Teil 2: Impulse für die Seelsorge (8.8 MB) - Renovabis

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Teil 2: Impulse für die Seelsorge (8.8 MB) - Renovabis

IMPULSE FÜR DIE SEELSORGE

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„Bei uns landen

die Vergessenen“

Inseln der Hoffnung im

Armenhaus Europas

Impuls-Report

„Moldawien I“

von Rolf Bauerdick

Im Schneckentempo quält sich Martha

mit ihren Krücken vorwärts. Alle

paar Schritte hält sie inne, ringt nach

Atem, während der Verkehr achtlos an

ihr vorbeirauscht. Zwei Stunden kostet

sie der Weg in das „Casa Providentei“.

Hin und zurück. Und das jeden Tag. „Ich

muss hierher kommen“, sagt sie. „Hier

spüre ich wenigstens, dass ich noch lebe.

Meine Kinder haben mich schon lange

nicht mehr besucht.“ Und warum? „Weil

sich das Leben geändert hat. Heute sorgt

sich niemand mehr um den Anderen.“

Martha ergeht es wie all den Anderen

im „Haus der Fürsorge“. Valentina etwa,

die stundenlang vor dem Fernseher sitzt

und sich mit Liebesromanzen in eine

heile Welt träumt. Oder die geistig zurückgebliebene

Dominca, die sich beim

„Mensch-ärgere-dich-nicht“ nie aus der

Ruhe bringen lässt, weil sie den Unterschied

zwischen Gewinnen und Verlieren

nicht versteht. Oder die Pensionärin

Nadescha; sie war Lehrerin in kommunistischer

Zeit. Heute kritzelt sie ständig

Papierschnipsel mit irgendwelchen Notizen

voll, deren Sinn außer ihr selbst niemand

versteht. Oder Grigoriu, Ion und

Simeon, die unentwegt Domino-Steine

legen, glücklich für ein paar Stunden der

trostlosen Einsamkeit ihres Alltags zu

entfliehen.

Doch nicht nur alte Menschen besuchen

tagtäglich das katholische Sozialzentrum

in der moldawischen Hauptstadt

Chisinau. In dem einladenden „Casa Providentei“

der Erzdiözese finden Obdachlose

und Straßenkinder Hilfe und Fürsorge.

Kleinkinder aus sozial schwachen Familien

erleben Förderung und Geborgenheit

in dem neuen Kindergarten, während

Schülerinnen und Schüler Nachmittagsbetreuung

und Hausaufgabenhilfe erhalten.

Vielen der Jungen und Mädchen,

die nach der Schule in dem Speisesaal

Schlange stehen, sieht man an, dass sie

erst jetzt die erste Mahlzeit des Tages

erhalten. „Im Land herrscht der reine

Fortsetzung auf Seite 10

Mit insgesamt vier Kindern leben Valerie Petrovitsch und seine Frau

Elisabet Dumitrov in Zimmer 27 im Wohnblock „Titanic“ im Stadtteil

Stauceni der moldawischen Hauptstadt Chisinau. Arbeitslosigkeit und

Entwurzelung, Alkoholismus und Verwahrlosung prägen den Alltag. Die

Küche etwa ist von Schimmelpilzen überwuchert.

Alt, arm, allein und im Stich gelassen: Viele Rentner in Moldawien müssen

mit einer Rente von etwas mehr als umgerechnet 20 Euro im Monat

überleben. Viele Alte und Kranke fürchten nun, sich keinen Besuch mehr

beim Arzt leisten zu können.

In Stauceni hat der Steyler-Missionar Pater Klaus Kniffki eine Suppenküche

errichtet: als echte Hilfe für Bedürftige und als Zeichen gegen „eine

extrem entsolidarisierte Gesellschaft“. Die Armenküche beköstigt täglich

bis zu 200 Menschen. Nicht nur die Ärmsten und Obdachlosen erhalten hier

ein warmes Essen, auch die behinderten Kinder und die Kinder des Kindergartens

der pfarreigenen Sozialstation.

Lidia Titcu lebt mit ihrer Familie in zwei schäbigen Zimmern. Die Familie

zählt sechzehn Personen, und genau so viele Tragödien. Alle Mitglieder

leiden ausnahmslos an Lungentuberkulose. Lidias Sohn Nicolai starb an der

Schwindsucht, ebenso wie der Ehemann der ältesten Tochter Aurica. Sie ist

heute Witwe mit drei Kindern, weil ihr Mann die TB-Medikamente gegen

Zigaretten tauschte. Die schwerkranke Lidia Titcu kann sich nicht aufraffen,

mit ihren Kindern einen Arzt aufzusuchen. „Morgen“, verspricht sie,

„morgen gehe ich ganz bestimmt ins Spital.“ Aber das sagt die 46-jährige

Lidia immer.

alle Fotos: Rolf Bauerdick

»


12

IMPULSE FÜR DIE SEELSORGE

Pfingsten entg

Das Herzensgebet:

Die Frage nach der „Geistessammlung“

als Grundlage für

eine anhaltende Erfahrung der

Nähe Gottes durchzieht die Geschichte

der christlichen Frömmigkeit, gewinnt

aber in unserer Zeit eine geradezu bedrängende

Aktualität. Viele Menschen

suchen, vom Aktionismus des Gegenwartschristentums

enttäuscht, auf fernöstlichen

Wegen nach einem Leben in

Sammlung und Achtsamkeit und damit

nach einer neuen Lebensqualität.

