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Digitale Fotografie - Extra Bessere Landschaftsfotos (Vorschau)

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STEIGEN SIE EIN IN DIE<br />

DIGITA<br />

TALE<br />

FOTOGRAFIE<br />

FIE<br />

VERBESSERN SIE IHRE FÄHIGKEITEN UND MACHEN SIE BESSERE BILDER<br />

EXTRA<br />

Nr. 6 - 2014<br />

EXPERTENRAT<br />

EINSTELLEN DER KAMERA<br />

VERSTÄNDLICHE<br />

ANLEITUNGEN<br />

TIPPS ZUR AUSRÜSTUNG<br />

UND MEHR!<br />

INHALT<br />

BESSERE<br />

LANDSCHAFTSFOTOS<br />

PORTRÄT-<br />

AUFNAHMETECHNIKEN<br />

BEHERRSCHEN<br />

SIE IHRE KAMERA<br />

LERNEN SIE<br />

NEUE TRICKS<br />

KAMERAFUNKTIONEN • BELICHTUNG • BILDKOMPOSITION • AKTION<br />

Deutschland:<br />

EUR 9,99<br />

Österreich:<br />

EUR 11,-<br />

Schweiz:<br />

CHF 15,-<br />

LU/BE<br />

EUR 11,50


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Nr. 6 - 2014<br />

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3. AUSGABE EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

Willkommen 3<br />

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VERBESSERN SIE IHRE FÄHIGKEITEN UND MACHEN SIE BESSERE BILDER<br />

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STEIGEN SIE EIN IN DIE DIGITALE FOTOGRAFIE • NR. 6 - 2014<br />

EXPERTENRAT<br />

EINSTELLEN DER KAMERA<br />

VERSTÄNDLICHE<br />

ANLEITUNGEN<br />

TIPPS ZUR AUSRÜSTUNG<br />

UND MEHR!<br />

INHALT<br />

BE SERE<br />

LANDSCHAFTSFOTOS<br />

PORTRÄT-<br />

AUFNAHMETECHNIKEN<br />

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SIE IHRE KAMERA<br />

LERNEN SIE<br />

NEUE TRICKS<br />

Willkommen...<br />

Die digitale Kameratechnologie hat die <strong>Fotografie</strong> revolutioniert. Wenn Sie sich<br />

kürzlich eine digitale Spiegelreflex-, Kompakt- oder Systemkamera zugelegt haben,<br />

ist bereits ein großer Schritt zu besseren Fotos gemacht. Mit ihrer Vielseitigkeit<br />

und wesentlich besseren Bildqualität ist eine solche Kamera das Herzstück eines<br />

Systems, das durch Wechselobjektive, Blitzgeräte und vielerlei anderes Zubehör<br />

erweitert werden kann.<br />

Sie können damit natürlich auch Schnappschüsse machen. Um aber die Möglichkeiten Ihrer<br />

Ausrüstung voll auszunutzen und – noch wichtiger – Ihre eigenen kreativen fotografischen<br />

Fähigkeiten weiter zu entwickeln, sollten Sie bereit sein, Neues zu lernen und dafür etwas Zeit<br />

aufzuwenden.<br />

Diese 5. Auflage des Einsteiger-Hefts von „<strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong>“ wird Ihnen dabei helfen. Die Ausgabe<br />

ist vollgepackt mit Informationen, Aufnahmetechniken, wertvollen Tipps und Tricks, die Ihnen<br />

helfen werden, besser zu fotografieren.<br />

Wenn Sie sich beim Anblick der Bilder professioneller Fotografen schon gefragt haben, wie sie<br />

solche großartigen Fotos geschafft haben, ist dieses Magazin genau das Richtige für Sie. Es befasst<br />

sich mit den wichtigsten Genres der <strong>Fotografie</strong>, von Landschaften über Portraits bis hin zu Wildlife,<br />

und erklärt in der Praxis erprobte Arbeitstechniken, mit denen Ihnen faszinierende Aufnahmen<br />

gelingen werden. Darüber hinaus finden Sie Ratschläge zur Wahl der richtigen Ausrüstung und<br />

nicht zuletzt jede Menge inspirierende Fotos, die Ihre eigene Kreativität anregen.<br />

In diesem Sinne wünschen wir Ihnen alles Gute zum Einstieg in die Welt der digitalen <strong>Fotografie</strong>!<br />

DANIEL LEZANO, EDITOR<br />

Unsere Experten<br />

ROSS HODDINOTT<br />

Ross Hoddinott ist<br />

preisgekrönter Naturfotograf,<br />

spezialisiert auf<br />

Naturgeschichte und<br />

Makrofotografie.<br />

BRETT HARKNESS<br />

Brett Harkness ist ein führender<br />

Porträtfotograf, der sich auch<br />

auf Hochzeitsfotografie<br />

spezialisiert hat<br />

PAUL WARD<br />

Paul Ward ist ein freiberuflicher<br />

Fotograf, der nahezu jedes Genre der<br />

<strong>Fotografie</strong> beherrscht, von der<br />

Modefotografie über die Porträt-,<br />

Hochzeits-, Architektur- und<br />

Landschaftsfotografie bis hin zur<br />

künstlerischen <strong>Fotografie</strong>.<br />

LEE FROST<br />

Lee Frost ist seit mehr als zwei<br />

Jahrzehnten Fotograf.<br />

Außerdem hat er inzwischen<br />

20 Bücher über <strong>Fotografie</strong><br />

geschrieben. Seine Bilder<br />

werden weltweit verkauft.<br />

IMPRESSUM<br />

HERAUSGEBER: Ultimate Guide Media<br />

REDAKTION INTERNATIONAL: Mark Bauer, Sarah<br />

Plater, Pete Davis, Terry Hope, Damien Lovegrove,<br />

Philip Nash, Pip, Ian Wood<br />

ART DIRECTOR: Tony Mullock<br />

FINANZDIREKTOR: Richard Layton<br />

DATENSCHUTZERKLÄRUNG<br />

Dieses MAGBOOK wird unter der Lizenz und mit<br />

der Erlaubnis von © Bright Publishing Limited<br />

herausgegeben. Alle Rechte an Material, Titel<br />

und Marke dieses Magazins sind Eigentum von<br />

Bright Publishing Limited und dürfen weder im<br />

Ganzen noch teilweise ohne vorherige schriftliche<br />

Genehmigung reproduziert werden.<br />

Haftung<br />

Das Heft wurde mit großer Sorgfalt produziert. Der<br />

Verlag kann jedoch keine Haftung, Gewährleistung,<br />

Garantie oder Versicherung für Meinungen, Waren<br />

oder Dienstleistungen übernehmen, die in dieser<br />

Ausgabe veröffentlicht wurden. Der Herausgeber<br />

übernimmt keine Verantwortung für Inhalte von<br />

externen Webseiten, deren Adressen veröffentlicht<br />

werden.<br />

VERTRIEB<br />

VU VERLAGSUNION KG<br />

Am Klingenweg 10<br />

65396 Walluf<br />

Telefon: 0612/3620 0<br />

BÜRO DEUTSCHLAND<br />

Ultimate Guide Media<br />

Landsberger Straße 302<br />

80687 München<br />

Telefon: +49 (0) 89 90 40 5 805<br />

Fax: +49 (0) 89 90 40 5 066<br />

BÜRO UNITED KINGDOM<br />

Ultimate Guide Media Ltd<br />

Argyle House, 1 Dee Road<br />

Richmond, Surrey<br />

TW9 2JN<br />

Company No. 06965305<br />

HOMEPAGE<br />

www.digitale-fotografie-magazin.de<br />

ABONNEMENTS UND PRESSEVERTRIEB<br />

IPS Pressevertrieb GmbH<br />

Ultimate Guide Abo-Service<br />

Postfach 1331<br />

53340 Meckenheim<br />

E-Mail: abo-ugm@ips-d.de<br />

Telefon: 022 25/70 85-362<br />

Homepage: www.ips-d.de<br />

LESERFRAGEN<br />

Bitte schicken Sie Leseranfragen an<br />

info@digitale-fotografie-magazin.de<br />

DRUCK UND BINDUNG<br />

Quad/Graphics Europe Sp. z o. o.<br />

Drukarnia Wyszków<br />

ul. Pułtuska 120<br />

07-200 Wyszków, Polska<br />

www.quadgraphics.pl<br />

Das Papier, auf dem dieses<br />

Magazin gedruckt ist, besteht<br />

aus umweltverträglichen Fasern.


INHALT<br />

EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

6 Die Kamera verstehen<br />

6 Kameras mit Wechselobjektiven<br />

8 Kamerafunktionen<br />

11 Der LCD-Monitor<br />

12 Zubehör und Anschlüsse<br />

13 Der Sucher<br />

14 Der Bildsensor<br />

16 Belichtungsprogramme<br />

18 Zeitautomatik<br />

20 Blendenautomatik<br />

22 Manuelle Betriebsart<br />

24 Der Autofokus<br />

26 Autofokus: Die Qual der Wahl<br />

28 Bildqualität<br />

30 ISO-Empfindlichkeit<br />

32 Arbeiten mit Raw-Dateien<br />

35 Raw-Konverter<br />

36 Aus Raw-Dateien werden Bilder<br />

38 Weißabgleich<br />

40 Kamera maßgeschneidert<br />

43 Grundlagen der <strong>Fotografie</strong><br />

44 Bildkomposition<br />

46 Die Drittelregel<br />

48 Kreativ Scharfstellen<br />

50 Führungslinien<br />

52 Belichtung<br />

54 Konzepte der Belichtungsmessung<br />

56 Belichtungskorrektur<br />

58 Belichtung einstellen<br />

60 Blendwerk<br />

70 Auf und zu<br />

70 Bewegung<br />

72 Der perfekte Schwenk<br />

77 Aufnahmetechnik<br />

PORTRÄTS<br />

78 Sonnenlicht einfangen<br />

80 Bedeckter Himmel<br />

82 Undercover<br />

84 Porträt am Fenster<br />

86 Kinder fotografieren<br />

LANDSCHAFTEN<br />

92 Die große weite Welt<br />

94 Grundlagen: Bildkomposition in der<br />

Landschaft<br />

96 Kameraeinstellungen<br />

98 Beleuchtung steuern<br />

100 Klassische Aufnahmetechniken<br />

FARBE<br />

102 Grundlagen<br />

104 Farbsymbolik<br />

106 Die Farbe des Lichts<br />

108 Stärke von Farben<br />

110 Andere Arten von Farbe<br />

MAKROFOTOGRAFIE<br />

112 Makro-Zubehör<br />

114 Grundlagen der Makrofotografie<br />

116 Insekten<br />

118 Pflanzen und Blumen<br />

120 Kreativ mit Nahaufnahmen<br />

SPORT UND ACTION<br />

122 Ausrüstung


124 Aufnahmetechniken<br />

126 Richtig scharfstellen<br />

128 Familienspaß<br />

WILDLIFE<br />

130 Ausrüstung für den Wildlife-Fotografen<br />

132 Wildlife-Aufnahmetechnik<br />

134 Parks und Wälder<br />

136 Wasserlandschaften<br />

139 Kamera-Ausrüstung<br />

140 Objektive<br />

150 Blitz-Grundlagen<br />

156 Studioblitz-Ausrüstungen<br />

57 Beleuchtungszubehör<br />

158 Studio-Setup mit nur einer Leuchte<br />

160 Zubehör<br />

162 Belichtungsmessung und<br />

Weißabgleich


6 <strong>Digitale</strong> Kameras verstehen EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

Kameras mit<br />

Wechselobjektiven<br />

Wenn Sie wissen, wie Ihre Kamera funktioniert, machen Sie<br />

bessere Bilder. Wir werfen einen Blick auf die Merkmale<br />

digitaler Spiegelreflex- und Systemkameras.<br />

Wenn Sie früher eine Digitalkamera mit austauschbaren Objektiven wollten, fiel die<br />

Wahl nicht schwer: Die meisten von uns hätten sich wohl für eine digitale<br />

Spiegelreflexkamera mit 35-Millimeter-Objektiv entschieden (eine Minderheit von<br />

Profis hätte hingegen eine mittelformatige, digitale Spiegelreflexkamera gewählt, die<br />

Zehntausende von Euros kostet). Vor Kurzem tauchten jedoch die Systemkameras<br />

auf und boten eine Alternative.<br />

Die jetzige Generation dieser Modelle weist eine große Ähnlichkeit mit<br />

Spiegelreflexkameras auf, indem sie fast identische Spezifizierungen bietet und auf<br />

eine sehr ähnliche Art und Weise funktioniert, obgleich es zwei bedeutende<br />

Unterschiede gibt. Die Handhabung, die Eigenschaften und die Leistung von<br />

digitalen Spiegelreflexkameras wurden über die Jahre verbessert und verfeinert, so<br />

dass dem Benutzer die Bedienung so leicht wie möglich gemacht wird. Da die<br />

meisten Hersteller von Systemkameras auch digitale Spiegelreflexkameras<br />

produzieren, ist es sinnvoll, dass beide auch ein ähnliches Betriebssystem<br />

aufweisen. Dies bedeutet nicht nur, dass Systemkameras dank ihrer schon recht<br />

fortgeschrittenen Technologie potentiell über eine sehr hohe Leistung verfügen<br />

können, sondern es macht den Umstieg von einem auf den anderen Kameratyp für<br />

die, die ihn wagen wollen, auch ziemlich einfach.<br />

In diesem Teil der Anleitung werden wir einen Blick auf die Schlüsselfunktionen Ihrer<br />

Digitalkamera werfen und erklären, wofür sie verantwortlich sind, und wie man<br />

sie richtig einsetzt, um die Bildqualität zu steigern. Außerdem vergleichen wir<br />

die beiden wichtigsten Kamerasysteme mit austauschbaren Objektiven<br />

und stellen sie einander gegenüber. Sie werden sehen, dass die beiden<br />

viel gemeinsam und nur einige praktische Unterschiede haben. In<br />

dieser Ausgabe wollen wir Ihnen einen allgemeinen Überblick<br />

über die Haupteigenschaften einer Kamera verschaffen und<br />

einen Blick auf das Herz der Digitalkameras werfen: auf den<br />

Bildsensor.<br />

Sie sollten Ihre Kamera inund<br />

auswendig kennen<br />

Digitalkameras sind Hi-Tech Geräte.<br />

Unsere Anleitung erklärt alle Funktionen<br />

und gibt Tipps und Tricks für bessere<br />

Bilder.


8 <strong>Digitale</strong> Kameras verstehen EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

Funktionen einer Digitalkamera<br />

mit Wechselobjektiven<br />

Bei den Funktionen einer digitalen Spiegelrefl ex- und einer kompakten<br />

Systemkamera gibt es keine wesentlichen Unterschiede.<br />

2<br />

4<br />

Unabhängig davon, ob eine<br />

digitale Spiegelreflex- oder<br />

Kompaktkamera zum Einsatz<br />

kommt, öffnet sich den<br />

Benutzern eine Welt von neuen<br />

Aufnahmemöglichkeiten.<br />

<strong>Digitale</strong> Kameras sind voller<br />

Spitzen-Technologie. Diese<br />

wurde entwickelt, um in<br />

möglichst vielen<br />

Aufnahmesituationen möglichst<br />

perfekte Bilder zu garantieren.<br />

Dazu kommen neuerdings auch<br />

Videofunktionen. Trotz all<br />

diesen Leistungen wurden die<br />

meisten Kameras so<br />

benutzerfreundlich wie möglich<br />

designt. Die Bedienung ist<br />

allerdings nicht bei allen<br />

Modellen gleich. Manchmal<br />

wird man durch die große<br />

Auswahl an Funktionen eher<br />

verwirrt oder übersieht<br />

Leistungen, die einem das<br />

Leben einfacher machen<br />

könnten. Dieses Magazin ist<br />

dazu da, diese Lücke zu füllen!<br />

In unserem Magazin geht es<br />

darum, wie das beste aus der<br />

Kamera herausgeholt wird und<br />

dadurch die Bildqualität<br />

erheblich verbessert werden<br />

kann.<br />

WUSSTEN SIE, DASS ...?<br />

Wenn der Auslöser im Einzelbildbetrieb<br />

zur Hälfte nach unten gedrückt wird,<br />

kann die Belichtungseinstellung für die<br />

nächste Aufnahme gespeichert werden.<br />

1<br />

7<br />

3<br />

6<br />

8<br />

9<br />

5<br />

Funktionen und Bedienungselemente digitaler Kameras<br />

1) Der Auslöser: Der Auslöser hat<br />

eine Doppelfunktion. Wird er zur Hälfte<br />

nach unten gedrückt, wird das<br />

Autofokus- und Messsystem aktiviert.<br />

Wird er ganz nach unten gedrückt, wird<br />

die Aufnahme belichtet.<br />

Wussten Sie, dass ...? Wenn das<br />

Kamera-Display aus Energiespargründen<br />

nach ein paar Minuten auf den<br />

Bereitschaftsmodus umschaltet, kann es<br />

durch leichtes Antippen des Auslösers<br />

wieder aktiviert werden. Bei vielen<br />

Kameras kann eingestellt werden, ob der<br />

Auslöser die Autofokuseinstellung, die<br />

Belichtung oder beides speichern soll.<br />

2) Interner Blitz: Die große<br />

Mehrheit der Kameras sind mit einem<br />

internen Blitz ausgerüstet. Manche<br />

digitale Spiegelreflex- und<br />

Kompaktkameras der oberen<br />

Preiskategorie sind auf externe Blitzgeräte<br />

angewiesen. Die meisten<br />

Kompaktkameras verfügen über ein<br />

internes Blitzgerät. Der<br />

Blitzausleuchtungsbereich ist dabei<br />

normalerweise groß genug für Motive, die<br />

ein paar Meter entfernt sind. Alle Kameras<br />

bieten eine Auswahl an Blitzmodi. Der<br />

Automodus dient für Porträts bei<br />

geringem Licht. Es gibt aber weitere<br />

Blitzmodi für kreative<br />

Aufnahmesituationen, wie die<br />

Zeitautomatik und den zweiten<br />

Verschlussvorhang.<br />

3) Die<br />

Blitzentriegelungstaste:<br />

Die Blitzentriegelungstaste<br />

zum Einsatz des internen<br />

Blitzgerätes drücken. Manche Kameras<br />

setzen den Blitz in vollautomatischen Modi<br />

von selbst ein. Nur in halbautomatischen<br />

und manuellen Belichtungsmodi kann dort<br />

der Blitz noch selbst gewählt werden.<br />

Wussten Sie, dass ...? Bei manchen<br />

Kameras dient der Auslöser zusätzlich<br />

dazu, den entsprechenden Blitzmodus<br />

auszuwählen, ohne auf die Menüfunktion<br />

zurückzugreifen. Bei den meisten Modellen<br />

dient dazu eine getrennte Blitz-Modus-<br />

Taste auf dem Vierwegschalter.<br />

4) Autofokus-Lampe: Bei<br />

schwachen Lichtverhältnissen hat die<br />

Kamera manchmal Probleme bei der<br />

Schärfeeinstellung. Die Autofokus-Lampe<br />

ist im internen Blitz oder im<br />

Kameragehäuse integriert und dazu da,<br />

diese Probleme zu lösen.<br />

5) Objektiv-<br />

Entriegelungstaste:<br />

Durch die Objektiv-<br />

Entriegelungstaste kann das<br />

Objektiv ausgetauscht werden.<br />

Wussten Sie, dass ...? Die Nikon-<br />

Objektive werden umgekehrt<br />

herausgedreht als die Objektive der<br />

meisten anderen Hersteller.<br />

6) AF/M: Diese Taste<br />

befindet sich auf dem<br />

Objektiv oder dem Gehäuse<br />

der Kamera und dient dem<br />

Umstellen von Autofokus auf manuelle<br />

Scharfstellung<br />

7) Selbstauslöser-Anzeige:<br />

Zeigt die Sekunden bis zur Belichtung an.<br />

8) Mikrofon: Für Audioaufnahmen<br />

mit der Video-Funktion der Kamera.<br />

Kann bei manchen Kameras auch für<br />

Audiokommentare zu den Aufnahmen<br />

eingesetzt werden.<br />

9) Springblende:<br />

Früher war diese Funktion<br />

bei Spiegelreflexkameras<br />

sehr beliebt, ist heute aber<br />

weniger üblich. Beim Einsatz dieser<br />

Funktion wird die Objektivblende auf die<br />

gewählte Öffnung eingestellt und erlaubt<br />

dem Fotografen die <strong>Vorschau</strong> der<br />

erreichten Tiefenschärfe im Sucher.<br />

Diese Funktion verdunkelt das Bild im<br />

Sucher. Der Einsatz wird dadurch vor<br />

allem bei kleineren Blendeöffnungen<br />

erschwert. Kameras mit elektronischen<br />

Suchern erhöhen die Helligkeit in der<br />

Tiefenschärfe-<strong>Vorschau</strong>, was ein großer<br />

Vorteil gegenüber optischen Suchern<br />

darstellt.<br />

Wussten Sie, dass ...? Canon-Benutzer<br />

können die Tiefenschärfe-<strong>Vorschau</strong> mit<br />

dem LiveView-Modus kombinieren.<br />

Dadurch kann die Tiefenschärfe<br />

einfacher als über den Sucher, direkt<br />

auf dem LCD-Monitor kontrolliert<br />

werden.


EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

<strong>Digitale</strong> Kameras verstehen 9<br />

15<br />

2<br />

14<br />

13<br />

10<br />

12<br />

6<br />

11<br />

1<br />

4<br />

7<br />

16<br />

5<br />

Kameras<br />

mit<br />

Sucherbild<br />

10<br />

12<br />

8<br />

10) Hauptwählrad: Dies ist wohl die<br />

wichtigste Kontrollfunktion der Kamera, da<br />

sie die Belichtungszeit festlegt. Manche<br />

Kameras haben eine Blockierfunktion fürs<br />

Wählrad, die meisten aber nicht. Darum<br />

sollte man vor dem Aufnehmen nochmals<br />

sicherstellen, dass das Rad nicht ungewollt<br />

verstellt wurde.<br />

Wussten Sie, dass ...? Viele halb<br />

professionelle und professionelle digitale<br />

Spiegelreflexkameras besitzen zur<br />

Belichtungseinstelltung anstelle eines<br />

Wählrads eine Taste.<br />

11) Blitzschuh: Der Blitzschuh ist eine<br />

Schiene auf der Oberseite des<br />

Kameragehäuses zum Anschluss des<br />

Blitzgerätes. Die externen Blitzgeräte bieten<br />

bei unterbelichteten Aufnahmesituationen<br />

eine zusätzliche Leistung in einem größeren<br />

Bildbereich. Außerdem können am<br />

Blitzschuh auch weitere Geräte wie<br />

Steuereinheiten zur Synchronisierung von<br />

Aufnahmen mit mehreren Blitzgeräten oder<br />

eine Fernbedienung angeschlossen werden.<br />

Der Anschluss in der Mitte der Schiene löst<br />

den Blitz aus, die anderen Kontakte dienen<br />

zur Datenübertragung<br />

Wussten Sie, dass ...? Der Vorläufer des<br />

unkonventionellen Designs des<br />

Sony-Blitzschuhs ist der Minolta-Dynax-<br />

Blitzschuh von 1988.<br />

12) On/off Taste: Zum Ein- und<br />

Ausschalten der Kamera. Falls die Kamera<br />

nicht ausgeschaltet wird, schaltet sie aus<br />

Energiespargründen nach fünf Minuten<br />

automatisch selbst ab. Durch das sanfte<br />

Herunterdrücken des Auslösers wird die<br />

Kamera dann wieder aktiviert.<br />

13) Display: Die Kamera benutzt ein<br />

Standard-Beleuchtungs-Display auf dem<br />

Monitor. Durch Herunterdrücken der<br />

Display-Taste kann das Histogramm-<br />

Format und die Displayfarbe gewählt<br />

werden.<br />

14) ISO: Die ISO-Einstufung bestimmt die<br />

Lichtempfindlichkeit des Sensors und ist<br />

deshalb vergleichbar mit den<br />

unterschiedlichen Filmgeschwindigkeiten in<br />

der Vergangenheit. Eine tiefe ISO-<br />

Einstufung ist weniger empfindlich, bietet<br />

16<br />

3<br />

aber eine bessere Bildqualität. Sobald die<br />

ISO-Einstufung erhöht wird, nimmt das<br />

Bildrauschen zu und führt zu einem<br />

Qualitätsverlust (hauptsächlich bezüglich<br />

der Farbwiedergabe und Schärfe).<br />

Besonders gut ersichtlich ist das<br />

Bildrauschen bei einer Einstellung von ISO<br />

800 und darüber. Neuere Kameramodelle<br />

bieten eine bessere Rauschunterdrückung<br />

als ältere.<br />

11<br />

Original-<br />

größe<br />

Seite 13<br />

15) Vorderes Einstellrad: Dieses<br />

Einstellrad befindet sich normalerweise in<br />

der Nähe des Auslösers oder bei den<br />

Daumenauflagen auf der Hinterseite der<br />

Kamera. Mit diesem Rad kann die<br />

Verschlusszeit oder die Blendenöffnung<br />

eingestellt werden.<br />

16) Sensorebene: Eine sichtbare<br />

Markierung zeigt die Sensorebene an.


10 <strong>Digitale</strong> Kameras verstehen<br />

Siehe Seite 14 für<br />

weitere Angaben<br />

zum Bild-Sensor<br />

3<br />

5 7 4<br />

3<br />

14<br />

1<br />

2<br />

9<br />

8<br />

11<br />

12<br />

15<br />

10<br />

16<br />

6<br />

Funktionen und Bedienungselemente digitaler Kameras<br />

1) Belichtungskorrektur:<br />

Die Belichtungskorrektur-Funktion<br />

erhöht oder reduziert die eingestellte<br />

Belichtung um eine festgelegte 1/3-<br />

oder 1/2-Lichtwertstufe. Mit ein wenig<br />

Erfahrung lernt man, bei welchen<br />

Motiven die Belichtungskorrektur am<br />

besten eingesetzt wird. Bei<br />

Schneemotiven wird eine positive<br />

Lichtwertstufe von +2 angewandt.<br />

Durch eine negative Lichtwertstufe von<br />

-2 bis -3 kann beim Blitzeinsatz der<br />

Hintergrund verdunkelt werden, was oft<br />

zu einer stimmungsvolleren Aufnahme<br />

führt. Bei Aufnahmen im manuellen<br />

Modus erlaubt die Belichtungskorrektur-<br />

Taste eine Anpassung der Blende.<br />

Wussten Sie, dass ...? Die meisten<br />

Kameras besitzen eine<br />

benutzerdefinierte Funktion, über die<br />

man die Lichtwertstufen um1/3 oder<br />

1/2 verändern kann.<br />

2) Kurzwahltaste:<br />

Kurzwahltasten erlauben über den<br />

LCD-Monitor einen schnelleren Zugriff<br />

auf die wichtigsten Kamerafunktionen<br />

und erfreuen sich darum steigender<br />

Beliebtheit. Über die Kurzwahltasten<br />

von Canon kann zum Beispiel schnell<br />

und einfach auf Blende/Verschlusszeit,<br />

ISO-Einstufung, interne<br />

Bildbearbeitung, Weißabgleich,<br />

Belichtungskorrektur und andere<br />

Funktionen zurückgegriffen werden. Auf<br />

manchen Kameras wie der Pentax K-x<br />

wird diese Funktion durch die Info-Taste<br />

abgedeckt. Andere Marken wie Sony<br />

haben eine Funktionstaste für<br />

Kurzbefehle.<br />

3) Sucher: <strong>Digitale</strong><br />

Spiegelreflexkameras leiten den Blick<br />

durch die Linse. Das Bild im Sucher<br />

kommt also direkt durch das Objektiv.<br />

Die Sony Aplha-Kameras (zum Beispiel<br />

die A33, A35 und A55) wurden wie<br />

Kompaktkameras mit einem<br />

elektronischen Sucher ausgerüstet.<br />

Weitere Einzelheiten über Sucher auf<br />

Seite 13.<br />

4) Autofokus-Messfeldwahl:<br />

Ein verstellbares Autofokusmessfeld<br />

hilft, Motive außerhalb der Bildmitte<br />

scharfzustellen. Über diese Taste kann<br />

von einem dynamischen auf einen<br />

statischen Autofokus umgeschaltet<br />

werden. Der statische Autofokus ist<br />

nützlich für Aufnahmesituationen, bei<br />

denen eine genaue Kontrolle über den<br />

Fokus erforderlich ist. Bei Porträts<br />

werden zum Beispiel meist die Augen<br />

fokussiert. Das Standard-Autofokus-<br />

Messfeld in der Bildmitte bietet meist<br />

die besten Resultate.<br />

5) Menü: Über die Menü-Taste kann<br />

auf alle Kamerafunktionen<br />

zurückgegriffen werden. Es lohnt sich,<br />

nach dem Kauf der Kamera das Menü<br />

mit Hilfe der Bedienungsanleitung<br />

richtig verstehen zu lernen. Das Menü<br />

besteht aus verschiedenen<br />

benutzerfreundlich organisierten<br />

untergeordneten Menüfunktionen.<br />

6) Bildbearbeitungsanzeige:<br />

Diese Anzeige leuchtet auf, wenn die<br />

Bilder von der Kamera auf die<br />

Speicherkarte übertragen werden.<br />

7) Belichtungsspeicherung:<br />

Die äußerst beliebte Belichtungs-<br />

Speicherungsfunktion ist besonders<br />

nützlich für schnelle Aufnahmeeinsätze.<br />

Bei Aufnahmesituation mit schwierigen<br />

Beleuchtungsverhältnissen kann die<br />

Belichtung an einem Mittelton<br />

gemessen werden. Dies ist besonders<br />

praktisch bei Motiven mit Gegenlicht.<br />

Wussten Sie, dass ...? Die Belichtungs-<br />

Speicherung kann mit allen<br />

Messsystemen eingesetzt werden, es<br />

empfiehlt sich aber eher eine Spot-/<br />

Selektiv- oder Zentrumswertbelichtungsmessung<br />

als eine<br />

Mehrfeldmessung.<br />

8) Vierweg-Modusschalter:<br />

Alle neueren Spiegelreflex- und<br />

Kompaktkameras sind mit einem<br />

Vierweg-Modusschalter auf der<br />

Hinterseite des Kameragehäuses<br />

ausgestattet. Dieser ermöglicht eine<br />

schnelle und flexible Bedienung der<br />

Hauptfunktionen. Jede Taste hat ihre<br />

Primärfunktion, kann aber auch zur<br />

Bedienung des Menü-Displays benutzt<br />

werden.<br />

9) Weißabgleich: Die Kamera ist<br />

sowohl mit einer automatischen<br />

Weißabgleich-Funktion als auch mit<br />

zahlreichen Voreinstellungen für<br />

unterschiedliche<br />

Beleuchtungssituationen ausgestattet.<br />

Diese Voreinstellungen optimieren unter<br />

verschiedenen<br />

Beleuchtungsbedingungen die<br />

Farbpräzision. Mit Hilfe einer Graukarte<br />

kann ein benutzerdefinierter<br />

Weißabgleich programmiert werden. Mit<br />

ein wenig Erfahrung können<br />

Weißabgleich-Einstellungen für eine<br />

kreativere Bildgestaltung eingesetzt<br />

werden.<br />

10) Interne Bildbearbeitung:<br />

Zusätzlich zu den Standard-<br />

Einstellungen, bietet die Kamera auch<br />

unterschiedliche Motiv-Funktionen, die<br />

auf besondere Motive wie Porträts,<br />

Landschaften u. a. ausgerichtet sind.<br />

Auch diese Funktionen können durch<br />

benutzerdefinierte Einstellungen an<br />

besondere Bedürfnisse angepasst<br />

werden.<br />

11) Bildbetrieb: Bei der<br />

Standard-Einstellung der Kamera wird<br />

bei jedem Knopfdruck auf den Auslöser<br />

ein einzelner Bildausschnitt<br />

aufgenommen. Die Kamera kann aber<br />

auch auf die Serienbildfunktion<br />

umgeschaltet werden. Die Belichtung<br />

kann mit dem Selbstauslöser zehn oder<br />

zwölf Sekunden herausgezögert werden,<br />

wenn der Fotograf selbst auch auf dem<br />

Bild erscheinen will. Der Zwei-Sekunden-<br />

Selbstauslöser kommt bei Aufnahmen<br />

mit einer langen Belichtungszeit zum<br />

Einsatz, um das Bild nicht zu<br />

verwackeln. Diese Funktion kann auch<br />

über eine Fernbedienung benutzt<br />

werden.<br />

12) Die Autofokus-Taste: Alle<br />

Kameras haben mindestens zwei<br />

Hauptmodi für den Autofokus, einen für<br />

statische und den anderen für<br />

bewegliche Motive. Viele Kameras<br />

besitzen zusätzlich eine AI Servo/<br />

AiAF-Funktion. Hier bleibt die Kamera in<br />

der statischen Autofokus-Funktion, bis<br />

Bewegungen registriert werden und<br />

schaltet dann automatisch auf den<br />

kontinuierlichen Autofokus.<br />

13) Video-Modus: Immer mehr<br />

Leute nehmen gerne Videos auf. Mit den<br />

neuesten Digitalkameras können<br />

hochwertige Videos im HD-Format<br />

aufgenommen werden. Es gibt in diesem<br />

Bereich eine große Auswahl an Formaten<br />

und Einstellungen für die verschiedenen<br />

Bedürfnisse von Einsteigern und Profis.<br />

14) Bildvergrößerung: Das<br />

Lupensymbol zur Bildvergrößerung findet<br />

man auf fast allen Kameras. Bei der<br />

<strong>Vorschau</strong> von Aufnahmen und mit<br />

LiveView wird das Lupensymbol zum<br />

Heranzoomen von Bildausschnitten<br />

angezeigt. Sobald der gewünschte<br />

Bildausschnitt vergrößert ist, können die<br />

Bildbereiche mit dem Vierweg-Schalter<br />

bewegt werden.<br />

15) Wiedergabe: Diese Funktion<br />

dient zur <strong>Vorschau</strong> von Bildern auf der<br />

Speicherkarte.<br />

16) Löschen: Im Wiedergabe-Modus<br />

löscht diese Funktion das gegenwärtige<br />

Bild auf dem Display.


<strong>Digitale</strong> Kameras verstehen 11<br />

15<br />

13<br />

1<br />

Tipps zum<br />

LiveView<br />

8<br />

4<br />

5<br />

9<br />

16<br />

Der LCD-Monitor<br />

2<br />

11<br />

Der LCD-Monitor wird für nahezu alle Kamerafunktionen<br />

gebraucht, daher sollten Sie dessen Anzeigen kennen. Hier die<br />

wichtigsten Infos:<br />

WUSSTEN SIE, DASS ...?<br />

Der Bewegungsradius von neig- und<br />

drehbaren Monitoren ist bei den<br />

verschiedenen Modellen unterschiedlich. Ist<br />

dieses Kriterium für Sie wichtig, sollten Sie<br />

sich die verschiedenen Modelle vor dem Kauf<br />

im Fachgeschäft daraufhin genau ansehen.<br />

Bildschirmgröße: Die meisten<br />

Kameras haben eine Bildschirmgröße<br />

von 2,7 bis 3 Zoll. Je größer der<br />

Bildschirm, desto besser, da man sich<br />

dadurch schneller durchs Menü<br />

bewegen und Bilder anschauen kann.<br />

Auch beim Einsatz von LiveView ist<br />

ein größerer Bildschirm vorteilhaft.<br />

Bildschirmauflösung: Die<br />

Auflösung wird in Pixel (Bildpunkten)<br />

gemessen. Je höher die Pixelzahl,<br />

desto schärfer die Auflösung. Die<br />

meisten Monitore haben einen<br />

460.000-Pixel-Bildschirm. Das ist<br />

nicht schlecht, im Vergleich zu<br />

Monitoren ab 920.000 Pixel sehen<br />

diese allerdings ein wenig unscharf<br />

und blass aus.<br />

Neig- und drehbare<br />

Monitore: Bewegliche Monitore<br />

werden dank ihren guten Resultaten<br />

beim Einsatz von LiveView und bei<br />

Videoaufnahmen immer beliebter.<br />

Menüsystem: Die verschiedenen<br />

Kontrolltasten auf der Kamera<br />

erlauben einen schnellen Einsatz der<br />

meisten wichtigen Modi und<br />

Funktionen. Im Menü kann auf alle<br />

Funktionen der Kamera<br />

zurückgegriffen werden. Das Menü<br />

besteht aus Symbolleisten der<br />

verschiedenen Funktionen. Dadurch<br />

ist die Menü-Struktur übersichtlicher.<br />

Canon und Nikon haben bezüglich<br />

„benutzerfreundlicher Menüs“ den<br />

besten Ruf unter den Herstellern. Mit<br />

ein bisschen Übung kann man in<br />

kurzer Zeit die meisten Kamera-<br />

Modelle ohne Probleme bedienen.<br />

Belichtungsinformation: Die<br />

Standard-Einstellung des Monitors<br />

zeigt die wichtigsten Angaben zur<br />

Belichtung. Die Gestaltung und<br />

Farben des Displays können<br />

normalerweise an die Bedürfnisse des<br />

Fotografen angepasst werden.<br />

Einzelheiten zu den verfügbaren<br />

Optionen findet man in der<br />

Bedienungsanleitung der Kamera<br />

Bildschirmhelligkeit: Viele<br />

Kamerabenutzer wissen nicht, dass<br />

die meisten Kameras eine Option zur<br />

Anpassung der Bildschirmhelligkeit<br />

besitzen. Bei hellen<br />

Aufnahmesituationen kann die<br />

Bildschirmhelligkeit dadurch erhöht,<br />

in dunklen Aufnahmesituation<br />

reduziert werden. Im Studio und zur<br />

Prüfung der richtigen Belichtung<br />

empfiehlt sich eine mittlere<br />

Bildschirmhelligkeit.<br />

Touchscreen: Einige wenige<br />

Kompakt-System-Kameras haben<br />

einen integrierten Touchscreen, auf<br />

dem die Menüfunktionen über das<br />

Antippen der Symbole auf dem<br />

Monitor gewählt werden können.<br />

Kurzanleitung: Immer mehr<br />

Geräte kommen mit einer Kurzanleitung<br />

auf den Markt. Prinzipiell ist sie an<br />

Einsteiger gerichtet und erleichtert das<br />

Verstehen der Funktionsweise der<br />

Kamera durch illustrierte Anleitungen.<br />

Monitorblende: Helles Tageslicht<br />

erschwert unter Umständen auch bei<br />

den neuesten Modellen mit den<br />

besten Blendschutzsystemen den<br />

Einsatz des Monitors. Eine<br />

Monitorblende ist eine einfache und<br />

günstige Form, um den Monitor vor<br />

der direkten Lichteinstrahlung zu<br />

schützen und wird im<br />

entsprechenden Moment auf dem<br />

Monitor befestigt. Besonders bei<br />

Kompakt-Kameramodellen ohne<br />

Sucher, die zur Bildkomposition auf<br />

den Monitor angewiesen sind, kann<br />

eine Monitorblende die Bedienung<br />

erleichtern.<br />

Bildschirmmodelle: Die<br />

meisten Kameramonitoren bestehen<br />

aus einer LCD- oder<br />

Flüssigkristallanzeige. Es gibt aber<br />

alternative Modelle aus<br />

unterschiedlichen Materialien, die<br />

hellere Farben und ein besseres<br />

Blendschutzsystem versprechen.<br />

Samsung brachte mit AMOLED<br />

(Active Matrix Organic Light Emitting<br />

Diode) ein Aktivmatrix-Display auf<br />

den Markt. Manche Kompaktkameras<br />

von Olympus sind dagegen mit OLED,<br />

organischen Leuchtdiode-<br />

Bildschirmen, ausgestattet.<br />

LiveView: Diese Funktion dient<br />

dazu festzulegen, welcher<br />

Bildausschnitt des Motivs<br />

aufgenommen werden soll. Bei<br />

manchen Kameras können einzelne<br />

Bildbereiche zur Feinabstimmung des<br />

Fokus vergrößert werden. Früher war<br />

die Autofokus-Leistung von LiveView<br />

eher schwach. Neuere Kamera-<br />

Modelle zeigen aber in dieser Hinsicht<br />

eine markante Verbesserung. Die<br />

besten LiveView-Leistungen zeigt das<br />

Sony Alpha-System und die neuesten<br />

Kameramodelle von Olympus und<br />

Panasonic. Auch wenn der Monitor<br />

scharf ist und einen guten Kontrast<br />

hat, wird sein Einsatz bei hellen<br />

Beleuchtungsverhältnissen erschwert.<br />

Dann empfiehlt sich ein LCD-<br />

Blendschutz.


12 <strong>Digitale</strong> Kameras verstehen EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

2<br />

1<br />

3<br />

2<br />

Zubehör und Anschlüsse<br />

1) Batterie: Einige Kameras verwenden<br />

AA-Batterien, die große Mehrheit jedoch<br />

funktioniert mit individuellen Lithium-<br />

Ionen-Akkus. Die sind wiederaufladbar und<br />

halten für mehrere hundert Bilder. Leider<br />

haben sie den Nachteil, etwas teurer zu<br />

sein, sollte man Ersatz benötigen.<br />

Wussten Sie, dass ...? Unabhängige<br />

Marken, wie Hahnel, Delkin und Hama<br />

produzieren kompatible Lithium-<br />

Batterien, die um einiges günstiger sind,<br />

als Marken-Batterien.<br />

2) Zubehörgriff: Es lohnt sich, die<br />

optionalen Griffe, die man auf viele<br />

Kameras aufstecken kann, in Betracht zu<br />

ziehen. Wie Sie im Folgenden sehen<br />

werden, bieten diese eine ganze Reihe von<br />

Vorteilen:<br />

Handhabung: Der zusätzliche Griff bietet<br />

einern festeren Halt, der vor allem dann<br />

nützlich ist, wenn man die Kamera im<br />

Hochformat einsetzt. Auf der anderen<br />

Seite bedeutet dies auch, dass man mehr<br />

Ausrüstung mit sich führen muss.<br />

Zusätzliche Funktionstasten: Der Griff hat<br />

ein zweites Tastenfeld, das nochmal die<br />

Tasten des Gehäuses aufweist und bei<br />

Hochformataufnahmen hilfreich sein<br />

kann. Folgende Tasten befinden sich für<br />

gewöhnlich auf dem zusätzlichen<br />

Tastenfeld: Auslöser, Eingabewählscheibe,<br />

Belichtungskorrektur, punktweise<br />

Auswahl des Autofokus und Speicherung<br />

des gemessenen Belichtungswertes.<br />

Zusätzliche Energie: Der Griff enthält<br />

zusätzliche Batterien, die verlängerte<br />

Aufnahmen erlauben. Bei vielen Griffen<br />

können sowohl Lithium-Ionen-Batterien,<br />

als auch Adapter mit AA-Batterien<br />

verwendet werden.<br />

3) Stativgewinde: Auf der<br />

Unterseite jeder Kamera befindet sich ein<br />

Viertelzollgewinde, welches die<br />

Standardgröße für normale Stative,<br />

Einbeinstative und weiteres<br />

unterstützendes Material für die Kamera<br />

ist.<br />

Karteneinschub: Die meisten Kameras<br />

besitzen auf der rechten Seite einen<br />

Karteneinschub, der von einem<br />

Klappscharnier geschützt wird. Speziellere<br />

Modelle haben ein Sicherheitsschloss, um<br />

zu verhindern, dass der Schlitz zufällig<br />

aufgeht. Es ist mittlerweile üblich<br />

geworden, den Kartenschlitz im<br />

Batteriefach auf der Unterseite der<br />

Kamera zu platzieren. Diese Position ist<br />

jedoch etwas unglücklich, da sie den<br />

Zugang erschwert, sobald die Kamera auf<br />

ein Stativ montiert wird. Einige Kameras<br />

besitzen auch zwei Kartenschlitze und<br />

bieten so eine erhöhte Kapazität, sowie<br />

eine Möglichkeit, die Kamera so<br />

einzustellen, dass Videos auf der einen<br />

und Fotos auf der anderen Karte<br />

gespeichert werden, oder Raw-Dateien<br />

auf der einen und JPEG-Dateien auf der<br />

anderen.<br />

4) Kameraanschlüsse:<br />

Im Folgenden werden die bekanntesten<br />

Buchsen aufgeführt:<br />

HDMI: Verbinden Sie Ihre Kamera direkt<br />

mit Ihrem HDTV und sehen sich die Bilder<br />

auf dem großen Bildschirm an.<br />

Fernbedienung: Stecken Sie eine<br />

Fernbedienung ein und machen<br />

Nachtaufnahmen ohne Verwacklungen.<br />

USB: Verbinden Sie Ihre Kamera direkt<br />

mit einem Computer oder einem<br />

kompatiblen Tintenstrahldrucker.<br />

Mikrofon: Wenn Sie ein Video aufnehmen,<br />

können Sie ein externes Mikrofon<br />

einstecken und so die Audio-Qualität<br />

enorm verbesserrn.<br />

PC-Buchse: Befindet sich auf der<br />

Vorderseite vieler Liebhaber- und<br />

Profi-Kameras und erlaubt die<br />

Standardsynchronisierung mit einem<br />

Studioblitz.<br />

Größe, Gewicht und<br />

Verarbeitungsqualität<br />

Alle Kameras entsprechen sehr hohen Standards, manche jedoch<br />

entsprechen höheren Standards als andere. Es lohnt sich also zu<br />

wissen, wie die Qualität der Bauweise abweicht, wenn man mehr dafür<br />

ausgibt.<br />

Einsteiger-Modelle werden so klein und leicht wie möglich gebaut und<br />

haben daher ein Gehäuse, das vorwiegend aus Polycarbonat besteht<br />

und sich verglichen zu Konkurrenzmodellen eher wie Plastik anfühlt.<br />

Kameras aus dem mittleren Preissegment sind darauf ausgerichtet,<br />

öfter benutzt zu werden und daher etwas robuster gebaut, häufig mit<br />

einem Gehäuse aus Legierungen, um die Festigkeit zu erhöhen. Einige<br />

sind sogar wetterfest.<br />

Die Gestelle und Schalen von Profi-Modellen bestehen aus Stahl- oder<br />

Magnesium-Legierungen für maximalen Schutz. Alle Bereiche der<br />

Kamera, von dem verstärkten Verschlusssystem zu den wetterfesten<br />

Versiegelungen um die Tasten und Wählknöpfe herum, sind darauf<br />

ausgelegt, so lange zu halten wie möglich. Das Resultat ist, dass diese<br />

Kameras entsprechend größer und schwerer sind.


EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

<strong>Digitale</strong> Kameras verstehen 13<br />

4<br />

4<br />

4<br />

Der Sucher<br />

Der Sucher ist deshalb wichtig, weil er für die meisten Fotografen<br />

den Rahmen des Bildes bestimmt. Größe und Klarheit sind<br />

besser, je mehr man für die Kamera ausgibt. Einsteiger-Modelle<br />

haben vergleichsweise kleine, aber klare Sucher. Kameras aus<br />

dem mittleren Preissegment weisen hier eine Verbesserung auf,<br />

indem ihre Sucher größer und heller sind. Kameras mit<br />

Vollbildaufnahme haben die besten Sucher, weil sie einem große<br />

und sehr scharfe Bilder zur Verfügung stellen.<br />

6<br />

5<br />

7<br />

5) Dioptrienkorrektur:<br />

Brillenträger können einen Knopf oder<br />

einen Schalter drücken, um das<br />

Sucherbild scharf zu stellen, ohne ihre<br />

Brille zu tragen. Die meisten Kameras<br />

bieten eine Palette von +2 bis -2<br />

Dioptrien.<br />

6) Sucherkappe: Bieten einen<br />

bequemen Verbleib und schützen den<br />

Sucher vor Streulicht. Die meisten sind<br />

abnehmbar, so dass man sein<br />

Sucherzubehör damit ausstatten kann.<br />

Dieses enthält eine Sucherverlängerung<br />

für bequemeres Suchen, und einen<br />

Winkelsucher für das Suchen bei<br />

geringem Lichtniveau.<br />

7) Sucherdisplay: Die meisten<br />

zeigen die Position des<br />

Fokussierungspunkts, während einige<br />

auch den zentralen Punkt oder den<br />

Bereich der Selektivmessung anzeigen.<br />

Der Großteil der Displays besitzt LEDs,<br />

die bei den Punkten des Autofokus rot<br />

aufleuchten, wenn er aktiviert ist. Die<br />

Information zur Belichtung wird<br />

normalerweise an der Unterseite in grün<br />

angezeigt, bei einigen verläuft sie auch<br />

am rechten Rand.<br />

Wussten Sie, dass ...? Einige wenige<br />

halbprofessionelle bis professionelle<br />

Modelle und einige Modelle aus dem<br />

mittleren Preissegment verfügen über<br />

eine Auswahl an Sucherdisplays, um für<br />

jeden Gebrauch wie beispielsweise<br />

Makro- oder<br />

archhitektonische <strong>Fotografie</strong><br />

geeignet zu sein. Einige<br />

Kameras erlauben sogar mittels<br />

einer Benutzerfunktion Rasterlinien<br />

über das Display zu legen, so dass man<br />

sich dafür keinen zusätzlichen<br />

Bildschirm kaufen muss.<br />

Sucherverdunklung:Es ist<br />

wichtig, den Sucher abzudecken, da es<br />

zu mangelhafter Belichtung führen kann,<br />

wenn Streulicht auf das Suchergehäuse<br />

fällt und den Messsensor trifft. Einige<br />

hochwertige Kameras haben eine<br />

integrierte Sucherverdunklung. Meistens<br />

jedoch wird zusammen mit den Kameras<br />

auf Benutzerebene eher eine<br />

Okularabdeckung als eigenständiges<br />

Zubehör angeboten.<br />

Augensensor: Dieses handliche<br />

kleine Teil spart Energie, indem es das<br />

LCD-Display deaktiviert, wenn es merkt,<br />

dass der Fotograf durch den Sucher<br />

schaut.<br />

Rahmenabdeckung: Während<br />

halbprofessionelle und professionelle<br />

Modelle über 100 % Rahmenabdeckung<br />

verfügen, decken die meisten Modelle nur<br />

95 % des Bildrahmens ab. Das bedeutet,<br />

dass das Endergebnis an den Kanten<br />

etwas mehr enthält, als durch den Sucher<br />

beim Komponieren des Bildes ersichtlich<br />

war.<br />

Vergrößerung: Je mehr der Sucher<br />

vergrößert, desto besser. Denn das<br />

bewirkt ein klareres, größeres Bild, das<br />

das Auge weniger belastet. Die meisten<br />

Kameras bieten unter diesem Aspekt<br />

eine ähnliche Leistung im Vergleich zu<br />

Konkurrenzmodellen aus dem selben<br />

Preissegment.<br />

Elektronische Sucher<br />

OBEN: Einige Kameras haben eine<br />

Funktion, um Gitterlinien<br />

hinzuzufügen.<br />

Systemkameras wie die Sony Alpha A33, A35 und A55 verwenden im Gegensatz<br />

zu den traditionellen optischen Modellen von digitalen Spiegelreflexkameras<br />

elektronische Farbsucher. Der Vorteil dabei ist die 100%-ige Abdeckung und der<br />

Nutzen bei der Beurteilung von Belichtung und Weißabgleich. Darüberhinaus<br />

zeigen sie eine Menge Information zur Belichtung an. Auch sie weisen allerdings<br />

ihre Probleme auf, vor allem wenn sie bei wenig Licht benutzt werden, da sie nicht<br />

an die Klarheit der Bilder von konventionellen Suchern heranreichen. Die neuesten<br />

elektronischen Sucher haben sich unter diesem Aspekt im Vergleich zu früheren<br />

Generationen verbessert. In Bezug auf Klarheit und Helligkeit sind traditionelle<br />

Sucher allerdings immernoch das Maß aller Dinge.<br />

Wussten Sie, dass ...? Einigen Systemkameras mangelt es völlig an Suchern. Ihre<br />

Benutzer sind darauf angewiesen, die Bilder nur über das LCD-Display zu<br />

komponieren. Dies hat normalerweise den Grund, die Kosten und Größen der<br />

Kameras zu reduzieren.


14 <strong>Digitale</strong> Kameras verstehen EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

Nehmen Sie das Objektiv ab und es<br />

ist einfach, eine Spiegelreflex- von<br />

einer Systemkamera zu unterscheiden.<br />

Der Sensor einer<br />

Spiegelreflexkamera wird vom<br />

Spiegel verdeckt, während der<br />

Sensor einer Systemkamera zu<br />

sehen ist.<br />

1) Objektivanschluss:<br />

Der Objektivanschluss hat elektronische<br />

Stifte, die die Information, die von<br />

Autofokus und Belichtungssystem<br />

benötigt werden, zwischen Kamera und<br />

Objektiv zu übertragen. Verschiedene<br />

Marken haben unterschiedliche<br />

Objektivanschlüsse, wobei sich die PEN<br />

von Olympus und die Lumix von<br />

Panasonic das 4/3 (Four-Third)-<br />

Objektivanschluss-System teilen.<br />

2) Spiegelreflex:<br />

<strong>Digitale</strong> Spiegelreflexkameras haben<br />

einen Reflexspiegel, der das Licht nach<br />

oben reflektiert, wo es von einem Prisma<br />

direkt auf den Sucher weitergeleitet wird.<br />

Sobald man den Auslöser drückt, erhebt<br />

sich der Spiegel aus dem Lichtpfad und<br />

ein dahinter gelegener<br />

Verschlussvorhang erlaubt dem Licht,<br />

den Sensor zu erreichen. Es ist ein<br />

langjährig getestetes System, steigert<br />

aber die Herstellungskosten und die<br />

Größe der Kamera im Vergleich zu<br />

System- und Kompaktkameras.<br />

3) Systemkamera:<br />

Während zwischen digitalen<br />

Spiegelreflexkameras und Kompaktkameras<br />

viele Gemeinsamkeiten<br />

bestehen, ist der größte Unterschied der,<br />

dass Kompaktkameras keinen<br />

Reflexspiegel aufweisen. Daher sind sie<br />

kleiner und dünner als digitale<br />

Spiegelreflexkameras. Das Fehlen eines<br />

Spiegels bedeutet, dass<br />

Kompaktkameras einen elektronischen<br />

Sucher und/oder ein LCD-Display<br />

benutzen, um Bilder zu komponieren, die<br />

direkt vom Sensor kommen, was klar<br />

ersichtlich ist, sobald man das Objektiv<br />

abnimmt.<br />

1<br />

2<br />

3<br />

Der Bildsensor<br />

Der Sensor im Herzen der Kamera spielt eine fundamentale Rolle in der digitalen<br />

<strong>Fotografie</strong>. Lernen Sie seine Eigenschaften kennen, und Sie werden bessere Bilder<br />

machen.<br />

Sensorgröße<br />

Bildsensoren werden nach Größen<br />

hergestellt: Ein Vollformat-Sensor hat<br />

zum Beispiel die gleiche Größe wie ein<br />

Negativ eines 35-Millimeter-Films.<br />

Die Sensorgröße ist aus folgenden<br />

Gründen außerordentlich wichtig:<br />

1) Die Sensorgröße bestimmt effektiv<br />

die Fokallänge des Objektivs, das man<br />

mit der Kamera verwendet (siehe<br />

Kasten).<br />

2) Im Allgemeinen können größere<br />

Sensoren Bilder von besserer Qualität<br />

erzeugen, weil die Pixel größer sind,<br />

weniger Rauschen hervorrufen und<br />

nicht so eingeengt werden.<br />

3) Größere Sensoren sind teurer in der<br />

Hersetllung, die Kameras sind also<br />

ebenfalls teurer.<br />

4) Eine Kamera mit größerem Sensor<br />

hat auch einen größeren, helleren<br />

Sucher.<br />

5) Während alles andere gleichwertig<br />

ist, geben größere Sensoren im<br />

Vergleich zu kleineren Sensoren eine<br />

leicht geringere Tiefenschärfe wieder.<br />

Vollformat-Sensoren findet man in<br />

semi-professionellen und Profi-<br />

Modellen. Ihre Größe macht sie für<br />

extrem hohe Auflösungen zugänglich:<br />

Die EOS-1D MkllI von Canon hat<br />

10,1 Millionen Pixel, die Alpha 900<br />

von Sony hat 24,6 Megapixel und die<br />

D3x von Nikon hat 24,5 Megapixel.<br />

Der APS-H-Sensor der EOS-1D-Serie<br />

richtet sich vornehmlich an Sportund<br />

Natur-Fotografen, die gerne die<br />

zusätzliche Verstärkung nutzen, die<br />

der kleinere Sensor bietet.<br />

APS-C ist die beliebteste<br />

Sensorgröße, die sich im<br />

überwiegenden Teil der digitalen<br />

Spiegelreflexkameras und auch in<br />

den Kompaktkameras von Sony und<br />

Samsung befindet.<br />

Der 4/3-Sensor war der kleinste unter<br />

den vier Hauptsensortypen, bis das<br />

Nikon 1-System und Pentax Q auf<br />

den Markt kamen.<br />

Vollformat: 36 x 24 mm<br />

APS-H: 28,7 x 19,1 mm<br />

APS-C: 23,6 x1 5,5 mm (Nikon,<br />

Pentax, Sony)<br />

APS-C: 22,3 x 14,9 mm (Canon)<br />

Four-Thirds: 17,3 x 13 mm<br />

Nikon CX-format: 13,2 x 8,8 mm<br />

Pentax Q: 6,17 x 4,55 m<br />

WUSSTEN SIE, DASS ...?<br />

Die zwei Hauptsensortypen sind<br />

CMOS (Complementary<br />

Metal-Oxide-Semiconductor) und<br />

CCD (Charged Coupled Device).<br />

CMOS ist der am häufigsten<br />

verwendete.<br />

Vollformat<br />

APS-H<br />

APS-C<br />

Four-Thirds<br />

Aktuell<br />

Größe


EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

<strong>Digitale</strong> Kameras verstehen 15<br />

Vollformat<br />

APS-H<br />

APS-C<br />

Four-Thirds<br />

WUSSTEN SIE, DASS ...? Einige wenige Bildsensoren folgen nicht dem Standarddesign.<br />

