natur und mensch - Rheinaubund

rheinaubund.ch

natur und mensch - Rheinaubund

natur

und

mensch

49. Jahrgang • Heftnummer 2 / 2007

La nature et l’homme

La natura e l’uomo

La natira e l’uman

Boden und Raumplanung

Forum Landschaft

Jahresbericht Rheinaubund

Rheinaubund

natur und mensch 2 / 2007

Seite 39


natur

und

mensch

49. Jahrgang • Heftnummer 2 / 2007

Schweizerische Blätter

für Natur- und Heimatschutz

Impressum

Herausgeber:

Rheinaubund, Schweizerische

Arbeitsgemeinschaft für Natur und Heimat

Redaktion:

Günther Frauenlob (gf) Dipl. Geogr.

Geschäftsstelle des Rheinaubundes

und Redaktion:

Weinsteig 192

Postfach 1157

CH-8200 Schaffhausen

Telefon: 052 625 26 58

Telefon Redaktionsbüro:

052 625 26 67

Fax: 052 625 26 51

E-mail: redaktion@rheinaubund.ch

www.rheinaubund.ch

Postcheck 82-3003-8 Schaffhausen

Postbank Karlsruhe BLZ 660 100 75

Konto 300 550 758

Satz:

Diener + Bachmann GmbH

Martin Diener

Nordstrasse 108

8037 Zürich

Layout:

Günther Frauenlob, Christoph Frauenlob

Druck und Spedition:

Ropress Genossenschaft

Baslerstr. 106

8048 Zürich

Abonnementspreise 2007:

Inland Fr. 45.–, Ausland € 31.–,

Einzelheft Fr. 8.–

ISSN 0466-5899

Erscheinungsweise 6 x jährlich

Nachdruck von Beiträgen aus

«Natur und Mensch» werden gestattet unter

Quellenangabe und Zusand von 2 Belegen.

Die veröffentlichten Beiträge geben die

Meinung der Autorinnen und Autoren wieder

und müssen nicht immer der Auffassung des

Rheinaubundes entsprechen.

Inhalt

Mensch und Umwelt

2 Der Landschaftsverbrauch hat viele Ursachen Heidi Haag

6 Landschaft gestalten Maya Kohte, Johannes Stoffler

Rheinaubund

8 2006 – ein wegweisendes Jahr für den Rheinaubund

Jürg Bloesch

11 Albbruck-Dogern und der Fischaufstieg – eine endliche Geschichte

Ueli Rippmann

14 „KWO Plus“ Grimsel – Mauererhöhung gegen Moorlandschaft

Jürg Bloesch

18 Auch die kleinen Fliessgewässer benötigen Aufmerksamkeit

Lukas Boller

20 VivaRiva – Wasser macht Schule Kathrin Jaag

24 Erfolgreiche ökologische Begleitung der Eisenbahn-Grossprojekte

Günther Frauenlob

26 Jahresbericht Rheinaubund Ruedi Schneider

33 Rechnung und Bilanz 2006 Ruedi Schneider

Mitteilungen

34 Kurzinformationen aus dem Umweltbereich

Buchbesprechungen

36 Klima – Wandel – Alpen Günther Frauenlob

36 Gehen Uwe Scheibler

36 AlpenStadt – AlpenLand Günther Frauenlob

Letzte Seite

37 Termine / Aktuelles

Assoziierte Organisationen:

Arbeitsgemeinschaft zum Schutz der Aare

AQUA VIVA

IG Bielersee

ARGE Pro Thur

PROTÖSS

Bodensee-Stiftung

Verband zum Schutze des Greifensees

Schweizerische Greina-Stiftung

Landschaftsschutzverband Vierwaldstättersee

natur und mensch 2 / 2007


Editorial

Endlich,

Liebe Leserinnen und Leser

Endlich; endlich ist es wieder möglich zu fragen, was „endlich“ noch bedeutet. Dabei stösst

man vermehrt – auch in diesem Heft – auf die Feststellung, dass unsere Ressourcen begrenzt

sind, also endlich. Doch von wessen Ressourcen ist da eigentlich die Rede ? Und von welchen ?

Geht man dieser Frage konkret nach, stellt man verblüfft fest, dass immer mehr Ressourcen als

endlich und „erschöpfbar“ gelten, denn neben den nicht erneuerbaren, fossilen Energieträgern

wie Kohle, Gas und Öl tauchen da plötzlich Güter wie Luft, Boden und (Süss)-Wasser, Klima,

Biodiversität und Landschaft auf – von der Ruhe oder der Dunkelheit der Nacht ganz zu

schweigen.

Das Merk-Würdige daran ist, dass es sich bei

den aufgezählten Gütern – mit Ausnahme

des Bodens und der nicht erneuerbaren

Energien – um sogenannte „freie“ Güter handelt,

um Güter also, die aus der Sicht der noch

immer nicht aktualisierten „ökonomischen

Theorie“, in derart grossen Mengen vorkommen,

dass ihr Preis pro Mengeneinheit so

nahe bei Null liegt, dass er auf Null gesetzt

werden „darf“. So sahen das jedenfalls die

Begründer der ökonomischen Theorie zur

Zeit Sigmund Freuds.

Hätten diese Denker je erkennen können,

dass sich die Menschheit ausnahmslos am

globalen Erdölspiel beteiligen würde, an jenem

Spiel also, das Erdöl in CO2 und Power verwandelt

und dabei ein Gefühl vermittelt, das

anscheinend besser ist als ein Kirchgang ?

Es ist erschütternd, dass es uns noch immer

nicht gelungen ist, längst überholte ökono mi -

sche Hypothesen endlich über Bord zu werfen.

Noch heute wird die Heilslehre vom

öko nomi schen Wachstum weltweit als Paradies

vorstellung kolportiert und – geglaubt.

Dabei wissen auch Ökonomen: Bäume wachsen nicht in den Himmel. Und der aufmerksame

Beobachter erkennt: Der „Wald“, definiert als die Gesamtheit seiner Bäume, ist das beste Beispiel

natürlichen Nicht-Wachstums über Jahrtausende. Dennoch bildet er, dank seiner Bäume und

anderer Lebewesen, die dem Lebenszyklus unterworfen sind, ein quick lebendiges Biotop.

Es dürfte für Ökonomen schwierig sein zu zeigen, dass die „Wirtschaft“, definiert als

Gesamtheit ihrer Unternehmungen, die dem Lebenszyklus ebenfalls unterworfenen sind, bei

Nicht-Wachstum nicht doch ein lebensfähiges Sozialsystem ermöglicht. Was es allerdings

bräuchte, wäre der Paradigmawechsel von der Plünderungs- zur solar betriebenen

Kreislaufwirtschaft.

Noch in diesem Jahr werden die Unterschriftensammlungen zur Landschafts- und

Klimainitiative gestartet, womit endlich wieder über das Endliche diskutiert werden

wird – zweifellos mit Erfolg.

Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre unseres „Jahresberichts“,

Ihr Jean-Pierre Jaccard, Vorstandsmitglied Rheinaubund

natur und mensch 2 / 2007

Seite 1


Mensch und Umwelt

Der Landschaftsverbrauch hat viele Ursachen

Von Genf bis Romanshorn gleicht die Schweiz mehr und mehr einer grossen Stadt. Viele

Gemeinden breiten sich nach wie vor in die Fläche aus und wachsen mit ihren Nachbargemeinden

zusammen. Fachleute sprechen von einer Zersiedlung des Landes, von Siedlungsbrei oder „urban

sprawl“. Haben die Planungsfachleute eine übersensible Wahrnehmung oder lässt sich

der grosse Bodenverbrauch tatsächlich belegen? Wo liegen die Gründe für das ungebremste

Siedlungswachstum? Sind sie vornehmlich im Bevölkerungswachstum zu suchen oder tragen

mehr noch gesellschaftliche, wirtschaftliche oder politische Faktoren zum erhöhten

Bodenverbrauch bei?

Heidi Haag

Das Bundesgesetz über die Raumplanung

verpflichtet die Planungsbehörden zu einer

haushälterischen, nachhaltigen Nutzung

des Bodens. Das Landschaftsbild oder die

Nut zungs pläne der Gemeinden sprechen

oft eine andere Sprache.

Siedlungsflächenzuwachs

Pro Kopf der Wohnbevölkerung stehen heute

gemäss Arealstatistik [1] 1992/97 fast 400 m 2

Siedlungsfläche zur Verfügung [2]. Das sind

13 Prozent mehr als noch zwölf Jahre zuvor

(Arealstatistik 1979/85). Zur Siedlungsfläche

werden Bauten und Anlagen, Infrastrukturen

sowie Verkehrsflächen gezählt. In den 1980er

und 1990er Jahren wurden jährlich durchschnittlich

ca. 2300 Hektar Boden für neue

Siedlungsflächen überbaut [3] – eine Fläche,

die der Grösse des Murtensees entspricht.

Das Siedlungswachstum muss räumlich differenziert

werden. So nahm die Sied lungsfläche

im Mittelland innert zwölf Jahren doppelt

so stark zu wie im Landesdurchschnitt

und betrug Ende der 90er Jahre bereits über

14 Prozent der Gesamtfläche. Entsprechend

hoch ist in diesem Raum auch die Bevölkerungsdichte

mit rund 450 Personen pro

km 2 (Landes durchschnitt: 173 Personen/

km 2 ). In den ländlichen Gebieten des Mittellandes

wachsen die für Siedlungszwecke

benötigten Gebiete prozentual stärker als in

den städtischen Agglomerationen.

Es sieht so aus, als ob raumplanerische Be mü -

hungen zusammen mit einem abgeschwächten

Wirtschaftswachstum um die Jahrtausendwende

schweizweit zu einer langsameren

Ausdehnung der Siedlungen geführt haben.

Erste Resultate der Areal statistik 2004/09 aus

der Westschweiz belegen diesen Rückgang.

So verlangsamte sich das Siedlungswachstum

in den 623 ausgewerteten Gemeinden von

knapp fünfzehn (1981–1993) auf ca. neun

Prozent (1993–2005).

Mehr Flächenbedarf

für Wohnen

Die Entwicklung der ausschliesslich für

Wohn zwecke genutzten Gebäude und deren

Umschwung betrug innert zwölf Jahren

über 25 Prozent und übertraf das Wachstum

der gesamten Siedlungsfläche um nahezu

das Doppelte. Diese Zunahme lässt sich zum

Teil durch das Bevölkerungswachstum (9%)

erklären. Wichtiger jedoch scheint, dass

das Siedlungswachstum auch Ausdruck

eines veränderten Lebensstils mit höheren

Ansprüchen an den Wohnraum und die

Mobilität ist.

Die sozioökonomischen Entwicklungen in

der Schweiz reflektieren sich an der Art und

Weise, wie die Bevölkerung wohnt. Die finanzielle

Unabhängigkeit der jungen und alten

Generation, der hohe Anteil Berufstätiger

sowie das gut ausgebaute Sozialwesen fördern

den Trend zu Kleinhaushalten. Die

Einpersonenhaushalte verdreifachten sich

von 1970 bis 2000 annähernd, und auch die

Zweipersonenhaushalte haben noch um 70

Prozent zugenommen. Es ist zu erwarten,

dass die Zahl der Single-Haushalte auch in

Zukunft noch steigen wird, da die allein stehenden

Senioren so lange als möglich in

ihrer Wohnung bleiben möchten und das

„Single-Dasein“ heute oft nicht mehr eine

zeitlich begrenzte sondern bewusst gewählte

Lebenssituation ist.

Bauten, Infrastruktur und

Verkehr nehmen vor allem

im Mittelland immer mehr

Platz ein

Foto: VLP-ASPAN

Seite 2 natur und mensch 2 / 2007


Ein weiterer Ausdruck des gesellschaftlichen

Wohlstands ist die Zunahme der Wohnungsgrössen

neu erstellter Wohnungen. In den

1960er Jahren betrug die Fläche einer mittleren

Neuwohnung 84 m 2 , im Jahr 2000 bereits

117 m 2 . Zusätzlich haben die Flächen

der Wohnungen stärker zugenommen als

die Zahl der Zimmer, was bedeutet, dass der

Komfort und die Qualität der Wohnungen

angestiegen sind [4]. Die durchschnittliche

Wohnfläche pro Person stieg denn auch von

ca. 24 m 2 (1950), über 34 m 2 (1980) und bis

auf 44 m 2 (2000) an.

Viele der grossen Mietblöcke und Hochhäuser

der Schweiz wurden in den 1960er

und 1970er Jahren erstellt. Diese werden heute

mehrheitlich von einer Bevölkerung mit

tiefem Ausbildungsniveau bewohnt. Wird die

Betrachtung der soziokulturellen Wohn situation

noch vertieft, fällt auf, dass Personen

ohne Berufsbildung (konkret Zugezogene

aus Südeuropa) eher in Siedlungskernen, in

Wohnblöcken, Wohntürmen, in lärmbelasteten

Gebäuden und an schlecht erschlossenen

Lagen leben. Personen, die gar keine

abgeschlossene Schulbildung haben, wohnen

auffallend oft in hochurbanen Wohnkontexten

und industriellen Gemeinden der

Ostschweiz, des Aargaus und der Innerschweiz.

Diese Verteilung stimmt weitgehend

mit jener der Bevölkerungsgruppen

aus der Türkei und dem Balkan überein.

Über 63 Prozent des in

den 1980er und 1990er

Jahren neu entstandenen

Wohnareals entfiel auf Einund

Zweifamilienhäuser.

Foto: VLP-ASPAN

Entwicklung der Haushalte, Wohnflächen und Bevölkerung der Schweiz

ha

4000

3500

3000

2500

2000

1500

1000

500

0

Haushalte total

1-Pers-Haushalte

2-Pers-Haushalte

5+-Pers-Haushalte

Bevölkerung total

Wohnfläche/Person

1970

1980 1990 2000

Siedlungsflächenzuwachs in den Schweizer Kantonen 1979/87–1992/97

Bern

Waadt

Wallis

Zürich

Aargau

Freiburg

St. Gallen

Luzern

absolute Zunahme in ha relative Zunahme in %

Tessin

Graubünden/

Thurgau

tätsausbil dung folgendermassen umschrieben

wer den: Einerseits urbane, geschlossene

Bebauung mit Wohnblöcken älterer

Bau perioden, zentral und in Bahnhofsnähe

gelegen, andererseits die lockere Bebauung

an Siedlungsrändern oder an Seeufern. Absolventen

von Fach hochschulen leben bevorzugt

in periurbanen Einfamilienhäusern.

Über 63 Prozent des in den 1980er und

1990er Jahren neu entstandenen Wohn -

areals entfiel auf Ein- und Zweifa milienhäuser.

Damit nahm der Anteil der Einfami

lien häuser am gesamten Ge bäu de be -

stand von vierzig Prozent im Jahre 1970

auf 56 Prozent im Jahre 2000 zu. Trotz ent -

gegengesetzter Bemühungen der Raumplanungspolitik

waren im Jahr 2004 75

Prozent aller neu erstellten Gebäude mit

Wohnungen Einfamilienhäuser. Auf eine gewisse

rationelle Verwendung des Bodens

Solothurn

Jura

Baselland

Schwyz

Genf/Neuenburg

Zug

Schaffhausen

NE

GE

Obwalden

AR/Glarus/

Uri/Nidwalden

Appenzell-iR

Basel-Stadt

Nicht alle Bevölkerungsgruppen der Schweiz

leben jedoch in „bodensparenden Verhältnis

sen“. So können beispielsweise die

Wohn um felder der Personen mit Universilässt

immerhin schliessen, dass hauptsächlich

die Zahl der dreigeschos sigen

Einfamilienhäuser zugenommen hat [5] .

Billige und schnelle Mobilität –

billiges Bauland

300

250

200

150

100

Mitverantwortlich für die ungebremste Sied -

lungsentwicklung ist die immer bessere Erschliessung

der periurbanen und ländlichen

Gebiete mit leistungsfähigen Strassen, aber

auch das preiswerte Bauland an peripheren

Wohnlagen. So werben beispielsweise ländli -

che Kantone oder Kreditanstalten in städtischen

Tageszeitungen mit „Wohnen im Grünen“.

Heute ist die Mobilität in der Schweiz

noch so billig, dass es sich finanziell lohnt,

ein preiswertes Stück Bauland auf dem Land

zu kaufen und mit dem Auto weite Wege

zur Arbeit zurückzulegen. Die externen

Kosten des Individualverkehrs (Luftbelastung,

Lärm, Unfallgefahr) werden von

der Allgemeinheit getragen. Locker überbaute

Einfamilienhausquartiere lassen sich

50

0

%

30

25

20

15

10

Quelle: Bundesamt für Statistik

5

0

natur und mensch 2 / 2007

Seite 3


Mensch und Umwelt

zudem kaum attraktiv mit öffentlichem

Verkehr erschliessen.

Seit 1960 nimmt die Zahl der Arbeitspendler

alle zehn Jahre um etwa zehn Prozent zu, im

Jahr 2000 arbeiteten bereits 57 Prozent der

Erwerbstätigen ausserhalb ihres Wohnorts.

Da sich die Pendlerdistanzen vergrösserten,

könnte angenommen werden, der

Zeitaufwand für den Arbeitsweg habe ebenfalls

zugenommen. Dem ist jedoch nicht

so: Benötigten die Arbeitspendler vor 1970

durchschnittlich etwa achtzehn Minuten

für ihren Arbeitsweg, so waren dies im Jahr

2000 zwanzig Minuten. Neben den schnelleren

Verkehrsmitteln trägt hier zweifellos

der Ausbau des Strassennetzes zur Beschleunigung

des Verkehrs bei. Die Verkehrsflächen

haben in den 80er und 90er Jahren denn auch

um knapp zehn Prozent zugenommen, wobei

grosse regionale Unterschiede bestehen. Auch

bei der Zunahme der Verkehrs flächen zeigen

die neusten Resultate aus der Westschweiz einen

leichten Rückgang (von 11% auf 7%).

Ziel einer nachhaltigen Siedlungsent wicklung

müsste es sein, Neueinzonungen für

Wohngebiete konsequent an eine ausreichende

Erschliessung mit öffentlichem

Verkehr zu knüpfen oder mindestens attraktive

Park&Ride-Lösungen in umittelbarer

Nähe anzubieten.

Konsumgesellschaft

und Wirtschaftswachstum

Nicht nur das Wohnareal, auch das Industrieund

Gewerbeareal ist in den zwölf Jahren

zwischen den Erhebungen der ersten und

zweiten Arealstatistik um über 24 Prozent

schweizweit gewachsen. Mit ein Grund

für dieses Wachstum ist sicherlich die gute

Wirtschaftslage dieser Periode, stieg doch

auch die Zahl der Arbeitsstätten von 1985

bis 1995 um achtzehn Prozent an. Aber auch

grossflächige, eingeschossige und nicht

unterkellerte Logistik- und Einkaufszentren

tragen ihren Teil zum Bodenverbrauch bei.

Diesbezüglich wäre es geboten, vor einer

Neunutzung von Landwirtschaftsland eine

Umnutzung bestehender, brachliegender

Industrieareale zu prüfen [6]. Leider sind

oft die Preise von unbebauten Grundstücken

im Vergleich zu bereits bebautem

Land zu tief.

Freizeitgesellschaft

und Freizeitmobilität

Die Schweiz ist eine Freizeitgesellschaft.

Dies drückt sich zum einen darin aus, dass

die Hälfte der täglichen „Unterwegszeit“ der

Freizeit dient, zum andern wird die Nachfrage

nach flächenintensiven Freizeitbeschäftigungen

(Mountainbiken, Gleitschirmfliegen,

Golf, neuerdings die Idee für Hallenskifahren

etc.) immer grösser [7]. Nicht alle

Freizeit beschäftigungen benötigen bauliche

Infra strukturen, sie führen jedoch oft

zu Nutzungskonflikten mit dem Natur- und

Landschaftsschutz. Für publikumsintensive

Freizeiteinrichtungen wird heute bereits in

verschiedenen kantonalen Richtplänen eine

ausreichende Erschliessung mit dem öffentlichen

Verkehr verlangt. Schwieriger

ist es, die Individualsportler und -touristen

zum Umsteigen auf die öffentlichen

Verkehrsmittel zu bewegen.

Zweitwohnungen –

touristisch und beruflich

Zweitwohnungen sind in den touristisch geprägten

Orten der Schweiz sowie beinahe in

allen 17 Städten der Schweiz ein Thema. So

betrug der Anteil der pied-à-terre in den „guten“

Quartieren und den Altstadtquartieren

der Städte im Jahr 2000 mindestens 15 Prozent.

Die Wirtschaft verlangt von den Arbeits

tätigen eine zunehmende räumliche

Flexibi lität, was dazu führt, dass der Hauptwohn

ort beibehalten und am Arbeitsort eine

Zweitwohnung gemietet wird.

In grösseren Tourismusdestinationen erreichen

die Zweitwohnungsanteile vielerorts

über drei Viertel des Bestandes (Campello TI

94%, Flims-Laax, Silvaplana, Montana, Leukerbad,

Vaz/Obervaz). Eine ungebrochen steigende

Zahl von Zweitwohnungen gefährdet

jedoch das Landschafts- und Ortsbild

der Tourismusorte und beschleunigt die

Zersiedlung. Zudem führt es zu überhöhten

Bodenpreisen und einer Verdrängung der

einheimischen Bevölkerung vom Wohnungsmarkt.

Aus raumplanerischer Sicht ist es

unwesentlich, ob die Zweitwohnungen

im Eigentum einer Schweizerin oder eines

Ausländers sind. Der Druck aus dem Ausland

wird jedoch mit der geplanten Aufhebung

der Lex Koller zunehmen, wirkungsvolle

flankierende Massnahmen zur Steuerung

des Zweitwohnungsbaus sind deshalb dringend

erforderlich.

Siedlungsdruck

auf die Landwirtschaftszone

Die Siedlungsgebiete dehnten sich in den

letzten Jahrzehnten – vor allem an den

besten Lagen des Mittellandes – weitge-

Seite 4 natur und mensch 2 / 2007


Statt neue Industriestandorte

auf der grünen Wiese

einzurichten, sollten

endlich die brachliegenden

Industrieareale in den

Städten genutzt werden.

