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Heute dominiert die Anschauung, Nähe sei ein moralischer Wert

an sich. Es dominiert das Bestreben, die Individualität im Erlebnis

menschlicher Wärme und in der Nähe zu anderen zu entfalten. Es

dominiert ein Mythos, demzufolge sich sämtliche Missstände der

Gesellschaft auf deren Anonymität, Entfremdung, Kälte zurückführen

lassen. Aus diesen drei Momenten erwächst eine Ideologie der

Intimität: Soziale Beziehungen jeder Art sind um so realer glaubhafter

und authentischer je näher sie den inneren,

psychischen Bedürfnissen der einzelnen kommen. Diese Ideologie der

Intimität verwandelt alle politischen Kategorien in psychologische.

Sie definiert die Menschenfreundlichkeit in einer Welt ohne Götter:

Menschliche Wärme ist unser Gott. Aber die Geschichte von Aufstieg

und Fall der öffentlichen Kultur stellt diese Ideologie in Frage.

Die Struktur einer intimen Gesellschaft ist durch zwei Momente

geprägt. Innerhalb der sozialen Beziehungen wird ein spezifischer

Narzissmus mobilisiert, und die Enthüllung der eigenen Empfindungen

vor anderen wird destruktiv.

Auf welche Weise schädigt die vollständige Psychologisierung der

sozialen Realität die Gesellschaft? Antwort: Sie beraubt sie Ihrer

Zivilisiertheit.

Es ist nicht leicht, heutzutage von Zivilisiertheit zu sprechen, ohne

gleich als Snob oder Reaktionär verdächtigt zu werden.

Zivilisiertheit ist ein Verhalten, das die Menschen voreinander schützt

und es ihnen zugleich ermöglicht, an der Gesellschaft anderer

Gefallen zu finden. Eine Maske zu tragen, gehört zum Wesen von

Zivilisiertheit. Masken ermöglichen unverfälschte Geselligkeit, losgelöst

von den ungleichen Lebensbedingungen und Gefühlslagen derer,

die sie tragen. Zivilisiertheit zielt darauf, die anderen mit der Last des

eigenen Selbst zu verschonen.

Richard Sennett

Verfall und Ende des öffentlichen Lebens. Die Tyrannei der Intimität.

LOT VEKEMANS

SCHWESTER VON

Der ‚Höllenhund’

Auch den Kerberos sah ich, mit bissigen Zähnen bewaffnet

Böse rollt er die Augen, den Schlund des Hades bewachend.

Wagt es einer der Toten an ihm vorbei sich zu schleichen,

So schlägt er die Zähne tief und schmerzhaft ins Fleisch der

Entfliehenden

Und schleppt sie zurück unter Qualen,

Der böse, der bissige Wächter.

Homer, Odyssee


Schwester von

von Lot Vekemans

Ismene

Regie

anna Scholten

mona Creutzer

Alles, was tief ist, liebt die Maske …

… Ein solcher Verborgner, der aus Instinkt das Reden zum Schweigen

und Verschweigen braucht und unerschöpflich ist in der Ausflucht vor

Mitteilung, will es und fördert es, daß eine Maske von ihm an seiner

Statt in den Herzen und Köpfen seiner Freunde herumwandelt; und

gesetzt, er will es nicht, so werden ihm eines Tages die Augen darüber

aufgehn, daß es trotzdem dort eine Maske von ihm gibt – und daß

es gut so ist. Jeder tiefe Geist braucht eine Maske: mehr noch, um

jeden tiefen Geist wächst fortwährend eine Maske, dank der beständig

falschen, nämlich flachen Auslegung jedes Wortes, jedes Schrittes,

jedes Lebens-Zeichens, das er gibt. –

Friedrich Nietzsche, Jenseits von Gut und Böse

Regieassistenz

Bühnenbild

Licht

Kostüm

GrafiK-Design/Fotodesign

Praktikant

… und Team Theater K

Premiere: FR.24. Mai 2013

Aufführungsrechte bei

Gustav Kiepenheuer Bühnenvertriebs-GmbH

Dank an:

Pete Bereza (webmaster)

Prof. Hans Kahlen

Manfred Leuchter

Birgit Jansen

mohammed Ahmad

mona CREUTZER

Jochen Deuticke

vIorica Hodel

Ludwig Moll

Ferhat Fidan

rolf Blume

ramazan Demirdag

kolja Eckenweiler

marc Nüchter

robert Stamm

Der 2005 uraufgeführte und preisgekrönte Monolog der holländischen

Dramatikerin Lot Vekemans fragt nach dem Zusammenhang

von Charakterstärke und Starrsinn, edler Größe und Egoismus.

Laios war König von Theben lebte mit seiner Frau Iokaste in einer

kinderlosen Ehe. Laios wünschte sich sehnlich einen Erben und erhielt

folgenden Orakelspruch: „Dir soll ein Sohn gewährt werden, aber

wisse, dass dir vom Geschick bestimmt, durch die Hand deines eigenen

Kindes das Leben zu verlieren.“ Als das Kind zur Welt gekommen war,

fiel den Eltern der Orakelspruch wieder ein. Um die Erfüllung des Spruches

zu verhindern, befahlen sie, den Neugeborenen mit zerstochenen

und zusammengebundenen Füßen in das wilde Gebirge Kithäron zu

werfen. Der Hirte, der den Auftrag ausführen sollte, empfand Mitleid

mit dem unschuldigen Kind und übergab es einem anderen Hirten, der

die Herden des Königs Polypos von Korinth weidete. Der Hirte löste die

Fesseln des Kindes von den durchbohrten Füßen und nannte ihn Ödipus

(Schwellfuß) Er brachte ihn dem König Polypos mit seiner Gemahlin

Merope. Als Ödipus herangewachsen war, sprach das Orakel von Delphi

zu ihm: „Du wirst deinen eigenen Vater erschlagen, deine Mutter

heiraten und den Menschen eine verabscheuungswürdige Nachkommenschaft

hinterlassen.“ Er verließ daraufhin aus Angst seine geliebten

Eltern, seinen Vater König Polypos und seine Mutter Merope. Ödipus

war ein jähzorniger junger Mann und erschlug unterwegs einen älteren

unhöflichen Mann im Kampf. Durch die Sphinx erhielt Ödipus ein

Rätsel, welches er löste und zur Belohnung erhielt er Iokaste zur Frau.

Aus dieser Verbindung entstammten vier Kinder: Polyneikes, Eteokles,

Antigone und Ismene.

Gustav Schwab, Sagen des klassischen Altertums

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