Gesundheitscheck junior

saarbruecker.zeitung.de

Gesundheitscheck junior

Gesundheitscheck junior


ERNÄHRUNG

1. Warum ist Muttermilch besonders gut für Kinder?

Weil sie Abwehrstoffe enthält, die das Kind vor Infektionskrankheiten schützen.

Babys werden durch das Stillen mit wichtigen Abwehrstoffen versorgt. Diese schützen gerade in den ersten Lebensmonaten

vor gefährlichen Infektionskrankheiten. Knappschaftsarzt Dr. med. Damerow: „Muttermilch ist für Kinder besonders leicht

verdaulich, immer richtig temperiert und fördert die natürliche Keimbesiedelung des Darmes. Zudem ist eine Überfütterung

in der Regel ausgeschlossen.“

Auch die Gefahr anderer gesundheitlicher Risiken kann durch Muttermilch beträchtlich minimiert werden. „Bei Kindern, die

gestillt werden, sinkt erwiesenermaßen das Risiko für zahlreiche Infektionskrankheiten wie zum Beispiel Mittelohr- und

Atemwegsentzündungen“, berichtet Dr. med. Damerow. Ein weiterer positiver Nebeneffekt ist die Stärkung der Mutter-Kind-

Bindung durch den engen Körperkontakt.

2. Ab welchem Alter sollte ich meinem Kind zusätzlich zur Milch auch andere Nahrung geben?

• Spätestens ab Ende des sechsten Lebensmonats.

Grundsätzlich gilt, dass Milchernährung allein nach dem Ende des ersten Lebenshalbjahres für die weitere Entwicklung

des Kindes nicht mehr ausreicht. Der erste Brei sollte spätestens mit Beginn des siebten Lebensmonats gegeben werden.

Knappschaftsärztin Dr. med. Viktoria Ertelt rät sogar zu einer Zufütterung ab der 17. Lebenswoche: „Für den Anfang eignet

sich ein Brei aus Frühkarotten gut. Wenn das Kind die Löffelfütterung akzeptiert, können mit einer Woche Abstand Kartoffeln

und schließlich Fleisch gegeben werden. Nach Empfehlungen der Fachgesellschaften können auch Fisch und Eier verwendet

werden, wegen der Salmonellengefahr allerdings niemals roh.“

Die Beikost sollte mit zunehmendem Alter abwechslungsreicher werden, um das Baby Schritt für Schritt an die Nahrungsvielfalt

zu gewöhnen. Mit ca. einem Lebensjahr kann es an die Familienkost herangeführt werden.

3. Was besagt die sogenannte Ernährungsampel?

Sie zeigt das Maß auf, mit dem verschiedene Lebensmittel von Kindern verzehrt werden sollten.

Mit der Ernährungsampel wird einfach und verständlich erklärt, welche Lebensmittel besonders gut für Kinder sind und

deshalb ohne Einschränkung konsumiert werden können, und welche Lebensmittel eher schädlich sind und sparsam dosiert

werden sollten.

Rot (sparsam): Diese Lebensmittel sollten nur selten verzehrt werden (fett- und zuckerreiche Lebensmittel wie Speisefette,

Süßwaren, Limonade und Knabberartikel).

Gelb (mäßig): Diese Lebensmittel sollten nur in begrenzten Mengen verzehrt werden (tierische Lebensmittel wie Milch,

Milchprodukte, Fleisch, Wurst, Eier und Fisch).

Grün (reichlich): Diese Lebensmittel können gerne jederzeit verzehrt werden (kalorienfreie oder kalorienarme Getränke und

pflanzliche Lebensmittel wie Gemüse, Obst, Getreideerzeugnisse und Kartoffeln).


ERNÄHRUNG

4. Wie oft und wie viel sollten Kinder essen?

Fünf Mahlzeiten am Tag mit einer ausgewogenen Ernährung sind für Kinder am besten.

Kinder sollten über den Tag verteilt fünf Mahlzeiten zu sich nehmen. Regelmäßiges Essen ist wichtig, denn es liefert Nachschub

an Energie und Nährstoffen. Dabei sollten die Mahlzeiten in Menge und Auswahl variieren, um eine ausgewogene

Ernährung zu gewährleisten.

Ein mögliches Beispiel: zwei kalte Hauptmahlzeiten morgens und abends, eine warme Hauptmahlzeit mittags swowie zwei

Zwischenmahlzeiten vor- und nachmittags. Die Auswahl der über den Tag verteilten Lebensmittel sollte sich dabei nach den

Farben der Ernährungsampel richten (rot = sparsamer Verzehr, z. B. Süßwaren; gelb = mäßiger Verzehr, z. B. Fleisch;

grün = reichlicher Verzehr, z. B. Gemüse). Vorsicht bei der Portionsgröße! Kinderportionen sind kleiner als Mahlzeiten für

Erwachsene.

5. Wie viel Flüssigkeit sollte ein Kind zwischen zehn und zwölf Jahren täglich zu sich nehmen?

• Etwa einen Liter.

Kinder zwischen zehn und zwölf Jahren sollten ungefähr einen Liter Flüssigkeit pro Tag zu sich nehmen, am besten in Form

von Wasser oder ungesüßtem Tee. Dieser Wert ist aber lediglich richtungsweisend, denn der Flüssigkeitsbedarf hängt

schließlich nicht nur vom Alter ab. Auch die Tätigkeiten, zum Beispiel verschiedene Sportarten, das vorherrschende Klima

sowie der Salzgehalt verzehrter Speisen spielen eine Rolle. Nach Angaben des Forschungsinstituts für Kinderernährung in

Dortmund kann an heißen Tagen oder bei körperlicher Aktivität der Wasserbedarf auf mehr als das Doppelte ansteigen.

„Grundsätzlich gilt deshalb: Bei normaler Körperfunktion sollten Eltern immer auf das Durstgefühl ihres Kindes achten“,

rät Dr. med. Lautner, Knappschaftsarzt. „Wenn ein Kind in diesem Alter also mal mehr und mal weniger Flüssigkeit zu sich

nimmt, bedeutet das nicht automatisch, dass es krank ist.“

6. Stimmt es, dass Spinat als bester Eisenlieferant besonders wichtig für mein Kind ist?

• Nein, tierische Produkte wie Fleisch liefern mehr Eisen als Spinat.

Spinat als bester Eisenlieferant – das ist leider ein Mythos. Hülsenfrüchte wie Erbsen beinhalten dreimal soviel Eisen wie

Spinat. Auch tierische Produkte, insbesondere rotes Fleisch, sind sehr gute Eisenlieferanten. Zwar enthält Rindfleisch „nur“

2,9mg Eisen auf 100g, Spinat hingegen liefert 3,5mg. Dieses lässt sich aber vom menschlichen Körper schlecht verarbeiten.

Lediglich zwischen drei und acht Prozent kann der Körper aufnehmen, bei Rindfleisch sind es immerhin 15 bis 35 Prozent.

„Eisen aus pflanzlichen Stoffen ist für den Körper schwerer aufzunehmen als Eisen aus tierischen Lebensmitteln“, bestätigt

Dr. med. Lautner, Knappschaftsarzt. „Der Körper benötigt aber Eisen für das Wachstum und die Blutbildung.“

Spinat ist für die Speisekarte allerdings trotzdem wertvoll – er ist reich an Vitamin E und C und enthält wichtige Mineralstoffe

und Spurenelemente.


GESUNDHEITSVORSORGE

1. Warum leiden gerade Kleinkinder häufiger an Infektionen?

Weil das Immunsystem noch keine Abwehrkörper gebildet hat.

Neugeborene bekommen von der Mutter zwar einen Antikörper-Schutz mit, dieser hält aber nur für ein paar Monate an

(„Nestschutz“). Im Kleinkindalter – besonders am Anfang der Kindergartenzeit – kommt es dann vermehrt zu einfachen

Infektionen. Der Körper eines Kleinkindes lernt, sich mit Erregern aus der Umgebung auseinander zu setzen, dadurch wird

das Immunsystem systematisch „trainiert“. Am Ende dieses „Lernprozesses“ steht ein Schutz gegen den jeweiligen Erreger

(Immunität).

Sollte ein Kind jedoch auffallend häufig an Infektionskrankheiten leiden, wird dies in allen Früherkennungsuntersuchungen

vom Kinderarzt diagnostiziert, beispielsweise in der U7a, die bei Kindern im Alter von drei Jahren durchgeführt wird.

2. Welches ist die sinnvollste Maßnahme, um die Abwehr meines Kindes zu stärken?

Regelmäßige Impfungen.

Die wichtigste Maßnahme zur Vorbeugung bilden die Regelimpfungen, beispielsweise gegen Tetanus, da sie zuverlässig vor

Infektionskrankheiten schützen. Darüber hinaus kann man Folgendes tun:

In der Wohnung und im Auto nicht rauchen.

Regelmäßig ausreichend die Wohnung lüften.

Auf Schimmelpilzbefall in der Wohnung achten.

Die Raumtemperatur im Schlafraum des Kindes auf unter 20°C drosseln.

Täglich 30 bis 60 Minuten an der frischen Luft spazieren gehen.

Das Kind gesund und abwechslungsreich ernähren.

3. Welche ist die größte Gefahr bei Durchfallerkrankungen?

Der Körper des Kindes könnte durch den Flüssigkeitsverlust austrocknen.

Bei Durchfall besteht die Gefahr, dass der Körper des Kindes austrocknet. Die verlorene Menge an Flüssigkeit und Blutsalzen

(Elektrolyte) sollte daher schnell mit einer speziellen Trinklösung aus Salz (Natriumchlorid) und Traubenzucker (Glukose)

ersetzt werden. Die Wirkung hängt von der richtigen Mischung und Menge ab. Letztere richtet sich nach Alter und Gewicht

des Kindes sowie nach der verlorenen Flüssigkeitsmenge. Bei heftigen Durchfallerkrankungen sollte unbedingt ein Kinderarzt

aufgesucht werden.

Die häufigste Ursache für schweren Durchfall sind Rotaviren. Ohne Impfschutz erkrankt nahezu jedes Kind in den ersten fünf

Lebensjahren. „Die Rotavirus-Schluckimpfung ist keine reguläre Kassenleistung, einige Kassen wie beispielsweise die Knappschaft

übernehmen aber trotzdem die Kosten“, erklärt Knappschaftsarzt Dr. med. Lautner.


GESUNDHEITSVORSORGE

4. Was ist bei der Pflege der Milchzähne zu beachten?

Anfangs reicht für die Pflege auch ein Wattestäbchen und Wasser.

Auch Milchzähne müssen von Anfang an geputzt werden. Dazu eignet sich ein Wattestäbchen oder eine Säuglingszahnbürste.

Auf Zahnpasta sollte bis zum vierten Lebensjahr verzichtet werden, da diese oft verschluckt wird. Wasser genügt

vollkommen. Knappschaftsärztin Dr. med. Ertelt: „Für den Zahnaufbau wird zusätzlich Vitamin D und Fluorid verabreicht,

letzteres am besten bis zum fünften Lebensjahr, wenn sich das Kind bereits sicher die Zähne putzen kann.“

Zwischen dem dritten und sechsten Lebensjahr hat jedes Kind Anspruch auf drei zahnärztliche Früherkennungsuntersuchungen.

Ab sechs Jahren erhöht sich der Anspruch auf zwei Zahnvorsorgeuntersuchungen pro Kalenderjahr. In der Vorsorgeuntersuchung

U7 werden Kinder übrigens auf Zahn-, Mund- und Kieferanomalien untersucht.

5. Wie viele Früherkennungsuntersuchungen finden im ersten Lebensjahr statt?

Sechs Untersuchungen.

Im ersten Lebensjahr finden sechs Untersuchungen statt, U1 bis U6. Bis zum zwölften Lebensmonat sollen alle sechs Früherkennungsuntersuchungen

wahrgenommen werden. Dort werden unter anderem die Organe und Reflexe, Motorik und

altersgemäße Entwicklung, Wachstum und geistige Entwicklung des Kindes untersucht. Auch die sogenannten Regelimpfungen

sind Teil der Untersuchungen, beispielsweise gegen Tetanus und Keuchhusten. Dieser Schutz ist besonders bei Babys

wichtig, Keuchhusten kann für Säuglinge tödlich sein.

6. Wie alt sind Kinder bei der Jugendvorsorgeuntersuchung 2?

16 bis 17 Jahre.

Bei der Jugendvorsorgeuntersuchung 2 sind Kinder zwischen 16 und 17 Jahren. Die J2 ist eine von vier

neuen Vorsorgeuntersuchungen (neben U7a, U10 und U11). Damit gibt es nun auch eine Untersuchung, die auf die Bedürfnisse

älterer Jugendlicher abgestimmt ist. Besprochen werden hier unter anderem Themen wie das soziale Umfeld, die

Berufswahl, Sozialisations- und Verhaltensstörungen sowie eventuelle Probleme mit der Pubertät und Sexualität. Auch

Medienverhalten und Umgang mit Drogen sowie medizinische Risiken wie Diabetes und Schilddrüsenerkrankungen werden

thematisiert. Die J2 ist – wie die U10 und U11 – bisher nicht Bestandteil der gesetzlichen Krankenversicherungen. Einige

Kassen wie beispielsweise die Knappschaft übernehmen aber mittlerweile die Kosten.


GESUNDHEITSVORSORGE

7. Was passiert im Körper bei einer Impfung?

Der Kontakt mit abgeschwächten Krankheitserregern führt zur Bildung schützender Antikörper.

Bei einer Impfung wird der Körper mit abgeschwächten oder abgetöteten Krankheitserregern in Kontakt gebracht. Der Körper

reagiert darauf, indem er schützende Antikörper und Abwehrzellen bildet. Kommt es dann später zu einem „natürlichen“

Kontakt mit dem Krankheitserreger, ist das Immunsystem darauf vorbereitet. Die vorsorgliche Impfung sorgt dafür, dass ein

geimpfter Mensch trotz Ansteckung nicht erkrankt bzw. die Krankheitssymptome nur abgeschwächt auftreten. Der Körper

ist in der Regel zwei Wochen nach der Impfung gegen den Krankheitserreger immun. Allerdings ist dieser Schutz je nach

Impfung zeitlich begrenzt.

8. Wieso leiden manche Kinder an Legasthenie, also einer Lese-Rechtschreibschwäche (LRS)?

Die Ursache für LRS ist noch ungeklärt.

Bisher tappt die Medizin leider immer noch im Dunkeln, die Ursache für Legasthenie wurde noch nicht

gefunden. Erwiesen ist jedoch, dass diese Entwicklungsstörung nicht durch eine verminderte Intelligenz, Krankheit oder

mangelnde Förderung ausgelöst oder verstärkt wird. Oft fallen Kinder mit Legasthenie sogar durch besonders gute Noten in

allen übrigen Fächern auf.

Gibt es bei der Entwicklung eines Kindes Grund zur Sorge, sollte dies in jedem Fall mit dem Kinderarzt besprochen werden.

Dr. med. Ertelt: „Relevant sind hier besonders die neuen Vorsorgeuntersuchungen ab U10, denn Probleme mit einer Lese-

Rechtschreibschwäche zeigen sich meist erst im Schulalter mit Erlernen der Schriftsprache.“

9. An welche Zielgruppe richtet sich die 2006 eingeführte HPV-Impfung?

An Mädchen zwischen 12 und 17 Jahren.

Die HPV-Impfung richtet sich ausschließlich an Mädchen zwischen 12 und 17 Jahren und kann vom Frauenarzt oder vom

Kinder- und Jugendarzt durchgeführt werden.

Humane Papillomaviren (HPV) können Gebärmutterhalskrebs verursachen. Die Impfung sollte daher möglichst früh wahrgenommen

werden, denn nur so kann die Zahl der Neuerkrankungen verringert werden. In Deutschland wird die Impfung

gegen die HPV-Typen 16 und 18 empfohlen. Diese Hochrisiko-Typen sind weltweit für etwa 70 Prozent der Fälle von Gebärmutterhalskrebs

verantwortlich. Auch Frauen, die bereits älter als 17 Jahre sind, können von einer Impfung profitierten.

Sprich mit Deinem Frauenarzt über dieses Thema.


BEWEGUNG

1. Richtig oder falsch: Sind Kinder körperlich aktiv, steigert sich auch ihre geistige

Leistungsfähigkeit sowie die Konzentration.

Richtig.

Diese Aussage ist tatsächlich richtig, denn durch Bewegung wird nicht nur die Muskulatur durchblutet, sondern auch das

Gehirn. Eine US-Studie ergab beispielsweise, dass sich körperliche Betätigung bei Kindern positiv auf ihre Leistungsfähigkeit

auswirkt. Es zeigte sich, dass Kinder, die vor Testbeginn 20 Minuten gelaufen sind, bessere Testergebnisse erzielten, als Kinder,

die sich vorab nicht körperlich betätigten. Auch schwierige Aufgaben wurden nach körperlicher Aktivität besser gelöst.

Außerdem ist belegt, dass Kinder und Jugendliche, die sportlich aktiv sind, häufig einen besseren Schulabschluss erreichen.

2. Balance- und Haltungsschwierigkeiten bei Kindern können ein Zeichen sein für…

Bewegungsmangel.

Balance- und Haltungsschwierigkeiten können ein Zeichen für fehlende Bewegung und Übung sein. Kinder sollten mit ca.

sechs Jahren in der Lage sein, mindestens zehn Sekunden ruhig auf einem Bein stehen und fünf Sprünge hintereinander auf

einem Bein ausführen zu können.

Dr. med. Ertelt, Knappschaftsärztin, nennt noch weitere mögliche Anzeichen für Bewegungsmangel: „Kinder, die oft alleine

spielen, bewegen sich meistens weniger als in der Gruppe. Freunde sind deshalb sehr wichtig. Auch schlechte Ausdauer, z.B.

beim Treppensteigen, lässt auf mangelnde Bewegung schließen. Die Ausdauer lässt sich mit Radfahren oder Schwimmen

üben.“

Tipp: Zur besseren Übersicht empfiehlt sich ein „Bewegungstagebuch“ für die Aktivitäten des Tages. Die Ergebnisse können

mit dem Kinderarzt besprochen werden.

3. In welchem Alter können Kinder in der Regel krabbeln?

Mit ca. zehn Monaten.

Die meisten Kinder können mit ca. zehn Monaten krabbeln. Etwa 13 Prozent aller Babys finden aber andere Wege sich fortzubewegen:

Sie schlängeln, rutschen oder rollen sich über den Boden. Jedes Kind entwickelt sich unterschiedlich schnell,

eine etwas langsamere oder schnellere Entwicklung ist also kein Grund zur Besorgnis. Wichtig ist, dass das Kind Spaß an der

Bewegung hat. Es gibt allerdings Richtwerte: Wenn das Kind mit spätestens sechs Monaten den Kopf nicht ruhig hochhalten

und sich nicht auf den Armen abstützen kann, sollte man dies beim nächsten Kinderarztbesuch besprechen. Knappschaftsarzt

Dr. med. Lautner rät: „Die Vorsorge- und Impftermine in den ersten beiden Lebensjahren sollten in jedem Fall wahrgenommen

werden, da hier auch die motorische Entwicklung der Kinder untersucht wird.“


BEWEGUNG

4. In welchem Alter ist die Grobmotorik eines Kindes voll entwickelt?

Mit ca. sechs Jahren.

Die Grobmotorik eines Kindes ist mit ca. sechs Jahren voll entwickelt. Jetzt sollten Kinder in der Lage sein, komplexere Bewegungsabläufe

umzusetzen, zum Beispiel einen Ball fangen, rückwärts balancieren oder auf einem Bein über Hindernisse

springen. Motorik- und Bewegungskontrolle sind auch wiederholt Gegenstand der Früherkennungsuntersuchungen. So werden

beispielsweise in der 2008 eingeführten U7a für Kinder zwischen dem 34. und dem 36. Lebensmonat die Motorik- und

Bewegungsfortschritte des Kindes untersucht.

5. Braucht mein Kind eine sogenannte Lauflernhilfe, um richtig laufen zu lernen?

Nein, Lauflernhilfen können im Gegenteil sogar gefährlich für das Kind sein.

Babys brauchen keine Lauflernhilfe, um richtig laufen zu lernen. Kleinkinder fangen in der Regel von ganz alleine an zu laufen.

Lauflernhilfen können sogar gefährlich sein, denn durch die Rollen erreichen die Kinder oft eine Geschwindigkeit, die sie

nicht mehr kontrollieren können. Dadurch kommt es jährlich zu hunderten, teils schweren Unfällen. Knappschaftsarzt

Dr. med. Lautner rät Eltern konsequent von Lauflernhilfen ab: „Die Kinder lernen damit ’falsch’ zu laufen. Indem sie versuchen,

durch die Gehhilfe den Boden zu erreichen, laufen sie oft mit gestreckter Hüfte und auf Zehenspitzen.“

6. Worin liegt die Ursache für die Krankheit ADHS?

Störung einer Hirnfunktion.

Die Ursache ist nach neuesten Erkenntnissen tatsächlich im Gehirn zu finden. Eine Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-

Störung, kurz ADHS, ist eine Aufmerksamkeitsschwäche, die immer mehr Kinder betrifft. Sie äußert sich unter anderem

in extremer Impulsivität und Unruhe (Hyperaktivität). Früher war man tatsächlich der Meinung, dass die Ursache dafür in

schlechter Ernährung oder falscher Erziehung zu finden ist. Heute gehen Forscher von einer gestörten Signalübermittlung

im Gehirn aus. Dazu Dr. med. Damerow: „Die Ursache liegt wahrscheinlich in einer fehlerhaften Informationsverarbeitung

zwischen Frontalhirn und Basalganglien infolge von Störungen im Neurotransmitterstoffwechsel. Vor allem die Botenstoffe

Dopamin und Noradrenalin sind betroffen.“ Beide Stoffe sind jedoch wichtig für Aufmerksamkeit, Motivation und Antrieb

beim Menschen.


BEWEGUNG

7. TV und neue Medien nehmen heute immer mehr Raum ein. Es gibt allerdings Richtwerte für

den Konsum. Wie lange sollten Kinder zwischen 10 und 13 Jahren täglich maximal fernsehen?

90 Minuten.

Der allgemeine Richtwert beträgt nach Angaben der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung für diese Altersgruppe

maximal 90 Minuten „Bildschirmzeit“ pro Tag. Jüngere Kinder sollten noch weniger konsumieren, denn Kinder verarbeiten

Medien anders als Erwachsene. Oft können sie zwischen Fernsehen und Wirklichkeit noch gar nicht genau unterscheiden.

Knappschaftsärztin Dr. med. Ertelt rät grundsätzlich von Bildschirmen im Kinderzimmer ab: „Medienkonsum sowie TV-Programm

sollte immer altersgerecht ausgesucht und von den Eltern kontrolliert werden. Wird das Kind mit dem Medium allein

gelassen, kann übermäßiger und falscher Konsum ungünstige Folgen haben.“ Ein Beispiel: Kinder, die viel fernsehen, haben

durchschnittlich mehr Probleme, sich sprachlich gut auszudrücken, sind eher übergewichtig und zappelig.

Weitere Informationen finden Sie unter www.knappschaft.de

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine