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SPRACHROHR 1/2014

Zeitung des ver.di-Landesfachbereichs Medien, Kunst und Industrie Berlin-Brandenburg.

SPRACHROHR

SPRACHROHR mitgliederzeitung des fachbereiches Medien, 24. jahrgang nr. 1 Kunst und Industrie berlin-brandenburg März 2014 Inhalt Seite 3 Bühnenservice-Azubis in der Mediengalerie: Ein Nashorn und andere Hingucker Seite 6 Das Fell des Bären wird verteilt: Beteiligung an Kinoerlösen Mittelseiten Die im Dunkeln sieht man nicht. Armutsjob Zeitungszusteller Seite 12 Zitterpartie: Die Kultur GmbH MOL wird liquidiert Streikwelle: Auch 80 Beschäftigte der Früh- und Tagesschicht standen am 21. Februar vorm Tor der Axel-Springer Druckerei in Berlin Spandau. »Fünf Prozent!« signalisieren ihre ausgestreckten Hände. Fotos: Chr. v. Polentz / transitfoto.de Wir haben mehr als Miniangebote verdient! Kein tarifliches Minusgeschäft mit den Druckereibeschäftigten Bundesweite Streikwelle in der Druckindustrie, in Verlagen und Zeitungsredaktionen: Ein starkes und wahrnehmbares Sig nal für spürbare Lohnerhöhungen und bessere Arbeitsbedingungen setzten auch die Berliner Drucker der Axel-Springer- Druckerei in Spandau. Die rund 80 Beschäftigten der Früh- und Tagesschicht versammelten sich am 21. Februar vor dem Werktor und machten, wie Kolleginnen und Kollegen in Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Niedersachsen und Nordrhein Westfalen, klar: »Ein tarifliches Minusgeschäft wird es mit uns nicht geben. Wir sind mehr wert!« Im Spandauer Druckhaus werden u.a. Bild, Welt, BZ und Tagesspiegel gedruckt – an diesem Tag »mit erheblichen Einschränkungen«, wie Andreas Köhn, ver.di-Fachbereichsleiter Medien, konstatierte. Bis dato waren Tarifverhandlungen – die für die Druckindustrie am 12. März und am 20. März fortgesetzt werden – ergebnislos verlaufen. »Die Arbeitgeber haben für die Beschäftigten der Verlage und in der Druckindustrie nur unzureichende Angebote vorgelegt, die aus ver.di-Sicht nach Jahren des Reallohnverlusts und Zugeständnissen bei den Arbeitsbedingungen inakzeptabel sind«, kommentierte Andreas Köhn. Der Druck- Arbeitgeberverband bvdm hatte lediglich eine Einmalzahlung von 400 Euro für 2014 und magere 1,8 Prozent für 2015 angeboten. Die ver.di- Tarifkommission für die Druckindustrie hatte dagegen im November vergangenen Jahres bereits eine Forderung von 5,5 Prozent beschlossen. Mit den Warnstreiks und den begleitenden Protestaktionen machten die Beschäftigten deutlich, dass sie mehr verdient haben als das Mini- Angebot des bvdm. »Sie wollen sich nicht weiter von der allgemeinen Lohn entwicklung in Deutschland abkoppeln lassen. Denn Preise für Lebens mittel, Wohnen und Verkehr steigen beständig an, während Einkommen in der Druckindustrie deutlich hinterherhinken«, erklärte Köhn. »Damit muss unverzüglich Schluss sein!« Stark-Beschäftigte in der Hängepartie Draußen vor der Tür in Berlin- Spandau standen am ersten und am dritten März auch 119 Leihbeschäftigte der Firma Stark Holding GmbH. Seite 14 Der Herr der Bücherschätze Sie sorgten bislang im Druckhaus mit dafür, dass hier Qualität produziert wird. Nach 21 Jahren Zusammenarbeit mit dem in Bremen ansässigen Leiharbeiterunternehmen – und nach erfolgreichen Aktionen der Berliner Stark-Beschäftigten für einen Tarifvertrag mit 8,50 Euro Stundenlohn – hatte die Springer AG den Vertrag gekündigt (Sprachrohr berichtete). Dem neuen – billigeren – Werkvertragsnehmer TABEL haben die Springer-Leihbeschäftigten ihre Arbeitskraft angeboten. Ihnen wurde der Zugang zur Druckerei verweigert. Weder gab es Gespräche mit einem TABEL- noch einem Druckhaus-Vertreter. ver.di und auch die Stark Holding wollen, dass ein Wechsel zu TABEL als Betriebsübergang nach § 613 BGB vonstatten geht, was Tabel bislang ablehnte. Der neue Vertragspartner wurde zu Verhandlungen über einen Sozial- und Überleitungstarifvertrag und geregelte Mindestarbeitsbedingungen aufgefordert. Noch, so heißt es von ver.di-Seite, seien ein geregelter Betriebsübergang und die Konditionen unklar. BEttina Erdmann