Nicht wenige haben aber auch im

christlichen Osten einen solchen Weg entdeckt:

den mehr als eineinhalbjahrtausend

alten Erfahrungsweg des Herzensgebetes.

Die Einfachheit der Übung fasziniert: Diese

besteht eigentlich nur in der möglichst

ununterbrochenen Anrufung: „Herr Jesus

Christus, erbarme Dich meiner!“

Auch faszinieren die spirituellen Erfahrungen

mittels dieses Gebetes: „Wenn

ich mit dem Herzen zu beten begann, so

stellte sich mir die ganze Umgebung in

entzückender Gestalt dar: die Bäume, die

Gräser, die Häuser, die Erde, die Luft, das

Licht, alles schien gleichsam zu mir zu

Die Entdeckung

des inneren Menschen

sprechen, dass es für den Menschen da

wäre, die Liebe Gottes bezeuge, und alles

betete, alles war voller Lobpreisungen

Gottes. Und ich verstand, was in der

,Tugendliebe‘* mit den Worten gemeint

ist: ‚die Sprache der Kreatur verstehen‘.“

aus: Emmanuel Jungclaussen OSB (Hrsg.),

Aufrichtige Erzählungen eines russischen Pilgers,

Erbauungsbuch eines unbekannten Autors, 19. Jhdt.,

zuletzt erschienen: Herder, Freiburg 2009

*Die Tugendliebe: Philokalie oder russisch Dobrotoljubie = Sammlung von

Belehrungen und Weisheiten der Kirchenväter und Mönche der Ostkirche

1

Wer den Weg des Herzensgebetes

oder Jesusgebetes gehen will, muss

sich als erstes seiner Motive klar

werden. Der Pilger ging ihn im Gehorsam

gegenüber dem Wort der Bibel: „Betet

ohne Unterlass.“ So darf auch ich letztlich

das Jesusgebet nur üben aus dem Verlangen

heraus, Christus zu gehorchen, um

– durch die innere Umwandlung mittels

dieses Gebetes – Ihm ganz zu gehören,

und nicht etwa, um in erster Linie etwas

für mich zu haben, mit dem geheimen

Wunsch, dadurch vielleicht der Probleme

des Alltags enthoben zu sein.

2

Dies setzt voraus, dass ich anfange,

auf Christus zu hören, und daher

versuche, durch die regelmäßige

Lesung des Neuen Testamentes mich

mit Seinem Wort und Seiner Person immer

mehr vertraut zu machen. Auf diese

Lesung sollte ich mindestens genau so

viel Zeit verwenden wie auf die Übung

des Jesusgebetes.

3Was nun die Übung selbst betrifft,

so geht es dabei um einen sehr

behutsamen Anfang, indem ich

zunächst ein- oder zweimal täglich etwa

sieben, zehn oder fünfzehn Minuten dafür

verwende. Von diesen Zeiten wird sich

dann das Jesusgebet ganz allmählich wie

von selbst über den Tag hin ausbreiten.

Auf keinen Fall aber sollte man es zu

erzwingen suchen! Es wird bald ohnehin

genügend Situationen in meinem Leben

geben, in denen sich mir das Jesusgebet

geradezu aufdrängt.

4

Die körperliche Haltung sei aufrecht

sitzend, gesammelt, aber

nicht verkrampft (Stuhl, Boden,

Kirchenbank). Wichtig ist, dass ich die

körperliche Haltung als Gebetshaltung

bewusst und ehrfurchtsvoll einnehme im

Gedanken daran, dass Christus mir dabei

innerlich näher ist als ich mir selbst. So

lausche ich auf meinen Atem und lasse in

einem beständigen Fließen rein innerlich

ruhig und sanft die Worte kommen: „Herr

Jesus Christus, erbarme Dich meiner“,

wobei die Worte sich bald von selbst auf

das Ein- und Ausatmen verteilen.

5

Für die Übung ist dabei notwendig:

das wachsende Vertrauen, aus dem

heraus ich Christus um Sein Erbarmen

bitte; d. h. um Seine bedingungslose

Zuwendung und einigende Liebe mir

Die Übung des Herzens


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IMPULSE FÜR DIE SEELSORGE

Das Gebet der Pfingstnovene

(Neun-Tage-Gebet vor Pfingsten)

kann auch gut mit einem Taufgedächtnis

und einer „Erneuerung der

Firmgnade“ verbunden werden. Je nach

örtlicher Gegebenheit ist es sinnvoll, diesen

Teil des Gebetes in einer Pfarr- oder

Taufkirche am Taufbrunnen zu halten.

