Folie 1

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Folie 1

Zur Verwilderung von

Nicotiana sylvestris

Spegazzini

Nicotiana sylvestris

Spegazzini running wild

Dietmar Brandes

TU Braunschweig

2006

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Nicotiana sylvestris (Berg-Tabak)

• Nicotiana sylvestris ist eine drüsig behaarte Pflanze von

etwa 1,5 m Wuchshöhe, die wegen ihrer eleganten weißen

Blüten zunehmend häufiger in öffentlichen Anlagen

Mitteleuropas gepflanzt wird.

• Die etwa 6,5 bis 8,5 cm langen Blüten haben eine schmale,

spindelförmige Kronröhre, die ihre größte Weite im

zweiten Drittel ihrer Länge erreicht. Anschließend

verschmälert sie sich wieder, um in 5 ungleiche Kronzipfel

auszulaufen. Die Blüten sind zu vielen in einer endständigen

Doldentraube zusammengefasst.

• Der Berg-Tabak blüht tagsüber und duftet stark.

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Blütenstand von Nicotiana sylvestris (Aufsicht)

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Gestalt und Behaarung

der Kronröhre

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Nicotiana sylvestris (Berg-Tabak)

• Nicotiana sylvestris ist eine Langtagpflanze, die aus Argentinien

stammt.

• Wegen ihrer Frostempfindlichkeit wird die mehrjährige Pflanze

in Mitteleuropa als einjährige Sommerblume gezogen. Nach

CULLEN et al. (2000) wird Nicotiana sylvestris der

Winterhärtezone H 5 zugewiesen ( mittleres jährliches Minimum

zwischen 0° und -5°C. Auch BRICKELL (1998) gibt an, dass die

Pflanzen bis -5°C im Freien überwintern können, da sie aus dem

Wurzelstock wieder ausschlagen.

• Diese Bedingungen sind in Europa nur in den mediterranen und

atlantischen Küstengebieten gegeben. CLEMENT & FOSTER

(1994) geben die Art als ausdauerndes Kulturrelikt für die

Kanalinseln an. Ebenso ist die Art in einigen küstennahen

Gebieten Kaliforniens naturalisiert.

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Evidenzen für f r eine Verwilderung

• Offensichtlich wurde eine

Verwilderung von Nicotiana

sylvestris in Deutschland

bislang kaum beobachtet.

Lediglich MEIEROTT

(2001) gibt die Art als

unbeständig verwildernde

Kulturpflanze für das

mittlere Maintal an.

• Seit 2003 wurden vom

Verfasser in jedem Jahr

Verwilderungen von

Nicotiana sylvestris

beobachtet, so z. B. in

Magdeburg, aber auch in

Frankreich (Elsaß).

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Verwilderung von Nicotiana sylvestris in Magdeburg (2005)

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Rabatte mit Nicotiana sylvestris als Unkraut (Magdeburg 2004)

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Hypothesenbildung

i. Nicotiana sylvestris wird zunehmend als Zierpflanze in

öffentlichen Anlagen eingesetzt.

ii. Wegen mangelnder Frosthärte ist sie in Mitteleuropa nur als

„Sommerblume“ zu kultivieren. Da sie bereits im ersten

Lebensjahr blüht und reichlichen Samenansatz bildet, wird

eine zunehmende Verwilderung erwartet.

iii. Die beobachtete Verwilderung kann nicht (allein) mit

verspätetem Auflaufen von eingesäten Samen erklärt werden,

da die Art zunächst angezogen und erst im Rosettenstadium

ausgepflanzt wird, die subspontan auftretenden Individuen

aber in der gesamten Umgebung der Anpflanzungen

(insbesondere in Pflasterfugen) zu finden sind.

iv. Zur Verifizierung dieser Hypothese werden Samenbank sowie

Frostresistenz der Samen derzeit untersucht, da es noch

unklar ist, ob die beobachteten Jungpflanzen nur aus der

rezenten Samenproduktion stammen (was für

unwahrscheinlich gehalten wird) oder aus dem vergangenen

Jahr.

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Nicotiana sylvestris

Rosette von Nicotiana sylvestris ca. 25 m von der nächsten

Anpflanzung entfernt (Magdeburg 2003).

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gepflanzt

Nicotiana sylvestris in Colmar (Frankreich) 2003

subspontan

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Zitierte Literatur

• BRICKELL, C. (Hrsg.)(1998): DuMont´s große Pflanzen-Enzyklopädie A –

Z. 2 Bde. – Köln. 1092 S.

• CLEMENT, E. J. & M. C. FOSTER (1994): Alien plants of the British Isles.

– London. XVIII, 590 S.

• CULLEN, J. et al. (2000): The European garden flora. Vol. 4. – Cambridge.

XV, 739 S.

• MEIEROTT, L. (Hrsg.)(2001): Kleines Handbuch zur Flora Unterfrankens. –

Würzburg. 264 S.

Prof. Dr. Dietmar Brandes

Arbeitsgruppe Vegetationsökologie

Institut f. Pflanzenbiologie

Technische Universität Braunschweig

d.brandes@tu-braunschweig.de

Stand: 1.9.2006

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