"Zukunft der offenen Kinder- und Jugendarbeit", Vortrag von Dr ...

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"Zukunft der offenen Kinder- und Jugendarbeit", Vortrag von Dr ...

Dr. Heinz-Jürgen Stolz

Zukunft der

Offenen Kinder- und Jugendarbeit

Jahrestagung leitender Fachkräfte in der

Kommunalen Kinder- und Jugendarbeit

Königswinter, 06.11.2006

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Übersicht

(1) „Bildung“ als (künftiges) Schwerpunktthema der OKJA

Nationaler Bildungsbericht

KJFöG

(2) Chancen der OKJA im Kontext der aktuellen Jugendforschung

Impressionen aus der aktuellen Jugendforschung

Anschlussfähigkeit der OKJA

(3) Herausforderungen für die OKJA

(4) Zieldimensionen der bildungsbezogenen OKJA im Überblick

(5) Leitfragen für die Arbeitsgruppen

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Zieldimensionen von Bildung (BB)

Individuelle Regulationsfähigkeit: Verknüpfung des Konzeptes

„lebenslangen Lernens“ mit der für die – über das Konzept „verwertbarer

Qualifikationen“ hinausgehenden –„Idee der Selbstentfaltung, () Aneignung

und verantwortliche(n) Mitgestaltung von Kultur“

Humanressourcensicherung: (a) „Sicherstellung und Weiterentwicklung

des quantitativen und qualitativen Arbeitskräftevolumens“, (b) „Vermittlung

von Kompetenzen, die den Menschen eine ihren Neigungen und

Fähigkeiten entsprechende Erwerbsarbeit ermöglichen“

Gesellschaftliche Teilhabe und Chancengleichheit: Ziel ist die

Gewährleistung der „soziale(n) Integration und () (der) Aneignung von

Kultur für alle“ – Kompensation „systematischer Benachteiligung aufgrund

der sozialen Herkunft, des Geschlechts, der nationalen oder ethnischen

Zugehörigkeit“. Ermöglichung „demokratischer Partizipation“

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Gesellschaftliche „Megatrends“

(Nationaler Bildungsbericht)

Demographischer Wandel belastet die Infrastrukturen der Kinder- und Jugendarbeit wie

auch die der Schulen; es existieren dabei starke regionale Disparitäten (Ost/West)

Globalisierung der Arbeitsmärkte fungiert zugleich als Herausforderung für Bildung und

als Gefahr einer Verengung von Bildung auf Qualifizierung

Strukturwandel zur Dienstleistungs- und Wissensgesellschaft verlangt veränderte

Schlüsselqualifikationen, für deren Erwerb Bildung und Erziehung „in allen Bereichen

kognitive und motivationale Voraussetzungen schaffen“ muss

Pluralisierung von Familien- und anderen privaten Lebensformen (z.B. mehr

Alleinerziehende, mehr berufstätige Mütter, mehr Scheidungen und sinkende Stabilität von

Familienstrukturen) erfordert die Abkehr von tradierten, auf die „männliche

Ernährerfamilie“ bezogenen institutionellen Arrangements der Kinderbetreuung sowie die

Abkehr von tradierten Erwartungen an die Bildungsfunktionen von Familie (z.B.

Herstellung von „Schulfähigkeit“, Hausaufgabenbetreuung und -kontrolle)

Diese und andere „Megatrends“ festigen die soziale Selektivität des Bildungssystems: je

mehr ökonomisches, soziales und kulturelles Kapital vorhanden, um so eher sind die

Herausforderungen auch bewältigbar!

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Schwerpunktthema: Bildung

„Zur Reflexion und Fortentwicklung der Angebote und Strukturen

in der Kinder- und Jugendarbeit ... fördert das Ministerium

insbesondere

... neue Projekte an der Schnittstelle von Jugendarbeit

und Jugendsozialarbeit zu anderen Politikfeldern und

Modelle zur Schaffung von Ganztagsangeboten für Kinder

im schulpflichtigen Alter, insbesondere in der

Altersgruppe der 10-14-Jährigen“

(KJFöG, § 19)

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Schwerpunkte der Kinder- und Jugendarbeit

nach 3. AG-KJHG – KJFöG nach Bildungsbezug

Politische und soziale Bildung

Schulbezogene Jugendarbeit

Kulturelle Jugendarbeit

Sportliche und freizeitorientierte

Jugendarbeit

Kinder- und Jugenderholung

Medienbezogene Jugendarbeit

Interkulturelle Jugendarbeit

Geschlechterdifferenzierte

Mädchen- und Jungenarbeit

Internationale Jugendarbeit

Gesellschaftliche Teilhabe

Teilhabe + Regulationsfähigkeit

Individuelle Regulationsfähigkeit

Individuelle Regulationsfähigkeit

kein deutlicher Bildungsbezug

Individuelle Regulationsfähigkeit

Teilhabe +Regulationsfähigkeit

Teilhabe +Regulationsfähigkeit

Individuelle Regulationsfähigkeit

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Impressionen aus der aktuellen Jugendforschung

Die neue „pragmatische“ Jugendgeneration (Shell-Studien) übersetzt Pragmatismus nicht in

Einzelkämpfertum, sondern in „Interessenorientierung“ – sie ist in der Bevölkerung z.B.

ungebrochen die am stärksten freiwillig engagierte Altersgruppe (Freiwilligensurvey 2004)

Weltanschauliche (politische oder religiöse) Bindungen werden mehr und mehr der

subjektiven Interessenorientierung subsumiert, eine langfristige Identifikation mit

entsprechenden Institutionen (Kirchen, Jugendverbände, Parteien...) findet immer seltener

statt. Institutionen gelten als „Gelegenheitsstrukturen“, die man verlässt, wenn sie zum

eigenen Lebensentwurf nicht mehr passen – Partizipation wird nicht „erkämpft“

(Münchmeier), vielmehr werden im Zweifelsfall andere Orte des Engagements aufgesucht

Zwar engagieren sich Jugendliche nach wie vor in erster Linie in (Sport-) Vereinen,

daneben gewinnen aber befristete projekt- und initiativförmige Aktivitätsformen zunehmend

an Bedeutung; diese schwach organisierten Angebotsformen fanden 2004 bereits zu einem

Drittel am Lernort Schule statt

„Im Bereich Politik und politische Interessenvertretung (z.B. in einer Partei, im Gemeinderat

oder Stadtrat, in politischen Initiativen oder Solidaritätsprojekten)“ engagiert sich nur noch

1% der Jugendlichen zwischen 14 und 19 Jahren mit zwischen 1999 und 2004 stark

fallender Tendenz

Hohe Identifikation mit der demokratischen Staatsform!

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Anschlussfähigkeit der OKJA

Die Strukturprinzipien der OKJA (z.B. Freiwilligkeit, Partizipation, Selbstorganisation)

sind in hohem Maße mit der Interessenorientierung von Kindern und Jugendlichen

kompatibel

Dem für eine Formaldemokratie katastrophalen Rückgang des politischen Engagements

Jugendlicher kann in der OKJA durch die Bereitstellung konkreter nah- und

sozialräumlicher Partizipations- und Aneignungsmöglichkeiten begegnet werden

Die OKJA ist als punktuelle Gelegenheitsstruktur nutzbar, zugleich können

Einrichtungen aber auf ein stabiles Fundament an StammbesucherInnen

zurückgreifen, was unter Bildungsaspekten kontinuierliche, selbstbestimmte Aktivitäten

ermöglicht

Der zeitlich befristete Projekt- und Initiativcharakter von Angeboten der OKJA

kommt dem Trend zur Auswahl schwach organisierter Settings des Engagements

von Kindern und Jugendliche entgegen

Die deutliche Zunahme projekt- und initiativförmigen freiwilligen Engagements von

Kindern und Jugendlichen am Lernort Schule zeigt, dass vielleicht doch nicht ‚alles, was

Schule anfasst, zu Schule werden muss‘. Hier kann OKJA per Mitgestaltung von

Ganztagsangeboten eigene Impulse setzen und erweiterte Zielgruppen erreichen.

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Herausforderungen für die OKJA I

Einbindung in lokale Bildungsnetze: Trägerspezifische und -übergreifende Mitwirkung an

lokaler Bildungsplanung; fachdienstübergreifende und multiprofessionelle Zusammenarbeit

inner- und außerhalb der Einrichtungen; einzelschulübergreifende Gestaltung von

Schulkooperationen vor allem in der Sek1; Trägerverbünde, AG 78, Steuerungsgruppen ...

Einrichtungs- und trägerübergreifende Zusammenarbeit: Überwindung des engen

Einrichtungsbezugs bei bildungsbezogenen Angebotssegmenten; Ermöglichung von

Teamarbeit bei den Hauptamtlichen (oft ja nur noch eine Kraft pro Einrichtung vorhanden);

verstärkte soziale Durchmischung der BesucherInnen; Transzendierung eines oft zu eng

gefassten Quartiersbezugs; weitere Synergieeffekte im Hinblick auf Konzeptqualität und

‚Betreuungsschlüssel‘; größere Verhandlungsmacht bei Schulkooperationen ...

‚Politisierung‘ von Aneignungsaktivitäten: Verbindung von Initiativen zur Aneignung von

Räumen und Gelegenheitsstrukturen mit den kommunalen Diskussions- und

Planungsprozessen – ‚materiale Demokratisierung‘ auf kommunaler Ebene als Gegengewicht

zum einbrechenden politischen Engagement Jugendlicher in Organisationen und Initiativen

Heterogenisierung der Inanspruchnahme von Settings: Abkehr von kollektividentitären

Zielgruppendefinitionen und Ermutigung sozial und altersmäßig durchmischter Settings;

Irritation und Reflektion von durch (Selbst-) Ethnisierung, Geschlechtsrollenzuschreibungen etc.

zustande kommenden Cliquenbildungen; Ermöglichung intergenerationeller Settings

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Herausforderungen für die OKJA II

Weiterentwicklung von Spezialisierungsmöglichkeiten in der Aus- und Weiterbildung:

z.B. Module zur Professionalisierung in den Bereichen Schulkooperationen, sozialräumliche

Vernetzung und Planung, intergenerationelle Arbeit, mit Wechselmöglichkeiten für ältere

KollegInnen aus dem Bereich der unmittelbaren Arbeit mit Kindern und Jugendlichen in

Planungsfunktionen sowie in die Weiterbildung und lokale Qualitäts-/ Konzeptionsentwicklung

Weiterentwicklung des Wirksamkeitsdialogs in Richtung einer integrierten kommunalen

Bildungs- und Sozialberichterstattung

Entwicklung plausibler und fachlich eigenständiger Ansätze der differenzierten Zertifizierung

von Bildungserträgen der Settings und Aktivitäten in der OKJA (z.B. Einbindung von OKJA-

Aktivitäten in Portfolios zum sozialen und kulturellen Kompetenznachweis)

Kritisch-konstruktive Reflektion des gesellschaftlichen Normalisierungsauftrags der

OKJA in der Konzeptionsentwicklung der Einrichtungen sowie auf Trägerebene:

Qualifizierung des Attributs „offene“ KJA i.S. von ‚offen bei Wahrung bestimmter

demokratischer Anerkennungsmodi im Rahmen der Einrichtungen und Aktivitäten‘. Auf

interne Hierarchisierungs-, Dominanz- und Gewaltverhältnisse (z.B. Sexismus, Rassismus,

Selbstethnisierung) gegründete Cliquen dürfen die informellen Zugangsschwellen zu

Einrichtungen und Aktivitäten der OKJA nicht beherrschen. „Akzeptanz“ kann sich hier nur

auf die agierenden Individuen, keinesfalls aber auf deren Verkehrsformen beziehen.

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Zieldimensionen der bildungsbezogenen

Entwicklung in der OKJA im Überblick

Zielgruppenbezug: Heterogenisierung von Gruppen und Settings

Normativität der OKJA: Fachliche Ausdeutung statt Leugnung des

gesellschaftlichen Normalisierungsauftrags (z.B. bzgl. Cliquenarbeit)

Lokaler Horizont: Überwindung eng gefasster Einrichtungs- und

Quartiersbezüge zugunsten von auf den lokalen Raum bezogenen Aktivitäten

Materiale politische Partizipation: Öffnung kommunaler Planungsansätze

für Aneignungsaktivitäten von Kindern und Jugendlichen

Professionalisierung: (Weiter-) Entwicklung beruflicher Spezialisierungen in

der OKJA durch Veränderungen in der Aus- und Weiterbildung

Zertifizierung von Bildungserträgen, vor allem im Bereich des personalen

und sozialen Kompetenzerwerbs

Evaluation: Integration des Wirksamkeitsdialogs in ein umfassendes

System der integrierten kommunalen Sozial- und Bildungsberichterstattung

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Leitfragen für die Arbeitsgruppen

(1) Inwieweit muss / kann / darf die OKJA ihren BesucherInnen mit aktiven

pädagogischen Gestaltungszielen und normativen Orientierungen begegnen

ohne dabei ihren „offenen“ Charakter zu verlieren?

Heterogenisierung von Gruppen und Settings

‚Materiale Politisierung‘ von Aneignungsaktivitäten

Selektive Ermutigung von Selbstorganisation (z.B. in der Cliquenarbeit)

(2) Welche Ansätze einer Öffnung der OKJA in den lokalen Raum lassen sich

vor Ort beobachten und wie sind diese zu bewerten?

Einrichtungs- und trägerübergreifende Aktivitäten der OKJA

Kommunaler Wirksamkeitsdialog / Evaluation / koordinierte Konzeptionierung

Einbezug der OKJA in partizipative Ansätze der Jugendhilfeplanung

Ansätze und Maßnahmen der Zertifizierung von Bildungserträgen

(3) Welche Ansätze zur (Weiter-) Qualifikation und Berufswegeplanung werden

lokal jeweils entwickelt bzw. genutzt?

Spezialisierungsmöglichkeiten networking, Schulkooperationen, Planung...)

Berufswegoptionen für ältere KollegInnen

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