Sicht 2007 - Rudolf Steiner Schule Wuppertal

rudolf.steiner.schule.wuppertal.de

Sicht 2007 - Rudolf Steiner Schule Wuppertal

Rudolf-Steiner-Schule Wuppertal

A

Sicht | 2007


Inhalt

Editorial – Ein neues Gesicht 3

Hoppetosse 4

Wir werden offene Ganztagsgrundschule 5

OGATA – Ein glücklicher Start 6

DELF – Französisch für Fortgeschrittene 7

Die Schwarze Spinne – Klassenspiel der Klasse acht 8

Strukturen schaffen ohne Waffen – Ein Jahr Schulrat 10

ROM – Oder der Anfang von etwas Neuem? 12

ROM – Die Abschlussfahrt der Klasse zwölf. 14

Mit Mut und Lust an die Sache – Beate Kruska 15

Jeden Tag kleine Erfolge – Greta Ante 16

Ein klarer Standpunkt – Bärbel Krah 17

Über die Luft – Aus dem Chemieunterricht der Oberstufe 18

Schüler berichten von der Projektwoche 21-28

Klettern – An der „Steiner Nordwand“ 38

Immer wieder samstags ... – Der Instandhaltungskreis 39

Der Sturm – Klassenspiel der Klasse zwölf 40

Eurythmie – Zwölf Jahre Namentanzen? 42

Waldorf afrikanisch –

Ein Besuch in der Waldorfschule in Windhoek 44

Impressum 47

Liebe LeserInnen, wir erstellen für Sie diese Zeitung, möglich

wird sie jedoch erst durch die Unterstützung unserer

Anzeigenkunden. Deshalb bitten wir Sie: Schenken Sie

auch unserem interessanten Anzeigenteil Ihre Aufmerksamkeit.

Die Redaktion.

2 Sicht 2007


Editorial – Ein neues Gesicht

Wenn Sie diese Seite aufschlagen, wissen Sie es bereits:

Wir haben ein neues Gesicht bekommen, und auch im

Inneren soll sich Manches verändern. Während diese

Zeilen entstehen, kennen wir, die Redaktionsmitglieder,

das endgültige Aussehen und einige Artikel allerdings

selbst noch nicht. In diesem Jahr haben wir nämlich besonders

spät angefangen, Beiträge zu sammeln. Eigentlich

wäre wohl eine neue „Sicht“ nicht mehr rechtzeitig

zum Adventsfest zustande gekommen, hätten da nicht

einige Schüler der zwölften Klasse die Initiative für eine

Dokumentation und Berichterstattung der Oberstufenprojektwoche

innerhalb unserer Schulzeitung ergriffen.

Initiative – das ist das, was wir brauchen, und so geht ein

besonderer Dank an die Redaktionsgruppe des Oberstufenbeitrags

in der Mitte unseres Heftes. Dieser Teil wird

erst wenige Tage vor Erscheinen erarbeitet werden und

mit den anderen zusammengeheftet. Wir sind natürlich

alle gespannt, ob dieses Abenteuer gelingt.

Die Redaktion freut sich auch über den professionellen

Zuwachs: Holger Künemund löst Birgit Klewinghaus bei

der aufreibenden Arbeit am Layout ab. Auch Birgit Klewinghaus

sei im Nachhinein für ihren Einsatz herzlich

gedankt.

Das Adventsfest ist das größte Fest an unserer Schule.

Mit unserer Schulzeitung wollen wir viele Gäste von außerhalb,

aber eben auch Freunde und ehemalige Eltern,

Schüler und Lehrer erreichen und hoffen, mit den verschiedenen

Beiträgen ein gültiges Gesicht unserer Schule

zu vermitteln. Am leichtesten gelingt das natürlich mit

den vielen Bildern von Klassenspielen und Klassenfahrten,

weil hier die Poesie und Farbe unmittelbar sichtbar

werden. Sie sind aber an vielen anderen Stellen des

Schullebens ebenso vorhanden. Am schwierigsten ist es

ja, aus dem täglichen Unterrichtsgeschehen zu berichten.

Wenn versucht wird, die Luft beispielhaft für den naturwissenschaftlichen

Unterricht der Oberstufe an ihren

Erscheinungsphänomenen zu behandeln und erfahrbar

zu machen, dann drückt sich darin ein wichtiges Anliegen

der Waldorfpädagogik aus. Eurythmie – ein Fach,

das zentral mit der Waldorfpädagogik verbunden ist, erscheint

hier – einmal ganz anders – aus der Sicht von

Schülern, die damit zwölf Jahre ihre Erfahrung gemacht

haben und diese als Stärkung für die Entwicklung der eigenen

Persönlichkeit beschreiben. Auf unsere jüngsten

„Kinder“, die Arbeit des Schulrates und den Neustart der

offenen Ganztagsgrundschule werden wir sicher noch

öfter einen Blick werfen. Gerade hier, auf dem Gebiet

der Elternmitarbeit und in der Ganztagsgrundschule, wird

sich zeigen müssen, wie lebensnah und zeitgemäß Waldorfpädagogik

an unserer Schule verwirklicht wird.

„Die Nacht ist mir zu finster, i kann nit mehr sehn, ob ma

recht oder unrecht zur Stadt eingehn!“ So ruft der jüngste

der Hirten aus den Oberuferer Weihnachtspielen, als

sie sich auf den Weg nach Bethlehem machen. Gerade

hatten sie noch ein Gesicht: Im Traum sahen sie Ochs

und Esel, Maria und das Kind, ein Bild voller schöner

Verheißungen, voll Honig und Rosen, und kaum machen

sie sich auf den Weg, diesem Bild zu folgen, da legt sich

Finsternis über sie und sie stolpern durch die Nacht.

Geht es nicht jedem so, der ein inneres Bild, eine Vision

hatte und es nun in der Wirklichkeit wieder finden muss?

Die Verhältnisse scheinen ärmlich und beschwerlich, nur

die Gewissheit eines inneren Bildes kann uns die Kraft

geben, die Bedingungen, die wir vorfinden, zu verwandeln

und zu einem besseren zu wenden.

In diesem Sinn wünschen wir eine besinnliche Weihnachtszeit

und viel Kraft für das neue Jahr.

Für die Redaktion Ludger Koester

Sicht 2007

3


Hoppetosse

Liebe Eltern der Klassen eins bis vier,

„eine Vorstellung der Offenen Ganztagsgrundschule für unsere

Schulzeitung“ – so lautete mein Auftrag. Gut, dachte

ich: Fangen wir vorn an, es gibt viele Argumente dafür, dass

unsere Kinder zu verlässlichen Zeiten in der Schule betreut

werden sollen: Berufstätigkeit der Eltern, Alleinerziehende,

Fördermöglichkeiten für die Kinder und so weiter. Doch bereits

jetzt merke ich, dass nicht Sie meine Ansprechpartner

für diesen Bericht sind – pardon – sondern, was und wie wir

arbeiten, möchte ich jemand anderem erzählen.

Liebe Kinder der Klassen eins bis vier, liebe Matrosen,

ja, ihr habt richtig gelesen. Unsere OGATA heißt HOPPE-

TOSSE, wie das Schiff von Pippi Langstrumpfs Vater, und

genauso aufregend geht es bei uns zu. Wir haben vier Kapitäne,

das sind Frau Brandt, Frau Lenz, Frau Siebel und ich

– und zur Zeit 37 Matrosen.

Wie bei jeder großen Fahrt hat jeder seine Aufgaben und

unsere Tagesabläufe sind geplant. Manches gibt es jeden

Tag, wie zum Beispiel das gemeinsame Mittagessen in der

Cafeteria und – das muss sein – auch die Hausaufgaben.

An Bord des Schiffes gibt es auch eine große Turnhalle, die

wir jeden Dienstag besuchen. Zur Zeit haben wir einen

Aushilfskapitän an Bord, Leonie Verbeck, die unsere Seemannslieder

anstimmt.

Aber eins ist gewiss, die Hoppetosse ist keine Schule, wie

ihr sie vom Vormittag kennt, hier wird gekocht, gebacken,

gespielt, gelacht und was uns ganz wichtig ist, ihr selbst

dürft Vorschläge machen, worauf ihr Lust habt. Manchmal

gehen wir auch auf große Fahrt, sprich wir machen einen

Ausflug – so zum Beispiel sehen wir uns das Urmel im

Wuppertaler Schauspielhaus an.

Gegen 16 Uhr geht die Besatzung immer von Bord.

Die Ferienprogramme für das nächste Jahr sind noch in der

Planung. Doch eins steht schon fest, dann gibt es keine

Hausaufgaben und dafür noch mehr Vergnügen.

Hab‘ ich etwas vergessen? Gut, dass meine Telefonnummer

im gelben Heft steht. Ich hoffe, ich habe euch neugierig

gemacht, und ihr habt Lust bekommen, mit uns auf große

Fahrt zu gehen.

Für die Crew Greta Ante

4 Sicht 2007


Wir werden offene Ganztagsgrundschule

Die Einrichtung offener Ganztagsschulen

im Primarbereich wird seit einigen

Jahren vom Land NRW gefördert.

Durch eine verlässliche Betreuung der

Kinder sollen die Vereinbarkeit von

Familie und Beruf gewährleistet und

allein erziehende Eltern entlastet werden.

Schulischer Vor- und Nachmittag

sollen sich stärker verzahnen, um

somit dem Ideal einer ganzheitlichen

Bildung näher zu kommen. Die OGA-

TA soll darüber hinaus die individuelle

Förderung aller Kinder ermöglichen.

Das Angebot soll von Anbietern aus

dem Schulumfeld unterstützt werden.

Es ist offen, d.h. nicht für alle Schüler

verpflichtend.

Für die Kinder bedeutet Ganztagsschule,

das zeigen viele Befragungen,

vor allem Spaß und die Gelegenheit,

Freunde zu treffen und Freundschaften

zu schließen. Eltern und Lehrer schätzen

besonders die sinnvollen Freizeitangebote,

den festen Tagesrhythmus,

eine gesunde, möglichst vollwertige

Verpflegung sowie die Entlastung bei

den Hausaufgaben durch eine qualifizierte

Hausaufgabenbetreuung.

Die Umsetzung der genannten Eckpfeiler

liegt in den Händen der jeweiligen

Schulen. Und so hat sich im März

2007 ein Kreis aus Eltern, ErzieherInnen

und LehrerInnen gebildet mit dem

Ziel, „unsere“ OGATA auf den Weg zu

bringen und zu begleiten. Bald war

uns klar, was wir von einer „Waldorf-

OGATA“ erwarten:

• Die Sinnespflege, die Begegnung

mit den Elementen, die Schulung

der Bewegung sowie die Ausbildung

der sozialen Fertigkeiten sollen als

Förderziele im Mittelpunkt stehen.

• Diese Ziele sollen durch lebenspraktische

Tätigkeiten (kochen, backen,

handwerkliches Tun), geführte

Freispielphasen und sinnvolle Projektangebote

„von außen“ erreicht

werden.

• Wir wollen spezifische Angebote für

die Klassen eins/zwei und die Klassen

drei/vier sowie für Jungen und

Mädchen machen.

• Unser schönes Schulgelände und

die Nähe zum Kothener Wald sollen

optimal genutzt werden.

• Die Kinder sollen eine Hülle erfahren

durch eine warmherzige und

qualifizierte Betreuung.

• Der Unterricht am Vormittag muss

mit dem neu gestalteten Nachmittag,

der mehr ist als Betreuung, verzahnt

werden.

• Die offene Ganztagsgrundschule

kann als Modell fungieren für die

schrittweise Erweiterung der Ganztagsidee

an unserer Schule.

Vieles davon wird in unserer „Hoppetosse“

bereits umgesetzt. Es galt und

gilt allerdings auch, einige Schwierigkeiten

zu meistern. So sollen etwa die

Angebote für die Kinder attraktiv sein,

aber nicht in Freizeitstress ausarten. Mit

den relativ kurzen Zeiträumen (Ruhe-

Essen-Freispiel-Angebote-Hausaufgabenbetreuung)

muss man lernen umzugehen.

Die Erwartung der Eltern,

ihre Kinder möglichst flexibel bringen

und abholen zu können, steht der Gestaltung

eines geordneten Tagesablaufs

entgegen. An all diesen Punkten arbeiten

wir.

Eine Ganztagsschule birgt viele Möglichkeiten

und Chancen, den Lebensraum

Schule attraktiver zu gestalten.

Klar ist, dass dies nicht von heute auf

morgen zu bewerkstelligen ist. Es wird

Zeit brauchen, Geduld, und eine konstruktive

Unterstützung von allen Seiten,

bis wir sagen können: Wir sind

eine offene Ganztagsgrundschule.

Dirk Hauf

Sicht 2007

5


OGATA – Ein glücklicher Start

„Offene Ganztagsgrundschule“ – was für ein bürokratischer

Monstername für eine so positive Einrichtung! Sie ist

konzipiert für die Klassen eins bis vier und bietet eine freiwillige

(daher offene) Betreuung an, die bis in den Nachmittag

reicht und von jeder Schule selbst zu gestalten ist,

vom Land aber finanziell gefördert wird – vorausgesetzt,

man erfüllt die Antragsvoraussetzungen!

An dieser Stelle sei allen gedankt, die durch ihren Einsatz

zum Gelingen dieser Einrichtung an unserer Schule beigetragen

haben. Kennzeichnend für dieses Projekt war und ist

noch immer ein ständiger Termindruck. Behördliche Anträge

mussten mit durchdachten, pädagogischen Konzepten

verknüpft werden – was ist eine waldorfeigene OGATA?

Die Personalgröße für die OGATA musste auf einen zukünftigen

Bedarf geplant werden ohne diesen zu kennen.

Der Zuspruch der Eltern hängt auch von den anfallenden

Kosten ab, doch die Kalkualation ist wiederum stark davon

abhängig, wie gut das Betreuungsangebot angenommen

wird.Wir mussten mutig einige Annahmen machen, ohne

die eine Berechnungsgrundlage nicht zu schaffen war.

Weiterhin galt es, engagierte Personen zu finden, die sich

für dieses Projekt begeistern und sich trotz der Unsicherheiten

auf die ausgeschriebenen Stellen bewerben – welche

Art von Stellen werden benötigt, wie viele Kinder sind

zu erwarten? Bewerbungsgespräche waren zu führen und

letztlich eine Wahl zu treffen.

Räumlichkeiten waren zu finden, die es innerhalb der

Schule schon gab und die mit möglichst geringen finanziellen

Mitteln erweitert werden konnten. Umschichtung

und Doppelnutzung sind hier die Stichworte. Wie ein Dominoeffekt

hatten Raumänderungen Auswirkungen auf das

ganze Schulgefüge. Architekten mussten gefunden werden,

die – unter dem bekannten Zeitdruck – finanzierbare Pläne

erstellten.

Schließlich wurde der Antrag persönlich – sicher ist sicher –

in Düsseldorf übergeben. An dieser Stelle muss dem Schulrat

und dem Vorstand für das Vertrauen gedankt werden, die

der OGATA-Gruppe die Kompetenz und die Handlungsfreiheit

übertragen hatten, viele Entscheidungen selbst zu treffen.

Sonst wären die Termine nicht eingehalten worden.