Foto: photocase

hend auf Kosten der landwirtschaftlichen

Nutzflächen aus. Dennoch bleibt das Kulturl

and mit knapp 37 Prozent die dominierende

Bodennutzung in der Schweiz

[2]. Es findet jedoch auch ausserhalb der

Bauzonen eine kontinuierliche bauliche

Entwicklung statt. Im Kanton Zürich nahm

der Gebäudebestand zwischen 1950 und

1997 um 80 Prozent zu [8]. 1990 stand jedes

vierte Gebäude der Schweiz ausserhalb

der Bauzone und eine immer geringere

Zahl davon wird landwirtschaftlich genutzt.

Zur Abfederung des Struktur wandels in der

Landwirtschaft plant der Bund Lockerungen

der Bestimmungen für das Bauen ausserhalb

der Bauzonen. Damit wird der Anteil an

nichtlandwirtschaftlichem Gewerbe in den

Landwirtschaftszonen zu neh men. Zusätzlich

ist in den letzten Jahren auf nicht mehr benötigte

Wohn- und Ökonomiebauten in der

Landwirtschaftszone ein grosser Nutzungsdruck

durch nichtlandwirtschaftliche Kreise

entstanden. Der raumplanerische Grundsatz

der Trennung von Siedlungs- und

Nichtsiedlungsgebiet erfährt dadurch eine

schleichende Verwässerung.

Steuerwettbewerb und Konkurrenzdenken

der Gemeinden

Zur kontinuierlichen Expansion der Siedlungsflächen

tragen ausserdem der Steuerwettbewerb

und das Konkurrenzden ken

zwischen den Gemeinden ihren Anteil

bei. Der Wettbewerb um Einwohner, Unternehmen

und Arbeitsplätze veranlasste die

Gemeinden, unrealistisch dimensionierte

Bauzonen auszuscheiden, die sich mitnichten

am tatsächlichen Bedarf orientieren.

Sind die übergrossen Bauzonen einmal ausgeschieden,

besteht wenig Anreiz zur Sparsamkeit.

Insbesondere Bauzonen für wenig

verdichtete Wohnformen, wie Einfamilienhäuser,

fördern die flächenhafte Ausdehnung

der Siedlungen. Die Erwar tungen der

Gemeinden, attraktive Steuer zahler anzulocken,

um die bestehenden Infrastrukturen

finanzieren zu können, erfüllen sich nicht

in jedem Fall. Heute ist bereits ein Drittel

der Schweizer Gemeinden von einer abnehmenden

oder stagnierenden Bevölkerungsent

wicklung betroffen. Diese Tendenz wird

sich – treffen die Berechnungen des Bundesamtes

für Statistik zu – in den nächsten

Jahren verstärken. Damit zeichnet sich ein

noch härterer Wettbewerb zwischen den

Gemeinden ab, wenn sie nicht beginnen, in

nutzungsplanerischen Fragen intensiv zusammenzuarbeiten.

Literaturangaben

[1] Arealstatistik des Bundesamtes für Statistik

BFS. Die Erhebungsperioden sind 1979/85,

1992/97, 2004/09 (2004/09 erst Kantone VD

und GE abgeschlossen).

[2] Bundesamt für Statistik BFS 2001:

Bodennutzung im Wandel, Neuchâtel

[3] Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft

BUWAL 2003: Landschaft 2020, Bern

[4] BFS 2006: Atlas des räumlichen Wandels der

Schweiz, Neuchâtel

[5] BFS 2006: Panorama, Bau- und Wohnwesen,

Neuchâtel, März 2006

[6] BFS 2002: Betriebszählung 2001 in Kürze,

Neuchâtel

[7] ARE 2001: Mobilität in der Schweiz, Bern

[8] Peter Sacha 2000: Die Gebäudedynamik

ausserhalb der Bauzonen im Kanton Zürich,

Zürich

Heidi Haag

Geografin

Schweizerische Vereinigung für

Landesplanung VLP-ASPAN

Seilerstrasse 22

CH-3011 Bern

Tel. +41 31 380 76 70

heidi.haag@vlp-aspan.ch

www.vlp-aspan.ch

In grösseren Tourismusdestinationen

erreichen die

Zweitwohnungsanteile

vielerorts über drei Viertel

des Bestandes.

Foto VLP-ASPAN

natur und mensch 2 / 2007

Seite 5


Mensch und Umwelt

Landschaft gestalten

Landschaft ist eine Kulturleistung. Sie ist das Produkt menschlicher

Entscheidungen im Umgang mit der Natur. Dort, wo diese Ent -

scheidungen nicht getroffen werden, „entsteht“ sie – als zufälliges

Abfallprodukt des Handelns verschiedener Akteure. Wie Landschaft bewusst

gestaltet und entwickelt werden kann, will das Forum Landschaft

auf seiner Jahrestagung im Mai 2007 thematisieren. Die Tagung versteht

sich als Diskussionsbeitrag zum neuen Raumkonzept Schweiz,

das derzeit unter der Leitung des Bundesamtes für Raumentwicklung

(ARE) erarbeitet wird.

Maya Kohte, Johannes Stoffler

Die Gestalt der Landschaften der Schweiz

trägt wesentlich zur Identität des Landes

bei und ist Ausdruck seiner kulturellen

Vielfalt. Sie ist eine wichtige Grundlage

unserer Lebensqualität, des wirtschaftlichen

Standortes und des Tourismus. Sie

ist Ausdruck unseres kulturellen Erbes

und gleichzeitig Grundlage für dessen

Weiterentwicklung.

Eine Reise ins Ungewisse

Angesichts der raschen und grossräumigen

Entwicklungen (Suburbanisierung, Wandel der

Land- und Forstwirtschaft, Vergandung u.a.)

fehlt bisher jedoch eine effektive Strategie,

wie die Landschaften der Schweiz qualitätsvoll

weiterentwickelt werden können. Landschaft

droht zu einem zufälligen Nebenprodukt unserer

Gesellschaft zu werden. Die Eigenart des

kulturellen Erbes, das wir mitbekommen haben,

droht damit aus dem gesellschaftlichen

Bewusstsein zu verschwinden. Gleichzeitig

müssen wir uns kritisch fragen, was wir selbst

einmal vererben wollen.

Landschaft ist eine Gesamtheit. In Zukunft

wird es deshalb nicht mehr ausreichen,

die Landschaft einzig durch Eingriffe ver -

schiedener Akteure aus einzelnen Sektoralpolitiken

entwickeln zu lassen, die ihrer

Gesamtgestalt kaum Aufmerksamkeit schenken.

Es ist deshalb an der Zeit, die grossräumliche

Gestaltung von Landschaft aktiv zu

thematisieren. Qualitätsziele und gestalterische

Kriterien müssen bewusste, integrale

Bestandteile aller landschaftsverändernden

Prozesse werden. Eine wichtige Rolle kommt

hierbei dem Natur- und Landschaftsschutz

zu, der seit seinen Anfängen auch einen

gestalterischen Auftrag hat. Natur und

Landschaft zu schützen, bedeutet heute, sich

auch Gedanken zu machen, was jenseits der

Schutzgebiete passiert. Es bedeutet, den „sicheren

Hort“ der naturwissenschaftlichen

Betrachtungen zu verlassen und sich gestalterischen

Fragen zu stellen.

Was heisst hier

„Landschaftsqualität“?

Die Forderung nach mehr Land schaftsqualität

beinhaltet auch die Frage nach

Beurteilungskriterien. Diese Frage wird sich

nur dann beantworten lassen, wenn wir bereit

sind, unser ererbtes Bild von Landschaft

zu hinterfragen. Wir sollten uns die kritische

Frage stellen, wie sich der pittoreske Reiz

vorindustrieller Kulturlandschaften mit der

realen Gegenwart vereinbaren lässt und wo

die Chancen liegen, an dieses Erbe neu anzuknüpfen.

Weder Nostalgie noch Tabula

Rasa können hier weiterhelfen.

Die qualitätsvolle Gestaltung von Landschaft

ist nicht Geschmackssache, sondern auch

eine Frage des Verständnisses. Nur wer Landschaft

begreift, kann Sie auch sinnvoll weiterentwickeln.

Gestaltung von Landschaft ist

deshalb nicht allein eine Aufgabe von Praxis

und Verwaltung. Sie ist auch Gegenstand

empirischer For schung. Gegenwärtig etabliert

sich die Landschaftstheorie als wichtiges

Thema an europäischen Hochschulen.

Dabei wird versucht, die unterschiedlichen

Aspekte von Landschaft zusammenzudenken

und die gewonnenen Erkenntnisse

den verschiedenen Praxisfeldern zur Verfügung

zu stellen. Auch das Nationale Forschungsprogramm

48 untersucht die Gesamt

heit von Landschaft, seine körperlichsensorische,

ästhetische, identifikatorische,

soziopolitische, ökonomische und ökologische

Dimension.

Mut zur Zusammenarbeit

Die gesamträumliche Gestaltung der Landschaft

bedarf einer inter- und transdiszip-

Die qualitätsvolle Gestaltung

von Landschaft

ist nicht Geschmackssache,

sondern auch eine Frage

des Verständnisses.

Nur wer Landschaft begreift,

kann Sie auch sinnvoll

weiterentwickeln.

Foto: photocase

Seite 6 natur und mensch 2 / 2007


Unsere Kulturlandschaft

ist das Produkt menschlicher

Entscheidungen im

Umgang mit der Natur.

Foto: photocase

linären Zusammenarbeit, um weitere Ansätze,

Methoden und Instrumente zu entwickeln.

Gleichzeitig ist Landschaftsgestaltung

eine Aufgabe der interkommunalen,

interkantonalen und – gegebenenfalls –

die Landesgrenzen überschreitenden Zu -

sam menarbeit. Dies bedeutet auch, über

Revierdenken und berufsständische Schranken

hinwegzukommen, den fachlichen

Horizont zu erweitern und den Austausch

zu suchen. Hierin liegt eine Chance für

den Natur- und Landschaftsschutz, für

seine Ziele neue Partner zu finden, und

Landschaftsentwicklung und -gestaltung

verstärkt in den Blick zu nehmen. Nur mit

einer breiten Lobby für die Landschaft kann

effektiv Einfluss auf politische Prozesse

und auf konkrete landschaftsrelevante Entscheidungen

genommen werden.

Die derzeitige Überarbeitung der Grundzüge

der Raumordnung Schweiz von 1996 durch

das Bundesamt für Raumentwicklung (ARE)

bietet einen wichtigen Anlass, das Thema

der Landschaftsgestaltung in dem zukünftigen

Raumkonzept Schweiz differenzierter

zu behandeln. Das Raumkonzept soll eine

einheitliche Vorstellung als Grundlage für

eine koordinierte Raumentwicklungspolitik

zwischen allen staatlichen Ebenen darstellen.

Ein „Landschaftskonzept Schweiz“

wird aber nur eine Chance haben, wenn es

gelingt, das Thema in seiner vollen Breite

öffentlich anzusprechen und auch fachfremde

Akteure und Betroffene dafür zu

sensibilisieren.

Das Forum Landschaft

Das Forum Landschaft wurde am 13. Januar

2006 in Bern gegründet und befindet

sich seitdem im Aufbau. Gründungsmit

glieder des Vereins sind Fachleute aus

Praxis und Verwaltung sowie Forschende

verschiedener Schweizer Hochschulen

und Forschungsinstitutionen. Ziel des

Forums ist die Thematisierung der Landschaft

im umfassenden Sinne der europäischen

Landschaftskonvention, insbesondere

die Förderung bewusster Landschaftsgestal

tung, wissenschaftlicher Forschungspro

jekte zum Thema Landschaft, des

Diskurses Forschung – Praxis sowie die

Anregung einer öffentlichen Diskussion

über Landschaft.

Zur Umsetzung dieser Ziele wird derzeit

ein Netzwerk Landschaft aufgebaut und

gepflegt, zu dem alle wichtigen Akteure,

Forschende und Lehrende im Bereich Landschaft

eingeladen sind. Informationen zum

Bereich Landschaft werden gesammelt und

verbreitet, in Institutionen und Gremien

mitgewirkt und Beziehungen zu verwandten

Organisationen gepflegt.

Das Forum verbindet breite institutionelle

Verankerung mit Fachkompetenz. Dem Vorstand

des Forums gehören Personen aus unterschiedlichen,

landschaftsrelevanten Bereichen

an. Ein wissenschaftlicher Beirat von

ausgewiesenen Experten gewährleistet die

fachliche Qualitätssicherung der Arbeit.

Der Aufbau des Forums Landschaft erfolgt

im Rahmen einer zweijährigen Pilotphase.

Diese dient dazu, Zielsetzung, Strategie

und Umsetzung zu testen und festzulegen.

Finanziert wird diese Phase von der Schweizer

Akademie der Naturwissenschaften,

dem Bundesamt für Umwelt, dem Bund

Schweizer Landschaftsarchitekten, der Stif-

tung Landschaftsschutz Schweiz und Mitgliederbeiträgen.

Ein wichtiger Bestandteil der Arbeit des

Forums besteht in Beiträgen zu Tagungen

und Workshops. So moderierte das Forum

Landschaft die Dimension „Stadt und

Land“ der SAGW-Tagung „Wohnen in der

Metropole Schweiz“ im November 2006

und gestaltete den Workshop „Entwick -

lungs perspektiven zwischen Schönheitsideal

und Wirtschaftsfaktor“ am NATUR

Kongress Basel im März 2007.

Die kommende Jahrestagung des Forums

Landschaft am 12. Juni in Bern wird sich mit

dem Begriff der Landschaftsqualität auseinandersetzen.

Vor dem Hintergrund des

Raumkonzeptes Schweiz wird Landschaft

im Spannungsfeld von Ästhetik, Identität

und Ökonomie diskutiert werden. Den einleitenden

Referaten werden am Nachmittag

Arbeitsateliers zu den Einzelaspekten folgen.

Und natürlich wird die Tagung genügend

Raum für informelle Gespräche bieten. Zu

diesem Treffen lädt das Forum Landschaft

alle interessierten Fachleute ein.

Weitere Informationen unter www.forumlandschaft.ch

oder www.forumpaysage.ch

Maya Kohte

Präsidentin Forum Landschaft

Johannes Stoffler

Geschäftsführer Forum

Landschaft

Schwarztorstrasse 9

3007 Bern

Tel. 031 318 70 17

Fax 031 312 16 78

natur und mensch 2 / 2007

Seite 7


Rheinaubund

2006 – ein wegweisendes Jahr

für den Rheinaubund

Ab 2007 stellt sich der Rheinaubund in einem neuen, frischen

Image dar. Es symbolisiert unsere Dynamik, die trotz

finanzieller Schwierigkeiten ungebrochen ist und durch

den Jahresbericht in diesem Heft dokumentiert wird. Das

Hinterfragen der allgemeinen Wachstumseuphorie und

die bedenkliche Entwicklung in der Raumplanung sind

nur zwei Beispiele dafür, dass wir einen neuen Akzent in

der politischen Landschaft setzen müssen, wenn wir die

Schweiz nicht total verbaut sehen wollen. Jürg Bloesch

Immer mehr, immer mehr,

immer mehr?

Seit kurzem hat der Rheinaubund ein neues

Erscheinungsbild, ein neues Logo und ein

neues Layout für „natur und mensch“. Ein

herzliches Dankeschön unseren Graphikern

Markus Capirone, Beatrice Nünlist und Christoph

Frauenlob! Überarbeitet wurden auch

die Internet-Homepage, die Briefschaften

und Couverts. Zwei Flyer werden folgen.

Die Mühsal des schwierigen gestalterischen

Prozesses ist vorüber, freuen wir uns jetzt

am Neuen und am schönen Design.

Das Logo ist unsere Identität

Allerdings geht es meines Erachtens um

mehr als nur ein dynamisches Logo oder ein

VivaRiva, das

Umweltbildungsprojekt

des Rheinaubundes, ist

gesichert.

Foto: K. Jaag

attraktives modernes Heft. Entscheidend

ist die Identität (Corporate Identity) des

Rheinaubundes, welcher die Strategie des

Vereins zugrunde liegt, die an der Klausur

2005 diskutiert und vom Vorstand abgesegnet

worden ist. Im Mittelpunkt stehen

unsere Kerngeschäfte: Der Gewässerund

Landschaftsschutz, das Auftreten als

“ehrlicher Makler” in eigenen, pro-aktiven

Projekten und als gewissenhafter Anwalt der

Natur bei Einsprachen und Verhandlungen.

natur und mensch“ als Produkt des Rheinau

bundes ist weit mehr als eine Vereinszeitschrift.

Unser Heft wie auch unsere

Projekte strahlen unsere Philosophie aus,

sich konsequent und uneigennützig für die

Natur, für Gewässer- und Landschaftsschutz

einzusetzen. Das geht uns alle an, wollen

wir unsere gesellschaftliche Verantwortung

wahrnehmen! Der Jahresbericht in diesem

Heft legt eindrucksvoll davon Zeugnis

ab, wie wir unseren Einsatz gestalten und

was für Arbeit wir konkret leisten. Das

Fundament von “natur und menschund

der Projektarbeit ist die fachliche und soziale

Kompetenz. Ich hoffe, dass diese leuchtenden

Beispiele vermehrt Gleichgesinnte

anlocken, überzeugen und begeistern. Es

wäre schön, wenn nicht nur die Wirtschaft,

sondern auch der Rheinaubund nachhaltig

wachsen würden.

Gedanken zu Wohlstand

und Wachstum

A propos Wachstum. Es erstaunt mich

immer wieder, wie rasch Meadow’s “Grenzen

des Wachstums” der 1970er Jahre in

Vergessenheit geraten ist. Dabei basiert

diese Theorie auf dem fundamentalsten

Naturprinzip, der Wachstumskurve – mit

Wachstum, Plateau und Zerfall – und der

Endlichkeit der Ressourcen. Heute propagieren

alle Politiker möglichst grosses und

unbegrenztes Wachstum, ohne welches es

keine Zukunft gebe. Technologie und Geld

als Heilsbringer der Menschheit? Ich frage

mich, auf welchem Fundament solche

Theorien basieren, wenn nicht auf kurzfristiger

und eigennütziger Gewinnmaximierung

und Machtstrategie. Wo bleibt da die oft genannte

Nachhaltigkeit? Der Blick für grössere

Zusammenhänge? Meiner Meinung

nach lohnt es sich, über diese Dinge nachzudenken

und sich allenfalls darauf einzustellen.

Auf wessen Kosten leben wir hierzulande

eigentlich? Wenn wir über Energiepolitik

und Lösungsansätze zur Reduktion der

Treibhausgase diskutieren, ist es wichtig zu

wissen, dass auch die sogenannten Kleinen

etwas tun können. Flächig angewendete

Solarzellen auf Hunderttausenden von

Schweizer Dächern können locker ein ganzes

Kernkraftwerk ersetzen. Ebenso kann

die Schweiz als Kleinstaat eine Vorreiterrolle

spielen, und es ist kurzsichtig zu argumentieren,

unser Beitrag sei global gesehen vernachlässigbar.

Alles in allem, jede und jeder

kann etwas beitragen, und sei es nur sich

zu überlegen, ob das Glück des Lebens in

Seite 8 natur und mensch 2 / 2007


Aufmerksam sein.

Entwicklungen verfolgen.

Dahin plätschern lassen?

Eingreifen. Lenken.

Nicht frankieren

Ne pas affranchir

Non affrancare

Geschäftsantwortsendung Invio commerciale-risposta

Correspondance commerciale-résponse

Foto: photocase.de

Rheinaubund

c/o natur und mensch

Postfach 1157

CH-8200 Schaffhausen

Abonnementsbestellung / Anmeldung der Mitgliedschaft

Ja, ich möchte

Ein Jahresabonnement der Zeitschrift „natur und mensch“ (Fr. 45.00)

ein Geschenkabonnement

Mitglied werden beim Rheinaubund (Fr. 65.00 inkl. Heft)

ein Gratis-Probeheft / Unterlagen über den Rheinaubund

Ich bin bereit, aktiv beim Rheinaubund mitzumachen.

Nehmen Sie mit mir Kontakt auf.

Eigene Adresse:

Name/Vorname:

Adresse:

Geburtsdatum:

PLZ/Ort:

Geschenkabonnement für:

Name/Vorname:

Adresse:

Geburtsdatum:

PLZ/Ort:

Datum, Unterschrift:

Ihr Engagement

im Rheinaubund

bedeutet sehr viel,

vielleicht mehr als

Sie erwarten.

natur und mensch 2 / 2007

Seite 9


Rheinaubund

materiellem Wohlstand und unbegrenzten

qualitativen Ansprüchen liegt, oder ob es

vielleicht auch noch so etwas wie nicht monetäre

Werte auf dieser Erde gibt, die uns zu

seelischem Gleichgewicht verhelfen.

Der Rheinaubund

macht Schule

Doch kehren wir zurück in den Alltag des

Rheinaubundes. Trotz ökonomischem und

prioritästgerechtem Einsatz der Mittel blieb

es auch im Jahr 2006 beim altbekannten

strukturellen Defizit. Finanzstrategie und

Öffentlichkeitsarbeit sind nach wie vor eine

Baustelle, und Defizite gibt es insbesondere

in der Pressearbeit und im Networking. Das alles

ist auch eine Frage der Kapazität. Daneben

können wir sehr wohl viel Erfreuliches berichten.

Noch nie in der bald 50-jährigen

Geschichte des Rheinaubundes konnten so

viele Sponsorengelder aufgetrieben werden

wie für das Projekt “VivaRiva”. Da liegt

nicht nur ein grosses Potenzial für die Schule

und die Umwelterziehung vor uns, sondern

auch für den Rheinaubund selbst. Weitere

Arbeitsschwerpunkte sind nach wie vor die

Laufkraftwerke am Hochrhein, mit der am

30. April 2007 zu gründenden Arbeitsgruppe

“Geschiebehaushalt”, sowie die Raumplanung,

mit der im Frühling gestarteten Landschafts-

Initiative. Dazu tragen auch die von

Vorstandsmitglied Jean-Pierre Jaccard verfasste

Vernehmlassung zur Pärkeverordnung

und die damit verbundene Strategie des

Leistungsauftrags mit Globalbudget bei.