Zu ihnen gehören der Super CCD von Fuji und der Foveon-Sensor von Sigma.<br />

Empfindlichkeit<br />

Im analogen Zeitalter wurde die<br />

Empfindlichkeit von Filmen auf einer<br />

ISO-Skala angegeben (ISO steht für<br />

„International Standards Organisation“).<br />

Dieses System gilt auch für Bildsensoren.<br />

Je niedriger der ISO-Wert, desto<br />

unempfindlicher reagiert der Sensor auf<br />

Licht. Erhöht man den ISO-Wert, so<br />

steigert ein Ausgangssignal die<br />

Empfindlichkeit des Sensors, was jedoch<br />

auch den ungeliebten Effekt erhöhten<br />

Rauschens hat. Die<br />

Empfindlichkeitsskala variiert von Sensor<br />

zuu Sensor, die meisten verfügen jedoch<br />

über eine Palette von ISO 100 bis ISO<br />

6400. Top-Modelle bieten am unteren<br />

Ende der Skala einen ISO-Wert von 50<br />

und manche Kameras haben einen<br />

Höchstwert von ISO 102.400, was sogar<br />

empfindlich genug ist, um<br />

Nachtaufnahmen zu machen. Die<br />

meisten Kameras verfügen derweil in<br />

irgendeiner Form über eine optionale<br />

Rauschunterdrückung.<br />

Bildauflösung<br />

Ein Bildsensor besteht aus Millionen von<br />

lichtempfindlichen „Photosites“, besser<br />

bekannt als Pixel. Je mehr Pixel der<br />

Sensor hat, desto höher ist die Auflösung.<br />

Der allgemeine Ausdruck für eine Million<br />

Pixel ist „Megapixel“, wenn also von<br />

einem Sensor mit zwölf Millionen Pixeln<br />

die Rede ist, sagt man üblicherweise,<br />

dass er über eine Auflösung von zwölf<br />

Megapixeln verfügt. Es wäre naheliegend,<br />

dass Sensoren mit einer höheren<br />

Auflösung bessere Bilder liefern als<br />

diejenigen mit weniger Pixeln. Das ist<br />

jedoch nicht immer der Fall. Die Größe<br />

des Sensors spielt hier auch eine Rolle,<br />

denn wie schon gesagt wurde: Größere<br />

Pixel auf größeren Sensoren liefern im<br />

Allgemeinen bessere Qualität. Auch der<br />

Bildprozessor ist hier nicht unwichtig, da<br />

er die rohe Information, die ihm der<br />

Sensor zur Verfügung stellt, benutzt, um<br />

die Bilder zu erzeugen. Auch sollte man<br />

nicht außer Acht lassen, dass die optische<br />

Qualität des Objektivs, das zusammen<br />

mit der Kamera verwendet wird, ebenfalls<br />

einen wichtigen Einfluss auf die<br />

Gesamtqualität hat.<br />

Sensoren und Objektive<br />

Die Beziehung zwischen Bildsensor und<br />

Objektiven, die mit der Kamera<br />

verwendet werden, kann auf den ersten<br />

Blick irritieren. Mit ein bisschen Erfahrung<br />

wird man sie jedoch bald begreifen. Alles<br />

ist darauf zurückzuführen, wie die von<br />

einem Objektiv gebotene Abdeckung<br />

abhängig von der Sensorgröße variiert.<br />

Wenn Sie zwei identische Objektive<br />

nehmen und eines davon auf eine<br />

Kamera mit Vollformat-Sensor und das<br />

andere auf eine Kamera mit APS-C-<br />

Sensor stecken, werden Sie feststellen,<br />

dass letztere eine vergrößerte Version der<br />

Szene zeigt. Dies ist deshalb so, weil der<br />

kleinere Sensor einen kleineren Bereich<br />

des „Belichtungskreises“ verwendet, der<br />

sich auf das Licht bezieht, welches auf<br />

das Objektiv fällt. Der kleinere Sensor<br />

„stutzt“ praktisch das Bild, indem er nur<br />

eine zentrale Menge verwendet und die<br />

effektive Fokallänge des Objektivs quasi<br />

ausgeweitet hat. Dies wird normalerweise<br />

als einem 35-Millimetet-Filmformat oder<br />

einem Vollformat-Sensor ebenbürtig<br />

angegeben.<br />

Jeder Sensor hat einen Crop-Faktor, der<br />

mit der Fokallänge multipliziert werden<br />

muss, um die tatsächliche Fokallänge zu<br />

erhalten. APS-C-Sensoren haben zum<br />

Beispiel einen Crop-Faktor von 1,5 (1,6<br />

bei Canon), und 4/3-Sensoren haben<br />

einen Crop-Faktor von 2. Bei einem<br />

50-Millimeter-Objektiv, das in Verbindung<br />

mit einem 4/3-Sensor benutzt wird, wird<br />

also angegeben, dass es die gleiche<br />

Fokallänge bietet wie ein 100-Millimeter-<br />

Objektiv. Das Bild, das es erzeugt, hat das<br />

gleiche Sichtfeld, wie ein 100-Millimeter-<br />

Objektiv, das in Verbindung mit einem<br />

35-Millimeter-Film bzw. Vollformat-<br />

Sensor verwendet wird. Der springende<br />

Punkt an dieser Vergrößerung der<br />

tatsächlichen Fokallänge ist der, dass<br />

Objektive, die in Verbindung mit kleineren<br />

Sensoren benutzt werden, eine höhere<br />

Telewirkung haben, als wenn sie mit<br />

größeren Sensoren benutzt werden. Ein<br />

100-300-Millimeter-Objektiv auf einer<br />

digitalen Spiegelreflexkamera von Nikon<br />

mit APS-C-Sensor hat also eine<br />

tatsächliche Fokallänge von 150 bis 450<br />

Millimetern. Das ist toll, wenn man ein<br />

entferntes Objekt aufnehmen will, weil<br />

dadurch mehr davon im Rahmen<br />

sichtbar wird. Der Nachteil wird bei<br />

Aufnahmen im Weitwinkel-Format<br />

deutlich: Die Abdeckung ist begrenzt, da<br />

einem nicht länger ein ausreichend<br />

weites Sichtfeld zur Verfügung steht. Dies<br />

sind Crop-Faktoren der<br />

Hauptsensortypen:<br />

Vollformat: 1 x<br />

APS-H: 1.3 x<br />

APS-C: 1,5 x (Nikon, Pentax, Sony)<br />

APS-C: 1,6 x (Canon)<br />

Four-Thirds: 2 x<br />

Nikon CX-format: 2,7 x<br />

Pentax Q: 5,5 x<br />

Reine Digital-Objektive<br />

Die Beliebtheit des APS-C-Sensors hat<br />

dazu geführt, dass diverse Firmen<br />

Objektive herstellen, die nur für digitale<br />

Spiegelreflexkameras mit dieser<br />

Sensorgröße tauglich sind. Diese reinen<br />

Digital-Objektive sind in der Regel<br />

kompakter, als die üblichen Objektive<br />

und können nicht in Verbindung mit<br />

digitalen Spiegelreflexkameras verwendet<br />

werden, die einen Vollformat-Sensor<br />

enthalten, weil sie sonst massive<br />

Vignettierung hervorrufen. Diese reinen<br />

Digital-Objektive tragen bei den großen<br />

Marken die folgenden Bezeichnungen:<br />

Canon EF-S, Nikon DX,<br />

Sigma DC, Tamron Di II


16 <strong>Digitale</strong> Kameras verstehen<br />

Lesen Sie die Anleitungen!<br />

Belichtungsprogramme<br />

Wenn Sie bessere Bilder machen wollen, müssen Sie die Belichtungsprogramme<br />

Ihrer Kamera verstehen, und das ist gar nicht so schwer.<br />

Der Belichtungsmodus, den Sie wählen, spielt eine<br />

der Hauptrollen dabei, wie die Szene von Ihrer<br />

Kamera festgehalten wird. Es ist daher wichtig zu<br />

verstehen, wie jeder einzelne funktioniert und sich<br />

auf das Ergebnis auswirkt. Ihre Kamera bietet eine<br />

breite Auswahl an Optionen, die jedoch in zwei<br />

Hauptkategorien eingeteilt werden können:<br />

grundlegend und kreativ. Die grundlegenden Modi<br />

schließen den vollautomatischen und den<br />

Szenen-Modus mit ein. Die vollautomatischen<br />

Modi ermöglichen nur wenig Kontrolle darüber, wie<br />

die Bilder gemacht werden. Diese Modi richten sich<br />

an Einsteiger in die <strong>Fotografie</strong>, die gerade erst dabei<br />

sind, Grundsätze wie zum Beispiel die Funktion von<br />

Blende und Verschlusszeit, kennen zu lernen.<br />

Die kreativen Modi, die wir auch gerne als die vier<br />

Kernmodi bezeichnen, sind der Programm-Modus,<br />

die Zeitautomatik, die Blendenautomatik und der<br />

manuelle Modus. Sie geben Ihnen kreative<br />

Kontrolle über Ihre <strong>Fotografie</strong>, und da es sich um<br />

die vier Modi handelt, von denen wir denken, dass<br />

Sie sie verstehen sollten, werden wir sie in diesem<br />

Leitfaden einzeln vorstellen. Die vier Modi<br />

funktionieren auf sehr unterschiedliche Art und<br />

Weise: Im Programm-Modus beispielsweise,<br />

kümmert sich die Kamera um Verschlusszeit und<br />

Blende, lässt Ihnen jedoch Spielraum für die<br />

Korrektur von nahezu allen anderen<br />

Kameraeinstellungen. Zeit- und Blendenautomatik<br />

sind halbautomatische Modi: Sie kümmern sich<br />

entweder um Blende oder um Verschlusszeit,<br />

während alles andere automatisch von der Kamera<br />

eingestellt wird. Beim manuellen Modus haben Sie,<br />

wie möglicherweise erwartet, die Kontrolle über<br />

beides. Wenn Sie Erfahrung sammeln, wird sich Ihr<br />

Lieblingsmodus bald herauskristallisieren – bei den<br />

meisten Leuten ist es die Zeitautomatik, es gibt<br />

jedoch auch Situationen, in denen man auch auf<br />

einen der anderen Modi setzen kann. Wenn Sie<br />

unserem Expertenrat folgen, werden Sie in der Lage<br />

sein, jedes Mal denjenigen Modus zu wählen, der<br />

Ihnen dabei hilft, bessere Bilder zu machen.<br />

Wie man Belichtungsprogramme<br />

einstellt<br />

Da der Belichtungsmodus eine primäre Funktion der<br />

Kamera ist, sollte er leicht einzustellen sein. Nahezu<br />

alle Digitalkameras haben am Gehäuse eine<br />

Wähltaste für den Belichtungsmodus, der es erlaubt,<br />

den Modus leicht und schnell einzustellen.<br />

Professionelle Digitalkameras ersetzen diese<br />

Wahltaste in der Regel durch einen Modusknopf, der<br />

in Verbindung mit der Input-Taste benutzt wird.<br />

Einige Systemkameras besitzen eine Modus-Taste,<br />

die – ähnlich wie bei einer Digitalkamera – auf dem<br />

Gehäuse oder an dessen Rückteil sitzt, oder eine<br />

Option auf dem Touchscreen. Viele Kameras -<br />

bsonders die, die an der Budget-Obergrenze liegen<br />

– lassen eine Taste komplett vermissen. Der Zugriff<br />

erfolgt über den Menü-Bildschirm und die<br />

Vier-Wege-Steuerung.<br />

Spiegel<br />

Jede Kamera hat Belichtungsprogramme,<br />

die ein wenig anders arbeiten. Es lohnt<br />

sich daher, einige Minuten zu investieren,<br />

um die Anleitung zu lesen und<br />

festzustellen, wie sie funktionieren.<br />

System<br />

Szenen-Programme (objektbasierte Programme)<br />

Szenen-Modi sind für Einsteiger meist der perfekte Weg,<br />

um brilliante Bilder von verschiedenen Objektarten zu<br />

machen. Es scheint alles sehr einfach: Wenn ein Neuling<br />

seine Geliebte fotografiert, muss er nur den Porträt-<br />

Modus wählen, während ein Wanderer in einer<br />

schneebedeckten Landschaft nur den Landschafts-<br />

Modus einstellt und im Nu eine wunderschöne Szene<br />

aufnimmt. Die Wahrheit spielt jedoch nicht in<br />

Foto-Utopia. Obwohl die Kamera ein scharfes, gut<br />

belichtetes Bild macht, wird es nicht annähernd so gut<br />

sein, als wenn Sie einen kreativen Modus wählen und<br />

die Kameraeinstellungen selbst vornehmen. Letztlich<br />

liefern Szene-Modi hochwertige Schnappschüsse, die<br />

man auch mit einer vernünftigen Kompaktkamera<br />

hinbekommen – Ihre <strong>Digitale</strong> Spiegelreflex- oder<br />

Systemkamera bietet jedoch so viel mehr, benutzen Sie<br />

die Szene-Modi also nur, wenn Sie Bilder von Szenen<br />

machen, bei denen Sie unsicher in Bezug auf das sind,<br />

was zu tun ist.<br />

Jeder Szene-Modus richtet die Kamera auf das Objekt<br />

aus, das Sie fotografieren möchten. Dafür übernimmt er<br />

die Kontrolle über die Schlüsselfunktionen der Kamera.<br />

Es geht dabei nicht nur um die Verschlusszeit und die<br />

Blende – die Einstellung der Entfernung, des Autofokus,<br />

der Überschreitung der Belichtung, des Laufwerk-<br />

Modus, des eingebauten Blitzes und des Weißabgleichs,<br />

genauso wie des ISO-Wertes werden allesamt von der<br />

Kamera übernommen. Aus der Sicht eines Einsteigers ist<br />

das eine Menge potentieller Schwierigkeiten, um deren<br />

Lösung sich die Kamera kümmert, aus der Sicht eines<br />

kreativen Fotografen hingegen ist es ein großer<br />

Kontrollverlust. Unsere Referenztabelle zeigt die<br />

bekanntesten Szene-Modi und die Schlüsselfunktionen,<br />

um die sich die Kamera kümmert, oder deren Kontrolle<br />

sie Ihnen überlässt. Auf die meisten, allerdings nicht alle<br />

Kameras lässt sich diese Tabelle übertragen, für<br />

detailliertere Informationen sollten Sie daher das<br />

Benutzerhandbuch konsultieren. Wie Sie sehen, haben<br />

Sie viel weniger Einfluss auf das Ergebnis, als wenn Sie<br />

den Programm- oder den kreativen Modus verwenden,<br />

weswegen die Kamera niemals den Fotografen wird<br />

ersetzen können – sie weiß einfach nicht, welche Art von<br />

Bild Sie gerade aufnehmen wollen. Die andere<br />

wesentliche Schwachstelle der Szene-Modi ist, dass sie<br />

in Sachen Belichtung immer auf Nummer sicher gehen<br />

– vor allem, indem sie eine Verschlusszeit wählen, die<br />

Kamerabewegungen entgegenwirkt (die Kamera geht<br />

generell davon aus, dass Sie aus der Hand aufnehmen).<br />

Auch werden die Szene-Modi nicht in die Extreme<br />

gehen: Wenn Sie also ein Porträt bei hellem Licht<br />

aufnehmen und sich eine geringe Tiefenschärfe<br />

wünschen, wird die Blende nicht sehr weit geöffnet sein,<br />

sondern vielmehr eine sichere Einstellung von f/5.6<br />

gewählt werden.<br />

Funktionen Vollautomatik Porträt Landschaften Nahaufnahmen Aktion Programm<br />

Grundeinstellung Blende und Verschlusszeit *<br />

ISO-Wert<br />

Weißabgleich<br />

Fokussierung Autofokus für Einzelaufnahme - -<br />

Autofokus für mehrere Aufnahmen - - - -<br />

AI-Fokus - - - -<br />

Autofokus für Messfeldwahl<br />

Belichtung<br />

Mehr-Zonen<br />

Punkt-/teilweise - - - - -<br />

Mittig gewichtet - - - - -<br />

Belichtungskorrektur - - - - -<br />

AEB & AE-Lock - - - - -<br />

Verschluss Einzelaufnahme -<br />

Mehrere Aufnahmen - - - - -<br />

Selbstauslöser<br />

Eingebauter Blitz Automatischer Blitz - -<br />

Manueller Blitz - - - - -<br />

Ohne Blitz - - -<br />

Automatik wählbar - nicht verfügbar * Programmverschiebung


EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

<strong>Digitale</strong> Kameras verstehen 17<br />

Programmautomatik (P)<br />

Stellen Sie Ihre Kamera auf „P“, und sie wird zu einer<br />

vollautomatischen Maschine. Richten Sie sie auf ein<br />

Objekt oder eine Szene, die sie fotografieren wollen, und<br />

die Kamera wird nicht nur das Lichtniveau berechnen,<br />

um die korrekte Belichtung einzustellen, sondern sie<br />

geht sogar soweit, sowohl Blende, als auch<br />

Verschlusszeit so einzustellen, dass Sie diese Belichtung<br />

erhalten.<br />

Ob Sie dies als Vorteil oder Hindernis betrachten, hängt<br />

von der Erfahrung ab, die Sie schon mit einer Kamera<br />

gesammelt haben. Einsteigern gefällt der Programm-<br />

Modus, weil er schnell und einfach ist. Alles, was sie tun<br />

müssen, ist Kamera ausrichten, fokussieren und<br />

aufnehmen. Sie müssen sich nur um ein Minimum<br />

kümmern und haben daher (scheinbar) nur eine geringe<br />

Chance, Fehler zu begehen. Erfahrenere Hände sind aus<br />

eben diesen Gründen weniger begeistert vom<br />

Programm-Modus: Sie fühlen sich zu automatisiert und<br />

ziehen es vor, die Kontrolle über Ihre Kamera zu<br />

behalten, als das Gefühl zu haben, es sei umgekehrt.<br />

Dies kann durch die Wahl eines halbautomatischen oder<br />

manuellen Modus erreicht werden.<br />

Für Schnappschüsse auf Partys oder im Urlaub ist der<br />

Programm-Modus ideal, da er immer wieder für gute<br />

Fotos sorgt. Auch beim Wandern funktioniert er<br />

hervorragend, wenn Sie eine Reihe verschiedener<br />

Objekte aufnehmen wollen, oder wenn Sie zum Beispiel<br />

an Karneval oder bei Festivals schnell reagieren müssen,<br />

und eher an vernünftigen Aufnahmen, als an<br />

Situationen, in denen es am besten<br />

ist, die Vollautomatik zu benutzen<br />

Kunstwerken interessiert sind.<br />

Der Nachteil am Programm-Modus ist, dass die<br />

Kombination von Blende und Verschlusszeit von der<br />

Kamera fast willkürlich gewählt scheint. Wenn Sie also<br />

auf ein Objekt zielen und bereit sind, es aufzunehmen,<br />

werden Sie feststellen, dass die Kamera eine große<br />

Blende und eine kurze Verschlusszeit einstellt, während<br />

Sie lieber eine kleinere Blende für mehr Tiefenschärfe<br />

oder eine längere Verschlusszeit hätten, um<br />

Bewegungen zu verwischen. Die Kamera weiß das<br />

nicht, weil sie Ihre Gedanken nicht lesen kann<br />

(Techniker arbeiten auch daran!). Indem sie Ihnen die<br />

Möglichkeit zur Programmverschiebung bietet (siehe<br />

Kasten auf der rechten Seite), geht sie jedoch zumindest<br />

in diese Richtung.<br />

Sie können auch die Belichtung erhöhen oder<br />

reduzieren, um Fehler zugunsten eines kreativen Effekts<br />

zu korrigieren, indem Sie die<br />

Belichtungskorrektureinrichtung der Kamera verwenden.<br />

Diese macht den Programm-Modus vielseitiger und<br />

kann – in den Händen erfahrener Fotografen – als<br />

schneller und einfacher Allzweck-Modus funktionieren.<br />

Nichtsdestotrotz ist es wohl eher die Wahl von<br />

Einsteigern, die Dinge wie Tiefenschärfe noch nicht<br />

verstehen und lediglich scharfe, gut belichtete Fotos<br />

machen wollen. Sobald sie ein besseres Verständnis<br />

haben, gehen sie in der Regeel zu weniger<br />

automatisierten Belichtungsmodi über, die ihnen mehr<br />

Kontrolle bieten.<br />

Programmverschiebung<br />

Die Programmverschiebung überlässt Ihnen die<br />

Wahl der Kombination von Blende und<br />

Verschlusszeit, indem Sie die Input-Taste auf<br />

Ihre bevorzugte Wahl einstellen. Benutzen Sie<br />

sie, um die Blende auf schnellem Wege größer<br />

oder kleiner zu stellen, während die Kamera die<br />

Verschlusszeit ändert, um eine korrekte<br />

Belichtung aufrecht zu erhalten. Oder wählen<br />

Sie eine kürzere oder längere Verschlusszeit,<br />

und die Blende wird automatisch geändert.<br />

Wenn Sie beispielsweise Landschaften mit<br />

mehr Tiefenschärfe fotografieren wollen,<br />

müssen Sie nur in Richtung einer kleineren<br />

Blende „verschieben“, wohingegen Sie bei<br />

Aufnahmen von Objekten in Aktion in Richtung<br />

einer kürzeren Verschlusszeit „verschieben“.<br />

ALL IMAGES: ISTOCK PHOTO<br />

1) „Informelle“ Aufnahmen drinnen<br />

Wenn Sie zwanglose Bilder von Familie und Freunden<br />

machen möchten, wählen Sie P, lassen Sie den Blitz<br />

aufklappen, wenn nötig, und knipsen Sie. Sie könnten<br />

auch den vollautomatischen Modus benutzen, dies<br />

schließt allerdings normalerweise den Gebrauch des<br />

Blitzes ein, was häufig für weniger gefällige Resultate<br />

sorgt.<br />

2) Aufnahmen mit Aufhellblitz<br />

Der Programm-Modus ist eine gute Wahl, wenn Sie<br />

einen Hauch von Aufhellblitz zu Ihren Porträts im Freien<br />

hinzufügen möchten. Klappen Sie einfach den Blitz auf<br />

(oder benutzen Sie einen Blitz, der auf einen Blitzschuh<br />

montiert ist), und überlassen Sie der Kamera die<br />

Belichtung.<br />

3) Unkomplizierte, allgemeine Fotos<br />

Wenn Sie einfach nur schnell eine Szene festhalten<br />

wollen und keine Zeit dafür haben, die Einstellungen<br />

zu ändern, wählen Sie den Programm-Modus und<br />

machen ein paar Aufnahmen. Wenn Sie Zeit haben,<br />

verwenden Sie die Programmverschiebung, um die<br />

Einstellungen Ihren Wünschen entsprechend<br />

anzupassen. Perfekt für Schnappschüsse!<br />

Vollautomatik & Programmautomatik<br />

Genau so, wie den normale Programm-Modus (P) bieten die<br />

meisten Kameras auch einen weiteren vollautomatischen<br />

Modus, bekannt auch unter der Bezeichnung „Green Square“-,<br />

„Green Auto“- oder „Vollautomatischer“ Modus. Auf den ersten<br />

Blick mag er dem Programm-Modus identisch erscheinen, doch<br />

es gibt Unterschiede. Das Benutzerhandbuch Ihrer Kamera wird<br />

darüber mehr Aufschluss geben. Der Hauptunterschied liegt<br />

jedenfalls darin, dass beim Programm-Modus nur Blende und<br />

Verschlusszeit automatisch von der Kamera eingestellt werden.<br />

Alle anderen Funktionen, wie zum Beispiel Autofokus oder die<br />

Muster der Entfernungsmessung, ist Ihrer Kontrolle überlassen.<br />

Dies gilt auch für den Blitz. Beim Programm-Modus zeigt die<br />

Kamera an, wann der Blitz benötigt wird (indem sie das<br />

Blitzlicht-Symbol aufleuchten lässt), überlässt es jedoch Ihnen,<br />

den eingebauten Blitz aufzuklappen, bevor das Bild gemacht<br />

wird. Beim vollautomatischen Modus betätigt die Kamera selbst<br />

den Blitz, sofern sie dies für notwendig hält. Der vollautmatische<br />

Modus geht davon aus, dass der Benutzer nur minimale<br />

Kenntnisse der <strong>Fotografie</strong> hat, mit anderen Worten: dass es sich<br />

um einen blutigen Anfänger handelt. Viele Kameras sind<br />

heutzutage mit einem intelligenten automatischen Modus (iAuto<br />

oder A+) ausgestattet, der fast genauso wie der<br />

vollautomatische Modus agiert, dem Benutzer jedoch mehr<br />

Kontrolle überlässt.<br />

Programmautomatik und Blitz<br />

Wenn das Lichtniveau zurückgeht, leuchtet das Blitzlicht-<br />

Symbol auf, damit Sie den Blitz aufklappen. Sollten Sie dies<br />

nicht tun, wird die Kamera trotzdem das Bild machen. Wenn<br />

Sie die Kamera in der Hand halten, riskieren Sie jedoch<br />

Kamerabewegungen. Wenn Sie den Blitz aufklappen, stellt die<br />

Kamera die Verschlusszeit synchron zum Blitz ein und lässt die<br />

Blende normalerweise groß, um die Reichweite des Blitzes zu<br />

vergrößern. Die Kamera ist somit nur mit der korrekten<br />

Belichtung des Objekts beschäftigt, so dass der Hintergrund für<br />

gewöhnlich sehr dunkel erscheint. Wenn Sie Details aus dem<br />

Hintergrund erscheinen lassen wollen, müssen Sie einen<br />

anderen Modus verwenden.<br />

Verschlusszeit beim Blitzen<br />

Ihre Kamera wird ihr Bestes geben, um eine gewinnbringende<br />

Kombination aus Blende und Verschlusszeit zu liefern. Bei extrem<br />

hellen oder dunklen Aufnahmeverhältnissen (in der Regel sehr<br />

seltene Situationen) mag das unmöglich erscheinen. Wenn der<br />

Blitz bei sehr hellen Verhältnissen, bei maximaler Blende und<br />

kürzester Verschlusszeit, ausgelöst wird, besteht das Risiko der<br />

Überbelichtung: Verringern Sie daher den ISO-Wert, und wenn das<br />

Problem nach wie vor besteht, benutzen Sie einen Graufilter. In<br />

dunklen Situationen, wenn die längste Verschlusszeit und die<br />

größte Blende aufleuchten, riskiert man Unterbelichtung und sollte<br />

den ISO-Wert erhöhen.


18 <strong>Digitale</strong> Kameras verstehen EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

Blendenautomatik (A oder Av)<br />

Wie der Name impliziert, wird Priorität auf die Wahl<br />

der Blende gelegt, wenn Sie diesen<br />

Belichtungsmodus einstellen. Sie entscheiden,<br />

welche Blende (f/Zahl) Sie einstellen, und sobald Sie<br />

dies getan haben (indem Sie den Input-Knopf<br />

beziehungsweise entsprechende Tasten bemühen),<br />

stellt die Kamera sofort die passende Verschlusszeit<br />

ein. Sie erhalten eine korrekte Belichtung, die auf<br />

dem gelesenen Lichtwert der Belichtungsmessung<br />

basiert. Die Einstellungen von Blende und<br />

Verschlusszeit werden im Sucher der Kamera, auf<br />

deren oberem LCD-Display, und/oder dem<br />

LCD-Display am Rückteil des Gehäuses<br />

wiedergegeben, so dass Sie beide nicht übersehen<br />

können, obwohl Sie selbst nur die Blende gewählt<br />

haben. Blendenautomatik ist die ideale Belichtung,<br />

wenn Sie die Tiefenschärfe kontrollieren wollen (wie<br />

viel von der Szene scharf fokussiert ist). Wenn Sie<br />

Landschaften und Architektur fotografieren, wo<br />

Schärfe von vorne nach hinten verlangt wird, stellen<br />

Sie lediglich eine kleine Blende ein, f/11, f/16, oder<br />

f/22 zum Beispiel. Wenn Sie hingegen die<br />

Tiefenschärfe reduzieren wollen, so dass nur ein<br />

flacher Bereich scharf fokussiert wird – bei<br />

Porträtaufnahmen beispielsweise – stellen Sie eine<br />

große Blende ein (kleine Zahl), wie zum Beispiel f/4<br />

oder f/2.8. Da die Kamera auf jede Änderung an der<br />

Blende sofort mit einer Korrektur der Verschlusszeit<br />

reagiert, so dass die richtige Belichtung aufrecht<br />

erhalten wird, können Sie schnell arbeiten – in einer<br />

Minute mit kleiner Blende (und längerer<br />

Verschlusszeit), in der nächsten mit einer größeren<br />

Blende (und kürzerer Verschlusszeit). Dies macht die<br />

Blendenautomatik zum besten Belichtungsmodus für<br />

allgemeine Situationen und macht ihn zum meist<br />

verwendeten Modus unter erfahrenen Fotografen.<br />

Aufnahmesituationen für die Blendenautomatik<br />

1) Landschaften:<br />

Maximieren Sie die Tiefenschärfe<br />

Indem Sie die Blende wechseln, haben Sie die<br />

Tiefenschärfe, und damit den Umstand, wie viel von Ihrer<br />

Szene scharf erscheint, unter Kontrolle. Die meisten<br />

Landschaftsfotografen benutzen die Blendenautomatik<br />

genau aus diesem Grund.<br />

2) Porträts:<br />

Hintergrund unscharf<br />

Die meisten Porträts sollen das Objekt vom Hintergrund<br />

abheben, so als ob es den Blick des Betrachters auffängt.<br />

Nichts ist dafür besser geeignet, als die Augen zu<br />

fokussieren und eine kleine Blende zu wählen.<br />

3) Makrofotografie<br />

Wenn Sie auf sehr kurze Entfernungen arbeiten, ist die<br />

Tiefenschärfe minimal. Kritisches Fokussieren und die<br />

Fähigkeit, die passende Blende zu verwenden, sind daher<br />

für scharfe Resultate essentiell.<br />

4) Die optimale Schärfe Ihres Objektivs<br />

Jedes Objektiv hat eine Blende, die die schärfsten<br />

Resultate liefert – normalerweise liegt diese zwischen f/8<br />

und f/13. Wenn ultimative Schärfe also Ihr Ziel ist, stellen<br />

Sie auf Blendenautomatik und fotografieren mit diesen<br />

Einstellungen.<br />

Blendenkontrolle<br />

Da die Tiefenschärfe ein so wichtiger<br />

Bestandteil eines erfolgreichen<br />

Bildes ist, verwundert es nicht, dass<br />

Blendenautomatik die am<br />

häufigsten getroffene Moduswahl<br />

ist.<br />

Blendenautomatik<br />

und lange<br />

Verschlusszeiten<br />

Wenn Sie die Blendenautomatik<br />

verwenden, ist es vor allem wichtig,<br />

daran zu denken, dass die von der<br />

Kamera eingestellte Verschlusszeit<br />

länger und länger wird, je kleiner die<br />

von Ihnen gewählte Blende ist. Das<br />

Risiko auf Kamerabewegungen steigt<br />

also an. Dies kann im Eifer der<br />

Aufnahmen, vor allem bei schwachen<br />

Lichtverhältnissen, oder beim<br />

Gebrauch eines Polarisationsfilters,<br />

der das Licht um zwei Stufen<br />

schwächt, leicht vergessen werden,<br />

wenn man gerade größten Wert auf<br />

Blende und Tiefenschärfe legt.<br />

Darüberhinaus ist es ebenfalls<br />

wichtig, ein Auge auf die von der<br />

Kamera eingestellte Verschlusszeit zu<br />

werfen, damit die Aufnahmen nicht in<br />

unscharfen Bildern enden. Sobald die<br />

Verschlusszeit unter ein bestimmtes<br />

Niveau sinkt, auf dem Sie die Kamera<br />

sicher halten können, haben Sie drei<br />

Optionen:<br />

1) Stellen Sie eine größere Blende ein,<br />

so dass die Verschlusszeit steigt.<br />

Wenn die Verschlusszeit bei f/11 also<br />

1/15 Sekunde beträgt, so liegt sie bei<br />

f/8 bei 1/30 Sekunde, bei f/5.6 bei<br />

1/60 Sekunde, und bei f/4 bei 1/125<br />

Sekunde. Diese Option wird es nicht<br />

geben, wenn Sie auf eine kleine<br />

Blende angewiesen sind und viel<br />

Tiefenschärfe benötigen, doch stellen<br />

Fotografen Ihre Blende oft viel zu klein<br />

ein. Sie können getrost eine größere<br />

Blende benutzen, ohne die<br />

Tiefenschärfe zu verraten.<br />

2) Wenn Sie die Tiefenschärfe<br />

zugunsten einer größeren Blende<br />

opfern können, um die Verschlusszeit<br />

zu steigern, montieren Sie die Kamera<br />

auf ein Stativ oder irgendeine andere<br />

Stütze, so dass sie sich nicht bewegt.<br />

Dadurch ist eine lange Verschlusszeit<br />

nicht mehr von Belang. Für statische<br />

Objekte wie beispielsweise<br />

Landschaften, Architektur, oder<br />

Stillleben ist dies die beste Option.<br />

3) Die letzte Möglichkeit ist eine<br />

Erhöhung des ISO-Wertes, so dass<br />

eine kürzere Verschlusszeit verwendet<br />

werden kann. Wenn Sie zum Beispiel<br />

bei ISO 100 und 1/30 Sekunde bei<br />

f/16 aufnehmen und den ISO-Wert<br />

auf 200 stellen, erlaubt Ihnen dies,<br />

eine Verschlusszeit von 1/60 Sekunde<br />

bei f/11 zu verwenden, wenn Sie ihn<br />

auf 400 stellen, liegt die<br />

Verschlusszeit bei 1/125 Sekunde<br />

und die Blende bei f/11 und so weiter.<br />

Wenn Sie am Ball bleiben, können Sie<br />

die oben genannten Optionen sogar<br />

kombinieren. Mit einer höheren Stufe<br />

lässt sich die gewählte Blende<br />

aufrecht erhalten und quasi ohne<br />

Einbußen bei der Bildqualität eine<br />

kürzere Verschlusszeit einstellen.<br />

Wenn das nicht hilft, können Sie auch<br />

die Blende eine Stufe größer stellen,<br />

ohne viel Tiefenschärfe zu verlieren.


EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

<strong>Digitale</strong> Kameras verstehen 19<br />

Tiefenschärfe<br />

Dieser Modus wird in der Regel dann benutzt,<br />

wenn man die Tiefenschärfe unter Kontrolle<br />

haben möchte. Denken Sie daran, je größer<br />

die Blende (zum Beispiel f/2.8), desto geringer<br />

ist die Teifenschärfe, und umgekehrt.<br />

FOTOS: LEE FROST<br />

Blendenautomatik<br />

und Blitz<br />

Wie die Blendenautomatik in<br />

Kombination mit dem Blitz<br />

funktioniert, hängt von Ihrem<br />

Kamerahersteller und -modell ab. Bei<br />

den meisten Canon- und Pentax-<br />

Modellen beispielsweise wählt die<br />

Kamera eine Verschlusszeit, um den<br />

Hintergrund korrekt zu belichten,<br />

sobald Sie die Blende eingestellt<br />

haben. Bei schwachem Licht muss<br />

die Kamera daher auf ein Stativ montiert werden, um<br />

Kamerabewegungen zu vermeiden. In der Tat wendet die Kamera<br />

automatisch den Langzeitsynchronisationsblitz an. Bei Nikon, Sony<br />

und Olympus ist die Verschlusszeit limitiert, um Verwacklungen<br />

vorzubeugen, obwohl der Langzeitsynchronisationsblitz eingestellt<br />

ist. Schauen Sie in Ihr Benutzerhandbuch, um zu verstehen, wie die<br />

Blendenautomatik in Kombination mit dem Blitz funktioniert und<br />

experimentieren Sie mit verschiedenen Ergebnissen.<br />

ISTOCK PHOTO<br />

Verschlusszeitwarnung<br />

Wenn Sie die Blende auswählen, erreichen Sie irgendwann den<br />

Punkt, an dem die Verschlusszeitwarnung aufblinkt. Dies bedeutet,<br />

dass die Kamera nicht mehr in der Lage ist, eine entsprechende<br />

Verschlusszeit zu bieten, was zu schlechter Belichtung führen wird.<br />

Vielleicht deshalb, weil Sie bei sehr hellem Licht aufnehmen und sich<br />

zu schnell für eine Blende entschieden haben, oder weil Sie bei zu<br />

schwachem Licht eine zu kleine Blende eingestellt haben. Im ersten<br />

Fall sollten Sie den ISO-Wert verringern und den Gebrauch eines<br />

Graufilters in Betracht ziehen. Im zweiten Fall erhöhen Sie den<br />

ISO-Wert. Sollte dies das Problem nicht lösen, werden Sie die<br />

Blendeneinstellung wechseln müssen, bis die Verschlusszeit aufhört<br />

zu blinken.<br />

Belichtungskorrektur und Blendenautomatik<br />

Wenn Sie die Belichtungskorrektur in Kombination mit der Blendenautomatik anwenden,<br />

wird die Verschlusszeit korrigiert, um die Belichtung zu ändern, während die von Ihnen<br />

priorisierte Blende gleich bleibt. Wenn Sie beispielsweise mit 1/250 Sekunde bei f/4<br />

aufnehmen und +1EV (eine Stufe) bei der Belichtungskorrektur einstellen, ändert die Kamera<br />

die Verschlusszeit auf 1/125 Sekunde, während die Blende unverändert bei f/4 bleibt.


20 <strong>Digitale</strong> Kameras verstehen EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

Zeitautomatik (S oder Tv)<br />

Das ist der zweite halbautomatische<br />

Belichtungsmodus mit dem alle digitalen<br />

Spiegelreflex- und Kompaktkameras ausgestattet<br />

sind. Wie der Name schon sagt, hat in dieser<br />

Betriebsart die Verschlusszeit Priorität. Bei der<br />

Zeitautomatik wird die Verschlusszeit gewählt, und<br />

die Kamera passt die Blende automatisch an, um<br />

eine richtige Belichtung zu garantieren. Die<br />

Zeitautomatik funktioniert also umgekehrt wie die<br />

Blendenautomatik.<br />

Die Zeitautomatik wird vor allem bei beweglichen<br />

Motiven eingesetzt, die eine sorgfältige Wahl der<br />

Verschlusszeit erfordern. Vor allem bei Sport- und<br />

Actionaufnahmen muss die Verschlusszeit<br />

entsprechend angepasst werden, um die Bewegung<br />

des Motivs einzufrieren. Je schneller die Bewegung<br />

des Motivs, desto kürzer die Verschlusszeit und<br />

umgekehrt. Klingt logisch, nicht wahr?<br />

Naturfotografen benutzen oft die Zeitautomatik,<br />

wenn sie fliegende Vögel oder andere sich<br />

bewegende Tiere aufnehmen. Auch Fotos von sich<br />

bewegenden Motiven des täglichen Lebens, wie im<br />

Park herum rennende Kinder oder ein Hund, der sich<br />

schüttelt, nachdem er aus dem Wasser gestiegen ist,<br />

können von der Zeitautomatik profitieren.<br />

Die Zeitautomatik wird aber nicht nur zum Einfrieren<br />

von Bewegungen eingesetzt, manchmal wird dieser<br />

Modus auch als kreatives Instrument zur Schaffung<br />

von verschwommenen Bildbereichen verwendet. Bei<br />

Sport- und Actionmotiven kann die Kamera bei einer<br />

langen Verschlusszeit und beweglichen Motiven<br />

mitgeschwenkt werden. Dadurch wird das Motiv<br />

relativ scharf und der Hintergrund verschwommen.<br />

Man kann die Kamera auch einfach stillhalten, so<br />

dass die sich bewegenden Motive als farbige Streifen<br />

festgehalten werden. Strömendes Wasser in Flüssen,<br />

Wasserfällen oder dem Meer wird ebenfalls oft mit<br />

einer langsamen Verschlusszeit aufgenommen und<br />

gibt diesem eine verschwommene aber reizvolle<br />

Wirkung. In beiden Fällen existiert normalerweise<br />

eine festgelegte, optimale Verschlusszeit, um mit der<br />

Zeitautomatik die besten Resultate zu erzielen.<br />

Die Verschlusszeit kann aber auch in der<br />

Blendenautomatik eingestellt werden, indem die<br />

Blende angepasst wird, bis die Kamera die<br />

Verschlusszeit festlegt oder indem man im<br />

Programmmodus die Blende-Verschlusszeit-<br />

Kombination ändert. Der Vorteil der Zeitautomatik<br />

liegt darin, dass eine einmal eingestellte<br />

Verschlusszeit sich nicht mehr durch wechselnde<br />

Lichtverhältnisse oder eine veränderte<br />

Kameraposition beeinflussen lässt. Wird die<br />

Belichtung in der Zeitautomatik angepasst, ändert<br />

sich der Blendenwert und die Verschlusszeit bleibt<br />

konstant - umgekehrt wie bei der Blendenautomatik.<br />

Wenn man die Belichtungskorrektur der Kamera zur<br />

Steigerung oder Reduktion der Belichtung mit der<br />

Zeitautomatik einsetzt, wird der Blendenwert erhöht<br />

oder reduziert.<br />

Erlauben es die vorherrschenden<br />

Beleuchtungsverhältnisse auch mit der weitesten<br />

Öffnung des Objektivs nicht, eine genügend schnelle<br />

Verschlusszeit einzustellen, kann die ISO-<br />

Empfindlichkeit erhöht werden. Liegt die<br />

schnellstmögliche Verschlusszeit zum Beispiel bei<br />

einem ISO-Wert 100 bei 1/125 Sekunden, wird sie<br />

bei ISO 200 auf 1/250 Sekunde verkürzt, bei ISO<br />

400 auf 1/500 Sekunde und so weiter. Es handelt<br />

sich also um eine zusätzliche Steuermöglichkeit der<br />

Verschlusszeit.<br />

Wird auf der anderen Seite bei guten<br />

Lichtverhältnissen für verschwommene Bewegungen<br />

eine lange Verschlusszeit benötigt, reicht manchmal<br />

die längste Verschlusszeit nicht aus. Auch in diesem<br />

Fall kann eine ISO-Reduktion weiterhelfen. Es gibt<br />

Kameras mit einer besonderen Einstellung für eine<br />

niedrige ISO-Einstellung, die Hälfte der Standard<br />

ISO-Werte. Wählt man diese Einstellung, wird die<br />

Die Reziprokregel<br />

vermeidet Verwackeln<br />

Es gibt eine einfache Regel, um<br />

herauszufinden, ob die Aufnahmen das<br />

Risiko eingehen, verwackelt zu werden. Die<br />

Verschlusszeit muss dazu umgekehrt<br />

proportional zur Brennweite eingestellt<br />

werden. Beim Einsatz einer 200-Millimeter-<br />

Brennweite sollte eine Verschlusszeit von<br />

mindestens 1/200 Sekunde eingestellt<br />

werden, bei einer 300-Millimeter-Brennweite<br />

mindestens 1/300 etc. Objektive mit<br />

Bildstabilisation erlauben leicht längere<br />

Verschlusszeiten, aber die Reziprokregel<br />

bleibt ein guter Orientierungspunkt.<br />

langsamste Verschlusszeit verdoppelt, von 1/15<br />

Sekunde auf 1/8 Sekunde zum Beispiel. Reicht diese<br />

Methode nicht aus, sollte auf Filter zurückgegriffen<br />

werden. Ein Polarisationsfilter auf dem Objektiv<br />

reduziert die Beleuchtung um zwei Lichtwertstufen.<br />

Aus einer 1/4 Sekunde wird eine Sekunde. Auch ein<br />

Graufilter verlängert die Belichtungszeit. Ein<br />

0,6-Graufilter hat dieselbe Wirkung wie ein<br />

Polarisationsfilter. Ein 0,9-Graufilter braucht eine<br />

Erhöhung um drei Lichtwertstufen und ein<br />

1,2-Graufilter eine Erhöhung um vier Lichtwertstufen.<br />

Für gewöhnliche Aufnahmen werden keine Filter<br />

benötigt, um die Verschlusszeit zu verlangsamen.<br />

Sobald man aber experimentiert, sind diese nützlich<br />

und erlauben den Einsatz der gesamten Auswahl an<br />

Verschlusszeiten.<br />

Aufnahmesituationen die Zeitautomatik<br />

LEE FROST<br />

RICHARD PELHAM<br />

1) Sport und Wildlife:<br />

Bewegungen einfrieren.<br />

Bei sich schnell bewegenden Motiven bei denen die<br />

Bewegung eingefroren werden soll, kommt eine kurze<br />

Verschlusszeit zum Einsatz. Im Fall der Zeitautomatik<br />

kann die exakte Verschlusszeit gewählt werden.<br />

HELEN DIXON<br />

2) Bewegliche Motive:<br />

Betonte Bewegungen<br />

Will man beim Aufnehmen von beweglichen Motiven<br />

kreativer werden, kann eine lange Verschlusszeit zum<br />

Verwischen der Bewegung verwendet werden. Diese<br />

Betriebsart ist ebenfalls ideal zum Mitschwenken.<br />

LEE FROST<br />

Vorsicht wenn die<br />

Blendenwarnung aufleuchtet!<br />

Wenn die Verschlusszeit gewählt wird, kann die<br />

Blendenwarnung anfangen zu blinken. Das bedeutet,<br />

dass die Kamera für die gewählte Verschlusszeit über<br />

keinen einstellbaren Blendenwert verfügt und die<br />

Aufnahme daher falsch belichtet werden kann. Das<br />

liegt daran, dass die gewählte Verschlusszeit unter den<br />

geltenden Lichtverhältnissen zu lang oder zu kurz<br />

gewählt wurde. Ist dies der Fall, sollte die ISO-<br />

Einstellung geändert werden, bis die Blendenwarnung<br />

aufhört zu blinken. Bei sehr hellen Lichtverhältnissen<br />

wird der Einsatz eines Graufilters empfohlen.<br />

Belichtungskorrektur<br />

und Zeitautomatik<br />

Wird die Belichtungskorrektur mit der Zeitautomatik<br />

eingesetzt, wird die Blende bei gleichbleibender<br />

Verschlusszeit angepasst. Wird bei einer Belichtung<br />

von 1/250 Sekunden mit Blende f/5.6 ein positiver<br />

Belichtungswert eingestellt, wechselt die Einstellung<br />

auf 1/250 Sekunden mit Blende f/4.<br />

3) Der Zoomeffekt<br />

Diese kreative Fototechnik besteht aus dem Zoomen<br />

mit einer relativ kurzen Verschlusszeit. Durch die<br />

Zeitautomatik kann die optimale Verschlusszeit für den<br />

entsprechenden Zoom bestimmt werden.<br />

4) Landschaften: verwischtes Wasser<br />

Die Verschlusszeit hat einen dramatischen Effekt darauf,<br />

wie Wasserbewegungen aufgenommen werden. Bei der<br />

Zeitautomatik kann dabei entweder eine kurze<br />

Verschlusszeit verwendet werden, um die Bewegung<br />

festzufrieren oder eine sehr langsame Verschlusszeit, um<br />

die Bewegung zu verwischen.<br />

Zeitautomatik mit Blitz<br />

Bei allen Kameras funktioniert die Belichtung mit Blitz in<br />

Verbindung mit der Zeitautomatik auf die gleiche Art.<br />

Man wählt die Verschlusszeit, die man braucht, und die<br />

Kamera wählt automatisch die entsprechende Blende.<br />

Dadurch wird das Motiv unter den herrschenden<br />

Lichtverhältnissen korrekt belichtet.


EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

<strong>Digitale</strong> Kameras verstehen 21<br />

MIGUEL LASSA<br />

Sich bewegende<br />

Motive festhalten<br />

Mit Hilfe der Zeitautomatik kann gesteuert<br />

werden, wie sich bewegende Motive im<br />

Bildausschnitt dargestellt werden.


22 <strong>Digitale</strong> Kameras verstehen EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

Manuelle Einstellung der Belichtung (M)<br />

Dieser Belichtungsmodus überlässt die Verschlussund<br />

Blendeneinstellung dem Benutzer. Es gibt<br />

Kameraeinstellungen, die Blendenwert,<br />

Verschlusszeit oder beide automatisch festlegen. Im<br />

manuellen Modus jedoch müssen beide selbst<br />

eingestellt werden. Eine Anzeige im Sucher, dem<br />

LCD-Monitor oder dem Bildschirm leuchtet auf, wenn<br />

durch die gewählte Kombination eine richtige<br />

Belichtung erreicht wird. Falls keine korrekte<br />

Belichtung möglich ist, wird der abweichende Wert<br />

angezeigt. Daher ist dieser Modus der langsamste von<br />

allen und wird am wenigsten benutzt.<br />

Es gibt allerdings auch Fotografen, die auf den<br />

manuellen Belichtungsmodus schwören, da dieser<br />

angeblich das Messsystem der Kamera besser zum<br />

Einsatz bringen soll. Dieses Argument stimmt<br />

allerdings nicht. Man kann die Form, wie die Kamera<br />

das Licht misst, nur dadurch verändern, indem man<br />

ein anderes Messverfahren wählt. Die meisten<br />

Benutzer bevorzugen eine Mehrfeldmessung wie<br />

Evaluative von Canon oder Matrix von Nikon. Der<br />

Modus hat also keinen Einfluss auf die Lichtmessung.<br />

Es sieht also fast so aus, als ob es keine großen<br />

Argumente gibt, die für den Einsatz des manuellen<br />

Modus sprechen.<br />

Hat der manuelle Modus in dieser modernen,<br />

automatisierten und digitalen Fotowelt noch einen<br />

Platz? Auf jeden Fall. Nimmt man zum Beispiel<br />

Aufnahmen mit einem Studioblitzsystem auf, braucht<br />

man den manuellen Modus, um gemeinsam mit der<br />

Blitzsynchronisation den korrekten Blendwert<br />

einzustellen. Beim Einsatz eines Studioblitzsystems<br />

im Blendenprioritätsmodus kann der Blendwert<br />

immer noch gewählt werden, die Kamera stellt aber<br />

automatisch die richtige Verschlusszeit ein, um bei<br />

Tageslichtverhältnissen ohne Blitz aufzunehmen.<br />

Bei schwachen Lichtverhältnissen mit langen<br />

Belichtungszeiten braucht man die Bulb (B)<br />

Aufnahmesituationen für den manuellen Modus<br />

Einstellung der Kamera, um Aufnahmen von<br />

Verkehrslichtern, Feuerwerk, Sternen und anderen<br />

sich in der Nacht bewegenden Lichtern festzuhalten.<br />

Dabei dient in einigen Fällen der manuelle<br />

Belichtungsmodus zum Wählen der Bulb-Einstellung.<br />

Bei manchen Spiegelreflexkameras ist die<br />

Bulb-Einstellung eine eigene Funktion, bei anderen<br />

einfach die längste Verschlusszeit im manuellen<br />

Belichtungsmodus.<br />

Ein weiterer Vorteil des manuellen<br />

Belichtungsmodus besteht darin, dass sich diese<br />

Einstellung nicht ändern, auch wenn sich die<br />

Lichtverhältnisse ändern. Nimmt man unter<br />

schwierigen und veränderlichen Lichtverhältnissen<br />

auf, braucht aber eine festgelegte Belichtung, ist dies<br />

im manuellen Modus einfacher wie mit der<br />

Belichtungskorrektur oder einer<br />

Belichtungsspeicherung in einem anderen<br />

Belichtungsmodus.<br />

Bei wechselnden Lichtverhältnissen sollte die<br />

Belichtung angepasst werden. Wenn man dies im<br />

manuellen Modus vergisst, können die Aufnahmen<br />

unterbelichtet werden. Das kann bei anderen<br />

Belichtungsmodi nicht passieren, da diese entweder<br />

die Blendenzahl, die Verschlusszeit oder beide<br />

automatisch durch die Kamera eingestellt werden.<br />

Falls die Lichtverhältnisse wechseln, wird dabei die<br />

Belichtung automatisch angepasst.<br />

Es gibt Fotografen, die ziehen den manuellen<br />

Modus vor, da sie dadurch ein Gefühl größerer<br />

Kontrolle über die Aufnahmeverhältnisse<br />

bekommen. Wenn man allerdings erst vor einigen<br />

Jahren begonnen hat, sich richtig für die <strong>Fotografie</strong><br />

zu interessieren, klingt das vielleicht seltsam.<br />

Fotografen, die schon seit Jahrzehnten nur mit<br />

manuellen Kameras aufgenommen haben, fühlen<br />

sich damit allerdings besser vertraut.<br />

Mit erfahrenen Händen kann der manuelle Modus<br />

Blende und Verschlusszeit<br />

manuell einstellen<br />

Jede Kamera funktioniert anders. Bei der<br />

Mehrheit der Modelle wird zu diesem Zweck im<br />

manuellen Modus das Wählrad zum Einstellen<br />

der Verschlusszeit eingesetzt. Um den<br />

Blendenwert zu ändern, wird die<br />

Belichtungskompensationstaste nach unten<br />

gedrückt und der Blendenwert über das Wählrad<br />

angepasst. Bei manchen Kompaktkameras ist<br />

dieser Vorgang etwas komplizierter. Dort wird die<br />

Blendenzahl und die Verschlusszeit über den<br />

Vierwegschalter und -ring eingestellt.<br />

Spiegel<br />

System<br />

ebenso schnell und verlässlich wie andere Modi<br />

bedient werden, da sowohl die Blende als auch die<br />

Verschlusszeit genau abgestimmt werden können.<br />

Muss die Belichtung korrigiert werden, kann dies<br />

durch Anpassen der Blende, der Verschlusszeit oder<br />

beiden zusammen passieren, und man muss nicht<br />

auf die interne Belichtungskorrektur-Funktion der<br />

Kamera zurückgreifen.<br />

Hier gilt wie so oft: Jeder nach seinem Geschmack.<br />

Der manuelle Modus ist langsamer und etwas<br />

komplizierter als andere Modi, es gibt aber<br />

Fotografen die das bevorzugen.<br />

1) Aufnahmen mit<br />

Studioblitzsystemen<br />

Bei Studioblitzsystemen wird der manuelle Modus<br />

eingesetzt. Die Verschlusszeit muss dabei gleich lang<br />

oder kürzer als die Blitzsynchronisation eingestellt<br />

werden. Die Belichtung ist abhängig von der Blende.<br />

3) Bulb-Belichtung (B)<br />

Bei den meisten Kameras muss die Bulb-Einstellung<br />

im manuellen Modus gewählt werden. Diese Funktion<br />

ermöglicht beliebig lange Belichtungszeiten.<br />

2) Nachtfotografie<br />

Bei Nachtaufnahmen können alle halbautomatischen<br />

Modi eingesetzt werden. Im manuellen Modus kann<br />

allerdings die Belichtung am schnellsten an die<br />

Aufnahmebedingungen und persönliche Bedürfnisse<br />

angepasst werden.<br />

4) Serienbilder<br />

Fotografen mit wenig Erfahrung mit Belichtungsreihen<br />

benutzen oft den Blendenprioritätsmodus mit einer<br />

Belichtungskorrektur. Wenn aber im manuellen Modus<br />

Blende und Verschlusszeit angepasst werden, geht es<br />

schneller.<br />

Einsatz der Belichtungsskala<br />

Die richtige Belichtung im manuellen Modus zu<br />

erreichen, ist leichter, als viele Einsteiger denken.<br />

Werden die Blenden- und Kameraeinstellungen<br />

verändert, braucht man eine Belichtungsskala als<br />

Orientierung, um festzustellen, ob das<br />

Belichtungsresultat einer Aufnahme zu Über- oder<br />

Unterbelichtung führt. In diesen Fällen die Blende und/<br />

oder Verschlusszeit anpassen bis der Belichtungswert<br />

auf 0 steht. Dies bedeutet eine richtige Belichtung. Im<br />

manuellen Modus gibt es keine Belichtungskorrektur,<br />

die Belichtung der Aufnahme kann aber über das<br />

Wählrad angepasst werden.<br />

Manueller Modus mit Blitz<br />

Viele Hobby-Fotografen glauben, dass der Blitz auch<br />

manuell einstellbar ist, wenn man die Kamera im<br />

manuellen Modus einsetzt. Das ist aber nicht der Fall.<br />

Im manuellen Modus kann die Blende und die<br />

Verschlusszeit zur Belichtung des Hintergrundes<br />

eingestellt werden, der Blitz ist dabei aber auf das<br />

Motiv gerichtet. Auch wenn die Kamera im manuellen<br />

Modus funktioniert, setzt der Blitz ein Messsystem<br />

durch das Objektiv ein, um die richtige Blitzbelichtung<br />

festzulegen. Bei ausgeklügelteren, externen<br />

Blitzgeräten erscheint eine Distanzskala auf dem<br />

Monitor. Dort wird angezeigt, welchen Bildbereich der<br />

Blitz abdecken kann.


EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

<strong>Digitale</strong> Kameras verstehen 23<br />

Die Einstellung selbst<br />

vornehmen?<br />

Erfahrene Fotografen benutzen den<br />

manuellen Modus bei Aufnahmen<br />

unter schwierigen Lichtverhältnissen,<br />

da es die schnellste Art der<br />

EInstellung ist, beispielsweise bei<br />

Motiven mit Gegenlicht.<br />

FOTOS: LEE FROST


24 <strong>Digitale</strong> Kameras verstehen EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

Autofokus:<br />

Grundlagen<br />

Ihre Kamera bietet verschiedene Autofokus-Optionen,<br />

damit Sie scharfe Fotos bekommen. Sie sollten sie kennen.<br />

DIE TECHNOLOGIE, die schon in digitalen Spiegelreflexkameras<br />

auf Einsteigerniveau steckt, ist heutzutage, ehrlich gesagt, schon<br />

phänomenal: all diese Computer-Zauberei, die Information<br />

innerhalb von Millisekunden bereitstellt, um uns auf Knopfdruck<br />

hochwertige Bilder zu liefern. Das Problem ist, dass die Kameras<br />

heutzutage so gut sind, dass wir dazu neigen, uns zu sehr auf sie<br />

zu verlassen, jedes Mal ein perfektes Foto erwarte. Und wenn wir<br />

nicht bekommen, was wir wollen, geben wir der Kamera die<br />

Schuld!<br />

Dies gilt vor allem für den Fokus. Drehen Sie die Uhr um 25<br />

Jahre zurück und das Fokussieren war eine manuelle<br />

Angelegenheit. Ein paar von Ihnen werden sich an die<br />

glücklichen Tage erinnern, die man damit zubrachte, mit<br />

Daumen und Zeigefinger herumzuspielen, im Versuch, zwei<br />

Bilder in der Mitte des Fokussierungsdisplays<br />

übereinanderzulegen, so dass ein scharfer Fokus entstand. Die<br />

meisten jedoch werden sich vor allem daran erinnern, mit der<br />

Kamera beim Fokussieren auf das gewünschte Objekt zu zielen,<br />

den Auslöser zu drücken und anzunehmen, ein scharf<br />

fokussiertes Bild würde dabei herauskommen.<br />

In den häufigsten Fällen ist das auch so, besonders wenn man<br />

statische Objekte fotografiert, die die Komposition dominieren. In<br />

einigen Situationen jedoch werden Sie die Kontrolle übernehmen<br />

wollen – entweder indem Sie die Einstellungen auswählen, um<br />

sie an bestmmte Objekte und Gegebenheiten anzupassen, oder<br />

indem Sie die Kontrolle komplett übernehmen und manuell<br />

fokussieren. Wir werden kurz ein Auge auf dieses Szenario<br />

werfen, zuvor jedoch gibt es eine schnelle Zusammenfassung<br />

AF-Sensoren<br />

Es gibt zwei Arten von AF-<br />

Sensoren, die in Digitalkameras<br />

zum Einsatz kommen – über<br />

Kreuz oder linear. Digitalkameras<br />

haben ein Mischung aus beiden:<br />

Die Sensoren, die über Kreuz<br />

liegen versammeln sich eher in der<br />

Mitte des Suchers und die linearen<br />

liegen eher an den Rändern.<br />

Über Kreuz liegende Sensoren<br />

bestehen aus zwei linearen<br />

Sensoren, die sich im 90 Grad-Winkel kreuzen, daher der Name.<br />

Sie sind genauer als lineare Sensoren, da sie sowohl vertikale als<br />

auch horizontale Lichtmuster aufspüren können, wohingegen<br />

lineare Sensoren nur in einer Dimension funktionieren. Über Kreuz<br />

liegende Sensoren sind daher effektiver. In Digitalkameras aus<br />

dem oberen Preissegment, die viele dieser über Kreuz liegenden<br />

Sensoren haben, funktionieren einige von ihnen nur dann als über<br />

Kreuz liegend, wenn sie in Verbindung mit „schnellen“ Objektiven<br />

arbeiten, die eine maximale Blende von f/2.8 oder weiter haben,<br />

wenn Sie also Zooms mit einer maximalen Blende von f/4 oder<br />

f/5.6 verwenden, werden einige der über Kreuz liegenden Sensoren<br />

nur als lineare Sensoren arbeiten.<br />

dazu, wie der Autofokus genau funktioniert, so dass Sie<br />

hoffentlich ein besseres Verständnis dafür bekommen, warum<br />

die Kamera nicht immer das macht, was Sie gern hätten!<br />

Wenn Licht auf die Kamera und durch das Objektiv fällt, prallt<br />

grundsätzlich das meiste davon vom Reflexspiegel ab und trifft<br />

auf den Sucher, so dass Sie ein Bild sehen können. Ein bisschen<br />

allerdings wird auch auf einen Sub-Spiegel reflektiert, der<br />

wiederum dieses Licht dann auf den AF-Sensor wirft. Oben auf<br />

dem AF-Sensor befinden sich verschiedene Optiken, die das<br />

Licht in zwei Strahlen teilen. Der Sensor untersucht diese beiden<br />

Strahlen, um festzustellen, wie weit sich das Bild außerhalb des<br />

Fokus befindet und ob der Fokus vor oder hinter der Brennebene<br />

ist und passt dies entsprechend an. Dies geschieht so schnell,<br />

dass die Kamera den Fokus kontinuierlich ausrichtet, während<br />

Sie ein sich bewegendes Objekt verfolgen, was erfolgreiche<br />

<strong>Fotografie</strong> von solchen Bildern einfacher macht, als je zuvor.<br />

Das System, auch unter dem Begriff „Phasenerkennung“<br />

bekannt, benutzt die AF-Sensoren, um festzulegen, wo fokussiert<br />

werden muss. Die Anzahl der Sensoren unterscheidet sich von<br />

Modell zu Modell, doch normalerweise ist es so: Je teurer die<br />

Kamera, desto mehr Sensoren gibt es – die Canon EOS 550D hat<br />

zum Beispiel neun, die Nikon D3s hingegen hat 51. Man kann<br />

entweder alle aktivieren und die Kamera auswählen lassen,<br />

welche sie benutzt, oder bestimmte Sensoren auswählen, so<br />

dass man mehr Kontrolle darüber hat, was das Objektiv<br />

fokussiert. Die Phasenerkennung ist nicht narrensicher, und<br />

sogar das beste System kann in Schwierigkeiten kommen, wenn<br />

es bei schwachem Licht eingesetzt wird, oder wenn Sie<br />

versuchen, auf einer ebenen Fläche zu fokussieren. Wenn Sie<br />

den LiveView-Modus verwenden, wechselt das Autofokussystem<br />

von Phasenerkennung zu Kontrasterkennung, da das System nur<br />

funktionieren kann, wenn der Reflexspiegel in der<br />

Kamera in der „unteren“ Blickposition ist. Wenn Sie<br />

LiveView verwenden, klappt der Spiegel nach oben, so<br />

dass Licht, das auf das Objektiv trifft, direkt auf den<br />

Sensor der Kamera fällt. Die Kontrasterkennung<br />

funktioniert nach dem Prinzip, dass der Kontrast eines<br />

Bildes am höchsten ist, wenn es scharf fokussiert<br />

wurde, so dass das Autofokussystem den Fokus Schritt<br />

für Schritt anpasst und den Kontrast analysiert. Häufig<br />

geht es sogar über den kritischen Punkt hinaus, so dass<br />

es weiß, wo es ist, geht dann wieder zurück, und der Fokus wird<br />

fixiert. Die Kontrasterkennung kann jeden Bereich der Bildfläche<br />

fokussieren, weswegen Kompaktkameras Einstellungen wie<br />

beispielsweise Gesichtserkennung haben. In der Vergangenheit<br />

hat sie sich als langsamer als die Phasenerkennung<br />

herausgestellt, und war somit für das Fokussieren von Objekten<br />

in Bewegung nicht angebracht, außerdem gab es<br />

Schwierigkeiten bei schwachem Licht. Ausnahmen, die es sich<br />

zu merken lohnt, sind der LiveView von Sonys Alpha, der ein<br />

einzigartiges System verwendet, sowie die letzte Generation der<br />

Kompaktkameras.<br />

Fokussieren und Abmessen<br />

Bei neueren Digitalkameras – zum Beispiel der Nikon D7000 – ist<br />

der Autofokus mit dem Dosiersystem verbunden, um die Chance auf<br />

korrekte Belichtung zu erhöhen. Wenn Sie also einen Einzelpunkt-<br />

Autofokus verwenden, wird die Belichtung von der Helligkeit/<br />

Tonalität dessen bestimmt, was hinter dem ausgewählten AF-<br />

Punkt liegt, wohingegen wenn Sie einen breitflächigen Autofokus<br />

benutzen, bei dem eine Mehrzahl von AF-Punkten aktiv sind, die<br />

Belichtung davon beeinflusst wird, was hinter der ausgewählten<br />

Fläche liegt (die natürlich umso größer wird, je mehr AF-Punkte<br />

vorhanden sind). Das Szenenerkennungssystem von Nikon setzt<br />

neue Maßstäbe, indem es das Autofokus-Dosiersystem und das<br />

Weißabgleichssystem verbindet, während Canon kürzlich iFCL<br />

(Focus, Colour and Luminance = Fokus, Farbe und Helligkeit)<br />

eingeführt hat, ein System, welches Autofokus, Farb- und<br />

Helligkeitsinformationen kombiniert.<br />

Kritischer Fokus<br />

Je mehr Sie über die<br />

Autofokusmodi Ihrer Kamera<br />

wissen, desto bessere Fotos<br />

werden Sie machen.


EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

<strong>Digitale</strong> Kameras verstehen 25<br />

KARL SHAW<br />

Eine Reihe von Fokussierungsmöglichkeiten<br />

Digitalkameras bieten mehrere Möglichkeiten, die Schärfe einzustellen.<br />

Wir zeigen Ihnen anhand der bekanntesten Kameramodelle, wie man`s macht.<br />

Phasenerkennung: Diese Methode<br />

wurde traditionellerweise von Film- oder<br />

Digitalkameras verwendet und bleibt die<br />

vorherrschende Methode, die von diesen<br />

Kameras zum Fokussieren angewendet wird.<br />

Der Hauptvorteil ist, dass es unglaublich<br />

schnell und genau ist, egal ob das Objekt direkt<br />

davor oder weiter weg ist. Das System<br />

funktioniert, indem ein Strahlenteiler in der<br />

Kamera das Licht auf den Sensor leitet – dieser<br />

misst, was üblicherweise als<br />

Phasenunterschied bekannt ist, um die Entfernung des Objekts auszurechnen. Die<br />

Phasenerkennung hat ihre Schwierigkeiten in kontrastarmen Szenen sowie bei<br />

schwachem Licht – diese Schwierigkeiten und ihre Lösungen behandeln wir auf<br />

Seite 32. Bis vor kurzem war es zweifelsohne die schnellste, exakteste Art von<br />

Autofokus. Die letzte Generation der Digitalkameras bietet jedoch<br />

Kontrast-Autofokussysteme, die die Leistung des passiven AF herausfordert.<br />

Kontrast-Autofokus: Die breite Mehrheit der Kompaktkameras,<br />

genauso wie das LiveView-System in vielen<br />

digitalen Spiegelreflexkameras fokussieren<br />

Objekte, indem sie auf Kontrast statt auf<br />

Entfernung achten, um angemessene<br />

Ergenbisse zu erzielen. In der Vergangenheit<br />

hat sich dieses System als langsamer und<br />

weniger genau als die<br />

Phasenerkennungsmethode herausgestellt,<br />

die neuste Generation von digitalen<br />

Spiegelreflex- und Kompaktkameras haben hier allerdings große Fortschritte<br />

gezeigt. Tatsächlich wird von den letzten Kompaktkameras behauptet, dass die<br />

Kontrast-Autofokussysteme genauso schnell – wenn nicht schneller sind, als bei<br />

den meisten digitalen Spiegelreflexkameras. Während der Kontrast-AF, der in den<br />

meisten LiveView-Systemen zum Einsatz kommt, hinter dem<br />

Phasenerkennungs-AF her hinkt, liegt das LiveView von Sonys Alpha gleich auf<br />

mit den besten Kontrast-AF- und<br />

Phasenerkennungssystemen.<br />

Gesichtserkennungs-<br />

Autofokus: Dieses System trat zum ersten<br />

Mal in Kompaktkameras auf, doch kommt es<br />

mittlerweile bei vielen Systemkameras und<br />

einigen Spiegelreflexkameras zum Einsatz. Es<br />

soll Fotografen erleichtern, scharfe Porträts<br />

aufzunehmen – vor allem mit zwei oder mehr<br />

Personen im Bildrahmen. Die Kamera erkennt die Gesichter und fokussiert sie. Dies<br />

ist ein nützlicher Fokusmodus für Einsteiger, die noch damit beschäftigt sind, mit<br />

Multipunkt-AF klarzukommen.<br />

Lächelerkennungs-<br />

Autofokus: Diese Einrichtung trägt den<br />

Gesichtserkennungs-Autofokus noch einen<br />

Schritt weiter, indem die Kamera den<br />

Verschluss auslöst, sobald es die Menschen<br />

im Bildrahmen lächeln sieht. Es mag als<br />

Spielerei erscheinen, ist jedoch sehr hilfreich,<br />

weil die Kamera den Verschluss nicht auslöst,<br />

bis sie ein Lächeln entdeckt. Es ist auch sehr<br />

praktisch, wenn Sie Gruppen fotografieren.<br />

Rufen Sie „Bitte lächeln!“ und sowohl die Objekte, als auch die Kamera werden<br />

Ihrer Bitte nachkommen!<br />

Touchscreen-Fokus: Eine steigende Zahl neuerer Kompaktkameras<br />

besitzt LCD-Touchscreen-Monitore, die Ihnen erlauben, Modi zu ändern, indem<br />

Sie das entsprechende Icon auf dem Display drücken. So können Sie auch<br />

fokussieren, indem Sie mit dem Finger dort auf das Display drücken, wo sich das<br />

Objekt befindet. Das Autofokussystem kann sofort aktiviert werden, um den<br />

Fokus auf dem Objekt stehen zu lassen.<br />

Fokus-Falle: Ein paar Kameras bieten eine Einstellung, die Ihnen erlaubt,<br />

den Fokus auf eine bestimmte Entfernung einzustellen. Die Kamera löst den<br />

Verschluss aus, sobald sich das Objekt in genau dieser Entfernung befindet. Es ist<br />

vor allem dann nützlich, wenn Sie bewegungsintensive Objekte fotografieren, die<br />

mit anderen Autofokussystemen schwer einzufangen wären.


26 <strong>Digitale</strong> Kameras verstehen EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

Autofokus: Die Qual der Wahl<br />

Das Autofokus-System Ihrer Kamera kennt unterschiedliche Betriebsarten. Wenn Sie<br />

wissen, wann Sie welche davon verwenden sollten, werden Ihre Fotos immer gestochen scharf.<br />

Autofokus Betriebsarten: Einstellen auf ein statisches Objekt oder verfolgen eines sich bewegenden Objekts<br />

Einzelpunkt -AF (AF-S)<br />

AF-S<br />

Im AF-S-Modus stellt die Kamera<br />

scharf, wenn Sie den Auslöser halb<br />

herunterdrücken. Diese Einstellung<br />

wird beibehalten, solange Sie den Auslöser in<br />

dieser Position halten. Im Sucher wird<br />

angezeigt, wenn das Objektiv fokussiert ist,<br />

gleichzeitig hören Sie einen Piepton. Nun<br />

drücken Sie den Auslöser ganz durch, und der<br />

Verschluss wird ausgelöst. AF-S eignet sich für<br />

statische Motive. Wenn Sie oder das Motiv sich<br />

bewegen, kann es passieren, dass das Foto<br />

unscharf wird, weil die Einstellung auf dem<br />

ursprünglich fokussierten Punkt liegt. Um das<br />

zu vermeiden, drücken Sie den Auslöser erneut<br />

halb herunter, um auf das Motiv in der neuen<br />

Position scharf zu stellen. Falls die Kamera<br />

nicht scharf stellen kann, beispielsweise, weil<br />

der Minimalabstand unterschritten ist, wird der<br />

Verschluss nicht ausgelöst. AF-S eignet sich<br />

auch zum Scharfstellen auf Objekte, die sich<br />

nicht in der Mitte des Suchers befinden.<br />

Wählen Sie dazu die Einzelbild-Punktmessung,<br />

machen Ihre Bildkomposition so, dass der<br />

gewünschte Bereich scharf ist, und drücken<br />

den Auslöser halb durch. Damit ist der<br />

Schärfepunkt fixiert. Wenn Sie nun den<br />

Auslöser gedrückt halten, wird sich der<br />

Schärfepunkt nicht verändern. Machen Sie nun<br />

Ihre endgültige Bildkomposition und drücken<br />

den Auslöser ganz durch, damit der Verschluss<br />

auslöst und das Foto geschossen wird.<br />

Automatischer AF<br />

Dies ist eine sogenannte<br />

AF-A intelligente AF-Betriebsart, nur<br />

verfügbar bei einigen der neuesten<br />

Kameras. Dabei schaltet die Kamera<br />

automatisch zwischen AF-S und AF-C hin und<br />

her. Registriert die Kamera ein statisches<br />

Objekt, schaltet sie auf AF-S, registriert sie ein<br />

sich bewegendes Objekt, schaltet sie auf AF-C.<br />

Das funktioniert schneller, als Sie je manuell<br />

umschalten könnten und erhöht demzufolge<br />

die Chance, Ihr Motiv scharf abzubilden. Diese<br />

Betriebsart eignet sich besonders, wenn Sie<br />

eine Vielzahl unterschiedlicher Objekte schnell<br />

fotografieren, beispielsweise in der<br />

Straßenfotografie oder bei Bildreportagen.<br />

Erfahrenere Fotografen tendieren jedoch zu<br />

einer definierten Betriebsart, weil sie dann<br />

genau wissen, wie ihre Kamera reagieren wird.<br />

Die Betriebsarten<br />

Die meisten Hersteller bieten die folgenden<br />

Betriebsarten, doch mit unterschiedlichen<br />

Bezeichnungen. Hier die Übersicht.<br />

AF-S AF-C AF-A<br />

CANON One Shot AI Servo AI Focus<br />

NIKON AF-S AF-C AF-A<br />

OLYMPUS S-AF C-AF –<br />

PENTAX AF.S AF.C AF.A<br />

SONY AF-S AF-C AF-A<br />

Geeignet für …<br />

Porträts: Mit einem<br />

Schärfepunkt auf die Augen<br />

scharfstellen.<br />

Architektur: Einzelpunkt-<br />

AF ist ideal für statische Objekte.<br />

Geeignet für …<br />

Straßenfotografie:<br />

Abdrücken, ohne durch den<br />

Sucher zu schauen.<br />

Kinder: Der AF-A verfolgt<br />

das Kind, egal in welche<br />

Richtung es läuft.<br />

PAUL WARD LEE FROST BRETT HARKNESS<br />

BRETT HARKNESS<br />

Kontinuierlicher AF<br />

(AF-C)<br />

AF-C<br />

Manuelles<br />

Scharfstellen<br />

M<br />

In dieser Betriebsart stellt der<br />

Autofokus ständig auf das<br />

anvisierte Objekt scharf, ganz<br />

gleich, ob es sich bewegt, ob Sie sich<br />

bewegen, oder beides. Visieren Sie das<br />

gewünschte Objekt an, drücken Sie den<br />

Auslöser halb herunter, und das Objektiv stellt<br />

auf das Objekt scharf. Halten Sie den Auslöser<br />

in dieser Stellung, und das Objekt wird im<br />

Schärfebereich gehalten, bis Sie den Auslöser<br />

durchdrücken und das Foto schießen.<br />

In dieser Betriebsart können Sie auch<br />

Serienbilder schießen, wobei jede einzelne<br />

Aufnahme scharf wird, obwohl das Objekt<br />

oder Sie sich bewegen. Doch Vorsicht! Der<br />

Auslöser löst den Verschluss auch dann aus,<br />

wenn das Objektiv noch nicht scharf gestellt<br />

oder auf ein anderes, als das gewünschte<br />

Objekt scharf gestellt ist. Es kann also<br />

passieren, das Sie jede Menge unscharfe Fotos<br />

machen, wenn Sie nicht aufpassen. Eine<br />

dynamische Autofokusoption verhindert das,<br />

denn wenn das Objekt außerhalb des<br />

gewünschten Schärfebereichs gerät, werden<br />

andere AF-Punkte herangezogen, um es<br />

trotzdem scharfstellen zu können.<br />

Diese Funktion ist sinnvoll bei sich schnell<br />

bewegenden Objekten wie fliegenden Vögeln.<br />

Moderne AF-Systeme sind<br />

schnell, präzise und zuverlässig,<br />

doch es gibt nach wie vor gute<br />

Gründe, die Schärfe manuell einzustellen.<br />

Altgediente Fotografen sind es ohnehin so<br />

gewohnt. Bei statischen Objekten ist es von<br />

Vorteil, selbst zu bestimmen, auf welchen<br />

genauen Punkt des Objekts die Schärfe gelegt<br />

wird. Bei Landschaftsaufnahmen beispielsweise<br />

wollen Sie normalerweise die gesamte<br />

Szene scharf abbilden. Um das zu<br />

garantieren, müssen Sie steuern können, wo<br />

der Schärfepunkt liegt – idealerweise auf der<br />

hyperfokalen Entfernung – und das<br />

funktioniert am besten manuell. Einmal<br />

scharf gestellt, können Sie auch in Ruhe auf<br />

besseres Licht warten. Auch bei schlechten<br />

Lichtverhältnissen, schlechtem Kontrast oder<br />

im Makrobereich kommen AF-Systeme schon<br />

mal ins Schlingern, und Sie stellen besser<br />

manuell scharf.<br />

Auch kann der Schärfentiefenbereich so klein<br />

sein, dass nur genau der Punkt, auf den scharf<br />

gestellt wurde, scharf abgebildet wird. Dann<br />

müssen Sie auf jeden Fall diesen Punkt selbst<br />

festlegen. Leider ist das manuelle<br />

Scharfstellen bei sich bewegenden Objekten<br />

schwer und es verlangt viel Übung. Da greifen<br />

Sie dann doch besser auf den AF-C zurück.<br />

Geeignet für …<br />

Sport: Ihre ersten<br />

Gehversuche mit sich schnell<br />

bewegenden Objekten machen<br />

Sie mit AF-C.<br />

Tiere: Verwenden Sie den<br />

AF-C, damit Ihre Motive scharf<br />

bleiben<br />

Geeignet für…<br />

Schlechtes Licht: Der AF<br />

kann kein Objekt scharf stellen,<br />

also besser manuell einstellen.<br />

Makro: Bei geringer<br />

Tiefenschärfe geht es überhaupt<br />

nur manuell, denn Sie müssen den<br />

Schärfepunkt wissen.<br />

ISTOCK PHOTO ISTOCK PHOTO LEE FROST<br />

ROSS HODDINOTT


EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

<strong>Digitale</strong> Kameras verstehen 27<br />

Auswahl des Schärfepunkts: Aktivieren Sie alle AF-Sensoren oder verwenden Sie einen Einzelpunkt<br />

Einzelpunkt-AF<br />

Geübte Fotografen tendieren<br />

zum Einzelpunkt-AF,<br />

weil er die exakte Auswahl<br />

des Schärfepunktes ermöglicht.<br />

Überlässt man es der Kamera,<br />

besteht die Gefahr, dass deren Auswahl<br />

danebenliegt. Sie haben zwei Möglichkeiten:<br />

Die Erste ist der in der Mitte<br />

befindliche AF-Punkt. Er bestimmt die<br />

Entfernung am genauesten. Liegt Ihr<br />

Schärfepunkt nicht in der Mitte des<br />

Sucherbildes, visieren Sie Ihren Schärfepunkt<br />

an und drücken den Auslöser halb<br />

durch. Das „verriegelt“ diese Scharfeinstellung.<br />

Jetzt machen Sie erneut Ihre<br />

Bildkomposition und lösen aus. Die<br />

zweite Möglichkeit besteht darin, einen<br />

einzelnen, außerhalb des Mittenbereichs<br />

befindlichen Punkt zu benutzen. Wenn<br />

Sie viele Bilder eines Objekts aufnehmen,<br />

das sich außerhalb der Mitte<br />

befindet, besonders, wenn sich das Objekt<br />

auch noch bewegt, funktioniert<br />

das besser als mit dem zentralen AF-<br />

Punkt, denn Sie brauchen keine<br />

erneute Bildkomposition, nachdem Sie<br />

scharf gestellt haben. Auch bei weit offener<br />

Blende und entsprechend<br />

geringer Tiefenschärfe fahren Sie besser<br />

mit dieser Methode. Bei Verwenden<br />

des zentralen AF und erneuter Bildkomposition<br />

kann es passieren, dass<br />

Ihr ursprünglich anvisiertes Objekt<br />

nicht mehr im Schärfebereich ist. Verwenden<br />

Sie hingegen einen<br />

Schärfepunkt, bei dem eine einmalige<br />

Bildkomposition ausreicht, vermeiden<br />

Sie dieses Risiko.<br />

Einzelpunkt AF:<br />

1) Beim Multipunkt-AF fokussiert die Kamera<br />

auf die Nase und wegen der geringen<br />

Tiefenschärfe ist das Gesicht unscharf.<br />

2) Beim Einzelpunkt-AF wählen Sie den<br />

Sensor, der auf den Augen liegt, damit das<br />

Gesicht und besonders die Augen scharf<br />

werden.<br />

1<br />

2<br />

Multipunkt-AF<br />

Beim Multipunkt-AF<br />

werden entweder alle<br />

Schärfepunkte oder eine<br />

von Ihnen festgelegte<br />

Auswahl der Punkte herangezogen.<br />

Wenn Sie den Auslöser halb drücken,<br />

werden die Schärfepunkte aktiviert – sie<br />

stellen auf das Objekt scharf – und sie<br />

blinken rot in der Sucheranzeige.<br />

Bevorzugt wird der Schärfepunkt, der<br />

auf dem Teil des Motivs liegt, der sich<br />

am nächsten an der Kamera befindet.<br />

Als Einsteiger verwenden Sie den<br />

Multipunkt-AF, denn er nimmt Ihnen die<br />

Kleinarbeit ab, und Sie konzentrieren<br />

sich auf die Bildkomposition. Haben Sie<br />

eine kleine Blende eingestellt – etwa f/8,<br />

f/11 oder f/16, funktioniert der<br />

Multipunkt-AF ebenso einwandfrei,<br />

denn alles wird schön scharf und kein<br />

Element des Motivs muss unbedingt in<br />

der Mitte liegen. Sie haben jedoch kaum<br />

Einfluss, worauf das Objektiv<br />

scharfstellt. Wenn Sie bestimmen<br />

müssen, wo der Schärfepunkt liegt –<br />

beispielsweise auf dem Auge einer<br />

Person – verwenden Sie den Multipunkt-<br />

AF besser nicht, denn es gibt eine hohe<br />

Wahrscheinlichkeit, dass die Kamera<br />

einen anderen Schärfepunkt wählt. Das<br />

gilt insbesondere bei weit offener Blende<br />

und geringer Tiefenschärfe. Ausnahme:<br />

wenn Sie an Ihrer Kamera den Haupt-<br />

Schärfepunkt vorwählen können. Diese<br />

Möglichkeit bieten leider nur wenige<br />

Modelle. Wenn ein Objekt sich durch<br />

den Bildausschnitt bewegt und die<br />

Distanz dabei annähernd gleich bleibt,<br />

funktioniert der Multipunkt-AF, denn das<br />

Objekt wird von Schärfepunkt zu<br />

Schärfepunkt „weitergereicht“.<br />

Multipunkt-AF:<br />

Bei halb gedrücktem Auslöser wählen Sie<br />

einen Schärfepunkt. Ist die Schärfe eingestellt,<br />

werden die Fokuspunkte rot. Wollen Sie eine<br />

andere Auswahl treffen, lassen Sie den<br />

Auslöser los, suchen sich andere<br />

Schärfepunkte und fixieren erneut durch<br />

halbes Drücken des Auslösers.<br />

ISTOCK PHOTO


28 <strong>Digitale</strong> Kameras verstehen EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

Bildqualität<br />

Abhängig davon, ob Sie im Raw- oder JPEG-Format fotografieren, bietet Ihre Kamera eine Reihe von Einstellungen an,<br />

die entscheidenden Einfluss auf die Qualität Ihrer Bilder haben. Hier erfahren Sie, was diese Einstellung bedeuten.<br />

Nachdem Sie ein Bild aufgenommen haben,<br />

sendet die Kamera die Bildinformation vom<br />

Bildsensor an die Speicherkarte. Anhand der<br />

Bildqualitätseinstellungen steuern Sie, wie der<br />

Bildprozessor die Bilddaten verarbeitet, bevor<br />

sie gespeichert werden. Sie können zwischen<br />

höchster Bildqualität und verschiedenen<br />

Komprimierungen wählen, oder generell in<br />

geringerer Auflösung fotografieren, sodass<br />

mehr Bilder auf die Speicherkarte passen und<br />

die Bildverarbeitung beschleunigt wird. Damit<br />

Sie die richtige Einstellung wählen, die Ihrem<br />

Bedarf entspricht, stellen wir nachfolgend die<br />

wichtigsten Formate vor.<br />

DIE DATEIFORMATE: RAW UND JPEG<br />

Die am häufigsten genutzten Dateiformate in<br />

der Digitalfotografie sind „Raw“ und „JPEG“. Das<br />

RAW-Format (engl. „raw“ = dt. „roh“) bezeichnet<br />

eine unbearbeitete Bilddatei, die sämtliche vom<br />

Bildsensor aufgezeichneten Originaldaten<br />

enthält. Dieses Format wird genutzt, wenn<br />

maximale Bildqualität und Flexibilität der<br />

Bearbeitung gewünscht werden,<br />

erzeugt jedoch so große Dateien,<br />

dass weniger Bilder auf die<br />

Speicherkarte passen.<br />

Das JPEG-Format (JPEG =<br />

„Joint Photographic Experts<br />

Group“) bietet einige<br />

Vorteile und wird deswegen<br />

von vielen<br />

Amateur-Fotografen<br />

bevorzugt. JPEG-Bilder<br />

werden wesentlich schneller<br />

verarbeitet als RAW-Dateien<br />

und brauchen weniger Platz auf<br />

der Speicherkarte, sodass Sie viel mehr<br />

Bilder speichern können. Da die Bilder<br />

komprimiert werden müssen, um geringere<br />

Dateigrößen zu erreichen, gibt es<br />

Qualitätsverluste, die vom Grad der<br />

Komprimierung abhängen.<br />

Die meisten Kameras bieten die Möglichkeit,<br />

sowohl in Raw und JPEG zu speichern; so<br />

erhalten Sie eine JPEG-Version zur schnellen<br />

Überprüfung Ihres gerade aufgenommenen<br />

Fotos und eine Raw-Version von höchster<br />

Qualität, die Sie nachbearbeiten können.<br />

JPEG: BILDKOMPRIMIERUNG<br />

<strong>Fotografie</strong>ren in JPEG ist also ein<br />

RAW-FORMATE<br />

Raw-Dateinamen-Erweiterungen<br />

der gängigen Kameramodelle<br />

Canon: .CR2 / .CRW<br />

Nikon: .NEF<br />

Olympus: .ORF<br />

Panasonic: .RW2<br />

Pentax: .PEF/DNG<br />

Samsung: .SRW/DNG<br />

Sony: .ARW<br />

Bildqualität und Speicherkartenkapazität<br />

Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die geschätzte Zahl hochauflösender Fotos, die<br />

auf einer 4GB- und einer 8GB-Speicherkarte bei unterschiedlichen Bildqualitätseinstellungen<br />

gespeichert werden können. Wie Sie sehen, benutzen die Hersteller unterschiedliche<br />

Komprimierungsraten, sodass hier keine genaueren Angaben möglich sind. Die verwendeten<br />

Kameras waren: Panasonic Lumix GF3, Samsung NX11, Nikon D7000 und Canon EOS 550D.<br />

Kameraauflösung in RAW RAW + JPEG max. Qualität JPEG max. Qualität JPEG min. Qualität<br />

Megapixel<br />

4GB 8GB 4GB 8GB 4GB 8GB 4GB 8GB<br />

12 280 540 180 370 600 1,180 1,200 2,350<br />

14.6 140 280 102 200 550 1,120 1,700 3,350<br />

16 116 225 82 160 280 550 1,100 2,100<br />

18 150 300 118 230 555 1,080 1,100 2,150<br />

Kompromiss zwischen Bildqualität und<br />

Dateigröße. JPEG ist ein verlustbehaftetes<br />

Format, was bedeutet, dass bestimmte<br />

Bildinformationen zugunsten der kleineren<br />

Dateigröße, aber zulasten der Bildqualität<br />

verloren gehen. Je höher die<br />

Komprimierung, desto geringer<br />

die Bildqualität. Wenn Sie das<br />

JPEG-Format als<br />

Standardformat auswählen,<br />

können Sie die<br />

Komprimierungsrate einstellen<br />

und so zugleich die Höhe des<br />

Qualitätsverlustes bestimmen.<br />

Die meisten Kameras bieten<br />

drei Einstellungen, jeweils für<br />

minimale, mittlere und maximale<br />

Bildkomprimierung. Die minimale<br />

Komprimierung reduziert die Dateigröße<br />

bereits erheblich, begrenzt aber die Menge der<br />

verlorenen Bildinformation. Da ein JPEG-Foto<br />

von hoher Qualität von seinem Raw-Äquivalent<br />

praktisch nicht zu unterscheiden ist, wählen<br />

viele Fotografen diese Einstellung.<br />

Falls Sie Ihre Bilder stärker komprimieren,<br />

gehen mehr Bilddaten verloren, was sich direkt<br />

auf die Bildqualität auswirkt. Besonders in<br />

Bildbereichen mit gleichmäßigen Farbtönen<br />

sind Detailverluste und Bildrauschen erkennbar.<br />

Solche Qualitätsverluste sind bei kleinen<br />

Abmessungen natürlich weniger sichtbar als<br />

bei Vergrößerungen auf DIN A4 oder größer. Sie<br />

sollten außerdem beachten, dass bei jedem<br />

Maximale Komprimierung<br />

Hier finden Sie die Einstellung der Bildqualität an Ihrer Kamera<br />

Raw nach JPEG<br />

Minimale Komprimierung<br />

Man kann ein Foto im Raw-Format am<br />

Ende der Nachbearbeitung in ein JPEGenthält<br />

das Bild normalerweise mehr Details<br />

Format konvertieren. Wenn Sie eine Raw-<br />

Datei auf Ihrem Computer konvertieren,<br />

als wenn es vom Bildprozessor der Kamera<br />

verarbeitet wird. Der Unterschied ist zwar gering,<br />

doch für die beste JPEG-Qualität sollten Sie Ihre<br />

Raw-Fotos auf dem PC konvertieren.<br />

Speichervorgang einer JPEG-Datei weitere<br />

Daten verloren gehen. Wenn Sie also dasselbe<br />

Bild 10- oder 20-mal speichern, haben Sie einen<br />

signifikanten Anteil an Bildinformation verloren,<br />

was bei starker Vergrößerung sichtbar wird. Das<br />

Beispiel gegenüber zeigt, wie stark ein Bild<br />

durch Mehrfachspeicherung beeinträchtigt<br />

werden kann.<br />

Da es sich um eine entscheidende Funktion Ihrer Kamera handelt, sollten Sie die Einstellung als eine der ersten vornehmen. Bei den Modellen verschiedener Hersteller finden Sie diese wie folgt:<br />

Canon<br />

Die Option<br />

befindet sich in<br />

der ersten Zeile<br />

des ersten Tabs.<br />

Nikon<br />

Die Option<br />

befindet sich im<br />

Aufnahme-Menü<br />

in der dritten Zeile<br />

unter „Bildqualität“.<br />

Olympus<br />

Die Option<br />

befindet sich unter<br />

dem Symbol<br />

im Aufnahme-<br />

Menü 1.<br />

Panasonic<br />

Die Option finden<br />

Sie durch Drücken<br />

von „MENU“ und<br />

Auswählen von<br />

„Rec“.<br />

Pentax<br />

Die Option<br />

finden Sie nach<br />

Drücken der<br />

Menü-Taste im<br />

Kamera-Menü 1.<br />

Samsung<br />

Die Option finden<br />

Sie nach Drücken<br />

der Menü-Taste im<br />

Aufnahme-Menü 1.<br />

Sony<br />

Die Option finden<br />

Sie nach Drücken<br />

der Menü-Taste im<br />

Aufnahme-Menü 1.


EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

<strong>Digitale</strong> Kameras verstehen 29<br />

IMAGES: LEE FROST<br />

Original-Raw-Datei<br />

JPEG: Einmal gespeichert<br />

JPEG: Mehr als 30 Mal gespeichert<br />

Oben: JPEG Qualitätsvergleich. Das JPEG-Format verwendet ein verlustbehaftetes<br />

Komprimierungssystem, was bedeutet, dass bei jedem Speichervorgang etwas<br />

Bildinformation verloren geht. Wird eine Datei mehrfach gespeichert, ist der<br />

Qualitätsverlust zunehmend sichtbar.<br />

Bildgröße<br />

Es ist nicht erforderlich, immer mit der höchsten Auflösung zu fotografieren, Sie können<br />

an Ihrer Kamera auch geringere Auflösungen einstellen. Meistens wird eine solche<br />

Einstellung gewählt, wenn Bilder ins Internet gestellt werden sollen, beispielsweise<br />

Artikelfotos für Verkäufe bei eBay. Die Einzelheiten, wie die Bildauflösung Ihrer Kamera<br />

verringert wird, können Sie der Bedienungsanleitung entnehmen. In der Regel liegt die<br />

geringste einstellbare Auflösung zwischen 2 und 4 Megapixeln, während die mittlere<br />

Einstellung eine etwas höhere als die mittlere Auflösung bewirkt. Die folgende Tabelle<br />

zeigt den Zusammenhang zwischen Kameraeinstellung und Bildauflösung für gängige<br />

Kameramarken. Bei älteren Modellen können Abweichungen auftreten.<br />

JPEG-Kompression<br />

Auch der Grad der JPEG-Komprimierung wird von den Kameraherstellern nicht<br />

einheitlich bezeichnet. Die folgende Tabelle gibt Ihnen eine Übersicht. Zur Erinnerung:<br />

minimale Komprimierung bewirkt die beste Bildqualität, maximale Komprimierung<br />

optimiert die Aufnahmefähigkeit Ihrer Speicherkarte, aber zulasten der Bildqualität.<br />

Hersteller<br />

Höchste<br />

Auflösung<br />

Mittlere<br />

Auflösung<br />

Geringste<br />

Auflösung<br />

Hersteller<br />

Geringste<br />

Kompression<br />

Mittlere<br />

Kompression<br />

Geringste<br />

Kompression<br />

Canon L M S<br />

Nikon L M S<br />

Olympus (älter) SHQ HQ SQ<br />

Olympus (neuer) L<br />

M S<br />

Panasonic L M S<br />

Pentax (K-x) 12M 10M oder 6M 2M<br />

Samsung (NX11) 14M 10M oder 6M 2M<br />

Sony L M S<br />

Canon –<br />

Nikon Fein Normal Basis<br />

Olympus (älter) SHQ HQ SQ<br />

Olympus (neuer) F N –<br />

Panasonic ––– ––– –<br />

Pentax*<br />

Samsung Superfein Fein Normal<br />

Sony Fein Standard –<br />

* Manche neueren Pentax-Modelle bieten 4 Komprimierungsstufen


30 <strong>Digitale</strong> Kameras verstehen EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

ISO-Werte<br />

Indem Sie den ISO-Wert ändern, können Sie<br />

die Lichhtempfindlichkeit des Sensors<br />

beeinflussen – und somit auch die<br />

Fähigkeit, bei schlechten Lichtverhältnissen<br />

annehmbare Aufnahmen zu machen.<br />

DIE ISO-WERTE (ISO = International Standard<br />

Organisation) wurden ursprünglich eingeführt,<br />

um die Empfindlichkeit der Filmemulsion<br />

anzugeben. Im digitalen Zeitalter hat sich diese<br />

Art der Einstufung behauptet und sich zum<br />

standardisierten Maß für die<br />

Lichtempfindlichkeit des Bildsensors entwickelt.<br />

Je niedriger der ISO-Wert, desto<br />

unempfindlicher ist der Sensor für Licht. Je<br />

höher der ISO-Wert, desto lichtempfindlicher ist<br />

er. Zusammen mit Blende und Verschlusszeit<br />

spielt der ISO-Wert eine wesentliche Rolle bei<br />

der Belichtung eines Bildes. Geringe ISO-Werte<br />

werden hin und wieder als „langsam“<br />

bezeichnet, weil ihr Einsatz normalerweise mit<br />

einer dafür benötigten, langen Verschlusszeit<br />

einhergeht. Hohe ISO-Werte nennt man<br />

gelegentlich auch „schnell“, weil sie die<br />

Anwendung kurzer Verschlusszeiten erlauben.<br />

Die üblichen Bezeichnungen für ISO-Werte sind<br />

jedoch niedrig (ISO 200 und darunter), mittel<br />

(ISO 250 – 640), hoch (ISO 800 – 1.600) und<br />

sehr hoch (ISO 3.200 und darüber).<br />

Empfindlichkeit und<br />

Rauschen<br />

Der Bildsensor ist empfänglich für Licht. Der<br />

elektrische Strom, der durch ihn hindurchfließt,<br />

gibt die Bildinformation an den Prozessor weiter,<br />

bevor die Daten auf die Speicherkarte treffen.<br />

Wenn man den ISO-Wert ändert, erhöht man<br />

nicht direkt die Lichtempfindlichkeit des<br />

Sensors, sondern korrigiert die Stromstärke, die<br />

durch ihn hindurchfließt. Ein verstärktes Signal<br />

hat den ungeliebten Nebeneffekt erhöhten<br />

Signalrauschens, was auf Bildern, die mit hohen<br />

ISO-Werten aufgenommen wurden, am<br />

sichtbarsten ist. Je höher der ISO-Wert, desto<br />

stärker ist das Signal, was wiederum zu<br />

erhöhtem Rauschen in den Bildern führt.<br />

ISO 800<br />

ISO 50<br />

ISO 200<br />

ISO 1600<br />

ISO 100<br />

ISO 400<br />

ISO 3200<br />

IMAGES: LEE FROST


EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

<strong>Digitale</strong> Kameras verstehen 31<br />

v<br />

ISO-Wert richtig anpassen<br />

Die meisten Kameras decken ISO-Werte von 100<br />

bis 3.200 ab, einige gehen sogar bis 50 hinunter,<br />

während viele auch bis 6.400 hoch gehen. Ein paar<br />

Modelle bedienen noch höhere ISO-Werte, wie<br />

beispielsweise die Nikon D3s, die einen maximalen<br />

ISO-Wert von 102.400 aufweist! Man muss<br />

lediglich den ISO-Knopf drücken und basierend auf<br />

den Aufnahmebedingungen und dem gewünschten<br />

Effekt den Wert auswählen, mit dem man arbeiten<br />

will. Wie auch bei den beiden anderen<br />

Belichtungsvariablen, so können auch die<br />

ISO-Werte kreativ eingesetzt werden. Ihre <strong>Fotografie</strong><br />

wird also davon profitieren, wenn Sie wissen, wie<br />

die ISO-Werte funktionieren. Denken Sie daran,<br />

dass sich die Wahl Ihres ISO-Wertes darauf<br />

auswirkt, wie die Szene festgehalten wird. Vor<br />

allem dann, wenn sich bewegliche Elemente darin<br />

befinden. Langsame ISO-Werte schränken die Wahl<br />

der Verschlusszeiten ein, können also dazu führen,<br />

dass bewegliche Objekte unscharf erscheinen,<br />

während Ihnen schnelle ISO-Werte auf Kosten von<br />

Rauschen mehr Auswahlmöglichkeiten lassen.<br />

Genauso wie man die ISO-Werte selbst einstellen<br />

kann, gibt es auch eine automatische Einstellung,<br />

die der Kamera die Auswahl des ISO-Werts<br />

überlässt. Dies ist besonders hilfreich, wenn man<br />

bei schwachem Licht aufnimmt, weil es das<br />

Umgebungslicht und den Blitz ausgleicht. Wenn Sie<br />

kreative Aufnahmen machen wollen, schlagen wir<br />

jedoch vor, dass Sie die ISO-Automatik vermeiden.<br />

Es macht zum Beispiel keinen Sinn, die Kamera auf<br />

ein Stativ zu montieren, um in der Dämmerung zu<br />

fotografieren, und dabei den ISO-Wert auf 1.000 zu<br />

stellen, um Verwacklungen zu vermeiden. Dies<br />

würde lediglich ein starkes Rauschen hinzufügen.<br />

Welcher ISO-Wert am besten passt, lernt man mit<br />

zunehmender Erfahrung, ganz ähnlich wie man<br />

lernt, welche Verschlusszeit oder Blende am besten<br />

passt. Es gibt allerdings ein paar allgemeine<br />

Richtlinien dazu, wann man niedrige, mittlere oder<br />

hohe ISO-Werte wählen sollte. Diese finden Sie<br />

hier.<br />

Niedrige ISO-Werte (ISO 50-200) ?<br />

Für die bestmögliche Bildqualität sollte man niedrige ISO-Werte benutzen. Die Farben<br />

sind am genauesten, die Töne verlaufen in sanften Abstufungen, das Rauschen ist<br />

minimal, während die Schärfe am höchsten ist und die Details am besten<br />

hervortreten. Niedrige ISO-Werte bedeuten, dass der Sensor eher unempfindlich auf<br />

Licht reagiert und die Wahl der Verschlusszeiten eingeschränkt ist. Passen Sie also<br />

auch bei großen Blenden auf, dass Sie Kamerawackeln vermeiden, indem Sie ein<br />

Stativ oder eine Bildstabilisierung verwenden. Die enthusistischsten und<br />

professionellsten Landschaftsfotografen nehmen mit niedrigen ISO-Werten und<br />

fixierter Kamera auf. Studiofotografen, die Blitzköpfe verwenden, wählen ebenfalls<br />

niedrige ISO-Werte, da der starke Studioblitz genug Licht kreiert, um aus der Hand zu<br />

fotografieren. Vermeiden Sie niedrige ISO-Werte, wenn Sie aus der Hand aufnehmen,<br />

außer bei hellsten Bedingungen. Und auch dann sollten Sie aufpassen, falls Sie eine<br />

mittlere bis kleine Blende in Verbindung mit einem Telezoom verwenden.<br />

ADAM BURTON HELEN DIXON<br />

Mittlere ISO-Werte (ISO 250-640) ?<br />

Wir schlagen vor, Sie machen ISO 400 zu Ihrer Grundeinstellung. Dies hat einen<br />

doppelten Vorteil im Vergleich zu ISO 100, da es weitaus mehr Flexibilität in Bezug auf<br />

die Wahl der Belichtungseinstellungen bietet. Abgesehen von den kürzeren<br />

Verschlusszeiten, können wohl nur die geübtesten Augen einen qualitativen<br />

Unterschied zu einem Bild wahrnemen, das mit ISO 100 gemacht wurde. Diejenigen,<br />

die für gewöhnlich den integrierten Blitz verwenden, werden dafür eine zusätzlich<br />

Einsatzmöglichkeit erkennen: Er eignet sich ideal, um drinnen Porträts aufzunehmen.<br />

Welches sind also die Nachteile? Tja, es gibt eigentlich keine, die von Bedeutung<br />

währen. Man könnte anbringen, dass die Farben nicht so natürlich, das Rauschen<br />

erhöht und die Schärfe geringer sind. Aber die Unterschiede sind kaum festzustellen.<br />

Für den allgemeinen Gebrauch lassen Sie Ihre Kamera also auf ISO 400, außer Sie<br />

nehmen bei schwachem Licht auf und brauchen eine kürzere Verschlusszeit, oder Sie<br />

wollen einen niedrigen ISO-Wert für ultimative Qualität anwenden.<br />

HELEN DIXON ISTOCK PHOTO<br />

Hohe ISO-Werte (ISO 800-1600)<br />

Einen hohen ISO-Wert auszuwählen, sollten nur wenn unbedingt notwendig gewählt<br />

werden. Höhere ISO-Werte spiegeln sich in Bildern in Form von erhöhtem Rauschen<br />

und geringerer Schärfe wieder, vor allem dann, wenn die Rauschreduktion zum<br />

Einsatz kommt (dazu später mehr). Neuere Kameras weisen starke Verbesserungen<br />

bezüglich der Qualität von Bildern mit hohen ISO-Werten auf. Am ehesten werden<br />

hohe ISO-Werte verwendet, wenn Bilder aus der Hand und bei schwachem Licht<br />

gemacht werden, zum Beispiel draußen am Abend, oder drinnen. Ein hoher ISO-Wert<br />

erlaubt eine Verschlusszeit, die kurz genug ist, um Verwacklungen zu vermeiden, was<br />

mit Hilfe einer Bildstabilisierung nochmal untermauert wird. Viele benutzen niedrige<br />

ISO-Werte und riskieren, dass Bilder aufgrund von Kamerabewegung unscharf<br />

werden. Wir schlagen schnelle ISO-Werte vor: Es ist besser, mit ISO 1.000 ein<br />

scharfes Bild mit erhöhtem Rauschen aufzunehmen, als ein unscharfes mit ISO 400.<br />

Extrem hohe ISO-Werte (ISO 3200+)<br />

Digitalkameras können hohe ISO-Werte schon besser handhaben, als es Filmkameras<br />

konnten. Vorwiegend Modelle, wie die 3Dx von Nikon, die eine unfassbare Qualität bei<br />

hohen ISO-Werten liefert. Bilder, die mit ISO 3.200 gemacht wurden, werden durch<br />

erhöhtes Rauschen, ungenaue Farben und geringe Schärfe charakterisiert. All diese<br />

Probleme werden stärker, je mehr man den ISO-Wert erhöht. Einige Modelle, wie die<br />

Canon EOS – 1D MkIV und die Nikon 3Ds, bieten ISO-Höchstwerte von 102.400, was<br />

hoch genug ist, um Bilder bei Mondlicht aufzunehmen. Das macht sie zwar für<br />

Überwachungen ideal, doch für den größten Teil der <strong>Fotografie</strong> ist diese Verschlusszeit<br />

übertrieben. Verwenden Sie es daher nur, wenn es wirklich nicht anders geht. Wenn Sie<br />

nachts draußen sind und einen Yeti entdecken, oder ein am Himmel schwebendes UFO,<br />

nehmen Sie auf jeden Fall ISO 12.800 oder mehr und halten den Beweis fest!<br />

Andernfalls sollten Sie niedrigere ISO-Werte verwenden.


32 <strong>Digitale</strong> Kameras verstehen EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

Raw-Dateien<br />

Wenn man Raw-Dateien richtig bearbeitet, bieten diese eine bessere Bildqualität, was sich auch später auf die<br />

Speicherung im JPEG-Format auswirkt. In folgendem Beitrag wird erklärt, wie es funktioniert.<br />

Auch in der <strong>Fotografie</strong> gibt es bestimmte<br />

Modethemen. Filme, Objektive, Kamera-<br />

Modelle – fast alles, was mit Aufnahmen zu<br />

tun hat, war seit der Entstehung der <strong>Fotografie</strong><br />

schon einmal Thema in der einen oder<br />

anderen Debatte unter Fotografen. In den<br />

letzten Jahren war „Raw- versus JPEG-<br />

Dateien“ das Modethema Nummer eins unter<br />

Fotografen. Eine große Mehrheit unter den<br />

Berufsfotografen besteht darauf, dass<br />

Raw-Dateien eine bessere Bildqualität<br />

hervorbringen. Trotzdem gibt es eine kleine<br />

Minderheit von JPEG-Fanatikern, die dieses<br />

Dateiformat bis aufs letzte verteidigen. Ein<br />

amerikanischer JPEG-Anhänger sagte einmal:<br />

„Aufnahmen im Raw-Format können mit<br />

Tageszeitungen verglichen werden, die 20<br />

Jahre lang für den Fall aufbewahrt werden,<br />

dass man eines Tages auf die Information<br />

zurückgreifen möchte. Die Leute denken in<br />

solchen Fällen, du bist verrückt!“ Ob dies<br />

zutrifft, kommt natürlich auf die Motive, die<br />

Aufnahmetechnik und den Bedarf an<br />

Die wichtigsten Vorteile<br />

von Raw-Dateien<br />

Raw-Dateien enthalten mehr Daten, als für ein<br />

gelungenes Bild gebraucht werden, damit sie auf<br />

verschiedene Arten bearbeitet werden können.<br />

Man kann sich diese am besten als digitale<br />

Negative mit einem hohen Kontrastumfang<br />

vorstellen.<br />

Dadurch können Belichtungsfehler, ohne die<br />

Bildquaität zu beeinträchtigen, korrigiert werden.<br />

Wenn man eine Raw-Datei bearbeitet, geht<br />

die Originalaufnahme in der unbearbeiteten<br />

Form nicht verloren.<br />

Man kann also in Zukunft wieder auf<br />

Raw-Dateien zurückgreifen und die Aufnahmen<br />

mit erweiterten Kenntnissen und Erfahrungen<br />

erneut bearbeiten.<br />

Die Bildqualität von unkomprimierten<br />

Raw-Dateien von 12 bis 14 Bits ist den<br />

JPEG-Dateien überlegen.<br />

Ein Computer hat eine weit größere<br />

Verarbeitungsleistung als eine Kamera.<br />

Nachbearbeitung an. Wie bei der Diskussion<br />

„Negativfilme versus Diafilme“ gibt es bei<br />

beiden Bildformaten Vorteile und Nachteile.<br />

Früher, in Zeiten des Films, akzeptierten die<br />

Fotografen die unterschiedlichen<br />

Anwendungsformen und brachten beide zum<br />

Einsatz. Im digitalen Zeitalter hingegen sind<br />

die Fotografen anscheinend entweder<br />

Raw- oder JPEG-Anhänger, und es gibt<br />

wenige, die die Vorteile beider Formate<br />

ausnutzen.<br />

Viele Einsteiger beginnen mit dem JPEG-<br />

Format und überlassen das Raw-Format<br />

erfahreneren Fotografen. Dabei wäre in vielen<br />

Fällen das Gegenteil angebracht.<br />

Bei der Aufnahme eines Bildes werden die<br />

Daten vom Sensor aufgezeichnet. Diese Daten<br />

in ihrer vollständigen, ursprünglichen Form<br />

entsprechen einer unkomprimierten<br />

Raw-Datei von 12 bis 14 Bit.<br />

Alle digitalen Kameras produzieren anfänglich<br />

Raw-Dateien. Werden die Bilder im JPEG-<br />

Format aufgenommen, bearbeitet die<br />

Firmware (die interne Software der Kamera)<br />

die Raw-Datei, bevor die Aufnahme<br />

gespeichert wird. Dabei werden Daten, die als<br />

unwichtig eingestuft werden, gelöscht. Auf<br />

diese Daten kann also nicht mehr<br />

zurückgegriffen werden. Außerdem wird die<br />

Farbe, der Kontrast und die Schärfe des Bildes<br />

automatisch angepasst. Der Unterschied von<br />

Raw- und JPEG-Dateien lässt sich am besten<br />

durch einen Vergleich mit Filmen erklären.<br />

Aufnahmen im Raw-Format sind wie Filme,<br />

die man in seinem eigenen Labor entwickelt.<br />

Man hat dabei eine viel größere Kontrolle und<br />

kreative Freiheit wie bei dem JPEG-Format,<br />

man braucht aber mehr Zeit zur Bearbeitung.<br />

Aufnahmen im JPEG-Format haben ein<br />

ähnliches Ergebnis, wie wenn man den Film in<br />

einem Fotoservice abgibt und nach einer<br />

Stunde die Bilder abholt. Dies ist die schnellere<br />

und praktischere Methode, dabei kann<br />

allerdings oft nicht das beste aus den<br />

Negativen herausgeholt werden.<br />

Raw-Software<br />

Der größte Nachteil von<br />

Raw-Dateien besteht darin, dass man<br />

zum Öffnen und Bearbeiten von<br />

Raw-Dateien eine besondere Software<br />

braucht, Raw-Konverter genannt, um die<br />

Aufnahmen nach der Bearbeitung als<br />

TIFF- oder JPEG-Datei abzuspeichern.<br />

Jede Kameramarke hat ihr eigenes<br />

Raw-Format und wird mit einem eigenen<br />

Raw-Konverter geliefert. Die meisten<br />

Fotografen ziehen allerdings Konverter von<br />

Drittherstellern vor. Es sind verschiedene<br />

Programme wie Gimp (Freeware), Capture<br />

One und Apple Aperture (nur für Apple)<br />

erhältlich, die sowohl von Einsteigern als<br />

auch von Fortgeschrittenen angewendet<br />

werden. Viele Fotografen benutzen aber<br />

Adobe Camera Raw (ACR), das man in<br />

Lightroom und Photoshop findet. Dieser<br />

Beitrag befasst sich vor allem mit diesen<br />

Programmen. Diese Methode funktioniert<br />

wunderbar und garantiert die gleichen<br />

Resultate wie teure<br />

Programmanwendungen für Spezialisten.<br />

Wichtig: Neue Kameramodelle müssen<br />

manchmal zuerst auf das Photoshop-<br />

Update des Raw-Plug-Ins warten. Wenn<br />

man eine ältere Photoshop-Version<br />

installiert hat (zum Beispiel CS2 oder CS3)<br />

und ein neues Kamera-Modell kauft, gibt<br />

es keine aktualisierten Plug-Ins für die<br />

alten Photoshop-Versionen, und es muss<br />

daher ein Photoshop-Upgrade erworben<br />

werden.<br />

v<br />

Drei gute Gründe für das Verwenden von Raw-Dateien<br />

1) Weißabgleich:<br />

Bei Aufnahmen im JPEG-Format setzt die Kamera den<br />

Weißabgleich automatisch fest. Im Raw-Format kann<br />

der Weißabgleich in der Nachbearbeitung geändert und<br />

an den persönlichen Geschmack angepasst werden.<br />

Außerdem können Aufnahmen mit einem inkorrekten<br />

Weißabgleich im Nachhinein korrigiert werden.<br />

2) Belichtung:<br />

Die Belichtung hat zwar immer ihre Grenzen, auf<br />

einer schwach belichteten Raw-Datei wird aber<br />

viel mehr Information festgehalten als auf einer<br />

JPEG-Datei. Diese umfänglichen Daten<br />

ermöglichen zum Beispiel beste HDR-Bilder.<br />

3) Bildqualität:<br />

Die Bildqualität von JPEG-Aufnahmen ist sehr gut,<br />

zeigt aber nicht alle Einzelheiten, die in einer<br />

Raw-Datei enthalten sind. Aus dem Raw-Format<br />

konvertierte JPEG-Bilder haben eine bessere<br />

Bildqualität als direkte JPEG-Aufnahmen.<br />

FOTOS: ISTOCK PHOTO


Die ultimative Bildqualität!<br />

Eine Aufnahme im Raw-Format enthält alle<br />

Daten, um das Bild perfekt belichtet und<br />

mit einer maximaler Detailschärfe<br />

hervorzubringen.<br />

LEE FROST


34 <strong>Digitale</strong> Kameras verstehen EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

17<br />

16<br />

15<br />

14<br />

Die Symbolleiste<br />

In der linken, oberen Ecke des Bildschirms findet man verschiedene Programmsymbole zur Bildbearbeitung. Die Version<br />

CS5 hat im Vergleich zu den CS4-Anwendungen, die im Folgenden beschrieben werden, einige zusätzliche Funktionen.<br />

Die Werkzeuge, die beim tagtäglichen Nachbearbeiten von Raw-Dateien vor allem zum Einsatz kommen, sind das<br />

„Zoom-“, „Hand-“, „Dreh-“ und „Weißabgleich-Werkzeug“. Andere kamerainterne Werkzeuge wie Subsampling,<br />

Zuschneiden, Begradigen und Retuschieren funktionieren zwar gut, wenn man nur mit der Kamera nachbearbeitet,<br />

sonst überlässt man diese Bearbeitungsfunktionen aber besser Photoshop. Die Funktion zur Entfernung roter Augen aus<br />

Fotos ist nützlich, viele Porträts im Raw-Format können dadurch aber nicht wie gewünscht nachbearbeitet werden.<br />

1 2 3 4 11 5 6 7 8 12 13 9<br />

1) Das Zoom-Werkzeug:<br />

ergrößert einen Ausschnitt. Dadurch<br />

werden Details besser sichtbar.<br />

2) Das Hand-Werkzeug:<br />

erlaubt das Verschieben des Bildes<br />

auf dem Desktop.<br />

3) Das Weißabgleich-<br />

Werkzeug: erlaubt die Korrektur<br />

oder die Bestimmung des<br />

Weißabgleichs durch Klicken auf<br />

neutrale Bereiche des Bildes.<br />

4) Das Farbaufnahme-<br />

Werkzeug : dient der Anpassung<br />

einer bestimmten Farbe, durch das<br />

Klicken auf den entsprechenden<br />

Bildbereich.<br />

5) Das Zuschneiden-<br />

Werkzeug: kann einen<br />

Ausschnitt zuschneiden.<br />

6) Das Gerade-Ausrichten-<br />

Werkzeug : korrigiert oder dreht<br />

einen wackeligen Horizont.<br />

7) Das Retuschieren-<br />

Werkzeug : korrigiert Flecken auf<br />

dem Sensor und andere ungewollte<br />

Fehleinstellungen.<br />

8) Das Rote-Augenentfernen-Werkzeug:<br />

korrigiert rote Augen in Porträts.<br />

9) Voreinstellungen: Im<br />

Dialog findet man die Raw-<br />

Voreinstellungen der Kamera.<br />

10) Bilddrehung: Das Bild im<br />

Uhrzeigersinn/Gegenuhrzeigersinn<br />

um 90 Grad drehen.<br />

10<br />

11) Das Zielkorrektur-<br />

Werkzeug: Anstelle der<br />

Schiebereglers, kann zur<br />

Nachbearbeitung mit der CS5-<br />

Version dieses Werkzeug auf das Bild<br />

gezogen werden.<br />

12) Das Reparaturpinsel-<br />

Werkzeug: Mit diesem Werkzeug<br />

können bestimmte Bildbereiche zur<br />

Reparatur lokalisiert werden (CS5).<br />

13) Das Verlaufsfilter-<br />

Werkzeug: Durch diese Funktion<br />

wird der Effekt eines Verlaufsfilters<br />

erzielt. Dadurch kann die<br />

Belichtung, Helligkeit, Kontrast,<br />

Farbsättigung, Klarheit, Schärfe und<br />

Farbe an den entsprechenden Filter<br />

angepasst werden (CS5).<br />

Objekt öffnen<br />

Nach Abschluss der<br />

Raw-Nachbearbeitung die<br />

Umschalttaste drücken und<br />

das Dialogfeld auf „Objekt<br />

öffnen“ schalten. Dadurch<br />

kann die Raw-Datei im<br />

Photoshop als Smart-Objekt<br />

bearbeitet werden. Ein<br />

Smart-Objekt hat den<br />

Vorteil, dass mit einem<br />

Doppelklick auf die<br />

Photoshop-Ebene die<br />

Raw-Datei in Adobe Camera<br />

Raw wieder geöffnet und<br />

weiterbearbeitet werden<br />

kann. Wird zusätzlich die<br />

Alt-Taste gedrückt, kann im<br />

Dialogfeld „Kopie öffnen“<br />

gewählt werden. Dadurch<br />

wird im Photoshop eine<br />

Kopie des Bildes geöffnet<br />

und das Original erhalten.<br />

Wird die Löschtaste auf<br />

„Zurücksetzen“ gestellt,<br />

wird das Bild wieder in den<br />

Originalzustand zurück<br />

verwandelt.


EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

<strong>Digitale</strong> Kameras verstehen 35<br />

So funktioniert ein Raw-Konverter<br />

Die originale Raw-Datei wird durch einen Raw-Konverter wie Adobe Camera Raw in das endgültige Bild verwandelt.<br />

Beim ersten Mal scheint ein Bildbearbeitungsprozess<br />

kompliziert zu sein, die erste Aufnahme mit einer<br />

digitalen Kamera ebenso wie die erste<br />

Nachbearbeitung im Photoshop. Man sollte sich aber<br />

davon nicht entmutigen lassen. Wenn man keine<br />

Ahnung hat, was man macht, ist die Methode oft<br />

„Versuch und Irrtum“, aber irgendwann kommt man<br />

meistens zum Ziel. Bei Raw-Dateien geht das<br />

ebenso.<br />

Der Hauptgrund, warum viele Fotografen auf das<br />

JPEG-Format zurückgreifen, ist, dass es schnell,<br />

einfach und sicher funktioniert: Die komplizierteren<br />

Einstellungen übernimmt dabei die Kamera, und mit<br />

einer kurzen Nachbearbeitung im Photoshop oder<br />

Lightroom ist das Bild fertig. Nimmt man hingegen<br />

im Raw-Format auf, sind erweiterte<br />

<strong>Fotografie</strong>kenntnisse gefragt. Jede Aufnahme wird<br />

dabei individuell bearbeitet. Auf die Entwicklung von<br />

Filmen übertragen wäre das Raw-Format die eigene<br />

Dunkelkammer und das JPEG-Format das Fotolabor.<br />

Lohnt sich dieser ganze Aufwand überhaupt?<br />

Aber klar! Um beim <strong>Fotografie</strong>ren das volle kreative<br />

und technische Potential auszunutzen, braucht man<br />

eine möglichst große Kontrolle über die einzelnen<br />

Faktoren, die das Bild beeinflussen. Dazu sind<br />

Kenntnisse über die wichtigsten Werkzeuge und<br />

Funktionen im Raw-Konverter von Photoshop, Adobe<br />

Camera Raw, entscheidend. Untenstehend wird die<br />

Registerkarte „Grundeinstellungen“ der Raw-<br />

Konversion erklärt.<br />

Die grundlegenden Werkzeuge<br />

bei der Raw-Konversion<br />

Die meisten Raw-Einstellelemente werden über<br />

Schieberegler angepasst und sind daher schnell und einfach<br />

zu benutzen. Im Folgenden die grundlegenden Features der<br />

Registerkarte „Grundeinstellungen“:<br />

Dialogfelder: Die Grundfunktionen zur<br />

Bearbeitung von Raw-Dateien befinden sich auf der<br />

rechten Seite des Raw-Dialogfeld, zwischen dem<br />

Histogramm und den Schiebereglern. Man findet acht<br />

Programmsymbole mit folgenden Einstellelementen<br />

(von links nach rechts): Grundeinstellungen,<br />

Farbtonkurve, Detail, HSL/Graustufen, Teiltonung,<br />

Objektivkorrekturen, Kamerakalibrierung und Vorgaben.<br />

Dynamik und Sättigung:<br />

Das Steuerelement Sättigung ist eine Alternative zum<br />

Regler „Sättigung“, um die Farben des Bildes<br />

gleichmäßig anzupassen.<br />

Das Dynamik-Werkzeug verstärkt vor allem blasse<br />

Farben, Farben mit einer hohen Sättigung werden<br />

kaum verändert.<br />

Schwarze Bildbereiche: Dieser Regler<br />

schiebt den linken Teil des Histogramms noch weiter<br />

nach links. Dadurch werden die schwarzen<br />

Bildbereichedominanter. Eine hilfreiche Methode um<br />

den Kontrast zu verstärken.<br />

Weißabgleich: Wenn man im Raw-Format<br />

aufnimmt, wird der Weißabgleich meist in der<br />

Nachbearbeitung angepasst. Dadurch hängt die<br />

Bildqualität nicht von der richtigen Weißabgleich-<br />

Voreinstellung der Kamera ab. Mit der Registerkarte<br />

„Grundeinstellungen“ können alle Weißabgleich-<br />

Voreinstellungen auf der Menüliste ausgewählt werden<br />

(zum Beispiel „Auto“, „Tageslicht“, „Wolken“ und so<br />

weiter). Die Farbtemperatur- und Tonregler erlauben<br />

einen benutzerdefinierten Weißabgleich. Zum gleichen<br />

Zweck dient auch das Werkzeug „Weißabgleich“ auf der<br />

Werkzeugleiste.<br />

Fülllicht: Diese Funktion verstärkt die Tiefenschärfe<br />

in Schattenbereichen ohne dabei schwarze Bereiche<br />

aufzuhellen. Ähnlich wie der Füllblitz bringt diese<br />

Funktion etwas mehr Licht in den Vordergrund. Mit dem<br />

Schwarzregler kann die Wirkung verstärkt werden. Man<br />

muss dabei allerdings aufpassen und nicht übertreiben,<br />

sonst wirken die Resultate unnatürlich.<br />

Klarheit: Durch dieses Steuerelement wird der Kontrast<br />

in bestimmten Bildbereichen verstärkt und das Bild gewinnt<br />

mehr Tiefe und Mitteltöne. Sie funktioniert ähnlich wie eine<br />

Unscharfmaskierung mit einem großen Radius im Photoshop.<br />

Der Bildbereich sollte dazu 100-prozentig vergrößert werden,<br />

bis an den Bildrändern Lichtschleier beobachtet werden.<br />

Belichtung: Oben an der Registerkarte<br />

„Grundeinstellungen“ findet man unter dem Weißabgleich<br />

den Belichtungsregler, mit dem die gesamte Helligkeit des<br />

Bildes eingestellt und überbelichtete Stellen korrigiert<br />

werden können. Die Blendwerte entsprechen dabei den f/<br />

Stufen. Für viele Fotografen ist dieses Werkzeug eine<br />

wichtige Hilfe, um die Belichtung der Kamera zu korrigieren.<br />

Wird die Belichtung zu weit erhöht, besteht die Gefahr von<br />

Bildrauschen und verschwommenen Bildbereichen.<br />

Gemeinsam mit der Funktion „Wiederherstellen“ können<br />

dabei Spitzlichter ausgeglichen werden.<br />

Helligkeit/Kontrast: Die Helligkeitsfunktion<br />

funktioniert ähnlich wie das Belichtungs-Steuerelement.<br />

Anstatt Spitzlichter und Schatten zu reduzieren,<br />

komprimiert und weitet sie die Bildinformation aus. Zuerst<br />

sollte dabei der Farbtonbereich mit Hilfe der Belichtungs-,<br />

Wiederherstellungs- und Schwarzreglern eingestellt und<br />

dann die Helligkeit bestimmt werden. Der Kontrastregler<br />

beeinflusst vor allem die Mitteltöne. Diese werden zur<br />

Verstärkung des Kontrastes erhellt oder verdunkelt.<br />

Wiederherstellen des Originalbildes:<br />

Es handelt sich um einen Bildspeicher für Aufnahmen<br />

mit überbelichteten Spitzlichtern. Der Erfolg der<br />

Aufnahmen sollte logischerweise nicht von dieser<br />

Funktion abhängen. Sie ist aber das nützlichste<br />

Werkzeug von Adobe Camera Raw, da man dadurch<br />

Spitzlichter reduzieren und Detailschärfe in Mitten<br />

zurückgewinnen kann. Trotzdem kann man mit dieser<br />

Funktion natürlich keine Wunder vollbringen. Ohne<br />

bestehende Details in der Aufnahme bringt auch die<br />

beste Bildbearbeitungfunktion nichts.<br />

Raw-Dialogfeld<br />

Wird die Raw-Datei in Adobe<br />

Camera Raw geöffnet, erscheint<br />

das Raw-Dialogfeld. Die<br />

Bildvorschau zeigt das Raw-Bild in<br />

seinem Originalzustand.<br />

14) Zoom: Die Größe des Bildes<br />

in der Bildvorschau kann gewählt<br />

werden. Mit Hilfe der<br />

Registerkarten links unten können<br />

Bildbereiche herangezoomt<br />

werden.<br />

15) Die Workflow-<br />

Optionen: Unten am<br />

Bildschirm befindet sich die<br />

Optionen „Workflow“. Wenn man<br />

darauf klickt, öffnet sich ein Dialog.<br />

Unter Farbraum kommt meist<br />

Adobe RGB (1998) zum Einsatz.<br />

Unter Tiefe sollte 16 Bits/Kanal<br />

gewählt werden. Die Größe sollte<br />

an die Pixel-Auflösung der Kamera<br />

angepasst werden. Es macht<br />

keinen Sinn, dabei auf die teuren<br />

<strong>Extra</strong>-Pixels der neuen Kamera zu<br />

verzichten. Es wird empfohlen,<br />

eine Auflösung von 300 Pixel/Zoll<br />

zu wählen.<br />

16) Histogramm: In der<br />

rechten oberen Ecke befindet sich<br />

das Histogramm des Bildes, das die<br />

Farbtonverteilung in Rot-, Grünund<br />

Blaukanälen anzeigt.<br />

Blaugrüne Bereiche bezeichnen<br />

Übergänge zwischen blauen und<br />

grünen Kanälen, gelbe Bereiche<br />

Übergänge zwischen roten und<br />

grünen Kanälen und violette<br />

Bereiche Übergänge zwischen<br />

roten und blauen Kanälen. Weiße<br />

Bereiche kennzeichnen Übergänge<br />

von allen drei Kanälen. Mit Hilfe des<br />

Histogramms kann die richtige<br />

Belichtung über die Regler geprüft<br />

werden.<br />

17) Farbumfang-<br />

Warnung: Die beiden<br />

dreieckigen Registerkarten oben<br />

rechts und links des Histogramms<br />

zeigen an, ob durch die Clipping-<br />

Funktion Schatten oder Spitzlichter<br />

reduziert wurden. Sind die Dreiecke<br />

schwarz, wurde keine Clipping-<br />

Funktion eingesetzt. Wechseln die<br />

Registerkarten die Farbe, zeigt dies,<br />

dass ein Farbkanal oder eine<br />

Kombination von Farbkanälen<br />

reduziert wurde. Ist das Dreieck<br />

weiß, bedeutet das, dass alle<br />

Kanäle reduziert wurden. Man kann<br />

die Registerkarten anklicken und<br />

dabei werden die Bildbereiche<br />

hervorgehoben, bei denen die<br />

Clipping-Funktion eingesetzt<br />

wurde. Reduzierte Schatten blinken<br />

dabei blau, reduzierte Spitzlichter<br />

rot.


36 <strong>Digitale</strong> Kameras verstehen EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

So verwandeln Sie Raw-Dateien in perfekte Bilder<br />

Hier erklären wir Schritt für Schritt, wie man auf einfach und<br />

effizient Raw-Dateien ins JPEG- und TIFF-Format konvertiert.<br />

Die Nachbearbeitung ist nicht wirklich schwer. Je nachdem, wie weit die<br />

Aufnahme vom gewünschten Bild entfernt ist, müssen verschiedene<br />

Anpassungen vorgenommen werden. Fotografen, die vor der digitalen Ära<br />

Erfahrungen mit Filmen gesammelt haben, bearbeiten die Bilder meist<br />

möglichst in der Kamera, wie sie es früher mit den Filmen machen<br />

mussten. Diese Gewohnheit schadet in diesem Zusammenhang nicht.<br />

Fotografen, die an digitale Kameras gewohnt sind, verlassen sich bei der<br />

Korrektur von Aufnahmefehlern meist vor allem auf die Software in der<br />

Nachbearbeitung und verbringen daher auch mehr Zeit dabei.<br />

Die schrittweise Anleitung in diesem Beitrag zeigt, wie Raw-Dateien mit<br />

Adobe Camera Raw bearbeitet werden und welche Effekte die einzelnen<br />

Werkzeuge auf das Bild haben. Als Beispiel wurde eine Raw-Datei gewählt,<br />

die eine große Nachbearbeitung verlangt. Normalerweise braucht man<br />

aber nur ein paar Minuten, um eine Raw-Datei zu öffnen, zu bearbeiten<br />

und in eine JPEG- oder TIFF-Datei der besten Bildqualität zu<br />

verwandeln.<br />

Beim Öffnen von Raw-Dateien sehen die Bilder oft flach und ausgewaschen aus. Der<br />

1 Grund dafür ist, dass das Bild in der <strong>Vorschau</strong> auf dem LCD-Display ein kleines,<br />

bereits bearbeitetes JPEG-Bild ist und daher meist besser aussieht.<br />

Raw-Dateien produzieren die besten Bilder, wenn die Farbtöne auf der rechten Seite<br />

2 des Histogramms dominieren. Berühren die Farbtöne die rechte Seite, werden<br />

Spitzlichter reduziert und manche Bereiche verlieren dadurch Detailschärfe. Beim<br />

Klicken auf das rote Dreieck über dem Histogramm werden überbelichtete Bereiche rot<br />

angezeigt.<br />

Reduzierte Spitzlichter kommen vor allem bei Landschaftsbildern im Bereich des<br />

3 Himmels vor. Überbelichtete Spitzlichter können mit dem Regler „Wiederherstellen“<br />

bis zu einem gewissen Grad im Adobe Camera Raw wiederhergestellt werden. Wird der<br />

Regler „Wiederherstellen“ auf 20 gestellt, wird der Himmel nach Spitzlichtern abgesucht.<br />

Die Wiederherstellungs-Funktion macht Himmel flacher und sollte daher mit Vorsicht<br />

eingesetzt werden.<br />

Da das Bild immer noch ziemlich ausgewaschen aussieht, sollte nun die richtige<br />

4 Belichtung bestimmt werden. Der Belichtungsregler wird nach links auf -0,75<br />

gestellt. Das Bild wird dadurch merklich dunkler. Insgesamt macht es aber immer noch<br />

einen etwas flachen und leblosen Eindruck. Das ist normal im Raw-Format und lässt sich<br />

einfach beheben.<br />

Beim Klicken auf das Farbtonkurve-Symbol auf der Menüleiste öffnet sich ein Dialog<br />

5 mit Schiebereglern für Spitzlichter, Lichter, dunkle Bereiche und Schatten. Beim<br />

gewählten Beispiel werden die Werte für Spitzlichter und Lichter erhöht und diejenigen<br />

der dunklen Bereiche und Schatten reduziert. Dadurch bekommt das Bild mehr Kontrast<br />

und wird lebendiger.<br />

Als Nächstes wird die Farbtemperatur geprüft. Die Beispielaufnahme wurde mit dem<br />

6 kamerainternen, automatischen Weißabgleich aufgenommen und hat daher einen<br />

leicht warmen Stich. Normalerweise ist das positiv, bei unserem Beispiel hinterlässt dieser<br />

warme Stich allerdings eine matschige Wirkung. Daher wird die Farbtemperatur auf<br />

Tageslicht (5500 K) umgestellt und der Eindruck wird dadurch etwas kühler.


Fertiges Bild<br />

Das Bild wurde als<br />

16-Bit-TIFF-Datei gespeichert und<br />

in Photoshop erneut geöffnet. Dort<br />

wurden Flecken auf dem Sensor mit<br />

dem Reparaturpinsel korrigiert und<br />

mit Hilfe der Tonwertkorrektur der<br />

Effekt des Himmels verstärkt.<br />

Nun geht es darum, die Farben hervorzuholen. Im Adobe Camera Raw gibt es dazu<br />

7 zwei Regler: Dynamik und Sättigung. Der Dynamikregler hat eine subtilere Wirkung,<br />

verstärkt er doch nur blasse Farbbereiche und verändert gesättigte Farben nicht. Bei<br />

unserem Beispiel sollte der Dynamikregler auf 20 gestellt werden.<br />

Ein weiterer nützlicher Regler im Adobe Camera Raw ist der Klarheitregler. Durch die<br />

8 Verstärkung des Kontrastes in ausgewählten Bereichen wird Tiefe gewonnen. Das Bild<br />

100-prozentig heranzoomen. Den Klarheit-Regler nach oben schieben, bis Lichtschleier<br />

erscheinen und dann den Wert leicht reduzieren. Es kann auch ein niedriger Wert, in<br />

diesem Fall +10 eingesetzt werden, um das Bild zu verbessern.<br />

Um eine optimale Bildqualität zu erreichen, müssen Raw-Dateien immer schärfer<br />

9 gezeichnet werden. Dazu gibt es verschiedene Möglichkeiten, und jeder Fotograf hat<br />

seine eigenen Vorlieben. Beim Einsatz von Adobe Camera Raw sollte das Bild zuerst auf<br />

100 % herangezoomt werden und dann die Regler mit einem Radius von 1.0 angepasst<br />

werden. Vorsicht mit Bildrauschen.<br />

Aufnahmen mit Ultraweitwinkel-Objektiven oder -Zoom zeigen oft eine<br />

10 Vignettierung, bei der die Ecken des Bildes dunkler werden als der Rest.<br />

Dies kann im Adobe Camera Raw im Programmfenster „Objektivkorrektur“ mit dem<br />

Objektivvignettierungsregler korrigiert werden. Farbliche Abweichungen können ebenfalls<br />

korrigiert werden.


38 <strong>Digitale</strong> Kameras verstehen EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

Weißabgleich<br />

Wenn Sie wissen, was es mit Farbtemperaturen auf sich hat, können Sie sicherstellen, dass Ihre Bilder genau<br />

so aussehen wie erwartet.<br />

Licht variiert nicht nur in seiner Intensität und Härte,<br />

sondern auch in seiner Farbe. Natürliches Tageslicht<br />

kann warm oder kalt sein, je nach Tageszeit und<br />

Wetterbedingungen, während Kunstlicht fast jede<br />

Farbe annehmen kann. Weil sich unsere Augen<br />

solchen Lichtfarbwechseln automatisch anpassen,<br />

interpretieren wir z. B. Weiß immer als Weiß. Ihre<br />

Kamera jedoch hat diese Fähigkeit nicht. Deshalb<br />

passiert es, dass Sie manchmal Bilder machen, die<br />

wärmer oder kälter aussehen als die Szene in Ihrer<br />

Erinnerung. Um dies zu vermeiden, verfügt Ihre<br />

Kamera über einige Weißabgleich-Voreinstellungen,<br />

die an typische Bedingungen von natürlichem und<br />

künstlichem Licht angepasst sind. Die Einstellung<br />

des Weißabgleichs dient nur dem alleinigen Zweck,<br />

unerwünschte Farbstiche zu eliminieren. Die<br />

meisten von Ihnen werden diese Einstellungen<br />

wahrscheinlich nie benutzen, sondern die Kamera<br />

den Weißabgleich automatisch einstellen lassen. Es<br />

lohnt sich aber, für kreative Aufnahmetechniken mit<br />

anderen Voreinstellungen zu experimentieren.<br />

FARBTEMPERATUR<br />

Die Farbe des Lichts wird als „Farbtemperatur“<br />

bezeichnet und auf der Kelvin-Skala (K) gemessen.<br />

Die Farbtemperatur des Tageslichts an einem<br />

sonnigen Tag gilt als neutral und beträgt etwa<br />

5500K, ebenso die eines Elektronenblitzgeräts. Bei<br />

Sonnenaufgang und Sonnenuntergang ist das Licht<br />

wärmer und die Farbtemperatur entsprechend<br />

niedriger bei etwa 3000K. Kerzenlicht hat eine noch<br />

niedrigere Farbtemperatur, sie beträgt etwa 2000K,<br />

Kunstlicht liegt bei etwa 3400K. Ist die<br />

Farbtemperatur des Lichts höher als 5500K, beginnt<br />

es kalt auszusehen. Bei bewölktem Wetter beträgt<br />

die Farbtemperatur etwa 7000K, was etwa der<br />

Farbtemperatur der Schatten von Sonnenlicht<br />

entspricht. In großen Höhen kann die<br />

Farbtemperatur leicht 10000K erreichen.<br />

Wenn Sie den Weißabgleich Ihrer Kamera auf<br />

„Tageslicht“ einstellen und bei Kunstlicht<br />

<strong>Fotografie</strong>ren, erhalten Ihre Bilder einen warmen<br />

Farbstich, weil der Sensor erst ab einer<br />

Farbtemperatur von etwa 5500K natürliche Farben<br />

produziert, die von Kunstlicht jedoch wesentlich<br />

niedriger ist. Umgekehrt weisen Ihre Bilder einen<br />

kalten Farbstich auf, wenn die Farbtemperatur des<br />

Lichts über 5500K beträgt.<br />

Den Weißabgleich ändern<br />

Das Licht während eines Sonnenuntergangs hat etwa 3000K, Licht im Schatten etwa 7000K.<br />

LEE FROST<br />

AUSWAHL DES WEISSABGLEICHS<br />

Da der Weißabgleich entscheidenden<br />

Einfluss auf die Bildfarben hat, erlauben<br />

die meisten Kameras schnellen Zugriff<br />

auf die Einstellungen über eine spezielle<br />

Weißabgleich-Taste. Sie ist meist in den<br />

Vierwegeschalter integriert oder<br />

zumindest in der Nähe angebracht. Hier<br />

wählen Sie eine Weißabgleich-<br />

Voreinstellung aus. Die meisten<br />

Kameras bieten identische<br />

Voreinstellungen, teurere Modelle<br />

bieten auch feinere Abstufungen, z. B.<br />

für das Licht verschiedener<br />

Leuchtstoffröhren<br />

CANON<br />

1) Drücken Sie die Weißabgleich-Taste des<br />

Vierwegeschalters auf der Rückseite der Kamera,<br />

wählen Sie die gewünschte Voreinstellung und<br />

drücken Sie die SET-Taste.<br />

2) Bei neueren Modellen erhalten Sie Zugriff auf die<br />

Weißabgleich-Einstellungen, indem Sie die Q-Taste<br />

drücken.<br />

2<br />

1<br />

NIKON<br />

1<br />

1) Drücken Sie die i-Taste, wählen Sie eine<br />

Voreinstellung mit dem Vierwegeschalter und<br />

bestätigen Sie die Auswahl mit der OK-Taste.<br />

2) Bei älteren Modellen drücken Sie die Weißabgleich-<br />

Taste links vom LCD-Monitor an der Kamerarückseite.<br />

Die Voreinstellungen werden auf der LCD-Anzeige<br />

oben auf dem Kameragehäuse angezeigt.


EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

<strong>Digitale</strong> Kameras verstehen 39<br />

Weißabgleich-Voreinstellungen<br />

AUTO WEISSABGLEICH (AUTO / AWB):<br />

Dies ist die Standard Weißabgleich-<br />

Einstellung, die von den meisten Fotografen<br />

verwendet wird. Die Automatik bewertet die<br />

Ausgewogenheit der Farben einer Szene und versucht<br />

den optimalen Weißabgleich für eine natürliche<br />

Farbgebung zu liefern. Bei Farbtemperaturen zwischen<br />

3000K und 7000K funktioniert dies meist sehr gut,<br />

während ungewöhnliche oder dunkle Lichtverhältnisse<br />

oft eine andere Weißabgleich-Voreinstellung erfordern.<br />

TAGESLICHT: Dieser Einstellung<br />

eignet sich am besten bei<br />

normalem Tageslicht. Sie geht von<br />

einer Farbtemperatur von 5200K aus, die an<br />

einem sonnigen Tag zu erwarten ist. Die<br />

Einstellung eignet sich für das <strong>Fotografie</strong>ren<br />

im Freien, unabhängig von Ihrem Motiv. Bei<br />

Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang<br />

bekommen Ihre Bilder einen wärmeren<br />

Farbton, was aber durchaus von Vorteil ist.<br />

SCHATTEN: Tageslicht ist im Schatten<br />

weicher als im vollen Sonnenlicht. Für<br />

Porträts oder bei Makroaufnahmen kann es<br />

deshalb wünschenswert sein, das Motiv im Schatten<br />

aufzunehmen. Allerdings sehen Ihre Bilder dann<br />

eventuell kälter aus als gewünscht, denn die<br />

Farbtemperatur im Schatten liegt mit etwa 7000K<br />

höher als normales Tageslicht und erzeugt einen<br />

Blaustich. Diesen Effekt können Sie vermeiden,<br />

indem Sie den Weißabgleich auf „Schatten“ einstellen.<br />

ALL IMAGES: LEE FROST PAUL WARD<br />

BEWÖLKT: Falls eine Wolke die Sonne<br />

verdeckt, steigt die Farbtemperatur<br />

leicht auf 6000K, ähnlich der<br />

Farbtemperatur in schattigen Bereichen.<br />

Dadurch könnten Ihre Bilder kühler wirken. Der<br />

Unterschied der Farbtemperatur ist nur gering,<br />

trotzdem ist er auf einem Foto zu erkennen. Bei<br />

bewölktem Himmel liefert die Einstellung<br />

„Bewölkt“ deswegen oft ein ausgeglicheneres<br />

Resultat.<br />

KUNSTLICHT: Würden Sie bei<br />

Kunstlicht die Weißabgleich-Einstellung<br />

für Tageslicht benutzen, hätten Ihre<br />

Bilder einen Gelbstich, denn die Farbtemperatur<br />

des Kunstlichts ist sehr niedrig, etwa zwischen<br />

3200K und 3400K. Obwohl der automatische<br />

Weißabgleich normalerweise ausgeglichene<br />

Farben liefert, ist die Kunstlicht-Einstellung<br />

sinnvoll. Allerdings kann einfallendes Tageslicht<br />

einen Blaustich erzeugen.<br />

LEUCHTSTOFF: Licht aus Leuchtstoffröhren<br />

ist schwierig auszubalancieren, weil es<br />

verschiedene Arten von Leuchtstoffröhren<br />

gibt, die unterschiedliche Farbtemperaturen haben und<br />

die sich zu allem Überfluss auch noch mit<br />

zunehmendem Alter der Leuchtstoffröhre ändern. Die<br />

entsprechende Voreinstellung arbeitet mit einem<br />

Durchschnittswert, der meistens ein annehmbares<br />

Ergebnis erzeugt. Um den vorhandenen Grünstich zu<br />

kompensieren, wird dem Licht Magenta hinzugefügt.<br />

ISTOCK PHOTO<br />

ISTOCK PHOTO<br />

ISTOCK PHOTO<br />

BLITZ: Der Elektronenblitz – ganz gleich ob<br />

der in die Kamera integrierte Blitz, ein<br />

separates Blitzgerät oder ein Studioblitz –<br />

erzeugt Licht mit einer Farbtemperatur, die Tageslicht<br />

sehr ähnlich ist, also etwa 5500K bis 6000K. Sie können<br />

also mit dem Tageslicht-Weißabgleich fotografieren,<br />

insbesondere wenn sich das Blitzlicht mit Tageslicht<br />

vermischt. Ist der Blitz die einzige Lichtquelle, lohnt sich<br />

die Voreinstellung „Blitz“, weil sie dem Blitzlicht genauer<br />

angepasst ist.<br />

ANGEPASST: Mit dieser Einstellung erzeugen Sie<br />

einen Weißabgleich, welcher auf der Farbbalance<br />

in einer spezifischen Situation basiert. Dazu<br />

machen Sie ein Testfoto mit einer Weiß- oder Graukarte und<br />

lassen die Kamera den Weißabgleich justieren, sodass die<br />

Karte neutral abgebildet wird. Dadurch werden Farbstiche<br />

von Bildern eliminiert, die unter gleichen Lichtverhältnissen<br />

aufgenommen wurden. Der angepasste Weißabgleich wird<br />

oft benutzt, wenn unter besonderen Lichtverhältnissen eine<br />

hohe Farbtreue benötigt wird.<br />

MANUELL: Die letzte Möglichkeit<br />

für eine exakte Farbbalance besteht<br />

darin, die Farbtemperatur des<br />

Umgebungslichts zu messen und die<br />

Kamera manuell auf diesen Kelvin-Wert<br />

einzustellen. Dazu benötigen Sie jedoch ein<br />

Farbtemperaturmessgerät, das nicht zur<br />

Standardausrüstung von<br />

Amateurfotografen zählt.


40 <strong>Digitale</strong> Kameras verstehen EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

Eigene Einstellungen<br />

Kennen Sie das Setup-Menü und die<br />

anpassbaren Funktionen Ihrer Kamera? In<br />

diesen Menüs verstecken sich Einstellungen,<br />

mit denen Sie auf alle existierenden<br />

Funktionen Einfluss nehmen können. Es<br />

lohnt sich, einige Zeit darauf zu verwenden,<br />

die Einstellungen so anzupassen, dass die<br />

Kamera genau die Art Ergebnisse liefert, die<br />

Sie sehen wollen.<br />

Dateinummerierung<br />

Mit dieser Einstellung<br />

entscheiden Sie, ob mit jeder<br />

eingelegten Speicherkarte der<br />

Neubeginn der<br />

Nummerierung erfolgen soll,<br />

oder ob die Nummerierung<br />

kontinuierlich weiter laufen soll. Wir<br />

empfehlen die kontinuierliche Nummerierung,<br />

denn sonst besteht die Gefahr, dass Sie<br />

unterschiedliche Bilder mit demselben<br />

Dateinamen auf dem Computer haben, und das<br />

kann zu versehentlichem Übereinanderkopieren<br />

führen, was dazu führt, dass mindestens eines<br />

der Bilder mit identischem Namen<br />

unwiederbringlich verloren ist. Da helfen auch<br />

keine Datenrettungsprogramme mehr. Bei<br />

manchen Kameras können Sie die<br />

Buchstabenkombination, mit der die<br />

Dateinamen beginnen, ändern. Sie können<br />

beispielsweise Ihre Initialen verwenden.<br />

Setup eigener Bedienelemente<br />

Wenn Ihre Kamera mit zwei Einstellrädern<br />

ausgestattet ist, kann es<br />

lästig sein, dass das mit<br />

dem Daumen zu<br />

betätigende Einstellrad<br />

oben am Gehäuse die<br />

Verschlusszeit steuert und<br />

das Fronteinstellrad mit<br />

dem Zeigefinger bedient werden muss.<br />

Manche Kameras erlauben jedoch, diese<br />

Funktionalitäten zu vertauschen. Oft können Sie<br />

auch aussuchen, in welche Richtung das Rad<br />

gedreht werden kann, um die entsprechenden<br />

Einstellwerte zu verringern oder zu erhöhen.<br />

Manche Olympus-Modelle lassen Ihnen sogar<br />

die Wahl, in welche Richtung der<br />

Scharfeinstellring gedreht werden soll.<br />

Hörbarer Piepton<br />

Die einen wollen eine<br />

Rückmeldung der<br />

Kamera in Form eines<br />

Pieptons, wenn die<br />

korrekte Schärfe<br />

eingestellt ist, die anderen irritiert<br />

dieser Ton. Wenn Sie zur zweiten Gruppe<br />

gehören, suchen Sie im Menüsystem Ihrer<br />

Kamera die Einstellmöglichkeit, mit der Sie den<br />

Ton abschalten können.<br />

Raster im Sucher<br />

Wenn Sie zu den Leuten<br />

gehören, die Ihre Kamera<br />

nie gerade halten<br />

können, so dass Sie<br />

immer mit einem<br />

kippenden Horizont zu<br />

kämpfen haben,<br />

werden Sie das Einblenden eines<br />

Rasters in das Sucherbild begrüßen. Manche<br />

Hersteller zeigen das Raster im Live-View, was<br />

besonders in der Architekturfotografie von<br />

Nutzen ist.<br />

Funktionsknopf<br />

Viele Kameras bieten<br />

einen Funktionsknopf,<br />

den Sie mit bestimmten<br />

Funktionen belegen<br />

können. Das kann die<br />

Aktivierung des Live-Views, das Umschalten in<br />

den Raw-Modus, das Aktivieren einer<br />

bestimmten Belichtungsmessmethode oder ein<br />

bestimmter Autofokus-Modus sein.<br />

Nehmen Sie die Kameravoreinstellungen<br />

Ihren Bedürfnissen entsprechend vor<br />

Lernen Sie Neues über Ihre Kamera, das Ihre Gewohnheiten,<br />

wie Sie fotografieren, verbessern wird – garantiert!<br />

Auto-ISO-Modus<br />

Als man noch auf Film fotografierte, wurde der ISO-Wert beim Einlegen des Films<br />

in die Kamera automatisch eingestellt, und das war`s dann für die nächsten 36<br />

Bilder. In der Digitalfotografie ist aus dem ISO-Wert eine weitere Einstellvariable<br />

geworden, ganz wie Blendenwerte und Verschlusszeiten. Sie können den<br />

ISO-Wert je nach Kamera in Halb- oder Drittelschritten über einen Bereich von<br />

sieben Blendenstufen ändern. Das ist mehr als der Blendenbereich mancher<br />

Standard-Zoomobjektive.<br />

Damit der ISO-Wert als Variable nutzbar wird, haben die meisten Digitalkameras<br />

eine automatische ISO-Einstellung, bei der der ISO-Wert automatisch angehoben<br />

wird, wenn sich die Lichtverhältnisse verschlechtern. Das gewährleistet Verschlusszeiten, die kurz genug sind, damit das<br />

Foto nicht verwackelt. Manche Pentax-Modell haben sogar einen ISO-Prioritätsmodus (SAv), bei dem Verschlusszeit und<br />

Blende fest eingestellt bleiben und sich nur der ISO-Wert den Lichtverhältnissen anpasst.<br />

Die automatische ISO-Einstellung ist besonders nützlich für Straßenfotografen. Wenn das Licht sich ändert und Sie schnell<br />

arbeiten müssen, haben Sie nicht immer die Gelegenheit, zu überprüfen, ob die Verschlusszeit kritisch langsam geworden<br />

ist oder nicht und Sie gegebenenfalls den ISO-Wert vergrößern sollten. Warum lassen Sie das nicht die Kamera erledigen?<br />

Bei vielen Digitalkameras können Sie die automatische ISO-Einstellung sogar anpassen, indem Sie eine minimale<br />

Verschlusszeit festlegen, bei deren Unterschreiten die Kamera stattdessen den ISO-Wert ändert. Ebenso können Sie den<br />

maximalen ISO-Wert festlegen. Das ist wichtig, denn je höher der ISO-Wert steigt, desto mehr Abstriche müssen Sie wegen<br />

des sich verstärkenden Bildrauschens an der Bildqualität vornehmen. Experimentieren Sie mit diesen Einstellungen, damit<br />

Sie Ihr eigenes „ISO-Limit“ herausfinden, die Einstellung, die für Sie noch akzeptable Resultate liefert, die aber nicht mehr<br />

schlechter werden dürfen. Sind Sie glücklicher Besitzer einer Vollformat-Kamera wie der Canon EOS 5D MkII oder der<br />

Nikon D700 – dann kann der ISO-Wert ohne Weiteres auf 3200 oder sogar höher steigen. Bei den meist verbreiteten<br />

Kameras jedoch dürfte ein realistischer ISO-Wert zwischen 640 und 800 liegen.<br />

Live-View-Modus<br />

Der Live-View ist eine Funktionalität, mit deren Hilfe Sie die<br />

Bildkomposition am in der Kamera eingebauten Monitor<br />

vornehmen und nicht durch den Kamerasucher. Als die Live-View<br />

Funktion noch wenig verbreitet war, wurde sie von vielen als<br />

Spielerei belächelt, doch mittlerweile haben sich mehr und mehr<br />

Anwendungen dafür ergeben. Die Offensichtlichste ist das<br />

Ausprobieren unterschiedlicher Blickwinkel, ohne dass Sie sich<br />

groß bewegen müssten. <strong>Fotografie</strong>ren von unten oder über den<br />

Kopf in einer Menschenmenge ist wesentlich einfacher geworden.<br />

Doch es gibt noch weitere Vorteile: Für viele ist es einfacher, die<br />

beste Bildkomposition zu finden, wenn sie den Monitor und nicht<br />

den Sucher verwenden. Und wenn Sie die Kamera auf<br />

schwarzweiß stellen, sehen Sie Ihr Motiv auch auf dem Bildschirm<br />

in schwarzweiß. Bei manchen Kameras – Canon und Pentax sind<br />

hier zu nennen – funktioniert der Live-View sogar, wenn Sie die<br />

Blende einstellen. Sie haben also eine <strong>Vorschau</strong> auf den<br />

Tiefenschärfebereich und den Effekt von Graufiltern.<br />

OBEN: Der Live-View ist nützlich für die<br />

Bildkomposition.<br />

ISTOCK PHOTOS


EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

<strong>Digitale</strong> Kameras verstehen 41<br />

ROSS HODDINOTT<br />

Auto-Kontrollanzeige<br />

aus<br />

Eine Funktion, die<br />

ähnlich zwiespältige<br />

Reaktionen wie der<br />

Piepton hervorruft, ist<br />

die automatische Anzeige<br />

des jeweils letzten Bildes auf dem<br />

Kameramonitor, unmittelbar nachdem es<br />

geschossen wurde. Das verbraucht nicht nur<br />

mehr Strom, es kann auch stark ablenken,<br />

wenn Sie durch den Sucher schauen. Noch<br />

ein weiterer Grund spricht für das abschalten<br />

dieser Funktion: Während Sie das Bild<br />

betrachten, verpassen Sie womöglich die<br />

Chance für weitere gute Fotos desselben<br />

Motivs. Manche Kameras verfügen auch über<br />

eine automatische Ausschaltfunktion, die<br />

Strom sparen soll. Auch Sie kann nach<br />

Wunsch deaktiviert werden oder man kann<br />

das Zeitintervall verändern.<br />

Bildstile/Filtereffekte<br />

Das Großartige an der Digitalfotografie ist, dass Sie Faktoren wie<br />

Farbsättigung, Kontrast und Schärfe voll unter Kontrolle haben, wenn<br />

Sie Bilder am Computer nachbearbeiten – aber haben Sie auch<br />

gewusst, dass Sie das schon in der Kamera tun können? Die meisten<br />

Kameras bieten die Möglichkeit, die oben genannten Parameter zu<br />

verstellen. Das reicht von Voreinstellungen wie Quer- oder Hochformat<br />

bis hin zu bestimmten Kombinationen von Farbsättigung, Kontrast<br />

und Schärfe. Wenn Ihre Kamera die manuelle Steuerung der<br />

Bildparameter bietet, sollten Sie hier anfangen: Versuchen Sie, die<br />

Farbsättigung soweit zu senken, dass Sie fast ein Schwarzweiß-Bild<br />

haben, dann verstärken Sie den Kontrast so weit wie möglich. Das<br />

ergibt ein hartes, grobkörniges Erscheinungsbild – ein Effekt, der sich<br />

hervorragend für Porträts eignet. Bei Landschaftsbildern sollten Sie<br />

die Einstellungen vertauschen – soviel Farbsättigung wie möglich bei<br />

normalem Kontrast.<br />

Benutzen des Histogramms<br />

Wenn Sie ein Foto mit Ihrer Kamera gemacht haben, ist das erste, was<br />

Sie danach tun, sich das Bild auf dem Kameramonitor anzusehen.<br />

Nichts ist falsch daran – das ist eigentlich der größte Vorteil der<br />

Digitalfotografie . Doch können Sie dem Bild, das Ihnen dieser Monitor<br />

liefert, wirklich trauen? Ja und nein, sollte man hier antworten. Sie<br />

können es vergrößern und überprüfen, ob die Schärfe korrekt ist, Sie<br />

können den Bildausschnitt und die Bildkomposition überprüfen. Doch<br />

wenn es um die Belichtung geht, zeigt dieser eher bescheidene<br />

Bildschirm nicht immer die Realität. Das liegt am Einfluss des<br />

Umgebungslichts – hellen Sonnenlicht lässt Fotos immer unterbelichtet<br />

aussehen, eine dunkle Umgebung macht das Monitorbild heller.<br />

Unbestechlich ist dagegen das Histogramm der Kamera. Dabei handelt<br />

es sich um eine grafische Repräsentation der Farbverteilung in dem<br />

aufgenommenen Foto: Die X-Achse zeigt die Farbtöne von Pechschwarz<br />

auf der linken Seite bis zu Schneeweiß auf der rechten Seite. Auf der<br />

Y-Achse ist die Zahl der Pixel eines bestimmten Farbtons abgetragen.<br />

Man sollte diese Darstellung im Hinblick auf bestimmte Trends<br />

interpretieren, nicht anhand der „harten“ Daten. Ein durchschnittliches<br />

Motiv, richtig belichtet und mit einer Vielfalt an Farben, sollte eine<br />

einigermaßen gleichmäßige Verteilung der Töne im Histogramm<br />

aufweisen. Ist das Foto unterbelichtet, wird ein Schwerpunkt auf der<br />

linken Seite (Schwarz) sichtbar sein, bei Überbelichtung auf der rechten<br />

(weißen) Seite. Dieses Histogramm ist ein viel genauerer Indikator für die<br />

Qualität der Belichtung, als ein noch so genauer Blick auf das Bild selbst.<br />

Allerdings gilt das nur für „durchschnittliche“ Motive. In einer Szene mit<br />

Extremen – also überwiegend dunkle oder überwiegend helle<br />

Farbtöne – wird das Histogramm natürlich zu der einen oder anderen<br />

Seite der Skala neigen. Doch auch hier gilt: Wenn Sie wissen, wonach Sie<br />

im Histogramm suchen, können Sie feststellen, wie nahe Sie an der<br />

richtigen Belichtung sind. Weitere Informationen zum Histogramm<br />

finden Sie auf Seite 60.<br />

OBEN: Bestimmen Sie einen<br />

Bildstil im Menü und wählen aus<br />

den Optionen aus.<br />

Helle Szene<br />

Durchschnittliche Szene<br />

Dunkle Szene<br />

Auslösen ohne<br />

Speicherkarte<br />

Dies ist eine<br />

Einstellung, die Sie<br />

einmal überprüfen und<br />

dann nie wieder<br />

anfassen sollten. Es<br />

ist absolut davon<br />

abzuraten, die Kamera in einen Zustand<br />

zu bringen, in dem sie ohne eingelegte<br />

Speicherkarte auslösen kann. Was soll das?<br />

Es ist nur eine Frage der Zeit, bis Sie die<br />

Bildserie Ihres Lebens geschossen haben –<br />

und kein einziges Foto gespeichert wurde<br />

AF/AE Lock<br />

Eine der nützlichsten<br />

Funktionen Ihrer<br />

Kamera ist die, die<br />

festlegt, wie die AFund<br />

AE-<br />

Verriegelungsfunktionen<br />

arbeiten sollen. Da hat jeder Fotograf seine<br />

eigenen Vorstellungen, und deswegen ist es<br />

gut, dass Sie die Arbeitsweise anpassen<br />

können. Was soll beispielsweise passieren,<br />

wenn Sie den Auslöser halb herunterdrücken?<br />

Sollen beide, Scharfeinstellung und<br />

Belichtungsparameter verriegelt werden?<br />

Oder nur die Scharfeinstellung? Oder nur die<br />

Belichtung? Vielleicht wollen Sie aber die<br />

Belichtung durch Drücken des AE-L Knopfes<br />

verriegeln? Oder die Verriegelung soll erfolgen,<br />

wenn Sie den Knopf drücken, aufrecht<br />

erhalten bleiben und erst entriegeln, wenn Sie<br />

den Knopf ein zweites Mal drücken? Wie auch<br />

immer Ihre Präferenzen sein mögen, die<br />

meisten Kameras können Ihren Vorstellungen<br />

entsprechend angepasst werden.<br />

Bildschirmhelligkeit<br />

Probleme mit der<br />

Erkennbarkeit des<br />

Bildschirms im grellen<br />

Sonnenlicht? Sie<br />

können die Helligkeit<br />

verstärken, indem Sie<br />

den entsprechenden Menüpunkt des<br />

Kameramenüs auswählen. Oder Sie regeln<br />

die Helligkeit herunter, wenn Sie die<br />

Akkubetriebszeit verlängern wollen oder wenn<br />

Sie in dunkler Umgebung<br />

arbeiten.<br />

Eigenes Menü einrichten<br />

Wenn Sie bis hierher<br />

gelesen haben und ein<br />

paar neue Dinge über<br />

Ihre Kamera herausgefunden<br />

haben, haben Sie ganz nebenbei auch viel<br />

darüber erfahren, wie Ihre Kamera<br />

funktioniert. Vielleicht sind Sie aber auch<br />

irritiert, weil Sie sich nicht erinnern können,<br />

welches Menü eine bestimmte Funktion<br />

enthält. Für diesen Fall bieten einige Kameras<br />

ein individuell erstellbares Menü, oft „My<br />

Menu“ genannt. Probieren Sie’s aus.


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EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

Die Grundlagen 43<br />

GRUNDLAGEN<br />

DER FOTOGRAFIE<br />

WESENTLICHE PRINZIPEN FÜR DIE BESTEN BILDER IHRES LEBENS<br />

BILDKOMPOSITION<br />

VERSTEHEN<br />

SOUVERÄNER UMGANG<br />

MIT DER BLENDE<br />

BEWEGUNG<br />

EINFANGEN


44 Die Grundlagen EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

Bildkomposition<br />

Die richtige Anordnung der Elemente Ihres Motivs ist entscheidend für die Wirkung des Fotos.<br />

Wenn Sie dafür ein paar einfache Grundregeln beachten, kann kaum etwas schiefgehen.<br />

LEE FROST<br />

ISTOCKPHOTO<br />

KREATIVES ZUSCHNEIDEN<br />

Obwohl die gewünschte Bildkomposition eigentlich<br />

schon vor der Aufnahme vorgenommen werden<br />

sollte, ist die Möglichkeit des nachträglichen<br />

Zuschneidens einer der Vorteile der Digitalfotografie.<br />

Es passiert gelegentlich, dass Ihnen erst bei der<br />

Nachbearbeitung am Computer die optimale<br />

Bildkomposition einfällt, obgleich das nicht zur Regel<br />

werden sollte. In solchen Fällen kann ein neuer<br />

Zuschnitt dem Motiv einen ganz neuen Charakter<br />

geben. Vielleicht sehen Sie erst in der<br />

Nachbearbeitung, dass ein Foto im Querformat<br />

besser wirkt als im Hochformat, was bei der<br />

Aufnahme nicht aufgefallen war. Doch nicht nur<br />

<strong>Landschaftsfotos</strong> können durch Zuschnitt verbessert<br />

werden, sondern auch Architektur, Stillleben,<br />

abstrakte Motive und sogar Porträts. Ein quadratischer<br />

Zuschnitt beispielsweise ändert die Stimmung eines<br />

Bildes, weil die totale Symmetrie mehr<br />

Ausgewogenheit und Ruhe erzeugt.<br />

Experimente mit verschiedenem Zuschnitt machen<br />

Spaß und können produktiv sein. Sie brauchen sich<br />

keine Sorgen zu machen, ein Foto zu ruinieren, wenn<br />

Sie noch die Originalversion haben.<br />

SYMMETRIEN FINDEN<br />

Die Suche nach Symmetrien kann die Regeln<br />

der Bildkomposition verletzen, weil sie oft dazu<br />

führt, dass der Horizont und die Hauptelemente<br />

eines Motivs ins Zentrum des Bildes gerückt<br />

werden. Wird dies jedoch mit der „richtigen“<br />

Szene gemacht, sodass es dem Motiv zugute<br />

kommt, können fantastische Bilder entstehen.<br />

Spiegelungen sind eine häufige Form der<br />

Symmetrie, der man kaum widerstehen kann<br />

– versuchen Sie einmal ein Porträt im<br />

Spiegelkabinett eines Jahrmarkts. In Architektur<br />

und Konstruktion werden Sie viele Symmetrien<br />

finden, seien es Hängebrücken, Bürogebäude,<br />

die Stelen eines Landungssteges oder die<br />

Verstrebungen von Strommasten. Die Natur<br />

bietet Symmetrien z. B. in den Bäumen einer<br />

Allee, der Anordnung von Pilzen auf einem<br />

Baumstumpf oder in Form von Spinnennetzen.<br />

Entscheidend bei der Aufnahme von<br />

Symmetrien ist der richtigen<br />

Kamerastandpunkt. Ist die Symmetrie „real“ und<br />

nicht durch eine Spiegelung erzeugt, wird es<br />

fast immer nur einen einzigen Standpunkt<br />

geben, von dem die Symmetrie erkennbar ist<br />

und von dem aus sie fotografiert werden sollte.<br />

Es versteht sich von selbst, dass die Kamera bei<br />

der Aufnahme genauestens horizontal oder an<br />

einer Symmetrieachse ausgerichtet werden<br />

muss.<br />

Wenn sich gar keine Symmetrie finden lässt,<br />

kann sie in der Nachbearbeitung erzeugt<br />

werden. Dazu schneiden Sie die Hälfte des<br />

Bildes aus, kopieren es, spiegeln die kopierte<br />

Hälfte und fügen Sie mit dem<br />

Verschieben-Werkzeug an die Originalhälfte an<br />

– voilà, perfekte Symmetrie, künstlich<br />

erschaffen. Diese Arbeitstechnik hat sich bei<br />

Architekturmotiven bewährt, ergibt aber auch<br />

bei Porträtfotos einen faszinierenden Effekt.<br />

EINEN MASSSTAB ERZEUGEN<br />

Um den Eindruck von Distanz und Tiefe im Bild hervorzurufen, besteht eine<br />

Methode darin, Elemente einzubeziehen, die der Szene einen Maßstab geben.<br />

Erwachsene Menschen sind zu diesem Zweck gut geeignet, weil sie mehr oder<br />

weniger gleich groß wirken. Wenn Sie das Foto eines Wasserfalls betrachten, vor<br />

dem ein Mensch zwergenhaft wirkt, muss der Wasserfall sehr hoch sein. Ohne die<br />

Person im Bild hätten Sie keine Vergleichsmöglichkeit und könnten keine<br />

Aussage über die Höhe des Wasserfalls treffen. Andere Objekte von relativ<br />

konsistenter Größe eignen sich ebenso gut, um einen Maßstab in ein Bild<br />

einzuführen, seien es Bäume, Gebäude, oder Tiere.<br />

Um den stärksten Effekt zu erzielen, bilden Sie das Maßstabs-Objekt sehr klein<br />

ab. Nutzen Sie ein Teleobjektiv, um die Perspektive so zu komprimieren, dass<br />

kleine und große Bildelemente näher beieinander liegen. Weitwinkelobjektive<br />

sind ungeeignet, denn sie kehren den Effekt um, weil Objekte im Vordergrund<br />

größer erscheinen als im Hintergrund.<br />

Es gibt auch Gelegenheiten, wenn der Betrachter die tatsächliche Größe eines<br />

Objekts nicht erkennen soll. In diesem Fall vermeiden Sie einen Maßstab, um den<br />

gegenteiligen Effekt zu erzeugen. Die Wellenmuster auf einem Sandstrand bei<br />

Ebbe können z. B. für Sanddünen einer Wüste gehalten werden, oder die<br />

Nahaufnahme eines Felsbrockens für die Luftaufnahme eines zerklüfteten<br />

Geländes. Ohne einen Maßstab im Bild ist der Unterschied nicht zu erkennen.<br />

LEE FROST


EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

Die Grundlagen 45<br />

PERSPEKTIVE<br />

Obwohl die <strong>Fotografie</strong> ein zweidimensionales Medium<br />

ist, können wir durch geschicktes Ausnutzen der<br />

Perspektive den Eindruck von Dreidimensionalität<br />

herstellen. Am einfachsten ist dies, wenn sich Objekte<br />

im Bild überlagern; wenn sich beispielsweise Berge<br />

teilweise gegenseitig verdecken, muss logischerweise<br />

ein Abstand zwischen ihnen vorhanden sein. Es gibt<br />

jedoch effizientere Verfahren, Dreidimensionalität<br />

vorzutäuschen. Je weiter sich ein Objekt von uns<br />

entfernt befindet, desto kleiner erscheint es uns.<br />

Wenn Sie direkt neben einem Gebäude stehen, wird es<br />

Sie für einen entfernt stehenden Betrachter „haushoch“<br />

überragen, doch wenn Sie nur ein paar Meter auf den<br />

Betrachter zu laufen, wird das Gebäude relativ zu Ihnen<br />

immer kleiner werden. Deswegen erzeugt ein<br />

interessanter Vordergrund in einem mit<br />

Weitwinkelobjektiv aufgenommenen Landschaftsfoto<br />

einen so starken Eindruck von Entfernung und Tiefe.<br />

Ein Holztor beispielsweise, das im Vordergrund zu<br />

sehen ist, sieht viel größer aus als die Berge in der<br />

Landschaft, also müssen die Berge weit entfernt sein.<br />

Ein anderer Trick, um „reale“ Perspektive zu erzeugen,<br />

besteht darin, eine Reihe von Objekte ähnlicher Größe<br />

zu fotografieren, das klassische Beispiel ist die mit<br />

Bäumen bestandene Allee. Der Baum am nächsten vor<br />

der Kamera erscheint am größten, der am weitesten<br />

entfernte Baum am kleinsten, die Größe der Bäume<br />

dazwischen nimmt graduell ab.<br />

Die Wirkung einer Aufnahme aus großer Höhe und<br />

Entfernung beruht darauf, dass die Intensität der Farben<br />

aufgrund der Dichte der Atmosphäre abnimmt. Wenn<br />

Sie bei Sonnenaufgang von einem Berggipfel auf die<br />

umliegenden Berge schauen, erscheinen die Berge<br />

direkt vor der Kamera dunkler als die weiter entfernten;<br />

dasselbe gilt für Bäume im Nebel oder eine hügelige<br />

Landschaft, die sich zum Horizont erstreckt. Um den<br />

Effekt zu verstärken, nutzen Sie ein Teleobjektiv und<br />

positionieren die entfernten Teile der Szene in die<br />

Bildmitte.<br />

Umgekehrt kann der Eindruck einer Luftaufnahme<br />

durch bewussten Einsatz von Farbe hervorgerufen<br />

werden. Objekte mit kühlen Farben wie Blau und Grün<br />

scheinen weiter entfernt zu sein, Objekte mit warmen<br />

Farbtönen wie Rot, Orange und Gelb wirken kürzer<br />

entfernt. Sie können diesen Effekt ausnutzen und in Ihre<br />

Bildkomposition einbeziehen, z. B. indem Sie<br />

Frühlingsblumen vor grünem Blattwerk und blauem<br />

Himmel fotografieren.<br />

LEE FROST LEE FROST


46 Die Grundlagen EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

ISTOCK PHOTO<br />

DIE DRITTELREGEL<br />

Die wohl einfachste Regel für eine ausgewogene, dem<br />

Auge gefällige Bildkomposition ist die Drittelregel. Sie<br />

beruht auf der Proportion des „Goldenen Schnitts“, ist<br />

also schon sehr alt und liefert ein solides Fundament für<br />

Ihre Bildkomposition.<br />

Die Drittelregel besagt: Teilen Sie das Sucherbild der<br />

Kamera durch zwei horizontale und zwei vertikale<br />

Linien in ein Raster von neun gleichen Feldern ein. Falls<br />

Ihre Kamera über ein zuschaltbares Bildraster verfügt, ist<br />

dieses ggf. schon nach der Drittelregel ausgerichtet und<br />

teilt den Bildbereich in drei horizontale und drei vertikale<br />

Streifen. Die Streifen bzw. Schnittpunkte der Linien<br />

dienen als Orientierungshilfe, um die Elemente einer<br />

Szene optimal zu positionieren.<br />

Wenn Ihr Motiv einen Fixpunkt enthält, z. B. eine<br />

Scheune auf einem Feld, ein Boot auf einem See oder<br />

einen einzelner Baum auf einem Hügel, können Sie<br />

diesen genau auf einen der vier Schnittpunkte des<br />

Rasters platzieren; das wirkt meistens besser als direkt in<br />

der Bildmitte. Bei <strong>Landschaftsfotos</strong> ist der obere rechte<br />

Schnittpunkt am besten geeignet, weil das menschliche<br />

Auge dazu neigt, ein Bild von links unten nach rechts<br />

oben zu betrachten bzw. zu „lesen“, also von links nach<br />

rechts. Wenn Sie den Fixpunkt nach rechts oben<br />

verlagern, hat unser Blick schon den größten Teil des<br />

Bildes erfasst, bevor es den Fixpunkt erreicht, auf dem er<br />

länger verweilen wird. Wenn Sie allerdings den<br />

einsamen Spaziergänger am Strand aufnehmen, ist der<br />

Schnittpunkt rechts unten besser, besonders wenn es<br />

einen interessanten Himmel über der Szene gibt.<br />

Die Anwendung der Drittelregel muss keineswegs<br />

auf die Landschaftsfotografie beschränkt werden,<br />

sondern funktioniert auch bei Porträts. Sie können die<br />

Bildkomposition so gestalten, dass Augen oder Kopf der<br />

Person auf einem der Schnittpunkte des Bildrasters<br />

liegen; dasselbe gilt für Makrofotos,<br />

Architekturaufnahmen, Actionbilder und sogar für<br />

abstrakte Motive.<br />

Die von der Drittelregel vorgegebenen Linien können<br />

auch dazu verwendet werden, eine ausgewogenere<br />

Bildkomposition zu erreichen. Beispielsweise ist die<br />

Versuchung groß, den Horizont genau in die Bildmitte<br />

zu legen, obwohl er am Anfang des oberen Drittels<br />

besser wirkt, da er so den Vordergrund betont. Soll der<br />

Himmel Teil des Hauptmotivs sein, verlegen Sie den<br />

Horizont stattdessen auf die Oberkante des unteren<br />

Drittels. Halten Sie sich nicht nur bei der Horizontlinie an<br />

diese Grundregel, sondern benutzen Sie sie auch bei<br />

anderen Linien, ganz gleich, ob es sich um natürliche<br />

oder angenommene Linien in einer Szene handelt.


EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

Die Grundlagen 47<br />

LEE FROST<br />

Sinngemäß gilt für die vertikalen Bildlinien dasselbe.<br />

Befindet sich ein Baum oder ein Mensch im<br />

Vordergrund, platzieren Sie ihn auf die rechte, vertikale<br />

Linie, damit der Blick, von links kommend, darauf<br />

verweilen kann. Die Drittelregel ist selbstverständlich<br />

auch mehrfach in einem Bild anwendbar. Sie<br />

positionieren den Horizont und den Fixpunkt, oder<br />

mehrere Fixpunkte einer Szene. Andererseits sollten Sie<br />

sich nicht sklavisch an eine wie auch immer geartete<br />

Regel halten. Falls Ihre Bildkomposition sich nicht damit<br />

verträgt, geben Sie der Bildkomposition den Vorrang,<br />

doch wenn beide zusammenpassen, benutzen Sie die<br />

Regel.<br />

Generell sollten Sie eine recht gute Vorstellung von<br />

der Wirkung des Bildes haben, das Sie erzielen wollen. Es<br />

wird nicht lange dauern, dann folgen Sie instinktiv der<br />

angemessenen Prozedur, und die richtige<br />

Bildkomposition stellt sich automatisch ein. Je mehr Sie<br />

<strong>Fotografie</strong>ren, umso eher werden Sie dieses Stadium<br />

erreichen.<br />

ATTRAKTIVER VORDERGRUND<br />

Der Vordergrund, also der Bildbereich direkt vor<br />

der Kamera, ist ein entscheidender Bestandteil<br />

guter Bildkomposition. Ein attraktiver<br />

Vordergrund ist aus mehreren Gründen<br />

wichtig. Erstens sorgt er für den Eindruck von<br />

Tiefe im Bild, zweitens liefert er dem Betrachter<br />

einen Einstieg in die Bildkomposition, von dem<br />

aus der Blick bis zum Hintergrund durch die<br />

Szene wandern kann. Der Vordergrund enthält<br />

mehr Informationen als der Rest der Szene. Da<br />

sein Abstand zur Kamera kürzer ist, wird er<br />

weniger durch atmosphärischen Dunst oder<br />

Nebel beeinträchtigt als weiter entfernte<br />

Bereiche, zumindest in der<br />

Landschaftsfotografie. Der Einfluss der<br />

Vordergrunds auf das Bild hängt wesentlich<br />

vom benutzten Objektiv ab – je weiter das<br />

Gesichtfeld, umso prominenter der<br />

Vordergrund. Moderate<br />

Weitwinkelbrennweiten zwischen 15mm und<br />

18mm (entsprechend 24 – 28mm im<br />

Kleinbildformat) sind ideal, denn sie bringen<br />

genug interessanten Vordergrund ins Bild,<br />

ohne dass der Rest der Szene sich in der Distanz<br />

verlieren würde. Kleinere Brennweiten führen<br />

zwar zu eindrucksvoller Präsenz des<br />

Vordergrunds, doch Sie müssen sehr nah<br />

heran, sonst ist es sehr schwer, eine geeignete<br />

Bildkomposition zu finden.<br />

Im Hochformat können Sie viel Vordergrund<br />

in der Vertikalen darstellen, was den<br />

Bildeindruck stark verändern kann, besonders,<br />

wenn der Vordergrund gut erkennbare,<br />

vertikale Linien beinhaltet. Wie aber macht man<br />

einen Vordergrund attraktiv? Dazu ist fast jedes<br />

Objekt geeignet – Felsbrocken, ein Fluss,<br />

Mauern, Tore, Zäune, Bäume, Boote,<br />

Blumenbeete, Spiegelungen und Menschen.<br />

Bildelemente, die eine natürliche Linie<br />

erzeugen oder eine Linie implizieren, sind am<br />

besten, denn sie leiten das Auge des<br />

Betrachters in die Szene hinein. Am Wichtigsten<br />

ist: Der Vordergrund muss attraktiv sein, damit<br />

Ihr Bild Interesse weckt. Vermeiden Sie aber<br />

einen zu überladenen Vordergrund, der vom<br />

Hauptmotiv und dem Rest der Szene ablenkt.<br />

Zur Schärfe: Bei Landschaftsaufnahmen soll<br />

die gesamte Szene von vorn bis hinten scharf<br />

abgebildet werden. Wenn Sie einen<br />

Vordergrund dicht vor der Kamera haben,<br />

müssen Sie sorgsam vorgehen, um die<br />

optimale Schärfe für das gesamte Bild zu<br />

erreichen. Das Scharfstellen auf die hyperfokale<br />

Entfernung ist die beste Methode, die<br />

Schärfentiefe zu maximieren, ohne die kleinste<br />

Blende nutzen zu müssen. Es bedeutet, Sie<br />

fokussieren auf eine bestimmte Entfernung, um<br />

den Schärfentiefebereich für eine vorgegebene<br />

Brennweite und Blende zu maximieren. Bei<br />

Blende f/11 ergeben sich für verschiedene<br />

Brennweiten folgende hyperfokalen<br />

Entfernungen:<br />

Für Kameras mit APS-C Sensor:<br />

10mm = 0,5m; 12mm = 0,7m;<br />

16mm = 1,2m; 20mm = 1,8m;<br />

24mm = 2,5m; 28mm = 3,5m.<br />

Vollformat-Kameras:<br />

16mm = 0,7m; 20mm = 1,1m;<br />

24mm = 1,6m; 28mm = 2,2m;<br />

35mm = 3,5m.<br />

Wenn Sie also mit Blende f/11 und einer<br />

dieser Brennweiten auf die dazu angegebene<br />

Entfernung scharfstellen, reicht Ihre<br />

Schärfentiefe von der halben angegebenen<br />

Entfernung bis Unendlich. Ganz einfach!


48 Die Grundlagen EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

KREATIV SCHARFSTELLEN<br />

Das Scharfstellen einer Aufnahme erfolgt<br />

üblicherweise nach einem der folgenden<br />

Kriterien: Entweder nutzen wir eine kleine Blende,<br />

um möglichst viel Schärfentiefe zu erreichen,<br />

oder wir nutzen eine weit offene Blende, um den<br />

Hintergrund unscharf abzubilden. Es gibt jedoch<br />

noch eine andere, unkonventionelle und kreative<br />

Methode.<br />

Sie können beispielsweise bei weit geöffneter<br />

Blende auf den Nahbereich des Vordergrunds<br />

scharfstellen. Dies reduziert drastisch die<br />

Schärfentiefe und macht genau den Bildbereich<br />

unscharf, in dem wir eigentlich Schärfe erwarten.<br />

Das funktioniert auch umgekehrt, indem Sie den<br />

Hintergrund scharf abbilden und alles andere<br />

verschwimmen lassen. Oder Sie gehen noch<br />

weiter und lassen alles so unscharf werden, dass<br />

man nicht mehr feststellen kann, was eigentlich<br />

dargestellt wird.<br />

Unscharfe Bildbereiche können dazu dienen,<br />

den Blick auf das Hauptmotiv zu lenken, das vor<br />

diesen scharf hervortritt. Die Aufnahmetechnik<br />

des differenzierten Scharfstellens beruht darauf,<br />

dass Ihr Objektiv bei weit offener Blende nur einen<br />

sehr flachen Bildbereich scharf abbildet. Probieren<br />

Sie es bei der Nahaufnahme einer Blume aus,<br />

indem Sie die größte Blende Ihres Makroobjektivs<br />

benutzen und präzise auf einen bestimmten<br />

Bereich scharfstellen. Bei einem Landschaftsfoto<br />

können Sie mit einem Teleobjektiv auf ein weit<br />

entferntes Objekt scharfstellen, etwa auf einen<br />

Baum oder ein Pferd auf einer Weide, wobei Sie<br />

den Vordergrund bewusst unscharf lassen. Der<br />

Effekt wirkt sehr schön bei Gegenlicht, wenn die<br />

Farben gedämpft werden und die Szene dadurch<br />

eine besondere Atmosphäre bekommt.<br />

Differenziertes Scharfstellen eignet sich auch für<br />

Stillleben von flach liegenden Objekten, einer<br />

Gitarre vielleicht, die aus einem so flachen Winkel<br />

fotografiert wird, dass beim Scharfstellen auf<br />

einen Teilbereich des Instruments alle anderen<br />

Teile außerhalb des Schärfebereichs liegen.<br />

Das Verfahren eignet sich auch für Porträts,<br />

wenn eine Person sehr nah bei der Kamera<br />

posiert, eine andere jedoch weiter entfernt.<br />

Stellen Sie auf die entfernte Person scharf, so dass<br />

die näher an der Kamera befindliche Person<br />

unscharf bleibt. Anstelle der zweiten Person kann<br />

es sich auch um einen Gegenstand handeln,<br />

einen Laternenpfahl etwa, der unscharf<br />

dargestellt wird.<br />

LEE FROST


EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

Die Grundlagen 49<br />

KAMERASTANDPUNKT<br />

Die allermeisten Fotos werden mit der Kamera<br />

auf Augenhöhe gemacht. Das ist auch völlig in<br />

Ordnung, denn so bekommen wir eine<br />

„realistische“ Sicht auf unsere Umgebung.<br />

Realistisch ist jedoch nicht automatisch<br />

attraktiv. Wenn Sie aus unterschiedlichen<br />

Kamerapositionen fotografieren, kann allein das<br />

einen Überraschungseffekt und Dramatik<br />

erzeugen.<br />

Die Kamera mit Weitwinkelobjektiv nah am<br />

Boden erzeugt eine hohe Verzerrung, bei der<br />

nah an der Kamera befindliche Objekte die<br />

Bildkomposition dominieren und die vertikalen<br />

Linien dramatisch aufeinander zu stürzen. Da<br />

Sie bei einem solchen Foto ohnehin nach oben<br />

sehen, können Sie den Himmel in die<br />

Bildkomposition einbeziehen – er wird zu<br />

einem effektvollen Hintergrund. Halten Sie die<br />

Kamera nur wenige Zentimeter über den Boden,<br />

fotografieren blind, überprüfen das Foto und<br />

wiederholen es, falls Ihnen der Bildausschnitt<br />

nicht zusagt. Immer mehr Kameras verfügen<br />

über dreh- und schwenkbare Monitore, die<br />

Ihnen erlauben, aus extrem ungewöhnlichen<br />

Blickwinkeln heraus zu fotografieren, wobei Sie<br />

trotzdem die Kontrolle über das Sucherbild und<br />

damit die Bildkomposition haben.<br />

Hohe Kamerastandpunkte bieten eine<br />

faszinierende Vogelperspektive auf die Welt.<br />

Probieren Sie Fotos von hohen Gebäuden<br />

herunter, indem Sie die Kamera auf die unten<br />

liegenden Straßen blicken lassen. Mit einem<br />

Weitwinkelobjektiv können Sie dabei auch den<br />

Horizont im Bild haben, und mit einem<br />

Teleobjektiv bilden Sie weit unten befindliche<br />

Details ab.<br />

Es ist grundsätzlich empfehlenswert, ein<br />

Motiv aus unterschiedlichen Winkeln und<br />

Kamerastandpunkten anzuvisieren, denn schon<br />

geringfügige Änderungen der Kameraposition<br />

können großen Einfluss auf die Wirkung des<br />

Motivs haben. Das gilt besonders bei<br />

Verwendung eines Weitwinkelobjektivs. Schon<br />

wenn Sie in die Knie gehen, kann das die<br />

Dynamik eines Fotos verändern, oder wenn Sie<br />

sich auf eine Mauer stellen, um einen etwas<br />

erhöhten Standpunkt einzunehmen.<br />

LEE FROST<br />

LEE FROST<br />

RAHMEN BENUTZEN<br />

Ein weiterer Trick für interessante Bildkompositionen<br />

besteht darin, Ihr Motiv oder die gesamte Szene zu<br />

„rahmen“. Als Teile eines solchen Rahmens dienen<br />

beispielsweise die herunterhängenden Zweige eines<br />

Baums, eine Lücke zwischen Bäumen, ein Fenster, ein<br />

Torweg oder irgendeine andere Öffnung, vor der Sie<br />

Ihr Motiv positionieren.<br />

Rahmen helfen, die Aufmerksamkeit des Betrachters<br />

auf die wichtigsten Bildteile zu lenken. Sie können aber<br />

auch unerwünschte Objekte wie Verkehrsschilder oder<br />

geparkte Autos verschwinden lassen oder<br />

unerwünschten freien Raum füllen, etwa einen<br />

langweiligen Himmel.<br />

Weitwinkelobjektive betonen den Rahmen, denn Sie<br />

können sich der Rahmenstruktur nähern und durch<br />

den Kamerastandpunkt bestimmen, welche Teile der<br />

Bildkomposition der Rahmen dominieren soll. Wenn<br />

Sie beispielsweise unter einem Baum stehen, bilden<br />

dessen Äste den oberen Teil eines Rahmens, während<br />

ein Torbogen nicht nur den oberen Teil, sondern auch<br />

die Seiten Ihres Motivs begrenzt.<br />

Eine kleine Blende wie f/11 oder f/16 liefert genug<br />

Schärfentiefe, den Rahmen und die dahinterliegende<br />

Szene scharf abzubilden, insbesondere, wenn Sie mit<br />

der hyperfokalen Entfernung arbeiten, um die<br />

Schärfentiefe zu optimieren.<br />

Sofern sich die Sonne nicht direkt hinter der Kamera<br />

befindet, liegt der Rahmen selbst im Schatten und wird<br />

nur als Silhouette abgebildet, was den<br />

Einrahmungseffekt unterstreicht. Sie müssen aber bei<br />

der Belichtungsmessung berücksichtigen, dass der<br />

Schatten des Rahmens das Messsystem der Kamera<br />

zum Überbelichten verleiten kann. In diesem Fall<br />

reduzieren Sie die Belichtung um ein bis zwei Drittel<br />

einer Blendenstufe.<br />

HALTEN SIE ES EINFACH<br />

Unaufgeräumte, überladene Bildkompositionen<br />

führen zur Reizüberflutung. Statt die<br />

Aufmerksamkeit des Betrachters zu fesseln,<br />

verlieren Sie sie, wenn er nicht sofort erkennen<br />

kann, was in dem Bild eigentlich vor sich geht.<br />

Doch wenn Sie einmal angefangen haben,<br />

unnötige Bildelemente aus einer Szene<br />

auszuschließen, werden Sie schnell dahinter<br />

kommen, wie wenig eigentlich nötig ist, um ein<br />

wirklich sehr gutes Foto zu machen – und wie<br />

viele Gelegenheiten da draußen auf Sie warten,<br />

mit minimalistischen Bildkompositionen zu<br />

arbeiten.<br />

Dabei helfen dunstiges Wetter oder Nebel, denn<br />

sie „verschlucken“ feine Details und die Landschaft<br />

ist nur noch an ihren gröberen Strukturen<br />

erkennbar, wodurch sich der Minimalismus<br />

automatisch einstellt. Brücken, Straßen, Wege und<br />

Zäune verlieren sich unter solchen Bedingungen<br />

im Nirgendwo und lassen den Betrachter<br />

nachdenklich werden. Auch Seen, Flüsse und<br />

Teiche haben diesen Effekt. Bei Nebel sind die<br />

gegenüberliegenden Ufer oft nicht mehr zu<br />

erkennen. Das graue Wasser geht in den grauen<br />

Nebel über und erzeugt dadurch eine mysteriöse,<br />

surrealistische Stimmung.<br />

Wenn die Natur eine Szene nicht selbst<br />

vereinfacht, holen Sie ausgewählte Bereiche nah<br />

heran, um überflüssige Elemente aus der<br />

Bildkomposition auszublenden. Je länger die<br />

Brennweite, umso kleiner ist das Blickfeld, und<br />

umso selektiver können Sie vorgehen.<br />

Was Ihr Bildmotiv angeht, ist der<br />

minimalistische Ansatz für fast jedes Thema<br />

geeignet. Die Architekturfotografie ist ein guter<br />

Einstieg; besonders die moderne Architektur weist<br />

aus der Entfernung interessante Formen auf.<br />

Außerhalb der Städte empfehlen sich möglichst<br />

ruhige Wasseroberflächen, deren Spiegelungen als<br />

Motive geeignet sind. Eine Wasserfläche stellt auch<br />

einen homogenen Hintergrund dar, vor dem Sie<br />

Pfosten, Felsen, Bäume und Boote fotografieren<br />

können. Halten Sie Ausschau nach Bootsanlegern,<br />

Bojen und sonstigen einfachen Objekten, die nur<br />

von offenem Wasser und Himmel umgeben sind.<br />

Arbeiten Sie mit einem zehnstufigen Graufilter, um<br />

mit extremer Langzeitbelichtung die natürlichen<br />

Bewegungen des Wassers und der Wolken am<br />

Himmel verschwimmen zu lassen.<br />

ROSS HODDINOTT


50 Die Grundlagen EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

ADAM BURTON<br />

FÜHRUNGSLINIEN<br />

Führungslinien zählen zu den wichtigsten<br />

Gestaltungsmitteln der Bildkomposition. Sie führen<br />

das Auge nicht nur in und durch das Bild, sondern<br />

können es auch in Bereiche einteilen oder als<br />

grafisches Element dienen.<br />

Die augenfälligsten Führungslinien sind Objekte<br />

wie Straßen, Wege, Brücken, Überlandleitungen,<br />

Mauern, Zäune und Alleen. Auch Schatten können<br />

starke Linien erzeugen, besonders wenn die Sonne<br />

tief am Himmel steht, oder ein Fluss, der sich durch<br />

eine Landschaft windet und in der Distanz verliert.<br />

Virtuelle Führungslinien entstehen durch die<br />

Anordnung von Objekten in einer Szene,<br />

beispielsweise große Steine in einem Bachbett, die so<br />

angeordnet sind, dass man darüber laufen kann.<br />

Zwischen den Steinen ist zwar Raum vorhanden,<br />

doch unsere Wahrnehmung verbindet die Steine<br />

automatisch zu einem zweckhaften Ganzen. Dieser<br />

Ergänzungseffekt tritt auch ein, wenn auf einem Bild<br />

eine Person zu sehen ist, die in eine bestimmte<br />

Richtung blickt. Wir tendieren dazu, der Blickrichtung<br />

zu folgen, um festzustellen, was die Person sieht.<br />

1) Horizontale Linien haben einen beruhigenden<br />

Effekt. Begrenzungen wie Mauern, Zäune und Hecken<br />

sind Beispiele dafür, auch Schatten können verwendet<br />

werden. Das Auge arbeitet sich in einem Bild von links<br />

unten nach rechts oben hoch, daher teilen<br />

horizontale Linien das Bild in mehrere Abschnitte, die<br />

nacheinander visuell aufgenommen werden.<br />

Horizontale Linien wirken am besten, wenn Sie das<br />

Bild im Querformat aufnehmen.<br />

2) Diagonale Linien wirken richtunggebend und<br />

verleihen dem Bild Tiefe, weil sie dramatische<br />

Perspektiven suggerieren. Diagonalen von links unten<br />

nach rechts oben haben den stärksten Effekt; in<br />

Landschaftsaufnahmen können beispielsweise<br />

Straßen, Flüsse, Gräben, Baumreihen und Hecken als<br />

Diagonalen genutzt werden.<br />

3) Vertikale Linien ergeben Bildkompositionen mit<br />

starker Betonung der Richtung. Denken Sie an<br />

Baumstämme und die hoch aufragenden Formen von<br />

Wolkenkratzern. Um den Effekt zu maximieren,<br />

fotografieren Sie sie im Hochformat, damit das Auge<br />

einen weiten Weg von unten nach oben<br />

zurückzulegen hat. Benutzen Sie die starken Linien<br />

von Bäumen und Mauern, um die Szene einzurahmen<br />

oder füllen Sie den Bildausschnitt, indem Sie ein<br />

Teleobjektiv verwenden, damit die vertikalen Linien<br />

dichter beisammen sind, weil die Perspektive<br />

komprimiert wird.<br />

4) Stürzende Linien sind besonders wirkungsvoll.<br />

Wenn Sie mitten auf einer langen, geraden Landstraße<br />

ISTOCKPHOTO<br />

stehen und die Straße hinunter blicken, werden Sie<br />

feststellen dass die parallelen Linien der Straße sich mit<br />

zunehmender Entfernung einander zu nähern<br />

scheinen, bis sie im so genannten Fluchtpunkt am<br />

Horizont zusammentreffen. Derselbe Effekt ergibt sich<br />

bei Eisenbahnschienen, Baumalleen, Brücken,<br />

Ackerfurchen und ähnlichen geradlinigen Objekten<br />

mit zwei oder mehr parallelen Kanten. Stürzende<br />

Linien geben einem Bild viel Tiefe, weil beispielsweise<br />

eine Straße auf ihrer gesamten Länge die gleiche<br />

Breite hat. Wenn sich ihre Kanten also einander<br />

nähern, bedeutet das, die Straße führt von der Kamera<br />

weg. Der Effekt wird am besten mit einem<br />

Weitwinkelobjektiv dargestellt, denn dann liegen die<br />

Linien im Vordergrund besonders weit auseinander.<br />

The converging effect is best emphasised<br />

with a wide-angle lens – the wider the better – so the<br />

lines appear wide apart close to the camera and rush<br />

away into the distance.<br />

LEE FROST


EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

Die Grundlagen 51<br />

ISTOCKPHOTO<br />

DIE REGELN BRECHEN<br />

Mit der Drittelregel und anderen Kompositionshilfen<br />

können Sie interessante Bilder erzielen; dennoch ist<br />

es im Sinne der Bildwirkung manchmal sinnvoller,<br />

diese Regeln zu ignorieren.<br />

Den Horizont in die Mitte des Bildausschnitts zu<br />

verlegen, oder das Hauptmotiv ins Zentrum des<br />

Bildes zu rücken, sind die bekanntesten solcher<br />

Regelverletzungen, aber nicht sonderlich tiefgreifend.<br />

Wenn schon, denn schon: Arbeiten Sie<br />

beispielsweise mit ungewöhnlichen Kamerawinkeln,<br />

oder kippen und neigen Sie die Kamera so, dass alles<br />

aus dem Bild zu rutschen scheint. Ungewohnte<br />

Winkel können Portraits und Modeaufnahmen den<br />

gewissen Pfiff geben, haben sich aber auch für<br />

Nahaufnahmen, in der Sport- und Action-<strong>Fotografie</strong><br />

und in der Architekturfotografie bewährt. Ein weiterer<br />

Trick besteht darin, ein wichtiges Element weit<br />

außerhalb von der Bildmitte zu positionieren. Bei<br />

Porträtaufnahmen tendieren wir dazu, das Motiv in<br />

den Mittelpunkt zu rücken. Versuchen Sie einmal, das<br />

Motiv an den Rand zu verlegen, und beobachten Sie<br />

die veränderte Dynamik der Bildkomposition.<br />

Leere Flächen sollten normalerweise vermieden<br />

werden, können aber ein eindrucksvolles Stilmittel<br />

sein, z. B. wenn die Komposition so angelegt ist, dass<br />

das Hauptmotiv seitlich ins Bild hereinschaut,<br />

während die Bildmitte leer bleibt.<br />

Das Nebeneinanderstellen der Elemente einer<br />

Szene ist manchmal wirkungsvoller als ein<br />

Einzelmotiv. Experimentieren Sie mit Objekten und<br />

Formen und finden Sie heraus, wie das Arrangement<br />

die Bildwirkung verändern kann. Ein Beispiel: Legen<br />

Sie eine Banane und einen Apfel auf einen weißen<br />

Hintergrund und probieren Sie, welche<br />

harmonischen Bildkompositionen mit diesen beiden<br />

Elementen möglich sind; so könnte der Apfel durch<br />

die Krümmung der Banane umfasst oder außen an<br />

die Krümmung platziert werden, um verschiedene<br />

Spannungen zu erzeugen.


