflichen

und persönlichen Perspektiven im

Wirtschaftsraum Weserbergland. Die als

regionale Initiative für das Kerngebiet der

Landkreise Hameln-Pyrmont, Holzminden

und Schaumburg aufgestellte Kampagne

unterstützt darüber hinaus die lokalen

Unternehmen beim Aufbau und Erhalt

von Fachkräften sowie in Fragen des

Arbeitgebermarketings.

VS

Mehr über die Kampagne erfahren Sie auf

www.wirtschaft-weserbergland.de

Das GVZ Emsland in Dörpen ist eines der

am weitesten entwickelten GVZ in Niedersachsen

und Deutschland. Seit der offiziellen

Inbetriebnahme 1996 haben weit mehr

als 20 Unternehmen aus der Verkehrswirtschaft

und logistikaffine Unternehmen sich

für das GVZ als ihren Standort entschieden.

Hierzu gehören große marktführende Speditionen,

aber auch regional tätige Dienstleister

aus dem KMU-Bereich.

Die Motivation zum Leben der GVZ-

Philosophie wird als ein wichtiger Baustein

für den Erfolg angesehen. Der Übergang

von einem Konkurrenz- zu einem Kooperationsverhältnis

zwischen den GVZ-Nutzern

der verschiedenen Verkehrsträger wird

im GVZ Emsland heute mit großem Erfolg

vollzogen. Im GVZ kooperieren Unternehmen

der unterschiedlichsten Branchen und

nutzen zentrale Gebäude und Service-Einrichtungen

gemeinsam.

Im Rahmen der Entwicklung des GVZ

Emsland von der „Vision zur Wirklichkeit“

gab es natürlich auch eine Reihe von Hürden

und Hemmnissen zu überwinden.

Hier hat sich gezeigt, dass die Unterstützung

auch auf regionaler Ebene bei Politik,

Behörden und Institutionen eine wichtige

Rolle spielt.

VS

40.800 ist die neue Zahl für Niedersachsen.

Wenn das neue Stationierungskonzept

der Bundeswehr so implementiert

wird wie geplant, dann wird die Armee

nicht nur deutlich kleiner, sondern auch

an weniger Standorten präsent sein. Alle

Länder sind davon betroffen. Für Niedersachsen

bedeutet das Konzept, dass die

Zahl der Dienstposten von heute 51.600 um

etwa 20 Prozent reduziert wird.

Geschlossen werden zwar nur die

Standorte Ehra-Lessien, Schwanewede

und Lorup, doch andernorts kommt es zu

teils deutlichen Truppenreduktionen; die

Standorte Braunschweig, Göttingen, Neuharlingersiel

und Stade werden dadurch

nicht mehr offiziell als Standorte geführt.

Besonders betroffen sind Aurich mit neu

110 Mann (vorher 550), Bückeburg 1.040

(1.510), Celle 400 (1.080), Delmenhorst

1.380 (2.550), Diepholz 530 (1.020), Hannover

1.290 (2.320), Lüneburg 710 (1.820),

Munster 5.270 (6.260), Nienburg/Weser

1.070 (1.520), Rotenburg/Wümme 1.540

(2.090), Visselhövede 20 (680) und Wittmund

730 (1.660). Zu den wenigen Gewinnern

der Truppenrochade gehören Nordholz

2.110 (1.900), Schortens 2.050 (1.630)

und Wilhelmshaven 8.570 (7.780). VS

Die Hochschule für angewandte Wissenschaft

und Kunst Hildesheim/Holzminden/

Göttingen (HAWK) beging in diesem Jahr

ihren 40. Geburtstag. Zu diesem Anlass

lud sie Bildungsexperten und die niedersächsische

Wissenschaftsministerin Prof.

Dr. Johanna Wanka zu einer Zukunftsdiskussion

ein. Lob bekam die HAWK von

der Wissenschaftsministerin für die im

niedersächsischen Vergleich herausragenden

Anstrengungen im Bereich Teilzeitstudium.

Gearbeitet werden müsse hingegen

weiter am Ausbau der Forschung und des

Fächerspektrums.

Die zunächst als Fachhochschule Hildesheim

gegründete heutige HAWK ist

unter anderem hervorgegangen aus der

höheren Fachschule für Sozialpädagogik

Hildesheim, den Staatlichen Ingenieurakademien

Hildesheim/Holzminden und

der 1900 gegründeten Königlichen Baugewerkschule

Hildesheim. Kurz nach der

Gründung konnte der Standort Holzminden

dazugewonnen werden, im Jahr 1974

folgte der Standort Göttingen. Aktuell studieren

knapp 6.000 Menschen in sechs

Fakultäten und einem Fachbereich, etwa

190 Professoren und 200 Mitarbeiter sind

derzeit an der HAWK beschäftigt. VS

Im Jahr 1926 gegründet und seit 1962

in Nienburg ansässig hat sich die heutige

DEULA-Nienburg zu einem modernen Ausbildungs-

und Qualifizierungszentrum mit

insgesamt 50 Mitarbeitern entwickelt. Sie

bietet Erwerbstätigen die Möglichkeit, sich

in der Agrartechnik weiterzubilden, um so

den eigenen Arbeitsplatz zu sichern und

berufliche Chancen zu verbessern. Dafür

entwickelt die DEULA-Nienburg ständig

neue Bildungs- und Qualifizierungsangebote,

hat seit 1998 ein durch Lloyd´s Register

Quality Assurance Limited geprüftes

Qualitätsmanagement aufgebaut und ist als

Bildungsträger durch die Hanseatische Zertifizierungsagentur

ausgezeichnet.

Die DEULA-Nienburg wird seit 1992 in

Form einer gemeinnützigen GmbH geführt.

Die drei Anteilseigner sind die Landwirtschaftskammer

Niedersachsen, der Landkreis

Nienburg und der Verband Garten-,

Landschafts- und Sportplatzbau Niedersachsen/Bremen.

Die DEULA Nienburg

unterhält zur Durchführung ihrer Aufgaben

vielfältige Verbindungen zu anderen

Institutionen und Einrichtungen. VS

Näheres zum Ausbildungsangebot unter

www.deula-nienburg.de

Mit der Umbenennung von Hochschule in

Universität Vechta hat die Hochschule den

Sprung zur eigenständigen und selbstbewussten

Universität geschafft. Der Profilierungsanspruch

zeigt sich in einem unverwechselbaren

Studienangebot. Bewusst

stellt die Universität relevante Zukunftsfragen

der Gesellschaft in den Mittelpunkt:

Bildung, Altern, sozialer und kultureller

Wandel sowie der ländliche Raum.

Die Fokussierung auf den ländlichen Raum

erfolgt hierbei bewusst standortbezogen zur

Abgrenzung gegenüber urbanen Räumen

und eröffnet eine zusätzliche Forschungsperspektive

auf internationaler Ebene.

Die Basis von Forschung und Lehre bilden

langjährige Erfahrungen in der Lehrerbildung

mit einem derzeit 17 Fächer umfassenden

Angebot im Bachelor und dem

konsekutiven Master of Education. Einen

weiteren Schwerpunkt bilden die sozialen

Dienstleistungen mit der Gerontologie, der

sozialen Arbeit sowie dem Dienstleistungsmanagement

für soziale Dienstleistungen.

Disziplinenübergreifende Schwerpunkte in

Forschung und Lehre sind zudem Kulturwissenschaften,

Agrar- und Ernährungswissenschaften,

Regionalentwicklung und

Landschaftsökologie.

VS

Bildnachweis: Weserbergland AG, Landkreis Emsland, Bundeswehr/Andrea Bienert

Bildnachweis: HAWK - Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst, DEULA-Nienburg GmbH, Ferdinand Kokenge


egjo Niedersachsen interview 13

„Über den Bildungsföderalismus

grundsätzlich neu nachdenken“

Prof. Wolfgang Lücke, Vizepräsident für Studium und Lehre an der Universität Göttingen, über Erstsemesteransturm,

die Schwierigkeiten einer langfristigen Hochschulfinanzierung und die Veränderungsfähigkeit der Hochschulen.

Interview: Sven Grünewald Fotografie: Ronald Schmidt

Sehen Sie mit den nun teils minderjährigen

Studienanfängern ein „Reifeproblem“ auf

die Universitäten zukommen?

Wir haben eigentlich kein Problem mit

der Reife, sondern damit, dass wir insgesamt

eine zunehmend sehr unterschiedliche

Studierendenklientel haben. Durch die

Offene Hochschule werden in Zukunft auch

ältere Studierende auf uns zukommen. Die

haben dann vielleicht ein Durchschnittsalter

von 27 und wenn die neben 17-Jährigen

in der gleichen Veranstaltung sitzen,

müssen wir lernen, mit diesen Unterschieden

umzugehen.

Die Umstellung auf Bachelor und Master

ist inzwischen fünf Jahre her. Wenn Sie

Bilanz ziehen, was hat sich gegenüber

früher verändert – zum Positiven wie

Negativen?

Zum Teil sind einige Studiengänge sogar

schon seit zehn Jahren umgestellt. Wir hatten

bei der Umstellung aber das Problem,

den alten Betrieb für die Abwicklung von

Diplom und Magister aufrechtzuerhalten,

gleichzeitig mussten aber die neuen Studiengänge

eingeführt werden. Da kam es

natürlich zu Übergangsproblemen, dazu

muss man sich bekennen. Wir haben aber

auch – und das ist für mich ein ganz entscheidender

Punkt – manchmal zu stark

strukturiert. Aber wir sind dabei, das zu

ändern, indem wir zum Beispiel den Wahlbereich

in allen Studiengängen weiter ausdehnen.

Die Fehler können wir jedoch nur

korrigieren, wenn die Studierenden uns

sagen, was wir falsch gemacht haben. Hier

sind intensive Gespräche gelaufen und so

weit ich das aus der Studierendenschaft

erfahre, haben sich die Dinge doch positiv

entwickelt. Viele Dinge müssen aber

weiter optimiert werden: die Anerkennung

von Abschlüssen anderer Hochschulen,

der internationale Austausch. Wenn

das gelingt, wird man sehen, dass Bologna

sehr viel bewirkt hat.

Nur noch in Bayern und Niedersachsen

gibt es Studienbeiträge, andernorts wurden

sie gar nicht erst eingeführt, abgeschafft

oder wurde deren Auslaufen

beschlossen. Wenn es 2013 in Hannover

einen Regierungswechsel zu Rot-Grün

geben sollte, so eine der großen Ankündigungen,

erscheint eine Abschaffung

der Studienbeiträge wahrscheinlich. Was

würde das bedeuten?

Dass wir bestimmte Maßnahmen in der

Lehre nicht mehr so weiterführen können

– wenn die Studienbeiträge ohne Kompensation

wegfallen. Ich hoffe, dass die

Landesregierung, die dann federführend

tätig sein wird, das erkennt und nicht die

ohnehin schon unzureichende Finanzierung

dadurch verschlimmert, dass man in

dem Bereich noch Geld einspart. Ich habe

nichts dagegen, wenn man die Studienbeiträge

abschafft, aber nicht ohne Kompensation.

Es muss unbedingt sichergestellt

sein, dass Maßnahmen, die sich bewährt

haben, langfristig weitergeführt werden.

Bildung und Lehre sind Daueraufgaben

und die kann man nicht je nach politischer

Lage mal mehr oder weniger finanzieren;

darauf muss man sich verlassen

können. Wenn man die Beiträge abschafft,

gibt es aber ein weiteres Petitum von meiner

Seite, das unabdingbar ist. Die Studierenden

haben durch die Verteilung der

Studienbeiträge auch Verantwortung für

ihre Hochschule übernommen, in meinen

Augen hier in Göttingen in einer vorbildlichen

Weise. Und wenn Kompensationszahlungen

erfolgen, dann sollte sichergestellt

sein, dass die Studierenden auch

weiterhin über die Ausgaben mit entscheiden

können.

Was wären denn in Ihren Augen Strategien

für eine langfristige und nachhaltige Finanzierung

der Hochschulen?

Dass der Staat die wesentliche Finanzierung

durchführen muss, ist völlig klar.

Es ist für mich aber ein unerträglicher

Zustand, dass man über den Föderalismus

ausgerechnet in der Bildungspolitik eine

Struktur geschaffen hat, in der der Bund im

Grunde gar nichts mehr in Bildung investieren

kann. Da haben sich die Länder eine

„Last“ aufgeladen, die sie auf Dauer nicht

alleine finanzieren können. Das sieht man

an Programmen wie der Exzellenzinitiative

oder auch dem Hochschulpakt – die werden

vom Bund angetrieben, um Geld in

die Hochschulen zu bekommen. Das sind


egjo Niedersachsen interview 15

Thomas braucht eher

Englischtraining im

technischen Bereich.

Nicole müsste eigentlich

jetzt Ihren Sohn aus dem

Kindergarten abholen.

aber problematische Lösungen, weil wir nach dem Auslaufen dieser

Förderungsphasen die Weiterfinanzierung sicherstellen müssen.

Das ist in der Lehre im Vergleich zur Forschung besonders

schwierig. Über den Bildungsföderalismus muss man grundsätzlich

neu nachdenken.

Robert kommt heute nicht - er muss

ja noch den Kundenauftrag erledigen.

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Sehen Sie da eine politische Bewegung?

Im Augenblick nicht.

Stichwort Qualitätssicherung in der Lehre und dem wissenschaftlichen

Output. Guttenbergs Plagiatsaffäre noch gut

im Gedächtnis – wie kann eine bessere Qualitätssicherung

aussehen?

Zunächst: Eine Plagiatsaffäre wie bei Guttenberg hätte es in Göttingen

nicht gegeben. Wir hätten als Hochschule bereits in dem

Moment, als der Verdacht aufkam, ein Strafverfahren eingeleitet.

Mittlerweile haben wir Plagiatssoftware in Gebrauch und werden die

auch verstärkt einsetzen. Arbeiten, die hier vorgelegt werden, werden

über kurz oder lang geprüft – Dissertationen, auch Master- und

Bachelorarbeiten prüfen einige Fakultäten schon. Das Ziel einer Universität

muss aber sein, den Studierenden gleich im ersten Semester

zu zeigen, wie wissenschaftlich anspruchsvoll, ordentlich, sauber

und korrekt gearbeitet wird. Ebenso wichtig ist, dass Hochschulen

gleich von Anfang an ihren Nachwuchswissenschaftlern Unterstützung

darin anbieten, wie man gute Lehre macht. Wir bauen zusammen

mit der TU Clausthal eine gemeinsame Hochschuldidaktik auf.

Damit entsteht hier etwas, das es in dieser Form am Standort bisher

nicht gibt. Bei Berufungen wird die didaktische Qualifikation

in Zukunft eine immer größere Rolle spielen. Die Lehre erfährt in

Deutschland insgesamt eine Aufwertung.

Wie veränderungsfähig ist die Hochschule von innen heraus? Die

Universität Göttingen hat zum Beispiel mit dem Ideenwettbewerb

zur Verbesserung der Studienqualität ihre Studierenden aktiv in

die Entwicklung der Hochschule eingebunden.

Es gibt inzwischen viele Dinge, die von Studierenden angeregt

worden sind, das forschungsbasierte Lernen etwa. Das ist

so erfolgreich, dass wir es jetzt in ein größeres Finanzierungsprogramm

aufgenommen haben. Wir haben eine Initiative,

„Greening the University“, die dazu geführt hat, dass wir unter

anderem mit der Stadt ein gemeinsames Klimaschutzkonzept verankern

werden. Diese Initiativen tragen durchaus Früchte, aber

wir müssen uns noch mehr bemühen, diese auch umzusetzen.

Allgemein ist eine ganz wesentliche Komponente, auch aus Studienbeiträgen

finanziert, die Ombudsstelle für Beschwerden der

Studierenden, die wir jetzt weiter ausbauen. Dieses Beschwerdemanagement

gibt es erst an vielleicht 20 Hochschulen in Deutschland.

Daraus lernen wir viel darüber, was wir falsch und besser

machen können. Es hat sich dazu ein Kreis von Hochschulen

etabliert, die sich über die Frage austauschen, wie man mit studentischen

Beschwerden und Hinweisen umgeht. Wir werden

weiter daran arbeiten, Systeme zu etablieren, die das Beschwerdemanagement

auf der einen und das Ideenmanagement auf der

anderen Seite miteinander verquicken, um daraus Handlungsanleitungen

für Verbesserungen im Bereich Studium und Lehre

zu gewinnen. Das wird zu deutlichen Veränderungen führen.

Prof. Wolfgang Lücke

Geboren 1956 studierte er später an der Universität Göttingen

Agrarwissenschaften. 1993 wurde er auf eine Professur ebenfalls

an der Universität Göttingen berufen. Vor seiner Tätigkeit als Vizepräsident

für Studium und Lehre war er Studiendekan und Dekan

an der Fakultät für Agrarwissenschaften.


16 landwirtschaft regjo niedersachsen regjo niedersachsen landwirtschaft 17

Erfolg ernten!

Niedersachsen ist Deutschlands Agrarland Nummer 1. Neben innovativen Anbaumethoden

haben modernste Landmaschinen die einst handwerkliche Landwirtschaft in einen hoch

effizienten Industriezweig verwandelt. Während der Fachmesse Agritechnica wird Hannover

wieder zum internationalen Zentrum der Branche.

Bild © Ronald Schmidt


18 landwirtschaft regjo niedersachsen regjo niedersachsen landwirtschaft 19

Die „stärkste Häckslertechnik

der Welt“ – der Big X 1000

Exakt-Feldhäcksler der

Firma Krone aus Spelle.

Bild © Krone


20 landwirtschaft regjo niedersachsen regjo niedersachsen landwirtschaft 21

Maschinenvielfalt aus Hasbergen: Die Amazonen-Werke sind Spezialist

für Düngerstreuer, Sämaschinen, aktive und passive Bodenbearbeitung,

Einzelkornsämaschinen und Pflanzenschutzspritzen.

Text: Angela Andresen-Schneehage

Die Agritechnica ist die führende Fachausstellung für Agrartechnik

und eine international beachtete Bühne für Weltpremieren.

Wenn sich im Herbst wieder die Tore der Messehallen in Hannover

zu diesem einzigartigen Forum öffnen, werden Innovationen

gezeigt, Trends gesetzt und Visionen diskutiert. Branchenschwerpunkte

sind die Land- und Forstwirtschaft.

War bereits die letzte Agritechnica vor zwei Jahren eine

Rekordveranstaltung mit 355.000 Besuchern aus aller Welt, so

sieht der Veranstalter, die DLG (Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft),

auch dem kommenden Messe-Ereignis mit großen Erwartungen

entgegen. Mit 2.600 Unternehmen und Organisationen aus

46 Ländern präsentieren sich 300 Aussteller mehr als im Vorjahr:

„Alle weltweit führenden Unternehmen der Branche werden auf

der Agritechnica 2011 vertreten sein und ihre aktuellen Neuheiten

präsentieren“, kündigt Projektleiterin Freya von Rhade an. „Fast

jeder zweite Aussteller kommt aus dem Ausland nach Hannover.

Hier treffen die Unternehmen nicht nur auf Profi-Landwirte, Investoren

und die wichtigsten Kunden aus Industrie, Handel und Forschungseinrichtungen,

sondern auch auf die Vertreter aus Politik,

Beratung und Verbänden.“

Aufgrund der erwarteten weltweiten Nachfragesteigerung

nach Lebensmitteln und Biomasse aus Agrarrohstoffen hat die

Landwirtschaft sehr gute Perspektiven. Und niedersächsische

Unternehmen haben einen großen Anteil am Erfolg der Landwirte

auf der ganzen Welt. Wird irgendwo auf diesem Globus

ein Acker großflächig gedüngt, ein Hühnerstall optimal belüftet

oder ein Hopfengarten kraftstoffsparend abgeerntet, dann war es

möglicherweise niedersächsisches Know-how, das diese Arbeiten

ermöglichte.

Für Meilensteine in der Landtechnik sorgen seit Jahrzehnten

die Amazonen-Werke in Hasbergen. Mit ihren Kombinationen

aus Bodenbearbeitungs- und Sämaschinen wurde schon in

der Nachkriegszeit begonnen, den Bauern die Arbeit erheblich zu

erleichtern. Auch die Dünge- und Pflanzenschutztechnik trägt bis

heute kontinuierlich zu einer Effizienzsteigerung in der Landwirtschaft

bei. Darüber hinaus geht es dem mittelständischen Familienunternehmen

bei vielen Innovationen verstärkt darum, die

natürliche Leistungsfähigkeit der Ressourcen Boden, Luft und Wasser

zu erhalten. Beispiele dafür sind GPS-Teilbreitenschaltungen

und Mulchsaattechniken. Im Dialog mit Wissenschaft und Praxis

arbeiten die Ingenieure der Amazonen-Werke an der Entwicklung

von Maschinen und Verfahren für den „Intelligenten Pflanzenbau“.

Etwa 80 Prozent der in den Amazonen-Werken produzierten

Maschinen gehen in den Export und werden weltweit in

über 70 Ländern eingesetzt. Im Vorfeld der Agritechnica 2011 wurden

fünf Amazone-Neuheiten mit Silbermedaillen ausgezeichnet.

Bei der Kotte Landtechnik GmbH in Rieste im Kreis Osnabrück

dreht sich alles um die Gülle. Ob als Einachser, Tandemwagen

oder Schwanenhals, mit Ansaugrüssel oder Schleppschlauchverteiler,

mit einem Fassungsvermögen von 5.000 oder 33.000 Litern

Bild © Amazone


22 landwirtschaft regjo niedersachsen regjo niedersachsen landwirtschaft 23

Bild © Big Dutchman International

– die Produktpalette in Sachen Güllewagen

ist umfangreich; das 1892 gegründete und

heute in vierter Generation geführte Familienunternehmen

ist auf diesem Segment

deutscher Marktführer. Die 75 Mitarbeiter

stellen jedes Jahr rund 500 Güllewagen her

und erwirtschafteten im abgeschlossenen

Geschäftsjahr einen Umsatz von etwa 27

Millionen Euro.

Aus einer vor 150 Jahren in Damme

gegründeten Dorfschmiede hat sich die

Grimme Landmaschinenfabrik zum weltweit

führenden Anbieter für innovative

Kartoffel-, Zuckerrüben- und Gemüsetechnik

entwickelt. Auf der Agritechnica

wurde das Unternehmen in der Vergangenheit

bereits vielfach mit Gold- und Silbermedaillen

für seine neu entwickelten

Maschinen zur Pflanz-, Lager- und Erntetechnik

ausgezeichnet. Im letzten Durchgang

der Messe vor zwei Jahren stellte die

Grimme GmbH den weltweit ersten sechsreihigen,

selbstfahrenden Zuckerrübenroder

mit 40 km/h Straßenzulassung vor.

Eine dominierende Rolle in der Erfolgsgeschichte

des Unternehmens spielt ebenfalls

der Export: In mehr als 100 Ländern

der Erde rollen seine Hochleistungsblattmulcher,

Häufeldammformer, Krautputzer

und Kartoffelvollernter über die Äcker. Auf

der Agritechnica 2011 in Hannover wird

die Grimme Landmaschinenfabrik gleich

drei der begehrten DLG-Silbermedaillen für

richtungweisende Neuheiten erhalten.

Zu den gleichermaßen traditionsreichen

wie innovativen Unternehmen gehört

die Krone Gruppe in Spelle. Mit über 2.500

Mitarbeitern zählt sie nicht nur bei der Herstellung

von Nutzfahrzeugen zu den Weltmarktführern,

sondern auch als Produzent

im Bereich der Landtechnik. Der Betrieb

entwickelt und baut schlagkräftige Maschinen

für Futtererntetechnik. Mit Produkten

wie den international erfolgreich

arbeitenden Mähaufbereitern BiG M, dem

leistungsstarken Häckslerprogramm, den

Ladewagen oder Rundballen- und Großpackenpressen

machte Krone im vergangenen

Geschäftsjahr einen Umsatz von über

325 Millionen Euro; mehr als zwei Drittel

davon im europäischen Ausland und

in Übersee. Zahlreiche Produktneuheiten

aus Spelle wurden in Anerkennung der

praxisorientierten Innovationen während

der letzten Durchgänge der Agritechnica

mit Gold- und Silbermedaillen ausgezeichnet.

Und auch die diesjährige Landtechnikmesse

glänzt für Krone wieder golden:

Prämiert wird die weltweit erste Rundballenpresse,

die alle Arbeitsschritte – das

Sammeln, Pressen, Abbinden und Entladen

der Ballen – zeitsparend während der Fahrt

erledigen kann.

Dass die Big Dutchman GmbH auf derartige

Ehrungen verzichten muss, ist allein

der Tatsache geschuldet, dass sie nicht zu

den Ausstellern der Agritechnica gehört.

Der Grund: Die Technologie dieses Unternehmens

ist nicht auf Feldern und Wiesen

im Einsatz, sondern in Ställen. Die Big

Dutchman GmbH beliefert Landwirte und

Tierhalter auf der ganzen Welt mit Stall-

Kleingruppenhaltung von Legehennen. Die Anlagen von Big Dutchman International aus

Vechta bieten jeder Henne 800-900 cm 2 Fläche, abgedunkelte Nester zur Eiablage, erhöhte

Sitzstangen und 900 cm 2 Einstreubereich pro zehn Hennen zum Scharren und Picken.

In Deutschland werden nur zehn Prozent der Hennen in solchen Anlagen gehalten.


24 landwirtschaft regjo niedersachsen regjo niedersachsen landwirtschaft 25

Bild © DLG (2)

Die Agritechnica – alle zwei Jahre findet

in Hannover die weltgrößte Landwirtschaftsmesse

statt. Die niedersächsischen Hersteller

von Agrartechnik gehen regelmäßig mit

Auszeichnungen nach Hause.

Bild © Seefeldt, Big Dutchman International (2), Krone

einrichtungen aller Art und gilt als Marktführer der Branche. Ob

Kleinbetrieb oder Großfarm, ob in der Wüste Saudi-Arabiens oder

im eiskalten Sibirien, ob Geflügelhaltung oder Schweinemast –

die mehr als 700 Mitarbeiter im Stammhaus in Vechta-Calveslage

sowie weitere 1.800 Arbeitskräfte weltweit konzipieren und

realisieren praxisorientierte Lösungen für die unterschiedlichsten

Anforderungen. Zu den Produkten des Unternehmens zählen automatisierte

Fütterungssysteme ebenso wie die Klimaregelung in

Stallanlagen oder elektronische Steuerungseinheiten für effektives

Fischfarmmanagement. Innovationen des Unternehmens modernisieren

die Tierhaltung seit über 70 Jahren.

Spitzentechnologie für die energetische Nutzung von Agrarrohstoffen

kommt aus dem Südosten Niedersachsens. BMA

Braunschweigische Maschinenbauanstalt AG liefert Maschinen,

Apparate und Ausrüstungen für die Verarbeitung nachwachsender

Rohstoffe in industriellem Maßstab. Dabei konzentriert sich das

1853 gegründete Unternehmen insbesondere auf die Zucker- und

Stärkeindustrie. Das Leistungsspektrum von BMA für die weltweiten

Kunden erstreckt sich von Planung und Beratung über

Fertigung, Montage und Inbetriebnahme bis hin zu Service und

Schulungen. Zu den Kernkompetenzen im Industriezweig Zucker

gehören unter anderem Extraktion beziehungsweise Diffusion zur

Saftgewinnung sowie Kristallisation, Zentrifugation und Trocknung

als Verfahren zur Endproduktherstellung.

Insgesamt gibt es in Niedersachsen mehr als 30 Hersteller von

landwirtschaftlichen Fahrzeugen und Maschinen, die fast 6.000

Mitarbeiter beschäftigen. 53 Prozent ihrer Produktion gehen in

den Export und verdeutlichen das Renommee niedersächsischer

Agrartechnik. Eine Schlüsselindustrie, die auch in Zukunft von

großer Bedeutung für das Land sein wird.

Eine wichtige inländische Zielgruppe für die Landmaschinenindustrie

sind – insbesondere bei hochpreisigen Spezialmaschinen

– die Lohnunternehmen. Diese landwirtschaftlichen Dienstleister

bilden mit rund 500 Unternehmen und 7.000 Arbeitnehmern

ihrerseits einen wichtigen Wirtschaftsfaktor innerhalb des niedersächsischen

Agrargewerbes. Sie übernehmen zunehmend ganze

Arbeitsketten für die Landwirte, zum Beispiel

bei der Ernte oder der Bestellung der

Felder. Manche Viehbauern konzentrieren

sich inzwischen fast vollständig auf die

Betreuung ihrer Tiere und geben die Ackerund

Feldarbeit komplett in die Verantwortung

der Lohnunternehmen. Diese garantieren

ihren Auftraggebern nicht nur die

neueste Technik, sondern zugleich auch das

für die Bedienung erforderliche geschulte

Personal. „500 Mio. Euro Umsatz erzielten

die Dienstleistungs-Betriebe im vergangenen

Jahr“, sagt Andrea van Eijden,

Präsidentin der Landesgruppe Niedersachsen

im Bundesverband der Lohnunternehmen

(BLU). „Etwa ein Viertel der reinen

Dienstleistungsumsätze investieren sie Jahr

für Jahr in ihre technische Ausstattung,

denn die Lohnunternehmer sind Pioniere

im Einsatz von Landtechnik. Der Einsatz

von Spezialmaschinen ist längst die Sache

der Lohnunternehmer geworden. All dies

kommt der Wirtschaftskraft auf dem Lande

zugute.“

Auch der BLU wird auf der diesjährigen

Agritechnica mit einem großen Stand

in Hannover vertreten sein und zu aktuellen

Themen wie der Berufsausbildung zur

Fachkraft im Agrarservice informieren.

Die Hälfte der niedersächsischen Landesfläche

wird heute landwirtschaftlich

genutzt. Etwa 50.000 bäuerliche Betriebe

zwischen Harz und Nordsee bewirtschaften

Ländereien von insgesamt 2,7 Millionen

Hektar, um Lebensmittel, Futtermittel

und Agrarrohstoffe zu produzieren. Mit

der Arbeit eines einzigen Landwirts können

heute etwa 120 Menschen ernährt

Die vielen Facetten von Landwirtschaft in Niedersachsen: Schafe – eine der wenigen

verbliebenen Nutztierarten, die noch outdoor gehalten werden. Hühnchen und Fische

werden mittlerweile im industriellen Maßstab für den Massenverbrauch gezüchtet, die

Feldarbeit ist ebenfalls hochgradig technisiert.


26 landwirtschaft regjo niedersachsen regjo niedersachsen landwirtschaft 27

Wirbelschicht-Verdampfungstrockner der

BMA Braunschweigische Maschinenbauanstalt AG.

Der Anlagenbauer produziert unter anderem

riesige Trockner für die Zucker-, Stärke- und

die allgemeine Nahrungsmittelindustrie.

Hier: Nordzucker-Werk Uelzen.

Bild © Amazone

werden. Zum Vergleich: 1950 waren es nur zehn! Diese Steigerung

der Arbeitsproduktivität ist neben der kontinuierlich weiterentwickelten

Landtechnik auch den Zuchtfortschritten in der Tierund

Pflanzenproduktion zu verdanken.

Zu den führenden Unternehmen der Pflanzenzüchtung zählt

die in Einbeck ansässige KWS Saat AG. Seit über 150 Jahren züchten

die Saatgutspezialisten landwirtschaftliche Nutzpflanzen für

die gemäßigte Klimazone und sind international in 70 Ländern

präsent. Mehr als 100 Wissenschaftler arbeiten für die KWS im

Bereich Forschung und Entwicklung und ziehen immer leistungsfähigeres

Saatgut heran. Ob Zuckerrüben, Raps oder Mais, Getreide

oder Kartoffeln – zu den Anforderungen, die Forschung und Landwirtschaft

an hochwertiges Saatgut stellen, zählen die hohe Resistenz

gegen Krankheiten und Erreger, ein stabiler Ertrag sowie hohe

Qualität. Bei ihren Pflanzenzüchtungen nutzen die Entwickler

neben der klassischen Züchtung auch die Möglichkeiten der Biotechnologie,

darunter die Agrogentechnik. Für eine Weltneuheit

sorgte das Einbecker Unternehmen mit der „Energie-Rübe“, die

speziell für die Verwendung in Biogasanlagen entwickelt wurde.

Umwelt- und Naturschutzverbände sehen in der gestiegenen

Effizienz in der Landwirtschaft jedoch keinen uneingeschränkten

Grund zur Freude. Der BUND Landesverband Niedersachsen

kritisiert Entwicklungen, die sich immer weiter von der bäuerlichen

Landwirtschaft entfernen und zunehmend in eine industrielle

Produktion münden. Mit anderen Akteuren hat der BUND

sich daher zu dem Bündnis „Bauernhöfe statt Agrarfabriken“

zusammengeschlossen.

Und auch die Mitglieder des NABU-Landesfachausschuss

(LFA) Landwirtschaft wollen ein „Weiter so!“ auf dem Agrarsektor

nicht hinnehmen. „Die Ausübung der Landwirtschaft beeinflusst

Natur, Umwelt sowie die Artenvielfalt entscheidend und damit

auch die Lebensqualität der Menschen“, betonte NABU-Sprecher

Alfred Fahldieck. „Vor dem Hintergrund von jährlich etwa sechs

Milliarden Euro Fördermitteln aus Steuertöpfen dürfen landwirtschaftliche

Produktionsmethoden nicht ausschließlich auf einen

möglichst hohen wirtschaftlichen Gewinn ausgerichtet werden.

Sie müssen vielmehr zwingend auf Natur- und Umweltschutz zum

Wohle der Menschen und zukünftiger Generationen verpflichtet

werden.“ Erforderlich seien deshalb Produktionsformen, die Ressourcen

nachhaltig nutzen, gesellschaftliche Folgekosten vermeiden

und der Erzeugung hochwertiger Lebensmittel dienen. In

einem Positionspapier fordert der NABU deshalb ein Ende der Massentierhaltung,

die Erhaltung von Grünlandflächen, gesunde und

ökologische Landwirtschaft, die Förderung der Biodiversität, den

Erhalt von Wegesrändern und Gewässerrandstreifen als Biotope

sowie Augenmaß bei der Produktion von Bioenergie.

Bild © BMA Braunschweigische Maschinenbauanstalt AG


egjo niedersachsen technik 29

AWADO Deutsche Audit GmbH

Wirtschaftsprüfungsgesellschaft

Steuerberatungsgesellschaft

Wechseln

mit

Vertrauen

Seit 1856 versteht man sich bei der KWS SAAT AG aus Einbeck auf die

Züchtung von ertragreicheren und resistenteren Nutzpflanzen. Heute ist

das Unternehmen einer der Global Player in der Planzenzüchtung und

Saatgutproduktion.

Zukunft säen

Im kleinen Einbeck fernab der Metropolen arbeitet einer der Global Player in der Züchtung und Entwicklung neuen

Saatguts – die KWS SAAT AG. Besonderen Wert legt man auf den engen Kontakt zu seinen Kunden.

Generationswechsel

Die richtige Nachfolge

Sie leiten seit Jahren erfolgreich ein mittelständisches

Unternehmen. Es ist ihr

Lebenswerk und neben der Familie der

Mittelpunkt. Da fällt es nicht leicht, sich

um den Rückzug Gedanken zu machen.

Doch so langsam rückt das Thema Ruhestand

näher und die Frage, wie es mit der

Firma weiter geht, bleibt zu beantworten.

Wie sehen Ihre Zielvorstellungen aus?

Wir geben Antworten und leisten

Hilfestellung. Sprechen Sie uns

gerne an.

www.awado-wpg.de

Steuerberaterin

Dr. Kerstin Grünberg

Geschäftsführerin

Ansprechpartnerin

Bereich Wirtschaft

Telefon: 0385 3433 - 2248

kerstin.gruenberg@awado-wpg.de

Wirtschaftsprüfer

Jan B. Töppe

Geschäftsführer

Ansprechpartner

Bereich Wirtschaft

Telefon: 0511 9574 - 281

janb.toeppe@awado-wpg.de

Standort Hannover

Hannoversche Straße 149

30627 Hannover

Baunatal | Berlin | Bremen | Hannover | Leipzig | Neu-Isenburg | Rendsburg | Saarbrücken | Schwerin

Text: Volker Schönfeldt Fotografie: KWS SAAT AG

„Wir leben vom Vertrauen der Landwirte“, so äußerte sich Dr. Carl-

Ernst Büchting, der 2010 verstorbene Ehrenvorsitzende des Aufsichtsrates

der KWS SAAT AG aus Einbeck. Die KWS ist heute

eines der weltweit führenden Pflanzenzüchtungsunternehmen mit

Aktivitäten in mehr als 70 Ländern der Erde und etwa 60 Tochter-

und Beteiligungsgesellschaften – und blickt auf eine 150-jährige

Tradition in der Züchtung landwirtschaftlicher Nutzpflanzen

zurück. Als Familienunternehmen legen die Einbecker zudem großen

Wert auf Eigenständigkeit und Unabhängigkeit. Der Umsatz im

Geschäftsjahr 2010/11 betrug 855 Mio. Euro, weltweit sind zurzeit

in der KWS Gruppe knapp 3.600 Mitarbeiter beschäftigt.

Mit modernsten Züchtungsmethoden entwickelt KWS Nutzpflanzen

für eine umweltverträgliche Landwirtschaft; hochwertiges

Saatgut für gesunde und ertragreiche Sorten leistet einen

wichtigen Beitrag zum Erfolg der Landwirte weltweit. Die Produktpalette

ist umfassend und spiegelt immer den neuesten Entwicklungsstand

wider: Bei Zuckerrüben werden monogerme und multigerme

Sorten für alle Ansprüche und Bedingungen bereitgestellt,

Mais steht als Silo- und Körnermais in allen Reifegruppen zur

Verfügung, an Getreidesorten werden Weizen, Hybridroggen und

Gerste entwickelt und an Ölsaaten Raps und Sonnenblume – und

nicht zu vergessen natürlich die ganz klassische Kartoffel. Auch für

den Anbau von Energiepflanzen bietet KWS inzwischen ein breites

Angebot geeigneter Mais-, Zuckerrüben-, Getreide-, Raps- und

Sorghumsorten. Ziel der Züchtungsarbeit ist es, jeden Landwirt mit

individuellen Lösungen zu unterstützen. Und ganz gleich, ob dieser

konventionell oder ökologisch wirtschaftet – für die jeweiligen

Zwecke hat KWS optimale Sorten entwickelt, die Hand in Hand

mit einer ausführlichen Beratung gehen. An deren Qualität stellt

KWS ebenso hohe Ansprüche wie an das Saatgut selbst: Rund 140

Berater stehen allein in Deutschland im direkten Dialog mit Landwirten,

um fachkundig und direkt vor Ort auf individuelle Anforderungen

und Bedürfnisse einzugehen. Gleichzeitig entsteht mit

dem engen Kontakt eine wichtige Rückkopplung, die in die Entwicklung

neuer Sorten Eingang findet.

Das Ohr bei den Kundenwünschen und eine entsprechende

Voraussicht sind unabdingbar für den Erfolg in der Branche – bis

zu 15 Jahre dauert die Entwicklung neuer Sorten. KWS investiert

daher jährlich rund 15 Prozent seines Umsatzes in Forschung und

Entwicklung. Etwa 1.200 Mitarbeiter – ein Drittel der gesamten

Belegschaft – arbeiten in diesem Bereich. Die Zielrichtung ist klar:

„Die Zukunft gehört innovativen Sorten, die gegenüber mehreren

Schaderregern und Krankheiten resistent sind und gleichzeitig

stabile Erträge sowie hohe Qualitäten liefern“, so Philip von

dem Bussche, Vorstandssprecher der KWS. „Wir stellen uns damit

den besonderen Herausforderungen in der Landwirtschaft, die sich

aus dem wachsenden Nahrungs- und Energiebedarf, dem Klimawandel

sowie den gesellschaftlichen Veränderungen ergeben. Den

Rahmen steckt für uns jedoch der verantwortungsvolle Umgang

mit der Natur.“


egjo niedersachsen wirtschaft 31

LOGISTIKPARTNER MIT INTERNATIONALER VERNETZUNG

Qualität und Service stehen an erster Stelle – go easy…

Das von Christian Göllner 1878 gegründete Fuhrunternehmen hat sich

gegenwärtig zu einer europaweit vernetzten Logistik-Gruppe mit vielen

autarken Niederlassungen in Deutschland, Litauen, Lettland, Polen,

Rußland, Estland, Weißrussland und der Ukraine entwickelt.

Zusätzlich gibt es feste Partnerschaften zu anderen Logistik-Unternehmen

und auch eine Kooperationspartnerschaft zur Stückgutkooperation

„ONLINE Systemlogistik“

Einzelne Pakete, Umzüge und komplette Ladungen gehen per LKW,

Flugzeug oder Schiff in die ganze Welt!

Trotz stetiger Erweiterung der Angebotspalette und permanentem

Ausbau der Logistiknetze bleibt der Grundgedanke des persönlichen

Services vor Ort immer im Mittelpunkt der Entwicklung neuer Konzepte.

Sehr früh wurde die Qualität internationalen Normen angepaßt und durch

entsprechende Zertifi kate verbrieft (DIN ISO 9001 u. 14001). Aktuell befi

ndet sich das Unternehmen in der Umsetzung der Normen der Chemieund

Lebensmittelindustrie.

Traditionell stellt die Göllner Spedition Ausbildungsplätze für verschiedene

Berufsgruppen zur Verfügung. Dies hilft nicht nur jungen Leuten auf

ihrem Weg in das Berufsleben, sondern auch das Unternehmen selbst

profi tiert von umfassend und zielgerichtet ausgebildeten Fachkräften.

Weiterbildungsmaßnahmen sichern den hohen Bildungsstand.

Links: Pelletproduktion einer Anlage von Ecoworxx aus Raddestorf. Oben: Entwicklung

von Bremssystemen bei Tietjen in Bücken.

Unser Wissen – Ihr Erfolg

DEULA-Nienburg

Max-Eyth-Straße 2

31582 Nienburg

Ausbildung und

Qualifikation

Agrartechnik

Nachhaltige Landwirtschaft

Bioenergie

Nachwachsende Rohstoffe

Handwerk (z.B. Schweißtechnik)

Industrie (z.B. CNC- Technik)

Forsttechnik

Fahrausbildung

Internationale Zusammenarbeit

+49 (0) 50 21 / 97 28 - 0

+49 (0) 50 21 / 97 28 - 10

info@deula-nienburg.de

www.deula-nienburg.de

Produktschmiede Landwirtschaft

Anlagenbau, Landwirtschaft und Energie sind die Schwerpunktbranchen im Landkreis Nienburg/Weser. Durch gezielte

Unterstützung der WIN GmbH entwickeln sich dort Innovationen, wie das Beispiel Agrartechnik zeigt.

Text: Volker Schönfeldt Fotografie: WIN GmbH

Ländlicher Raum – das sind nicht nur Kühe, Felder, idyllische Dörfer.

Die Weite Niedersachsens steht auch für Lebensmittelproduktion,

Landwirtschaftstechnik, erneuerbare Energien. Der Landkreis

Nienburg hat sich als Ideen- und Produktschmiede für diese Bereiche

profiliert. Entsprechend selbstbewusst zeigt man Flagge auf der

Agritechnica.

Es gilt als ein Plus des Wirtschaftsraums Mittelweser, dass er

nicht auf die Kernstadt konzentriert ist. Gewachsene Kompetenzen

haben Unternehmen von internationalem Rang hervorgebracht;

gleichzeitig bleibt Platz für junge Firmen, die herausragende Positionen

im nationalen und globalen Wirtschaftsgefüge erreicht haben.

„Anlagenbau, Landwirtschaft und Energie sind drei Schwerpunktbranchen“,

sagt Uta Kupsch, Geschäftsführerin der Wirtschaftsförderung

im Landkreis Nienburg/Weser GmbH, kurz WIN.

Die Firma Ecoworxx beispielsweise verbindet die drei Stärken. Präsentiert

werden in Hannover Geräte zur Herstellung von Pellets aus

Biomasse: Eine Anlage liefert Pellets für Gewerbe oder Privat, zum

Heizen, aber auch als Einstreu, zum Füttern und als Dünger.

Beim Thema „Energie“ hat der Kreis Nienburg das Image eines

norddeutschen Kompetenzzentrums. „Wir haben hier alles außer

Kernkraft“, sagt die Chefin der Wirtschaftsförderung mit gewissem

Stolz. Biogasanlagen, Windkraftwerke, Photovoltaik, Biomasse, Wasserkraft,

Geothermie – der Landkreis ist bei der Nutzung erneuerbarer

Energien Nettoproduzent. Nicht ohne Grund findet sich dort

die touristische „Energieentdeckerroute“ und auch der Blattpavillon,

die Ausstellungshalle der Expo 2000, steht im Landkreis Nienburg.

Die heimische Wirtschaft gestaltet diese Entwicklung mit –

unterstützt von der WIN, die die hohe Innovationskraft der Unternehmen

nach Außen bündelt und nach Innen vernetzt. Diese Innovationskraft

entfaltet sich auch im Maschinenbau. Unternehmen im

Kreis Nienburg haben Motoren, Anlagentechnik, Sondermaschinen

und Produkte insbesondere für die Landwirtschaft und deren

nachgegliederte Branchen im Portfolio: Spezielle Druckluftbremssysteme

ebenso wie Vibrationsanlagen für den Getreidetransport

oder technische Lösungen für die Rübenabdeckung, Motoren für

BHKW oder auch für Schwer- und Zugmaschinen konzipierte Kraftund

Schmierstoffe. „Unser Wirtschaftsraum“, bilanziert WIN-Chefin

Kupsch, „verbindet branchenspezifische, nutzerzentrierte Kompetenzen

mit Praxiserfahrung und hoher Innovationskraft – und das

verteilt auf viele Schultern!“

Kontakt:

www.win-nienburg.de

die DEULA Nienburg – jetzt auch bei facebook


32 wirtschaft regjo niedersachsen regjo niedersachsen wirtschaft 33

Text: Volker Schönfeldt Fotografie: Gerald Lampe/Foto Hölzen

Im Zentrum Nordwestdeutschlands, im Städtedreieck Oldenburg-

Bremen-Münster, hat sich das Oldenburger Münsterland zu einer

Boomregion Niedersachsens entwickelt. Seit 2000 wuchs in den beiden

Landkreisen Cloppenburg und Vechta die sozialversicherungspflichtige

Beschäftigung um 20 Prozent, das Bruttoinlandsprodukt

um 26 Prozent, die Dienstleistungswertschöpfung um 43 Prozent.

Mittelständisch strukturiert und überwiegend inhabergeführt steigerte

die Industrie ihren Umsatz seit der Jahrtausendwende deutlich

stärker als im Bundesdurchschnitt. Der Industrieumsatz stieg um 86

Prozent auf 9,7 Milliarden Euro, der Exportumsatz um 200 Prozent.

Die Region zählt zu den führenden Produktionsstandorten Deutschlands

mit großem Kundenpotenzial für den Dienstleistungssektor.

Unternehmen aus dem Oldenburger Münsterland stehen international

für Innovation und Qualität „made in Germany“. Schwerpunktbranchen

sind die Nahrungs- und Genussmittelindustrie, die

Kunststofftechnik, der Maschinen- und Anlagenbau sowie die Bauwirtschaft.

Bekannt ist es insbesondere als Agribusiness-Cluster

Oldenburger Münsterland oder auch Silicon Valley der Agrartechnologie.

Einen ersten Eindruck vermittelt ein Blick auf die Beschäftigung:

Fast jeder fünfte sozialversicherungspflichtig Beschäftigte

des niedersächsischen und fast jeder 25. des deutschen Landmaschinenbaus

ist in den Landkreisen Cloppenburg und Vechta tätig.

Das Oldenburger Münsterland zählt als renommiertes Veredelungsgebiet

zu den Innovationszentren der internationalen Agrarund

Ernährungswirtschaft. Die Landwirtschaft ist Basis und Motor

einer leistungsstarken Wertschöpfungskette. Neben der Veredelung

ist die regionale Obst- und Gemüseproduktion mit Anbauflächen

von über 4.500 Hektar ein bedeutender Wirtschaftsfaktor.

Im deutschen Lebensmittelsektor stehen Unternehmen aus dem

Oldenburger Münsterland für Qualität, Sicherheit und Vielfalt zu

wettbewerbsfähigen Preisen. Auf dieser Grundlage decken regionale

Markenproduzenten den Tisch in Europas Haushalten und

Restaurants mit Geflügel-, Schweine- und Rindfleisch, Schinkenund

Wurstwaren, Feinkost und Salaten, Ei- und Milchprodukten,

Brot- und Backwaren, Kartoffelprodukten, Obst und Gemüse sowie

Säften und Limonaden. Kennzeichnend sind eine hohe Innovationsdynamik

bei küchen- und verzehrfertigen Produkten im gesamten

Angebotsspektrum der Frisch- und Tiefkühlware. Erfolgsfaktoren

sind integrierte Produktionsketten für Qualität und Sicherheit

durch die Zusammenarbeit von Agrartechnik, Landwirtschaft und

Ernährungsindustrie sowie spezialisierter Logistik und Verpackungsindustrie

an einem Standort.

Für die Ernährung der Weltbevölkerung steht künftig pro Kopf

immer weniger nutzbare landwirtschaftliche Fläche zur Verfügung.

Um die Produktivität weiter und nachhaltig zu steigern, ist der Einstieg

in die Präzisionslandwirtschaft die zentrale Herausforderung.

