Ralf Dietrich - Dietrichs

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Ralf Dietrich - Dietrichs

Workshop

WORKSHOP

Anschließend werden sie zu einem

Farbverlauf zusammengefügt

Text und Fotos:

Ralf Dietrich

Anfang ist es aber auch mit einem einfachen

Lineal und einem Skalpell getan.

Wer dann Gefallen an der Quilttechnik

findet, kann später immer noch über die

Anschaffung der passenden Utensilien

nachdenken. Insbesondere das Rollmesser

und das Quiltlineal sind lohnenswerte

Investitionen. Die Blätter des Messers

sind zwar nicht ganz preiswert, das Werkzeug

erleichtert einem aber in Verbindung

mit dem speziellen Lineal das Leben

ungemein. Auf dem Lineal sind einige

Hilfslinien bereits eingezeichnet, sodass

man beim Arbeiten nicht mehr den Abstand

messen braucht, sondern nur noch

das Lineal an der Hilfslinie anlegen muss.

50 Zentimeter gewählt. Dies bedeutet,

dass die Streifen, die man zuschneidet,

schon einmal eine Breite von 50 Zentimeter

zuzüglich Saumzugabe aufweisen für

jedes einzelne lotrechte Paneel, das später

wiederum die Saumzugabe abgezogen

wird. Ergo: Jedes einzelne Farbpaneel

weist bei unserem Drachen das Format

55 x 6 Zentimeter auf. Bei neun Farben,

die uns zur Verfügung stehen, bedeutet

Drei Verläufe werden zu einem großen

Verlauf zusammengefügt

Drachen in Bargello-Technik

Nach der positiven Resonanz auf unseren Quilt-Bauplan in der vorletzten KITE & friends, bei dem wir Ihnen die Bauweise eines

Hata-Drachens in ganz spezieller Designtechnik nahe gebracht haben, wollen wir an dieser Stelle noch einmal einen draufsetzen.

Wir möchten noch tiefer in die Quilttechnik einsteigen und zeigen, wie man mit einfachen Mitteln zu sagenhaften

Drachensegeln kommen kann.

Die Rede ist hierbei von der so genannten

Bargello-Technik, einer Methode, mit deren

Hilfe wahrlich atemberaubende Muster mit

minimalem Zeitaufwand auf einem Segel

zu verwirklichen sind. Schauen wir uns

einfach einmal den Drachen auf diesen

Seiten an. Sein Segel verfügt über insgesamt

297 einzelne Segmente, wenn wir die

schwarze Umrandung noch mitrechnen gar

301 Segmente. Beim Anblick kommt man

Immer gut zu gebrauchen:

Schneideunterlage, Quiltlineal

und Rollmesser

rasch darauf, dass es schon an Strafarbeit

grenzt, wenn solch ein Segel aus einzelnen

Segmenten hergestellt würde. Zum

Glück hilft uns hier die Bargello-Technik

weiter. Mit ihrer Hilfe lässt sich ein

Drachen, wie auf diesen Seiten gezeigt, an

einem Wochenende mühelos und stressfrei

fertigen. Unglaublich? Bitte weiterlesen ...

Design statt Plan

Noch zwei Dinge vorweg: zum einen ist dies

eine Anleitung zur Bargello-Technik. Das

heißt, wir wollen zeigen, wie Segel mit Hilfe

dieser Technik gestaltet und hergestellt

werden können. Also bitte keinen fein ausgeschliffenen

Bauplan für einen bestimmten

Drachentyp erwarten! Hier geht es um

das Design, nicht um den Drachen. Zum

anderen liegt es an Ihnen, wie Sie den Drachen

bauen wollen. Bargello lässt sich ohne

Probleme auf Spinnaker anwenden und mit

der Nähmaschine verarbeiten. Andererseits

sind aber auch Drachen aus natürlichen

Materialien eine feine Sache. So wurde der

Drachen, den Sie auf diesen Seiten sehen

können, aus Papier und Bambus hergestellt.