52 Die Grundlagen EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

Grundlagen der Belichtung<br />

Unsere Einführung in die Grundlagen der Belichtung erklärt Ihnen,<br />

was Sie über Blendeneinstellungen und Verschlusszeiten wissen müssen.<br />

Jedes Foto ist das Ergebnis einer<br />

Blendeneinstellung und einer Verschlusszeit, deren<br />

Kombination festlegt, wie viel Licht auf den<br />

Kamerasensor fällt. Die Blende im Objektiv<br />

entspricht praktisch der Iris im menschlichen Auge,<br />

die sich je nach Helligkeit erweitert oder verengt,<br />

um die durch die Linse einfallende Lichtmenge zu<br />

regulieren. Eine größere Blendenöffnung lässt in<br />

einer gegebenen Zeitspanne mehr Licht durch als<br />

eine kleinere Blendenöffnung.<br />

Der Verschluss ist eine Barriere vor dem<br />

Kamerasensor, der beim Drücken des Auslösers für<br />

eine bestimmte Zeitspanne aus dem Lichtkanal<br />

geschwenkt wird. Die Dauer dieser Zeitspanne<br />

wird durch die einstellbare Verschlusszeit<br />

festgelegt. Es gibt eine direkte Korrelation zwischen<br />

Blende und Verschlusszeit, durch die sich die<br />

korrekte Belichtung bestimmt. Die Werte für<br />

Blendenöffnung und Verschlusszeit werden je nach<br />

Belichtungsmodus unterschiedlich festgelegt. Die<br />

Einstellung AE (Auto Exposure=automatische<br />

Belichtung) ist für den Einsteiger die einfachste<br />

Möglichkeit, zu guten Bildern zu kommen. Die<br />

Kombination von Blende und Verschlusszeit wird<br />

automatisch von der Kamera ermittelt. Deswegen<br />

reduzieren sich Ihre eigenen Aktivitäten aufs<br />

Draufhalten, Scharfstellen und Abdrücken. Das<br />

Schöne an der Digitalfotografie ist jedoch, dass Sie<br />

die Einstellungen auch selbst steuern und dadurch<br />

einen extrem hohen Einfluss darauf nehmen<br />

können, wie Ihr fertiges Bild am Ende aussehen<br />

wird.<br />

Der erste Schritt dazu ist der, dass Sie die<br />

Vollautomatik der Kamera ausschalten und<br />

stattdessen einer der Belichtungsautomatiken<br />

wählen, die Ihnen einen weit größeren Spielraum<br />

für die eigene Kreativität einräumen. Folgen Sie<br />

unseren Ausführungen und experimentieren Sie mit<br />

Blenden und Verschlusszeiten – die Zeiten, in<br />

denen man dadurch teuren Film „verschwendete“,<br />

sind schließlich vorbei. Sie werden den Punkt, an<br />

dem Sie von den üblichen Schnappschüssen zu<br />

weitaus eindrucksvolleren Fotos gelangen, viel<br />

schneller erreichen, als Sie denken.<br />

Belichtungssteuerung<br />

Viele Einsteiger haben die falsche<br />

Vorstellung, es sei schwierig, mit der<br />

Blendenautomatik oder der Zeitautomatik<br />

zu arbeiten, doch tatsächlich ist das ganz<br />

einfach. Nachdem Sie die gewünschte<br />

Belichtungsautomatik eingestellt heben (1),<br />

ist es nur eine Frage des Drehens des<br />

Einstellrades (2), bis die gewünschte Blende<br />

oder Verschlusszeit im LCD-Panel (3) Ihrer<br />

Kamera erscheint. Nun drücken Sie den<br />

Auslöser halb durch, und die Kamera<br />

erledigt den Rest. Es ist genau so einfach,<br />

wie es sich hier anhört.<br />

Verschlusszeiten verstehen<br />

Die Belichtung wird entweder durch Veränderung der Blendeneinstellung<br />

gegenüber einer gegebenen Verschlusszeit oder durch Veränderung der<br />

Verschlusszeit gegenüber einer gegebenen Blende eingestellt. Die Intervallschritte,<br />

anhand derer sich beide Einstellungen ändern lassen, heißen „Stufen“. Wird eine<br />

Einstellung um genau eine Stufe geändert, wird die Lichtmenge, die auf den<br />

Kamerasensor fällt, entweder um genau die Hälfte erhöht oder vermindert. Eine<br />

Änderung der Verschlusszeit von beispielsweise 1/500 Sekunde auf 1/250<br />

Sekunde verdoppelt die Belichtungszeit und damit die einfallende Lichtmenge. Je<br />

nach Kameramodell können auch Halb- oder Drittelstufen eingestellt werden. Die<br />

Tabelle unten zeigt Verschlusszeiten von einer Sekunde bis zu 1/4000 Sekunde.<br />

Volle Schritte 1 Sek 1/2 Sek 1/4 Sek 1/8 Sek 1/16 Sek 1/30 Sek 1/60 Sek 1/125 Sek 1/250 Sek 1/500 Sek 1/1000 Sek 1/2000 Sek 1/4000 Sek<br />

Halbe Schritte 0.7sek 1/3sek 1/6sek 1/10sek 1/20sek 1/45sek 1/90sek 1/180sek 1/350sek 1/750sek 1/1500sek 1/3000sek<br />

Blendeneinstellungen verstehen<br />

Die Illustration unten zeigt die Blendeneinstellung in Intervallen von einer Stufe.<br />

Jeder einzelne Schritt von links nach rechts bedeutet demnach eine Halbierung<br />

der Lichtmenge gegenüber der vorherigen Stufe. Größte Blende bedeutet, die Iris<br />

ist in größtmöglich offener Stellung – in diesem Fall Blende f/2.8; kleinste Blende<br />

bedeutet demgegenüber, die Iris ist in kleinstmöglich offener Stellung – in diesem<br />

Fall Blende f/22. Die Erklärung, wie die einzelnen Blendenwerte f/x numerisch<br />

zustande kommen, beruht auf einer mathematischen Formel, die für unsere<br />

Praxis jedoch keinerlei Bedeutung hat. Entscheidend für uns ist, zu wissen, dass<br />

Vergrößern oder Verkleinern der Blende um jeweils eine Stufe die Verdoppelung<br />

oder Halbierung der Lichtmenge bei gegebener Verschlusszeit bedeuten.<br />

Volle Schritte f/2.8 f/4 f/5.6 f/8 f/11 f/16 f/22 f/32<br />

Halbe Schritte f/3.5 f/4.5 f/6.7 f/9.5 f/13 f/19 f/27<br />

1<br />

2<br />

3<br />

Steuern Sie die Belichtung und legen<br />

Sie fest, wie das fertige Bild am Ende<br />

aussehen wird. Eine kleine Blende und<br />

eine lange Verschlusszeit bedeuten, die<br />

gesamte Szene ist scharf und das<br />

Wasser scheint tatsächlich durch das<br />

Bild zu fließen.<br />

Der ISO-Wert<br />

Die Größe des ISO-Werts ist heute<br />

ein Maß für die Lichtempfindlichkeit<br />

des Kamerasensors; Früher war er<br />

das Maß für die Lichtempfindlichkeit<br />

des eingelegten Films. Ein kleiner<br />

ISO Wert, ISO 100 etwa, bedeutet<br />

eine geringere Lichtempfindlichkeit<br />

als ein höherer Wert. Genaueres zur<br />

Einstellung des Iso-Werts erfahren Sie<br />

auf den Seiten 36 und 37. Behalten<br />

Sie fürs Erste, dass der eingestellte<br />

ISO-Wert die Zahl der zur<br />

Verfügung stehenden<br />

Kombinationen<br />

aus Blende und<br />

Verschlusszeit<br />

unter bestimmten<br />

Lichtverhältnissen<br />

bestimmt. Für den<br />

Anfang stellen Sie<br />

bei sehr guten<br />

Lichtverhältnissen<br />

einen eher niedrigen<br />

ISO-Wert ein – ISO<br />

100 oder ISO 200 –<br />

und einen mittleren<br />

Wert – ISO 400 –<br />

als Standardwert.


EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

Die Grundlagen 53<br />

ROSS HODDINOTT<br />

F&A: Belichtung<br />

Sinnvolles Zubehör<br />

Was bedeuten größte und<br />

kleinste Blende?<br />

Es sind die größten und<br />

kleinsten Blenden, die an einem<br />

Objektiv eingestellt werden<br />

können.<br />

Warum sind an manchen<br />

Zoom-Objektiven zwei<br />

maximale Blendenwerte<br />

angegeben?<br />

Es gibt zwei maximale<br />

Blendenwerte bei Zoom-<br />

Objektiven, der eine gilt für die<br />

kleinste einstellbare Brennweite,<br />

der andere für die größtmögliche<br />

Brennweite, wobei der höhere<br />

der beiden Blendenwerte für die<br />

maximale Brennweite gilt.<br />

Was sind reziproke<br />

Belichtungseinstellungen?<br />

Der Ausdruck bedeutet,<br />

dass unterschiedliche<br />

Kombinationen von Blendenund<br />

Verschlusszeit-Werten<br />

dieselbe Belichtung ergeben<br />

können. Beispiel: 1/250<br />

Sekunde bei Blende f/4 lässt<br />

dieselbe Lichtmenge auf<br />

den Sensor fallen wie 1/500<br />

Sekunde bei Blende f/2.8 oder<br />

1/125 Sekunde bei Blende<br />

f/5.6. Diese Kombinationen sind<br />

reziprok.<br />

Was sind „schnelle Objektive“?<br />

Ein „schnelles“ Objektiv erlaubt<br />

eine größere maximale Blende<br />

als der Standard. So wird<br />

beispielsweise ein 70-200<br />

mm f/2.8 Zoom-Objektiv als<br />

„schnell“ bezeichnet, weil die<br />

meisten Objektive dieser Art nur<br />

eine maximale Blende von f/4<br />

einstellen können.<br />

Was bedeutet<br />

Belichtungskompensation?<br />

Damit können Sie die<br />

eingestellte Belichtung nach<br />

oben oder unten korrigieren.<br />

Wir gehen darauf an anderer<br />

Stelle in diesem Magazin noch<br />

genauer ein.<br />

Mit diesem Zubehör erleichtern Sie<br />

sich das Leben und machen schönere<br />

Fotos:<br />

1) Stativ Ein einfaches Stativ mit<br />

festem Stand ermöglicht Ihnen<br />

längere Verschlusszeiten, ohne dass<br />

Verwackelungsgefahr besteht. Es<br />

kostet ab etwa 60 Euro.<br />

2) Graufilter<br />

Ein Graufilter reduziert die in das<br />

Objektiv gelangende Lichtmenge.<br />

Benutzen Sie ihn, wenn Sie lange<br />

Verschlusszeiten benötigen, die<br />

Lichtverhältnisse dafür aber eigentlich<br />

zu hell sind.<br />

3) Fernauslöser Um bei langen<br />

Belichtungszeiten Verwackeln zu<br />

vermeiden, verwenden Sie einen<br />

Fernauslöser, nicht den Auslöseknopf<br />

der Kamera. Das mit Ihrer Kamera<br />

gelieferte Handbuch verrät Ihnen,<br />

welche Art Fernauslöser zu Ihrer<br />

Kamera passen. Auch mit dem<br />

Selbstauslöser der Kamera können<br />

Sie Verwackeln verhindern.


54 Die Grundlagen EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

Konzepte der Belichtungsmessung<br />

Zu verstehen, wie Ihre Kamera das Licht misst, ist die Grundvoraussetzung für richtig belichtete Fotos.<br />

Wenn Sie den Auslöser Ihrer Kamera drücken,<br />

misst das TTL-Messsystem (engl. TTL = Through<br />

The Lens, dt. = durch das Objektiv) das Licht der<br />

Szene und versucht anhand dieser Daten die<br />

bestmögliche Belichtung einzustellen. Wie die<br />

Kamera die Szene misst, hängt davon ab,<br />

welches Messverfahren gewählt wurde; in der<br />

Regel ist dies die Mehrfeldbelichtungsmessung.<br />

Sie sollte die Funktionsweise dieses und anderer<br />

Messsysteme kennen, wenn Sie<br />

Fehlbelichtungen vermeiden wollen.<br />

Ihre Kamera verfügt über mindestens drei<br />

Messverfahren, die das Licht einer Szene<br />

messen und die korrekte Belichtung berechnen,<br />

doch jedes Verfahren misst das Licht anders.<br />

Beginnen wir mit dem Grundprinzip jedes<br />

Messverfahrens.<br />

GRUNDPRINZIP DER<br />

BELICHTUNGSMESSUNG<br />

Alle Messverfahren gehen davon aus, dass<br />

sämtliche Farbtöne einer Szene, von den<br />

dunkelsten Schatten bis zum hellsten Spitzlicht,<br />

zusammen einen mittleren Farbton von 18%<br />

Grau ergeben. In den allermeisten Situationen<br />

sind die auf diesem Prinzip basierende Messung<br />

und die resultierende Belichtung korrekt. Ist eine<br />

Szene jedoch wesentlich heller oder dunkler als<br />

der angenommene Durchschnitt, besteht das<br />

Risiko einer Fehlbelichtung. In diesem Fall<br />

müssen Sie die von der Kamera ermittelten<br />

Werte korrigieren.<br />

ISTOCK PHOTO<br />

ISTOCK PHOTO<br />

Benutzen Sie bei hellen Motiven einen positiven Wert<br />

Messen Sie die mittleren Farbtöne für eine ausgewogene Belichtung.<br />

So ändern Sie die Belichtungsmessmethode<br />

Das Ändern der Belichtungsmessmethode<br />

ist einfach, und die meisten Kameras bieten<br />

dazu sogar mehrere Möglichkeiten. Sie<br />

können das Bildschirm-Menü aufrufen und<br />

den relevanten Tab oder eine im Vier-Wege-<br />

Schalter integrierte Schnellzugriffstaste<br />

benutzen. Manche Kameras besitzen an der<br />

Oberseite oder Rückseite sogar eine spezielle<br />

Taste zur Auswahl der<br />

Belichtungsmessmethode, neuere Kameras<br />

sogar einen Touch-Screen, der schnellen<br />

Zugriff auf die Funktion erlaubt. Rechts sehen<br />

Sie, wie die Funktion bei Canon- und<br />

Nikon-Modellen aufgerufen wird, bei anderen<br />

Marken ist die Prozedur ähnlich.<br />

CANON<br />

1<br />

1) Wählen Sie im Menü den relevanten Tab und<br />

drücken die SET-Taste, um die Option auszuwählen.<br />

2) Drücken Sie die Q-Taste und benutzen Sie den<br />

Vier-Wege-Schalter, bis die Auswahl der Messmethode<br />

erscheint, dann drehen Sie das Eingabe-Einstellrad,<br />

um die gewünschte Messmethode einzustellen.<br />

2<br />

NIKON<br />

1<br />

2<br />

1) Wählen Sie das Aufnahmemenü und anschließend<br />

„Messfeldsteuerung“, dann drücken Sie OK und<br />

wählen eine Messmethode.<br />

2) Falls Ihre Kamera über eine i-Taste verfügt, drücken<br />

Sie sie, wählen „Messfeldsteuerung“ und anschließend<br />

die gewünschte Messmethode.


ISTOCK PHOTO<br />

Bei Gegenlicht machen Sie eine Spot-Messung auf dem Gesicht<br />

MEHRFELDMESSUNG<br />

Die Mehrfeldmessung ist die Standardeinstellung Ihrer<br />

Kamera, und ist so zuverlässig, dass Sie nur selten eine<br />

andere Messmethode brauchen werden. Die<br />

Mehrfeldmessung teilt das Sucherbild in mehrere Zonen<br />

ein. Die Kamera nimmt für alle Zonen gleichzeitig eine<br />

eigene Lichtmessung vor und vergleicht die Werte mit<br />

einer internen Bilddatenbank, die Tausende<br />

verschiedene Szenarien enthält. Anhand dieser Daten<br />

legt das Messsystem die Belichtung fest. Die Anzahl der<br />

dazu herangezogenen Zonen des Sucherbildes variiert<br />

von Kamera zu Kamera, es sind jedoch mindestens 16<br />

Zonen, bei teuren Modellen fast 100. Alle heute auf dem<br />

Markt erhältlichen Systeme sind sehr akkurat, wobei die<br />

neuesten Technologien die Belichtungsdaten mit<br />

denen vom Autofokus und Weißabgleich<br />

zusammenführen und so die besten Resultate liefern.<br />

Trotzdem ist keine dieser Technologien absolut<br />

narrensicher.<br />

KAMERA-<br />

SYMBOLE<br />

SONY<br />

CANON<br />

OLYMPUS<br />

NIKON<br />

PENTAX<br />

SPOT-MESSUNG / SELEKTIVMESSUNG<br />

Die Spot-Messung sollten Sie dann heranziehen, wenn Sie<br />

unter schwierigen Lichtverhältnissen fotografieren. Sie<br />

erlaubt Ihnen, eine Messung auf einem sehr kleinen Bereich<br />

im Zentrum des Bildausschnitts vorzunehmen. Wenn Sie<br />

diesen Messbereich mit einem mittleren Farbton der Szene<br />

zur Deckung bringen, eine Messung durchführen und<br />

anschließend die AE-Lock-Funktion benutzen, können Sie<br />

die gefundene Belichtung auf einen beliebigen Bildbereich<br />

anwenden, ohne dass diese von den Helligkeitswerten der<br />

direkt angrenzenden Bildbereiche beeinflusst wird. Die<br />

Punktmessung ist die akkurateste Messung, die Sie<br />

vornehmen können, wobei der kreisförmige Messbereich<br />

eine Größe von etwa 3% des Sucherbilds hat.<br />

Die Selektivmessung ist weniger bekannt und<br />

unterscheidet sich von der Spotmessung dadurch, dass sie<br />

einen größeren Messbereich von etwa 8–10% des<br />

Bildausschnitts berücksichtigt. Ansonsten funktioniert sie<br />

genauso wie die Spot-Messung. Wenn Sie die<br />

Selektivmessung benutzen, achten Sie darauf, dass Sie<br />

einen mittleren Farbton messen, sonst sind<br />

Fehlbelichtungen möglich.<br />

KAMERA-<br />

SYMBOLE<br />

NIKON<br />

CANON (PARTIAL)<br />

OLYMPUS<br />

CANON (SPOT)<br />

SONY/PENTAX<br />

MITTENBETONTE MESSUNG<br />

Die mittenbetonte Messung ist die älteste und am<br />

wenigsten präzise Messmethode. Sie bezieht sich auf<br />

einen Durchschnittswert, der aus der<br />

Helligkeitsverteilung des gesamten Sucherbildes<br />

errechnet wird, wobei eine höhere Gewichtung auf dem<br />

zentralen Bildbereich liegt. Für Alltagssituationen ist diese<br />

Messmethode kaum relevant, kann aber in Verbindung<br />

mit der AE-Lock-Funktion noch nützlich sein.<br />

KAMERA-<br />

SYMBOLE<br />

SONY<br />

CANON<br />

OLYMPUS<br />

Wussten Sie schon?<br />

NIKON<br />

PENTAX<br />

Immer mehr Kameras führen die Daten von<br />

Autofokus, Weißabgleich und<br />

Belichtungsmesssystem zusammen, um<br />

bessere Ergebnisse zu liefern. Canons<br />

iFCL-Technologie und Nikons Scene<br />

Recognition System sind nur zwei Beispiele.


56 Die Grundlagen EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

Die Automatik überlisten<br />

Hier zeigen wir Ihnen, wie Sie richtig belichten können, falls das Messsystem Ihrer Kamera versagt.<br />

1) AE-Lock<br />

Mit dieser Funktion können Sie festlegen, wo Sie<br />

die Belichtungsmessung einer Szene<br />

vornehmen. Für beste Ergebnisse nutzen Sie die<br />

AE-Lock-Funktion mit der Punktmessung<br />

zusammen, nicht mit der Mehrfeldmessung, um<br />

die Messung auf einer kleinen Fläche mit<br />

mittlerem Farbton vornehmen zu können.<br />

Da die AE-Lock-Funktion unabhängig von der<br />

Scharfeinstellung funktioniert, können Sie die<br />

Belichtung eines Bildbereichs messen, während<br />

Sie auf einen anderen Bildbereich scharfstellen.<br />

Bei manchen Canon-EOS-Modellen wird<br />

durch Drücken der *-Taste automatisch die<br />

Selektivmessung aktiviert, sodass Sie nicht<br />

manuell von der Mehrfeldmessung auf<br />

Selektivmessung umschalten müssen.<br />

Der Zweck der AE-Lock-Funktion besteht<br />

darin, bei kontrastreichen Szenen korrekte<br />

Belichtung zu gewährleisten, obwohl das Risiko<br />

einer Fehlbelichtung besteht. Bei starkem<br />

Gegenlicht kann z. B. ein heller Himmel zur<br />

Unterbelichtung des Motivs führen; wenn Sie die<br />

AE-Lock-Funktion nutzen und eine<br />

Punktmessung auf einem mittleren Farbton des<br />

Motivs vornehmen, erhalten Sie trotzdem eine<br />

korrekte Belichtung. Diese Methode funktioniert<br />

auch, wenn Sie Ihr Motiv vor dunklem<br />

Hintergrund fotografieren. Bei <strong>Landschaftsfotos</strong>,<br />

in denen ein großer Teil des Bildausschnitts nur<br />

Himmel zeigt, führen Sie eine AE-Lock-Messung<br />

für den Vordergrund durch. Auch bei Panoramen<br />

hat sich die Funktion bewährt, denn mit ihr<br />

können Sie alle Einzelbilder exakt gleich<br />

belichten und später problemlos<br />

zusammenfügen.<br />

Mehrfeldmessung<br />

Landschaften mit viel Himmel können die<br />

Mehrfeldmessung zum Unterbelichten verleiten.<br />

AE-Lock-Messung auf einem dunklen Bildbereich<br />

Die AE-Lock-Funktion auf einem dunklen<br />

Bildbereich führt zur Überbelichtung.<br />

So finden Sie die AE-Lock-Funktion<br />

an Ihrer Kamera:<br />

Bei den meisten Modellen befindet<br />

sich die AE-Lock-Taste rechts oben<br />

an der Kamerarückseite, wo sie<br />

mit dem rechten Daumen leicht zu<br />

erreichen ist. Im Zweifelsfall schauen Sie im Handbuch<br />

Ihrer Kamera nach.<br />

AE-Lock-Messung auf einem hellen Bildbereich<br />

Die AE-Lock-Funktion auf einem hellen<br />

Bildbereich führt zur Unterbelichtung.<br />

AE-Lock-Messung auf einem Bildbereich mit mittlerem Farbton<br />

Die AE-Lock-Messung auf einem Bildbereich mit mittlerem Farbton –<br />

den Felsen in diesem Fall – führt zur richtigen Belichtung.<br />

AE-Lock-Funktionen anpassen: Viele Kameras<br />

ermöglichen die Anpassung der AE-Lock-Funktionen.<br />

Eine übliche Anpassung ist die Verbindung mit dem<br />

Autofokus, das heißt, beide Funktionen werden<br />

verriegelt. Sie können die AE-Lock-Funktion auch so<br />

anpassen, dass sie nur wirkt, solange die AE-Lock-<br />

Taste gedrückt wird. Einzelheiten dazu finden Sie<br />

ebenfalls in der Bedienungsanleitung der Kamera.<br />

IMAGES: ROSS HODDINOTT<br />

2) Belichtungskorrektur<br />

Dies ist der schnellste, einfachste und am häufigsten<br />

verwendete manuelle Eingriff in die Automatik der<br />

Kamera. Mit ihm erhöhen oder verringern Sie die<br />

eigentlich von der Kamera vorgegebene Belichtung<br />

eines Fotos. Sie können positive (+), also eine stärkere,<br />

oder negative (-), also eine schwächere Belichtung<br />

einstellen. Anhand einer Skala im Sucher und auf dem<br />

Kameramonitor können Sie ablesen, wie stark Sie die<br />

Belichtung korrigieren. Doch Vorsicht: Eine einmal<br />

eingestellte Belichtungskorrektur bleibt eingestellt,<br />

vergessen Sie also nicht, sie wieder auf Null zu stellen,<br />

wenn Sie sie nicht mehr benötigen.<br />

Wie die Belichtung korrigiert wird, hängt von der<br />

benutzten Betriebsart der Kamera ab. Bei eingestellter<br />

Zeitautomatik ändert sich die Verschlusszeit, bei<br />

eingestellter Blendenautomatik die Blendenöffnung. Bei<br />

der Programmautomatik werden die Lichtverhältnisse<br />

berücksichtigt, wobei die Kamera die Priorität darauf<br />

legt, eine verwacklungssichere Verschlusszeit zu finden.<br />

Die Einstellung der Belichtungskorrektur wird in drittel<br />

oder halben Blendenstufen vorgenommen, wobei Sie<br />

bei den meisten Kameras wählen können, welches<br />

Raster Sie bevorzugen.<br />

Die Belichtungskorrektur lässt sich mit jeder<br />

Belichtungsmessmethode kombinieren. Mit<br />

No EV<br />

zunehmender Erfahrung werden Sie wissen, wann Sie<br />

korrigieren müssen und wie viel Korrektur Sie<br />

benötigen. Ein alter Hase wird bei Gegenlicht oder im<br />

Schnee, ohne einen Gedanken darauf zu<br />

verschwenden, 1.5 Blendenstufen einstellen. Solche<br />

Fähigkeiten werden Sie auch bald entwickeln. Wenn<br />

Sie den LiveView der Kamera benutzen, werden Sie<br />

schnell merken, dass die Belichtungskorrektur die<br />

schnellste und einfachste Möglichkeit ist,<br />

Belichtungsfehler zu vermeiden.<br />

EV +1<br />

Belichtungskorrektur und Blitz:<br />

Beim Blitzen hängt es wieder von der<br />

Kamera ab, wie die Belichtungskorrektur<br />

eingestellt wird. Manche Modelle ändern<br />

nur die Belichtung für das Umgebungslicht,<br />

nicht die Blitzleistung, andere ändern<br />

beides.<br />

IMAGES: LEE FROST


EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

Die Grundlagen 57<br />

3) Belichtungsreihenautomatik (AEB)<br />

AEB<br />

„Belichtungsreihenautomatik“<br />

bedeutet, dass Sie eine<br />

Bildserie schießen, wobei<br />

jedes Einzelbild anders<br />

belichtet wird. Die Funktion<br />

ist für weniger erfahrene<br />

Fotografen gedacht, um die<br />

Chancen auf ein korrekt<br />

belichtetes Bild zu erhöhen,<br />

indem drei oder fünf<br />

Einzelbilder geschossen<br />

werden. Wie bei der<br />

Belichtungskorrektur<br />

stellen Sie die AEB-Funktion<br />

in drittel oder halben<br />

Blendenstufen ein. Die<br />

Kamera schießt nun ein auf<br />

der gemessenen<br />

Belichtung basierendes<br />

Foto, jedoch zusätzlich je<br />

ein oder zwei weitere<br />

unterbelichtete und<br />

überbelichtete Fotos.<br />

Diese Funktion erfreut<br />

sich erst größerer<br />

Beliebtheit, seitdem sich<br />

herumgesprochen hat, wie<br />

einfach man die<br />

Einzelbilder zu einer<br />

HDR-Aufnahme<br />

zusammenfügen kann.<br />

AEB: 0EV<br />

AEB: -1EV<br />

Dies ist das erste Bild einer mit Belichtungsreihenautomatik geschossenen<br />

Serie mit einer Korrektur von +/-1 Blendenstufe. Es ist stark unterbelichtet.<br />

AEB: +1EV<br />

IMAGES: LEE FROST<br />

Das zweite Bild wurde mit der von der Kamera ursprünglich gefundenen<br />

Belichtung gemacht und ist immer noch leicht unterbelichtet.<br />

Das letzte Bild der Serie entstand mit einer Belichtungskorrektur<br />

von +1 Blendenstufe und liefert ein annehmbares Ergebnis.<br />

BELICHTUNGSREIHENAUTOMATIK MIT BELICHTUNGSKORREKTUR<br />

Erfahrene Fotografen kombinieren die Belichtungsreihenautomatik mit der Belichtungskorrektur. Wenn<br />

Sie beispielsweise eine winterliche Szene im Schnee fotografieren, brauchen Sie etwas positive<br />

Belichtungskorrektur, um die Szene nicht zu dunkel erscheinen zu lassen. Wenn Sie nun die<br />

Belichtungsreihenautomatik benutzen, indem Sie +/-1EV einstellen, bekommen Sie drei Bilder, eins mit<br />

der Standard-Belichtung, eins mit einer Blendenstufe Unterbelichtung und eins mit einer Blendenstufe<br />

Überbelichtung. Von diesen dreien sind sehr wahrscheinlich das unterbelichtete und das normal<br />

belichtete Foto nicht zu gebrauchen, während das überbelichtete Foto immer noch zu dunkel sein kann.<br />

Das vermeiden Sie, indem Sie zusätzlich die Belichtungskorrektur auf +1EV einstellen, so dass die mittlere<br />

AEB-Aufnahme in Wahrheit die Standardbelichtung +1EV erhält, die eine Blendenstufe unterbelichtete<br />

AEB-Aufnahme die Standardbelichtung bekommt, und die eine Blendenstufe überbelichtete<br />

AEB-Aufnahme noch eine zusätzliche positive Blendenstufe Belichtungskorrektur bekommt, also um 2<br />

Stufen überbelichtet wird. Dadurch steigen die Chancen, dass eine richtig belichtete Aufnahme dabei ist.<br />

Messung durch die Kamera<br />

AEB: -1EV & EC: +1EV<br />

AEB: 0EV & EC: +1EV<br />

AEB: +1EV & EC: +1EV<br />

Die Kameramessung führt zu starker<br />

Unterbelichtung der Szene.<br />

Die Belichtungskorrektur von +1EV wird<br />

durch die Belichtungsreihenautomatik-<br />

Einstellung von -1EV neutralisiert.<br />

+1EV Belichtungskorrektur plus<br />

Belichtungsreihenautomatik mit 0EV liefert<br />

ein besseres Ergebnis.<br />

Belichtungskorrektur plus Belichtungsreihenautomatik<br />

führt zu 2 zusätzlichen Blendenstufen, wodurch das<br />

beste Ergebnis erzielt wird.


58 Grundlagen EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

Richtig belichten: Feinarbeit mit Hilfsmitteln<br />

Ihre Kamera bietet eine Vielzahl von Kombinationen für Betriebsarten und manuelle Eingriffe in die<br />

automatische Belichtung. Hier behandeln wir den Einsatz von Belichtungshilfen, mit deren Hilfe<br />

Belichtungsfehler ab sofort der Vergangenheit angehören.<br />

Graue Karte<br />

Das Belichtungsmesssystem Ihrer Kamera geht davon aus,<br />

dass die Durchschnittsfarbe aller Farben in einer Szene ein<br />

18% Grau ist. Ist dies nicht der Fall, weil sehr viele helle oder<br />

dunkle Farbtöne vorhanden sind, führt dies zur Unter- bzw.<br />

Überbelichtungen.<br />

Um diese zu vermeiden, benutzen viele Fotografen eine graue<br />

Karte. Das ist nichts anderes als ein Stück Pappe, das mit der Farbe<br />

18% Grau bedruckt ist. Legen Sie die Karte irgendwo in die Szene,<br />

idealerweise an einen Platz mit denselben Lichtverhältnissen<br />

wie Ihr Hauptmotiv, und führen Sie eine Messung mithilfe<br />

der AE-Lock-Funktion durch. Nun erhalten Sie die korrekten<br />

Belichtungswerte für Ihr Motiv. Damit die Messung mit der<br />

BENUTZUNG DER GRAUEN KARTE:<br />

1) Dieses Bild, aufgenommen nach einer<br />

Mehrfeldmessung, ist falsch belichtet.<br />

2) Nach einer Messung mit eingeschalteter<br />

AE-Lock-Funktion und formatfüllend ins<br />

Sucherbild gehaltener grauer Karte wird<br />

die Aufnahme wiederholt.<br />

3) Die Messung auf der grauen Karte ergibt<br />

eine perfekte Belichtung.<br />

3<br />

Karte richtig funktioniert, müssen Sie einige Dinge beachten:<br />

Die Karte muss gleichmäßig beleuchtet sein und darf nicht<br />

nach vorn oder hinten geneigt sein, da beides zu falschen<br />

Messungen führt. Sie sollten auch darauf achten, dass kein<br />

Schatten auf die Karte fällt, einschließlich Ihres eigenen, da<br />

auch das die Messung verfälscht. Falls der Autofokus der<br />

Kamera nicht scharfstellen kann, fokussieren Sie manuell. Ist<br />

die Karte sehr weit von der Kamera entfernt und an beiden<br />

Standpunkten herrschen verschiedene Lichtverhältnisse,<br />

erhalten Sie mit einer Spot-Messung das beste Ergebnis. Die<br />

graue Karte ist übrigens auch sehr gut geeignet, um den<br />

korrekten Weißabgleich für eine Szene zu ermitteln.<br />

1 2<br />

Belichtungsmesser<br />

Wenn Sie sich ernsthaft mit<br />

<strong>Fotografie</strong> beschäftigen,<br />

werden Sie sich früher<br />

oder später einen<br />

Handbelichtungsmesser<br />

zulegen. Brauchbare<br />

Modelle gibt es<br />

ab 150€. Nur mit<br />

einem solchen<br />

Belichtungsmesser<br />

erhalten Sie eine<br />

wirklich akkurate<br />

Messung des auf<br />

Ihr Motiv fallenden<br />

Umgebungslichts.<br />

Ihre Kamera kann<br />

konstruktionsbedingt<br />

nur das Licht<br />

messen, welches vom<br />

Motiv reflektiert wird und<br />

durch das Objektiv auf den<br />

Sensor fällt. Die Messung<br />

des Umgebungslichts ist im<br />

Gegensatz zur Messung des<br />

reflektierten Lichts effizienter,<br />

weil sie nicht durch die Farben<br />

des Motivs beeinflusst wird. Ein<br />

Beispiel: Wenn ein schwarzes<br />

Pferd neben einem weißen<br />

Pferd steht, ergibt die Messung<br />

des Umgebungslichts für<br />

beide Motive exakt denselben<br />

Wert. Die Messung des<br />

reflektierten Lichts durch die<br />

Kamera hingegen ergibt für<br />

jedes Pferd einen anderen<br />

Messwert, sodass das weiße<br />

Pferd unterbelichtet<br />

und das schwarze Pferd<br />

überbelichtet wird. Der<br />

Handbelichtungsmesser<br />

liefert in jeder Situation die<br />

korrekten Belichtungsdaten,<br />

seine Benutzung ist aber<br />

etwas umständlicher als die<br />

Lichtmessung durch das<br />

Objektiv.<br />

Geeignet für…<br />

Geeignet für…<br />

LEE FROST<br />

LEE FROST<br />

STRANDSZENEN<br />

Reflexionen im Sand und Spiegelungen im<br />

Wasser verfälschen die Messwerte der Kamera.<br />

Mit einer grauen Karte ist das Problem schnell<br />

behoben.<br />

MOTIV IN STARK GERICHTETEM LICHT<br />

Falls Ihr Motiv von einer stark gerichteten<br />

Lichtquelle beleuchtet wird, platzieren Sie die<br />

graue Karte direkt daneben, um eine akkurate<br />

Messung zu erhalten.<br />

MISCHLICHT<br />

In diesem Fall benutzen Sie die graue Karte<br />

nicht nur, um die korrekte Belichtung zu<br />

bestimmen, sondern auch für einen der<br />

Situation angepassten Weißabgleich.<br />

PORTRÄTS IM GEGENLICHT<br />

Halten Sie den Belichtungsmesser<br />

sehr nah an das Gesicht, damit<br />

die Messung nicht durch das<br />

Gegenlicht verfälscht wird.


EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

Grundlagen 59<br />

IMAGES: LEE FROST<br />

Korrekt belichtet<br />

Andere Hilfen<br />

Expodisk<br />

Eine Expodisk wird für einen neutralen<br />

Weißabgleich vor dem Objektiv befestigt.<br />

Sie besteht aus einem transparenten<br />

Prismenraster. Nach einer Aufnahme in<br />

Richtung der dominierenden Lichtquelle der<br />

Szene, wird der Weißabgleich der Kamera<br />

manuell eingestellt.<br />

www.expoimaging.com<br />

Histogramm<br />

Die meisten von uns prüfen ein aufgenommenes Foto anhand<br />

der Darstellung auf dem Kameramonitor. Haben Sie sich aber<br />

schon gefragt, wie naturgetreu die angezeigten Farbtöne und<br />

Helligkeit tatsächlich sind? Eine einfache Methode, um die<br />

Genauigkeit der Prüfung zu verbessern, bietet das Histogramm<br />

der Kamera. Das Histogramm ist eine grafische Darstellung in<br />

einem Koordinatensystem mit X- und Y-Achse, das die Verteilung<br />

der Farbtöne im Bild anzeigt: Die Tiefen sind links dargestellt, die<br />

Mitteltöne im mittleren Bereich und die Lichter rechts. Sie können<br />

erkennen, welche Farbwerte tatsächlich vorhanden sind, indem Sie<br />

sich die Kurven der Grafik anschauen – je höher eine Kurvenspitze,<br />

desto mehr Farbtöne liegen in diesem Bereich. Wenn Sie ein<br />

Histogramm lesen, können Sie die Belichtung einer Szene mit einem<br />

einzigen Blick beurteilen. Entscheidend ist jedoch zu wissen, wie die<br />

Histogramme von Szene zu Szene variieren.<br />

In einer durchschnittlichen Situation wie bei diesem<br />

Landschaftsfoto können Sie erwarten, dass sich eine Spitze<br />

im mittleren Bereich befindet. Eine Spitze links von der Mitte<br />

deutet auf Unterbelichtung, eine Spitze rechts von der Mitte auf<br />

Überbelichtung hin.<br />

Bei überwiegend hellen oder dunklen Szenen liegt die Sache<br />

jedoch anders. Wie Sie an den Beispielfotos erkennen können, weist<br />

eine richtig belichtete dunkle Szene Spitzen auf der linken Seite auf,<br />

während bei einer richtig belichteten sehr hellen Szene die Spitzen<br />

rechts zu finden sind. Nehmen Sie sich die Zeit, Ihre Bilder sorgfältig<br />

anhand des Histogramms zu überprüfen, und Sie werden schnell<br />

lernen, aus der Kurvenform die richtigen Schlüsse zu ziehen.<br />

Korrekt belichtet<br />

Unterbelichtet<br />

Korrekt belichtet<br />

Unterbelichtet<br />

Mikrofaser-Reinigungstuch<br />

Das Mikrofasertuch von Spudz<br />

dient nicht nur der Reinigung des<br />

Objektivs, sondern Sie können auch<br />

eine Belichtungsmessung darauf<br />

vornehmen, weil es mit 18% Grau<br />

eingefärbt ist.<br />

www.spudz.com<br />

Lastolite 30cm Ezybalance<br />

Diese beidseitig verwendbare,<br />

grau und weiß beschichtete<br />

Karte kann sowohl zur<br />

Belichtungsmessung als auch<br />

zur Farbkorrektur verwendet<br />

werden<br />

www.lastolite.com<br />

Dunkle Szene: Eine überwiegend dunkle Szene enthält generell<br />

mehr Bildinformationen auf der linken Seite des Histogramms.<br />

Schnee: Das viele Weiß in dieser Szene und das Fehlen von Schatten<br />

erzeugen ein Histogramm, das stark nach rechts gewichtet ist.<br />

Weiße und graue Karte<br />

Auf der vorletzten Seite dieses<br />

Magazins finden Sie sowohl eine<br />

weiße als auch eine graue Karte<br />

zum Ausschneiden.


60 Die Grundlagen EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

Die Objektivblende – eine Einführung<br />

Einfach gesagt, besteht der Sinn und Zweck der <strong>Fotografie</strong> darin, korrekt<br />

belichtete Fotos zu erzeugen.<br />

DIE BILDSCHÄRFE IST natürlich besonders<br />

wichtig; wer will schon ein perfekt belichtetes,<br />

aber unscharfes Bild vorzeigen? In aller Regel<br />

meistern heutige Autofokussysteme die<br />

Bildschärfe sehr gut. Dasselbe lässt sich über<br />

Belichtungsautomatiken sagen – bis zu einem<br />

gewissen Grad. Schalten Sie die Kamera auf<br />

Vollautomatik, dann erhalten Sie meistens<br />

genau die richtige Belichtung, ohne über die<br />

verwendeten Einstellungen nachzudenken. Vor<br />

allem zwei Einstellungen steuern die Belichtung:<br />

die Objektivblende und die<br />

Kameraverschlusszeit. Beide beeinfl ussen aber<br />

noch weitere Bildeffekte, welche darüber<br />

entscheiden, ob ein Foto als gelungen<br />

angesehen wird oder nicht. Das Verständnis des<br />

Zusammenwirkens von Blende und Verschluss<br />

ist demnach entscheidend, wenn Sie diese<br />

Bildeffekte selbst steuern und nicht der<br />

Automatik überlassen wollen.<br />

Die Blende steuert die Lichtmenge, die durch<br />

das Objektiv fällt, durch einstellbare<br />

Blendenwerte f/x (siehe unten). Diese<br />

Einstellung bestimmt aber nicht nur den<br />

Lichteinfall, sondern auch, welcher<br />

Entfernungsbereich von der Kamera scharf<br />

abgebildet wird.<br />

Dieser Bereich, innerhalb dessen alle Objekte<br />

scharf abgebildet werden, heißt der<br />

Schärfentiefenbereich: Je weiter die Blende<br />

geöffnet ist (bzw. je kleiner der f/x-Wert), umso<br />

kürzer der Schärfentiefenbereich. Umgekehrt, je<br />

weiter die Blende geschlossen ist (bzw. je größer<br />

der f/x-Wert), umso größer der<br />

Schärfentiefenbereich.<br />

Wenn Sie also beispielsweise Porträts<br />

aufnehmen, werden Sie wahrscheinlich eher<br />

eine weit offene Blende benutzen, die den<br />

Schärfentiefenbereich verkleinert und den<br />

Hintergrund unscharf erscheinen lässt, während<br />

Sie bei Landschaftsaufnahmen eher eine kleine<br />

Blende wählen, die den Schärfentiefenbereich<br />

vergrößert, damit der ganze Bildbereich scharf<br />

aufgenommen wird. Wir gehen darauf an<br />

anderer Stelle genauer ein; nur soviel sei gesagt:<br />

Abhängig von der Blendenöffnung, wandert der<br />

Schärfentiefenbereich von vorn nach hinten.<br />

Deshalb ist es wichtig, die Wirkung der<br />

eingestellten Blende zu kennen, um den Effekt<br />

auf Ihre Aufnahme beurteilen zu können.<br />

Arbeiten Sie oft mit Elektronenblitzgerät? Auch<br />

hier ist die Wahl der Blende entscheidend, da<br />

sie die Blitzintensität steuert. Das kommt daher,<br />

weil die Zeitdauer des Blitzes so kurz ist, dass<br />

die Verschlusszeit irrelevant wird (es sei denn,<br />

sie wäre kürzer als die Blitzsynchronisationszeit<br />

der Kamera). Die richtige Belichtung eines Fotos<br />

hängt völlig davon ab, wie viel Blitzlicht durch<br />

das Objektiv fällt, was wiederum von der Größe<br />

der Blendenöffnung abhängt: Ist die Blende zu<br />

weit geöffnet, wird das Bild überbelichtet; ist sie<br />

zu weit geschlossen, wird unterbelichtet.<br />

Fachchinesisch:<br />

Blendentechnik<br />

Diaphragma: Eine Reihe kleiner,<br />

zungenförmiger, konzentrisch um die<br />

Objektivachse angeordneter Folien, in<br />

unterschiedlichem Winkel zueinander<br />

angeordnet, um entsprechend des eingestellten<br />

f/x-Werts ein im Durchmesser veränderbares<br />

Loch um die Objektivlängsachse zu erzeugen.<br />

Analog zum menschlichen Auge auch „Iris“<br />

genannt.<br />

Blendenstufe: Der f/x-Wert, der die<br />

Blendengröße angibt. Gängige Werte sind f/2.8,<br />

f/4, f/5.6, f/8, f/11, f/16 und f/22.<br />

Aufblenden: Eine größere Blende einstellen<br />

(kleinerer f/x-Wert) – beispielsweise von f/8 auf<br />

f/5.6.<br />

Optimale Blende: Die Blende, bei der ein<br />

Objektiv die beste optische Leistung erreicht,<br />

normalerweise zwischen f/8 und f/11.<br />

Abblenden: Eine kleinere Blende einstellen<br />

(größerer f/x-Wert) – beispielsweise von<br />

f/8 auf f/11. Der Begriff wird auch in dem<br />

Zusammenhang gebraucht, wenn die Blende<br />

auf die kleinste Größe eingestellt wird (größter<br />

f/x-Wert).<br />

Kleine Blende: Eine Blende mit höherem<br />

f/x-Wert wie f/16 oder f/22.<br />

Schmale/geringe Schärfentiefe:<br />

Wenn nur ein kleiner Entfernungsbereich einer<br />

Szene scharf abgebildet wird, was durch eine<br />

weit geöffnete Blende erreicht wird.<br />

Weit geöffnete Blende: Blende mit kleinem<br />

f/x-Wert wie f/2.8 oder f/4.<br />

Grundlagen<br />

Die Blende – das technische Gegenstück zur Iris<br />

des menschlichen Auges – ist ein Loch, durch<br />

das Licht einfällt. Seine Größe wird durch<br />

folgende f/x-Werte gemessen: f/1.4, f/2, f/2.8,<br />

f/4, f/5.6, f/8, f/11, f/16, f/22 und f/32.<br />

Je größer der f/x-Wert, desto kleiner die Blende,<br />

und umgekehrt. Physikalisch ausgedrückt: Jede<br />

Blende der obenstehenden f/x-Blendenwertreihe<br />

lässt jeweils die Hälfte der Lichtmenge des<br />

vorherigen Werts hindurch. Blende f/5.6 lässt<br />

also beispielsweise nur noch die Hälfte der<br />

Lichtmenge durch das Objektiv wie Blende f/4.<br />

Die Anzahl der einstellbaren Blendenwerte<br />

variiert je nach Objektivart. Ein 50mm<br />

Standardobjektiv mit fester Brennweite bietet<br />

etwa eine Blendenskala von f/1.4 bis f/16, ein<br />

70-200mm Telezoom eine Skala von f/4 bis<br />

f/32. Objektive unterscheiden sich nur anhand<br />

ihrer höchsten und niedrigsten Blendenwerte,<br />

die Mittelwerte der Skala werden von jedem<br />

Objektiv abgedeckt, auch von sehr alten.<br />

Seit moderne Kameras ihre Blenden<br />

elektronisch einstellen, sind auch Werte<br />

zwischen den Standardblendenstufen möglich,<br />

meist in Werten von 1/3 Blendenstufe: So liegen<br />

beispielsweise zwischen f/4 und f/5.6 die<br />

Zwischenstufen f/4.5 und f/5; zwischen f/5.6<br />

und f/8 gibt es f/6.3 und f/7.1 usw. Dies<br />

ermöglicht dem Fotografen, seine Belichtung<br />

noch feiner abzustimmen.<br />

Die Art und Weise, wie Sie die Blende einstellen,<br />

hängt vom Belichtungsprogramm der Kamera<br />

ab. Von allen verfügbaren<br />

Belichtungsprogrammen bzw. „Betriebsarten“<br />

ist die Zeitautomatik die sinnvollste. Dabei<br />

steuern Sie die Blende direkt durch manuelle<br />

Vorwahl des Blendenwerts f/x. Wenn die<br />

Lichtverhältnisse sich ändern, sodass die<br />

Belichtung nachgeregelt werden muss,<br />

übernimmt das die Kamera und passt die<br />

Verschlusszeit entsprechend an. Dasselbe gilt,<br />

wenn Sie eine Belichtungskorrektur einstellen.<br />

Bei der Blendenautomatik funktioniert das<br />

Ganze umgekehrt: Die Verschlusszeit bleibt<br />

f/2.8 f/22<br />

Oben: Weit offene Blende<br />

Eine größere Blende ergibt ein Bild mit geringer<br />

Tiefenschärfe, was bedeutet, die den Schärfebereich<br />

umgebenden Areale werden leicht unscharf.<br />

Oben rechts: Kleine Blende<br />

Eine kleinere Blende ergibt ein detailreicheres,<br />

schärferes Foto. Je kleiner die Blende, desto besser<br />

ist die Schärfentiefe.<br />

f/2.8<br />

f/11<br />

f/5.6<br />

f/16<br />

konstant, und die Kamera passt den<br />

Blendenwert den Lichtverhältnissen an; dies ist<br />

allerdings nur in seltenen Fällen erwünscht.<br />

Praktikabel hingegen ist eine komplett manuelle<br />

Einstellung von Blende und Verschlusszeit: Alle<br />

Einstellungen bleiben unverändert, bis sie<br />

manuell geändert werden. Einziger Nachteil der<br />

Methode ist, dass sie länger dauert und bei<br />

schwankenden Lichtverhältnissen<br />

fehleranfälliger ist.<br />

f/8<br />

f/22<br />

Belichtungsprogramme<br />

Av Zeitautomatik: (A oder Av): In<br />

diesem Modus wird die Verschlusszeit<br />

automatisch von der Kamera gesteuert,<br />

die Blende stellen Sie manuell ein. An einem<br />

Einstellrad, meist oben am Kameragehäuse,<br />

wählen Sie den gewünschten Blendenwert vor<br />

und haben somit volle Kontrolle über ihre<br />

Wirkung. Die Verschlusszeit wird je nach<br />

Lichtverhältnissen von der Kamera automatisch<br />

nachgeregelt, sodass stets korrekt belichtet wird.<br />

Tv Blendenautomatik (S oder<br />

Tv): In diesem Modus bleibt Ihre<br />

eingestellte Verschlusszeit konstant. Die<br />

Kamera regelt den Blendenwert entsprechend den<br />

Lichtverhältnissen nach und sorgt dadurch für<br />

korrekte Belichtung.<br />

Vollautomatik (P): Wie der Name<br />

P schon sagt, stellt die Kamera in diesem<br />

Modus sowohl Blende als auch<br />

Verschlusszeit automatisch ein. Sie können die<br />

Kombination beider Werte am Einstellrad<br />

justieren, bis eine bevorzugte Blende angezeigt<br />

wird.<br />

Manuelle Einstellung (M):<br />

M Sowohl Blende als auch Verschlusszeit<br />

werden nur manuell eingestellt. Sie<br />

wählen Ihre gewünschte Blende und regeln die<br />

Verschlusszeit nach oben oder unten, bis der<br />

Indikator eine korrekte Belichtungseinstellung<br />

anzeigt.<br />

ROSS HODDINOTT


EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

Die Grundlagen 61<br />

LEE FROST<br />

Von vorn bis hinten<br />

Für Fotos wie dieses hier brauchen Sie<br />

eine kleine Blende. Alles wird scharf<br />

abgebildet.<br />

Schärfentiefe-<strong>Vorschau</strong><br />

Bei Spiegelreflexkameras ist die Einschätzung der<br />

Schärfentiefe nicht ganz einfach. Das liegt daran, dass die<br />

Blende so lange voll geöffnet bleibt, bis Sie auf den Auslöser<br />

drücken, unabhängig vom eingestellten Wert. Die im Sucher<br />

sichtbare Schärfentiefe würden Sie erhalten, wenn Sie mit<br />

weit offener Blende fotografieren.<br />

Um zu beurteilen, wie die tatsächlich eingestellte<br />

Schärfentiefe wirkt, können Sie die Schärfentiefe-<br />

<strong>Vorschau</strong>taste nutzen – aus den Tagen analoger<br />

Kleinbildkameras auch als „Springblende“ bekannt. Drücken<br />

Sie diese Taste an Ihrer Kamera, dann wird die vorgewählte<br />

Blende sofort eingestellt. Sie sehen gleich, wie das Sucherbild<br />

merklich dunkler wird, denn die einfallende Lichtmenge ist<br />

jetzt um die gewählten Blendenstufen reduziert. Sie werden<br />

anfangs nicht viel erkennen, doch wenn Sie die Kamera<br />

eine Weile an das Auge halten, passen sich die Augen dem<br />

dunkleren Bild an. Jedenfalls genug, um zu erkennen, was<br />

scharf ist oder nicht.<br />

Die stolzen Besitzer von Canon Spiegelreflexkameras können<br />

zur Beurteilung der Schärfentiefe die LiveView-Funktion Ihres<br />

LCD-Monitors nutzen.<br />

Canon<br />

Nikon<br />

Blenden - häufig gestellte<br />

Fragen<br />

F: Was bedeutet „schnelles<br />

Objektiv“?<br />

Das bezieht sich auf die maximale Blendengröße<br />

eines Objektivs. Manche 70-200mm Telezoom-<br />

Objektive bieten eine maximale Blende von f/2.8,<br />

andere bieten bei gleicher Brennweite nur einen<br />

Maximalwert von f/4. Bietet ein Objektiv einer<br />

bestimmten Kategorie einen größeren maximalen<br />

Blendenwert als der Durchschnitt, spricht man<br />

von einem schnellen Objektiv. Unser 70-200mm<br />

f/2.8 Objektiv ist also ein schnelles Objektiv,<br />

ebenso ein 16-35mm f/2.8 Weitwinkelzoom<br />

oder ein 85mm f/1.4 Festbrennweitenobjektiv<br />

usw. Ein 75-300mm f/4-5.6 Zoom würde man<br />

dagegen als „langsam“ bezeichnen. Schnellere<br />

Objektive sind von besserer optischer Qualität,<br />

infolgedessen teurer und meistens größer als ihre<br />

langsameren Pendants.<br />

F: Worin besteht der Vorteil eines<br />

schnellen Objektivs?<br />

Der unmittelbare Vorteil besteht schlicht darin,<br />

dass Sie eine größere maximale Blende einstellen<br />

können, was kürzere Verschlusszeiten erlaubt.<br />

Deswegen von Sport- und Wildlife-Fotografen<br />

bevorzugt. Bei f/4 als maximaler Blende sind<br />

Sie vielleicht auf 1/125 Sekunde beschränkt,<br />

doch bei einer maximal möglichen Blende<br />

f/2.8 können Sie 1/250 Sekunde einstellen<br />

und erhalten dieselbe Belichtung. Sie erinnern<br />

sich: Der Wechsel von einer Blendenstufe<br />

zur nächsten bedeutet entweder die doppelte<br />

oder die halbe einfallende Lichtmenge, wenn<br />

Sie auf- oder abblenden. Dasselbe gilt für die<br />

Verschlusszeiten. Ein weiterer Vorteil schneller<br />

Objektive ist, dass Sie bei Tele-Brennweiten<br />

und größerer maximaler Blendenöffnung einen<br />

kürzeren Schärfentiefenbereich haben, mit dem<br />

Sie Ihr Motiv isolieren und den Hintergrund<br />

unscharf abbilden können. Nebenbei ist auch<br />

das Sucherbild heller, was besonders bei<br />

schwachem Licht die Bildkomposition und<br />

Scharfeinstellung erleichtert.<br />

F: Bedeuten die f/x-Werte bei allen<br />

Objektiven dasselbe, ist also f/8<br />

beim 70-200mm Zoomobjektiv<br />

dasselbe wie beim 17-40mm Zoom?<br />

Genauso ist es. Alle f/x-Werte lassen dieselbe<br />

Lichtmenge durch, ganz gleich bei welcher<br />

Brennweite. Wenn Sie also das Objektiv<br />

wechseln und bei Blendeneinstellung<br />

beibehalten, ist auch die Verschlusszeit der<br />

Kamera dieselbe.<br />

F: Warum geben Zoomobjektive<br />

oft zwei verschiedene maximale<br />

Brennweiten an – z. B. f/4–5.6 für ein<br />

75-300mm Zoom?<br />

Zoomobjektive verwenden verschieden Linsen,<br />

die in bestimmten Gruppierungen angeordnet<br />

sind, um variable Brennweiten zu ermöglichen.<br />

Wenn Sie vom Weitwinkel- in den Telebereich<br />

zoomen, werden diese Linsengruppen entlang<br />

der Mittelachse des Objektivs verschoben<br />

um das anvisierte Objekt zu vergrößern. Bei<br />

billigeren Zoomobjektiven ist die Optik aus<br />

Kostengründen so konstruiert, dass die maximale<br />

mögliche Blende mit zunehmender Brennweite<br />

kleiner wird. Zoomobjektive mit konstanter<br />

maximaler Blende sind in Konstruktion und<br />

Fertigung aufwendiger und deshalb teurer.<br />

F: Warum haben die in manchen<br />

Bildern auftretenden Lichtreflexe<br />

die Form der Blende des Objektivs?<br />

Weil die Reflexe von Licht verursacht werden,<br />

das innerhalb des Objektivs mehrfach hin- und<br />

hergeworfen wird und dabei manchmal auch<br />

von den Diaphragma-Elementen, aus denen<br />

die Blende besteht, reflektiert wird. Dadurch<br />

entstehen Lichtreflexe in Blendenform. Das<br />

kann bei bestimmten Aufnahmen durchaus<br />

attraktiv wirken; Sie können den Effekt jedoch<br />

vermeiden, indem Sie eine Gegenlichtblende<br />

verwenden oder das Objektiv mit der Hand nach<br />

oben hin abschirmen, um direkten Lichteinfall zu<br />

vermeiden.


