Schwerpunkt: Jugendhilfeplanung - Landschaftsverband Rheinland

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Schwerpunkt: Jugendhilfeplanung - Landschaftsverband Rheinland

Jugendhilfeplanung

Gut zehn Jahre gibt es das KJHG und

seither die rechtliche Verpflichtung der

Jugendämter, Jugendhilfeplanung zu

betreiben. Grund genug, einen Jugendhilfereport

in seinem Schwerpunkt

diesem Thema zu widmen. Alle

Hintergründe, Diskussionsstränge und

praktischen Ausformungen an dieser

Stelle darzustellen, wäre eine Überforderung.

Die Redaktion hat sich bemüht,

mit den vorliegenden Beiträgen

einige Schlaglichter auf unterschiedliche

Aspekte aktueller Jugendhilfeplanung

zu werfen.

Matthias Schilling und Jens Pothmann

stellen in ihrem Beitrag erste

Ergebnisse eines Projektes der Landesjugendämter

Nordrhein-Westfalens mit

der Arbeitsstelle für Kinder- und Jugendhilfestatistik

an der Universität

Dortmund (AKJstat) dar. Ziel des Projektes

ist die Aufbereitung der Daten

der gesetzlichen Kinder- und Jugendhilfestatistik

für die kommunale Jugendhilfeplanung.

Die Jugendhilfe in Nordrhein-Westfalen

soll ein Berichtswesen

an die Hand bekommen, das den Vergleich

der eigenen Entwicklung von

Fallzahlen mit der Entwicklung vergleichbarer

Jugendämter ermöglicht.

Susanne Reinartz und Kurt van Dorn

beschreiben, wie Jugendhilfeplanung

und Jugendschutz gemeinsam die

„Netzwerke für Prävention“ im Kreis

Viersen begleiten. Die sozialräumlich

angelegten Arbeitsgemeinschaften

bündeln das Know-How der lokalen

Fachkräfte und werden unterstützt

durch die „Netzwerk-Reader“ der Jugendhilfeplanung.

Diese Reader fassen

neben Daten zur Bevölkerung vielfältige

Informationen zusammen, z.B.

unterschiedlichste Kontaktpersonen im

Sozialraum und ihre Funktionen.

Marco Szlapka und Michael

Schmidt skizzieren in Form eines kurzen

Werkstattberichts die sozialraumorientierte

Neuorganisation des Jugendamtes

der Stadt Moers. Sie

können erste Erfahrungen dieses Prozesses,

der durch das Institut für Sozialplanung

und Organisationsentwicklung

(INSO e.V.) begleitet wurde,

darstellen.

Landesweites Berichtswesen zu den Hilfen zur

Erziehung (HzE-Bericht)

Ein Instrument zur Entwicklung von Fragestellungen an die kommunale

Jugendhilfeplanung

Aus Sicht der kommunalen Jugendhilfeplanung

kennzeichnet sich das

Arbeitsfeld der Hilfen zur Erziehung

durch eine unübersehbare Ambivalenz

kostenintensiver Jugendhilfeleistungen

auf der einen und kaum möglicher

vorausschauender Planung dieses kommunalen

Leistungsbereiches auf der

anderen Seite (vgl. Heuchel/Schrapper

1999, S. 98).

Planung mit festgestellten Ergebnissen

Einerseits werden in Nordrhein-

Westfalen für den Bereich der Hilfen

zur Erziehung mit mehr als 550 Mio.

DM in 1999 nach der Kindertagesbetreuung

die meisten Gelder aufgewendet

(jede fünfte Mark für Jugendhilfe

in Nordrhein-Westfalen wird in den

Bereich der Hilfen zur Erziehung investiert),

anderseits wird der Bedarf an

Hilfen zur Erziehung im Sinne des

KJHGs wesentlich durch individuelle

Beurteilungen seitens der AdressatInnen

und der sozialpädagogischen

Fachkräfte bestimmt. Diese Zweischneidigkeit

und die Tatsache, dass Hilfen

zur Erziehung in unser immer komplexer

und schwieriger werdenden Gesellschaft

zunehmend an Bedeutung

gewinnen sowie Familien vor allem in

schwierigen sozioökonomischen Lebenslagen

auf Hilfen und Unterstützung

bei der Erziehung ihrer Kinder

angewiesen sind, fordert von der kommunalen

Jugendhilfeplanung fundiertes

Wissen über Entwicklungen und Bedingungsgefüge

der Erziehungshilfen

ein.

Dabei ist in der Praxis erstens das

interne Faktenwissen eine zentrale

Grundlage für Planungs- und Steuerungshandeln

(vgl. Jordan/Schone

1998, S. 109 f.). Darüber hinaus gilt

allerdings zweitens, dass neben dem

internen Faktenwissen externe Anregungen

und Orientierungshilfen wichtig

für die Einschätzung der eigenen

Situation sowie die Weiterentwicklung

des Hilfespektrums sind. Ein derartiges

wichtiges, zusätzliches Instrument

4 2/01


kommunaler Jugendhilfeplanung stellen

landesweite Berichte über die Entwicklung

und Lage der Hilfen zur Erziehung

dar, bei denen auch die

sozialstrukturellen Unterschiede der

einzelnen Jugendämter berücksichtigt

werden (vgl. Bürger 1999, S. 30 ff.).

Der nachfolgende Beitrag wird in

einem ersten Teil die Arbeitsgruppe

zur Qualifizierung der Jugendhilfestatistik

in Nordrhein-Westfalen und die

in diesen Zusammenhängen entstandene

Idee eines landesweiten Berichtswesens

zum Feld der Hilfen zur Erziehung

vorstellen.

In einem zweiten Teil geht es um

die Erläuterung der amtlichen Kinderund

Jugendhilfestatistik (KJHG-Statistik)

als Datengrundlage des Berichtswesens

sowie die Konzeption des HzE-

Berichtes. Abschließend werden

entsprechend der Funktion des HzE-

Berichtes erste Fragestellungen an die

kommunale Jugendhilfe, die sich aus

den aktuellen Befunden ableiten lassen,

formuliert, um sich ein erstes Bild

von den aus dem Berichtswesen zu erwartenden

Ergebnissen machen zu

können.

(1) Arbeitsgruppe Jugendhilfestatistik

und die Idee eines HzE-

Berichtes

Die Arbeitsgruppe zur Qualifizierung

der Jugendhilfestatistik in Nordrhein-Westfalen

hat sich Ende 1999

konstituiert. Regelmäßige TeilnehmerInnen

an den Arbeitsgruppensitzungen

sind der Landschaftsverband

Rheinland – Landesjugendamt, der

Landschaftsverband Westfalen-Lippe –

Landesjugendamt, das Landesamt für

Datenverarbeitung und Statistik Nordrhein-Westfalen,

VertreterInnen von

Kommunen aus dem Bereich der Jugendhilfeplanung

sowie die Dortmunder

Arbeitsstelle Kinder- und Jugendhilfestatistik.

Die zielgerichteten Aktivitäten der

Arbeitsgruppe beziehen sich vor allem

auf

– eine Erhöhung des Nutzwertes der

KJHG-Statistik für die kommunale

Ebene,

– eine Verbesserung der Vollständigkeit

und Vollzähligkeit der Erhebung

amtlicher Kinder- und Jugendhilfedaten

in Nordrhein-Westfalen sowie

– die Erarbeitung von Empfehlungen

zur Weiterentwicklung der KJHG-

Statistik, beispielsweise in Bezug auf

die Erfassung der flexiblen Erziehungshilfen

nach § 27, 2 KJHG oder

aber die vollständige Verlagerung

der Auskunftspflicht im Bereich der

Hilfen zur Erziehung weg von den

freien hin zu den öffentlichen Trägern.

Insbesondere vor dem Hintergrund

einer Sensibilisierung der Fachpraxis

für eine sorgfältige Erhebung der Daten

zur KJHG-Statistik sowie einer Verbesserung

der amtlichen Datennutzung

auch auf der kommunalen Ebene

ist seitens der Arbeitsgruppe ein Auswertungsraster

entwickelt worden, das

aussagekräftige Ergebnisse bereitstellt,

die für die alltägliche Arbeit der örtlichen

Jugendhilfeplanung wichtige und

hilfreiche Informationen enthält. Dieses

Auswertungsraster wird zukünftig

die Grundlage des jährlichen HzE-Berichtes

für die kommunale Ebene im

Rheinland und in Westfalen-Lippe darstellen,

um somit für die Jugendhilfeplanung

im Bereich der Hilfen zur

Erziehung absolute und relative Strukturdaten

auf der kommunalen Ebene

zu dokumentieren.

Verbunden mit einer zeitlichen

Längsschnittperspektive soll es somit

dem örtlichen Jugendamt ermöglicht

werden, Fragestellungen zu interkommunalen

Differenzen und regionalspezifischen

Entwicklungen zur Verbesserung

der eigenen Jugendhilfepraxis im

Feld der Hilfen zur Erziehung zu formulieren.

Ergebnisse werden in der Praxis „produziert“

(2) Datengrundlage und

Konzeption des HzE-Berichtes

Für ein landesweites Berichtswesen

sind aufwendige Erhebungen notwendig,

die die einzelnen Jugendämter

noch zusätzlich belasten würden. Somit

liegt es nahe, dass vorhandene landesweite

und landeseinheitliche statistische

Datenquellen genutzt werden,

um die notwendige Datengrundlage

für einen HzE-Bericht zu schaffen. Das

einzige dabei in Frage kommende Instrument

stellt für das Land Nordrhein-

Westfalen die amtliche Kinder- und

Jugendhilfestatistik dar, zumal sie als

Individualerhebung für jede einzelne

Hilfe umfangreiche Angaben der jungen

Menschen sowie hilfespezifische

Informationen abfragt (vgl. Rauschenbach/Schilling

1997).

Darüber hinaus hat die KJHG-Statistik

den Vorteil überörtlich standardisierter

Erhebungsmerkmale, einer

regelmäßigen und kontinuierlichen

Datenerhebung (jährlich), der rechtlichen

Verankerung im KJHG (§§ 98 bis

103), der Datenverfügbarkeit sowohl

von öffentlichen als auch von freien

Trägern sowie der Einsparung von Kosten

in Bezug auf die Eingabe und Prüfung

der Daten (vgl. Schilling 1998,

S. 589 f.). Die Erhebungsergebnisse

wurden allerdings in der Vergangenheit

kaum genutzt, da eine Ausweisung

pro Jugendamt nicht möglich war.

Inzwischen hat sich die Rechtslage geändert,

so dass unter Wahrung des

Datenschutzes auch umfassend Ergeb-

2/01 5


JA-Typ3 JA-Typ4

JA-Typ8 JA-Typ7

nisse der einzelnen Jugendämter ausgewiesen

werden können, um sie somit

für die kommunale Jugendhilfeplanung

nutzbar zu machen (vgl. Mörsberger

1997).

Auf dieser Datengrundlage wird im

Rahmen des HzE-Berichtes ein Profil der

Hilfen zur Erziehung für die Landesebene

sowie für die überörtliche und

örtliche Ebene erstellt. Dabei kann

nicht der Anspruch an den HzE-Bericht

formuliert werden, die kommunale Jugendhilferealität

in Nordrhein-Westfalen

vollständig in einem Eins-zu-Eins-

Verhältnis zu dokumentieren. Vielmehr

geht es darum, Strukturen und Strukturprobleme

auf der Grundlage von

empirischen Daten zum Feld der Hilfen

zur Erziehung für die kommunale

Jugendhilfepraxis nachzuzeichnen. Vor

diesem Hintergrund unterscheidet der

HzE-Bericht die Leistungen der Hilfen

zur Erziehung nach ambulanten Hilfen

(§§ 29 bis 32 sowie 35 KJHG) 1 auf der

einen sowie Vollzeitpflege, Heimerziehung

und betreute Wohnformen als

stationäre Hilfen auf der anderen Seite.

Entlang dieser Zusammenfassung

der Leistungen der Hilfen zur Erziehung

werden folgende Auswertungsperspektiven

im Berichtswesen berücksichtigt:

– Inanspruchnahme: Diese Auswertungsperspektive

fasst Analysen zur

Fallzahlenentwicklung und -verteilung

zusammen. In diesem Zusammenhang

werden Daten zur Entwicklung

der Hilfen seit Inkrafttreten

des SGB VIII sowie zu persönlichen

Merkmalen der AdressatInnen

wie Alter, Geschlecht und Staatsangehörigkeit

ausgewertet.

– Soziale und familiäre Herkunft: Diese

Auswertungsperspektive untersucht

beispielsweise die in der

Statistik abgebildeten Familienverhältnisse

der jungen Menschen in

den Hilfen zur Erziehung. So ist eine

in diesem Zusammenhang relevante

Fragestellung, ob die AdressatInnen

von Hilfen zur Erziehung überproportional

im Vergleich zur

Bevölkerung insgesamt aus Ein-Eltern-Familien

kommen.

– Leistungsgenese: Die Auswertungsperspektive

„Leistungsgenese“ fragt

nach der Entstehung der Erziehungshilfe.

Welche Anlässe haben zur Inanspruchnahme

der Hilfe geführt

oder aber wer hat diese Hilfe angeregt,

sind für diese Analyseebene relevante

Fragestellungen.

– Qualität der Hilfe: Auf der Ebene der

Beschreibung der Qualität der Hilfen

beinhaltet der HzE-Bericht

beispielsweise Angaben zum Abschluss

sowie zur Dauer der Leistungen.

Vor dem Hintergrund der kontrovers

geführten Debatte um

Qualitätsentwicklung und –management

in der Kinder- und Jugendhilfe

insgesamt muss in diesem Zusammenhang

einschränkend angemerkt

Abbildung: Externe Vergleichsfolien des HzE-Berichtes für die kommunale Jugendhilfe

in Nordrhein-Westfalen

Nordrhein-Westfalen

Landesjugendamtsbezirk Westfalen-Lippe

JA-Typ1

JA-Typ6

J‘amt a

J‘amt b

J‘amt c

JA-Typ2

JA-Typ5

Landesjugendamtsbezirk Rheinland

Nordrhein-Westfalen

Vergleich der Erziehungshilfedaten zwischen ... und ...

J’amt = Jugendamt; JA-Typ = Jugendamtstyp

J‘amt d

J‘amt e

J‘amt (...)

werden, dass diese und andere aus

der KJHG-Statistik ableitbaren Indikatoren

zur Qualitätsbestimmung

keine vollständige und umfassende

Datengrundlage für einen Qualitätsentwicklungsprozess

im Bereich der

Hilfen zur Erziehung darstellen können.

Darüber hinaus werden die amtlichen

Datenbestände im HzE-Bericht

räumlich differenziert. Das heißt, die

Analysen beziehen sich sowohl auf Landesebene

als auch auf die überörtliche

und örtliche Ebene, um der kommunalen

Jugendhilfe verschiedene

Vergleichsfolien und Orientierungsebenen

zur Einordnung der eigenen Datenbestände

zu den Hilfen zur Erziehung

anzubieten (vgl. Abbildung).

Diese regionale Differenzierung der Erziehungshilfedaten

eröffnet der kommunalen

Jugendhilfe nicht nur die

Möglichkeit, das eigene Datenprofil

vor der Folie der Ergebnisse für das

Land Nordrhein-Westfalen insgesamt

oder aber die Landesjugendamtsbezirke

Rheinland und/oder Westfalen-Lippe

zu analysieren.

Darüber hinaus ist für jedes Jugendamt

ein externer Vergleich mit anderen

Jugendämtern in Nordrhein-Westfalen

vorgesehen. Dies ist allerdings

aus datenschutzrechtlichen Gründen

nur für ausgewählte Eckdaten zu den

Hilfen zur Erziehung möglich. Ein umfassenderes

Datenspektrum auf der

kommunalen Ebene steht hingegen im

Rahmen einer Klassifizierung von Jugendämtern

nach räumlichen und sozialstrukturellen

Kriterien zur Verfügung.

Diese verschiedenen externen Vergleichsfolien

zum Bereich der Hilfen

zur Erziehung sind für das kommunale

Jugendamt nur dann nutzbar, wenn

die jeweilige örtliche Jugendbehörde

über ausreichendes internes Faktenwissen

verfügt. Um dieses in einem Mindestmaß

zu garantieren, ist es für jedes

Jugendamt in Nordrhein-Westfalen

möglich, das eigene Datenprofil zu den

Hilfen zur Erziehung beim Landesamt

für Datenverarbeitung und Statistik

Nordrhein-Westfalen abzurufen. 2

Über die Bereitstellung der amtlichen

Kinder- und Jugendhilfedaten für

die kommunale Ebene sowie die landesweite,

feingliedrige Differenzierung

der Datenbestände zu den Hilfen zur

Erziehung verdeutlicht sich die Inten-

6 2/01


tion des Berichtswesens, die kommunale

Jugendhilfeplanung im Bereich der

Hilfen zur Erziehung zu unterstützen.

Dabei verfolgt der HzE-Bericht zwei

Funktionen:

(1) Orientierungs- und Anregungsfunktion:

Die Orientierungs- und Anregungsfunktion

des HzE-Berichtes bewegt

sich auf zwei unterschiedlichen

Ebenen. Zum einen stellen Konzeption

und Aufbau des Berichtswesens für

die kommunale Jugendhilfeplanung

einen Vorschlag zur Strukturierung

bzw. Modifizierung des eigenen Berichtswesens

zu den Hilfen zur Erziehung

dar. Die Integration des HzE-

Berichtes in ein kommunales

Berichtswesen zu den Hilfen zur Erziehung

bedeutet eine Form der Standardisierung

und stellt somit

Anschlussfähigkeit für externe Vergleiche

der eigenen Situation zu den Hilfen

zur Erziehung her.

Zum anderen stellen die hier analysierten

Datenbestände zu unterschiedlichen

Aspekten im Feld der Hilfen zur

Erziehung für die kommunale Jugendhilfeplanung

die Möglichkeit dar, die

eigene Inanspruchnahme sowie die Gewährungspraxis

vor Ort mit der Situation

im Land insgesamt, im jeweiligen

Landesjugendamtsbezirk oder mit

kommunalen Profilklassen sowie anderen

Jugendämtern zu kontrastieren.

Diese Gegenüberstellung soll es ermöglichen,

aus dem Blick über die eigene

Kirchturmspitze hinaus im Rahmen

von Vergleichen für die eigene

Erziehungshilfepraxis zu lernen, ohne

in einem unmittelbaren Zwang zur Umsetzung

von Steuerungsstrategien zu

stehen. Vergleichbare Modelle eines

landesweiten Berichtswesens zu den

Hilfen zur Erziehung sehen darüber hinaus

gerade in der jugendamtsbezogenen

Vergleichsperspektive die Möglichkeit,

Jugendhilfebedarfe in Bezug

auf Leistungen der Hilfen zur Erziehung

deutlich werden zu lassen (vgl. Landeswohlfahrtsverband

Württemberg-

Hohenzollern 2000a, S. 27 f.)

(2) Erkenntnisfunktion: Die Erkenntnisfunktion

des HzE-Berichtes beinhaltet

die Verdeutlichung von Strukturen und

Bedingungsgefügen zum Verstehen

der komplexen, kommunalen Praxis

der Hilfen zur Erziehung. Dabei sollen

beispielsweise für die Landesebene

gewonnene Erkenntnisse zur Inanspruchnahme

von Hilfen, zur sozialen

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und familiären Herkunft der AdressatInnen

oder aber zur Vernetzung von

Hilfen dazu dienen, das für die Landesebene

gültige Wissen erstens auf

seine Übertragbarkeit für die jeweils

örtliche Jugendhilfepraxis zu überprüfen

sowie zweitens es bei der Maßnahmenplanung

im Planungsprozess zu

berücksichtigen.

Neben den Funktionen für die kommunale

Jugendhilfeplanung stellt der

HzE-Bericht für die Landesjugendämter

in Nordrhein-Westfalen eine

Rahmenplanung im Sinne „einer sachgerechten

Beschreibung des Gegenstandes“

(Landeswohlfahrtsverband

Württemberg-Hohenzollern 2000b, S.

9) sowie darüber hinaus ein Instrument

der Fachberatung der Landesjugendämter

für die örtliche Ebene dar.

(3) Fragestellungen an die

kommunale Jugendhilfeplanung

aus den amtlichen Daten der

Kinder- und Jugendhilfestatistik

Der erste HzE-Bericht für die kommunale

Ebene in Nordrhein-Westfalen

ist für den Sommer diesen Jahres zu

erwarten und wird auf den Daten zum

31.12.1999 basieren. Im Vorgriff auf

diesen Erscheinungstermin sollen abschließend

exemplarisch vier Fragestellungen

an die kommunale Jugendhilfeplanung

in Nordrhein-Westfalen

formuliert werden, die sich aus den

Daten ergeben haben:

– Im Rückblick auf die 1990er Jahre

ist zu beobachten, dass sich das Fallzahlvolumen

der Hilfen zur Erziehung

(§§ 29 bis 35 KJHG) in Nordrhein-

Westfalen seit Inkrafttreten des Kinder-

und Jugendhilfegesetzes von

49.849 Hilfen auf 64.787 Leistungen

vergrößert hat. Dies entspricht einer

prozentualen Steigerung von

30% und umgerechnet auf die Bevölkerung

der unter 21-Jährigen

bedeutet diese Entwicklung eine Zunahme

der Hilfen von 129 auf 159

Maßnahmen bezogen auf 10.000

der altersentsprechenden Bevölkerung.

Die Jugendhilfe sieht sich somit

einem wachsenden Bedarf an

Hilfen zur Erziehung gegenübergestellt,

der in den letzten Jahren ungebrochen

war. Dieser Befund fordert

zu der Frage heraus, ob es bei

der Ausgestaltung der Hilfen zur Erziehung

zukünftig um eine Verringerung

des Fallzahlenvolumens gehen

kann oder ob es nicht vielmehr

um die Ausgestaltung eines bedarfsgerechtes

Angebotes gehen wird,

bei dem inhaltliche Fragen wie

beispielsweise eine verstärkte Sozialraumorientierung

und Flexibilisierung

der Hilfen im Vordergrund stehen

werden.

– Es bestätigt sich für die Jugendhilfe

in Nordrhein-Westfalen, dass die Inanspruchnahme

bzw. die Gewährung

von stationären Hilfen vor einer

Folie harter sozialer Wirklichkeit

stattfindet. Dies wird vor allem deutlich,

klassifiziert man die Jugendamtsbezirke

in Nordrhein-Westfalen

nach Belastungsklassen. Werden in

den Jugendamtsbezirken mit einer

sehr hohen Belastung der sozioökonomischen

Lebenslagen knapp 123

stationäre Hilfen bezogen auf

10.000 der unter 21-Jährigen gezählt,

so sind dies in Regionen mit

einer vergleichsweise sehr geringen

Belastung der sozioökonomischen

Lebenslagen lediglich ca. 70 Maßnahmen

der Fremdunterbringung.

Gleichzeitig jedoch zeigt sich für die

stationären Hilfen in den letzten Jahren

von der Tendenz her eine Stag-

2/01 7


nation des Fallzahlvolumens. Vor diesem

Hintergrund gilt es zu fragen,

inwiefern der Ausbau der ambulanten

Hilfen zur Fallzahlenbegrenzung

bei den stationären Hilfen beigetragen

hat?

– Beim Altersspektrum der AdressatInnen

weisen die Befunde darauf hin,

dass mit zunehmendem Alter eine

stationäre Hilfe in Form einer Heimerziehung

bzw. einer betreuten

Wohnform immer wahrscheinlicher

wird. Innerhalb der stationären Hilfen

zeigt sich eine Schwerpunktverlagerung

auf die Hilfen für die 15-

bis 18-Jährigen. Dies korrespondiert

mit dem deutlichen Anstieg der sonstigen

betreuten Wohnformen (Betreuung

in einer Wohngemeinschaft

und in einer eigenen Wohnung), die

gleichzeitig Ausdruck einer Individualisierung

von Betreuungsarrangements

sind. Im Rahmen der kommunalen

Jugendhilfeplanung sollte

die Frage, ob das vorhandene Angebot

den Anforderungen des jugendlichen

Alters zwischen Identitätsfindung,

Ablösung und

Berufsfindung adäquat ausgestaltet

ist, eine zentrale Bedeutung erlangen.

– Eine ähnliche Herausforderung stellt

die geringere Inanspruchnahme von

nichtdeutschen jungen Menschen in

den erzieherischen Hilfen für die

kommunale Jugendhilfeplanung dar.

Auch hier ist zu fragen, ob es wirklich

weniger Problemlagen sind, die

das geringere Fallzahlenvolumen begründen

oder aber die weniger geschärfte

Wahrnehmung der spezifischen

Problemlagen aus anderen

kulturellen Kontexten seitens der

sozialen Dienste oder aber vorhandene

Vorbehalte der Nichtdeutschen

gegenüber den Leistungsangeboten

der Kinder- und Jugendhilfe. In jedem

Fall formuliert sich aus den Ergebnissen

die Anfrage an die kommunale

Jugendhilfeplanung, ob

Strategien für das Erreichen der

nichtdeutschen jungen Menschen

und deren Familien sowohl im Kindes-

als auch im Jugendalter quantitativ

und/oder qualitativ noch verbessert

werden können. Zusätzlich

muss im Rahmen kommunaler Jugendhilfeplanung

berücksichtigt

werden, dass hinsichtlich der Situation

von nichtdeutschen Mädchen

und jungen Frauen als Klientel von

Hilfen zur Erziehung von einer doppelten

Benachteiligung auszugehen

ist, so dass bei der Gestaltung von

Maßnahmen eine besondere Sensibilität

für die Interessen dieser Gruppe

entwickelt werden sollte (vgl.

Trede 2000).

Matthias Schilling/Jens Pothmann

Literatur

Bürger, U.: Die Bedeutung sozialstruktureller

Bedingungen für den Bedarf

an Jugendhilfeleistungen, in Institut

für Soziale Arbeit e.V. (Hrsg.),

Soziale Indikatoren und Sozialraumbudgets

in der Kinder- und Jugendhilfe,

Münster 1999, S. 9-34.

Heuchel, I./Schrapper, C.: Planung und

Steuerung der Jugendhilfe auf der

Grundlage systemischer Beobachtung.

Instrumente und Verfahren für

die sozialräumliche Gestaltung

kommunaler Jugendhilfe durch

interkommunale Vergleiche, in:

Institut für Soziale Arbeit

e.V. (Hrsg.), Soziale Indikatoren und

Sozialraumbudgets in der Kinderund

Jugendhilfe, Münster 1999,

S. 95-130.

Jordan, E./Schone, R.: Aufgaben,

Konzeption, Ziele und Realisationsbedingungen,

in: E. Jordan, R.

Schone (Hrsg.), Handbuch Jugendhilfeplanung.

Bausteine,

Materialien,

Münster 1998, S. 57-

120.

Landeswohlfahrtsverband

Württemberg-Hohenzollern

- Landesjugendamt

(Hrsg.): Zur

Entwicklung von

Jugendhilfebedarf und

sozialstrukturellem

Wandel. Konzept einer

integrierten Berichterstattung,

Stuttgart

2000a.

Landeswohlfahrtsverband

Württemberg-Hohenzollern

– Landesjugendamt

(Hrsg.):

Überörtliche Rahmenplanung

für Angebote

der Erziehungshilfen in

Heimen und sonstigen

betreuten Wohnformen

(§ 34 KJHG),

Stuttgart 2000b.

Mörsberger, Th.: Datenschutz

- ein Problem

für die Jugendhilfestatistik,

in:

Th. Rauschenbach, M. Schilling

(Hrsg.), Die Kinder- und Jugendhilfe

und ihre Statistik. Band 2: Analysen,

Befunde und Perspektiven, Neuwied

u.a. 1997, S. 479-492.

Rauschenbach, Th./Schilling, M.: Die

Kinder- und Jugendhilfe und ihre

Statistik. Band 1: Einführung und

Grundlagen, Neuwied u.a. 1997.

Schilling, M.: Die amtliche Kinder- und

Jugendhilfestatistik – ein Element

der Bestandserhebung, in: E. Jordan,

R. Schone (Hrsg.), Handbuch

Jugendhilfeplanung. Grundlagen,

Bausteine, Materialien, Münster

1998, S. 575-597.

Trede, W.: Nichtdeutsche junge Menschen

in den Hilfen zur Erziehung,

in: Kom Dat Jugendhilfe, 3. Jg., Heft 3,

2000, S. 2-4.

1

Im Rahmen einer Weiterentwicklung

des Berichtskonzepts ist für die

nächsten Berichtszeiträume die

Berücksichtigung der Hilfen nach §

27,2 KJHG vorgesehen, da diese

Leistungen in der Gewährungspraxis

eine zunehmende Bedeutung

erlangen.

2

Ansprechpartner für die Jugendhilfestatistik

im Landesamt für Datenverarbeitung

und Statistik NRW ist

Ulrich Cicholas, Tel.: 0211/9449-

5023, Fax: 0211/9449-5588, e-mail:

ulrich.cicholas@lds.nrw.

In der Planung die Balance nicht verlieren

8 2/01


Netzwerke der Prävention im Kreis Viersen

Interdisziplinäres Zusammenwirken unter sozialräumlicher Ausrichtung

Die Ausgangslage:

Der Kreis Viersen grenzt an den

Kreis Kleve, die Städte Krefeld und

Mönchengladbach sowie an die Kreise

Neuß und Heinsberg; mit den Niederlanden

hat er eine gemeinsame

Grenzlinie von etwa 40 Kilometern.

Die Einwohnerschaft umfasst ca.

306.000 in neun Städten und Gemeinden.

Sechs davon

– Nettetal (42.500)

– Tönisvorst (31.100)

– Schwalmtal (19.600)

– Brüggen (16.400)

– Grefrath (15.900)

– Niederkrüchten (14.700)

gehören zum Bereich des Kreisjugendamtes

Viersen; somit zuständig für

140.200 Menschen.

Die kreisangehörigen Städte Viersen,

Willich und Kempen haben eigene

Jugendämter.

In den meisten Orten entstanden

über unterschiedliche Zeiträume

bereits Arbeitsgruppen, -gemeinschaften

u.ä., die sich mit drängenden Themen

und Problemlagen vor Ort

auseinander setzten und entsprechend

unterschiediche Schwerpunkte entwickelten.

Hieraus sind unverzichtbare

Aktivitäten, Projekte und Kooperationen

entstanden; sie bildeten sozuagen

die „Urzellen“ der jetzigen Netzwerke.

Allen gemeinsam war und ist der

Ansatz zur Prävention!

Die Vernetzung und Koordinierung

der örtlichen Netzwerke im Kreisjugendamtsbereich

ging mit der Entstehung

einer gemeinsamen Arbeitsstruktur

einher, ohne die örtlichen

Eigenheiten anzugreifen.

– Personen und ihrer Funktionen,

– Vereine und ihrer Aktivitäten,

– Institutionen und ihrer Aufgaben,

– lösungsorientiert personale, organisatorische

und materielle Ressourcen

aktivieren und bündeln,

– die politischen Enscheidungsträger

bei der Vorbereitung von Beschlüssen

untersützen, die eine Verbesserung

der Lebensumstände für junge

Menschen und deren Familien

zum Ziel haben,

– einen auf Dauer angelegten konstrukiven

und lebendigen sozialräumlichen

Dialog

– vor allem: ein „Mehr“ für Kinder, Jugendliche

und junge Erwachsene an

Chancen und Möglichkeiten, sowie

deren Beteiligung und Verantwortung.

Die Kooperationspartner:

An der Netzwerkarbeit beteiligen sich:

– die Freien Träger der Jugendhilfe

(z.B. AWO, DRK, Initi-ativen),

– Kirchengemeinden (Ev., Kath.)

– Kindergärten,

– Schulen (alle Formen),

– Stadt- und Gemeindeverwaltungen

mit den Bereichen Jugend, Soziales,

Sport, Kultur und öffentliche Ordnung,

– Sportvereine und -verbände,

– Jugendfreizeitzentren,

– Kommissariat „Vorbeugung“

– Drogenberatung, Fachstelle zur

Suchtvorbeugung,

– Kreisjugendamt:

– Allgem. Sozialer Dienst,

– Jugendgerichtshilfe,

– Jugendberufshilfe,

– Jugendarbeit, -förderung

– Jugendschutz.

– Gleichstellungsbeauftragte,

– Ausländerbeiräte.

Die Vorgehensweise:

In den eingangs erwähnten Städten

und Gemeinden treffen sich etwa

sechsmal im Jahr die Fachleute und

Sachbearbeiter der beteiligten Institutionen,

die unmittelbare Arbeitsfelder

in dem Sozialraum abdecken.

Hierzu gehören insbesondere LehrerInnen,

Sozialarbeiter und -pädagogInnen

sowie Verwaltungs- und Polizeifachleute.

Zu bestimmten Problemlagen

werden, zeitlich begrenzt, örtliche Arbeitsgruppen

gebildet, in denen Netzwerkteilnehmer

und bei Bedarf externe

Fachleute mitarbeiten.

Die Aufgabe der Jugendhilfeplanung:

Nach einer Anlaufzeit werden auf

Einladung der Jugendhilfeplanung bei

einer Arbeitskonferenz der Träger erste

Arbeitsergebnisse vorgestellt und

diskutiert; die Vereinbarung über die

Die Ziele:

Im Verlauf der letzten drei bis fünf

Jahre entwickelten sich die gemein-samen

Ziele, die von allen Teilnehmern

als verbindlich angesehen werden:

Die TeilnehmerInnen wollen

– konzentriert die Problemlagen vor

Ort beschreiben, analysieren und angehen,

– unmittelbare Informations- und Kontaktmöglichkeiten

schaffen,

– Transparenz für alle Interessierte herstellen,

besonders hinsichtlich der

Kommunikation ist die Basis von Netzwerken

2/01 9


weiteren Teilziele und die Vorgehensweisen

gehören dazu.

Die „Rückendeckung“ der Träger ist

für die Stabilisierung der Arbeitsebene

im Netzwerk unerlässlich. Es ist vorgesehen,

dass die Arbeitskonferenz der

Träger bei Bedarf bzw. im Zweijahresturnus

tagt.

Als eine wesentliche Arbeitshilfe

steht den Beteiligten ein auf jedes Gemeinwesen

hin von der Jugendhilfeplanung

ausgearbeiteter „Netzwerk-

Reader“ zur Verfügung. Er enthält:

– die vereinbarten Ziele,

– alle relevanten Kontaktpersonen und

ihre Funktionen,

– die sonstigen Arbeitsgremien von

Bedeutung im Kreisgebiet, deren

Themen und Ziele sowie ihre Ansprechpartner,

– Zusammenstellung der Vereine, die

jugend- und familienbezogene Angebote

machen mit deren Kontaktadressen,

– Bevölkerungsstrukturdaten

– im Vergleich zum Kreisjugendamtsbereich,

– differenziert nach einzelnen Ortsteilen

und nötigenfalls noch kleinräumlicher,

mit Angaben zu/zur

– Altersgliederung,

– ausländischen Anteilen,

– Alleinerziehenden,

„Mehr“ für Kinder und Jugendliche

– Familien mit drei und mehr Kindern,

– Sozialhilfequoten,

– Arbeitslosigkeit

– Straßenverzeichnis mit der Zuordnung

zu den Ortsteilen und den ASD-

Bereichen,

– Aktuelle Angaben zur Straffälligkeit

von Jugendlichen,

– Übersichtskarte mit Hinweisen auf

Freizeiteinrichtungen, Kindergärten

und Dienststellen der relevanten Institutionen.

Erfahrungen / Ergebnisse:

Raus Die aus Vorteile dem des Alltag „kurzen Dienstweges“

wurden sehr schnell erkennbar

und wirksam; durch den regelmäßigen

Kontakt auf der Arbeitsebene des

Netzwerkes Prävention ist ein Klima

vertrauter, interdisziplinärer Zusammenarbeit

entstanden. Während im

sozialräumlichen Dialog bei den Treffen

Zielgruppen und Umsetzungsstrategien

im Vordergrund stehen, ist die

Lösung bei Anforderungen im Einzelfall,

bei individuellen Hilfen deutlich

verbessert. Die Bereitschaft der Kolleg-

Innen, über die eigene Fachlichkeit hinauszugehen

und andere Professionen

mehr einzubeziehen, ist gestärkt.

Bei der Zuordnung der Sonderzuwendungen

„Kommunen gegen Extremismus“

zum Beispiel, ist auf Grund

der Beratungen in den Netzwerken

und den daraus vorgelegten Konzepten

der „Verteilungskampf“ weitgehend

ausgeblieben.

Zu ausgewählen Themen und Problemstellungen

werden einzene Referate

von Mitgliedern oder Experten

von außen oganisiert, z.B.:

– Jungenarbeit

– Aufgaben der Staatsschutzfachkräfte

(z.B. hinsichtlich der Täter im

rechtsextremen Umfeld)

– Kirchliche Jugendarbeit

– Jugendberufshilfe

– Erlebnispädagogik

Weitere Aktivitäten wurden angestoßen,

z.B.:

– Projektwoche an einer Hauptschule

mit einem weiten Angebotsspektrum

in den Bereichen

– Sport (Klettern, Boxen, Volleyball,

Bauchtanz, Kartbahn, Streetsoccer

u.a.)

– Internetmobil (Live-Chat, Manövrieren,

Surfen)

– Theater / Rollenspiele

– Multiplikatorenschulungen zur Gewaltprävention,

– Ausstellung „Durchschlagen“

– Kinder- und Jugenddisko

Dass diese Formen der Kooperation

so gestaltet sind, hängt in hohem

Maße davon ab, wie eigenständig, am

örtlichen Geschehen orientiert gearbeitet

werden kann. Aus diesem

Grund sollte die inhaltliche

Verantwortung und Sitzungsführung

Vertretern aus dem

Ort obliegen; das Kreisjugendamt

behält das Terminmanagement,

leistet logistische

und organisatorische

Hilfe und arbeitet im Übrigen

gleichberechtigt mit.

Kurt J. van Doorn, Jugendhilfeplaner,

E-Mail: jugendhilfeplanung@

kreis-viersen.de,

Tel.: 02162/39-1590

Susanne Reinartz, Jugendschutz

und Koordinatorin für

die Netzwerke,

E-Mail:

susanne.reinartz@kreisviersen.de,

Tel.: 01262/39-1678

Anschrift: Kreis Viersen,

Jugendamt, Postfach,

41707 Viersen,

Fax: 02162/39-1685

10 2/01


Sozialraumorientierte Neuorganisation des

Jugendamtes der Stadt Moers

Ein Werkstattbericht

Die Stadt Moers (107.000 EinwohnerInnen)

hat sich im Juni 1996 auf

den Weg zu einer sozialraumorientieren

Neuorganisation der Jugendhilfe

gemacht. In einem ersten Schritt hat

der Öffentliche Träger seine Arbeitsweise

und damit auch seine Aufbauorganisation

verändert. Dieser Prozeß

wurde in den Jahren 1998 und 1999

von der KGSt-consult GmbH und seit

dem Jahr 2000 vom Institut für Sozialplanung

und Organisationsentwicklung

– INSO – e.V. begleitet. Im Sinne

eines Werkstattberichtes, werden

nachfolgend einige Ausführungen zum

aktuellen Stand der Umsetzung und

erster Erfahrungen wiedergegeben.

Dabei gilt es zu beachten, dass ein

Prozeß wie ihn die Stadt Moers eingeleitet

hat, eine Veränderung in der Arbeits-

und Denkweise beinhaltet, die

nicht angeordnet sondern nur langsam

wachsen kann.

Ziele des Prozesses

Als Ziele der Neuorganisation für

die Jugendhilfe wurden die folgenden

sieben Punkte vom Jugendhilfeausschuß

beschlossen, die gleichzeitig

Grundlage für die neue Aufbauorganisation

der Verwaltung des Jugendamtes

sein sollten.

1. Die Jugendhilfe soll sich stärker sozialraum-

und lebensweltorientiert

entwickeln können. Hierzu gehört

unter anderem, dass Lebenslagen

nicht mehr organisatorisch auseinandergerissen

und damit eine bessere

Bündelung und Ausrichtung

von Angeboten an den tatsächlichen

sozialen Bedarfs- und Problemlagen

im Stadtteil ermöglicht

werden.

2. Der ganzheitliche Ansatz in der Jugendhilfe

soll gestärkt und gefördert

werden. Damit verbunden ist

der Wunsch nach Überwindung der

Zersplitterung in Teilhilfen und Säulen

der Jugendhilfe.

3. Alle Ressourcen in den Sozialräumen

sollen zur Hilfestellung genutzt

werden. Dies bezieht sich sowohl

auf die Potentiale der Familien in

Lenkungskreis

Mitarbeiterkonferenz

den Sozialräumen als auch auf die

freien Träger der Jugendhilfe. Ziel

ist die lokale Vernetzung aller Dienste

und Angebote im Stadtteil.

4. Die Aufbauorganisation des Öffentlichen

Trägers soll sich produktbezogen

organisieren. Dabei müssen

sich die Produkte der Jugendhilfe

am Bedarf orientieren. Für die einzelnen

Produktgruppen sind Fachberater

verantwortlich.

5. Die Jugendhilfe soll ihre Leistungen

Transparent darstellen und eine

präventive, ziel- und qualitätsorientierte

Arbeit gewährleisten.

Hierzu ist der Aufbau eines qualitätssichernden

Verfahrens für die

gesamte Jugendhilfe notwendig.

6. Innerhalb des Jugendamtsbudgets

soll eine dezentrale Ressourcenverantwortung

und damit eine Budgetierung

für die jeweiligen Sozialräume

ermöglicht werden.

7. Die Entscheidungskompetenzen in

den Sozialräumen soll erhöht werden.

Hierzu gehört eine Delegation

von Verantwortung auf die Mitarbeiter

vor Ort.

Ausgehend von diesen Grundsätzen,

an deren Entwicklung und Festlegung

die MitarbeiterInnen der Verwaltung

des Jugendamtes maßgeblich

beteiligt waren, unter anderem durch

eine Zukunftswerkstatt, wurde die

neue Aufbauorganisation des Jugendamtes

entwickelt. Verantwortlich für

diesen Teil des Prozesses war eine Projektgruppe,

an der neben dem Personalrat

und der Amtsleitung aus jedem

Arbeitsbereich des Jugendamtes eine

Person delegiert wurde. Die MitarbeiterInnen

wurden über regelmäßige

Mitarbeiterkonferenzen informiert. Zu

einzelnen Fragestellungen wurden von

der Projektgruppe sogenannte Entwicklungsteams

eingesetzt (siehe Grafik).

Die freien Träger wurden mit Hilfe

von Informationsveranstaltungen und

über die Arbeitsgemeinschaften gem.

§ 78 KJHG regelmäßig über den aktuellen

Prozessstand informiert. Dies galt

selbstverständlich auch für den Jugendhilfeausschuss.

Neue Aufbauorganisation des

Jugendamtes

Das Jugendamt der Stadt Moers hat

sich mit Datum zum 1. Mai 2000 in

seiner Struktur gänzlich verändert (siehe

Grafik). Es wurden vier Sozialräume

festgelegt, die sich an gewachseweitere

Beteiligte

KGStconsult

Projektgruppe

Entwicklungsteam

Entwicklungsteam

Entwicklungsteam

Jugendhilfeausschuß

Unterausschuß

JHP

Freie

Träger

Personalrat

11/2

andere

Ämter

© Stadt Moers

2/01 11


nen Strukturen von Stadtteilen orientieren.

Für diese Sozialräume wurden

drei Sozialraumteams gebildet. Die

Zusammenfassung von zwei Sozialräumen

bezogen auf ein Team war notwendig,

da einer dieser Sozialräume

so klein war, dass eine eigenständige

Team

Nord

Zentrale im

Jugendamt

Team

Ost

Neue Struktur des Jugendamtes

Team

Mitte

Amtsleitung

Controlling

Zentraler Service

Produktberater/innen

Fachberatung

GTK / Jugendpflege / H.z.E.

ASD

GTK

Offene Jugendarbeit

Verwaltung

© INSO 2001

Verwaltungsstruktur für diesen Sozialraum

aus fachlich-organisatorischer

Sicht keinen Sinn ergab. Im Sinne des

ganzheitlichen Ansatzes wurden alle

Leistungsbereiche die der Öffentliche

Träger vorhält, in das jeweilige Sozialraumteam

verlagert.

Hierzu gehören die Bereiche Hilfen

zur Erziehung, Tageseinrichtungen für

Kinder sowie die Offene Kinder- und

Jugendarbeit. Aus dem Verwaltungsbereich

wurde zusätzlich die Wirtschaftliche

Jugendhilfe, die Beistandschaft

und die Amtsvormundschaft

sowie der Bereich Unterhaltsvorschuss

und Elternbeiträge in die Sozialraumteams

verlagert. Die Dienst- und Fachaufsicht

für diese Bereiche obliegt der

jeweiligen Teamleitung.

Die Teams werden im Verlauf dieses

Jahres alle neue Räumlichkeiten in

ihrem jeweiligen Sozialraum beziehen.

Zum Beginn des kommenden Jahres

erhalten die Teams alle ein eigenes

Sozialraumbudget.

Im Jugendamt selbst ist nur noch

eine Zentrale verblieben. Hierzu gehören

vor allem die Steuerungs- und

Servicedienste für die Teams sowie die

sogenannten anderen Aufgaben der

Jugendhilfe, die aus fachlich-organisatorischen

Gründen weiterhin zentral

wahrgenommen werden müssen.

Die Jugendhilfeplanung ist gemeinsam

mit anderen Fachplanungen als

Teil eines Planungsstabes „Sozialentwicklungsplanung“

direkt dem Fachdezernenten

zugeordnet. Diese Aufgaben

werden ergänzt durch einige

Teilbereiche aus den Leistungsfeldern,

die aufgrund der geringen Größe der

Sozialräume und damit der Teams

ebenfalls aus fachlich-organisatorischer

Sicht zentral verbleiben mussten.

Hierzu gehört unter anderem die Fachberatung

für den Bereich Tageseinrichtung

für Kinder, die zentrale Mädchenberatungsstelle

und auch der Bereich

Pflegekinder/Tagespflege.

Im Sinne der Produktorientierung

für das Jugendamt wurden vier Produktbereiche

festgelegt, für die zentral

im Jugendamt jeweils ein Produktberater

zuständig ist (siehe Grafik).

Eine wesentliche Aufgabe der Produktberatung

ist die Entwicklung von übergreifenden

Standards für die Arbeit in

den Sozialraumteams. Dadurch soll

gesichert werden, dass die sozialräumliche

Orientierung und die vernetzte

Arbeit nicht zu einer Reduzierung der

Fachlichkeit in den einzelnen Handlungsfeldern

der Jugendhilfe führt.

Anmerkungen

Die Größe der Sozialräume und

damit auch der Teams ist sehr unterschiedlich

und erfordert unterschiedliche

Arbeitsweisen. Dies führt in der

Praxis dazu, dass zwischen den Teams

bzw. in Absprache mit der Amtsleitung

immer wieder sehr genau überlegt

und festgelegt werden muss, welche

organisatorischen und inhaltlichen

Arbeitsweisen können unterschiedlich

gehandhabt werden und welche müssen

im Sinne der Vergleichbar- und

Steuerbarkeit einheitlich bleiben. Hinzu

kommt, dass die Teams sich untereinander

sehr genau beobachten und

vergleichen.

Da in den Teams wie beschrieben

die unterschiedlichsten Arbeitsfelder

zusammen kommen, bedarf es ein sehr

differenziertes Besprechungssystem. So

findet die Gesamtverantwortung des

Teams seinen Ausdruck unter anderem

in der monatlichen Teamsitzung.

Zusätzlich werden aber auch noch

Dienstgespräche auf der Ebene des jeweiligen

Handlungsbereiches (Tageseinrichtungen,

Offene Jugendarbeit,

Hilfen zur Erziehung sowie Verwaltung)

notwendig.

Besonders die Einbeziehung der Verwaltung

(rechtliches Team) in das Gesamtteam

und damit in die Gesamtverantwortung

für einen Sozialraum

erfordert ein Umdenken der Mitarbeiter/innen,

der sich nicht immer leicht

gestaltet. Ausgehend von dem jeweiligen

Arbeitsbereich muss sehr differenziert

geschaut werden, welche Zuarbeit

und damit Informationen aus der

Verwaltung für die Diskussion im Team

zur Verfügung gestellt werden kann

und in welcher Form dies geschieht.

Umgekehrt muss auch aus der Sicht

der pädagogischen MitarbeiterInnen

sehr differenziert überlegt werden,

welche Informationen aus ihren Arbeitszusammenhängen

für die Verwaltung

von Bedeutung ist und wie die Weitergabe

dieser Informationen erfolgen

kann.

Durch die Auflösung der ehemaligen

Abteilungen im Jugendamt und

die Gliederung in Sozialraumteams

und Zentrale wird es erforderlich, die

Kommunikation und die Zusammenarbeit

zwischen den zentralverbliebenen

Organisationsbereichen und den

Sozialraumteams neu zu organisieren.

Vor allem die zentralverbliebenen Organisationsbereiche

müssen dabei lernen,

keine unmittelbaren Dienst- und

Fachaufsichtsfunktionen sondern „nur

noch“ beratende und eher dienende

Funktionen zu haben.

12 2/01


Die freien Träger sind zwar bislang

über die jeweiligen Arbeitsschritte informiert

worden, doch der eigentlich

schwierigste Schritt, die Integration

der freien Träger in die neue Struktur

steht erst noch bevor. Im Sinne der

vom Jugendhilfeausschuss vorgegebenen

Zielsetzung, dass nämlich der Prozeß

zu einer Neuorientierung in der

gesamten Jugendhilfe führen soll, ist

eine Veränderung auch bei den freien

Trägern eine logische Konsequenz.

Marco Szlapka,

Institut für Sozialplanung und Organisationsentwicklung

– INSO – e.V.

Michael Schmidt,

Stadt Moers; Jugendhilfeplanung,

Tel: 02841/201 671

Produktberatung für ...

Tageseinrichtungen

für Kinder

Hilfen zur Erziehung

Kinder- und

Jugendarbeit

Beistandschaften,

Unterhaltsvorschuß,

Elternbeiträge

Produktberatung

Aufgaben

•Produktbeschreibung

•Konzeptentwicklung

•Qualitätsmanagement

•Fachberatung

•Mitwirkung bei der Jugend

hilfeplanung

•Projektmanagement

•Budgetberatung

© INSO 2001

Dortmunder Arbeitsstelle für

Kinder- und Jugendhilfestatistik

Die Dortmunder Arbeitsstelle für

Kinder- und Jugendhilfestatistik unter

der Leitung von Prof. Dr. Thomas Rauschenbach

im Institut für Sozialpädagogik

der Universität Dortmund wird

nach einer dreijährigen Modellphase

durch das Bundesministerium für Familie,

Senioren, Frauen und Jugend und

das Ministerium für Frauen, Jugend,

Familie und Gesundheit des Landes

Nordrhein-Westfalen gefördert.

Ziel der Arbeitsstelle ist es, die Ergebnisse

der amtlichen Kinder- und

Jugendhilfestatistik, die von den Statistischen

Landesämtern erhoben werden,

nutzerfreundlich aufzubereiten

und einer fachwissenschaftlichen Analyse

zu unterziehen.

Auf diese Weise soll beigetragen

werden zu einer

– Verbesserung und Erleichterung der

Nutzung des umfangreichen Datenmaterials;

– empirischen Fundierung der fachlichen

Debatten zur Kinder- und Jugendhilfe;

– effektiveren und effizienteren Beobachtung

und Planung der Kinderund

Jugendhilfe;

– verbesserten politischen Akzeptanz

durch Konsolidierung und Erhöhung

des Eigenwissens der Kinder- und Jugendhilfe

über sich selbst;

– Anregung der Forschung und Bereitstellung

von Forschungsbefunden

für die Fachwelt;

– Weiterentwicklung der amtlichen

Statistik.

Kommentierte Daten der Kinder- und

Jugendhilfe, Informationsdienst der

Dortmunder Arbeitsstelle Kinder- und

Jugendhilfestatistik „AKJ Stat , gefördert

durch das BMFSFJ und MFJFG NW.

Tel.:0231 / 755-5557; www.akjstat.fb12.uni-dortmund.de

Jugendhilfeplanung im

Landkreis Saarlouis

Der Landkreis Saarlouis hat jetzt

den „Jugendhilfeplan – Fortschreibung

2000“ veröffentlicht. Das knapp

200seitige Werk enthält vier Teile, die

die Umsetzung der früheren Planungen,

einen statistischen und organisationsbezogenen

Teil, eine inhaltliche

Darstellung der Tätigkeitsfelder des

Kreisjugendamtes Saarlouis und einige

Perspektiven für die zukünftige Entwicklung

der dortigen Jugendhilfe

umfassen.

Die Kombination der Darstellung

der Tätigkeiten des Jugendamtes mit

Planungsperspektiven zeigt eine Möglichkeit

auf, einen solchen Bericht auch

für Nicht-Fachleute der Jugendhilfe

und Politik interessant zu machen.

Kontakt und Bestellung (Schutzgebühr

30,- DM): Kreisjugendamt Saarlouis,

Postfach 1840, 88718 Saarlouis, E-

Mail: Amt51-jhp@kreis-saarlouis.de,

Ansprechpartner Herr Ralf Weber.

Jugendhilfeplanung

Empfehlungen der Landschaftsverbände

Rheinland und Westfalen-

Lippe zur Jugendhilfeplanung der

Jugendämter

Im Frühjahr 2000 haben die Landesjugendhilfeausschüsse

der Landesjugendämter

Rheinland und Westfalen-

Lippe die „Empfehlungen zur Jugendhilfeplanung

der Jugendämter“ verabschiedet.

Diese wurden in enger Zusammenarbeit

mit kommunalen Planer/

innen und Vertreter/innen der öffentlichen

und freien Träger erarbeitet.

Die nun in endgültiger Fassung vorliegenden

Empfehlungen geben der

Fachöffentlichkeit einen Überblick über

die koordinierende und steuerungsunterstützende

Aufgabe der örtlichen

Jugendhilfeplanung. Hierbei werden

Schnittstellen und Verknüpfungspunke

zu anderen Fachbereichen und Arbeitsfeldern

aufgezeigt, die so im Sinne

einer umfassenden Planung die

Jugendhilfe fortentwickelt.

Das Ziel der „Empfehlungen zur

örtlichen Jugendhilfeplanung“ ist die

Unterstützung der Fachkräfte und Träger

in ihrer Arbeit vor Ort.

Bestellung kostenfrei unter j.wein@lvr.de

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