Anfangs werden die einzelnen

Farbpaneele in Streifen geschnitten

Ausrüstung

Nun aber genug der Worte und ab zur

eigentlichen Technik. Benötigt werden

eine feste und stabile Schneideunterlage,

gerne recht groß, sowie ein Lineal und ein

Schneidmesser. Alle diese Gegenstände

finden sich in speziellen Nähläden, die

Waren für das Quilten anbieten. Am

Farben

Zunächst werden die passenden Farben für

den Drachen ausgewählt. In unserem Fall

haben wir insgesamt neun Farben ausgesucht,

die ein schönes Spektrum bilden

und zudem miteinander bündig sind. Miteinander

bündig bedeutet, dass das Ende

des Spektrums, hier Dunkelblau, mit dem

Anfang des Spektrums, hier Bordeauxrot,

übereinstimmt und ein Farbverlauf wie aus

einem Guss entsteht. Warum dies unter

Umständen wichtig sein kann, wird später

noch deutlich.

Maße

Nachdem die Farben ausgewählt sind,

beginnt der Zuschnitt. Doch zunächst

muss noch ein wenig gedankliche Vorarbeit

geleistet werden. Wie breit und wie

hoch soll der Drachen am Ende sein? In

unserem Fall haben wir eine Breite von

das Segel haben wird. In unserem Fall hat

das fertige Segel insgesamt elf lotrechte

Paneele. Da unser Drachen aus Papier gefertigt

ist und somit nicht genäht, sondern

verklebt wurde, rechnen wir mit einer Saumzugabe

pro Seite von 3 Millimeter. Eine

Breite des fertigen Segels von 50 Zentimeter

vorausgesetzt, ergibt sich somit eine

Breite des zu schneidenden Segments von

(50 + 0,3) x 2 x 11 = 56,6 Zentimeter. Da

die Einhaltung der genauen Breite bei dieser

Art von Drachen nicht so sehr ins

Gewicht fällt, nehmen wir kurzerhand eine

Breite von 55 Zentimeter an.

Von der Höhe her haben wir uns einen

Drachen mit ungefähr 150 Zentimeter vorgestellt.

Dies würde in etwa einer

Segmenttiefe von 6 Zentimeter bei 27

Segmenten insgesamt entsprechen, wenn

Dieser wird am Anfang und Ende verbunden,

sodass eine Tube entsteht

dies, dass wir von jeder Farbe drei Quadrate

mit dem oben angeführten Maß benötigen.

Diese 27 Quadrate werden nun ausgeschnitten.

Im nächsten Arbeitsschritt wird

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jeweils ein Quadrat einer Farbe genommen

und mit den anderen in die gewünschte

Reihenfolge gebracht. In unserem Fall war

dies das Spektrum des Regenbogens. Nun

diese neun Segmente zu einem ersten

Segel zusammenfügen. Nach dem gleichen

Prinzip wird mit den restlichen 18 Segmenten

verfahren. Am Ende sollte man drei

Segel mit gleichartigem Farbverlauf erhalten.

Nun diese drei einzelnen Segel zu

einem großen Segel zusammenfügen. Das

so entstandene Segel zeigt zum ersten Mal

die Abmessungen des späteren Drachens

auf. Ferner ist ersichtlich, warum eingangs

darauf Wert gelegt wurde, dass der

Farbverlauf stimmig ist, denn obwohl drei

einzelne Segel zusammengefügt worden

sind, wirken sie dennoch wie aus einem

Guss. Dieser Grundsatz ist auch bei unserem

nächsten Arbeitsschritt von Vorteil,

denn nun wird der Kreis geschlossen. Also

das erste Paneel des Segels, in unserem

Fall ein dunkelblaues Paneel, an das letzte

Paneel des Segels, hier ein bordeauxrotes

Segment, anfügen. Dabei unbedingt auf

die richtige Seite der Naht achten, sofern

das Segel genäht wird.

Tube nun so falten, dass Sie

einen Streifen erhalten, der

mit Ihrer Anfangsfarbe beginnt.

Nun die Tube in gleichmäßige

Streifen schneiden,

wobei die Breite dieser Streifen

infolge der eigenen

Je nach Designart wird die Tube nun unterschiedlich

breit in Ringe geschnitten

Die Tube wird flach gefaltet und

auf die Schneidunterlage gelegt

Wünsche bei der Breite der lotrechten

Segmente variieren

kann. In unserem Fall bekommen

wir aus unserer Ausgangstube

elf Ringe unterschiedlicher

Breite. Der besseren Übersicht

halber empfiehlt es sich, diese

Ringe schon einmal auf dem

Tisch zu sortieren, sodass man

einen Überblick darüber

erhält, welche Farbe am Ende an welcher

Stelle liegen wird.