Die OGATA ist genehmigt, das Personal gefunden, das

Raumkonzept entwickelt und die Baugelder um die Hälfte

gekürzt worden (wen wundert es)! Auf Elternabenden war

schon die Werbetrommel gerührt worden. Die Betreuungsgruppen

füllen sich, und die Mindestanzahl für eine stabile

Finanzierung ist schnell überschritten worden. Der hohe

Zuspruch gerade aus den Klassen eins und zwei lässt eine

entsprechende Steigerung für das kommende Jahr erwarten,

womit wir die beantragten zwei Gruppen vollständig gefüllt

bekommen sollten.

Die Schulküche erhält aus dem OGATA-Topf ebenfalls

Geldmittel für dringende Renovierungen, weil das Betreuungskonzept

der offenen Ganztagsschule ein gemeinsames

Mittagessen vorsieht. Eine Vorgabe, von der alle an der

Schule profitieren.

Durch die Kürzung der Baugelder müssen nun wieder Architekten

neue Pläne gestalten und ein abgespecktes Konzept

erstellt werden, und… es droht wieder ein Abgabetermin.

Doch wir wollen nicht klagen. Denn viele andere Schulen

hatten von der Landesregierung negative Bescheide erhalten

und gingen leer aus.

So scheint es, dass das Arbeiten unter Zeitdruck etwas sehr

Positives mit sich bringt. Innerhalb weniger Monate sind die

oben beschriebenen Aufgaben bewältigt worden, durch ein

sehr konstruktives Miteinander und den Willen, es zu schaffen.

Alles wird gut, wenn wir nur wollen.

Lothar Kruska

6 Sicht 2007


DELF – Französisch für Fortgeschrittene

Was verbirgt sich hin ter DELF? Eine Chance für Sprachbegeisterte.

Ein nachmittägliches Zu satz angebot an unsere

Schüler. Eine besondere Qualifikation. Viel Freude an der

fran zösischen Sprache.

Hinter dem Kürzel DELF, das für „Diplôme d‘Etudes en

Langue Française“ steht, verbirgt sich eine Sprachprüfung,

die vom französischen Ministerium für Erziehung, Unterricht

und Forschung angeboten und auf der ganzen Welt von den

jeweiligen französischen Kulturinstituten (in unserem Falle

ist das Kulturinstitut in Düsseldorf zuständig) durchgeführt

wird. Diese Prüfung, die auf sechs verschiedenen Niveaus

abgelegt werden kann, gilt als weltweit anerkannter Nachweis

der Beherrschung der französischen Sprache, und das

erworbene Diplom hat ein Leben lang Gültigkeit. Diese Zusatzqualifikation

kann deshalb interessant sein, weil sie im

Rahmen von Bewerbungen ein international vergleichbares

Maß an Sprachbeherrschung nachweist, vor allem aber in

Frankreich, falls man dort studieren will, die notwendige

Sprachprüfung ersetzt.

Im Rahmen dieser Prüfungen, die einen schriftlichen und einen

mündlichen Teil umfassen, werden Hörverstehen, Leseverstehen,

schriftlicher und mündlicher Ausdruck geprüft.

Zu Beginn dieses Schuljahres hat sich nun auch an unserer

Schule eine Gruppe von Schülerinnen und Schülern aus den

Klassen neun, zehn und elf zusammengefunden, um sich in

einer nachmittäglichen Sondersitzung auf die oben beschriebene

Prüfung vorzubereiten. Ihr wichtigstes „Werkzeug“:

Die Freude an der Fremdsprache und die daraus resultierende

Bereitschaft, sich ein wenig über das rein unterrichtliche

Maß hinaus zu engagieren. Zwei Teilnehmerinnen sind

in ihren Kenntnissen schon so weit fortgeschritten, dass sie

die Prüfung auf dem niedrigsten Niveau A1 auslassen und

gleich bei A2 einsteigen, ein Ziel, das sich der größere Teil

der Schüler für das kommende Jahr gesetzt hat. Ein anderer

Teil der Teilnehmer ist noch ein wenig vorsichtig und nimmt

zwar freudig an der gemeinsamen Arbeit teil, will aber noch

nicht die Prüfung ablegen, sondern „mal gucken, wie es bei

den anderen, den Mutigen so läuft....“. Alle diese Formen

der Teilnahme sind möglich, wenn nur die Begeisterung

stimmt.

Es hat sich auch gezeigt, dass für unsere Schüler der Gedanke

an die spätere praktische Nutzbarkeit dieser Prüfung und

dieses Diploms nicht im Vordergrund steht. Sie haben eher

Freude am Sich-Messen mit Schülern anderer Schulen, die

die identische Prüfung ablegen wollen, und an der Auseinandersetzung

mit „echten Fran zosen“, die die Prüfung abnehmen

werden. Vor allem aber leben unsere Treffen von

der Idee und der Überzeugung, dass auch „Sprache“ ein

Hobby sein kann.

Zum Abschluss noch eine Bitte: Liebe Leser, drücken Sie uns

am 18. Januar 2008 kräftig die Daumen, denn an diesem

Samstag werden wir nach Düsseldorf reisen, um geprüft zu

werden. Ein bisschen aufgeregt sind wir jetzt schon.

Heide Sandner

Anforderungen

des Niveaus A1

Sicht 2007

7


Headline Die Schwarze Spinne – Klassenspiel der Klasse acht

8 Sicht 2007


Vor gut 600 Jahren soll sie das Emmental

heimgesucht haben, in einer Zeit,

als die Bauern noch Frondienste leisten

mussten.

Der damalige Zwingherr verlangte

nach dem Bau seines Schlosses einen

Schattengang gegen die Sommerhitze:

„Hundert ausgewachsene Buchen

sollt ihr mir führen hin auf auf den

Berg. Und wenn Sie nicht stehen in

Zeit eines Monats, büßt ihr es mir mit

Gut und Blut.“

Es kommt wie es kommen muss: Der

Teufel erfüllt sein Versprechen, aber

die Mütter geben ihre Kinder nicht her

und der Priester tauft. Da wird das Mal

auf Christines Wange, das von des Jägers

Kuss geblieben ist, lebendig und

giftige Spinnen kriechen daraus hervor.

Sie töten das Vieh, die Bauern,

den Zwingherrn, bis die junge Elsi den

Bann bricht, indem sie sich freiwillig

für ihr Kind opfert.

Aus Angst schließen die Bauern einen

Pakt. Sie sollen dem fremden Jäger die

Buchen ausgraben; er fahre sie nachts

hinauf und sorge dafür, dass sie stehen

und anwachsen. Für diese Arbeit verlangt

er nicht mehr, als „ein ungetauft

Kind, frisch vom Mutterschoß.“ Als

Pfand genügt ihm der Kuss von Christine,

der schönsten und mutigsten Frau

im Dorf.

Sicht 2007

9


Strukturen schaffen ohne Waffen – Ein Jahr Schulrat

Die gemeinsame Flasche Sekt steht

noch heute aus – aber das junge Gremium

hat inzwischen seinen Platz im

Schulalltag gefunden. Unsere Schule

hat das Erbe von Herrn Dr. Colsmann

– geistiger Vater, Kämpfer und Pate der

Schulratsidee – angetreten und kann

nach einem Jahr auf die ersten Früchte

der gemeinsamen Arbeit blicken. Seit

April 2006 verfolgt unsere aktuelle Satzung

mit dem frisch installierten Beratungsgremium

hochgesteckte Ziele:

Geregelte Zuständigkeiten und

eine strukturierte Aufgabenverteilung

Transparenz und ein offenes Miteinander

zwischen Lehrern und Eltern

Mehr Entscheidungsbefugnisse für

gewählte Elternvertreter

Austausch, Beratung sowie Beschlussfassungen

zur Ausrichtung

und Entwicklung der Schule

Was aber hat sich konkret nach eineinhalb

Jahren und etwa 15 Sitzungen

getan? Lassen sich Fortschritte

und Entwicklungen ablesen? Herrscht

immer noch Aufbruchstimmung oder

verkommt inzwischen eine Idee zum

Alltagsgeschäft? Schafft der Schulrat

eine Realisierungsmotivation oder

zeichnen sich Spuren einer parlamentarischen

Resignation ab?

Realistisch betrachtet erscheinen die

Abstände der Sitzungen bei der anfallenden

Fülle von Themen, Vorstellungen

und aktuellen gesellschaftspolitischen

Entwicklungen als viel zu groß,

um kontinuierlich und konstruktiv das

„Unternehmen RSS“ nach vorne zu

bringen.

Die Menschen an der Schule sind mit

all ihren Kräften, Wünschen und Bedürfnissen

dieselben geblieben und

natürlich existieren auch weiterhin

grundsätzlich differente Positionen

unter Schulratsmitgliedern. Die ersten

Sitzungen haben deutlich gezeigt, dass

es einen immensen Informationsbedarf

seitens der Eltern gibt und dass es an

klaren Strukturen der Zuständigkeiten

von Kollegium, Vorstand und Verwaltung

mangelt.

Die Sitzungen erhielten im Lauf des

ersten halben Jahres eine Struktur.

Nach einem kurzen aktuellen Überblick

sollen pro Sitzung zwei umfangreichere

Themen behandelt werden. In

der ersten Sitzungshälfte sind Berichte

und Informationen Gegenstand des

Austausches, im Anschluss sollen konzeptionelle

und pädagogische Themen

zur Diskussion kommen. Beiden Blöcken

steht ein Zeitfenster von jeweils

circa 45 Minuten zur Verfügung.

Dass sich dieser fromme Wunsch einer

geplanten Tagesordnung nicht immer

mit den erlebten Erfahrungen deckt,

wird niemanden wundern. Und an

dieser Stelle hat sich auch die grundsätzliche

Leitung und Vorbereitung der

Sitzungen durch zwei Moderatoren

bewährt.

Rückblickend auf das erste Jahr ist seit

der Installation des Schulrates an der

Schule einiges passiert: Eine erste große

innerschulische Zäsur war sicherlich

die Auflösung des Wirtschaftskreises,

was zur Folge hat, dass die Finanzplanung

als wesentliche Vorstandsaufgabe

von diesem wieder federführend

betreut wird. Projekte wie die Schulküche

werden durch das Votum des

Schulrates mit einem satzungsgemäßen

Beschluss auf breiten Schultern

von der Schulgemeinschaft getragen.

Elternvertreter aller Klassen erhielten

in drei Sitzungen einen Überblick

über die Lehr- und Unterrichtsstrukturen

von der Unter- bis zur Oberstufe

und werden regelmäßig über die Positionen

der Waldorfpädagogik zu bildungspolitischen

Entwicklungen auf

dem Laufenden gehalten. Delegierte

Elternvertreter unserer Schule nehmen

wieder an Treffen des Landeselternrates

teil. Und last not least ist jüngst die

offene Ganztagsgrundschule aus der

Taufe gehoben worden.

Harmonie pur? Alles besser als vorher?

Gibt es keinen Wermutstropfen? – Natürlich

ist eine Einrichtung wie unser

10 Sicht 2007


Schulrat

Unser Schulrat

• tagt alle 3-6 Wochen,

• beschließt mit 2/3-Mehrheit

• nimmt die Impulse und Informationen

in der Schulöffentlichkeit

wahr und

• beschließt über alle Fragen, die

nicht in die Verantwortung von

Vorstand oder Kollegium fallen.

zwei VertreterInnen pro Klasse

mit einer Stimme = 13 Stimmen

sendet VertreterInnen

13 Stimmen

alle VorstandsmitgliederInnen

mit jeweils einer Stimme

vertreten

Eltern Klasse 1 bis Klasse 13 Lehrerkollegium Vorstand

Mitglieder

Schulrat weder eine Wunderwaffe

noch ein Heilmittel, der Schulrat ist

nichts weiter als ein Instrument, ein

Werkzeug, ein Rahmen zur Strukturbildung.

Gelenkt und belebt wird er

von Menschen. Manchen geht es in

Sachen Entscheidungen nicht schnell

genug. Das Gremium müsse mehr und

schneller entscheiden.

Andere sehen im praktizierten Parlamentarismus

des Rates essenzielle

Themen der Waldorfpädagogik unterrepräsentiert

bzw. nicht angemessen

ausdiskutiert. Eine weitere Kritik ist,

dass dringende Entscheidungen ohne

die Beratung im Schulrat getroffen

werden (müssen), was entweder auf

die geringe Zeit in einzelnen Sitzungen

oder Termindruck von außen zurückgeht.

Persönlich wünsche ich mir, dass die

Idee des Schulrates mehr Eltern animiert,

am aktiven Schulleben teilzunehmen,

denn was wir für die Schule

tun, davon profitieren unsere Kinder.

Mit den laufenden Projekten sind wir

auf einem guten Weg, und ich bin

überzeugt, dass die Form des modera-

ten Miteinanders die Ausrichtung der

Schule stärkt und weiterbringt.

An dieser Stelle sei noch einmal allen

Beteiligten für das Stemmen dieses

konstruktiven Gewaltaktes herzlich

gedankt.

Holger Künemund

Sicht 2007

11


ROM – Oder der Anfang von etwas Neuem?

Auf der Abschlussfahrt der zwölften Klasse wollten wir

wichtige Orte der Kunst- und Kulturgeschichte an Beispielen

der Architektur kennen- und die Impulse, die darin

leben, wenigstens anfänglich auch verstehen lernen. Die

Wahl fiel schließlich auf Rom. Natürlich hatten wir für unsere

Reise eine ganze Reihe entsprechender Ziele, auf die

sich jeder mit einem Referat vorbereiten sollte. Die Architektur

ist diejenige Kunst, die am tiefsten in die Gestaltung

der physischen Welt eingreift. Gleichzeitig sind in ihr die

gleichen Gesetze wirksam wie im Bau des menschlichen

Leibes. Und sie ist es auch, die das soziale Miteinander, den

Lebensraum der Menschen am umfassendsten bestimmt.

12 Sicht 2007


Die Jugendlichen der zwölften Klasse stehen nicht nur am

Ende ihrer Schulzeit, sondern am Anfang ihres Lebens, in

dem sie Aufgaben finden und Verantwortung in der Welt

übernehmen sollen. Gewissermaßen symbolisch sollen da

Bauwerke zu ihnen sprechen können und ihnen Grundbefindlichkeiten

des Daseins vor Augen führen:

Wie wir auf die große, ovale Piazza del Popolo treten (um

einmal nicht mit den Kirchen zu beginnen), könnte sie für

viele oder gar alle Plätze der Welt stehen, als Sammelpunkt

für Menschen- und Verkehrsströme, eingefasst von Mauern

und ansteigenden Rampen. Straßenzüge führen von hier

aus in die Stadt, Kirchen und öffentliche Gebäude umgeben

und bewachen sie. Im Mittelpunkt ragt ein mächtiger

Obelisk auf und fasst so ganze Kulturen zusammen, von

Ägypten bis in die Barockzeit.

Wir stehen vor einem prächtigen Brunnen, der Fontana

di Trevi, und auch dieser Brunnen kann Beispiel sein für

die vielen Brunnen Roms, allerdings hervorragend buchstäblich

durch seine überschäumende und plastische Lebendigkeit,

mit der Stein gewordene Wesen und Gestalten

wie aus dem rauschenden und sprudelnden Wasserelement

hervorkommen, sich aufbäumende Pferde und Tritonen, die

sie bändigen. Dass über allem Okeanos, der Herrscher der

Meere, und die allegorischen Gestalten des Überflusses

und der Heilkraft erscheinen zeigt uns, dass die Menschen

damals noch unmittelbarer das Geschenk des Wassers erlebt

haben und es für wert erachteten, dass die fähigsten

Künstler der Zeit dies sichtbar machten.

Die spanische Treppe überwindet wie jede Treppe einen

Höhenunterschied, verbindet verschiedene Niveaus in einer

Landschaft oder erschließt die Etagen eines Gebäudes.

Wichtig ist aber, wie dies hier an dieser Stelle geschieht:

Gleich einem Wasserlauf scheint sie den Hang mal schneller

mal langsamer hinab zu strömen, sie teilt sich, um sich

bald darauf wieder zu versammeln. Indem sie so Kaskaden

und Stauphänomene nachbildet, belebt und gestaltet sie

den Gang der Menschen, die dort hinauf- und hinunterschreiten.

Ganz andere Eindrücke und Fragen können beim Betreten

des Pantheons entstehen: Was unterscheidet diesen erhabenen

Innenraum von einem Iglu der Inuit? Die Idee der

Kuppel und ihrer Statik ist in beiden enthalten, aber mit wie

viel höherer Kunstfertigkeit, mit wie viel ausgeprägterem

Selbstbewusstsein und technischer Materialbeherrschung,

Größe und Vollkommenheit der Gestalt tritt da etwas ans

Tageslicht? Das eine Bauwerk ist noch fast ganz ein Naturgebilde;

eine kleine Menschengruppe duckt sich hinein,

sucht Schutz vor der Übermacht der Elemente. Das andere

Bauwerk überragt uns gewaltig, in ihm drückt sich die erfinderische

Kraft des Menschen, sein Streben nach religiöser

Vertiefung aus und zugleich seine Fähigkeit zur Ausweitung

des Bewusstseins bis an die Grenzen des Kosmos.

Es war das Ziel, dass die Schüler die Schöpfungen der

menschlichen Kultur aus unterschiedlichen Zeiten unmittelbar

vor Ort und im lebendigen Zusammenhang erleben.

(Weitere wichtige Stationen waren: Die Katakomben di S.

Callisto, das Collosseum und das Forum Romanum, das Kapitol,

der Petersdom mit dem Petersplatz und den Kolonnaden,

die gewaltige Kuppel Michelangelos, das Vatikanische

Museum, in dem wir uns auf die Sixtinische Kapelle und

die Gemälde Raffaels in den Stanzen beschränkt haben, S.

Maria del Popolo mit den Gemälden von Caravaggio und

Raffael, die Villa Borghese und ein von allen besonders genossener

Ausflug nach Tivoli zur Villa d‘ Este.)

Wie die Erde von einer Lufthülle, der Atmosphäre, umgeben

ist, die nicht weniger zu ihr gehört als die Lithossphäre,

der feste Grund, so gehört die Kunst in all ihren Äußerungen

zum vollen menschlichen Dasein hinzu. Sie ist

nicht Verzierung, sondern macht möglich, dass wir nicht im

Zwang der Bedürfnisbefriedigung und des Kausaldenkens

ersticken. Sie schenkt uns die Luft zum Atmen und die

Erfahrung der Freiheit.

„Die Kunst ist eine Natur neben der Natur.“ (Paul Klee)

Etwas von dieser zweiten Natur des Menschen zu kennen

und an ihr mitzuwirken, sollte ein wichtiger Impuls werden,

der über die begrenzte Schulzeit in die Weite des Lebens

hinausweist.

Froh und dankbar blicken wir auf die gelungene Klassenfahrt

zurück und wünschen den Schülern alles Gute.

E. Billmaier, H. Richartz, L. Koester

Sicht 2007

13


ROM – Die Abschlussfahrt der Klasse zwölf

Am 11. Juni 2007 sollte es um 15 Uhr vom Schulparkplatz

aus losgehen, nach Rom. Fröhlich freudig traf sich die damalige

Klasse zwölf um 14.30 Uhr und wartete auf das Busunternehmen.

Sie wartete und wartete und wartete, doch

es kam kein Bus. So wurde lange gewartet, bis der Bus um

18 Uhr dann endlich doch mal erschien. Bis dahin hatten

Schüler und Lehrer ihre Fröhlichkeit schon verloren, aber

es gab eine grandiose Entschädigung: Jeder Schüler durfte

sich zwei Kugeln Eis kaufen. Juchhu! So kam es, dass die

Busfahrer von Anfang an nicht sehr beliebt waren. Trotzdem

traten die Schüler die Busfahrt optimistisch an. Die

Hoffnungen wurden bitterlich enttäuscht: Die Busfahrt

dauerte, dank der genialen Busfahrer, statt maximal 19

ganze 22 Stunden. Viel zu spät und völlig entnervt kamen

wir also am Campingplatz an. Erleichterung machte sich

breit. Dann wurden die Bungalows verteilt. Zu jeweils vier

Schülern oder Schülerinnen bezogen wir einen Bungalow

mit eigenem Bad und eigener Veranda. Die Verandas waren

ein beliebter Ort, um sich zu treffen und schöne Abende zu

verbringen. Täglich mussten wir durchschnittlich bis 8.30

Uhr beim Frühstück erscheinen, jedoch war auch dies und

das Abendessen eher enttäuschend, da es weder italienisch

noch lecker war. Dies hört sich nun alles sehr negativ an,

aber im Grunde war es sehr schön. Die Klassenfahrt bestand

schließlich auch aus Strandbesuchen und Ausflügen

nach Rom und in die Umgebung. Dort kamen wir in der

Regel wieder mit dem Busunternehmen hin, was uns zur

Weißglut trieb, da die Busfahrer es nicht einmal schafften,

den Bahnhof zu finden. Dorthin hätte man eigentlich nur

zehn Minuten gebraucht. Das führte dazu, dass wir hin und

wieder lange Wartezeiten hatten und überall viel später

ankamen, als es angedacht gewesen war. Bei den Ausflügen

sahen wir viele schöne und interessante Anlagen und

Bauten, so zum Beispiel den Park der Villa Borghese und

das Vatikanmuseum sowie den Petersdom. Die zehn Tage

waren für uns eine sehr schöne Zeit. Wir haben die Stadt,

die Wärme, den Strand und die wundervollen Ausflugsziele

wie die Villa d’Este sehr genossen. Wir wuchsen alle nach

der schulischen Trennung im Anschluss an das Klassenspiel

noch einmal eng zusammen und erhielten so einen schönen

Raum zum Abschied nehmen nach zwölf Jahren gemeinsamer

Schulzeit mit Höhen und Tiefen.

Auf Wiedersehen! – Areviderci!

Theresa Ploch und Jana Klewinghaus

14 Sicht 2007


Mit Mut und Lust an die Sache – Beate Kruska

Eigentlich wirkt sie sehr bodenständig,

unsere neue Klassenlehrerin der ebenfalls

neuen Klasse eins. So ist sie 1963

hier in Wuppertal geboren und sie ist

auch hier geblieben. Wenn man dann

noch erfährt, dass in ihrer Schulzeit

Lehrerin eine Weile ihr Berufswunsch

war, dann scheint ihre jetzige Stellung

die konsequente Fortsetzung zu sein.

Nun, ganz so gradlinig verlief ihr Weg

dann doch nicht, und er ist wohl Ausdruck

ihrer großen Neugier und ihres

Mutes, ganz neue Dinge anzupacken.

Nach ihrem Fachabitur war der Berufswunsch

Lehrerin bereits den Hintergrund

gerückt. Unerfreuliche Eindrücke

in der eigenen Schulzeit hatten

das Bild des Traumberufes doch arg

getrübt. Also schloss Frau Kruska zunächst

eine Ausbildung zur Schauwerbegestalterin

an und arbeitete auch

ein paar Jahre in diesem Beruf.

Auf dem Bergischen Kolleg holte sie

dann das Abitur nach. Durch Bekannte

ergab sich anschließend die Möglichkeit,

in einer Firma für Veranstaltungstechnik

zu arbeiten. Dort kam

keine Langeweile auf, war sie doch

für viele Bereiche zuständig: Personal,

Buchhaltung, Material, wie es so geht

in einem kleinen Betrieb mit kreativem

Arbeitsansatz. Aber das Arbeiten

allein genügte Frau Kruska nicht. Auf

der Abendschule absolvierte sie parallel

noch eine Ausbildung zur Bürokauffrau.

in dieser Zeit kam auch ihre

Tochter Mia zur Welt.

Nun gingen die Dinge ineinander

über: Der Firma ging es nicht mehr gut

und die immer größer werdende Routine

löste den Wunsch nach beruflicher

Neuorientierung aus. Die Tochter kam

ins Kindergartenalter. Zu dem Zeitpunkt

war durch Freunde und Bekannte

das Interesse an der Waldorfpädagogik

bereits geweckt, und so wurde die

Tochter in den Waldorfkindergarten

Schloßstraße gebracht. Von Anfang an

hat Frau Kruska diese Zeit aufmerksam

und mit persönlichem Einsatz begleitet.

Nach der Einschulung ihrer Tochter

an unserer Schule im Jahr 2000

setzte sie ihr Engagement fort, begleitete

Klassenfahrten, engagierte sich

später – und bis heute – im Festkreis.

Diese Einblicke formten dann die Idee,

Waldorflehrerin zu werden und so trat

Frau Kruska 2004 die Ausbildung zur

Klassenlehrerin und Handarbeitslehrerin

am Lehrerseminar in Witten an.

Hospitationen absolvierte sie an unserer

Schule, und auch ihre Abschlusskurspraktika

konnte sie bei Herrn Hauf

in der damals zweiten Klasse leisten.

Bereits vor dem Abschluss der Ausbildung

im Sommer 2007 war dann

Fragebogen

auch klar, dass sie die neue Klasse

eins würde übernehmen können. So

scheint sich ein Kreis zu schließen, sie

ist eben doch Lehrerin geworden. Und

dass sie zur Zeit „nur“ als Klassenlehrerin

arbeitet, sieht sie als Vorteil an:

Diese erste Klasse ist mit ihren 12

Jungen und 21 Mädchen ein munteres

Trüppchen, das viel Kraft fordert.

Gerne berichtet Frau Kruska vom Vormittagsablauf

in ihrem beweglichen

Klassenzimmer. Und wenn sie darüber

redet, wie es weitergeht mit ihrer Klasse,

entsteht ein ähnlicher Eindruck, als

wenn sie von ihren Reisen (lesenswert:

Der Bericht über ihren Namibia-Aufenthalt

in diesem Heft) und Reiseplänen

redet: Sie geht mit Mut und Lust

auf neue Erfahrungen an die Sache.

Astrid Isenberg

Hobbys Lesen, Kochen, Reisen, Malen, Musik

LieblingsautorIn Hermann Hesse, Astrid Lindgren, E. Annie Proulx;

bei den Dichtern: Rainer Maria Rilke, Rose Ausländer, Mascha Kaléko

Zuletzt gelesenes Buch Im Schatten des Windes von Carlos Ruiz Zafón

Lieblingsmusik Peter Gabriel, Marie Boine, Tom Waits, Taj Mahal, Loreena McKennitt

Lieblingsessen Kürbissuppe, Zabaione, italienische und arabische Küche

Lieblingssport Unser bewegliches Klassenzimmer

Haustier Kater Peppino

Wohin fahren Sie am liebsten in Urlaub? Überall dorthin, wo ich noch nicht gewesen bin.

Worauf könnten Sie schlecht verzichten? Auf meine Familie,

leckeres Essen und guten Wein

Leitvers Das Glück deines Lebens hängt ab von der Beschaffenheit deiner Gedanken.

Sicht 2007

15


Jeden Tag kleine Erfolge – Greta Ante

Ein echtes Waldorf-Gewächs, fast zumindest,

denn sieht man einmal von

knapp vier Jahren Grundschulzeit in

Linderhausen/Schwelm ab, genoss

Greta Ante eine komplette Waldorf-

Erziehung und -Ausbildung. Etwas

verspätet, zum 1. September 2007,

trat sie an der Rudolf-Steiner-Schule

Wuppertal ihre erste Stelle als Leiterin

der mit dem neuen Schuljahr im

August gestarteten Offenen Ganztagsgrundschule

(OGATA) an – und kehrte

damit zurück zu ihren Wurzeln.

Denn die Waldorf-Karriere der 1983

in Wuppertal geborenen Greta Ante

begann ebenfalls an unserer Schule.

Die besten Erinnerungen an ihre mit

der Klasse 12 abgeschlossenen Schulzeit

hat Greta Ante an den Musikunterricht

bei Herrn Fuckert und große

Chorprojekte, bei denen sie mitsang.

Dass sie Erzieherin werden würde,

stand eigentlich schon immer fest. Eine

große Familie mit drei Geschwistern

und vielen Cousins und Cousinen hatte

nicht zuletzt zu diesem Entschluss

beigetragen. Das Vorpraktikum absolvierte

Greta Ante an der Troxler-Schu-

Fragebogen

Hobbys Schwimmen, Theater, Familie und Freunde

Lieblingsautor/in Astrid Lindgren

Zuletzt gelesenes Buch Bis(s) zum Morgengrauen von Stephanie Meyer

Lieblingsmusik Reinhard Mey

Lieblingsessen Sauerkraut und Kasseler

Lieblingssport Turmspringen

Haustier Mischlingshund Rüdiger

Wohin fahren Sie am liebsten in Urlaub? Schweden

Worauf könnten Sie schlecht verzichten? Eine gute Mahlzeit

Vorbild Meine Großmutter

Leitvers Käse wird im Liegen gut!

le. Hier betreute sie ein Jahr lang zwei

bis drei Kinder aus der Oberstufe und

begleitete sie durch ihren nicht immer

ganz einfachen Alltag.

Doch dann sollte erst einmal Schluss

sein mit Rudolf Steiner und Waldorf.

Ihre Ausbildung wollte Greta Ante an

einer staatlichen Schule machen. Das

erste Gespräch im staatlichen Institut,

das Gebäude, die Art, wie man mit

den Bewerbern umging – das alles war

nicht ihre Welt und enttäuschte sie.

Glücklicherweise hörte sie vom Rudolf-Steiner-Erzieher-Seminar

in Dortmund,

fuhr hin und war begeistert.

Dort absolvierte sie ihre zweijährige

Erzieherausbildung, die sie mit einem

staatlich anerkannten Abschluss beendete.

Das Anerkennungsjahr fand dann

schon fast selbstverständlich an einer

Waldorfeinrichtung statt. In der Christian-Morgenstern-Schule

betreute Greta

Ante Kinder der ersten bis dritten

Klasse im Hort. Es war eine intensive

Zusammenarbeit mit den Kindern,

eng geführt in klaren Strukturen, denn

gerade für die Kleinen ist der Tag bis

17 Uhr sonst recht lang. Über ihre

Tante, Christine Lenz, bewährte und

erfahrene Mitarbeiterin der Schulbetreuung,

erfuhr Greta Ante von den

Plänen der Rudolf-Steiner-Schule, eine

OGATA einzurichten, und der Suche

nach einem passenden Leiter. Das Timing

war perfekt, Greta Ante bewarb

sich und ihre erste Stelle schloss sich

nahtlos an ihre Ausbildung an.

Die Bezeichnung »Leiterin« hört Greta

Ante dabei nicht so gerne. Ihr ist bewusst,

dass die Arbeit mit den Kindern

nur im Team gut zu bewältigen ist.

Was sie daran reizt? Die Kinder natürlich.

Und dann, jeden Tag flexibel auf

die Anforderungen zu reagieren, kleine

Veränderungen durchzusetzen und

die Erfolge wahrzunehmen, die sich

daraus ergeben. Auch die Freiheit, die

neue OGATA selbst mitgestalten zu

können. Dabei war es anfangs schon

ein wenig gewöhnungsbedürftig, mit

den eigenen ehemaligen Lehrern am

Konferenztisch zu sitzen. Aber das hat

auch Vorteile. Man kennt sich gegenseitig,

kennt die Abläufe in der Schule,

es hat fast etwas Familiäres.

Nun freut sich Greta Ante, hier angekommen

zu sein. Sie ist gespannt auf

den geplanten Umbau und die neuen

Herausforderungen für die OGATA mit

mehr Kindern. Wir freuen uns, dass Sie

da sind, Frau Ante!

Martina Schnober-Sen

16

Sicht 2007


Ein klarer Standpunkt – Bärbel Krah

„Unsere neue Religionslehrerin ist

ganz nett! Und sie hat auch schon

Fotos von uns gemacht, damit sie die

Namen schneller lernen kann.“ Inga

(Klasse vier) kommt begeistert aus

der Schule. Und tatsächlich: Seit diesem

Schuljahr haben wir eine neue

Lehrerin für evangelische Religion.

Bärbel Krah ist seit sechs Jahren Pfarrerin

an der Neuen Kirche in der Sophienstraße

in Elberfeld. Zuvor hatte

sie nach ihrem Studium in der Alten

reformierten Kirche Elberfeld gearbeitet,

dann drei Jahre als Seelsorgerin

auf Krebsstationen der Uniklinik Köln

mit Ethikunterricht an der dortigen

Pflegeschule und schließlich elf Jahre

als Gemeindepfarrerin in Bonn-Beuel.

Ihre besondere Liebe gilt dem jüdischchristlichen

Gespräch, den (lateinamerikanischen)

Befreiungstheo logien, der

Gottesdienst gestaltung und der Hospizarbeit.

Außerdem hat sie Zusatzausbildungen

in Gesprächsführung,

Bi bliodrama und Lebendiger Liturgie.

Ach ja, und die A-Lizenz des Deutschen

Turnerbundes auch.

Unterrichtet hat sie zuletzt im Schuljahr

2005/2006 an der Gesamtschule

Barmen – der Schule ihrer beiden

Töchter – , wo sie eine erkrankte Kollegin

ersetzte. Als nun bei uns ein/e

NachfolgerIn für Michael Clauß gesucht

wurde, fiel die Wahl der Kirchenkreisleitung

auf sie. Und so unterrichtet

sie nun am Freitagvormittag

die Klassen vier, elf und zwölf.

Um einen besseren Zugang zu dem ihr

noch etwas fremden „System Waldorfschule“

zu finden, war sie schon beim

pädagogischen Tag des Kollegiums in

den Sommerferien dabei und hat einmal

bei Frau Ploch in der vierten Klasse

hospitiert. Die schöne Gestaltung

der Klassenräume und der liebevolle

Umgang mit den SchülerInnen hat

sie dabei besonders beeindruckt, und

manches methodische Ritual aus dem

Hauptunterricht greift sie gerne auf.

Dennoch: „Ich bin nur einmal in der

Woche für drei Stunden in der Schule,

da ist es nicht ganz einfach, sich hier

zurecht zu finden“, sagt Bärbel Krah.

Die KollegInnen sind alle sehr freundlich

und hilfsbereit, aber die Zuständigkeiten

etwa für technische Geräte

sind trotzdem unklar. Und für mehr

Mitleben (Konferenzen, Feste ...) fehlt

ihr wegen der sehr arbeitsintensiven

Gemeindearbeit schlicht die Zeit. Das

findet Bärbel Krah „schade, aber leider

nicht zu ändern.“

Im Unterricht selbst vertritt sie – insbesondere

in der Oberstufe – einen

Fragebogen

klaren eigenen Standpunkt. Den muss

niemand übernehmen, eher möchte

sie ihn als Herausforderung verstanden

wissen, sich selbst mit biblischen

Texten und den Inhalten evangelischen

Religionsunterrichtes auseinander zu

setzen und hoffentlich in Freiheit einen

eigenen Zugang dazu zu finden. Kritische

Rückfragen sind dabei überaus

erwünscht, bieten sie doch die Chance

der eigenen Selbstvergewisserung.

Wir freuen uns über so eine engagierte

und kompetente neue Lehrerin!

Petra Tummoszeit

Hobbys Lesen, Theologie, Gartenarbeit, andere Kulturen kennenlernen

LieblingsautorIn Diverse, von Ingo Baldermann bis Else Lasker-Schüler ....

Zuletzt gelesenes Buch Harry Potter Bd. VII, W. Kuczok „Dreckskerl“,

Maarten t’Hart „Die schwarzen Vögel“

Lieblingsmusik Brasilianische Musik, Bachmotetten, guter, alter Jazz (Dave Brubeck und

andere), Rockmusik der 70er/80er Jahre

Lieblingsessen Gebackene Kartoffelstücke, Feldsalat

Haustier (Kleinwüchsige, fehlfarbene) Dalmatinerhündin „Hermine Schmitz“

Wohin fahren Sie am liebsten in Urlaub? Westerwald, Niederlande, Berlin, Rom ... am

liebsten nach Brasilien

Worauf könnten Sie schlecht verzichten? Bücher, Kaffee, Freundinnen, Psalmen, meine

Familie ...

Vorbild(er) Gerade, aufrechte Menschen

Leitvers Ezechiel 21, 31b: „...Denn nichts bleibt wie es ist, sondern was hoch ist, soll

erniedrigt werden, und was niedrig ist, soll erhöht werden.“ sowie aus dem rheinischen

Katechismus: „Et kütt wie et kütt.“

Sicht 2007

17


Über die Luft – Aus dem Chemieunterricht der Oberstufe

Die atmosphärische Luft der Erde

durchdringt jeden Winkel unseres

Lebensraumes, umschließt unseren

Körper und ist allgegenwärtig. Sie ist

farblos, geruchlos und geschmacklos.

Das ist sehr vorteilhaft, denn dadurch

erst haben wir die Möglichkeit, andere

Gegenstände und Lebewesen in der

Welt wahrzunehmen.

Man stelle sich vor, die Luft wäre wie

Nebel oder würde nach Pfefferminz

riechen, dann wären wir ständig mit

dieser Luft beschäftigt und könnten die

Aufmerksamkeit nur schwer auf anderes

um uns herum richten. Auch dass

wir miteinander sprechen können,

haben wir dem Umstand zu verdanken,

dass Luft im Raum ist. Andernfalls

könnten Gesprächspartner nur unsere

Mundbewegungen sehen. Wenn jemand

auf dem Mond Geige spielte,

könnte man ihm beim Fiedeln zuschauen,

hören würde man ihn nicht.

Die Luft ist also Träger des Schalls. Und

die Luft kann Feuchtigkeit aufnehmen

und Wärme, diese irgendwo hintransportieren

und wieder abgeben. Die

Luft beeinflusst also maßgeblich unser

Klima. Sie bildet eine dünne Schutzhülle

gegen den kalten Weltraum. Aus

Die dünne Lufthülle schützt uns

all diesen Gründen und aufgrund der

Tatsache, dass wir die Luft ständig einund

ausatmen, haben wir eine tiefe

innere Beziehung zur Luft.

Es ist gar nicht so einfach, die Luft

sinnlich wahrzunehmen. Man könnte

im ersten Moment meinen, zwischen

Ihnen und dem Text, den Sie lesen, sei

nichts, also ein leerer Raum. Erst wenn

Sie jetzt das Fenster öffnen, würde

vielleicht ein Wind über die Wangen

streichen. Und dann merken wir: da

ist doch noch was! Wir nehmen die

Luft als einheitlichen Stoff wahr, und

so ist es kein Wunder, dass man 2000

Jahre lang geglaubt hat, die Luft sei

ein chemisches Element, also ein Stoff

und unteilbar. Aristoteles hatte 350 vor

Christus die Vier-Elemente-Lehre aufgestellt

mit Erde, Feuer, Wasser, Luft.

Später kam noch ein Urstoff hinzu, die

Quintessenz. Es dauerte bis zum Zeitalter

der Aufklärung um 1700 herum,

bis plötzlich Naturforscher auftauchten,

die die aristotelische Lehre ernsthaft

anzweifelten.

Der irische Naturforscher Robert Boyle

schrieb um diese Zeit ein Buch mit

dem Titel „The sceptical chemist“, in

dem er sehr ausführlich darlegte, warum

die aristotelische Theorie überprüft

werden müsse. Aristoteles war im Wesentlichen

Philosoph gewesen, hatte

alles theoretisch überlegt und durchdacht.

Es wurden keine Experimente

durchgeführt. Boyle hingegen führte

nun eine neue wissenschaftliche Methode

ein: man hat eine Problemausgangssituation,

postuliert eine Theorie,

befragt anschließend die Natur in Form

geeigneter Experimente, bestätigt oder

korrigiert dann die Theorie und kommt

so Schritt für Schritt einer absoluten

Wahrheit näher.

Man muss sich vorstellen, was für einen

großen und mutigen Schritt Boyle

machte. 2000 Jahre lang war von Generation

zu Generation die Vier-Elemente-Lehre

weitergegeben worden.

Europa hatte das dunkle Mittelalter

hinter sich und die Alchemie, mit allerlei

Magie und Hexenzauber. Man hatte

sich mit Goldmacherei beschäftigt und

nach dem Stein des Weisen gesucht.

Die führenden Wissenschaftler in jener

Zeit waren die Araber. Wir haben

noch heute viele arabische Wörter in

der Sprache der Chemie und wir verwenden

arabische Zahlen. „Natrium“

zum Beispiel kommt vom arabischen

„natrun“, was Soda bedeutet. „Elixier“

kommt von „al-iksir“ (Urstoff) und „Alchemie“

von „al kymia“. Die Araber

hatten nach dem Tod von Mohammed

in Windeseile Persien, Indien, Ägypten

und den Nahen Osten erobert und

waren dabei in Besitz des Wissens der

alten Kulturen gekommen. Zum Glück

waren unter ihnen kultivierte Leute.

Sie haben die Bücher und Schriftrollen

nicht verbrannt, sondern gelesen.

Sie pflegten die Weisheiten der Antike

sorgsam, entwickelten sie weiter

und kamen zu neuen Erkenntnissen.

In Europa aber stagnierte alles. Und

trotzdem tauchte da plötzlich dieser

Boyle auf und sagte: „Nein, da stimmt

irgendetwas nicht. Ich glaube nicht,

was die Leute sagen. Ich möchte das

selbst einmal überprüfen.“ Und nun

sehen wir, wie sich jemand gegen eine

Massenüberzeugung stellt, frei denkt

ohne Indoktrination und voreilige Be-

18 Sicht 2007


wertung. Das Zeitalter der Aufklärung

begann nun auch in den Naturwissenschaften.

Der „Sceptical chemist“ erschien,

gegen massivste Widerstände

und Herabwürdigungen seiner Fachkollegen

und der Kirche.

Im Ergebnis bewies Robert Boyle als

Erster, dass die Luft ein physikalisches

Gemisch verschiedener Gase darstellt,

also durchaus teilbar und kein Element

ist. Und es war experimentell mit den

damaligen Möglichkeiten nicht einfach,

dieses festzustellen, hatte man

doch nur ein paar Glasgeräte und einen

Kohleofen zur Verfügung. Heute

wissen wir, dass die Luft aus 21 Prozent

Sauerstoff, 78 Prozent Stickstoff,

0,9 Prozent Argon und 0,04 Prozent

Kohlendioxid besteht, Tendenz steigend....

(Treibhauseffekt).

Wenn Sie den Motor ihres Autos starten,

dann geht das alles nur, weil

Sauerstoff in der Luft ist. Sauerstoff

bringt Verbrennung. Die Chemiker

lieben das, sind sie doch alle irgendwie

verkappte Pyromanen. Wenn der

Waldorfschüler in Klasse sieben seine

erste Chemiestunde erlebt, was passiert

dann? Als erstes wird ein Feuer

entzündet! Umgewandelte Sonnenwärme

steckt im Pflanzenmaterial.

Der Sauerstoff setzt diese wieder frei.

Und so wärmt uns seit Jahrtausenden

das Lagerfeuer und so liegt unsere Körpertemperatur

beständig bei 37 Grad

Celsius. Der Stickstoff macht unterdessen

gar nichts. Während der Sauerstoff

sich auf alles stürzt und reagiert,

schaut sich der Stickstoff das Treiben

an und erscheint teilnahmslos. Er ist

reaktionsträge, wabert einfach so herum

und kümmert sich nicht um die

Verbrennung. Bestenfalls dehnt er sich

aus, weil er auch warm wird. Beim

Atemvorgang wird er unverändert

wieder ausgestoßen. Wir können ihn

scheinbar nicht gebrauchen.

Trotzdem ist der Stickstoff ein ganz

wichtiges Element für das Leben. Die

Eiweißstoffe, aus denen zum Beispiel

unsere Haare, Fingernägel, Haut bestehen,

enthalten 18 Prozent Stickstoff.

Anders ausgedrückt: ein 70 Kilo

schwerer Mann besteht zu 2,5 Kilo

aus Stickstoff. Trotzdem ist er gemeinhin

kein Luftikus. Denn der Stickstoff

liegt in ihm nicht luftig vor, sondern

ist in das Feste übergegangen, in Form

von Eiweiß und anderen Stoffen. Die

Eiweißstoffe sind das Baumaterial für

Tier und Mensch. Sie formen unseren

Körper. Die Frage ist nun also: wie

kommt der reaktionsträge Stickstoff in

das Lebendige hinein?

Zum Beispiel beim Gewitter. Beim

Gewitter nämlich findet der Sauerstoff

seinen ewigen Gesellen, den Stickstoff,

plötzlich so attraktiv, dass er ihn

mit Hilfe der Elektrizität oxidiert, mit

ihm eine Reaktion eingeht unter Bildung

von Stickoxiden. Das ist wie bei

der Liebe: der Sauerstoff gerät durch

die Luftelektrizität in einen angeregten

Zustand, umarmt den Stickstoff und es

entsteht etwas Neues. Und die entstehenden

Stickoxide sind wasserlöslich,

regnen zu Boden, wo noch ein paar

Stickstoffbakterien an ihnen herumbasteln,

bis schließlich Nitrat entstanden

ist, das die Pflanze als Nährstoff

mit dem Pflanzensaft aufsaugt. Die

Pflanze baut aus dem Nitrat Eiweißstoffe.

Und die Pflanzenfresser und der

Mensch essen dann die Pflanze, und

so kommt der gebundene Stickstoff in

unseren Körper.