Zum Dank politische

Zeichen setzen

Zum Jahresrückblick 2006 bleibt mir als

Ko-Präsident all den motivierten Mitarbeitenden

und spendablen Gönnern herzlich

zu danken. Es ist beeindruckend und

erfreulich zugleich zu sehen, wie ansteckend

diese Motivation sein kann, wenn es

darum geht, gesellschaftliche Werte und

Naturschönheiten hoch zu halten und gegenüber

wirtschaftlichen Eigeninteressen

anderer zu verteidigen. Solcher Einsatz ist

auch in Zukunft dringend nötig, da der

Umweltschutz politisch immer noch stark

im Gegenwind steht.

Wie wir mit unserer Raumplanung umgehen,

ist skandalös. Die Restwasserbestimmungen

im Gewässerschutzgesetz sind unter starkem

Druck. Die Gewässerschutz-Initiative

verdient unsere Unterstützung. Das Verbandsbeschwerderecht

werden wir zu sichern

wissen. Lassen wir uns also nicht entmutigen

und setzen wir bei den Wahlen

2007 ein klares Zeichen und gründen ein

neues politisches Fundament.

Mit den besten Wünschen, Ihr Jürg Bloesch

Der Rheinaubund bleibt auch

in Zukunft den Gewässern

und Gewässerlandschaften

verpflichtet.

Foto: Urkraft Wasser

Jürg Bloesch

Ko-Präsident Rheinaubund

Weinsteig 192

8201 Schaffhausen

Tel. 052 / 625 26 58

Seite 10 natur und mensch 2 / 2007


Albbruck-Dogern und der Fischaufstieg –

eine endliche Geschichte?

Schon lange beschäftigt sich der Rheinaubund mit der Neukonzession für das

Kraftwerk Albbruck-Dogern. Ging es erst um genügende Ausgleichsmassnahmen

im betroffenen Flussraum, erhitzte zum Schluss einmal mehr das Thema Fischaufstieg

die Gemüter. Doch die langen Diskussionen und Auseinandersetzun -

gen haben sich gelohnt, denn die neuen Pläne der RADAG scheinen „fischgängig“

zu sein.

Ueli Rippmann

Das Ausleitungskraftwerk Albbruck Dogern

der RADAG nutzt den Hochrhein durch

ein Wehr, welches – bis auf die Restwassermenge

– alles Wasser in den Oberwasserkanal

ableitet und es zu den Turbinen

führt. Im Vergleich zum Mutterbett hat

dieser Kanal ein kleineres Gefälle. Unter

Berücksichtigung von Hydrologie, Hydraulik

und Gelände (Gefälle) erzielt man so

an den Turbinen eine möglichst grosse

Kraftwerksfallhöhe, ausgelegt auf die maximal

mögliche Stromproduktion.

1933 hatte das Kraftwerk eine Ausbauwassermenge

von 750 m 3 /s, die jedoch in mehreren

Schritten bis auf 1100m 3 /s erhöht

wurde. Heute produziert das Werk mit 1100

m 3 /s Wasser und einer Kraftwerksfallhöhe

von 9.4 m im Mittel 575 GWh/a.

Im Jahr 1981, lange vor Ablauf der Konzession,

arbeitete die RADAG wiederum an einer

erneuten Nutzungssteigerung, indem

sie ein Vorprojekt für ein Wehrkraftwerk erstellte.

Unterstützung erhielt die Idee durch

die Studie „Rhein 2000“ des BUWAL über

die ökologischen Verbesserungsmassnahmen

am Hochrhein. Das Aktionsprogramm

„Rhein 2000“ pries das geplante Wehr kraft -

werk, weil es als „Sanierung der Restwasserstrecke“

betrachtet wurde.

Gegenwärtig wird die Ausbauwassermenge

von 1100 m 3 /s im Mittel an 138 Tagen im

Jahr erreicht oder überschritten. Das Wehr

wird also während eines Drittels des Jahres

überspült. Die RADAG wollte deshalb die

Ausbauwassermenge um weitere 300 m 3 /s

steigern und dafür ein neues Wehrkraftwerk

bauen. Vor Ablauf der Konzession (2012)

verlangte man eine Neukonzessionierung

mit einer Gesamtausbauwassermenge von

1400 m 3 /s. Durch das neue Wehrkraftwerk

reduziert sich die Überschreitung auf 68

Tage pro Jahr, während die Jahresarbeit um

15 Prozent steigt.

Gleichzeitig sollte das Wehrkraftwerk eine

wesentliche Verbesserung der Wasser -

füh rung in der Restwasserstrecke bewirken,

die aus gewässerökologischer Sicht

seit Jahrzehnten viel zu wenig Wasser führt

(Winterdotation 3 bis 8 m 3 /s, Som mer dotation

40 m 3 /s).

Die Kraftwerksanlage

Albbruck-Dogern.

Foto: RADAG

Die RADAG war deshalb der Meinung, sie

leiste einen ausreichenden Beitrag zur ökologischen

Gesamtsituation des Rheins, weshalb

man keine weiteren ökologischen Ausgleichsmassnahmen

zugestehen wollte.

Ursprüngliche

Flusslandschaft massgebend

Dieser Einstellung widersprachen der Rheinaubund

und seine befreundeten Organi -

sationen entschieden. Das neue Wehrkraft-

natur und mensch 2 / 2007

Seite 11


Rheinaubund

werk entspricht – nach mehrfach erweiter ter

Konzession – vor dem Gesetz einer Neu anlage,

welche die entsprechenden Auflagen

des Gesetzgebers erfüllen muss. Überdies

war der Bau des Kraftwerks im Jahre 1933

ein erheblicher Eingriff in die ursprüngliche

Flusslandschaft. Der Definition des

massgeblichen Ausgangszustandes bezüglich

des möglichen Potenzials des Rheins

ohne Kraftwerk wurde im UVB I (Kap. 1.3.2

Zeitliche Abgrenzung) völlig ungenügend

Rechnung getragen.

Schliesslich gehören nach Art. 31–33 Gewässerschutzgesetz

(GschG) und Art. 7–9

Fischereigesetz (FG) die Sanierungen der

Restwasserstrecke und die Gewährleistung

der Fischwanderung in beiden Richtungen

nach modernstem Stand von Wissen und

Technik spätestens seit 1992 zwingend zu

solchen Projekten und können daher nicht als

Ausgleichsmassnahmen bezeichnet werden.

Trotz dieser gesetzlichen Bestimmungen

wurde die vorgezogene Neukonzession des

Kraftwerks am 27.Mai 2003 rechtskräftig.

Das Rheinkraftwerk Albbruck-Dogern AG erhielt

damit von den zuständigen Behörden

auf deutscher und Schweizer Rheinseite

die Bewilligung zur Wasserkraftnutzung

am Hochrhein inklusive Wehrkraftwerk für

weitere 70 Jahre. Dafür musste die RA-

DAG jedoch weiteren ökologischen Ausgleichsmassnahmen

zustimmen, die nicht

zuletzt durch die aktive und konstruktive

Rolle des Rheinaubundes und seiner befreundeten

Organisationen erwirkt wurden.

Neben dem Bau des Wehrkraftwerkes beinhaltet

die Neukonzession folgende ökologischen

Aufwertungsmassnahmen:

• die Verbesserung der gewässermorphologischen

Verhältnisse im Altrhein

• die Kostenbeteiligung für die ökologische

Aufwertung der Wutachmündung

• die Erstellung eines Umgehungsgerinnes

am Ausleitungswehr

• die Erstellung einer fischgängigen

Blockrampe in der Albmündung

• die Aufwertung der Vogelinseln in Dogern

im Oberwasser des Ausleitungswehrs

• die Wiederherstellung der früheren

Kiesinseln bei Full

Im September des gleichen Jahres erfolgte

auch die Baubewilligung, gegen die der

Rheinaubund erneut Einsprache erhob.

Was fehlte war der explizite Nachweis der

Gewährleistung der freien Fischwanderung

nach Art. 9 des Fischereigesetzes des Bundes.

Aufgrund der Untersuchungsergebnisse

des Instituts für Wasserwirtschaft und Kul turtechnik

der Universität Karlsruhe (IWK), die die

RADAG der ökologischen Begleitkommission

im Oktober 2004 vorlegte, ergaben sich

nämlich im Bereich des Zusammenflusses

von Altrhein und Unterwasserkanal so ungünstige

Fliessverhältnisse, dass die freie

Fischwanderung als nicht gesichert betrachtet

werden musste.

Das Institut hatte die Fliessverhältnisse und

die Fliessgeschwindigkeiten im Prognosezustand

bei QWehrkraftwerk = 300 m 3 /s und QGesamt

= 1008 m 3 /s (Qm) dargestellt und es zeigte

sich eindeutig, dass ausser der Hauptwassermenge

auch die Fliessgeschwindigkeiten aus

dem Unterwasserkanal (Wasserrückgabe)

wesentlich höher waren (1.0 bis 1.5 m/s) als

jene des Altrheins (Restwasserstrecke) mit

nur 0.5 bis 0.75 m/s.

Es liegt in Wesen und Konstruktion der

Ausleitungskraftwerke, dass die Wasserführung

des Unterwasserkanals meistens

wesentlich höher ist als in der Restwasserstrecke,

beispielsweise auch nach der erwähnten

Prognose der IWK (QUnterwasserkanal =

708 m 3 /s und QWehr = 300 m 3 /s. Die modellierte

Verteilung der Fliessgeschwindigkeiten

im Mündungsbereich Altarm RADAG –

Mündung, liess auch für die meisten anderen

Wasserführungen im Rhein den

Schluss zu, dass die Hauptwassermenge

und die Hauptfliessgeschwindigkeit aus

dem Unterwasserkanal zufliesst und jene

im Altrhein somit – auch mit dem neuen

Wehrkraftwerk – deutlich übertreffen.

Für die Abfluss- und Fliessverhältnisse ist

dies im Bereich des Zusammenflusses von

Unterwasserkanal und Restwasserstrecke

geradezu ein Charakteristikum aller Ausleitungskraftwerke.

Deshalb stellte sich die Frage, ob denn

die wanderwilligen Fische überhaupt bis

zum Wehrkraftwerk wanderten und dort

die neue Fischaufstiegshilfe fänden, wenn

doch der entscheidende Orientierungsreiz

Seite 12 natur und mensch 2 / 2007


der grösseren Wassermenge und der höheren

Fliessgeschwindigkeit aus dem

Unterwasserkanal kommt.

Da sich alle Arten der Flussfische physiologisch

mit Hilfe ihres Seitenlinienorgans

nach der Hauptströmung und den grösseren

Fliessgeschwindigkeiten ausrichten,

kamen berechtigte Zweifel auf, ob der

neue Fischpass am Wehrkraftwerk allein

zur Sicherung der freien Fischwanderung

genüge. Würden die Fische nicht in den

Unterwasserkanal zum alten Maschinenhaus

aufsteigen, wo Hauptströmung und

Fliessgeschwindigkeiten einen wesentlich

grösseren Orientierungsreiz erzeugen?

Nun richtete sich der Blick auf den alten

Fischpass am Maschinenhaus und auf seine

Funktionsfähigkeit, denn würde sie genügen,

wäre die freie Fischwanderung nach

Art. 9 des Bundesgesetzes über die Fischerei

zusammen mit dem neuen Fischpass am

Wehrkraftwerk gesichert und das neue

Kraftwerk hätte gebaut werden können.

Eine nähere Prüfung zeigte jedoch, dass der

alte Fischpass am Maschinenhaus nicht nur

vom Konzept her völlig veraltet war, sondern

dass er den elementarsten Anforderungen

funktionstüchtiger Fischaufstiegshilfen

Durch den neuen Fischpass

am Maschinenhaus sollte

die freie Fischwanderung im

Bereich des KW Albbruck-

Dogern sichergestellt sein.

Foto: Naturenergie

nicht einmal ansatzweise genügte. In seiner

Einsprache ging der Rheinaubund Punkt für

Punkt auf diese eklatanten Mängel ein. Nach

einigen Auseinandersetzungen konnte die

RADAG die vorgebrachten Argumente nicht

widerlegen.

Zudem bestätigten die Ergebnisse der

Reusenfänge, dass diese Fischtreppe aus

dem Jahre 1933 schon seit rund 50 Jahren

praktisch funktionsuntüchtig war (Staub

und Gerster, 1992 und Gerster, 1998).

Damit war weder im UVB I noch im UVB II

ein glaubhafter Nachweis der Funktionstüchtigkeit

des alten Fischpasses am

Maschinenhaus enthalten. Die freie Fischwanderung

nach Art.9 FG am Kraftwerk

Albbruck-Dogern war daher nicht gewährleistet.

Die Einsprache des Rheinaubundes gegen

die Baubewilligung erfolgte somit zu Recht.

Erst nach zähen Verhandlungen erklärte

sich die RADAG schliesslich zu einer völligen

Neukonstruktion der Fischaufstiegshilfe am

Maschinenhaus bereit und präsentierte dafür

an der letzten Einigungsverhandlung vom

27. Oktober 2006 ein völlig neues Konzept

zur Sicherstellung der Fischwanderung am

Maschinenhaus, das sehr erfolgversprechend

aussieht. Die Gestaltungsdetails und

Funktionstüchtigkeit der Anlage müssen

nun in der Begleitkommission erarbeitet

und optimiert werden. Auch hier wird der

Einsatz des Rheinaubundes eine wesentliche

Rolle spielen.

Der Autor erinnert sich lebhaft an einen

Ausspruch des Vorsitzenden der RADAG am

Ende der damaligen Einigungsverhandlung.

Sinngemäss meinte er, dass nun – nach elfjähriger

Planung – endlich eine Lösung gefunden

sei, die allen gerecht werde. Ein

Ausspruch, der vom Leiter der Sektion

Gewässernutzung des Kantons Aargaus,

Pierre-Yves Christen, mit dem lakonischen

Ausspruch gekontert wurde: „Hätte sich die

RADAG einsichtiger und kooperativer verhalten,

hätten wir dieses Ziel wohl schon vor

Jahren erreicht.“

Konzept der neuen Fischaufstiegshilfe

am Maschinenhaus

des Kraftwerks Albbruck-Dogern.

Das Konzept

sieht eine Art Umgehungsgerinne

vor. Der Einstieg

in die Fischaufstiegshilfe

soll ähnlich wie beim KW

Iffezheim in den beruhigten

Bereich über den Saugrohren

der Turbinen im Unterwasser

gebaut werden.

Dr. Ueli Rippmann

Büro für Gewässerökologie

und Fischbiologie

Bergstr.4b

CH - 5644 Auw

Tel. 056 668 07 80

ueli.rippmann@swissonline.ch

natur und mensch 2 / 2007

Seite 13


Rheinaubund

„KWO Plus“ Grimsel –

Mauererhöhung gegen Moorlandschaft

Kürzlich führte die Jungfrau Zeitung eine LeserInnen-Umfrage durch:

59% fanden, der Schutz der Grimsel-Landschaft sei vordringlich, 40%

waren der Meinung, die Staumauererhöhung der KWO sei von nationaler

Bedeutung. Obwohl dieses Ergebnis nicht repräsentativ ist, wagen

wir die Folgerung, dass sich auch die Mehrheit des Volkes für die

Landschaft von nationaler Bedeutung entscheiden würde. Nicht so die

Behörden. Um was geht es im Kontext der politisch und wirtschaftlich

aktuellen Klima- und Energiedebatte? Die KWO stellen die Förderung

der CO2-freien Wasserkraft in den Vordergrund, der Grimselverein und

die Umweltverbände den verfassungsmässig garantierten Schutz der

einmaligen Gletscher- und Moorlandschaft.

Jürg Bloesch

Ein völlig normaler öffentlicher Disput, eine

Interessenabwägung, die nach demokratischen

Spielregeln ablaufen. Wer schliesslich

Recht hat, werden die Gerichte entscheiden

müssen. Wir haben schon im Heft

2/2005 darüber berichtet und rufen hier

die lange Leidensgeschichte in Erinnerung

und beleuchten die Hintergründe der

Schlagworte.

Von „Grimsel West“ zu „KWO Plus“

Begonnen hat alles im Jahre 1988. Damals

gelangten die KWO mit dem gigantischen

Pumpspeicherprojekt „Grimsel West“ an

die Öffentlichkeit, mit dem Ziel, das Speicher

volumen des in den 1930er Jahren gebauten

Grimsel-Reservoirs mit einer 200

Meter hohen Staumauer zu vervierfachen

und die Stromproduktion wesentlich zu

steigern. Damit wären Unteraargletscher

und Arvenwald massiv eingestaut worden.

Die Unverträglichkeit mit der Umwelt war so

offensichtlich und der Widerstand so gross,

dass die Kraftwerksbetreiber das Projekt sogar

unter dem Beifall der Behörden 1999

definitiv zurückzogen. Jetzt kam das re-

duzierte Projekt „KWO Plus“ auf den Tisch,

über das heute noch gestritten wird. Im

März 2007 hat das Wasserwirtschaftsamt

des Kantons Bern mit dem Segen des Berner

Regierungsrates den Gesamtbauentscheid

veröffentlicht und die Einsprachen der

Umweltverbände abgewiesen, ohne sich

damit wirklich auseinander zu setzen. Das

Projekt wird in der Interessenabwägung als

umweltverträglich bewertet und bewilligt.

Die Umweltverbände haben die 30-tägige

Frist genutzt und beim Verwaltungsgericht

des Kt. Bern Beschwerde eingereicht.

Auf der Umweltschutzseite blättern wir zurück

ins Jahr 1987, als die Rothenthurm-

Initiative vom Volk überraschend angenommen

wurde. Damit hatte es Ja gesagt

zu einem in der Bundesverfassung verankerten

umfassenden Schutz aller Moore

in der Schweiz, nicht nur des Hochmoors

von Rothenthurm. Das damalige BUWAL

(heute BAFU) hatte die Aufgabe, in Zusammenarbeit

mit den Kantonen die Perimeter

der Moorlandschaften nach naturwissenschaftlichen

Kriterien festzulegen und wenn

möglich mit einer Pufferzone zu umgeben,

welche den Schutz der Moore gegen die

schädlichen Einflüsse intensiver menschlicher

Aktivität unterstützen sollte. Eine

äusserst schwierige und anspruchsvolle

Seit 1988 müssen sich die

Umweltverbände mit den

Plänen der Kraftwerke

Oberhasli auseinandersetzen.

Foto: visipix.com / kwo

Seite 14 natur und mensch 2 / 2007


Arbeit, da die verschiedenen Interessen von

Nutzung und Schutz aufeinander trafen. So

ist es nicht erstaunlich, dass der Moorschutz

nicht in allen Kantonen gleich gut und rasch

umgesetzt wurde. Heute kann man sagen,

dass das Ziel bezüglich Ausscheiden der

Schutzzonen weitgehend erreicht ist, dass

allerdings noch sehr viel in der aktuellen

Umsetzung zu tun ist. Im Bezug auf die alpine

Moorlandschaft Grimsel, die einen

einzigartigen Arvenwald einschliesst, fand

der Bundesrat allerdings nicht den Mut,

den Moorschutz konsequent anzuwenden.

Nach allzu langem Zögern verschob er im

Februar 2004 die Grenze des Schutzgebiets

um 27 m nach oben und veränderte den

Perimeter so, dass das durch den Aufstau des

Reservoirs betroffene Gebiet gerade nicht

mehr in der „offiziellen“ Moorlandschaft ist.

Die Behörden haben nach rein politischen

Grundsätzen einen „Zonenplan“ erstellt und

damit nicht nur die Natur sondern auch die

Verfassung übergangen.

Durch den Aufstau um wei -

tere 23 Meter gingen wertvolle,

geschützte Landschaften

an der Grimsel unwiderruflich

verloren.

Foto: visipix.com / kwo

war nach aussen zwar jovial und offen,

im Wesentlichen aber verwinkelt und unklar,

weil die 2004 vorgesehenen fünf Ausbaustufen

laufend durch eine „rollende“

Planung verändert und ergänzt wurden. Dies

liess den kritischen Umweltverbänden unter

der Federführung von Pro Natura und WWF

und der kräftigen Mitarbeit von Rheinaubund,

Aqua Viva, Stiftung Landschaftsschutz

Schweiz, Schweizerische Energie-Stiftung,

Greenpeace und Schweizerische Greina-Stiftung

keine Möglichkeit, sich bezüglich Umweltverträglichkeit

an einem inte gra len Projekt

zu orientieren. Auch der lokale „Grimselverein“

hat einen schweren Stand, denn

die KWO buhlen mit der Berner Kan tonsregierung

um Arbeitsplätze und hebeln so

den konsequenten Umweltschutz aus.

Mauererhöhung und Moorschutz

nicht verhandelbar

Wenn die KWO den Umweltverbänden fundamentalistische

Haltung vorwerfen, so ist

dieser Vorwurf auch auf die KWO anwendbar.

Das zentrale Streitobjekt ist der Umfang

der Staumauererhöhung bzw. der Schutz

der national einzigartigen Moorlandschaft.

Es stellte sich nämlich nach einer langen

Hinhaltetaktik der KWO heraus, dass die von

ihnen vorgegebene Erhöhung der Staumauer

um 23 Meter nicht verhandelbar sei, da nach

ihrer Meinung die Investitionskosten und

die Wirtschaftlichkeit bei einer niedrigeren

Staumauer nicht mehr gegeben sei. Damit

waren die Umweltverbände, die eine geringere

Erhöhung unter Umständen hätten

akzeptieren können, gezwungen, auch den

Perimeter der Moorlandschaft als nicht verhandelbar

zu erklären, da er verfassungsmässig

garantiert ist.