Tauferinnerung

Es kann aber auch in der Mitte der Versammelten

ein Krug und eine Schale mit

Wasser vorbereitet sein; auch geeignet:

GL 786.2

Vgl. Taufgedächtnis im Werkbuch „Wort-Gottes-Feier“,

Seite 186ff. Werkbuch für die Sonn- und Festtage,

Herausgegeben von den Liturgischen Instituten

Deutschlands und Österreichs im Auftrag der Deutschen

Bischofskonferenz, der Österreichischen Bischofskonferenz

und des Erz bischofs von Luxemburg, Trier 2004.

Pfingsten ent

Pfi ngstliche

aus der ostk

UW = Unterwegs, GL = Gotteslob

Das Taufgedächtnis kann das Novenen-Gebet

bereichern. Es bietet sich in der heiligen

Messe (Asperges) und in der Tag zeiten-

Liturgie am Sonntag an. Der Ablauf – im

Folgenden z. B. für die Laudes – könnte dann

so aussehen:

Eröffnung

GL 683 „Herr, öffne meine Lippen“

Hymnus (Heilig-Geist-Lied)

Psalmodie

z.B. die Psalmen der Sonntagslaudes

GL 676; GL 677 (Canticum); GL 678

oder Psalm 118 (GL 235; GL 236), Psalm

104 (GL 743; GL 744; GL 253) oder ein

Psalm oder ein Gesang aus dem Alten

Testament (z.B. GL 124)

Schriftwort

aus der Renovabis-Pfingstnovene*, aus

dem Stundenbuch oder aus dem Messlektionar

vom entsprechenden Tag oder

eine Schrift lesung nach Wahl.

Antwortgesang

GL 255 oder GL 679

Gedanken für den Tag

vom Tag der Renovabis-Pfingstnovene

(z. B. aus dem gleichbleibenden Teil der

Renovabis-Pfingstnovene 2010 „Komm',

du Geist der Einheit“ von Dom kapitular

Monsignore Wilm Sanders, Hamburg)

Taufgedächtnis

Zunächst wird das Wasser in das Becken/

die Schale gegossen. Es folgt die Segnung

des Wassers unter Lobpreis (Benediktionale

Seite 193ff.). Dann tauchen die

Teilnehmerinnen/Teilnehmer die Hand

in das gesegnete Wasser und bekreuzigen

sich in Stille im Gedenken an ihre

Taufe. Anschließend kehrt man an die

Plätze zurück. Wenn eine Prozession

zum Taufbrunnen gehalten wird, eignet

sich als Prozessionsgesang sehr gut das

Lied „Dass erneuert werde das Antlitz

der Erde“ (Seite 19 in diesem Heft). Abgeschlossen

wird das Taufgedächtnis mit

dem Dankgebet für die Taufe: GL 50, 2,

dem Lied GL 635 oder dem Lied „Fest soll

mein Taufbund immer stehen“ (Diözesananhänge

des GL).

Lobgesang

GL 680f.: Benedictus oder das Benedictus-Lied

„Hoch sei gepriesen unser Gott“

Bitten

aus der Renovabis-Pfingstnovene

Vater unser

etwa in der Vertonung von Nikolaj

Rimskij-Korsakov (UW 191). Wenn diese

Vertonung gewählt wird, entfällt die folgende

Oration.

Oration

vom Tage aus dem Stunden-/Messbuch

Segen

aus der Renovabis-Novene „Komm',

du Geist der Einheit“ oder dem

Stunden- bzw. Messbuch „an Christi Himmelfahrt“:

Seite 544f. oder „vom Heiligen

Geist“: Seite 546f.

Mariengruß

„Regina Caeli“ (GL 574 oder 576) oder

GL 570 bis GL 595 (nicht: GL 577,

584, 591)

* Die Renovabis-Pfingstnovene können Sie bestellen bei unserem Vertriebspartner MVG, Telefon 0241/479 86 200,

E-Mail: renovabis@eine-welt-mvg.de, Bestell-Nummer 181010 RM10

Mit feierlichen Hymnen bereiten

die Ostkirchen des byzantinischen

Ritus die Gläubigen auf

das Fest der Ausgießung des Heiligen

Geistes vor. Im Folgenden einige Auszüge:

( Pfingsten: Am Vorabend)

Stichiren („kleine Wechselgesänge“) zu Psalm 140

1. Ton: Pfingsten feiern wir die Ankunft des

Geistes, | den Tag der Verheißung und der

Hoffnung Erfüllung. | Wie groß ist das

Geheimnis, wie groß und heilig. | Darum

rufen wir zu Dir: || Schöpfer des Alls, Herr,

Ehre sei Dir!

Mit Zungen fremder Völker | hast Du

Christus Deine Jünger erneuert, | dass sie

seien Herolde Gottes, | des unsterblichen

Wortes, || das uns mit hoher Gnade beschenkt.

Alles spendet der Heilige Geist. | Weissagung

lässt hervor Er quellen, | die Priester

vollendet Er, | Unwissende lehrt Er

Weisheit, | macht Fischer zu Gottesgelehrten,

| schmiedet zusammen die ganze

Lehre der Kirche. | Gleichen Wesens und

auf gleichem Thron mit Vater und Sohn: ||

Tröster, Ehre sei Dir!

Gesehen haben wir das wahre Licht, |

Geist vom Himmel empfangen, | rechten

Glauben haben wir gefunden, | in der

Anbetung der ungeteilten Dreiheit: ||

denn Sie hat uns erlöst.

8. Ton: Kommt Völker, die dreipersönliche

Gottheit lasst uns anbeten: | den Sohn im

Vater mit dem Heiligen Geist, | denn zeitlos

zeugte der Vater den gleichewigen,

gleichthronenden Sohn. | Und der Heilige

Geist war im Vater verherrlicht mit dem

Sohn, | eine Macht, eine Wesenheit, eine

Gottheit, | Sie verehren wir und sprechen

nun alle: | Heilig bist Du, o Gott, | der

durch den Sohn unter dem Beistand des


16

IMPULSE FÜR DIE SEELSORGE

Heilige Me

am siebten Sonnta

(Joh 17,21)

„Alle soll

ist – im Extremfall bis in das Martyrium hinein. Der hl. Stephanus,

der erste Märtyrer der Kirche, ist dafür ein lebendiges und

wegweisendes Beispiel.

( )

Hinführung zum

Gottesdienst

„Ut omnes unum sint“ – „Alle sollen

eins sein“ (Joh 17,21) ist einer der

zentralen Aufträge des Herrn an alle,

die an ihn glauben. Jede Spaltung und jedes Zerbrechen der Einheit

der Kirche sind Wunden am Leib Christi. Zugleich trüben sie

das Zeugnis von der Liebe Gottes und vermindern so die Glaubwürdigkeit

der Kirche. Die ökumenischen Bemühungen sind

deshalb sicherlich eine Frucht des Gebets des Herrn: „Alle sollen

eins sein: Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, sollen auch

sie in uns sein, damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast“

(Joh 17,21). Bei aller legitimer Vielfalt geht es um die gemeinsame

Verantwortung aller Christen der verschiedenen Traditionen für

die Erfüllung des Auftrags Jesu in Wort und Tat.

( Kyrie-Rufe )

Priester: Herr, Jesus Christus, in Nah und

Fern versammeln sich die Gläubigen, um

Deinem Namen die Ehre zu erweisen.

Zu dir rufen wir:

Herr, Jesus, du Quelle der Einheit und der Liebe Kyrie eleison

Herr, Christus, eins mit dem Vater und dem Heiligen Geiste

Christe eleison

Herr, Jesus, du einst Menschen aller Sprachen und Nationen

in deiner Kirche

Kyrie eleison

(Melodie: GL 495)

( )

Hinführung zu den Lesungen

und zu den Evangelien

Erste Lesung: Apg 7, 55-60

Wie die Liebe zu Gott, zum Nächsten und zu sich selbst eine

Einheit bilden und untrennbar sind (vgl. Mt 22,37-39), so ist

auch das Feststehen in der Einheit mit Gott und mit der Kirche

nur möglich, wenn ein Mensch mit sich eins ist, sich selbst treu

Zweite Lesung: Offb 22,12-14. 16-17. 20

Der Durst, von dem die Lesung spricht, ist die Sehnsucht des

Herzens und der Seele nach Liebe, Leben, Freude, Geborgenheit,

Vertrauen, Frieden und Sinn. Wir dürfen ein Wort des hl. Augustinus

abwandeln und sagen: „Voller Sehnsucht ist unser Herz, nur

Du, Gott, kannst diesen Durst stillen.“ Die Kirche ist die Braut, die

ruft: „Komm!“ Durch sie – vor allem durch die Sakramente – stillt

der Herr den Durst unserer Herzen in der Kraft des Heiligen Geistes

und schenkt uns Gemeinschaft und Einheit mit ihm.

Evangelium: Joh 17, 20-26

Halleluja-Ruf vor dem Evangelium

(So spricht der Herr:) Ich lasse euch nicht als Waisen zurück.

Ich komme wieder zu euch.

Dann wird euer Herz sich freuen.

alternativ:

Halleluja-Ruf vor dem Evangelium vom Sechsten Sonntag (Vers: vgl. Joh17, 21 a.c)

(So spricht der Herr:) Alle sollen eins sein,

damit die Welt glaubt,

dass du mich gesandt hast.

Halleluja.

Messlektionar Bd. III: Die Sonn- u. Feiertage im Lesejahr C, Siebter Sonntag d. Osterzeit

(So spricht der Herr:) Wer mich liebt,

hält fest an meinem Wort.

Mein Vater wird ihn lieben,

und wir werden bei ihm wohnen.

Halleluja.

Im 17. Kapitel des Johannes-Evangeliums haben wir das Vermächtnis

des Herrn vor Augen: Alle sollen eins sein. Vor seiner

Passion, am Ende der sogenannten Abschiedsreden, betet Jesus

für seine Jünger, aber zugleich für alle, die durch ihr Wort an

Christus glauben. Somit gilt Jesu inniger Wunsch nach Einheit

auch seiner Kirche heute. Die Frage ist: Antworten wir darauf

in unserem Beten und mit der Bereitschaft, uns um ein tieferes

Die liturgischen Bausteine haben der Liturgiekommission der Deutschen Bischofskonferenz vorgelegen; sie widersprechen nicht den liturgischen Vorschriften.

Die Ständige Kommission für die Herausgabe der gemeinsamen liturgischen Bücher im deutschen Sprachgebiet erteilt für die aus Messbuch und Mess-Lektionar

entnommenen Texte die Abdruckerlaubnis.


F-Dur

Dass erneuert werde das Antlitz der Erde


INTRO/ZS

Kathi Stimmer-Salzeder 2007

a

F


E





d

g 7


g


7

C





C














Instrument zur 2./4./5. Strophe










F C 4

F

C F



A B





C

g A







1. Dass er - neu - ert wer-de

das Ant - litz der Er - de, be - freit und be-


2. Dass durch uns auf - scheine die Lie - be, die ei - ne, die al - les um-

sind


3. Dass wir We - ge fin- den, die Not ü - ber - win - den, Ge - rech - tig - keit




4. Dass durch uns - re Hän - de Be - dräng - nis sich wen-de

und Glau - be auf-

5. Dass die Grenzen fal - len, ein Zei chen uns al - len: Der Ga - ben

































F






d

G 7 4 G 7

C 4

C

F g








7

A








1. reit,

den Frie - den zu fas - sen, schick' aus Dei-nen

Geist, Du


2. fasst, das Na - he, das Fer - ne,


3. sä'n

mit all un - sern Kräf - ten,


4. steht, der Mut macht zum Tei - len,



5. viel

und je - der kann ge - ben! Schick' aus...

































(ZS-Einsatz)






G

F





B H

C d

F

g A B C












4

C F






Gott al - len Le-bens,

re - no - va - bis fa - ci - em ter - rae.


















© 2007 MUSIK UND WORT, D-84544 Aschau a. Inn

fa - ci - em

ter-


rae.


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IMPULSE FÜR DIE SEELSORGE

Messfeier

am Hohen Pfingstfest

Hinführung zum

( Gottesdienst )

„Alle sollen eins sein“ – das Motto der

diesjährigen Renovabisaktion greift

eine der großen Erfahrungen von

Pfingsten auf: Der Heilige Geist führt Menschen zusammen und

schenkt ihnen Einheit. Die Lesung aus Apg 2,1-11 schildert, wie

die Menschen aus der ganzen damals bekannten Welt das Zeugnis

und die Botschaft der Apostel hören und diese verstehen.

Der Glaube an Gott und die Begegnung mit dem Heiligen Geist

helfen auch heute den Menschen, einander zu verstehen und Frieden

zu schaffen. Es ist hilfreich, in diesem Zusammenhang eine Lesung in

den Blick zu nehmen, die am Vorabend des Pfingstfestes verkündet

wird: Gen 11,1-9 die Erzählung vom Turmbau zu Babel. Dort wird

geschildert, wie Hochmut und Stolz die Menschen zum Unglauben

verführen. Gleichzeitig werden die Menschen als Folge dieser Sünden

untereinander entzweit, was letztlich zur Trennung und der damit

verbundenen Zerstreuung und Einsamkeit führt. Der Heilige Geist,

der am Pfingstfest auf die Apostel, die Frauen und Jünger herabgekommen

ist, lässt die Menschen dagegen eins werden.

Heute wird der Heilige Geist auf uns ausgegossen: Nicht nur im

Sakrament der Firmung, sondern beim Empfang eines jeden Sakraments,

ja immer, wenn jemand gläubig betet: „Komm, Heiliger

Geist, erfülle mich.“

( Kyrie-Rufe )

Priester: Herr, Jesus Christus, du bist als der

gekreuzigte und der auferstandene Herr jetzt

mitten unter uns. Du sendest den Heiligen

Geist, den Geist der Einheit, der Liebe und des Friedens.

Vorbeter: Herr Jesus Christus, du hast gesagt: „Ich werde den

Vater bitten, und er wird euch einen anderen Beistand geben, der

für immer bei euch bleiben soll“ (Joh 14,16). Kyrie eleison

Vorbeter: Herr Jesus Christus, du hast gesagt: „Der Beistand aber,

der Heilige Geist, den der Vater in meinem Namen senden wird,

der wird euch alles lehren“ (Joh 14,16).

Christe eleison

Vorbeter: Herr Jesus Christus, du hast gesagt: „Empfangt den

Heiligen Geist“ (Joh 20,22c).

Kyrie eleison

( )

Hinführung zu den Lesungen

und zu den Evangelien

Erste Lesung: Gen 11,1-9

Am Vorabend

Die Erzählung vom Turmbau in Babel und der Sprachverwirrung

zeigt uns die Folge der Sünde: Die Sünde trennt uns von Gott und

den Menschen, wir können Gott und den Nächsten nicht mehr in

der Weise lieben, wie es von Anfang der Schöpfung an der Plan

Gottes mit uns ist.

alternative Erste Lesung: Ex 19,3-8a.16-20a

Gott ruft Mose, seinen erwählten Diener, zu sich auf den Berg und

bietet durch ihn seinem Volk den Bund der Liebe an: Gott wird

ihr Gott sein und sie sollen sein Volk sein. Dem Ja des Volkes Israel

folgt das große Bundesgeschenk Gottes: Er kommt zu seinem

Volk, um bei ihm zu sein. Die damit verbundenen Zeichen sollen

Israel erkennen lassen: Gott ist mit uns, er ist treu, er macht sein

Bundesversprechen wahr.

alternative Erste Lesung: Ez 37,1-14

In der Vision von den ausgetrockneten Gebeinen, die zu neuem

Leben erweckt werden, sehen wir ein Zweifaches – erstens: Gott

will sein Werk nicht ohne die Mitwirkung des Menschen tun und

zweitens: Auch wenn die Situation des Volkes Gottes noch so hoffnungslos

zu sein scheint: Mit Gott und durch ihn gibt es immer

Hoffnung, Zuversicht, ja Glaubensgewissheit. Gott ist immer größer

als unsere Not, Verzweiflung, Ohnmacht oder Resignation.

alternative Erste Lesung: Joel 3,1-5

Die Verheißung des Propheten Joel wird am Pfingstfest wahr: Der

Heilige Geist wird ausgegossen über Frauen und Männer, Jüngere

und Ältere. Bei seiner Predigt am ersten Pfingstfest in Jerusalem

greift Petrus diese Verheißung auf und erklärt mit ihr seinen Zuhörern

das Geheimnis dessen, was sich ereignet hat.

Zweite Lesung: Röm 8,22-27

Der Heilige Geist ist der Paraklet, der Fürsprecher und Helfer. Er

schenkt uns Hoffnung im Glauben, er hilft uns beten und öffnet uns

die Augen für das Gute und das Böse. Zugleich tritt er für die Kirche,

die Welt und jeden Einzelnen von uns beim Vater ein. Das Seufzen

des Leidens und unseres Betens verwandelt er in den Lobpreis und

die Anbetung Gottes.

Evangelium: Joh 7,37-39

Für Menschen fast aller Kulturen und Zeiten ist Wasser eines der

großen Symbole für das Leben. Lebendiges Wasser ist Quellwasser.

Frisches, immer neu nachströmendes Wasser wurde zum Symbol

der Fülle des Lebens, das letztlich von Gott den Menschen ständig

neu geschenkt wird. Zum Ritus des Laubhüttenfestes gehörte es,

dass im Tempel zu Jerusalem feierlich Wasser geschöpft und am

Brandopferaltar ausgegossen wurde. Jesus greift dieses Zeichen

auf und überträgt es auf sich und den Heiligen Geist: „Wer an mich

glaubt … aus seinem Inneren werden Ströme von lebendigem

Wasser fließen. Damit meinte er den Geist“ (Joh 7,38-39a).

alternativ: die Lesungen vom Tag

Die liturgischen Bausteine haben der Liturgiekommission der Deutschen Bischofskonferenz vorgelegen; sie widersprechen nicht den liturgischen Vorschriften.

Die Ständige Kommission für die Herausgabe der gemeinsamen liturgischen Bücher im deutschen Sprachgebiet erteilt für die aus Messbuch und Mess-Lektionar

entnommenen Texte die Abdruckerlaubnis.


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IMPULSE FÜR DIE SEELSORGE

Predigtskizze

Am heutigen Pfingstsonntag wird in allen

katholischen Kirchen die Renovabis-Kollekte

für Mittel- und Osteuropa gehalten.

Erste Lesung: Apg 2,1-11

Zweite Lesung: 1 Kor 12,3b-7.12-13

Evangelium: Joh 14,15-16.23b-26

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn!

„Heute hat uns die Gnade des Heiligen

Geistes versammelt“, so wie sie es jedes

Mal tut, wenn wir uns als Gemeinde

Christi zur Eucharistiefeier versammeln.

Die heutige Pfingstliturgie besitzt einen

zweifachen Akzent: Zum Einen begehen

wir gottesdienstlich die Ausgießung des

Heiligen Geistes und seiner Gaben auf

„alles sterbliche Fleisch“, und zum Anderen

trägt diese Ausgießung zugleich ihre

Frucht, indem wir uns in der Renovabis-

Kollekte aus christlichem Geist heraus

mit unseren Schwestern und Brüdern,

besonders in Mittel- und Osteuropa,

solidarisieren.

Während wir die Christen im Osten

wieder an unseren materiellen Gaben

teilhaben lassen und sie auf diese Weise

in ihrem Glaubensleben unterstützen,

können uns diese am Reichtum der

ostkirchlichen Liturgie teilnehmen lassen.

Deshalb wollen wir einen zentralen

Hymnengesang aus der byzantinischen

Pfingstliturgie betrachten und im Rahmen

der heutigen Eucharistiefeier für

unser Leben fruchtbar machen.

Ein unbekannter Verfasser schenkte

der byzantinischen Tradition zum

Hochfest des Heiligen Geistes den

folgenden Gesang, der im Laufe der

Jahrhunderte als Einleitungsgebet zu

jedem Stundengebet und zur Spendung

jeden Sakramentes der byzantinischen

Liturgie außerhalb der Osterzeit gehört:

„Himmlischer König, du Tröster und

Geist der Wahrheit, der du überall bist

und alles erfüllst, Schatzkammer der Güter

und Spender des Lebens, komm und

nimm Wohnung in uns, mach uns rein

von jedem Makel, und rette, o Gütiger,

unsere Seelen.“ Warum ist dieses Gebet

für die Ostkirchen so bedeutsam und was

können wir Christen aus diesem Lied für

unser christliches Dasein als geistige

Nahrung heute mitnehmen?

Geist der Wahrheit

( und Tröster zugleich )

Der Heilige Geist ist Gott und Geist der

Wahrheit und er tröstet: Wir Christen

glauben an einen Gott, der nicht hinter

den Wolken ist, von uns weit entfernt

lebt und an uns und unserem Leben kein

Interesse hat. Wir glauben an einen Gott,

der unser Kommen in die Welt ermöglicht

und unser Dasein in der Welt bis

zu seinem Ziel begleitet. Unser Gott ist

ein Gott, der sich für das Schicksal eines

jeden von uns interessiert und uns mit

unserem freien Willen auch zur Fülle des

Lebens führen will.

Als Gott, der für uns immer da sein

will, offenbarte er sich bereits in der Zeit

des alten Bundes. Obwohl er ein geistiges

Wesen ist, lässt er sich zu uns herab und

zwar in zweifacher Weise: In seinem Geist

und in seinem eingeborenen Sohn. Irenäus

von Lyon brachte dies bereits im 2.

Jahrhundert in einem Bild über die heilige

Dreifaltigkeit sehr schön zum Ausdruck.

„Der Sohn und der Geist sind die beiden

Hände unseres himmlischen Vaters“, sagt

der Bischof von Lyon. Mit diesen beiden

Händen arbeitet der Vater immer am Heil

der Menschen. Die beiden Hände des Vaters

kümmern sich in dieser Welt darum,

dass wir Menschen die Spuren Gottes zu

unserem Heil entdecken und ihnen folgen.

Der Sohn macht dies dadurch möglich,

dass er durch seine Menschwerdung uns

in allem – bis auf die Sünde – gleich wurde,

damit er uns ein echtes Vorbild sei: im

Kommen auf die Erde, im Heranwachsen,

im Arbeiten, im Beten, im Füreinander-

Dasein, im Weinen, im Leid-Ertragen, im

Verraten-Werden, im Tod, aber auch in

der hoffnungsvollen Auferstehung. Das

Werk des Sohnes Gottes, das ja, um echt

zu bleiben, innerhalb eines menschlichen

irdischen Lebens geschehen musste,

wird durch den Heiligen Geist in der Welt

ständig präsent gehalten. Der Heilige

Geist ist die Hand Gottes, die dafür sorgt,

dass das Vorbild und die Heilstat Christi

für alle Generationen der Menschen vor

und nach der irdischen Zeit Jesu Christi

aktuell und zugänglich sind. Das Werk der

beiden Hände Gottes des Vaters ist auf das

eine Ziel Gottes ausgerichtet: „Alle sollen

eins sein!“ Alle sollen eins sein in der

Gemeinschaft untereinander und in der

Gemeinschaft mit Gott.

( Im Besitz der Wahrheit)

Der Heilige Geist ist Gott und im Besitz

der Wahrheit über unser menschliches

Leben. Sehr oft sind wir verlegen, enttäuscht,

nicht zuletzt auch wegen unserer

eigenen Unzulänglichkeiten und Sünden.

Wir wissen oft nicht, wie es nach einem

Streit, nach einem zugefügten oder verursachten

Unrecht weitergehen soll. In

einem können wir aber zuversichtlich

sein: Wir können uns an unseren menschenfreundlichen

Gott, an den Heiligen

Geist voll Vertrauen um eine für unsere

Lebenssituation richtige Antwort wenden.

Denn der Heilige Geist ist nicht nur

der Geist der Wahrheit über unser Leben,

sondern auch ein Tröstergeist. Er ist der

Geist Gottes, der nicht darauf wartet, uns

für unsere Fehler und Sünden, die uns

uneins machen, zu bestrafen, sondern ein

Tröster, der in seiner zurechtweisenden

Antwort die Folgen unserer Verfehlungen

und unserer Zerstreuung abwischen und

beseitigen will.

( Spender des Lebens)

Der Heilige Geist ist überall und erfüllt

alles; er ist Schatzkammer der Güter und

Spender des Lebens. In einer seiner Katechesen

schreibt der heilige Bischof Kyrill

von Jerusalem (313-386) Folgendes über

den Heiligen Geist: „Der Heilige Geist ist

etwas Großes in seinen Gnadenerweisen,

etwas Allmächtiges und Wunderbares.

Bedenket, wie viele ihr seid, die ihr hier

sitzet, wie viele Seelen seid ihr hier bei-


einsamkeiten

griechischen Lehre

dass der Geist vom Vater und vom Sohne

ausgegangen sei (vgl. Joh 15,26). Obwohl

diese Lehre vereinzelt auch im Osten (Patriarch

Kyrillos von Alexandria) vertreten

worden war, wurde das einseitige Vorgehen

der Westkirche zu einem der Gründe

für das Große Schisma von 1054.

Die beiden kurzfristigen Unionen

(Lyon 1274 und Florenz 1439) mit der

Anerkennung der Gleichwertigkeit der

östlichen und westlichen Formel konnten

daran ebenso wenig ändern wie die

links: Gnadenstuhl Landgrafenpsalter, Anfang 13. Jahrhundert,

Landesbibliothek Stuttgart, © Beuroner Kunstverlag

rechts: „Die heilige Dreifaltigkeit“, Andrej Rublev, Moskau,

Tretjakow-Galerie. Foto: AKG, Berlin

von Patriarch Gregorios II.

nach dem Bruch der Lyoner

Union vorgeschlagene

Kom promissformel „vom

Vater durch den Sohn“.

Wichtige Indikatoren

für diese Gemeinsamkeiten

und Unterschiede sind die

bildlichen Darstellungen

der Dreifaltigkeit, von

denen hier zwei Bildtypen

als je charakteristisch für

eine der beiden Kirchen

vorgestellt werden.

Im Westen kennt man

neben dem sogenannten

„Gnadenstuhl“ noch Malereien

nach der Vision des

„Alten der Tage“ (Dan 7,9;

13,22) oder die Abbildung

dreier absolut identischer

Figuren, wie sie zum Teil

auch im Osten (vor Andrej

Rublev) in der Darstellung

der drei Engel bei Abraham

üblich war (Gen 18, 1-16).

Für den Osten ist neben

dem letztgenannten noch der Bildtypus der

„Hetoimasia“ (Vorbereitung der Parusie – der

Wiederkunft Jesu – und des Weltgerichts) zu

nennen, auf der ein leerer Thron, eine aufgeschlagene

Bibel, das Gemmenkreuz und die

Taube zu sehen sind.

Für den Westen ist der „Gnadenstuhl“

seit dem 12. Jahrhundert die vollendete und

häufigste Darstellung der Dreifaltigkeit; das

Wort „Gnadenstuhl“ (Hebr 4,16) geht auf

Luther zurück (im Zusammenhang mit der

Bundeslade). Der „Gnadenstuhl“ entspricht

IMPULSE FÜR DIE SEELSORGE

auf unserem Bild einem Altar, auf dem

Gott Vater den geopferten Christus

präsentiert; die Abbildung des Heiligen

Geistes in Gestalt einer Taube er innert

an die Taufe Jesu im Jordan (Mt 3,16),

als Verbindung vom Vater zum Sohn.

Die Vergegenwärtigung des Kreuzopfers

steht für die Offenbarung Gottes in

Christus (Kanongebete!), für den Vater

als ursprungslose Quelle sowohl der

Liebe in Gott wie der Barmherzigkeit zu

den Menschen, für den Geist als Symbol

der Mitteilung in Gott wie auch unter

den Menschen (Christen). Alle übrigen

Bildelemente waren der künstlerischen

Freiheit anheimgestellt.

Die Dreifaltigkeitsikone des heiligen

russischen Mönches Andrej Rublev

(gestorben vor 1427), die dieser im

Anschluss an seine Begegnung mit

dem geisterfüllten heiligen Sergej von

Radonež (gestorben 1392) gemalt hat,

kann als Abschluss und Höhepunkt

einer langen Kette von Darstellungen

der sogenannten „Philoxenia“ (Gastfreundschaft

Abrahams für Gott: Gen

18, 1-16) gelten. Ganz konzentriert auf

die drei Engel (Weglassung aller Ne benfiguren),

die zu einem mystischen Mahl

versammelt sind, schildert das Bild eine

göttliche (zeit lose) Liturgie.

Alle drei Figuren sind durch ihre Haltung,

ihre Blicke und Gesten in inniger

Einheit miteinander verbunden: vom

Betrachter aus rechts der Vater, in der

Mitte (in blutrotem Gewande und vor

dem Opferkelch sitzend) der Sohn, links

der Heilige Geist. Die Bewegung der

Köpfe und Hände von Vater und Sohn

richtet sich deutlich auf den Heiligen

Geist. Mit seiner Redaktion des traditionellen

Bild inhaltes setzte Rublev einen

neuen, bis dahin unbekannten Akzent

für das Wirken des Parakleten, des

Beistandes (wörtlich: Rechtsbeistand,

Advokat oder „Fürsprech“, so offi ziell in

der Schweiz), das heißt die vom Heiligen

Geist bewirkte Teil habe der Geschöpfe

am dreifaltigen Leben Gottes. So ist das

heils geschichtliche Wirken des Heiligen

Geistes betont.

Gerhard Podskalsky SJ

Frankfurt/Hochschule Sankt Georgen

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