Artikel aus KITE&friends - Dietrich

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Artikel aus KITE&friends - Dietrich

_Events / Vietnamreise

Vung Tau Kitefestival

Eindrücke aus Vietnam

Text und Fotos:

Ralf Dietrich

Vietnam – so fern und doch so nah. Wer kennt ihn nicht, den stets freundlich lächelnden Vietnamesen

um die Ecke mit seinen lecker duftenden Köstlichkeiten im offenen Wok. Diese emsig umhereilenden

Menschen, immer darauf bedacht, ihr Tagwerk zu erledigen. Und dann das Land Vietnam – für die

einen ein Fleck auf der Landkarte, für andere ein Ausflug in die jüngste Geschichte. Aber Vietnam ist

mehr. Vietnam ist auch ein Land der Drachen und somit auch ein Land für Drachenfeste. KITE & friends

war vor Ort, als im April das größte Drachenfest des Landes stattfand.

Vietnam also, dieses Land mit bewegter Vergangenheit.

Vor 14 Stunden hat unser Jet Frankfurt und

wir haben unsere gewohnte Umgebung verlassen.

Jetzt liegt das Ziel unserer Reise zum Greifen nahe.

Aus dem Fenster des Flugzeugs sind Reisfelder zu

erkennen, fein säuberlich aufgeteilt in einzelne

Quadrate. Dazwischen Bewässerungsgräben und hier

und da eine unbefestigte Straße. Der Pilot mahnt

zum Anschnallen, Klappen und Fahrwerk werden

ausgefahren. Wir befinden uns im Anflug auf Ho Shi

Minh City, der Stadt, die besser bekannt ist unter

ihrem früheren Namen: Saigon. Was mag uns hier

erwarten? Während der Jet immer tiefer sinkt,

schießen mir unweigerlich Bilder aus dem Fernsehen

durch den Kopf: Der Polizeichef von Saigon, der an

einem gefangenen Vietkong Selbstjustiz übt; Helikopter,

die über der Stadt kreisen; die amerikanische

Botschaft, auf dessen Dach die letzten Ausländer

stehen, um ausgeflogen zu werden, während in

den Straßen bereits die Nordvietnamesen feiern.

Mit einem Ruck setzt der Jet auf, mit einem Schlag

verschwinden die 30 Jahre alten Bilder aus dem

Gedächtnis. Neugierig klebt meine Nase am kleinen

Fenster, während das Terminalgebäude von Ho Shi

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_Events / Vietnamreise

Die Mitglieder des Drachenclubs

von Saigon bauten diesen

4 auf 2 Meter großen Jet

in Gemeinschaftsarbeit

Minh International auftaucht. Das Flugzeug rollt auf

seiner Parkposition aus, die Kabinentüren gehen auf.

Einreise

Eine Woche Vietnam liegt vor mir, eine Woche Drachenfliegen,

aber auch eine Woche Abenteuer.

Zuvor jedoch gilt es, die Einreiseformalitäten zu

überstehen. Die Schlange vor dem Einreiseschalter

ist lang und bewegt sich nur schleppend langsam

voran. Eine Klimaanlage scheint es in diesem

Gebäude nicht zu geben und so stehe ich abends

um 8 Uhr bei knapp 30 Grad und einer Luftfeuchtigkeit

jenseits von Gut und Böse ungeduldig in

der Reihe der Wartenden. Als ich dann endlich zur

Bei Flut war der Platz zum Drachenfliegen

verschwindend klein; hier kämpft das

Team aus Kuwait mit den Naturgewalten

Kabine des Bediensteten vorgedrungen bin, begutachtet

dieser abwechselnd mein Visum und mich,

ganz so, als ob ich versucht hätte, das amtliche

Dokument auf dem heimischen Drucker herzustellen.

Willkommen im real existierenden Kommunismus!

Nach nicht enden wollenden weiteren Minuten

drückt der Bedienstete mit regungsloser Miene

den erhofften Stempel in meinen Pass und fordert

mich mit einer wegwischenden Handbewegung auf,

mich zu entfernen. Dieser Aufforderung komme

ich gerne nach, sammele mein Drachengepäck auf

und verlasse erwartungsvoll die Ankunftshalle. Vor

dem Flughafen werde ich von zwei Abgesandten

des Organisationskomitees herzlich begrüßt, das

Gepäck wird in einen Kleinbus verladen und die

Fahrt geht weiter zum eigentlichen Ziel meiner

Reise – nach Vung Tau. Letzteres ist eine Hafenstadt,

etwa 130 Kilometer südlich von Saigon auf

einer Halbinsel im Mekongdelta gelegen, und diente

über viele Jahre hinweg den wechselnden Herren

des Landes als wichtiger Umschlagplatz für

Waren aller Art. Am Autofenster zieht das Stadtbild

von Saigon vorüber. Auffällig, wie sauber es

überall ist. An fast jeder Straßenecke steht ein

Vietnamese mit einem Karren, den für das Land so

typischen, runden Strohhut tief in das mit einer

Staubmaske bedeckte Gesicht gezogen, und fegt

mit einem Besen die Straße. Und noch etwas ist

auffällig: Im Gegensatz zu China, dem großen

Nachbarn im Norden, gibt es hier noch die

ursprüngliche Bebauung. Die alten Stadthäuser

dürfen an ihrem angestammten Platz stehen bleiben

und werden sogar renoviert. Glitzernde Glaspaläste

wie nördlich der Grenze sucht man hier

vergebens. Ebenfalls ist die Motorisierung der

Bevölkerung noch nicht so weit fortgeschritten.

Autos und Busse sind im Stadtbild zwar zu sehen,

das angesagte Fortbewegungsmittel der Vietnamesen

ist jedoch das Motorrad. Und mit diesem fahren

sie recht gekonnt. Jede noch so kleine Lücke

wird ausgenutzt, Verkehrszeichen werden bestenfalls

wohlwollend zur Kenntnis genommen, in der

Regel jedoch einfach ignoriert. Nach zweieinhalb

Stunden erreichen wir glücklich und müde das

Hotel, welches für die nächste Woche unser

Domizil sein soll.

Downtown

Der nächste Tag ist frei und so steht einem Stadtbummel

in der City von Vung Tau nichts im Wege.

Den Taxifahrer bitte ich, mich „Downtown“ abzusetzen

und lehne mich auf der Rückbank zurück.

Nach kurzer, aber nicht minder intensiver Fahrt

erreichen wir das Zentrum von Vung Tau. Hm, so

richtig „downtown“ sieht es hier eigentlich nicht

Den klassischen, vietnamesischen

Drachen ziert ein Konstrukt aus

bis zu zehn Einzelflöten

aus, eher wie in einem Vorortzentrum. Nein, sagt

der Taxifahrer, das sei der Mittelpunkt der Stadt,

und drückt mir mit einem Lächeln seinen Stadtplan

in die Hand. Den könne ich gerne behalten

und wohl auch gut gebrauchen, meint er, und ich

kann deutlich in seinen Augen lesen, dass er den

fernen Gast aus Europa für ein wenig seltsam hält.

Ein kurzes Hupen, der freundliche Taxifahrer löst

sich in einer Staubwolke auf und ich gehe mit meinem

neuen Stadtplan auf Erkundungstour. Richtig,

dies hier ist in der Tat „Downtown“, wenngleich es

nicht so recht danach aussieht. Große Häuser oder

Einkaufszentren sucht man vergebens. Vielmehr

gibt es eine Mischbebauung, bestehend aus zweistöckigen

Wohnhäusern mit Ladengeschäften im

Da am Strand kein Platz war,

wurden die Bodenanker kurzerhand

„offshore“ versenkt. Im Bild

KITE & friends-Autor Bernhard

Dingwerth und Andreas Fischbacher

mit einem vietnamesischen Helfer

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_Events / Vietnamreise

Erdgeschoss. Und, wie in China auch, haben sich

verschiedene Geschäfte in einzelnen Bezirken

gesammelt. So gibt es in einem Straßenzug nur

Eisenwaren zu kaufen, während es in der nächsten

Straße von Stoffen nur so wimmelt.

Es ist mir zu einer lieben Gewohnheit geworden, in

einem fremden Land zunächst einmal den heimischen

Markt zu besuchen. Denn hier ist es, wo sich

das wahre Leben abspielt. Vung Tau macht dabei

keine Ausnahme und das Eintauchen in den Markt

der Stadt ist wie das Abtauchen in eine ganz andere

Welt. Auf einem überdachten Areal von 100 auf 200

Meter Größe stehen eng aneinandergedrängt hunderte

von Verkaufsbuden. In den engen Gässchen

zwischen den einzelnen Buden drängeln sich die

Käufer, ihre frisch erworbenen Habseligkeiten teils

über den Köpfen der anderen jonglierend, während

die Händler mehr oder minder lautstark ihre Waren

feilbieten. Und angeboten wird auf diesem Markt

alles: von Plastikblumen über Kleidung und Koffer

bis hin zu Gewürzen und Fleischwaren. Während ich

die Stände mit den Gewürzen richtig genießen

kann, hier und da auch die angebotene Probe dankend

entgegennehme, wird mein Aufenthalt in der

Fleischwarenabteilung deutlich abgekürzt. Ungekühltes

Fleisch und Geflügel inmitten von Fliegenschwärmen,

bei 35 Grad im Schatten, lässt ernste

Zweifel an der vietnamesischen Küche aufkommen

und verursacht erstes Grummeln in der Magengegend.

Die Zeit zum Verlassen des Markts ist somit

gekommen und dankbar schnappe ich vor den

Türen der Markthallen nach frischer Luft.

Um kein falsches Bild von der vietnamesischen Küche

aufkommen zu lassen: Auch wenn die Art und Weise

der Darbietung heimischer Fleischwaren vielleicht

nicht ganz den Vorstellungen eines Mitteleuropäers

entspricht, das Essen in Vietnam ist hervorragend,

mitunter ordentlich gewürzt und alleine die kulinarische

Vielfalt ist eine Reise nach Vietnam wert.

Motorisierung

Vor der Markthalle vertiefe ich mich wieder in

meinen Stadtplan, als mir ein Vietnamese auf die

Schulter klopft. Ohne es zu merken, habe ich mich

just vor seinen Verkaufsstand platziert und wie

sich herausstellt, vermietet er Motorräder. 100.000,–

Dong, umgerechnet also 4,– Euro, kostet ein solches

Gefährt. Ich versuche, ihm klar zu machen, dass ich

nur einen Führerschein der Klasse 3 habe und somit

kein Motorrad fahren darf. Der Vietnamese versteht

nicht so ganz den Zusammenhang zwischen meinem

Führerschein und seinem Motorrad und interpretiert

mein Zögern als Start für das Feilschen. 90.000,– Dong

soll jetzt das Motorrad kosten und mit Schweiß auf

der Stirn versuche ich, dem netten Herrn das Fehlen

Mehr Infos

Weitere Bilder der Vietnamreise

finden sich auf der Homepage des

Autors unter:

www.dietrich.dk

Klassische, vietnamesische Dièu-

Vang-Drachen werden mittlerweile

auch mit modernen Materialien gebaut

Mobiler Drachenverkaufsstand

am Strand

gewisser Stempel in meinem Führerschein begreiflich

zu machen. Bei 78.000,– Dong schließlich fragt er

mich rundheraus, was denn an diesem rosafarbenen

Stück Papier, mit dem ich seit geraumer Zeit herumwedele,

so wichtig sei. Hier in Vietnam, so der Händler,

würde eh niemand auf so etwas Wert legen.

Mir dämmert so langsam der Grund für den mitunter

etwas abenteuerlichen Fahrstil mancher Vietnamesen

und freundlich versuche ich dem Herrn zu erklären,

dass es in meiner Vorstellung sehr wohl gewisse uniformierte

Herrschaften gibt, die gesteigertes Interesse

an solchen Nebensächlichkeiten wie dem richtigen

Stempel an der richtigen Stelle eines Führerscheins

haben. Wir kommen überein, dass wir wohl keine

gemeinsame Basis für einen Handel finden werden

und ich setze meinen Streifzug durch Vung Tau per

pedes fort.

Mit Leib und Seele dabei -

Drachenflieger aus Saigon

Werbe- und Tonträger in

einem: Mit Flötentönen wird

auf den Drachen aufmerksam

gemacht, der wiederum für

das Drachenfest wirbt

Marktwirtschaft?

Im Hafen treffe ich auf den Kapitän eines Kutters,

der gerade vom Fang nach Hause kommt. Wir kommen

ins Gespräch und er erzählt mir stolz, dass er

der Eigner des Schiffes sei. Ja, Vietnam hat immer

noch den Kommunismus als Staatsform, aber nein,

das würde nicht Eigentum und freies Unternehmertum

unterbinden. Beides, so der Kapitän, wäre

miteinander zu vereinbaren. Wenngleich der Kapitalismus

im Kommunismus schon wunderliche Blüten

treibt: Das Geld für sein Boot hat sich Herr

Nguyen von dem Herrn leihen müssen, an den er

vertraglich gebunden auch seinen Fang zu verkaufen

hat und der den Preis hierfür bestimmt. Es ist

also noch ein gewisser Weg zur freien Marktwirtschaft,

aber ein erster Schritt ist getan.

Flugfeld

Neben dem Hafen beginnt der Strand und der erinnert

mich an den eigentlichen Zweck meiner Reise

nach Vietnam – das Drachenfest von Vung Tau!

Eine erste Besichtigung des Strands fällt ein wenig

ernüchternd aus. Er ist zwar sehr lang und laut der

vietnamesischen Gastgeber findet man stets auflandigen

Wind vor; aber eine gewisse Breite sucht man

hier vergebens. Bei Ebbe stehen einem zwischen 20

und 30 Meter zur Verfügung, die man zudem mit

Sonnenschirmen und Trinkbuden teilen muss; bei

Flut verschwindet der Strand bis zur Unkenntlichkeit.

Schnell werden dann die Drachentaschen in

Sicherheit gebracht, während man selbst bis zu den

Knien im gelben Meer steht und amüsiert das Treiben

um sich herum betrachtet. Die Anker für die Drachen

hat man sowieso schon „offshore“ versenkt und bei

Temperaturen von 38 Grad kommt eine Abkühlung

im Meer wie gelegen. So gesehen hat der begrenzte

Platz also auch sein Gutes; auf Edos sollte man allerdings

verzichten können.

Showtime

Auf dem Drachenfest selbst waren von westlicher

Seite her die üblichen Verdächtigen mit den allseits

bekannten Drachen anzutreffen. Das Burmadi Kite

Team aus Kuwait zeigte Drachen aus dem Hause

Lynn. Einige hundert Meter weiter war der Meister

aus Neuseeland selbst anzutreffen. Über die Festivaltage

hinweg stellte Peter Lynn seinen Manta und

einen großen, grünen Fisch an den Himmel. Am

letzten Tag hatte Lynn dann ziemlich Pech mit

Letzterem, verarbeitete doch ein schräg fliegender

Lifter das grüne Meerestier in feinsäuberliche Sushi-

Häppchen. Apropos Manta – ein weiterer, wunderschöner

machte im Luftraum über Vietnam auf sich

aufmerksam. Der Bauart nach war es unverkennbar

ein Lynn-Drachen, doch seinen Ursprung hatte dieser

Manta nicht in Neuseeland. Vielmehr entstand der

tolle Drachen in Bayern, unter der Nähmaschine von

Andreas Fischbacher. Dieser hat einige Zeit in Neuseeland

gelebt und dabei die Möglichkeit genutzt, sein

Fachwissen bei Peter Lynn in der Drachenwerkstatt

zu ver feinern. Das Ergebnis ist eine deutsch-neuseelän

dische Zusammenarbeit, denn der passionierte

Gleitschirmflieger Fischbacher überarbeitet und verfeinert

nun die lynnschen Konstruktionen. „Made in

Germany“ fließt so in die Produktion neuseeländischer

Klassiker ein.

Bleiben wir noch ein wenig bei der deutschen

Delegation, die mit zwei Personen nach Vietnam

gekommen war. KITE & friends-Autor Bernhard

Dingwerth war der zweite Drachenflieger im germanischen

Bunde und zeigte in Asien sein Krokodil,

den Clownfisch und diverse Frösche. So groß und

spektakulär auch die westlichen Drachen auf die

vietnamesischen Zuschauer wirkten, so richtig neu

waren sie alle nicht. Wesentlich spannender war da

ein Blick ins Lager der gastgebenden Drachenfreunde.

Drachenszene

Moderne vietnamesische Drachen sind meist Nachbauten

westlicher Modelle, die mit einem gewissen

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_Events / Vietnamreise

Peter Lynn mit seinem

Octopus inmitten der

„Strandidylle“

Vung Tau ist eine sehr saubere

Stadt – Straßenkehrer sieht

man überall im Stadtbild

landestypischen Tupfer versehen werden. So waren

einige Flairs und Conynes am Himmel über Vung Tau;

diese dann aus rotem Spinnaker gefertigt und teils

mit gelben, vietnamesischen Sternen versehen. Aufsehen

erregte ebenfalls ein riesiger, dreidimensionaler

Jagdbomber, der von den Mitgliedern des Saigoner

Drachenvereins gebaut und geflogen wurde. Es war

wunderbar anzuschauen, wie die 20 bis 25 Mitglieder

des Vereins gemeinsam das Ziel verfolgten, diesen

Drachen an den Himmel zu setzen. Später kam ein

Mitglied des Saigoner Vereins zu Bernhard Dingwerth

und mir und brachte seine Freude darüber zum Ausdruck,

von den westlichen Drachenfliegern lernen zu

können – wir schauten uns kurz an und verstanden

uns auch ohne Worte: Wir sind es, die lernen sollten;

die westliche Drachen szene ist es, die sich ein Stückchen

von diesem Teamgeist abschneiden könnte.

Dièu Vang

Sehr interessant waren die klassischen, vietnamesischen

Drachen anzusehen. Wobei „ansehen“ ein

wenig untertrieben ist, schließlich muss man diese

Drachen auch hören, also mit allen Sinnen genießen.

Der Drachen selbst nennt sich „Dièu Vang“, was so

viel wie „goldener Drachen“ bedeutet, und wurde

über den chinesischen Hof von Hue nach Vietnam

importiert. Wann dies genau geschehen ist, liegt leider

im Dunkel der Geschichte verborgen. Überliefert

sind jedoch die Dimensionen des Drachens, der bis zu

einer Spannweite von 300 Zentimeter und einer

Tiefe von 100 Zentimeter gebaut wird. Wesentliches

Merkmal des Dièu Vang sind seine dreidimensionalen,

nach oben gebogenen Flügel, die durch eine Dreipunktwaage

in der richtigen Lage gehalten werden.

Im Zentrum des Flügels wird ein Turm mit Flöten

in stalliert, die von ihrem Aufbau her stark vom

chinesischen Vorbild abweichen. Eine solche Flöte

nennt sich „Cal Sao“ was Vogelgesang bedeutet.

Im Gegensatz zu den chinesischen Flöten, die in

Gruppen senkrecht auf dem Segel befestigt werden,

werden die doppelstimmigen, vietnamesischen

Flöten waagerecht über dem Drachensegel befestigt.

Hierzu wird ein Stab senkrecht im Schwerpunkt des

Drachens montiert, an dem bis zu fünf Flötenpaare

angebracht sind. Letztere stehen quer zum angreifenden

Wind und parallel zur Segeloberfläche. So

simpel all dies auch auf den Betrachter wirken mag,

es steckt eine Menge Know-how in dieser jahrhundertealten

Konstruktion. Zum Beispiel befindet

sich zwischen jedem Flötenpaar eine kleine Kammer,

welche die Resonanzkörper voneinander trennt und

so gewährleistet, dass der Klang seine volle Stärke

erzeugen kann. Zudem sind die Flöten absichtlich ein

wenig verstimmt, sodass ein auf- und abschwellender

Ton erzeugt wird. Der Grund hierfür liegt darin, dass

das menschliche Ohr auf- und abschwingende Töne

besser hören kann als einen gleichmäßigen Ton. Zu

guter Letzt sind alle Flöten so untereinander abgestimmt,

dass Obertöne erzeugt werden, was wiederum

eine Klangverstärkung zur Folge hat. Alles in

allem beinhaltet die Konstruktion der Flöten einige

Merkmale, welche die Töne über eine größere Distanz

schallen lassen. Hightech aus dem Jahre 1700! Da

stellt sich dann nochmals die Frage, wer hier von

wem etwas lernen kann …

n

Der Höhepunkt des Fests:

das Nachtdrachenfliegen

am Samstagabend mit

landesweit übertragener,

anderthalbstündiger

Live-TV-Show

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