Die fünf Kernanliegen

der Umweltverbände

Am 12. März 2007 haben die Umweltorganisationen

mit einer Medieninformation ihren

Standpunkt nochmals klar gemacht.

Wir kämpfen als Anwälte der Natur für

eine intakte Alpenwelt und den bestmöglichen

Schutz eines BLN-Gebietes. Es

geht also im Wesentlichen um das Mass

des Kraftwerkausbaus, und darum, welche

öffentlichen Interessen stärker gewichtet

werden sollen: Etwas mehr Stromproduktion

oder eine ungeschmälerte Moorland

schaft. Nicht unwesentlich sind dabei die

der Interessenabwägung zugrunde liegenden

Berichte und die Wahl des Verfahrens.

Kein Kompromiss möglich

Mit dem Projekt „KWO Plus“ wollen die Kraftwerksbetreiber

gemäss eigenen Abgaben „einen

Teil ihrer Anlagen sanieren und aufwerten,

das vorhandene Potenzial an Wasserkraft

besser nutzen und die Kraftwerksleistung er -

höhen“. Leider war in all den Jahren der

heissen und zähen Diskussionen kein annehmbarer

Kompromiss möglich. Die Fron -

ten erstarrten mehr und mehr im gegenseitigen

Misstrauen. Die Strategie der KWO

Der Ausbau der regenerativen

Energie ist wichtig,

aber dürfen wir dafür auch

geschützte Landschaften

von nationaler Bedeutung

opfern?

Foto: visipix.com / kwo

natur und mensch 2 / 2007

Seite 15


Rheinaubund

Die „Rechtsgruppe Grimselschutz“, in der die

Umweltschutzorganisationen vereint sind,

hat ihre ökologischen Anliegen auf fünf

Punkte konzentriert, um dieses immer noch

überrissene, energiepolitisch unnötige wie

ökonomisch fragwürdige (wenn auch im

Moment lukrative) Projekt zu bekämpfen:

(1) „Salamitaktik“ statt sauberes Konzessionsverfahren.

Die Direktion der KWO hat

sich für eine „rollende“ Planung des

Kraftwerkausbaus entschieden. Zur Zeit

sind sieben Teilprojekte bekannt, von denen

einige unbestritten, andere jedoch kaum

umweltverträglich sind. So werden laufend

neue Projektstufen an den bestehenden

Plan angefügt. Das mag vom Technischen

her angebracht sein, bezüglich der

Abschätzungen der Umweltauswirkungen

des ganzen Projekts ist dieses Vorgehen aber

nicht haltbar. Wie können die Eingriffe der

Neuanlagen auf die Umwelt umfassend beurteilt

werden, wenn sich das Gesamtprojekt

dauernd ändert bzw. Teilprojekte bewilligt

werden? Auch haben sich die Behörden

für ein Baubewilligungsverfahren entschieden,

obwohl das kantonale Wassernutzungsgesetz

unmissverständlich festhält,

dass eine Erhöhung des nutzbaren

Gefälles zwingend im Konzessionsverfahren

behandelt werden muss. Damit wird das

Gewässerschutzgesetz unterlaufen, denn

mit der alten Konzession brauchen sich die

KWO bis zu deren Ablauf im Jahre 2042 weder

um Restwassermengen noch um ungedämpfte

Schwallspitzen zu kümmern. Sie

können sich mit einer milden Sanierung

begnügen, die nicht den ökologischen

Auflagen einer Neukonzession entspricht,

die sich am neuen Gewässerschutzgesetz

(1992) orientieren.

(2) Moorschutz, unser wichtigstes Argument:

Unzulässige Naturzerstörungen in einer

Landschaft von nationaler Bedeutung.

Wir bewerten die über 500 Jahre alten

Arven in der „Sunnig Aar“, die betroffene

alpine Moorlandschaft und das einzigartige

Gletschervorfeld als Naturwerte, deren

Zerstörung einen nicht wieder gut

zu machenden Schaden darstellen würde.

Die von den KWO vorgeschlagenen

Ersatzmassnahmen können auch nach

Ansicht der ENHK und der Fachstellen die

Verluste an Natur- und Landschaftswerten

nicht genügend ersetzen. Dabei spielt es

keine Rolle, ob diese Naturkleinode am Rand

des BLN-Gebiets sind oder nicht. Gerade die

Randgebiete von Schutzzonen sind immer

akut gefährdet, weil sich die menschlichen

Aktivitäten Schnitz um Schnitz davon abschneiden,

bis nichts Schützenswertes mehr

übrig bleibt. Es geht um eine einzigartige

Landschaft und damit auch um Ästhetik,

Ethik und echte Nachhaltigkeit. Diese wahren

Werte stehen mit einem kurzfristigen

Gewinn in Konkurrenz. Es geht also um

weit mehr als die ökologische Funktion von

Pionier-Pflanzengesellschaften. Es geht um

ein Stück Heimat, die durch die knorrigen

uralten Arven an der „Sunnig Aar“ hervorragend

dargestellt wird.

(3) Vergrösserung des Grimselsees hat keine

nationale Bedeutung für die Stromversorgung.

Wie schon oben angedeutet, gewichten

wir den Eingriff in die Landschaft

von nationaler Bedeutung anders als

die KWO und die Behörden. Zwar sind

Eingriffe in solche Gebiete grundsätzlich

möglich, wenn ein wichtiges nationales

Interesse damit wahrgenommen werden

soll. In unserer Einsprache zeigen wir auf,

dass der geplante, bescheidene Ausbau

eines Wasserkraftwerks keine nationale

Bedeutung für die Stromversorgung hat. Bei

genauerer Betrachtung erweisen sich die

Argumente der Kraftwerkslobby als nicht zutreffend.

Die Erhöhung der Staumauer ist eine

rein betriebswirtschaftliche Optimierung

im Rahmen des europäischen Stromhandels.

Die Produktionserhöhung von 5–7 GWh

(0.01% der inländischen Stromproduktion)

durch die Staumauererhöhung allein ist

kein wesentlicher Beitrag zur Deckung des

nationalen Stromverbrauchs. Der Rest der

ausgewiesenen 20 GWh Mehrproduktion

kann auch ohne Staumauererhöhung durch

technische Optimierungen erbracht werden.

Die geplante Produktionsverlagerung

von Spitzenstrom ins Winterhalbjahr ist

nicht sinnvoll, weil dann eher Bandenergie

gefragt ist. Mehr Regelenergie für die

Die Salamitaktik der Kraftwerke

Oberhasli (im Bild die

Zentrale Innertkirchen) bereitet

den Umweltverbän den

massive Probleme.

Foto: visipix.com / kwo

Seite 16 natur und mensch 2 / 2007


Netzsicherheit, wie von den KWO verlangt,

braucht es gar nicht, denn die vorhandenen

Kapazitäten genügen vollauf. Der vergrösserte

Grimselsee bietet mehr Möglichkeiten

zum Pumpen und Wiederturbinieren.

Der Pumpspeicherbetrieb würde 10–20

mal mehr Strom vernichten als zusätzlich

produzierte erneuerbare Energie.

Zudem werden netto CO2-Treibhausgase

produziert (rund 530 g CO2 pro kWh),

weil zur Betreibung der Pumpen fossile

Energie aus dem Euromix benötigt

wird. Von „ökologischer Stromproduktion“

oder Klimaschutzmassnahme kann also

keine Rede sein. Schliesslich hat der

Pumpspeicherbetrieb auch verheerende

Folgen für das hydrologische Regime und

die aquatische Fauna.

(4) „KWO Plus“-Projekte verschärfen Gewässerschutzprobleme.

Nebst der ungenügenden

Restwassermenge in den gefassten Bächen

(nach heute gültiger Kon zession)

und dem Moorschutz am Grimselsee gibt

es noch weitere äusserst gravierende

Umweltschutzprobleme. Die Auswirkungen

des Sunk-Schwall Betriebs sind hinlänglich

bekannt: die zeitlich rasanten Abflussund

Pegeländerungen im Rhythmus

des Turbinierens gefährden die Fische

und Kleinlebewesen massiv. Entgegen

den Behauptungen der KWO sind die

Pegelamplituden enorm. Am 9. Januar

2006 wurde in der Aare bei Brienzwiler

ein Pegelanstieg von 74 cm in 10 Minuten

gemessen. Am 10. Januar 2006 stieg der

Abfluss von 3 m 3 /s um 6 Uhr auf 54 m 3 /s

um 9 Uhr, was einen Schwallfaktor von 18:1

ergibt. Dieser Faktor würde durch die angekündigte

sechste Turbine im Kraftwerk

Innertkirchen 1 noch wesentlich erhöht. In

Österreich werden Faktoren von 3–5 als ökologisch

vertretbar angesehen. Wieso soll dieser

Standard nicht auch in der Schweiz gelten?

Zwar planen die KWO, dieses Problem

mit Hilfe eines Ausgleichsbeckens zu mildern.

Eine gute Absicht, aber leider schlecht

umgesetzt, denn die Kapazität des geplanten

Beckens ist viel zu klein. Der Sunk-

Schwall Effekt in der Aare muss zum Schutz

der aquatischen Fauna vermindert werden.

Auch das Vorfeld des

Ober aar gletschers wäre

vom Höherstau des

Grimselsees betroffen.

Foto: visipix.com / kwo

Ein zweites, nicht minder brisantes Thema ist

die Trübung des Brienzersees und der damit

möglicherweise verbundene Fisch rückgang.

Selbst eine wissenschaftliche Studie konnte

den Beweis nicht einwandfrei erbringen, dass

der Trübung keine ökologische Bedeutung

zukomme. Zwar wird die Wintertrübung vom

Kraftwerksbetrieb unzweifelhaft erhöht, indem

statt wie früher 3’000 Tonnen jetzt jeden

Winter 14’000 Tonnen Schwebstoffe eingetragen

werden. Deren Bedeutung wird aber

von den KWO heruntergespielt, während die

Auswirkungen auf die Frühjahrsproduktion

der Algen wohl unterschätzt wurden. Da

der nährstoffarme Brienzersee sowieso nur

geringe Algenbiomassen erzeugen kann,

werden diese noch zusätzlich verringert,

indem die Frühjahrsproduktion wegen

Lichtmangels geschmälert wird. Darunter leiden

dann das Zooplankton und die Felchen

am Ende dieser Nahrungskette: sie haben

nichts zu fressen, wachsen langsamer, und

die Populationsdichte bzw. der Fischbestand

nimmt ab.

(5) Energie- und regionalwirtschaftliche Alternativen.

Der Wert der Wasserkraft als alte

erneuerbare Energiequelle ist uns selbstverständlich

bewusst. Es gibt jedoch auch

Grenzen der Nutzung. Wenn die Politiker

und Kraftwerksbetreiber den Vorzug der

CO2-freien Stromproduktion hervorheben

(der bei Pumpspeicherung allerdings

ins Gegenteil kehrt), muss man gleichzeitig

auch den gesellschaftlichen Wert der

aquatischen Ökosysteme im Auge behalten.

Die Energiedebatte muss im Sinne der

Ökonomie und Nachhaltigkeit auch dezentrale

Energieformen berücksichtigen,

nebst dem sehr beträchtlichen technischen

Sparpotential, das es auszuschöpfen gilt. Die

Umweltorganisationen empfehlen deshalb

das Know-how der KWO mit einem zu gründenden

Kompetenzzentrum für dezentrale

Energieerzeugung zu nutzen. So würde

zum Beispiel der Ersatz von unsinnigen in

den 1970er Jahren noch geförderten Elektro

heizungen und Ölheizungen durch Wärme

kraftkopplungsanlagen in den Häusern

eine viel effektivere Wärmenutzung und

Stromeinsparungen ermöglichen. Die von

allen propagierte Förderung von Arbeitsplätzen

liesse sich auch so erreichen.

Zusammenfassend halte ich fest, dass die

Umweltverbände die von den Behörden vorgenommene

Interessenabwägung zugunsten

des Kraftwerkausbaus und gegen das

BLN-Gebiet nicht akzeptieren und dies auch

begründen können. Für den Rheinaubund

heisst das, dass wir uns auch in diesem Fall

engagiert und sachlich fundiert für den

Gewässerschutz und den Landschaftsschutz

als Anwalt der Natur im nationalen Interesse

einsetzen.

(Weitere Informationen unter

www.wwf-be.ch und www.pronatura.ch/be)

Jürg Bloesch

Dr. sc. nat. ETH Limnologe

Kopräsident Rheinaubund

Stauffacherstrasse 159

8004 Zürich

Tel. 044/241 11 19

natur und mensch 2 / 2007

Seite 17


Rheinaubund

Auch die kleinen Fliessgewässer benötigen

Aufmerksamkeit

Den letzten grossen Flusslandschaften der Schweiz wurde in den vergangenen

Jahren mehr Aufmerksamkeit geschenkt. Auenschutz- und Revitalisierungsprojekte

wurden zur Rettung der letzten übrig gebliebenen Reste ehemals grossflächiger

Auenlandschaften umgesetzt und ihre verloren gegangene Dynamik wieder angekurbelt,

doch auch die kleinen Fliessgewässer benötigen Aufmerksamkeit. Lukas Boller

Aufweitungen entlang der Thur, der Birs

oder verschiedene Revitalisierungsmassnahmen

im Rahmen des Auenschutzparkes

Aargau an Aare, Reuss und Limmat sind

erfolgreiche Beispiele von Massnahmen

zum Schutz der Fliessgewässer. Ebenso

stehen diese Beispiele auch für einen

Paradigmenwechsel in der Gewässerpolitik.

Ein Umdenken ist seit Jahren im Gange, weg

von harten Regulierungen und schnellem

Ableiten in engen Trapezprofilen, hin zu

einem naturnahen Wasserbau mit mehr

Platz für Fliessgewässer und ihre angrenzenden

Überflutungsflächen.

Bei den erwähnten Unterfangen war die

treibende Kraft ein wachsendes Bewusstsein

für eine nachhaltige Kombination von

Hochwasserschutz und Naturschutz.

Kleine Fliessgewässer

bleiben unbeachtet

Neben diesen wichtigen Gewässerschutzmass

nahmen wird das fein verästelte

Fliessgewässernetz von Bächen bis

zwei Meter Breite jedoch meist vergessen.

Ihre Bedeutung wird oftmals unterschätzt

und übersehen. Rund 80 Prozent

aller Fliesskilometer in der Schweiz fallen

in die Kategorie der kleinen Fliessgewässer.

Im allgemeinen befinden sie sich aber in

einem ökologisch stark beeinträchtigten

Zustand oder sind gar eingedolt. Doch gerade

diese vielmals unscheinbaren Bächlein

sind die Antriebskraft der grösseren

Bäche und Flüsse, sie führen Wasser und

Geschiebe zum Fluss, bieten Lebensräume,

Refugien und Laichgründe für viele Gewässerbewohner

und sind nicht zuletzt als

Vernetzungselemente in der Landschaft von

entscheidender Bedeutung. Der menschliche

Organismus würde auch nur schlecht funktionieren,

wären nur die Hauptschlagadern

einigermassen in Ordnung, die feinen

Blutgefässe zur Versorgung der Organe und

der Extremitäten aber mehrheitlich verstopft

und vom Kreislauf entkoppelt.

Trotz des seit 1994 geltenden Gewässerschutz

gesetzes (GSchG) wurde bisher von

Seiten der kantonalen Behörden zu wenig

unternommen, um diesem Manko wesentlich

entgegen zu wirken und den Rückbau

der kleinen Fliessgewässer entscheidend

voranzutreiben. Aus diesem Grund entschloss

sich der Rheinaubund schon vor

rund sieben Jahren, selbst aktiv zu werden

und Projekte an kleinen Fliessgewässern genauer

unter die Lupe zu nehmen.

Die kleinen Fliessgewässer

machen 80 Prozent

aller Fliesskilometer in

der Schweiz aus.

Foto: L. Boller

Im Rahmen des generellen Entwässerungsplanes

(GEP) und im Zusammenhang mit

Bauprojekten führen viele Gemeinden

Projekte im Bereich Gewässerschutz durch

wie z. B. Öffnen von verrohrten Bachläufen,

Bachrevitalisierungen usw. Der Rückbau

der Fliessgewässer stellt nicht nur die ökologische

Funktion dieser Systeme wieder

her, sondern ist auch aus Sicht des

Hochwasserschutzes von elementarer Be -

deutung, wie dies die letzten grossen

Überschwemmungen gezeigt haben. Die

projektierenden Ingenieure verfügen oftmals

nicht über genügend biologische

Kenntnisse, sodass die Ökologie gesunder

Gewässer viel zu wenig berücksichtigt

wird. Viele Grundeigentümer bekämpfen

zudem aus Eigeninteresse die

Umsetzung von Revitalisierungsprojekten

und erschweren damit die Umsetzung des

Gewässerschutzgesetzes.

Rheinaubund

unterstützt Behörden

Mit seinem breiten Fachwissen unterstützt

der Rheinaubund die Fachbehörden

in den Gemeinden und die zuständigen

Ingenieurbüros bei der Durchführung der

vielfältigen Aufgaben im Bereich Gewässerrückbau.

Im Rahmen des Projektes

„Kleine Gewässersanierungen“ versucht der

Rheinaubund das ökologische Potenzial dieser

Projekte voll auszuschöpfen, damit dem

Schutz der Gewässer mitsamt ihrer vielfältigen

Funktionen genügend Rechnung getragen

wird. Im Zentrum der Bemühungen

stehen die Wiederherstellung des Längskontinuums

für die freie Wanderung von

aquatischen Organismen, die Strukturverbesserung

im Gewässer und die Aufwertung

der angrenzenden Uferpartien.

Seite 18 natur und mensch 2 / 2007


sen, bereits fertige Projekte anzupassen.

Würde der Rheinaubund frühzeitig in die

Projektierung mit einbezogen, brächte dies

auch Vorteile für die jeweilige Gemeinde

mit sich, sie kann von einer erhöhten

Lebens- und Wohnqualität profitieren und

von einem reduzierten Einspracherisiko.

Einige Gemeinden, z.B. Wald, Wädenswil,

Horgen oder Lufingen sind an einer

Zusammenarbeit mit dem Rheinaubund

bei zukünftigen Gewässerprojekten interessiert;

dies stimmt zuversichtlich. Wir werden

auch weiterhin den kleinen Fliessgewässer

zu einer grösseren Aufmerksamkeit verhelfen

und aktiv versuchen ihren ökologischen

Zustand zu verbessern.

Kleine Fliessgewässer sind

für Ökologie und Vernetzung

von grosser Bedeutung.

Foto: G. Frauenlob

Verschiedene Projekte im Kanton Zürich

konnten durch unser Zutun im Verlaufe des

letzten Jahres optimiert werden:

• die Verbesserung der gewässermorphologischen

Verhältnisse im Altrhein

• Für den Maneggbach in Zürich-Leimbach

konnte eine fischgängige Anschliessung

an die Sihl gefunden werden.

• Unsere Empfehlungen zur Ausgestaltung

von Schwellen und Querverbauungen

am Lochbach in Wald und am Müslibach

in Wädenswil ermöglichten eine ökologische

Optimierung dieser Projekte.

• In Zusammenarbeit mit dem projektierenden

Ingenieurbüro konnten Verbesserungen

in der Sohlgestaltung und der

Uferbestockung am Riedgraben und am

ausgedolten Kanal Andreasstrasse in

Zürich angeregt werden.

• Eine ökologische Baubegleitung am Mülibach

in der Gemeinde Winkel ermöglichte,

dessen partielle Ausdolung nach

ökologischen Gesichtspunkten zu verbessern.

• Die nächste anstehende Revitalisierungsetappe

an der Reppisch beinhaltet u.a.

einen 500 m langen Revitalisierungsabschnitt,

die Aufhebung zweier hoher

künstlicher Abstürze und einen rauen

Beckenpass zur Umgehung eines Wehres.

Durch unsere Auseinandersetzung mit

dem Projekt liess sich der Beckenpass

nach neuesten Literaturkenntnissen optimieren.

Im Hinblick auf die in der Reppisch

vorkommenden und vom Aussterben bedrohten

Bachneunaugen ist das uneingeschränkte

Längskontinuum von entscheidender

Bedeutung zum Schutz und zur

Förderung dieser Art.

• Im Falle des Aarbaches in Herrliberg

wurde ein Rekurs gegen den behördlichen

Entscheid der Wiedereindolung

eingereicht. Der Rheinaubund vertritt

die Meinung, dass eine Ausdolung und

Revitalisierung in diesem Fall gesetzlich

zwingend ist, zumal eine Studie des

Ingenieurbüros Schälchli, Abegg + Hunziger

den Beweis einer offenen Bachlaufführung

erbracht hat. Eine Antwort

des Regierungsrates steht noch aus.

In vielen anderen Fällen waren die Sachzwänge

leider unumgänglich und Verbesserungsmöglichkeiten

für die Ökologie nur

marginal.

Frühe Information wichtig

Eine wesentliche Schwierigkeit, mit der wir

häufig konfrontiert sind, ist der Umstand,

dass wir immer erst sehr spät auf ein Projekt

aufmerksam werden und versuchen müs-

Das Beispiel Maneggbach

zeigt, dass auch bei begrenzten

Raumangebot ökologische

Verbesserungsmöglichkeiten

gegeben sind.

Foto: L. Boller

Wenn Sie Kenntnis von einem Projekt in

ihrer Gemeinde haben oder falls Sie eine

Möglichkeit sehen, einen Bach in Ihrer Nähe

zu renaturieren, nehmen Sie doch Kontakt

mit uns auf. Wir werden Ihnen und Ihrer

Gemeinde gerne helfen, ein ökologisch optimiertes

Projekt umzusetzen und ein Stück

Natur zurückzugewinnen.

Lukas Boller

Bachstrasse 24

8200 Schaffhausen

natur und mensch 2 / 2007

Seite 19


Rheinaubund

VivaRiva – Wasser macht Schule

VivaRiva zieht Bilanz: das erste Jahr war geprägt von Programmgestaltung

und Öffentlichkeitsarbeit, vom Nervenkitzel der Suche nach

Spendern und Sponsoren, von motivierender Zusammenarbeit mit diversen

Akteuren aus Bildung und Umweltschutz und von leuchtenden

Kinderaugen an erfolgreichen Bacherlebnistagen.