Auf der Suche nach Möglichkeiten, der

Pflanze künstlich Stickstoff zuzuführen

und um die Welternährungsprobleme

nach gestiegener Bevölkerungszahl zu

lösen, kam es um 1910 zur Erfindung

des Haber-Bosch-Verfahrens. Dabei

handelt es sich um eine künstliche

Ammoniaksynthese, die auch heute

noch zum Beispiel bei der BASF Tag

und Nacht durchgeführt wird. Die Ammoniaksynthese

war bahnbrechend

und gab damals Anlass zur Hoffnung,

die Ernährungsprobleme zu lösen, da

daraus Düngemittel hergestellt werden

können. Allerdings war das dann auch

die Geburtsstunde der Industrialisierung

der Landwirtschaft mit all ihren

Nebenwirkungen. 125 Millionen Tonnen

Ammoniak werden heute weltweit

hergestellt.

Fritz Haber ist allerdings eine tragische

Figur. Die deutsche Armee war

bekanntlich die erste weltweit, die

Giftgas in einem Krieg, nämlich dem

Ersten Weltkrieg, einsetzte. Und der

gleiche Haber war derjenige, der diese

Stoffe entwickelte. Als Gasforscher –

Ammoniak wird aus Wasserstoff und

Stickstoff hergestellt – hatte man ihn

gefragt, ob er nicht etwas entwickeln

könne gegen den „bösen Franzos“.

Seine Antwort waren die ersten chemischen

Kampfstoffe der Welt: Chlorgas

und Phosgen. Die Ehefrau Habers war

eine strikte Gegnerin der Giftgasforschung

ihres Mannes. Haber nahm

dies aber nicht wahr, sondern verfiel

Sicht 2007

19


Über die Luft – Aus dem Chemieunterricht der Oberstufe

dem deutschen Patriotismus. Daraufhin

nahm sie sich das Leben. Obwohl

Haber nach dem Krieg als Kriegsverbrecher

angeklagt wurde, erhielt er

1918 den Chemie-Nobelpreis für seine

Ammoniaksynthese. Später wurde

Haber auch noch von den Nazis engagiert.

Als diese merkten, dass Haber

Jude war, drängten sie ihn wieder aus

dem Amt. Er emigrierte dann nach

Cambridge, wo er eine Professur annahm

und starb wenige Monate später

verbittert im Jahre 1935. Es gibt heute

immer noch ein Fritz-Haber-Institut in

Berlin, Arbeitsplatz unseres neuen Nobelpreisträgers

Gerhard Ertl.

mosaiksteinartig zu einem Weltbild

zusammen, das sich der Schüler durch

seinen Willen und sein Erleben selbst

erschaffen kann. Der Schüler kann

außerdem sehr oft den Bezug zu sich

selbst und der Welt, in der er steht, fühlen.

Dadurch entsteht eine Vertrautheit

mit der Stoffeswelt, die Sicherheit gibt.

Wir dürfen hoffen, dass auf diese Weise

Menschen unsere Schule verlassen,

die die Natur lieben und durch ihre

persönliche Urteilsfähigkeit, ihr freies

Denken und ihre Willenskräfte die

Möglichkeit in sich tragen, diese Natur

aktiv zu bewahren.

Dr. Andreas Pahl

Alchemistisches Symbol

für die Luft

Über die Chemie an Waldorf-Schulen

ist bereits viel publiziert worden. Neben

den knappen Lehrplanangaben

Rudolf Steiners stehen uns vor allem

dessen ausführliche Hinweise zur

Unterrichtsgestaltung vor dem menschenkundlichen

Hintergrund zur

Verfügung. Weiterhin gibt es zahlreiche

anerkannte Darstellungen in der

Fachliteratur. Beispielhaft seien die

Autoren Ernst-Michael Kranich, Wolfgang

Schad und mein verehrter Lehrer

Wilfried Sommer genannt. Ich teile

statt dessen lieber mit, was mir in meinem

persönlichen Unterrichtserleben

an unserer Schule aufgefallen ist: Dass

die Chemie an den Phänomenen erarbeitet

wird, mit einer Kultur des Beobachtens,

der exakten Versuchsbeschreibung

und der kausalen Verknüpfung,

hat sich bewährt. Die Aufmerksamkeit

wird geschult. Die zahlreichen Querverbindungen

zu historischen Ereignissen,

zum Leben oder auch zur Technik

fügen die einzelnen Unterrichtsfächer

Bereich Schadstoff(e) in der Luft mögliche Auswirkungen z. Zt. eingeleitete Maßnahmen

Energieerzeugung Kohlendioxid (CO2) Klimaerwärmung Verringerung der CO2-Emissionen

weltweit durch Kyoto-Protokoll

angestrebt, auch durch neuartige

Motoren, wie Wasserstoff- oder

Brennstoffzellenmotoren

Energieerzeugung Schwefeldioxid (SO2) saurer Regen Verringerung der SO2-Emissionen

im Wesentlichen durch Rauchgas-

Entschwefelungsanlagen

Straßenverkehr Stickstoffoxide (NOx) saurer Regen,

Eutrophierung

Massentierhaltung Ammoniak (NH3) saurer Regen,

Eutrophierung

Lösemittelverwendung

Kältetechnik

Treibmittel

Lösemittel

non-methane volatile organic

compounds (NMVOC)

Fluorchlorkohlenwasserstoffe

(FCKW)

Ozonbildung

Ozonloch

Verringerung der NOx-Emissionen

im Wesentlichen durch Abgasnormen

und damit durch den Einbau

von Drei-Wege-Katalysatoren

Verringerung durch Genfer Luftreinhalteabkommen

geplant (55o kt für

Deutschland)

Der festgelegte max. Emissionswert

für 2010 wird voraussichtlich von

Deutschland überschritten (995 kt)

20 Jahre nach dem Protokoll von

Montreal sind erst ein Drittel der

FCKW durch andere Stoffe ersetzt.

Sie dür fen infolge verschiedener

Ausnahmeregelungen noch bis zum

Jahr 2040 eingesetzt werden. So

werden sie etwa bis zum Jahr 2050

in die Atmosphäre entweichen.

20 Sicht 2007


Schüler berichten von der Projektwoche

Auch in diesem Jahr erstatten wir

Bericht von der Projektwoche. Zwar

nur in diesem ungewöhnlichen Rahmen

in der „Sicht“, aber auch die

Projektwoche ist in diesem Jahr anders:

So stehen die 14 Kurse lediglich

den Schülerinnen und Schülern der

Oberstufe zur Wahl. Die Mittelstufe

muss aufgrund eines Mangels an

Kurs-angeboten erstmals auf eine Projektwoche

verzichten. Herr Ploch erklärt,

er fände es „richtig scheiße, dass

die Mittelstufe keine Manufakturwoche

hat“. Aber auch die Oberstufenprojektwoche

lief nicht konfliktfrei

ab. Bereits nach zwei Tagen ist Herrn

Kremers Thai-Chi-Kurs abgesagt worden.

„Das lag wahrscheinlich an uns“

meint Max (Klasse 12) dazu, er fände

Herrn Kremer „eigentlich ganz nett“.

Andere Kursteilnehmer äußern ihre

Freude darüber, dass sie sich nun ein

anderes Projekt aussuchen dürfen.

In der Zeitungsredaktion bauen wir

auf das Konzept vom letzten Jahr –

auf exzessives Computerspielen verzichten

wir allerdings. Der „Hörer

unglaublich lauter Musik“ (Leander)

bringt diesmal seine Kopfhörer mit,

sodass uns Herr Gärtner ein weiteres

Mal seine Unterstützung zusichert.

Auch Kursleiter Christian (Klasse 12)

bleibt dabei, obwohl ihm die „Sicht“-

Redaktion nach zwei Tagen mitgeteilt

hat, dass uns Zeitungsmachern die

versprochenen farbigen Seiten verwehrt

bleiben. Wir hoffen trotzdem,

ein paar unterhaltsame Seiten verfasst

zu haben.

Für die Schüler-Redaktion

Christian Kitazume

„Wir haben Recht“

Anstatt schriftliche oder körperliche

Arbeit zu leisten, haben sich sieben

jüngere Schüler der Oberstufe dazu

entschieden, den Kurs „Recht“ zu besuchen.

Anfangs schienen manche noch etwas

demotiviert: „Eigentlich wollten

wir in den Tanzkurs. Da dieser wegen

Schülermangels ausfiel, mussten wir

dann doch hier teilnehmen. Mittlerweile

gefällt es mir aber richtig gut!“,

berichtet Sarah Robke.

In diesem Jahr ist im Projekt „Recht“

ursprünglich – wie im letzten Jahr –

ein Gefängnisbesuch geplant gewesen,

nun wird jedoch ein Besuch in

der Jugendgerichtshilfe vorgenommen.

Dieser soll einen Einblick in das

Verhandlungsverfahren geben.

Zunächst geht es im Kurs daher um

Jugendkriminalität und -strafen. Um

für die Jugendgerichtshilfe vorbereitet

zu sein, wird des Weiteren eine

Gerichtsverhandlung projektintern

nachgespielt.

Das Ziel der Gruppe ist es, so mehr

Sensibilität und Gespür dafür zu

bekommen, welche Strafen Jugendlichen

drohen, wenn sie z.B. Drogen

konsumieren. Anschließend soll dann

das Erwachsenenstrafrecht thematisiert

werden.

Günter Greiner, Mitglied des Schulvorstands

und Jurist, leitet das Projekt.

Er wirkt zufrieden: „Mir gefällt

es, dass die Schüler interessiert an

meinem Unterricht teilnehmen.“

Auch die Schüler sind zunehmend

begeistert, je länger sie sich mit dem

Thema auseinandersetzen. Kein

Wunder: Herr Greiner stellt leicht

verständliche, sowie interessante und

jugendgerechte Themen vor. Zudem

ist Recht ein häufig angesprochenes

Thema, denn unser Zusammenleben

braucht feste Richtlinien, um ein soziales

Umfeld aufzubauen.

Jonathan Berrisch und

Johanna Schmidt-Modrow

Sicht 2007

21


Kein Filmriss beim

Filmprojekt

Beim Einkauf in einschlägigen Supermärkten

kann man viel entdecken:

Gammelfleisch, Penner, die mühsam

gesammelte Pfandflaschen abgeben,

und eher unauffällig gekleidete Leute

unterschiedlichen Alters, die hinter

den Kleinfamilien mit ihren, das komplette

Fließband füllenden Einkäufen

stehen: mit sechs Bananen und einer

Flasche Hochprozentigem. Misstrauisch

wird nach ihnen bekannten Gesichtern

Ausschau gehalten, hektisch

die Einkäufe nach Bezahlung verborgen

– der typische Alkoholiker. Doch

diese Leute sind nicht immer so gewesen,

oft liegen die Anfänge in der

Jugend: Die Gefahren des Trinkens

sind nicht bekannt gewesen oder unterschätzt

worden.

Der Filmkurs „Alkohol“ trägt unter

anderem dazu bei, dass so was nicht

mehr passiert. Zehn Schüler nehmen

im Zuge der diesjährigen Projektwoche

2007 an eben jenem Filmprojekt

teil und werden unter der Leitung

von Norbert Weinrowski in die

Kunst des Filmemachens eingeführt.

Dabei haben sie nicht das Ziel, in

einer Woche einen Dokumentarfilm

fertigzustellen. Denn dieses Projekt

ist wiederum Teil eines Projekts,

welches von allen jungen film- und/

oder alkoholinteressierten Leuten aus

Wuppertal auf die Beine gestellt wird,

und vom Medienprojekt Wuppertal

initiiert worden ist. Alle gesammelten

Beiträge werden zu einem Film

zusammengeschnitten, welcher dann

beim Adventsfest und am 17. Dezember

im Wuppertaler Rex-Theater

aufgeführt wird. So wird vom Medienprojekt

auch die Ausrüstung, etwa

professionelle Kameras und Mikrophone,

zur Verfügung gestellt. Auch

der Leiter gehört dem Medienprojekt

an. Die Arbeit der Gruppe erschöpft

sich dann auch nicht in langwierigen

theoretischen Vorträgen über Filmproduktionen,

sondern ist gleichsam

eine Feldstudie, in der das zuvor gemeinsam

theoretisch Erarbeitete und

Erprobte praktisch angewandt wird.

Zu den vielfältigen Interviewpartnern,

die jeweils von Kamera und Reporterteam

aufgesucht werden, gehören

Mediziner, Experten und Eltern.

Aber auch unmittelbar von der aktuellen

Debatte um Komasaufen und

Flatratetrinken Betroffene, wie Kioskbesitzer,

werden befragt. Herausforderungen

dabei sind das korrekte

Halten der Kamera und die Übung

journalistischer Eloquenz, um bei

einsilbigen Antworten der Befragten

den Mut zur Nachfrage aufzubringen.

Aber auch das Handwerkliche betreffend

ist einiges an Können gefragt,

denn „der Kameramann braucht drei

Hände“. Filmen mit Objektivdeckel

ist bei solchen Gelegenheiten ja

schon ein Klassiker. Insgesamt macht

das Filmprojekt „Alkohol“ einen professionellen

Eindruck: Alle arbeiten

gut mit und engagieren sich, etwa bei

der Erarbeitung von Interviewfragen.

Auch der Mut, fremde Leute in einer

fremden Umgebung mit möglicherweise

fremden Zuschauern zu interviewen,

ist zu bewundern. Und dass

diese Anstrengungen nicht umsonst

sind, dafür sorgt hoffentlich derjenige,

der alle Beiträge zu einem Film

zusammenschneidet.


Walther Scharlipp

22

Sicht 2007


Achtung!! Nichts

für Schüler mit

Höhenangst

Herr Burgtorf, Leiter eines Ingenieurbüros,

lebt eines seiner Hobbies

besonders gerne aus: das Klettern.

Das ist auch der Grund, weshalb

der motivierte Remscheider dazu

bereit ist, in diesem Jahr das Projekt

„Klettern“ zu leiten. Klar, denn Herr

Burgtorf hat im letzten Jahr unsere

tolle Kletterwand an der Nordseite

der Schule errichtet.

Gute Vorbereitungen des Kursleiters

sorgen dafür, dass die Schülerinnen

und Schüler bei jedem Wetter klettern

können: „Wenn das Wetter

schlechter wird, klettern wir, sofern

das finanziell unterstützt wird, in

den Wupperwänden“, so eine Beruhigungsmaßnahme

von Herrn Burgtorf.

Viele Schüler scheinen das kalte

Wetter zu hassen.

Da das Wetter aber momentan mitspielt,

wird beschlossen zu klettern.

In Dreiergruppen fangen die Schüler-

und Schülerinnen an, die Wand

hinaufzukraxeln.

Als Abwechslung klettert einer, ein

anderer sichert und ein dritter hintersichert.

Der „Hintersicherer“ muss

immer neben dem, der sichert, stehen,

um das Seilstück zu sortieren

und festzuhalten.

Es wird auch Sicherheitsausrüstung,

wie beispielsweise die sogenannte

„Schweinsnase“, vorgestellt, die für

das Stoppen und Absichern des Seiles,

anwendbar ist. Eine gute Einweisung

zu Gerät und Sicherheit. Das Material,

wie z.B. Gurte und Seile, die für

das Klettern benötigt werden, werden

von der Schule „gesponsert“.

Die Kursteilnehmer sind wirklich

zufrieden und nehmen alle Anweisungen,

zur Sicherheit ihrer Gruppenpartner,

an: „Ich find den Kurs

cool, weil ich endlich mal Klettern

und Sichern lernen kann“, so die begeisterte

Alina Bely.

Der Meinung war offensichtlich eine

unserer Lehrerinnen auch. Frau Billmeier

klettert begeistert mit und hat

Spaß an dem Geschehen.

Johanna Schmidt-Modrow

und Jonathan Berrisch

Die Beweise der

Vergangenheit

Fotos sind sozusagen „die Beweise

der Vergangenheit“. Wer von uns

blättert nicht gerne in Fotoalben, um

einen Blick in seine persönliche Vergangenheit

zu werfen?

Auch den Spaß am Fotografischen

haben viele entdeckt: Aufnahmen

festzuhalten, die eine Augenweide

bilden und in eine andere Welt einladen.

An Projektteilnehmern mangelt es

nicht. Rund 11 Schüler besuchen

in diesem Jahr den Fotografie-Kurs,

Marc Weidner, Fotografie-Student,

führt zufrieden seine Schüler an die

Bearbeitung von Fotos heran.

Die Teilnehmer haben damit angefangen,

Fotos von meist gegenständlichen

Dingen aufzunehmen – beispielsweise

von einer Baumrinde oder

bestimmten Schatten. Anschließend

sind die Aufnahmen auf den Computer

geladen und da, wo es nötig

gewesen ist, bearbeitet worden. Bestimmte

Programme zur Bearbeitung

von Fotos dienen zur Verschönerung

der Aufnahmen. „Mir macht es Spaß,

weil man viel im Umgang mit Kameras

und Aufnahmen lernt“, so Magarete

Scharlipp über den Unterricht.

Auffallend ist, dass viele Nahaufnahmen

„zur Übung der Schärfe“ aufgenommen

werden.

Auch Marc Weidner scheint zufrieden

zu sein: „Es macht Spaß, denn

die Schüler sind sehr interessiert“.

Dies wird auch Herr Schnorr bestätigen

können, denn an den beiden

Donnerstagen der Projektwoche

übernimmt er die Leitung und darf

die Fotoexperimente mit den Schülern

durchführen.

Johanna Schmidt-Modrow

und Jonathan Berrisch

Sicht 2007

23


Die Turnhalle bebt

Betritt man den Eingang der Sporthalle,

so kommen einem sofort laute

Rufe und Gebrüll entgegen. Kommt

man von den Umkleiden in die Halle,

so fliegen einem die Bälle um die

Ohren. Ein kräftiger Schuss, der Ball

fliegt schnell durch die Halle - Tor!

Die 30 sportlich gut motivierten

Schüler der Klassen 9, 10, 11 und 12

reizen die Kapazitäten der Sporthalle

bis aufs Äußerste aus. „Es macht viel

mehr Spaß in einer großen Gemeinschaft

zu spielen, da mehr Gruppen

entstehen und diese ausgeglichener

sind.“, so ein Schüler der Klasse 11.

Auf der anderen Seite stört jedoch die

Menge der Schüler den einwandfreien

Ablauf der Spiele, da oft ein Teil der

Kursteilnehmer auf der Bank warten

muss, bis die Spieler fertig sind und

ein Team gewonnen hat.

Neben dem Spaß am Sport gilt es

auch, motorische und taktische Fähigkeiten

der Schüler zu verbessern.

Da jeden Tag drei verschiedene Spiele

gespielt werden, und so immer

wieder neue Gruppen entstehen,

hilft der Sport auch, die

Stimmung der Schüler klassenübergreifend

zu verbessern.

Am Anfang geben die Schüler,

die als erstes in der Sporthalle

sind, das Spiel vor, bis dann

endlich alle Schülerinnen und

Schüler in der Halle und in

zwei Gruppen aufgeteilt sind.

Dann spielen die Schülerinnen

und Schüler in dieser

Gruppe ihre Lieblingssportarten,

die Schüler – wie nicht

anders zu erwarten – Fußball,

während die Schülerinnen zumeist

Volleyball bevorzugen.

Manchmal jedoch spielen die

Schülerinnen und Schüler

zusammen Basketball. Diese

Spiele, jeweils auf einer Hallenseite,

werden jedoch mit

dem Ziel der Taktikverbesserung

gespielt. Die Sportlichen stehen so

meist unter dauerhafter Beobachtung

und müssen, um Tipps zu bekommen,

manchmal anhalten und eine

Spielsituation besprechen. So spielen

die Schüler und Schülerinnen, bis sie

die erste Pause brauchen. Nach dieser

Pause versammeln sich noch mal alle

und entscheiden dann, was als nächstes

Spiel gespielt wird. Zumeist wird

Völkerball gewählt und wird dann bis

zum Ende (13.15 Uhr) gespielt. Am

Ende verlassen die Schülerinnen und

Schüler die Sporthalle erschöpft und

müde und freuen sich schon auf morgen,

wenn sie sich wieder austoben

können.

Florian Bresch und Leander Treß

24

Sicht 2007


Leckere Gerüche

in der Cafeteria

Geht man am Ende der 5. Stunde in

die Cafeteria, so kommt einem lautes

Gerede und ein leckerer, intensiver

Geruch entgegen, der in einem Hunger

erweckt. In der Cafeteria treffen

sich nicht nur Schülerinnen und

Schüler, sondern auch die Dozenten

der jeweiligen Kurse. Diese sitzen zusammen

an einem Tisch und reden

angeregt über das, was sie an jedem

Tag erlebt haben. So findet ein reger

Austausch über die verschiedenen

Kurse statt.

Anders als im letzten Jahr gibt

es dieses Jahr eine Küchentruppe,

die für ihre Mitschüler das

Essen zubereitet. Gekocht wird

kein extra Essen für die Oberstufe,

sondern die Schülerinnen

und Schüler der Klasse 9 helfen

dem normalem Küchenteam,

die Speisen für das Mittagessen

vorzubereiten und zu kochen.

Um den Oberstufenschülerinnen

und

Schülern das

Essen schmackhafter

zu machen,

hat das

Organisationsteam

der Oberstufenprojektwoche

entschieden,

das Essen für die

Schüler der Oberstufe

kostengünstiger zu

machen und deshalb

den Preis auf 2,50 €

gesenkt.

Angeboten werden,

auch um den Schülerinnen

und Schülern

in ihren Essgewohnheiten

entgegenzukommen,

Gerichte

wie Pommes mit

Currywurst oder Pizza.

Auch in Zukunft

wird es möglich sein,

die Pizza und andere

Gerichte, die aufwändiger

sind, anzubieten,

da die Küche einen neuen

Konvektomat hat. Ein Konvektomat

ist ein Ofen, in dem mit Umluft

oder Dampf auf 10 Blechen Speisen

zubereitet werden können. Dadurch

können bis zu 120 Essen gleichzeitig

gekocht werden. Auch während der

Projektwoche nutzt das Küchenteam

diesen Konvektomat, um ihre Speisen

wie Pizza oder Bratkartoffeln den

hungrigen Schülern servieren zu können.

Als Beilage gibt es neben dem

Hauptgericht Salat und eine täglich

wechselnde Nachspeise.

Alternativ gibt es zum Hauptgericht

immer Nudeln mit Tomatensoße.

Am Ende verlassen die Schülerinnen

und Schüler und deren Dozenten, die

in der Cafeteria gegessen haben, die

Cafeteria mit einem vollen Magen

und freuen sich schon auf das morgige

Essen.

Florian Bresch und Leander Treß

Sicht 2007

25


Viel Theater mit

Wenig

Freud und Leid eines jeden Waldorfschülers

ist – mindestens zweimal in

seiner Schulzeit – das Theaterspielen.

Große Mühe bereitet es jedem, seinen

Text zu lernen, allerdings findet

jeder wohl auch ebenso Gefallen daran,

wenn sein Auftritt gelingt und

das Publikum begeistert ist.

Viel Leid müssen die Teilnehmer des

Theater-Kurses nicht ertragen, immerhin

soll dieses Jahr größtenteils

improvisiert werden. Allerdings würde

ihnen auch wenig Freude beschert

sein, wenn die Gruppe das gleiche

Schicksal ereilen würde wie die Theatergruppe

des letzten Jahres: Deren

Stück „Herkules in Love“ kam nämlich

nie zur Aufführung.

Dieses Jahr soll es aber definitiv am

Adventsfest aufgeführt werden, auch

wenn Ort und Zeit noch nicht feststehen

und dies mit den anderen

künstlerischen Darbietern abgesprochen

werden muss, betont Projektleiter

Bernhard Heck. „Im letzten Jahr

ist das Stück auch daran gescheitert,

dass es schon vorher bestimmt worden

ist und die Schüler es sich nicht

aussuchen konnten – zudem war es

einfach zu umfangreich“, so erläutert

Herr Bernhard Heck weiter.

Aber diesmal wird alles anderes:

Anstatt dass ein großes Stück einstudiert

wird, werden im Kurs vor allem

kleinere Übungen durchgeführt, welche

den Schülerinnen und Schülern

die Grundlagen des Theaterspielens

vermitteln sollen, sozusagen das

„Handwerkszeug“ der Schauspielerei.

Auf Grundlage dieser Übungen werden

dann die kleineren Szenen erarbeitet,

die auf dem Adventsfest zum

Besten gegeben werden. Dabei gibt

es keinerlei Vorgaben, die Teilnehmerinnen

und Teilnehmer können

großen Einfluss auf die Entwicklung

der Szenen und deren Gestaltung

ausüben, indem sie ihre eigenen

Ideen einbringen. Jedoch dienen die

Übungen nicht nur dazu, die Szenen

zu entwerfen, sondern auch die Wahrnehmung,

die Konzentration und die

Koordination der Schülerinnen und

Schüler zu stärken. Andere Übungen

haben das Ziel, ihnen zu vermitteln,

wie sie verschiedene Stimmungen des

Menschen wie Freude oder Wut auch

ohne Worte ausdrücken können. All

diesem Tun ist gemein, dass es ohne

große Hilfsmittel auskommt. Auch

an Requisiten brauchen die Akteure

nicht viel.

Neben Ideen bringen die Teilnehmerinnen

und Teilnehmer auch jede

Menge Erfahrung aus mindestens

einem Klassenspiel mit, wobei auch

die hohe Anzahl an Neuntklässern

auffällt, die gerade ihr Achtklassspiel

hinter sich haben. Jedoch haben die

meisten weniger an ihr zurückliegendes

Klassenspiel bei ihrer Kurswahl

gedacht, „sondern eher an bekanntes

Improvisationstheater wie die

TV-Serie ‚Schillerstraße’“, bekennt

der Neuntklässler Konstantin Welker

freimütig.

Egal, wo die Gründe der Schülerinnen

und Schüler für die Wahl des

Projektes gelegen haben, spätestens in

drei Jahren werden alle wieder auf der

großen Bühne im Saal stehen. Vielleicht

wird ihnen das in diesem Jahr

Gelernte dabei helfen!

Arndt Helge Finkenrath

26

Sicht 2007


Rudolfs

Dancestars 2007

Spätestens seit „Dancestars 2007

ist zumindest den Jugendlichen, die

gerne VIVA schauen, bekannt, welch

hervorragende Vorlage Timbalands

bzw. OneRepublics neues Meisterwerk

„Apologize“ für starke und emotionale

Choreographien hergibt.

Aus diesem Grund hat sich die

Gruppe der Hip-Hop-Tänzer, die

während der Projektwoche im Musiksaal

das Parkett unsicher macht,

auf genau dieses Lied geeinigt. Ob

aus Klasse 9, 10 oder 12 – jeder bekommt

die Möglichkeit, eigene Ideen

in die Choreographie mit einzubringen,

und das, was eventuell schon an

tänzerischem Können vorhanden ist,

mit einzuarbeiten. Warum die Tänzer

dafür gerade dieses Lied gewählt haben?

„Das ist sooooo schöööön…“,

schwärmen die Schülerinnen. „Irgendwie

traurig, aber auch unglaublich

ausdrucksstark!“ Und wie soll

die Choreographie aussehen? „Na

ja, also wir machen Vorschläge und

dann schauen wir, wie man die einbauen

und eventuell noch verändern

kann“, sagt Astrid aus Klasse 10, die

das Projekt mit ihrer langjährigen Erfahrung

vorantreibt. „Jeder soll am

Anfang etwas alleine machen, und

dann wird etwas entworfen, was alle

gemeinsam tanzen“. Doch es wird

nicht bei diesem einen Lied bleiben.

Im Laufe der Projektwoche soll noch

mindestens ein weiteres folgen. „Wir

wollen, wenn die Zeit reicht, noch

eine Choreografie zu einem Lied aus

dem Tanzfilm „Honey“ entwerfen,

erklärt Svenja. „Bei ‚I believe’ bekommt

man immer Gänsehaut!“ Die

„Moves“, also die Bewegungen, die

geübt werden, bestehen aus Sprüngen,

griffen in die Luft, Drehungen

um die eigene Achse und dergleichen

mehr. Und schon am zweiten Tag

beklagt man sich über Muskelkater.

„Uff…mir tut alles weh!“ Aber Spaß

macht es allen. Im Laufe der Woche

werden die Schritte sicherer, die Bewegungen

fließender, das Gefühl für

Takt und Rhythmus nimmt zu und

die Abstimmung und Synchronizität

der einzelnen Tänzerinnen und Tänzer

wird stimmiger. Und der Spaß sowie

die guten Ergebnisse, die man erzielt,

trösten auch über schmerzende

Muskeln nach einem anspruchsvollen

Aufwärmtraining hinweg.

Niclas Wissmann

Sicht 2007

27


Ein durchaus

talentierter Haufen

Schon beim Betreten des Saalfoyers

ist die Luft mit Melodien erfüllt. Je

näher man der Saaltür kommt, desto

deutlicher wird die Mischung aus Gesang,

Schlagzeug, E-Gitarre, Bass und

Klavier, welche durchaus aus einem

CD-Player stammen könnte.

Dass dem nicht so ist, bemerkt man

erst beim Öffnen der Saaltür: Auf der

Bühne befinden sich Schülerinnen

und Schüler der 11. und 12. Klasse

und eine Lehrerin, teils an Musikinstrumenten,

teils mit Noten in der

Hand, die motiviert ihren jeweiligen

Part als Sängerin oder an den Instrumenten

gestalten.

Geleitet wird das Big-Band-Projekt

von dem zukünftigen Musiklehrer

der Oberstufe, Herrn Carsten Hönniger.

Dieser ist aktiv bei der Sache,

geht auf Fragen ein und scheut sich

nicht, auch mal selbst Hand an die

Instrumente zu legen. „Man kann

immer nur so gut sein wie das Equipment“,

sagt er und meint damit, dass

die Ausrüstung Schwachstellen aufweist,

für die die Schülerinnen und

Schüler nichts können. Dazu gehören

z.B. Ausfälle von Mikrophonen,

was eine zu geringe Lautstärke der

Stimmen zufolge hat. Doch trotz der

auftauchenden Probleme ist der Projektleiter

insgesamt zufrieden.

Den Abschluss des Projektes bildet

die Aufführung der einstudierten

Lieder auf dem Adventsfest. Dort

werden dann „Sweet home Alabama“

und „What’s up“ – mit eigens improvisierten

Teilen – zu hören sein.

Der zeitliche Rahmen für das Projekt

ist begrenzt und daher erschwert das

Fehlen der Sängerinnen am dritten

Tag der Projektwoche das Vorankommen

der Gruppe. Auch das Stimmen

der Instrumente verbrauche viel Zeit,

meint der Projektleiter. „Nach einer

Stunde haben wir gerade mal ein

Lied durchgespielt.“ Doch das ändert

nichts an der Tatsache, dass es den

Teilnehmerinnen und Teilnehmern

gefällt. „Dass es Spaß macht, liegt

wahrscheinlich daran, dass alle schon

etwas können“, sagt einer der 12.

Klässler, und damit hat er Recht: Es

ist ein durchaus talentierter Haufen.


Konrad Mostert

28

Sicht 2007


Sicht 2007

29


BRANDTGbR

MALERBETRIEB

Andreas + Guido

Große Hakenstr. 57 • 42283 Wuppertal

Telefon 0202 / 5116 05 • Fax 501741

30 Sicht 2007


Sicht 2007

31


32 Sicht 2007


naturhaus

Rainer Weghenkel

Windmühlenstr. 7

58332 Schwelm

fon: 02336 830367

mobil: 0171 4338903

e-mail: r.weghenkel@web.de

Beratung • Planung • Verkauf

- Öle, Farben u. Putze

- Massivholz - Möbel u. Küchen

- Ökologische

- Ökologischer Innenausbau

- Massivholzfenster

- Massivholz- u. Korkfußböden

- Schleifmaschinenverleih

Sicht 2007

33


allett-tanz-studio

katja krüger

• tänz. früherziehung

• kinderballett

• klass. ballett

• jazz dance

• modern dance

• hiphop

• stepp-tanz

• Pilates

Hofaue 89 • 42103 Wuppertal

Tel. 0202 / 440104

direkt an den City-Arkaden

www.ballettstudio-krueger.de

34 Sicht 2007


Sicht 2007

35


36 Sicht 2007


Himmel und Erde schmückt sich

nicht mit fremden Federn ...

... sondern mit Blumen von

Blumen

Pieper

Meckelstr. 50

42287 Wuppertal

0202 / 556179

Sicht 2007

37


Klettern – An der „Steiner Nordwand“

Unter mir geht es zehn Meter in die Tiefe. Mit einer Fußspitze

stehe ich auf einem kleinen Absatz. Mit den Händen

kann ich mich im Gleichgewicht halten, wenn ich eng an

der Wand bleibe. Ich setze den anderen Fuß auf den nächsten

Tritt – nicht größer als der, auf dem ich stehe... Wenn

das Sicherungsseil nicht wäre, würde ich mich kein Stück

weiter trauen. Ich würde nur noch auf Rettung warten – oder

auf ein Wunder. Doch das Seil gibt Sicherheit, es würde einen

möglichen Sturz auffangen. Aber es zieht mich nicht

hinauf. Klettern muss ich selbst, will ich weiterkommen.

Ich muss Kraft und Geschick einsetzen und mich manches

Mal überwinden ... Also verlagere ich das Gewicht auf den

anderen Fuß. In möglichst gleichmäßiger Bewegung strecke

ich den Körper. Dann greife ich schnell nach oben. Für

einen Augenblick denke ich, dass der „Sprung“ doch zu

gewagt, der nächste Griff zu weit weg ist. Aber dann finden

die Fingerspitzen in der schmalen Mulde Halt. Geschafft –

jetzt ist es nicht mehr weit bis nach oben.

Seit drei Monaten gibt es eine Kletterwand an unserer Schule.

Wegen ihrer Lage am Gebäude nenne ich sie scherzhaft

auch die „Steiner Nordwand“. Entstanden ist sie auf Initiative

von Thomas Ploch, der mit seiner Klasse zu Michaeli

2006 den Kletterturm der Christian-Morgenstern-Schule

bestiegen hatte. Nach dieser tollen Erfahrung wurde rasch

der Wunsch nach einer eigenen Kletterwand laut. Finanziert

durch zahlreiche Spenden wurden die Arbeiten dazu

in der letztjährigen Projektwoche begonnen. Die bauliche

Leitung lag in den fachkundigen Händen von Heinrich

Burgtorf, Bergführer beim Deutschen Alpenverein. Ihm und

allen Helfern sei ganz herzlich Danke gesagt für den persönlichen

Einsatz und die vielen Arbeitsstunden in schwindelnder

Höhe. Zum Sommerfest 2007 war es dann so weit:

Die Wand konnte zum ersten Mal bestiegen werden. Und

dann wollten so viele Kinder hinauf, dass die Helfer selbst

mit „Überstunden“ den Andrang nicht bewältigen konnten.

Noch sind einige Fragen zu klären. Wer lässt sich ausbilden,

um die entsprechenden Seil- und Sicherungstechniken

zu beherrschen? Welche Menschen werden sich zu einer

„Kletter-AG“ zusammenfinden, um die Wand regelmäßig

mit Leben zu füllen? Und wie wird das Klettern in das

Schulleben pädagogisch integriert – im Sportunterricht, im

Rahmen der offenen Ganztagsgrundschule, mit einzelnen

Klassen, bei Schulfesten und Aktionen und mit einzelnen

Schülerinnen und Schülern?

Immerhin hat eine Kletterwand einiges zu bieten: Man kann

neue Fähigkeiten entdecken, über sich hinauswachsen, an

die eigenen Grenzen gehen, ohne in Gefahr zu geraten;

man begreift, dass Mut nicht in Kletterhöhe gemessen wird,

sondern an der jeweiligen Selbstüberwindung; man lernt,

Verantwortung für Leib und Leben eines anderen zu tragen

und sich selbst ganz auf einen anderen Menschen zu verlassen;

man übt, der Wahrheit (nämlich dass einem nichts

passieren kann) mehr zu trauen als dem Irrtum (nämlich

dass das alles „gar nicht geht“); man schult den eigenen

Willen; übt Körper- und Selbstbeherrschung und sieht, wie

das im wahrsten Sinne des Wortes weiter bringt – so wie in

dem Gedicht von Christian Morgenstern:

Geschöpf nicht mehr, Gebieter der Gedanken,

des Willens Herr, nicht mehr in Willens Frone,

der flutenden Empfindung Maß und Meister,

zu tief, um an Verneinung zu erkranken,

zu frei, als dass Verstocktheit in ihm wohne:

So bindet sich ein Mensch ans Reich der Geister:

So findet er den Pfad zum Thron der Throne.

Jörg Tummoszeit

38 Sicht 2007


Immer wieder samstags ... – Der Instandhaltungskreis

Der Instandhaltungskreis betreut zusammen mit Vorstand

und Hausmeister die Gebäude und das Gelände der Schule.

Unser Kreis besteht aus einem Architekt, einem Lehrer

und vielen Handwerkern. Aufgefallene Mängel und

reparaturbedürftige Installationen werden von uns begutachtet

und Lösungsvorschläge erarbeitet. Umfangreichere

Maßnahmen, die von Firmen ausgeführt werden müssen,

bereiten wir für den Vorstand bis zur Auftragsvergabe vor.

Beispiele dafür sind die Renovierung der Treppe und der

Fassade des Saalbaus.

Kleine Reparaturen, Wartungs- und Pflegearbeiten werden

an Bau-Samstagen erledigt. An so einem Tag bekommt

man einen Überblick über das Aufgabengebiet unseres

Hausmeisters und erfährt, wie wichtig die Unterstützung

durch uns Eltern ist. In diesem Jahr wurden fünf einzelne

Klassen für je einen Bausamstag angesprochen, das hat

sich bewährt.

Für jeden gibt es eine Aufgabe. Erledigt wurden in diesem

Jahr zum Beispiel Rückschnitte von Bäumen und Sträuchern,

Neuverfugung von Treppenstufen und Podesten sowie

Handlaufpflege, Wartung, Erneuerung und Reparatur

der Spielgeräte, Schleifen und Versiegeln von Sitzbänken

und Müllbehältern, Leuchtmittelwechsel und Säuberung

von Lampen im Innen- und Außenbereich, Ergänzung der

Außenbeleuchtung um Zeitschaltuhr und Dämmerungsschalter,

Wartungsarbeiten im Saalbau unter Aufsicht des

Bühnentechnikers und Regenrinnenwechsel an der Holzbaracke.

Natürlich sind aber alle Eltern an jedem Bau-Samstag willkommen.

Für Verpflegung wird gesorgt, die mitgebrachten

Kinder betreuen sich meist selbst und erkunden das Schulgelände

einmal in einer anderen Atmosphäre.

Ein größeres Bauprojekt des nächsten Jahres wird die Renovierung

der Schülertoiletten sein.

Übrigens! Wir sind wahrscheinlich der einzige Männerkreis

an der Schule – das muss nicht so bleiben.

Stephan Schütz

Sicht 2007

39


Headline Der Sturm – Klassenspiel der Klasse zwölf

„Der Sturm“ gilt als Shakespeares letztes Bühnenwerk und

wird dem Genre „Märchenkomödie“ zugerechnet. Shakespeare

wählte hier eine Theaterform, für deren Überwindung

er selbst der mächtigste Pate war: Die Einheit von Raum

und Zeit.

Das ganze Geschehen spielt sich innerhalb eines einzigen

Tages auf ein und demselben Fleck, einer kleinen Insel irgendwo

in den Weiten des Ozeans, ab.

Dort treffen – scheinbar zufällig – verschiedene Menschen

aufeinander, die alte Rechnungen miteinander zu begleichen

haben bzw. neue Schicksalsbeziehungen anknüpfen.

In Wirklichkeit führt Prospero, der allwissende Magier,

mit Hilfe seiner Geister alle übrigen Gestalten durch ein

solches Fegefeuer von Verblendung, Verzweiflung, Verblödung,

Sehnsucht, Angst, Schrecken und Erweckung, wie es

nur durch die schonungslose Konfrontation mit den eigenen

Abgründen möglich ist.

Nach dem Purgatorium, der Reinigung, verzichtet er nicht

nur auf seine Macht, sondern legt seine eigene Zukunft restlos

in die Hände der ehemaligen Feinde.

Prospero, Shakespeares Hauptfigur im „Sturm“, wird oft als

Symbol für seinen eigenen Abschied vom Theater und dessen

Traumwelten gedeutet.

Bernhard Heck

40 Sicht 2007


EPILOGUE

SPOKEN BY PROSPERO

Now my charms are all o‘erthrown,

And what strength I have‘s mine own,

Which is most faint: now, ‚tis true,

I must be here confined by you,

Or sent to Naples. Let me not,

Since I have my dukedom got

And pardon‘d the deceiver, dwell

In this bare island by your spell;

But release me from my bands

With the help of your good hands:

Gentle breath of yours my sails

Must fill, or else my project fails,

Which was to please. Now I want

Spirits to enforce, art to enchant,

And my ending is despair,

Unless I be relieved by prayer,

Which pierces so that it assaults

Mercy itself and frees all faults.

As you from crimes would pardon‘d be,

Let your indulgence set me free.

Sicht 2007

41


Eurythmie – Zwölf Jahre Namentanzen?

Das Wort Eurythmie kommt aus dem Griechischen und

bedeutet: schöner Rhythmus. Eurythmie kann im Allgemeinen

in zwei Bereiche aufgeteilt werden, die Laut- und die

Toneurythmie. In der Lauteurythmie werden Gedichte mit

dem Laufen von Formen und Armgebärden im Raum dargestellt,

wobei Stimmung, Rhythmus, Gefühl und Aussage

des Textes berücksichtigt werden. Bei den Armgebärden ist

zu beachten, dass es Unterschiede gibt: so drückt ein „A“

eine eher erstaunte und gar offene Haltung aus und im „O“

drückt sich eine eher umschließende Haltung aus. Bei der

Toneurythmie wird ebenfall durch Formen und Gebärden

die Musik gezeigt. Die Arme können hier bestimmte Töne,

Intervalle, Akkorde oder prägnante Aspekte der Musik,

die sonst nur hörbar sind, wie zum Beispiel die Melodie,

die Stimmung und den Rhythmus des Stückes sichtbar machen.

Die Eurythmie fördert durch ihre Vielfalt an Bewegungen

die motorischen wie auch die geistigen Fähigkeiten. Sie

hilft, ein Gefühl für den eigenen Körper und die Bewegungen

der ganzen Gruppe zu entwickeln.

Die Frage, was Eurythmie überhaupt ist, beschäftigt uns

Zwölftklässler besonders, da wir der Abschluss- Aufführung

am Ende unserer Schulzeit in diesem Fach entgegensehen.

Im Folgenden soll rückblickend über die gesammelten Erfahrungen

berichtet werden.

Die Eurythmie in der Unterstufe beschäftigte sich allgemein

damit, den Schülern die Bewegungen mit dem eigenen Körper

nahe zu bringen, ein „Körpergefühl“ zu entwickeln und

ein Gespür für die Musik und die Sprache zu bekommen. Im

Eurythmieraum fanden wir uns in einem Kreis zusammen,

jedes Kind hatte seinen bestimmten Platz, gekennzeichnet

durch einen goldenen Stern, symbolisch dafür, dass die

Gemeinschaft aus jedem Einzelnen entsteht. Wir bewegten

uns zu Gedichten und Musikstücken. Die eurythmischen

Gebärden wurden vor allem durch Nachahmung erlernt.

Die Mittelstufe beinhaltete vor allem Übungen in kleineren

Gruppen und forderte mehr Selbstständigkeit von den Schülern.

Es wurden die Lautbewegungen und die musikalischen

Grundlagen geübt, die später zum eigenen Entwickeln von

Choreographien genutzt wurden. Auch wurden die Übungen

komplizierter und erforderten ein Miteinander der

Gruppe, zum Beispiel im Laufen der „harmonischen Acht“.

Die teilweise von der Lehrerin vorgegebenen Bewegungen

mussten vermehrt auswendig gelernt und eigenständig geübt

werden. In der Mittelstufe wurde die Eurythmie bei vielen

Schülern der Klasse erstmals hinterfragt. Sie begannen,

eine eigenen Meinung und Einstellung zu diesem Fach zu

entwickeln. Diese Tatsache ist für die spätere, selbstständige

Arbeit unabdingbar, auf der das Hauptaugenmerk der

Oberstufe ruht.

42 Sicht 2007


Im Mittelpunkt der Oberstufe steht der Eurythmieabschluss.

Auch dieses Ziel gilt es gemeinsam zu erreichen.

In diesen letzten Schuljahren ging es weniger darum, vorgegebene

Übungen auswendig zu lernen, als viel mehr darum,

sich persönlich durch das selbstständige Entwickeln

der Raumformen und Armgebärden in den Unterricht einzubringen.

Zudem war die eigene Meinung bei der Auswahl

der Musikstücke und Gedichte gefragt. Zweifellos war die

Arbeit in diesem Unterrichtsfach all die Jahre hindurch eine

gemeinschaftliche, die unterstützend auf das Klassengefühl

als Gruppe gewirkt hat.

die Interpretation des Einzelnen ankommt. Jeder nimmt aus

einem Stück oder Text etwas individuell heraus und deutet

es dementsprechend, folglich vielleicht auch anders als die

Mitschüler. Die Eurythmie hat uns die Möglichkeit gegeben,

unserer eigenen Interpretation Ausdruck zu verleihen.

Für zukünftige Waldorfschüler wäre anzufügen, dass sich

Eurythmie keinesfalls auf „den Namen tanzen können“ beschränken

lässt, sondern nach eigener Erfahrung wesentlich

zur Festigung und Entwicklung der Persönlichkeit beiträgt!

Von Anja Roeder, Jana Wienken, Ronja Brandt; Klasse12

Ein persönliches Erlebnis von uns mit der Eurythmie ist die

des Ausdruckes. Beim Spielen eines Instrumentes oder auch

beim Schreiben von Gedichten hat man die Möglichkeit,

Gefühle, die innere Haltung oder Stimmungen auszudrücken.

Nichts anders ist es offenbar in der Eurythmie. Ein Unterschied

zur Darstellung des eigenen Empfindens besteht,

wenn ein Musikstück oder Text eines anderen Menschen

eurythmisch dargestellt wird. Es gilt, sich in das jeweils

Ausgesagte hinein zu versetzen, die fremde Stimmung, distanziert

von der eigenen, zu erkennen und wiederzugeben.

Darum ist es auch schwer, ein Gedicht eurythmisch darzustellen,

ohne es vorher verstanden und interpretiert zu

haben. Wobei wir die Erfahrung gemacht haben, dass es auf

Sicht 2007

43


Im Dezember 2006 schickte ich eine E-Mail zur

Windhoeker Waldorfschule, in der ich mich kurz

vorstellte und fragte, ob es möglich sei, die Schule

zu besuchen und in verschiedenen Klassen zu

hospitieren. Die Antwort ließ nicht lange auf sich

warten, und man wollte mich nicht nur als Beobachter

in der Schule haben, sondern auch gleich

als Akteur; so fragte man mich, ob ich mir vorstellen

könne, mit den Klassen vier, fünf, sechs

und sieben ein dreiwöchiges Handarbeitsprojekt

durchzuführen. Und ob ich das konnte! So starteten

meine Tochter Mia und ich im Mai dieses

Jahres vom Frankfurter Flughafen in das Abenteuer

Namibia mit einem 12 kg schweren Handarbeitspaket

im Gepäck, dem Material für drei

Wochen Filzen, Nähen und Sticken. Mia sollte in

Windhoek die siebte Klasse besuchen. Nach anfänglicher

Freude stellte sich bei ihr jedoch bald

immer mehr das Gefühl des Unwohlseins ein:

Wie werde ich aufgenommen von der fremden

Klasse, wie komme ich mit der Sprache zurecht,

und wie ist das Leben ohne den gewohnten Komfort?

Waldorf afrikanisch – Ein Besuch in der Waldorfschule in Windhoek

Nach meiner Ausbildung zur Klassenund

Handarbeitslehrerin am Institut

für Waldorfpädagogik in Witten-Annen

interessierte es mich zu erfahren,

wie die Waldorfpädagogik in anderen

Erdteilen gelebt wird.

Damit wir uns an Afrika gewöhnen konnten, bevor

der Schulalltag begann, trafen wir drei Tage

vor Schulbeginn auf der Farm Krumhuk ein, die

für die nächsten vier Wochen unser zu Hause

sein sollte. Wir mussten uns auf eine Höhe von

1700 Metern und eine Luftfeuchtigkeit von 10-15

Prozent einstellen; außerdem ist im Mai Winter,

was bedeutet: extreme Trockenheit, Tagestemperaturen

von bis zu 26 Grad Celsius im Schatten und Nachttemperaturen bis zu

– 6 Grad Celsius, aber dafür jeden Tag garantiert blauer Himmel. Sonnenaufgang

war gegen 6.30 Uhr und Sonnenuntergang um 17 Uhr. Um 18 Uhr war es bereits

stockfinster, und wir hatten jeden Abend viel Zeit, den fantastischen südafrikanischen

Sternenhimmel zu betrachten. Zur Schule mussten wir einen etwa halbstündigen

Weg mit dem Auto in Kauf nehmen, aber ich hatte mich ganz bewusst

44 Sicht 2007


für einen Aufenthalt auf einer Farm außerhalb Windhoeks

entschieden, da ich von einem Freund, der hier mal gelebt

hatte, wusste, dass die Häuser der Weißen in Windhoek fast

ausnahmslos mit hohen Mauern, Elektrozäunen und Alarmanlagen

gesichert sind, und ich mir nicht vorstellen konnte,

dass sich in einer so abgeschotteten Welt ein „afrikanisches

Lebensgefühl“ einstellen kann. Hier auf Krumhuk, einer

biologisch-dynamisch geführten Farm, hatten wir direkten

Kontakt zu Einheimischen und erfuhren viel über die schönen

und auch weniger schönen Seiten des Farmlebens. Die

Tiere, die wir nur aus dem Zoo kennen, gehören hier zum

täglichen Leben wie für uns in Deutschland die Eichhörnchen

im Garten. Stachelschweine, Paviane, Springböcke,

Antilopen, Strauße, Zebras und andere Tiere sahen wir auf

jedem Spaziergang.

Nicht nur Touristen finden auf der Farm Unterkunft, sondern

auch Jäger und Trophäensammler, die aus der ganzen

Welt anreisen. Dann hieß es für uns, sich beim Spaziergang

über die 8000 Hektar große Farm nur an bestimmten Stellen

aufzuhalten, damit wir nicht mit einem Geparden oder

Warzenschwein verwechselt wurden...

Jeden Morgen um halb sieben fuhr ein alter VW-Bus etwa

13 Kinder der Farm zur Waldorfschule nach Windhoek. Der

Bus war also hoffnungslos überfüllt, aber das stört in Afrika

keinen großen Geist. Um sieben Uhr fängt der Morgen für

die Klassen eins bis sieben mit einem gemeinsamen Morgenkreis

auf dem Schulhof an, in dem der Morgenspruch

gesprochen und zusammen gesungen wird. Die Klassen

acht bis elf haben eine separate eigene Morgenversammlung.

Danach geht jede Klasse in ihren Klassenraum, und

der dreistündige Hauptunterricht beginnt. Die Klassen eins,

zwei und drei haben jeweils einen eigenen Klassenraum,

während die Klassen vier und fünf und die Klassen sechs

und sieben im Hauptunterricht zusammen unterrichtet werden.

Bis zum ersten Weltkrieg war Namibia deutsche Kolonie

(Deutsch Süd-Westafrika), und obwohl heute nur etwa ein

Prozent der Bevölkerung deutschstämmig ist, spürt man

den deutsche Einfluss in vielen verschiedenen Lebensbereichen

der Namibier: So begegneten uns überall deutsche

Straßennamen wie zum Beispiel Burgstreet, Bahnhofstreet,

Moltkestreet oder Schützenstreet oder Werbeschilder wie

das der Windhoeker Brauerei, auf dem in Deutsch darauf

hingewiesen wird, dass man traditionell nach dem deutschen

Reinheitsgebot braut. Auch findet man in Windhoek

Restaurants, auf deren Speisekarte neben Antilopensteaks

auch die gute Thüringer Bratwurst mit Sauerkraut oder Linseneintopf

angeboten wird.

Namibia wurde 1990 unabhängig von Südafrika und ist ein

Vielvölkerstaat, dessen Amtssprache Englisch ist, aber in

dem „nebenher“ noch Deutsch, Afrikaans, Khoekhoegowab

(die Klick- und Schnalzsprache der San), Oshiwambo und

andere Sprachen gesprochen werden. Diese Vielfalt der

Sprachen spiegelt sich auch im Sprachenkonzept der Schule

wieder: Bis einschließlich zur siebten Klasse ist Haupt-

Sicht 2007

45


unterrichtssprache Deutsch, ab der achten Klasse wird

ausschließlich auf Englisch unterrichtet; die drei anderen

am meisten gesprochenen Sprachen wie Afrikaans werden

zusätzlich als Fremdsprachen für alle Kinder ab der ersten

Klasse unterrichtet. Faszinierend war es für mich, im Handarbeitsunterricht

zu erfahren, wie spielerisch die Kinder in

der Unterhaltung vom Deutschen ins Englische oder in die

anderen Sprachen überwechselten.

Neben meinen Handarbeitsprojekten fand ich Gelegenheit,

in der ersten Klasse zu hospitieren, die in Namibia bereits

im Januar 2007 eingeschult worden war (nach den südafrikanischen

Sommerferien). Dort erfuhr ich, was es heißt,

eine Klasse mit elf Kindern auf deutsch zu unterrichten, von

denen nur ein Kind deutsch spricht und die anderen alle im

Land sonst noch üblichen Sprachen. Das kann nur aufgrund

der geringen Schülerzahl glücken und mit einer ungeheuren

Geduld.

Der Unterricht unterscheidet sich kaum von dem, der uns

bekannt ist. So schreiben und malen die Kinder zuerst mit

Wachsstiften wie unsere Erstklässler, die Methoden und

Lehrpläne sind über alle Altersstufen hinweg die gleichen

wie in Europa. Ungefähr die Hälfte der Kinder ist farbig, die

andere Hälfte weiß. Da sich immer noch das Gros des Kapitals

in den Händen der farbigen Führungsschicht und der

Weißen befindet, können sich die meisten Farbigen keine

Privatschule leisten. Sponsoren beziehungsweise „Paten“

ermöglichen den meisten farbigen Kindern durch Spenden

den Besuch der Waldorfschule. Das Schulgeld beträgt etwa

umgerechnet 200 Euro pro Kind im Monat, da die Schule

ohne jegliche staatliche Unterstützung auskommen muss.

Zum Vergleich: 100 Euro ist das durchschnittliche Monatseinkommen

eines Farmarbeiters, ein Brot oder ein Liter

Milch kosten etwa einen Euro, ein Liter Sprit umgerechnet

circa 70 Cent, eine gute Mahlzeit im Restaurant circa fünf

Euro, ein Kinobesuch zwei Euro.

Erst in letzter Zeit ist zu bemerken, dass sich in Namibia

auch eine farbige, wohlhabende Mittelschicht entwickelt,

die sich Gedanken über Entwicklung und Bildung ihrer Kinder

macht. Fakt ist, dass für den Großteil der armen Bevölkerung,

deren Leben vom Existenzkampf bestimmt ist, die

Beschäftigung mit Pädagogik ein „Luxusartikel“ ist.

Etwa die Hälfte der Lehrer der Waldorfschule kommt aus

Deutschland oder ist deutschstämmig, die andere Hälfte

gehört den anderen namibischen Bevölkerungs-gruppen

an. Die Schule wurde im Jahr 2000 gegründet und unterrichtet

zur Zeit in den Klassen eins bis elf etwa 180

SchülerInnen, von denen etwa 30 während der Woche

in einem Internat untergebracht sind und nur für das Wochenende

nach Hause fahren.

Dem unermüdlichen Engagement der Lehrer und Eltern

ist es zu verdanken, dass die Schule über ein großes

Grundstück am Rande von Windhoek verfügt, auf dem

bereits viele schöne Gebäude entstanden sind; geplant

sind noch zahlreiche weitere, die der Schule jetzt noch

fehlen (Festsaal, Turnhalle, Werkstattgebäude, Gesundheitsstation

und andere) und die darüber hinaus in der

Zukunft die Schule zum Ausbildungs-, Familien- und Gesundheitszentrum

werden lassen.

Überraschend war für mich, wie schnell sich meine Tochter

und ich uns auf der Farm, in der Schule und im Land

eingelebt haben. Leicht gemacht wurde uns das nicht

nur durch die offene und herzliche Art der Kinder und

das Vertrauen, das mir von Anfang an von den Kollegen

und Kolleginnen entgegengebracht wurde, sondern

auch durch die Freundlichkeit und die Gastfreundschaft

der Menschen, denen wir begegneten. Der Abschied fiel

uns dementsprechend schwer, und man hätte Mia gerne

in der siebten Klasse behalten und mich gleich als neue

Erstklasslehrerin dazu; aber daheim in Wuppertal wartete

nicht nur mein Mann, sondern auch „meine“ erste Klasse

auf mich. Sicher ist, dass das nicht unsere letzte Reise

nach Namibia war!

P.S. Für alle, die neugierig geworden sind und mehr über

unseren Aufenthalt in Windhoek und unsere Reise durch

Namibia wissen möchten, veranstalten wir im Frühjahr

einen Dia-Abend in der Schule (Termin wird im Mitteilungsblatt

bekannt gegeben).

Beate Kruska

46 Sicht 2007


Impressum

Rudolf-Steiner-Schule Wuppertal

Schluchtstraße 21, 42285 Wuppertal

Tel. 0202 280840, Fax 0202 2808420

www.rudolf-steiner-schule-wuppertal.de

Ansprechpartnerin für allgemeine Fragen und

Informationsmaterial ist unsere Sekretärin

Cornelia Hinze-Römer

montags-freitags von 8.00 bis 13.00 Uhr

Die Rudolf-Steiner-Schule Wuppertal wurde als öffentliche

Schule in freier Trägerschaft im Jahre 1946 gegründet

und ist eine einzügige Schule mit 13 Klassen und circa

420 Schülerinnen und Schülern. Die Schulzeit ist in Unter-,

Mittel- und Oberstufe eingeteilt (jeweils vier Jahre).

Das dreizehnte Schuljahr dient der Vorbereitung auf das

auch mögliche Abitur. In Deutschland arbeiten circa 180

Schulen nach der Pädagogik Rudolf Steiners, weltweit

etwa 810.

Saalvermietung

Ränge: 290 Plätze; Parkett: 180 Plätze;

Bühne: 10 m Tiefe, 11 m Breite.

Ansprechpartner: Bernhard Heck, Tel. 0202 595264

Waldorfhaus

Das Waldorfhaus bietet Kindergarten,

Kindertagesstätte und Hort unter einem Dach.

Schluchtstraße 19, 42285 Wuppertal

Ansprechpartnerin: Irene Stöber, Tel. 0202 80169

Herausgeber

Rudolf-Steiner-Schule Wuppertal

Redaktion

Jutta Fröhlingsdorf

Dirk Hauf

Astrid Isenberg

Ludger Koester

Holger Künemund

Martina Schnober-Sen

Petra Tummoszeit

Schüler-Redaktion

Jonathan Berrisch

Florian Bresch

Arndt Helge Finkenrath

Christian Kitazume

Konrad Mostert

Walther Scharlipp

Johanna Schmidt-Modrow

Leander Treß

Niclas Wissmann

Layout

Ute Begemann, Holger Künemund, Wuppertal

Druck

Offset Company, Wuppertal

Auflage

1600 Stück

Waldorfkindergarten

Schluchtstraße 21, 42285 Wuppertal

Ansprechpartnerin: Annegret Bössen, Tel. 0202 83371

Integrativer Waldorfkindergarten

Hatzfelder Straße 191 a, Wuppertal

Ansprechpartnerin: Heike Neumann, 0202 2704290

Sicht 2007

47


Sparkasse.

Gut für Wuppertal.

s Stadtsparkasse

Wuppertal

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine