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RHEINLAND

Denkmal Landschaft Natur

014


Der Wipperkotten in Solingen

Bei den Hofschaften Wipperaue und Wippe im Westen Solingens,

landschaftlich idyllisch an der Einmündung des Weinsberger Baches

in die Wupper gelegen, befindet sich der Wipperkotten, der letzte

Doppelkotten von ehemals 26 seiner Art an der unteren Wupper. Der

Wipperkotten ist der einzige original erhaltene Solinger Schleifkotten

an der Wupper.

Der Rheinische Verein hat dem Wipperkotten ein eigenes Kunststättenheft

gewidmet. Der Kotten ist ein besonders hochrangiges

und wertvolles Zeugnis der Solinger Industriegeschichte.

Es handelt sich um eine Doppelkottenanlage aus dem 17. Jh., deren

wupperseitiger Teil (Innenkotten), gelegen auf einer kleinen Insel im

Fluss, nach 1945 zu Wohn- und Atelierräumen umgebaut wurde. Im

kleineren Außenkotten arbeiten bis heute selbständige Heimarbeiter,

die dort Schneidwaren schleifen. Die Wasserkraftanlage mit Wehr,

Schütt, Oberwassergraben, Wasserrädern und Unterwassergraben

wird nach wie vor zum Antrieb der Schleifstellen genutzt.

Foto: Holger Klaes

Durch private Initiative wurde die gesamte Kottenanlage mit Stauwehr

1955 vor dem Verfall gerettet und unter Denkmalschutz gestellt. Zwei

unterschlächtige Wasserräder drehen sich wie immer schon zwischen

den beiden historischen Gebäuden. In der Galerie des Innenkottens

finden in loser Folge kulturelle Veranstaltungen wie Kunstausstellungen,

Musikabende, Lesungen und Vorträge statt. Im Außenkotten bietet

das LVR-Industriemuseum zusammen mit dem Förderverein Schleiferei

Wipperkotten Informationen zum Beruf und zu den Arbeitsbedingungen

des Schleifers. Im Erdgeschoss des Außenkottens finden

sich nicht nur Antriebsachsen und Transmissionsriemen und -räder der

Wasserkraftanlage, sondern auch eine Dokumentation zur Geschichte

des Kottens und des Schleiferberufs.


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Neujahr

Hl Drei Könige

KW 1

KW 2

DEZEMBER/JANUAR

2013/14


Der Rhein zwischen Assmannshausen und

Trechtingshausen

Kurz hinter Bingen tritt der Rhein in das Rheinische Schiefergebirge.

Eng schieben sich hier die Berghänge zusammen. In die Gesteinsschichtungen

des Rheinischen Schiefergebirges, die vor 400 Mio.

Jahren aufgefaltet wurden, hat sich der Rhein tief eingegraben. Im

Binger Loch ließ er ein gefährliches Querriff stehen, das über Jahrhunderte

nur mühselig zu umschiffen war. Erst die Sprengungen

der Felsen durch den preußischen Staat ab 1830 machten hier die

Fahrrinne breiter und tiefer. „Verkehrsschiene Europas“ nennen die

Reiseprospekte den Rhein noch heute. Die dynamische Entwicklung

eines frei gewordenen Handels auf dem Rhein scheint sich in diesem

Wort auszudrücken. 1831 hatten sich die Anliegerstaaten auf die freie

Schifffahrt auf dem Rhein ohne jegliche Zollbeschränkungen geeinigt,

nachdem mit dem Bau der Dampfschiffe die technischen Voraussetzungen

für einen zügigen Transport geschaffen worden waren. Zum

Ausbau der Schifffahrt kam kurz nach der Mitte des 19. Jh. der Bau

der Eisenbahn auf beiden Ufern des Rheins hinzu. Sie wurde zum

neuen Massenverkehrsmittel. Felsvorsprünge wurden mit Tunneln

durchstoßen. Ihre Öffnungen gestaltete man mit aufwendigen, meist

neugotisch verzierten Portalarchitekturen. Zügige Landstraßen begleiteten

den Verlauf der Gleise, verbanden die Rheinorte untereinander

und stellten großräumige Verbindungen her.

Dekorationsmalereien des Düsseldorfer Malers Ludwig Pose bewundern.

Kühn über dem Abhang thront die neugotische Schlosskapelle,

die 1842 nach Plänen des Wiesbadener Architekten Philipp Hoffmann

entstand.

Auf der gegenüberliegenden Uferseite erscheinen die Ausläufer von

Aßmannshausen, eng in ein Seitental um die Kirche Kreuzerhöhung

gruppiert. Das 19. Jh. ließ am Rheinufer große Hotelbauten in einer

Mischung aus Fachwerkseligkeit und Großstadtflair entstehen, in

denen der „Höllenberg“, ein tiefroter Spätburgunder, ausgeschenkt

wird.

Paul-Georg Custodis

Foto: Horst Goebel

Zahlreiche Dichter, u. a. Clemens von Brentano, beschrieben die

Rheinlandschaft in ihren Werken. Mitglieder des preußischen Herrscherhauses

ließen im 19. Jh. Burgruinen zu prächtigen Schlössern

ausbauen, Stolzenfels bei Koblenz sowie Sooneck und Rheinstein bei

Bingen. Über den Zinnen dieser Burg stand der Fotograf, als er das

umseitige Bild machte. Burg Rheinstein ist die südlichste und älteste

der Preußenburgen am Rhein. Prinz Friedrich Ludwig von Preußen, ein

Vetter des späteren Königs Friedrich Wilhelm IV., hatte 1825 die Ruine

gekauft und zum romantischen Schloss ausbauen lassen. Karl Friedrich

Schinkel aus Berlin sowie die Koblenzer Baumeister Johann Claudius

von Lassaulx und Friedrich Kuhn wurden zur Planung herangezogen.

Die mittelalterliche Wohnturmanlage wurde mit neugotischen Zinnen

und Ecktürmchen versehen und auf vier Stockwerke erhöht. In den

Innenräumen können die Besucher die zierlichen neugotischen


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JANUAR

KW 3

KW 4

2014


Wendeltreppe im Institut für Werkstoffkunde der

RWTH Aachen

Die Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen verfügt

über zahlreiche Institutsbauten aus dem 19. und 20. Jh., die heute

Denkmalrang genießen. Zu ihnen gehört das Institut für Werkstoffkunde

am Augustinerbach, das zwischen 1957 und 1960 durch die

staatliche Bauleitung der TH Aachen errichtet wurde. Deren Vorstand

war von 1953 bis 1964 der Architekt Karl Schlüter (1907-1993). Aufgrund

der Forschungen von Knut Stegmann muss er heute als ein

ideenreicher Vertreter der Architektur der ersten Nachkriegsmoderne

sowie als Schöpfer des hier vorgestellten Institutsgebäudes angesprochen

werden. Seine Aachener Hochschulbauten, aber auch seine

Kirchen zeichnen sich nicht nur durch eine elegante Formensprache,

sondern auch durch den gezielten Einsatz künstlerisch gestalteter

Fassaden- und Innenraumelemente aus. Das Kalendermotiv zeigt das

Innere des „Halbturms“ der Wendeltreppe, die vier Geschosse miteinander

verbindet, das Eingangsfoyer des Hauptgebäudes dominiert

und durch die Glasfassade schon von außen sichtbar ist.

Beim Anschnitt der einzelnen, in der Untersicht hellblau gefassten

Geschossdecken weicht die andere Hälfte des Zylinders zurück, so

dass die Ebenen mit dem Zylinder-Raum kommunizieren. Die roten

Zylinderwände werden durch quadratische Glasbausteine in vertikaler

Ordnung gegliedert; der Innenraum des Zylinders erhält so zusätzliche

Belichtungsquellen streng ornamentalen Zuschnitts. Schlüters

Treppenzylinder ist eine originelle Raumschöpfung sui generis. Sie

bestätigt die Erkenntnis, dass die Architekturepoche der 1950er Jahre

besonders bei Treppengestaltungen einen Formenreichtum aufweist,

wie er sich sonst nur im Barockzeitalter findet.

Ulrich Krings

Foto: Jürgen Gregori

Der Kamera-Blick geht von unten nach oben, wobei im Zentrum des

Fotos der erst in jüngster Zeit in den Halbzylinder eingehängte

kreisrunde Beleuchtungskörper erscheint, der die hellblaue Decke des

dritten Obergeschosses, die im Zylinder-Auge sichtbar ist, leider

verdeckt. Schlüter wählte offenbar die Form des Halbzylinders, um die

freien Trittstufen des Wendels in den Zylinder-Außenwänden aus rot

gestrichenem Beton zu verankern.


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JANUAR/Februar

KW 5

KW 6

2014


Laufgräben im Reichswald bei Kranenburg

Im Reichswald, südlich von Kranenburg im Kreis Kleve, sind die Reste

einer Landesverteidigungsanlage aus der Zeit des Ersten Weltkrieges

erhalten. Die Anlagen erstreckten sich ursprünglich von Kleve-Donsbrüggen,

am Westrand des Reichswalds entlang bis zur Niersniederung.

Heute finden sich noch umfangreiche Laufgräben und

gesprengte Bunkeranlagen entlang der Waldkante und in einer

zweiten und dritten Linie an den Hängen der Endmoräne und den

Hügelkuppen. Der unterschiedliche Erhaltungszustand an Tiefe und

Breite der Gräben weist darauf hin, dass der Ausbau der Stellungen

nicht in allen Bereichen abgeschlossen war. Im archäologischen Befund

haben sie an der Krone noch eine Breite von ca. 3–5 m und unten im

Graben von ca. 1,0 m. Die heutige Tiefe schwankt zwischen 1,5–2 m,

je nach Erhaltungszustand. Nach Westen, zur Feindseite hin, ist ein

breiter, leicht aufgeschütteter Wall von 0,5 m vorhanden: die Brustwehr.

Auch an der Rückseite existiert ebenfalls ein kleiner Wall: die

Rückenwehr. Weiterhin zeigen die Laufgräben immer wieder charakteristische

Merkmale wie rechteckige Frontseiten, kleine ovale Vorsprünge

oder im Durchmesser 3–6 m runde und leicht erhöhte Inseln.

Neben dieser Befestigung auf der linken Rheinseite existiert auch

auf der rechten Rheinseite bei Emmerich-Elten eine zweite Anlage.

Das interessante an diesem System ist ihre Einmaligkeit innerhalb des

Deutschen Reiches. Deutlich wird eine geplante strategische Sicherung

des Rheins gegenüber den Niederlanden, das sich im ersten Weltkrieg

neutral verhalten hatte und von dieser Neutralität bis zum Schluss

nicht abgegangen ist. Trotzdem scheint die Reichsführung eine gewisse

Unsicherheit in dieser Frage beschäftigt zu haben, so dass sie den Bau

dieser Befestigungen veranlasst hat.

Die Befestigungen entsprechen den deutschen Stellungsgräben aus

dem Ersten Weltkrieg, insbesondere der 1916/17 in Nordfrankreich

errichteten „Siegfriedstellung“. Nach den erfolglosen Materialschlachten

bei Verdun musste im Sommer 1916 der Chef der Obersten

Heeresleitung, Erich von Falkenhayn, zurücktreten. An seine Stelle trat

Paul von Hindenburg und als Generalquartermeister Erich Ludendorff,

die Sieger von Tannenberg, die eine andere Strategie entwickelten.

Bei der Siegfriedlinie existierten ebenfalls drei Linien mit entsprechender

Begleitung durch Beobachtungs- und Unterständen sowie Verbindungsgräben.

Auch der gradlinige Verlauf der Brustwehren und

halbrunden bzw. runden Schulterwehren findet sich immer wieder.

Nach dem Versailler Vertrag mussten alle deutschen Befestigungen

50 km links des Rheins und auf der rechten Rheinseite zurückgebaut

werden. Nach einem Plan von Dezember 1920 bestand die Befestigung

im Reichswald aus drei Linien mit Laufgräben sowie 56 Betonunterständen.

Ende August 1922 waren auch die letzten Bunker im Reichswald

zerstört, die Gräben blieben erhalten.

Wolfgang Wegener

2014 jährt sich der Ausbruch des Ersten Weltkrieges zum 100. Mal.

Der Landschaftsverband Rheinland nimmt dieses Datum zum Anlass,

mit seinem Dezernat für Kultur und Umwelt das große Verbundprojekt

„1914 – Mitten in Europa“ mit Ausstellungen, Exkursionen, einem

Kongress, Eventprogrammen und Forschungsprojekten zu realisieren

(www.rheinland1914.lvr.de). Der Rheinische Verein ist Projektpartner

und widmet dem Thema deshalb einen Teil seiner Kalendermotive.

Foto: Wolfgang Wegener


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FEBRUAR

KW 7

KW 8

2014


Treppenhaus im Oberlandesgericht Düsseldorf

Niemand ist kompetenter, das 1907-1910 erbaute Düsseldorfer Oberlandesgericht

zu beschreiben, als Prof. Dr. Gisbert Knopp, Autor von

Heft 429 zum OLG in der Reihe „Rheinische Kunststätten“. Auf Seite

23f. wird das Treppenhaus beschrieben:

Nach dem großen Vorbild, dem ebenfalls von Geh. Baurat Thoemer

entworfenen Berliner Land- und Amtsgericht l, ist auch im Düsseldorfer

Oberlandesgericht dem Treppenhaus eine besondere architektonische

Opulenz zugedacht. Es ist das eigentliche künstlerische Herzstück

des Gebäudes. Zweifellos soll es aber auch die Würde des Gerichtes

unterstreichen und die in ihm zum Ausdruck gebrachte Macht des

Staates demonstrieren. ... Die Düsseldorfer Treppenhalle lässt sich als

virtuose Weiterentwicklung dieses Vorbildes verstehen. Grundidee ist

eine Komposition aus drei ineinandergreifenden Ellipsen, die sich im

Grundriss abzeichnen. Die beiden Außenellipsen bilden zu den Innenhöfen

hin die äußere Raumschale, die durch eine Vielzahl von langschmalen

Fenstern in Bleiverglasung durchbrochen ist und ein reiches

warmes Licht einfließen lässt. Innen vor diesen Außenschalen sind die

Treppenläufe angeordnet, jeweils zweimal durch Treppenabsätze

unterbrochen. Die Treppen sind nicht mit der Außenwand verbunden,

sondern gleichsam in den Raumkörper hineingestellt. Zwischen

die Treppenläufe schiebt sich im Erdgeschoss, im Grundriss sich

als angeschnittenes Oval abzeichnend, eine gewölbte Halle. Sie wird

durch Pfeiler begrenzt, die durch Bogenstellungen verbunden sind

und eine Wölbung tragen. Ihre Schale ist in der Mitte durch eine große

ovale Öffnung durchbrochen. Durch diese schaut man in das nächste

Geschoss hinauf, dessen Gewölbeschale wiederum von einer etwas

kleineren Öffnung durchstoßen ist. Dieses Motiv der Durchbrechung

wiederholt sich schließlich im (hier abgebildeten) zweiten Obergeschoss,

bevor der Blick auf den verzierten Scheitel des Gewölbes im

dritten Obergeschoss fällt. Noch bevor der Aufstieg beginnt, sind so

alle Geschosse zu durchblicken, womit die Absicht deutlich wird, die

Repräsentanz der Treppe auf alle Geschosse gleichmäßig zu verteilen.

Diese Durchlässigkeit in der Vertikalen findet sich auch nach den Seiten

zu den Treppenläufen hin. Sie wird durch die hohen Lichtbahnen der

Fenster an den Seitenovalen, durch das Filigran der schmiedeeisernen

Gitter an den Treppenläufen, um die Deckenöffnung und entlang der

Verbindungsgänge in den einzelnen Stockwerken verstärkt. Die Vielfalt

an räumlichen Durchblicken, die das architektonische Grundprinzip

dem flüchtigen Betrachter kaum verständlich werden lässt, bewirkt

einen großräumigeren Eindruck der Anlage als von den Abmessungen

her eigentlich gegeben. Das ursprüngliche, 2001 wieder hergestellte

Farbkonzept der Treppenhalle ist durch helle gelbliche Ockertöne der

Wandflächen und Pfeiler und sehr helle Töne für die Gewölbeflächen

bestimmt, die abgestimmt sind auf die in Stuckmarmor, einer Art

Stucco lustro, gefassten Pfeilerflächen mit den vergoldeten Kapitellen.

Sie verleihen dem ganzen einen besonderen Glanz, ein geradezu

edles Aussehen. Dunkel abgesetzt sind die stuckierten Einfassungen

der Deckenöffnungen, die Gurtbögen und die Innenflächen der

Kartuschen. Verschiedene Ocker- und Brauntöne setzen Akzente als

Begleitlinien an den Decken, in den Kartuschen, den Ornamenten der

Kapitelle und dem Band der Deckenöffnungen. Die Wirkung der Halle

steigert sich zum dritten Obergeschoss, wo das kuppelartige Gewölbe

mit den hellen Stichkappen und dem dunkleren Deckenspiegel

kontrastierend in lebhafter Bemalung den ganzen Raum zusammenfasst

und wirkungsvoll abschließt. Zur Vervollständigung des Gesamtbildes

wurden auch die sehr stilvollen Beleuchtungskörper sowohl für

die Treppenhalle wie auch die angrenzenden Flure und verschiedene

Sitzungssäle nach historischem Vorbild rekonstruiert.

Foto: Holger Klaes


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Februar/März

KW 9

KW 10

2014


Denkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs

im Friedenspark Köln

Hoch oben, ein wenig in die Jahre gekommen und dennoch

majestätisch: Der Adler vom Kriegerdenkmal im Kölner Friedenspark

sieht aus, als zöge er noch immer seine Bahnen über den nahegelegenen

Rhein.

Ursprünglich gehörte er nicht zu der 1830 als Rheinschanze errichteten

Anlage, die von 1841 bis 1847 nach dem Entwurf von Garnisonsingenieur

Heinrich Ferdinand Schuberth zum Fort umgebaut wurde.

Nach Niederlegung der mittelalterlichen Stadtmauer wurde es Anfang

der 1880er Jahre Teil der inneren Umwallung und als „Fort Erbgroßherzog

Paul von Mecklenburg“ bezeichnet. 1911 ging es unter Aufgabe

als Festungswerk in städtischen Besitz über. Der Kölner Gartenbaudirektor

Fritz Encke (1861-1931) entwickelte unter Einbeziehung des

Forts zwischen 1914 und 1916 die Pläne für eine Gartenanlage, die

bis 1985 den Namen Hindenburgpark trug. Das Reduit (Kernwerk) des

Forts blieb dabei bestehen. Auf der ehemaligen, im Osten gelegenen

Wallanlage befindet sich heute eine terrassenartige Anlage mit Rosengarten

und Pergola, erhöht liegenden Sitzplätzen und Rasenflächen.

Auf dem ehemaligen Wallgraben im Süden des Kernwerks schließt

sich ein immergrüner Garten mit von Hecken eingefassten Sitznischen

sowie ein weiterer Grünstreifen an. Im Westen des ehemaligen Forts

befinden sich ausgedehnte Rasenflächen mit altem Baumbestand.

Das Kernwerk wurde zwischen 1919 und 1929 der nahegelegenen

Universität in der Claudiusstraße als Mensa, von 1939 bis 1945 als Flugabwehrstellung

und in der Nachkriegszeit als Außenstelle des Kölner

Finanzamts genutzt. Heute ist es ein Bauspielplatz des Jugendzentrums

Köln e.V.

1926 erhielt der Bau ein Ehrenmal. Auf dem über eine Treppenanlage

zu erreichenden Dach des Reduits errichtete der Architekt Otto Scheib

(1893-1965) im Auftrag des Kreiskriegerverbandes Köln eine Stele

aus Backsteinen mit bekrönendem Adler. Entlang der Mauern auf den

Dachflächen sind zwölf Gedenktafeln für die Gefallenen der Kölner

oder mit Köln verbundenen Regimenter angebracht, so u.a. für das

3. Westfälische Infanterie-Regiment Nr. 16 Freiherr von Sparr, das

Kürassier-Regiment Graf Geßler Nr. 8, das Luftschifferbataillon Nr. 3

und die Soldaten des kaiserlichen Marinekreuzers Köln. Eine weitere

Bronzetafel enthält die Inschrift: „Den Helden von 1914-18. Der

Kreiskriegerverband Köln-Stadt und die Regimentsvereinigungen der

Garnison Köln.“ An der Spitze der Säule, zu Füßen des Adlers, eine

umlaufende lateinische Inschrift „Numero oppressis mente invictis“

(Von der Übermacht geschlagen, im Geiste unbesiegt).

Den Adler schuf der aus Partenkirchen stammende Künstler Georg

Grasegger (1873-1927), der 1901 Professor der Entwurfsklasse für

Bildhauerei an der Kunstgewerbeschule wurde und seit 1926 Professor

an den Kölner Werkschulen war. 1920 fertigte er ein weiteres Kriegerdenkmal

mit dem hl. Michael für die Gefallenen der Dombauhütte

und die zur Dompfarrei gehörenden Soldaten im Kölner Dom an.

Der Adler selbst ist ausdrucksstark, jedoch streng und in der Formgebung

schlicht. Er passt sich ganz in die sachliche Formensprache

der Architektur ein. Die Spannweite der Flügel beträgt 6,40 m, seine

Länge 3,20 m. Er ist immerhin 1,05 m hoch. Bei der Enthüllung des

Denkmals im Juli 1927 wurde besonders Reichspräsident Paul von

Hindenburg (1847-1934) gedankt. Er soll die Geschützbronze zum

Guss des Adlers bereitgestellt haben. Hindenburg selbst hatte bereits

ein Jahr zuvor den Park feierlich eingeweiht.

Gabriele Oepen-Domschky

2014 jährt sich der Ausbruch des Ersten Weltkrieges zum 100. Mal.

Der Landschaftsverband Rheinland nimmt dieses Datum zum Anlass,

mit seinem Dezernat für Kultur und Umwelt das große Verbundprojekt

„1914 – Mitten in Europa“ mit Ausstellungen, Exkursionen, einem

Kongress, Eventprogrammen und Forschungsprojekten zu realisieren

(www.rheinland1914.lvr.de). Der Rheinische Verein ist Projektpartner

und widmet dem Thema deshalb einen Teil seiner Kalendermotive.

Foto: Jürgen Gregori


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MÄRZ

KW 11

KW 12

2014


Empfangshalle des ehemaligen Flughafens

Butzweiler Hof in Köln

Dank des denkmalpflegerischen Engagements von technikbegeisterten

Bürgern, die sich durch den zielgerichteten Einsatz von Dr. Edgar Mayer,

dem Vorsitzenden der Stiftung Butzweilerhof, begeistern ließen, kann

heute das ehemalige Empfangsgebäude eines der ältesten Flughäfen

Deutschlands in seiner ursprünglichen Gestalt wieder erlebt werden.

Nach bescheidenen Anfängen in der Zeit der Zeppeline kurz nach

1900 und nach dem Ende der militärischen Nutzung zur Zeit des Ersten

Weltkriegs und danach erlebte der Flughafen im Kölner Nordwesten

in den 1920er Jahren seine größte Blütezeit: Köln stieg auf zum

„Luftkreuz des Westens“ mit zahlreichen innerdeutschen und internationalen

zivilen Luftverkehrs-Verbindungen, wesentlich getragen

von der wachsenden Flotte der „Luft Hansa“.

1935/36 wich das provisorische Empfangsgebäude aus Holz dem noch

heute erhaltenen langgestreckten Neubau, der von den Architekten

Hans Mehrtens, Emil Mewes, Ludwig Albert und Hermann Bartsch

gestaltet wurde. Hinzu kamen Hangarhallen sowie ein Tower. Alle

diese flach gedeckten Bauten zeigen eine modern-sachliche Formensprache,

bei der nur Einzelheiten verraten, dass das Neue Bauen der

Weimarer Republik inzwischen durch den konservativeren Geschmack

des nationalsozialistischen Deutschland abgelöst worden war.

Die erneute militärische Nutzung, die 1939 begonnen hatte, war

1995 zu Ende gegangen.

Die Stiftung unterhält heute eine professionell gestaltete Ausstellung

zur Geschichte der Luftfahrt; verschiedene Räumlichkeiten des denkmalgeschützten

Ensembles können für Veranstaltungen gemietet

werden.

Ulrich Krings

Foto: Ulla Anne Giesen

Die repräsentative, der Stadt und der neuen Zufahrtstraße zugewandte

Eingangsfront der baulich dominanten Empfangshalle zeigt eine

Portalkomposition aus Reichsadler, den kölschen Drei Kronen sowie

drei Eingängen in dunklem Basalt, geschaffen von Willy Meller. In

den weiß getünchten seitlichen Fassadenstreifen setzt jeweils eine

klassische Wandlaterne einen Akzent. Unsere Abbildung zeigt diese

Eingangsfront samt Windfang von Innen mit der zentralen Uhr. Der

Empfangssaal zeigt deutlich modern-klassische Eleganz, die besonders

von den Leuchten ausgeht. Durch die Türen sah man ursprünglich

die Türme des Kölner Doms, was heute infolge der zahllosen jüngeren

Baumaßnahmen des inzwischen zum Gewerbepark weiter entwickelten

ehemaligen Flughafengeländes nicht mehr möglich ist.


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März/April

KW 13

KW 14

2014


Das Bewahrungshaus in Düren

Der 40. Provinzial-Landtag beschloss im März 1897, 8,5 Mio. Mark für

eine menschlichere und freiere Behandlung in den Heil- und Pflegeanstalten

der Rheinprovinz bereitzustellen. Neben dem Abriss der

Mauern und der Modernisierung der Krankengebäude in den Anstalten

Andernach, Grafenberg, Merzig, Düren und Bonn wurde in Galkhausen

(heute Langenfeld) eine neue Anstalt nach dem System der

offenen Türen geplant und im Jahr 1900 bezogen.

Zum gleichen Zeitpunkt wurde das Bewahrungshaus für männliche

irre Verbrecher in Düren eröffnet. Der Bau eines „festen Hauses“ für

die besonders zu sichernden psychisch kranken Rechtsbrecher war

Voraussetzung für die Liberalisierung der Psychiatrie im Rheinland zu

Beginn des 20. Jh.

In seiner Architektur im Stil des Historismus lehnt sich dieses Haus an

die in der Dürener Region typischen Bauten der Jahrhundertwende

an. Eine bewusste Ähnlichkeit mit Fabrikgebäuden der Zeit ist deutlich

am Treppenturm und den vielen Fensterachsen sowie dem Baumaterial

erkennbar. Es ist ein dreiflügeliger Bau aus rotem Backstein mit

Zierlagen aus gelben Steinen und Fensterbänken aus Sandstein. Im

Inneren zeigt sich dank einer modernen Eisenstützkonstruktion ein

großzügiger offener Mittelbau mit den Zellentrakten in den Seitenflügeln.

Geplant für 48 Patienten, wurde die Aufnahmekapazität schon bald

überschritten, so dass in den 1920er Jahren in Brauweiler und Bedburg-

Hau ebenfalls Bewahrungshäuser errichtet wurden. Ab 1935 wurden

zunehmend Regimegegner, die vorher wegen ihrer politischen Auffassung

oder Kriegsverweigerung als renitent und aufsässig galten

und in Wehrmachtsgefängnissen einsaßen, durch die Aufnahme ins

Bewahrungshaus der Heil- und Pflegeanstalt Düren ohne gesetzliche

Grundlage „psychiatrisiert“.

Anfang 1940 wurden alle Bewohner nach Waldheim in Sachsen verlegt

und schließlich im Zuge der „Euthanasie-Maßnahmen“ ermordet.

Nur ein Insasse konnte entkommen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Bewahrungshaus wieder

seinem ursprünglichen Zweck zugeführt. Die Belegungszahl stieg

an, Anfang der 1960er Jahre wurden mehr als 100 Patienten (statt

48) behandelt. Massenschlafsäle, sanitäre Anlagen ohne Schutz der

Intimsphäre und unzureichende therapeutische Angebote führten

dazu, dass der Landschaftsverband Rheinland öffentlich auf diese

Missstände hinwies und einen Neubau für die psychisch kranken

Rechtsbrecher forderte. 1986 konnte die neue forensische Abteilung

bezogen werden.

Sie unterscheidet sich grundsätzlich von dem alten Bewahrungshaus:

Statt mit Gefängnismauern und Gittern offenkundig einzusperren

wurde hier eine aufgelockerte Bauweise in einer dörflichen Anlage

mit Therapiehäusern geschaffen, in denen die Patienten in Achtergruppen

leben und therapiert werden.

Das Bewahrungshaus wurde unter Denkmalschutz gestellt und dem

Psychiatriegeschichtlichen Dokumentationszentrum (PDZ) zur Verfügung

gestellt.

Erhard Knauer

2014 jährt sich der Ausbruch des Ersten Weltkrieges zum 100. Mal.

Der Landschaftsverband Rheinland nimmt dieses Datum zum Anlass,

mit seinem Dezernat für Kultur und Umwelt das große Verbundprojekt

„1914 – Mitten in Europa“ mit Ausstellungen, Exkursionen,

einem Kongress, Eventprogrammen und Forschungsprojekten zu

realisieren (www.rheinland1914.lvr.de). Der Rheinische Verein ist

Projektpartner und widmet dem Thema deshalb einen Teil seiner

Kalendermotive.

Foto: Eusebius Wirdeier


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Palmsonntag Karfreitag Ostersonntag

APRIL

KW 15

KW 16

2014


Fenster von Johannes Schreiter im Mainzer Dom

Mit dem Tabernakel als Aufbewahrungsort der Eucharistie zählt die

Sakramentskapelle zu den heiligsten Orten im Dom. Zusammen mit

der Gotthardkapelle ist sie ein Ort des Gebetes und der Stille. So sollte

sie bei den Restaurierungsarbeiten 2006/2007 auch ihrer liturgischen

Funktion entsprechend eine Ausstattung bekommen, die sie als meditativen

Ort ausweist. Der Andachtsraum gehört zwar zur Reihe der

gotischen Seitenkapellen, jedoch wurde dieser Bereich erst deutlich

später um 1498 errichtet und war zunächst der Gottesmutter Maria

geweiht. Erst 1965 erfolgte die Umwandlung zur Sakramentskapelle.

Im Zuge der Neugestaltung wurde der vorhandene barocke Kreuzaltar

von 1657 restauriert. Zusammen mit dem neuen Altarblatt des

Künstlers Bernd Zimmer und den neuen Fenstern nach Entwürfen von

Prof. Johannes Schreiter schmücken die Kapelle nun zeitgenössische

Interpretationen christlicher Themen.

und Graphik an der Städelschule in Frankfurt. Bereits in den 1960er

Jahren arbeitete er mit Brandcollagen, die auch sein glasbildnerisches

Werk stark beeinflussten. In der Gestaltung seiner Kirchenfenster

beschritt er konsequent den Weg der Abstraktion. Geradezu revolutionär

ist seine Uminterpretation der Bleiruten, die nun nicht mehr

eine rein technische Funktion besitzen, sondern als Mittel der

Gestaltung genutzt werden. Einblicke in Schreiters zuweilen tiefreligiöse

Gedankenwelt gewähren seine beiden 2008 publizierten

Bänden „Wortfenster“.

Susanne Kern

Foto: Horst Goebel

Die beiden 9,20 m hohen Maßwerkfenster bekamen eine neue kunstvolle

Verglasung in mundgeblasenem Echtantikglas, die in den

Glasstudios Derix in Taunusstein gefertigt wurden. Mit ihrer abstrahierenden

Gestaltung und der Reduzierung auf nur wenige Farbtöne,

von denen das Blau dominiert, tauchen sie den Raum nun in farbiges

Licht und laden so den Betenden zur Meditation ein. Einerseits durch

die lichtblauen breiten Bahnen entrückt, wird der Betrachter durch

die die Fenster in voller Länger durchstoßenden weißen Balken an die

Kreuzigung Christi gemahnt. Diese Mahnung wird im rechten Fenster

konkretisiert durch die starken Rottöne in Erinnerung an den blutigen

Tod Christi am Kreuz sowie das Gewebefragment im unteren Teil, das

nicht nur an den zerrissenen Vorhang im Tempel, sondern auch an das

Gewand Christi denken lässt, um das die Schergen würfelten.

Prof. Johannes Schreiter, der unzählige Glasfenster für sakrale und

profane Räume schuf, ist einer der bedeutendsten Glaskünstler der

Gegenwart. 1930 in Buchholz im Erzgebirge geboren, entschied sich

der sowohl musikalisch als auch künstlerisch Hochbegabte nach der

Schule für ein Studium der Bildenden Kunst, das er von 1949 bis 1957

in Münster, Mainz und Berlin absolvierte. Von 1960 bis 1963 lehrte

zunächst in Bremen, von 1963 bis 1987 dann als Professor für Malerei


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Ostermontag

Tag der Arbeit

April/MAI

KW 17

KW 18

2014


Hofgarten Düsseldorf mit Dreischeibenhaus und

Schauspielhaus

Üppig blühen die Tulpen-Magnolien (Magnolia soulangeana) im

Goltstein-Parterre des Düsseldorfer Hofgartens. Geplant wurde es von

dem seit 1876 in Düsseldorf tätigen Stadtgärtner Heinrich Friedrich

Adolf Hillebrecht (1846-1918). Viele seiner Anlagen wurden zwischenzeitlich

verändert oder sind völlig verschwunden. Im Düsseldorfer

Stadtgebiet ist heute neben dem Goltstein-Parterre nur noch

der Volksgarten in Oberbilk erhalten, den er zu Beginn der 1890er

Jahre gestaltete. Der Platz um den Schalenbrunnen am Beginn der

Königsallee (Corneliusplatz) wurde jüngst mit der Schaffung des Kö-

Bogen-Komplexes als Baustelleneinrichtung zweckentfremdend beseitigt.

Der Hofgarten gehört zu den kunsthistorisch bedeutsamsten

Stadtparks Deutschlands. Der Ursprung geht zurück auf ein Dekret des

Kurfürsten Carl Theodor aus dem Jahr 1769, „zur Lust der Einwohnerschaft“

eine Gartenanlage westlich des Schlosses Jägerhof anzulegen.

Das Goltstein-Parterre bildet den südwestlichen Rand dieses Teiles des

fiskalischen Hofgartens. Im Hintergrund erscheinen die international

berühmten Ikonen der Düsseldorfer Architektur der Nachkriegs-

Moderne, das im Januar 1970 eingeweihte Schauspielhaus von

Bernhard Pfau (1902-1989), erbaut 1959-1970, und das 1957-1960

erbaute Dreischeibenhaus von Helmut Hentrich (1905-2001) und

Hubert Petschnigg (1913-1997), seit 1972 als Architekturbüro HPP

firmierend.

Der mit seinen geschwungenen Formen im Kontrast zum Dreischeibenhaus

stehende Theaterbau gilt als einer der wichtigsten

der Bundesrepublik. Hinter der spärlich durchfensterten, mit weißen

Thyssen-Profilblechen verkleideten Fassade befindet sich im oberen

Bereich das Große Haus mit seinem „demokratischen, ranglosen Saalparkett“

innerhalb der Pfauschen Raumschale des Zuschauerraumes

mit ca. 1000 Plätzen, und das Kleine Haus mit variablem Bühnenkonzept

und ca. 200-300 Plätzen. Der Unterbau des Großen Hauses

läuft mit seinen brettrauh geschalten Betonunterzügen zu einer

zentralen konischen Stütze im Foyer zusammen und entwickelt

ein besonderes Raumgefühl mit großzügig verglasten Außenwänden,

die das Goltstein-Parterre gleichsam ins Foyer hineinholen.

Das deutlich zurücktretende Erdgeschoss ist so gestaltet, dass der

Fußgänger vom Gustaf-Gründgens-Platz sowohl in den baulich vortretenden

Eingang des Theaters, als auch, eine Passage im Gebäude

durchschreitend, in den Hofgarten gelangen kann. Der markante

Theaterbau wurde 1998 wegen seiner architektonischen, städtebaulichen

und historischen Bedeutung in die Denkmalliste eingetragen.

Das Dreischeibenhaus, als gebaute Verkörperung Düsseldorfs als

Schreibtisch des Ruhrgebiets, wurde als Verwaltungsgebäude der Firma

Phoenix Rheinrohr AG 1960 eingeweiht und schnell zu einem Symbol

für den Beginn einer Welle von Hochhausbauten in den 1960er Jahren.

Dem Stahlskelettbau ist eine Aluminium-Glasfassade in gleichmäßigem

Raster vorgehängt. Die Stirnseiten der drei unterschiedlich hohen

Scheiben sind mit durchgehend geschlossenen, gefalteten Edelstahlprofilblechen

verkleidet. Die mittlere, 25-geschossige Scheibe ist 94 m

hoch und wird beidseitig von versetzt angeordneten, schmaleren und

niedrigeren Scheiben flankiert, deren sichtbare Windverbände die

Baufugen akzentuieren. In der Mitte des Gebäudes ist eine zwei Geschosse

hohe zentrale Empfangs- und Aufzughalle, daran anschließend

gegeneinander versetzt je eine zweibündige Anlage. Konstruktionsbedingt

ergibt sich oberhalb der umgebenden Geländefläche eine Art

Schattenfuge, die dem Hochhaus einen fast schwebenden Ausdruck

gibt. 1969 mit der BDA-Plakette ausgezeichnet, wurde es 1988 wegen

der großen architektonischen und städtebaulichen Bedeutung in die

Denkmalliste eingetragen. Zwischen 1992 und 1995 wurde es umfassend

saniert. Bis 2010 war es Firmensitz von Thyssen Krupp. Da das

Baudenkmal nicht mehr für einen Einzelnutzer marktgängig ist, wird es

derzeit vom neuen Eigentümer unter Regie von HPP erneut umfassend

saniert und aktuellen Nutzungsbedürfnissen verschieden großer

Mieteinheiten angepasst und mit Dachterrassen auf den niedrigeren

Scheiben ergänzt.

Reinhard Lutum

Foto: Holger Klaes


Mo Di Mi Do Fr Sa So Mo Di Mi Do Fr Sa So

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MAI

KW 19

KW 20

2014


Des Kaisers oder des Volkes?

Oberhalb von Rüdesheim steht das Pendant zur französischen Marianne:

die deutsche Germania. Anlass der Errichtung war der Sieg über

Frankreich 1870/71. Als Standort eines der monumentalen Gedenkbauwerke

des deutschen Kaiserreiches hatte der Rhein besondere

Vorzüge aufzuweisen. Er war wichtiger Schauplatz der deutschen

Geschichte und der Sagen- und Märchenwelt. Viele deutsche Soldaten

hatten das Lied „Die Wacht am Rhein“ gesungen, als sie in den Krieg

gezogen waren. Durch die Annexion Elsass-Lothringens wurde Frankreich

vom linken Rheinufer völlig verdrängt. Der Rhein war – bis auf

den Ursprung und die Mündung – ein rein deutscher Fluss geworden.

Das Kalenderbild gibt den Blick auf die Germania frei, die das 1883

eingeweihte Denkmal krönt. Über einem massiven Sockelbau ragt

sie, 32 Bronze-Tonnen schwer, über 10 m auf, so dass das gesamte

Denkmal fast 40 m Höhe erreicht. Mit der rechten Hand hält sie

stolz die lorbeerumkränzte Kaiserkrone empor. Mit der linken Hand

stützt sie sich selbstbewusst auf das gleichfalls lorbeerumwundene

Reichsschwert. Ihr Haupt schmückt „deutsches“ Eichenlaub und ihr

langes Haar weht im Wind. Zum Schutz trägt sie einen Brustkoller

mit aufgeprägtem Reichsadler. Obwohl das Denkmal als Ganzes gen

Süden ausgerichtet wurde, ist ihr Kopf leicht nach links, also östlich

Richtung Deutschland gewendet. In diese Richtung zeigt außerhalb

des Bildes auch eine ihr zugeordnete Allegorie des Friedens, während

eine des Krieges Richtung Frankreich weist.

So blieb die Germania gegenüber den zahlreichen Bismarck- und

Kaiser-Wilhelm-Monumenten eine programmatische Ausnahme, der

in keiner deutschen Hauptstadt Aufenthalt gewährt wurde, sondern

nur am Rhein – von Geldscheinen und Briefmarken abgesehen. In

Koblenz, nicht weit entfernt, sorgte zudem ab 1897 das gewaltige

Reiterstandbild Kaiser Wilhelms sicherheitshalber für ein imperialmartialisches

Kontergewicht: zu einer deutschen Marianne oder

„Mutter der Nation“.

Seit 2002 ist das Niederwalddenkmal Teil des UNESCO-Welterbes

Oberes Mittelrheintal.

Thomas Schleper

2014 jährt sich der Ausbruch des Ersten Weltkrieges zum 100. Mal.

Der Landschaftsverband Rheinland nimmt dieses Datum zum Anlass,

mit seinem Dezernat für Kultur und Umwelt das große Verbundprojekt

„1914 – Mitten in Europa“ mit Ausstellungen, Exkursionen, einem

Kongress, Eventprogrammen und Forschungsprojekten zu realisieren

(www.rheinland1914.lvr.de). Der Rheinische Verein ist Projektpartner

und widmet dem Thema deshalb einen Teil seiner Kalendermotive.

Foto: Horst Goebel

Das Denkmal wurde während und auch nach der sechsjährigen Bauzeit

von gegensätzlichen Interpretationen in Anspruch genommen. Dem

preußischen Führungswillen und einer von Herrscherhäusern kontrollierten

Einigung des deutschen Volkes widersprach eine Germania, die in

einem Gemälde von Veit Stoß auch schon der Frankfurter Paulskirchen-

Versammlung von 1848 als Nationalrepräsentation gedient hatte.

Bismarck liebte dieses Denkmal nicht. Setzt sich der weibliche Genius

nicht selbst die Krone auf? Ist es entsprechend nicht das deutsche

Volk, das mit einem Sieg über Frankreich die Einigung ermöglichte?

Der Bildhauer Johannes Schilling könnte so gedacht haben. Er soll,

ein Friedensdenkmal im Sinn, seine Tochter Clara als Modell verwandt

haben.


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Christi Himmelfahrt

MAI/Juni

KW 21

KW 22

2014


Villa Belgrano in Boppard

Die repräsentative späthistoristische Backsteinvilla in Neurenaissanceformen

wurde 1889/90 nach Plänen des Architekten August Heins als

Sommerhaus für die Ehefrau des aus Boppard stammenden und in

Argentinien erfolgreich tätigen Fabrikanten Franz Mallmann erbaut.

Mallmann lebte mit seiner Familie in einem nach dem argentinischen

Freiheitskämpfer Manuel Belgrano benannten Ortsteil von Buenos

Aires. Nach ihm hat die Villa Ihren Namen.

Mallmann beauftragte seinen aus Berlin nach Boppard übergesiedelten

Schwager August Heins, für ihn in Boppard eine angemessene Villa

zu bauen. Heins hatte bereits mit der Villa Thonet ein architektonisches

Glanzstück errichtet und mit weiteren Prachtbauten – wie

der neugotischen „Königsvilla“ oder der Umgestaltung der „Weißen

Villa“ – sein Können bewiesen. Die Villa Belgrano aus gelbem

Ziegelblender und rotem Sandstein sollte der Gattin des Bauherrn als

Sommervilla dienen, da dieser das argentinische Sommerklima nicht

zuträglich war.

Ende der 1880er Jahre erwarb Mallmann Grundstücke in Boppard

– einen Weinberg, zwei Winzerhäuser und die Villa Somborn – und

im November 1889 stimmten die Stadtverordneten den Bauabsichten

Mallmanns nebst Anlage eines großflächigen Parks zu. Die Familie

verbrachte allerdings nur wenige Sommer in der Villa, da die Anreise

per Schiffspassage über den Atlantik von Buenos Aires nach Boppard

zu langwierig war. Auch die Mitnahme einer Kuh im Reisegepäck der

Familie – die Kinder sollten im Sommer nicht auf die gewohnte Nahrung

verzichten müssen – gestaltete sich wohl in der Praxis als mühselig.

Um 1900 wurde das gesamte Areal einschließlich Mobiliar versteigert.

Von nun an hatte die Villa eine wechselvolle Geschichte, zuletzt wurde

sie als Kur- und Kneipp-Sanatorium genutzt.

2000 wurden Villa und Parkanlage unter Denkmalschutz gestellt.

2001 erwarb die Stiftung Hospital zum Hl. Geist das Areal. 2009

übernahm der Gemeinde- und Städtebund Rheinland-Pfalz das

Objekt in einem sehr schlechten Zustand und ließ die Anlage durch

das Architekturbüro Götz aus Köln umfangreich und denkmalgerecht

sanieren. Ein Großteil der Parkettböden sowie Wandvertäfelungen

und Kassettendecken in Holz, Leder und Stuck konnten im Erdgeschoss

weitgehend erhalten bleiben, ebenso die historischen Innentüren;

auch die jetzige Farbgebung folgt den historischen Strukturen.

Durch finanzielle Förderung aus dem Konjunkturpaket II konnte die

Sanierung finanziert werden, so dass das Gebäude seit 2011 als

Seminarhaus von der Kommunal-Akademie Rheinland-Pfalz e.V.

genutzt werden kann, die vor genau 25 Jahren, am 19. Mai 1989,

gegründet wurde.

Der Blick des Fotografen fällt auf dem Kalendermotiv durch die Terrassentür

des Erdgeschosses der repräsentativen Villa und bildet in dieser

Perspektive eine optische Einheit zwischen dem Ort Filsen – rechtsrheinisch

gelegen in Höhe Rheinkilometer 571 – sowie dem darüber

erkennbaren gelben Gebäude, welches als Golfhotel Jakobsberger

Hof – nun jedoch wieder linksrheinisch – zwischen Boppard und Spay

auf einem ersten Höhenzug des Mittelrheinischen Schiefergebirges

liegt. Der Rhein macht an dieser Stelle seine größte Schleife.

Abgeleitet aus dem lateinischen Wort „Hamus“ (Haken) erhielt diese

nach Süden ausgerichtete Schiefer-Fels-Formation die Bezeichnung

„Bopparder Hamm“ und dient gleichzeitig als bekanntes Weinanbaugebiet

im Bereich des Oberen Mittelrheins.

Carola Notter u. Karl Peter Wiemer

Foto: Horst Goebel


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Pfingstsonntag Pfingstmontag

JUNI

KW 23

KW 24

2014


Haus in Monschau-Höfen

Das kulturlandschaftlich bedeutsame Monschauer Heckenland ist

eine Kleinlandschaft von annähernd 300 km 2 Flächenausdehnung

und umfasst die Gemeindegebiete von Simmerath, Monschau und

Roetgen. Auf dieser Hochfläche sind die Feldfluren mit einem auffällig

engmaschigen Netz von Feldgehölzen und Buschhecken überspannt.

Vor allem auf den heute als Grünland genutzten Flächen, die wahrscheinlich

schon immer als Weidegebiete dienten, sind die langen,

geschlossenen Heckenzeilen sowohl Grenzmarken zur Kennzeichnung

der Flurparzellen als auch mechanischer Schutz oder einfach

lebende Weidezäune. Im Unterschied zu den in Norddeutschland

vorwiegend als Windschutz sowie zur Grundstückseinfriedung

angelegten Hecken sind die Flurhecken des Monschauer Landes in

ihrer Gehölzzusammensetzung ausgesprochen artenarm und stocken

auch nicht auf Wällen aus Lesesteinen. Nur selten finden sich hier

andere Gehölze als die gebietstypische Rot-Buche (Fagus sylvatica).

Neben dem Flurheckennetz stellen die zahlreichen Hausschutzhecken

eine vielleicht noch auffälligere Eigenart dieser Kulturlandschaft dar

– fast baumhohe Heckenwände, die einzelne Gehöfte und Anwesen

umstellen. Auf dem Hochplateau rund um Monschau prägen sie bis

heute das Ortsbild von rund 20 Dörfern. Solche Heckenwände innerhalb

der Ortsbebauung finden sich in sonst keiner mitteleuropäischen

Kulturlandschaft. Auch die hohen Heckenschutzschilde um Häuser

und Gehöfte bestehen ausschließlich aus Rot-Buche. Diese Baumart

wäre unter natürlichen Voraussetzungen im Gebiet ohnehin das am

weitesten verbreitete Gehölz und die Leitart der natürlichen Wälder.

Die Hain- oder Weißbuche (Carpinus betulus) ist dagegen ein Gehölz

der tieferen Lagen unter 500 m ü. NN und erfährt ihr Wuchsoptimum

eher in den wärmeren gemäßigt-kontinentalen Regionen.

Die Haushecken, im Bild im Hintergrund zu sehen, bestehen immer

aus engständig einreihigen Rotbuchenpflanzungen und sind bei

30–90 cm Tiefe meist zwischen 6 und 8 m hoch. Um eine formschöne

Rotbuchenhecke zu erhalten, sind fast jährlich Pflegearbeiten

erforderlich – neben dem formenden Schnitt innen und außen auch

eine ständige Durchflechtung: Zweige und Äste werden hinter

stärkeren Verzweigungen eingeklemmt, bereits erstarkte Äste mit

Latten oder anderen Hölzern in den Heckenschluss eingerückt. Den

periodischen Schnitt, die gegenseitige Verflechtung und den Engstand

im Heckenverband erträgt die Rot-Buche erstaunlich gut, obwohl sie

solchen Bedingungen in der Natur kaum ausgesetzt ist. Der Triebspitzenrückschnitt

und die daraus resultierende dichtere Verzweigung

ist biologisch der Windschur vergleichbar, die Baumkronen an

windoffenen Standorten zu oft abenteuerlich aussehenden Gebilden

verformt, die zuletzt keine arttypischen Kronenumrisse mehr aufweisen.

Gegenwärtig gibt es im Monschauer Heckenland noch etwa 900

Hausschutzhecken mit einer Mindesthöhe von 3 m. Durchschnittlich

sind die zwischen 12 und 23 m, im Einzelfall sogar über 30 m lang.

Ihre Gesamtlänge beträgt rund 25 km.

Bruno P. Kremer

Foto: Jürgen Gregori


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Fronleichnam

Jahrestagung des Rheinischen Vereins

JUNI

KW 25

KW 26

2014


Burg Stolzenfels bei Koblenz

Aufklärung und französische Revolution brachten umfassende gesellschaftliche

Veränderungen und damit auch das Aus für Burgen und

Schlösser. Erst beim genauen Hinschauen fällt auf, wie die Romantiker

für die Bauten aus dem Mittelalter schwärmten und sie ankauften,

um sie für ihre eigenen Bedürfnisse zu restaurieren, zu erweitern oder

als Kopie neu bauen zu lassen.

Hierfür ist Burg Stolzenfels bei Koblenz ein besonders passendes Beispiel.

Im 13. Jh. ließ der Trierer Erzbischof Arnold von Isenburg zum

Schutz seines Machtbereichs auf einer Anhöhe am Rhein eine Burg

errichten. Nach mehreren Überfällen und dem jahrelang nagenden

Zahn der Zeit blieb nur eine Ruine, die in den Besitz der Stadt Koblenz

kam. 1823 erhielt der preußische Kronprinz sie als Geschenk. Friedrich

Wilhelm hatte die Rheinlande bereist und schrieb begeistert vom

Rheintal in seinen Tagebüchern.

Schenkende und Beschenkter betrachteten die Burg aus ganz unterschiedlichen

Blickwinkeln. So wollten die Koblenzer ein Zeichen

setzen, um das angespannte Verhältnis zwischen den protestantischen

Preußen und dem katholischen Rheinland zu verbessern. Friedrich

Wilhelm, seit 1840 auf dem Thron, sah in dem Haus nicht nur ein

zu bewohnendes Kunstwerk, sondern auch eine Möglichkeit, an die

kurfürstliche Tradition seiner Erbauer anzuknüpfen.

Bei seinen Aufenthalten residierte Friedrich Wilhelm IV. im imposanten

Schloss von Koblenz. Im Sommer bevorzugte er zum Wohnen allerdings

die intimere Burg hoch über dem Rheintal. Zur Einweihung am 14.

September 1842 hüllten sich Friedrich Wilhelm IV. und seine aus dem

Haus Wittelsbach stammende Gattin Elisabeth in mittelalterliche

Gewänder und nahmen anlässlich eines Festes von der Burg Besitz.

Die vorausgehenden Jahre beschäftigten sich Baumeister wie Karl

Friedrich Schinkel, Friedrich August Stüler genauso wie der Gartenbaudirektor

Peter Joseph Lenné mit der Burg. Sie hatten die Absicht,

das Objekt in ein Gesamtkunstwerk mit prächtigen Sälen, romantischen

Türmen, Grotten und einem Pergolagarten zu verwandeln.

Im 19. Jh. war die Denkmalpflege noch nicht endgültig definiert,

und so haben die Baumeister mitunter viele jüngere Ergänzungen

unwiederbringlich zerstört. Da wirkt eine Äußerung des Bauherrn,

„die Überreste so viel als möglich zu schonen“ richtig modern.

So wurde Stolzenfels zwar nach mittelalterlichen Vorbildern ergänzt,

aber es ist gleichzeitig ein neogotischer Bau geworden. Statt der

üblichen Schieferdächer sind die flachen Dächer hinter den Maßwerk-

Balustraden fast nicht zu sehen. Manches Detail, wie die Wendeltreppen,

wurde aus modernen Baumaterialien hergestellt. Die Räume

wurden prunkvoll ausgestattet, aber auch hier sind es moderne und

bequeme Möbel mit gotisierendem Zierrat.

Stolzenfels hatte sich von der mittelalterlichen Burg zu einem Symbol

der Preußen gewandelt. Auch wenn der Kaiser sich im fernen Berlin

aufhielt, so erinnerte das Bauwerk an ihn. Dies änderte sich mit dem

Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Die Zeiten für prachtvolle Abende im

Rittersaal waren vorbei.

Erst seit Mai 2011 erstrahlen Burg und Park wieder im Zustand des

Jahres 1842. Die verputzten und ockerfarbigen Fassaden ziehen den

Blick der Vorbeifahrenden auf sich. Wie in einem Märchen wächst

Burg Stolzenfels aus dem dichten Wald heraus und gehört heute

zu den bekannteren Objekten des von der UNESCO zum Welterbe

bestimmten Oberen Mittelrheintals.

Holger A. Dux

2014 jährt sich der Ausbruch des Ersten Weltkrieges zum 100. Mal.

Der Landschaftsverband Rheinland nimmt dieses Datum zum Anlass,

mit seinem Dezernat für Kultur und Umwelt das große Verbundprojekt

„1914 – Mitten in Europa“ mit Ausstellungen, Exkursionen, einem

Kongress, Eventprogrammen und Forschungsprojekten zu realisieren

(www.rheinland1914.lvr.de). Der Rheinische Verein ist Projektpartner

und widmet dem Thema deshalb einen Teil seiner Kalendermotive.

Foto: Horst Goebel


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Juni/Juli

KW 27

KW 28

2014


Denkmal auf dem „Franzosenfriedhof“

in Voerde am Niederrhein

Das Denkmal für die im Lager Friedrichsfeld verstorbenen Kriegsgefangenen

des Ersten Weltkrieges wurde von kriegsgefangenen Steinmetzen

nach dem Entwurf des französischen Architekten Gaston

Secq 1916 errichtet, der das Los der Gefangenschaft mit seinen Kameraden

teilte. Das Denkmal stellt eines der seltensten Monumente

des Ersten Weltkriegs dar. In einer Art Neobarock ausgeführt, gibt es

eine antikisierende Tempelarchitektur wieder und symbolisiert gleichsam

den Altar des Vaterlandes.

Auf der Vorderseite finden sich, umgeben von antikisierender Kriegersymbolik,

lateinische Zeilen, welche die fern der Heimat verstorbenen

Männer als tapfere Soldaten ehren. Darunter im eichenlaubbekränzten

Medaillon die Worte „Devoir – Honneur – Patrie.“ Die Inschrift auf

der Rückseite erwähnt die an diesem Denkmal beteiligten Nationen:

Belgien, England, Frankreich, Italien, Russland, Serbien und Portugal

– und macht das Monument damit zu einem Denkmal der Entente.

Bemerkenswert ist, dass die deutsche Lagerleitung unter Generalmajor

Leo Cederholm (* 1852 in Bromberg, † 1934 in Düsseldorf) nicht

nur den Bau genehmigte, sondern auch den Sandstein unentgeltlich

zur Verfügung stellte: ein Beleg für die Achtung des Gegners auch

im Krieg.

Das Kriegsgefangenenlager Friedrichsfeld entstand ab Herbst 1914

auf dem Gelände eines Truppenübungsplatzes und entwickelte sich

bald zu einem der größten Lager auf Reichsgebiet. Hier wurden Mannschaften

und Unteroffiziere gefangen gehalten, während Offiziere in

separaten Lagern untergebracht waren und nicht dem Arbeitszwang

unterlagen. Nach dem Bericht einer dänisch-russischen Kommission

umfasste das Lager bereits im September 1915 mehr als 10.000

Soldaten. 1918 dürfte die Zahl der Gefangenen zwischen 25.000 und

30.000 gelegen haben.

Das Lager war auf etwa 30 ha angelegt und umfasste einen regelrechten

Kosmos unterschiedlichster Arbeits- und Betätigungsfelder.

Im Unterschied zu vielen anderen Lagern für Mannschaften und Unteroffiziere

blieb in Friedrichsfeld ein reichhaltiges Lagerleben über

die Dauer des Krieges erhalten. Selbst im September 1918 gab es

hier Schneider- und Schuhmacherwerkstätten, eine „Holzschuh-“ und

eine „Möbelfabrik“, Korb- und Strohflechtereien, eine Druckerei, ein

Holzsägewerk, zahlreiche Schreinereien und Photographenbetriebe.

Dazu kamen künstlerische Werkstätten für Malerei und Graphik, ein

Theater, zwei Musikhallen, eine Lagerkirche, in der sich katholische,

protestantische und russisch-orthodoxe Geistliche in den Gottesdiensten

abwechselten, sowie eine Elementarschule, in der die zahlreichen

Analphabeten Lesen und Schreiben lernten. Weiter existierten eine

Kantine und mehrere Lokale, ein Postamt und eine Art Bankhaus.

Lagerverpflegung und hygienische Verhältnisse scheinen während der

gesamten Kriegszeit vergleichsweise gut gewesen zu sein.

Veit Veltzke

2014 jährt sich der Ausbruch des Ersten Weltkrieges zum 100. Mal.

Der Landschaftsverband Rheinland nimmt dieses Datum zum Anlass,

mit seinem Dezernat für Kultur und Umwelt das große Verbundprojekt

„1914 – Mitten in Europa“ mit Ausstellungen, Exkursionen, einem

Kongress, Eventprogrammen und Forschungsprojekten zu realisieren

(www.rheinland1914.lvr.de). Der Rheinische Verein ist Projektpartner

und widmet dem Thema deshalb einen Teil seiner Kalendermotive.

Foto: Karsten Enderlein


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JULI

KW 29

KW 30

2014


Leopold-Hoesch-Museum & Papiermuseum Düren

Das Universalmuseum öffnete im Jahr 1905 mit seinen Sammlungen

zur Kunst, Archäologie und Papierhistorie. Die imposante neobarocke

Fassade des Leopold Hoesch-Museum im Stil des beginnenden

20. Jh. spiegelt die kulturelle Tradition des Deutschen Kaiserreichs

und des Großstadtglanzes Berlins im letzten Jahrzehnt vor Ausbruch

des Ersten Weltkriegs wider.

Der herrschaftliche Altbau des Kunstmuseums, welches nach seinem

Stifter – dem Stahlindustriellen Leopold Hoesch – benannt wurde,

fand 2010 mit dem „Peill-Forum“ des Kölner Architekten Peter Kulka

eine adäquate Erweiterung. Der architektonische Höhepunkt ist das

opulent gestaltete, marmorne Treppenhaus, welches, mit einer krönenden

Kuppel versehen, die Besucher bis heute in großbürgerlicher Manier

empfängt. Die Fassade des Altbaus und die streng kubische Form des

Neubaus, welcher die Maße und Proportionen des ursprünglichen

Baus aufgreift, erzeugen einen spannungsreichen Gesamteindruck,

der die Verbindung von Alt und Neu, von Tradition und Moderne

verbildlicht. Äußerlich ist der Übergang von Alt- zu Neubau durch

gebäudehohe Glasfenster, innen durch Verbindungsbrücken und

lichtdurchflutete, zweigeschossige Innenhöfe sichtbar.

Basierend auf dem Bestand eines Universalmuseums resultieren die

Hauptwerke der heutigen Kunstsammlung des Museumsbestands aus

einer engagierten Ankaufspolitik nach dem Zweiten Weltkrieg. Werke

des frühen 20. Jh., unter anderem von August Macke, Max Liebermann,

Ernst Ludwig Kirchner, Lovis Corinth, Emil Nolde und Otto Dix. bilden

einen Schwerpunkt im Bereich der Klassischen Moderne, des Expressionismus

und der Neuen Sachlichkeit. Nicht zuletzt wurden diese

Kunstrichtungen durch den Ersten Weltkrieg geprägt.

Anlässlich des Verbundprojektes „1914 – Mitten in Europa“ wird

ein Teil dieser Bestände ausgestellt. Zusammen mit dem Psychiatriegeschichtlichen

Dokumentationszentrum Düren (PDZ) auf dem

Gelände der heutigen LVR-Klinik Düren zeigt die zweiteilige

Ausstellung „Moderne. Weltkrieg. Irrenhaus.“ die „Brüche in der

Psychiatrie“ im Zeitraum zwischen 1900 und 1930. Außerdem

wird die Verbindung zwischen „Kunst und Psychiatrie“ zu Beginn

des 20. Jh. dargestellt. Künstlerische Arbeiten aus der renommierten

Heidelberger Sammlung Prinzhorn, die zwischen 1906 und 1920 in

der Provinzial-Heil- und Pflege-Anstalt Düren entstanden sind, werden

erstmalig der Öffentlichkeit präsentiert. Viele Künstler verarbeiteten

die traumatischen Kriegserlebnisse in ihrer ausdrucksstarken Arbeit.

Heutzutage befinden sich insbesondere auch herausragende Arbeiten

der Konkreten Kunst und der zeitgenössischen Kunst am Leopold-

Hoesch-Museum. So widmet das Haus einen eigenen Bereich der

Hubertus Schoeller Stiftung, die mit Arbeiten aus der ZERO-Gruppe,

Op-Art und Lichtkunst von z. B. Yves Klein, Heinz Mack, Günter Uecker

oder Otto Piene auftritt. Letzterer realisierte 2010 auch einen fest

installierten „Lichtraum“ im Untergeschoss. Auf eine breite Präsentation

von Gegenwartskunst wird mit Preisen, Stipendien und zweijährlichen

Ausstellungen der am Haus beheimateten Günther-Peill-Stiftung und

der Dahlmann-Stiftung sowie der aktuell regen Ausstellungspolitik

ein besonderer Fokus gelegt.

Im nahegelegenen Papiermuseum Düren befindet sich eine Dauerausstellung

zur europäischen Papiergeschichte. In der Schöpfwerkstatt kann

der Besucher selbst von Hand Papier schöpfen. Der beide Museen umfassende

Hoeschplatz wird durch das „Skulpturenprojekt Hoeschplatz“

aktiv mit in das Ausstellungsprogramm einbezogen. Seit 2011 ist hier

die monumentale Skulptur „Ursprung“ von Ulrich Rückriem zu bestaunen.

Eva Struckmeier

2014 jährt sich der Ausbruch des Ersten Weltkrieges zum 100. Mal.

Der Landschaftsverband Rheinland nimmt dieses Datum zum Anlass,

mit seinem Dezernat für Kultur und Umwelt das große Verbundprojekt

„1914 – Mitten in Europa“ mit Ausstellungen, Exkursionen, einem

Kongress, Eventprogrammen und Forschungsprojekten zu realisieren

(www.rheinland1914.lvr.de). Der Rheinische Verein ist Projektpartner

und widmet dem Thema deshalb einen Teil seiner Kalendermotive.

Foto: Peter Hinschläger


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Juli/August

KW 31

KW 32

2014


Das Mainzer Rathaus

Der Zweite Weltkrieg hatte für Mainz tiefgreifende Folgen, der schwere

Angriff am 27. Februar 1945 hat 80% der innerstädtischen Bausubstanz

vernichtet. Auch das Mainzer „Stadthaus“ war dabei untergegangen.

Für die Mainzer Innenstadt und das Umland wurden bereits 1947

Wiederaufbauvisionen erarbeitet, visionäre wie die des französischen

Corbusier-Schülers Marcel Lods und pragmatische, an der historischen

Situation orientierte wie die des Stuttgarters Paul Schmitthenner. Er

ging von der Erhaltung der innerstädtischen Struktur und des alten

Straßensystems aus und sah am Rheinufer ein neues Rathaus vor, ein

Standort, der sich im Bewusstsein der Mainzer fortan einprägte. Als die

Stadt 1958 Ernst May mit der Ausarbeitung eines „Generalplans“ für

die Innenstadt beauftragte, unterstellte dieser ebenfalls ein Rathaus am

Rhein. Als die Stadtverwaltung 1962 einen städtebaulichen Wettbewerb

für die Rheinzone und den zerstörten Bereich am „Brand“ ausschrieb,

gehörten der Bau eines Rathauses und eine engere Anbindung der

Altstadt an den Rhein zu den Planungsvorgaben. Zwar wurde als Ergebnis

nur die neue Rheingoldhalle errichtet, 1967 aber ein weiterer Wettbewerb

zum Bau eines Rathauses am später gewählten Standort ausgelobt.

Teilnahmeberechtigt waren Mainzer Architekten und fünf

namentlich eingeladene auswärtige Büros. Unter ihnen war das international

bekannte Büro des dänischen Architekten Arne Jacobsen.

Jacobsen war in Mainz dadurch bekannt geworden, dass ab 1967 an der

Saarstraße nach seinen Planungen ein Bürogebäude gebaut worden war.

Das Preisgericht gab einstimmig den ersten Pries an das Büro von Arne

Jacobsen und Otto Weitling und beauftragte es mit Planung und Bau

des Rathauses. Am 12. Oktober 1970 erfolgte der erste Spatenstich,

im Herbst 1973 konnte das Rathaus bezogen werden. Dieses neue

Mainzer Rathaus wurde aus mehreren Gründen bemerkenswert: Über

einem Sockelgeschoss angeordnet, mit einer breiten Fußgängerbrücke

über die Rheinstraße, stellt es den städtebaulichen Endpunkt eines

Weges aus dem Mainzer Geschäftszentrum zum Rhein dar.

Mit seiner klaren, an Geometrie und Material orientierten Formensprache

und seiner Diagonalstruktur soll das Haus den Besucher

einfangen, die kubische Gestaltung repräsentativ, aber nicht abstoßend

sein und demokratisches Selbstverständnis sowie kommunales Selbstbewusstsein

ausstrahlen. Die frei vor die Fassade gestellten Gitter vor

den Fenstern sind Teil dieses Konzeptes. Die Architekten wählten zur

Gestaltung der Fassaden norwegischen Kalkstein, um nicht mit den

benachbarten roten Sandsteinfassaden in Konkurrenz treten zu müssen.

Besucher kommen zunächst in eine hohe Eingangshalle. Zwei Aufzüge,

wie runde Freiplastiken eingestellt, führen zu den Büroräumen in fünf

Stockwerken, gruppiert um einen Innenhof. Wandverkleidungen in

hellem Holzfurnier sollen eine freundliche Atmosphäre bieten. Aus

der Eingangshalle erschließt sich eine differenzierte Foyerzone, an

die sich mehrere Säle und der kreisrund gestaltete zweigeschossige

Ratssaal anschließen – Orte auch zahlreicher öffentlicher Veranstaltungen.

Noch heute sind diese Räume von der Vielzahl feingliedriger,

von Jacobsen und Weitling gestalteter Details bestimmt, unter ihnen

auch auf vielfache Weise der bekannte, von Jacobsen gestaltete Stuhl

in gebogenem Leimholz.

So stellt das Mainzer Rathaus in seiner städtebaulichen Einordnung,

seinen funktionellen Abläufen, seiner architektonischen Gestaltung

und der noch weitgehend im Original erhaltenen Innenausstattung

ein Gesamtkunstwerk dar. Es wurde 2002 vom Deutschen Architekturmuseum

in Frankfurt ausgezeichnet.

Vor dem Hintergrund einer angespannten städtischen Finanzsituation

ist in Mainz inzwischen eine heftige Diskussion um die Kosten

notwendiger, bisher unterlassener Baunuterhaltungsmaßnahmen an

diesem Rathaus entbrannt. Sie gipfelt in Forderungen zum Abbruch

und Neubau an anderer Stelle. Sie zeigt aber auch, dass die Bedeutung

des Rathauses als letztem Werk des Architekten Jacobsen weiten

Bevölkerungskreisen noch nicht ausreichend vermittelt werden konnte.

Paul-Georg Custodis

Foto: Horst Goebel


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Mariä Himmelfahrt

AUGUST

KW 33

KW 34

2014


Bienenfresser

In der gängigen ornithologischen Literatur findet man für den überaus

schmucken und zugegebenermaßen etwas exotisch aussehenden Bienenfresser

(Merops apiaster) die im Wesentlichen auch tatsächlich zutreffende

Verbreitungsangabe „Südeuropa, Nordafrika und Südasien“.

In Mitteleuropa kam die offenbar betont wärmeliebende Art lange

Zeit nur in Österreich (Burgenland), Ungarn, Slowakei sowie Südpolen

vor. Allerdings trifft man sie überraschend seit rund einem Jahrzehnt

gelegentlich auch im Rheinland an. Mehrere erfolgreiche Bruten fanden

unter anderem im Braunkohlen-Rekultivierungsgebiet westlich von

Köln statt. Auch aus den Niederlanden liegen unterdessen etliche

Nachweise von Bruterfolgen vor. Ob die offensichtlich in nordwestlicher

Richtung erfolgte Arealerweiterung dieser Art allerdings tatsächlich

im Zusammenhang mit dem aktuell vielfach, aber nicht immer faktenkonform

beschworenen Klimawandel zu sehen ist, kann anhand der

Datenlage überhaupt noch nicht abschließend bewertet werden. Die

Verbreitungsgebiete einzelner Pflanzen- oder Tierarten waren noch

nie eine raumzeitlich starre Größe und zeigten daher seit dem Ende

der letzten Eiszeit vor ca. 12.000 Jahren schon immer flexible Grenzziehungen

auch ohne flankierende angebliche Katastrophenszenarios

im Hintergrund.

Der Artname ist Programm: Tatsächlich ernähren sich Bienenfresser

überwiegend von fliegenden Großinsekten wie Bienen und Hummeln,

aber auch von Käfern, Libellen und Heuschrecken. Im Unterschied zu

Mauerseglern und Schwalben jagen sie ihrer potenziellen Beute jedoch

nicht ständig fliegend hinterher, sondern unternehmen lediglich

kurze Jagdflüge von einer erhöhten Sitzwarte aus. Sofern sie

dabei Bienen oder Wespen erbeuten, zeigen sie ein bemerkenswertes

Verhalten: Mit der Schnabelspitze ergreifen sie den Hinterleib des

Insektes, pressen ihn gegen eine feste Unterlage und drücken somit

das gefährliche Gift aus dem Stechapparat aus. Bei den täuschend

bienen- oder wespenähnlich aussehenden Schwebfliegen unterbleibt

diese Vorsorgemaßnahme. Wie sie die stechenden Hautflügler von

den völlig harmlosen Nachahmern zuverlässig unterscheiden, ist bislang

völlig unklar.

Bruno P. Kremer

Foto: Reinhard Hagen

Bienenfresser sind – ähnlich wie der relativ nahe verwandte Eisvogel –

eigenartigerweise Höhlenbrüter. Ihr extrem einfaches, kaum ausgepolstertes

Nest legen sie am Ende einer oft mehr als 1 m langen

Erdröhre an, die sie in Lockersubstrat graben. Daher finden sich die

bisher dokumentierten Bienenfresser-Vorkommen im Rheinland

überwiegend an den ruhenden Abbauwänden von Sand-, Kies- und

Tongruben, ferner an Wegböschungen oder Steilufern. Bienenfresser

leben sozial. Nicht selten finden sich an geeigneten Brutplätzen mitunter

sogar kleine Kolonien.


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August/September

KW 35

KW 36

2014


Das „Ronald McDonald-Haus“ von

Friedensreich Hundertwasser in Essen

Am nördlichen Rand der 1929 eröffneten Parkanlage „Große Ruhrländische

Gartenbauausstellung“, kurz „Gruga“ genannt, versteckt

sich zwischen hohen Bäumen in unmittelbarer Nähe zur Universitätsklinik

Essen das „Ronald McDonald-Haus“. Der Entwurf des farbenfrohen

und geradezu fröhlich anmutenden Gebäudes stammt von

Friedensreich Hundertwasser, der 1928 unter dem Namen Friedrich

Stowasser in Wien geboren wurde und seine künstlerische Karriere

als Maler und Graphiker begann.

Mit seinen kräftigen Farben in dekorativen Linien und Bändern

steht er in der Tradition des österreichischen Jugendstils. Diese

abwechslungsreiche, bunte und zum Teil in sich verschlungene und

vegetabilische Formensprache findet sich auch in seinen

Architekturentwürfen wieder. Bekannt sind vor allem sein

„Haus Hundertwasser“ in Wien (1983-1986), sowie in Deutschland

unter anderem der Komplex „Wohnen unterm Regenturm“

in Plochingen am Neckar (1991-1994) und das Wohnhaus

„Wald-Spirale“ in Darmstadt (1998-2000).

Zu seinen letzten Architekturentwürfen, die erst nach seinem Tod

im Jahre 2000 verwirklicht wurden, gehört das 2005 fertig gestellte

Ronald McDonald Haus in Essen. Es ist eines von 18 Ronald

McDonald Häusern in Deutschland. Das Essener Haus bietet mit

17 Appartements Familien die Möglichkeit, mit ihren schwerkranken

Kindern einige Tage den Klinikalltag etwas erträglicher erscheinen zu

lassen.

Dem belastenden Anlass, das Haus für eine begrenzte Zeit zu

beziehen, steht die farbenfrohe und leicht anmutende Architektur des

Künstlers als positiver Akzent entgegen. Da nach seiner Auffassung

die gerade Linie direkt zum Tod führe, bestimmen geschwungene

Linien, Rundungen, Spiralen und abgerundete Ecken das Gebäude,

das von einem Turm mit Zwiebelhaube überragt und von einem

runden Meditationsturm begleitet wird. Das Dach des über ovalem

Grundriss erbauten Hauses mit vier Geschossen wird durch einen

von zwei Mauern begrenzten, ansteigenden Garten gebildet, der das

Gebäude spiralförmig überdeckt. Die gelbe Fassade wird durch die

in unterschiedlichen Formen gestalteten Fenster akzentuiert, die

miteinander durch markante, rote und schwarz abgesetzte Bänder

verbunden sind.

Stefan Frankewitz

Foto: Stefan Frankewitz


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SEPTEMBER

KW 37

KW 38

2014


Kaiser-Wilhelm-Denkmal am Martin-Luther-Platz

in Düsseldorf

Dass uns der deutsche Kaiser auf diesem Bild den Rücken zuwendet,

ist kein Zufall. Das Düsseldorfer Kaiserdenkmal ist ebenso nach Osten

ausgerichtet wie jenes am Deutschen Eck. Wem Kaiser Wilhelm I. so

konsequent die kalte Schulter bzw. das Hinterteil zeigt, kann man sich

denken, nämlich dem „französischen Erzfeind“. Ihn hatte er 1870/71

besiegt und galt fürderhin als „Heldenkaiser“. Als Wilhelm I. 1888

starb, errichteten zahlreiche Städte Denkmäler zu seinem Ruhm. Da

wollte Düsseldorf nicht hintan stehen, die Stadt bewilligte 30.000 Mark.

Da es jedoch nicht gelang, die rheinischen Nachbarstädte Duisburg,

Krefeld, Essen zur Mitfinanzierung zu bewegen, um ein gemeinsames

Denkmal für den gesamten Niederrhein zu initiieren, wurde das Projekt

zunächst auf Eis gelegt. Im April 1888 wurde ein Finanzierungsausschuss

gebildet, der schließlich über private Spenden und andere

Unterstützungsmaßnahmen die stolze Summe von 200.000 Mark

bereitstellen konnte. Ein Wettbewerb wurde ausgeschrieben, ihn

gewann 1889 Carl Janssen (1855–1927), Professor für Bildhauerei an

der Kunstakademie Düsseldorf.

Schwierig gestaltete sich die Suche nach einem geeigneten

Standort, nach hitzig geführten Diskussionen fiel die Entscheidung

im November 1889 auf die Alleestraße (heutige Heinrich-

Heine-Allee), Ecke Elberfelder Straße, wo die preußisch-patriotische

Großplastik am 18. Oktober 1896 feierlich enthüllt wurde.

Das Neo-Barock-Denkmal besteht aus einer 4,15 m hohen Reiterstatue

des Kaisers aus Bronze, die auf einem 6,47 m hohen Sockel aus

Bavenogranit und Odenwälder Granit thront. Bronze-Kartuschen,

-Wappen und -Embleme, die das Deutsche Reich, das Königreich

Preußen und die Stadt Düsseldorf symbolisieren, schmücken den Sockel.

Zwei Flachreliefs zeigen Episoden aus der Herrschaftsgeschichte

Wilhelms I. Der Kaiser ist in seine Paradeuniform gewandet und hält

den Zügel seines trabenden Hengstes locker und souverän. Flankiert

wird er von zwei geflügelten Bronzefiguren, den Genien des Kriegs

und Friedens. Rechts „der Krieg“, eine eher männliche Figur, strebt

im Laufschritt vorwärts und präsentiert triumphierend den Lorbeer des

Sieges. Der „Frieden“ ist eine weibliche Figur, umflossen von einem

antik anmutenden Gewand, sie streut Blumen unter das fiktive Volk.

In der anderen Hand trägt der „Friede“ ein Füllhorn als Symbol für

Wohlstand und Überfluss. So kommuniziert das Artefakt seine vaterländische

Botschaft, dass erst auf der Basis des siegreich geführten

Krieges von 1870/71 ein stabiler Friede in Prosperität und Wachstum

möglich gewesen sei. Eine von Engeln umschwirrte Inschrift verkündet

in erhobenen Fraktur-Buchstaben: „Dem Begründer des Deutschen

Reiches das dankbare Düsseldorf“.

Die Weltkriege überstand das Denkmal unbeschadet, musste allerdings

1961 der Umgestaltung des Jan-Wellem-Platzes weichen.

1964 bis 1983 stand es auf dem Platz der Deutschen Einheit, bis es

wegen des U-Bahn-Baus eingelagert wurde. Seit 1997/98 befindet es

sich nun auf dem Martin-Luther-Platz gegenüber der Johanniskirche.

Seine – in Zeiten der europäischen Verständigung – problematische

„Rückwärtsausrichtung“ nach Westen wurde indes beibehalten.

Enno Stahl

2014 jährt sich der Ausbruch des Ersten Weltkrieges zum 100. Mal.

Der Landschaftsverband Rheinland nimmt dieses Datum zum Anlass,

mit seinem Dezernat für Kultur und Umwelt das große Verbundprojekt

„1914 – Mitten in Europa“ mit Ausstellungen, Exkursionen, einem

Kongress, Eventprogrammen und Forschungsprojekten zu realisieren

(www.rheinland1914.lvr.de). Der Rheinische Verein ist Projektpartner

und widmet dem Thema deshalb einen Teil seiner Kalendermotive.

Foto: Holger Klaes


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Tag der deutschen Einheit

SEPTEMBER/OKTOBER

KW 39

KW 40

2014


Bunter Abfall

Zu Beginn und erst recht gegen Ende der Vegetationsperiode inszeniert

die heimische Gehölzflora ein beachtliches Farbspektakel: Der

Laubaustrieb im Frühjahr löst mit seinen lebhaften Grünnuancen

gemütserfrischend die winterliche Graubraun-Monochromie ab, und

vor dem herbstlichen Blattfall stellen viele Arten sommergrüner

Sträucher und Bäume ihr Erscheinungsbild wiederum vielstufig bunt

auf eine Palette zwischen verhaltenem Käsegelb und flammendem

Karminrot um. Diese enorme Farbigkeit ist sicher nicht nur eine

simple dekorative Beigabe der Herbstwochen, sondern spiegelt ein

komplexes Geschehen in den Blattorganen. Die zeitliche Kopplung

der herbstlichen Laubumfärbung mit dem planmäßigen Blattabwurf

lässt die Umfärbeereignisse im Zusammenhang mit dem jetzt merklich

abflauenden Stoffwechsel der alternden und somit auszurangierenden

Blattmasse sehen. Wichtigster Auslöser dieser Ereignisse, die der

Vorbereitung der Gehölze auf die jahreszeitlich vordiktierte Winterruhe

dienen, ist die in den Herbstwochen deutlich abnehmende Tageslänge.

Die für das Licht empfindsamen Pflanzenteile geraten bereits im

Laufe des Septembers zunehmend unter Kurztagbedingungen und

leiten dann umfangreiche stoffwechselphysiologische Abläufe ein.

Dabei werden nicht nur die bisher in Aktion befindlichen Blattgrünfarbstoffe

abgebaut, sondern durch entgleisende und deswegen

kaum noch kontrollierte Reaktionen auch neue Blattpigmente vor

allem mit gelblichen und roten Farbstellungen synthetisiert. In vielen

Facetten ist dieses augenfällige Umbauszenario im Herbstlaub immer

noch unverstanden.

Die umseitige Aufnahme zeigt das vielstufig umgefärbte Falllaub

des aus Ostasien stammenden und meist strauchförmig wachsenden

Fächer-Ahorns (Acer palmatum), der sich durch ein besonders

dekoratives Herbstlaub auszeichnet und deswegen gerne auch in

Privatgärten angepflanzt wird. Blattober- und Blattunterseiten zeigen

vielfach gänzlich unterschiedliche Nuancen. Auch färbt diese Art nicht

einheitlich um: Blätter aus dem Schattenbereich des Kroneninneren

zeigen andere Farbstellungen als solche aus der Kronenperipherie.

Ferner greift auch der tägliche Temperaturwechsel in die Umfärbeprozesse

ein, weswegen nicht in jedem Jahr mit der gleichen Palette

zu rechnen ist.

Die Aufnahme entstand im Forstbotanischen Garten im Süden von

Köln, der in den 1960er Jahren auf ehemaligen Festungsanlagen

eingerichtet wurde und somit Bestandteil des auf Planungen von

Konrad Adenauer zurückgehenden Äußeren Grüngürtels der Stadt ist.

Auf rund 25 ha Fläche präsentiert er eine überraschend große Artenvielfalt

mit einem überraschenden Anteil fremdländischer Gehölzen.

Diese Tatsache verdankt die weitläufige Gartenanlage dem Engagement

von Hans Berg, damals zuständiger Stadtdirektor und Leiter des

Liegenschaftsamtes sowie Mitglied der Deutschen Dendrologischen

Gesellschaft. Er hatte demnach ein besonderes Faible für Gehölze aus

anderen Erdteilen mit vergleichbarem Wuchsklima, was die Präsenz

vieler ostasiatischer und nordamerikanischer Arten erklärt.

Bruno P. Kremer

Foto: Jürgen Gregori


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OKTOBER

KW 41

KW 42

2014


Biberspuren

Der Biber (Castor fiber) ist mit einer Körperlänge bis 100 cm und

einem Gewicht bis zu 35 kg das größte einheimische Nagetier. Bis

auf wenige Restvorkommen in Südfrankreich, Norwegen und Polen

wurde die Art in den vergangenen Jahrzehnten allerdings europaweit

erfolgreich ausgerottet. Man stellte diesen interessanten Tieren vor

allem wegen ihres wertvollen Pelzes nach – bei Gerhard Hauptmann

ist dieser Sachverhalt sogar literarisch verklärt. Ferner galten Biber

lange Zeit als beliebte Fastenspeise – die in dieser Frage wie überhaupt

in naturwissenschaftlichen Sachfragen eher inkompetente

katholische Kirche zählte diese Tiere wegen ihres schuppigen Schwanzes

beharrlich zu den Fischen, und somit unterlagen sie bedauerlicherweise

keinerlei diätetischen Restriktionen. Ein weiteres Objekt der

Begierde war ein als „Bibergeil“ bezeichnetes Drüsensekret, dem man

in der Volksmedizin geradezu wundersame Heilkräfte zuschrieb – die

es natürlich nicht aufweist. Schließlich machte sich der Biber fallweise

auch dadurch ziemlich unbeliebt, dass er in der technisch eingerichteten

Zivilisationslandschaft an Bäumen und Ufern beträchtliche Schäden

anrichtete, weil er mit seinen Aktivitäten Dämme durchlöcherte und

durch eigene Dammbauten entlang von Fließgewässern ganze Äcker

unter Wasser setzte. Biber sind eben Pflanzenfresser und haben als

solche die Angewohnheit, vor allem Weichholzarten wie Weiden und

Erlen durch rigoroses Wegschreddern der Stammbasis zu fällen.

Während sie sich im Sommerhalbjahr eher von Wasser- bzw. Sumpfpflanzen

und fallweise sogar von Mais oder Zuckerrüben ernähren,

verzehren sie im Winter überwiegend die Rinde von Ästen und

Zweigen der gefällten Uferbäume.

im Nationalpark Eifel sowie in einem großräumigen Naturschutzgebiet

am Niederrhein in der Umgebung von Wesel. Leider sind viele

der ausgewilderten Tiere Opfer des Straßenverkehrs geworden.

Tagsüber wird man diese ziemlich scheuen Tiere kaum einmal zu

Gesicht bekommen – sie sind nämlich überwiegend dämmerungs- bis

nachtaktiv. Ihre Gegenwart in einem bestimmten Gebiet verraten sie

allerdings durch die unverkennbaren Bissmarken an Ufergehölzen

oder – zumindest während der Dunkelheit – durch ein recht auffälliges

Warnsignal, nämlich mehrmaliges Aufklatschen der Biberkelle

(Schwanz) auf die Wasserfläche.

Bruno P. Kremer

Foto: Holger Klaes

Biber sind heute nach dem derzeit gültigen Bundesnaturschutzgesetz

als Rote-Liste-Art ganzjährig geschützt. Seit etwa 1970 hat man diese

Art in verschiedenen Gebieten der Bundesrepublik Deutschland wieder

erfolgreich eingebürgert – vor allem entlang der Donau. Hier sind

unterdessen wieder alle Nebenflüsse und -bäche besiedelt. Der

Münchener Ökologe Josef Reichholf hat diesem grandiosen Erfolg

der Naturschutzaktivisten ein lesenswertes Buch („Das Comeback

der Biber“) gewidmet. Auch im Rheinland ist der Biber durch gezielte

Ansiedlungsmaßnahmen unterdessen wieder heimisch, unter anderem


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Allerheiligen

OKTOBER/NOVEMBER

KW 43

KW 44

2014


Kühlventilatoren im Landschaftspark Duisburg,

Hochofenanlage

Den Mittelpunkt im Landschaftspark Duisburg-Nord bildet die 1985

stillgelegte Meidericher Eisenhütte. Sie ist das zentrale Objekt des

Landschaftsparks Duisburg-Nord, der von Landschaftsarchitekt

Peter Latz behutsam als ein Ort der Vermittlung zwischen industrieller

Vergangenheit und neuer Bestimmung entworfen wurde. Der

Landschaftspark entstand im Rahmen der IBA (Internationale Bauausstellung

Emscher Park) und ist einer der Ankerpunkte der Europäischen

Route der Industriekultur im Ruhrgebiet. Das ehemalige Thyssen-

Gelände ging für eine symbolische DM in den Besitz der Stadt Duisburg

über, die heute über ihre Tochter, die Landschaftspark Duisburg-Nord

GmbH, die weitere Entwicklung steuert. Auf dem 200 ha großen

Gelände sind vielfache Attraktionen entstanden, so der vom Deutschen

Alpenverein in den alten Erzbunkern errichtete Kletterpark. Ein

ehemaliger Gasometer bietet Gelegenheit zum Sporttauchen in ca.

20.000 m³ Wasser. Der Park ist frei zugänglich und ganzjährig Tag

und Nacht geöffnet. Besucher können auf die oberste Plattform eines

Hochofens steigen, an industriegeschichtlichen oder naturkundlichen

Führungen teilnehmen, im Biergarten verweilen oder an einer der

zahlreich angebotenen Veranstaltungen teilnehmen. Abends verwandelt

die Lichtinszenierung des britischen Künstlers Jonathan Park den

Ort in eine weiträumig sichtbare, vielfarbig strahlende Landmarke.

nahegebracht. Nahe an dem das Gelände durchfließenden Klarwasserkanal,

an einer unprätentiösen Stelle im Außengelände, liegt vor Kopf

zweier Rundklärbecken das Kühlwerk. Ein rechteckiger, unterschiedlich

dunkel patinierter Baukörper, in dessen südwestlicher Außenwand vier

verschiedenfarbige große Lüftungsventilatoren in vortretenden runden

Öffnungen den Blick fangen. Die mittleren zwei, hellgrün und blau,

zeigt das Kalenderblatt. Als technische Großskulpturen erscheinen

die achtblättrigen Ventilatoren mit ihren Schutzgittern. Setzen sie

sich in Bewegung, entsteht ein farbiges und akustisches „Flirren und

Flimmern“ von eigentümlichem Reiz.

Die Anlage diente der Kühlung des Waschwassers, das den Klärbecken

aus den Gasreinigungen zugeführt wurde. Nachdem das Wasser

gereinigt und vom Schlamm befreit war, durchrieselte es die Anlage

und wurde von den sich manchmal heute noch drehenden Ventilatoren

gekühlt. Danach wurde das Wasser zur Wiederverwendung in die

Gasreinigung zurückgepumpt.

Reinhard Lutum

Foto: Jürgen Gregori

Von August Thyssen ab 1901 gebaut, lag das Hüttenwerk direkt an

den Kohlenfeldern des Thyssen-Besitzes und hatte einen Anschluss

über die Emschertalbahn an die Köln-Mindener Eisenbahn und das

Flüsschen Emscher. 1908 waren alle fünf Hochöfen fertig gestellt. Bis

zur Stilllegung, als Überkapazitäten auf dem europäischen Stahlmarkt

abgebaut werden mussten, produzierte das Werk Roheisen, hauptsächlich

Speziallegierungen, als Vorprodukt für die Thyssenschen

Stahlwerke. Bedingt durch weltweite Marktveränderungen wurden

seit den 1950er Jahren große Teile der Zeche August Thyssen stillgelegt.

So wurde die Schachtanlage 4/8 bereits 1960 geschlossen und die

Bauten abgerissen. Seitdem fand dort die Vegetation Möglichkeit zu

ungestörter Ausbreitung und gab ihre Inspiration für die Umgestaltung

zum Landschaftspark. Eine gewaltige Stätte der Energie, jetzt sichtlich

versöhnt und den Menschen des 21. Jh. durch Farbe, Licht und Landschaft


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NOVEMBER

KW 45

KW 46

2014


Bethanien-Kinderdorf in Bergisch Gladbach-Refrath

Nur wenige Architekten können so virtuos mit Beton umgehen wie

Gottfried Böhm (geb. 1920) aus Köln. Vor allem auch dafür wurde

ihm 1986 als bisher einzigem deutschen Baumeister der Pritzker-Preis

verliehen, der so etwas wie ein Nobel-Preis für Architektur ist.

In den 1960er Jahren war der Kirchenbau das Haupttätigkeitsgebiet

Gottfried Böhms, wobei er die avantgardistischen Formen der

Gotteshäuser seines Vaters Dominikus aus den 1930er Jahren

(z.B. St. Engelbert in Köln-Riehl) mit modernen Bautechniken weiterentwickelte.

Sein großartigstes Werk ist der Marienwallfahrtsdom

in Velbert-Neviges (1966-68), dessen kristallin geformtes Betondach

sich markantzwischen den Höhen des Bergischen Landes erhebt.

Auf diesem Kalenderblatt fällt der Blick des Betrachters auf die

Rückwand der Kapelle des Bethanien-Kinderdorfes in dem Bergisch

Gladbacher Stadtteil Refrath. Auf der Außenseite der Tabernakelnische

ist das Lamm Gottes als Betonrelief dargestellt, aus dessen Seitenwunde

Blut in einen Kelch fließt. Es veranschaulicht Christus und stellt zugleich

einen Sinnbezug zu der im Inneren der Nische in einem Tabernakel

aufbewahrten Heiligen Eucharistie her, in der nach katholischer Auffassung

Christus gegenwärtig ist.

Die Kapelle bildet das Zentrum des Kinderdorfes und ist außen wie

innen in Sichtbeton errichtet. Noch während der Mischung wurde der

Beton für die Außenwände ocker gefärbt, um den warmen Farbton

der Fassaden zu erzielen. Außerdem wurde der Beton bewusst

unregelmäßig geschüttet. Auf diese Weise entstand die wellenförmig,

scheinbar natürlich strukturierte Oberfläche mit „Kiesnestern“.

Häuser für die Kinder. Letztere sind nach einem familienähnlichen

Konzept eingerichtet: Eine Betreuerin wohnt zusammen mit einer

begrenzten Zahl Kinder. Es gibt Kinderzimmer mit geringer Bettenzahl,

einen gemeinsamen Wohn-Ess-Raum sowie eine Küche. An der Rückseite

der Häuser sind Gärten zum Spielen angelegt. Die Häuser sind

zum Anger durch eine verbindende Mauer abgeschirmt. So können

die Kinder auswählen, ob sie im Garten des Hauses spielen, Mitglieder

anderer Wohngruppen auf dem Anger treffen, sich im Wohnraum

aufhalten oder in ihren Schlafraum zurückziehen wollen.

Böhm hat hier zum Zeitpunkt eines ebenso radikalen wie notwendigen

Umbruches in der Pädagogik und Kindererziehung – 1968 – ein

modernsten Konzepten entsprechendes Kinderdorf entwickelt, das

auch heute noch in vorbildlicher Weise für Sozialwaisen funktioniert.

Godehard Hoffmann

Foto: Jürgen Gregori

Das Kinderdorf wurde 1968 von den Dominikanerinnen von Bethanien

eröffnet, die sich, von den Niederlanden ausgehend, in besonderer

Weise um Waisen des Zweiten Weltkrieges kümmerten. Gottfried

Böhm hat das gesamte Dorf in einem großen Wurf ab 1964 um einen

weiten Anger gebaut, der eine dörfliche Situation nachbilden soll.

Neben der Kirche gehören dazu das Kloster der Schwestern, die

Verwaltung mit pädagogischem Dienst, eine Aula und vor allem die


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1. Advent

NOVEMBER

KW 47

KW 48

2014


Drover Heide im Kreis Düren

Die Drover Heide liegt in den Gemeinden Kreuzau und Vettweiß im

Kreis Düren und umfasst eine Fläche von 670 ha. Der typische offene

Landschaftscharakter und die damit einhergehende Vielfalt seltener

Tier- und Pflanzenarten ist vor allem einer Tatsache zu verdanken:

der ca. 100-jährigen militärischen Nutzung. Bereits am Vorabend des

Ersten Weltkriegs bereiteten sich deutsche Soldaten in der Drover Heide

auf ihren Einsatz vor. Zuletzt wurde der ehemalige Truppenübungsplatz

von belgischen Streitkräften genutzt. Seit deren Abzug im Jahr 2004

ist das Gelände für die Öffentlichkeit zugänglich.

Truppenübungsplätze wie die Drover Heide sind hervorragende

Beispiele dafür, wie politisch bedingte Maßnahmen am Vorabend des

Ersten Weltkriegs unser Landschaftsbild bis heute prägen. Durch den

intensiven Panzerbetrieb entstanden fast vegetationsfreie Flächen

mit knapp 700 Kleingewässern sowie Magerrasen. Heidebestände

nehmen rund 18% des Gebietes ein. Insbesondere im August, zur

Zeit der Heideblüte, zeigt sich der ehemalige Truppenübungsplatz

von seiner schönsten Seite. Dann bildet das purpurne Blütenmeer einen

ansprechenden Kontrast zu den strohgelben Magerrasen.

Es mag zunächst erstaunen, dass ausgerechnet auf militärisch genutzter

Fläche eine bemerkenswerte Artenvielfalt zu finden ist. Bodenbrütende

Vogelarten fühlen sich in der Drover Heide besonders wohl, da sie

hier sowohl Deckung finden als auch einen guten Geländeüberblick

haben. Mit etwas Glück bietet sich den Besuchern die Möglichkeit,

Heidelerchen, Schwarzkehlchen, Wiesenpieper oder Ziegenmelker zu

beobachten. Einzigartig ist auch die Amphibien- und Reptilienfauna,

die von den zahllosen Gewässern profitiert. Als echte Besonderheit

wurden in der Drover Heide zwei Urzeitkrebse wieder entdeckt, die

nur in periodisch austrocknenden, sonnigen Gewässern leben können

und in Deutschland fast ausschließlich auf Truppenübungsplätzen

vorkommen. Somit ist es nicht verwunderlich, dass die Drover Heide

nicht nur als Naturschutzgebiet, sondern auch als FFH-Gebiet und

internationales Vogelschutzgebiet ausgewiesen ist.

Doch die offenen Heide- und Grünlandflächen wären ohne eine

aktive Pflege bald verschwunden. Der hohe Wiederbewaldungsdruck

wird den aufmerksamen Beobachtern durch die aufkommenden

Birken ersichtlich. Soll die Offenlandschaft dauerhaft erhalten werden,

erfordert dies ein regelmäßiges Mähen oder Beweiden. Ein großer

Teil der notwendigen Landschaftspflege wird in der Drover Heide

von Schafen, Schottischen Hochlandrindern und Thüringischen

Waldziegen übernommen.

Inzwischen ist die Drover Heide als Naherholungsgebiet in den Blickpunkt

der Öffentlichkeit gerückt. Zahlreiche markierte Rundwege mit

einer Gesamtlänge von über 20 km ermöglichen es, diese besondere

Kulturlandschaft zu entdecken. Eine eigene „Winterrunde“, die

wegen der Brutzeit des Ziegenmelkers nur im Winterhalbjahr freigegeben

ist, ermöglicht beeindruckende landschaftliche Einblicke.

Im Rahmen des Verbundprojektes „1914 – Mitten in Europa“ wird

der LVR-Fachbereich Umwelt zusammen mit der Biologischen Station

im Kreis Düren e.V. im Jahr 2014 geführte Exkursionen in das Gebiet

anbieten.

Anne Stollenwerk

2014 jährt sich der Ausbruch des Ersten Weltkrieges zum 100. Mal.

Der Landschaftsverband Rheinland nimmt dieses Datum zum Anlass,

mit seinem Dezernat für Kultur und Umwelt das große Verbundprojekt

„1914 – Mitten in Europa“ mit Ausstellungen, Exkursionen, einem

Kongress, Eventprogrammen und Forschungsprojekten zu realisieren

(www.rheinland1914.lvr.de). Der Rheinische Verein ist Projektpartner

und widmet dem Thema deshalb einen Teil seiner Kalendermotive.

Foto: Holger Klaes


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2. Advent 3. Advent

DEZEMBER

KW 49

KW 50

2014


Mariendom Velbert-Neviges,

Rosenfenster in der Sakramentskapelle

Das Sonnenlicht bildet hier die Farbigkeit eines Kirchenfensters auf

einer Betonwand ab. Der Kontrast könnte größer kaum sein – doch

genau solche Gegensätze hat der Architekt und Bildhauer Gottfried

Böhm bei vielen seiner Bauten vereint.

Das Bild zeigt eine Rose in einem Fenster sowie ein Stück der

Innenwand der Sakramentskapelle des Mariendomes in Velbert-

Neviges. Gottfried Böhm hat die Wallfahrtskirche 1966-68 errichtet.

Der kristallin geformte Betonbau ist die größte Kirche im Erzbistum

Köln nach dem Kölner Dom und gilt als eines der bedeutendsten

Werke des modernen Kirchenbaus. Ein kleines, gedrucktes Marienbild

war im 17. Jh. Anlass, hier einen Wallfahrtsort einzurichten, der bald

zahlreiche Pilger anzog. Das Gnadenbild befindet sich heute in einer

Kapelle, die Böhm dem weiten Kirchenraum seines Neubaus unmittelbar

angefügt hat.

Man betritt das „Betongebirge“ durch eine überraschend kleine

Eingangstür und wird sogleich von der Wucht des nur dezent

beleuchteten Raumes beeindruckt. Erst allmählich erschließt sich dem

Auge des Betrachters die enorme Höhe des aus Sichtbeton geschaffenen

Inneren. Mehrgeschossige Emporen erstrecken sich seitlich wie Fassaden

bis zu den verschachtelten Deckenflächen. Der Fußboden ist mit

Kopfsteinpflaster belegt und Straßenlaternen sind aufgestellt. Auf

diese Weise sollte ein „Marktplatz“ entstehen und die Kirchenbesucher

zum Herumgehen veranlassen. Diese Idee steht in einem deutlichen

Kontrast zur Monumentalität des Domes und ist ebenso typisch für

die Kreativität des Kirchenbaumeisters Gottfried Böhm.

Die Wände werden nur an wenigen Stellen von Fenstern durchbrochen.

Dennoch vermag die Leuchtkraft der stark farbigen Scheiben den

Raumeindruck in gelungener Weise zu bestimmen. Gottfried Böhm

hat die Fenster, wie bei vielen anderen seiner Kirchenbauten, selbst

entworfen. Ausgeführt wurden sie von der Glaskunstwerkstatt

Hein Derix aus Kevelaer.

Die überwiegend ornamental und symbolisch gestalteten Fenster

zeigen nur wenige konkrete Motive. Diese beziehen sich wiederholt

auf das Kirchenpatrozinium „Maria Königin des Friedens“. Der

konkreteste bildliche Bezug auf die Gottesmutter ist die Rose, die in

vielen Scheiben zu sehen ist. Unser Kalenderblatt zeigt die größte

von ihnen im „Rosenfenster“ der Kapelle, in deren Mitte eine große

Tabernakelstele das Allerheiligste birgt. Benachbart ist das Heilig-Geist-

Fenster, das die Herabkunft des Hl. Geistes am Pfingsttag wie eine

rote Wolke über einer schematisierten Stadt zeigt.

Kunstglas gehört zu den wesentlichen Ausstattungsstücken von

Kirchen, sind die Scheiben doch Beleuchtung und künstlerische

Darstellung zugleich. Sie ergänzen die Aussagekraft des Kirchengebäudes

mit Themen aus der christlichen Ikonographie. Dabei

sind sie hinsichtlich Form und Montage fast untrennbar mit der

Architektur verbunden. Das wird heute angesichts der Schließung

vieler Kirchen zunehmend zu einem Problem. Bei gravierenden

Umnutzungen oder gar Abbrüchen von Gotteshäusern ist die

Bergung der Fenster oftmals wünschenswert, doch scheitert dies

häufig an den technischen Voraussetzungen. Allerdings besteht

solche Gefahr für berühmte Bauten wie den Marienwallfahrtsdom in

absehbarer Zeit nicht.

Godehard Hoffmann

Foto: Holger Klaes


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4. Advent 1. und 2. Weihnachtstag

DEZEMBER

KW 51

KW 52

2014


Bruder-Klaus-Kapelle in Wachendorf bei Mechernich

Seit 2007 hat die Eifel einen neuen Wallfahrtsort: Es ist die auf einem

Wiesenhang errichtete Kapelle, die dem Nationalheiligen der Schweiz,

St. Nikolaus von der Flüe, geweiht ist. Dieser „Bruder Klaus“ lebte von

1417 bis 1487 als Bauer, Einsiedler, Mystiker und Friedensstifter in den

Schweizer Bergen; in Deutschland gilt er als Patron der katholischen

Landjugendbewegung. Dort hatte ihn der Landwirt Hermann-Josef

Scheidtweiler aus Wachendorf kennen und verehren gelernt, und ihm

wollte er gemeinsam mit seiner Frau Trudel in den 1990er Jahren auf

eigenem Grund und Boden eine Feldkapelle „zum Lobe Gottes und

der Erde“ und „aus Dankbarkeit für ein gutes Leben“ widmen. Über

die Presse erfuhr er 1998, dass soeben der Schweizer Architekt Peter

Zumthor in Köln den Wettbewerb für den Neubau des Diözesanmuseums

Kolumba gewonnen hatte. Er nahm Kontakt auf zu dem

als schwierig und arrogant geltenden Stararchitekten, und das erste

Wunder geschah: Zumthor kam bei Gelegenheit eines Köln-Besuchs in

die Eifel und erklärte sich nach gegenseitigem „Beschnuppern“ bereit,

den Auftrag anzunehmen. Bruder Klaus sei der Lieblingsheilige seiner

(Zumthors) Mutter gewesen, und so wolle er hier auf sein Honorar

verzichten.

Die durch die Verspannung der Schalbretter entstandenen Öffnungen

im Betonmantel wurden durch mehr als 300 Glaspfropfen verschlossen,

die funkelnde Lichter in das trichterförmige Innere der Kapelle senden.

Es gibt keinen Altar, nur eine Sitzbank, einen Kerzenständer, den Bronzekopf

des hl. Nikolaus von Flüe, geschaffen von Hans Josephsohn,

sowie das radförmige Meditationszeichen aus Messing, wie es der

Heilige schon in seiner mittelalterlichen Zelle verehrt hatte.

Ulrich Krings

Foto: Jürgen Gregori

Das zweite Wunder: Die außen als turmartiges, fünfeckiges Prisma

wirkende, im Innern sich höhlenartig über gerundetem Grundriss

erhebende, zeltförmig zuspitzende Kapelle wurde in nahezu

archaischer Bauweise errichtet und wirkt trotzdem modern. Zumthor

ließ über einer Fundamentplatte aus Beton 112 schlanke Baumstämme

aufrichten, die mit Stampfbeton aus Flusskies, gelbem Sand

und Zement umgeben wurden. Eine „Stampfmannschaft“ aus

Freunden und Bekannten des Bauherrn schichtete diese Massen in

23 Lagen von je 50 cm Höhe auf. Durch Schalbretter wurde die

prismatische Außen-gestalt geformt. Die Baumpyramide im Innern

wurde drei Wochen lang einem Köhlerfeuer ausgesetzt, die verkohlten

Stämme nach Erkalten durch die Öffnung in der Decke herausgezogen:

Somit entstand der einer Jurte ähnelnde Innenraum mit den Spuren

des ihn formenden Materials und der sich niemals schließenden

Himmelsöffnung. Der Brandgeruch war noch lange wahrzunehmen.


Mo Di Mi Do Fr Sa So Mo Di Mi Do Fr Sa So

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Neujahr

Hl Drei Könige

KW 1

KW 2

DEZEMBER/Januar

2014/15


Kaub

Wie ein Bollwerk im Rhein liegt gegenüber von Kaub der Pfalzgrafenstein

auf der Insel Falkenau. Immer wieder zog dieses Bauwerk

Reisende in seinen Bann. Ungezählte Zeichnungen und Stahlstiche

geben die Eindrücke begeisterter Zeichner und Maler wieder. Schon

Matthäus Merian hatte um 1646 den Pfalzgrafenstein in seinem

Stichwerk dargestellt.

König Ludwig der Bayer ließ ab 1326 im Rhein mit den Bau eines

mächtigen, fünfeckigen Turmes als Zollstation errichten. Hier war der

Fluss durch Felsen verengt und nur auf der Kauber Seite zu befahren.

Er konnte somit leicht gesperrt werden. Die flussaufwärts gerichtete

Spitze des Turmes sollte gleichzeitig als Eisbrecher dienen. 1338–1342

wurde der Turm mit einer 12 Meter hohen Ringmauer umgeben. Weit

kragen ihre Bastionen über das Wasser aus. Die lebendige Turmlandschaft

fand mit dem Aufsetzen der barocken Haubendächer nach

einem Brand von 1734 nach Plänen des kurpfälzischen Hofbaumeisters

Franz Wilhelm Rabaliatti ihre heutige Form.

Mit der Geschichte des Pfalzgrafensteins sind die Geschicke der

kleinen Stadt Kaub aufs engste verbunden. Seit 1355 sind im Ort die

Gruben für Dachschiefer, die den Wohlstand der Bürger begründeten,

bezeugt. Kaub war auch der Wohnort der Rheinlotsen, deren Aufgabe

es war, Schiffe sicher auf ihrem Weg zwischen Bingen und Kaub zu

leiten. Denn Stromschnellen, Strudel und die Felsen des „Binger Loches“

stellten äußerste Gefahrenpunkte für die Schifffahrt dar. Die Stadt

erstreckt sich entlang des Rheins und in das Blüchertal hinein.

Eine mittelalterliche Mauer, die sich in weiten Teilen erhalten hat,

umgibt sie noch heute. Im barocken „Hotel zur Stadt Mannheim“

übernachtete der preußische Marschall Fürst Blücher, ehe er in der

Neujahrsnacht zwischen 1813 und 1814 mit einer 83 Mann starken

Truppe und 312 Geschützen den Rhein überquerte. Der Verlauf der

napoleonischen Freiheitskriege nahm hierdurch eine entscheidende

Wendung. Im Hause befindet sich heute das Blüchermuseum, das,

mit Gespür und Detailkenntnis liebevoll geführt, die Erinnerung an

jene Zeit wach hält. Die wertvollen Ledertapeten in den beiden Haupträumen

stammen noch aus der Zeit des Gasthauses.

Paul-Georg Custodis

Foto: Holger Klaes


Gemeinsam

an einem

Strang ziehen.

Über uns

Das Rheinland weist eine außergewöhnliche

Vielfalt und eine Dichte an bedeutenden

Denkmälern, archäologischen

Stätten, Kultur- und Naturlandschaften

auf. Für einen optimalen Schutz und eine

angemessene Pflege innerhalb unseres

großen, länderübergreifenden Vereinsgebiets

sind wir in 13 Regionalverbände

unterteilt und können so gezielt vor Ort

eingreifen und mitwirken. Dies hat sich

beispielsweise bei der Unterschutzstellung

des Mittelrheintals zwischen

Mainz und Koblenz durch die UNESCO

bewährt, die wir maßgeblich vorbereitet

haben.

Jeder kann dazu beitragen, unser

Umfeld positiv zu verändern. Denkmäler

und Landschaften haben in unserer

heutigen kurzlebigen Zeit einen hohen

Wert. Sie erinnern uns an unsere Geschichte

und unsere Vorfahren, und sie

tragen dazu bei, dass wir uns an dem

Ort, an dem wir leben, wohlfühlen.

Historische Gebäude, Kunstwerke und

Stadtplätze sind ebenso wie Parks und

Gartenanlagen meist in ein städtisches

oder landschaftliches Gesamtbild eingebettet,

das uns als Orientierung dient,

Sicherheit und ein Gefühl von Heimat

vermittelt. Doch Stadt- und Landschaftsräume

wachsen ständig und verändern

sich. Wir können diesen Wandel nicht

aufhalten, aber wir können ihn sinnvoll

mitgestalten.

Aktiv werden

Seit mehr als 100 Jahren machen wir

uns im Rheinischen Verein erfolgreich

dafür stark, auf die Besonderheiten von

Denkmälern und Landschaften als unser

aller Erbe aufmerksam zu machen, verantwortungsvoll

und achtsam mit ihnen

umzugehen, sie zu bewahren und zu

pflegen, so dass auch unseren Kindern

und nachfolgenden Generationen

kulturelle Wurzeln erhalten bleiben.

Wir erarbeiten Handlungskonzepte bei

der Stadtentwicklung und geben

Stellungnahmen zu Bauvorhaben und

Flächennutzungsplänen ab, wie z.B.

zum Braunkohletagebau, zum Ausbau

von Bundesfernstraßen, zur Zersiedelung

der Landschaft durch Freizeitparks oder

zur ICE-Trassenführung durch das

Siebengebirge. Dafür suchen wir

Gespräche mit Verantwortlichen und

Behörden, machen Vorschläge zu alternativen

Maßnahmen und bemühen uns

um die Aufklärung der Öffentlichkeit.

„Der Welterbeschutz für

den Mittelrhein ist ein

grandioser Erfolg. Daran

mitgewirkt zu haben,

macht mich sehr stolz!“

Helma Schlicht

„Unsere vielfältige

Kulturlandschaft muss

erhalten und weiterhin

gefördert werden!“

Horst Melcher

Machen Sie mit

Es lohnt sich. Wir bieten Ihnen:

• Austausch zu Themen der Denkmalpflege,

Kulturlandschaft,

Landschaftsschutz u.a. mit anderen

engagierten Mitgliedern

• regelmäßige Information über

Themen der geschichtlichen

Landeskunde, der Kulturlandschaft,

der Archäologie sowie der

Kunst- und Kirchengeschichte

• Teilnahme und aktive Mitarbeit an

Projekten

• mehrere Hefte der Schriftenreihe

„Rheinische Kunststätten“

bzw. „Rheinische Landschaften“

• vier Ausgaben unserer

Vereinszeitschrift „Rheinische

Heimatpflege“ mit Beiträgen zu

kulturgeschichtlichen und

naturkundlichen Themen

• umfangreiches Exkursions- und

Vortragsprogramm im gesamten

Vereinsgebiet

• eine zweitägige Jahresversammlung

an wechselnden Orten des

Rheinlandes mit umfangreichen

Besichtigungsprogrammen und

Studienfahrten

• wissenschaftliche Symposien und

Fachtagungen zu relevanten

Themen aus allen Bereichen der

Denkmalpflege und des Landschaftsschutzes

Dabei sein

IHRE DATEN

Hiermit erkläre ich meinen Beitritt zum Rheinischen Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz e. V.

Name, Vorname

Straße PLZ, Ort

Fax

Telefon

Unterschrift, Datum

E-Mail

Beruf

EINZUGSERMÄCHTIGUNG Hiermit ermächtige ich Sie widerruflich, den von mir zu entrichtenden

und umseitig angekreuzten Beitrag zu Lasten meines Kontos mittels Lastschrift einzuziehen.

Unterschrift, Datum

Bank

BLZ Konto-Nr.

IBAN


Bitte geben Sie umseitig Ihre Daten an.

RHEINLAND 2014

Denkmal Landschaft Natur

Herausgeber und Verlag:

Rheinischer Verein

für Denkmalpflege und Landschaftsschutz e.V.

Ottoplatz 2

50679 Köln

Tel.: (0221) 8 09 28 04

Fax: (0221) 8 09 21 41

www.rheinischer-verein.de

43. Jahrgang, Erscheinungsjahr 2013, ISBN 978-3-86526-093-2

Redaktion:

Dr. Karl Peter Wiemer, Lilian Schmieder

Beitrittserklärung: Ja, ich mache mit!

Ich bitte um die Aufnahme in den Rheinischen Verein für

Denkmalpflege und Landschaftsschutz e. V. als

ordentliches Einzelmitglied zu einem

Jahresbeitrag von 40,- €* bzw. ______ €

Auszubildender, Schüler und Student

(gegen Vorlage einer Ausbildungsbescheinigung)

zu einem Jahresbeitrag von 15,- €

Familie mit 40,- €* für das 1. Familienmitglied

und 10,- € für jedes weitere Mitglied

Stifter (Einzelmitglied) zu einem Jahresbeitrag

ab 40,- €* und einer einmaligen Spende ab 500,- €

Förderer (Einzelmitglied) zu einem Jahresbeitrag

ab 40,- €* und einer Spende von mindestens

50,- € jährlich oder mindestens 250,- € einmalig

Koorporatives Mitglied (Firmen, Vereine, Behörden)

zu einem Jahresbeitrag von 60,- € bzw. _____ €

* Gültig ab 1.1.2014

Bildvorlagen:

Karsten Enderlein, Dr. Stefan Frankewitz, Ulla Anne Giesen,

Horst Goebel, Jürgen Gregori, Reinhard Hagen, Peter Hinschläger,

Holger Klaes, Wolfgang Wegener M.A., Eusebius Wirdeier DGPh.

Textautoren:

Dr. Paul-Georg Custodis, Dr. Holger A. Dux, Dr. Stefan Frankewitz,

Dr. Godehard Hoffmann, Dr. Susanne Kern, Dr. Erhard Knauer,

Prof. Dr. Gisbert Knopp, Dr. Bruno P. Kremer, Dr. Ulrich Krings,

Dipl.-Ing. Reinhard Lutum, Carola Notter,

Dr. Gabriele Oepen-Domschky, PD Dr. Thomas Schleper,

Enno Stahl, Anne Stollenwerk, Eva Struckmeier, Dr. Veit Veltzke,

Wolfgang Wegener M.A., Dr. Karl Peter Wiemer

Entwurf: 2Vision Werbeagentur, Solingen

Layout und Gesamtherstellung: 2Vision Werbeagentur, Solingen

Gedruckt auf chlorfrei gebleichtem Papier.

Antwort

Rheinischer Verein für Denkmalpflege

und Landschaftsschutz e. V.

Ottoplatz 2

50679 Köln

Der Herausgeber dankt allen Bild- und Textautoren für die

freundliche Unterstützung.


Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz · Ottoplatz 2 · 50679 Köln

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