Kathrin Jaag

Entzücken und Entsetzen, Ekel und Freude

spiegeln sich im Gesicht der 2. Klässlerin. In

Gummistiefeln steht sie im Dorfbach, den

Kescher fest in der Hand, darin bewegt sich

offensichtlich was. Was Kleines. Vorsichtig

guckt sie über den Netzrand. „Ich hab was,

ich hab was gefangen!“ Nun ist es definitiv

Stolz, der mitschwingt in der Stimme. „Und

wenn es mich beisst?“ Es braucht keine

grosse Überzeugungsarbeit und vorsichtig

gibt die kleine Forscherin ihren Fang in den

bereitgestellten Plastikteller. Zu zweit und

mit Lupe wird das Tier nun genauer betrachtet

und nach Konsultation der Tierbilder ist

klar: eine Steinfliegenlarve.

Einen Tag lang haben die Schulkinder

aus Wolfikon TG ihren Dorfbach unter die

Lupe genommen. Fliessgeschwindigkeiten

und Strömungsmuster wurden protokolliert,

Uferlinie und Bachsohle untersucht,

Bachlebewesen und -begleitflora erforscht

und der Bach bewertet. Sie haben

Dank VivaRiva erleben die

Kinder ihren Bach mit ganz

neuen Augen.

Foto: K. Jaag

Insektenlarven gefangen und bestimmt,

Geräuschelandkarten erstellt, Erlen und

Pfaffenhütchen kennengelernt und sogar

Krebse entdeckt.

Eine typische VivaRiva-Szene, wie sie sich

an irgendeinem VivaRiva-Bachtag abspielen

könnte. An wechselnden Orten mit ändernden

Protagonisten aber immer ähnlichem

Inhalt. Eines bleibt: Kinder und Jugend

liche erforschen den Bach, entdecken

Tiere und Pflanzen, die sie zum Teil noch nie

wahrgenommen haben und sind fasziniert

und begeistert von ihren Entdeckungen. Die

Faszination und Begeisterung sollen Keimbeet

sein für eine emotionale Bindung an den

Lebensraum Fliessgewässer. Eine Bindung, die

im Optimalfall zu einem persönlichen Einsatz

und zur Übernahme von Verantwortung für

die Fliessgewässer führen kann.

Ein Blick zurück:

Erste Hürde geschafft

Hehre Ziele und gute Ideen; dennoch hat

die Weiterführung von VivaRiva gegen Ende

des Jahres 2006 auf der Kippe gestanden.

Die Grundfinanzierung des Projekts hat lange

Zeit Kopfzerbrechen bereitet. Dutzende

von Unterstützungsanträgen an Firmen und

Stiftungen wurden gestellt. Absagen trudelten

ein: „Ihr Projekt tönt sehr spannend, aber

leider ist es uns in Anbetracht der momentanen

Geschäftssituation nicht möglich…“ ;

„VivaRiva scheint uns durchaus unterstützenswert,

doch leider entspricht das Projekt

nicht genau unserem Stiftungszweck...“ Die

anfängliche Gelassenheit ging in Frustration

über und irgendwann im Spätherbst war eine

gewisse Nervosität nicht mehr zu überspielen.

Zumal die vereinzelten Zusagen auf

einem Nachweis der Gesamtfinanzierbarkeit

basierten. Der einzige, der hoffnungsvoller

Optimist war und immer ans Projekt und seine

Finanzierungsmöglichkeit geglaubt hat, ist

der Geschäftsführer Ruedi Schneider. Und er

hat Recht bekommen! Mitte Dezember kam

die erlösende Nachricht: „Gesamtfinanzierung

VivaRiva gesichert“! Die Folge: Ein

grosses Aufatmen, knallende Korken (zumindest

mental) und neuer Schub.

Das Angebot

Nun konnte VivaRiva wieder voll durchstarten.

Das Angebot wurde überarbeitet, die

Unterlagen erweitert und ergänzt. Was bietet

VivaRiva denn genau?

Momentan besteht die Wahl zwischen zwei

Modulen:

Modul 1, der Klassenbachtag und

Modul 2, die Lehrerweiterbildung.

Seite 20 natur und mensch 2 / 2007


Modul 1: Der Klassenbachtag

Bei Modul 1 wird in verschiedenen Forschungsteams

der Lebensraum Bach unter -

sucht. Die Gruppenchefin unterbreitet

Vorschläge und delegiert, der Materialverantwortliche

verteilt Lupen und Kescher,

die Forschungscrew steigt in die Stiefel und

den Bach und nimmt Köcherfliegenlarven

und Strudelwürmer unter die Lupe, während

die Aussen ministerin für die Kommunikation

Folgenden Stiftungen, Ämter und

Firmen sei an dieser Stelle nochmals

herzlich gedankt für Ihre zum Teil

sehr grosszügige Unterstützung:

• Vontobel Stiftung

• Cilag AG

• Paul Schiller Stiftung

• Georg Fischer AG

• Stiftung Werner Amsler

• Emch + Berger AG

• Stiftung Mercator Schweiz

• Zurich Versicherungen

• Anna Maria und Karl Kramer-Stiftung

• CleanSolution Ökofonds

• The Ramsay Foundation

• Städt. Werke Schaffhausen und

Neuhausen am Rheinfall

• Stiftung Umweltbildung Schweiz SUB

• Ernst Basler + Partner AG

• Lotteriefonds Thurgau

• Canon Schweiz AG

• Bundesamt für Umwelt

• Amt für Umwelt Thurgau

zwischen den Gruppen und die optimale

Nutzung von Synergien sorgt. Durch spielerisches

Erforschen des Lebensraums Bach

erfahren die Kinder und Jugendlichen einen

positiven emotionalen Zugang zu „ihrem“

Dorfbach. Sie lernen ein fragiles und wertvolles

Ökosystem schätzen und schützen.

Was sagt das Vorhandensein von Steinfliegenlarven

im Bach über die Wasserqualität

aus? Wie steht die Uferlinienlänge mit der

Natürlichkeit eines Fliessgewässers in Beziehung

und wie stehen Ökologie und Hochwasserschutz

zueinander? Eine Fachperson

begleitet die Klasse während einem Tag am

Wasser und übernimmt die Organisation des

Tages. Stufengerechte Fragestellungen werden

gemeinsam bearbeitet. Ob Nahrungs-

Stafetten mit Kinder gärtnern oder Überlegungen

zu Strömungsanpassungen und

pH-Untersu chungen mit Oberstufenschülern:

der Bach bietet spannenden Stoff für

alle. Wenn im Nachhinein Fragen auftauchen,

stehen verschiedene Experten zur

Verfügung. Das Programm kann indivi -

duell auf die Schwerpunkte der Schulen

angepasst und nach Bedarf auch auf mehrtägige

Projekte ausgeweitet werden.

Modul 2: Die Lehrerweiterbildung

In Modul 2 bleibt das Thema dasselbe, doch

richtet es sich an die Lehrkräfte. Es eignet

sich besonders da, wo sich gerade mehrere

Lehrpersonen (ev. aus aktuellem Anlass

einer Dorfbachsanierung) für das Thema

interessieren. In einem eintägigen Workshop

werden die LehrerInnen befähigt, selbständig

Gewässergüteuntersuchungen mit ihren

Schulklassen durchzuführen. Sie lernen die

wichtigsten Tiere und Pflanzen im und am

Bach kennen und erhalten eine Übersicht

über hilfreiche unterstützende Lehrmittel

sowie Zugang zu einem Experten-Kontaktnetz,

welches bei der Klärung weiterer Fragen

jederzeit benutzt werden kann. Ausser -

dem werden verschiedene Sozialkompetenzen

thematisiert und besprochen und

eine Diskussion angeregt, die im Lehrer- und

Klassenzimmer weitergeführt werden soll.

Auch hier kann natürlich individuell auf die

lokalen Bedürfnisse eingegangen werden

und das Programm auf die Schwerpunkte der

Schulen angepasst werden.

Umweltbildung

und Sozialkompetenzen

Sozialkompetenzen sind gefragt; je länger

je mehr. Von den Lehrpersonen wird erwartet,

dass sie diese in den Unterricht integrieren;

immer mehr Themen sollen in

immer weniger Schulstunden vermittelt

werden. Ein Bacherlebnistag eignet sich

hervorragend, aus einer Metaebene einen

Blick auf Teamwork und Verantwortung,

auf Gruppenbeziehungen und Kommunikations

formen der Schülerinnen und Schüler

zu werfen. Eine Sensibilisierung auf den

Umgang untereinander und ein kritischer

Blick auf bestehende Hierarchien sollen den

Schülern auch die Augen auf ihre menschliche

Mitwelt öffnen.

VivaRiva-Klassenbachtage

wurden im Jahr 2006 er folgreich

an verschiedenen

Orten der Schweiz durchgeführt.

Interessierte

SchülerInnen verschiedener

Stufen untersuchten ihre

Dorfgewässer und machten

sich auf die Suche nach

Insektenlarven und anderen

Bachbewohnern.

Foto: K. Jaag

natur und mensch 2 / 2007

Seite 21


Wo kann VivaRiva

durchgeführt werden?

Kurz und einfach: (fast) überall. Gebraucht

wird ein Fliessgewässer, das zugänglich ist

und keine allzu grosse Strömung aufweist,

so dass man gefahrlos mit der jeweiligen

Klassenstufe an und in das Gewässer gelangen

kann. Doch bereits ein kleiner Waldoder

Wiesenbach bietet genügend spannendes

Leben, um den Tag zum Ereignis zu

machen. In der wasserreichen Schweiz findet

sich glücklicherweise in fast jeder Gemeinde

ein entsprechendes Gewässer. Grössere

Flüsse, die ev. selber zu gefährlich sind als

Untersuchungsobjekt, bieten meist kleinere

Zuflüsse, welche sich optimal eignen. Und erfreulicherweise

besteht ein Trend dahin, eingedolte

Gewässer wieder an die Oberfläche

zu holen, ihnen wieder mehr Platz und

Berechtigung einzuräumen. So gibt es immer

mehr spannende Untersuchungsobjekte.

Gerade an solchen „Baustellen“ kann sich

die Durchführung eines Lehrkurses besonders

eignen. Es ist offensichtlich, dass

etwas geschieht, vielleicht führt sogar

der Schulweg am Bachgelände vorbei.

Da lohnt es sich, die Aktualität zu nutzen

und die Dorfbachsanierung als umweltpädagogische

Chance wahrzunehmen.

Von Sanierungsarbeiten profitiert heute

meist auch die Natur. Veränderungen

der Lebensräume und damit der Tiere

Interesse an VivaRiva?

Bitte melden und weitererzählen!

Sind Sie selber Lehrperson und haben

Interesse an einer Weiterbildung oder

einem Bacherlebnistag? Möchten Sie

im Rahmen eines Privat- oder Firmenanlasses

einen spannenden Projekttag

am Wasser durchführen? Kennen Sie

jemanden, der ev. einen VivaRiva-Tag

erleben möchte? Würden Sie sich freuen,

wenn Ihre eigenen schul pflich tigen

Kinder an einem Bach tag teilnehmen

könnten?

und Pflanzen sind zu erwarten. Und diese

Veränderungen können live miterlebt werden!

Es bietet sich geradezu an, jetzt den

Dorfbach zum Thema zu machen und im

wahrsten Sinne unter die Lupe zu nehmen.

Forschungsreisen an den Dorfbach können

unternommen werden, Merkmale wie

Bachstrukturen und Bachrandbepflanzung

oder die Wasserqualität und Bachtiere

können untersucht und festgehalten

und mit späteren Untersuchungen verglichen

werden. Wie sehen Bachflora, -fauna

und morphologische Parameter jetzt

aus? Wie in einem Jahr? Wie in fünf oder

zehn Jahren? Das kann zum spannenden

Forschungsprojekt für die ganze Schule

werden!

Erzählen Sie weiter von VivaRiva und nehmen

Sie bei Interesse, für Fragen und

Anregungen Kontakt auf mit der Projektleiterin:

Dipl. Umweltnatw. Kathrin Jaag

TEL. 052 625 26 58

info@vivariva.ch, www.vivariva.ch

Kosten und Ermässigungen

Nun zur alles entscheidenden Frage: Wie

teuer kommt denn ein solcher Tag zu stehen?

VivaRiva soll den Rheinaubund nicht

finanziell belasten. Dank der grosszügigen

Unterstützungen diverser Institutionen (siehe

S. 21) ist die Startphase von VivaRiva gesichert.

Damit ist gewährleistet, dass Werbung

und Akquisition betrieben werden können,

dass das Programm ständig optimiert und

ausgebaut werden kann. Um das langfristige

Bestehen von VivaRiva jedoch zu sichern,

müssen die Anlässe bezahlt werden. Die

Tageskosten belaufen sich auf 800 Franken.

Ein horrender Betrag für jede Klassenkasse.

Welche Schulgemeinde klagt nicht unter

Budgetkürzungen und Finanzierungsschwierigkeiten?

Glücklicherweise gibt es

jedoch verschiedene Möglichkeiten, Viva-

Riva erschwinglich zu machen. Die Stiftung

Umweltbildung Schweiz (SUB) unterstützt

auf Antrag Schulen bei der Durchführung von

Umweltbildungsprojekten im Allgemeinen

und von VivaRiva im Besonderen. Hier helfen

wir gerne bei der Gesuchstellung, womit

sich der Aufwand wirklich in Grenzen

hält. Des Weiteren gibt’s zum Teil kanto-

Ein gelungener Anlass in

Romanshorn hat gezeigt,

dass ein Tageskurs für Lehrer

mit viel Praxisteil reicht, um

allfällige Hemmschwellen

für einen Bachtag abzubauen,

damit einer erfolgreichen

Entdeckungsreise mit der

eigenen Klasse nichts mehr

im Weg steht.

Foto: K. Jaag

Seite 22 natur und mensch 2 / 2007


nale Unterstützungen. So hat zum Beispiel

die Stiftung Werner Amsler einen gewissen

Betrag explizit zur Durchführung von

Anlässen mit Schaffhauser Schulklassen gesprochen

und das Amt für Umwelt TG finanziert

einen Teil der Kosten der Schulanlässe

im Kanton Thurgau.

Die Bemühungen sind gross, auch in anderen

Kantonen ähnliche Finanzierungshilfen

zu finden, um die Durchführung von

VivaRiva jeder Klasse prinzipiell zu ermöglichen

und nicht eine allfällige Durchführung

bereits an den Finanzen scheitern zu lassen.

Der Blick nach vorne:

Der Hürdenlauf geht weiter

Mit der Erhöhung des Projektleitungs pensums

auf 50 Prozent im Jahr 2007 ergeben

sich nun hoffentlich genügend Kapazitäten

zur Erfüllung ehrgeiziger Ziele: Die Etablierung

von VivaRiva in der Umweltbildungsbranche.

Jede Lehrperson in der Nordostschweiz

soll von VivaRiva gehört haben, wissen

dass es dieses Angebot gibt. 20 Anlässe

sollen in diesem Jahr durchgeführt werden.

Kinder und Jugendliche sollen so für den

Lebensraum Bach sensibilisiert werden und

Träger werden für die Botschaft Raum für

unsere Fliessgewässer. Eine „Akquisitionsoffensive“

überrollt momentan die Kantone

Schaffhausen und Thurgau; weitere folgen.

Schulen und Lehrpersonen werden informiert

über VivaRiva, übers Angebot und die

Relevanz des Themas.

Ein Bachtag ist aber nicht nur für den

Unterricht spannend. Kinder und Erwachsene

sollen auch ausserhalb der Schule mit

dem attraktiven Ökosystem in Berührung

kommen. So wird das VivaRiva-Angebot

ausgeweitet auf Ferienpass-Aktivitäten,

Kindergeburtstage oder Firmenevents. Bereits

sind erste Gespräche diesbezüglich im

Gang, Schaffhauser Jugendliche können in

den Sommerferien bereits Bachluft schnuppern.

Weitere Anfragen und Vorschläge

werden gerne entgegen genommen.

Neuer Auftritt,

gleiches Anliegen

Und zum Schluss noch dies: VivaRiva hat

einen neuen Auftritt. Vielleicht haben Sie

das neue Logo bemerkt. Ein neues Logo

nach so kurzer Zeit?! Im Rahmen der

„Verjüngungskur“ des Rheinaubund-Auftritts

hat VivaRiva ein neues, der Corporate

Identity entsprechend zum Rheinaubund

passendes, Markenzeichen erhalten. Das

Logo ist neu, doch das Ziel bleibt dasselbe.

Mit Schwung, Elan und packenden

Momenten möchte VivaRiva vor allem eines

erreichen: Faszination und Begeisterung

wecken für ein Ökosystem, für einen

Lebensraum, für die Fliessgewässer. Und damit

nachhaltige Botschafter gewinnen für

die sensiblen Lebensräume. Möge das hoffnungsvolle

Unterfangen gelingen!

Kathrin Jaag

VivaRiva

Rheinaubund

Weinsteig 192

Postfach 1157

8201 Schaffhausen

Tel. 052 / 625 26 58

info@vivariva.ch

www.vivariva.ch

natur und mensch 2 / 2007

Seite 23


Rheinaubund

Erfolgreiche ökologische Begleitung

der Eisenbahn-Grossprojekte

Neat und Bahn 2000 sind Grossprojekte, die zur umweltgerechten

Bewältigung der Mobilität sinnvoll sind. Trotzdem sind die

Baumassnahmen massive Eingriffe in die Natur, die sorgsam ökologisch

begleitet werden müssen – auch dies eine Aufgabe der

Umweltverbände.

Günther Frauenlob

Grundsätzlich erachten die Umweltschutzorganisationen

den Bau der NEAT und der

Bahn 2000 als sinnvolle Projekte zur umweltgerechteren

Bewältigung der Mobilität

von Personen und Gütern. In diesem grundlegenden

Sinn kann der Beschreibung, wie

Auch Eisenbahngrossprojekte

belasten die

Umwelt.

Foto: SBB

sie von AlpTransit Vertretern angewandt

wird, zugestimmt werden: „Die NEAT ist das

grösste Umweltprojekt der Schweiz“.

Allerdings wissen wir, dass auch dieses

Grossprojekt entsprechend grosse Eingriffe

in die Natur, die Landschaft und die

Siedlungen mit sich bringt. Gewässer sind

betroffen, Grundwasser wird tangiert,

Emissionen gelangen in die Luft, Böden

werden hektarweise umgelagert und

Lebensräume mit Lärm beschallt. Die neuen

Verkehrswege der Bahn durchschnei-

den Wildtierkorridore, oder diese werden

im Zusammenhang mit den Ablagerungen

des Ausbruchmaterials der Tunnels für lange

Jahre unterbrochen.

Umweltaspekte sind Gegenstand

geltender Gesetze

Alle diese Umweltaspekte sind Gegen stand

geltender Gesetze und Verordnungen:

Umweltschutzgesetz, Na tur- und Hei matschutzgesetz,

Gewässer schutz ge setz, Lärmschutz

ver ord nung, Luftreinhaltungsverordnung,

Verordnung über die Belastung des

Bodens, Waldgesetz …

Es ist eine wichtige Angelegenheit der

Natur-, Umwelt- und Heimatschutzorganisa

tionen, der Berücksichtigung der gesetzlichen

Grundlagen zum Schutz der

Umwelt, der Natur und der Heimat auch

bei der Realisierung der Grossprojekte der

Bahninfrastruktur Nachachtung zu verschaffen.

Diese Aufgabe leiten die Organisationen

u.a. aus dem ihnen durch die Gesellschaft

verliehenen Beschwerderecht ab. Zur Wahr -

nehmung dieser Aufgabe hat der Rheinaubund

zusammen mit Pro Natura, SHS, SL,

SVS, VCS und WWF Martin Furter das Mandat

zur Begleitung der Eisenbahngrossprojekte

erteilt.

Beispiele aus dem

vergangenen Jahr

Sachgerechte Bewirtschaftung von Trockenwiesen

beim Zwischenangriff Sedrun:

Nach mehreren Interventionen ist es nun

endlich gelungen, eine Bewirtschaf tungsweise

der gut 30 Hektar Trockenwiesen

im Raum Sedrun zu initiieren, die dem

Ziel der Erhaltung, bzw. der Förderung der

Artenvielfalt gerecht werden kann.

Materialbewirtschaftung Sedrun:

Für die Ablagerung von zusätzlichem Ausbruchmaterial

im Fall des erweiterten Tunnelvortriebs

von Sedrun her konnten Lösungen

gefunden werden, die auch aus der

Sicht des Umweltschutzes verantwortet

werden können. So bleibt die wertvolle

Die ökologische Begleitung

der Schweizer Eisenbahn-

Grossprojekte findet auch

international Anerkennung.

Foto: photocase

Seite 24 natur und mensch 2 / 2007


Gotthard Südrampe

mit NEAT-Baustelle.

Foto: Alptransit AG

Böschung im Val Bugnei weitestgehend frei

und der erforderliche Abtransport erfolgt

per Bahn.

Walenbrunnen im Kanton Uri:

Die Renaturierung des heute kanalisierten

Walenbrunnens, die eigentliche

Ersatzmassnahme für die Eingriffe in der

Urner Reussebene, konnte dank unserem

Einsatz wesentlich naturnäher geplant und

genehmigt werden, als dies zu Beginn vorgesehen

war.

Massnahmen beim Lötschberg-

Südportal / Raron:

Der Sicherstellung der Uferbestockung am

Rhoneufer wird Rechnung getragen und

für die Ersatzmassnahmen im Gebiet Moos

(Feuchtgebiet) wurden aufgrund unserer

Einsprache zusätzliche Massnahmen und

Erfolgskontrollen verfügt.

Hartnäckig und konstruktiv

Aufgrund des seit Beginn zwar hartnäckigen,

aber immer konstruktiv geführten

Dialogs des Vertreters der Organisationen

ergab sich im Laufe der Jahre trotz mancher

unterschiedlicher Beurteilung in einzelnen

Sachfragen ein positives Verhältnis

zwischen den Erbauern der NEAT und den

Umweltorganisationen. Das gegenseitige

Verständnis wird auch dadurch gefördert,

dass die AlpTransit Gotthard AG regelmässige

Informationstage mit den VertreterInnen

der am Mandat beteiligten Organisationen

auf den Baustellen durchführt. So können

wir immer wieder feststellen, dass die leitenden

Verantwortlichen der NEAT unsere

eigentlich „oppositionelle“ Arbeit respektieren

und keineswegs als Belästigung empfinden.

Dass unsere Einwände und Begehren

im Rahmen der Bauprojekte zum grössten

Teil berechtigt sind, zeigt sich am Erfolg der

Einsprachen und Stellungnahmen.

Positive

internationale Beurteilung

Um den steigenden Anforderungen an die

überregionale und internationale Mobilität

Rechnung zu tragen, werden in Europa

derzeit zahlreiche Infrastrukturprojekte

wie Eisenbahn-Hochgeschwindigkeitsstrecken,

Eisenbahn-Güterverkehrsstrecken und

Autobahnen entwickelt. Der Umfang und

die Komplexität dieser Projekte stellt eine

grosse Herausforderung an die Organisation

und das Management dar. Um eine Auswahl

grosser Infrastrukturprojekte miteinander

zu vergleichen und Erkenntnisse über das

Management dieser Projekte zu gewinnen,

hat die Unternehmensberatung Berenschot

Osborne (Utrecht, NL) gemeinsam mit dem

Institut für Bauplanung und Baubetrieb der

Eidgenössischen Technischen Hochschule

Zürich und der Erasmus Universität Rotterdam

eine Studie initiiert: „Management of

Large Infrastructure Projects in Europe“.

Im Rahmen dieser Studie interessierten sich

die Bearbeitenden für die Funktion der gesamtschweizerischen

Umweltschutzorganisationen

bei den Projekten Bahn 2000 und

insbesondere der NEAT. Das Resultat ihrer

Recherchen wird in der Studie wie folgt wiedergegeben:

„Als vorteilhaft hat sich in der Schweiz auch

die Bestellung eines Stakeholderrepräsentanten

für acht gesamtschweizerische Umweltschutzorganisationen

erwiesen. Dieser

unabhängige Stakeholderrepräsentant

wurde von den Organisationen beauftragt

und tritt in deren Namen als alleiniger und

mit allen Kompetenzen ausgestatteter Verhandlungspartner

gegenüber den Erstellerorganisationen

AlpTransit Gotthard AG und

BLS AlpTransit AG auf. Dieser Zusammenschluss

erlaubt die effiziente Bearbeitung

der Anliegen dieser Organisationen und

hat für die Ersteller den Vorteil, jeweils einer

gemeinsamen, koordinierten Meinung der

Verbände gegenüberzustehen.“

Gemäss einer Verfügung des Eidgenössischen

Departments für Umwelt, Verkehr,

Energie und Kommunikation (UVEK) im

Rahmen des Plangenehmigungsverfahrens

zum Auflageprojekt Uri 2003, wurde den Umweltschutzorganisationen

in der oben erwähnten

Konstellation attestiert, den Verfahrensbeteiligten

präzise, gut begründete

und termingerechte Vorschläge zu unterbreiten.

In Anbetracht dieser Wür digung

kann man auch hier von einer erfolgreichen

Integration der Stakeholder in den

Planungsprozess sprechen.“

Günther Frauenlob

Redaktor natur und mensch

Rheinaubund

Postfach 1157

8201 Schaffhausen

Tel. 052 625 26 67

natur und mensch 2 / 2007

Seite 25


Rheinaubund

Jahresbericht Rheinaubund 2006/2007

Der folgende Tätigkeitsbericht umfasst alle Aktivitäten seit der letzten Mitgliederversammlung.

Der Bericht erlaubt einen Überblick über unser umfangreiches

Engagement für den Natur – und Umweltschutz.

Ruedi Schneider

Das Jahr 2006/2007 war für uns mehr als ereignisreich,

wie die Vielzahl der Projekte,

gerade im Bereich Gewässerschutz beweist.

Doch auch im Landschaftsschutz, in

der Umweltbildung und im Bereich der Koope

rationen mit anderen Organisationen

hatte dieses Jahr einiges zu bieten.

Gewässerschutz

Kraftwerk Kembs / Oberrhein: Die Electricité

de France SA (EDF) will die am 31.12.07 ablaufende

französische und schweizerische

Konzession für das KW Kembs am Oberrhein

erneuern. Es liegt ein umfangreiches

Projektdossier vor. Die EDF nimmt für die

unterliegenden Kraftwerke im Rheinkanal

einen jährlichen Produktionsverlust von 86

Mio. kWh in Kauf und installiert am Wehr

zum Altrhein eine Dotierturbine, um die

Leistung des KW Kembs zu erhalten. Obwohl

der EDF eine gute Grundeinstellung (integraler

Ansatz) und der Wille attestiert werden

kann, ökologische Verbesserungen

zu realisieren und zu finanzieren (z.B.

Revitalisierung der Wiese, mehr Restwasser

und Auendynamik in der Restwasserstrecke,

neuer Fischpass, etc), scheint es noch einige

Mängel und Unklarheiten zu geben.

Dies betrifft im Wesentlichen den ungenügend

abgeklärten Geschiebehaushalt, die

Funktionstüchtigkeit des neuen Fischpasses

(Abstieg der Aale!), die zu geringe Restwasserdotierung,

das Rodungskonzept bei

der KW-Zentrale und gewisse biologische

Untersuchungen, sowie die Definition eines

Monitorings (Erfolgskontrolle). Am 16.3.07

fand auf Einladung der EDF eine Aussprache

mit den Umweltschutzorganisationen beim

Kraftwerk statt.

Die Hauptlast der Einsprache liegt bei „Alsace

Nature“, während Deutschland durch den

DNR (Deutscher Naturschutzring) im Namen

zahlreicher Verbände eine Stellungnahme

eingereicht hat. Für die Schweiz hat die Arge

Hochrhein im Namen von Fischereiverband

(Schweiz. und Kant. BS und BL), Aqua Viva

und Pro Natura (Schweiz und Basel) beim

BFE eine Sammeleinsprache eingereicht, die

sich vor allem auf die Stellungnahmen der

IKSR beruft. WWF und Rheinaubund machten

am 20.3.07 eigene Einsprachen, die sich

im Wesentlichen auf die Inhalte der anderen

abstützen.

Kraftwerk Rheinfelden / Hochrhein: Der Neubau

des Wehrs ist deutlich vorangeschritten.

Teile des Gwildes, eines der letzten Laufen

am Hochrhein sind bereits gesprengt worden;

die Flussbaggerung erfolgt schrittweise

in Fliessrichtung mittels temporärer

Schüttdämme und ist damit deutlich

umweltverträglicher als ursprünglich geplant.

Teile des Flusskieses werden für das

grosse Umgehungsgerinne verwendet.

Die Ausgleichs- und Ersatzmassnahmen

der Bauphase 2 werden jetzt in Angriff genommen

(Oberwasser). Bis 2010 sollen die

Turbinen in Betrieb genommen werden, bis

2011 soll das Umgehungsgerinne in Funktion

sein, womit man insgesamt ein Jahr gewonnen

haben wird. Der Rheinaubund ist in der

ökologischen Begleitgruppe vertreten.

Kraftwerk Rhyburg-Schwörstadt (KRS) /Hochrhein:

Dieses Kraftwerk soll im Jahr 2010

eine neue Konzession erhalten. Dabei sollen

gravierende ökologische Beeinträchtigungen

gemildert werden. Die Verbände wur den

frühzeitig eingeladen und informiert. Ein Teil

Am 2. April hat die Energiedienst

AG nach rund vier

Jahren Bauzeit das neue

Stauwehr beim Wasserkraftwerk

Rheinfelden in Betrieb

genommen

Foto: Energiedienst AG

Seite 26 natur und mensch 2 / 2007


Das Kraftwerk Eglisau

am Hochrhein –

seit Jahren ein Streitfall.

Foto: EKZ

unsere Vorschläge wurde ins Pflichtenheft

übernommen. Die Auftragsvergabe für die

Hauptuntersuchung (UVB) ist Mitte 2005 erfolgt.

Am 28. Februar 2007 hat die Kraftwerk

Ryburg-Schwörstadt AG die Konzessionsge

suchsunterlagen bei den Amtsstellen in der

Schweiz und in Deutschland eingereicht.

Sie-

Kraftwerk Albbruck-Dogern / Hochrhein:

he Artikel Seite 11

Kraftwerk Eglisau / Hochrhein: Der Rheinaubund

und Mitstreiter mussten vom Beginn

des Verfahrens an um elementare Anforderungen

streiten, insbesondere um den

Miteinbezug der Staustrecke in die Untersuchungen

der Umweltverträglichkeit. Auch

die zweimalige bedingungslose Verlängerung

der alten Konzession war Inhalt des

Rechtsstreites.

Im August 2005 erfolgte die Planauflage

für das Baugesuch. Obwohl der konstruktive

Dialog zur merklichen Verbesserung

des Projektes beigetragen hat, mussten

wir auf Grund fachlich begründeter

Motive auch hier eine Einsprache einreichen.

Unsere Anträge betrafen den

Geschiebehaushalt, die Fischwanderung

und verschiedene Ausgleichs- und Ersatzmassnahmen.

Am 23.8.2006 kam es zu

den Einigungsverhandlungen. Obwohl

Verbesserungen erzielt wurden, sind längst

nicht alle ökologischen Anliegen erfüllt. So

z.B. die Staukotenabsenkung, welche wegen

der befürchteten Uferrutschungen politisch

nicht machbar ist, oder die Dynamisierung

des Alten Rheins bei Rüdlingen, welche am

Widerstand des Kt. Schaffhausen gescheitert

ist. Auch das geforderte Umgehungsgerinne

auf deutscher Seite wurde aus Kosten-Nutzen-

Überlegungen durch eine kombinierte

Lösung mit Schiffsschleuse/Fischlift ersetzt.

Aus verfahrenstechnischen Gründen müssen

die meisten Anträge unserer Einsprache

aufrechterhalten bleiben, auch wenn sich an

der Verhandlung ein allgemeiner Konsens

abgezeichnet hat. Letzter Prüfstein für

den Entscheid bezüglich eines allfälligen

Weiterzuges werden die Bestimmungen des

Bauentscheides sein. Wir hoffen, dass unsere

Anträge darin berücksichtigt werden.

Kraftwerk Rheinau / Hochrhein Unter su chung

Restwasserstrecke: Unsere wissenschaftliche

Untersuchung der Restwasser strecke

Rheinau fand in der Öffentlichkeit, bei den

Behörden und bei den Projektanten bekanntlich

grosse Beachtung. Das Bun -

des amt für Energie (BFE), zuständig für die

Grenzkraftwerke nutzt unsere Untersu -

chungsergebnisse und hat uns einen Teil unserer

finanziellen Aufwen dun gen erstattet. In

Ergänzung zu unseren Berechnungen hat das

BFE zusätzliche Szenarien für Dotierung der

Restwasserstrecke und von Absenkungen

der Hilfswehre berechnen lassen. Die Berechnungen

wurden im März 2006 mit 1:1

Dotierversuchen verifiziert. Die spektakulären

Versuche fanden hohe Beachtung in

den Medien. Leider wurden die für uns wichtigen

Szenarien bei Vollabsenkung auch des

Mitgliederversammlung 2007

Die diesjährige Mitgliederversammlung

findet am Samstag, den 23. Juni statt. Die

Einladung mit Ort und Informationen

über die Rahmenveranstaltung werden

wir Ihnen rechtzeitig zusenden. Wie üblich

werden wir uns im formellen Teil

kurz fassen. Das Hauptgewicht liegt auf

der Rahmenveranstaltung, welche einmal

mehr sehr attraktiv werden wird.

Bitte, reservieren Sie sich dieses Datum

für den ganztägigen Anlass!

oberen Hilfswehrs nicht geprüft. Inzwischen

hat das BFE die Elektrizitätswerke Rheinau AG

(ERAG) aufgefordert, die Auswirkungen im

Hinblick auf die wirtschaftliche Tragbarkeit

mit Do tierungen von 20–40m3/s; 40–60m 3 /s

und 50–70m 3 /s bei abgesenkten Hilfswehren

zu verifizieren. Die Frist war auf den 7.2.2007

festgelegt worden.

Die ERAG beabsichtigt, im Jahre 2007

ein Segment des oberen Hilfswehres einer

mechanischen Revision zu unterziehen.

Die anderen Segmente sollen später

folgen. Rechtlich ist die Sanierung

Teil des ordentlichen Unterhaltes ohne

Einsprachemöglichkeit. In einem Schreiben

an die ERAG mit Kopie an das AWEL und das

BFE stellen wir folgendes fest und werden dabei

vom AWEL bestätigt: Das Bauvorhaben

darf die materiellen Fragen hinsichtlich der

Sanierung der Restwasserstrecke in keiner

Weise präjudizieren. Überdies hat die ERAG

alle Risiken der vorschnellen Revision selber

zu tragen; deren Kosten dürfen in keiner

Weise bei Wirtschaftlichkeitsberechnungen

für die gewässerschutzrechtliche Sanierung

berücksichtigt werden.

„KWO Plus“ Grimsel – Mauererhöhung gegen

Moorlandschaft: siehe Seite 14

Kraftwerk Wettingen (Limmat): Die Stadt

Zürich will ihr Kraftwerk in Wettingen für

weitere 80 Jahre betreiben und das Werk

erweitern. Mit dem Einbau einer Rohrturbinenanlage

in das Wehr soll der neuen

Gesetzgebung, insbesondere dem Gewässerschutzgesetz

Nachachtung ver schafft

werden. Mit der geplanten Anlage lässt sich

die Limmatschlaufe, welche bisher lediglich

mit einer kläglichen Restwassermenge dotiert

war, ökologisch aufwerten. Trotzdem

waren Verhandlungen nötig wobei ein von

allen Seiten akzeptierter Konsens gefunden

natur und mensch 2 / 2007

Seite 27


Rheinaubund

und auf Anweisung der Behörden wurde

das Konzessionsgesuch überarbeitet. Das

den Verbänden am 27.9.2006 vorgestellte

überarbeitete Projekt lässt aber besonders in

puncto Umgehungsgerinne noch einiges zu

wünschen übrig. Wir haben deshalb in einer

Stellungnahme konkrete Verbesserungen

vorgeschlagen, welche den Fachstellen und

dem Projektanten zur Vernehmlassung vorgelegt

wurden.

Fast ein Wunder der Technik:

Die Kombination aus

technischem Fischpass und

naturnahem Umgehungs

gerinne am KW Wettingen.

Foto: G. Frauenlob

wurde. Der Rheinaubund ist mit Edda Rohe

in der ökologischen Begleitgruppe vertreten.

Der Kraftwerksumbau ist im vollem Gange.

Nach dem bereits erstellten Fischaufstieg

Schanzengraben und der ca. 7 ha grossen

Flussaufweitung bei Geroldswil wird derzeit

das technisch sehr anspruchsvolle

Umgehungsgerinne am Wehr gebaut.

Kleinkraftwerk am Ambauenwehr / Engelbergeraa:

Das Ambauenwehr an der Engelberger

Aa unterbricht das Flusskontinuum radikal

und verhindert damit den Aufstieg

der Seeforelle aus dem Vierwaldstättersee

zu ihren Laichgründen im Fluss. Die seinerzeit

zum Betrieb einer Säge erstellte Anlage

soll nun neu Strom produzieren, der ins Netz

eingespeist werden soll. Der Rheinaubund

erhob Einsprache gegen diese Umnutzung

und forderte den Rückbau der Anlage. Der

Regierungsrat des Kt. Nidwalden hiess unsere

Einsprache in allen Punkten gut, worauf

der Antragsteller eine Verwaltungsgerichtsbeschwerde

einreichte. Das Verwaltungsgericht

des Kt. Nidwalden hat den für uns positiven

Entscheid des Regierungsrates wieder

aufgehoben und zur Neubeurteilung zurückgewiesen.

Nach der Analyse durch unseren

Rechtsanwalt beschlossen wir, den

Entscheid des Verwaltungsgerichtes vor dem

Bundesgericht anzufechten.

Leider hat das Bundesgericht unsere Beschwerde

abgewiesen. Im Wesentlichen aus

formellen Gründen: Der Rheinaubund hätte

alle neuen Sachverhalte bereits in der

Verwaltungsgerichtsbeschwerde vorbringen

müssen, weshalb diese unbeachtet

blieben. Für uns bedeutet das, in Zukunft

kaum mehr ein Verfahren vor einem kantonalen

Verwaltungsgericht ohne anwaltliche

Unterstützung zu führen, da mit erhöhter

Sorgfalt prozessiert werden muss.

Kraftwerk Kradolf-Schönenberg / Thur (TG):

Durch den Ersatz des alten Ausleitkraftwerks

durch ein Laufkraftwerk wird die bisherige

Restwasserstrecke aufgehoben. Grund -

sätzlich begrüssen wir die Wieder herstellung

des natürlichen Abflusses, da dies

die Lebensbedingungen der aquatischen

Fauna entscheidend verbessert. Unsere

Einsprache aus dem Jahre 2002 beinhaltet

demgemäss lediglich Forderungen bezüglich

Umgehungsgerinne und Ausgleichsmassnahmen.

Auf Grund der Einsprachen

Auenprojekt im Thur-Mündungsbereich / Thur

+ Hochrhein: Durch die Realisierung dieses

umfangreichsten Renaturierungsprojekts an

der Thur wird hier schweizweit die grösste

Auenlandschaft entstehen. Nach Jahren der

Planung und nach zähen Verhandlungen mit

den angrenzenden Gemeinden und betroffenen

Landwirten war es Ende letzten Jahres

endlich soweit: Der Kantonsrat bewilligte

den Kredit in Höhe von 42‘482‘000 Franken

zur Umsetzung des Projektes in seltener

Einmütigkeit. Tatsächlich werden bei diesem

Projekt Anliegen des Hochwasserschutzes,

der Ökologie, des Auenschutzes, der Gewässervitalisierung,

der Landwirtschaft und

der Erholung so gebündelt, dass alle Betroffenen

zufrieden sind.

Kiesbaggerungen an der Thurmündung /

Hochrhein: Infolge des Einstaus der Thurmündung

durch das Kraftwerk Eglisau bleibt

das Geschiebe der Thur im Mündungsbereich

liegen. Die Geschiebeablagerungen müssen

daher aus Hochwasserschutzgründen

regelmässig ausgebaggert werden. Der

Rheinaubund begrüsst die nun von der

Baudirektion des Kt. Zürich verfügte teilweise

Kiesrückgabe in den Rhein im Rahmen

der anstehenden Geschiebebaggerungen

im Umfang von ca. 70’000m 3 . Durch die

Schüttung von Kiesbänken wird immerhin

die noch frei fliessende Strecke zwischen

Rheinau und Ellikon ökologisch aufgewertet.

Thurkorrektion Weinfelden-Bürglen / Thur: Der

Raum der Thur zwischen Weinfelden und

Bürglen im Kanton Thurgau wird für Hochwasserschutz

und Renaturierung vollständig

neu gestaltet. Die im Rahmen der sogenannten

2. Thurkorrektion vorgesehenen

Massnahmen sind noch immer in der

Projektierungsphase. Das Planungsverfahren

Seite 28 natur und mensch 2 / 2007


wird von der Regionalen Arbeitsgruppe

(RA) begleitet, in der alle am Vorhaben interessierten

Kreise vertreten sind. Auch der

Rheinaubund ist in diesem Gremium und

wird durch das Vorstandsmitglied , Dipl.-Ing.

Landschaftsplanerin Anna Belser vertreten.

Aus einer Machbarkeitsstudie mit vier

Varianten hat sich die RA auf zwei Varianten

festgelegt. Eine Variante ist eine Hochwasserschutzlösung

mit fliessender Re tention,

d.h. mit einem aufgeweiteten Fluss -

profil und überschwemmbarer Aue – das sogenannte

Pendelband. Die andere Variante

beinhaltet eine stehende Retention in Gestalt

eines Hochwasserrückhaltebeckens, genannt

„Grubenau“. Im Juli 2007 werden die

Vorprojekte dazu vorliegen.

Einsprache gegen Seerestaurant in Uster /

Greifensee: Der „Verein Pavillon Nouvel“ hat

aus Beständen der EXPO ein für die Arteplage

in Murten konzipiertes Restaurantgebäude erstanden

und will dieses bei der Niederustemer

Schifflände am Greifensee wieder aufbauen.

Das Ge bäude beansprucht eine bisher offen

gehaltene Wiese und überstellt mit der

Terrasse sogar die Uferlinie. Im Oktober 2003

verweigerten sowohl die Volkswirtschaftsdirektion

wie auch die Baudirektion die nötigen

Bewilligungen, bejahten aber grundsätzlich

die Bewilligungsfähigkeit hinsichtlich

Grundwasserschutz. Gegen den ablehnenden

Entscheid rekurrierten sowohl der Verein

wie auch die Stadt Uster beim Regierungsrat.

Dieser hob zur allgemeinen Verblüffung alle

Verfügungen der eigenen Direktionen

auf. Gegen diesen Entscheid erhob der

Rheinaubund Beschwerde beim Zürcher

Verwaltungsgericht, welches die Beschwerde

am 7.2.2006 teilweise guthiess und an die mitbeteiligten

Direktionen zur erneuten Prüfung

„im Sinne der Erwägungen“ zurückwies. Wir

haben uns im Berichtsjahr bemüht, mit der

Stadt und dem „Verein Pavillon Nouvel in

Kontakt zu treten. Es kamen denn auch zwei

Informations- und Verhandlungsrunden zustande.

Leider konnte kein Konsens bezüglich

eines alternativen Standorts gefunden

werden, die Projektanten beharren auf dem

ursprünglichen Standort. Man darf gespannt

sein, wie die Behörden entscheiden.

Kleine Gewässersanierungen – Beratungstätigkeit:

siehe Seite 18

Garwidenbach Stellungnahme: Das amtliche

Sanierungsprojekt Garwidenbach sieht

die Wiedereindolung von zwei durch die

Kantonsstrasse getrennten Teilstücken vor.

Das eine Teilstück wurde aus Hoch wasserschutzgründen

schon vor Inkraft treten der

Verfügung saniert, wodurch vollendete Tat -

sachen geschaffen wurden. Eine offene Wasserführung

wäre unserer Ansicht nach grundsätzlich

durch einen neuen sorgfältig gewählten

Bachlauf ohne erhebliche Nachteile

für die Landwirtschaft möglich gewesen. Auf

einen Rekurs gegen die Verfügung wurde

aber zur Wahrung des Verhältnismässigkeitsprinzips

verzichtet. Mit der Stellungnahme

drückt der Rheinaubund jedoch sein Be -

dauern über den unsachgemässen Verfahrensablauf

aus.

Einsprache gegen Bau eines Verbindungsstegs

in Winterthur / Töss: Gestützt auf das

Natur- und Heimatschutzgesetz sowie das

Gewässerschutzgesetz verlangten wir den

Verzicht auf den Bau eines Steges über einen

Entlastungskanal des Rieter-Kanals in

Winterthur-Töss, da wir die Erschliessung

des bisher relativ naturnahen Ufers entlang

der Töss durch einen Spazierweg und den

damit verbundenen Verlust des hohen Revitalisierungspotenzials

befürchteten. Da die

spätere Verfügung der Zürcher Baudirektion

klar festhält, dass damit kein Wegbau bewilligt

wird und es damit lediglich und maximal

bei einem Trampelpfad entlang des rechten

Tössufers bleibt, haben wir von einem

Weiterzug abgesehen. Zudem begrüssen

wir, dass der Kanton Zürich einen ersatzlosen

Abbruch des Stegs verlangen kann, sollte eine

spätere Revitalisierung der Töss oder damit

kombinierte Hochwasserschutzmassnah

men dies nötig machen.

VivaRiva – Wasser macht Schule: siehe Seite

20

Landschaftsschutz

Initiative „Raum für Mensch und Natur“: Am

31. Januar 2007 wurde der Verein „ Ja zur

Lebensraum-Initiative“ gegründet. Der Ver -

ein, zu dessen Gründungsmitgliedern auch

der Rheinaubund gehört, bereitet die

Unterschriftensammlung zur Eidgenössischen

Volksinitiative „Raum für Mensch

und Natur“ vor. Als Kernpunkt verlangt die

Initiative, dass die Gesamtfläche der Bauzonen

während 20 Jahren nicht vergrössert werden

darf, wobei Erweiterungen von Bauzonen mit

Rückzonungen an anderen Orten kompensiert

werden können. Ausnahmen von dieser

Bauzonenbegrenzung soll der Bundesrat

nur in begründeten Fällen gewähren. Die

Initiative schlägt weiter eine Neuformulierung

und Konkretisierung des Verfassungsartikels

über die Raumplanung (Art. 75 BV) vor.

An der Mündung der Thur

in den Rhein soll die grösste

Auenlandschaft der Schweiz

entstehen.

Foto: Baudirektion Kt. ZH

natur und mensch 2 / 2007

Seite 29


Rheinaubund

Projektbegleitung Eisenbahn-Grossprojekte:

siehe Seite 24

Rheinfall: Landkauf und Umnutzung: In Zusam

menhang mit dem Kauf einer grossen

Landparzelle direkt im Rheinfallbecken

durch die Gemeinde Neuhausen wurde in

Zusammenarbeit mit verschiedenen Interessengruppen,

so auch des Rheinaubundes

und des WWF ein Master plan entwickelt.

Die Attraktivität eines Besuchs des Rheinfalls

soll gesteigert und die Verweildauer verlängert

werden. Überdies soll die Landschaft

am Rheinfall durch ein verbessertes Pflege -

konzept aufgewertet und einzelne Landschaftselemente

wiederhergestellt werden.

Neue Wege und Aussichtspunkte sollen

bequeme und attraktive Rundgänge

ermöglichen. Für den Rheinfall gelten besondere

Schutz bestimmungen und planerische

Grund lagen, insbesondere handelt

es sich um ein BLN-Gebiet. Die Planung hat

diese Gegebenheiten zu berücksichtigen.

Der Rheinaubund ist mit Erika Maier in der

Begleitgruppe vertreten.

Stellungnahme zur Verordnung über die Pärke

von nationaler Bedeutung: Der Rheinaubund

Neue Natur-Pärke von

nationaler Bedeutung

könnten helfen, grosse,

zusammenhängende

Naturschutzzonen zu

sichern.

Foto: photocase

Immer mehr Gewerbegebiete

entstehen unter

grossen Flächenbedarf

auf der „grünen“ Wiese.

Foto: St. Pölten GV

wurde eingeladen, sich zum Entwurf der

Pärkeverordnung zu äussern. Nachfolgend

eine vorläufige Einschätzung.

Die Änderungen zum „Bundesgesetz über

Natur- und Heimatschutz“ (NHG) vom 6.

Oktober 2006 ermöglicht die Errichtung neuer

Natur-Pärke von nationaler Bedeutung in

der Schweiz. Der ausgezeichnete Gesetzestext

wurde von den Umweltschutzorganisationen

als Durchbruch in Richtung grosser,

zusammenhängender Naturschutzzonen begrüsst,

ja als Erfolg gefeiert.

Umso enttäuschender fällt der Entwurf der

Pärkeverordnung im Bereich der regionalen

Naturpärke aus. Denn es macht nicht den

Anschein, als wollten die Verfasser Sinn und

Zweck des Gesetzes umsetzen. Im Gegenteil

wird man den Eindruck nicht los, die

Verordnung versuche, den Begriff des „nachhaltigen

Wachstums“ so zu definieren, bis davon

nichts mehr übrig bleibt. Erhärtet wird

dieser Verdacht durch die erste Klausel der

Charta des geplanten „parc ela“: „Stärkung

der Wirtschaft und Erhaltung bzw. Schaffung

neuer Arbeitsplätze“.

Diverse Projekte

Flughafen Zürich, Beschwerde gegen Betriebsreglement:

Unsere gemeinsam mit den Ärztinnen

und Ärzten für Umweltschutz erhobene

Beschwerde vom 30. 4. 2005 ist immer

noch hängig. Seit dem 1.1.2007 wird sie vom

neuen Bundesverwaltungsgericht bearbeitet.

Die Rekurskommission für Infrastruktur und

Umwelt (REKO INUM) ist aufgehoben worden.

Sie hatte der Beschwerdegegnerin (Unique

Flughafen Zürich AG) und dem Bundesamt

für Zivilluftfahrt (BAZL) einen umfassenden

Katalog mit den in den vielen Beschwerden

vorgebrachten Rügen und Anträgen unterbreitet,

in dem unsere Rügen gut repräsentiert

waren. Den richterlichen Bescheid, ob

unsere zentralen Begehren, Nachtruhe von

22.00 - 7.00 Uhr, Begrenzung der Starts und

Landungen auf insgesamt 250‘000 pro Jahr

sowie Begrenzung der Luftbelastung mit

Stickoxiden, erfüllt werden, erwarten wir mit

grossem Interesse.

Parlamentarische Initiative „Presseförderung

mittels Beteiligung an den Verteilkosten“: Der

Rheinaubund wäre als Herausgeber der Zeitschrift

natur und mensch“ von einer Absetzung

der Presseförderung nebst Hunderten

anderer Institutionen direkt betroffen. Wir

begrüssen deshalb die Absicht der Staatspolitischen

Kommission des Nationalrats (SPK-N),

dem Parlament eine Vorlage zur Weiterführung

der Presseförderung zu unterbreiten.

Ebenso gehen wir mit dem Vorschlag darin

einig, dass die Mitgliederpresse weiterhin

in das System der Presseförderung einbezogen

werden soll. In der Schweiz gibt

es über 900 sprachregionale und nationale

Mitgliederzeitschriften sowie viele regional

ausgerichtete Publikationen. Sie übernehmen

vielfältige Funktionen. Abonnierte Zeitungen

und Zeitschriften sollen weiterhin von verbilligten

Posttaxen profitieren. Im März 2007

hat der Nationalrat als erste Kammer mit 145

zu 34 einer Verlängerung der Bundeshilfe um

längstens sieben Jahre zugestimmt

Seite 30 natur und mensch 2 / 2007


Der Rheinaubund in Daten, Zahlen und Fakten

Mitglieder und Abonnenten

Die im letzten Jahr vorgesehene Werbektion

unter Verwendung eigener Adressen wurde

aufgrund des Layoutwechsels auf das

Jahr 2007 verschoben. Aus dem gleichen

Grund wurde auf die Durchführung weiterer

grösser Aktionen zur Mitglieder- und

Abonnentenwerbung verzichtet. Wie die

Grafik zeigt, haben die unterlassenen Werbeaktionen

einen unmittelbaren Einfluss auf

die Entwicklung der Bestände, indem Abgänge

nicht mehr bzw. kaum mehr kompensiert

werden können. Das neue Erscheinungsbild

des Rheinaubundes, vor allem

verkörpert durch das neu gestaltete Heft,

bietet nun mit seinem frischen Auftritt

Gelegenheit für grössere Werbeaktionen.

Die verschobene Aktion mit Mobilisierung

unserer eigenen Leserschaft zur Mitgliederund

Abonnementswerbung werden wir

demnächst starten. Wir versprechen uns davon

einigen Erfolg.

5701 Stunden

für den Rheinaubund

Verteilung nach Arbeitsgebieten

5000

4500

4000

3500

3000

2500

2000

1500

1000

500

0

1991 1992 1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007

Abonnenten 3375 3252 3498 3193 2980 2795 2706 2645 2561 2629 2361 2442 1981 1760 1570 1489 1456

Mitglieder 907 938 946 935 927 921 911 873 865 846 858 823 798 755 923 967 955

Von den Zeitaufwendungen entfallen 30

Pro zent auf den angewandten Gewäs serund

Landschaftsschutz. Dies beinhal tet

insbesondere die Prüfung von Projektauflagen,

Ortstermine, Stellung nah men, Baubeglei

tungen und wenn nötig die rechtliche

Interventionen. Mit 27 Prozent schlägt der

Aufwand für die Redaktion und Verwaltung

der Zeitschrift „natur und mensch“ zu

Buche. Ein doch sehr erheblicher Teil der

Aufwendungen, nämlich 16 Prozent betrifft

die Umweltbildung (VivaRiva). 6

Prozent des Stundenaufwandes wird für

Die Grafik zeigt den beachtlichen Anteil

von 33 Prozent bzw. 1898 Stunden ehrenamtlich

geleisteter Arbeit. Diese Leistung

wurde in der Hauptsache von aktiven

Vorstandsmitgliedern erbracht. Dabei handelt

es sich vorwiegend um anspruchsvolle

Facharbeit. Die Kapitalisierung der

geleisteten Arbeit würde eine Summe

von weit über 100‘000 Franken ergeben!

Der Rheinaubund verfügt jedoch auch

über engagierte Personen, welche auch

mal für Einpackarbeiten im Rahmen einer

Versandaktion einspringen und sich dabei

mit einem Mittagessen zufrieden geben.

Man darf demnach feststellen, dass

jeder Franken Spendengeld durch den hohen

Einsatz ehrenamtlicher Tätigkeit gute

„Zinsen“ trägt.

Gesamtaufwand

in Stunden

Total 5701 Stunden

Ehrenamtliche

Arbeitszeit

33%

Bezahlte

Arbeitszeit 67%

Verteilung

nach Arbeitsgebieten

Umweltbildung

15%

natur +

mensch

25%

Werbung 6%

GF und

Sekretariat

20%

angewandter

Gewässer- und

Landschaftsschutz

34%

natur und mensch 2 / 2007

Seite 31


Rheinaubund

Rubrik

Werbung und die Spendentätigkeit aufgewendet.

Geschäftsführung und Sekretariat

erfordern einen Aufwand von 21 Prozent,

wobei ein grosser Teil in Form von Informations-

und Koordinationstätigkeit sowie

die Sitzungsvorbereitung in direktem Zusammenhang

mit den Projekten stehen.

Wie wir uns finanzieren

Nur ein relativ bescheidener Anteil, nämlich

36 Prozent unserer Finanzierung stammt aus

den ordentlichen Beiträgen (und Aufrundungen).

32 Prozent sind Spenden auf

Aussendungen oder spontane Spenden von

Grossgönnern und Stiftungen.

VivaRiva weist einen sehr hohen Ertrag

aus. Dabei handelt es sich um Starthilfe

von Stiftungen und Unternehmen zur Umsetzung

des Projektes. Bei den übrigen

Beiträgen in Höhe von 9 Prozent handelt

es sich vornehmlich um den Bundesbeitrag

von Fr. 30‘000.00 und weitere Beiträge, welche

keinem der anderen Konten zugeordnet

werden können.

CHF

Jahresergebnis im Vergleich

450'000

400'000

350'000

300'000

250'000

200'000

150'000

100'000

50'000

0

-50'000

Erträge

nach

Herkunft

399'576

364'466 366'732 357'770 356'653

331'444

-33'023 -32'844

1'117

2005 2006 Budget 2006

Bundesbeitrag /

übrige Beiträge

9%

Jahr

Mitglieder

(Beiträge+Spenden)

18%

Ertrag

Aufwand

Ergebnis

VivaRiva /

div. Projekte

23% Jahresbeiträge /

Abos 18%

Spenden

15%

Spenden auf

Aussendungen

17%

Aktive Kooperationen / Mitarbeit in Arbeitsgruppen im Berichtsjahr

• Internationale Bodensee-Stiftung:

Vertretung Rheinaubund Philip Taxböck

• Internationale Arbeitsgemeinschaft Renaturierung des Hochrheins:

Vertretung durch Günther Frauenlob

• Projektgruppe „Geschiebehaushalt Hochrhein“:

Die Schweizer NGO-Delegation besteht aus Jürg Bloesch (Rheinaubund)

und Tobias Winzeler (ARGE Renaturierung Hochrhein).

• CIPRA – Schweiz: Vertretung durch Iris Scholl.

• Pro Thur: Vertretung durch Anna Belser

• Pro Töss: Vertretung durch Andri Bryner und Lukas Boller

• Kraftwerk Schaffhausen-Begleitgruppe Ökostrom-Förderbeiträge (BÖF):

Vertretung durch Ruedi Schneider

• Pro Rheinlandschaft Diessenhofen: Mitgliedschaft Rheinaubund

• Pro Frutt-Engstlenalp: Interessengemeinschaft

• Gen-Au Rheinau: Der Rheinaubund ist im Patronatkomitee

durch den Geschäftsführer vertreten.

• Arbeitsgruppe Recht:

Vertretung durch Jean-Pierre Jaccard.

• Verein „Nein zur Initiative des Zürcher Freisinns:

Der Rheinaubund gehört zu den 17 Gründerorganisationen der Allianz

gegen diese Initiative.

• Kanton Zürich: Externe Expertengruppe Planungs- und Baugesetz:

Von Seiten der Umweltverbände sind nur der Rheinaubund und

Pro Natura vertreten.

Seite 32

natur und mensch 2 / 2007


Betriebsrechnung und Bilanz 2006

Kommentar zur

Betriebsrechnung

Die Ertragsseite weist bei den Mitgliedsund

Abonnementsbeiträgen (1) / (2) grosse

Unterschiede zu den Zahlen des Jah res

2005 aus. Der Grund ist die bei den Mitgliedsbeiträgen

aufgehobene Differen zierung

der Anteile Mitgliedsbeitrag und Heft.

Das heisst, bis zum Jahre 2005 wurden der

Anteil Abonnement des Mitgliedsbeitrages

jeweils auf das Konto „Abonnenten“ gebucht.

Neu geht der ganze Mitgliedsbeitrag

zugunsten des Kontos „Mitglieder“. Dies

führt zu höheren Mitgliedsbeiträgen und

geringeren Abonnementsbeiträgen. Die

Summe bleibt ungefähr gleich.

Der gegenüber dem Budget insbesondere

bei den Mitgliedsbeiträgen geringere

Ertrag lässt sich zum Teil dadurch erklären,

dass grössere Aufrundungen jeweils auf das

Konto „Grossspender“ (Spenden allgemein)

gebucht wurden.

Augenfällig ist die positiv zu Buche schlagende

Abweichung beim Ertragskonto

VivaRiva (8). Die Akquise von finanziellen

Mitteln war hier sehr erfolgreich. Einzelne

Stiftungen haben auch bereits die vollen

Beiträge für die gesamte Startphase von drei

Jahren überwiesen. Insgesamt ist der Ertrag

um ca. Fr. 11‘000.00 höher als budgetiert.

Bei den Aufwendungen sind geringere

Personalkosten unter (10) gegenüber der

Rechnung 2005 verbucht. Dies ist darauf

zurückzuführen, dass die Lohnkosten des

Geschäftsführers für VivaRiva auf dieses

Konto verbucht und dort als Eigenleistung

ausgewiesen wurden.

Im Bereich Marketing (12) wurden erheblich

weniger Mittel investiert, indem insbesondere

auf kostspielige Mailings mit gekauften

Adressen verzichtet wurde.

Die Projektkosten (13) sind fast Fr. 12‘000.00

höher als budgetiert, was auf die unvorhergesehenen

Rechtsfälle Ambauenwehr und

Seerestaurant Uster zurückzuführen ist.

Die sehr viel höheren Aufwendungen bei

VivaRiva (14) ergeben sich durch sehr hohe

Erträge 2005 2006 Budget 2006

1 Mitglieder (Beiträge+Spenden) 34‘936 66‘899 76‘441

2 Abo N+M (Abo+Spenden) 92‘831 65‘904 67‘108

3 Spenden auf Aussendungen 84‘354 63‘803 79‘990

4 Spenden allgemein 70‘500 53‘738 52‘931

5 Beiträge der öffentlichen Hand 30‘000 30‘000 30‘000

6 Finanzerträge 2‘741 2‘416 2‘600

7 Projekte allgemein 6‘707 769 2‘000

8 VivaRiva (ex-Dorfbach) 7‘505 82‘300 46‘000

9 Sonstige Erträge 1‘869 903 700

Aufwendungen 2005 2006 Budget 2006

10 Personal und Verwaltung* 164‘075 139‘669 132‘115

11 Zeitschrift N+M 97‘684 100‘433 100‘574

12 Marketing / Aussendungen 59‘317 27‘319 40‘320

13 Projekte allgemein 36‘582 33‘166 21‘144

14 VivaRiva (ex-Dorfbach) 6‘808 98‘989 62‘500

* inkl. Miete, Abschr., Aufw. Mitgliedsbeitr., andere Aufwendungen

Zusammenfassung 2005 2006 Budget 2006

15 Ertrag 331‘444 366‘732 357‘770

16 Aufwand 364‘466 399‘576 356‘653

17 Ergebnis -33‘023 -32‘844 1‘117

Bilanz

Aktiven 2005 2006

18 Flüssige Mittel 106‘317 128‘641

19 Transitorische Aktiven 4‘322 7‘872

20 Wertschriften 33‘310 33‘310

22 Mobiliar / EDV 1‘274 0

23 Total Aktiven 145’233 169‘823

Passiven 2005 2006

24 Kurzfristige Verpflichtungen 96 0

25 Transitorische Passiven 17‘441 30‘536

46 Fondsvermögen 28‘202 72‘637

27 Freies Vermögen 135‘922 99‘494

28 Total Passiven 181’661 202’667

Verlust 32‘844

Die Rechnung wurde von den Rechnungsrevisoren Hans Minder und Walter Schmid

geprüft und für richtig befunden.

Rückstellungen in den Finanzierungsfonds

VivaRiva. Dies kann positiv gewertet werden,

da diese Rückstellungen nur auf Grund des

sehr guten Resultats der Spendenakquise

möglich waren.

Die Rechnung insgesamt schliesst mit einem

Verlust von Fr. 32844.00 gegenüber einem

budgetierten Verlust von Fr. 1117.00.

Während das freie Vermögen (27) auf

Fr. 99’494.00 abgenommen hat, ist das

Ge samtvermögen infolge hoher Rück stel -

lungen in den Finanzierungsfonds VivaRiva

auf Fr. 169’823.00 gestiegen. Die Wertschrif-

ten sind dabei zum Nominalwert eingesetzt,

der Kurswert ist um ca. Fr. 26‘000.00 höher,

dies, um kein Risiko von nichtrealisierbaren

Kursgewinnen einzugehen.

Ruedi Schneider

Rheinaubund

Rheinstieg 192

Postfach 1157

8201 Schaffhausen

Tel. 052 625 26 58

natur und mensch 2 / 2007

Seite 33


Mitteilungen

Der Rhein: Der grösste

Biotopverbund Europas

Auf Begeisterung bei Gewässerschützern

wird sicherlich die kürzlich erschienene

Schrift „Biotopverbund am Rhein“ der Internationalen

Rheinschutzkommission (IKSR)

stossen! In ihrem Aktionsprogramm „Rhein

2020“ plant die IKSR entlang des Rheins

vom Bodensee bis Rotterdam den grössten

Biotopverbund Europas zu schaffen:

„Der Rhein war und ist die Lebensader für

weite Teile Europas. Er verbindet als einziger

Fluss Europas die Alpen mit der Nordsee.

(...) Unsere heutige Landschaft am Rhein

stellt sich häufig als eine Ansammlung

aus Inseln – bewohnt von selten gewordenen

Lebensgemeinschaften – inmitten

eines nahezu unüberwindbaren Meeres

von Siedlungs- und landwirtschaftlichen

Intensivnutzflächen dar. (…) Nur mit einem

funktionsfähigen Biotopverbund ist für

viele Tier- und Pflanzenbestände ein längerfristiges

Überleben und eine weitere

Entwicklung möglich.“

Wie die Vernetzung ökologisch wertvoller

Relikte entlang des Rheins im Detail erfolgen

kann, hat die IKSR jetzt in der mit

Farbfotos und Abbildungen reichlich ausgestatteten

Broschüre „Biotopverbund am

Rhein“ auf 108 Seiten dargelegt. Für jeden

Rheinabschnitt werden ein Ist-Soll-Vergleich

vorgenommen und die sich daraus ergebenden

Entwicklungspotenziale dargestellt.

Der sich aus der Defizitanalyse ergebende

Massnahmenplan ist äusserst ehrgeizig –

und verdient alle Unterstützung der Umwelt-

NGOs. Und umgekehrt können die Kreis- und

Ortsgruppen von Naturschutzverbänden vor

Ort am jeweiligen Rheinabschnitt auf die Vorschläge

der IKSR pochen und sie nutzen, um

mehr Naturschutz, aber auch mehr Naturerlebnisraum,

am Rhein durchzusetzen. Der

Plan für den Biotopverbund am Rhein sollte

demzufolge zur Pflichtlektüre der Umweltgrup

pen und anderer interessierter Kreise

im Rheineinzugsgebiet gehören. Und für die

anderen europäischen Stromgebiete beinhaltet

der Plan sicherlich viele Anregungen.

Die Broschüre, die in deutsch, französisch

und niederländisch erschienen ist

kann kostenlos bezogen werden von der:

Internationalen Kommission zum Schutz

des Rheins (IKSR), Postfach 20 02 53, D –

56002 Koblenz, Deutschland, Tel.: 0049 261

94252-0, E-Mail: Sekretariat@iksr.de

Quelle: BBU Wasserrundbrief

Geologie ist unter uns

Gehört das Matterhorn zu Afrika? Wie kommen

Haifischzähne in die Berge? Gibt es

in der Schweiz Tsunamis? Diese und weitere

Fragen beantworten Geologinnen

und Geologen am 1. und 2. Juni 2007

im Rahmen von „Erlebnis Geologie“. An

zahlreichen Standorten in der ganzen

Schweiz lassen sich vertiefte Einsichten in

Gesteine, Gebirge und Gebautes gewinnen:

Informative und unterhaltsame Geo-Events

gewähren im Feld, im Museum oder auf der

Baustelle Einblicke ins vielseitige und spannende

Arbeitsgebiet der Geologie, das sich

von der Erdoberfläche bis zum Erdinnern,

von der Gegenwart bis in tiefste Vorzeiten

erstreckt.

Erlebnis Geologie zeigt, dass hinter vielerlei

Alltäglichem die Arbeit von Geologen

steckt: Nur dank Kenntnis des Untergrundes

kann Trinkwasser gewonnen, Erdwärme genutzt,

können Gebäude erstellt oder Warnund

Schutzsysteme gegen Erdrutsche und

Hochwasser entwickelt werden.

Erlebnis Geologie findet 2007 erstmals statt

und soll alle drei Jahre durchgeführt wer-

den. Der Anlass wird vom gleichnamigen

Verein organisiert und bildet den Schweizer

Auftakt zum internationalen UNESCO-Jahr

des Planeten Erde 2008.

Informationen zum Veranstaltungsangebot

gibt es im Internet unter www.erlebnis-geologie.ch

Fischereiexperten: Zukunft des

Aals bedroht – EU soll helfen

Die Zukunft des europäischen Aals ist nach

Expertenansicht gefährdet. Glasaalfische rei,

Flussverbauungen, Kraftwerke, Umweltverschmutzung

und Kormorane hätten die

Fischart bereits stark reduziert, sagte Klaus

Wysujack von der Bundesforschungsanstalt

für Fischerei am Montag in Hamburg. Der

Aal sei der einzige Fisch, der in jedem Alter

gefischt werde, betonte der Fischereibiologe

Manfred Klinkhardt. In Deutschland wurden

2006 rund 3300 Tonnen Aal verzehrt,

pro Kopf etwa 40 Gramm. Die EU will nach

Angaben des Bundeslandwirtschaftsministeriums

mit einem Aktionsplan eine Er-

Immer weniger Glasaale

erreichen die europäischen

Küsten.

Seite 34 natur und mensch 2 / 2007


holung der Bestände ermöglichen. Managementpläne

könnten noch in diesem Jahr

in Kraft treten.

Deutschland will beim EU-Plan die besondere

Lebensweise der Aale berücksichtigen. Es

reiche nicht, nur den Fang der erwachsenen

Tiere in den europäischen Flüssen zu reduzieren,

um eine ausreichende Zahl von Aalen

zu erhalten, die den Zug in das Laichgebiet

in der Sargassosee im Westatlantik antreten

können. Verzehr und Export von Glasaalen

müsse reduziert werden, um genügend

Nachwuchs für die Fischerei zu haben.

Glasaale sind die wenige Zentimeter langen,

jungen Tiere, die nach einer Reise von mehreren

tausend Kilometern durch den Atlantik

vor den europäischen Küsten auftauchen, um

ihre Wanderung in die Flüsse zu beginnen.

Mitte der 90er Jahre waren noch mehr als

900 Tonnen Glasaale in Europa gefangen

worden. 2006 waren es nur noch rund 100

Tonnen, davon wurde knapp die Hälfte als

Besatz für Aquakulturen in Asien verkauft.

Der Preis pro Kilo Glasaal stieg in dieser Zeit

von 80 auf mehr als 1000 Euro.

Quelle: dpa

Es wird heiss in den Alpen

Im kürzlich veröffentlichten zweiten Teil des

Uno-Klimaberichts werden erstmals spezifische

Angaben über die Auswirkungen

des Klimawandels in einzelnen Ländern und

Regionen gemacht.

Nach Meinung des Intergovernmental Panel

on Climate Change IPCC sind die Alpen eine

der Regionen in Europa, die von Hitzewellen

und Dürren am stärksten betroffen werden.

Gemäss den KlimaforscherInnen wird die

heimische Flora in den Alpen durch immergrüne

Pflanzen verdrängt, verschiebt sich

in immer grössere Höhen oder ist gar vom

Aussterben bedroht. Durch die Erwärmung

werden kleine Gletscher ganz verschwinden

und grössere bis ins Jahr 2050 um 30 bis 70%

zurückgehen. Dies führt zu Engpässen in der

Wasserversorgung, da die Gletscher als natürliche

Reservoire fehlen. Ausserdem werden

sich durch das Schmelzwasser grossere

Seen bilden, die ein hohes Ausbruchs- und

Überschwemmungsrisiko bergen. Durch

die Temperaturerhöhung verlängert sich

die schneefreie Zeit. Bei einer Erwärmung

um zwei Grad Celsius und gleich bleibender

Niederschlagsmenge rechnet der

Klimawissenschaftsrat mit 50 zusätzlichen

Tagen ohne Schnee.

Quelle und Infos:

http://www.ipcc.ch (en/fr/es)

CIPRA legt Memorandum zur

Zukunft in den Alpen vor

Die Internationale Alpenschutzkommission

CIPRA formuliert in einem Memorandum

politische Forderungen für die zukünftige

Entwicklung des Alpenraumes. Die

Forderungen sind ein Resultat aus dem

Projekt „Zukunft in den Alpen“.

Die Zukunft gehört denen, die sie mitgestalten.

In den Alpen arbeiten ungezählte

Initiativen mit abertausenden AktivistInnen

als Zukunftsmacher. Doch wissen viele von

ihnen nicht, dass irgendwo Menschen an

exakt den gleichen Problemen arbeiten wie

sie. An dieser Stelle setzt das CIPRA-Projekt

„Zukunft in den Alpen“ an, indem alpenweit

Erfahrungswissen gesammelt, geordnet und

jenen zur Verfügung gestellt wird, die dieses

Wissen benötigen.

Um politische Forderungen und Schlussfolgerungen

aus dem gesammelten Wissen

von „Zukunft in den Alpen“ zusammenzufassen,

haben sich am 8./9. Dezember 2006

CIPRA-VertreterInnen aus sieben Staaten

in Schaan/FL getroffen und das „Schaaner

Wissen verbreiten -

Menschen vernetzen“

lautet das Motto von

„Zukunft in den Alpen“

Memorandum zur Zukunft in den Alpen“

formuliert. Wenn im Rahmen von „Zukunft

in den Alpen“ beispielsweise aufgezeigt

werden konnte, dass gesellschaftliche und

wirtschaftliche Prosperität nicht allein von

der verkehrstechnischen Erreichbarkeit von

Regionen abhängt, so fordert die CIPRA,

dass Modelle wirtschaftlichen Erfolgs ohne

harte Erschliessungsmassnahmen gefördert

werden und dass die Erforschung

der Erfolgsfaktoren solcher Modelle vorangetrieben

wird. An anderer Stelle geht

aus „Zukunft in den Alpen“ hervor, dass bei

TouristInnen angesichts zahlreicher Kategorien

von Schutzgebieten mehr Verwirrung

als Klarheit herrscht. Darum setzt sich die

CIPRA für eine qualitativ hochwertige Schutzgebietsentwicklung,

alpenweit verbindliche

Qualitätskriterien und den Verzicht auf

Etikettenschwindel ein.

Das im Rahmen von „Zukunft in den Alpen“

gesammelte Knowhow gibt eine umfassende

Übersicht über Planungen, politische

Handlungsstrategien und Projekte in den

Alpen. Für das aktuelle CIPRA Info mit dem

Titel „Wissen verbreiten - Menschen vernetzen“

wurden die wichtigsten vorliegenden

Ergebnisse in kompakter Form zusammengefasst

und sind so dem interessierten Publikum

leicht zugänglich. Informationen zu „Zukunft

in den Alpen“ finden sich auf http://www.

cipra.org, wo auch das CIPRA Info gratis bestellt

sowie das Schaaner Memorandum heruntergeladen

werden kann.

natur und mensch 2 / 2007

Seite 35


Buchbesprechungen

Klima – Wandel – Alpen

Cipra Tagungsband 23/2006

Hrsg.: CIPRA

oekom verlag, Gesellschaft für ökologische

Kommunikation mbH, 2006

143 Seiten

ISBN 978-3-86581-069-4

Preis: € 24,90

Die Alpen gelten als Frühwarnsystem für die

Auswirkungen des Klimawandels: Einerseits

stieg die Durchschnittstemperatur in den

Alpen in den letzten 50 Jahren doppelt

so stark wie im globalen Durchschnitt.

Gleichzeitig reagiert der Alpenraum besonders

sensibel auf Klimaveränderungen.

Da das globale Klimasystem sehr träge reagiert,

sind einschneidende Folgen selbst

dann unvermeidlich, wenn internationale

Klimaschutzziele verschärft und global

umgesetzt würden. Der Tagungsband

richtet seinen Fokus daher auf die zunehmende

Gefährdung alpiner Regionen durch

Naturgefahren und die Folgen des Klimawandels

für den Alpentourismus. Einen

Schwerpunkt bildet auch hier die Vorstellung

lokaler und regionaler Good-Practice-Beispie

le, bei denen nachhaltige Strategien

für den Umgang mit zunehmenden Naturgefahren

und Anpassungsstrategien der Touris

muswirtschaft umgesetzt worden sind.

Günther Frauenlob, Waldkirch

Gehen

Der glücklichste Mensch auf Erden

Aurel Schmidt

Huber Frauenfeld, 2007

ISBN: 978-3-7193-1446-0

306 Seiten

Preis: Sfr.: 48,- / € 31,90

„Wenn einer eine Reise macht, dann kann

er was schreiben.“ Dass dieser Satz nicht immer

stimmen muss, zeigt auf anstrengende

Weise das eben erschienene Buch „Gehen

– Der glücklichste Mensch auf Erden“ von

Aurel Schmidt. Es ist ein Versuch, bis ins

Detail den mechanischen, philosophischen

und kulturgeschichtlichen Fragen rund

um das Gehen nachzugehen. Eigentlich eine

lobenswerte Sache: in unserer Sitz-geprägten

Zivilisation erscheint uns diese

Fortbewegungsart längst nicht mehr als die

selbstverständlichste. Und darüber hinaus

sind auch die mit dem Gehen verbundenen

positiven Wirkungen für die körperliche und

seelisch-geistige Gesundheit des Menschen

bei den meisten in Vergessenheit geraten.

Auf diese schönen Erwartungen folgt dann

allerdings die Ernüchterung auf dem Fusse:

277 Seiten hin zieht sich wie ein endloser

Bandwurm eine mit vielen Wiederholungen

gespickte Aneinanderreihung von Notizzettelartigen

historischen Hinweisen, die sich

strukturlos mit seltsam trockenen und faden

Bemerkungen zu einem schwer lesbaren Brei

mischen. Der Autor bewegt sich nur mit kleinen

Trippelschritten in den immer gleichen

kleinen Kreisen und der Leser versucht hinterher

zu kommen und dabei über die nicht

seltenen sprachlichen Ungenauigkeiten und

Widersprüchlichkeiten hinweg zu sehen.

Fazit: Die drei bis vier Stunden, die Sie

bräuchten, um ein überflüssiges Buch mehr

– sitzenderweise! – zu lesen, nutzen Sie stattdessen

gewinnbringend mit einigen persönlichen

Geh-Versuchen!

Uwe Scheibler, Göttingen

AlpenStadt – AlpenLand

CIPRA Tagungsband 2005/22

Hrsg. CIPRA

Oekom verlag, Gesellschaft für ökologische

Kommunikation mbh, 2007

69 Seiten

ISBN: 978-86581-068-7

Preis: € 19,90

Unser Blick auf die Alpen ist durch idyllische

oder gar mystische Vorstellungen geprägt,

und wir nehmen die Alpen meist als Region

mit ländlichem Charakter wahr. Doch ist uns

kaum bewusst, dass heute gut zwei Drittel

der Bevölkerung der Alpen in Städten und

Agglomerationen leben.

Der Tagungsband widmet sich dem Spannungsfeld

AlpenStadt – AlpenLand und den

daraus entstehenden Heraus forderungen für

Politik und Raumplanung, für Bevölkerung

und Tourismus. Die Autorinnen und Autoren

greifen Impulse lokaler und regionaler

Good-Practice-Beispiele auf und entwickeln

Strategien im Sinne einer Nachhaltigen

Entwicklung. So entsteht ein neues Konzept

der Wahrnehmung: Alpenstädte übernehmen

eine Rolle als Motoren der Entwicklung

des Alpenraumes. Die Politik wird aufgefordert,

die nötigen Prioritäten zu setzen, damit

alpine Zentren ihre Verantwortung für

die Alpen aktiv wahrnehmen können.

Günther Frauenlob, Waldkirch

Seite 36

natur und mensch 2 / 2007


Termine / Aktuelles

Zukunft in den Alpen

Die Qualität des Natur- und Kulturraums: Wie

der Tourismus einen Mehrwert für die Bergge

meinden schaffen kann

Wissen verbreiten – Menschen vernetzen: Inter

nationale Workshopreihe 2006-2007 von

„Zukunft in den Alpen“ 31.5.2007 – 1.6.2007

Umweltqualität, Landschaftsschutz und

Erhalt der Biodiversität sind entscheidend

für eine nachhaltige Entwicklung. Sie sind

die wichtigste Grundlage eines Tourismus,

der einen realen Wertzuwachs für den

Alpinen Raum anstrebt. Im Zentrum des

Workshops in Chiavenna steht die Zukunft

des alpinen Tourismus, beeinflusst durch

den Klimawandel und die sich ändernden

Ansprüche der AlpentouristInnen: sie erwarten

nicht nur gut erschlossene Skigebiete,

sondern auch eine intakte Naturlandschaft,

alpine Kultur und lokale Produkte.

Sprache: de, it

Ort: Chiavenna / IT

Veranstalter:

Cipra Italia, Francesco Pastorelli

Via Pastrenge 13, IT 10128 Torino, Italien

Tel.: 0039 (0)11 548 626

Francesco.pastorelli@cipra.org

Mitgliederversammlung

und Jahrestagung des Forums

Landschaft

12. Juni 2007, Bern:

Landschaften vor unserer Haustüre -

Qualitäten für den Alltag?

Gibt es verborgenen Qualitäten unser Alltags

landschaften? Wie lassen sie sich erkennen,

entwickeln, gestalten?

Das Forum Landschaft lädt alle Mitglieder

und Interessierte zur Tagung und Diskussion

ein.

Das Programm liegt Ende April vor.

Organisiert durch: Forum Landschaft

Räumlichkeit: Universität Bern, Kuppelsaal

weitere Infos: office@forumlandschaft.ch,

www.forumlandschaft.ch

Die Zeit des Mammuts

Ein in der Schweiz einmaliges und aussergewöhnliches

Ereignis: Das Naturhistorische

Museum Neuenburg beherbergt die Sonderausstellung

„Au temps des mammouths“

(„Die Zeit des Mammuts“) des Nationalen

Naturhistorischen Museums von Paris. Auf

einer Fläche von 500 m 2 werden die verschiedensten

Aspekte des „Mythos Mammut“

thematisiert: Seine Lebensweise, seine

Beziehung zum Menschen, das Aussterben

der letzten Art, des Wollhaarmammuts, dem

sich die Ausstellung vorwiegend widmet. Der

grosse Pflanzenfresser taucht vor ungefähr

600‘000 Jahren im Osten Sibiriens auf. Das

Tier ist der kalten Umwelt gut angepasst und

profitiert von der schrittweisen Abkühlung

des Planeten, um sich auf dem gesamten eurasischen

Kontinent auszubreiten.

Zwei verschiedene Menschenarten haben

das Wollhaarmammut gekannt: der Neandertaler

(homo neanderthalensis) und der

moderne Mensch (homo sapiens). Der Neandertaler

hat vor 200‘000 bis 30‘000 Jahren

seine Welt mit dem Mammut geteilt, der

moderne Mensch ist vor ungefähr 40‘000

Jahren in Europa aufgetaucht. Ihm haben

wir Felsmalereien sowie die Kreation von

Schmuck und Gebrauchsgegenständen aus

Knochen und Elfenbein des Mammuts zu

verdanken.

Zu den spektakulärsten Objekten der Ausstellung

gehören ein in Lebensgrösse rekonstruiertes,

ausgewachsenes Mammut,

eine prähistorische, aus Mammutschädeln

und Stosszähnen gebaute Hütte mit einem

Durch messer von 5 m, der Abguss eines

volls tändig erhaltenen Mammutbabys, die

Nach bildung des Mammutskeletts von Vollos

sovitch und … sogar gefrorenes Kno chenmark.

Das Team des Naturhistorischen Museums

Neuchâtel hat die Ausstellung um einen

au temps des mammouths

18. Februar 2007 – 16. September 2007

Geöffnet Dienstag – Sonntag, 10–18 Uhr

Muséum d’histoire naturelle

Rue des Terreaux 14

CH-2000 Neuchâtel

Saal über die Entdeckung der Mammuts in

der Schweiz erweitert. Neulich gemachte

Entdeckungen in der Gemeinde Courtedoux

(Kanton Jura) werden zum ersten Mal ausgestellt.

Alpenforschung – wie weiter?

Bilanz und Perspektiven des NFP 48 aus der

Sicht der Geistes- und Sozialwissenschaften

Datum: 30.05.2007

Ort: Fachhochschule für Soziale Arbeit

Luzern (HSA) «Lakefront-Center», Luzern

“Landschaften und Lebensräume der Alpen“,

unter diesem Titel lancierte der Schweizerische

Nationalfonds (SNF) im Jahr 2000

ein Nationales Forschungsprogramm (NFP

48), das zum Ziel hatte, ein verstärktes

Be wusstsein über die Kollektivgüter Landschaften

und Lebensräume in ihrer umfassenden

gesellschaftlichen Bedeutung

zu schaffen und eine Übersicht über die

Gestaltungsmöglichkeiten unter den aktuellen

und künftigen Rahmenbedingungen

zu erarbeiten. Diesem Gesamtziel implizit

ist der Anspruch, die Thematik ausgesprochen

interdisziplinär sowie geistes- und sozialwissenschaftlich

anzugehen. Im Rahmen

der Tagung von Luzern wird den folgenden

Fragen nachgegangen:

Welches sind die Resultate? Welche Forschungslücken

konnten geschlossen werden?

Wurde die Forschung auch tatsächlich

interdisziplinär betrieben, so wie es der

Anspruch gewesen war? Diesen Fragen ist

der erste Teil der Tagung gewidmet.

Im zweiten Teil wird ein Blick in die Zukunft

der Alpenforschung aus einer interdisziplinären

und internationalen Perspektive

ver sucht. So legen international renommierte

Alpenforscher aus verschiedenen

Disziplinen (Geschichtswissenschaften, Ökonomie,

Geografie, Raumplanung) dar, welche

Forschungsfragen und -themen sie als

nächstes bearbeitet sehen möchten. Das

Publikum ist eingeladen, sich an der anschliessenden

Diskussion aktiv zu beteiligen.

PDF-Download: alpenforschung_def.pdf

natur und mensch 2 / 2007

Seite 37


Rubrik

natur

und

mensch

49. Jahrgang • Heftnummer 2 / 2007

Jährlich 6 Nummern • Erscheinungsdatum 30.4.2007

Herausgeber: Rheinaubund, Schweizerische

Arbeitsgemeinschaft für Natur und Heimat

Autoren dieser Ausgabe:

Heidi Haag

Maya Kohte

Johannes Stoffler

Jürg Bloesch

Ueli Rippmann

Lukas Boller

Kathrin Jaag

Günther Frauenlob

Ruedi Schneider

Auch 2007 steht der Schutz der Gewässerund

Gewässerlandschaften im Mittelpunkt

der Aktivitäten des Rheinaubundes, eine sehr

wichtige Aufgabe, wie die Beiträge zum Jahresbericht

2006/2007 in diesem Heft zeigen.

Foto: photocase.de

www.rheinaubund.ch

Seite 38 natur und mensch 2 / 2007

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine