natur und mensch - Rheinaubund

rheinaubund.ch

natur und mensch - Rheinaubund

natur

und

mensch

50. Jahrgang • Heftnummer 2 / 2008

La nature et l’homme

La natura e l’uomo

La natira e l’uman

10 Jahre Renaturierungsfonds

Flussrevitalisierungen und Fische

Jahresbericht Rheinaubund

Rheinaubund


natur

und

mensch

50. Jahrgang • Heftnummer 2 / 2008

Schweizerische Blätter

für Natur- und Heimatschutz

Impressum

Herausgeber:

Rheinaubund, Schweizerische

Arbeitsgemeinschaft für Natur und Heimat

Redaktion:

Günther Frauenlob (gf) Dipl. Geogr.

Geschäftsstelle des Rheinaubundes

und Redaktion:

Weinsteig 192, Postfach 1157

CH-8200 Schaffhausen

Telefon: 052 625 26 58

Telefon Redaktionsbüro:

052 625 26 67

Fax: 052 625 26 51

E-mail: redaktion@rheinaubund.ch

www.rheinaubund.ch

Postcheck 82-3003-8 Schaffhausen

Postbank Karlsruhe BLZ 660 100 75

Konto 300 550 758

Satz:

Diener + Bachmann GmbH

Martin Diener, Nordstr. 108, 8037 Zürich

Layout:

Günther Frauenlob, Christoph Frauenlob

Druck und Spedition:

Ropress Genossenschaft

Baslerstr. 106, 8048 Zürich

Abonnementspreise 2007:

Inland Fr. 45.–, Ausland € 31.–,

Einzelheft Fr. 8.–

ISSN 0466-5899

Erscheinungsweise 6 x jährlich

Nachdruck von Beiträgen aus

„Natur und Mensch“ werden gestattet unter

Quellenangabe und Zusand von 2 Belegen.

Die veröffentlichten Beiträge geben die

Meinung der Autorinnen und Autoren wieder

und müssen nicht immer der Auffassung des

Rheinaubundes entsprechen.

Titelbild:

Foto: photocase.de

Inhalt

Gewässer

2 Der Renaturierungsfonds des Kantons Bern –

Eine zehnjährige Erfolgsgeschichte

Barbara Ringgenberg

5 Was Fische wollen oder Flussrevitalisierungen

als Herausforderung

Christine Weber, Armin Peter

Rheinaubund

10 Neukonzession des Kraftwerks Kembs am Oberrhein –

gütliche Einigung oder Gerichtsfall?

Jürg Bloesch

15 Die Schaffhauser Fliessgewässer fördern

Lukas Boller

17 Das Kraftwerk Kradolf Schönenberg

Ueli Rippmann

18 Das Bündner Oberland austrocknen?

Uwe Scheibler

20 VivaRiva-Wasser macht Schule

Kathrin Jaag

22 Im Gedenken an Forstingenieur Dr. Alfred Huber

Ruedi Schneider

Jahresbericht 2007

24 Tätigkeitsbericht Rheinaubund 2007

Uwe Scheibler

34 Rechnung und Bilanz 2007

Uwe Scheibler

Buchbesprechungen

36 Die Vögel der Schweiz Karin Schlude

Letzte Seite

37 Termine / Aktuelles

Assoziierte Organisationen:

Arbeitsgemeinschaft zum Schutz der Aare

AQUA VIVA

IG Bielersee

ARGE Pro Thur

PROTÖSS

Bodensee-Stiftung

Verband zum Schutze des Greifensees

Schweizerische Greina-Stiftung

Landschaftsschutzverband Vierwaldstättersee

natur und mensch 2 / 2008


Editorial

Der Rheinaubund im steten Kampf und Wandel!

Liebe Leserinnen und Leser,

Während sich die Politiker noch mit der Verhinderungsinitiative der FDP herumschlagen,

freuen wir uns schon jetzt auf einen profilierten Abstimmungskampf zur Verteidigung des

Verbandsbeschwerderechts. Dieses wurde nach der am 1. Juli 2007 in Kraft gesetzten

Gesetzesänderung schon genug beschnitten. In der kürzlich durchgeführten Vernehm lassung

zu den Verordnungen über die beschwerdeberechtigten Verbände (VBO) und die Um

weltverträglichkeitsprüfung (UVPV) haben wir uns vehement gegen eine weitere Verschärfung

des Gesetzes durch den Bund gewehrt. Die Unterminierung der Rechtsstaatlichkeit

durch eine bürgerliche Partei kann ebenso wenig hingenommen werden wie die Einführung

von verfassungswidrigen Verordnungen

durch die Behörden. Die Natur braucht

ihre Anwälte, und es stehen noch viele

schwerwiegende Umweltthemen auf der

Agenda: Die Landschaftsinitiative gegen

den wilden und ungebremsten Bauboom

im ganzen Land, die Etablierung von

Pärken mit einem Management, das der

Idee verpflichtet ist, die Eindämmung der

neuerdings subventionierten Kleinkraft werke,

das Forcieren von Gewässerrevitalisierungen

bei Hochwasserschutzprojekten

und die Mitwirkung bei ökologischen

Baubegleitungen, um nur das Wichtigste

zu nennen.

Dieses Heft präsentiert Ihnen wie alle Jahre

neben zwei Gastartikeln zum Thema Renaturierung

den Jahresbericht des Rheinaubundes.

Die vielfältige und interessante

Facharbeit kann nur bewältigt werden,

wenn alle am gleichen Strang ziehen. Die

mehr als 4000 ausgewiesenen freiwillig geleisteten

Arbeitsstunden legen Zeugnis davon

ab. Allen Mitarbeitern und Vorstandsmitgliedern

sei ganz herzlich dafür gedankt.

Es wäre sehr schön, wenn sich vermehrt

junge Fachleute und engagierte Naturfreun

de im Rheinaubund für unsere Landschaft

und unsere Gewässer einsetzen würden.

Meldet Euch beim Geschäftsführer!

Unterschreiben Sie mit Gleichgesinnten den beiliegenden

Unterschriftenbogen: Die Schweizer Landschaft braucht auch Ihre Stimme!

Foto: photocase.de

Der Rheinaubund macht Schule. Nicht nur bei VivaRiva, sondern auch am Rheinfall. Wir haben

mit den Behörden der Kantone Schaffhausen und Zürich Kontakt aufgenommen, um

die geplanten touristischen Attraktionen mit ökologischem Inhalt zu versehen und auch

etwas für die Eigenwerbung zu tun.

Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, danke ich ganz herzlich für Ihre langjährige

Treue und die moralische und finanzielle Unterstützung. Farbe bekennen und an

die Urnen, wenn es um Natur und Umweltschutz geht!

Mit den besten Wünschen,

Ihr Jürg Bloesch

natur und mensch 2 / 2008

Seite 1


Gewässer

Der Renaturierungsfonds des Kantons Bern

– Eine zehnjährige Erfolgsgeschichte

Wer mit der Nutzung der natürlichen Ressource Wasserkraft Geld verdient, soll

einen Teil dieser Einnahmen auch wieder für Naturwerte einsetzen. Diese bestechend

einfache Idee wird im Kanton Bern mit dem Renaturierungsfonds seit zehn

Jahren erfolgreich umgesetzt. Mit den vorhandenen Geldern wird im Bereich

Revitalisierung vieles möglich.

von Barbara Ringgenberg

Der Renaturierungsfonds des Kantons Bern

RenF und der Rheinaubund haben ein gemeinsames

Ziel: Beide Organisationen setzen

sich für die Wiederherstellung und Erhaltung

natürlicher Gewässer ein. Urte nenbach,

Aare, Krebsbach, Kander, Birs und viele

andere Berner Gewässer wurden in den letzten

zehn Jahren zumindest abschnittsweise

dank den Beiträgen des RenF und anderer

Kostenträger revitalisiert und somit als natürliche

Lebensräume aufgewertet.

Einfache Idee, grosse Wirkung

Die Idee, welche dem Renaturierungsfonds

zugrunde liegt, ist einfach. Die Kraftwerksbetreiber

verdienen ihr Geld mit der Nutzung

einer natürlichen Ressource, der Wasserkraft.

Daher soll ein Teil der Einnahmen

wieder dieser natürlichen Ressource zugute

kommen und für die Revitalisierung von beeinträchtigten

Gewässern eingesetzt werden.

Zehn Prozent der jährlichen Wassernutzungszinsen,

welche der Kanton von den

Kraftwerksbetreibern erhält, fliessen in den

Fonds. Daraus wird die Erhaltung und Wiederherstellung

natürlicher Gewässer finanziert.

Manchmal ist es der desolate Zustand

der vorhandenen Verbauungen und die Aussicht

auf teure Unterhaltsarbeiten, manchmal

schlicht der Wunsch nach naturnahen

Erholungsräumen, welche den Aus löser für

eine Revitalisierung geben. Auch bei den

folgenden Projektbeispielen war die Ausgangslage

jeweils unterschiedlich.

Mehr Raum für die Kander

Im Falle der Kander im Berner Oberland im

Bereich Augand waren der Auenschutz einerseits

und der desolate Zustand der vorhandenen

Flussverbauungen andererseits

wichtige Auslöser. Mit diesen Bauwerken

konnte der Hochwasserschutz nicht mehr

gewährleistet werden und die Aue verlor zusehends

ihren Charakter. So kam es 2006 auf

Initiative des Fischereiinspektorates und mit

der Unterstützung des RenF zu der grössten

bisher im Kanton Bern realisierten Flussaufweitung.

Das Augand befindet sich oberhalb

der Kanderschlucht auf dem Gebiet der

Gemeinden Spiez und Reutigen. Seit dem

Kanderdurchstich von 1714 bestand hier

das Problem einer stetigen, rückwärtsschreitenden

Sohlenerosion. Da der verbaute

Fluss relativ wenig Platz hatte, frass er sich

immer mehr in den Untergrund ein. Heute

liegt die Sohle 40 Meter tiefer als vor dem

Durchstich. Die Zeit war reif für neue

Lösungsansätze. Gemäss den Grundsätzen

des modernen Hochwasserschutzes, in dem

nicht nur auf harte Verbauungen gesetzt

wird, sollte dem Fluss mit einer Fluss aufweitung

wieder mehr Raum zugestanden

werden. Die verbliebenen Mauer- und Betonbuhnen

wurden abgebrochen und der Wald

im Uferbereich auf einer Länge von 1300

Meter gerodet. Beim Zusammenfluss von

Kander und Simme wurde die Sohle um

bis zu 2 Meter angehoben, und zum Schutz

der oberliegenden Bauwerke wurde eine

sogenannte aufgelöste Blockrampe erstellt.

So konnte ohne aufwändige Sanierungen

Bild links: Heute hat die

Kander im Bereich Augnad

genügend Raum zur Ges -

taltung einer abwechslungsreichen

Fluss landschaft.

(Foto: Lukas Hunzinger)

Bild rechts: Die neue Flussund

Ufer land schaft an der

Aare in der Hunzigenau mit

Seitenarm und Insel.

(Foto: Monica Schulthess

Zettel)

Seite 2 natur und mensch 2 / 2008


der Hochwasserschutz wieder gewährleistet

und die Sohlenerosion gestoppt werden. Zudem

erfuhr die Auenlandschaft im Uferbereich

eine Aufwertung. Dank der Aufweitung

kam die natürliche Dynamik des Flusses wieder

in Gang. Das Wasser kann sich nun eigene

Wege suchen, Kiesinseln bilden und diese

bei Hochwasser wieder wegschwemmen.

Auentypische Tiere und Pflanzen erhalten

so ihren natürlichen Lebensraum zurück.

Neue Flusslandschaft an der Aare

Auch im Aaretal zwischen Thun und Bern

waren die stetige Abtiefung der Aare durch

Erosion und zunehmende Hochwasserereignisse

Auslöser für ein weiteres vom RenF

unterstütztes, wegweisendes Projekt. In der

Hunzigenau auf dem Gebiet der Gemeinde

Rubigen ist im Jahre 2006 eine komplett

neue Uferlandschaft entstanden. Auslöser

für die umfassende Umgestaltung war der

dringend notwendige Schutz der Autobahn

A6 vor Überflutungen. Im Rahmen von

Sofortmassnahmen wurde ein Hochwasserschutzdamm

errichtet, der zugleich den

Autobahnlärm im Naherholungsgebiet an

der Aare dämpft. Um Synergien zu nutzen,

Bild links: Vor der Revitalisierung

durchschnitt der

Limpach als monotones

Gerinne die Landschaft.

(Foto: W. Jordi)

Bild rechts: Nach der Revitalisierung

ist der Limpach zu

einem lebendigen Gewässer

geworden.

(Foto: Renaturierungsfonds)

wurde im gleichen Zug auch die in der

Planung schon weit fortgeschrittene Aareverbreiterung

umgesetzt. Die Aare ist 30 bis

50 Meter breiter geworden. Neue Seitenarme

und zwei Inselchen prägen die Landschaft.

Ein attraktiver Spazierweg führt über die

nördliche Insel und schlängelt sich dem

neuen Seitenarm entlang. So viele Menschen

wie nie zuvor nutzen die einladend flachen

Ufer und die Spazierwege für Erholung und

Sport. Ein Gewinn ist die Aareverbreiterung

natur und mensch 2 / 2008

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Gewässer

auch für die Natur: Die Aare gestaltet die

neuen Flächen aufgrund ihrer natürlichen

Dynamik selbst. So können auch hier wieder

wertvolle Lebensräume für auentypische

Pflanzen- und Tierarten entstehen.

Revitalisierung

dank Landumlegung

Manchmal bietet auch eine Landumlegung

die Chance zu einer Revitalisierung. Dies war

im Aaretal in der Nähe von Thun der Fall.

Hier konnte im Rahmen einer Landumlegung,

an der Landeigentümer aus fünf Gemeinden

beteiligt waren, Kulturland für die

Ausdolung und Revitalisierung des Limpaches

ausgeschieden werden. Auslöser war

die Erneu erung des alten Entwässerungssys

tems. Mit dem Hinweis auf Beiträge aus

dem RenF konnte die zuständige Flurgenossen

schaft für die gleichzeitige Revitalisierung

des Lim paches gewonnen werden. Auf einer

Länge von drei Kilometern wurden die

Betonhalb schalen entfernt, in denen das

Gewässer gefasst war. Und auf einer Länge

von einem Kilometer war gar die Ausdolung

möglich. Die Bachsohle wurde mit Kiessand

neu gestaltet. Die Bachböschungen wurden

abgeflacht, mit einer Blumengrasmischung

angesät und teilweise mit einheimischen

Sträu chern und Hochstammobstbäumen

be pflanzt. Anstelle eines kanalisierten, teilweise

unsichtbaren Rinnsales schlängelt

sich nun wieder ein lebendiges Gewässer

durch das Tal.

Gewässer als Gestalter

Der RenF hat bei vielen Projekten nicht die

Wiederherstellung eines ursprünglichen

Naturzustandes als Ziel, sondern die Erstellung

eines naturnahen Gewässer in einer

Kulturlandschaft. Dabei soll nicht die Gestaltung

eines Idealzustandes vorweggenommen

werden, sondern der Gewässerlauf

Die Autobahn A6 bei

Rubigen im August 2005

Foto: Tiefbauamt

des Kantons Bern

soll längerfristig genügend eigene Gestaltungs

möglichkeiten erhalten. Entscheidend

für eine erfolgreiche Umsetzung ist jeweils

auch der Einbezug aller Beteiligten und somit

die Erreichung einer breiten Akzeptanz.

Nur wenn die betroffenen Grundeigentümer,

Gemeindevertreter und Naturschutzorganisationen

das Vorhaben akzeptieren, ist die

Umsetzung schlussendlich erfolgreich. Zudem

unterstützt der RenF nur Revita lisierungen,

für welche bereits eine akzeptierte

Projektidee vorliegt und dies immer in Zusam

menarbeit mit anderen Kostenträgern

wie der öffentlichen Hand oder privaten

Organisationen.

Breite Unterstützung

Bei der Berner Bevölkerung ist der RenF breit

abgestützt. Das Finanzierungsmodell wurde

1997 vom Bernisch Kantonalen Fischerei-

Verband und von Pro Natura Bern als Volksvorschlag

lanciert. Bereits bei der Unterschriftensammlung

kamen statt der erforderlichen

10 000 erfreulicherweise 22 447

Unterschriften zusammen. Daraufhin wurde

der Volksvorschlag vom Berner Stimmvolk

klar angenommen. Die gesetzliche Grundlage

dazu bildet das Wasser nutzungsgesetz

(WNG), welches 1998 in Kraft trat. Weil der

Grosse Rat den Kraft werksbetreibern Rabatte

bei der Ausrichtung der Wasserzinse

gewähren wollte, kam es 2002 noch einmal

zu einer Volksabstim mung. Dem Kanton wären

dadurch Ein nahme aus fälle von 3,5 bis

10 Millionen Franken entstanden. Auch hier

unterstützte der Souverän die Anliegen des

Fonds klar und lehnte die Sparübung auf

dessen Kosten ab.

„Läbigs Bärner Wasser“ –

Modell für die ganze Schweiz?

Die gute Idee, die sich nun seit zehn Jahren

bewährt, findet Nachahmung. Auf Bundesebene

wurde durch den schweizerischen Fischereiverband

die neue Volksinitiative „Lebendiges

Wasser“ lanciert. Sie fordert die

Schaffung eines Renaturierungsfonds nach

Berner Vorbild in jedem Kanton. Zudem ist

die Einhaltung der Restwasservorschriften

eine weitere Forderung im Initiativtext. Die

Initiative wurde mit über 160 000 Unterschriften

eingereicht und wartet momentan

auf die Beratung durch das Parlament. Diese

Bestrebungen, das Berner Modell auf die

ganze Schweiz auszudehnen, sind der beste

Beweis für den Erfolg des RenF.

Erfolg dank vielen Beteiligten

Nach zehn Jahren intensiver Tätigkeit hat

der RenF allen Grund zum Feiern. Im

Jubiläumsjahr sind verschiedene Aktivitäten

geplant. Beispielsweise wird im Juni der revitalisierte

Gummenbach in der Nähe von

Aarberg im Beisein von Regierungsrat Andreas

Rickenbacher als eines von vielen gelungenen

RenF-Projekten den Medien vorgestellt.

Im Herbst ist zudem eine Preis verleihung

der besonderen Art geplant: die

Vergabe des Grünen Baggerführers. Diese

Auszeichnung erhalten Bauarbeiter, welche

bei der Schaffung von neuen Gerinnen

durch besonderes Gestaltungsgeschick und

Engagement auffallen. Nur mit interessierten

Baggerführern, innovativen Bauunternehmungen,

aber auch kooperativen Grundeigentümern,

flexiblen Bewirtschaftern und

aufgeschlossenen Gemeinden ist eine erfolgreiche

Projektumsetzung für den RenF

möglich. Es braucht viele Beteiligte, die ihren

Anteil dazu beitragen, damit aus verbauten

Gewässern wieder naturnahe Lebensräume

werden.

Barbara Ringgenberg

naturaqua PBK

Elisabethenstrasse 51

3014 Bern

Tel. 031 331 38 41

b.ringgenberg@naturaqua.ch

Seite 4 natur und mensch 2 / 2008


Was Fische wollen –

oder Flussrevitalisierungen als Herausforderung

Weltweit werden Fliessgewässer mit grossem Aufwand revitalisiert. Dazu gibt es

einige erfolgreiche Beispiele. Doch leider stellt sich der angestrebte ökologische

Erfolg nicht immer ein, ein abgeschlossenes Projekt ist also nicht automatisch auch

ein erfolgreiches. Für einen effizienten Einsatz der begrenzten finanziellen Mittel

ist deshalb ein besseres Verständnis der ablaufenden ökologischen Prozesse sowie

der anhaltenden Defizite nötig. Unsere fischökologischen Untersuchungen an

Rhone und Thur zeigen die Bedeutung von grossräumigen, langfristigen Revitalisierungsmassnahmen

sowie die Notwendigkeit eines Vergleichs mit naturnahen

Referenzbedingungen.

von Christine Weber und Armin Peter

Revitalisierung und Rena turierung

verfolgen unterschiedliche

Ziele. In beiden

Fällen soll der Endzustand

aber über verbesserte Ökosystem-Strukturen

(z.B.

Artendiversität) und -Funktionen

(z.B. Vernetzung)

verfügen (nach [8] ).

Kanalisierung, Hochwasserschutz, Abwas ser -

ableitung, Wasserkraftnutzung: Die Mehr heit

der Flüsse weltweit ist stark durch den

Menschen genutzt. Rund 24 Pro zent der

Schweizer Fliessgewässer zeigen grosse De -

fizite in ihrer Struktur, daneben unterbrechen

mindestens 80‘000 künstliche Über fälle

(> 0.5 m) das natürliche Fliess kontinuum

[1] . Der menschliche Einfluss wirkt sich

vielerorts negativ auf die aquatischen Lebensgemeinschaften

aus. So sind weltweit zahlreiche

Flussfischarten in ihrem Überleben

gefährdet, von den ursprünglich 55 einheimischen

Fischarten der Schweiz sind acht bereits

ausgestorben und nur 12 Arten gelten

als ungefährdet (VBGF). Aber auch für den

Menschen wichtige Ökosystemleistungen

sind betroffen, so etwa die Versorgung mit

Trinkwasser oder der Hochwasser rück halt.

Mit Revitalisierungsprojekten wird seit einigen

Jahren versucht, Flüsse und Bäche wieder

in einen naturnäheren Zustand zurückzuführen.

Eine Renaturierung, also eine

Wiederherstellung des natürlichen Ursprungs

zustands, ist heute kaum mehr möglich:

Grossräumige Einflüsse des Menschen

lassen sich nicht mehr rückgängig machen,

so etwa die Trockenlegung einst ausgedehnter

Feuchtgebiete oder der Bau von

Siedlungen in früheren Schwemm flächen.

Häufig steht bei Revitalisierungen die Wieder

herstellung einer naturnahen Gewäs serstruktur

im Vordergrund, von der man sich

eine positive Wirkung auf die aquatischen

Lebewesen erhofft. In zahlreichen Projekten

ist diese biologische Reaktion aber ausgeblieben

[2] . Hier stellt sich Wissenschaft und

Praxis die spannende Aufgabe, die ver antwortlichen

Prozesse zu identifizieren und

damit zu einer verbesserten Revita lisierungspraxis

beizutragen.

Das Rhone-Thur Projekt

Im Rahmen des Rhone-Thur-Projekts * ) von

Eawag, WSL, VAW, BAFU und EPFL wurden

aktuelle und künftige Flussbauprojekte mit

Fokus auf Hochwasserschutz und Revita lisierung

durch problemorientierte wissenschaftliche

Beiträge unterstützt. Als Un tersuchungsgewässer

diente einerseits die

Rhone im Wallis, die vor grossräumigen Auf -

wertungen im Rahmen der dritten Korrektion

steht. Zum anderen fanden Aufnahmen

an der unteren Thur statt, wo seit

Beginn der 1990er Jahre mehrere Revi talisierungsprojekte

realisiert wurden, darunter

auch drei Aufweitungen bei Pfyn, Niederneunforn

und Gütighausen.

Der Schwerpunkt der hier präsentierten

Untersuchungen [3, 4] lag bei der Fischfauna.

Fische sind geeignete Organismen, um die

Lebensbedingungen in Fliessgewässern zu

Hinweis

* Das Rhone-Thur-Projekt wurde 2005 abgeschlossen.