Zusammenbau

Setzen wir nun den Drachen zusammen.

Dazu den Ring zur Hand nehmen, der später

links außen am Drachen sitzen soll,

und diesen am Anfang der Farbe aufschneiden

beziehungsweise auftrennen,

die später links oben den Anfang bilden

soll. Bei unserem Drachen war dies das

dunkelrote Segment, das heißt, wir haben

zwischen dunkelrotem und dunkelblauem

Segment die Trennung durchgeführt. Nun

den Ring auseinander falten und man

erhält den Streifen, der später am Drachen

ganz links sitzen wird. Danach den nächsten

Ring zur Hand nehmen. Wir bearbeiten

dabei den Ring, der direkt neben dem

Es empfiehlt sich immer, eine

dunkle Umrandung zu wählen

ersten Streifen sitzen wird. Sind die Ringe

unterschiedlich breit geschnitten, muss

man auf diese Reihenfolge Acht geben.

Sind sie dagegen von gleicher Breite, kann

dieser Punkt vernachlässigt werden und

man nimmt einfach einen beliebigen Ring

aus dem Stapel. Wiederum wird der zweite

Ring an einer Stelle getrennt. Diese

Stelle ist jetzt aber um ein Farbsegment

versetzt. Das heißt: Haben wir beim ersten

Ring zwischen Dunkelrot und Dunkelblau

getrennt, werden wir jetzt zwischen

Dunkelblau und Mittelblau trennen.

Anschließend werden die beiden Streifen

passend aneinandergenäht beziehungsweise

-geklebt. Der erste Streifen beginnt

dabei mit Dunkelrot, der zweite Streifen

mit Dunkelblau. Nun den dritten Ring

nehmen. Dieser wird bei der dritten Farbe,

also zwischen Mittelblau und Hellblau

getrennt und anschließend passend an

die beiden bereits vernähten/verklebten

Streifen gesetzt. Nun haben wir ein Segel,

dass mit Dunkelrot – Dunkelblau – Mittelblau

beginnt. Nach gleichem Muster verfahren,

bis man beim Mittelsegment des

Segels angekommen ist. In unserem Fall

beginnt dieses mit Gelb und ist Segment

Nummer 6. Nun überlegen, wie der

Farbverlauf weitergeführt wird. Man

Sämtliche Ringe wurden nun getrennt

und neu miteinander verbunden

kann, wie wir dies bei unserem Drachen

gemacht haben, den Verlauf wieder nach

oben führen, sodass ein V entsteht; man

kann den Verlauf aber auch weiter abfallen

lassen – ganz wie man dies für seinen

Drachen wünscht. Entsprechend mit den

restlichen Ringen verfahren, bis das fertige

Segel vor einem liegt. Abschließend

kann es eine gute Idee sein, das Segel

nochmals mit Schwarz einzufassen. Dies

bringt die Farben kräftiger hervor.

Was folgt, ist kein großes Problem mehr.

Das Drachensegel wird an allen wichtigen

Punkten verstärkt und danach mit der

Verstabung versehen. Zum Schluss wird die

Waage montiert und dem nächsten Flugtag

sollte nichts mehr im Wege stehen.

▼ ANZEIGEN

Sind alle Ringe geschnitten,

empfiehlt es sich, diese erst einmal

plan auf den Tisch zu legen

Tube

Aus diesem Vorgang heraus erhalten wir

eine Tube. Nun ist zu überlegen, mit welcher

Farbe der Drachen beginnen soll und

ferner, ob alle lotrechten Segmente die

gleiche Breite aufweisen sollen. Eine unterschiedliche

Breite in den Segmenten kann

später zu lustigen optischen Täuschungen

führen. In unserem Fall wollten wir links

oben mit Bordeauxrot anfangen und zur

Mitte hin immer schmaler werden. Die

Die ersten drei Ringe sind getrennt

und miteinander verbunden worden

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