Hier hat das Oldenburger Münsterland mit seinem Know-how und

seinen internationalen Absatzbeziehungen eine optimale Ausgangsposition.

Das Oldenburger Münsterland ist bekannt als internationales

Innovationszentrum der Agrartechnologie. Marktführende

Unternehmen in der Tierhaltungs- und Landmaschinentechnik entwickeln

hier im engen Schulterschluss mit der Praxis innovative

Lösungen. Durch die Automatisierung von Produktionsabläufen

sowie die Entwicklung elektrotechnischer Grundlagen für kontrol-

„Boomtown“

Oldenburger

Münsterland

Im Städtedreieck Oldenburg-Bremen-Münster erlebt das Oldenburger Münsterland

ein starkes wirtschaftliches Wachstum. Die Ernährungsindustrie und die

Kunststofftechnik sind die Treiber des Wachstums.


egjo niedersachsen wirtschaft 35

Hier sind

Deutschlands

erfolgreichste

Agrartechnik-

Unternehmen.

Ein ausführliches Produkt- und Anbieterverzeichnis des

regionalen Agribusiness mit vielen Informationen gibt

es im Internet unter www.om23.de oder kostenlos unter

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1.

2.

3.

1. Gert Stuke, Generalbevollmächtigter der Deutschen Frühstücksei GmbH, Neuenkirchen-Vörden

und Präsident der Oldenburgischen Industrie- und Handelskammer: „Unser

Unternehmen ist ein international agierender Anbieter von Schaleneiern und hochwertigen

Eiprodukten. Im Rahmen meiner Tätigkeit habe ich viele Menschen aus allen Kontinenten kennengelernt.

Im Vergleich kann ich sagen: Im Oldenburger Münsterland lässt es sich nicht nur

prima unternehmerisch tätig sein, sondern auch hervorragend leben.“

2. Stefan Wernsing, Geschäftsführer der Unternehmensgruppe Wernsing Addrup-

Essen/Oldb.: „Wernsing steht bei über 1.000 Kartoffel-, Feinkost- und Convenience-Produkten

in ganz Deutschland und im Ausland für Frische und Lieferflexibilität von der Palette bis hin

zur einzelnen Packung. Im Oldenburger Münsterland konnten wir in verkehrsgünstiger Lage und

unbürokratischer Weise auf über 150.000 m 2 Betriebsfläche wachsen.”

3. Franz Grimme, Geschäftsführer der Grimme Landmaschinenfabrik GmbH & Co. KG

Damme: „Grimme steht weltweit für marktführende Ingenieurleistungen in der Kartoffel- und

Zuckerrübentechnik. Durch die Private Fachhochschule für Wirtschaft und Technik mit der

Berufsakademie Oldenburger Münsterland erhalten wir genau die motivierten Mitarbeiter, die

wir brauchen!”

4. Josef Meerpohl, Aufsichtsratsvorsitzender und Bernd Meerpohl, Vorstandsvorsitzender

der Big Dutchman AG, Vechta: „Weltweit gilt der Name Big Dutchman als Markenzeichen

für dauerhafte Qualität, schnellen Service und unübertroffenes Know-how in der

modernen Tierhaltung. Gemeinsam mit den Landwirten, der Wissenschaft und unseren Partnerunternehmen

im Oldenburger Münsterland bringen wir ökonomische Effizienz mit Tier- und

Umweltschutz in Einklang.”

5. Heinz Dettmer, Geschäftsführer der Dettmer Verpackungen GmbH Lohne: „Seit

50 Jahren setzt Dettmer Verpackungen auf Spitzenqualität. Um den immer weiter steigenden

Anforderungen an unsere Produkte gerecht zu werden, haben wir kontinuierlich investiert

und setzen modernste Technik für die Produktion von Folien, den Druck und die Kaschierung

ein. Dazu sind gut ausgebildete, motivierte und flexible Mitarbeiter unerlässlich. Im Oldenburger

Münsterland haben wir sie, nicht zuletzt auch Dank der Fachschule Kunststoff an unserem

Standort Lohne.“

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Wir vermitteln neue Perspektiven für Forschung

und Lehre in den Bereichen Bildung, Altern, sozialer

und kultureller Wandel sowie für den ländlichen

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4.

5.

lierte Produktionssysteme haben sie maßgeblich zur vierten Agrarrevolution beigetragen.

Auf der Agritechnica in Hannover stellen 27 regionale Aussteller dies vom 13.-19. November

in den Bereichen Kartoffeltechnik, landwirtschaftliche Fahrzeuge, Bioenergie und

Umwelttechnik erneut unter Beweis.

Die Kunststofftechnik ist ein zweiter zentraler Faktor der Wirtschaftsstruktur und der

Wachstumsdynamik. Das Oldenburger Münsterland ist mit 4.723 sozialversicherungspflichtig

Beschäftigten die führende Kunststoffregion Niedersachsens. Nimmt man die Gummiverarbeitung

hinzu, belegt es nach der Region Hannover mit 5.274 sozialversicherungspflichtig

Beschäftigten Platz 2. Jeder achte Kunststoffarbeitsplatz Niedersachsens ist im

Oldenburger Münsterland! Die rund 100 kunststoffverarbeitenden Unternehmen sind international

ausgerichtet. Sie bieten ein umfassendes Angebotsspektrum an Verpackungsbehältern

und -folien, Profilen und technischen Teilen, Rohren und Gummiformteilen, Kabeln

und Steckverbindungen. Sie sind Entwicklungspartner für Markenhersteller der internationalen

Lebensmittel-, Pharma-, Kosmetik- und Automobilindustrie sowie den weltmarktorientierten

Maschinen- und Anlagenbau. Es bestehen komplexe vor- und nachgelagerte

Strukturen in den Bereichen Werkzeugbau, Recycling und Dienstleistungen.

In verschiedenen Studien namhafter Institute zum Erfolgsgeheimnis des Oldenburger

Münsterlandes ist festgestellt worden, dass insbesondere die Mentalität der Bevölkerung

für das außerordentliche Wirtschaftswachstum verantwortlich ist. Die Menschen werden

als bodenständig und verlässlich, fleißig sowie mutig und konsequent im Handeln charakterisiert.

Die Familie hat in einer der kinderreichsten Regionen Deutschlands eine hohe

Bedeutung. Die Wohn- und Freizeitqualität in den 23 Städten und Gemeinden ist hoch.

Die nachwachsende Generation findet in der Wirtschaft des Oldenburger Münsterlandes

gute Ausbildungschancen. Ihnen bietet die Region Raum für Entfaltung in der beruflichen

Selbständigkeit oder in den international tätigen Unternehmen.

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egjo niedersachsen wirtschaft 37

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AWADO sind Beratung und Begleitung von

Unternehmensnachfolgen.

Jan B. Töppe, einer der Geschäftsführer

mit Sitz in Hannover, bringt den hausinternen

Ansatz in diesem Bereich auf die

Formel: „Wir haben hier unsere 3 K’s –

Konzept, Konfliktlösung und Kommunikation,

die wir als entscheidende Faktoren

für die nachhaltig erfolgreiche Gestaltung

einer Unternehmensübergabe beziehungsweise

-nachfolge ansehen. Neben einem

langfristig angelegten, gut durchdachten

sowie mit Seniorunternehmer und Nachfolger

abgestimmten Konzept für die Übergabe

und die Zeit danach, ist vor allem die

Kommunikation rund um den Übergabeprozess

und die Lösung der emotionalen

Konflikte entscheidend für den Erfolg.

Dabei dürfen die Aspekte nicht einzeln

betrachtet werden.“

Der Fokus der AWADO liegt klar auf mittelständischen

Unternehmen aus vielen

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Sektors, darunter Banken, Handels- und

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Einrichtungen und Unternehmen.

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Unternehmen der Nahrungsmittelwirtschaft

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gehen dabei von der klassischen

Steuerberatung über die Prüfung von Jahresabschlüssen

nach nationalen und internationalen

Regelungen bis zur Erstellung von

Sachverständigengutachten und Beratung

von Unternehmen im Krisenstadium. Die

Unterstützung bei der Erstellung von integrierten

Planungsrechnungen im Rahmen

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das Angebot der AWADO nicht nur für

Agrarunternehmen ab.

Näheres zum Unternehmen unter

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egjo niedersachsen energiewende 39

Fischschwärme und

norwegische Seemanöver

Für die Umsetzung der Energiewende müssen deutsche Stromnetze zwangsweise

neu strukturiert werden. Lösungsvorschläge gibt es reichlich, doch der Wille dazu

muss letztendlich von allen Beteiligten kommen.

Bild © Greenpeace Energy


40 energiewende regjo niedersachsen regjo niedersachsen energiewende 41

Über etwa 4.500 Module verfügt die Photovoltaikanlage

der Nordseeinsel Pellworm. Die erzeugte Energie wird

anschließend in einem Hybridkraftwerk in Wasserstoff

umgewandelt und so speicherbar gemacht.

Bild © E.ON


42 energiewende regjo niedersachsen regjo niedersachsen energiewende 43

Seit 2009 befindet sich im Gewerbepark Hardegsen eine durch die

Hardegsen C4 Energie GmbH & Co. KG betriebene Biogasanlage.

Das dort erzeugte Rohbiogas wird von E.ON Mitte gekauft, um es

aufzubereiten und ins allgemeine Gasnetz einzuspeisen.

Bild © E.ON

Text: Annegret Adam

Hunderte Gemeinden versorgen sich zukünftig selbst mit Strom aus

Biomasse, hunderttausende Haushalte sind zu einem riesigen Kraftwerk

verbunden, intelligente Transformatoren regeln die bedarfsgerechte

Einspeisung von sauberem Strom in Netze und ein 570

Kilometer langes Seekabel sorgt dafür, dass Energie aus deutschen

Windkraftanlagen in norwegischen Stauseen gespeichert und bei

Bedarf jederzeit abgerufen werden kann – dies alles sind Visionen

für das Jahr 2050, die heute bereits auf den Weg gebracht sind. Bis

spätestens 2020 soll der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromversorgung

deutlich gesteigert werden, von heute 20 auf mindestens

35 Prozent. Letztendlich sollen bis 2050 Schritt für Schritt

die konventionellen Energieträger durch Energien aus Wind, Wasser,

Sonne und Biomasse ersetzt werden.

Über 5.400 Windräder drehen sich derzeit auf niedersächsischem

Boden, das sind mehr als ein Viertel aller deutschen Windräder

– Tendenz steigend. Die große Herausforderung besteht nun

darin, erneuerbare Energien in das Stromsystem zu integrieren.

Erzeugung und Verbrauch müssen aufeinander abgestimmt, die

Speichertechniken angepasst und weiter entwickelt werden, damit

die Energie nicht nur zum Zeitpunkt der Erzeugung, sondern nach

Bedarf genutzt werden kann.

Um Windenergie dann abrufbar zu machen, wenn sie benötigt

wird, arbeitet das norwegische Energieunternehmen StatNett

an den Großprojekten NorGer und Nord.Link. Das 1992 gegründete

Unternehmen plant die ersten Stromkabelverbindungen zwischen

Deutschland und Norwegen quer durch die Nordsee, um

überschüssigen Strom aus Deutschland quasi in norwegischen Stauseen

zu speichern. Herrscht in Deutschland Windstille, wird das

Wasser wieder abgelassen und damit Turbinen und Generatoren

angetrieben. Mit einer Kapazität von 1.400 Megawatt könnte das

NorGer-Kabel fast elf Terawattstunden Strom zwischen den beiden

Ländern übertragen. Das entspricht fast dem gesamten Jah-


44 energiewende regjo niedersachsen regjo niedersachsen energiewende 45

Der norwegische Energiekonzern StatNett

plant eine 570 Kilometer lange Stromkabelleitung

durch die Nordsee, um in Deutschland

produzierte Windenergie in norwegischen

Stauseen speichern zu können.

Bild © StatNett (3)

resstromverbrauch einer Stadt mit etwa 500.000 Einwohnern, wie

beispielsweise Oslo oder Hannover. Der Strom soll dann an den

Markt übertragen werden, auf dem der Großhandelspreis am höchsten

ist, durch ein Auktionsverfahren könnte er allen Händlern im

Nordischen Stromaustauschsystem NordPool und der europäischen

Energiebörse EEX zur Verfügung stehen.

„Alle notwendigen Analysen für die Projekte NorGer und

Nord.Link konnten abgeschlossen werden, das erste Kabel zwischen

Norwegen und Deutschland kann voraussichtlich zwischen

2018 und 2021 realisiert werden. Bis dahin werden beide Projekte

noch weiterentwickelt“, erklärt Gunnar Romsaas, Leiter Unternehmenskommunikation

bei Statnett. Nach Auskunft des niedersächsischen

Ministeriums für Umwelt und Klimaschutz finanziert sich

das Projekt ausschließlich aus den Umsatzerlösen des Energiehandels.

Die Netzkosten würden damit nicht belastet werden.

Zum Ausbau der Windenergie in Niedersachsen tragen zum

einen die führenden Unternehmen der Branche bei, wie die Windanlagenhersteller

Enercon aus Aurich und GE Wind Energy aus

Salzbergen. Zum anderen kommen stetig neue Unternehmen dazu,

so zum Beispiel die Firma TimberTower aus Hannover. Sie will

mit ihren Windtürmen aus Holz die bisherige Höhenbegrenzung

von Windanlagen knacken. Ziel des Holzeinsatzes ist es, bei einer

Höhe von 100 Metern 300 Tonnen Stahl und damit viel Energie

und klimaschädliches Kohlenstoffdioxid bei der Herstellung einzusparen.

Dazu stellt der TimberTower eine ökonomische Alternative

zu bekannten Turmkonzepten dar, denn mit ihm sollen sich

durch die Vergrößerung des Turmfußes größere Nabenhöhen wirtschaftlich

realisieren lassen, wodurch wiederum mehr Strom produziert

werden kann.

Doch nicht nur der Wind treibt Niedersachsen in Sachen regenerativer

Energien an, ein großer Wirtschaftsmotor bildet die Biomasseenergie.

Derzeit werden in Niedersachsen etwa 600 Biogasanlagen

betrieben. Mit einer installierten elektrischen Leistung von

etwa 370 Megawatt stammt damit rund ein Drittel des in Deutschland

produzierten Biogasstroms aus niedersächsischen Anlagen.

Ganze Dörfer werden bereits ausschließlich oder zu großen Teilen

mit Biomasseenergie unterhalten. So erzeugt die Pionier-Gemeinde

Jühnde im Landkreis Göttingen seit 2005 ihre benötigte Energie

selbst in einer Biogasanlage und einem Biomasse-Heizwerk,

ein Nahwärmenetz bringt die Energie zu den Haushalten. Gut 140

Jühnder Haushalte, das entspricht 70 Prozent der Gemeinde, sind

an das Netz geschlossen.

Doch Jühnde ist kein Einzelfall, auch andere Gemeinden

wie Vrees im Nordosten des Emslandes oder Beuchte im Landkreis

Wolfenbüttel erzeugen ihren eigenen Strom aus Biomasse.

Andere Gemeinden, wie zum Beispiel Badbergen bei Osnabrück,

sind auf dem Weg dorthin. Das Trend- und Marktforschungsinstitut

trend:research kommt in einer aktuellen Studie zu der Prognose,

dass bis 2020 fast ein Prozent der gesamten deutschen Stromerzeugung

durch Bioenergiedörfer und energieautarke Kommunen erfolgen

wird, das entspricht etwa 400 Bioenergiedörfern.

Woher die regenerative Energie kommen soll, steht damit

außer Frage – Probleme bestehen hingegen noch beim Ausbau der

Netze. Denn mit der Erhöhung des Anteils dezentral und regenerativ

erzeugter Energie sowie dem technischen Fortschritt in Energieerzeugungsanlagen

sind erhebliche Anforderungen an die bestehenden

und überalterten elektrischen Netze verbunden.

Am Energie-Forschungszentrum Niedersachsen (EFZN) in

Goslar sucht man dafür nach Lösungen. Im Auftrag der E.ON

Avancon AG wurde zum Beispiel das Forschungsprojekt „Effizienter

Netzausbau und Gasnetzsimulation“ initiiert, um Wege für

eine effizientere Netzintegration von dezentralen Erzeugungsanlagen

zu ergründen. „Bislang konnte eine gesicherte Datenlage erarbeitet

werden, die zum Beispiel deutlich macht, welche Vorgänge


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regjo niedersachsen energiewende 47

ZuhauseKraftwerke, deren wichtigste Bauteile

ein VW-Motor, ein Wärmespeicher und

eine intelligente Steuerung sind, sollen viele

Haushalte miteinander verbinden und so ein

SchwarmStrom-Netz bilden.

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im Stromnetz zu welchen Wirkungen führen“, erklärt Prof. Hans-

Peter Beck vom EFZN. „Eine Möglichkeit, um Spannung im Netz

zu regulieren, bietet ein regelbarer Ortsnetztrafo.“

Im Projekt E-Home, ebenfalls durch E.ON initiiert, werden

diese Erkenntnisse aktuell umgesetzt. Südlich von Bremen in den

Gemeinden Stuhr und Weyhe werden zwei Ortsnetze der Zukunft

aufgebaut. Insgesamt 40 Haushalte werden bei der Anschaffung

von Photovoltaikanlagen, Klimaanlagen und Elektroautos finanziell

durch E.ON unterstützt. Über einen Zeitraum von drei Jahren

sollen unter wissenschaftlicher Begleitung die Auswirkungen von

verändertem Einspeise- und Verbraucherverhalten auf die Stromnetze

gemessen und ausgewertet werden. Daraus erhoffen sich die

Projektbetreiber Erkenntnisse, wie eine stabile und sichere Stromversorgung

gewährleistet werden kann. Das Herzstück des Modellprojektes

sind die regelbaren Ortsnetztransformatoren. Hierüber

sollen die durch dezentrale Einspeisung und erhöhten Energieverbrauch

erzeugten Spannungsschwankungen im Netz automatisch

erkannt und ausgeglichen werden.

Die Lichtblick AG, mit 400 Mitarbeitern Deutschlands größter

privater, von den etablierten Energiekonzernen unabhängiger

Energieversorger, setzt hingegen gemeinsam mit Volkswagen auf

ein Konzept namens „SchwarmStrom“. In einem ZuhauseKraftwerk,

dessen wichtigste Bauteile ein VW-Motor, ein Wärmespeicher

und eine intelligente Steuerung sind, wird der SchwarmStrom

dezentral produziert. Wie ein Fisch- oder Vogelschwarm steht dieser

dabei für kleine Einheiten, die sich gemeinsam in eine Richtung

bewegen können und so eine starke Einheit bilden. Langfristig sollen

über 100.000 Haushalte in ganz Deutschland mit installierten

ZuhauseKraftwerken vernetzt werden. Die mit Gas betriebenen

Effizienzpakete versorgen Gebäude mit Wärme und die Haushalte

untereinander mit SchwarmStrom. So bilden viele kleine dezentrale

Anlagen ein großes intelligent gesteuertes Kraftwerk.

Eine weitere Möglichkeit für die flexible Nutzung regenerativer

Energien bieten Hybridkraftwerke. Ein solches wurde im Oktober

dieses Jahres im brandenburgischen Prenzlau errichtet. Bereits

seit 1983 versorgt jedoch ein kleineres seiner Art die Nordseeinsel

Pellworm mit Strom aus Wind- und Sonnenkraft. Das Hybridkraftwerk

wandelt die Energie in Wasserstoff um und macht sie

so speicherbar. Sonne und Wind ergänzen sich dabei ideal: In der

kalten Jahreszeit bläst ein starker Küstenwind und im Sommer

erreichen die Photovoltaikmodule Höchstleistungen auf Pellworm

– einem Ort, der zu den Gebieten mit dem höchsten Sonnenscheinertrag

in Deutschland zählt.

Doch nicht zuletzt müssen auch neue Hochspannungsleitungen

verlegt werden, um beispielsweise Windenergie aus Niedersachsen

in den Süden Deutschlands zu befördern und andersherum

Sonnenenergie aus dem Süden in den Norden. Allein in Niedersachsen

müssen bis zum Jahr 2015 etwa 400 Kilometer Höchstspannungsleitungen

neu gebaut werden. Die ersten Leitungen sind

bereits in Planung. Überzeugungsarbeit muss hingegen noch bei

den Bürgern geleistet werden, denn viele fürchten Einschnitte ins

Naturbild und Stromanlagen vor den eigenen Häusern. Die nie-


egjo niedersachsen energiewende 49

Von: Paul Wagner

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Das neue EEG und

seine Chancen und

Herausforderungen

Die ersten Kommunen gehen bereits mit

gutem Vorbild voran. Die Stadt Osterode

am Harz gab Mitte 2011 bekannt, Energie

nur noch aus erneuerbarer Energieproduktion

zu beziehen. Bürgermeister Klaus Becker

(Bild) fährt zudem einen BiFuel-Dienstwagen,

öffentliche Einrichtungen werden, wo möglich,

mit Pelletheizungen beheizt.

dersächsische Staatskanzlei hat das Problem erkannt und kommuniziert

neue Vorhaben frühzeitig im Internet, um rechtzeitig

Kompromisse auszuloten. So ist es bei der Leitung Wahle-Mecklar

geschehen, die Windstrom von Norddeutschland nach Süden

leiten soll. 144 Stellungnahmen von Trägern öffentlicher Belange

sowie 11.800 Stellungnahmen von Bürgern wurden in die Planungen

einbezogen. Im Ergebnis wird die Leitung nun zum Schutz

von Orts- und Landschaften und der Land- und Forstwirtschaft

abschnittsweise als Erdkabel verlegt, auch wenn Erdkabel kostenintensiver

als Freileitungen sind.

Die Nachfrage nach Ökostrom steigt indes weiter. Die Lichblick

AG, die seit 1999 Strom aus zu 100 Prozent regenerativen Energien

vertreibt, zählt seit Mitte dieses Jahres über 600.000 Kunden. Auch

die NaturWatt GmbH aus Oldenburg, welche ausschließlich mit

Energie aus Wasser-, Wind- und Sonnenkraft handelt, konnte 2010

etwa 20.000 Privat- und Gewerbekunden bundesweit direkt mit

Strom beliefern, zudem vertreiben zusätzlich 46 Stadtwerke den

NaturWatt-Strom. Bei den Stadtwerken selbst fällt die Nachfrage

nach dem sogenannten Ökostrom hingegen noch gering aus. So

bieten beispielsweise die Stadtwerke Hameln zertifizierten Naturstrom

an. Mit 1,5 Cent mehr je Kilowattstunde kann der Stromkunde

so den Ausbau regenerativer Energien zusätzlich unterstützen.

„Vor allem unter dem Eindruck der Katastrophe in Japan ist

das Interesse unserer Kunden an Ökostrom zwar gestiegen, dennoch

ist die Nachfrage nach unserem natur.strom lange nicht so,

wie wir es uns wünschen“, so Natalie Schäfer, Pressesprecherin

der Stadtwerke Hameln. Erst etwa 200 der 28.000 Stromkunden

haben sich für den Ökostromtarif entschieden.

Wie ein konsequentes Bekenntnis zur Energiewende aussehen

kann, zeigt seit Juni dieses Jahres die Stadt Osterode am Harz, die

sämtliche Verwaltungsgebäude, Schulen, Kindergärten sowie die

Stadtbücherei und öffentliche Straßen nun ausschließlich mit regenerativen

Energien versorgt. Auf etwa 16.000 Euro belaufen sich

die Mehrkosten für den städtischen Haushalt. „Das ist bei unserer

Haushaltslage viel Geld. Wir sind aber unseren Kindern und

Enkeln gegenüber in der Verantwortung. Nur auf Andere zeigen

hilft nicht weiter“, erläutert Bürgermeister Klaus Becker die Entscheidung.

Bereits seit Jahren setzt die Stadt auf umweltfreundliche

Technologien. So werden, wo dies sinnvoll ist, Heizanlagen

auf klimaneutrale Holzpelletheizungen umgestellt, Dachflächen

werden zur Montage von Photovoltaikanlagen genutzt und Blockheizkraftwerke

zur Energieerzeugung verwendet.

Die Kosten für die Energiewende werden aber nicht nur

durch die Kommunen und Energieunternehmen getragen, sondern

auch durch staatliche Finanzhilfen und Steuervergünstigungen.

Vor allem werden sie aber an die Energieverbraucher über die

Strompreise weitergegeben. Seit Mitte der 90er Jahre bis 2010 flossen

so fast 40 Milliarden Euro in den Ausbau erneuerbarer Energien.

Davon kam aber nur knapp ein Viertel der Zuschüsse aus

dem Staatsbudget. Verglichen mit der Atomenergie ist das ziemlich

wenig: Diese wurde seit 1970 mit rund 196 Milliarden Euro finanziert,

wovon gut 74 Milliarden Euro direkt aus dem Staatshaushalt

kamen. An Steuervergünstigungen für zum Beispiel energieintensive

Unternehmen müssen rund 44 Milliarden Euro hinzugerechnet

werden. Lediglich ein Drittel der Kosten wurde direkt durch

die Verbraucher getragen. Das Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft

(FÖS) hat in einer aktuellen Studie alle Finanzhilfen

zusammengerechnet und kommt zu dem Ergebnis, dass beispielsweise

eine Kilowattstunde Windstrom mit 7,6 Cent und Wasserstrom

mit 6,5 Cent gefördert werden. Hingegen summieren sich

die gesellschaftlichen Kosten für Atomkraft auf 12,8 Cent je Kilowattstunde.

Darüber hinaus nimmt das FÖS an, dass auch nach

Abschaltung des letzten Atomkraftwerkes weitere öffentliche Mittel

zum Beispiel für die Entsorgung des Atommülls oder den Rückbau

der Anlagen anfallen werden. Die gern bemühte Warnung vor

einem zu schnellen Ausbau der Erneuerbaren, dieser müsse finanzierbar

sein, ist daher auch vor allem eine extreme Verzerrung

der realen gesellschaftlichen Kosten der Energieproduktion. Die

Erneuerbaren jedenfalls sind nicht der Preistreiber in der Stromversorgung.

Was trotz vollmundiger Reden immer noch fehlt, ist

entsprechend eine konsequente Realisierung des erklärten politischen

Willens, die Energiewende zügig voranzutreiben.

Auf andere Zahlen wird von der Bundesregierung hingegen

sehr gern verwiesen, denn für die Beschäftigungszahlen bringt die

Energiewende einen enorm positiven Effekt mit sich. So waren laut

Erhebungen des Bundesumweltministeriums mehr als 367.000 Personen

im Jahr 2010 im Bereich der erneuerbaren Energien beschäftigt.

Tendenz steigend.

Bild © Stadt Osterode am Harz


50 energie regjo niedersachsen regjo niedersachsen energie 51

Eine Idee für die Energiewende

Seit 1994 baut die Windwärts Energie GmbH aus Hannover Anlagen zur Stromerzeugung aus Sonne, Wind und Biomasse.

Die Beteiligung der Bürger an den Energieprojekten hatte von Anfang an einen hohen Stellenwert.

Die Windwärts Energie GmbH ist breit aufgestellt:

Ob Wind-, Solarparks oder Biogasanlagen – die

Hannoveraner sind als Anlagenplaner und -betreiber mit

starkem Akzent auf Bürgerbeteiligung groß geworden.

Text: Katharina Wolf Fotografie: Windwärts Energie GmbH/Mark Mühlhaus/attenzione

20 Prozent. Das ist der Anteil, den die erneuerbaren Energien derzeit

am Stromverbrauch in Deutschland stellen. Damit haben sie –

wie schon so häufig – die politischen Ziele überholt: Bis 2010 sollten

die Regenerativen einen Anteil von 12,5 Prozent erreichen; schon

drei Jahre zuvor war es soweit. Gleichzeitig sammelte der Strom aus

Sonne, Wind und Biomasse Vertrauenspunkte: Noch vor wenigen

Jahren mochten nur wenige Enthusiasten darauf wetten, dass die

erneuerbaren Energien eine echte Alternative zur Energieerzeugung

aus Kohle, Gas und Uran sein können. Spätestens seit dem Reaktorunfall

von Fukushima und dem deutschen Ausstieg aus der Kernenergie

hat sich dies geändert. 94 Prozent der Bundesbürger hielten

bei einer Umfrage im Auftrag der Agentur für Erneuerbare Energien

im August den verstärkten Ausbau der erneuerbaren Energien mindestens

für „wichtig“ oder sogar für „sehr beziehungsweise außerordentlich

wichtig“.

Der Ausbau der erneuerbaren Energien verändert indes nicht

nur die Grundlagen unserer Energieversorgung, sondern auch ihre

Struktur. Mit Wind- und Solarparks können Anwohner zu Eigentümern

der Anlagen vor ihrer Haustür werden. Diese Idee verfolgten

Lothar Schulze und Roger Lutgen, als sie 1994 mit drei weiteren Mitstreitern

die Windwärts Energie GmbH gründeten. Ihr Ziel: Mit dem

Bau einer Windenergieanlage bei Hannover zu zeigen, dass sich die

Windenergie auch fernab der Küste sinnvoll nutzen lässt. Aus dieser

Idee und der ersten Anlage, die 1995 in Laatzen in Betrieb ging, hat

sich ein international tätiges Unternehmen mit mehr als 100 Mitarbeitern

entwickelt, das sich nicht nur der Energiewende verpflichtet

fühlt, sondern auch eine offene und nachhaltige Unternehmenskultur

pflegt.

Seitdem hat die Windwärts Energie GmbH 135 Windenergie-

und 29 Photovoltaikanlagen sowie eine Biogasanlage mit einer

Gesamtleistung von 254 Megawatt errichtet und dabei 380 Millionen

Euro investiert, Tochterunternehmen wurden in Frankreich, Italien

und Griechenland gegründet. Die Beteiligung der Bürger hatte für

Windwärts von Anfang an einen hohen Stellenwert. In den ersten

zehn Jahren wurden nahezu alle Projekte über öffentliche Beteiligungsangebote

für Anwohner und andere Privatanleger finanziert.

Mittlerweile werden neue Wind- und Solarparks auch an institutionelle

Investoren verkauft.

„Bei einem Wind- oder Solarpark übernehmen wir die Planung,

die Finanzierung und bauen das Projekt“, erklärt Lothar Schulze.

„Mit der Übernahme der Betriebsführung bleiben wir auch nach dem

Verkauf über die Laufzeit von 20 bis 30 Jahren für ein Projekt verantwortlich.“

Zum Betrieb eines Parks wird jeweils eine eigene Gesellschaft

gegründet. Anwohner und andere Privatanleger können sich

an dieser neuen Gesellschaft finanziell beteiligen und damit Miteigentümer

des Wind- oder Solarparks werden. Der Verkauf des regenerativ

erzeugten Stroms, dessen Preis über das Erneuerbare Energien

Gesetz festgelegt ist, ermöglicht, wenn alles planmäßig verläuft,

eine gute Rendite – über die Laufzeit von 20 Jahren werden Ausschüttungen

prognostiziert, die insgesamt und inklusive Rückzahlung

der Einlage meist deutlich über 200 Prozent des eingesetzten

Kapitals betragen.

Eine weitere Möglichkeit, sich finanziell zu beteiligen, bietet

die Windwärts Energie GmbH mit Genussrechten. Hier beteiligen

sich Anleger nicht an einem speziellen Projekt, sondern leihen

dem Unternehmen ihr Geld für eine festgelegte Zeit und einen vereinbarten

Zins. Die Beteiligungen sind gefragt: Die jüngste Tranche

Genussrechte von sechs Millionen Euro war zwei Monate früher als

geplant komplett platziert. Ebenfalls nachgefragt ist das jüngste Angebot,

ein Solarpark im bayerischen Mallersdorf.

2020 sollen, so plant es die Bundesregierung, die erneuerbaren

Energien einen Anteil von 35 Prozent am deutschen Stromverbrauch

haben. Die Wetten, dass die Regenerativen auch dieses Ziel vor der

Zeit erreichen, stehen nicht schlecht.


52 wirtschaft regjo niedersachsen regjo niedersachsen wirtschaft 53

Informationen zum Innovationspreis 2012 sind bereits jetzt unter www.innovationspreis-goettingen.de zu finden.

Innovationen 2011

Mit einer Gala wurde der Innovationspreis 2011 des Landkreises

Göttingen im Deutschen Theater verliehen.

Flotte unter Strom

E.ON Mitte Vertrieb bietet seit Neuestem Elektromobilität für Geschäftskunden. Das reicht von der Bereitstellung der

elektromobilen Infrastruktur bis hin zu leasbaren Elektroautos.

Text: Volker Schönfeldt Fotografie: Wolfgang Beisert

Alle Jahre wieder gibt es den innovativen Preis des Landkreises –

2011 bereits zum 9. Mal. Das diesjährige Motto hieß „Eine Idee besser“.

Der Lohn für die Gewinner waren nicht nur die insgesamt

36.000 Euro an Preisgeldern, die auf die großzügige Stiftung der

Sparkassen Göttingen, Duderstadt und Münden zurückgehen. Neben

dem nicht zu unterschätzenden Marketingeffekt ist das Highlight für

die Erstplatzierten jedoch sicherlich die Bronzeskulptur des Künstlers

Christian Jankowski, gestiftet von der Sparkasse Göttingen, die

mit ihrer Originalität – ein Reiter, der sein Pferd Huckepack trägt –

ein Spiegelbild des Ideenreichtums der Wettbewerbsteilnehmer ist.

Neben den zwei dotierten Sonderpreisen stiftete das Niedersächsische

Ministerium für Umwelt und Klimaschutz den Sonderpreis

„Umwelt“, mit dem herausragende Innovationen gewürdigt werden,

die dem Klimaschutz dienen. Insgesamt gab es dieses Jahr 111 Teilnehmer

(2010: 114) aus zwölf Landkreisen und vier Bundesländern –

eine stabile Marke. Für Landrat Reinhard Schermann war es zudem

die letzte Preisverleihung: „Ich möchte mich als Aufsichtsratsvorsitzender

der WRG und als Landrat verabschieden. Gleichzeitig danke

ich Ihnen für die umfassenden Impulse, die vertrauensvolle Zusammenarbeit,

die großartige Zeit, die Sie mir als Landrat geschenkt

haben.“ Die Jury bestand dieses Jahr aus den folgenden Personen:

Julia Altmann (Georg-August-Universität), Daniel Farnung (Niederäschsisches

Ministerium für Umwelt und Klimaschutz), Sabine

Heuer (Kreishandwerkerschaft Südniedersachsen), Stefan Keveloh

(Sparkasse Göttingen), Prof. Dr. Antje-Britta Mörstedt (Private Fachhochschule

Göttingen), Prof. Dr. Erwin Neher (Nobelpreisträger vom

Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie), Reiner Strunk-

Lissowski (Handwerkskammer Hildesheim), Prof. Dr. Wolfgang Viöl

(HAWK – Fakultät Naturwissenschaften und Technik), Clemens von

Wendt (AGV Arbeitgeberverband Mitte e. V.).

Die Ausgezeichneten:

1. Sonderpreise

„Umwelt“: Werra-Energie GmbH

„Neigbare Wasserkraftschnecke zur Anpassung

an unterschiedliche Wasserstände“

„Wissenschaft“: Universitätsmedizin Göttingen

„Passive Immunisierung als Therapie für die Alzheimer Demenz“

„Bildung“: PRAGER-SCHULE gemeinnützige Schulgesellschaft mbH

„HySolar®SolarBiker“

2. Kategorie „Gründung“

1. Platz: NEUBAUER HANDWERKSTECHNIK

2. Platz: Pentotype

3. Platz: CoSynth GmbH & Co.KG

3. Kategorie „Handwerk & Dienstleistungen“

1. Platz: HKS Sicherheitsservice GmbH/Laser-Laboratorium Göttingen e.V.

„Detektion von geringen Mengen an Sprengstoffen und Unterscheidung

von sprengstoffähnlichen Verbindungen“

2. Platz: Institut für Glas- und Rohstofftechnologie GmbH

„IGR – Innovative Technologie bei der Glasanalytik und vielen mehr!“

3. Platz: enercast GmbH

„enercast.de: Online-Leistungsprognosen für Windkraft – und

Solaranlagen“

4. Kategorie „Produkte“

1. Platz: Abberior GmbH „Neue Farbstoffe für die Mikroskopie“

2. Platz: Ecoworxx GmbH „All in One PelletMaker“

3. Platz: IBA GmbH

„Without a trace – Isolierung funktionaler Zellen

für therapeutische Anwendungen“

Text: Volker Schönfeldt Fotografie: E.ON Mitte Vertrieb

Noch sind Elektrofahrzeuge in den Fuhrparks der Unternehmen

eine Seltenheit, doch das Interesse der Firmenchefs und Flottenmanager

wächst stetig. Experten sehen in der Elektromobilität bereits

heute eine praxistaugliche Option. Viele Firmenwagen sind auf

Kurzstrecken unterwegs und deshalb besonders geeignet für Elektroantriebe.

Hier setzt nun der regionale Energieversorger E.ON

Mitte Vertrieb an und bietet Geschäftskunden ab sofort ein Paket

für den Einstieg in die Elektromobilität. E.ON eMobil umfasst mehrere

Module, die individuell zusammengestellt werden können:

Ladestationen, technischer Service für Installation und Instandhaltung

sowie die Belieferung mit Ökostrom. Der Kooperationspartner

Athlon Car Lease steuert außerdem Leasingangebote für

Elektrofahrzeuge bei.

„Mit E.ON eMobil wollen wir Unternehmen den Einstieg in

die Elektromobilität so einfach wie möglich machen. Die Zeit dafür

ist reif. Elektrofahrzeuge bieten für Unternehmen schon heute viele

Einsatzmöglichkeiten“, sagt Udo Rodenberg, Geschäftsführer von

E.ON Mitte Vertrieb. „Für das Angebot konnten wir die Erfahrungen

aus zahlreichen Pilotprojekten von E.ON nutzen und zudem

mit Athlon Car Lease einen erfahrenen Leasinganbieter an Bord

holen.“ Kernstück von E.ON eMobil sind verschiedene Ladestationen.

Deren Spektrum reicht von Ladeboxen für die Montage an

der Wand bis zu Ladesäulen, die vor allem für den öffentlichen

Bereich geeignet sind. Damit die Anlagen auch sicher und zuverlässig

funktionieren, wird auf Wunsch die Installation und Instandhaltung

von Fachleuten ausgeführt. Als weiteres Modul können

Unternehmen den Strom für die Elektrofahrzeuge aus den deutschen

Wasserkraftwerken von E.ON beziehen. „Mit Power Aqua

ermöglichen wir unseren Kunden emissionsfreies Fahren“, betont

Rodenberg. Der Wasserkraftstrom kann auch in Teilmengen bezogen

werden und trägt ein Herkunftszertifikat des TÜV Süd. Zusätzlich

zum Paket des Energieversorgers bietet Athlon Car Lease Germany

optional einen Leasingvertrag für ein Elektrofahrzeug. Das

Unternehmen ist mit einem Anteil von 15 Prozent an den Zulassungen

von E-Autos in Deutschland Vorreiter in der Branche und

betreibt eine der größten gewerblichen Elektroflotten. Das Kundenspektrum

reicht von mittelständischen Unternehmen bis zum

Großkonzern. Athlon kooperiert mit allen relevanten Autoherstellern

im E-Sektor.

Die Vorteile einer nachhaltigen Mobilität liegen für die beiden

Kooperationspartner auf der Hand. Mit Strom aus erneuerbaren

Energien leisten die Elektroantriebe einen wichtigen Beitrag zum

Klimaschutz und verringern die Lärm- und Schadstoffbelastung

in den Städten. Positiver Nebeneffekt einer ökologischen Vorreiterrolle

der Unternehmen ist der Imagegewinn. Mittel- und langfristig

sehen die Experten jedoch auch auf der Kostenseite ein Plus.

Zwar ist die Anschaffung noch teuer, doch im Betrieb sind Elektroautos

bereits heute wesentlich günstiger als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor.

„Für 100 Kilometer mit einem reinen Elektroantrieb

muss man drei bis vier Euro Stromkosten einplanen, das

schafft kein Diesel oder Benziner“, so Udo Rodenberg.

Bereit für den Start ins elektromobile Zeitalter: Udo Rodenberg

(rechts, Geschäftsführer E.ON Mitte Vertrieb) und Hans-

Peter Wittich (Leiter Vertriebspartner, Top- und Bündelkunden)

mit einem rein elektrisch betriebenen Peugeot ion.

Weitere Informationen unter

www.eon.de/e-mobilitaet


54 energie regjo niedersachsen regjo niedersachsen energie 55

Z u s a m m e n a r b e i t

Fa c h k o n g r e s s

e l e k t r o M o b i l I

e l e k t r o M o b i l I I

Interkommunal

Fit für die Erneuerbaren

Modellregion Elektromobilität

Strom tanken

Die Gemeindewerke Bovenden agieren

zukünftig als interkommunales Projekt.

Die Akademie für erneuerbare Energien Lüchow-Dannenberg lädt zum 6. Biogas-

Fachkongress und bietet einen berufsbegleiteten Masterstudiengang an.

Eine Modellregion im Raum Oldenburg-Bremen erprobt den Einsatz von Elektrofahrzeugen

in der alltäglichen Praxis und erforscht neue Verkehrskonzepte.

Die Stadtwerke Northeim eröffnen die

erste Stromtankstelle in einem Autohaus.

Um auch zukünftig die Energie- und Wasserversorgung

in Bovenden bürgernah und

mit kommunalem Einfluss zu gewährleisten,

werden die bislang als Eigenbetrieb

geführten Gemeindewerke Bovenden in

eine GmbH & Co. KG umgewandelt. Der

südniedersächsische Flecken Bovenden

wird mit 60 Prozent Hauptgesellschafter

des neuen Unternehmens, die SWN Stadtwerke

Northeim GmbH und die Harz Energie

GmbH & Co. KG erwerben Anteile von

jeweils 20 Prozent.

Die Liberalisierung des Energiemarktes,

verbunden mit einer intensiven Regulierung,

erschweren kleinen Stadt- und

Gemeindewerken das Wirtschaften. Immer

mehr Beratungsbüros mussten eingeschaltet,

Dienstleistungsverträge abgeschlossen

werden. „Diese Herausforderung waren für

die Gemeindewerke allein nicht mehr zu

stemmen“, so Bovendens Bürgermeisterin

Heidrun Bäcker.

„Regulierung und schärferer Wettbewerb

haben den Kostendruck für unsere

Branche drastisch erhöht“, kritisiert auch

Harz Energie-Geschäftsführer Dr. Hjalmar

Schmidt. „Regionale Kooperationen sind

da ein guter Weg, um wettbewerbsfähig zu

bleiben.“

VS

Die Bioenergie-Region Wendland-Elbetal

veranstaltet am 24. November in Kooperation

mit der Akademie für Erneuerbare

Energien und dem Region Aktiv Wendland-

Elbetal e.V. den 6. Biogas-Fachkongress in

Hitzacker. Die Veranstalter erwarten wieder

mehr als 200 Entscheider und Experten der

erneuerbare Energien-Branche zu Vorträgen

und intensiven Austauschgesprächen.

Der Kongress wird von den Teilnehmern als

Plattform für fachlich fundierten Austausch

geschätzt und dafür, dass man sich in Kürze

auf den aktuellen rechtlichen und technischen

Stand der Branche „updaten“ kann.

Schwerpunkte des diesjährigen Kongresses

sind die neuen Rahmenbedingungen

für Biogasanlagen aufgrund der Novellierung

des Erneuerbare-Energien-Gesetzes

sowie die Chancen, die sich durch die Aufbereitung

von Rohbiogas zu Biomethan

und dessen Einspeisung ins Gasnetz ergeben.

Am Nachmittag können die Besucher

zwischen folgenden Fachforen wählen:

„Optimierung von Biogasanlagen“, „Energiepflanzenanbau

und Naturschutz“ und

„Biogas ins Netz“.

Zudem bietet die Hochschule für Angewandte

Wissenschaften Hamburg (HAW)

seit 2009 den berufsbegleitenden Masterstudiengang

Erneuerbare Energien (M.Sc.)

exklusiv an der Akademie für Erneuerbare

Energien Lüchow-Dannenberg an.

Ab Oktober 2012 wird der 4. Studienjahrgang

beginnen. Das Studium dauert

zwei Jahre und wird zu einem großen Teil

online-basierend durchgeführt. Es richtet

sich an Studierende und bereits beruflich

tätige Personen, die ein Bachelorstudium

mit 210 Credit Points oder ein Diplom-Studium

(FH) in Wirtschafts-, Ingenieurwissenschaften

oder verwandten Gebieten

mindestens mit der Note „gut“ (2,5) abgeschlossen

haben.

Studienschwerpunkt ist die Wissensvermittlung

in den Bereichen erneuerbare

Energien und Energieeffizienz. Ingenieurwissenschaftliche,

praxisnahe Themen stehen

neben fundierter betriebswirtschaftlicher

Ausbildung auf dem Lehrplan.

Studierende lernen von Professoren der

HAW und von Gastdozenten führender

Unternehmen der Branche.

VS

Das vollständige Programm und die Anmeldung zum Biogasfachkongress sowie Informationen

zum Masterstudiengang Erneuerbare Energien finden Sie auf www.akademie-ee.de

Zum Ausbau der Elektromobilität wird derzeit

in acht Modellregionen der Einsatz von

Elektrofahrzeugen erprobt. Gefördert werden

diese durch die Bundesregierung mit

insgesamt 130 Millionen Euro. Darunter

befindet sich die Modellregion Elektromobilität

Bremen/Oldenburg, die 2009 unter

130 Bewerbern ausgewählt wurde.

In der Modellregion wurde ein Personal

Mobility Center (PMC) geschaffen,

das praktische Anwendungsmöglichkeiten

der Elektromobilität in der Modellregion

testen soll. In einer vom PMC koordinierten

Fahrzeugflotte kommen Elektrofahrzeuge

vom E-Fahrrad bis hin zum viersitzigen

Pendlerfahrzeug zum Einsatz. Das

Anwendungsspektrum reicht von der individuellen

Nutzung über die Integration in

den bestehenden öffentlichen Personennahverkehr

bis hin zu Fahrzeugflotten im

Car-Sharing für Privatpersonen oder Firmen.

Außerdem wurden Stromtankstellen

an öffentlich zugänglichen Orten und auf

Firmengeländen installiert.

Die Metropolregion hat ein Einzugsgebiet

mit Entfernungen von rund 150 bis

200 Kilometern. Kennzeichnend für die

Region ist das Zusammenwirken der Metropolen

Bremen und Oldenburg mit dem eher

ländlich geprägten Umland. Verkehrstechnische

Schwerpunkte ergeben sich zwischen

den größeren Städten Bremen, Bremerhaven

und Oldenburg sowie aus einem

hohen Aufkommen an Berufspendlern

aus den umliegenden Gemeinden in die

Städte. Ziel des Projektes ist es, neue Verkehrskonzepte

zu generieren, die die intelligente

Einbindung von Elektrofahrzeugen

und deren Anbindung an bestehende Mobilitätsangebote

im Innenstadtverkehr und

Pendlerverkehr ermöglichen. Koordiniert

wird die Regionale Projektleitstelle vom

Deutschen Forschungszentrum für Künstliche

Intelligenz (DFKI) GmbH und vom

Fraunhofer-Institut für Fertigungstechnik

und Angewandte Materialforschung IFAM

in Bremen.

Auf einer Fachtagung in Bremen im

September dieses Jahres konnten erste

Erkenntnisse zusammengetragen werden.

Beispielsweise wurde analysiert, welche

Orte sich am besten für die Installation

von Ladestationen eignen und welche

Mobilitätsmuster sich bei den Bewohnern

der Region zeigten. Die regionale Projektleitstelle

soll bis Ende 2013 fortgeführt werden,

so hat es das Bundesumweltministerium

jüngst beschlossen.

VS

Das Autohaus Hermann und die SWN

Stadtwerke Northeim GmbH eröffneten am

23. August die erste öffentliche Stromtankstelle

Niedersachsens in einem Autohaus.

An der Bundesstraße 3 können Elektromobilreisende

zukünftig rund um die Uhr eine

etwa 20-minütige Schnellladung oder Vollladung

vornehmen.

Diese Kooperation ist nach den Worten

Hermanns einmalig in der noch jungen

Elektromobilgeschichte Deutschlands

und dokumentiert ein Stück Geschichte

der mobilen Zukunft: Auf der einen Seite

die SWN als Stromlieferant, auf der anderen

Seite die Hermann GmbH als Elektromobillieferant.

Stadtwerke-Chef Dirk Schaper

freut sich auf die Zusammenarbeit mit

dem Autohaus. „Der Strom, mit dem die

Fahrzeuge geladen werden, wird selbstverständlich

ausschließlich aus erneuerbaren

Energien gewonnen“, so Schaper. „Autos,

die hier geladen werden, fahren mit NOMstrom

NaturWatt – einem 100-prozentigen

Ökostromprodukt der SWN.“ Northeims

Landrat Michael Wickmann nannte die

Kooperation zwischen Stadtwerken und

Autohaus einen Schritt in die richtige Richtung.

„Elektromobilen gehört die Zukunft“,

so Wickmann.

VS

Bildnachweis: Glücksburg Consulting, Lars von Minden/SWN

Bildnachweis: Modellregion Elektromobilität Bremen/Oldenburg, Hartmut Kölling


56 energie regjo niedersachsen regjo niedersachsen energie 57

Das Wachsen der Graswurzeln

Die Energiewende vitalisiert eine ganze Branche: Stadtwerke und kommunale Versorger erleben eine Renaissance,

können sie doch durch ihre starke Verwurzelung vor Ort die dezentralisierende Entwicklung optimal mitgestalten.

Michael Feist, Vorstandsvorsitzender der Stadtwerke Hannover.

„Als Ziel steht am Ende ein nachhaltiges, klimaschonendes Energiesystem,

das im starken Maße lokale und regionale Potenziale nutzt und dabei ein

hohes Maß an Versorgungssicherheit und marktgerechte Preise bietet. Im

Grunde wird durch die Energiewende das Energieversorgungssystem auf

neue dauerhaft tragfähige, dezentrale Füße gestellt.“

Text: Sven Grünewald Fotografie: Stadtwerke Hannover, Stadtwerke Göttingen

Wer Stadtwerke immer noch für bieder und langweilig hält, erlebt

beim genauen Hinsehen eine echte Überraschung. Wie eine

Grassroot-Bewegung haben sich die Stadtwerke zu einer der treibenden

Kräfte für die Energiewende entwickelt, denn einer der Kernaspekte

zukünftiger Energieversorgungssysteme wird ihre Dezentralität

sein. Mit ihrer teils weit über hundertjährigen Expertise vor

Ort haben die Stadtwerke dadurch inzwischen wieder einen großen

Wettbewerbsvorteil gegenüber den vier großen Energiekonzernen.

Das wird anhand von Rekommunalisierung, zahlreichen Initiativen,

gestiegenen Investitionen in erneuerbare Energien und vor allem

auch an einer vermehrten Lobbyarbeit für eine nachhaltige Energiepolitik

der Bundesregierung deutlich.

Aber die wohl stärkste Unterstützung für die Wiederbelebung

kommunaler Versorger kommt durch das Umdenken der Bürger.

Denn die lange Zeit praktizierte Privatisierung beispielsweise in der

Stromversorgung hat eher zu einer Oligopolbildung durch die großen

Energiekonzerne geführt als die Leistungsqualität oder die Preislage

verbessert. Stephan Weil, Oberbürgermeister von Hannover,

sagte bereits Mitte 2009 auf einer Tagung des Verbands kommunaler

Unternehmen (VKU): „Die Kunden schenken den Stadtwerken

ihr Vertrauen, weil die Stadtwerke sich nicht am größtmöglichen

Profit, sondern am Wohl der öffentlichen Gemeinschaft orientieren.

Aktuelle Umfragen belegen, dass bei Gas 55 Prozent und bei Wasser

72 Prozent der Bürger lieber von kommunalen Unternehmen

versorgt werden, außerdem gibt es bundesweit viele Neugründungen

von Stadtwerken im Bereich von Strom und Gas.“ Kommunale

Betriebe in öffentlicher Trägerschaft verfolgen keine kurzfristigen

Gewinninteressen, sondern zielen auf eine nachhaltige Versorgungssicherung

für das Gemeinwesen – in gleichbleibend hoher Qualität,

flächendeckend, zuverlässig.

Und es hängt noch eine Menge weiterer Vorteile an dieser kleinräumigen

kommunalen Struktur. Die Mitgliedsunternehmen des

VKU beschäftigen rund 220.000 Menschen, deren Kaufkraft den

Konsum vor Ort stützt; durch ökonomische Effekte zieht jeder dieser

Jobs etwa 1,5 weitere in peripheren Bereichen, aber ebenfalls vor

Ort, nach sich. Das gibt natürlich auch Impulse für die lokale und

regionale Wirtschaft. Des Weiteren kommt die Gewinnabführung

direkt den Städten und Gemeinden zugute anstatt wenigen privaten

Renditeabschöpfern – zudem lässt sich deren kurzfristige Gewinnerwartung

nur schwerlich mit Nachhaltigkeit vereinbaren. Und auch

auf die Kostenstruktur der Dienstleistungen lässt sich viel besser Einfluss

nehmen. Öffentliche Hand = Ineffizienz und hohe Kosten? Ein

gern bemühter Mythos, der angesichts steigender Renditeerwartungen

großer Privatunternehmen in neuem Licht erscheint.

Durch diese Tür, die sich durch den Ausbau dezentraler regenerativer

Energien und der gestiegenen Anerkennung der positiveren

Leistung kommunaler Versorger für das Gemeinwesen öffnet,

stoßen die Stadtwerke mit neuem Elan. Derzeit laufen viele Konzessionsverträge

von Städten und Gemeinden mit privaten Anbietern

aus – eine Rekommunalisierung und damit Übernahme der Versorgung

durch kommunale Dienstleister liegt voll im Trend. Ein aktuelles

Beispiel kommt aus Hameln. Nach einstimmigem Beschluss des

Hamelner Rats geht das lokale Stromnetz an die Stadtwerke Hameln.

Bislang war die E.ON Westfalen Weser AG für dieses Stromnetzgebiet

mit rund 11.000 Stromzählern zuständig. Nun müssen die Stadtwerke

Hameln das Netz von der E.ON Westfalen Weser AG abkaufen.

Die Verhandlungen beginnen in Kürze. „Die Rückführung des

Stromnetzbetriebes auch in den Ortsteilen in kommunale Hand ist

für uns als 100-prozentige Tochter der Stadt ein wichtiger Meilenstein“,

so Uwe Schoormann in seiner Funktion als Vorsitzender des

Stadtwerke-Aufsichtsrates. „Es zeigt uns, dass wir durch unsere regionale

Nähe, unsere Leistung und Kompetenz in der Energieversorgung

überzeugen konnten.“

Die neue Philosophie der Stadtwerke formuliert 8KU – die bundesweite

Kooperation von acht großen kommunalen Energieversorgungsunternehmen,

darunter die Stadtwerke Hannover. Die 8KU

entwickeln Projekte im Bereich der erneuerbaren Energien und wollen

deren Produktion im Bereich Windenergie, Photovoltaik und

Biomasse signifikant ausbauen: 10 mal 10 mal 10 könnte man den

Langfristplan nennen – zehn Milliarden Euro sollen in den nächsten

zehn Jahren investiert werden, um zehn Gigawatt Kraftwerksleistung

zu bauen. „Für die 8KU sind Investitionen in erneuerbare

Energien ein zentraler strategischer Ansatz für eine moderne Ausgestaltung

der Daseinsvorsorge, bei der der Erhalt der natürlichen

Lebensgrundlagen einen immer höheren Stellenwert gewinnt“, heißt

es aus dem Netzwerk. Auf diesem Zug fahren mittlerweile sehr viele

Stadtwerke. Seien es beispielsweise die Stadtwerke Hannover, die nur

noch garantiert atomfreien Strom anbieten, die Stadtwerke Osna-


egjo niedersachsen energie 59

Norbert Liekmeier, Vorstandsvorsitzender der Stadtwerke Göttingen.

„Wir achten sehr darauf, dass wir die Wärme bei der Energieproduktion mit

nutzen, also stark in Kraft-Wärme-Kopplung investieren. Der Bedarf für ein

entsprechendes, flächendeckendes Konzept ist bundesweit riesig – man

schätzt, dass etwa 80 Prozent aller Heizungen überaltert sind. Damit ließe

sich eine große Menge Energie sparen.“

brück, die „ZuhauseKraftwerke“ fördern und bezuschussen, oder

die Stadtwerke Göttingen (die 2011 ihr 150-jähriges Jubiläum feierten,

siehe auch S. 61), die stark in mit Biogas befeuerte Blockheizkraftwerke

investiert haben. Das Gas selbst kommt aus einer

Biogasanlage in direkter Nachbarschaft. Auch Bürgerbeteiligungsmodelle

entwickeln sich: Die Stadtwerke Lehrte machen zusammen

mit der Volksbank Lehrte-Springe-Ronnenberg vor, wie es gehen

kann. 2010 wurde eine Energiegenossenschaft ins Leben gerufen, die

inzwischen rund 200 Mitglieder hat und bald über rund eine Million

Euro Genossenschaftskapital verfügen wird, das bisher in Photovoltaikanlagen

in Lehrte mit einer installierten Leistung von 1,8

Megawatt investiert wurde.

Es ist unübersehbar: Die Energiewende hin zur dezentralen

Energieproduktion hat einen Drive entwickelt, an dem sich inzwischen

unzählige Initiativen und Akteure beteiligen – die kommunalen

Stadtwerke vorneweg. Eine Bewegung von unten, die nachhaltige

Veränderungen anstößt, entschieden mitgestaltet – und die

tatsächlich das Gemeinwohl im Auge hat.


egjo niedersachsen wirtschaft 61

Nachhaltig

mobil.

CO 2 -frei unterwegs –

enercity fördert die Elektro-Mobilität.

Vom Fahrrad über den Roller bis zum

PKW fährt Hannover mit klimafreundlichem

UmweltStrom.

www.energie-aus-hannover.de

Energie

aus

Hannover!

Links oben: die Stegemühle zu Zeiten der Leinewasser-

Versickerung (vor 1969). Links unten: Brunnenspülung in der

Lotzestraße durch die Stadtwerke. Rechts: alter Gasbehälter

am Maschmühlenweg.

Ein Stadtwerk im Klimaschutz

Am 28. Januar 1861 nahmen die Göttinger Stadtwerke ihre Arbeit auf. Am Anfang war das Licht der Straßenlaternen,

heute nimmt der Beitrag zum Klimaschutz breiten Raum ein. Herzlichen Glückwunsch zum 150. Geburtstag!

Kommen Sie ins Emsland ...

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... wo eine Region Mobilität gewinnt

... wo die Menschen Zukunft haben

Landkreis Emsland – Wirtschaftsförderung

Ordeniederung 1, 49716 Meppen

Telefon 05931 44-1332, Fax 05931 44-3645

E-Mail: wirtschaft@emsland.de

www.emsland.de

Text: Juliette Rahn Fotografie: Stadtwerke Göttingen

Dass ein Stadtwerk umweltfreundliche Energieprodukte anbietet,

ist heutzutage nichts Ungewöhnliches. Dass sich ein Stadtwerk aber

bereits seit über 40 Jahren an klimafreundlicher Energieproduktion

beteiligt hingegen schon. Am 28. Januar 2011 feierten die Göttinger

Stadtwerke ihren 150. Geburtstag und sie selbst haben sich

mit ihrem ersten klimaneutralen Erdgasprojekt ‚gögas-klima’ das

größte Geschenk gemacht. Durch den Bezug des klimaneutralen

Gases wird die durch den Gasverbrauch erzeugte Kohlendioxid-

Menge an anderer Stelle der Welt durch die Förderung von Klimaschutzprojekten

ausgeglichen. In Göttingen verbrauchtes Erdgas

fördert so regenerative Projekte in Indien, Brasilien und Ghana.

Bezogen auf die Kohlendioxid-Emission gewährleistet gögas-klima

damit eine klimaneutrale Verbrennung von Erdgas.

Rückblick: Mitte des 19. Jahrhunderts übernimmt die Göttinger

Gasanstalt die Versorgung der städtischen Gaslampen, später werden

auch Heizungen und Herde mit Stadtgas betrieben. Nach Beendigung

der Produktion von verkokstem Stadtgas Mitte der 50er Jahre

wird das zentrale Hauptgebäude zum Heizkraftwerk umgebaut. Seit

Ende der 50er Jahre versorgen die Stadtwerke die Göttinger Innenstadt

von hier aus mit Fernwärme aus Erdgas. Der Verzicht auf Öl,

Kohle oder Strom verhindert die Entstehung mehrerer 10.000 Tonnen

CO 2

pro Jahr. Mittlerweile bedienen die Göttinger Stadtwerke

90 Prozent des Wärmemarktes der Stadt.

Wenig an der umweltfreundlichen Unternehmensphilosophie

ändert sich 2002 durch die Übernahme von zunächst 29,9, später

48,9 Prozent der Aktien durch EAM Energie AG, heute E.ON Mitte

AG. Klaus Plaisir, Pressesprecher der Göttinger Stadtwerke: „Die

strategische Ausrichtung als kommunales Energieversorgungsunternehmen

blieb. Wir sind auch als Aktiengesellschaft eigenständig

mit Fokus auf Klimaschutz und gute Preise.“ 2008 schließlich

starten die Stadtwerke mit der Mahr GmbH und kurz darauf auch

mit den Göttinger Verkehrsbetrieben ihre ersten Contracting-Projekte.

Die Stadtwerke treten dabei als Energiedienstleister auf, der

auf die Bedürfnisse des jeweiligen Unternehmens zugeschnitten

Wärme- und Energietechnik plant, installiert und wartet.

Der zukünftige Trend knüpft daran an. „Kraftwärmekopplung

wird ganz klar unser Schwerpunkt bleiben, auch wenn der Bau entsprechender

Kraftwerke durch Contracting aufgrund des Wegfalls

von Steuervorteilen derzeit schwierig ist“, so Klaus Plaisir. Trotzdem

blickt man zuversichtlich in die Zukunft. „Wir werden uns bundesweit

von den Großkraftwerken verabschieden müssen, weil deren

Energieverlust zu hoch ist. Zur Reduzierung der Treibhausgase und

Steigerung der Energieeffizienz werden wir auf dezentrale Energieversorgung

umsteigen müssen. Darin sehe ich die künftige Rolle der

Stadtwerke. Nur sie sind in der Lage, moderne Energieanlagen möglichst

effizient den regionalen Gegebenheiten anzupassen.“


Investitionsbeschleuniger & Wirtschafts

förderer in Niedersachsen

Stadt Emden

Bernd van Ellen

Fachdienst Wirtschaftsförderung und Liegenschaften

Ringstraße 38 b, 26721 Emden

Tel. 04921/ 871378, Fax 04921/ 87101378

vanellen@emden.de, www.emden.de

Fachbereich Wirtschafts- und

Beschäftigungsförderung

Wirtschaftsförderung der

Landeshauptstadt Hannover

Landkreis Heidekreis

Wirtschaftsförderung

Zweckverband ecopark

Der Gewerbepark im

Oldenburger Münsterland

Wirtschaftsförderung

Landkreis Stade GmbH

Michael Krantz

Vahrenwalder Straße 7, 30165 Hannover

Tel. 0511/616-23416, Fax 0511/616-23452

michael.krantz@region-hannover.de

www.unternehmerbuero-hannover.de

Gabriele Zingsheim

Vahrenwalder Straße 7, 30165 Hannover

Tel. 0511/168-42658, Fax 0511/168-41245

23.3@hannover-stadt.de

www.wirtschaftsfoerderung-hannover.de

Hans-Jürgen Stegen

Winsener Straße 17, 29614 Soltau

Tel. 05191/ 970-673, Fax 05191/ 970-900673

wirtschaftsfoerderung@heidekreis.de

www.heidekreis.de

im Kreishaus Cloppenburg

Petra Lampe, Eschstraße 29, 49661 Cloppenburg

Tel. 04471/709812, Fax 04471/709822

p.lampe@ecopark.de, www.ecopark.de

Große Schmiedestraße 6, 21682 Stade

Tel. 04141/80 06-0, Fax 04141/80 06-15

info@wf-stade.de, www.wf-stade.de

Landkreis Leer

Amt für Wirtschaftsförderung,

Tourismus und Beschäftigung

Bergmannstraße 35, 26789 Leer

Tel. 0491/926-1262, Fax 0491/926-1888

wirtschaftsfoerderung@lkleer.de,

www.landkreis-leer.de

c-Port Zweckverband IIK

Martin Kropp

Am Küstenkanal 2, 26683 Saterland/Sedelsberg

Tel. 04491/786000, Fax 04491/786009

info@c-port-kuestenkanal.de

www.c-port-kuestenkanal.de

Saterland

Wolfsburg Marketing GmbH

Porschestraße 2, 38440 Wolfsburg

Tel. 05361/89994-0, Fax 05361/ 89994-39

wirtschaftsfoerderung@wolfsburg-marketing.de

www.wolfsburg-marketing.de

Braunschweig Zukunft GmbH

Wirtschaftsförderungsgesellschaft

mbH für

Stadt und Landkreis Lüneburg

Marie-Curie-Straße 2, 21337 Lüneburg

Tel. 04131/2082-0, Fax 04131/2082-10

info@wirtschaft.lueneburg.de

www.lueneburg.de

Stadt Peine

Wirtschaftsförderung

Stadt Delmenhorst

Fachdienst Wirtschaftsförderung

Axel Langnau,

Lange Straße 128, 27749 Delmenhorst

Tel. 04221/991181, Fax 04221/991280

wirtschaftsfoerderung@delmenhorst.de

www.delmenhorst.de

Landkreis Grafschaft Bentheim

Wirtschaftsförderung

NINO-Allee 11, 48529 Nordhorn

Tel. 05921/ 9 6 - 2 3 0 0 , Fax 05921/ 9 6 - 2 3 9 9

wifoe@einfach-naeher.de

www.einfach-naeher.de

Aktiengesellschaft für Wirtschaft und Arbeit

Ilsede

Wirtschaftsförderung

GründerVilla, Rebenring 33, 38106 Braunschweig

Tel. 0531/38043804, Fax 0531/38043911

info@braunschweig-zukunft.de

www.braunschweig-zukunft.de

Wirtschaftsregion

... Ihr richtiger Standort

im Städtedreieck

Braunschweig - Hannover - Wolfsburg

Landkreis Gifhorn

Wirtschaftsförderung

Manfred Krömer

Schlossplatz 1, 38518 Gifhorn

Tel. 05371/82488, Fax 05371/82478

manfred.kroemer@gifhorn.de, www.gifhorn.de

Susanne Scheler

Kantstraße 5, 31224 Peine

Tel. 05171/49-246, Fax 05171/49-298

susanne.scheler@stadt-peine.de

www.peine.de

Wolfsburg AG

Major-Hirst-Straße 11, 38442 Wolfsburg

Tel. 05361/897-1150

info@wolfsburg-ag.com

www.wolfsburg-ag.com

WIN Wirtschaftsförderung im

Landkreis Nienburg/Weser GmbH

Weserbergland

Aktiengesellschaft

Stadt Hildesheim

Wirtschaftsförderung

Uta Kupsch

Rühmkorffstraße 12, 31582 Nienburg/Weser

Tel. 05021/ 887772 - 0, Fax 05021/ 887772-1

info@win-nienburg.de, www.win-nienburg.de

HefeHof 8, 31785 Hameln

Tel. 05151 / 5851001, Fax 0551 / 5851099

info@weserberglandag.de

www.weserberglandag.de

Markt 1, 31134 Hildesheim

Tel. 05121/301-1500

Fax 05121/301-1515

wifoe@stadt-hildesheim.de

www.hildesheim.de/wirtschaft

Landkreis Northeim

Wirtschaftsförderung/Tourismus

Stefan Wolfgang

Scharnhorstplatz 6, 37154 Northeim

Tel. 05551/91499-12, Fax 05551/91499-77

swolfgang@landkreis-northeim.de

www.landkreis-northeim.de

Wirtschafts- und Innovationsförderung

Salzgitter GmbH

Windmühlenbergstraße 20, 38259 Salzgitter

Tel. 05341/ 900990, Fax 05341/ 9009911

info@wis-salzgitter

www.wis-salzgitter.de

Landkreis Emsland

Fachbereich Wirtschaft

Ordeniederung 1, 49716 Meppen

Tel. 05931 / 441332, Fax 05931 / 443645

wirtschaft@emsland.de, www.emsland.de

Stadt Osterode am Harz

Kontaktstelle Wirtschaft

Karl-Heinz Löwe

Eisensteinstraße 1, 37520 Osterode am Harz

Tel.: 05522/3182-70, Fax: 05522/3182-71

loewe@osterode.de, www.osterode.de

Gemeinde Wedemark

Fritz-Sennheiser-Platz 1, 30900 Wedemark

Tel. 05130/581-361, Fax 05130/581-11361

carsten.niemann@wedemark.de

www.wedemark.de

GWG Gesellschaft für Wirtschaftsförderung

und Stadtentwicklung Göttingen mbH

Bahnhofsallee 1b, 37081 Göttingen

Tel. 0551/547430, Fax 0551/5474320

info@gwg-online.de, www.gwg-online.de

WRG Wirtschaftsförderung

Region Göttingen GmbH

Bahnhofsallee 1b, 37081 Göttingen

Tel. 0551/ 9995498-0, Fax 0551/ 9995498-9

info@wrg-goettingen.de, www.wrg-goettingen.de


64 Logistik regjo niedersachsen regjo niedersachsen Logistik 65

Leinen los für freie Fahrt

Nachdem lange Zeit eine leistungsfähige trimodale Anbindung ein Garant für aufstrebende Logistikknotenpunkte war,

blicken immer mehr Unternehmer auf einen neuen, aber durchaus bekannten Minipartner: die Binnenschifffahrt.

Bild © Anders Seefeldt


66 Logistik regjo niedersachsen regjo niedersachsen Logistik 67

Bild © Anders Seefeldt

Kurs Richtung Ost: ein Binnenschiff beim Verlassen der

Nordkammer der Schleuse Sülfeld am Mittellandkanal.

Der Höhenunterschied zum westlichen Kanalabschnitt

beträgt neun Meter.


68 Logistik regjo niedersachsen regjo niedersachsen Logistik 69

Der Hafen Braunschweig am Mittellandkanal.

2010 wurden hier 623.029 t Schiffs- sowie 140.682 t

Bahngüter und 56.844 TEU umgeschlagen.

Bild © Anders Seefeldt

Text: Brigitte Freitag

Die gute Nachricht gleich zu Beginn: Es gibt

sie schon, die künstlichen und natürlichen

Wasserstraßen, auf denen die Binnenschiffe

Fahrt aufnehmen können. Sie ziehen sich

auf einer Länge von 7.476 Kilometer durch

Deutschland und verbinden Elbe und Oder,

den Rhein mit seinen Nebenflüssen oder

ganze Regionen mit den Seehäfen. Mit dem

Binnenschiff wurden im vergangenen Jahr

229,6 Mio. t Güter transportiert. Zum Vergleich:

Auf der Straße waren es 1.245,7 Mio.

t und per Schiene 355,7 Mio. t.

In Niedersachsen denkt man laut über

eine Renaissance der Wasserwege nach. Der

Volkswagenkonzern plant bis zum Jahr 2018

in Emden jährlich rund 1,2 Mio. Autos zu

verschiffen. Angedacht ist daher der verstärkte

Einsatz von Binnenschiffen zwischen

Wolfsburg und Emden, die Autos und Fahrzeugteile

in beide Richtungen transportieren.

Die Fahrt über den Mittellandkanal und

den Dortmund-Ems-Kanal würde jeweils

fünf Tage dauern. Ob bei den Binnenschiffern

die Sektkorken schon knallen können,

ist allerdings noch fraglich, denn der

Umstieg auf’s Schiff muss sich für den Konzern

rechnen. Baulich geht man allerdings

schon mal in diese Richtung. Die Flächen

am Emdener Gewerbegebiet Westrampe sind

bis auf einen Hektar alle vergeben. In Wolfsburg

bietet die geplante Hafen- und Containerfläche

direkt am Mittellandkanal mit

einem möglichen Bahngleisanschluss und

der unmittelbaren Nähe zur A 39 ideale

Voraussetzungen.

Einen Schritt weiter ist man da schon

in Südniedersachsen an der Weser. Hier hat

sich bereits vor mehr als vier Jahren ein findiger

Spediteur an die historische Bedeutung

der Weser als Schifffahrtsweg ab Hann.

Münden erinnert. Für die Maschinenbaufirma

Richter aus Hessisch Lichtenau entwickelte

sich die neue Weserumschlagstelle

in Hann. Münden zu einem existenziellen

Standortfaktor. Als einer der größten Arbeitgeber

vor Ort ist das Unternehmen darauf

angewiesen, die bis zu 300 Tonnen schweren

Maschinenteile in alle Welt über das

Wasser zu transportieren. Vom Gewicht her

für die Straße zu schwer, von den Ausmaßen

für die Schiene zu breit und zu hoch bleibt

nur der Schiffsweg. Hier ziehen allerdings

dunkle Wolken auf. Die Oberweser, bisher

als Bundeswasserstraße eingestuft, soll nach

Plänen der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung

(WSV) zu einem „Wassertourismusnetz“

herabgestuft werden. Für Flüsse und


70 Logistik regjo niedersachsen regjo niedersachsen Logistik 71

Kanäle, auf denen sich nur noch Touristenboote tummeln, werden

dann laut dem angedachten Reformkonzept nur die absolut notwendigen

Sicherungsausgaben durchgeführt und so Unterhaltungskosten

gespart. Die für Binnenschiffer notwendigen Instandhaltungsund

Ausbaumaßnahmen werden dann nicht mehr auf Bundesebene

durchgeführt und hängen zukünftig am finanziellen Tropf von Städten

und Gemeinden.

Viele Jahre dümpelten die Binnenschiffe im Schatten von

Schiene, Straße und Luft. Aufstrebende Logistikstandorte qualifizierten

sich vorrangig über sechsspurige Autobahnen, Gewerbeflächen

mit Gleisanschluss oder nächtliche Start- und Landeerlaubnisse.

Dank Datenautobahn dreht sich die Welt immer schneller, da ist

wenig Platz für ein Binnenschiff. Es kann zwar die durchschnittliche

Ladung von 150 Lkw übernehmen, ist aber in puncto Geschwindigkeit

sehr langsam unterwegs. Überfüllte Autobahnen, bei denen

manchmal eine kleine Tagesbaustelle in der Rushhour zum Kollaps

führt, werden dagegen für Disponenten immer mehr zum Alltagsproblem.

Drei Großbaustellen alleine auf der A7 zwischen Kassel

und Hannover sind derzeit die tägliche Herausforderung für Unternehmer

im Transportgewerbe. Für die knapp 170 Kilometer lange

Strecke plant beispielsweise das Northeimer Transportunternehmen

Reimer einen rund 45-minütigen zusätzlichen Zeitbedarf ein, der

je nach Tageszeit auch bis zu 60 Minuten betragen kann. „Zeit, die

uns niemand zahlt, die wir aber im Sinne einer pünktlichen Anlieferung

als Puffer brauchen“, so Inhaber Adam Reimer. Alternativrouten

gibt es keine.

Die Bahn schafft wenig Abhilfe. Der Konzern ist seit Jahren

damit beschäftigt, sich für die Börse aufzuhübschen und hat dabei die

Investitionen in ein leistungsfähiges Schienennetz für den Frachtverkehr

eher auf die hinteren Plätze seiner Prioritätenliste verbannt. Die

Flughäfen haben leider auch keine vollen Jokerqualitäten. Viele Airports

kämpfen mit Nachtflugverboten oder zu kurzen Start- und Landebahnen

für Frachtflugzeuge. Lenkt die erreichte Belastungsgrenze

der anderen Verkehrsträger nun doch den Blick wieder in Richtung

hinreichende weil zuverlässige Transportgeschwindigkeit? Löst sich

damit der nautische Knoten für die Binnenschiffer? In Niedersachsen

haben sie immerhin die Auswahl von 28 Binnenhäfen. Im Jahr

2010 sind dort zusammen 21 Mio. t Güter umgeschlagen worden.

Trotz des sehr langen Winters 2009/2010 sowie des frühen Winterbeginns

2010/2011 und der damit verbundenen Behinderungen durch

Eisgang erhöhte sich der Gütertransport im Vergleich zum Jahr 2009

um 5,8 Prozent. Alleine die Landeshauptstadt Hannover weist vier

Hafenstandorte auf. Die mengenmäßig bedeutendsten Umschlaggüter

waren Steine und Erden einschließlich Baustoffe mit 4,4 Mio. t.

Den größten Güterumschlag verbuchte der Hafen Salzgitter/Beddingen

mit 2,2 Mio. t, gefolgt von Emden, Dörpen sowie Nordenham

und Holthausen.

1.093 Schiffe legten im letzten Jahr alleine im Nordhafen/Hannover

an. Der Hafenumschlag betrug 2010 753.031 t. 38.655 Waggons

bewegten 843.319 t und 29.976 TEU (Anzahl der 20-Fuß-Container)

wurden im Kombinierten Verkehr bewegt. Sollten die vier

geplanten Baustufen zur Erweiterung des Container-Terminals realisiert

werden, könnte die Kapazität auf 100.000 TEU bis 120.000

TEU pro Jahr steigen.

Von einem weiteren Ausbau des Stichkanals würde auch der

Lindener Hafen profitieren. Er liegt zwar wasserseitig nicht direkt

am Mittellandkanal, ist aber über den elf Kilometer langen Stichkanal

Linden direkt mit ihm verbunden. Mit einem Hafenareal von 70

h ist er flächenmäßig der größte Hafenstandort von Hannover. Rund

50 Unternehmen mit circa 3.000 Beschäftigten haben sich hier angesiedelt

– vorwiegend aus dem Speditionsbereich der Gefahrgut- und

Kontraktlogistik. Seine besondere Stärke hat der Hafen im Kombinierten

Verkehr Schiene/Wasser. Seit 2003 wird zudem das Rail Terminal

Hannover (RTH) Leinetor im Lindener Hafen betrieben: Hier

werden Verbindungen nach Nord-Italien und Schweden abgewickelt.

Welche Bedeutung das Wasser hat, zeigt die Region Salzgitter.

Obwohl Salzgitter der drittgrößte Industriestandort in Niedersachsen

ist, findet man hier keine gläsernen Bürotürme – wohl aber riesige

Logistikhallen. Im Frühjahr nahm beispielsweise das MAN Logistics

Center seinen Betrieb auf, nachdem das Unternehmen rund 60

Mio. Euro in einen 52.000 m² großen Standort investiert hat. Per

Schiff gehen hier Stahlprodukte, Lkw und Motoren auf die Reise in

die ganze Welt.

Mit einer Länge von etwa 110 Metern und einer Breite von

11,45 Metern ist das Binnenschiff großräumig und hat ein günstiges

Verhältnis von Nutzlast zu toter Last. Die Güter können mit relativ

geringen Personalkosten bewegt werden und auch bei der Ökobilanz

punktet das Verkehrsmittel. Da die Schiffe die geringsten Reibungswiderstände

zu bewältigen haben, verbrauchen sie deutlich weniger

Energie als Bahn und Lkw. Gerade in den letzten Jahren hat

sich der Anteil der Großmotorgüterschiffe und der Schubschifffahrt

erhöht. Kanalgängige Schubverbände bestehen aus ein bis zwei ein-

Die Schleuse Sülfeld ist eine von insgesamt

dreien am Mittellandkanal – mit 325,3 Kilometern

die längste künstliche Wasserstraße

Deutschlands. Nach der Sanierung und dem

Neubau der Südkammer ist die Schleuse

auch für Großmotorgüterschiffe passierbar.

Bild © Anders Seefeldt (4)


72 Logistik regjo niedersachsen

regjo niedersachsen Logistik 73

cuxhaven

stade

Der Emdener Hafen. Umschlagsplatz von

Seefracht auf Binnenschiffe.

EMDEN

papenburg

dörpen

leer

lingen

c-port

spelle

osnabrück

oldenburg

eurohafen emsland

Nordenham

brake

minden

hannover

bückeburg

lüneburg

uelzen

wittingen

peine

hildesheim

fallersleben

braunschweig

salzgiter

Das Wasserstraßennetz Niedersachsens: Ems, Weser, Elbe, Dortmund-Ems-Kanal, Mittellandkanal, Elbe-Seitenkanal. An diesem dichten Netz

quer durch die Norddeutsche Tiefebene liegen insgesamt 28 Häfen, über die der Binnenschiffsverkehr abgewickelt wird; acht davon ermöglichen

als Seehäfen den Umschlag der Waren direkt von und nach Übersee.

Bild © Seaports of Niedersachsen (2)

fach gebauten Schiffshüllen ohne eigenen Antrieb oder Mannschaft.

Sie werden zu einer starren Formation zusammengekoppelt und von

einem kräftigen Schubschiff angeschoben. Ähnlich einem Anhänger

auf der Straße erhöhen sie die Transportkapazität bei geringeren

Mehrkosten. Im Sinne nachhaltiger Logistik fahren die Binnenschiffe

ungebremst aufs Siegerpodest. Der von ihnen verursachte

Lärm liegt weit unterhalb von Grenzwerten und im Gegensatz zu

Lkw bleiben sie auf ihrer Route und quälen sich nicht über vollgestopfte

Bundesstraßen in der Hoffnung auf zeitsparende Umfahrungen

der Bau- und Mautstellen. Ihre Akzeptanz in der Bevölkerung

ist entsprechend hoch. Einzig ihre Langsamkeit schob sie vor einigen

Jahren vermehrt in Richtung Trockendock. So auch in Niedersachsen,

wo die Branche während der Finanzkrise zu einer bedrohlichen

Talfahrt ansetzte, von der sie sich derzeit langsam erholt. Das

Bundesverkehrsministerium rechnet aber mit einer Zunahme des

Verkehrsaufkommens der Binnenschifffahrt bis zum Jahr 2050 im

Vergleich zu heute um mehr als 50 Prozent. Allerdings soll ihr heutiger

Marktanteil weiter sinken, da die anderen Landverkehrsträger

einen noch höheren Zuwachs einfahren werden.

Auch wenn sich Schnee und Eis auf den Wasserstraßen quasi

in „Nichts“ auflösen und keine baulichen Schäden verursachen,

sehen Experten ähnlich dem Sanierungsstau auf Autobahnen einen

erhöhten Handlungsbedarf bei der Optimierung der Wasserstraßeninfrastruktur.

Nachdem der Bund über viele Jahre zu wenig in die

Flüsse und Kanäle investiert hat, befinden sich viele Wasserstraßen

und ihre baulichen Anlagen in schlechtem Zustand. Der Vizepräsident

des Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt e.V.

(BDB) Georg Hötte geht von einem Jahresetat von rund 1,3 Mrd.

Euro aus, um sämtliche Erhaltungs- und Ausbaumaßnahmen an den

See- und Binnenwasserstraßen realisieren zu können. Der derzeitige

Haushaltsansatz beträgt allerdings nur 850 Mio. Euro. Dringender

Handlungsbedarf in Niedersachsen besteht derzeit beim Schiffshebewerk

Scharnebeck bei Lüneburg, dessen Baufälligkeit immer

wieder zu Sperrungen und damit zu Behinderungen im Hinterlandverkehr

führt. Auch die Schleuse Uelzen wird regelmäßig nur mit

einer Kammer betrieben und produziert so Staus auf dem Elbe-Seitenkanal.

Anders als bei Straße und Schiene gibt es bei Flüssen und

Kanälen unterschiedliche infrastrukturelle Ausbaustufen. Geringe

Brückendurchfahrtshöhen, zu geringe Schleusenkammerlängen und

fehlende Abladetiefen bremsen die Binnenschifffahrt immer wieder

aus. Das heute am häufigsten eingesetzte 110 Meter lange Großmotorgüterschiff

ist daher noch lange nicht in allen Relationen einsetzbar.

Ein von der Politik initiiertes Niedersächsisches Hafenkonzept

arbeitet an einem Aktionsplan Güterverkehr und entwickelt derzeit

ein Leitbild für die Wasserstraßeninfrastruktur.

Das allein reicht allerdings nicht aus, um die Binnenschifffahrt

zukunftsfähig zu machen. Die enormen Gütermengen, die mit einem


egjo niedersachsen Logistik 75

Südzipfel Niedersachsens, die Weser bei Hann. Münden.

Die Oberweser hat ihre Rolle für den Wassertransport schon

lange verloren. Doch 2007 wurde die Weserumschlagstelle

wiedereröffnet – als Verladestation für die übergewichtigen

und überdimensionierten Maschinenteile der nordhessischen

Firma Richter, für die der Wassertransport überlebenswichtig ist.

Bild © Stadt Hann. Münden

Schiff ankommen, müssen entsprechend ihrer Beschaffenheit zügig

weitertransportiert werden. Auch für den Binnenschiffer gilt: Zeit

ist Geld. Schnelles Ent- und optimaler Weise auch Beladen ist für

sein Unternehmen überlebensnotwendig. Da ist dann logistisches

Know-how gefragt. Die Transportkette darf nicht an Schwung verlieren.

Lagerhaltung, Distribution, Packing, Vor- und Nachläufe sind

für den Erfolg eines Hafens notwendig.

Grasende Kühe an den Ufern, ungewöhnliche Stadtansichten

vom Wasser aus und spannende Erlebnisse an Bord, so verklärt

romantisch sieht mancher den Berufsalltag eines Kapitäns und seiner

Mannschaft. Die Realität sieht, wie in den meisten Berufen,

doch etwas anders aus. Auch ein Binnenschiffer hat die Zeit im Nacken,

muss Be- und Entladezeiten beachten und Öffnungszeiten von

Schleusen und Schiffshebewerken auf seiner Fahrt einkalkulieren.

Um zukünftig wettbewerbsfähiger zu werden, muss sich die Branche

neu erfinden. Aufgrund der Altersstruktur der Beschäftigten ist

der Bedarf nach Nachwuchs aktuell sehr groß. Volker Seefeldt, Präsident

des Arbeitgeberverbandes der deutschen Binnenschifffahrt

(AdB) sieht daher einen absehbaren Personalmangel. Er mahnt: „Wir

müssen uns vorbereiten und heute anders werben als in der Vergangenheit.“

Gleichzeitig kann er jedoch auf gute Aufstiegschancen und

eine verhältnismäßig hohe Arbeitsplatzsicherheit verweisen. AdB-

Geschäftsführer Jörg Rusche weiß: „Matrosen haben traditionell das

höchste Ausbildungsgehalt, es geht los mit mehr als 850 Euro.“

Wegen der günstigen Transportkosten und der hohen Mengenleistungsfähigkeit

eignet sich die Binnenschifffahrt besonders für

moderne Massengüter. Die mengenmäßig wichtigsten Segmente der

Binnenschifffahrt sind die Bau- und Stahlindustrie sowie der Energiesektor.

In Deutschland stiegen im vergangenen Jahr die Transporte

von Erzen und Metallabfällen um 45 Prozent. Diese Entwicklung

kam auch in Niedersachsen an. Mit einem Zuwachs von 42,5

Prozent wurden 1,2 Mio. t mehr Erze und Metallabfälle transportiert

als 2009. Die geplanten Kohlekraftwerke, die als Ersatz für die abgeschalteten

Atomkraftwerke ans Netz gehen sollen, könnten ebenfalls

bald ganz oben auf den Ladepapieren der Binnenschiffer stehen.

Kraftwerkskohle reist traditionell gerne auf Binnenschiffen.

Ab August 2012 wird der JadeWeserPort Wilhelmshaven (JWP)

den Betrieb aufnehmen. Containerschiffe der neuesten Generation

können dann über diesen einzigen tideunabhängig erreichbaren Tiefwasserhafen

Deutschlands abgefertigt werden. Mit der Binnenschifffahrt

steht dann ein Transportmittel bereit, das auf Wasserwegen

das Hinterland anbindet. Für Logistikexperten eine durchaus spannende

Vorstellung sind auch die „schwimmenden Landstraßen“, die

ein Umladen von der Straße auf das Wasser überflüssig machen, weil

die Lkw gleich ganz auf die Schiffe rollen. Eine echte Alternative mit

ausgezeichneten CO 2

-Emissionswerten, die ohne Ferien- und Sonntagsfahrverbote

und Lärmschutzwände auskommen. Es gibt bei der

Bildung effizienter Transportketten also genügend für die Binnenschiffer

zu tun, denn nur im Binnenhafen stehen die Vorteiler aller

Verkehrsträger zur Verfügung.


76 gewerbe regjo niedersachsen regjo niedersachsen gewerbe 77

Industrie- und Gewerbegebiete in Niedersachsen

Landkreis / kreisfreie

Stadt

Fläche

in ha

Nutzung Kontakt Telefon

1 Ammerland 23 GE/GI Hans-Otto Ulken 04489/7310

2 Aurich 45 GE/GI Otto Kenke 04941/168001

3 Braunschweig, Stadt 59 GE/GI Simone Schumacher 0531/38043822

4 Celle 37 GE/MI Mira Kuschnerus 05146/50725

5 Cloppenburg 237 GI Martin Kropp 04491/786001

6 Cuxhaven 124 GE Thomas Lötsch 04721/599620

7 Delmenhorst, Stadt 11 GE Axel Langnau 04221/991181

8 Diepholz 18 GE Frank Lemmermann 04203/71200

BORKUM

JUIST

MEMMERT

NORDERNEY

LANGEOOG SPIEKEROOG WANGEROOGE

BALTRUM

WILHELMS-

Wittmund

HAVEN

Jever

44

2

11

Aurich

45

Friedeburg

Ems-Jade-Kanal

MELLUM

Nordenham

Cuxhaven

Nordholz

A27

6

BREMERHAVEN

(zu Bremen)

Oste

Stade

39

Elbe

GVZ

9 Emden, Stadt 160 GI Johann Kruse 04921/871588

10 Emsland 350 GI Martina Kruse 05931/444014

11 Friesland 22 GE/GI Frank Schnieder 04421/7789072

12 Gifhorn 64 GE/GI Uwe-Peter Lestin 05303/5272

13 Goslar 33 GI Thomas Beckröge 05322/74600

14 Göttingen 27 GE Harald Grahovac 0551/789010

15 Göttingen, Stadt 26 GI Hans Hahn 0551/547430

16 Grafschaft Bentheim 56 GE/GI Helmut Treiber 05921/878169

17 Hameln-Pyrmont 14 GE Ulrich Waltemathe 05151/206229

18 Hannover, Region 35 GI Heike Reupke 0511/61623289

19 Hannover, Stadt 21 GE Gabriele Zingsheim 0511/168 45025

20 Harburg 36 GE Matthias Wiegleb 04171/657213

21 Heidekreis 130 GI Gerrit Lieske 05161/44-2157

9

Emden

A31

24

A28

A31

Leer

Papenburg

Küstenkanal

10

Dörpen GVZ

Ems

1

Westerstede

OLDENBURG 31

5

A29

Cloppenburg

Hamme-Oste-Kanal

43

Brake

Weser

A1

33

Osterholz-Scharmbeck

Worpswede

Lemwerder

36 Rotenburg

GVZ

7 Delmenhorst

Weyhe

29

42

Wildeshausen

Verden (Aller)

A27

Weser

Soltau

21

A7

20

Winsen

26

Lüneburg

Uelzen

40

Elbe-Seiten-Kanal

E l b e

25

Lüchow

22 Hildesheim 46 GI Guido Sievers 05181/703121

23 Holzminden 47 GE Wolfgang Anders 05532/9005220

24 Leer 19 GE/GI Bernhard Bramlage 0491/9261265

25 Lüchow-Dannenberg 202 GE Martina Grud 05841/9786713

GVZ

Dortmund-Ems-Kanal

Meppen

Artland, Samtgemeinde

30

A1

41

Vechta

Diepholz

27

Nienburg

4

Celle

26 Lüneburg 25 GE Gerhard Voigts 04131/208224

27 Nienburg/Weser 33 GE/GI Walter Meinders 05021/87320

28 Northeim 16 GE/GI Stefan Wolfgang 05551/9149912

29 Oldenburg 70 GE/GI Hans-Werner Aschoff 04431/85438

30 Oldenburg, Stadt 23 GE/GI Heiner Vahlenkamp 0441/2352259

31 Osnabrück 297 GE/GI Uwe Schumacher 05493/549210

32 Osnabrück, Stadt 45 GE/SO Wolfgang Gurk 0541/331400

33 Osterholz 12 GE Siegfried Ziegert 04791/930597

34 Osterode am Harz 34 GI Karl-Heinz Löwe 05522/318270

35 Peine 14 GI Susanne Scheler 05171/49246

16

Nordhorn

A30

Mittellandkanal

32

OSNABRÜCK

GVZ

A30

A33 Melle

18

Stadthagen

38

Weser

17

Hameln

HANNOVER

19

Gifhorn

GVZ

12

A2

WOLFSBURG

35

GVZ

Lehrte

Peine

3

A39

Mittellandkanal

BRAUNSCHWEIG

Helmstedt

22

Hildesheim A39 37

SALZGITTER

Wolfenbüttel

GVZ

46

36 Rotenburg (Wümme) 15 GI Peter Freytag 04264/832011

37 Salzgitter, Stadt 48 GE/GI Richard Schudrowitz 05341/9009930

38 Schaumburg 36 GE Andreas Wendt 05751/403142

39 Stade 153 GE/GI Thomas Friedrichs 04141/401140

23

Holzminden

28

A7

13

Goslar

40 Uelzen 15 GE/GI/MI Georg Duwe 0581 8006 341

34

41 Vechta 297 GE/GI Uwe Schumacher 05493/549210

Northeim

Osterode

42 Verden 28 GE/GI Birgit Koröde 4231/12206

43 Wesermarsch 75 GE/GI/SO Kay Lutz Pakula 04401/996915

44 Wilhelmshaven, Stadt 376 GI Jürgen Janßen 04421/910625

45 Wittmund 4 GE Karin Emmelmann 04465/80610

15

GÖTTINGEN

14 GVZ

46 Wolfenbüttel 8 MI Andreas Memmert 05335/8010

A38

29

Gewerbegebiet

Flughafen

Seehafen

GVZ

Güterverkehrszentrum

Wasserstraße

Autobahn

Das kommunale Standort-Informationssystem Niedersachsen KomSIS

bietet mehr als 1.000 Gewerbeflächen im Internet: www.komsis.de.

KomSIS.de

ICE- / IC-Strecke

Es handelt sich jeweils um die größte zusammenhängende Gewerbefläche.

Stand: November 2011 – Wir bitten freundlichst um das Anzeigen von Änderungen


78 wirtschaft regjo niedersachsen regjo niedersachsen wirtschaft 79

Immer die

richtige Größe

Mit KomSIS.de ging vor zehn Jahren das niedersächsische

Standortportal für Gewerbegebiete an den Start.

Mit circa 10.000 Zugriffen pro Monat ist es eines der

meistbesuchten Standortportale Deutschlands.

Text: Sven Grünewald Fotografie: GWG

Unternehmen sucht neues Zuhause? Irgendwo in Niedersachsen?

Was darf’s sein – kleine Modeboutique oder riesiges Warenlager?

Egal ob einheimische oder internationale Projektentwickler, Investoren

oder Unternehmen, die Raum für neue Standorte suchen,

KomSIS zeigt, was sich für Lokalitäten in Niedersachsen anbieten.

Knapp 1.500 entsprechende Immobilien und Flächen sind in

der Datenbank inzwischen abrufbar, hinzu kommen noch detaillierte

Standortinformationen der über 450 Kommunen und das

auch komplett auf Englisch. Die Nutzerstatistik belegt eindrucksvoll,

dass die Idee zu KomSIS eine zukunftsfähige war: Mehr als

10.000 Zugriffe pro Monat verzeichnet das Portal, das seinen Funktionsumfang

und Aktionsradius stetig erweitert. Zuletzt wurde im

September 2011 privaten Anbietern ermöglicht, ihre Gewerbeimmobilien

kostenfrei auf der Plattform einzustellen.

KomSIS ist ein kommunal getragenes Angebot, das sich in den

letzten zehn Jahren als zentrales Standortportal für Niedersachsen

etabliert hat. Beim Institut für Regionalentwicklung und Informationssysteme

(regio gmbh) aus Oldenburg betreut man das Portal

von Anfang an und ist zu Recht stolz darauf, was aus der Idee

geworden ist. Damals wurden bei den Kommunen mehrfach im

Jahr von mehreren Anbietern immer wieder die gleichen Daten

angefragt. Daher entwickelte man gemeinsam mit Wirtschaftsfördereinrichtungen

die Idee, dass ein Netzwerk möglichst aller niedersächsischen

Kommunen diese entsprechenden Informationen zu

Gewerbeflächen im Internet bereitstellen sollte, um sie allgemein

verfügbar zu machen. Gebietskörperschaften, Wirtschaftskammern

und das Wirtschaftsministerium ließen sich von der Umsetzungsfähigkeit

des Vorhabens überzeugen. Als das „Kommunale Standort-Informations-System

Niedersachsen“ (KomSIS) im Dezember

2001 mit 950 Gewerbeflächen online ging, waren 46 von den insgesamt

47 niedersächsischen Landkreisen und kreisfreien Städten

mit dabei. Nur der Landkreis Osterode am Harz klinkte sich mangels

Flächen – bis auf die Stadt Osterode – aus.

„Im Vergleich zu anderen Bundesländern ist wohl einmalig,

dass hier in Niedersachsen die Kommunen, die ja zugleich auch

Konkurrenten im Ansiedlungsgeschäft sind, bei diesem System

direkt kooperieren und es auch finanziell tragen“, sagt Hartmut

Auts, der Manager von KomSIS bei regio. Bemerkenswert ist auch

die Vernetzung des Portals. „Die KomSIS-Funktionen und Inhalte

werden in vielen weiteren Internetauftritten integriert, wie zum

Beispiel bei der Metropolregion Bremen-Oldenurg oder der Weserbergland

AG. Diese Synergieeffekte ersparen letztlich allen Beteiligten

viel Arbeitsaufwand und auch Erstellungskosten für eigene

Systeme.“ KomSIS.de ist in den letzten zehn Jahren technisch und

inhaltlich kontinuierlich weiterentwickelt worden, so ist jüngst eine

interaktive Kartensuche implementiert worden, die das Suchen und

Finden erleichtert. Auch für die Zukunft sieht Hartmut Auts noch

viel Entwicklungspotenzial: „Wichtig ist die weitere Vernetzung

im Bereich Standortmarketing. So etwa eine gerade beschlossene

intensivere Kooperation mit der Nord/LB Regionalwirtschaft durch

die im kommenden Jahr eine Zusammenführung von KomSIS.de

mit dem Standortatlas Niedersachsen erfolgen wird.“

Umfassende Informationen für Niedersachsen: Standortsuchende

und Projektentwickler aus dem In- und Ausland

schätzen www.komsis.de. Bild: Gewerbegebiete in Göttingen.

Erweiterung

einer guten Idee

Die Wirtschaftsförderung Göttingen erweitert mit

dem GVZ Siekanger und dem Ausbau des Kern-GVZ

das Angebot Göttingens als Logistikstandort.

Text: Volker Schönfeldt Fotografie: GWG

Seit etwa zehn Jahren boomt die Logistikbranche, das Rückgrat

der Globalisierung. Ein Wirtschaftstrend, der die nächsten Jahre

noch beherrschen wird; doch dann dürfte die Organisation der

Branche abgeschlossen, der Kuchen zwischen den Logistikzentren

aufgeteilt sein. So schätzt es Klaus Hoffmann ein, Geschäftsführer

der Gesellschaft für Wirtschaftsförderung und Stadtentwicklung

Göttingen mbH (GWG). Die Stadt Göttingen kann dabei

schon auf vielfältige Erfolge im nationalen Positionierungswettbewerb

zurückblicken. Als vor viereinhalb Jahren das erste stadtnahe

Güterverkehrszentrum (GVZ) eröffnet wurde, waren sehr schnell

Nutzer gefunden, so dass für große Ansiedlungen bald kein Platz

mehr war. Das war der Startschuss für die Planungen zum zweiten

Logistikstandort am Siekanger im Westen der Stadt. „2011 beginnen

wir mit der Erschließung, dann können wir geeignete Logistikflächen

zur Verfügung stellen“, sagt Klaus Hoffmann. Auf 35

Hektar beläuft sich das Areal, das man als logistisches Filetstück

bezeichnen kann: „Das Gebiet ist direkt an der ICE Bahntrasse gelegen,

ein Gleisanschluss ist möglich, die A7 ist in direkter Nähe“,

beschreibt Hoffmann die Gegebenheiten. „Wir haben zudem ein

Gelände, das nahezu eben ist und das man fast beliebig parzellieren

kann. Wir haben entsprechende Schallschutzausweisungen, so

dass ein Betrieb Tag und Nacht sowie sieben Tage die Woche garantiert

werden kann. Außerdem ist der Siekanger mit stadtnah gelegenen

und allen benötigten Infrastrukturangeboten gut erreichbar.

Kurz: ein integrierter Standort.“

Mit der Inbetriebnahme der brandneuen Verladeanlage für

den kombinierten Verkehr im Kern-GVZ (welche Göttingen als

Seehafen-Hinterland-Standort positioniert) wird ein direkter

Anschluss an den Autobahnzubringer im Norden erforderlich. So

können die gestiegenen Kapazitäten bewältigt werden. Die Planungen

dafür befinden sich bereits im fortgeschrittenen Stadium.

Am Siekanger steht diese Infrastruktur schon zur Verfügung: Die

A7 ist praktisch nebenan und die KV-Anlage ist auf kurzem Wege

erreichbar, ein direkter Gleisanschluss ist zudem realisierbar. Als

Logistikstandort kommt Göttingen seine ideale Lage zugute. Er ist

an der wichtigsten Nord-Süd-Autobahn gelegen und mit den entsprechenden

Bahnverbindungen vernetzt. Der Westen ist über das

Kasseler Kreuz gut zu erreichen, während in Richtung Osten die

A38 führt. Göttingen kann die ideale Lage inmitten Deutschlands

nutzen, um sich als Logistikstandort zu profilieren.

Kontakt:

GWG Gesellschaft für Wirtschaftsförderung

und Stadtentwicklung Göttingen mbH

www.gwg-online.de


80 sport regjo niedersachsen regjo niedersachsen sport 81

Niedersachsen gut in Form

Niedersachsen hat sportlich gesehen einiges zu bieten: 39 Frauen- und Männer-Mannschaften tummeln

sich in den verschiedensten Sportarten in den höchsten Ligen Deutschlands.

Bild © Citypress 24/Christian Schrödter


82 Automotive regjo niedersachsen

regjo niedersachsen automotive 83

Artland Dragons vs. BG Göttingen. Vier der

insgesamt 18 Erstbundesliga-Vereine im

Männer-Basketball kommen aus Niedersachsen.

Bild © Rolf Kamper


84 sport regjo niedersachsen regjo niedersachsen sport 85

Die J.E.T.s aus Goslar. Von den zehn Mannschaften der

1. Bundesliga im Jazzdance kommen zwei aus Niedersachsen

(die andere Gruppe sind Fearless aus Wolfsburg).

S. 80/81: Auch die Damen des VfL Wolfsburg spielen in der

1. Bundesliga Fußball. Unter den zwölf Mannschaften sind sie

die einzigen Niedersachsen.

Bild © Andreas Schönfelder

Text: Julia Wolffson

Die Halle ist bis auf den letzten Platz besetzt. Die Tribünen, direkt

am Spielfeldrand, machen aus dem Basketballfeld einen Hexenkessel.

Es ist laut – ‚Defense, Defense‘ schreit die Menge. In der

130.000-Einwohnerstadt Göttingen, sonst eher nicht als Sportmetropole

bekannt, spielt die BG – die Basketball Gemeinschaft Göttingen.

Die Violetten sind neben Braunschweig, Oldenburg und

Quakenbrück in der Samtgemeinde Artland eine von vier Erstliga-Basketball-Mannschaften

in Niedersachsen. Gerade letzterer

Verein ist durchaus eine Besonderheit in der Welt des Sports:

In der Samtgemeinde Artland leben rund 22.000 Personen und

wenn die Artland Dragons spielen, tobt jedes Mal das Basketballfieber

und alles pilgert in die Artland-Arena, die fast ohne Ausnahme

bei jedem Spiel bis auf den letzten der 3.000 Plätze gefüllt

ist. Wer hätte gedacht, dass Niedersachsen gerade in diesem Sport

ganz vorne mit dabei ist?

Zwischen 1984 und 2008 gewannen niedersächsische Sportler

43 olympische und sogar 65 paralympische Medaillen. Am Ende

der letzten Saison konnte das Bundesland fast 40 Männer- und

Frauenteams aufweisen, die in ersten Bundesligen mitmischten.

Die Sportarten sind vielfältig. Nicht nur im Fußball und im Basketball

sind niedersächsische Mannschaften durchaus erfolgreich,

auch Formationstänzer und Jazz- und Modern-Tänzer stellen Bundesligateams,

ebenso wie Ruderer, Handballer, Wasserballer und

viele mehr. Nur sehr wenige dieser Spitzensportler haben jedoch

das Glück, ihren zeit- und leistungsaufwändigen Sport zum Beruf

machen zu können. Für die meisten bleibt es eine Freizeitbeschäftigung,

die mit Beruf oder Schule unter einen Hut gebracht werden

muss. Vom Basketball und vom Fußball können einige männliche

Sportler durchaus leben, dies sieht jedoch in allen anderen Sportarten,

auch in der Bundesliga, gänzlich anders aus. Vor allem macht

auch das Geschlecht in der Domäne des Sports heute durchaus noch

einen großen Unterschied: Nicht nur in den kleineren Dingen, dass

zum Beispiel die Herren in aller Regel Vorrang bei den Trainingszeiten

sowie die besseren Hallen und Plätze zur Verfügung haben,

auch sind die Ränge beim Männersport selbst in den niedrigeren

Ligen besser gefüllt als bei den Frauen, Sponsoren interessieren

sich ebenfalls in der Regel eher für die Herren, vor allem aber wird

weiblichen Hochleistungen auch die breite Anerkennung durch die

Medien verwehrt. Ein finanzielles Leben selbst vom Fußball ist bei

den Frauen weiterhin kaum denkbar.

Ein Beispiel gab die Frauen-Fußball-WM 2011. Mit Frauen-

Fußball-Sammelbildchen machte Panini zwar den Versuch, Aufmerksamkeit

auf die Spielerinnen zu lenken, dennoch war diese

Weltmeisterschaft der Frauen im Gegensatz zur Männer-WM eine

Kleinst-Veranstaltung. Und das, obwohl die Frauen zu den absoluten

Favoriten zählten. Dass es dann für die anfangs so hochgelobten

Damen mit dem Traum von der Weltmeisterschaft schon im Viertelfinale

vorbei war, hat sicherlich ebenfalls nicht zu breiterem Interesse

für diese Seite des sonst wohl beliebtesten Sportes überhaupt

geführt. Nun liegt die Schuld für die Ignoranz der sportlichen Leistungen

des weiblichen Teils der Bevölkerung zwar nur bedingt bei

den Medien, aber verdient das Bild des Torjubels der Frauen nicht

den gleichen Platz wie bei den Herren?

Für diese Tatsache, dass männliche Sportler teilweise wie Popstars

leben und weibliche noch nicht einmal den Fußball in der

Bundesliga zu ihrem Beruf machen können, ist Andrea Wilkens ein

gutes Beispiel. Die 26-jährige Fußballerin vom VFL Wolfsburg ist

in Vollzeit berufstätig. Der Sport in der ersten Bundesliga ist Freizeit.

Die Gleichberechtigung hat im Fußball definitiv noch nicht

Einzug gehalten. Nach einem harten Arbeitstag steht allabendlich

das Fußballtraining an, am Wochenende Spiele und Lehrgänge.

„Es ist ziemlich stressig und beides zu 100 Prozent zu erfüllen, ist

nicht einfach. In der Schule war es ganz leicht: Wenn die Zensuren

in Ordnung waren, dann wurde jeder Freistellung zugestimmt“,

erzählt die Mittelfeldspielerin. Wie sie haben viele niedersächsische

Sportler eine Doppelverpflichtung zu erfüllen. Beruf und Sport

müssen miteinander vereinbart werden, aber es geht natürlich meist

schon früher los: Das Leben als Teenager ist für Leistungssportler

nicht nur Schule, Spaß und Freunde, sondern eben auch Sport –

und eine ganze Menge Fahrerei. Zum Vereinstraining, das in vielen

Fällen noch in der Heimatstadt oder zumindest in der Nähe stattfindet,

kommt das Kadertraining hinzu, das besonders wichtig ist

für die Entwicklung der jungen Athleten. Die D1- bis D4-Kader der

verschiedenen Sportarten auf Landesebene stehen für die Talentfindung

und das sogenannte Anschlusstraining, das auf die höheren

Kader vorbereitet. In Niedersachsen bedeutet dies oft eine ein- bis


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Bild © Ruder-Bundesliga (RBL)/Moritz Hahn/Alexander Pischke, Julia Wolffson

zweimal wöchentliche Fahrt nach Hannover, Braunschweig, Oldenburg

oder Osnabrück. Mit zunehmendem Alter und zunehmender

Leistung können dann die C-, B- und vielleicht sogar A-Kader auf

Bundesebene durchlaufen werden. Das Leistungs- und Hochleistungstraining

steht unter der Federführung der sportlichen Fachverbände

und besteht meist nicht aus wöchentlichem Training, sondern

aus Lehrgängen über mehrere Tage, da sie zentral für alle Bundesländer

stattfinden.

Eine, die in der Maschinerie der Leistungskader mittendrin

steckt, ist Dinah Fröhlich. Die 19-jährige Abiturientin aus

Braunschweig spielt leidenschaftlich gern Hockey. Nicht nur

zum Spaß: Gerade hat sie den Sprung in den U21-Nationalkader

geschafft. Dahin führte ein langer Weg. Die niedersächsischen Leistungskader

hat sie alle neben der Schule durchlaufen. Zusätzlich

zu zwei- bis dreimal wöchentlichem Training in ihrem Verein in

Braunschweig stand noch das Leistungstraining in Hannover an.

Statt Partys am Wochenende hieß es oft Punktspiel, Kader-Lehrgang

oder Turnier. Dies bedeutete nicht nur für Dinah Fröhlich

selbst einen großen Druck und vor allem Zeitaufwand, sondern

auch für ihre Eltern. Ohne deren Unterstützung ist der Leistungssport

als Teenager kaum möglich, nicht nur weil Mutter oder Vater

als Fahrer unabdingbar sind – auch die Unterstützung solch eines

Lebens an sich ist wichtig. In dieser Beziehung hatte es das Nachwuchstalent

sicherlich einfacher als andere junge Sportler, schließlich

wussten ihre Eltern, worauf sie sich einließen: Mutter Karen

hat selbst lange Zeit in der Nationalmannschaft der Hockey-Damen

gespielt und auch Vater Thomas spielte hochklassig Hockey. „Natürlich

ist das auch ganz schön stressig, vor allem in den Klausurenphasen

oder wenn die Freunde mal sagen, dass man nie Zeit hat.

Ohne Sport könnte ich aber einfach nicht“, erzählt die Hockey-Spielerin.

Am Morgen des Gesprächs ist sie schon beim Athletiktraining

gewesen, danach noch Laufen, dann beim Training. Ein volles

Programm. Aber ihr geht es nicht nur um die Leistung und den

Sport an sich, „besonders wichtig ist auch das Mannschaftsgefühl.“

Der Damen-Achter des Osnabrücker Rudervereins – zusammen mit dem

Deutschen Ruderclub Hannover die Niedersachsen in der 1. Damenliga

(von insgesamt 18 Mannschaften). Auch die Männer beider Vereine rudern

in der 1. Bundesliga (hier sind‘s nur 16 Teams).

U21-Nationalspielerin Dinah Fröhlich aus Braunschweig beim Training.

Bis zum Sommer spielte Dinah Fröhlich

bei Eintracht Braunschweig, einem Traditionshockeyverein,

der im Augenblick mit

einigen Tiefen zu kämpfen hat, in der Regel

aber in der ersten Liga mitmischt. Nun aber

hat die Abiturientin ihre Koffer gepackt, um

einige Zeit für den spanischen Spitzenclub

Terrassa – die spanische Hockeyliga ist eine

der wichtigsten in Europa – zu spielen. Und

auch sonst hat sie ein sehr sportliches Leben

vor Augen. Neben den Zielen in Sachen

Hockey-Nationalmannschaft möchte sie

sich auch in ihrem späteren Beruf gerne die

sportliche Karriere offenhalten. Nach dem

Spanien-Aufenthalt möchte sie zur Polizei.

Nicht nur, weil die niedersächsische

Polizei Sportlern perfekte Rahmenbedingungen

liefert, auch wenn es natürlich ein

schöner Nebeneffekt ist. Sportlern olympischer

Sommerdisziplinen wird ein Studium

an der Polizeiakademie in Nienburg an der

Weser angeboten, dass sich im Gegensatz zu

vielen anderen Studien- und Ausbildungsplätzen

sehr gut mit dem Sport vereinbaren

lässt. Zum Beispiel kann die normalerweise

dreijährige Ausbildungszeit auf fünf Jahre

gestreckt werden, um neben dem Studium

an sportlichen Wettbewerben und Lehrgängen

teilnehmen zu können. Derzeit nutzen

13 Sportler in Niedersachsen diese Möglichkeit.

Aber nicht nur die Polizei Niedersachsen

hat sich dem Sport verpflichtet und

bietet Athleten die Vereinbarkeit von Beruf

und Sport. Auch VW zum Beispiel bietet

sogenannte Sportlerarbeitsplätze, in denen

die Athleten wesentlich flexibler sind und

somit eine sportliche Karriere neben dem


88 sport regjo niedersachsen regjo niedersachsen sport 89

Arbeitsplatz ermöglicht wird und sie außerdem

vielfältig unterstützt werden.

Ein wichtiges Kapitel in der niedersächsischen

Sportlandschaft sind dementsprechend

nicht nur die Vereine, sondern

auch Förderungsmöglichkeiten, die erlauben,

den Sport ins normale Leben zu integrieren,

sowie die Nachwuchs- und Leistungsförderung,

die das A und O für das

Mitmischen niedersächsischer Athleten auf

höchstem Niveau sind. Verantwortlich für

diese Förderung ist der niedersächsische

Landessportbund. Katharina Kümpel, Pressesprecherin

des LSB: „Der Landessportbund

Niedersachsen koordiniert die Aktivitäten

im Hochleistungs- und Spitzensport

auf Landesebene, setzt unter Berücksichtigung

der nationalen Interessen des Bundes

und auch des Landes gezielte Schwerpunkte

und Prioritäten in der Förderung und sorgt

gemeinsam mit den Landesfachverbänden

für geeignete Rahmenbedingungen und

Unterstützungsleistungen.“

Für Höchstleistungen im Sport selbst

wurde der Olympiastützpunkt Niedersachsen

in Hannover als einer von 20 Olympiastützpunkten

Deutschlands ins Leben

gerufen. Die Finanzierung erfolgt aus Mitteln

des Bundes und des Landessportbundes.

Der Stützpunkt ist eine „Betreuungs-

und Serviceeinrichtung“, so der

Landessportbund, für die rund 250 niedersächsischen

Bundeskadersportler und

deren Trainer. Dazu gehört die sportmedizinische,

physiotherapeutische, trainingsund

ernährungswissenschaftliche sowie

soziale und psychologische Betreuung. Bis

zu 32 Stunden Training in der Woche sind

laut Landessportbund keine Seltenheit. Da

werde solch ein Stützpunkt dringend benötigt,

um den Sportlern Unterstützung und

Hilfe zu gewähren. Unter anderem bietet

der Stützpunkt zum Beispiel auch eine

Laufbahnberatung: Der Landessportbund

möchte die Sportlerkarriere als Prozess in

drei Stufen verstanden wissen, schließlich

kann der Sport kaum bis ins Rentenalter

für den Lebensunterhalt sorgen – wenn er

das überhaupt zu irgendeiner Zeit tut. Die

drei Phasen sind also die Hinführung zum

Leistungssport, dann die eigentliche Hochleistungsphase,

schließlich das Ende der

Sportkarriere und der Übergang ins Berufsleben.

„Die Laufbahnberatung am Olympiastützpunkt

hilft dabei, Spitzensport und

Beruf in Einklang zu bringen“, so Katharina

Bild © Philip Nahrath

Wolfenbüttel Wildcats (in weiß). Die Basketball-Damen sind eines von drei

niedersächsischen Erstbundesliga-Teams – die 1. Bundesliga der Damen

hat insgesamt nur zwölf Mannschaften.

Kümpel. „Wichtig dabei ist, dass die Sportler

frühzeitig in die Lage versetzt werden, Prioritäten

zu setzen und wichtige berufliche

Ziele weniger wichtigen sportlichen vorzuziehen

und umgekehrt.“

Seit 2010 gibt es eine weitere Neuerung

im Leistungssport Niedersachsens, die

vor allem eine Investition in die Zukunft ist.

Rund 130 junge Sportler besuchen gegenwärtig

in Voll- oder Teilzeit das Lotto-Sportinternat

in Hannover. Hier sollen Schule

Bild © Hannover 78/Karsten Schröder

und Leistungssport verknüpft werden, so

wie es in manch „normaler“ Schule nicht

möglich wäre, denn die Stundenpläne sind

so gemacht, dass zwar die Schule nicht zu

kurz kommt, der Sport aber eine ebenso

wichtige Rolle einnimmt und eben nicht nur

eine zusätzliche Belastung für die Jugendlichen

darstellt. Wichtig dabei ist, dass ein stabiles

soziales Umfeld besteht mit Mitschülern,

die in einer ähnlichen Situation sind.

Zudem geht es aber auch darum, die zeitaufwändige

Fahrerei von der Wohnung zum Sport zu minimieren und

somit das Leben einfacher zu gestalten und den Zeitdruck zu reduzieren:

„Weltmeister werden und den Schulabschluss schaffen“ lautet

der Leitsatz.

Aber wie gut ist Niedersachsen nun tatsächlich in Form? Dass

einige niedersächsische Sportler und Vereine national und international

mitmischen, ist nicht zu verkennen. Nicht nur, dass 39 Mannschaften

in der jeweiligen höchsten Liga vertreten sind und dort

auch in den letzten Jahren schon Meistertitel einstecken durften,

auch Europa- und Weltmeister- oder zumindest Vizeweltmeistertitel

gingen nach Niedersachsen. Die J.E.T.s aus Goslar, auch nicht

gerade eine Sporthauptstadt, rangieren seit vielen Jahren auf den

ersten Plätzen der Bundesliga und waren 2010 Deutscher Meister;

dass Hannover 96 und VFL Wolfsburg hochklassig Fußball spielen,

ist nicht nur in Niedersachsen oder Deutschland bekannt, letzterer

Verein hat auch in der Frauen-Bundesliga etwas zu sagen. Der

BTSC in Braunschweig war 2010 Europa- und Vizeweltmeister; der

Hannover 78 (in blau-weiß kariert). Einziger niedersächsischer Erstbundesliga-Verein

im Rugby – die Hälfte der zehn Mannschaften dort

stammt aus Heidelberg.

Niedersachse Arndt Peiffer war mit Gold- und Silber bei der Biathlon-Weltmeisterschaft

2011 der erfolgreichste Mann im WM-Team.

Auch, wenn Niedersachsen nicht das Land ist, bei dem als erste Assoziation

der Sport ins Gedächtnis kommt und es noch mehr als genug

Sportarten gibt, in denen niedersächsische Vereine wirklich nichts

zu sagen haben – sportlich ist der Norden trotzdem: Im Jahr 2010

zählte der Landessportbund 2,78 Millionen bewegungsfreudige Menschen

in den rund 9.600 in diesem Verband organisierten Sportvereinen,

immerhin fast stolze 40 Prozent der Bevölkerung. Den Mitgliederschwund,

der den Landessportbund gepackt hat, gilt es jedoch

aufzuhalten – damit Niedersachsen in Form bleibt.


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Bild © Hildesheim Marketing/Obornik

Weltkultur und regionales Erbe

Dank romantischer Fachwerkfassaden und steinerner Weltkulturerbestätten ist Hildesheim ein attraktives

Reiseziel. Die abwechslungsreiche Kulturszene und eine landschaftlich reizvolle Umgebung machen

sie lebenswert. Und als Großstadt mit Universität markiert sie einen bedeutenden Wirtschaftsstandort.

Text: Angela Andresen-Schneehage

Die Hildesheimer freuen sich über Besuch und zeigen

es auch. Wenn die ausgebildeten Stadtführer ihre Gäste

zu einer Zeit- und Entdeckungsreise durch die mehr

als tausendjährige Geschichte einladen, dann heißen

sie sie persönlich willkommen – auf „gut Deutsch“, in

einer von sechs Fremdsprachen oder sogar mithilfe der

Gebärdensprache. Gastwirte und Hoteliers verwöhnen

den Erholung suchenden Urlauber ebenso wie fleißige

Geschäftsreisende oder Tagungsteilnehmer. Und sogar

die Autofahrer der Stadt scheinen jeden Ankommenden

mit einem international-freundlichen „HI“ auf

ihren Kennzeichen zu grüßen.

Man schrieb das Jahr 815, als Ludwig der

Fromme, ein Sohn Karls des Großen, auf dem Gebiet

des heutigen Hildesheims ein Bistum gründete und

die Geschichte dieser Stadt ihren Anfang nahm. Bis

heute sind es die Sakralbauten, für die Hildesheim weit

über die Grenzen des Landes hinaus berühmt ist – spätestens

seit die UNESCO den Mariendom und die St.

Michaeliskirche 1985 in die Liste ihrer Welterbestätten

aufgenommen hat. Beide Kirchen sind herausragende

Beispiele frühromanischer Baukunst und bewahren

eine große Zahl außergewöhnlicher kunstgeschichtlicher

Ausstattungsstücke. Prunkstück im Inneren der

St. Michaeliskirche ist die bemalte Holzdecke aus dem

13. Jahrhundert, die einen faszinierenden Eindruck

romanischer Monumentalmalerei vermittelt. Der Eintritt

in den Hildesheimer Dom bleibt Besuchern vorerst

verwehrt, denn die Bischofskirche wird zurzeit

aufwändig saniert. Doch bis zum Bistumsjubiläum im

Jahr 2015 sollen die Arbeiten abgeschlossen und der

Dom feierlich wiedereröffnet sein. Die Besichtigung

einiger spektakulärer Kunstschätze aus dem Mariendom

ist dennoch möglich, sie werden für die Zeit

der Bauarbeiten an benachbarten Orten präsentiert:

So sind die beiden fast fünf Meter hohen Flügel der

beeindruckenden Bernwardtür im Roemer- und Pelizaeus-Museum

zu sehen. Die jeweils in einem Stück

gegossenen Bronzereliefs zeigen Darstellungen des

Alten und Neuen Testaments in ungewöhnlicher Plastizität.

Ein ebenfalls meisterlicher Bronzeguss ist die

Christussäule mit einem spiralförmigen Reliefband,

das 28 Stationen aus dem Leben Jesu abbildet. Sie findet

während der Domsanierung in der St. Michaeliskirche

ihren Platz. Und der prächtige Heziloleuchter –

mit sechs Metern Durchmesser die größte erhaltene

mittelalterliche Lichterkrone – ist bis zur Wiedereröffnung

des Domes in der Basilika St. Godehard zu

bewundern. Ein anderes, wahrlich blühendes Zeugnis

der Domgeschichte ist unabhängig von der tem-


92 land & umwelt regjo niedersachsen regjo niedersachsen land & umwelt 93

Der Kehrwiederturm ist der letzte Turm der ursprünglichen

Stadtbefestigung. Der Name soll von seinem Glockengeläut

stammen, das Bürgern den Heimweg zeigte.

porären Schließung jederzeit zu bestaunen: Der sagenumwobene

1.000-jährige Rosenstock an der Apsis des Gotteshauses.

Das Prädikat „Stadt der Kirchen“ verdankt Hildesheim auch

der St. Andreaskirche, die ihr einen Superlativ beschert. Die Kirche

ist nicht nur besonders sehenswert, sondern auch besonders sichtbar.

Ihr Turm ragt mit 114,5 Metern aus dem historischen Stadtzentrum

heraus und ist damit der höchste Kirchturm Niedersachsens.

Bei gebuchten Stadtführungen kann über 364 Stufen die 75

Meter hoch liegende Aussichtsplattform bestiegen werden. Lohn

der Mühe: ein weiter Rundblick über Stadt und Umland.

Den touristischen Mittelpunkt Hildesheims bildet der historische

Marktplatz. Für die viel bewunderte Postkartenidylle rund

um den Rolandbrunnen sorgen imposante Fachwerkfassaden, bei

deren Anblick man sich in vergangene Jahrhunderte zurückversetzt

fühlen könnte. Käme einem nicht das Wissen um die fast

komplette Zerstörung des Marktplatzes in den letzten Kriegstagen

dazwischen. Die heute so anheimelnd wirkende Kulisse ist tatsächlich

noch keine dreißig Jahre alt. Zwischen 1984 und 1990 wurde

der Wiederaufbau der 50er- und 60er-Jahre abgerissen und Knochenhauer-Amtshaus

& Co. durch Initiative der Bürger so rekonstruiert,

wie sie im Vorkriegs-Hildesheim existierten. Doch hinter

vielen der nach außen sichtbaren Holzbalken sorgen in Wirklichkeit

moderne Stahlbetonkonstruktionen für die Standfestigkeit der

Gebäude. Originales Altertum wird in Hildesheim allerdings auch

geboten: mit alt-ägyptischen Artefakten im Roemer- und Pelizaeus-

Museum. Namensgeber Hermann Pelizaeus lebte als Kaufmann

rund 40 Jahre in Kairo und förderte dort archäologische Ausgrabungen.

1907 stiftete er seiner Heimatstadt rund 9.000 Objekte,

die ihm durch offizielle Fundzuteilungen zugesprochen worden

waren. Neben den Museen in Kairo und Boston gehört Hildesheim

zu den wichtigsten Orten, an denen man die Zeugnisse der Pyramidenzeit

studieren kann.

A propos studieren: Das ist in Hildesheim gleich an drei

Hochschulen möglich. An der Norddeutschen Hochschule für

Rechtspflege lassen sich 300 Studierende für Aufgaben in der

Justiz ausbilden. Die Hochschule für angewandte Wissenschaften

und Kunst (HAWK) bietet am Standort Hildesheim die vier

Fakultäten Bauwesen, Gestaltung, Erhaltung von Kulturgut sowie

Soziale Arbeit und Gesundheit. Und zu den ersten Bildungseinrichtungen

ihrer Art zählt die 2003 gegründete Stiftungsuniversität.

Ihre Kernbereiche sind die Bildungs-, Kultur-, Sprach- und

Informationswissenschaften.

Die Stadt Hildesheim, gelegen im Mittelpunkt der Metropolregion

Hannover-Braunschweig-Göttingen-Wolfsburg, zeichnet sich

als überwiegend mittelständisch geprägter Wirtschaftsstandort aus.

Die direkte Anbindung an die Autobahn A7, der eigene Flugplatz

Hildesheim. Bald 1.200 Jahre alt, Stadt der Kirchen, die teils zum UNESCO-Weltkulturerbe gehören. Dabei steppt auch ein sehr agiler Bär

im heutigen Stadtleben, Bus-Pulling und Stadtbeach inklusive. Sehenswürdigkeiten sind unter anderem: Heziloleuchter im Dom (Mitte oben);

St. Michaelis mit bemalter Holzdecke (rechts oben); 1.000-jähriger Rosenstock vor dem Dom (Mitte unten); St. Michaelis bei Nacht (rechts unten).

und die Verbindung zum Mittellandkanal

gewährleisten eine reibungslose Logistik.

Rund 71 Prozent der sozialversicherungspflichtig

Beschäftigten arbeiten hier im

Dienstleistungssektor. Das produzierende

Gewerbe ist besonders stark vertreten in

den Bereichen Mobilitätswirtschaft, Elektrotechnik

sowie der Metallbe- und -verarbeitung.

Unter dem Titel „Made in Hildesheim“

zeigt eine Dauerausstellung im

Rathaus innovative Produkte und Spitzentechnologie

von 14 Hildesheimer Unternehmen

zum Thema Mobilitätswirtschaft.

Regelmäßig wiederkehrende Veranstaltungen

und Events mit überregionaler

Bedeutung bereichern das Leben in

Hildesheim. Das traditionell zu Pfingsten

stattfindende Festival „Jazz-Time“ hat sich

in der Szene bundesweit zu einer festen

Größe etabliert. Einzigartig ist das sommerliche

Hildesheimer Sinti Musik Festival

„Gypsy International“ im Innenhof

einer mittelalterlichen Burganlage, bei

dem Live-Bands aus unterschiedlichsten

europäischen Ländern auftreten. Gothic-

Fans können ihre dunkle Seite immer

am zweiten August-Wochenende ausleben:

dann zieht das „M’era Luna“ Festival

bis zu 25.000 Besucher aus ganz Europa

auf das Flughafengelände. Bauernmarkt

und Schützenfest gehören ebenso zu den

Hildesheimer Traditionen wie der „Citybeach“,

der auch im kommenden Sommer

wieder acht Wochen lang Strand-Feeling

in die Innenstadt zaubern wird.

Aber vorher steht natürlich ein anderer

Programmpunkt auf dem Veranstaltungskalender

der Stadt: Am 23. November

wird vor der romantischen Kulisse des

historischen Marktplatzes der alljährliche

Weihnachtsmarkt eröffnet. Rund 70 festlich

geschmückte Stände und der 15 Meter

hohe Tannenbaum bilden für Touristen und

Bewohner dann wieder ein ganz besonderes

„HI-Light“.

Hildesheim Marketing (3); Ladwig; Obornik (2); Michalak


94 kalender regjo niedersachsen regjo niedersachsen kalender 95

Sinnlich

Weihnachtlich

Absurd

Entschleunigt

Mauro Bigonzetti widmet sich in „La Piaf“ der französischen

Chansonette und zeigt Choreographien voller

Humor, Sinnlichkeit, Athletik und Schönheit.

Die A Cappella Band Maybebop geht wieder

mit Christmas-Evergreens großer Künstler wie

Chris Rea auf Weihnachtstournee.

Dass Zauberei und Politik zusammenpassen, beweist das

Stück „Konfetti“: In einer Fernsehshow gehen Politiker mit

Zaubertricks auf Stimmenfang.

Bewegung und Ruhe in der Kunst zeigt eine

Ausstellung des Kunstmuseums Wolfsburg,

die auch aktuelle Probleme fokussiert.

Klassik, Ballett

Jazz, Rock, Pop, Schlager

Theater, Kabarett, Musical

Ausstellungen

ab 16. November 2011

Der Graf von Luxemburg – Operette in drei

Akten von Franz Lehár. René Graf von Luxemburg

und die Primadonna Angèle Didier verlieben

sich, doch sind bereits miteinander

verheiratet

19.30 Uhr, Theater Osnabrück

08. Dezember 2011

La Piaf – Ballett von Mauro Bigonzetti, dessen

Choreographien für Humor, Sinnlichkeit,

Athletik und Schönheit stehen

19.30 Uhr, Staatsoper Hannover

18. Dezember 2011

Weihnachtsoratorium – unter der Leitung

von Hauke Ramm werden die ersten drei Kantaten

von Johann Sebastian Bach gespielt

15.30 Uhr, Kirche St. Wilhadi, Stade

29. Dezember 2011

Orgelmusik bei Kerzenschein – Musik mit

Arno Paduch und Ingo Duwensee, ehemaliger

Kreiskantor in der Landeskirche Hannover

18.00 Uhr, St. Jacobi-Kirche, Lüdingworth

31. Dezember 2011

Orchester der Janácek Oper Brünn – Silvesterkonzert

mit Werken von Rossini,

Strauss, Smetana, Brahmsund anderen

16.00 Uhr, Neues Theater Emden

31. Dezember 2011

St. Andreas Silvestersoiree – festlicher

Glanz des Barock mit Werken von Bach, Händel

und Homilius

22.00 Uhr St. Andreas, Hildesheim

22. Januar 2012

Zeit für Barock – Händels Italienreise mit

Werken von Marcello, Vivaldi, Händel und

Scarlatti

17.00 Uhr, Evangelische Kirche Heilige Dreifaltigkeit,

Salzgitter

27. Januar 2012

Bolschoi Staatsballett Belarus – Ballettkunst

mit Tschaikowskys Klassiker

„Schwanensee“

19.30 Uhr, Stadthalle Braunschweig

27. Januar 2012

Göttinger Symphonie Orchester – Große

Reihe – 3. Konzert mit Werken von Wolfgang

Amadeus Mozart und Johann Nepomuk

19.45 Uhr, Stadthalle Göttingen

11. Februar 2012

Schlesisches Kammerorchester – das Programm

umfasst unter anderem Benjamin Brittens

„Simple Symphony op. 4“ und George

Gershwins „Porgy and Bess“

19.00 Uhr, Theater an der Ilmenau, Uelzen

25. November 2011

15. Hildesheimer Singer-Songwriter-Nacht

– sechs Liedpoeten haben jeweils 20 Minuten

Zeit, ihre Songs im Unplugged-Stil zu spielen

20.30 Uhr, Kulturfabrik Löseke, Hildesheim

03. Dezember 2011

Irish Christmas Meeting – Konzert mit The

Spinning Wheel, Hollypet und NorthBound

18.00 Uhr, Begegnungsstätte Brücke,

Salzgitter

16. Dezember 2011

Salsa Nacht – das Eldorado Groove Orchestra

präsentiert Salsa vom Dura bis zum

modernen Timba Groove ebenso wie eigene

Interpretationen von Rock-, Pop-, Soul- und

Funkklassikern

20.00 Uhr, CD-Kaserne, Celle

21. Dezember 2011

Maybebop – Schenken – das beliebte Weihnachtsprogramm

der A Cappella Band bietet

poppig gesungene Christmas-Evergreens

20.00 Uhr, Theater am Aegi Hannover

29. Dezember 2011

Michael Hirte – der Mann mit der Mundharmonika

geht mit seiner Band auf Tournee und

bringt einige Überraschungsgäste mit

20.00 Uhr, Stadthalle Osterode am Harz

ab 19. November 2011

Goot gegen Noordwind – niederdeutsches

Schauspiel über Emmi, deren Email versehentlich

im Postfach von Leo Leike landet.

Dies soll das Leben der beiden verändern

20.00 Uhr, Oldenburger Staatstheater

01. Dezember 2011

The Great Gatsby – die American Drama

Group bringt F. Scott Fitzgeralds gesellschaftskritischen

Roman aus dem Jahr 1925

auf die Bühne

19.45 Uhr, Deutsches Theater Göttingen

02. Dezember 2011

Oklahoma – das Western-Musical von

Richard Rodgers und Oscar Hammerstein II.

erzählt die Liebesgeschichte des Cowboys

Curly und der Farmfrau Laurey

19.00 Uhr, Odeon Theater, Goslar

02. Dezember 2011

Konfetti – in einer Fernsehshow gehen Politiker

mit Zaubertricks auf Stimmenfang

19.30 Uhr, Großes Haus, Theater Hildesheim

bis 04. Dezember 2011

Osnabrücker Kabarett Festival – das größte

Kabarett-Festival im nordwestdeutschen

Raum

20.00 Uhr, Lagerhalle Osnabrück

bis 15. Dezember 2011

Mimuse – Seit 30 Jahren veranstaltet der

Verein Klangbüchse in Langenhagen das

größte Kleinkunst-Festival Norddeutschlands

20.00 Uhr, Daunstärs und Theatersaal

Langenhagen

17. Dezember 2011

Im Namen der Sicherheit – Premiere des

Kabaretts über eine Gesellschaft, die sich

durch ein kaum noch zu steigerndes Sicherheitsbedürfnis

auszeichnet

19.30 Uhr, Staatstheater Braunschweig

19. Januar 2012

Sascha Grammel – der Puppet-Comedian

setzt seine erfolgreiche „Hetz mich nicht“-

Tour fort

20.00 Uhr, CongressPark Wolfsburg

26. Januar 2012

Komiker aus Versehen – für einen Abend mit

Musik, Filmkollagen und Parodie schlüpft Ilja

Richter in die Rolle des Komikers Theo Lingen

20.00 Uhr, Kursaal, Bad Harzburg

02. Februar 2012

Fuust un Haart – niederdeutsches Schauspiel

über den jungen Jojo, der im Altenheim

Sozialstunden leisten muss

20.00 Uhr, Friesenbühne Emden

bis 27. November 2011

Test the West! – Karikaturisten aus Ostdeutschland

stellen die neue Bundesrepublik

in rund 250 Arbeiten auf den Prüfstand

Wilhelm-Busch-Museum Hannover

bis 30. November 2011

Bilder des Gehirns – Einblicke in die Schaltzentrale

von Mensch und Tier, mit frühen

Skizzen des Gehirns bis hin zu den „Bildern“

der heutigen High-Tech-Scanner

Haus der Wissenschaft, Braunschweig

bis 02. Dezember 2011

Hermann Hesse – Farbe ist Leben – die

Ausstellung zeigt in rund 70 Aquarellen eine

eher unbekannte Seite des Nobelpreisträgers

jakob-kemenate, Braunschweig

bis 15. April 2012

Picasso – Magie der Grafik – eine Privatsammlung

zeigt unter anderem die Entwicklung

der berühmten Friedenstaube und wunderbare

Original-Plakate

Roemer- und Pelizaeus-Museum Hildesheim

bis 09. April 2012

Die Kunst der Entschleunigung – Bewegung

und Ruhe in der Kunst von Caspar

David Friedrich bis Ai Weiwei

Kunstmuseum Wolfsburg

Fotografie: Gert Weigelt, Sven Sindt, Andreas Hartmann, Hussein Chalayan


egjo niedersachsen kalender 97

Stürmisch

Erfahren

Der Ostseeraum bildet die Kulisse für Gregor Sanders

neue Erzählungen, die von reisenden und zugleich in ihren

Schicksalen gefangenen Menschen handeln.

Um den „Flughafen heute und morgen oder

die Beherrschung des Chaos“ geht es in

einem Vortrag des DLR Braunschweig.

Literatur

Sonstiges

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John D. Swenson • Marketingleitung

0551 / 50 75 1-16 • swenson@polygo.de

Polygo Verlag gmbH

Lotzestraße 29 • 37083 Göttingen

Weitere Büros in Hamburg | Hannover | Köln

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Polo+10 und RegJo erscheinen

im Polygo Verlag.

BCP-Silberpreisträger 2010

REGJO ist Gewinner des Silber-Awards im Wettbewerb

um den BCP (Best of Corporate Publishing) 2010 in

der Kategorie B2B Medien/Entertainment/Kultur.

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Sie unter: www.bcp-award.com.

30. November 2011

Flammenteufel – Bernward Schneider liest

einen politisch brisanten Noir-Krimi über den

Brand des Reichstages und die Welt des Berliner

Varieté

20.00 Uhr, LitteraNova, Hildesheim

04. Dezember 2011

Poetry Slam – Nachwuchsliteraten treten mit

eigenen Texten zum Wettstreit an

20.15 Uhr, Theater im OP, Göttingen

09. Dezember 2011

Durch alle Himmel, alle Gossen – eine Reise

durch das Ganoven- und Spelunkenmilieu

des Rokoko und des frühen 20. Jahrhunderts

19.30 Uhr, Pfarrscheune der ev. Kirche Ölper,

Braunschweig

10. Dezember 2011

Literarischer Weihnachtsbraten mit Biss

und Gänsehaut – schaurige, skurrile und frivole

Geschichten

19.00 Uhr, Gemeindehaus der evangelischen

Kirche Stöckheim

22. Januar 2012

Winterfisch – der Ostseeraum bildet die

Kulisse für Gregor Sanders neue Erzählungen

mit großen Geschichten in kleiner Form

20.00 Uhr, Heinrich-Heine-Haus, Lüneburg

24. November 2011

Ozonloch und globale Erwärmung – mit

dem Astronomen und Geophysiker Prof. Dr.

Erich Übelacker

20.00 Uhr, Industrie- und Handelskammer

Stade

05. Dezember 2011

Sprache als Produktionsfaktor – Professor

Walter Krämer spricht über die Probleme der

Gegenwartssprache

20.15 Uhr, Großer Musiksaal, TU

Braunschweig

08. Dezember 2011

Allons au cinemá – ein französischer

Filmabend

20.00 Uhr, Volkshochschule Stade

10. Dezember 2011

Auf den Spuren der Hanse – Stadtführerinnen

erklären die Bedeutung der Hanse für

Lüneburg

14.00 Uhr, Altes Rathaus, Lüneburg

12. Dezember 2011

Flughafen heute und morgen – Vortrag von

Andreas Deutschmann und Florian Piekert,

DLR Braunschweig

19.00 Uhr, Haus der Wissenschaften,

Braunschweig

11. Januar 2012

Wenn uns die Gründe ausgehen – Professor

Holmer Steinfath über die Grenzen rationaler

Moralbegründungen

18.00 Uhr, Auditorium, Universität Göttingen

12. Januar 2012

Fernwärme – Alte Technologie neu entdecken

– Matthias Kahle spricht über die Entwicklung

der Fernwärmetechnik sowie neue

Anwendungsgebiete

18.00 Uhr, Hauptgebäude, Leibniz Universität

Hannover

28. Januar bis 5. Februar 2012

Autotage Hannover – auf der Ausstellung für

Automobile und Zubehör präsentieren Hersteller

ihre aktuellen Modelle

Messe Hannover

01. und 02. Februar 2012

Automatisierungstage Emden – in Vorträgen

und einer Ausstellung werden aktuelle

Automationstechniken gezeigt

Hochschule Emden

18. und 19. Februar 2012

Gesund Messe Göttingen – auf einer zentralen

Plattform präsentieren sich Dienstleister

und Anbieter des Gesundheitswesens

Lokhalle Göttingen


98 land & umwelt regjo niedersachsen

Wussten Sie, dass ...

Sonderbares und Wissenswertes aus Niedersachsen – von der „Goldenen

Linie“ zwischen Friesland und Wittmund bis zu Richard von Stutterheim.

... die „Goldene Linie“ damals Ostfriesland

von Oldenburg trennte und heute noch

Wittmund von Friesland?

An der Nordsee lebte es sich im Mittelalter

nicht ungefährlich, brachen doch immer

wieder Sturmfluten durch die Deiche und

rissen Mensch und Vieh mit sich. So entstand

auch Mitte des 14. Jahrhunderts die

etwa zehn Kilometer breite und genauso

weit ins Land ragende Harlebucht nördlich

der Städte Jever und Wittmund. 1545

begann man mit der Eindeichung, um das

Land zurückzugewinnen. Grenzstreitigkeiten

um Besitzansprüche auf das neugewonnene

Land waren die Folge, die erst 1666

zumindest rechtlich beigelegt wurden.

Am 22. Dezember 1666 schlossen Fürstin

Christine Charlotte von Ostfriesland

und Graf Anton Günther von Oldenburg

einen Grenzvertrag ab, dessen Grenzziehung

als „Goldene Linie“ bekannt wurde:

Von der Stelle, wo damals der ostfriesische

auf den jeverschen Deich traf, zog man auf

der Karte mit goldener Tinte eine Linie quer

durch die Harlebucht bis zu einem Punkt

exakt zwischen den Inseln Spiekeroog und

Wangerooge. Die damalige Grenzziehung

markiert auch heute noch eine Grenze –

zwischen den Landkreisen Wittmund und

Friesland. Doch trotz goldenem Grenzverlauf

dauerte es noch bis 1743, bis die Grenzstreitigkeiten

endgültig beigelegt werden

konnten.

... Baron Richard von Stutterheim nicht nur

weit herumkam, sondern auch Befehlshaber

der British-German Legion war?

Baron Richard Carl Gustav Ludwig Wilhelm

Julius von Stutterheim, geboren

1815 in Helmstedt, muss ein echter Tausendsassa

gewesen sein. Er begann seine

Militärkarriere in der preußischen Armee,

diente aber später auch noch als Offizier

bei spanischen, braunschweigischen, holsteinischen

und britischen Truppen – und

als Offizier und Befehlshaber der British-

German Legion.

Nach mehrfachem Wechsel des Arbeitgebers

in militärischen und administrativen

Kreisen sowie der Teilnahme an zahlreichen

Kriegen hielt er sich bei Ausbruch

des Krimkriegs (1853) in England auf – dort

wurde er zum General ernannt und sollte

für den Krimkrieg eine Fremdenlegion aufstellen,

die aber nicht mehr zum Einsatz

kam. Daraufhin führte er befehlsgemäß die

Legionäre samt Familien in die Kapkolonie

nach Südafrika, wo sie sich ansiedelten

und als Grenztruppen dienten. Die heutige

Kleinstadt „Stutterheim“ verweist auf

den Baron. Er selbst kehrte nach Deutschland

zurück – zunächst nach Branschweig.

Dann kaufte er ein Gut in Schlesien, verspielte

es, ging wieder nach Braunschweig,

spielte noch ein wenig mehr und nahm sich

aufgrund der Schulden schließlich 1871 in

Biebrich am Rhein das Leben.

Impressum

13. Jahrgang, 23. Ausgabe

Herausgeber

Polygo Verlag GmbH

Verlag

Polygo Verlag GmbH

Lotzestraße 29

37083 Göttingen

Telefon 0551-50 75 10, Telefax 0551-50 75 150

ISSN 1615-5696

Internet und E-Mail

www.niedersachsen.regjo.de; hallo@regjo.de

Herausgeber

Thomas Wirth (wirth@polygo.de)

Chefredakteur

Sven Grünewald (redaktionsleitung@regjo.de)

Redaktion

Annegret Adam, Katrin Langemann, Juliette Rahn,

Torben Andersen

Autoren

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Brigitte Freitag, Julia Wolffson, Katharina Wolf

Fotografie

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Nahrath, Andreas Schönfelder, Wolfgang Beisert, Lars

von Minden/SWN, Hartmut Kölling, Hofmann, Niedersächsisches

Ministerium für Umwelt und Klimaschutz,

Petersen, ForWind, Fachhochschule Hannover,

Thomsen, Niedersächsisches Ministerium für

Wissenschaft und Kultur, Max-Planck-Institut für

biophysikalische Chemie, Conmedia, Robert Bosch

Stiftung/Max Lautenschläger, Emsland Moormuseum,

Anders Seefeldt, NordWestBahn, Weserbergland

AG, Landkreis Emsland, Bundeswehr/Andrea

Bienert, HAWK – Hochschule für angewandte

Wissenschaft und Kunst, DEULA-Nienburg GmbH,

Ferdinand Kokenge, Krone, Amazone, Big Dutchman

International, DLG, BMA Braunschweigische

Maschinenbauanstalt AG, KWS SAAT AG, WIN

GmbH, Gerald Lampe/Foto Hölzen, Stadt Osterode

am Harz, Lichtblick AG, E.ON Mitte, StatNett, Windwärts

Energie GmbH/Mark Mühlhaus/attenzione,

Glücksburg Consulting, Modellregion Elektromobilität

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Stadtwerke Hannover, SeaPorts of Niedersachsen,

Stadt Hann. Münden, GWG – Gesellschaft für

Wirtschaftsförderung und Stadtentwicklung Göttingen,

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Göttingen ist ein aufstrebender Logistik-Standort

in der Mitte Deutschlands und Europas. Die hervorragenden

Anbindungen an das Straßen- und Schienennetz bieten beste

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den kombinierten Verkehr positioniert sich das GVZ Göttingen als

Seehafen-Hinterland-Standort. Wir beraten Sie aktiv und neutral

bei Ihrer Projektentwicklung. Durch Einbindung in Netzwerke

und Partnerschaften legen wir Ihnen einen Grundstein für weitere

Perspektiven.

Bildnachweis: Wikipedia (2)

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