Die Revitalisierungsthematik wird

im Nachfolgeprojekt „Integrales Flussgebietsmanagement“

mit denselben Partnern

weiterverfolgt. www.rivermanagement.ch

natur und mensch 2 / 2008

Seite 5


Gewässer

studieren, da sie relativ langlebig und mobil

sind, zudem sind ihre ökologischen Ansprüche

meist gut dokumentiert. Uns interessierte,

wie die Fischfauna auf anthropogene

Beeinträchtigungen des Fliessgewässers

rea giert (Rhone) bzw. wie sie nach einer

Revitalisierung den aufgewerteten Lebensraum

nutzt (Thur).

Die Thur bei Niederneunforn

im Laufe der Zeit. Der

Flusslauf wurde von

topographischen Karten digitalisiert

bzw. mittels GPS im

Feld erhoben (2005).

Um die Fischfauna zu beschreiben, führten

wir elektrische Befischungen durch. Da in

grossen Gewässern wie der Rhone und der

Thur keine Befischung über die gesamte

Flussbreite möglich ist, wurden Streifen befischt,

die in sich bezüglich Fliess ge schwindigkeit,

Tiefe und Struk turierung einheitlich

sind. Die Zu sam mensetzung der beobachteten

Fisch gemeinschaft lässt sich mit verschiedenen

Grössen charakterisieren: Wieviele

Fische kommen vor (Fischdichte) und

welchen Arten gehören sie an? Handelt es

sich um standortgerechte Fischarten? Welches

sind ihre Ansprüche bezüglich Wassertemperatur,

Strukturierung des Ge wässers,

Fliessgeschwindigkeit? Wie ist die Alters

verteilung der gefangenen Fische?

In Ergänzung zu den Befischungen dokumentierten

wir den Fliessgewässerlebensraum,

d.h. fisch-relevante Parameter wie Unterstandsangebot,

Substrat zusammen setzung

und Fliessmuster wurden bestimmt.

Zusätzlich rekonstruierten wir den naturnahen

Gewässerzustand anhand alter

Quellen. Von topographischen Karten wurde

der historische Flusslauf vor der Kanalisierung

digitalisiert und anschliessend

mit dem aktuellen Flusslauf verglichen. Beschreibende

Angaben zur historischen Fischfauna

fanden sich in alten Verbrei tungsbüchern.

Die Rhone vor der dritten

Korrektion

Historische Quellen beschreiben die Rhone

als wilden, weit verzweigten Fluss, der die

Rhoneebene vollständig seiner Dyna mik

unterwarf. Seither haben grossräumi ge morphologische

Eingriffe wie die zwei Korrektionen

(1863–1876 und 1932–1960) zu einer

Verarmung des aquatischen Lebens raums

geführt: Heute dominieren hohe Fliess geschwindigkeiten,

strömungsberuhigte Abschnitte

fehlen weitgehend. Auch die Wassertiefe

variiert kaum, seichte und tiefe

Stellen sind untervertreten. Diese gleichförmigen

Fliessverhältnisse führen zu einer

stark reduzierten Temperaturvielfalt, insbesondere

im Gerinnequerschnitt.

Sowohl die longitudinale als auch die laterale

Vernetzung sind beeinträchtigt: Zahlreiche

Wehre im Hauptfluss und in den

Zuflüssen unterbrechen das Längskontinuum.

Der Zugang in die Zuflüsse ist aufgrund

der Eintiefung des Hauptgerinnes häufig erschwert

oder gar verunmöglicht. Auch fehlt

für die Rhone unterhalb von Sierre eine

Anbindung an grössere Feucht- oder Auengebiete.

Das Abflussregime wird stark von

der Elektrizitätsnutzung bestimmt und

verläuft weitgehend gegenläufig zur natürlichen

Dynamik. Beispielsweise haben in

Schwallstrecken die Winterabflüsse stark zugenommen.

Die Rhone bietet kaum Fischunterstände,

weder entlang der Ufer, noch in der Flussmitte.

Ausnahmen bilden der Oberlauf im

Goms sowie der ca. 6 km lange unverbaute

Abschnitt im Pfynwald. Letzterer weist als

Restwasserstrecke allerdings ein schwerwiegendes

Abflussdefizit auf, was sich negativ

auf die Fischlebensräume auswirkt.

Wie sieht die Fischfauna unter diesen Beeinträchtigungen

aus? Wir kombinierten zwei

Ansätze von elektrischen Befischungen: In

einem Systemüberblick im Frühjahr 2003

wurden 36 Strecken von der Quelle bis zum

Genfersee untersucht [3] . Daneben wurden

sieben Strecken zwischen 2001 und 2004

mehrfach befischt, um zeitliche Schwan kungen

im Fischbestand zu erfassen.

Mit sieben nachgewiesenen Arten beobachteten

wir eine äusserst geringe Artenvielfalt.

Mit Ausnahme von Bachforelle und

Groppe handelt es sich um Einzelfänge (Elritze,

Egli, Gründling, Goldfisch und Regenbogenforelle).

Dies steht in deutlichem Gegensatz

zu historischen Aufnahmen, in

denen für den Rhone-Hauptfluss 18 Fischarten

dokumentiert sind [5] .

Die Fischdichte ist äusserst gering, jedoch

signifikant positiv korreliert mit dem Unterstandsangebot:

Je höher der Anteil an

Blöcken und tiefen, strömungsberuhigten

Stellen, desto grösser die Bachforellenfänge

pro befischter Fläche. Der Populationsaufbau

der Bachforelle weicht deutlich von einer

natürlichen Verteilung ab. In zahlrei chen

Strecken, insbesondere in den stark Schwall-

Sunk beeinflussten Abschnitten im Un terlauf,

fehlen grössere Fische. Auch die jüngsten

Jahrgänge sind generell untervertreten,

die natürliche Fortpflanzung der Bachforelle

funktioniert nur noch in den we nigen unverbauten

Flussabschnitten. Viele der untersuchten

Bachforellen weisen De formationen

an Flossen oder Kiemen deckel auf. Dies sind

Anomalien, wie sie für Zuchtfische typisch

sind.

Wo können Revitalisierungsmassnahmen ansetzen?

In einem ursprünglich verzweigten

System wie der Rhone besitzen grosse Aufweitungen

ein beträchtliches Potenzial. Zum

Seite 6 natur und mensch 2 / 2008


Resultate einer GPS-Kartierung

der Fischlebensräume

an der Thur. Oben: Habitatsvielfalt

im kanalisierten

Abschnitt bei Frauenfeld

(links) und in der Aufweitung

Schäffäuli bei Niederneunforn

(rechts). Unterschiedliche

Habitatstypen sind

unterschiedlich schattiert.

Unten: Vorkommen verschiedener

Wassertiefen resp.

Fliessgeschwindigkeiten

über die gesamte kartierte

Fläche.

einen stoppen sie die Eintiefung des Gerinnes,

zum anderen können vielfältige aquatische

und terrestrische Lebensräume entstehen.

Zusätzlich braucht es für die Wiederbesiedlung

aufgewerteter Abschnitte eine gute

Vernetzung zu arten- und individuenreichen

Lebensgemeinschaften. Bei Fisch pässen ist

ein spezielles Augenmerk auf eine funktionierende

Abwanderung zu richten.

Eine zentrale Frage ist, wie sich Lebensraumverbesserungen

in Schwall-Sunk-Strecken

auswirken. Für die Obere Drau, Österreich,

wurde gezeigt, dass sich Schwall-Sunk

in der neu gebauten Aufweitung nachteilig

auswirkt, besonders auf die 0+- Äschen

(Sömmerlinge) [6] . An der Rhone sind in einem

ersten Schritt innerhalb der Schwall-

Sunk-Strecken die Effekte auf Fische und

andere Lebewesen abzuklären. In einem

zweiten Schritt sind neue Aufweitungen

möglichst rasch auf ihren ökologischen Erfolg

zu überprüfen. Zusätzlich sind schwalldämpfende

Massnahmen im Unterlauf der

Rhone unerlässlich.

Ende des 19. Jahrhunderts wird die Thur

zwecks Hochwasserschutz und Land gewinnung

grossräumig kanalisiert. Bei Niederneunforn

nimmt die Uferlänge von 4.5 km

pro Fliesskilometer auf knapp 2 km/km ab.

Damit reduziert sich der für den Fluss wichtige

Austausch mit dem umgebenden Land

gewaltig. Überschwemmte Flächen fehlen,

und der Eintrag von Totholz geht zurück.

Trotz der Korrektion verursachen Hochwasser

weiterhin grosse Schäden. Ein Umdenken

im Wasserbau führt ab 1990 zur Realisierung

von 15 zunehmend grösser dimensionierten

Revitalisierungsprojekten.

2005 haben wir im Sommer und im Winter

in den drei Aufweitungen sowie in fünf kanalisierten

Abschnitten elektrische Befischun

gen durchgeführt und mittels GPS exakte

Karten der Fischlebensräume erstellt.

In den Kanalstrecken und der kürzesten

Aufweitung (


Rubrik

Die revitalisierte Thur

bei Niederneunforn.

Photo: A. Peter

Bachforellen und Groppen sind nur noch als

Einzeltiere im Fang vertreten (0.5 Prozent).

Die Vielfalt des Lebensraumes kann durch

grosse Flussaufweitungen erhöht werden.

Die beobachtete schwache Reak tion der

Fischgemeinschaft widerspiegelt allerdings

noch vorhandene Defizite, wie beispielsweise

die geringe Temperatur viel falt.

Zudem gilt es die Lebensraumsituation in

der gesamten Thur zu beachten: In 65

Prozent der unteren 90 km ist die Mor phologie

nach wie vor deutlich beeinträchtigt,

der Fluss ist durch Stauwehre fragmentiert

oder führt Restwasser. Auch dürfte die

Besiedlung des revitalisierten Lebensraums

noch nicht abgeschlossen sein. Eine mehrjährige

Erfolgskontrolle ist entsprechend

sinnvoll.

Schlussfolgerungen

Unsere Untersuchungen zeigen, wie wertvoll

die Kenntnis von naturnahen Fluss systemen

im Revitalisierungsprozess ist. Ei nerseits

ermöglichen naturnahe Referen zen,

dass in der Planungsphase der Grad der

Beeinträchtigung bestimmt und passende

Massnahmen entwickelt werden können. So

lässt sich ein flusstypspezifisches Leit bild

formulieren, welches für alle ökologisch relevanten

Gewässermerkmale langfristige

Entwicklungsziele festhält. Ebenso wird eine

Einschätzung möglich, in welchen Fluss abschnitten

Revitalisierungen besonders dringlich

sind. Andererseits sind naturnahe Referenzen

wichtig für die Erfolgskontrolle: Erst

die Gegenüberstellung mit der naturnahen

Situation erlaubt die Abschät zung, ob mit

der Revitalisierung tatsächlich eine erhöhte

Naturnähe erreicht wurde. Mit einem alleinigen

Vergleich zwischen kanalisierten und

revitalisierten Abschnitten ist dies nicht

möglich.

In einer vielseitig genutzten Kulturlandschaft

wie der Schweiz sind Fliessgewässer oft unterschiedlichsten

Beeinträchtigungen ausgesetzt.

Die Studien an Rhone und Thur

unterstreichen, dass grossräumige Mass nahmen

nötig sind, um Revitalisierungsprojekten

zum angestrebten Erfolg zu verhelfen (z.

B. breite Aufweitungen von mehreren Kilometern

Länge). Revitalisierungen sollen prioritär

dort durchgeführt werden, wo lange

zusammenhängende Strecken mit naturnahem

Charakter entstehen. Auch die beststrukturierten

Gewässerabschnitte werden

nur schwerlich durch Organismen besiedelt,

wenn sie räumlich isoliert sind. Die Vernetzung

ist von zentraler Bedeutung: Eine

rasche Besiedlung revitalisierter Strecken

durch Fische erfolgt nur bei gegebener

Längsvernetzung. Eine mehrjährige Erfolgskontrolle

ist für grössere Projekte in jedem

Fall wichtig.

Dank

Den Fischereiverwaltungen der Kantone

Wallis, Thurgau, Zürich und Waadt, den Vertretern

der lokalen Fischereivereine sowie

den zahlreichen Helferinnen und Helfern bei

der Feldarbeit danken wir herzlich für die

gute Zusammenarbeit und Unterstützung.

Literaturangaben

[1] Notter B., Aschwanden H., Klauser H., Staub E.

& v. Blücher U. 2007: Ökomorphologischer

Zustand der Schweizer Fliessgewässer:

Zwischenauswertung aufgrund der

Erhebungen aus 18 Kantonen. Bundesamt für

Umwelt, Bern, 9 S.

[2] Roni P., Hanson K., Beechie T.J., Pess G.R.,

Pollock M.M. & Bartley D.M. 2005. Habitat

rehabilitation for inland fisheries. Global

review of effectiveness and guidance for

rehabilitation of freshwater ecosystems. FAO,

Rome, 116 S.

[3] Weber C., Peter A. & Zanini F. 2007. Spatiotemporal

analysis of fish and their habitat: a

case study on a highly degraded Swiss river

system prior to extensive rehabilitation.

Aquatic Sciences 69: 162-172.

[4] Weber C., Schager E. & Peter A. Habitat

diversity and fish assemblage structure in

local river widenings: a case study on a Swiss

river. Artikel für Publikation akzeptiert in

River Research and Applications.

[5] Fatio, V. 1882/ 1890. Histoire naturelle des

poissons – Première/ Deuxième partie. H.

Georg, Geneva, Basel, 786/ 576 S.

[6] Unfer G., Schmutz S., Wiesner C., Habersack

H., Formann E., Komposch C. & Paill W. 2004.

The effects of hydropeaking on the sucess of

river-restoration measures within the LIFE-

Project „Auenverbund Obere Drau“.

Proceedings of the Fifth International

Symposium on Ecohydraulics, Madrid, 741-

746.

[7] Wehrli E. 1892. Fischleben der kleinen thurg.

Gewässer - Beitrag zu einer Fauna des

Kantons Thurgau. Mitteilungen der

Thurgauischen Naturforschenden

Gesellschaft 10: 61-104.

[8] Bradshaw A.D. 1997. What do we mean by

restoration? In: Urbanska K.M., Webb N.R. & P.

J. Edwards (Hrsg.): Restoration ecology and

sustainable development. Cambridge

University Press, Cambridge, 8-14.

Christine Weber

Dr. sc. nat., Biologin

Eawag: Das Wasserforschungs-

Institut des ETH-Bereichs

Seestrasse 79

6047 Kastanienbaum

christine.weber@eawag.ch

Armin Peter

Dr. sc. nat., Biologe

Eawag: Das Wasserforschungs-

Institut des ETH-Bereichs

Seestrasse 79

6047 Kastanienbaum

armin.peter@eawag.ch

Seite 8 natur und mensch 2 / 2008


Denn der stete Tropfen

höhlt nicht nur den Stein …

Nicht frankieren

Ne pas affranchir

Non affrancare

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und

natur und mensch

50 Jahre für

Natur und Umwelt!

natur und mensch 2 / 2008

Seite 9


Rheinaubund

Neukonzession des Kraftwerks Kembs am Oberrhein

– gütliche Einigung oder Gerichtsfall?

Der Rheinaubund setzt sich seit seiner Gründung für Gewässer und Landschaften

ein, also offene Ökosysteme. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass wir nicht nur

am Hochrhein, sondern auch am Oberrhein tätig sind - schliesslich macht der Fluss

nicht an der Grenze halt. Die Neukonzessionierung des Kraftwerks Kembs unterhalb

Basels gibt Anlass dazu. Wie üblich geht es neben dem Geschiebehaushalt und

der Fischwanderung um die Revitalisierung der Flussdynamik und der Habitate im

„Restrhein“.

von Jürg Bloesch

Besonders interessant an diesem Projekt ist,

dass wir hier zum ersten Mal mit französischen

Kon zessionsbehörden zu tun haben,

die sich unter anderem noch auf den Versailler

Vertrag von 1919 berufen und so trotz

moderner EU-Wasserrahmenrichtlinie eine

vernünftige Zusammenarbeit mit den Deutschen

Nachbarn verunmöglichen. Schliesslich

müssen die öko logischen Massnahmen

am Ober rhein auch im Kontext des Programms

„Lachs 2020“ gesehen werden,

denn wir alle erwar ten mit Ungeduld den

ersten Salmo salar in Basel!

Streitfall Kraftwerk Kembs

am Oberrhein.

Foto: J. Lange

Von der grandiosen Auenlandschaft

zum Schifffahrtskanal

Der berühmt-berüchtigte badische Oberst

Johann Gottlieb Tulla hat von 1817–1885

den damals frei fliessenden und stark verzweigten

Oberrhein in mehreren Ausbauetappen

zur Melioration und Festlegung der

badisch-französischen Grenzlinie zum ersten

Mal massiv korrigiert. Verschiedene

Durchstiche verkürzten den Flusslauf um etwa

82 km (23 Prozent), was die Tiefenerosion

förderte, den Grundwasserspiegel senkte,

viele Inseln und Kiesbänke ausräumte und

die Auen zunächst zu Riedflächen degradierte.

Eine zweite Ausbauetappe von 1900-

1945 forcierte die Kanalisierung des Rheins,

der zum heutigen Schifffahrtskanal verbaut

wurde. 1932 wurde das Kraftwerk Kembs

gebaut, um den Rhein zur Energiegewinnung

zu nutzen. Von der ursprünglichen, grandiosen,

natürlichen Auenlandschaft ist nur der

sogenannte „Restrhein“ geblieben, der seinem

Namen mit einer nur kümmerlichen

Restwassermenge alle Ehre macht und ebenfalls

verbaut ist. Obwohl dieser Flussabschnitt

kaum als Referenzzustand tauglich

ist, hat er immer noch ein grosses ökologisches

Potenzial.

Revitalisierung dringend nötig

Die Revitalisierung des rund 50 km langen

„Restrheins“ ist von deutscher Seite schon

seit Jahren an die Hand genommen worden,

Seite 10 natur und mensch 2 / 2008


Peter Birmann 1758–1844:

Blick vom Isteiner Klotz

rheinaufwärts Richtung

Basel. Kunstmuseum Basel

und die Hochwasserschutzplanung ist soweit

gediehen, dass bald mit den Arbeiten

begonnen werden kann. Vorgesehen sind

eine Abtragung des infolge der Fluss eintiefung

isolierten rechten Ufers, eine damit

verbundene Verbreiterung des Flussbettes

und eine Dynamisierung der Uferverzahnung,

sowie die Schaffung von Retentionsräumen.

Die anstehende Neukonzessionierung des

Kraftwerk Kembs gab Anlass, diese Revitalisierung

mit ökologischen Massnahmen im

Rahmen der Konzession zu unterstützen

und zu fördern. Zunächst einmal durch eine

signifikante Erhöhung der Restwassermenge,

sodann durch eine Gewährleistung der

Fischwanderung mit Fischaufstiegshilfen,

und schliesslich durch eine Aufwertung der

Sohle, der Lebensräume und der Ufererosion,

um die verloren gegangene ökologische

Funktion und Dynamik des „Restrheins“ und

der Restauen wieder einigermassen zu gewährleisten.

Der Oberrhein bei Kembs ist eine internationale

Angelegenheit zwischen Frankreich,

Deutschland und der Schweiz (siehe auch

Espoo-Konvention). [1] Dies insbesondere darum,

weil es im Rahmen der Europäischen

Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) um das

(Teil-) Management eines ganzen Flusses

geht, und weil Geschiebehaushalt und

Fischwanderung keine Staatsgrenzen kennen.

Gemäss WRRL muss bis 2015 ein „guter

ökologischer Zustand“ aller Gewässer ausgewiesen

sein. Die Konzessionserneuerung

des KW Kembs (vorgesehen ab 1.1.2008) unterliegt

dem französischen und dem schweizerischen

Recht. Die Schweiz ist dabei als

Oberlieger vom Einstau bis zu den Basler

Rheinhäfen betroffen. Eine Deutsche Konzession

ist nicht nötig (Versailler Vertrag), obwohl

die Deutschen Anrainer sind (rechtes

Rheinufer). Rechtlich gesehen sind nebst

den einschlägigen französischen und schweizerischen

Gesetzen (GschG, BGF, Bundesgesetz

über den Wasserbau) die internationalen

Übereinkommen zum Schutz des

Rheins vom 12. April 1999 sowie die darauf

basierenden Beschlüsse der Rheinministerkonferenzen

massgebend. Zudem gilt es

auch die Empfehlungen und Vorgaben der

Internationalen Kommission zum Schutz

des Rheins (IKSR) zu berücksichtigen, in der

alle drei Länder vertreten sind. Die Arge

Hochrhein, deren Mitglied der Rheinaubund

ist, hat Beobachterstatus in der IKSR und unterstützt

die Massnahmen zur Revitalisierung

des Rheins. Die Schifffahrt ist durch internationale

Verträge geregelt und privilegiert.

Konzessionsgesuch und UVP

umstritten

Das erste Konzessionsgesuch von 2004 wurde

aufgrund der Interventionen aus Umweltverbänden

(insbesondere der Na ture d’Alsace)

stark verbessert. Der Electricité de

France (EDF) kann eine gute Grundeinstellung

(integraler Ansatz) und der Wille attestiert

werden, ökologische Verbesserungen

realisieren und finanzieren zu wollen. Dazu

gehören zum Beispiel die Revitalisierung

der Wiese bei Basel, eine markante Erhöhung

der Restwassermenge, die Initiierung der

Ufererosion und damit eine Erhöhung der

Auendynamik in der Restwasserstrecke, und

ein neuer funktionstüchtiger Fischpass beim

Wehr.

Wie üblich sitzt der Teufel jedoch im Detail.

Unsere Einsprache im März 2007 wurde von

der EDF im Sommer beantwortet, und nach

einer kurzen Duplik im September fanden

am 6. Dezember 2007 die Einspracheverhandlungen

in Basel statt. Da sich die Konzessionierung

verzögert, hat das BFE die

laufende Konzession ohne Bedingungen um

drei Jahre verlängert, was rechtlich gesehen

äusserst bedenklich und eigentlich nicht akzeptabel

ist.

Restwasserstrecke und

Auendynamik

Die vorgeschlagenen Massnahmen bezüglich

einer Erhöhung der Restwassermengen

und struktureller Eingriffe zur Förderung der

Ufererosion und natürlichen Auflandungen

sind zweifellos ein wertvoller Revitalisierungsschritt.

Sie ergänzen die im Rahmen

des Integrierten Rheinprogramms (IRP) am

deutschen Ufer vorgesehenen Massnahmen

Grenzüberschreitendes Flussmanagement-Theorie

und Praxis

Oberrhein bei Breisach:

1828 vor der Regulierung,

1872 nach der Korrektur

durch Tulla und 1963 nach

weiterer Kanalisierung.

natur und mensch 2 / 2008

Seite 11


Rheinaubund

zur Vergrösserung der Auenfläche und Erhöhung

des Hochwasser-Retentionspotenzials

um rund 400 ha bzw. 35 mio m 3 in idealer

Weise (Abtragung der Dämme und des

Waldsaums auf das Niveau des eingetieften

„Restrheins“). Mit der saisonal variablen

Restwasserdotierung ist es möglich, unter

Berücksichtigung des Hochwasserschutzes,

eine Dynamisierung der Hydrologie und der

Auen zu erreichen. Allerdings ist es höchst

fraglich, ob der vorgeschlagene Winter-

Sockelabfluss von 52 m 3 /s genügend ist. Als

Sommermaximum sind 150 m 3 /s vorgesehen.

Der resultierende mittlere Abfluss von

123 m 3 /s entspricht zwar der in Frankreich

gesetzlich geforderten Mindestrestwassermen

ge von 10 Prozent des mittleren Abflusses

(hier 1073 m 3 /s). Dass die Winter- und

Sommerwerte aber fraglich sind, wird aus

einer Klausel im Konzessionsentwurf deutlich,

die ab 2020 eine mögliche Erhöhung

der Mindestabflussmenge auf 80 m 3 /s im

Winter (= 10 Prozent des winterlichen QM

Der Restrhein macht seinem

Namen mit seiner derzeit

kläglichen Restwassermenge

alle Ehre. Im Hintergrund

der Grand Canal d’Alsace.

Foto: J. Lange

Auch die Geschiebesituation im Oberwasser

ist ungenügend dokumentiert, weil die gemachten

Profilvergleiche im Stauraum nur eine

grobe Übersicht über Erosions- und Auflandungsstrecken

bieten. Erschwerend hinzu

kommen das Kiesmanagement und die Auflagen

der Schifffahrt im Hafen Kleinhüningen

und im Rheinkanal, die eine variable Staukotenregelung

praktisch unmöglich machen.

Offenbar kann das Geschiebe vom Hochrhein

(KW Birsfelden) nicht bis zum Wehr Kembs

transportiert werden, obwohl die Sohle unterhalb

des KW Birsfelden erodiert wird. Da

das Wehr Kembs geschiebedurchgängig ist,

müsste genau abgeklärt werden, ob ein

Geschiebetransport von Hochrhein, Wiese

und Birs flussabwärts durch den Stauraum

und durch das Wehr Kembs nicht doch mögvon

rund 800 m 3 /s) und 240 m 3 /s im Sommer

vorsieht. Das Bett des Altrheins ist auf

100 m 3 /s ausgelegt, und die Dotierversuche

2003 haben bestätigt, dass eine Erhöhung

der Restwassermenge in diesem Ausmass

möglich ist. Da zudem eine Dotierturbine

eingebaut wird, kann die EDF das zusätzliche

Restwasser zur Stromgewinnung nutzen.

Die bei einer erhöhten Restwassermenge

vergrösserten Produktionseinbussen der

unterliegenden Kanalkraftwerke könnten

durch den Mehrgewinn des KW Kembs zum

Teil entschädigt werden.

Geschiebehaushalt

Der Geschiebehaushalt ist eng mit der

Hydrologie, das heisst dem Abfluss gekoppelt,

da die Fliessgeschwindigkeit bzw. die

Schleppkraft entscheidet, ob und wie viel

Geschiebe wie weit und wohin transportiert

wird. Uns scheinen wesentliche Fragen dazu

nicht genügend abgeklärt.

Es ist umstritten, ob bei der „kontrollierten“

Ufererosion das potenzielle (offenbar auf

200 mio m 3 geschätzte) Material auch tatsächlich

aktiviert werden kann und die

durch die grössere Restwassermenge er-

höhte Schleppkraft des Altrheins genügt,

um das Geschiebe weiterzutransportieren.

Ebenso ist unklar, ob die Rückgabe des

Kiesaushubs, der beim Bau des Maschi nenhauses

anfällt (156‘000 m 3 ), ausreicht oder

ob es nebst dem Ufererosionsmaterial noch

weitere Kieszugaben an noch zu definierenden

Rückgabestellen braucht. Wir fordern,

dass über die ganze Konzessionsdauer

genügend Kies zur Verfügung steht.

Seite 12 natur und mensch 2 / 2008


lich ist. Andernfalls müsste als Ersatz des natürlichen

Ge schie betriebs das punktuelle

Einbringen von Kiesbänken am Ufer im oberen

Bereich des Stauraumes, in Absprache

mit der Schifffahrt, in Betracht gezogen werden.

Diese Fragen könnten von der im April

2007 gegründeten „Geschiebegruppe Hochrhein“

behandelt werden, in welcher der

Rheinaubund vertreten ist.

Fischwanderung

Der Neubau einer Fischaufstiegshilfe (FAH)

beim Maschinenhaus und beim Wehr, für

welche die EDF eine Arbeitsgruppe einsetzen

und 300‘000 Euros bereitstellen will, ist zweifellos

die Schlüsselstelle bezüglich Fischwanderung.

Allerdings gibt es zur Zeit weder

eine detaillierte Projektstudie noch ein genaues

Pflichtenheft mit Kostenberech nung.

Insbesondere fehlen entscheidende technische

Details gemäss den Anforde run gen der

DVWK (1996) und DWA (2006) betreffs Lage

und Typ des Fischpasses, Becken dimensionen

und korrekter Hydraulik, und genügender

Lockwassermenge und -strömung. Zudem

ist kein Monitoring über Funktion der FAH

vorgesehen. Bezüglich Fisch abstieg (besonders

für den Aal) ist die Studie völlig unverbindlich.

Eine Untersu chung der Fischmortalität

in den Kaplan turbinen ist offenbar nicht

gemacht worden. Ferner ist nicht klar, ob der

neu geplante fischökologische Altarm durch

die Rheininsel im oberen Teil beim Wehr

tatsächlich den Aufstieg in den Rheinkanal

ermöglicht oder nicht. Auch hier müssten

detailliertere Pläne vorgelegt werden.

Schliesslich muss der Fischaufstieg beim KW

Kembs im Kontext des Projekts Lachs 2000/

2020 gesehen und mit dem hohen Standard

der FAHs bei Iffezheim und Gambsheim (Inbetriebnahme

2006) verglichen werden,

auch bezüglich Aufstieg aller einheimischer

Fischarten. Dazu gehören auch die FAHs

beim Kulturwehr Breisach (Einstieg in den

„Restrhein“), die als FAH eingesetzte Schiffsschleuse

im Grand Canal d’Alsace und der

vorgesehene Fischpass beim Drainage-Gegenkanal

(KW Kembs) als Verbindung des

Grand Canal d’Alsace zur Petite Camargue

Alsacienne, deren Fauna allerdings durch

mögliche Einwanderung von Neozoen vom

Rhein her bedroht sein könnte.

Damit die ausgedehnten

Kiesbänken des Restrheins

als Laichhabitate für den

Lachs und andere Kieslaicher

tauglich sind (im Bild ein

Lachsbrütling), muss der

Kieslückenraum gelockert

und druchströmt werden,

wofür es eine deutliche

Erhöhung der Restwassermenge

und einen Geschiebetransport

durch das Wehr

braucht.

Ausgleichs- und Begleitmassnahmen:

wird man sich einig?

Den zentralen ökologischen Anforderungen

der Fischwanderung und des Geschiebehaushaltes

stehen verschiedene Ausgleichsmassnahmen

gegenüber, welche die Eingriffe

weiter vermindern. Auch hier gibt es

noch ungeklärte Fragen.

Im Kontext der modernen partizipativen

Vorgehensweisen muss eine internationale

Jürg Bloesch

ist promovierter

Limnologe und

forschte während

mehr als 35 Jahren

am Wasserforschungs-Institut

der ETH im Bereich

Sedimentation/Stoffhaushalt in Seen

und Fliessgewässerökologie. Er widmete

sich daneben auch der Beratung

im In- und Ausland und kämpft seit

Jahrzehnten aktiv für den Gewässerschutz

und naturnahe Landschaften.

Von 1998-2004 war er Präsident der

Internationalen Arbeitsgemeinschaft

Donauforschung (IAD), seit 1995 ist er

Ko-Präsident des Rheinaubundes.

Begleitkommission mit allen Stakeholdern

(Interessensvertretern) etabliert werden,

welche bei der langfristigen und pragmatischen

Umsetzung der Revitalisierungs-

Massnahmen mitreden und so weit möglich

mitbestimmen kann. Es ist wichtig, dass laufend

gute neue Ideen oder aber Kritik und

Korrekturen mitberücksichtigt und umgesetzt

werden können.

Bei all diesen löblichen und zum Teil noch zu

erstreitenden Revitalisierungen können wir

uns rückblickend interessiert fragen, was

wohl der Herr Oberst Tulla dazu sagen würde.

Zur weiteren Lektüre sei das Buch von

W. A. Galluser und A. Schenker, (eds.) „Die

Auen am Oberhein. Ausmass und Per spektiven

des Landschaftswandels am südlichen

und mittleren Oberrhein seit 1800. Eine umweltdidaktische

Aufarbeitung.“, Birkhäuser

Verlag, Basel, Boston, Berlin.ltd, 1992, empfohlen.

Literaturangaben

[1] Die Espoo (EIA) Convention (Convention on

Environmental Impact Assessment in a

Trans boundary Context) wurde in Espoo,

Finn land, am 25. Februar 1991 von der UNO

Ökonomie-Kommission für Europa beschlossen

und 1997 in Kraft gesetzt. Die Unterzeichnerstaaten

verpflichten sich auf gegenseitige

Konsultation bei grenzüberschreitenden

Um weltproblemen. Damit sollen Umweltbeeinträchtigungen

über nationale Grenzen

hinweg mit Beteiligung aller Betroffenen

(Stakeholders) durch Umweltverträglichkeitsprüfungen

möglichst vermieden werden.

Dr. Jürg Bloesch

Stauffacherstr. 159

8004 Zürich

Tel. 044 / 241 11 19

natur und mensch 2 / 2008

Seite 13


Rheinaubund

Die Schaffhauser Fliessgewässer

fördern

Rheinaubund und WWF sind im Kanton Schaffhausen in

die Offensive gegangen, um Revitalisierungen und natürliche

Fliessgewässer im Kanton stärker zu fördern. Sie lancierten

eine kleine Studie, um alle gewässerrelevanten

Daten zusammenzutragen und so dem Kanton eine kompakte

Grundlage und ein internes Arbeitsinstrument zur

Verfügung zu stellen. Ziel ist die Entwicklung einer

Strategie zur Verbesserung des ökologischen Zustands der

Schaffhauser Fliessgewässer.

von Lukas Boller

weiteren wertvollen Gewässerstrecken. Hinsichtlich

dem ökomorphologischen Zustand

präsentiert sich Schaffhausen sehr unterschiedlich.

Während die vorwiegend kleinen

Bäche in Waldgebieten in einem natürlichen

oder naturnahen Zustand sind, sieht es im

Landwirtschaftsgebiet und im Siedlungs bereich

dagegen schlecht bis sehr schlecht

aus. Über die Hälfte der Gewässer in der

Landwirtschaftszone und sogar mehr als 80

Prozent in den Siedlungsräumen sind stark

beeinträchtigt oder werden unterirdisch in

Rohren geführt.

Der Kanton Schaffhausen ist nicht gerade

als gewässerreicher Kanton bekannt. Gegenüber

den mit Wasser gesegneten Kantonen

Bern, Aargau oder Zürich nimmt er mit seinen

320 Fliesskilometern gemessen am Gewäs

sernetz eine unbedeutende Stellung

ein. Ganz anders im Bezug auf den Rhein:

grenzt er doch mit seinen drei Kantonsteilen

an drei der vier letzten frei fliessenden

Abschnitte des Hochrheins. Ein kurzes Stück

Wutach und vor allem der Biberunterlauf

mitsamt Mündung in den Rhein zählen zu

Die kleinen Fliessgewässer

in den Waldgebieten des

Kantons Schaffhausen sind

in einem natürlichen oder

naturnahen Zustand.

Foto: G. Frauenlob

Seite 14 natur und mensch 2 / 2008


Es muss etwas geschehen

Vor diesem Hintergrund ist der Handlungsbedarf

offensichtlich. Ende 2007 wurde ein

Postulat im Kantonsrat zuhanden der Re gierung

eingereicht mit dem Ziel, Revitalisierungen

und natürliche Fliessgewässer im Kanton

stärker zu fördern. Der Rheinaubund

und der WWF Schaffhausen wollten aktiv

Ein fluss auf diesen Prozess nehmen und entschieden

sich, gemeinsam eine kleine Studie

zu lancieren, um alle gewässerrelevanten

Daten zusammenzutragen und in einem

Bericht festzuhalten. Dieser soll als kompakte

Grundlage und internes Arbeitsinstrument

zur Entwicklung einer Strategie und

als Entscheidungshilfe zur Verbesserung des

ökologischen Zustands der Schaffhauser

Fliessgewässer beitragen. Vor dem Hintergrund

der auf nationaler Ebene eingereichten

Initiative „Lebendiges Wasser“, welche in

dieselbe Richtung zielt, sollte am Beispiel

Schaffhausen die Möglichkeiten der Informationsbeschaffung

und anschliessender Einfluss

nahme der Umweltverbände bei der

Ausgestaltung einer Förderstrategie durchgespielt

werden. Ein kleiner Kanton wie

Schaffhausen mit relativ kleinem Gewässernetz,

eignet sich dazu sehr gut. Positiv hervorzuheben

ist an dieser Stelle die sehr

offene Auskunftsbereitschaft der verschiedenen

kantonalen Behörden.

Rheinaubund und WWF streben

„pro-aktives“ Vorgehen an

Ein häufiges Problem der Umweltverbände

besteht darin, dass sie auf eine Umweltproblematik

oder ein bevorstehendes Projekt

mangels rechtzeitiger Informationen meist

nur mithilfe eines Einspracheverfahrens reagieren

können. Auf das Mittel des wichtigen

Verbandsbeschwerderechts zurückzugreifen,

mag in gewissen Fällen unverzichtbar

sein, doch noch besser ist der frühzeitige

Einbezug der Umweltverbände bei Entschei

dungsfindungsprozessen und in wichtigen

Planungsphasen. Auch die Möglichkeit ausserhalb

von Sachzwängen der Behörden eigene

Projekte anzustossen und Ideen einzubringen,

basiert auf guter Information. Der

Rheinaubund und der WWF streben genau

ein solch „pro-aktives Vorgehen“ vermehrt

Über die Hälfte der Gewässer

in der Landwirtschaftszone

– im Bild die Durach – sind

stark beeinträchtigt.

Foto: G. Frauenlob

1. Als klares Defizit kann die fehlende Strategie

zur Förderung von Revitalisierungen

im Kanton Schaffhausen bezeichnet werden.

Eine kantonale Richtlinie zur Aufhebung

der vorwiegend strukturellen Defizite an

den Schaffhauser Fliessgewässern existiert

derzeit nicht. Dies führte dazu, dass bisher

zu wenig unternommen wurde, um diesem

Manko entscheidend entgegenzuwirken.

Die Ursache ist zur Hauptsache im Wasserwirtschaftsgesetzt

des Kantons zu finan.

Der Bericht soll helfen, dies im Bereich

von Fliessgewässern im Kanton Schaffhausen

zu vereinfachen. Durch die gebündelten

Informationen können beide Umweltverbände

ergänzend und unterstützend zu den

Behörden früher Vorschläge einbringen, so

dass Einsprachen bei der Umsetzung kaum

mehr notwendig sein dürften.

An einer gut besuchten Expertenrunde mit

hauptsächlich kantonalen Vertretern wurde

über den Inhalt des Berichtes gesprochen

und die Hauptschwierigkeiten bei der

Umsetzung von Revitalisierungen im Kanton

Schaffhausen engagiert diskutiert. Aus dem

Bericht und der Expertenrunde kristallisierten

sich zusammenfassend drei erhebliche

Defizite heraus.

natur und mensch 2 / 2008

Seite 15


Rheinaubund

den, welches die meisten Fliesskilometer

(ca. 80 Prozent) in die Obhut der Gemeinden

delegiert. Diesen fehlt aber häufig das Geld

und/oder der Wille, entscheidende strukturelle

Verbesserungen an den Fliessgewässern

vorzunehmen. Andererseits fehlen aber

auch auf der Kantonsseite gegenüber den

mehrheitlich kleinen Gemeinden genügend

Anreize und Kontrollmöglichkeiten.

2. Im Wasserwirtschaftsgesetz des Kantons

Schaffhausen wird ein Unterhalt der Gewässer

nach ökologischen Kriterien verlangt.

Allerdings werden diese nirgends genauer

definiert. Die schon oben angesprochene

Problematik, dass der Kanton nur für rund 7

Prozent der Gewässer zuständig sind, führt

Lukas Boller

geb am 14.04.1977,

Umweltnaturwissenschaftler

/ ETH

Zürich, beschäftigt

sich bereits seit

dem Beginn seines Studiums mit der

Biologie aquatischer Systeme. Er ist seit

2006 im Vorstand des Rheinaubunds,

war bis Frühjahr 2008 Mandatsinhaber

des Projekts „Kleine Gewässersanierungen

mit dem Rheinaubund“, sowie

Projektleiter bei der Stiftung Wirtschaft

und Ökologie, SWO.

Seit Februar 2008 arbeitet er als Gewässerökologe

bei AquaPlus.

dazu, dass leider nur in Ausnahmefälle von

einem ökologischen Gewässerunterhalt gesprochen

werden kann.

3. Eine wesentliche Problematik stellt die

Verfügbarkeit von Land dar. Häufig ist nicht

das Geld die grösste Hürde bei der Umsetzung

von Revitalisierungen, sondern das

fehlende Land. Der Kanton ist meist nur im

Besitz der eigentlichen Gewässerparzelle.

Viele AnstösserInnen sind jedoch nicht gewillt,

ihr Land für derartige Zwecke zu verkaufen

oder umzunutzen, da die Nutzungsansprüche

an den Boden anders gewichtet

werden. Vorwiegend in Landwirtschafts zonen

ist diese Haltung weit verbreitet. Dummerweise

besteht gerade in diesen Gebieten

ein erhöhtes ökomorphologisches Defizit.

Lösungsansätze der oben erläuterten Problembereiche

bietet die derzeitige Entwicklung

einer kantonalen Strategie zur Förderung

der Schaffhauser Fliessgewässer als

Antwort auf das Postulat. Hiermit lassen sich

gerade für finanziell schwache Gemeinden

mehr Mittel zur Behebung struktureller

Mängel an Fliessgewässern sichern. Darüber

hinaus liesse sich ein Anreizsystem mit klaren

Kriterien schaffen, welches den ökologischen

Unterhalt der Gewässer entscheidend

voranbringen könnte. Schliesslich

wür de durch gezielten Landkauf durch den

Kanton mehr Spielraum für Landabtausch

entstehen und den Gewässern wieder mehr

Raum zugestanden werden können.

und aus bist du. Für die

Durach ist im Mühlental

Schluss. Ab hier wird sie

unterirdisch oder in einem

Betonkorsett geführt.

Foto: G. Frauenlob

Mangelnde Rahmenahmenbedingungen

erschweren

Verbesserung der Gewässer

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass

die Hauptschwierigkeiten bei der Umsetzung

von Revitalisierungen im Kanton Schaff hausen

vorwiegend bei den Rahmenbe dingungen

liegen. Mangelnde Landverfügbarkeit

und ein kantonales Gesetz, das den

Gemeinden die Hauptverantwortungen zuschiebt,

ohne diesen weder entsprechende

Finanzen zuzusichern noch die Umsetzung

voranbringen zu können. Es ist zu hoffen,

dass durch den politischen Vorstoss und das

Engagement von Rheinaubund und WWF

mittelfristig eine wesentliche Verbesserung

der Gewässersituation im Kanton Schaffhausen

erreicht wird. Und vielleicht darf die

bisher gute Zusammenarbeit zwischen

Schaff hauser Behörden und Umweltver bänden

schon bald gesamtschweizerisch als Vorzeigebeispiel

herhalten.

Lukas Boller

Dipl. Umwelt-Natw. ETH

Bachstrasse 24

8200 Schaffhausen

pfatz@bluewin.ch

Seite 16 natur und mensch 2 / 2008


Das Kraftwerk

Kradolf Schönenberg

Dort, wo sich das Wasser der Thur eine ausgeprägte Schleife

Richtung Nordwesten schuf, soll bei Kradolf Schönenberg

ein neu geplantes Wasserkraftwerk entstehen. Gemäss Projekt

ersetzt die als Laufkraftwerk geplante Anlage das alte

Kanal kraft werk mit Wehr, Restwasserstrecke, Oberwasserkanal,

Krafthaus und Unterwasser kanal. Eine nicht einfache

Planung, die den Rheinaubund jetzt schon seit

sieben Jahren beschäftigt.

von Ueli Rippmann

Weil die geplante Fischaufstiegshilfe (FAH)

aus mehreren Gründen (Lage des Einstiegs,

Betriebswassermenge und Lockwasser) dem

modernen Funktionsstandard nicht genügte,

und damit die freie Fischwanderung nach

Artikel 9 Bundesgesetz über die Fischerei

nicht gewährleistet schien, erhoben Rheinaubund,

Pro Natura und Fischerei vereine am

23. Februar 2002 Einsprache gegen das

Konzessions- und Baugesuch des neuen

Kraftwerks.

Die nötigen ökologischen Ausgleichsmassnahmen

erachtete der Rheinaubund als ungenügend.

Der Höherstau, die Massnahmen

gegen unkontrollierte Stauraumspülungen

und die Umsetzung nennenswerter Ausgleichsmassnahmen

sollten besser abgeklärt

werden, um die Auswirkungen genauer

definieren zu können.

Die Interpars Kraftwerke AG reichte erstmals

im Mai 2001 ein Konzessionsprojekt ein. Wegen

des Höherstaus um 45 cm und dem

grösseren Stauraum, erweiterten die Projektanten

ihre Untersuchungen und reichten

ihrem Begeh ren bereits im Januar 2002 ergänzende

Be richte über die Auswirkungen

des Höherstaus nach, durch den die Thur in

diesem Bereich über eine weite Strecke aufgestaut

und so in einen grösseren Flussstau

verwandelt werden würde.

Das neue Kraftwerk hat aber auch positive

Aspekte, weil es als Laufkraftwerk keine Restwasserstrecke

mehr erzeugt und überdies

ein Umgehungsgerinne als Fischaufstiegshilfe

vorgesehen war. Ein Umweltbericht über

die Auswirkungen des neuen Kraft werks auf

die Gewässerlandschaft und das Grundwasser

fehlte jedoch, war aber auch nicht zwingend

Ueli Rippmann

geb. in Stein am

Rhein, ist an der

EAWAG/ETH

promovierter

Fischbiologe. Seit

1988 betreibt er ein Beratungsbüro für

Gewässerökologie und Fischbiologie in

Auw (AG). Er ist seit 1978 Mitglied des

Rheinaubundes und seit 2003

Vizepräsident. Seit über 13 Jahren

befasst er sich mit den Problemen der

Durchwanderbarkeit der Fliessgewässer

insbesondere mit der Fischwanderung

an Kraftwerken.

vorgeschrieben, da es sich beim neuen Wasserkraftwerk

um eine An lage mit weniger als

3 MW Leistung handelt. Im ordentlichen Bewilligungsverfahren

müssen jedoch die geltenden

Natur- und Umweltschutzbestimmun

gen nach geltendem Recht eingehalten

werden (NHG; BGF; GschG mit den entsprechenden

Verord nungen).

Pro Natura, Rheinaubund

und Fischereiverein melden

Bedenken an

Die Naturschutzorganisationen Pro Natura

Thurgau, der Rheinaubund und die örtlichen

Sportfischervereine meldeten Bedenken

gegen das Vorhaben an, weil massive

Eingriffe in die Gewässerlandschaft und ihre

Ufer, sowie nachteilige Einflüsse auf die

Umwelt allgemein zu befürchten waren.

Wertvolle Lebensräume wie die Auenlandschaft

im Siedlungsgebiet der Gemeinde

Schönenwerd entlang der Innerkurve der

Thur oder der entomologisch bedeutende

Eichenwald zwischen dem heutigen Kanalaustritt

beim Stauwehr und dem Fluss wären

dem Kraftwerksneubau ohne adäquate

Ersatzmassnahmen geopfert worden, und

schliesslich käme das neue Kraftwerk gemäss

Landschaftsentwicklungskonzept ausgerech

net in einen kantonal wichtigen Vernet

zungskorridor zu liegen.

Planungsverlauf

und Einspracheverhandlung

Daraufhin wurden von Kraftwerkseite bis

2004 Projektanpassungen hinsichtlich Hochwasserschutz

und Schutz der angrenzenden

SBB Linie erarbeitet und im September 2005

informierte das kantonale Baudepartement

über den aktuellen Stand des Verfahrens.

Dazwischen vervollständigte die Interpars

AG die Projektstudien, so dass Ende September

eine Projektpräsentation stattfinden

konnte. Anfang Dezember 2006 fanden die

Einspracheverhandlungen statt, bei denen

Pro Natura, Sportfischerverbände und der

Rheinaubund ihre Anliegen vorbrach ten.

Wie meistens konnte nicht in allen Einsprache

punkten Einigkeit erzielt werden, insbesondere

nicht über die Funktions tüchtigkeit

des Umgehungsgerinnes, das als Fischaufstiegs

hilfe des Kraftwerks vorgesehen war.

Noch vor Weihnachten reichte der Rheinaubund

in seiner Stellungnahme alle Präzisierun

gen zu den Ergebnissen der Ein sprachever

hand lungen ein.

Bis heute gingen beim Rheinaubund keine

weiteren Berichte über den Stand der Projektierung

des Kraftwerks Kradolf Schönenberg

mehr ein.

Dr. Ueli Rippmann

Büro für Gewässerökologie

Bergstrasse 4b

5644 Auw

Tel. 056 668 07 80

natur und mensch 2 / 2008

Seite 17


Rheinaubund

Das Bündner Oberland austrocknen?

Auch in den Bergen zwischen Thusis und Lukmanier – dem Quellgebiet des Rheins!

– sind durch eine exzessive Wassernutzung viele Täler ausgetrocknet und warten

vergebens auf die Umsetzung der Restwasserbestimmungen von 1992. Ein neues

Projekt der Zervreila-Kraftwerke AG möchte diesen Zustand noch verschlimmern

und aus dem oberen Einzugsgebiet des Glenners noch mehr Wasser ableiten und

über eine Rohrleitung ins Domlesch verfrachten.

von Uwe Scheibler

Die Kraftwerke Zervreila AG (KWZ) mit Sitz

im bündnerischen Vals beabsichtigen, die

Wasservorkommen im hinteren Lugnez auf

Gebiet der Gemeinden Vrin und Lumbrein

zu fassen und in das unterhalb des Stausees

Zervreila gelegene Ausgleichsbecken überzuleiten.

Dies bedingt den Bau von Wasserfassungen

und rund 10 km unterirdische

Stol len. Mit diesem zusätzlichen Wasser

kann in den bestehenden Anlagen der KWZ

im Safiental und in Rothenbrunnen jährlich

ca. 100 GWh zusätzlicher Strom produziert

werden. Dies entspricht etwa der Hälfte des

jährlichen Stromverbrauchs der Stadt Chur.

Das geplante Vorhaben löst Investitionen

von gegen Fr. 100 Mio. aus.

Das Projekt wurde in enger Zusammenarbeit

mit den neuen und bisherigen Konzessionsgemeinden

und den kantonalen Behörden

erarbeitet und im Herbst 2007 den Umweltorganisationen

sowie dem Bündner Fi scherei

verband vorgestellt. Mit dabei sind Pro

Natura und der WWF Graubünden sowie die

Stiftung Landschaftsschutz und der Rheinaubund.

Das Projekt

Das Vorhaben bedingt eine intensive Zusammenarbeit

zwischen den bisherigen

KWZ-Konzessionsgemeinden, den neuen

Konzessionsgemeinden (v.a. Vrin und Lumbrein),

dem Kanton Graubünden sowie der

KWZ. Im Hinblick auf eine möglichst effiziente

Projektbegleitung wurde deshalb eine

Arbeitsgruppe mit Vertretern von Gemeinden,

Kanton und Bauherrschaft gebildet.

Nicht ganz unerwartet fehlen dabei die

Umweltverbände und die Fischerei. Eine

grosse planerische Herausforderung ist die

Koordination der neuen Konzessionen für

die Überleitung mit den Konzessionen für

die bestehenden Anlagen, die bis Ende 2037

weiterlaufen. Die neuen Anlagen sollen

nach Angabe der KWZ, um wirtschaftlich zu

sein, deutlich über das Jahr 2037 hinaus betrieben

werden können.

Ende November 2006 haben die involvierten

Parteien ihre Absicht bekundet, das Projekt

im Rahmen der gesetzlichen Grundlagen

und unter Wahrung der gegenseitigen Interessen

zu unterstützen. Gestützt darauf

hat der Verwaltungsrat der KWZ am 13.

Dezember 2006 den Start des Konzessionsprojektes

beschlossen. Das Projekt soll einen

Beitrag zur Versorgungssicherheit in der

Schweiz ohne zusätzliche CO2-Emmissionen

leisten. Der Kanton und die Gemeinden,

speziell Vrin und Lumbrein, würden durch

das Projekt zusätzlichen Nutzen haben. Vor

allem in Form von Wasserzinsen, Wasserwerk-,

Liegenschafts-, Kapital- und Ertragssteuern

flössen zusätzliche Beträge an die

öffentliche Hand. Selbstverständlich soll

auch den umweltrechtlichen Vorgaben, insbesondere

den Vorschriften über die Restwassermengen,

Rechnung getragen werden.

Vorderrhein

Ilanz

Glenner

Lumbrein

Vrin

Vals

Hinterrhein

Rabiusa

Splügen

Reichenau

Thusis

Projekt Überleitung

Lugnez:

Speicherbecken Zervreila

Zentrale Zervreila

Überleitstollen Zervreila-

Wann

Ausgleichsbecken Wanna

Zentrale Safien Platz

Ausgleichsbecken Safien

Platz

Zentrale Rothenbrunnen

Ausgleichsbecken Egschi

Zentrale Realta

Grafik:

Zervreila Kraftwerke AG

Dieses Vorhaben decke sich einerseits mit

den energiepolitischen Zielen der Bündner

Regierung, andererseits mit dem im eidgenössischen

Parlament klar bekundeten Bekenntnis

zur Förderung der Wasserkraft. Das

Projekt sei energiepolitisch und ökonomisch

sinnvoll und kann umweltverträglich realisiert

werden. Mit der Freigabe des Planungskredites

wird das Konzessionsprojekt gestartet

mit dem Ziel, es den zuständigen

Gemeinden so rasch wie möglich einzureichen.

Vor Erlangung der Konzession ist eine

Umweltverträglichkeitsprüfung durchzuführen

und mit den Gemeinden sind die

konzessionsrechtlichen Verträge auszuhandeln.

Zudem müssen die bautechnischen

Studien vertieft werden, namentlich im

Seite 18 natur und mensch 2 / 2008


Bereich der Geologie. Die KWZ sei zuversichtlich,

die Bewilligungen im Jahre 2009

zu erhalten, damit ab 2011 mit dem neu zugeführten

Wasser Strom erzeugt werden

könne. So steht es im Projektbeschrieb der

KWZ.

Wir brauchen

eine neue „Energiekultur“

Dazu ein paar Gedanken: Natürlich steigt

der Stromverbrauch in der Schweiz weiter

an. Wer sich aber die Mühe macht und prüft,

wozu denn dieser Strom gebraucht wird,

der wird das Wort „Versorgungssicherheit“

nicht mehr mit gutem Gewissen im Munde

führen. Zu gross ist die Verschwendung, die

Ineffizienz der eingesetzten Geräte und die

Vernachlässigung grosser Energiepotenziale

im Siedlungsgebiet. Und dann müssten wir

auch dringend einmal eine Diskussion über

unsere „Energiekultur“ – Alles überall und jederzeit

für alle – führen. Das Problem unserer

Gesellschaft ist offensichtlich nicht ein

Zuwenig, sondern ein Energie-Überfluss,

mit dem wir nicht mehr vernünftig umgehen

können!

Natürlich ist die Verringerung der CO2-

Produktion eine Verpflichtung der ganzen

Schweiz und ein wichtiges Ziel der Umweltverbände.

Wenn aber ohne ausreichende

Begründung – einfach um noch mehr Energie

zur Verfügung zu haben – die auch touristisch

wertvolle Berglandschaft weiter ausgetrocknet,

den Fischen der Lebensraum

entzogen und der grossräumige Wasserhaushalt

massiv beeinträchtigt wird, dann

reicht der Hinweis auf die CO2-Neutralität

nicht aus. Abgesehen davon, müsste erst

einmal nachgewiesen werden, dass das

Bauvolumen und die Unterhaltsarbeiten

über die gesamte Betriebsdauer und der

Rückbau die CO2-Bilanz nicht doch vielleicht

ein bisschen trüben könnten ...

Natürlich ist es verständlich, wenn die

Schweizer Stromproduzenten nach zusätzlichen

Möglichkeiten suchen, um die Produktion

aus Wasserkraft weiter zu erhöhen.

Das haben sie schliesslich in den letzten 100

Jahren so erfolgreich gemacht, dass unsere

Fliessgewässer weitgehend zu Stauräumen

verkommen sind, ganze Einzugsgebiete in

ihrem Wasserhaushalt durcheinander gebracht

wurden, viele Bergtäler heute eher

einem afrikanischen Trockental gleichen

und die Wanderung der gewässertypischen

Pflanzen und Tiere vielfach unterbrochen

ist. Vielleicht wäre es an der Zeit, das viele

Geld, das sich angesammelt hat, stärker in

die Energieproduktion im Siedlungsgebiet

zu investieren. Dach- und Fassadenflächen

sowie Energiespartechnologien bieten sich

hier an.

Bergregionen brauchen mehr

als Strom und Geld.

Natürlich ist die Förderung der Bergregionen

ein hehres Ziel, es steht schliesslich auch im

Artikel 104 der Schweizerischen Bundesverfassung.

Es sei aber die Frage erlaubt, ob solche

plötzlich hereinbrechende Rieseninvestitionen

geeignet sind, Erwerbs mög lichkeiten

auf Dauer zu sichern und ob die „Bestechung“

mit billigem Strom (die extrem

umweltschädliche Nachspeicherheizung ist

in diesen Gebieten weit verbreitet!) statthaft

ist. Gleichzeitig wird schliesslich auch das

Landschaftsbild schwerwiegend verändert

– man erinnere sich nur an die scheusslichen

Staubecken im hinteren Linthal oder Safiental,

an die vielen Überlandleitungen, an

die Kanäle und eben, an die ausgetrockneten

Bachbetten, die für den künftigen

Tourismus nicht gerade positiv wirken.

Momentan wird die Diskussion über dieses

Projekt in den betroffenen Gemeinden ziemlich

heftig geführt. Dabei reichen die

Noch fliesst der Glenner ...

wie lange noch?

Positionen von „selber die Wasserkraft für

die kommunalen EW ausnutzen“ bis zu „jetzt

ist es genug mit der Wasserkraftnutzung“.

Mittlerweile haben sich auch die Riverrafter

und die Kanuten zur Widerstandsgruppe

gesellt. Der ehrgeizige Fahrplan der KWZ

wird wohl noch ein paar Verspätungen akzeptieren

müssen!

Uwe Scheibler

Uwe Scheibler

(Jahrgang 1957)

ist Landschaftsarchitekt

und seit

Sommer 2007

Geschäftsführer des Rheinaubunds.

Als langjähriger Mitarbeiter des Landschaftsplanungsbüros

Grün-Plan AG in

Wetzikon ZH waren seine Schwerpunkte

die Entwicklung partizipativer Planungsinstrumente

in Natur- und Landschaftsschutz

sowie der naturnahe Gartenund

Landschaftsbau.

Uwe Scheibler

Geschäftsführer Rheinaubund

Weinsteig 192

8291 Schaffhausen

Tel. 052 625 26 58

info@rheinaubund.ch

natur und mensch 2 / 2008

Seite 19


Rheinaubund

VivaRiva-Wasser macht Schule

2007 war ein grosses Jahr für VivaRiva. Nach dem zögerlichen

Startjahr 2006, in dem das Projekt zuerst einmal in

Bewegung gebracht werden musste, war besonders das

Sommerhalbjahr 07 sehr intensiv: diverse Bäche der Nordostschweiz

wurden von noch mehr Schulkindern erkundet,

erforscht und unter die Lupe genommen. Obwohl die

Akquisition von Klassen zum Teil aufwändig war und viel

Zeit in Anspruch nahm, konnten schliesslich die selbst gesteckten

Ziele erreicht und eine ansehnliche Zahl an

Anlässen durchgeführt werden. Die Zahl der Leute, an die

VivaRiva im Jahr 2007 gelangen konnte, hat unsere

Erwartungen übertroffen: Über Tausend Personen hatten

mit VivaRiva zu tun [1] .

von Kathrin Jaag

Damit sind die Erwartungen für dieses Jahr

hoch. Natürlich wollen wir an die Erfolge des

letzten Jahres anknüpfen und auch 2008

weiter schwungvolle Umweltbildung betreiben.

Wir danken folgenden Institutionen

sowie allen Privatspendern, welche

mit ihrer zum Teil sehr grosszügigen

Unterstützung VivaRiva ermöglichen:

• Vontobel Stiftung

• Paul Schiller Stiftung

• Stiftung Werner Amsler

• Stiftung Mercator Schweiz

• Anna Maria und Karl Kramer-Stiftung

• The Ramsay Foundation

• Stiftung Umweltbildung Schweiz SUB

• Lotteriefonds Thurgau

• Bundesamt für Umwelt

• Cilag AG

• Georg Fischer AG

• Emch+Berger AG

• Zurich Versicherungen

• CleanSolution Ökofonds

• Städt. Werke Schaffhausen und

Neuhausen am Rheinfall

• Ernst Basler + Partner AG

• Canon Schweiz AG

• Amt für Umwelt Thurgau

wässer zu erkunden. Das Angebot eignet

sich für fächerübergreifenden, nachhaltigen

Unterricht und lässt sich leicht mit den

Zielen des Lehrplans und den Wünschen der

Klassen kombinieren.

Bacherlebnistage

An begleiteten Bacherlebnistagen werden

die Schulkinder von einer VivaRiva-

Fachperson in die Geheimnisse der lokalen

Wasserwelt eingeführt. Mit abwechslungsreichen

Bachuntersuchungen werden die

Kinder und Jugendlichen auf spielerische

Weise in die Ökologie der Gewässer eingeführt.

Die Forschungsexpedition mit Kescher,

Lupe und Binokular erlaubt den Teilnehmenden,

mit ihren Untersuchungen am

Ende des Tages Aussagen über die Qualität

ihres Dorfbachs zu machen. Ein positiver

Bezug zum Lebensraum Wasser wird hergestellt,

eine bekannte Welt frisch entdeckt.

In diesem Jahr soll neu auch der Biber zum

Thema werden. Der sympathische Wasserbewohner

fasziniert als Botschafter für seinen

Lebensraum. Dabei freuen wir uns auf

eine gute Zusammenarbeit mit dem „Hallo

Biber-Ostschweiz“-Verantwortlichen Philip

Taxböck.

Die Erlebnistage sind stufenspezifisch und

werden dem Wissensstand der Klassen angepasst.

Auf Wunsch werden Spezialthemen

behandelt; der Tag am Wasser kann auch als

Teil einer Projektwoche durchgeführt werden.

VivaRiva stellt für jede Klasse ein einzig-

Kind mit Frosch:Immer mehr

Kinder (und auch Lehrer)

haben Freude an VivaRiva.

Foto: VivaRiva

Das Sommerhalbjahr lädt bereits wieder ein,

für einen Entdeckungstag ins Wasser zu steigen.

VivaRiva will Schulen motivieren, das

Klassenzimmer zu verlassen und mit einer

Forschungsreise den Lebensraum Fliessgeartiges,

individuelles Programm zusammen.

Es wird gesammelt, beobachtet, erforscht,

gespielt und gebastelt: Das Wasser hat für

alle viel Spannendes zu bieten.

Lehrerweiterbildungen

Für Lehrpersonen bietet VivaRiva zum gleichen

Thema massgeschneiderte Fortbildungen

an. Ein- oder mehrtägige Kurse für Teams

vermitteln viel Wissenswertes und Inspiration

zur Umweltbildung am Wasser. Ein Wechsel

Seite 20 natur und mensch 2 / 2008


VivaRiva schafft Stellen

von Theorie und Praxis befähigt die Lehrkräfte,

spannenden und erlebnisreichen

Unterricht zum Thema Fliessgewässer zu gestalten.

Naturbegegnungen, biologisches Basis

wissen und ökologische Zusammen hän ge

sowie methodische Inputs sind ebenso Teil

der Kurse wie der Austausch mit anderen

Lehrpersonen und ein Überblick über hilfreiche

Lehrmittel. Um einen grossen Praxisbezug

und Einfachheit in der Umsetzung zu

gewährleisten, finden die Kurse stets an den

Gewässern der Region statt. Interessiert?

Weitere Informationen erhalten Sie unter

www.vivariva.ch oder direkt bei VivaRiva:

info@vivariva.ch und 052 625 26 67.

Nach dem erfolgreichen VivaRiva-Jahr 2007

haben sich auf Wunsch der Projektleiterin

Kathrin Jaag sowohl der Vorstand des Rheinau

bundes als auch der Beirat von VivaRiva

dafür ausgesprochen, in ein weiteres Teilzeitpensum

(30%) für VivaRiva zu investieren

und so sicher zu gehen, dass VivaRiva in

Fahrt bleibt. Ein Zweierteam hat die Möglichkeit

zum Austausch, zur gegenseitigen Inspiration

und zur Synergienutzung. Ausserdem

gewährleistet das Jobsharing einen nachhaltigen

Wissenstransfer und eine Qualitätssicherung

innerhalb des Projekts.

Kathrin Jaag

ist seit dem Start

Anfangs 2006 Pro -

jektleiterin von

VivaRiva. Sie ist

Umweltnaturwissenschaftlerin

und hat mehrjährige Erfahrung

aus verschiedenen Umwelt-bildungsprojekten.

Als langjährige Pfadileiterin

hat sie Freude am Umgang mit

Kindern und Jugendlichen und als Exkursionsleiterin

im Pro Natura Zentrum

Aletsch VS sowie als Leiterin verschiedener

Botanikkurse des Zürcher Vogelschutzes

auch einschlägige Erfahrungen

in der Erwachsenenbildung. Neben ihrer

Tätigkeit beim Rheinaubund ist Kathrin

Jaag als Workshopleiterin und Zooführerin

im Zoo Zürich aktiv sowie bei der

Umweltbildungsgruppe drosera.

Karin Schlude

Foto: privat

Isabelle Gerber

Foto: privat

Es haben sich mehrere qualifizierte KandidatInnen

für die Stelle interessiert und

schliess lich haben wir uns für eine „alte

Bekannte“ entschieden. Karin Schlude arbeitet

bereits seit seit Jahren zuverlässig für

den Rheinaubund, bisher im Sekretariat. Sie

ist diplomierte Geografin mit u.a. Schwerpunkt

in Hydrologie. Als Mitleiterin einer

Jugendnaturgruppe, Mitglied des Beirats

eines Waldkindergartens und Mutter von

zwei kleinen Jungen ist die Umweltpädagogik

kein neues Gebiet für sie. Ausserdem ist

sie als Feldornithologin mit Exkursionsleiterausbildung

auch die Leitung von Erwachsenen

gruppen gewohnt. Wir freuen uns sehr,

mit Karin eine kompetente Mitarbeiterin gefunden

zu haben und mit ihr zusammen

Viva-Riva weiter in Schwung zu halten!

Zusätzlich schnuppert in diesem Sommerhalbjahr

mit Isabelle Gerber eine Praktikantin

beim Rheinaubund etwas Umweltbil dungsluft.

Wir möchten damit ermöglichen, dass

sich engagierte Leute eine authentische

Idee von der Arbeit in den Bereichen Umweltbildung

und NGO-Projektarbeit machen können

und freuen uns natürlich im Gegenzug

über neue Inputs und Ideen für VivaRiva und

den Rheinaubund. Isabelle Gerber hat einen

Bachelor in Umweltwissenschaften und arbeitet

seit Anfangs März mit grossem Engagement

für VivaRiva.

Hinweis

[1] unter www.vivariva.ch/aktuell finden den

Jahresbericht zum herunterladen.

Kathrin Jaag

Weinsteig 192

8291 Schaffhausen

Tel. 052 625 26 67

info@vivariva.ch

Seite 21


Rheinaubund

Im Gedenken an Forstingenieur Dr. Alfred Huber

10. Juni 1918 – 12. März 2008

Wir werden Alfred Huber

(10. Juni 1918 – 12. März

2008) voller Dankbarkeit in

guter Erinnerung behalten.

In der Nacht vom 11. auf den 12. März 2008

ver starb Forstingenieur Dr. Alfred Huber im

Alter von nahezu 90 Jahren. Sein Gesundheitszustand

erlaubte ihm den Verbleib in

seinem Heim an der Lahnstrasse bis zum

letzten Tag. Das Studium seiner Akten ergibt

eine unglaubliche Fülle verschiedenster

Arbeitsfelder, insbesondere im Bereich der

Forstwirtschaft. Die Liste der Einsatzorte

umfasst viele Länder in fast allen Kontinenten

dieser Erde. Während des Studiums der Forstwissenschaften

in den Jahren 1937 bis 1944

weckten in ihm einige begnadete Lehrer das

„feu sacré“ für eine der Natur entsprechenden

Waldbewirtschaftung, für welche er sich

in seinem ganzen Leben engagiert hat. Halbe

Sachen waren ihm zuwider, dementsprechend

engagiert war sein Einsatz, dem sich

alle anderen Lebensbereiche, auch seine

Familie unterzuordnen hatten. Die nachfolgend

beschrieben Stationen und Engagements

im Leben von Alfred Huber vermögen

die Fülle seines Lebenswerks nur

fragmentarisch zu beleuchten, man könnte

Bände damit füllen!

Ein Leben für den Wald

Nach dem Abschluss seines Studiums der

Forstwissenschaften im Jahre 1944 arbeitete

Alfred als Assistent an der ETH und schloss

sein Doktorat im Jahre 1947 mit der Dissertation

„Der Privatwald in der Schweiz“ ab.

Sein Drang nach Reisen ins Ausland war

unbändig, umso mehr fühlte er sich in den

Kriegs jahren in der Schweiz als „eingesperrt“.

Als nach dem Krieg der internationale

Studentenaustausch wieder aufgenommen

wurde, gelang es ihm – als erstem

Schwei zer Austauschstudenten – in Vancouver

an der Pazifikküste Kanadas an der dortigen

Forsthochschule aufgenommen zu

werden, wo er ein Zweitstudium in amerikanischer

Forstwirtschaft begann. In dieser

Zeit stand er bereits in Briefkontakt mit seiner

späteren Ehefrau Hedi Meyer.

Nach Abschluss dieses Studiums 1949 kam

er in Kontakt mit Unternehmern der Papierholzindustrie,

welche Probleme mit der Holzgewinnung

in schwierigem Gelände hatten.

Alfred vermittelte den Kontakt mit der Fa.

Wyssen Seilbahnen AG in Reichenbach, welche

noch heute existiert. Wyssen stellte ihn

kurzerhand ein und Alfred kehrte in die

Schweiz zurück. Im Auftrag dieser Firma war

er in Kanada und den USA unterwegs, evaluierte

dort Einsatzmöglichkeiten zur Holzbring

ung mit mobilen Transportseilbahnen

und akquirierte Kunden.

In den Jahren 1950/51 herrschte infolge der

Koreakrise akuter Papiermangel. Ein internationales

Unternehmen der Papierindustrie

versuchte sich das persönliche Netzwerk

von Alfred bei der Beschaffung neuer Papierholzquellen

für Europa zu Nutze zu machen.

Im Auftrag dieser Firma reiste er daraufhin

in der halben Welt herum. Dabei war er häufig

in der Wildnis unterwegs und blieb

manchmal für Wochen für seine Angehörigen

unerreichbar.

Durch seine wissenschaftlichen Publikationen

wurde die Food and Agriculture Organization

(FAO) der UNO auf den Waldwirtschaftsfachmann

aufmerksam. Nach sporadischen

Einsätzen als Berater für moderne

Holznutzungstechnik, so im Himalaya und

im Auftrag der jugoslawischen Regierung in

allen Teilrepubliken, bekam Alfred Huber eine

Dauerstelle am Hauptsitz der FAO in Rom

angeboten. Er zog mit der inzwischen gegründeten

Familie nach Rom. Im Auftrag der

FAO bereiste er viele Länder, insbesondere

die Tropen als Berater für eine rücksichtsvolle

(heute würde man sagen: nachhaltige)

Bewirtschaftung von Regenwäldern.

Ein vehementer Verfechter naturnaher

Waldbewirtschaftung

Als vehementer Verfechter einer naturnahen

Waldbewirtschaftung war er massgeblich

am Aufbau der Arbeitsgemeinschaft für naturnahe

Waldwirtschaft Deutschland und

deren Gründung im Juni 1950 in Schwäbisch

Hall beteiligt. Er hatte sehr viele Freunde in

der Bundes-ANW, wie sie in Deutschland

auch genannt wird, die ihn als Fachmann

aber auch als warmherzigen Menschen bis

zum heutigen Tage hoch zu schätzen gelernt

hatten. Alfred war auch Mitbegründer

des 1992 gegründeten Pendents, der ANW-

Schweiz. Die Schweizerische Stiftung Pro

Silva Helvetica, deren Stiftungszweck die

Förderung des Plenterprinzips ist, verlieh

Alfred für seine grossen Verdienste im Sinne

des Stiftungszwecks im Jahre 1998 die Kasthofer

Medaille, benannt nach dem grossen

Schweizerischen Forstmann Karl Kasthofer.

Im Jahre 1955 starb der Schaffhauser Forstmeister

Eduard Hitze und Alfred beschloss,

sich als dessen Nachfolger zu bewerben,

dies auch im Hinblick, sich dann besser für

den geliebten Randen mit seine vielen botanischen

und kulturhistorischen Beson derheiten

engagieren zu können. Er erhielt diese

Stelle und verstand sich sehr gut mit dem

Chef des kantonalen Forstamtes, Arthur

Ühlinger. Beide engagierten sich auch für

Belange ausserhalb ihrer eigentlichen forstlichen

Aufgaben: Wanderwege, Inventarisierung

der Besonderheiten des Randens,

Seite 22 natur und mensch 2 / 2008


dessen Planung und Schutz. Zusammen

mit dem späteren Ständerat Kurt Bächtold

waren sie die treibenden Kräfte bei der

Gründung der Randenvereinigung, die

Alfred von 1971 bis 1985 präsidierte. Er engagierte

sich auch in der Politik, anfangs für

die FDP im Kantonsrat, später für die Jungliberalen

im grossen Stadtrat.

Seine sehr häufigen und langen Ausland aufenthalte

erklären, dass Alfred über den

Rheinaukampf kaum orientiert war. Wäre dies

der Fall gewesen, hätte er sicher mit an

vorderster Front gestanden. Dies änderte

sich mit seinem Domizilwechsel nach Schaffhausen,

wo ihn Arthur Ühlinger sofort ins

Vertrauen zog. Für die „ausserforstlichen Tätig

keiten“ inkl. Rheinaubund stellte Arthur

Ühlinger bereitwillig seine Büroinfrastruktur

samt Sekretärin zur Verfügung.

Trotz der 100%-Anstellung beim Kanton war

Alfred zeitweise weiterhin für die FAO tätig.

Dies bedeutete hin und wieder auch monatelange

Auslandaufenthalte in aller Welt, so

z.B. in Nigeria und Nicaragua. Dieses Doppelmandat

war ein harte Probe für die Familie,

denn Alfred war sozusagen Tag und Nacht

an der Arbeit.

Mit der Pensionierung von Arthur Ühlinger

verlor Alfred sozusagen seine Heimat in der

Forstverwaltung; der neue Chef hatte kein

Verständnis dafür, dass die Amtsgeschäfte

auf dem Forstamt mit Naturschutz, Randen

und Umweltschutz, Rheinaubund, etc. vermischt

wurden. Deshalb kündigte Alfred im

Jahre 1968 die Stelle als Forstmeister und arbeitete

fortan in Zürich in einem privaten

Forstingenieurbüro. Der weiteren Zusammenarbeit

mit Arthur Ühlinger stand dadurch

nichts mehr im Wege. Seit 1976 betrieb

Alfred ein eigenes Forstingenieurbüro

in Schaffhausen. Auch während dieser Zeit

hielt sich Alfred häufig im Ausland auf, so

z.B. im Auftrag der Weltbank, der damaligen

Direktion für Entwicklungszusammenarbeit

und Humanitäre Hilfe (DEH) und privater

Auftraggeber.

Mit dem Hinschied von Arthur Ühlinger im

Jahre 1983 verlor der Rheinaubund eine

hervorragende Führungspersönlichkeit und

den Redaktor seiner Zeitschrift „natur und

mensch“. Trotz seines inzwischen erreichten

Rentenalters entschloss sich Alfred, die

Redaktion der Zeitschrift zu übernehmen.

Die von Alfred redigierten Artikel in „natur

und mensch“ waren stets fundiert und sehr

gut recherchiert. In manchmal nächtelanger

Arbeit füllte sich pro Heftausgabe jeweils

mindestens ein Bundesordner mit Recherchen

und Autorenkorrespondenz.

Alfred Huber war es, der mich im Jahre 1990

in mein Amt als Geschäftsführer des Rheinaubundes

eingeführt hat. Es war mir sofort bewusst,

dass mein Mentor seine Anliegen als

starke Persönlichkeit mit Vehemenz zu vertreten

wusste und dabei auch mal ins

Fettnäpfchen trat. Seinem Temperament entsprechend

konnte er durchaus auch starke

Worte gebrauchen. Niemals aber ging es

ihm um seine Person, sondern immer um

die Sache. Ein grosses Anliegen war Alfred,

unsere Mitglieder und Abonnenten nicht

nur als „Geschäftspartner“ wahrzunehmen,

sondern immer den Menschen dahinter zu

sehen. In seinem Sinne würdigt der Rheinaubund

seither die lange Treue seiner Mitglieder

und Abonnenten in verschiedener Weise

und wir führen den Status „Sozialtarif“ für

LeserInnen mit finanziellen Problemen. Anlässlich

der Mitgliederversammlung 1999

trat Alfred aus dem Vorstand zurück und

wurde auf Grund seiner Verdienste zum

Ehrenmitglied ernannt.

Auf dem Buechberg besass Alfred ein Stück

Wald mit einer grossen Lichtung. Dies war

sein Lieblingsort, den er hegte und pflegte

und wo er mit seiner Familie viele schöne

Stunden verbrachte. Noch diesen Winter haben

Alfred und ich Bäume zum Fällen gezeichnet.

Noch zwei Wochen vor seinem

Hinschied war Alfred mit seiner Familie beim

Aufräumen nach dem Holzschlag dort und

genoss die Gewissheit, dass sein Ziel, an diesem

Ort seltene Arten zu fördern in seinem

Sinne weiter verfolgt wird.

Mit dem Hinschied von Alfred Huber verliert

die Region einen selbstlosen Anwalt der

Natur, welcher mit seinem beharrlichen

Engagement vielen Projekten zum Durchbruch

verhalf und deren Wirkung noch weit

in die Zukunft weisen wird.

Ruedi Schneider

Geschäftsführer des Rheinaubundes

bis 2007

Seite 23


Jahresbericht 2007

Tätigkeitsbericht Rheinaubund 2007

Dieser Bericht umfasst unsere Aktivitäten im Vereinsjahr 2007 in Kurzform. Er

erlaubt einen Überblick über unser umfangreiches Engagement. Einzelne Projekte

sind in diesem Heft ausführlich beschrieben. Zu den anderen Geschäften können

selbstverständlich an der Mitgliederversammlung oder auf der Geschäfts stelle

jederzeit zusätzliche Infos nachgefragt werden.

Uwe Scheibler

Gewässerschutz

Gewässer-Übersicht im Kanton Schaffhausen

(siehe ausführlicher Beitrag S.11ff)

Furtbach Kt. Zürich

Aus dem Furtbach werden erhebliche Wasser

mengen für die Bewässerung von Gemüsekulturen

entnommen. Dass dies vor allem

im Sommer immer wieder zu schwierigen

Situationen führt, ist klar. Die entsprechende

Entnahmekonzession lief Ende Oktober

2007 aus und eine neue Konzession ist nicht

in Sicht. Wir haben unser Interesse bei den

zuständigen Behörden (AWEL) kundgetan,

aber noch keine Reaktion erhalten.

Garwidenbach, Gde. Mettmenstetten,

Kt. Zürich

Das amtliche Sanierungsprojekt sah die Wiedereindolung

von zwei, durch die Kantonsstrasse

getrennten Teilstücken einer Rohrleitung

vor. Das eine Teilstück wurde aus

Hochwasserschutzgründen schon vor Inkrafttreten

der Verfügung saniert, wodurch

vollendete Tatsachen geschaffen wurden.

Eine offene Wasserführung wäre unserer

Ansicht nach grundsätzlich durch einen

neuen sorgfältig gewählten Bachlauf ohne

erhebliche Nachteile für die Landwirtschaft

möglich gewesen. Auf einen Rekurs gegen

die Verfügung wurde zur Wahrung der

Verhältnismässigkeit verzichtet. Mit der

Stellungnahme vom 04.04.2007 drückt der

Rheinaubund jedoch sein Bedauern über

den unsachgemässen Verfahrensablauf aus,

da er einen Präzedenzfall für mögliche ähnliche

Situationen darstellt.

In seiner Antwort weist das AWEL auf den

Nachteil für die Landwirtschaft bei einer

Ausdolung hin und erwähnt, dass der

Garwidenbach sehr tief unter dem Boden läge

und diverse Drainagen daran angeschlossen

seien.

Kiesbaggerungen an der Thurmündung,

Kt. Zürich/Land Baden-Württemberg

Die Thur ist heute der grösste Geschiebe zubringer

am Hochrhein. Infolge des Einstaus

der Thurmündung durch das Kraftwerk

Eglisau bleibt das Geschiebe aber im

Mündungsbereich liegen. Obwohl es sich

um ein Auengebiet von nationaler Bedeutung

handelt, werden die Geschiebeablagerungen

daher regelmässig ausgebaggert,

da ein Anstieg der Hochwasserstände befürchtet

wird. Das Baggergut – zum grössten

Teil bester Rundkies – wurde bisher verkauft.

In den wenigen noch frei fliessenden

Flussabschnitten unterhalb der Thurmündung

besteht deshalb ein grosses Geschiebedefizit.

Der Rheinaubund, obwohl nicht

Freund von Flussbaggerungen, begrüsst die

teilweise Kiesrückgabe in den Rhein, die im

Rahmen der Baubewilligung für das

Kraftwerk Eglisau angestrebt wird. Bereits

ausgeführt hat der Kanton Zürich einige

Kiesschüttungen oberhalb der Thurmündung,

auf der noch frei fliessenden Strecke

zwischen Rheinau und Ellikon. Diese kann

damit ökologisch aufgewertet werden.

Kleine Gewässersanierungen –

Beratungstätigkeit

Diese Dienstleistung bietet fachliche Beratung

für Gemeinden bei Revitalisierungsprojekten,

die Prüfung bereits ausgearbeiteter

Projekte und Beurteilung der ökologischen

Qualität sowie die Erarbeitung von Konzepten

zur Revitalisierung und Offenlegung von

Bächen. Verschiedenes konnte bisher erreicht

werden: Beratung zur fischgerechten

Anschliessung des Maneggbaches an die

Sihl in Zürich-Leimbach, Gutachten zur

Sohlausgestaltung des geöffneten Kanal

Andreasstrasse (Stadt Zürich), erfolgreicher

Rekurs gegen die Wiedereindolung des

Aarbaches (Herrliberg), ökologische Baubeglei

tung am Mülibach (Gemeinde Winkel,

ZH), Empfehlung zur Ausgestaltung eines

rauen Beckenpasses an der Reppisch. Die

Erfahrungen der letzten drei Jahre zeigen

aber zunehmend, dass solche Beratun gen

nur sinnvoll sind, wenn wir sehr frühzeitig

beteiligt werden, weil dann die Ein griffsmöglichkeiten

am grössten sind.

Revitalisierung Thurauen, Kt. Zürich

Dieses Projekt ist das umfangreichste Renaturierungsvorhaben

an der Thur und betrifft

das grösste Auengebiet von nationaler Bedeutung.

Bei diesem 42 Mio. Projekt werden

Anliegen des Hochwasser schutzes, der Ökologie,

des Auenschutzes, der Gewässerrevitalisierung,

der Landwirt schaft und der Erholung

so gebündelt, dass alle Betroffenen

zufrieden sein können. Der Rheinaubund

hat Einsitz in der vom Regierungsrat eingesetzten

Begleitkommis sion und wird die

Umsetzung der beschlossenen Massnahmen

konstruktiv mitverfolgen. Ein Defizit des

Grossprojektes liegt in der nur rudimentär

ausgearbeiteten Erho lungsplanung. Diese

soll weitgehend von der Regionalplanung

an die Hand genommen werden. Das hat

zwar den Vorteil, dass erneut die Direktbetroffenen

(v.a. Gemein den) gut integriert

sind, birgt aber das Risiko einer blossen

Fortsetzung des Ist-Zustandes. Das zeigt

sich z.B. darin, dass trotz einer Änderung des

Verkehrsrichtplanes verschiedene Parkplätze

mitten im Auengebiet, im Waldareal und

teilweise sogar innerhalb der Beurtei lungslinien

für eine dynamische Ent wicklung der

Thur erhalten oder gar erweitert werden

sollen.

Thurkorrektion Weinfelden-Bürglen,

Kt. Thurgau

Der Raum der Thur zwischen Weinfelden

und Bürglen im Kanton Thurgau wird für

Hochwasserschutz und Renaturierung vollständig

neu gestaltet. Die im Rahmen der

sogenannten 2. Thurkorrektion vorgesehenen

Massnahmen sind noch immer in der

Seite 24 natur und mensch 2 / 2008


Projektierungsphase. Das Planungsverfahren

wird von der Regionalen Arbeitsgruppe

(RA) begleitet, in der alle am Vorhaben

interessierten Kreise vertreten sind. Auch

der Rheinaubund ist in diesem Gremium

und wird durch das Vorstandsmitglied Dipl.-

Ing. Landschaftsplanerin Anna Belser sowie

durch den Geschäftsführer vertreten.

Die im Herbst 2007 verspätet vorgelegten

Vorprojekte waren unvollständig. Auch

musste bemängelt werden, dass es für die

hauptsächlich betroffenen Landwirte noch

überhaupt keine Kompensationsüberlegungen

gibt.

Kleinkraftwerk am Ambauenwehr an der

Engelberger Aa, Kt. Nidwalden

Das Ambauenwehr an der Engelberger Aa

unterbricht das Flusskontinuum und verhindert

damit u.a. den Aufstieg der Seeforelle

zu ihren Laichgründen. Gegen die Nutzungsänderung

zur Stromerzeugung und Einspeisung

ins Netz der seinerzeit zum Betrieb

einer Säge erstellten Anlage erhoben wir

Einsprache und forderten deren Rückbau.

Das Verwaltungsgericht des Kt. Nidwalden

hat den vorherigen positiven Entscheid des

Regierungsrates aufgehoben und zur Neubeurteilung

zurückgewiesen. Nach der

Analyse des Verwaltungsgerichtsentscheides

durch unseren Rechtsanwalt beschlossen

wir, den Entscheid vor dem Bundesgericht

anzufechten. Das Bundesgericht hat

unsere Beschwerde leider abgewiesen. Der

Kleinkraftwerkbetreiber muss nun die Auflagen

des Gewässer schutzgesetzes einhalten

und eine funk tions fähige Fischaufstiegsanlage

erstellen. Die Projektvarianten

waren Ende 2007 noch in der Ausarbeitung

und werden im Frühjahr 2008 vom AfU Nidwalden

vorgestellt, bevor die Konzession

öffentlich aufgelegt wird.

Kraftwerk Eglisau,

Kt. Zürich/Land Baden-Württemberg

Der Rheinaubund und seine Mitstreiter

mussten vom Beginn des Verfahrens an um

elementare Anforderungen streiten, insbesondere

um den Geschiebehaushalt, die

freie Fischwanderung und um den Miteinbezug

der Staustrecke in die Untersuchungen

der Umweltverträglichkeit. Auch die zweimalige

bedingungslose Verlängerung der

alten Konzession haben wir gerügt.

2006 kam es zu Einigungsverhandlungen.

Obwohl Verbesserungen erzielt wurden,

sind längst nicht alle ökologischen Anliegen

erfüllt. So z.B. die Staukotenabsenkung, welche

wegen der befürchteten Uferrut schungen

politisch nicht machbar ist, die Dynamisierung

des Alten Rheins bei Rüdlingen,

welche am Widerstand des Kt. Schaffhausen

gescheitert ist oder das Umgehungsgerinne

auf deutscher Seite, welches aus Kosten-

Nutzen-Überlegungen durch eine kombinierte

Lösung mit Schiffsschleuse/Fischlift

ersetzt worden ist.

Aus verfahrenstechnischen Gründen müssen

die meisten Anträge unserer Einsprache

aufrechterhalten bleiben, auch wenn sich

an der Verhandlung ein allgemeiner Konsens

abgezeichnet hat. Letzter Prüfstein für den

Entscheid bezüglich eines allfälligen Weiterzuges

werden die Bestimmungen des

Bauentscheides sein. Knackpunkte sind insbesondere

noch die Verbesserung des

Fischpasses beim Wehr und die Geschiebezugaben

in der Stauwurzel (Aufwertung der

Strecke zwischen Thur- und Tössmündung).

Wir hoffen, dass unsere Anträge darin berücksichtigt

werden.

Kraftwerk Elm, Kt. Glarus

Am bisher noch recht naturnahen Abschnitt

des Sernf zwischen Elm und Matt im Glarner

Chlital soll ein Wasserkraftwerk mit ca. 2,5

MW Leistung gebaut werden. Auch auf der

Höhe Sool ist ein weiteres Kraftwerk in Planung.

Zusammen mit Pro Natura Glarus haben

wir die Strecke besichtigt und bereiten

uns für den Fall der Konzessionsaus schreibung

vor.

„KWO Plus“ Grimsel – Mauererhöhung

gegen Moorlandschaft

Beim Projekt „KWO Plus“, das uns im Verbund

mit anderen Umweltorganisationen seit

1999 beschäftigt, geht es im Wesentlichen

um die Fragen, ob die geplante Mehrproduktion

bzw. Staumauererhöhung des

Grimselsees von nationaler Bedeutung sei,

Das Kraftwerk Eglisau

beschäftigt den Rheinaubund

seit mehr als zehn

Jahren.

Foto EKZ

und ob diese in der Interessenabwägung

höher zu gewichten ist als die massiven

Eingriffe in die BLN-Landschaft von nationaler

Bedeutung bzw. der verfassungsmässig

garantierte Schutz der einmaligen Gletscher-

und Moorlandschaft. Das Wasserwirt -

schaftsamt des Kantons Bern hat im März

2007 das Projekt als umweltverträglich bewertet

und bewilligt. Die Umweltverbände

haben am 12. März 2007 mit einer Medieninformation

ihren Standpunkt nochmals klar

gemacht und beim Verwaltungsgericht des

Kt. Bern Beschwerde eingereicht. Die Schriftenwechsel

deuten darauf hin, dass sich das

Gericht sehr kritisch mit dem gewählten –

und von uns kritisierten Verfahren (baurechtlich

statt Konzessionsänderung) auseinandersetzen

wird (siehe Seite 37).

Fischaufstieg beim KW Hard an der Töss,

Stadt Winterthur, Kt. Zürich

Die Forderung nach einem Fischpass am

Wehr des Töss-Kraftwerks Hard bei Winterthur

ist eine Vorgabe aus dem Öko strom-

Zertifizierungsprozess 2002. Aus verschiedensten

Gründen hat sich der Bau einer

neuen Anlage verzögert. Ende 2007 wurde

sie nun erstellt. Noch ist ihre Funktionstauglichkeit

von den Betreibern nicht nachgewiesen,

doch der Rheinaubund ist überzeugt,

dass mit einer Betriebsoptimierung

die Anlage nun dem Stand der Technik entspricht.

Unklar bleibt, weshalb der Kanton in

der Baubewilligung nicht auch die Auflage

einer Erfolgskontrolle gemacht hat. Der

Aufwand für die Behörden, den als „möglich“

taxierten nachträglichen Umbau eines

Beckens zur Kontrolle später auch wirklich

einzufordern, ist ungleich grösser, als wenn

diese Auflage gleich zu Beginn festgehalten

würde.

natur und mensch 2 / 2008

Seite 25


Jahresbericht 2007

Rieter Ökostrom Zertifizierung,

Kt. Zürich

Für die beiden länger ausser Betrieb stehenden

Tösskraftwerke der Firma Rieter in

Winterthur ist eine mit Auflagen verknüpfte

„Konzessionsverlängerung“ bewilligt worden.

Der Rheinaubund hat im Rahmen seines

Engagements in der ProTöss die Ökostromzertifizierung

begleitet. Leider sieht

die Betreiberin der Werke, die Nordstrom

GmbH aus Schaffhausen, diese Begleitung

eher als Belastung denn als Chance an, und

es muss sich im Rahmen des noch zu gründenen

Ökofondsgremiums zeigen, welche

Anliegen an eine möglichst naturnahe Töss

noch eingebracht werden können. Positiv

ist aber sicher, dass nun erstmals Restwassermengen

bestimmt sind für die Ausleitstrecken,

dass am Wehr ein moderner Fischpass

errichtet wurde und ein Konzept für

eine Funktionskontrolle in Arbeit ist.

Kraftwerk am Isorno, Italien

und Kt. Ticino

Am Oberlauf des Isorno ist auf italienischer

Seite ein Kleinkraftwerk geplant, das dieses

Gewässer massiv beeinträchtigen würde. Im

mitbetroffenen schweizerischen Onserno -

ne tal wird über ein Parkprojekt diskutiert,

das mit dem Kraftwerkbau erledigt wäre.

Nun besteht eventuell die Möglichkeit, den

Park ge danken auf das italienische Gebiet

auszudehnen. Hier konnten wir beratend

tätig wer den und verfolgen die weitere

Projektentwicklung zusammen mit Pro

Natura Tici no.

Kraftwerk Kembs, Frankreich/Deutschland

(siehe ausführlichen Beitrag Seite 10 ff)

Kraftwerk Kradolf-Schönenberg, Kt. Thurgau

(siehe ausführlichen Beitrag S. 17)

Kraftwerk Lugnez, Kt. Graubünden

(siehe ausführlichen Beitrag S. 18 ff)

Kraftwerk Rheinfelden, Kt. Aargau und Land

Baden-Württemberg

Hier handelt es sich um das grösste Neubau-

Projekt am Hochrhein. Der Neubau vernichtet

zu einem grossen Teil einen der letzten

„Laufen“ (Gwild) am Hochrhein durch Einstau

und Austiefung (Sprengung). Die erste

Einsprache gegen die Konzession erfolgte

1988. Eine weitere Einsprache im Rahmen

des Baubewilligungsverfahrens folgte 1996.

Einigungsverhandlungen und bilaterale

Ge spräche führten schliesslich zu einem

akzeptablen Konsens. Wir sind mit Jürg

Bloesch und Ueli Rippmann in der ökologischen

Bau begleitung vertreten.

Inzwischen sind grosse Teile des neuen

Wehrs fertig gestellt. Teile des Gwildes sind

schon gesprengt; die Flussbaggerung erfolgt

schrittweise in Fliessrichtung mittels

temporärer Schüttdämme und ist damit viel

umweltverträglicher als ursprünglich geplant.

Teile des Flusskieses werden für das

grosse Umgehungsgerinne verwendet. Die

KW Rheinfelden:

Die Arbeiten am Ehr

sind mittlerweile weit

fortgeschritten.

Foto: Energiedienst AG

Ausgleichs- und Ersatzmassnahmen der

Bauphase 2 werden jetzt in Angriff genommen

(Oberwasser). Bis 2010 sollen die Turbinen

in Betrieb genommen werden, bis

2011 soll das Umgehungsgerinne in Funktion

sein, womit man insgesamt ein Jahr gewonnen

hätte.

Kraftwerk Rüchlig bei Aarau, Kt. Aargau

Durch das Sommerhochwasser im August

wurden die Turbinen beim Kraftwerk Rüchlig

schwer beschädigt. Fast gleichzeitig reichten

die NOK ein Gesuch für die neue Konzession

ein.

Einige Punkte aus unserer Einsprache sollen

hier beispielhaft kurz aufgeführt werden:

– Der Kanton hat es versäumt, die Siedlungsplanung

mit den Anforderungen an

ein naturnahes Gewässer und an einen

naturnahen Hochwasserschutz abzustimmen.

Dadurch ergibt sich ein Sachzwang

zu höheren Dämmen und weniger Spielraum

für eine Renaturierung.

– Die angestrebte Konzessionsdauer ist mit

80 Jahren eigentlich eine Frechheit. Wenn

für grosse Kraftwerke an Hoch- und

Oberrhein 20 Jahre genügen, dann müssen

auch die NOK mit 20-40 Jahren auskommen

können. Innerhalb der Konzessions

dauer sind nämlich zusätzliche Mass -

nahmen zugunsten von Natur und Land -

schaft kaum möglich.

– Die Erhöhung der Staukote wird den unnatürlichen

Zustand der Staustrecke noch

verstärken. Mit einer besseren Technik

kann der Wirkungsgrad auch ohne Er höhung

der Staukote um einiges verbessert

werden.

– Die vorgesehene Restwassermenge ist für

einen der grössten Flüsse unseres Landes

deutlich zu gering. Ein Fluss muss fliessen

können.

– Die Fischgängigkeit ist mit den vorgesehenen

Massnahmen wahrscheinlich nicht

oder nur zu einem ungenügenden Teil erreichbar.

Das Gewässerschutzgesetz fordert

in diesem Punkt eindeutig mehr.

– Für die ökologischen Ausgleichsmass nahmen

ist eine Bilanz zu erstellen, damit die

geplanten Massnahmen im Umfang überhaupt

bewertet werden können.

Seite 26 natur und mensch 2 / 2008


Alter und neuer

Geschäftsführer bei einem

Ortstermin am Kraftwerk

Rüchlig.

Foto: Rheinaubund

– Der Umfang der ökologischen Ausgleichsmass

nahmen ist im Verhältnis zum Eingriff

zu gering und soll auch auf Massnahmen

ausserhalb des Konzessionsbereichs ausgedehnt

werden.

– Die Durchgängigkeit für Geschiebe muss

deutlich erhöht werden und es ist zu überlegen,

an welchen Seitenbächen zusätzliches

Geschiebe eingebracht werden

könnte. Heute gehen gerade einmal 2,5

Prozent der natürlichen Geschiebemenge

durch.

– Für den Betrieb des Kraftwerkes darf kein

Grundwasser genutzt werden.

– Das Monitoring für natur- und umweltbezogene

Parameter muss ausgebaut und

während der gesamten Betriebszeit durchgeführt

werden.

Für Anfang 2008 sind Einigungsver handlungen

geplant.

An den Aktivitäten waren zusammen mit

den regionalen Umweltverbänden nebst

Jürg Bloesch und Ueli Rippmann auch unsere

Vorstandsmitglieder Anna Belser und

Konrad Knupp beteiligt.

Kraftwerk Rhyburg-Schwörstadt (KRS),

Kt. Aargau und Land Baden-Württemberg

Dieses Kraftwerk soll im Jahre 2010 eine

neue Konzession erhalten. Dabei sollen gravierende

ökologische Beeinträchtigungen

gemildert werden. Die Verbände wurden in

vorbildlicher Weise frühzeitig eingeladen

und informiert. Ein Teil unserer Vorschläge

wurde ins Pflichtenheft übernommen. Die

Auftragsvergabe für die Hauptuntersuchung

(UVB) ist Mitte 2005 erfolgt. Am 28. Februar

2007 hat die Kraftwerk Ryburg-Schwörstadt

AG das Konzessionsgesuch mit den Fachberichten

bei den Amtsstellen in der Schweiz

und in Deutschland eingereicht. Die Einspracheverhandlungen

sollen im Frühling 2008

stattfinden. Es ist zu hoffen, dass die letzten

Probleme einvernehmlich gelöst werden

können. Grössere Meinungsverschiedenheiten

bestehen insbesondere bezüglich der

Fischaufstiegshilfe beim Wehr.

Kraftwerk Rheinau, Untersuchung

Restwasserstrecke und Wehrsanierung,

Kt. Zürich und Land Baden-Württemberg

Unsere wissenschaftliche Untersuchung der

Restwassertrecke Rheinau fand in der Öffentlichkeit,

bei den Behörden und bei den

Projektanten bekanntlich grosse Beachtung.

Das Bundesamt für Energie (BFE), zuständig

für die Grenzkraftwerke, nutzt unsere Untersuchungsergebnisse

und hat uns einen Teil

unserer finanziellen Aufwendungen zurück

erstattet. Die Modellberechnungen wurden

im März 2006 mit 1:1 Dotierversuchen verifiziert,

die eine hohe Beachtung in den Medien

fanden. Problempunkt ist das von der

ENHK eingeforderte heutige Landschaftsbild,

das es zu erhalten gelte. Inzwischen hat

das BFE die Elektrizitätswerk Rheinau AG

(ERAG) aufgefordert, die Auswirkungen im

Hinblick auf die wirtschaftliche Tragbarkeit

mit saisonal variablen Dotierungen von 20–

40m 3 /s; 40–60m 3 /s und 50–70m 3 /s zu verifizieren.

Das BFE hat uns in einem Brief über

die aktuelle Lage informiert und angedeutet,

dass im Sommer 2008 die von den Behörden

favorisierte Variante den Einsprechern

vorgestellt werden soll, bevor das Projekt öffentlich

aufgelegt wird. In unserem Antwortschreiben

verlangen wir, dass nicht nur die

untere Hälfte, sondern die ganze Restwasserstrecke

ökologisch saniert werden muss.

Auch die von der ERAG vorgenommene

technische Revision der Hilfswehre wird gemäss

den Behörden kein Präjudiz schaffen,

da sie Unterhaltsmassnahmen innerhalb der

geltenden Konzession sind.

Kraftwerk Weseta, Gemeinde Engi, Kt. Glarus

Am Mülibach existiert seit dem vorletzten

Jahrhundert ein Klein-KW der Textilfabrik

Weseta AG. Die Anlage sollte eigentlich zu

Gunsten eines grösseren Kraftwerks oberhalb

aufgegeben werden. Aus politischen

Gründen wurde die 1998 erteilte Konzession

bis heute nicht wahrgenommen und die

Weseta sanierte in der Zwischenzeit ihre

Anlage. Nun soll aber das oberliegende KW

doch gebaut werden. Der Sanierungsbericht

berücksichtigt diese Lage (kombinierter

Eingriff) nicht und ist in sich wenig konsistent.

Die Auflagen sollen nicht in einer

Verfügung, sondern über einen Vertrag geregelt

werden. Wichtige Unterlagen haben

wir bisher nicht erhalten und haben deshalb

zuhanden des Amtes für Umweltschutz

(AfU), auch im Namen von pro Natura und

WWF Glarus, eine Stellungnahme erarbeitet.

Im Januar 2008 fand zwischen allen Beteiligten

ein gutes Gespräch statt, bei dem sich

eine win-win Lösung abzeichnete: Das Klein-

KW darf stehen bleiben unter der Bedingung,

dass die Restwassermengen gemäss Gewässer

schutzgesetz dotiert werden, ein Abflussmonitoring

stattfindet, die Fischaufstiegshilfe

am oberen Werk funktionstüchtig

gebaut wird und noch auszuhandelnde

Ausgleichs massnahmen im Ge wässersystem

Mühli bach/Sernf erbracht wer den. An diesem

Pro jekt sind beteiligt: Lukas Boller,

Manuela Krähenbühl, Anna Kley, Jürg

Bloesch und Konrad Knupp.

Kraftwerk Wettingen an der Limmat,

Kt. Aargau

Die Stadt Zürich (EWZ) will ihr Kraftwerk in

Wettingen für weitere 80 Jahre betreiben

und das Werk erweitern. Mit dem Einbau einer

Rohrturbinenanlage in das Wehr soll der

neuen Gesetzgebung, insbesondere dem

Gewässerschutzgesetz, Nachachtung verschaffen

werden. Mit der geplanten Anlage

lässt sich die Limmatschlaufe, welche bisher

lediglich mit einer kläglichen Restwassermenge

dotiert war, ökologisch aufwerten.

Trotzdem waren Verhandlungen nötig, wobei

ein von allen Seiten akzeptierter Konsens

gefunden wurde. Der Rheinaubund ist mit

Edda Rohe in der ökologischen Begleitgruppe

vertreten. Der Kraftwerksumbau ist im

vollem Gange. Nach dem bereits erstellten

Fischaufstieg Schanzengraben und der ca.

natur und mensch 2 / 2008

Seite 27


Rheinaubund

7 ha grosse Flussaufweitung bei Geroldswil

wurde im Herbst 2007 das technisch

sehr anspruchsvolle Umgehungsgerinne am

Wehr fertig gestellt. Damit ist die Fischgängigkeit

vom Wasserschloss bis in den Zürichsee

endlich wieder hergestellt.

Landschaftsschutz

und Raumplanung

Im Jahr 2007 entstand das

technisch sehr anspruchsvolle

Umgehungsgerinne

am Wehr des KW Wettingen.

Foto: G. Frauenlob

Projektbegleitung Eisenbahn-Grossprojekte

AlpTransit und Bahn 2000, Schweiz

Grundsätzlich erachten die Umweltschutzorganisationen

den Bau der NEAT als sinnvolles

Projekt zur umweltgerechteren Bewältigung

der Mobilität von Personen und

Gütern. Allerdings bringt dieses Grossprojekt

entsprechend grosse Eingriffe in die Natur,

die Landschaft und die Siedlungen mit sich.

Gewässer sind betroffen, Grundwasser wird

tangiert, Emissionen gelangen in die Luft,

Böden werden hektarweise umgelagert und

Lebensräume mit Lärm beschallt. Die neuen

Verkehrswege der Bahn durchschneiden

Wildtierkorridore, oder diese werden im Zusammenhang

mit den Ablagerungen des

Ausbruchmaterials der Tunnels für lange

Jahre unterbrochen.

Es ist ein wichtiges Anliegen der Natur-,

Um welt- und Heimatschutzorganisationen,

dem Schutz der Umwelt, der Natur und der

Heimat auch bei der Realisierung des Grossprojekts

der Bahninfra struktur Nachachtung

zu verschaffen. Zur Wahrnehmung dieser

Aufgabe haben sieben gesamtschweizerische

Organisationen, nämlich Pro Natura,

Rheinaubund, Schweizerischer Heimatschutz

SHS, Stiftung für Landschaftsschutz SL,

Schweizerischer Vogelschutz SVS, Verkehrsclub

der Schweiz VCS und WWF bereits im

Jahr 1994 Martin Furter das Mandat zur

Begleitung des Eisenbahn gross projekts erteilt.

Nicht nur die Alptransit Gotthard AG

begrüsst die vereinbarte Zusammenarbeit

mit den Umweltverbänden. Das gewählte

Kooperationsmodell wird auch jenseits der

Landesgrenze als nachahmenswert beurteilt.

Konkrete Beispiele für Erreichtes:

– Die Neubaustrecke zwischen Mattstetten und

Rothrist ist schon lange in Betrieb und alle

Rei senden können sich ein eigenes Bild von

den beachtlichen, ökologischen Aufwertungs

massnahmen machen. Ab- und Anschlussar

beiten sind jedoch nicht abgeschlossen.

– Sachgerechte Bewirtschaftung von Trockenwiesen

beim Zwischenangriff Sedrun: Nach

mehreren Interventionen ist es endlich gelungen,

eine Bewirtschaftungsweise der gut

30 Hektar Trockenwiesen im Raum Sedrun

zu initiieren, die dem Ziel der Erhal tung,

bzw. der Förderung der Arten vielfalt gerecht

werden kann. Der Bericht vom November

2007 über den Zustand und die Entwicklung

der Wiesen seit der Anpassung der Bewirt

schaftung belegt, dass die von uns ausgelösten

Verbesserungen Wirkung zeigen.

– Materialbewirtschaftung Sedrun: Für die Ablagerung

von zusätzlichem Ausbruch ma terial

im Fall des erweiterten Tunnelvortriebs

von Sedrun her konnten Lösungen gefunden

werden, die auch aus der Sicht des

Umweltschutzes verantwortet werden können.

So bleibt die wertvolle Böschung im

Val Bugnei weitestgehend frei und der erforderliche

Abtransport erfolgt per Bahn.

– Reduktion der Bahndammhöhe im Kanton

Uri: Landschaftlich besonders stark ins Gewicht

fällt die auch mit Hilfe der Orga nisationen

erreichte Überarbeitung des NEAT-

Projekts in der Urner Reussebene, die nun

einen Bahndamm von nur noch ca. 2 Metern

Höhe statt der ursprünglich vorgesehenen

5 bis 6 Meter ermöglichte.

– Walenbrunnen im Kanton Uri: Die Renaturierung

des heute kanalisierten Walenbrunnens,

die eigentliche Ersatzmassnahme

für die Eingriffe in der Urner Reussebene,

konnte dank unserem Einsatz wesentlich

naturnäher geplant und genehmigt werden,

als dies zu Beginn vorgesehen war.

– Massnahmen beim Lötschberg-Südportal /

Raron: Der Sicherstellung der Uferbesto

ckung am Rhoneufer wird Rechnung getragen

und für die Ersatzmassnahmen im

Ge biet Moos (Feuchtgebiet) wurden aufgrund

unserer Einsprache zusätzliche Massnahmen

und Erfolgskontrollen verfügt.

– Ceneri Basistunnel; Deponie Sigirino: Unsere

Einflussnahme bei der Planung der zukünftigen

Deponie des Ausbruchmaterials vom

Ceneri Basistunnel in Sigirino hat verschiedene

Anpassungen bei der landschaftlichen

Endgestaltung bewirkt.

– Ceneri Basistunnel; Verzicht auf neue Strasse

im Val Vedeggio: Im Rahmen der Plangenehmigungsverfahren

wehrten wir uns

gegen die Beeinträchtigung des teilweise

noch sehr naturnahen und sowohl landschaftlich

als auch aus Sicht der Artenvielfalt

wichtigen Val Vedeggio durch eine

Transport strasse. AlpTransit hat ein neue

Lösung für die Transporte gesucht und gefunden.

So bleibt das Val Vedeggio nun

von der Strasse und entsprechenden Rodungen

verschont.

Bau- und Zonenplanung

Unterstammheim, Kt. ZH

Um die Verpflichtung zur Ausdolung eines

Baches zu umgehen, wollte die Gemeinde

Un terstammheim mit Unterstützung des

Seite 28 natur und mensch 2 / 2008


Kantons das Gelände eines bestehenden

Gewerbebetriebes in die Landwirtschaftszone

umzonen. Als „Ersatz“ dafür sollte eine

neue Gewerbezone in der heutigen Landwirtschaftszone

ausgewiesen werden. Das

Resultat wäre also eine erhebliche Ausdehnung

der Siedlungsfläche auf Kosten der

Landwirtschaft und die Umgehung einer

gesetzlichen Verpflichtung zur Ausdolung

einer ca. 300 m langen Bachstrecke gewesen.

Zusam men mit Pro Natura haben wir

dagegen Stellung bezogen und dieses

Beispiel als verfehlte Raumplanung auch im

persönli chen Gespräch dem Baudirektor des

Kantons Zürich vorgestellt.

Als Lösung haben wir den Gemeinden im

Stammertal die Bildung eines Gewerbepools

und die Beteiligung an einem Landschaftsentwicklungskonzept

vorgeschlagen. Wir

sind nun gespannt, für welches Vorgehen

sich der Gemeinderat entscheiden wird.

Porta Alpina: endlich „gestorben“

Lange gab es keine definitiven Aussagen

über das Schicksal dieser Schnapsidee. Das

zeigt uns, dass auch unausgegorene Pläne

durchaus langlebig sein können und möglicherweise

dann plötzlich wieder zu einer

Bedrohung für die Landschaft werden können.

Der glücklicherweise negative Entscheid

über das Projekt fiel im Oktober 2007

und führte nochmals zu einiger Aufregung

unter den Beteiligten.

Rheinfall: Landkauf und Umnutzung,

Kt. Schaffhausen und Kt. Zürich

In Zusammenhang mit dem Kauf einer grossen

Landparzelle direkt im Rheinfallbecken

durch die Gemeinde Neuhausen wurde in

Zusammenarbeit mit verschiedenen Interessengruppen,

so auch des Rheinaubundes

und des WWF ein Masterplan entwickelt.

Das ist nötig, weil sich die Besucherzahlen in

den letzten 15 Jahren massiv verringert

haben und kaum naturkundliche Informationen

vermittelt werden können. Der Besuch

des Rheinfalls soll attraktiver gestaltet

und die Verweildauer verlängert werden.

Die Land schaft am Rheinfall soll durch ein

verbessertes Pflegekonzept aufgewertet

und einzelne Landschaftselemente sollen

wie derhergestellt werden. Die Umgebung

wird wieder den früheren parkähnlichen

Cha rak ter erhalten. Neue Wege und Aussichtspunkte

sollen bequeme und attraktive

Rundgänge ermöglichen. Für den Rheinfall

gelten besondere Schutzbe stim mungen

und planerische Grundlagen, insbesondere

handelt es sich um ein BLN-Gebiet. Der

Rheinaubund ist mit dem Geschäftsführer in

der Begleit gruppe vertreten.

Im Dezember 2007 hat der Kanton Zürich

als Eigentümer der Liegenschaft Schloss

Laufen öffentlich angekündigt, mit einem

Bauvolumen von rund 15 Mio. Fr. die unbefriedigende

Situation auf der Zürcher Seite

zu verbessern. Hier werden wir sehr genau

hinschauen müssen, damit die unwiederbringliche

Rheinfall-Landschaft nicht einfach

kommerzialisiert wird.

Kantonaler Richtplan, Kt. Zürich

Mit Beschluss vom 26.03.2007 beschloss der

Kantonsrat den überarbeiteten Verkehrs richtplan.

Trotz zahlreicher Einwendungen aus

Umweltschutzkreisen hat dieser Plan mehr

Ähnlichkeit mit einem Wunschkatalog der

Lastwagenlobby und der Bauwirtschaft als

mit einem seriösen Planungsinstrument.

Ohne jegliche Rücksicht auf Bevölkerung und

Umwelt werden darin Projekte vorbereitet,

die das genaue Gegenteil von nachhaltiger

Verkehrsentwicklung bedeuten. Die schönen

Worte der Zürcher Regierungs vertreterInnen

werden damit brutal widerlegt.

Im Herbst erfolgte die Auflage des Teil bereichs

Landschaft, Gewässer, Ver- und

Entsorgung. Wir kritisierten hier den nach

Der Rheinfall bietet

ein imposantes Naturschauspiel.

Foto: Max Baumann

natur und mensch 2 / 2008

Seite 29


Jahresbericht 2007

wie vor auf völlig überholtem technischen

Verständnis basierenden Umgang mit Fliessgewässern

als Vorfluter, die ungenügende

Berücksichtigung des Klimawandels für den

Wasserhaushalt und eine sehr sektorielle

Behandlung der Gewässer. Bei den Bereichen

Materialdeponien und Materialabbau sah es

leider auch nicht anders aus und unsere

Einwendungen gerieten zwangsläufig recht

lang. Im Energiebereich hat sich der Regierungsrat

sogar wieder für den Bau neuer

Atom kraftwerke ausgesprochen! Bei der im

Frühling 2008 zu erwartenden Behandlung

im Kantonsrat ist auch nicht zu erwarten,

dass ein nachhaltiger Umgang mit Landschaft,

Energie und Gewässern grösseres

Gewicht erhält.

Seeuferschutz Greifensee,

Seerestaurant in Uster,

Einsprache, Kt. Zürich

Der „Verein Pavillon Nouvel“ hat aus Beständen

der EXPO ein für die Arteplage in

Murten konzipiertes Restaurantgebäude erstanden

und will es bei der Niederustermer

Schifflände wieder aufbauen. Das Gebäude

beansprucht eine bisher offen gehaltene

Wiese und überstellt mit der Terrasse sogar

die Uferlinie. Im Oktober 2003 verweigerten

sowohl die Volkswirtschaftsdirektion wie

auch die Baudirektion die nötigen Bewilligungen,

bejahten aber grundsätzlich die

Bewilligungsfähigkeit hinsichtlich Grundwas

ser schutz. Gegen den ablehnenden Entscheid

rekurrierten sowohl der Verein wie

auch die Stadt Uster beim Regierungsrat.

Dieser hob zur allgemeinen Verblüffung alle

Verfügungen der eigenen Direktionen auf.

Gegen diesen Entscheid erhob der Rheinaubund

wiederum Beschwerde beim Zürcher

Verwaltungsgericht, welches die Beschwerde

2006 teilweise guthiess und an die mitbeteiligten

Direktionen zur erneuten Prüfung „im

Sinne der Erwägungen“ zurückwies. Im selben

Jahr haben wir uns bemüht, mit der

Stadt und dem „Verein Pavillon Nouvel“ in

Kontakt zu treten. Es kamen denn auch zwei

Informations- und Verhandlungsrunden zustande.

Leider konnte kein Konsens bezüglich

eines alternativen Standorts gefunden

werden, die Projektanten beharren auf dem

ursprünglichen Standort. Im Sommer 2007

wurde ein so genannter „Probebetrieb“ auf

einer fahrlässig erteilten Bewilligung durchgeführt.

Hier führten wir ebenfalls Rekurs

und die Bewilligung musste zurückgezogen

werden. Im Dezember 2007 reichte der

Verein „Pavillon Nouvel“ ein neues Bau gesuch

ohne Seeplattform ein. Da aber sowohl

der Gewässerabstand als auch der Waldabstand

immer noch massiv verletzt würden,

beschloss der Vorstand auch hier wieder

einstimmig, dagegen zu rekurrieren. Ein

Entscheid der Baurekurskommission ist im

Sommer 2008 zu erwarten.

Zusammen mit den vielen anderen beteiligten

Interessengruppen am See, Natur- und

Vogelschützer, Sportler, Fischer, wurde dank

der Mithilfe von Vorstandsmitglied Paul

Stopper ein guter Kontakt aufgebaut. Anfang

2008 soll die Öffentlichkeit über die

Beweggründe und die Ziele unseres Engagements

informiert werden.

Initiative „Raum für Mensch und Natur“

Am 31. Januar 2007 wurde der Verein „ Ja zur

Lebensraum-Initiative“ gegründet. Der

Verein, zu dessen Gründungsmitgliedern

auch der Rheinaubund gehört, bereitet die

Unterschriftensammlung zur Eidgenössischen

Volksinitiative „Raum für Mensch und

Natur“ vor. Jürg Bloesch ist Mitglied im

Initiativkomitee. Als Kernpunkt verlangt die

Initiative, dass die Gesamtfläche aller

Bauzonen während 20 Jahren nicht vergrössert

werden darf, wobei Erweiterungen von

Bauzonen mit Rückzonungen an anderen

Unsere Landschaft braucht

auch Ihre Unterstützung.

Bitte beachten Sie die

Unterschriftenbögen!

Foto Lukas Boller

Orten kompensiert werden können. Ausnahmen

von dieser Bauzonenbegrenzung

soll der Bundesrat nur in begründeten Fällen

gewähren. Die Initiative schlägt weiter eine

Neuformulierung und Konkretisierung des

Verfassungsartikels über die Raumplanung

(Art. 75 BV) vor. So werden in Absatz 1 die

Kantone und der Bund, statt wie bisher einzig

die Kantone, zum haushälterischen

Umgang mit dem Boden verpflichtet. Neu

wird die Trennung des Baugebiets vom

Nichtbaugebiet und der Schutz des Kulturlandes

explizit als Ziel erwähnt. Durch Absatz

2 soll der Bund zur Förderung der Siedlungs

entwicklung nach innen verpflichtet

werden.

Der Rheinaubund hat sich zum Sammeln

von 1‘000 Unterschriften verpflichtet.

Stellungnahme zur Verordnung über die Pärke

von nationaler Bedeutung

Der Rheinaubund wurde eingeladen, sich

zum Entwurf der Pärkeverordnung zu äussern.

Nachfolgend eine vorläufige Ein schät zung.

Die Änderungen zum „Bundesgesetz über

Natur- und Heimatschutz“ (NHG) vom 6. Oktober

2006 ermöglicht die Errichtung neuer

Natur-Pärke von nationaler Bedeutung in

der Schweiz. Der ausgezeichnete Gesetzes-

Seite 30 natur und mensch 2 / 2008


text wurde von den Umweltschutzorganisationen

als Durchbruch in Richtung grosser,

zusammenhängender Naturschutzzonen begrüsst,

ja als Erfolg gefeiert.

Umso enttäuschender fällt der Entwurf der

Pärkeverordnung im Bereich der regionalen

Naturpärke aus. Denn es macht nicht den

Anschein, als wollten die Verfasser Sinn und

Zweck des Gesetzes umsetzen. Im Gegenteil

wird man den Eindruck nicht los, die Verordnung

versuche, den Begriff des „nachhaltigen

Wachstums“ so zu definieren, bis von

der Nachhaltigkeit nichts mehr übrig bleibt.

Erhärtet wird dieser Verdacht durch die erste

Klausel der Charta des im Albula- und

Juliertal geplanten „parc ela“. Diese lautet:

„Stärkung der Wirtschaft und Erhaltung bzw.

Schaffung neuer Arbeitsplätze“.

Änderung der Stromeinspeiseverordnung

Unsere fristgerecht vor dem 15.10.2007 abgegebene

Stellungnahme beinhaltet die

Ablehnung einer generellen Vergütung des

Stroms aus Wasserkraft (wenn schon, dann

nur die Mehrproduktion), die Ablehnung

der Unterstützung der Kleinstwasser kraftwerke,

die Forderung nach einem Verbot

der Förderung von Anlagen in Schutzgebieten

und in Gewässerabschnitten mit

schüt zenswerte Arten sowie die Forderung

nach einer beschränkten Förderungsdauer

von maximal 20 Jahren.

Aktionsplan „Erneuerbare Energien“

des UVEK

Unsere Stellungnahme vom Herbst 2007

enthält drei Schwerpunkte. Erstens muss der

Gesamtenergieverbrauch gesenkt werden,

zweitens müssen die Gewässer entlastet

(und die Nutzung eben nicht weiter ausgebaut)

werden und drittens müssen auch die

neuen erneuerbaren Energien streng auf

Nachhaltigkeitskriterien geprüft werden.

Das bedeutet die Infragestellung einer staatlichen

Förderung der Wasserkraft und der

Biomasse.

Neben dem Angebot der zwei Standardmodule

war VivaRiva Teil des Schaffhauser

Sommerferienangebotes „Snäck“. Jugend liche

Naturforscher nahmen dabei den Spitzwiesenbach

bei Herblingen genau unter die

Lupe und erfuhren viel Spannendes über

Was ser habitat, Bachlebewesen und Öko morphologie.

Ein Anlass der besonderen Art mit speziell

grossem Teilnehmererfolg fand im August

in der Stadt Schaffhausen statt. VivaRiva

lockte mit einem Standangebot an der Jagd,

Forst- und Fischereiausstellung „Mensch

und Natur“ mit Binokularen grosse Scharen

zur Betrachtung von Wasser-Makro-Invertebraten

und konnte in den nachfolgenden

Tagen mit der Aktion „Grünes Klassenzimmer“

36 Schulklassen über Faszination und

Wichtigkeit der kleinen Wasserbewohner informieren.

Neben dem grossen Publikum,

das an diesem Anlass erreicht wurde, ist

auch die äusserst positive Zusammenarbeit

insbesondere mit dem Fischereiverband zu

erwähnen.

VivaRiva konnte 2007 eine beeindruckende

Menge an TeilnehmerInnen erreichen. Mehr

als 1100 Personen haben sich mit VivaRiva

aktiv mit Fliessgewässerlebensräumen und

Bachbewohnern auseinander gesetzt. Dabei

soll erwähnt werden, dass besonders die

Aktion „Grünes Klassenzimmer“ in kurzer

Zeit sehr viele SchülerInnen erreichen konnte.

Es darf aber auch darauf hingewiesen

werden, dass die unzähligen Leute, welche

den VivaRiva-Stand an der Ausstellung

„Mensch und Natur“ als Laufpublikum besucht

haben, nicht in die Statistik mit eingeflossen

sind. Wir konnten vor allem Kinder

der Mittelstufe und der Unterstufe erreichen,

in geringerem Ausmass Jugendliche

der Oberstufe. Dies ist wohl insbesondere

darauf zurück zu führen, dass die Oberstufe

häufig durch Fachlehrer unterrichtet wird,

die selber das nötige Know-How zur Durchführung

eines Gewässerthementages mitbringen.

Ein Ziel des Jahres 2007 war es auch, VivaRiva

durch verschiedene Medien in der Nordostschweiz

bekannt zu machen. Der Medienspiegel

zeigt die erstaunliche Medienpräsenz,

welche VivaRiva bisher hatte. Neben

vielen Beiträgen, die die Projektleitung initiiert

(oder auch selber erfasst) hat, gab es

erfreulicherweise auch bereits Artikel, die

ohne Mitwirkung durch VivaRiva entstanden.

Besonders hervorzuheben ist eine

kurze Fernsehreportage im Schaffhauser

Fernse hen (Ausstrahlung am 26.6.2007)

über einen Bacherlebnistag am Spitzwiesenbach

in Herblingen. Verschiedene Medientexte

über VivaRiva sind auf der Website

www.vivaria.ch einsehbar.

Unser Beirat besteht aus Vertretern der Bildung,

Wirtschaft und Politik sowie Fach personen

aus dem Gewässerbereich. Diese unterstützen

VivaRiva ideell sowie mit ihrem

Fachwissen und Netzwerk und sorgen als

externe Instanz für ein unabhängiges Moni-

Bestimmung am Bach:

VivaRiva erreicht

immer mehr Menschen.

Foto: VivaRiva

Umweltbildung

VIVARIVA

Für das Jahr 2007 wurden 20 Anlässe angestrebt.

Erfreulicherweise wurde diese Zahl

mit insgesamt 24 Veranstaltungen übertroffen

. Es dominieren klar die Bacherlebnistage.

natur und mensch 2 / 2008

Seite 31


Jahresbericht 2007

toring des Projekts. Der Beirat unterstützt

die Projektleitung beratend und begleitet

VivaRiva mit konstruktiv-kritischen Blick.

Der Beirat setzt sich aus folgenden Personen

zusammen: Lilith Claudia Hübscher, Medienschaffende,

Kantonsrätin, Vorstands mitglied

Grüne Kt. ZH; Dipl. Bauing. ETH Christian

Göldi, ehemals Abteilungsleiter beim AWEL

Kt. ZH; Dr. sc. nat. ETH Pius Stadelmann, ehemals

Amt für Umweltschutz, Luzern; Thomas

Feurer, Stadtrat Schaffhausen, Soziales und

Kultur; Leo Lorenzo Fosco, Sekundarlehrer,

Präsident Pro Natura Zürich, ehem. Präsident

des Zürcher Verfassungsrates.

Der Beirat hat sich beim Herbsttreffen sehr

positiv über den Projektverlauf geäussert.

Neben dem Rückblick auf das Jahr 2007

wurde auch die Zukunft von VivaRiva diskutiert.

Als besonders wichtig erachtet wurde

v.a., den jetzt vorhandenen Schwung nicht

zu bremsen und die Motivation hoch halten.

In diesem Zusammenhang wurde auch ein

Stellenausbau bei VivaRiva diskutiert; bzw.

die Schaffung einer zweiten Teilzeitstelle.

Eine zweite Person bei VivaRiva bringt zusätzlichen

Elan und Kreativität ins Projekt

und hilft insbesondere bei den Spitzen monaten

im Sommer. Ausserdem wird es wichtig

sein, im Jahr 2008 die Projektfort füh rung

vor allem auch in finanzieller Hinsicht sicher

zu stellen.

Verein Spürsinn

Vielfältig und abwechslungsreich sind die

Natur- und Kulturangebote rund um den

Bodensee: Ob für Kinder oder Erwachsene,

Einzelreisende oder Familien, Schulklassen

oder andere Gruppen, der Bodensee bietet

reichlich Erlebnisse in und mit der Natur.

Doch durch diese Vielfalt an Möglichkeiten

verlor der Besucher in der Vergangenheit

häufig den Überblick über die zahlreichen

Angebote. Zusammen mit vielen anderen

Organisationen entstand das gemeinsame

Leit bild und die Marke „Spürsinn – Um weltbildung

am Bodensee“. Parallel dazu wurde

eine umfassende Datenbank aufgebaut, für

die der Rheinaubund einen wesentlichen

Teil aus der Vorgängeraktion „Erlebnis Natur“

beitragen konnte. Die Informationen sind

für Besucher in dem anwenderfreundlichen

Internetportal www.spürsinn-bodensee.info

nachzulesen. Dort wird zudem über aktuelle

Ausstellungen berichtet und über mögliche

Gruppenüber nachtungen auf Bauernhöfen

informiert. Auch kann der Besucher auf dieser

Inter netseite Informationen über nachhaltig

wirtschaftende Campingplätze oder

Jugend häuser erhalten – einfach, schnell

und kostenlos.

Seit 2006 führt Spürsinn e.V. das Netzwerk

nun als Verein weiter. Durch eigene Veranstaltungen,

Seminare und die Zusam menarbeit

mit Schulen unterstützt Spürsinn die

Weiterentwicklung der regionalen Angebote

und die Weiterbildung der Akteure. Darüber

hinaus arbeitet Spürsinn an der Einführung

und Einhaltung von Qualitätsstandards,

durch die den Kunden eine hohe und nachhaltige

Angebotsqualität garantiert wird.

Ge plant ist ein Qualitätssiegel, anhand dessen

die Touristen künftig gezielt hochwertige

Angebote erkennen können. VivaRiva

ist hier sowohl im Angebot vertreten als

auch durch die Projektmitarbeiterinnen und

unser Vorstandsmitglied Uli Göttelmann. So

wurden gemeinsam Rahmenbedingungen

geschaffen, die eine kontinuierliche Zusammenarbeit

der Umweltbildungseinrichtungen

ermöglichen.

Siehe auch: www.spuersinn-bodensee.info

Kooperationen

Internationale Bodensee-Stiftung und

Umweltrat Bodensee

Stiftungszweck ist die Förderung von Aktivitäten

zur Erhaltung und Entwicklung von

Natur, Landschaft und natürlichen Ressourcen

vornehmlich in der internationalen Boden

seeregion. Der Zweck soll insbesondere

durch finanzielle und ideelle Förderung,

grenzüberschreitende Koordination sowie

durch Öffent lich keitsarbeit verwirklicht werden.

Der Stif tungsrat wird durch einen Beirat,

den „Umweltrat Bodensee“ beraten und

unterstützt. Der Rheinaubund, vertreten

durch Philip Taxböck, ist Mitglied des Umweltrates.

(www.bodensee-stiftung.org)

Die Internationale Bodensee-Konferenz (IBK)

erarbeitet ein neues Leitbild für die Re gion.

Es ist – wieder einmal mehr – zu befürchten,

dass dabei die kurzfristigen wirtschaftlichen

Absichten über die notwendigen langfristigen

Ziele für eine nachhaltige Entwicklung

dominieren. Eine Vernehmlas sung ist für das

erste Quartal 2008 vorgesehen.

CIPRA – Schweiz

Die CPRA Schweiz ist die nationale Vertretung

in der Internationalen Alpenschutzkommission.

Die CIPRA arbeitet für eine

nachhaltige Entwicklung in den Alpen. Sie

setzt sich für die Erhaltung des Natur- und

Kulturerbes, für die Erhaltung der regionalen

Vielfalt und für Lösungen grenzüberschreitender

Probleme im Alpenraum ein. Unsere

Delegierte in der CIPRA-Schweiz ist Iris Scholl.

(www.cipra.org/de/CIPRA/cipra-schweiz)

Gen-Au Rheinau

Rheinau ist ein Schwerpunkt der biologischdynamischen

und biologischen Saatgut arbeit

in Europa. Ein langfristiger, verbindlicher

Schutz muss solche Zentren genetischer

Vielfalt für die Landwirtschaft sichern! In ihrer

Umgebung muss jede Art der Freisetzung

gentechnisch veränderter Organismen vermieden

und verboten werden. Die Stiftung

Fin tan (Rheinau) und ihr Förderverein haben

die Initiative ergriffen und Gen-Au Rheinau

gegründet, bei welchem auch wir Mitglied

sind. (www.gen-au-rheinau.ch/)

Projektgruppe „Geschiebehaushalt

Hochrhein“

Das Geschiebemanagement am Hochrhein

bedarf einer einheitlichen Lösung und kann

nur gelöst werden, wenn die ganze Strecke

integral behandelt wird und sich alle betroffenen

Kreise an einen Tisch setzen. Was der

Rheinaubund schon lange gefordert hat,

wird nun endlich umgesetzt: Die Kraftwerke

haben einen Finanzierungspool eingerichtet

und ein Gremium von Fachleuten befasst

sich mit der Geschiebefrage. Diese Projektgruppe

operiert als Steuerungsorgan und

setzt sich wie folgt zusammen: je zwei

Delegierte der Kraftwerke der nationalen

und lokalen Behörden (BFE, BAFU, RPF; Kt.

ZH und AG, Landkreis Lörrach und Waldshut),

und der NGOs aus Deutschland und der

Schweiz. Die Schweizer NGO-Delegation besteht

aus Jürg Bloesch und Tobias Winzeler

für die ARGE Renaturierung Hochrhein.

Nach der konstituierenden Sitzung am

30.4.2007 wurde im Herbst das Pflichtenheft

für einen Masterplan „Massnahmen zur Geschiebereaktivierung

im Hochrhein“ ausgearbeitet.

Die Ausschreibung wird anfangs

Seite 32 natur und mensch 2 / 2008


Das Geschiebe muss wieder

in Bewegung kommen.

Foto: Günther Frauenlob

2008 erfolgen, anschliessend werden die

eingegangenen Offerten beurteilt werden.

Internationale Arbeitsgemeinschaft

Renaturierung des Hochrheins

Zielsetzung dieser internationalen Vereinigung

von Umwelt- und Fischereiver bänden

ist die integrale Erhaltung der noch naturnahen

Rheinabschnitte sowie die ökologische

und landschaftliche Sanierung belasteter

Flussstrecken. Der Rheinaubund ist

hier durch Günther Frauenlob vertreten.

Kraftwerk Schaffhausen-Begleitgruppe

Ökostrom-Förderbeiträge (BÖF)

Das Kraftwerk Schaffhausen ist nach den

Kriterien von „Naturmade Star“ zertifiziert

worden und verkauft diesen Strom unter

der Marke „Clean Solution“. Eine der Auflagen

für die Zertifizierung ist die Äufnung

eine Öko-Fonds, dessen Mittel hauptsächlich

für die Umsetzung der im Management-

Plan vorgesehenen Aufwertungsmassnahmen

eingesetzt werden müssen. Die Kontrolle

über die Verwendung der Mittel und

Be schlüsse über allfällige weitere Mass nahmen

ausserhalb des Managementplanes untersteht

der Begleitgruppe (BÖF), in welcher

der Rheinaubund mit Ruedi Schneider vertreten

ist. Das grösste der bisherigen Projekte,

der Rückbau von 300 Metern einer im

Jahre 1938 erstellten sehr massiven 8 km

langen Rheinufermauer konnte 2007 in Angriff

genommen werden und wird gegen

800 000 Fran ken kosten.

(http://www.cleansolution.ch)

Pro Thur

Mit dieser Dachorganisation bemühen sich

die Umweltorganisationen um eine Renaturierung

der Thur. Ihre Mitgliederverbände

setzen sich seit vielen Jahren auf verschiedenen

Ebenen für eine naturnahe Thur, insbesondere

auf dem Gebiet des Kt. Zürich

ein. Die ProThur ist Ansprechpartner der

Behörden für Umweltfragen an der Thur und

Mit-Initiantin des Thurauenprojekts. Im

September löste Uwe Scheibler an der GV

den langjährigen Präsidenten Hans Sigg ab

und der Geschäftssitz wurde nach Schaffhausen

verlegt.

Pro Töss

Zusammenschluss verschiedener Natur-,

Heimat- und Umweltschutzorganisationen

sowie Fischereivertretern. Die Pro Töss wirbt

in der Öffentlichkeit und auf politischer

Ebene für einen wirkungsvollen Gewässerschutz

im Einzugsgebiet der Töss. Sie ist ein

wichtiger Ansprechpartner für die Behörden.

Unsere Vertretung wird durch Andri Bryner

und Lukas Boller wahrgenommen.

Pro Rheinlandschaft Diessenhofen

Der Verein Pro Rheinlandschaft Diessenhofen

bezweckt die Erhaltung und Respektierung

unserer Landschaftsschutz- und Naherho

lungs gebiete um Diessenhofen. Der

Rhein aubund ist Mitglied und wird durch

Ruedi Schneider vertreten. Ein Grossprojekt

für ein Fun- und Wellnessbad scheiterte insbesondere

auf Grund der negativen Stellungnahme

der Eidgenössisichen Naturund

Heimat schutz kommission. Nun hat der

Stadtrat das Projekt eines ‚Klosterbades’

westlich des ehe maligen Klosters St. Katharinental

vorgestellt. Das Hotel und Thermalbad

sollen nun in der Bauzone realisiert werden.

Zudem könnte die unmittelbar daneben gelegene

Reha-Klinik vom Bad profitieren. Der

Verein wird das Projekt kritisch begleiten.

Insbe sondere dem Denkmal- und Landschafts

schutz muss gebührend Beachtung

geschenkt werden.

(http://www.prorhei landschaft.ch/)

Flughafen Zürich: Beschwerde gegen

Betriebsreglement immer noch hängig

Unsere gemeinsam mit den Ärztinnen und

Ärzten für Umweltschutz erhobene Beschwerde

vom 30.4.2005 ist immer noch

hängig. Seit dem 1.1.2007 wird sie vom neuen

Bundesverwaltungsgericht bearbeitet.

Die Rekurskommission für Infrastruktur und

Umwelt (REKO INUM) ist aufgehoben worden.

Sie hatte der Beschwerdegegnerin

(Unique Flughafen Zürich AG) und dem

Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) einen

umfassenden Katalog mit den in den vielen

Beschwerden vorgebrachten Rügen und Anträgen

unterbreitet.

Den richterlichen Bescheid, ob unsere zentralen

Begehren, Nachtruhe von 22.00 - 7.00

Uhr, Begrenzung der Starts und Landungen

auf insgesamt 250 000 pro Jahr sowie

Begrenzung der Luftbelastung mit Stickoxiden,

erfüllt werden, erwarten wir mit

grossem Interesse. Besonders aber interessiert

uns, ob bei der Entsorgung der Abwässer,

die im Winter bei der Enteisung der

Flugzeuge entstehen, der Gewässerschutz

eingehalten wird.

Am 17.09.2007 genehmigte das UVEK den

neuen Abrollweg ab Piste 28 und verfügte

einige der von uns geforderten Auflagen

zum Natur- und Gewässerschutz. Insgesamt

muss aber zu den bisherigen Aktivitäten festgestellt

werden, dass sich die beteiligten

Bundes ämter alle Mühe geben, den Flugverkehr

zu fördern, koste es die Bevölkerung

und die Umwelt, was es wolle.

Arbeitsgruppe Recht der Umweltverbände

Diese Arbeitsgruppe ist Koordinations- und

Informationsplattform der nationalen Verbän

de für Rechtsfälle. Nachdem die Umweltverbände

die schmerzlichen Einschränkungen

des Beschwerde rechtes durch die

eidgenössischen Räte akzeptierten, ging es

darum, sich gegen die daraus folgenden

Anpassungen der Verordnungen im Rahmen

der Vernehmlassungen zu wehren.

Des Weiteren begleitete die AG-Recht die

Arbeiten zur Bekämpfung der Initiative der

Zürcher FDP, welche zur faktischen Abschaffung

des Verbandsbeschwerderechtes

führen würde (siehe „Nein zur Initiative des

Zürcher Freisinns“).

natur und mensch 2 / 2008

Seite 33


Jahresbericht 2007

Die AG-Recht erarbeitet und publiziert zudem

die Statistik über alle Beschwerdefälle

der Umweltorganisationen (www.pronatura.ch/content/data/0803_VBR_Stat_d.pdf)

Unser Vertreter ist Jean-Pierre Jaccard.

Nationale Projektorganisation für das

Verbandsbeschwerderecht / Verein

„Nein zur Initiative des Zürcher Freisinns

Zielsetzung der durch eine Vereinbarung vom

Herbst 2004 geregelten Zusammen ar beit der

Verbände ist die Verteidigung des Verbandsbeschwerderechts.

Mit dem Ab schluss der

Parlamentsberatung zur Neugestaltung von

UVP und VBR ist die Kampagne ausgelaufen

und wurde abgelöst durch den gemeinsamen

Kampf gegen die Initiative des Zürcher

Freisinns zur Abschaffung der Verbands

be schwerde. Die Federführung hat

Christof Dietler, Jürg Bloesch ist Mitglied des

Initiativ komitees.

(www.verbandsbeschwerde.ch/)

Kt. Zürich: Externe Expertengruppe

Plan ungs- und Baugesetz

Die Vernehm lassung zur Totalrevision des

PBG wurde seinerzeit für den Rheinaubund

durch Martin Furter ausführlich beantwortet.

In dieser Stel lung nahme wurden sehr

bedenkliche Fest stel lungen gemacht. Auch

von vielen anderen Seiten hagelte es Kritik,

so dass der Kanton schliesslich von einer

Totalrevision absah (Beschluss vom 19.7.06)

und das Gesetz nur noch einer Teilrevision

unterziehen will. Eine externe Expertengruppe

soll nun die Eck punkte der Revision festlegen.

In der völlig einseitig durch die Bauwirtschaft

dominierten Arbeitsgruppe sind

wir von Seiten der Umweltverbände nur mit

unserem Vize präsidenten Ueli Rippmann

und dem Rechts professor Alain Griffel vertreten.

Die teilweise hanebüchenen Vorschläge seitens

der Baudirektion waren aber derart „ungeniessbar“,

dass sich nach nur zweimaligem

Schlagabtausch die ganze Sache im

Frühling 2007 ohne Ergebnis auflöste.

Diverses

Neuer Werbeflyer für den Rheinaubund

Mit dem neuen Logo sollte auch der Werbeauftritt

etwas frischer und farbenfroher gestaltet

werden. Eine Arbeitsgruppe mit Jürg

Bloesch, Günther Frauenlob, Ruedi Schneider

und Uwe Scheibler hat zusammen mit dem

Velobüro Olten ein Konzept ausgearbeitet,

Fotos zusammengesucht und die Texte

mehr fach überarbeitet. Der Druck ist im

Frühjahr 2008 erfolgt.

Begegnung „Mensch und Natur“

auf dem Herrenacker in Schaffhausen

Die Schaffhauser Jagd- und Fischereiverbände

haben zusammen mit der Forstverwaltung

am 25./26. August 2007 einen Grossanlass

auf dem Herrenacker in Schaffhausen

durchgeführt. Die Organisatoren wollten

der Öffentlichkeit damit die uralten Traditionen

der Jagd und der Fischerei näher

bringen und das Verständnis dafür durch

Aufklärung verbessern. Die Projektleitung

hatte zu diesem Anlass auch die lokalen

Naturschutzverbände und den Rheinaubund

eingeladen. Mit einem Volumen von

60 000 Litern war das Gross-Aquarium mit

einheimischen Fischen mit Abstand die

grösste Attraktion. Die Natur- und Umweltorgani

sationen präsentierten sich an zwei

Ständen und führten einen Wettbewerb

nach einer Idee von Ruedi Schneider durch.

Der Andrang war riesig, es wurden insgesamt

347 Wettbewerbsformulare ausgefüllt.

Die Teilnehmer waren vorwiegen Familien

womit insgesamt ca. 1 000 Personen involviert

gewesen sein dürften. Die Gesamtbesucher

zahl wird auf 12–14 000 geschätzt.

Als eigenständiges Angebot haben wir unter

dem Projekt „VivaRiva“ dem Publikum

Kleinst wasserlebewesen vorgeführt, welche

unter den Binokularen betrachtet und bestimmt

werden konnten. Das Schülerinteresse

war hervorragend!

Apero zur Ablösung der Geschäftsleitung

Im Laufe der 17 Jahre als Geschäftsführer

Daten, Zahlen, Fakten

Kommentar zur Betriebsrechnung

Die Ertragsseite lieferte 2007 ein erfreuliches

Ergebnis.

Die Mitglieder (1) und die Abonnenten (2)

haben ihre Beiträge jeweils grosszügig aufgerundet,

so dass die Ziele erreicht werden

konnten. Die Spenden auf Aussendungen

des Rheinaubundes hat Ruedi Schneider

viele angenehme und fruchtbare Bekanntschaften

mit den Exponenten der lokalen

Schutzverbände, der Fischereiverbände und

auch der Behörden gemacht. Deshalb wollte

er sich von ihnen im geselligen Rahmen

verabschieden. Der Anlass bot zudem Gelegenheit,

unsere Geschäftsstellen-Crew und

deren Funktionen kennen zu lernen und einen

Einblick in unsere Arbeit zu gewähren.

Der Anlass konnte am 12. Sep tember durchgeführt

werden.

Anlass für Grossspender

und treue Mitglieder

Bereits seit Jahren versuchte Ruedi Schneider

einen Anlass für unsere Grossspender und

treuen Mitglieder zu organisieren. Am 20.

Oktober war es dann soweit. Das persönliche

Kennenlernen festigt zweifelsohne die

Bindung zum Rheinaubund und ist eine

Geste der Dankbarkeit an die eingeladenen

Mitglieder. Den vorwiegend älteren Teilnehmerinnen

und Teilnehmern wurde ein

interessantes Rahmenprogramm mit einem

einfachen Mittagessen geboten.

Die etwa 20 Gäste trafen sich morgens im

Schloss Laufen, wo nach der Begrüssung ein

Vortrag von Jürg Bloesch über unser Rheinau-Projekt

folgte. Um ca. 11 Uhr starteten

wir eine Bootsfahrt nach Rheinau mit einer

Runde im Rheinfallbecken. Beim Übersetzen

über das Hauptwehr folgten weitere Erklärungen

zum Kraftwerk Rheinau. Nach dem

Mittag essen führte uns der versierte Lokalhistoriker

Stefan Keller über die Kloster insel.

Eine besondere Attraktion waren auch die

historischen Räumlichkeiten des ehemaligen

Klosters, welche nur auf Antrag für nachweislich

kulturhistorisch interessierte Besucher

möglich sind.

(3) haben sowohl Budget als auch Vorjahr

übertroffen. Auch die Projekte (7) wurden

mit namhaften Beiträgen unterstützt.

Durch die Anpassung der Wertschriftenbewertung

an die „Fachempfehlung zur

Rechnungslegung von Nonprofit-Orga nisationen“

(GAP FER 21) wird die Differenz zwi-

Seite 34 natur und mensch 2 / 2008


Betriebsrechnung und Bilanz 2007

Verteilung

nach Arbeitsgebieten

Umweltbildung

14%

Erträge 2006 2007 Budget 2007

1 Mitglieder (Beiträge+Spenden) 66‘899 86‘577 79‘198

2 Abo N+M (Abo+Spenden) 65‘904 61‘881 62‘908

3 Spenden auf Aussendungen 63‘803 71‘433 65‘000

4 Spenden allgemein 53‘738 44‘564 43‘935

5 Beiträge der öffentlichen Hand 30‘000 30‘000 30‘000

6 Finanzerträge 2‘416 3‘248 2‘600

7 Projekte allgemein 769 13‘000 2‘000

8 VivaRiva 82‘300 80‘902 68‘789

9 Sonstige Erträge* 903 19‘688 700

* Wertschriften neu nach aktuellem Kurswert bewertet

Aufwendungen 2006 2007 Budget 2007

10 Personal und Verwaltung* 139‘669 137‘927 124‘377

11 Zeitschrift N+M 100‘433 104‘663 99‘435

12 Marketing / Aussendungen 27‘319 22‘186 23‘767

13 Projekte allgemein 33‘166 18‘519 34‘066

14 VivaRiva 98‘989 95‘616 83‘3 69

* inkl. Miete, Abschr., Aufw. Mitgliedsbeitr., andere Aufwendungen

Zusammenfassung 2006 2007 Budget 2007

15 Ertrag 366‘732 411‘293 355‘130

16 Aufwand 399‘576 378‘911 365‘014

17 Ergebnis ohne Wertberichtigung -32‘844 12‘694 -9‘884

18 Ergebnis mit Wertberichtigung 32‘382

Bilanz

Aktiven 2006 2007/1 2007/2

19 Flüssige Mittel 128‘641 92‘750 92‘750

20 Transitorische Aktiven 7‘872 3‘756 3‘756

21 Wertschriften 33‘310 83‘354 83‘354

22 nicht realisierte Wertschriftengewinne 15‘906 15‘906

23 Mobiliar 0 0 0

24 Total Aktiven 169‘823 195‘766 195‘766

Passiven 2006 2007/1 2007/2

25 Kurzfristige Verpflichtungen 0 -3‘861 -3‘861

26 Transitorische Passiven 30‘536 15‘139 15‘139

27 Fondsvermögen 72‘637 85‘455 95‘455

28 Freies Vermögen 99‘494 66‘650 89‘033

29 Total Passiven 202‘667 163‘383 195‘766

* 2007/1 vor Gewinnverteilung, 2007/2 nach Gewinnverteilung

Betriebsgewinn 12‘694

Werbung und

Öffentlichkeitsarbeit 8%

Zeitschrift

Natur und Mensch 16%

Geschäftsstelle,

Beratung u. Dokumentation

22%

angewandter Naturund

Landschaftsschutz

und Gewässerprojekte 34%

schen Ankauf und aktuellem Kurswert als

„nichtrealisierter Gewinn“ ausgewiesen.

Zusätzlich mit Gutschriften der Pensionskasse

resultierten Fr. 19 688.– als „Sonstige

Erträge“ (9).

Bei den Aufwendungen gab es unter (10) Personal

und Verwaltung etwas geringere Kos-

Im Jahr 2007 geleistete Stunden

nach Arbeitsgebieten.

Grafik: Rheinaubund

ten durch den Geschäftsführerwechsel. In

den allgemeinen Projekten (13) sind weniger

Anwaltskosten als budgetiert angefallen.

Die Differenzen bei VivaRiva (8) und (14)

entstanden durch die Offenlegung der

Eigen leistungen des Rheinaubundes, auf

das Gesamtergebnis hat das aber keinen

Einfluss.

Unter (25), kurzfristige Verpflichtungen, sind

wegen Anstellungsänderungen zuviel bezahlte

Versicherungsprämien ausgewiesen.

Da die Erträge gegenüber dem Budget grösser

und die Aufwendungen kleiner geworden

sind, schliesst die Rechnung mit einem

Betriebsgewinn von Fr. 12 694 ab.

Der Gesamtgewinn (also inklusive Sonstige

Erträge) wird zu Fr. 10 000 dem Fonds und zu

Fr. 22 382 dem freien Vermögen zugeteilt.

Die Rechnung wurde von den Revisoren Hans

Minder und Walter Schmid am 13. Februar

2008 geprüft und für richtig befunden.

Arbeitsaufwand

und Bestandsentwicklung

Die Projekte und Aufgaben gehen uns nicht

aus und auch die Begeisterung unserer

Mitglieder ist ungebrochen. Deutlich wird

dies wieder einmal durch die hohe Zahl der

ehrenamtlich geleisteten Stunden. Von insgesamt

9574 für den Rheinaubund geleisteten

Stunden, wurden sage und schreibe 53

Prozent ehrenamtlich geleistet. Das grosse

Wachstum gegenüber dem letzten Jahr erklärt

sich durch die vollständige Erfassung

der Stunden und das riesige Engagement

von Ruedi Schneider und Konrad Knupp.

Unsere Mitglieder sind nach wie vor mit viel

Herzblut dabei, wenn es darum geht, sich

mit all ihrer Kompetenz für die Belange der

Umwelt einzusetzen.

Leider wirkt sich dies allerdings noch nicht

auf die Bestandsentwicklung im Rheinaubund

aus. Auch die immer wieder positive

Resonnanz auf unsere redaktionelle Arbeit

und unser seit letztem Jahr neu gestaltetes

Heft „natur und mensch“ hat bis jetzt noch

nicht zu einer Steigerung der Mitgliederund

Abonnentenzahlen führen können. Die

Bestandszahlen per Ende 2007 sind 1456

Abonnenten und 955 Mitglieder.

natur und mensch 2 / 2008

Seite 35


Buchbesprechungen

Die Vögel der Schweiz

Lionel Maumary, Laurent Vallotton,

und Peter Kraus

Schweizerische Vogelwarte Sempach

und Nos Oiseaux, Montmollin 2007

848 Seiten / 2370 Farbfotos

ISBN 978-3-9523006-2-6

CHF 188.00 / € 115.00

(Das Buch ist auch auf französisch erhältlich:

„Les oiseaux de Suisse“

ISBN 978-3-9523006-1-9)

Das neue schwergewichtige Standardwerk

der Vogelwarte Sempach ist mit seinen

knappen 5 kg ein Muss für alle interessierten

Laien- als auch Fachornithologen. Klar,

Gewicht sagt noch nichts über Qualität aus.

Doch was da während den letzten Jahren an

Informationen zusammengetragen, ausgewertet

und schriftlich als auch bildlich dargeboten

wird ist ansehnlich.

Die Vogelwarte selbst bezeichnet ihr Werk

als „ein Jahrhundertwerk zur Schweizer Vogel

kunde“. Präsentiert wird darin das gesamte

Fachwissen über Vorkommen, Biologie

und Schutz aller 419 in der Schweiz

und im grenznahen Ausland nachgewiesenen

Arten. Ergänzt wird das Werk mit 2370

Farbfotos und jeweils mehreren hundert Verbreitungskarten,

Ring fund karten, Durchzugsdia

grammen und Gra fiken zur Bestandes

entwicklung. Ein Buchzeichen, mit den

wichtigsten Abkür zungen und Interpretationsgrundlagen

der vorkommenden Tabellen

erleichtert das Nach schla gen auf der

Einführungsseite. Soviel zu den technischen

Daten, auf denen das Werk basiert.

Doch was macht das Buch so kostbar? Schon

in der 70-seitigen Einleitung werden alle relevanten

Themen, die das Vogelleben in

grös serem als auch kleinerem Stil beeinflussen,

in kurzen, prägnanten Texten angeschnitten.

Die Lebensräume, die Bestan desveränderungen

verschiedener Arten und

möglicher Ursachen durch negative (Siedlungsstrukturveränderung,

intensivierter

Landwirtschaft, ehemaliger Gebrauch von

DDT, Vogeljagd) als auch positive menschliche

Ein flüsse (Vogelschutz, Habitatschutz,

Gewässerschutz, …) werden durch zahlreiche

Beispiele, Diagramme und Tabellen

unterlegt.

Im Hauptteil werden 419 Vogelarten vorgestellt.

In Einleitungstexten werden die typischsten

Verhaltensweisen oder Auffälligkeiten

einer Art besprochen.

Das Kapitel Verbreitung behandelt die Brutverbreitung

der jeweiligen Art mit den

grössten Brutbeständen Europas, dem Zugverhalten

sowie der Verbreitung in der

Schweiz während der Brutzeit, des Durchzugs

und im Winter. Weitere Kapitel wie

Wanderungen, Bestandesentwicklung (in

der Schweiz bis weltweit), Lebensraum und

Verhalten, Brutbiologie und Schutz (mit gegebenenfalls

erwähnten Artenförderungsmassnahmen)

runden die wichtigsten Informationen

ab.

Bei manchen Arten werden Ringfundkarten

angestellt, bei denen auf einen Blick die maximalen

Distanzen sowie die eingeschlagenen

Zugrichtungen ersichtlich werden.

Kommentiert werden die kleinen Karten

durch ausführliche Ringfundkommentare.

Bei einer so reichen Datenfülle fragt es sich,

was das Werk nicht beinhaltet. Mir fallen dazu

nur die typischen Artkennzeichen als

auch ein kurzer Stimmenbeschrieb ein.

Das Gesamturteil ist positiv, da die einzelnen

Vogelarten bis nahezu ins letzte Detail

besprochen werden. Die Autoren waren

sichtlich betrübt über den Redaktionsschluss.

Auf Seite 840 erfolgte noch ein Nachtrag

über den Bartlaubsänger und in der Bildlegende

des Bartgeiers unter dem Vorwort

wird erwähnt, dass die drei Brutnachweise

des Bartgeiers im Buch (leider) nicht mehr

behandelt werden konnten.

Dennoch gibt es auch bei grossartigen

Werken Kritik. Meine persönlich grösste

Kritik liegt an der Schriftgrösse. Jedes Mal

wenn ich das Werk aufschlage, bin ich überrascht,

dass ich meinen Kopf so tief ins Buch

stecken muss. Zugunsten der Schriftgrösse

hätte meiner Meinung nach auf das eine

oder andere Bild verzichtet werden müssen.

Zumal die Auswahl der Bilder bezüglich der

Qualität und Aussagekraft nicht immer die

beste ist. Auch ist das Layout mit all den

Karten, Fotos und bunten Rahmen zu wenig

überdacht und wirkt durch die Menge an

verschiedenen Elementen eher unübersichtlich.

Rahmentexte mit ca. 180 Schriftzeichen

pro Zeile! in noch kleinerer Schrift am Ende

der jeweiligen Artbeschriebe sind eher leserfeindlich.

Selbst wenn durch unterschiedliche

Schrifttypen versucht wird, eine gewisse

Übersichtsstruktur hineinzubringen,

scheitert dies infolge der langen Zeichenflut.

Manchmal wäre etwas weniger eben doch

mehr.

Zum Abschluss noch die Fragen. Wem und

wann dient das Werk? Die Vögel der Schweiz

ist ein Fachbuch, das sich in erster Linie an

interessierte Ornithologen, Exkursionsleiter

und Fachleute richtet. In Folge des Gewichtes

und des Formats dient es zum Studium

auf einem freigehaltenen Bürotisch im stillen

Kämmerlein.

Karin Schlude, Jestetten

Seite 36 natur und mensch 2 / 2008


Termine / Aktuelles

Herzlichen Dank!

Unser verstorbenes Ehrenmitglied, Dr. Alfred

Huber, hatte bereits zu Lebzeiten verfügt,

bei seinem Hinschied anstelle von Blumenspenden

des Rheinaubundes zu gedenken.

Die Trauergemeinde war äusserst spendenfreudig:

Zusammen mit der Kollekte an der

Trauerfeier selber und den Überweisungen

auf unser Postkonto bzw. an die Trauerfamilie

kamen per 7. April 2008 über 3000 Franken

zusammen. Dafür möchten wir allen Spenderinnen

und Spendern herzlich danken. Aber

auch die Trauerfamilie bedankt sich dafür

herzlich. Sie freut sich mit uns, dass der

Wunsch des Verstorbenen derart grosszügig

erfüllt worden ist.

In eigener Sache –

Aushangplätze gesucht!

Um auch an eine junge Leserschaft zu gelangen,

haben wir eine neue Abonnentenkategorie

geschaffen. Nun gibt’s ein Studenten

bzw. Lehrlingsabo zu einem deutlich

reduzierten Preis. Um dafür Werbung zu machen,

suchen wir Lehrpersonen und Studenten

an Hochschulen, Universitäten und an -

de ren Ausbildungsstätten, welche bereit

sind, einen Aushang in ihrer Ausbil dungsstätte

durchzuführen. Beim Aushang handelt

es sich um ein sehr originelles A3-Plakat

mit Prospekthalter, welches mit Pins auf einer

Infotafel befestigt werden kann. Bitte,

melden Sie sich dafür auf unserem Sekretariat,

Telefon 052 625 26 5y8.

SommerUni Davos 2008:

Starke Städte – starke Alpen

Die SommerUni Davos 2008 widmet sich

vom 18. bis 22 August dem Solidaritätsgedanken

quer durch die Schweiz und darüber

hinaus sowie der Partnerschaft und

Zusammenarbeit zwischen Regionen, zwischen

Menschen, zwischen Institutionen

und zwischen verschiedenen Fachdisziplinen.

Alt Regierungsrat Klaus Huber lieferte

an der letztjährigen SommerUni mit dem

Satz „Ohne Graubünden ist Zürich austauschbar

– ein Plädoyer für Partnerschaft“

das Motto für das diesjährige Thema „Metropole

Schweiz: Starke Städte – starke Alpen“.

Während einer Woche nehmen Vertreterinnen

und Vertreter aus Wissenschaft,

Politik und Praxis zu Europäischen Metropolregionen,

Schweizer Raumkonzepten,

Regionalentwicklung, Innovationsprozessen

und vielem mehr Stellung. Auf dem Programm

stehen Vorträge, Diskussionen, Filme

und gemeinsame Exkursionen. Die deutschsprachige

SommerUni richtet sich an Laien,

Fachleute und Studierende.

Programm und Anmeldung:

http://www.vhsbb.ch/unifenster.htm

Quelle: AlpMedia

Umstrittene Gesetzesnovelle

für den Triglav-Nationalpark

Die neue Gesetzesnovelle für den slowenischen

Triglav-Nationalpark, welche die

Slowenische Regierung vor kurzem verabschiedet

hat, ist aus Sicht des Natur- und

Landschaftsschutzes noch bedenklicher ausgefallen

als die erste Version vor vier Jahren.

Die Zonierung und die vielen Ausnah meregelungen

sehen vor, die Kernzone des

Parks auf ein Drittel der Gesamtfläche zu

reduzieren. Die Novelle gibt zudem weder

Anregungen für eine nachhaltige Entwicklung

noch garantiert sie finanzielle

Mittel dafür. Das Umweltministerium hat

keinen der Vorschläge der NGOs und der lokalen

Gemeinschaften berücksichtigt und

ist auch nicht auf die Forderungen des

Europarats, des Natura 2000 Netzwerkes

und des UNESCO-Biosphärenparks Julische

Alpen eingegangen. Besonders befremdend

ist, dass das Ministerium für dieses wichtige

Gesetz ein beschleunigtes Verfahren vorschlägt.

Die Gesetzesnovelle geht nun für

die nächsten zwei Monate in die öffentliche

Vernehmlassung.

Quelle und Infos:

AlpMedia / CIPRA Slowenien

Generalversammlung

Rheinaubund

Die diesjährige Generalversammlung, zu

der wir alle Rheinaubund-Mitglieder

herzlich einladen, wird am

28. Juni in Wettingen

stattfinden. Es wird dort Ge legenheit

geben, das frisch sanierte und mit einer

imposanten Fischaufstiegshilfe ausgestattete

Limmat kraft werk zu besichtigen.

Das genaue Programm und die

Einladung folgen per Post. Reservieren

Sie sich aber bereits jetzt diesen Termin!

Teilerfolg an der Grimsel

Das Verwaltungsgericht hat das Verfahren

im Zusammenhang mit der Vergrösserung

des Grimselsees durch Erhöhung der Staumauern

von Amtes wegen aufgehoben. Das

Projekt der KWO Kraftwerke Oberhasli AG

geht wesentlich über die bestehenden Nutzungsrechte

gemäss Gesamtkonzession hinaus

und hätte deshalb nicht im Bau bewilligungsverfahren

beurteilt werden dürfen;

vielmehr bedarf es einer Anpassung der

Konzession. Die Umweltverbände erhalten

eine Prozessentschädigung von rund 23‘000

Franken.

Das Gericht hat in dieser Teilfrage zu unseren

Gunsten entschieden, sich allerdings

noch nicht mit den uns hauptsächlich interessierenden

Rechtsfragen (Moorschutz, Art.

6 NHG) befasst.

Quelle: http://www.jgk.be.ch/vg

natur und mensch 2 / 2008

Seite 37


natur

und

mensch

50. Jahrgang • Heftnummer 2 / 2008

Jährlich 6 Nummern • Erscheinungsdatum 9.5.2008

Herausgeber: Rheinaubund, Schweizerische

Arbeitsgemeinschaft für Natur und Heimat

Autoren dieser Ausgabe:

Barbara Ringgenberg

Christine Weber

Armin Peter

Jürg Bloesch

Lukas Boller

Ueli Rippmann

Uwe Scheibler

Kathrin Jaag

Ruedi Schneider

Karin Schlude

Auch im Geschäftsjahr 2007 standen der

Rhein und die aktuellen Kraftwerksprojekte

im Vordergrund der Rheinaubund-Tätigkeit.

Einige dieser Projekte ziehen sich mittlerweile

schon länger als zehn Jahre hin. Doch

während wir früher mitunter als reine Verhinderer

aufgefasst wurden, sieht man uns

heute mehr und mehr als kompetente Ges

prächspartner, die sich mit all ihrem Fachwissen

für die Belange der Umwelt einsetzen.

Im Bild die Bauarbeiten am neuen Wehr des

Kraftwerks Rheinfelden.

Beitrag Seite 24 ff

Foto: Energiedienst AG

www.rheinaubund.ch

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