62 Die Grundlagen EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

Die wunderbare Welt der großen Blenden<br />

Lernen Sie, wie große Blenden Ihre Bilder verwandeln können, und entdecken Sie die maximale Kreativität Ihrer Kamera.<br />

WIE BEREITS erklärt: Je niedriger der f/-Wert,<br />

desto größer ist die Blende. Wenn Sie eine<br />

große Blende einstellen, fällt als unmittelbare<br />

Konsequenz mehr Licht in Ihr Objektiv ein.<br />

Dies wiederum bedeutet, dass der Verschluss<br />

Ihrer Kamera nicht so lange geöffnet bleiben<br />

muss, um die korrekte Belichtung zu erzeugen.<br />

Mit anderen Worten: Je größer die Blende,<br />

desto kürzer ist die Verschlusszeit in jeder<br />

beliebigen Situation.<br />

Sportfotografen schießen oft mit großer Blende,<br />

weil diese ihnen ermöglicht, die<br />

Verschlusszeiten kurz zu halten und Objekte in<br />

schneller Bewegung einzufrieren. Um einen<br />

Formel 1-Bolliden in voller Fahrt einzufangen,<br />

benötigen Sie Verschlusszeiten von 1/1000<br />

Sekunde oder kürzer. Ein praktischer<br />

Nebeneffekt ist, dass Sie beim <strong>Fotografie</strong>ren<br />

aus der Hand Verwacklungsunschärfe besser<br />

vermeiden können, wenn Sie Ihre Blende<br />

„öffnen“ um somit eine vernünftige<br />

Verschlusszeit zu erzielen. Dies ist besonders<br />

hilfreich, wenn Sie Zoom- oder Teleobjektive<br />

verwenden, die besonders anfällig für<br />

Verwacklungsunschärfen sind – nicht nur weil<br />

sie groß und schwer sind, sondern weil sie jede<br />

Kamerabewegung vergrößern.<br />

Große Blenden finden darüber hinaus bei<br />

schlechten Lichtverhältnissen Verwendung,<br />

wenn Sie an der Grenze des Machbaren<br />

arbeiten. Ist ein Stativ nicht praktikabel, um die<br />

Kamera still zu halten, haben Sie keine Wahl<br />

als das Objektiv auf die größte Blende<br />

einzustellen und aus der Hand zu fotografieren.<br />

Hier kann es einen großen Unterschied<br />

machen, welchen Objektivtyp Sie verwenden.<br />

Ein 50mm-Objektiv mit Festbrennweite ist für<br />

alle Lichtverhältnisse geeignet, weil es im<br />

Vergleich zu Zoomobjektiven nicht nur<br />

kompakt und leicht genug zum <strong>Fotografie</strong>ren<br />

aus der Hand ist, sondern weil auch die<br />

„langsamsten“ Objektive eine maximale<br />

Blende von 1/1.8 haben, die auch bei<br />

schlechtem Licht überraschend kurze<br />

Verschlusszeiten erlauben. Auf dem Markt sind<br />

auch noch „schnellere“ 50mm-Objektive mit<br />

maximalen Blenden von f/1.4 oder f/1.2<br />

erhältlich – allerdings ist die letztere Variante<br />

nicht nur zehn Mal so teuer wie ein<br />

f/8-Objektiv, sondern auch zehn Mal so<br />

schwer. Die Vorteile der schnelleren Blende<br />

werden also durch Größe und Gewicht<br />

aufgehoben, da Sie kürzere Verschlusszeiten<br />

benötigen, um Verwacklungsunschärfen zu<br />

vermeiden.<br />

Abgesehen von Verschlusszeiten: Ein anderer,<br />

wichtiger Vorteil großer Blenden ist, dass Sie<br />

eine reduzierte Tiefenschärfe erhalten, bei der<br />

ein kleinerer Bereich des Motivs oder der Szene<br />

scharf abgebildet wird. Je größer die Blende,<br />

desto geringer die Tiefenschärfe, die Sie bei<br />

jeder Blende erhalten. f/4 erzeugt also eine<br />

flachere Tiefenschärfe als f/5.6 oder f/8. Die<br />

Tiefenschärfe wird bei jedem beliebigen<br />

Objektiv noch weiter reduziert, wenn die<br />

Brennweite ansteigt. Wenn Sie also mit 28 mm<br />

und f/4 fotografieren, wird ein größerer Bereich<br />

der Szene scharf abgebildet als wenn Sie mit<br />

200 mm und f/4 arbeiten.<br />

Schließlich wird die Tiefenschärfe noch weiter<br />

reduziert, wenn das Motiv näher an die<br />

Kamera heranrückt, buchstäblich auf ein paar<br />

Millimeter, wenn Sie ein weit geöffnetes<br />

Makroobjektiv verwenden und die minimale<br />

Fokusdistanz wählen. Dieser Effekt kann,<br />

wenn er kreativ eingesetzt wird, fantastische<br />

Bilder erzeugen.<br />

ISTOCK PHOTO<br />

ROSS HODDINOTT<br />

GROSSE BLENDEN BEI LANDSCHAFTSAUFNAHMEN<br />

Der Einsatz großer Blenden in der Landschaftsfotografie erscheint unlogisch, denn normalerweise<br />

will man eine Szene von vorne bis hinten scharf abbilden, was mit großer Blende schwierig ist –<br />

oder? Tatsächlich gilt dies in manchen Situationen nicht: Sie benötigen nur dann große<br />

Tiefenschärfe, wenn sich der nächste Punkt einer Szene nah vor der Kamera befindet. Manchmal<br />

sind jedoch alle Elemente, die Sie aufnehmen möchten, sehr weit entfernt. In solchen Fällen<br />

benötigen Sie überhaupt keine Tiefenschärfe; gute Beispiele sind Luftaufnahmen aus Flugzeugen<br />

oder Heißluftballons. Hier müssen Sie sogar mit weit geöffneter Blende fotografieren, um trotz Ihrer<br />

Bewegung alles scharf abzubilden. Das Gleiche gilt, wenn Sie von einem Hügel oder Berg aus ein<br />

Tal unter sich fotografieren, oder ein Stadtbild von einem hohen Aussichtspunkt, zum Beispiel vom<br />

Dach eines Wolkenkratzers.<br />

Auch in der Landschaftsfotografie kann kurze Tiefenschärfe funktionieren, denn sie ermöglicht<br />

Ihnen ein Element scharf abzubilden und andere verschwimmen zu lassen, etwa einen einsamen<br />

Baum auf einem Feld, der mithilfe eines Zoomobjektivs bei größter Blende eingefangen wird. Diese<br />

Technik wird auch als „selektive Schärfe“ bezeichnet. Sie können erstaunliche Ergebnisse erzielen,<br />

wenn Sie mit weit geöffnetem Weitwinkelobjektiv auf ein Element fokussieren, welches sich in der<br />

Nähe der Kamera befindet, zum Beispiel ein Blütenblatt, sodass dieses scharf abgebildet wird,<br />

während alles andere unscharf bleibt. Wenn Sie Ihr Objektiv weit öffnen, wird die Szene genauso<br />

abgebildet wie sie im Sucher erscheint, sodass der Tiefenschärfebereich gut zu kontrollieren ist;<br />

zudem wird klar erkennbar, ob Sie auf die richtige Stelle fokussiert haben.<br />

GROSSE BLENDEN UND<br />

PORTRÄTAUFNAHMEN<br />

Porträtfotografie und große Blenden sind<br />

füreinander bestimmt. Sie werden oft den<br />

Wunsch haben, alles im Hintergrund Ihres<br />

Modells unscharf zu lassen, damit es nicht<br />

vom Porträt ablenken kann. Kurze<br />

Teleobjektive im Bereich von 85–135mm<br />

gelten für traditionelle Porträtaufnahmen als<br />

beste Wahl, weil sie die Perspektive so<br />

komprimieren, dass unsere Gesichtszügen<br />

ebenmäßiger erscheinen, und weil Sie bei<br />

großen Blenden zudem für kurze<br />

Tiefenschärfe sorgen und den Hintergrund<br />

verschwimmen lassen. Wenn Sie dies<br />

erreichen, aber das ganze Gesicht Ihres<br />

Modells scharf abbilden möchten, sollten Sie<br />

sich an Blende f/5.6 halten und auf die<br />

Augen des Modells fokussieren.<br />

Bei größeren Blenden wird die Tiefenschärfe<br />

bis zu einem Bereich reduziert, in dem Teile<br />

des Gesichts wie Nasenspitze und Stirn<br />

möglicherweise nicht mehr scharf abgebildet<br />

werden. Aber auch dieser Effekt kann sehr<br />

gut funktionieren, weil Sie damit die<br />

Aufmerksamkeit auf die Augen lenken,<br />

besonders wenn Sie mit maximaler Blende<br />

fotografieren. Versuchen Sie einmal, Porträts<br />

mit einem Zoomobjektiv bei f/2.8 oder f/4<br />

oder mit 50 mm Festbrennweite bei f/1.8 zu<br />

fotografieren. In diesem Fall sollten Sie nur<br />

darauf achten, dass sich Ihr Modell im<br />

rechten Winkel zur Kamera befindet, sodass<br />

immer beide Auge fokussiert werden.<br />

Alternativ können Sie auch einmal aus einem<br />

Winkel fotografieren, sodass ein Auge näher<br />

an der Kamera ist als das andere; in diesem<br />

Fall fokussieren Sie auf das nähere Auge.


EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

Die Grundlagen 63<br />

ISTOCK PHOTO<br />

GROSSE BLENDEN FÜR NATURAUFNAHMEN<br />

Naturfotografen geht es meist darum, scheue Lebewesen in natürlicher<br />

Umgebung einzufangen; die Tiere befi nden sich in einem gewissen<br />

Abstand zur Kamera, sind mitunter sehr klein und in vielen Fällen gut<br />

getarnt. Aus all diesen Gründen sind lange Teleobjektive die besten<br />

Werkzeuge für solche Aufgaben: Sie können aus sicherer Entfernung<br />

fotografi eren, und Ihr Motiv erscheint in ausreichender Größe im<br />

Bildausschnitt. Brennweiten von 300 mm bis 600 mm sind üblich. Auch<br />

hier bevorzugen viele Fotografen große Blenden, damit die<br />

Belichtungszeiten kurz bleiben, Verwacklungsunschärfen vermieden<br />

werden (lange Objektive sind schwer) und die Bewegung des Motivs<br />

eingefroren wird. Zudem wird das Motiv so isoliert, dass es sich besser<br />

vom Hintergrund abhebt. Wenn Sie nicht gerade tausende Euro für ein<br />

schnelles Objektiv mit Festbrennweite auszugeben, z. B. 300mm f/2.8,<br />

oder 500mm f/4, liegt die maximale Blende Ihres längsten Objektivs<br />

wahrscheinlich bei f/5.6 oder f/8 – besonders wenn Sie die Brennweite<br />

durch einen Telekonverter verlängern. Das braucht Sie aber nicht zu<br />

sorgen, denn ab Brennweiten von 300 mm wird die Tiefenschärfe<br />

selbst bei diesen Blendenwerten sehr kurz. Wenn Sie Ihr Motiv dann<br />

sorgfältig fokussieren, wird der Hintergrund in der Regel sehr unscharf.<br />

Auch Teleobjektive mit kürzeren Brennweiten bis 200 mm können sehr<br />

effektiv sein, wenn man sie weit öffnet, um Objekte näher vor der<br />

Kamera zu fotografi eren. So wird die Aufmerksamkeit auf einen<br />

bestimmten Bereich konzentriert, etwa ein Auge, während alles übrige<br />

verschwimmt. Das Gleiche gilt, wenn Sie Wildtiere aus der Nähe mit<br />

Weitwinkel fotografi eren, obwohl diese Objektive generell viel<br />

Tiefenschärfe bieten. Bei geringer Fokusdistanz und maximaler Blende<br />

erreichen selbst Objektive , die nur das Hauptmotiv scharf abbilden und<br />

Hintergründe bis zur Unkenntlichkeit verschwimmen lassen, erstaunlich<br />

kurze Tiefenschärfen.<br />

Große Blende: Fokus<br />

Kurze Tiefenschärfe fi ndet in<br />

der kreativen Fotografi e viele<br />

Anwendungsbeispiele. Sie sollten<br />

sich nur darüber im Klaren sein, dass<br />

die Fokuszone in einem solchen Bild<br />

reduziert ist. Sie müssen sehr genau<br />

fokussieren, weil der Spielraum für<br />

Fehler sehr klein ist. Dies gilt eher für<br />

Tele- als für Weitwinkelobjektive, weil<br />

mit einem weit geöffneten Teleobjektiv<br />

nur Tiefenschärfen von wenigen<br />

Zentimetern erreicht werden. Sie<br />

müssen also genau darauf achten, den<br />

richtigen Punkt zu fokussieren.<br />

Hier können moderne AF-Systeme<br />

sehr hilfreich sein, aber auch sie sind<br />

nicht vor Fehlern gefeit. Sie fokussieren nur auf etwas, das sich hinter<br />

einem aktiven AF-Punkt befi ndet. Das Zauberwort hier lautet: Übung.<br />

Gewöhnen Sie sich an das Fokussystem Ihrer Kamera, lernen Sie die<br />

AF-Punkte mit der Kamera vor Ihrem Auge zu wechseln, sodass Sie ein<br />

Objekt außerhalb der Mitte scharf halten können. Oder fokussieren Sie<br />

auf einen speziellen Punkt, wenn die Bildkomposition abgeschlossen<br />

ist, indem Sie Fokus-Hilfspunkte verwenden, um ein bewegtes Objekt<br />

scharf zu stellen.<br />

Wenn alles andere versagt, können Sie alternativ auch auf manuellen<br />

Fokus umschalten und sich statt auf die Technik auf Ihr Augenmaß<br />

verlassen. Das mag radikal erscheinen, wo doch unsere Autofokus-<br />

Systeme so weit entwickelt sind, aber manchmal ist Low-Tec einfach<br />

die beste Wahl.


64 Die Grundlagen<br />

EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

Die Blende in der Makrofotografie<br />

Die Wahl des Fokuspunkts kann aus einer guten Nahaufnahme eine<br />

hervorragende machen – erfahren Sie mehr über die Geheimnisse von<br />

Profis der Makrofotografie...<br />

WIE BEREITS bekannt: Je größer die Blende, desto<br />

kürzer die Tiefenschärfe. Und da sie mit<br />

zunehmender Vergrößerung immer kürzer wird, ist<br />

der Effekt bei Nahaufnahmen entsprechend stärker.<br />

Der Schärfebereich kann bei Größenverhältnissen im<br />

Bereich 1:1 (Lebensgröße) hauchdünn werden.<br />

Wenn Sie also auch mit großen f/-Werten noch<br />

rasiermesserscharfe Nahaufnahmen fotografieren<br />

wollen, müssen Ihr Fokus und Ihre Technik<br />

wohlüberlegt sein.<br />

Da die Tiefenschärfe bei großen (weiten) Blenden so<br />

eingeschränkt ist könnte man annehmen, dass eine<br />

kleinere f/Zahl besser geeignet sei, um einen<br />

größeren Schärfebereich zu erzeugen. Dadurch<br />

werden jedoch normalerweise auch ablenkende<br />

Details im Vorder- und Hintergrund in den Fokus<br />

gerückt, die Hintergründe werden unordentlich und<br />

lenken das Auge von dem eigentlichen Motiv ab. Die<br />

Wahl einer kleineren Blende führt außerdem zu einer<br />

wesentlich längeren Verschlusszeit, was ebenfalls<br />

unpraktisch sein kann, wenn man aus der Hand<br />

fotografiert oder wenn man Objekte in Bewegung,<br />

wie zum Beispiel fliegende Insekten oder vom Wind<br />

bewegte Pflanzen ablichten möchte.<br />

Aber von den praktischen Erwägungen einmal<br />

abgesehen, gibt es außerdem auch ästhetische<br />

Vorteile, die für die Verwendung einer großen Blende<br />

beim <strong>Fotografie</strong>ren von Makroaufnahmen sprechen.<br />

Sie trägt dazu bei, die Umgebung des Objekts auf<br />

ansprechende Weise verschwimmen zu lassen und<br />

einen diffusen Bereich verwaschener Farben zu<br />

schaffen, aus denen Ihr Motiv deutlich hervortritt –<br />

eine Technik, die wir bereits angesprochen haben<br />

und die als selektive Schärfe bezeichnet wird. Wenn<br />

Sie zum Beispiel Insekten oder Wildblumen<br />

fotografieren, stellt eine Blende im Bereich von f/4<br />

oder f/5.6 sicher, dass nur das Objekt selber scharf<br />

abgebildet wird, und dass der Hintergrund frei von<br />

Unordnung ist, ohne dass Sie dazu erst einmal die<br />

umgebende Vegetation „jäten“ oder den Blickwinkel<br />

ändern müssten. Um die Tiefenschärfe bei jeder<br />

beliebigen f/Stufe zu maximieren, versuchen Sie, den<br />

Sensor Ihrer Kamera parallel zu Ihrem Objekt<br />

auszurichten. Der Grund dafür ist, dass es nur eine<br />

geometrische Ebene vollständiger Schärfe gibt. Auf<br />

diese Weise platzieren Sie so viel wie möglich von<br />

Ihrem Objekt auf dieser Ebene.<br />

Ob Sie nun wild lebende Tiere, Pflanzen oder<br />

Stillleben fotografieren ¬– die Wahl einer großen<br />

Blende kann sich bei der Verwendung eines<br />

Makroobjektivs oder einer Nahlinse als extrem<br />

nützliches, kreatives Werkzeug erweisen, das Ihren<br />

Fokuspunkt betont. Fast alles vor und hinter Ihrem<br />

Fokuspunkt wird zunehmend verschwommener<br />

abgebildet, was eine ganze Menge kreativen<br />

Potenzials bietet. Sie können zum Beispiel Ihren<br />

Fokuspunkt auf die Blütenblättern oder -stempel<br />

einer Blume legen und den Rest der Pflanze auf<br />

attraktive Weise verschwimmen lassen. Der Trick ist,<br />

gerade genug Tiefenschärfe zu erzeugen, um<br />

sicherzustellen, dass der Hintergrund Ihres Objekts<br />

schön verschwimmt, aber trotzdem noch erkennbar<br />

bleibt. Wenn Ihre Kamera über einen <strong>Vorschau</strong>knopf<br />

verfügt, sollten Sie diesen verwenden, um den Effekt<br />

zu kontrollieren. Passen Sie die f/Zahl an, wenn mehr<br />

oder weniger Tiefenschärfe erforderlich ist. Diese Art<br />

von selektiver Fokussierung kann erstaunliche,<br />

künstlerische Resultate hervorrufen und viel mehr<br />

über die Größe, die Schönheit und das Design eines<br />

Objekts preisgeben, als ein durchgängig scharfes<br />

Bild.<br />

Eine große Blende erlaubt Fotografen von<br />

Nahaufnahmen viel mehr Kreativität beim<br />

Fokussieren. Aber das ist nicht immer gut. Die durch<br />

eine große Blende erzeugte, flache Tiefenschärfe<br />

bedeutet, dass die Fokussierung rasiermesserscharf<br />

sein muss. Wenn die scharfe Zone potenziell nur ein<br />

paar Millimeter misst, ist es nicht leicht, aus der<br />

Hand scharfe Ergebnisse zu erzielen. Sie sollten also,<br />

wann immer es möglich ist, ein Stativ verwenden.<br />

Dies ermöglicht es Ihnen, Ihren Fokuspunkt sehr viel<br />

akkurater zu platzieren. In Situationen, in denen die<br />

Verwendung eines Stativs nicht praktikabel ist,<br />

sollten Sie eine größere Serie von Aufnahmen<br />

schießen, um sicherzustellen, dass wenigstens eine<br />

Aufnahme korrekt fokussiert ist. Dabei ist ein<br />

manueller Fokus am besten geeignet, da der<br />

Autofokus Probleme beim Fokussieren auf nahe<br />

gelegene Objekte haben kann. Noch besser ist es,<br />

wenn Sie LiveView verwenden und in den Bereich,<br />

auf den Sie fokussieren möchten, hineinzoomen, um<br />

dann die entsprechenden Feineinstellungen an<br />

Ihrem Fokus sorgfältig und von Hand vorzunehmen.<br />

Profi-Tipp: Ross Hoddinott<br />

„Bei Nahaufnahmen ist die Tiefenschärfe<br />

aufgrund der starken Vergrößerung meist<br />

sehr kurz. Daher glauben viele Fotografen,<br />

dass man kleine Blenden verwenden<br />

sollte. Ich bin jedoch anderer Meinung<br />

und verwende für Blumen, Insekten<br />

usw. nur selten kleine Blenden. Erstens<br />

führt die kleine Blende zu längeren<br />

Verschlusszeiten, die beim <strong>Fotografie</strong>ren<br />

von Wildtieren bei schwachem Licht nicht<br />

erwünscht sind; zweitens kann eine kleine<br />

Blende störende Details im Hintergrund in<br />

den Fokus bringen.<br />

Ich verwende lieber größere Blenden<br />

im Bereich f/2.8 bis f/8. Die kurze<br />

Tiefenschärfe führt dazu, dass mein<br />

Objekt sich deutlich von seinem<br />

Hintergrund löst. Die Ergebnisse können<br />

fantastisch aussehen – allerdings muss<br />

der Fokuspunkt hundertprozentig exakt<br />

sein! Um sicher zu stellen, dass das<br />

Objekt durchgehend scharf abgebildet<br />

wird, sollten Sie Ihre Kamera parallel<br />

dazu ausrichten, um die Tiefenschärfe<br />

zu maximieren. Fokussieren Sie nach<br />

Möglichkeit manuell und nutzen Sie<br />

die LiveView-Funktion; auf diese Weise<br />

können Sie präzise in die Szene einzoomen<br />

und Ihren Fokuspunkt genau platzieren.<br />

Die kurze Tiefenschärfe stellt in jedem Fall<br />

ein kraftvolles, künstlerisches Werkzeug für<br />

Nahaufnahmen dar.“<br />

ÄNDERN DER TIEFENSCHÄRFE<br />

Jeder kann ein scharfes Foto schießen – was wirklich<br />

zählt ist, wo Sie die Schärfe platzieren! Diese<br />

Bildsequenz einer Gebänderten Prachtlibelle wurde aus<br />

identischem Blickwinkel und Fokuspunkt<br />

aufgenommen, nur die Tiefenschärfe wurde verändert.<br />

Die Sequenz zeigt, wie Hintergrunddetails zunehmend<br />

hervortreten und abzulenken beginnen, je kleiner die<br />

Blende wird.<br />

Eine große Blende hilft, Ihr Objekt zu isolieren und<br />

dessen Formen und Strukturen zu betonen – Sie<br />

müssen nur den Fokuspunkt richtig auswählen!<br />

f/2.8<br />

f/5.6<br />

f/11<br />

f/16<br />

f/22


Direkte Begegnung!<br />

Wo Sie Ihren Fokus<br />

positionieren, kann<br />

dramatische Folgen für die<br />

Wirkung Ihres Bildes<br />

haben.<br />

ALLE BILDER: ROSS HODDINOTT


66 Die Grundlagen<br />

EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

Wie Sie aus kleinen Blenden das Beste machen<br />

Egal welches Objektiv Sie verwenden: Wenn Sie wissen, welche Blende Sie<br />

für welches Motiv einstellen müssen, werden Ihre fotografischen Ergebnisse<br />

sofort besser. Es folgt ein kurzer Leitfaden...<br />

DER WICHTIGSTE GRUND, warum Fotografen ihre<br />

Objektive auf kleine Blenden einstellen, ist die<br />

Vergrößerung der Tiefenschärfe, damit ein größerer<br />

Bereich der Szene im Fokus ist. Sie sollten sich<br />

allerdings bewusst sein, dass die Tiefenschärfe auch<br />

noch von zwei weiteren Faktoren beeinflusst wird:<br />

von der Brennweite des Objektivs und der<br />

Fokusdistanz. Je größer das Objektiv (je kürzer die<br />

Brennweite), desto mehr Tiefenschärfe erzielen Sie<br />

mit jeder Blende, und je mehr das Objektiv den<br />

Tele-Bereich abdeckt (je länger die Brennweite),<br />

desto weniger Tiefenschärfe erzielen Sie.<br />

Unabhängig von Fokusdistanz und Blende wird die<br />

Tiefenschärfe größer, je weiter sich der Fokuspunkt<br />

von der Kamera entfernt.<br />

Bei Brennweiten im Ultraweitwinkelbereich von 10<br />

bis 15 mm (15 bis 20 mm bei Vollformatsensoren)<br />

können Sie von ein paar Zentimetern bis in<br />

unendliche Entfernung alles in scharfem Fokus<br />

ablichten, wenn Sie auf f/16 oder f/22 abblenden, da<br />

die Tiefenschärfe so weitreichend ist. Nichtsdestotrotz<br />

müssen Sie jedoch auf eine bestimmte Distanz<br />

fokussieren – die hyperfokale Distanz – um die<br />

Tiefenschärfe zu maximieren (siehe Seite 19).<br />

Teleobjektive erzeugen bei kleinen Blenden<br />

wesentlich weniger Tiefenschärfe als<br />

Weitwinkelobjektive, aber da man aufgrund ihrer<br />

Vergrößerungskraft eher weit entfernte Szenen oder<br />

Objekte fotografiert, ist das nicht wirklich<br />

problematisch.<br />

Da kleine Blenden die Lichtmenge reduzieren, die in<br />

das Objektiv eintritt, muss eine längere Verschlusszeit<br />

gewählt werden, um eine korrekte Belichtung zu<br />

erzielen. Das bedeutet: Wenn Sie bei einer<br />

Belichtungsmessung einen Wert von 1/60 Sekunde<br />

bei f/4 erhalten, verändert sich die Verschlusszeit,<br />

wenn Sie das Objektiv abblenden (siehe Tabelle<br />

unten). Dies müssen Sie im Hinterkopf behalten,<br />

wenn Sie aus der Hand fotografieren (insbesondere<br />

bei schlechten Lichtverhältnissen), weil Ihre Fotos<br />

ansonsten Verwacklungsunschärfen aufweisen<br />

könnten. Die Daumenregel lautet: Die Verschlusszeit<br />

sollte mit der Brennweite, mit der Sie fotografieren,<br />

mindestens übereinstimmen: 1/60 Sekunde bei 50<br />

mm, 1/125 Sekunde bei 200 mm und so weiter.<br />

Natürlich haben manche Fotografen eine ruhigere<br />

Hand als andere, und möglicherweise gehören auch<br />

Sie selbst zu diesen Glücklichen; dann werden Sie<br />

sich nicht unbedingt an diese Regel halten müssen.<br />

Viele neuere Objektive verfügen außerdem über eine<br />

Bildstabilisation, die Verwacklungen entgegenwirkt<br />

und es Ihnen ermöglicht, auch bei längeren<br />

Verschlusszeiten aus der Hand noch messerscharfe<br />

Ergebnisse zu erzielen – zum Beispiel mit einem<br />

70–200mm-Zoomobjektiv und 1/30 Sekunde<br />

Belichtungszeit trotz maximaler Vergrößerung! Auch<br />

eine Steigerung des ISO-Wertes ermöglicht Ihnen,<br />

kürzere Belichtungszeiten zu nutzen; trotzdem sollten<br />

Sie aber Ihre Kamera möglichst immer auf ein<br />

robustes Stativ setzen.<br />

Ein positiver Aspekt des Abblendens mit langen<br />

Verschlusszeiten ist, dass Sie Bewegungen einfangen<br />

können. Wasserfälle entfalten deutlich mehr<br />

Atmosphäre, wenn sie bei einer Belichtungszeit von<br />

1/2 bis 1 Sekunde fotografiert werden, sodass<br />

fließendes Wasser oder Wellen milchig-trüb<br />

erscheinen – mit Belichtungszeiten über 30<br />

Sekunden können Sie es sogar in Nebel verwandeln.<br />

Weitere Beispiele sind Grashalme im Wind, Bäume,<br />

die von heftigen Böen geschüttelt werden,<br />

Menschenmengen in Bewegung, galoppierende<br />

Pferde usw. – praktisch alle Motive in Bewegung<br />

können mit langen Verschlusszeiten und<br />

abgeblendetem Objektiv auf kreative Weise<br />

eingefangen werden.<br />

Profi-Tipp: Lee Frost<br />

„Ein Nachteil beim <strong>Fotografie</strong>ren mit<br />

sehr kleinen Blenden ist die Tatsache,<br />

dass Diffraktion auftreten kann. Das<br />

bedeutet: Die Wellenlänge des Lichts<br />

wird gebeugt oder abgelenkt, wenn es<br />

durch die Öffnung im Objektiv fällt, die<br />

durch die Blendenlamellen erzeugt wird.<br />

Dies bewirkt Schärfeverluste. Manche<br />

Objektive leiden stärker darunter als<br />

andere: Ultraweitwinkelobjektive sind<br />

häufiger betroffen als Teleobjektive,<br />

Zoomobjektive häufiger als Objektive mit<br />

fester Brennweite.<br />

Diffraktion wirkt stärker bei kleinen<br />

Blenden, weil das Licht von den Rändern<br />

der Blendenlamellen abgelenkt wird. Je<br />

kleiner die Blende, desto größer ist der<br />

Teil des gesamten Lichtspektrums, der<br />

gebeugt wird. Bei großen Blenden ist<br />

Diffraktion weniger stark ausgeprägt, weil<br />

das Verhältnis des gebeugten zum nicht<br />

gebeugten Licht kleiner ist. Wenn ein<br />

Objektiv sehr stark unter Diffraktion leidet,<br />

gehen alle Vorteile der Tiefenschärfe<br />

durch den Schärfeverlust verloren.<br />

Die Lösung? Blenden Sie Ihr Objektiv<br />

nicht weiter ab, als unbedingt notwendig!“<br />

LEE FROST<br />

Verschluss 1/125 Sek 1/60 Sek 1/30 Sek 1/15 Sek 1/8 Sek 1/4 Sek 1/2 Sek 1 Sekunde<br />

Blende f/2.8 f/4 f/5.6 f/8 f/11 f/16 f/22 f/32<br />

KLEINE BLENDEN IN DER<br />

NATURFOTOGRAFIE<br />

Wie Porträtaufnahmen können auch Naturfotos mit<br />

Betonung auf der Umgebung fotografiert werden.<br />

Warum versuchen Sie nicht einmal, ein Insekt oder<br />

ein Tier als Teil seines natürlichen Lebensraums zu<br />

fotografieren, anstatt es aus seiner Umgebung<br />

heraus zu isolieren? Oftmals benötigen Sie trotzdem<br />

ein Teleobjektiv, einfach, um einen gewissen<br />

Abstand wahren zu können und somit ein<br />

Aufschrecken und Verjagen Ihres Motivs zu<br />

vermeiden. Anstatt den Bildausschnitt zu füllen,<br />

zoomen Sie aus dem Motiv heraus, sodass ein<br />

größerer Bereich der Umgebung mit in die<br />

Bildkomposition aufgenommen wird und blenden<br />

Sie auf f/11 oder f/16 ab, um die gesamte Szene<br />

scharf abzubilden.<br />

Wenn Sie nah an Ihr Motiv herangehen, können Sie<br />

für eine dramatischere Perspektive zu einem<br />

Weitwinkelobjektiv wechseln. Diese Technik wird<br />

oftmals für Fotos von Reptilien, Insekten,<br />

Schmetterlinge oder zutraulichere Vögel<br />

angewendet, die nicht das Weite suchen, wenn<br />

man sich ihnen nähert. Wenn Sie sich mit Blende<br />

f/11 oder f/16 Ihrem Motiv nähern, wird jedes Detail<br />

innerhalb des Bildausschnitts scharf abgebildet. Der<br />

Naturfotograf Frans Lanting verwendet häufig<br />

Weitwinkelobjektive für <strong>Fotografie</strong>n wild lebender<br />

Tiere und die Ergebnisse sind wirklich erstaunlich.<br />

Schauen Sie sich seine Arbeiten doch einmal an<br />

und lassen Sie sich inspirieren. Besuchen Sie ihn<br />

unter franslanting.photoshelter.com.<br />

ROSS HODDINOTT


EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

Die Grundlagen 67<br />

KLEINE BLENDEN FÜR<br />

LANDSCHAFTSAUFNAHMEN<br />

Ebenso wie große Blenden für<br />

Porträtaufnahmen, sind kleine Blenden für die<br />

Landschaftsfotografie der Standard. Die meisten<br />

<strong>Landschaftsfotos</strong> werden mit<br />

Weitwinkelobjektiven aufgenommen, um ein<br />

breiteres Blickfeld einzufangen, und in den<br />

meistens Fällen soll das Bild durchgängig scharf<br />

sein. Die einfachste Möglichkeit, dies zu<br />

erreichen ist, das Objektiv auf f/16 oder f/22<br />

abzublenden, um die Tiefenschärfe zu<br />

maximieren. Zum Glück bieten<br />

Weitwinkelobjektive bei kleiner Blende eine<br />

große Tiefenschärfe, die bei schrumpfender<br />

Brennweite noch zunimmt.<br />

Das ist auch gut so; denn je weiter der<br />

Blickwinkel des Objektivs, umso eher sind wir<br />

geneigt, unsere Komposition mit<br />

Vordergrunddetails auszufüllen, was wiederum<br />

mehr Tiefenschärfe erfordert. Wenn Sie<br />

städtische Szenen bei Nacht fotografieren<br />

wollen, können Sie längere Belichtungszeiten<br />

verwenden und somit Lichtspuren einfangen,<br />

wenn Sie Ihr Objektiv abblenden. Helle<br />

Lichtpunkte hingegen werden häufig als Sterne<br />

abgebildet. Es kann auch Nachteile mit sich<br />

bringen, wenn Sie Ihr Objektiv bis zur<br />

minimalen Blende abblenden (siehe Kasten<br />

gegenüber). Vermeiden Sie dies, wann immer<br />

Sie können, und bleiben Sie eine oder zwei<br />

Stufen oberhalb der minimalen Blende. Eine<br />

Möglichkeit, die trotzdem noch genügend<br />

Tiefenschärfe erzeugt, ist die sogenannte<br />

„hyperfokale Fokussierung“ (siehe Seite 19).<br />

ISTOCK PHOTO<br />

LEE FROST<br />

KLEINE BLENDEN FÜR<br />

PORTRÄTAUFNAHMEN<br />

Porträtaufnahmen werden zwar meistens mit<br />

einem Teleobjektiv und großer Blende<br />

fotografiert, es gibt aber kein Gesetz, das dies<br />

zwingend vorschreibt. Warum nicht mal ein<br />

Porträt mit Betonung auf der Umgebung, in dem<br />

Ihr Modell innerhalb seiner Arbeitswelt vorgestellt<br />

wird: ein Gärtner in seinem Gartenschuppen, ein<br />

Töpfer an seiner Töpferscheibe, ein Koch in der<br />

Küche? Solche Porträts sind oft erfolgreicher als<br />

das traditionelle „Brustbild“, weil sie uns viel<br />

mehr über den Menschen verraten und auch<br />

fotografisch interessanter sind.<br />

Die meisten Porträts mit Betonung auf der<br />

Umgebung werden mit Weitwinkelobjektiv<br />

aufgenommen, mit dem Sie alles scharf abbilden<br />

können. Eine Alternative für Umgebungsporträts<br />

ist die Verwendung eines Weitwinkelobjektivs im<br />

Nahbereich, mit dem Sie nicht viel mehr als den<br />

Kopf und die Schultern Ihres Modells im<br />

Bildausschnitt haben. Die übertriebene<br />

Perspektive bedeutet, dass Sie immer noch den<br />

Hintergrund als dessen Lebensraum mit in den<br />

Bildausschnitt aufnehmen und mit einer kleinen<br />

Blende fotografieren können, sodass alles scharf<br />

ist. Da der Hintergrund sich in einen unendlichen<br />

Bereich erstreckt, dominiert Ihr Modell immer<br />

noch den Bildausschnitt.<br />

ISTOCK PHOTO


68 Die Grundlagen EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

Die Verwendung<br />

kleiner Blenden<br />

So fotografieren Sie mit einer kleinen<br />

Blende rasiermesserscharfe<br />

Landschaftsaufnahmen<br />

LEE FROST: Wir haben bereits erklärt,<br />

dass kleine Blenden eine größere<br />

Tiefenschärfe erzeugen, sodass Sie einen<br />

größeren Bereich der Szenerie im Fokus<br />

abbilden können. Wenn man Landschaften<br />

fotografiert, möchte man idealerweise alles vom<br />

unmittelbaren Vordergrund bis hin zu dem weit<br />

entfernten Hintergrund scharf haben. Um dies zu<br />

erreichen, wenden viele Fotografen eine<br />

Daumenregel an, die besagt, dass man sein<br />

Weitwinkel- oder Zoomobjektiv auf dessen<br />

minimale Blende – für gewöhnlich f/22 –<br />

abblenden und auf unendlich fokussieren soll. Dies<br />

funktioniert auch in den meisten Fällen, weil<br />

Weitwinkelobjektive bei kleinen Blenden so viel<br />

Tiefenschärfe bieten. Es ist jedoch nicht immer<br />

praktikabel, die minimale Blende zu verwenden.<br />

Die Gründe hierfür werden wir auf der nächsten<br />

Seite erläutern. An dieser Stelle möchten wir Ihnen<br />

erst einmal zeigen, wie Sie bei der<br />

Landschaftsfotografie die besten Ergebnisse<br />

erzielen können, ohne dabei notwendigerweise<br />

immer auf die minimale Blende Ihres Objektivs<br />

zurückgreifen zu müssen.<br />

Große Blende Diese Szene wurde mit einer<br />

1digitalen Spiegelreflexkamera mit Vollformatsensor<br />

und 17–40mm-Zoomobjektiv bei 17mm<br />

aufgenommen. Es wurde manuell auf die Felsblöcke<br />

fokussiert, die der Kamera am nächsten sind, und die<br />

Blende auf das Maximum f/4 geöffnet. Wie Sie sehen,<br />

sind die Felsblöcke im Vordergrund scharf abgebildet;<br />

auf mittlerer Distanz lässt die Tiefenschärfe jedoch nach,<br />

und das Schloss im Hintergrund verschwimmt.<br />

Fokus auf dem Vordergrund Wenn Sie das<br />

2Objektiv auf eine kleinere Blende abblenden, wird<br />

die Tiefenschärfe vergrößert, sodass sie sich weiter in<br />

den Hintergrund erstreckt. Da das Objektiv aber noch<br />

auf den Vordergrund fokussiert ist, müssen wir auf die<br />

minimale Blende f/22 abblenden, bis das Schloss im<br />

Hintergrund scharf abgebildet wird. Grund: Die<br />

Tiefenschärfe wird reduziert, wenn die Fokusdistanz<br />

kurz ist, wie in diesem Fall.<br />

Fokus auf unendlich Eine weitere Option ist,<br />

3 das Objektiv auf unendlich zu fokussieren. Diese<br />

Technik verwenden die meisten Fotografen, wenn<br />

Sie Landschaftsaufnahmen mit Weitwinkelobjektiv<br />

aufnehmen. Wenn Sie dabei auf f/22 abblenden,<br />

wie im Beispiel oben gezeigt, ist die gesamte Szene<br />

im Fokus. Dies liegt an der Kombination aus<br />

ultra-weiter Brennweite, minimaler Blende und<br />

weiter Fokusdistanz.<br />

Aufblenden Muss man wirklich auf f/22<br />

4 abblenden, wenn man auf „unendlich“ fokussiert?<br />

Wir haben diese Szene mit dem Fokus auf unendlich<br />

aufgenommen und bei jedem Bild eine Stufe<br />

aufgeblendet, um zu sehen, wie weit wir die Blende<br />

öffnen können, bis der Vordergrund unscharf wird.<br />

Tatsächlich konnten wir in diesem Fall die Blende<br />

nicht über f/22 öffnen. Es ist also nicht ideal, auf einen<br />

Bereich nah vor der Kamera oder in weiter Entfernung<br />

zu fokussieren.<br />

Fokus auf ein Drittel Die Tiefenschärfe erstreckt<br />

5sich vom tatsächlichen Fokusunkt nach vorn<br />

und nach hinten. Man verschwendet also<br />

Tiefenschärfe, wenn man auf den Vordergrund oder<br />

„unendlich“ fokussiert. Die Lösung ist die alte Regel,<br />

ein Drittel der Strecke in das Bild zu fokussieren! Wir<br />

haben es bei f/22 ausprobiert und, wie zu erwarten,<br />

ist alles scharf, weil die Tiefenschärfe auf diese Weise<br />

effektiver genutzt wird.


Das fertige Bild<br />

Zum Schluss haben wir die Blende<br />

noch eine Stufe weiter geöffnet, auf<br />

f/16. In diesem Fall ist das Bild nicht<br />

nur von vorne bis hinten scharf,<br />

sondern auch bis in beide Ecken, weil<br />

weniger Diffraktion auftritt.<br />

Denken Sie daran: Für schärfere Bilder<br />

1/3 ins Bild hinein fokussieren und<br />

nicht zu stark abblenden!


70 Die Grundlagen<br />

VERSCHLUSSZEITEN VERSTEHEN<br />

Der typische Verschlusszeitbereich einer digitalen<br />

Spiegelreflexkamera liegt zwischen 1/4000 Sekunde<br />

und 30 Sekunden. Zusätzlich gibt es den sog.<br />

„Langzeitbelichtungsmodus“ (B), um den Verschluss<br />

manuell geöffnet zu halten, so lange Sie möchten. Auf<br />

diese Weise können Sie auch bei geringem Licht<br />

fotografieren und Belichtungszeiten wählen, die<br />

außerhalb des Verschlusszeitbereichs liegen.<br />

Wie Sie schon wissen, gibt die Verschlusszeit eine<br />

gemessene Zeitspanne von Sekundenbruchteilen oder<br />

ganzen Sekunden an, während der Ihr<br />

Kameraverschluss geöffnet ist und Licht auf den<br />

Sensor fällt. Das Licht passiert zuerst die<br />

Blendenöffnung und den offenen Verschluss, bevor es<br />

auf den Bildsensor trifft. Die Lichtmenge, die zur<br />

Belichtung eines Bildes auf den Sensor gelangt, hängt<br />

also davon ab, wie weit die Blende geöffnet ist,<br />

angegeben durch den gewählten Blendenwert f/x,<br />

sowie von der Dauer der Verschlussöffnung,<br />

angegeben durch die Verschlusszeit in Sekunden<br />

(bzw. Bruchteilen).<br />

Diese beiden Einstellungen arbeiten zusammen und<br />

im Verhältnis zueinander. Eine Verdopplung der<br />

Verschlusszeit hat denselben Effekt auf die<br />

Bildbelichtung wie die Öffnung der Blende um eine<br />

Stufe, während die Halbierung der Verschlusszeit den<br />

gleichen Effekt hat wie eine Reduktion der<br />

Blendenöffnung um eine Stufe. Wenn der<br />

Belichtungsmesser Ihrer Kamera eine<br />

Belichtungseinstellung von 1/60 Sekunde bei f/8<br />

ausgibt, könnten Sie in dieser Situation jede der<br />

folgenden Kombinationen von Blendenöffnung und<br />

Verschlusszeit verwenden und würden ein korrekt<br />

belichtetes Bild erzielen (siehe Kasten).<br />

Die Kombination, für die Sie sich entscheiden, hängt<br />

von dem Motiv ab, das Sie fotografieren, und davon,<br />

welche Art von Bild Sie machen möchten. Wenn Sie<br />

ein sich schnell bewegendes Motiv einfrieren<br />

möchten, sollten Sie eine schnelle Verschlusszeit von<br />

zum Beispiel 1/500 Sekunde bei f/2.8 wählen. Wenn<br />

Sie jedoch das Motiv unscharf darstellen möchten,<br />

um die Bewegung im Bild einzufangen, ist 1/15<br />

Sekunde bei f/16 oder 1/8 Sekunde bei f/22 die<br />

bessere Wahl.<br />

Ein weiterer Faktor, mit dem Sie mehr Kontrolle über<br />

die Auswahl der Verschlusszeit erlangen können, ist<br />

die Lichtempfindlichkeit (ISO) Ihrer Kamera. Immer,<br />

wenn Sie den ISO-Wert verdoppeln, können Sie die<br />

Verschlusszeit halbieren, und immer, wenn Sie den<br />

ISO-Wert halbieren, können Sie die Verschlusszeit<br />

verdoppeln. Der zweite Kasten unten zeigt Ihnen ein<br />

Beispiel hierzu.<br />

Die Erhöhung der ISO, und damit die Möglichkeit,<br />

eine schnellere Verschlusszeit zu verwenden, ist eine<br />

gute Alternative, wenn die Lichtverhältnisse schlecht<br />

sind. Und bei der hervorragenden Bildqualität, die<br />

digitale Spiegelreflexkameras bei hoher ISO erzielen,<br />

müssen Sie sich nie wieder ein tolles Bild entgehen<br />

lassen, nur weil die Verschlusszeit zu lang wäre. Es<br />

macht jedoch wenig Sinn, die ISO zu verändern, wenn<br />

Sie mit einer langen Verschlusszeit arbeiten möchten,<br />

weil ISO 50 die niedrigste Lichtempfindlichkeit ist, die<br />

bei digitalen Spiegelreflexkameras eingestellt werden<br />

kann. Der ISO Standardwert liegt jedoch gewöhnlich<br />

bei 100, das heißt das Beste, das Sie mit der<br />

niedrigsten ISO-Einstellung herausholen können, ist<br />

eine Verdoppelung der Verschlusszeit bzw.<br />

Belichtungszeit.<br />

Wenn die Wahl der Verschlusszeit entscheidet, ist es<br />

am besten, die Blendenautomatik (S oder TV) als<br />

Belichtungsmodus zu wählen. Wenn Ihre Kamera<br />

sich in diesem Modus befindet, legen Sie die<br />

Verschlusszeit fest und Ihre Kamera stellt automatisch<br />

die erforderliche Blendenöffnung (f/Zahl) für eine<br />

korrekte Belichtung ein. Wenn Sie die Kameraposition<br />

wechseln, sich die Lichtverhältnisse ändern oder Sie<br />

die Belichtungskorrektur aktivieren, wird die<br />

eingestellte Verschlusszeit beibehalten und die Blende<br />

wird verändert, um eine korrekte Belichtung<br />

beizubehalten. Auf diese Weise behalten Sie die<br />

Kontrolle darüber, ob in Ihrem Bild die Bewegung<br />

eingefroren oder verschwommen erscheint.<br />

Lange Belichtungszeiten<br />

ermöglichen die kreative<br />

Nutzung praktisch aller<br />

Lichtquellen –<br />

einschließlich Feuer...<br />

Kombinationen von Verschlusszeit und Blendenöffnung<br />

1/500 Sek 1/250 Sek 1/125 Sek 1/60 Sek 1/30 Sek 1/15 Sek 1/8 Sek 1/4 Sek<br />

f/2.8 f/4 f/5.6 f/8 f/11 f/16 f/22 f/32<br />

Kombinationen von ISO-Wert und Verschlusszeit<br />

ISO 50 ISO 100 ISO 200 ISO 400 ISO 800 ISO 1600 ISO 3200<br />

1/15 Sek 1/30 Sek 1/60 Sek 1/125 Sek 1/250 Sek 1/500 Sek 1/1000 Sek<br />

FOKUSSIERUNG AUF SICH<br />

BEWEGENDE MOTIVE<br />

Ein wesentlicher Faktor, den Sie beim <strong>Fotografie</strong>ren<br />

beweglicher Motive beachten müssen, ist das<br />

Fokussieren. Manche Bewegungen, etwa die eines<br />

Wasserfalls, sind kein Problem. Bewegt sich Ihr<br />

Motiv aber auf Sie zu oder von der Kamera weg,<br />

zum Beispiel ein Vogel im Flug oder ein fahrendes<br />

Auto, wird das Scharfstellen schon komplizierter.<br />

Die neuesten Autofokus-Systeme sind hier sehr<br />

hilfreich.<br />

Wenn Sie Ihre Kamera auf AF.C oder Servo AF<br />

einstellen, während Sie Ihr Objekt anvisieren, wird<br />

die Kamera den Fokus automatisch nachregeln,<br />

damit das Motiv scharf bleibt. Die einzige<br />

Bedingung ist, dass Sie einen aktiven Fokuspunkt<br />

über Ihrem Motiv halten. Tun Sie das nicht, wird<br />

das Objektiv irgendeinen anderen Bereich hinter<br />

diesem Fokuspunkt scharf stellen. Das zentrale<br />

Fokusfeld ist häufig das empfindlichste, aber nicht<br />

immer möchte man das Motiv in der Bildmitte<br />

haben. Machen Sie sich also mit der Verwendung<br />

von dezentralen Fokusfeldern vertraut und üben<br />

Sie, den Fokuspunkt mit der Kamera am Auge zu<br />

verändern, so dass Ihnen das auch schnell<br />

während einer Aufnahme gelingt. Prüfen Sie auch,<br />

wie Sie die Vorteile des Fokussierens zu Ihren<br />

Gunsten nutzen können. Möglicherweise gelingt es<br />

Kontinuierlicher Autofokus<br />

Ihnen, mehrere Fokusfelder auszuwählen, so dass<br />

Ihr Motiv, wenn es sich von einem Punkt<br />

wegbewegt, von einem anderen Fokusfeld<br />

übernommen und die Scharfstellung beibehalten<br />

wird.<br />

Viele digitale Spiegelreflexkameras bieten<br />

sogenannte „Fokus-Assist-Felder“, um die<br />

Nutzfläche des Fokuspunkts zu erweitern. Diese<br />

Funktionen können bei sich schnell bewegenden<br />

Motiven einen großen Unterschied machen, denn<br />

selbst wenn Ihre Motivverfolgung nicht hundert<br />

Prozent genau ist, erhalten Sie trotzdem noch ein<br />

perfekt scharfes Bild. Wenn es Ihnen schwer fällt,<br />

mit dem Autofokus gute Ergebnisse zu erzielen,<br />

denken Sie ruhig mal darüber nach, wieder auf<br />

manuellen Fokus umzuschalten und lernen Sie,<br />

ISTOCK PHOTO<br />

Schärfennachführung<br />

wie Sie dem Fokus folgen, das heißt wie Sie den<br />

Fokus anpassen, während Sie Ihr Motiv anvisieren.<br />

Das ist gar nicht so schwierig wie es klingt. Wenn<br />

Ihr Motiv einem festgelegten Kurs folgt, wie ein<br />

Auto oder Motorrad auf einer Rennstrecke, können<br />

Sie auf einen bestimmten Punkt fokussieren und<br />

dann einfach nur darauf warten, bis Ihr Motiv<br />

diesen Punkt erreicht und den Auslöser ganz kurz<br />

vorher drücken.<br />

Diese Technik, die Vorfokussieren genannt wird,<br />

wendet man am besten mit manuellem Fokus an,<br />

denn wenn Sie dafür den „One-Shot-Autofokus”<br />

verwenden würden, müssten Sie den Auslöser halb<br />

gedrückt halten, damit die Scharfstellung auf den<br />

gewünschten Bereich beibehalten wird. Dies<br />

entfällt beim manuellen Fokus.<br />

ISTOCK PHOTO


ISTOCK PHOTO<br />

Häufig gestellte Fragen zum Thema Bewegung<br />

Ist es einfach, einem Bild mit Photoshop<br />

F Bewegung hinzuzufügen?<br />

A Ja, das ist einfach. Wenn Sie ein Bild öffnen und<br />

dann zu „Filter > Weichzeichnungsfilter“ gehen,<br />

finden Sie eine Dropdown-Liste von<br />

Weichzeichnungsfiltern. „Bewegungsunschärfe“<br />

und „Radialer Weichzeichner“ sind die zwei<br />

nützlichsten davon. Verwenden Sie<br />

Bewegungsunschärfe, um den Hintergrund eines<br />

Bildes weichzuzeichnen, damit es so wirkt, als<br />

hätten Sie die Kamera geschwenkt. Markieren Sie<br />

Ihr Hauptmotiv mit dem Lasso-Werkzeug, gehen<br />

Sie dann zu „Auswahl > Auswahl umkehren“ und<br />

wenden Sie den Filter an. Experimentieren Sie mit<br />

dem Regler „Abstand“, um den<br />

Weichzeichnungsgrad und den Winkel zu<br />

variieren. Der Radiale Weichzeichner ist ideal<br />

geeignet, um stehende Räder aussehen zu lassen,<br />

als würden sie sich drehen. Markieren Sie ein Rad<br />

mit dem Lasso-Werkzeug und gehen Sie zu „Filter<br />

> Weichzeichnungsfilter > Radialer<br />

Weichzeichner“, klicken Sie auf „Kreisförmig“ und<br />

„Sehr gut“ und probieren Sie einige Werte aus.<br />

Kann man einen Bewegungsunschärfe-<br />

F Effekt erzielen, indem man Vaseline auf<br />

einen alten Filter schmiert?<br />

A Ja, das ist eine bewährte Technik, die einen<br />

Versuch wert ist. Nehmen Sie irgendeinen alten<br />

Filter wie zum Beispiel einen UV- oder<br />

Skylightfilter, oder auch einfach ein Stück<br />

transparenten Kunststoff, verteilen Sie ein<br />

bisschen Vaseline drauf und erzeugen Sie mit den<br />

Fingern parallele Streifen in der Vaseline. Wenn Sie<br />

dann den Filter auf Ihrem Objektiv befestigen,<br />

sorgt die Vaseline dafür, dass alles schlierig wirkt.<br />

Das funktioniert besonders gut bei Waldansichten<br />

und verwandelt die Baumstämme in<br />

verschwommene Streifen, so als hätten Sie die<br />

Kamera bei geöffnetem Verschluss vertikal<br />

geschwenkt.<br />

Wie fotografiert man Sternenspuren –<br />

Fund wohin muss ich gehen, um solche<br />

zu finden?<br />

A Eine Belichtungszeit von einigen Stunden bei<br />

einer großen Blenden und einer ISO von etwa 400<br />

dürfte zu einem annehmbaren Ergebnis führen.<br />

Sie müssen allerdings weit weg von bewohnten<br />

Gebieten sein, weil sonst die Lichtverschmutzung<br />

durch die Umgebung Ihre Aufnahmen ruinieren<br />

kann. Fahren Sie aufs Land, möglichst weit weg<br />

von Wohngebieten. Wüsten oder Gebirge sind<br />

ideal zum <strong>Fotografie</strong>ren von Sternen, weil es dort<br />

praktisch keine Lichtverschmutzung gibt. Achten<br />

Sie darauf, dass Ihre Batterien geladen sind und<br />

der Himmel klar genug ist, um die Sterne sehen zu<br />

können. Vollmond erzeugt zu viel Licht, warten Sie<br />

daher auf abnehmenden Mond.<br />

Peilen Sie mit einem Kompass in Richtung<br />

Norden, sodass Sie den Polarstern in Ihre Bilder<br />

integrieren können. Er wird als heller, weißer Punkt<br />

unter all den anderen Sternen aufgenommen, die<br />

kreisförmige Lichtspuren um ihn herum erzeugen.<br />

Nehmen Sie auch etwas von der Landschaft am<br />

unteren Bildrand mit auf, um der Aufnahme einen<br />

Maßstab zu geben, und verwenden Sie Ihr<br />

weitwinkligstes Objektiv, um so viel wie möglich<br />

vom Himmel aufs Bild zu bekommen.<br />

Hot-Pixel und Bildrauschen sind bei langen<br />

Belichtungszeiten unvermeidlich, deshalb sollten<br />

Sie die Rauschreduzierung bei Langzeitbelichtung<br />

aktivieren. Das bedeutet, dass Ihre Kamera am<br />

Ende der Aufnahme noch einmal mit<br />

geschlossener Blende ein Schwarzbild mit gleicher<br />

Belichtungsdauer aufnimmt, um die Hot-Pixel<br />

abzubilden. Es dauert also doppelt so lange, bis<br />

Sie Ihre Aufnahme sehen können, aber es lohnt<br />

sich zu warten, denn ohne Rauschreduzierung<br />

werden die Bilder mitunter grauenhaft.<br />

Wie kann ich am besten mit dem Zoom<br />

F des Objektives Bewegung in mein Bild<br />

bekommen?<br />

A Sie müssen nur Ihre Kamera auf eine langsame<br />

Verschlusszeit einstellen – 1/8 Sekunde oder noch<br />

langsamer – und das Objektiv einmal durch die<br />

komplette Brennweite zoomen, während Sie den<br />

Auslöser gedrückt halten. Dadurch verwandelt<br />

sich Ihr Motiv in eine Reihe farbkräftiger Streifen,<br />

die in der Bildmitte zusammenlaufen. Der Effekt ist<br />

wirklich umwerfend, besonders mit plakativen<br />

und farbenfrohen Motiven.


72 Die Grundlagen EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

Der perfekte Schwenk<br />

Das <strong>Fotografie</strong>ren von bewegten Objekten erfordert oftmals, diese Bewegung „einzufrieren“. Sie<br />

erzielen aber auch sehr dynamische Fotos, indem Sie die Verschlusszeit kreativ verlängern…<br />

JORDAN BUTTERS: Der<br />

Kameraschwenk ist eine<br />

Aufnahmetechnik, die in der Sport- und<br />

Action-<strong>Fotografie</strong> oft angewendet wird,<br />

um Bewegung sichtbar zu machen. Dies muss<br />

nicht auf Sport und Action beschränkt sein,<br />

sondern kann in jeder Situation eingesetzt<br />

werden, in der Bewegung festgehalten werden<br />

soll, sei es ein Vogel im Flug, ein herumtollender<br />

Hund oder ein Kind auf seinem Fahrrad.<br />

Schwenken bedeutet, einem beweglichen Objekt<br />

mit der Kamera zu folgen, sodass es während der<br />

Aufnahme im Fokus bleibt. Mit der richtigen<br />

Verschlusszeit, viel Übung und etwas Glück zeigt<br />

Ihr Foto ein bewegtes Motiv scharf vor einem<br />

verschwommenen Hintergrund, was der Szene<br />

starke Dynamik verleiht.<br />

Der entscheidende Faktor bei solchen Schwenks<br />

ist, die Verschlusszeit Ihrem Motiv anzupassen. Ein<br />

schnell fahrendes Auto, aufgenommen mit 1/200<br />

Sekunde, vermittelt eine andere Dynamik als ein<br />

mit derselben Verschlusszeit aufgenommener<br />

Radfahrer. Damit der Radfahrer dieselbe Dynamik<br />

erhält, muss der Verschluss länger offen bleiben,<br />

weil sonst der Grad der Hintergrundunschärfe<br />

bzw. die Bewegungswirkung nicht erreicht wird.<br />

Das Problem liegt auf der Hand: Je länger der<br />

Verschluss geöffnet ist, desto schwerer ist es, das<br />

Objekt zu verfolgen und scharf im Bild zu halten.<br />

Wie so oft, macht auch hier die Übung den Meister.<br />

Bevor Sie sich an ein lebendiges Motiv wagen,<br />

beobachten Sie z. B. den vorbeiströmenden<br />

Verkehr einer befahrenen Strasse. So bekommen<br />

Sie ein Gefühl für die passende Verschlusszeit, die<br />

zur Geschwindigkeit Ihres Ziels passt, und<br />

verbessern Ihre Aufnahmetechnik. Denken Sie<br />

daran, dass jede Ihrer eigenen Bewegungen durch<br />

lange Verschlusszeiten verstärkt wird. Wenn Sie<br />

beispielsweise ein Kind auf einem Fahrrad<br />

fotografieren, kann das Problem auftreten, weil es<br />

nicht in einer geraden Linie fährt.<br />

Die Schwenktechnik erfordert Geduld. Sie sollten<br />

den kontinuierlichen Autofokus nutzen, damit<br />

die Kamera den Auslöser nicht blockiert und Sie<br />

jederzeit abdrücken können, auch wenn Ihr<br />

Motiv noch unscharf ist. Nutzen Sie den<br />

mittenbetonten Autofokus, um Ihre<br />

Erfolgschancen weiter zu verbessern. Nicht jedes<br />

Foto wird scharf sein, und Sie werden anfangs<br />

mehr misslungene als geglückte Aufnahmen<br />

erhalten. Mit etwas Erfahrung wird sich das<br />

jedoch bald ändern.<br />

Ausrüstung<br />

STATIV<br />

Ein Stativ verhindert<br />

vertikale Bewegungen<br />

und Verwackeln der<br />

Kamera. Ein schwenkbarer<br />

Stativkopf liefert die besten<br />

Ergebnisse, wenn Sie ihn<br />

so einstellen, dass er keine<br />

vertikale Bewegung zulässt.<br />

EINBEINSTATIV<br />

Ein Einbeinstativ gibt Ihnen<br />

mehr Bewegungsfreiheit als ein<br />

Dreibeinstativ und eignet sich<br />

sehr gut, wenn Sie ein schweres<br />

Teleobjektiv benutzen. An<br />

großen Teleobjektiven kann<br />

eine Objektivschelle mit<br />

Stativgewinde angebracht<br />

werden. Dieses ergibt eine wesentlich verbesserte<br />

Schwerpunktlage des Gesamtsystems, sodass der<br />

Kameraschwenk leichter auszuführen ist.<br />

TELEZOOM<br />

Grundsätzlich können Sie Ihr<br />

18–55mm Kit-Zoomobjektiv<br />

benutzen, doch ein Telezoom<br />

mit 55–200mm oder besser<br />

noch 70–300mm Brennweite<br />

ist besser geeignet, weil Sie<br />

den Bildausschnitt exakter<br />

bestimmen können, um dem beweglichen Objekt die<br />

volle Aufmerksamkeit des Betrachters zu sichern.<br />

Motive für die Schwenktechnik<br />

ISTOCK PHOTO<br />

JORDAN BUTTERS<br />

ISTOCK PHOTO<br />

REITER Bei diesem Motiv wirkt die bei trabenden<br />

und galoppierenden Pferden zwangsläufige<br />

Vertikalbewegung des Tieres erschwerend. Die<br />

Verschlusszeit sollte nicht zu lang sein, sonst bekommen<br />

Sie Probleme mit der Schärfe.<br />

MOTORSPORTS Probieren Sie Ihre<br />

Schwenktechnik auf einer Rennstrecke aus. Falls<br />

Sie außerhalb der Zuschauertribüne fotografieren<br />

wollen, brauchen Sie eine besondere Erlaubnis,<br />

doch es lohnt sich auf jeden Fall.<br />

HAUSTIERE Tierporträts können mit dieser<br />

Aufnahmetechnik besonders schön werden. Hunde<br />

lieben es zu rennen und sind ideale Übungspartner,<br />

wenn Sie die Situation für das Tier interessant<br />

gestalten, z. B. in Ihrem Garten oder einem Park.<br />

Bekannte Fehler, die Sie vermeiden sollten<br />

VERSCHLUSSZEIT ZU KURZ<br />

Durch eine Verschlusszeit von<br />

1/200 Sekunde ist die Bewegung<br />

eingefroren, nur die Speichen<br />

sind noch erkennbar. Die<br />

Aufnahme ist scharf, aber der<br />

Eindruck von Bewegung wird<br />

nicht vermittelt.<br />

VERSCHLUSSZEIT ZU LANG<br />

Hier war die Verschlusszeit 1/10<br />

Sekunde lang und hat es sehr schwer<br />

gemacht, der Bewegung exakt zu<br />

folgen. Die lange Verschlusszeit<br />

führte dazu, dass die Kopfbewegung<br />

des Kindes unscharf abgebildet<br />

wurde.<br />

FALSCHE KAMERAPOSITION<br />

Die Entfernung zwischen Kamera und<br />

beweglichem Objekt veränderte sich,<br />

während der Verschluss geöffnet war,<br />

sodass nur ein Teil des Motivs scharf<br />

abgebildet wurde. Das kann zwar ein<br />

interessanter Effekt sein, das Ergebnis ist<br />

aber Glückssache.<br />

HINDERNISSE<br />

Stellen Sie sich mit der Kamera so auf,<br />

dass Ihre Sicht auf das bewegliche<br />

Objekt an keinem Punkt des Schwenks<br />

verdeckt wird, und achten Sie auch auf<br />

ruhigen Hintergrund. Der Einfluss anderer<br />

Objekte oder Farben wird durch die lange<br />

Verschlusszeit extrem verstärkt.


Das fertige Bild<br />

Der direkte Augenkontakt und<br />

das Lächeln machen diese<br />

Aufnahme zu einem guten<br />

Foto. Der verschwommene<br />

Hintergrund lenkt alle<br />

Aufmerksamkeit auf das<br />

radfahrende Kind.<br />

Korrekte Haltung Stellen Sie sich so, dass das erwartete Objekt sich von links nach<br />

1rechts oder umgekehrt durch den Bildausschnitt des Suchers der Kamera parallel an<br />

Ihnen vorbei bewegt. Wenn es sich ihnen in einem steilen Winkel nähert oder sich von<br />

Ihnen fortbewegt, wird das Bild zumindest teilweise unscharf. Stellen Sie Ihre Füße<br />

schulterbreit auseinander und vollziehen Sie Ihre Drehung beim Schwenk aus der Hüfte,<br />

damit sie gleichmäßig bleibt.<br />

Autofokus-Betriebsart Schalten Sie den Einzelpunkt-Autofokus ein und wählen Sie<br />

2den kontinuierlichen Modus, der den Schärfepunkt ständig nachregelt, wenn das<br />

Objekt sich aus dem Schärfebereich heraus bewegt. Achten Sie darauf, den zentralen<br />

Messpunkt des Autofokus zu verwenden, dann ist der Schwenk mit dem Objekt in der<br />

Mitte einfacher zu vollziehen.<br />

Verschlusszeit Schalten Sie die Kamera auf Zeitautomatik, falls verfügbar<br />

3auf Serienbildmodus, und beginnen Sie mit 1/50 Sekunde als<br />

Verschlusszeit. Wenn es damit schwerfällt, Ihr Objekt scharfzustellen, wählen<br />

Sie eine kürzere Verschlusszeit. Wird dadurch auch der Hintergrund scharf<br />

abgebildet, müssen Sie die Verschlusszeit wieder verlängern.<br />

Objekt verfolgen Folgen Sie Ihrem Objekt mit dem zentralen<br />

4Autofokuspunkt im Sucher, während Sie den Auslöser halb<br />

durchdrücken. Wenn der richtige Moment gekommen ist, drücken Sie den<br />

Auslöser durch und schwenken die Kamera weiter, während die Bildserie<br />

aufgenommen wird. Das Objekt muss dabei in der Mitte des Suchers bleiben.


74 Die Grundlagen<br />

BEWEGUNG IM WASSER<br />

Wasser ist eines der häufigsten bewegten<br />

Motive – aus dem einfachen Grund, weil<br />

Wasser uns ständig umgibt: Flüsse, Ströme,<br />

Wasserfälle, Meere, Springbrunnen, Kanäle<br />

und Regentropfen sorgen für tolle Fotos.<br />

Auf welche Art man Bewegungen fließender<br />

Gewässer aufnehmen möchte, ist eine Frage<br />

des persönlichen Geschmacks und des<br />

gewünschten Effekts. Manche Fotografen<br />

lieben es, Wasser mit langer Verschlusszeit<br />

verschwimmen zu lassen, andere hassen den<br />

Effekt.<br />

Ganz gleich, was Sie bevorzugen, der erzielte<br />

Effekt hängt immer davon ab, wie schnell das<br />

Wasser fließt und welche Verschlusszeit Sie<br />

verwenden. Wenn Sie eine Anmutung von<br />

natürlicher Bewegung aufzeichnen möchten,<br />

bei der das Wasser leicht verschwommen ist,<br />

aber man immer noch viel Struktur erkennt,<br />

dann sollte die Blende nicht sehr lange<br />

geöffnet sein: Für einen Wasserfall vielleicht<br />

1/15 oder 1/8 Sekunde, für einen Fluss oder<br />

das Meer 1/4 bis 1/2 Sekunde – lang genug,<br />

um das Wasser leicht verschwimmen zu<br />

lassen, aber nicht so lang, dass es milchig<br />

wird.<br />

Wenn Sie den gasförmigen, milchigen Effekt<br />

erzeugen wollen, den so viele lieben, dann<br />

müssen Sie die Verschlusszeit deutlich<br />

verlängern. Nehmen Sie bei sanften<br />

Wasserfällen mit mittlerem Wasservolumen<br />

eine Verschlusszeit zwischen einer und zehn<br />

Sekunden. Bei größeren Wasserfällen oder<br />

jeder Art von Wasserfall nach heftigem<br />

Regenguss, sollte eine Verschlusszeit von 1/2<br />

bis 2 Sekunden zum gewünschten Effekt<br />

führen. Der Trick ist, die Verschlusszeit so<br />

lange zu verlängern, bis einzelne Bereiche<br />

des Wasserfalls beginnen „auszubrechen“<br />

(überbelichten). Sobald dies passiert, wissen<br />

Sie, dass Sie die Zeit nicht weiter verlängern<br />

können ohne einen Filter zu benutzen.<br />

Beim Meer muss das anders gehandhabt<br />

werden, da die Bewegung stark vom Wetter,<br />

den Gezeiten und den örtlichen<br />

Gegebenheiten abhängt. Wenn Sie die<br />

tosende Brandung mit ein klein wenig<br />

Unschärfe fotografieren möchten, probieren<br />

Sie eine Einstellung von 1/4 bis 1/2 Sekunde<br />

und drücken Sie genau in dem Moment auf<br />

den Auslöser, wenn die Wellen zerbersten.<br />

EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

Um die Bewegung des Meeres<br />

aufzuzeichnen, wie es über die Felsen spült,<br />

verwenden Sie Verschlusszeiten zwischen<br />

zwei und zehn Sekunden. Aber wenn Sie das<br />

Meer als filigranen Nebel aufzeichnen<br />

möchten, müssen Sie den Verschluss<br />

zwischen 30 und 120 Sekunden geöffnet<br />

halten. Experimentieren Sie – probieren Sie<br />

unterschiedliche Verschlusszeiten in<br />

unterschiedlichen Situationen und<br />

entwickeln Sie ein Gefühl dafür, was wann<br />

funktioniert.<br />

ALLE BILDER: LEE FROST


1.2 Graufilter<br />

GRAUFILTER VERWENDEN<br />

Wenn Sie Ihr Objektiv auf eine kleine Blende und<br />

den ISO-Wert der Kamera auf das Minimum<br />

einstellen, und die daraus resultierende längste<br />

Verschlusszeit ist immer noch nicht lang genug,<br />

ist es Zeit für einen Graufilter, auch<br />

„Neutraldichtefilter“ genannt.<br />

Graufilter sind, wie der Name sagt, von grauer<br />

Farbe und reduzieren die Menge des Lichts, die<br />

auf das Objektiv fällt, sodass Sie eine längere<br />

Verschlusszeit benötigen. Es gibt sie in<br />

verschiedenen Dichten – 0,3, 0,6, 0,9 und 1,2<br />

sind am beliebtesten. Sie ermöglichen eine<br />

Steigerung der Verschlusszeit um jeweils eine,<br />

zwei, drei und vier Stufen. Wenn also die längste<br />

Verschlusszeit ohne Einsatz eines Filters 1/4<br />

Sekunde beträgt, dann erhöht sich diese auf eine<br />

halbe, eine, zwei oder vier Sekunden mit<br />

Graufiltern der Dichte 0,3, 0,6, 0,9 und 1,2.<br />

Die schwächeren Graufilter zwischen 0,3 und<br />

1,2 sind ideal für den allgemeinen Gebrauch,<br />

denn sie erhöhen die Verschlusszeit nicht<br />

massiv, aber geben Ihnen ein wenig mehr<br />

Kontrolle über die Länge der Verschlusszeit.<br />

Sobald Sie den Filter aufgesteckt haben, müssen<br />

Sie die Verschlusszeit nicht korrigieren, denn das<br />

geschieht automatisch. Dadurch sind Graufilter<br />

schnell und einfach zu benutzen. Für einen<br />

kumulativen Effekt können Sie zwei Graufilter<br />

zusammen einsetzen – 0,6 plus 0,9 z. B. erhöht<br />

die Verschlusszeit um fünf Stufen. Zudem<br />

können Graufilter auch mit Polfiltern kombiniert<br />

werden; bedenken Sie aber, dass ein Polfilter<br />

ebenfalls zwei Stufen Licht verliert und somit den<br />

gleichen Effekt hat wie ein 0,6 Graufilter.<br />

Ohne Filter<br />

Extreme Bewegung mit einem zehnstufigen Graufilter<br />

Wir haben Ihnen die Vorzüge der Verwendung<br />

von Graufiltern erläutert, um die<br />

Verschlusszeit zu verlängern, wenn Sie<br />

Bewegung aufzeichnen möchten. Aber<br />

stärkere Graufilter, insbesondere der<br />

zehnstufige Graufilter, werden immer<br />

beliebter, denn sie bringen das Konzept der<br />

Bewegungsaufzeichnung auf ein neues Level.<br />

Vergessen Sie Verschlusszeiten von wenigen<br />

Sekunden. Mit einem zehnstufigen Graufilter<br />

auf Ihrem Objektiv wie der Lee Filters Big<br />

Stopper oder der Hitech Pro Stop reden wir<br />

über Minuten und zwar bei hellem Tageslicht.<br />

Er versetzt sie in die Lage, den Ablauf der Zeit<br />

aufzunehmen und Szenen auf eine Art zu<br />

fotografieren, wie sie das menschliche Auge<br />

niemals sehen kann. Treibende Wolken<br />

werden zu filigranen Farbstreifen, während sie<br />

hoch über uns vorbeiziehen. Wasser verliert<br />

seine Oberflächenstruktur und sieht aus wie<br />

Milch, während unbewegliche Elemente in<br />

bloßem 3D hervorstechen. Die Effekte sind<br />

merkwürdig und wundervoll zugleich und die<br />

Bilder stecken voller Faszination und<br />

Atmosphäre. Bei Küstenlandschaften<br />

funktioniert diese Technik gut, denn hier<br />

stehen zwei sich bewegende Elemente,<br />

nämlich das Meer und der Himmel, in<br />

Kontrast mit statischen Merkmalen wie<br />

Molen, Felsen und Klippen.<br />

Diese Filter sind so dicht, dass man überhaupt<br />

nicht hindurch sehen kann. Sie müssen ein<br />

Stativ verwenden und den<br />

Langzeitbelichtungsmodus (B) wählen,<br />

sodass Sie die Blende so lang wie notwendig<br />

offen halten können. Vorab müssen Sie das<br />

Objektiv manuell, ohne aufgesteckten Filter,<br />

fokussieren. Um die Verschlusszeit zu<br />

berechnen, machen Sie eine Messung ohne<br />

den Graufilter auf dem Objektiv und<br />

multiplizieren anschließend die Verschlusszeit<br />

mit 1000. 1/30 Sekunde wird zu 33<br />

Sekunden, 1/15 Sekunde ist eine Minute, 1/8<br />

Sekunde wird zwei Minuten, und so weiter.


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EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

Grundlagen 77<br />

Aufnahmetechnik<br />

MEISTERN SIE LANDSCHAFTEN, WILDLIFE, PORTRÄTS, SPORT UND MAKROAUFNAHMEN…<br />

FASZINIERENDE<br />

LANDSCHAFTEN<br />

EINFÜHLSAME<br />

PORTRÄTS<br />

FASZINIERENDE<br />

NAHAUFNAHMEN


78 Foto-Technik EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

Sonnenlicht einfangen<br />

Ein schöner Sommertag bietet ideale Gelegenheiten für Porträtaufnahmen – aber nur, wenn<br />

man das harte Sonnenlicht in weiches, diffuses Licht verwandelt, das für Porträts geeignet ist.<br />

Es hat seine Vorteile, bei strahlendem Sonnenschein<br />

und blauem Himmel im Freien zu fotografieren. Bei viel<br />

Licht stehen entsprechend viele Blendenstufen und<br />

Verschlusszeiten zur Auswahl, auch bei geringer<br />

ISO-Empfindlichkeit. Dank der Wärme haben alle<br />

Beteiligten mehr Spaß an der Porträt-Session und<br />

größere Auswahl bei der Bekleidung. Die guten<br />

Lichtverhältnisse bringen nicht zuletzt die Farben<br />

besser zur Geltung. All das sind beste Voraussetzungen<br />

für gute Fotos.<br />

Aber es gibt auch Nachteile: Der erste ist<br />

offensichtlich: Direktes Sonnenlicht ist sehr hell und<br />

hart, was zu starken Schatten auf Gesichtern führt.<br />

Wahrscheinlich müssen die Modelle auch blinzeln,<br />

wenn sie das Gesicht der Sonne zuwenden. Und ist das<br />

Gesicht im Gegenlicht, können Probleme mit<br />

Blendenflecken auftreten, außerdem birgt der hohe<br />

Kontrast zwischen hellem Hintergrund und schattigem<br />

Motiv zusätzlich die Gefahr des Unterbelichtens. Sie<br />

müssen also wahrscheinlich die Belichtungskorrektur-<br />

Funktion der Kamera benutzen.<br />

Doch es gibt noch eine andere Möglichkeit, dieses<br />

Problem zu lösen: benutzen Sie einen Diffusorschirm,<br />

den Sie zwischen die zu fotografierende Person und<br />

die Sonne positionieren. Das Licht, das durch ihn<br />

hindurch fällt, ist ungerichtet, ganz wie in einem<br />

natürlichen Schatten; doch weil es ein weißes Medium<br />

passieren musste, ist es nun neutral, aber trotzdem<br />

noch ausreichend intensiv für eine helle Ausleuchtung<br />

des Motivs. In einem natürlichen Schatten hingegen<br />

würde das Licht an einer oder mehreren Oberflächen<br />

reflektiert und da eine Oberfläche zwangsläufig eine<br />

Farbe hat, würde sich das auf die Farbdarstellung in<br />

Ihrem Bild auswirken. Abgesehen davon, wären die<br />

Lichtverhältnisse insgesamt schlechter, was Ihre<br />

Möglichkeiten der Belichtungssteuerung einschränken<br />

würde.<br />

Ein weiterer Vorteil eines Diffusorschirms ist der,<br />

dass er Sie unabhängig macht von schattigen<br />

Bereichen der gewählten Umgebung. Sie können<br />

beispielsweise mitten im Garten oder im Park<br />

fotografieren, weil Sie das auf Ihr Motiv fallende Licht<br />

mit dem Diffusor steuern können. Da dieses Licht<br />

gleichmäßig verteilt ist, können Sie aus einer<br />

beliebigen Richtung fotografieren und den<br />

vorhandenen Hintergrund verwenden.<br />

Ins Gegenlicht<br />

Falls Sie keinen Diffusor haben,<br />

fotografieren Sie so gegen das<br />

Licht, dass die Sonne von einem<br />

Objekt verdeckt wird. Blattwerk<br />

ist dafür gut geeignet, oder in<br />

diesem Beispiel ein Hut mit breiter<br />

Krempe, der das Motiv zugleich<br />

fotogener macht. Benutzen Sie<br />

einen weißen Reflektor, um Licht<br />

auf das Gesicht zurückzuwerfen.<br />

Für die Belichtungsmessung<br />

auf dem Gesicht verwenden Sie<br />

entweder die AE-Lock-Funktion<br />

oder geben +1 bis +2 Blendenstufen<br />

Belichtungskorrektur zu.<br />

ISTOCK PHOTO<br />

Sonnenlicht Schritt für Schritt<br />

Für diese einfache Schritt-für-Schritt-<br />

Anleitung haben wir in einem privaten<br />

Garten fotografiert und einen großen,<br />

quadratischen Diffusor verwendet, der<br />

von mindestens einer Person in Position<br />

gehalten wurde. Natürlich sind kleinere<br />

Diffusoren leichter zu handhaben, liefern<br />

jedoch entsprechend weniger diffuses<br />

Licht. Ein empfehlenswerter Diffusor ist<br />

in dem 5-in-1-Reflektor-Set enthalten,<br />

dass wir Ihnen auf Seite 160 vorstellen.<br />

Übrigens spielen Reflektoren auch eine<br />

große Rolle bei der Manipulation von<br />

Lichtverhältnissen. Bei dieser Foto-<br />

Session war die Kamera auf Zeitautomatik,<br />

die Blende auf f/5.6 bei ISO 100 und der<br />

Weißabgleich auf „Tageslicht“ eingestellt.<br />

Setup Wir fotografierten am<br />

1Nachmittag, die Sonne stand noch<br />

hoch am Himmel und der Diffusor musste<br />

über Rubys Kopf gehalten werden. Der<br />

große, schattige Bereich des diffusen<br />

Lichts ist gut auf dem Rasen erkennbar.<br />

Testfoto Das ist das Resultat des ersten<br />

2Versuchs. Da die Sonne von dem<br />

Diffusor verdeckt wird, brauchte das Kind<br />

nicht zu blinzeln und das Haar bekam<br />

einen attraktiven Glanz. Doch obwohl das<br />

Licht das Gesicht recht gleichmäßig<br />

beleuchtete, gab es einige leichte<br />

Schatten, die beseitigt werden mussten.<br />

Reflektor Um dem diffusen Licht<br />

3etwas Farbe hinzuzufügen,<br />

positionierten wir einen goldfarbenen<br />

Reflektor so in den durch den Diffusor<br />

abgeschatteten Aufnahmebereich, dass<br />

er Rubys Gesicht aufhellen konnte.<br />

Spotlight Nun sah das Foto schon<br />

4sehr viel besser aus als unser erster<br />

Versuch. Das Licht vom Reflektor gab<br />

Rubys Gesicht einen warmen Farbton und<br />

ließ die Schatten verschwinden. Das<br />

Ergebnis war technisch mehr als<br />

zufriedenstellend, also probierten wir<br />

noch eine andere Pose aus.<br />

1 3<br />

2 4


Das fertige Bild<br />

Hier liegt Ruby auf dem Bauch. Da der<br />

Effekt auf ihrem Gesicht zu stark war,<br />

haben wir den Reflektor umgedreht<br />

und die weiße Reflexionsfläche<br />

benutzt. Nun war das Licht weicher<br />

bzw. neutraler und leuchtete die Pose<br />

perfekt aus.


80 Porträts EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

Aufnahmen an wolkigen Tagen<br />

Wolkenverhangene Tage sind eine weitere Herausforderung für<br />

Porträtfotografen. In folgendem Beitrag zeigen wir, wie man bedeckte<br />

Wetterbedingungen am besten für beeindruckende Porträts nutzt.<br />

LESER AUS NORDEUROPA erleben manchmal<br />

sogar im Sommer mehr Tage mit bedecktem<br />

Himmel als mit Sonnenschein. Das klingt für<br />

Einsteigerfotografen vielleicht zuerst nicht<br />

gerade ermutigend, bedeckter Himmel ist aber<br />

perfekt für Porträts. Eine Schicht grauer Wolken<br />

wirkt wie ein natürlicher Diffusor. Das Licht kann<br />

mit Beleuchtungshilfen wie Reflektoren an den<br />

richtigen Ort geleitet werden. Ein<br />

wolkenbehangener Tag bietet einen größeren<br />

Handlungsspielraum, um das Licht zu<br />

beeinflussen, da Lichtwinkel, -stärke und -ton<br />

vor allem von den Reflektoren und deren Position<br />

bestimmt werden. Der Fotograf muss sich in<br />

dieser Aufnahmesituation nicht mit direktem,<br />

grellem Sonnenlicht herumschlagen. Das Modell<br />

kann auch zur Mittagszeit im Freien fotografiert<br />

werden, ohne dass das Gesicht von starken<br />

Schatten und Spitzlichtern beeinträchtigt wird.<br />

Um ein wenig Sommerstimmung in die flache<br />

Beleuchtung zu bringen, wird empfohlen, ein<br />

Modell mit hellen, farbigen Kleidern und eine<br />

farbige Umgebung wie eine saftig grüne Wiese<br />

oder ein Garten mit Blumen zu wählen.<br />

Wie gut das Motiv beleuchtet wird, ist nicht nur<br />

abhängig von der Umgebung, sondern auch von<br />

den Fähigkeiten des Fotografen,<br />

Beleuchtungshilfen richtig einzusetzen. Da das<br />

Licht von oben durch die Wolken dringt,<br />

empfiehlt es sich, den Reflektor unter dem<br />

Modell auf dem Boden anzubringen, damit die<br />

Schatten ausgeleuchtet werden. Um die<br />

gewünschte Lichtintensität zu finden, kann der<br />

Abstand des Reflektors zum Modell verändert<br />

werden. Kleine Kinder können sich auch direkt<br />

auf den Reflektor -setzen. Alle Schatten werden<br />

dabei durch die Spiegelung des Lichts<br />

ausgeleuchtet. Kinder finden Reflektoren<br />

manchmal sogar richtig anziehend, da sie<br />

fliegenden Teppichen ähneln und bleiben daher<br />

auch gerne für ein paar Aufnahmen sitzen. Auch<br />

andere spiegelnde Oberflächen in der Umgebung<br />

wie weiße Wände können dazu beitragen,<br />

genügend Licht auf das Motiv zu bekommen.<br />

Vorsicht mit farbigen Oberflächen, da diese<br />

farbiges Licht abstrahlen.<br />

Es stehen verschiedene Arten von Reflektoren<br />

zur Auswahl, ein Kit mit fünf Reflektoren in<br />

einem ist wohl die beste Option für Einsteiger, da<br />

man dabei gleichzeitig über goldene, silberne<br />

und weiße Oberflächen verfügt.<br />

In manchen Aufnahmesituationen kann der<br />

silberne Reflektor zu stark und kühl und der<br />

goldene zu warm erscheinen. In diesen Fällen<br />

kann, wie in folgender Anleitung von Brett<br />

Harkness, ein kombinierter Reflektor wie der<br />

TriGrip-Sunfire/Silber-Reflektor von Lastolite<br />

eingesetzt werden.<br />

Hintergrundbeleuchtung mit dem Blitzgerät<br />

Meistens fehlt die Sonne gerade in dem<br />

Moment, in dem sie für eine Aufnahme<br />

gebraucht wird. Dann empfiehlt sich der<br />

Einsatz eines Blitzgerätes. Eine Mischung<br />

aus Blitz- und Tageslicht hilft dabei, Schatten<br />

auszuleuchten und macht die Aufnahme<br />

dynamischer. Diese Technik ist etwas<br />

fortgeschrittener. Beherrscht man sie richtig,<br />

öffnet sich jedoch eine breite Auswahl von<br />

neuen Aufnahmemöglichkeiten. Ein Blitzgerät<br />

kann hinter dem Motiv eingesetzt werden,<br />

um eine sonnige Hintergrundbeleuchtung<br />

nachzuahmen. Das externe Blitzgerät wird<br />

dabei kabellos über eine Fernbedienung<br />

betätigt. Zuerst sollte die Kamera dabei auf<br />

den Programm-Modus und das Blitzgerät<br />

auf TTL eingestellt werden. Ist der Effekt<br />

des Blitzgerätes zu schwach, wählt man die<br />

Blitzeinstellung manuell.<br />

BRETT HARKNESS<br />

Licht bei bedecktem Himmel<br />

1 2<br />

Für Porträtaufnahmen mit Kindern ist ein<br />

bedeckter Himmel ideal, da man sich nicht um<br />

scharfe Schatten und blinzelnde Augen kümmern<br />

muss und daher größere Freiheiten bei der<br />

Bildkomposition hat. Brett Harkness zeigt sein<br />

Können in dieser typischen Lifestyle-Aufnahme<br />

mit einem wolkenbehangenen Himmel.<br />

Bretts Modell ist ein typischer achtjähriger<br />

Junge, dem es schwerfällt, länger still zu<br />

sitzen und der stattdessen lieber spielt und die<br />

Umgebung erkundet. Brett wurde vor allem<br />

durch den schöne Himmel zu dieser Aufnahmen<br />

inspiriert. Er setzte dazu einen Reflektor ein, um<br />

die Lichtqualität zu verbessern. Bei Kinderfotos ist<br />

es wichtig, die Kinder während den Aufnahmen<br />

etwas zu unterhalten. Die Resultate werden<br />

besser, wenn die Kinder dabei Spaß haben. Wenn<br />

ein Kind zu einer Pose gezwungen wird, wirkt<br />

diese meist ziemlich unnatürlich.<br />

Einstellung Sobald Brett die<br />

1Aufnahmeumgebung ausgesucht hatte, bat er<br />

sein Modell, sich vor eine grüne Tür zu setzen und<br />

wählte eine Blende von f/5.6. Da die<br />

Lichtverhältnisse schwach waren, benutzte er<br />

einen Sunfire/Silber-Reflektor von Lastolite, um ein<br />

wenig Kontrast zum flachen und schwachen Licht<br />

zu schaffen.<br />

Probeaufnahme Bei dieser Aufnahme wurde<br />

2das Gesicht fokussiert und das Modell<br />

aufgefordert, in der Wiese herumzuspielen, um<br />

verschiedene Gesichtsausdrücke festzuhalten.<br />

Brett drehte seine Kamera für eine diagonale<br />

Komposition, um das Bild dynamischer zu<br />

gestalten.<br />

Die Position wechseln Nachdem das Modell<br />

3eine Weile spielen durfte, wurde es gebeten,<br />

sich auf ein Gitterkäfig zu setzen und still zu<br />

halten. Auf der Seite und auf dem Boden wurden<br />

zwei TriGrip-Reflektoren von Lastolite angebracht.<br />

Die unterschiedliche Entfernung der Reflektoren<br />

führte zu einem einen leichten Kontrast.<br />

3


Fertiges Bild<br />

In Bretts Bilderserie findet man<br />

verschiedene Gesichtsausdrücke<br />

und Posen. Durch die Reflektoren<br />

konnte das Licht wie gewünscht<br />

eingesetzt und der Kontrast auf dem<br />

Gesicht leicht verstärkt werden.


82 Porträts EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

Aufnahmen im Schatten<br />

Wenn man im Sommer bei Porträtaufnahmen Probleme mit direktem Sonnenlicht hat, sind<br />

Aufnahmen im Schatten oft eine willkommene Alternative. Wir zeigen, wie es geht.<br />

WENN DIE SONNE IM ZENIT STEHT und das Licht zu stark<br />

für Porträtaufnahmen ist, ist der Schatten oft der einzige Ort,<br />

wo man vor grellen Sonnenstrahlen und hohem Kontrast<br />

geschützt ist. Wird bei der Aufnahme ein breiter, gleichmäßiger<br />

Farbtonbereich mit eingeschränktem Kontrast und eine<br />

bessere Kontrolle gewünscht, ist die beste Lösung ein Platz im<br />

Schatten unter einem Baum oder neben einem Gebäude,<br />

wenn kein Diffusor zur Verfügung seht.<br />

Steht das Modell im Schatten, werden die<br />

Beleuchtungsbedingungen sofort besser. Der Fotograf verfügt<br />

dabei über eine bessere Kontrolle über die Richtung und Stärke<br />

des Tageslichtes. Das Licht ist im Schatten weicher, kühler und<br />

gedämpfter, man muss also mit weniger Licht und möglichen<br />

Farbstichen rechnen.<br />

Da das Licht im Schatten kühler ist, wählen Fotografen oft<br />

neben der Weißabgleich-Einstellung „Schatten“ einen<br />

goldenen Reflektor oder den Sunfire/Silber-Reflektor von<br />

Lastolite, um etwas Wärme ins Bild zu bringen. Auch die<br />

Farben der Umgebung müssen beachtet werden, da dunkle<br />

Oberflächen Licht absorbieren, währendem helle Flächen das<br />

Licht reflektieren. Oberflächen mit starken Farben können<br />

farbiges Licht spiegeln. Dabei sollte das Modell nicht zu nahe<br />

an diesen farbigen Oberflächen posieren und die Weißabgleich-<br />

Einstellung muss entsprechend angepasst werden. Am besten<br />

nimmt man im Raw-Format auf und korrigiert die Farben in der<br />

Nachbearbeitung.<br />

Bei Aufnahmen im Schatten ist es auch wichtig, sich bewusst<br />

zu sein, woher das Licht genau kommt. Oft wird es durch<br />

verschiedene Oberflächen wie Wände und Böden und in<br />

verschiedenen Winkeln gespiegelt. Mit ein wenig Erfahrung<br />

lernt man schnell, wie man am besten damit umgeht.<br />

Außerdem kann man auch verschiedene Aufnahmesituationen<br />

in der Mitte und am Rand des Schattenbereichs ausprobieren.<br />

Durch den Abstand zwischen Reflektor und Motiv kann die<br />

Beleuchtung ebenfalls beeinflusst werden. Auch der Kontrast<br />

kann auf diese Weise verändert werden. Das Motiv kann sich<br />

zum Beispiel zur Hälfte in der Sonne und zur anderen Hälfte im<br />

Schatten befinden oder von hinten beleuchtet werden. Wird<br />

letztgenannte Technik angewandt, empfiehlt sich ein Reflektor<br />

vor dem Modell, um Licht ins Gesicht zu spiegeln und Schatten<br />

zu entfernen.<br />

Der Fotograf kann auch mit der Sonne im Rücken aufnehmen<br />

und erzielt dadurch ein sehr schmeichelhaftes, weiches, Licht<br />

mit schwachem Kontrast auf dem Gesicht. Vor allem bei<br />

Modellen mit Kleidern in weißen oder schwarzen Farbtönen<br />

oder mit dunkler Haut empfehlen sich bei hellem Sonnenlicht<br />

Porträtaufnahmen im Schatten, da die Belichtung sonst zu<br />

einem Alptraum werden kann.<br />

Weißabgleich:<br />

Die meisten Anfänger stellen<br />

den Weißabgleich auf „Auto“<br />

und erreichen dadurch meist<br />

gute Resultate. Wählt man<br />

aber den Weißabgleich je nach<br />

Lichtbedingung, kann man diese<br />

Resultate noch weiter verbessern.<br />

Ist der Weißabgleich auf „Auto“<br />

gestellt, wirken Aufnahmen im<br />

Schatten oft blau, wird er aber<br />

auf „Schatten“ gestellt, werden<br />

diese wärmer. Man kann den<br />

Weißabgleich auch selbst definieren<br />

oder eine der Voreinstellungen<br />

der Kamera benutzen, um wärmere<br />

und kältere Farbtöne zu erzielen.<br />

Aufnahmen im Schatten<br />

1 2<br />

Profi-Fotograf Brett Harkness zeigt im Folgenden<br />

seine Vorgehensweise bei Aufnahmen im Schatten.<br />

Dieser Durchgang war perfekt für das Vorhaben,<br />

er hatte Schatten und das bestehende Licht<br />

war weich und einfach zu kontrollieren. Um das<br />

richtige Licht auf sein Modell Emma zu bringen,<br />

ließ er sie langsam aus dem Durchgang auf sich zu<br />

laufen, bis er mit der Beleuchtung auf dem Gesicht<br />

zufrieden war.<br />

Verschiedene Einstellungen ausprobieren Da<br />

1die Lichtbedingungen ziemlich schwach waren,<br />

begann Brett mit einer großen Blende von f/4 und<br />

verstärkte die ISO-Empfindlichkeit auf 640, um eine<br />

genügend kurze Verschlusszeit für eine Aufnahme<br />

aus der Hand zu erreichen. Die ersten paar<br />

Aufnahmen sind gelungen, der Hintergrund ist aber<br />

verschwommen, und es gibt noch einiges zu<br />

verbessern. Brett zoomte das Model dann näher<br />

heran, um einen Bildausschnitt von Kopf und<br />

Schultern aufzunehmen. Das Resultat ist weit<br />

besser als das vorherige!<br />

Verschiedene Posen Für eine weitere Aufnahme<br />

2bat er Emma, sich gegen eine Wand zu lehnen.<br />

Dadurch wurde das Licht auf ihrem Gesicht<br />

reduziert, und er musste einen Reflektor beiziehen.<br />

Er wählte die silberne Seite des Lastolite<br />

Sunfire-Reflektors, da diese die stärksten Resultate<br />

erzielt und dadurch möglichst viele Schatten entfernt<br />

werden. Bei einer großen Blende muss der<br />

Fokuspunkt vorsichtig gewählt werden. In diesem<br />

Beispiel hat Brett Emmas Augen mit dem<br />

punktuellen Fokus fokussiert und hat dadurch die<br />

Schärfe aus dem Vorder- und Hintergrund<br />

genommen. Die Wand verhalf der Aufnahme zu<br />

einer Linienführung gegen Emmas Gesicht, was die<br />

Komposition noch verstärkt.


Fertiges Bild<br />

Das Lieblingsbild wurde ins<br />

Schwarz-Weiß-Format verwandelt.<br />

Das schattierte Licht hat auf diesem<br />

Foto schöne, weiche Hauttöne<br />

geschaffen.


84 Fototechnik EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

Lifestyle-<strong>Fotografie</strong> bei Tageslicht<br />

Daniel Lezano zeigt in diesem Beitrag, wie man mit ein paar Tricks<br />

fantastische Lifestyle-Aufnahmen zu Hause machen kann.<br />

Viele führenden Lifestyle-Fotografen setzen in den allermeisten Aufnahmesituation nur<br />

Tageslicht für ihre Porträts ein. Deshalb sollte man helle, sonnige Tage ausnutzen, um<br />

einfache, aber wirkungsvolle Porträts von Freunden und Familienangehörigen aufzunehmen.<br />

Das gute an Lifestyle-Porträts ist, dass man diese ohne große Ausrüstung aufnehmen kann.<br />

Eine digitale Spiegelreflex- oder Systemkamera und ein Kit-Objektiv reicht aus. „Ich selbst benutze<br />

mein Lieblingsobjektiv, das bescheidene und günstige 50-Millimeter f/1.8-Objektiv.“ Da das Tageslicht<br />

schwierig voraussehbar ist, können Beleuchtungshilfen wie Reflektoren und Diffusoren hilfreich sein.<br />

Sie sind aber nicht unabdingbar. Man sollte bei den Aufnahmen „saubere“ Bilder erzielen: Das Motiv<br />

und die Einstellung sollten so einfach wie möglich gehalten werden. „Ich wählte eine klassische<br />

Kombination: Das Model Bethany trägt ein weißes Oberteil und Jeans und liegt auf dem<br />

Laminatfußboden meines Esszimmers.“<br />

Diffuses Tageslicht<br />

Das Licht sollte für schmeichelhafte<br />

Porträts so diffus wie möglich sein,<br />

damit das Model nicht durch direktes<br />

Sonnenlicht zum Blinzeln gezwungen<br />

wird und damit das Licht auf dem<br />

Gesicht nicht zu grell wirkt. In dies der<br />

Fall, sollte das Model im Schatten<br />

platziert oder ein Diffusor eingesetzt<br />

werden (rechts). Funktioniert das<br />

nicht, sollte man besser warten, bis<br />

die Sonne weiterwandert oder von<br />

Wolken bedeckt wird. Ein silberner<br />

Reflektor ist nützlich, um Schatten<br />

auszufüllen, auch wenn man mit<br />

ungebündeltem Licht aufnimmt.<br />

Vorsicht mit dem Fokus!<br />

Eine große Blende produziert einen engen<br />

Tiefenschärfebereich, der schnell unscharf wird.<br />

Die Aufnahme muss daher sorgfältig fokussiert<br />

werden. Ein einzelnes Autofokusfeld wählen, den<br />

Fokus speichern und das Bild wieder<br />

zusammensetzen.<br />

„Mein Esszimmer ist ziemlich klein, ich musste<br />

daher alle Möbel entfernen. Der Fußboden wurde<br />

gesaugt und so gut wie möglich gereinigt. Weil<br />

wir wenig Platz hatten, öffnete ich die Tür zum<br />

Innenhof für den Fall, dass ich aus dem Innenhof<br />

aufnehmen sollte. Eine große Blende produziert<br />

in dieser Situation einen engen<br />

Tiefenschärfebereich, perfekt für diese Art von<br />

Aufnahmen. Ich versuchte es mit der maximalen<br />

Blende f/1.8 meines 50-Millimeter-Objektivs,<br />

obwohl ich die meisten Bilder mit einem<br />

Blendwert zwischen 2.5 und 3.5 aufnehme.<br />

Dadurch wird die Schärfe verbessert.“<br />

Ein geneigter Blickwinkel<br />

Ein unter den meisten Lifestyle-Fotografen beliebter<br />

Trick für die Bildkomposition besteht darin, die Kamera<br />

zu neigen und dadurch Bilder mit einem schrägen<br />

Horizont aufzunehmen. Durch diese einfache Technik<br />

kann ein wenig mehr Energie auf das Bild gebracht<br />

werden. Man sollte die Kamera jedoch nicht zu stark<br />

neigen.<br />

Schritt 1 Die erste Aufnahme dient zur Prüfung der Bildkomposition und<br />

Belichtung. „Ich hatte schon eine klare Idee im Kopf, wie ich die Aufnahme<br />

wollte. Das Model Bethany kniet auf dem Boden und lehnt sich mit dem Rücken<br />

und Kopf nach hinten. Die Aufnahme ist nicht schlecht herausgekommen,<br />

obwohl die seitliche Beleuchtung ihre rechte Seite zu dunkel erscheinen lässt. “<br />

Schritt 2 „Ich platzierte einen silbernen Reflektor auf Bethanys rechter Seite,<br />

gerade außerhalb des Bildausschnitts. Der Unterschied ist deutlich sichtbar. Das<br />

Licht auf dem Gesicht wird dadurch ausgeglichen. Die Beleuchtung ist zwar<br />

dadurch besser, die Wand hinter dem Model gibt dem Bild nach meinem<br />

Geschmack aber einen etwas überfüllten Ausdruck. “


EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

Fototechnik 85<br />

Fertiges Bild<br />

„Meine Aufnahme war perfekt und ich musste sie nur<br />

noch wenig nachbearbeiten. Ich verstärkte mit der<br />

Gradationskurve den Kontrast und habe das Bild leicht<br />

zugeschnitten. Dadurch bekam ich das beabsichtigte<br />

Resultat. Am besten sollte man es einfach selbst<br />

ausprobieren. Viele Leser sind erstaunt, wie einfach<br />

man zu Hause gute Lifestyle-Fotos aufnehmen kann. “<br />

Schritt 3 „Das Model Bethany und ich wechselten dann die Position, ich nahm<br />

nun aus dem Innenhof in den Raum hinein auf. Ich habe die Fensterläden im<br />

Hintergrund geschlossen, um diesen zu verdunkeln. Der leere Raum hinter dem<br />

Model ist eine Verbesserung im Vergleich zur ersten Komposition, aber mein<br />

Blickpunkt ist zu hoch. “<br />

Schritt 4 „Ich ging dann in die Hocke.<br />

Dieser tiefe Blickpunkt ist deutlich besser. Die Mehrfeldmessung hat Bethanys<br />

Gesicht wegen des dunklen Hintergrunds überbelichtet und ausgebleicht. Dies<br />

kann durch eine negative Belichtungskorrektur von -2 bis -3 schnell korrigiert<br />

werden. “


86 Porträts EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

Kinder fotografieren<br />

Jedes Kind ist einzigartig – es gibt jedoch einige<br />

allgemeingültige Regeln, die Ihnen helfen, zu guten<br />

Kinderfotos zu kommen.<br />

ES IST NICHT IMMER EINFACH, doch Kinder zu fotografieren gehört zu<br />

den dankbarsten Momenten in der <strong>Fotografie</strong>. Es kann zu einer wirklichen<br />

Herausforderung werden, doch wenn Sie ein paar Grundregeln beherzigen<br />

und mit den kleinen Persönlichkeiten richtig umgehen, werden Sie bald<br />

eine schöne Sammlung vorweisen können.<br />

Das Wichtigste beim <strong>Fotografie</strong>ren von Kindern hat mit <strong>Fotografie</strong><br />

überhaupt nichts zu tun, sondern damit, wie einfühlsam Sie mit den<br />

Kleinen umgehen. Das alles Entscheidende ist: Kinder müssen sich nicht<br />

nur wohlfühlen, sie sollten sogar Spaß daran haben, von Ihnen fotografiert<br />

zu werden, sonst wirken die Fotos unnatürlich. In den ersten 10 Minuten<br />

sollte die Kameraausrüstung gar nicht zu sehen sein. Verbringen Sie die<br />

Zeit im Gespräch mit Kindern und Eltern. Erst nachdem Sie etwas<br />

„beschnuppert“ worden sind, sollten Sie zur Sache kommen und Fotos<br />

machen. Der Umgang mit kleineren Kindern ist in der Regel<br />

unkomplizierter, während Teenager schon viel selbstbewusster sind und oft<br />

zögern, sich überhaupt fotografieren zu lassen.<br />

Welche Art Fotos?<br />

Das ist eine Frage, die entweder die Eltern oder die Betroffenen selbst<br />

entscheiden, wenn es sich um ältere Kinder handelt. In früheren Zeiten<br />

waren Porträts sehr formal, doch heute zeigen die schönsten Kinderporträts<br />

entspannte, natürliche und fröhliche Gesichter. Aufnahmen Zuhause im<br />

Kinderzimmer sind ein guter Ausgangspunkt. In der bekannten Umgebung<br />

fühlen sie sich wohl und es stehen jede Menge Requisiten zur Verfügung,<br />

die Sie einbeziehen können. Vermeiden Sie unbedingt, dass man die Kinder<br />

in die „gute“ Sonntagskleidung steckt, denn darin sehen sie nur zu oft aus<br />

wie als Erwachsene verkleidet. Viel besser für die Stimmung ist das<br />

Lieblingsoutfit.<br />

<strong>Fotografie</strong>ren Zuhause ist die eine Möglichkeit, doch es hat seine Vorteile,<br />

wenn Sie es auch im Freien versuchen. Eigentlich ist jede Location geeignet<br />

- Parks, offene Landschaften, der Strand, das Stadtzentrum. Jede ist auf<br />

andere Weise attraktiv und erzeugt eine andere Stimmung, die den<br />

Eindruck eines Porträts beeinflusst. Es gibt zahllose Möglichkeiten der<br />

Bildkomposition, von „Kopfschüssen“ bis zu Aufnahmen, auf denen die<br />

ganze Person im Bild ist oder solche, in denen die Personen nur ein Teil des<br />

Motivs sind. Seine Sie fantasievoll.<br />

Das Kamera-Setup<br />

Bei Kinderporträts müssen Sie vorausdenken und flink sein. In manchen<br />

Augenblicken haben Sie die schönsten Posen vor der Kamera, dann<br />

wieder müssen Sie versuchen, zu einem guten Schnappschuss zu<br />

kommen, während die Kinder ihre Mätzchen machen. Wir empfehlen<br />

folgende Einstellungen:<br />

1) Belichtungsprogramm:<br />

Am besten benutzen Sie die<br />

Blendenautomatik. Beginnen Sie<br />

mit einer Blende von f/5.6 und<br />

variieren Sie bei Bedarf, doch in<br />

den meisten Fällen können Sie<br />

diesen Wert während der gesamten<br />

Session eingestellt lassen. Er gibt<br />

Ihnen einen relativ schmalen<br />

Schärfentiefenbereich, so dass<br />

Gesichter scharf sind und der<br />

Hintergrund verwaschen. Achten<br />

Sie auf die Verschlusszeit; sie muss immer kurz genug sein, um nicht zu<br />

verwackeln. Wird sie zu lang, erhöhen Sie die ISO-Empfindlichkeit auf bis zu<br />

ISO 1000. Versuchen Sie, die Verschlusszeit bei 1/200 Sekunde oder kürzer<br />

zu halten, wenn Sie mit Brennweiten bis 200mm arbeiten und bei 1/300<br />

Sekunde bei 70-300mm Brennweite.<br />

2) Autofokus: Er sollte auf<br />

Einzelpunkt-AF geschaltet sein. Benutzen<br />

Sie den zentralen Schärfepunkt, denn er<br />

hat die höchste Empfindlichkeit.<br />

Schalten Sie den AF-Modus auf S (S-AF,<br />

AF-S). Wenn Sie auf die Augen des Kindes<br />

scharfgestellt haben, verriegeln Sie diese<br />

Einstellung, indem Sie den Auslöser<br />

halb durchdrücken, dann machen Sie<br />

die endgültige<br />

Bildkomposition<br />

und lösen aus.<br />

3) Belichtungsmessung: Bleiben<br />

Sie bei der Mehrfeldmessung und Sie<br />

sollten keine Probleme bekommen. Falls<br />

Ihr Model überwiegend dunkle Farben<br />

aufweist, machen Sie ein Test Foto<br />

und überprüfen die Aufnahme auf dem<br />

Kameramonitor. Falls Details fehlen,<br />

korrigieren Sie die Belichtung um eine<br />

Stufe (+1EV) mit der Belichtungskorrekturfunktion.<br />

CANON NIKON OLYMPUS<br />

PENTAX<br />

Variieren Sie<br />

die Bildkomposition<br />

Das funktioniert<br />

am einfachsten<br />

durch<br />

unterschiedliche<br />

Posen und<br />

unterschiedliche<br />

Bildausschnitte:<br />

von der<br />

Nahaufnahme des<br />

Gesichts bis zur<br />

ganzen Person.<br />

4) Dateiformat: Verwenden<br />

Sie das RAW-Format, es gibt<br />

Ihnen maximale Kontrolle über<br />

Bildqualität und Farbbalance.<br />

Bei Serienbildern wirkt sich das<br />

leider auf die Geschwindigkeit<br />

aus, da der Pufferspeicher<br />

schneller voll ist. Benutzen Sie<br />

das JPEG-Format nur dann, falls<br />

Sie nicht wissen, wie man RAW-<br />

Dateien bearbeitet oder falls der<br />

Speicherplatz der Speicherkarte<br />

begrenzt ist.<br />

5) Weißabgleich: Den<br />

machen Sie idealerweise den<br />

Lichtverhältnissen entsprechend.<br />

Falls Sie sich nicht sicher sind,<br />

nehmen Sie den automatischen<br />

Weißabgleich. Auch hier zeigt<br />

sich ein Vorteil des Raw-Formats:<br />

Dabei können Sie einen falschen<br />

Weißabgleich in der Nachbearbeitung<br />

korrigieren.


EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

Porträts 87<br />

Das fertige Bild<br />

Machen Sie sich bei<br />

Kinderporträtsnicht zu<br />

viele Gedanken.<br />

Die sonnige Natur der<br />

Kleinen, gutes Licht, eine<br />

entspannte, fröhliche<br />

Atmosphäre, dann ist es<br />

schon fast geschafft.<br />

Halten Sie es einfach<br />

Dieser Tipp wird Ihnen wieder und<br />

wieder begegnen, doch das<br />

Geheimnis großartiger Porträts<br />

besteht wirklich darin, alles so<br />

einfach wie möglich zu halten, von<br />

der Kameraausrüstung bis zur<br />

Beleuchtung.


88 Ideen und Techniken für tolle Familienfotos<br />

Der Leitfaden Zur Porträtfotografie<br />

Strahlende, schöne Babys<br />

Ein neues Familienmitglied ist einer der Hauptgründe für<br />

den Kauf digitaler Spiegelreflexkameras. Mit unseren<br />

Ratschlägen werden Sie wunderschöne Babyfotos machen!<br />

NUR WENIGE DINGE BRINGEN DIE MENSCHEN SO SEHR DAZU, DEN<br />

BERÜHMTEN SATZ „Oh, wie süß!“ auszusprechen wie ein Baby. Diese<br />

prallen Bäckchen, diese großen Augen und dieses zahnlose Lächeln sind<br />

einfach perfekte Zutaten für wunderschöne Porträtaufnahmen. So fotogen<br />

Babys aber auch sind, sie sind nicht gerade die einfachsten Fotomodelle. Zum einen<br />

ist es ihnen ganz egal, was Sie sagen. Es hat also keinen Sinn, sie zu bitten, aus dem<br />

Fenster zu sehen oder zu lächeln - sie werden Sie ignorieren. Rechnen Sie<br />

stattdessen mit jeder Menge Speichel, Nickerchen, Weinen und interessiertem<br />

Herumschauen - nur nicht in die Kamera. Eine weitere Hürde vor allem bei ganz<br />

jungen Babys ist, dass diese noch gar nicht kräftig genug sind, um sich selbstständig<br />

aufrecht halten zu können. Das heißt also, Sie müssen sie entweder im Liegen oder<br />

mit irgendeiner Art von Stütze fotografieren.<br />

Aus diesem Grund sind viele Eltern und Familienmitglieder frustriert darüber, dass sie<br />

den neuesten Familienzuwachs nicht so aufnehmen können, wie sie es gerne<br />

würden. Kein Wunder, wenn man bedenkt, dass viele mit einem Weitwinkelobjekt zu<br />

nah herangehen und den integrierten Blitz auslösen. Das Ergebnis: Ein eine<br />

hässliche Aufnahme von einem Baby, das nach dem x-ten Blitzlicht in seinem kurzen<br />

Leben eine genervte Grimasse zieht.<br />

Vor Ihnen liegt also eine schwierige Aufgabe, aber verschiedene Dinge sprechen für<br />

Sie. Zunächst einmal ist Ihr Modell nicht sehr mobil, das heißt es wird nicht<br />

weglaufen. Und weil die Eltern anwesend sind, wird es sich in der Regel wohlfühlen<br />

und glücklich sein – vor allem, wenn Sie es nach einem seiner Nickerchen oder<br />

Mahlzeiten fotografieren möchten.<br />

Vor dem <strong>Fotografie</strong>ren ist es ratsam, einige Minuten mit dem Baby zu verbringen,<br />

damit es sich an Sie gewöhnen kann.<br />

Reden Sie mit dem Baby, zeigen Sie ihm Spielsachen, lassen Sie es Ihren Finger<br />

halten, oder lassen Sie sich noch andere Dinge einfallen, die das Kind beruhigen.<br />

Lächeln Sie viel, und kommen Sie sich nicht albern dabei vor, komische Geräusche<br />

zu machen oder mit Quietschestimme zu sprechen – all das trägt dazu bei, eine erste<br />

Bindung herzustellen.<br />

Wenn die Aufnahmen in einem geschlossenen Raum gemacht werden, platzieren<br />

Sie Ihr Modell in der Nähe einer Terrassentür; wenn die Aufnahmen im Freien<br />

gemacht werden, suchen Sie sich einen gut ausgeleuchteten Schattenbereich aus.<br />

Sie sollten schnell arbeiten und die Kamera in der Hand halten können. Stellen Sie<br />

also einen hohen ISO-Wert ein (400 – 800), und verwenden Sie eine große<br />

Blendenöffnung. Wählen Sie einen möglichst schlichten Hintergrund und machen<br />

Sie,die Aufnahme sowohl vor hellem als auch vor dunklem Hintergrund. Sehen Sie<br />

sie sich dann die Ergebnisse am LCD-Bildschirm an, um zu sehen, welcher am<br />

besten geeignet ist.<br />

Die Augen eines Babys sind im Verhältnis zum restlichen Gesicht relativ groß; achten<br />

Sie also darauf, dass mindestens eines scharf eingestellt ist. Ändern Sie den<br />

Blickwinkel, und machen Sie Aufnahmen von oben und anschließend im Liegen, um<br />

eine Aufnahme auf Augenhöhe des Babys oder sogar niedriger zu machen.<br />

Wenn Sie einmal mit den Aufnahmen begonnen haben, müssen Sie schnell<br />

arbeiten. Eine gute Option ist es auch, die Bildfrequenz<br />

auf kontinuierlich einzustellen und eine<br />

Reihenaufnahme zu machen, wenn Sie das<br />

Modell direkt ansieht. Sie werden zwar<br />

feststellen, dass die meisten Bilder nicht gut<br />

genug sind, aufbewahrt zu werden, aber mit<br />

etwas Glück werden Sie eine Handvoll guter<br />

Aufnahmen bekommen, von denen die Eltern<br />

begeistert sein werden. Die bessere Alternative<br />

ist es, die Einstellung auf Einzelbild zu lassen,<br />

und sich für weniger Bilder zu entscheiden, die<br />

jedoch mit etwas mehr Geschick und<br />

Zweckbestimmung gemacht werden.<br />

Hände und Füße<br />

Sie sollten unbedingt einige<br />

Aufnahmen von den Händen<br />

und Füßen des Babys<br />

machen. Versuchen Sie das,<br />

wenn das Baby erst wenige<br />

Tage alt ist, weil es dann die<br />

meiste Zeit schläft und die<br />

faltige Babyhaut die Wirkung<br />

der Fotos noch unterstreicht.<br />

Verwenden Sie weiches Licht<br />

sowie blasse und neutrale<br />

Farben; stellen Sie eine große<br />

Blendenöffnung für eine<br />

flache Schärfentiefe ein, und<br />

experimentieren Sie mit<br />

verschiedenen Winkeln und<br />

Blickwinkeln herum.<br />

Machen Sie Aufnahmen in<br />

Farbe und in Schwarz-Weiß.<br />

GANZ OBEN: Kleine Babys sind oft noch zu schwach, um<br />

sich selbstständig aufrecht halten zu können. Verwenden<br />

Sie also Möbelstücke als Hilfsmittel, und sorgen Sie dafür,<br />

dass die Eltern oder ein Assistent in der Nähe sind, damit<br />

keine Unfälle passieren!<br />

OBEN: Seien Sie mutig, und probieren Sie ungewöhnliche<br />

Bildaufbauten aus. Babys haben normalerweise sehr<br />

große Augen; mit knappen Zuschnitten und einer sehr<br />

flachen Tiefenschärfe können Sie das noch betonen.<br />

Top-Tipps: Babyfotos<br />

1) ERREGEN SIE IHRE AUFMERKSAMKEIT<br />

Babys sehen Sie normalerweise an, wenn<br />

Sie, kurz bevor Sie auf den Auslöser drücken,<br />

vor ihnen ein Spielzeug halten, schütteln<br />

oder drücken.<br />

2) NICHT ÜBERTREIBEN! Eine zehnminütige<br />

Sitzung ist lang genug. Nach einer Pause<br />

können Sie dann wieder weitermachen.<br />

3) IMMER MIT DER RUHE Seien Sie nicht<br />

frustriert und ärgern Sie sich nicht, wenn der<br />

Fototermin nicht nach Plan verläuft. Seien<br />

Sie sich immer im Klaren darüber, dass die<br />

Möglichkeit besteht, dass Sie überhaupt<br />

keine guten Bilder bekommen.<br />

4) RECHNEN SIE MIT KLEINEN „UNFÄLLEN“<br />

Halten Sie eine Küchenrolle und<br />

Papiertaschentücher bereit, um dem Baby<br />

bei Bedarf den Mund oder die Nase<br />

abwischen zu können. Babys produzieren<br />

erstaunlich viel Spucke und Schleim!<br />

5) SEIEN SIE KREATIV Wenn das Baby nicht<br />

in die Kamera schaut, probieren Sie<br />

ungewöhnliche Winkel und Kompositionen<br />

aus, die möglicherweise eine gute Aufnahme<br />

liefern, oder konzentrieren Sie sich auf<br />

Hände, Füße oder andere kleine Details.<br />

FOTOS: BRETT HARKNESS


Babyverhalten<br />

Wenn Sie sehr geduldig<br />

sind, finden Sie vielleicht<br />

einen Moment, in dem das<br />

Baby herumalbert und<br />

direkt in die Kamera<br />

schaut!<br />

Belichtung: 1/500<br />

Sekunden bei f4,5 (ISO<br />

500).<br />

Umwandeln in Schwarz-Weiß<br />

Denken Sie daran, dass sich Babybilder ideal zur<br />

Umwandlung in Schwarz-Weiß eignen. Sie sollten<br />

also durchaus überlegen, ob Sie nicht einige Ihrer<br />

Lieblingsaufnahmen in die sehr beliebten<br />

Monochrom-Bilder umwandeln.


90 Portraits EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

Kinder und Teenager fotografieren<br />

Sie können altklug, ungezogen und ausgesprochen vorlaut<br />

sein. Aber in diesem Alter sind Kinder oft auch am<br />

fotogensten, also machen Sie unbedingt viele Aufnahmen!<br />

VIELE ELTERN BEHAUPTEN, die Zeit<br />

zwischen fünf und zehn Jahren seien die<br />

angenehmsten Jahre der Kindheit. In<br />

diesen Jahren entwickeln Kinder ihre<br />

Persönlichkeit. In diesen jungen Jahren<br />

steckt das Potenzial für die besten<br />

Kinderporträts; die wachsende<br />

Unabhängigkeit und Bewegungsfreiheit<br />

schafft großartige Fotogelegenheiten für<br />

unvergessliche Schnappschüsse.<br />

Bringen Sie einen Telezoom an Ihrer<br />

digitalen Spiegelreflexkamera an (50–200<br />

mm oder 70–300 mm) und halten Sie<br />

Abstand, damit das Kind die Kamera<br />

vergisst. Nachdem Sie ein paar erste Bilder<br />

gemacht haben, suchen Sie sich einen<br />

guten Blickwinkel, stellen Sie die Kamera<br />

auf Serienbilder ein und rufen Sie den<br />

Namen des Kindes, damit es Sie bei der<br />

Aufnahme anschaut. Kinder in diesem<br />

Alter sind noch ansprechbar für<br />

Anweisungen. Wenn Sie sie also bitten,<br />

sich hinzusetzen, aufzustehen,<br />

umzudrehen etc., werden sie dies meist tun, zumindest um<br />

der Sache willen.<br />

So können Sie in kurzer Zeit eine gute Mischung aus<br />

Schnappschüssen und inszenierten Momenten aufnehmen.<br />

Wenn Ihrem Modell nach einigen Minuten langweilig wird<br />

und es wieder Blödsinn macht, können Sie gegen Ende des<br />

Shootings ein paar Bilder mit albernen Grimassen und Posen<br />

machen. Seien Sie bei den Posen Ihres Modells ganz<br />

entspannt. Bitten Sie es, an einer bestimmten Stelle zu<br />

stehen oder zu sitzen und machen Sie erst einmal ein paar<br />

Bilder. Wenn es zu angespannt aussieht, lassen Sie das Kind<br />

die Arme und den Kopf schütteln, damit es sich entspannt<br />

und lacht, denn es soll ihm ja auch Spaß machen. Machen<br />

Sie ein paar weitere Aufnahmen, sagen Sie ihm, wie toll es<br />

das macht und bitten Sie es, das Kinn höher oder tiefer zu<br />

halten, den Kopf zu neigen und so weiter, bis Sie die<br />

Aufnahme so haben, wie Sie es wollten. Probieren Sie<br />

mehrere Blickwinkel und Ausschnitte, damit die Aufnahmen<br />

eine wirklich bunte Mischung darstellen. Am Ende des<br />

Shootings sagen Sie ihm, dass es ein paar Minuten lang ganz<br />

verrückt sein soll und fangen Sie dabei die unvernünftigsten<br />

Dinge ein!<br />

Neben Kopf-und-Schulter-Bildern sollten Sie auch<br />

Ganzkörperaufnahmen machen. Wenn das Kind einen<br />

einzigartigen Sinn für Stil hat, dann sollten Sie diesen auch<br />

unbedingt zeigen! Ihr ultimatives Ziel sollte es sein, eine gute<br />

Mischung von Bildern zu erhalten, die zusammen die<br />

unterschiedlichen Aspekte des Charakters Ihres Motivs<br />

wiedergeben.<br />

Türen sind ideal,<br />

um Kinder davor<br />

posieren zu<br />

lassen. Lassen<br />

Sie das Kind<br />

Kleidung tragen,<br />

die zur Farbe<br />

der Tür passt.<br />

Falls es mehrere<br />

Schichten<br />

Oberbekleidung<br />

trägt, kann es zur<br />

Abwechslung mal<br />

nur im T-Shirt<br />

posieren.<br />

Bei Bedarf<br />

können Sie das<br />

vorhandene<br />

Licht mithilfe<br />

eines Reflektors<br />

verstärken.<br />

Geschenkideen<br />

FOTOLEINWAND<br />

Es gibt sie schon seit ein paar<br />

Jahren, aber ihre Popularität ist<br />

ungebrochen. Ein Kinderporträt<br />

auf einer Fotoleinwand ist eine<br />

auffallende Methode, die besten<br />

Aufnahmen zu präsentieren und<br />

eine tolle Foto-Geschenkidee.<br />

TINTENSTRAHL ABZÜGE<br />

Wenn Sie gerne Ihre eigene<br />

Fotokunstreihe produzieren<br />

möchten, schauen Sie sich die<br />

große Bandbreite an Kunstpapieren<br />

an, die es für die Verwendung mit<br />

Tintenstrahldruckern gibt. Zu den<br />

guten Marken und Sorten, die Sie<br />

ausprobieren können, gehören<br />

Hahnemühle Photo Rag Satin<br />

Glossy Fine Art und Permajet Royal<br />

Fine Art.<br />

Geheimtipps: Kinder<br />

1) Schnell arbeiten Mit einem Telezoom-Objektiv (z.B.<br />

50 - 200 mm) können Sie den Bildaufbau schnell von<br />

Großporträtaufnahmen zu Ganzkörperbildern ändern.<br />

2) Auf eine ungezwungene Atmosphäre achten Bevor<br />

Sie mi t dem <strong>Fotografie</strong>ren beginnen, erklären Sie ihnen<br />

Ihre Pläne und machen Sie ein paar Witze, damit sie sich<br />

entspannen.<br />

3) Positive Unterstützung! Sagen Sie ihnen<br />

permanent, was für Naturtalente sie sind und dass sie auf<br />

den Bildern wirklich gut aussehen. Selbst in jungen Jahren<br />

profitieren die Kinder von diesem Zuspruch.<br />

4) Spielen lassen! Wenn Sie anfangen, herumzualbern,<br />

lassen Sie sie spielen und machen Sie einige tolle<br />

Schnappschüsse, bevor Sie sie unterbrechen, damit Sie sie<br />

für die nächste Aufnahme vorbereiten können.<br />

5) Belohnung nicht vergessen! Eine kleine<br />

Bestechung (Spielzeug, Süßigkeit etc.) funktioniert so<br />

gut wie immer und wenn die Kinder für Ihre Mühen<br />

eine Belohnung erhalten, sagen Sie bei der nächsten<br />

Fotosession gerne wieder „ja“.


EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

Zeit für die Teenager!<br />

Behandeln Sie Jugendliche wie<br />

Erwachsene, und Sie werden das<br />

Beste aus ihnen herausholen<br />

WIE ALLE ELTERN bestätigen werden,<br />

entwickeln Kinder sehr schnell ihre<br />

Unabhängigkeit, wenn sie auf die<br />

weiterführende Schule kommen. Für Sie als<br />

Fotograf bedeutet dies, dass Sie Ihr Motiv mehr<br />

als Erwachsener und nicht als Kind behandeln<br />

sollten, wenn Sie eine Chance haben möchten,<br />

dass diese vor der Kamera posieren. Und auch<br />

wenn Sie Ihnen zum Beispiel Tipps geben, was<br />

sie anziehen sollten, seien Sie nicht sauer, wenn<br />

Sie genau das Gegenteil von dem anhaben, um<br />

das Sie sie gebeten haben. Arbeiten Sie mit<br />

ihnen und bitten Sie sie nach ein paar<br />

Aufnahmen, die Kleidung zu wechseln, um zu<br />

sehen, ob das, was Sie gerne möchten, besser<br />

passt.<br />

Sie werden merken, dass Jugendliche eine kurze<br />

Aufmerksamkeitsspanne haben und nach kurzer<br />

Zeit etwas anderes tun wollen als fotografiert zu<br />

werden. Wenn Sie freundlich bleiben, Interesse zeigen<br />

und Ideen zu ihrer Fotosession aufmerksam zuhören,<br />

können Sie sie eine ganze Weile auf Ihrer Seite halten.<br />

Wenn Ihre Modelle gerne fotografiert wird, ist das<br />

Shooting ein Kinderspiel, da sie sich nach jeder<br />

Aufnahme ganz natürlich von Pose zu Pose begeben! In<br />

den Jahren als Teenager sind Kinder oft am<br />

gehemmtesten. Auch wenn es einige reine<br />

Exhibitionisten unter ihnen gibt, sorgt sich die Mehrheit<br />

darum, wie sie auf den Bildern aussehen werden,<br />

insbesondere wenn ihre Hormone gerade dabei sind,<br />

ihre Haut zu zerstören. Ihr Ziel sollte es immer sein, sie<br />

in schmeichelndem Licht aufzunehmen, sie eher wie<br />

Erwachsene aussehen lassen und nicht wie Kinder und<br />

versuchen, dass Ihnen der gesamte Prozess Spaß<br />

macht.<br />

Was wollen sie selbst?<br />

Neben einer Auswahl<br />

von Bildern, die<br />

Ihnen und den Eltern<br />

gefallen, sollten Sie auf<br />

jeden Fall auch das<br />

Motiv selbst fragen,<br />

wie es fotografiert<br />

werden möchte.<br />

Die Antwort könnte<br />

Sie überraschen.<br />

Als wir Katie nach<br />

Ideen fragten, wie<br />

sie fotografiert werden möchte, schlug sie<br />

ein Schwarzweißbild vor, auf dem sie von<br />

der Kamera wegschaut, und zeigte uns ein<br />

Zeitschriftenfoto. Das war zwar nicht die Art<br />

von Bild, die wir geplant hatten, aber wir<br />

opferten die Zeit für den Neuaufbau und<br />

nahmen es dann so auf, wie Katie wollte.<br />

Bei diesem Bild haben wir sie in die Nähe<br />

von indirekten Fenstertüren gesetzt, sodass<br />

sie von der Seite beleuchtet wurde. Dann<br />

stellten wir einen Studioblitz mit einer kleinen<br />

Softbox auf den Boden, um etwas Licht von<br />

ganz unten auf die gegenüberliegende Seite<br />

zu werfen. Das Bild wurde mit Photoshop in<br />

Schwarzweiß umgewandelt.<br />

Mono Belichtung:<br />

Wenn Sie vorhaben,<br />

Ihre Bilder in<br />

Schwarzweiß<br />

umzuwandeln,<br />

brauchen Sie sich<br />

über Farbstiche durch<br />

die Beleuchtung<br />

keine Sorgen zu<br />

machen. Lassen Sie<br />

bei Ihrer Kamera<br />

den automatischen<br />

Weißabgleich<br />

eingestellt.<br />

Die Arbeit mit<br />

Jugendlichen kann<br />

viel Spaß machen;<br />

versuchen Sie dies<br />

in Ihren Bildern<br />

auszudrücken. Bitten Sie<br />

Ihren Assistenten oder<br />

einen Freund, sie zum<br />

Lachen zu bringen und<br />

seien Sie bereit, wenn<br />

der Moment kommt.<br />

Teenager haben<br />

viele Hobbies und<br />

Interessen; versuchen<br />

Sie diese ebenfalls mit<br />

einzubringen, etwa<br />

durch Kleidung oder<br />

Requisiten.<br />

Portraits 91<br />

Geheimtipps: Teenagers<br />

1) Achten Sie darauf, dass sie glücklich<br />

und entspannt sind und Spaß haben.<br />

Sie werden viel bessere Bilder<br />

erhalten als wenn sie gelangweilt und<br />

desinteressiert sind.<br />

2) Fragen Sie sie, ob sie Lieblingsbilder<br />

aus Zeitschriften oder dem Internet<br />

haben und überlegen Sie, ob Sie sie<br />

auf ähnliche Art fotografieren können.<br />

3) Geben Sie ihnen einen groben<br />

Hinweis, welche Kleidung Sie an<br />

ihnen sehen möchten (z.B. einfaches<br />

T-Shirt, Jeans etc.), aber achten Sie<br />

darauf, dass ihnen Ihr Vorschlag auch<br />

gefällt.<br />

4) Versuchen Sie nicht zu förmlich zu<br />

klingen, wenn Sie mit ihnen sprechen.<br />

Aber verwenden Sie lieber keine<br />

Wörter wie „cool“, wenn Sie glauben,<br />

dass das nach hinten losgehen<br />

könnte!<br />

5) Wenn Sie eine gute Aufnahme<br />

gemacht haben, zeigen Sie sie ihnen<br />

auf dem LCD-Bildschirm. Wenn<br />

ihnen gefällt, was sie sehen, haben<br />

sie mehr Lust mit dem <strong>Fotografie</strong>ren<br />

fortzufahren.<br />

6) Lassen Sie keine Eltern oder<br />

Freunde beim Shooting zuschauen,<br />

da ihnen das womöglich peinlich ist –<br />

bitten Sie diejenigen, die nicht mit aufs<br />

Foto sollen, den Raum zu verlassen!<br />

7) Geben Sie ihnen ein kleines<br />

Geschenk (z.B. einen 15 Euro iTunes<br />

Gutschein) als Dankeschön und<br />

schicken Sie ihnen einige Abzüge von<br />

den besten Bildern. Das ist ein kleiner<br />

Preis für ihre Zeit und sorgt dafür, dass<br />

sie in der Zukunft gerne für weitere<br />

Bilder zur Verfügung stehen!<br />

BRETT HARKNESS


92 Landschaften<br />

Bereiten Sie sich auf die freie Natur vor<br />

Die Landschaftsfotografie bringt es oft mit sich, stundenlang in der freien Natur<br />

unterwegs zu sein. Bereiten Sie sich gut vor, um diese Erfahrung ebenso erfolgreich<br />

wie angenehm zu gestalten.<br />

ISTOCKPHOTO<br />

ISTOCKPHOTO<br />

RECHERCHIEREN & PLANEN<br />

Großartige Landschaftsaufnahmen<br />

entstehen selten zufällig — die besten<br />

Aufnahmen sind oft das Ergebnis sorgfältiger<br />

Planung, also machen Sie Ihre<br />

Hausaufgaben. Recherchieren Sie Ihren<br />

Aufnahmeort möglichst im Voraus, sehen Sie<br />

sich nach geeigneten Standpunkten um und<br />

probieren Sie verschiedene Kompositionen<br />

aus; dies wird Ihnen helfen, während der<br />

Aufnahmen schnell und effizient zu arbeiten.<br />

Wenn es sich um eine Meeresküste handelt,<br />

beachten Sie die Gezeiten. Die größte<br />

Bedeutung kommt dem Licht zu: Eignet sich<br />

der Ort eher für Aufnahmen am Morgen oder<br />

am Abend?<br />

Ein Sonnenrechner wie „The Photographer’s<br />

Ephemeris (http://photoephemeris.com) hilft<br />

Ihnen, die Richtung des Lichts zu<br />

verschiedenen Tageszeiten herauszufinden.<br />

Das Programm ist nur auf Englisch erhältlich,<br />

aber es gibt eine Anleitung auf Deutsch<br />

(http://photoephemeris.com/<br />

the-photographer-s-ephemeris-auf-deutsch).<br />

Zum Schluss sollten Sie auf geeignetes<br />

Wetter für ihren Aufnahmeort warten. Sehen<br />

Sie sich die Wettervorhersage genau an und<br />

stimmen Sie Ihren Besuch zeitlich so ab,<br />

dass er mit idealen Verhältnissen<br />

zusammenfällt, und verbessern Sie dadurch<br />

Ihre Chance erfolgreich zu sein.<br />

PASSENDE KLEIDUNG<br />

Eine unerwartete Wetteränderung<br />

kann Ihre Planung umwerfen, achten<br />

Sie deshalb auf angemessene<br />

Bekleideung. Wenn es kalt oder nass<br />

ist, sollten Sie verschiedene<br />

Kleidungsstücke übereinander tragen,<br />

die Sie bei Bedarf an-/ablegen können.<br />

Die äußere Schicht sollte wind- und<br />

wasserdicht sein, sowohl am<br />

Oberkörper als auch an den Beinen.<br />

Probieren Sie es mal mit Kleidung von<br />

Berghaus oder Paramo. Eine Mütze<br />

verhindert, dass Sie bei niedrigen<br />

Temperaturen Körperwärme abgeben,<br />

während isolierte Handschuhe Ihre<br />

Finger warmhalten, sodass Sie Ihre<br />

Kamera bedienen können. Manche<br />

Menschen bevorzugen Handschuhe<br />

oder Fäustlinge, bei denen man die<br />

Fingerkappe umklappen kann, um die<br />

Finger freizulegen, wie die von Matin.<br />

Für steiniges oder unwegsames<br />

Gelände sind robuste Wanderschuhe<br />

geeignet, am Strand oder im Sumpf<br />

ermöglichen Ihnen Gummistiefel, zum<br />

<strong>Fotografie</strong>ren ins Wasser zu waten.<br />

Achten Sie darauf, dass die Stiefel<br />

gefüttert sind.<br />

IMMER MIT STATIV<br />

Wir wissen, dass es lästig ist, ein Stativ<br />

zu tragen und immer wieder neu<br />

aufzustellen. Es gibt aber einen Grund,<br />

warum ernsthafte Outdoor-Fotografen<br />

immer eines benutzen: Stative bedeuten<br />

volle Kontrolle! Langsame<br />

Verschlusszeiten und niedrige ISO-Werte<br />

sind kein Problem, es ist einfacher, das<br />

Bild mit Präzision zusammenzustellen,<br />

Grauverlaufsfilter einzusetzen, die<br />

Tiefenschärfe zu maximieren und die<br />

Kamera in Position zu bringen, um direkt<br />

loslegen zu können, wenn plötzlich das<br />

Licht besser ist. Ein mittelgroßes Modell<br />

aus Carbonfaser, wie das 190CXPRO3<br />

oder das 055CXPRO4 von Manfrotto,<br />

bietet einen guten Kompromiss<br />

zwischen Gewicht und Stabilität, auch<br />

mit einer schweren professionellen<br />

digitalen Spiegelreflexkamera. Wenn Sie<br />

sparen müssen, entscheiden Sie sich für<br />

die preiswerteren Modelle aus<br />

gleichwertigen Legierungen. Sie<br />

benötigen außerdem einen geeigneten<br />

Kopf, und Kugelköpfe werden immer<br />

beliebter. Schauen Sie sich zum Beispiel<br />

den Kugelkopf MH1312-652 von<br />

Giottos oder die Modelle 498RC2 und<br />

327RC2 von Manfrotto an.<br />

Die Hügel leben!<br />

Es sollte immer Ihre<br />

Priorität sein, die<br />

Aufnahme so zu planen,<br />

dass Sie mit gutem<br />

Wetter zusammenfällt.<br />

Doch auch dunkle,<br />

stürmische Tage können<br />

mit Aufnahmen wie<br />

diesen belohnen.<br />

WAHL DES OBJEKTIVS<br />

Kommen wir zum Wichtigsten: der<br />

Ausrüstung! Die perfekte Lösung muss allen<br />

Landschafts-Anforderungen genügen, aber<br />

leicht genug sein, um sie den ganzen Tag<br />

tragen zu können. Zum Glück ist es nicht<br />

schwierig, beides zu kombinieren. Die Wahl<br />

der Kamera ist praktisch irrelevant, denn es<br />

gibt heute kaum noch schlechte digitale<br />

Spiegelreflexkameras. Der Schlüssel zu<br />

Kreativität und Erfolg sind die Objektive!<br />

Wenn Sie im Vollbild aufnehmen, sind drei<br />

Zoomobjektive im Bereich 17 bis 200 / 300<br />

mm mehr als ausreichend, für APS-C genügen<br />

10 bis 200 mm. Weitwinkelobjektive sind für<br />

Landschaftsaufnahmen nützlicher als<br />

Teleobjektive, sind aber anfälliger für optische<br />

Aberrationen bzw. Diffraktion, deshalb sollten<br />

Sie nur in ein Modell von guter Qualität<br />

investieren.<br />

Für Vollbildaufnahmen sind Canons 17–40<br />

mm f/4 und 16–35 mm f/2,8 L Mk II oder<br />

Nikons 14–24 mm f/2.8 G, 16–35 mm f/4 G<br />

und 17–55mm f/2.8 G geeignete Kandidaten,<br />

während für APS-C-Sensoren Nikons 10–24<br />

mm f/3.5–4.5 G und 12–24 mm f/4 G,<br />

Canons 10–22 mm f/3.5–4.5 und Sigmas<br />

10–20 mm f/3.5 und 12–24 mm f/4.5-5.6 in<br />

die engere Auswahl gehören.<br />

ADAM BURTON


ADAM BURTON<br />

PACKEN SIE IMMER FILTER EIN<br />

Filter sind für Landschaftsaufnahmen absolut<br />

notwendig! Sie sollten immer einen Polfilter<br />

dabeihaben, da er blendendes Licht und<br />

Reflexionen reduziert, um die Klarheit zu<br />

verbessern und den Himmel bei sonnigem Wetter<br />

zu betonen. Auch Grauverlaufsfilter sind ein<br />

Muss, um Landschaft und Himmel richtig zu<br />

belichten. Der Verlauf ermöglicht es Ihnen, den<br />

Himmel so abzudunkeln, dass seine Helligkeit<br />

der Landschaft ähnelt. Was die Dichte betrifft,<br />

sind 0,6 und 0,9 am nützlichsten; „harte“<br />

Grauverlaufsfilter ermöglichen einen<br />

gleichmäßigeren Verlauf als „weiche“. Massive<br />

Graufilter sind praktisch, um die Verschlusszeit zu<br />

verlangsamen, wenn Sie zum Beispiel Bewegung<br />

im fließenden Wasser aufnehmen möchten.<br />

Eine Dichte von 0,6 erhöht die Belichtung um<br />

zwei Stufen, 0,9 um drei Stufen und 1,2 um vier<br />

Stufen. Um extremere Effekte durch<br />

Langzeitbelichtung zu erreichen, benötigen Sie<br />

einen zehnstufigen Graufilter, zum Beispiel den<br />

Lee Big Stopper, B + W 3.0 ND oder Hitech Pro<br />

Stop (siehe Seite 56 für weitere Informationen).<br />

Diese ermöglichen Belichtungen von mehreren<br />

Minuten bei Tageslicht, um Bewegungen in Meer,<br />

Himmel, Flüssen und ähnlich bewegten Motiven<br />

aufzunehmen. Die Ergebnisse können so<br />

erstaunlich sein, dass Sie, wenn Sie einmal<br />

anfangen, vermutlich nicht mehr aufhören<br />

können!<br />

ROSS HODDINOTT<br />

Profi-Tipp: Ross Hoddinott<br />

„Gehen Sie nicht zu früh nach Hause!<br />

Nach einem schmerzlich frühen Start<br />

oder einem langen Tag unterwegs zieht<br />

es Sie vermutlich stark nach Hause; doch<br />

bleiben Sie standhaft! Ich habe diesen<br />

Fehler früher oft gemacht – im Glauben,<br />

die Wolken würden nicht aufbrechen oder<br />

die Bedingungen nicht mehr hergeben<br />

–, nur um dann auf der Rückfahrt einen<br />

wunderschönen Sonnenuntergang oder<br />

einen dramatischen Himmel zu erleben.<br />

Es gibt nichts Frustrierenderes als eine<br />

großartige Gelegenheit zu verpassen,<br />

nur weil man nicht noch eine Stunde<br />

geblieben ist. Wetterbedingungen<br />

können sich erstaunlich schnell ändern,<br />

sodass auf einmal ein wundervolles<br />

Licht erscheint oder die Wolken gerade<br />

genug aufreißen, damit dramatische<br />

Lichtstrahlen durchscheinen und die<br />

Szene in Licht baden. Wenn Sie sich<br />

also die Mühe gemacht haben, zu einem<br />

Aufnahmeort zu gelangen, gehen Sie<br />

nicht, bis Sie wirklich sicher sind, dass es<br />

keine Chance für weitere Möglichkeiten<br />

gibt. Bleiben Sie – vielleicht fangen<br />

Sie einen unvergesslichen, magischen<br />

Moment ein.“


94 Landschaften EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

Die Grundlagen<br />

Eine gute Bildkomposition ist der Schlüssel zu guten Fotos. Es gibt ein paar Regeln, die<br />

Ihnen auf dem Weg zum Erfolg helfen können – lassen Sie sich davon anregen.<br />

ROSS HODDINOTT<br />

Der Vordergrund<br />

Ein interessanter Vordergrund ist wichtig und verstärkt die Tiefenwirkung. Das können Felsformationen<br />

sein, durch Vegetation verursachte Reflexionen oder ein Weg, der nach hinten ins Bild führt. Die Elemente<br />

sollten zur übrigen Szene passen und einen visuellen Einstiegspunkt bieten, der das Auge in die<br />

Bildkomposition führt und zugleich als Maßstab dient. Verwenden Sie ein Weitwinkel im Bereich<br />

17-35mm, der weite Blickwinkel steigert die Perspektive und die Größe nahe gelegener Objekte. Auch die<br />

Höhe der Kameraposition kann die Bildwirkung beeinflussen: Ist der Standpunkt zu hoch über dem<br />

Boden, kann der mittlere Entfernungsbereich leer und langweilig aussehen. In dem Fall sorgt ein<br />

niedrigerer Standpunkt für eine interessantere, dramatischere Perspektive. Um die gesamte Szenerie<br />

scharf abzubilden, wird außerdem viel Schärfentiefe benötigt; stellen Sie also sorgfältig scharf und<br />

verwenden Sie eine Blende im Bereich von f/16. Ermitteln Sie die hyperfokale Entfernung und wählen Sie<br />

einen Schärfepunkt etwa am Ende des ersten Drittels der Szene.<br />

ROSS HODDINOTT<br />

ROSS HODDINOTT<br />

ROSS HODDINOTT<br />

Die Drittelregel<br />

Die vielleicht wichtigste Regel der<br />

Bildkomposition ist die Drittelregel.<br />

Um sie umzusetzen, stellen Sie sich<br />

das Sucherbild durch zwei horizontal<br />

und zwei vertikal verlaufende Linien<br />

in neun gleich große Teile zerteilt vor.<br />

Ordnen Sie nun Ihre Bildelemente<br />

entlang dieses Linienrasters an, so<br />

sollte der Horizont auf einer der<br />

horizontalen Linien liegen.<br />

Oft ist es am besten, wenn Ihr Motiv<br />

zwischen einem Drittel Himmel und<br />

zwei Dritteln Erdoberfläche<br />

eingebettet ist. Wenn der Himmel<br />

besonders eindrucksvoll aussieht,<br />

können Sie diese Proportion auch<br />

umkehren. Die Schnittpunkte<br />

unserer gedachten Linien markieren<br />

optische Fixpunkte. Das hängt damit<br />

zusammen, wie unser Gehirn die<br />

Informationen vom Auge verarbeitet.<br />

Für die beste optische Balance<br />

sollten sich die Schlüsselelemente<br />

Ihrer Szene nahe diesen Punkten<br />

befinden.<br />

Manche Fotografen empfinden die<br />

Drittelregel als zu klischeehaft –<br />

dennoch funktioniert sie, und die<br />

erfolgreichsten <strong>Landschaftsfotos</strong><br />

beruhen auf ihr!<br />

Bei vielen Kameras lässt sich ein<br />

entsprechendes Raster in den Sucher<br />

oder auf dem Monitor einblenden,<br />

um die Arbeit mit der Drittelregel zu<br />

erleichtern.<br />

ROSS HODDINOTT<br />

Regeln müssen manchmal gebrochen<br />

werden<br />

Natürlich sollte man die Regeln der Bildkomposition<br />

kennen und anwenden – dennoch gelten sie nicht<br />

automatisch für jedes Motiv, sonst entstehen<br />

unweigerlich fantasielose, vorhersehbare Bilder. Trotz<br />

aller nützlichen Regeln sollten Sie daher auch Mut<br />

zum Experiment haben. Ein Horizont genau in der<br />

Mitte des Bildausschnitts macht sich in bestimmten<br />

Szenen gut – besonders wenn sich Himmel im<br />

Wasser spiegelt, was ein ganz eigenes<br />

Symmetriegefühl erzeugt. Das Geheimnis guter<br />

Bildkomposition liegt manchmal einfach darin, dem<br />

eigenen Gefühl zu folgen.<br />

Führungslinien<br />

Gut erkennbare Linien sind eine große Hilfe, denn sie<br />

führen das Auge durch das Bild. Eine Landschaft ist<br />

voller Linien, Wege, Strassen, Bodenwellen, Hecken,<br />

Flüsse oder Küstenlinien. Auch „implizite“ Linien<br />

können eingebunden werden, etwa eine Reihe<br />

gleichartiger Objekte, Steine usw.<br />

Ein Weitwinkelobjektiv kann Linien verlängern und<br />

Winkel vergrößern. Am wirkungsvollsten sind sie,<br />

wenn sie aus einer Bildecke diagonal ins Bild führen.<br />

Diagonale Linien sind dynamischer, denn sie<br />

implizieren Tiefe und wirken am besten von links<br />

nach rechts ins Bild laufend – entsprechend dem<br />

natürlichen Bewegungsmuster des menschlichen<br />

Auges!<br />

Die Regel der ungeraden<br />

Zahl<br />

Die Regel der ungeraden Zahl ist<br />

weniger bekannt, doch ebenso nützlich<br />

und effizient, wenn die geforderten<br />

Umstände zutreffen. Außerdem ist sie<br />

sehr einfach anzuwenden. Sie besagt,<br />

das eine Bildkomposition mit einer<br />

ungeraden Zahl von im Bild<br />

befindlichen Objekten ästhetisch<br />

ansprechender ist, als vergleichbare<br />

Bilder mit eine geraden Zahl von<br />

Objekten. Bei einer Baumreihe auf<br />

einem Hügelrücken beispielsweise sieht<br />

ein Foto mit einem einzelnen Baum<br />

oder mit drei oder fünf Bäumen besser<br />

aus, als ein Bild mit zwei oder vier<br />

Bäumen. Ungerade Zahlen schaffen<br />

einen natürlichen Rahmen – es gibt<br />

immer ein zentrales Objekt. „Drei“ ist<br />

eine besonders starke Zahl, weil<br />

dadurch ein Dreieck gebildet wird. Sie<br />

sind skeptisch? Probieren Sie`s aus!


Ungerade …<br />

Die Regel der ungeraden Zahl<br />

ist äußerst einfach – ein, drei<br />

oder fünf Objekte im Bild<br />

sehen immer besser aus als<br />

zwei oder vier.<br />

ADAM BURTON


96 Landschaften EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

Kamera-Einstellungen<br />

Wenn Ihnen eine fantastische Landschaft vor die Linse gerät, ist es entscheidend zu<br />

wissen, wie Sie die Kamera einstellen müssen, um das Beste daraus zu machen<br />

AUFNAHMEMODI<br />

<strong>Digitale</strong> Spiegelreflexkameras haben<br />

eine Vielzahl von Aufnahmemodi,<br />

mit denen Sie die Belichtung auf<br />

unterschiedliche Weise regulieren<br />

können. Die Automatikprogramme<br />

sollten Sie bei der<br />

Landschaftsfotografie am besten<br />

vermeiden. Ebenso den<br />

Programmmodus, der den<br />

gewünschten Effekt einfach nicht<br />

zuverlässig genug vorhersehen<br />

kann. Sie brauchen volle Kontrolle<br />

über die Wahl der Blende, denn dies<br />

bestimmt den Grad der<br />

Tiefenschärfe. Der Modus<br />

Zeitautomatik mit Blendenvorwahl<br />

(A oder Av) ist die beste Wahl. Damit<br />

wählen Sie die Blende, während die<br />

Kamera automatisch die dazu<br />

passende Verschlusszeit bestimmt,<br />

um insgesamt eine korrekte<br />

Belichtung zu erreichen. Wenn das<br />

Bild von vorne bis hinten scharf sein<br />

soll, wählen Sie eine kleine Blende<br />

wie f/16. Der manuelle Modus ist<br />

ebenfalls nützlich, aber er verlässt<br />

sich stark auf Ihre Eingaben.<br />

BELICHTUNGS-<br />

KOMPENSATION<br />

Wenn Sie sich das Histogramm des<br />

Bildes angeschaut haben und<br />

finden, dass Sie die Szene aufgrund<br />

einer falschen Belichtung aufhellen<br />

oder abdunkeln müssen, ist die<br />

einfachste Lösung, auf die<br />

Belichtungskompensation der<br />

Kamera zurückzugreifen. Einige<br />

digitale Spiegelreflexkameras haben<br />

einen speziellen Button dafür, der<br />

mit einem (+/–) Symbol<br />

gekennzeichnet ist, während bei<br />

anderen Modellen die Kompensation<br />

über einen der Drehregler eingestellt<br />

wird. Bewegen Sie die<br />

Belichtungsanzeige in Richtung des<br />

(+) Symbols, um eine positive<br />

Kompensation anzuwenden und das<br />

Bild aufzuhellen. Oder bewegen Sie<br />

es in Richtung des (–) Symbols, um<br />

eine negative Kompensation<br />

anzuwenden und das Bild im<br />

Ergebnis dunkler erscheinen zu<br />

lassen. Die Bildkompensation wird<br />

normalerweise in Stufen von 1/3<br />

oder 1/2 angegeben..<br />

OPTIONEN ZUR<br />

BELICHTUNGSMESSUNG<br />

Ihre Kamera verfügt über eine Reihe<br />

von Methoden zur<br />

Belichtungsmessung – üblicherweise<br />

Multizonen, mittenbetont und<br />

Punkt. Punktmessung ist nützlich,<br />

wenn Sie bei Ihrer Messung sehr<br />

präzise vorgehen müssen – eventuell<br />

zum Beispiel, um den Kontrast des<br />

Lichts zwischen Land und Himmel<br />

zu berechnen. In den allermeisten<br />

Fotosituationen stellt jedoch die<br />

Multizonenmessung die am besten<br />

geeignete Methode dar. Sie greift auf<br />

das Licht von verschiedenen<br />

Bereichen des Bildes zurück und<br />

berechnet daraus einen<br />

Durchschnittswert. Diese Methode<br />

ist sehr akkurat und kann nur sehr<br />

selten ausgetrickst werden – nur<br />

extrem helle, dunkle oder von hinten<br />

ausgeleuchtete Motive täuschen es.<br />

Daher empfehlen wir Ihnen, bei der<br />

Multizonenmessung Ihrer Kamera zu<br />

bleiben – sie wird sich in der<br />

Mehrheit der Situationen als<br />

verlässlich erweisen.<br />

DEN ISO-WERT SO KLEIN WIE MÖGLICH<br />

WÄHLEN<br />

Um die Bildqualität zu maximieren, sollten Sie die ISO-Einstellung<br />

auf der kleinstmöglichen Empfindlichkeit halten – typischerweise<br />

ISO 100 oder 200. Dadurch bleiben Ihre Bilder frei von Rauschen.<br />

Höhere Empfindlichkeiten sind nützlich, wenn Sie eine kurze<br />

Verschlusszeit benötigen. Aber bei der Landschaftsfotografie ist<br />

Schnelligkeit nicht unbedingt ein Thema, insbesondere wenn Sie ein<br />

Stativ für die Stabilisierung verwenden. Denken Sie daran, die Auto<br />

ISO Funktion Ihrer Kamera zu deaktivieren, damit die Kamera nicht<br />

eine höhere ISO wählt als Sie haben möchten.<br />

ADAM BURTON<br />

Profitipp: Helen Dixon<br />

„Das Wetter ist bei uns in<br />

Großbritannien eins der beliebtesten<br />

Gesprächsthemen. Wir haben sehr<br />

veränderliche Wetterbedingungen<br />

– und schlechtes Wetter muss nicht<br />

unbedingt etwas schlechtes sein.<br />

Egal ob Sie es lieben oder hassen,<br />

Sie sollten das facettenreiche Klima<br />

schätzen lernen und die Ausrüstung<br />

für Regenwetter bereit halten!<br />

Viele von uns sind Schönwetter-<br />

Fotografen, aber ich habe gelernt,<br />

auch dann rauszugehen, wenn<br />

die Vorhersage nicht so günstig ist.<br />

Einige der besten Bedingungen findet<br />

man, wenn eine Kaltfront wieder<br />

abzieht. Der Übergang zwischen<br />

schlechtem und sich besserndem<br />

Wetter kann äußerst lohnenswert<br />

sein. Natürlich kann man dabei nass<br />

werden, wenn man darauf wartet,<br />

dass das beste Licht herauskommt,<br />

aber es kann sich lohnen. Seien<br />

Sie einfach gut vorbereitet! Ein<br />

dramatischer Himmel, flüchtiges<br />

Licht, Regenbögen und üppige<br />

Landschaften sind oft die Geschenke<br />

unseres unvorhersehbaren Wetters!<br />

Und vergessen Sie nicht, dass<br />

Sie nicht auf die goldene Stunde<br />

beschränkt sind. Sie können<br />

praktisch den ganzen Tag über<br />

fotografieren.“


EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

Landschaften 97<br />

Stellen Sie sich ein…<br />

Wenn Sie mit den<br />

Einstellungsmöglichkeiten vertraut<br />

sind, können Sie Ihre Kamera immer<br />

den Lichtverhältnissen anpassen.<br />

HELEN DIXON


98 Landschaften EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

Das Licht beherrschen (bei jedem Wetter!)<br />

Die Natur und Veränderlichkeit des Lichts zu verstehen, ist eine wesentliche Fähigkeit, die man lernen muss. Und<br />

geben Sie nicht auf, wenn das Wetter mal nicht mitspielt – Sie können trotzdem tolle <strong>Landschaftsfotos</strong> erzielen!<br />

TAGESZEIT<br />

Um großartige Landschaftsaufnahmen zu machen, müssen Sie zur<br />

rechten Zeit am rechten Ort sein. Die Lichtqualität kann der<br />

entscheidende Faktor für das Gelingen oder Scheitern Ihres Fotos<br />

sein. Sowohl die Tageszeit als auch Jahreszeit und Wetter können<br />

die Lichtqualität beeinflussen. Tagsüber erzeugt der hohe<br />

Sonnenstand ein grelles, unvorteilhaftes Licht – selbst wenn der<br />

Bildaufbau genau richtig war, ist das Ergebnis oft enttäuschend. In<br />

der Regel ist das Licht jeweils eine halbe Stunde vor bzw. nach<br />

Sonnenauf- und Sonnenuntergang am besten – während der so<br />

genannten „goldenen Stunden“ ist das Licht weich, warm und<br />

attraktiv, die niedrig stehende Sonne betont Strukturen und formt<br />

die Landschaft.<br />

Für großartige Landschaftsaufnahmen stellen Sie den Wecker früh<br />

morgens und bleiben bis spät abends draußen. Sie sollten<br />

wenigstens eine Stunde vor Sonnenaufgang vor Ort sein; der Glanz<br />

und die Intensität einer Morgendämmerung kann magisch sein,<br />

und sobald die Sonne am Horizont erscheint, ist die Lichtqualität<br />

perfekt. Am Ende des Tages ist das Licht ähnlich gut. Auch hier<br />

sollten Sie rechtzeitig kommen, um den richtigen Blickwinkel zu<br />

finden. Und packen Sie nicht zu früh wieder ein – das Abendrot<br />

nach Sonnenuntergang kann spektakulär sein! Denken Sie im<br />

Winter auch daran, dass die Sonne tiefer steht, sodass ihr Licht den<br />

ganzen Tag über brauchbar ist.<br />

LEE FROST<br />

ROSS HODDINOTT


EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

Landschaften 99<br />

LEE FROST<br />

ADAM BURTON<br />

DIE RICHTUNG DES LICHTS<br />

Eine Szene kann von vorne, seitlich oder von<br />

hinten beleuchtet sein. Die Lichtrichtung<br />

spielt eine entscheidende Rolle für die<br />

Bildqualität und Atmosphäre. Wird eine<br />

Landschaft von vorn ausgeleuchtet, fallen<br />

Schatten hinter das Motiv. Dies führt dazu,<br />

dass Strukturen und Formen weniger betont<br />

und die Ergebnisse flach und uninteressant<br />

werden. Wenn Sie bei Dämmerlicht ein<br />

Weitwinkelobjektiv verwenden, müssen Sie<br />

auch vermeiden, dass Ihr eigener Schatten<br />

ins Bild fällt.<br />

Der bevorzugte Stil von Fotografen ist oft eine<br />

niedrige Ausleuchtung von der Seite, denn<br />

dadurch werden Gestalt und Form der<br />

Landschaft aufgedeckt und sie hilft, den<br />

Fotos Tiefe zu verleihen. Vermeiden Sie, falls<br />

möglich, die Sonne in Ihren Bildaufbau<br />

einzubeziehen – außer, wenn sie indirekt<br />

durch eine Wolke, ein Gebäude oder Bäume<br />

scheint – denn ihre Intensität wird den<br />

Dynamikbereich der Kamera überschreiten<br />

und es gibt ein erhöhtes Risiko für<br />

Belichtungsfehler. Aber auch wenn<br />

Fotografen oft geraten wird, es zu vermeiden<br />

gegen die Sonne zu fotografieren, kann ein<br />

Gegenlicht eindrucksvolle und<br />

atmosphärische Ergebnisse erzeugen, mit<br />

Schatten, die auf einen zulaufen, Silhouetten<br />

erzeugen und Gestalt und Form betonen.<br />

NUTZEN SIE DAS WETTER SO GUT<br />

WIE MÖGLICH<br />

Das Wetter hat großen Einfluss auf das Aussehen,<br />

die Anmutung und Atmosphäre von<br />

Landschaftsbildern. Ob es sonnig, wolkig, neblig<br />

oder stürmisch ist, jedes Art von Wetter stellt ganz<br />

eigene Herausforderungen und Gelegenheiten. Es<br />

lässt sich kaum bezweifeln, dass das beste Wetter<br />

für die Freiluftfotografie eine Mischung aus Sonne<br />

und Regenschauern darstellt. Die Luft ist<br />

typischerweise klar und das Licht kann magisch<br />

sein, wenn die Sonne durch die Wolken bricht.<br />

Wenn Sie Glück haben, sehen Sie sogar einen<br />

Regenbogen, aber Sie müssen schnell arbeiten<br />

und die Verwendung eines Regenschutzes ist<br />

angebracht, um Ihre Ausrüstung trocken zu halten.<br />

Eine Wolke bildet oft ein Schlüsselelement in<br />

Landschaftsaufnahmen, denn sie macht die Bilder<br />

interessanter, verleiht ihnen Tiefe und<br />

möglicherweise Dramatik. Im Gegensatz dazu sind<br />

klare Himmel allgemein weniger attraktiv, denn sie<br />

sind eher langweilig und bieten ein ziemlich grelles<br />

Licht.<br />

An Tagen, an denen der Himmel leer ist, legen Sie<br />

den Schwerpunkt auf Vordergrundmotive und<br />

begrenzen Sie die Menge des Himmels im Bild.<br />

Stürmische Tage können sehr interessant sein.<br />

Wolken, Blätter und Vegetation werden vom Winde<br />

verweht und Sie können diese Bewegung<br />

einfangen, indem Sie eine lange Verschlusszeit<br />

verwenden – eventuell unter Zuhilfenahme eines<br />

soliden Graufilters – um die Bewegung des Motivs<br />

kreativ weich zu zeichnen. Auch wenn wir uns oft<br />

eine deutliche Klarheit wünschen, können Dunst<br />

und Nebel eine besondere Atmosphäre und<br />

Stimmung erzeugen. Tief liegender Nebel ist ganz<br />

besonders fotogen, denn er simplifiziert die<br />

Landschaft und reduziert Motive auf ihre einfachen<br />

Silhouetten. Klobige, interessante Objekte wie ein<br />

kahler Baum funktionieren oft besonders gut.<br />

Teleobjektive passen zu nebeligen<br />

Wetterbedingungen, denn sie verkürzen die<br />

Perspektive und ermöglichen es, interessante<br />

Motive zu betonen. Bei bewölktem Wetter passt<br />

Waldfotografie, denn das Licht wird hier angenehm<br />

durch die Wolkendecke gestreut. Graues Wetter<br />

kann auch gut zur Schwarzweiß-<strong>Fotografie</strong> passen<br />

und die Konsistenz des Lichts ist ideal, wenn Sie<br />

mit längeren Verschlusszeiten fotografieren<br />

möchten. Es gibt kein richtiges oder falsches Wetter<br />

– Sie müssen nur Motive wählen, die zum Wetter<br />

passen.<br />

Profi-Tipp: Lee Frost<br />

„Wenn ich losgehe, um Landschaften<br />

zu fotografieren, dann hasse ich es,<br />

nach Hause zu kommen, ohne etwas<br />

Anständiges im Kasten zu haben.<br />

Das Problem ist, dass die klassische<br />

farbige Landschaftsfotografie dermaßen<br />

abhängig von Licht und Wetter ist,<br />

dass die Chance, bei jeder Exkursion<br />

erfolgreiche Fotos zu schießen, äußerst<br />

gering ist. Um das zu umgehen, habe<br />

ich mir im Laufe der Jahre eine Reihe<br />

von Techniken und Ideen angeeignet,<br />

sodass ich bei jeder Art von Wetter<br />

interessante Bilder produzieren<br />

kann. Eine nahe liegende Methode<br />

ist es, von vornherein mit der Absicht<br />

zu fotografieren, die Bilder später<br />

in schwarzweiß zu konvertieren<br />

–Situationen, die für Farbbilder<br />

nicht passen, können großartig für<br />

eindrucksvolle Schwarzweißaufnahmen<br />

sein. Eine weitere Lieblingsmethode<br />

ist es, einen zehnstufigen Graufilter für<br />

lange Verschlusszeiten bei Tageslicht<br />

zu benutzen. Infrarot funktioniert gut,<br />

wenn das Licht grell ist. Wenn Sie nichts<br />

davon reizt, können Sie bei schlechtem<br />

Wetter noch den Joker spielen und<br />

Detailaufnahmen machen. Bewegen Sie<br />

sich nahe heran und fangen Sie Elemente<br />

der Landschaft ein – Muster und Struktur<br />

von Felsen gelingen dabei immer.“


100 Landschaften<br />

„Klassische“ Aufnahmetechniken<br />

Manchmal sind die alten Techniken die besten, wenn es darum geht, auch langweiligen<br />

Motiven etwas Flair zu verleihen. Ein Blick zurück… in Farbe und Schwarzweiß.<br />

LEE FROST<br />

Farbe und Schwarzweiß<br />

Die allermeisten Landschaftsaufnahmen sind heute in<br />

Farbe, da wir Charakter und Atmosphäre einer Szenerie<br />

realistisch darstellen wollen. Oft ist Farbe auch das<br />

wichtigste Element, und das gesamte Motiv steht und<br />

fällt mit der Farbdarstellung. Sonnenauf- oder<br />

Untergänge in Schwarzweiß sind absolut sinnlos, denn<br />

nahezu alles, was das Motiv ausmacht, geht verloren.<br />

Auch jahreszeitliche Farben sind eine unschätzbare<br />

Hilfe: die goldenen Herbsttöne, das üppige Grün von<br />

Frühling und Sommer. Farben haben großen Einfluss<br />

darauf, wie Menschen auf ein Bild reagieren. Weiche,<br />

harmonische Farben wirken beruhigend und vermitteln<br />

Gelassenheit. Die grelle Farbe eines Rapsfeldes gegen<br />

den blauen Himmel dagegen schafft einen kraftvollen<br />

Kontrast, der die Sinne anregt.<br />

Schwarzweißbilder sind demgegenüber ein<br />

geradlinigeres, einfacheres Medium. Nehmen Sie die<br />

Farbe heraus, und Sie entfernen sich ein gutes Stück<br />

von der Realität.<br />

Das Schwarzweißbild entkleidet die Landschaft, macht<br />

sie nackt, und der visuelle Eindruck ist völlig anders.<br />

Oberflächen, Linien und Formen treten in den<br />

Vordergrund, auch Licht und Schatten erhalten<br />

Priorität. Durch konvertieren eines Fotos in<br />

Schwarzweiß bringen Sie die Dramatik schlechten<br />

Wetters oft viel besser zur Geltung, als es Farbe je<br />

könnte. Das gilt auch für diese grauen, trostlosen<br />

Novembertage, an denen man eigentlich nur nach<br />

Hause ins Warme will. Die Schwarzweißfotografie<br />

verlangte viel Zeit und man musste etliche Fähigkeiten<br />

beherrschen, denn man musste den Film selbst<br />

entwickeln und auch die Abzüge selbst produzieren,<br />

weil ein Fotolabor Schwarzweißbilder nahezu immer<br />

ruinierte. Im Digitalzeitalter jedoch ist die<br />

Schwarzweißtechnik für alle zugänglich, auch wenn sie<br />

sich „nur“ im Computer abspielt.<br />

Panoramen<br />

Wir alle sind an rechteckige Fotos gewöhnt, doch viele<br />

Landschaften kommen erst in der Panorama-Ansicht<br />

wirklich gut zu Geltung. In den alten Tagen des Films<br />

hätte man dafür eine extrem teure Spezialkamera<br />

gebraucht, doch heute können Sie qualitativ hochwertige<br />

Panoramabilder mit einer handelsüblichen<br />

Spiegelreflexkamera aufnehmen. Sie verfügen über einen<br />

Panoramamodus, bei dem Sie die Kamera sanft über die<br />

aufzunehmende Szene schwenken, wobei automatisch<br />

eine Bildsequenz geschossen wird, die anschließend<br />

ohne Ihr weiteres Zutun zu einem Panoramabild<br />

zusammengeführt wird.<br />

Der Vorgang ist einfach durchzuführen, und die<br />

Ergebnisse können überraschend gut sein. Doch für<br />

optimale Qualität sollten Sie eine Bildsequenz schießen,<br />

deren Einzelbilder später am Computer<br />

zusammengeführt werden. Dafür gibt es mehrere<br />

Programme, unter anderen Photoshop von Adobe und<br />

PanoramaPlus X4 von Serif.<br />

Auf jeden Fall sollten Sie ein Stativ benutzen, die<br />

Belichtung messen, und die Kamera in den manuellen<br />

Modus schalten. Das stellt sicher, dass jedes Bild gleich<br />

belichtet wird und dass es sich überlappende Bereiche<br />

gibt, die groß genug sind, die Einzelbilder nahtlos<br />

aneinander anzupassen. Der Computer erledigt dann<br />

den Rest.<br />

ISTOCK PHOTO ISTOCK PHOTO


Kein Widerspruch:<br />

Bewegung und<br />

Landschaften<br />

Auch wenn es nicht so aussieht, eine Landschaft ist<br />

voller Bewegung: Wasser, Wolken, Laubbäume,<br />

Getreidefelder beispielsweise. Die Bewegungen<br />

sollten entweder „eingefroren“ oder bewusst stark<br />

„verwischt“ werden. Alles was zwischen diesen<br />

beiden Extremen liegt, sieht mehr oder weniger<br />

verwackelt aus und verdirbt daher das Bild. Wie Sie<br />

in welcher Situation vorgehen, hängt vom Motiv ab,<br />

vom vorhandenen Licht, dem Effekt, den Sie erzielen<br />

wollen und damit auch zu einem guten Teil vom<br />

persönlichen Geschmack.<br />

Wie die Bewegung sich auf dem Foto darstellt, hängt<br />

von der Verschlusszeit ab. Eine kurze Verschlusszeit<br />

friert das Bild ein, eine Lange Verschlusszeit<br />

verwischt die sich bewegenden Bildelemente. Die<br />

genaue Verschlusszeit hängt ab von der Art und<br />

Weise der Bewegung. Als Faustregel kann man sich<br />

merken: Verschlusszeiten von 1/250 Sekunde und<br />

kürzer frieren die Bewegung ein, und alles was länger<br />

ist als 1/4 Sekunde, lässt Bewegungen<br />

verschwimmen.<br />

In der Praxis ist es einfacher, Bewegungen zu<br />

verwischen, weil man in der Regel nicht die besten<br />

Lichtverhältnisse hat und deshalb durch kleine<br />

Blenden die Schärfentiefe optimiert. Auch vom<br />

ästhetischen Standpunkt aus macht sich kreativ<br />

verwischte Bewegung meistens besser im Bild, weil<br />

sie eher mit Lebendigkeit und Zeitablauf assoziiert<br />

wird als die „eingefrorene“ Starre des Augenblicks.<br />

Wasser ist immer ein dankbares Motiv. Flüsse,<br />

Wasserfälle und Meer bekommen einen ganz<br />

anderen Charakter, wenn sie mit langen<br />

Belichtungszeiten aufgenommen werden, und<br />

Wasser nimmt ein milchig weiches Erscheinungsbild<br />

an.<br />

Bei schlechten Lichtverhältnissen ist es kein Problem,<br />

Belichtungszeiten zu verwenden, die lang genug sind<br />

– kleine Blende und geringer ISO-Wert sorgen dafür.<br />

Ist das Licht jedoch sehr hell, brauchen Sie<br />

womöglich einen Graufilter, um die Belichtungszeit<br />

zu verlängern. Ein dreistufiger Filter (0,9 ND) sollte in<br />

den meisten Fällen ausreichen. Erinnern wir uns:<br />

Eine Stufe nach unten oder oben bedeutet die<br />

Halbierung oder Verdoppelung der Belichtungszeit.<br />

Brauchen Sie ohne Filter also 1/8 Sekunde<br />

entsprechend Ihrer Messung, verlängert der<br />

dreistufige Graufilter die Zeit auf eine Sekunde.<br />

Das Messsystem der Kamera gleicht den Graufilter<br />

automatisch aus. Ein 10-stufiger Filter ist ideal, wenn<br />

Sie die Bewegungen in Ihrem Motiv stark<br />

hervorheben wollen.<br />

ADAM BURTON<br />

Erwarten Sie allerdings nicht die besten Resultate,<br />

nur weil Sie die längste mögliche Verschlusszeit<br />

benutzen, denn bei sehr langen Verschlusszeiten<br />

gehen Details und Oberflächenstrukturen verloren.<br />

Kurze Zeiten sind oftmals besser, besonders bei<br />

Szenen an der See, wenn die Flut hereinkommt und<br />

die Felsen an der Küste umströmt. Mit 1/2 Sekunde<br />

und wenn Sie genau dann auslösen, wenn eine Welle<br />

die vorderen Felsen erreicht, fangen Sie genug<br />

Bewegung des Wassers ein, um das Interesse des<br />

Betrachters zu erwecken, und den Detailreichtum<br />

des Bildes zu erhalten und die Oberflächen natürlich<br />

aussehen zu lassen. Experimentieren Sie einfach mit<br />

unterschiedlichen Zeiten; die Erfahrung bringt die<br />

Urteilsfähigkeit mit sich, die Sie brauchen, um auf<br />

Anhieb genau den gewünschten Effekt zu erreichen.<br />

Langzeitbelichtungen können auch<br />

Wolkenbewegungen gut verwischen. Das sieht<br />

besonders schön aus, wenn die Wolken in Richtung<br />

der Kamera ziehen, und gibt dem Bild mehr Tiefe.<br />

Auch Getreidefelder – überhaupt jegliche Vegetation<br />

– macht sich gut, wenn Landschaften sonst eher<br />

statisch aussehen. Wellenförmig sich wiegender<br />

Weizen und biegende Äste nehmen Sie am besten<br />

mit Zeiten von ein bis zwei Sekunden auf. Machen<br />

Sie ruhig mehrere Sequenzen, dann wird schon eine<br />

dabei sein, die passt.


102 Foto-Technik EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

Grundlagen der Farbe<br />

WENN SIE DIESE GRUNDLAGEN VERSTANDEN HABEN, SIND SIE SCHON AUF DEM BESTEN<br />

WEG, FARBEN IN IHREN BILDERN RICHTIG EINZUSETZEN. LASSEN SIE UNS BEGINNEN…<br />

Der Farbkreis<br />

LEE FROST<br />

LEE FROST<br />

HARMONISCHE FARBEN<br />

Die Farben, die im Farbkreis eng nebeneinander<br />

liegen, harmonieren gut miteinander. Blau und<br />

Grün, Grün und Gelb, Rot und Purpur, Orange und<br />

Gelb – das sind alles unmittelbare Nachbarn im<br />

Farbkreis, die gut zusammenpassen. Auch alle<br />

Farben auf der warmen Seite des Farbkreises – also<br />

Purpur, Rot, Orange und Gelb – harmonieren<br />

miteinander, genauso wie die Farben auf der<br />

kühleren Seite, Blau, Violett und Grün.<br />

<strong>Fotografie</strong>n, die aus harmonischen Farben bestehen,<br />

sind erholsamer beim Betrachten und angenehmer<br />

für die Augen – sie haben eher einen beruhigenden<br />

Effekt, anstatt unsere visuelle Wahrnehmung<br />

herauszufordern. Denken Sie nur einmal an die<br />

wunderschönen warmen Farben – Rot-, Gelb-,<br />

Orange- und Brauntöne – eines herbstlichen<br />

Laubwaldes, oder die weichen Farbschattierungen<br />

der Landschaft, wenn Nebel oder Dunst das Licht<br />

streuen und alle Farben auf weiche Töne reduziert<br />

werden.<br />

Man kann aber auch tolle Fotos einer Szenerie<br />

machen, die nur eine einzige Farbe beinhaltet, oder<br />

die gleiche Farbe in unterschiedlichen<br />

Schattierungen. Weiches, diffuses Licht erzeugt<br />

diesen Effekt in der Natur und bringt die Farben in<br />

einer Szene näher zueinander. Bei Tagesanbruch<br />

und dunstigem Wetter dringt die Farbe des Lichts<br />

durch den Dunst und beherrscht die Szene. Vor dem<br />

Sonnenaufgang ist dieses Licht blau, weil die<br />

Farbtemperatur des Lichts hoch ist, aber sie lässt<br />

rasant nach, während der Sonnenaufgang näher<br />

rückt und wechselt dann schnell von kalt zu warm,<br />

wenn weiche Orange- und Gelbtöne übernehmen.<br />

In Situationen, in denen die Farbsättigung reduziert<br />

ist, erscheinen selbst Farben, die normalerweise<br />

kontrastieren, harmonisch, denn die Stimmung<br />

solcher Bilder ist in aller Regel ruhig und beschaulich.<br />

Solche Farben erzeugen bei uns also eher ein Gefühl<br />

der Entspannung als eines der Anspannung oder<br />

Herausforderung. Je weicher die Farben sind, desto<br />

mehr wird diese Harmonie betont, bis hin zu dem<br />

Stadium, in dem das Bild insgesamt fast einfarbig<br />

wirkt.<br />

KONTRASTFARBEN<br />

Während die Farbharmonie uns zu beruhigenden,<br />

entspannenden Bildern verhilft, machen Kontrastfarben<br />

genau das Gegenteil – sie erzeugen kräftige,<br />

dramatische Bilder, die unsere Aufmerksamkeit auf sich<br />

ziehen und unsere visuellen Sinne herausfordern.<br />

Kräftige Farben regen an und stimulieren. Wenn in<br />

Ihrem Bild zwei Farben aufeinandertreffen, die um die<br />

Aufmerksamkeit des Betrachters konkurrieren, wird<br />

dieser Effekt noch verstärkt, und es kommen<br />

verblüffende Bilder dabei heraus.<br />

Entscheidend dabei ist, dass Sie die Sache einfach<br />

halten. Idealerweise beschränken Sie sich auf zwei<br />

Farben – auf keinen Fall mehr als drei – weil sonst der<br />

Effekt abgeschwächt wird. Und achten Sie darauf, dass<br />

diese Farben sich im Farbkreis gegenüberstehen.<br />

Warme Farben wie Rot oder Gelb kontrastieren am<br />

stärksten mit kühlen Farben wie Blau oder Grün. Den<br />

stärksten Farbkontrast erzielen Sie zwischen Blau und<br />

Gelb, aber auch der Kontrast zwischen Rot und Grün ist<br />

sehr kräftig. Und bei allen Kombinationen gilt: je<br />

lebendiger und satter die Farben sind – insbesondere<br />

wenn alle gleich oder ähnlich hell sind – desto<br />

beeindruckender ist der Kontrast. Ein sattes Blau hebt<br />

sich von einem blassen Gelb zum Beispiel nicht so gut<br />

ab wie von einem satten Gelb.<br />

Diese Kontraste sind mit geringem Aufwand am<br />

einfachsten zu finden: eine rote Blume, umgeben von<br />

saftig grünem Gras im Sonnenschein, eine gelbe Tür<br />

oder ein gelbes Auto vor einem tiefblauen Himmel.<br />

Solche Szenen sind auch leicht nachzubilden – stellen<br />

Sie einen gelben Eimer vor eine blaue Tür, oder ein rotes<br />

Auto vor eine grüne Hecke. Probieren Sie auch<br />

verschiedene Objektive aus. Mit einem Teleobjektiv<br />

können Sie Farben isolieren und die Perspektive so<br />

komprimieren, dass die einzelnen Bildelemente näher<br />

zusammenrücken, als sie es in Wirklichkeit sind. Mit<br />

einem Weitwinkelobjektiv wird auch die kleinste<br />

Änderung des Standpunkts die Beziehung zwischen<br />

einzelnen Bildelementen verändern, und es ist auch<br />

einfacher, etwas vor einem blauen Himmel zu<br />

fotografieren, wenn man ein Weitwinkelobjektiv nutzt<br />

und von einem niedrigeren Standpunkt aus nach oben<br />

fotografiert.<br />

Am einfachsten versteht man die<br />

Wirkung von Farben, wenn man sich<br />

den Farbkreis anschaut, der alle<br />

Farben des Spektrums enthält. Am<br />

Farbkreis können Sie sehen, dass<br />

manche Farben gut zusammen<br />

harmonieren, während andere sich<br />

beißen oder kontrastieren.<br />

PRIMÄRFARBEN: die reinen<br />

Farbtöne Rot, Gelb und Blau.<br />

SEKUNDÄRFARBEN: werden<br />

gebildet, indem man zwei andere<br />

Farben zusammenmischt, wie zum<br />

Beispiel Orange und Violett.<br />

KONTRASTFARBEN: zwei Farben,<br />

die einander auf dem Farbkreis<br />

gegenüber liegen.<br />

FARBEN, DIE „ZURÜCKTRETEN” UND<br />

„HERVORTRETEN”<br />

Farben harmonieren und kontrastieren nicht nur, sie<br />

können auch „zurücktreten” und „hervortreten”. Das<br />

hat damit zu tun, wie unterschiedliche Farben<br />

gegeneinander arbeiten. Warme Farben wie Rot, Gelb<br />

und Orange gelten als „hervortretend”, denn sie heben<br />

sich auffallend ab, während kühle Blau- und<br />

Grüntöne „zurücktreten”, weil sie uns an weite, offene<br />

Flächen erinnern – das Meer, der Himmel, die<br />

Landschaft – und eher die Kulisse für alles andere<br />

bilden.<br />

Sie können diese Eigenschaften in Ihren Fotos sinnvoll<br />

nutzen. Wenn Sie eine warme Farbe mit einer kühlen<br />

Farbe kombinieren, wird die wärmere Farbe<br />

dominieren, auch wenn sie nur ganz gering<br />

vorhanden ist, und die kühlere Farbe wird einen<br />

attraktiven Hintergrund bilden. Das heißt, dass Blauund<br />

Grüntöne idealerweise für den Hintergrund<br />

verwendet werden und Rot-, Gelb- und Orangetöne<br />

im Vordergrund vorherrschen sollten. Wenn Sie diese<br />

Kombination jedoch ganz absichtlich umkehren,<br />

verwirren sie die Sinne und erzeugen ganz<br />

erstaunliche Bilder.<br />

LEE FROST


EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

Foto-Technik 103<br />

LEE FROST<br />

Der direkteste Weg zu<br />

stimmungsvollen Bildern führt<br />

über Farben, die beim<br />

Betrachter Emotionen wecken.<br />

Polfilter<br />

Wenn sie das Beste aus den Farben Ihrer<br />

Bilder herausholen möchten, gehört<br />

ein Polfilter zu Ihren wichtigsten<br />

Zubehören. Blau bildet einen<br />

großartigen Hintergrund für<br />

wärmere Farben, und es gibt kein<br />

besseres Blau als das des Himmels<br />

– und der erscheint tiefblau und<br />

dramatisch, wenn Sie ihn bei<br />

sonnigem Wetter durch einen<br />

Polfilter fotografieren. Ein Polfilter<br />

unterdrückt auch Reflexionen von<br />

nichtmetallischen Oberflächen, so<br />

dass die Farbsättigung erhöht wird. Das<br />

funktioniert sogar an trüben Tagen und ganz besonders gut<br />

bei Waldaufnahmen. Wenn Sie nicht sicher sind, versuchen<br />

Sie es erst einmal mit dem Polfilter – Sie können ihn immer<br />

noch abnehmen, wenn er keinen großen Unterschied<br />

macht, aber in den meisten Fällen wird er das tun. Achten<br />

Sie darauf, dass die Sonne im rechten Winkel zur Kamera<br />

steht, um die besten Ergebnisse zu erzielen, und drehen Sie<br />

den Polfilter auf Ihrem Objektiv so lange, bis Sie den<br />

gewünschten Effekt erzielen.<br />

LEE FROST


104 Foto-Technik EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

Farbsymbolik<br />

FARBE HAT DIE MACHT DER SUGGESTION UND KANN IN IHREN FOTOS<br />

GEWISSE STIMMUNGEN UND GEFÜHLE ERZEUGEN<br />

Schwarz und Weiß<br />

ROT ist die lauteste aller Farben und hebt sich von<br />

jeder anderen Farbe ab wie ein bunter Hund. Das ist der<br />

Grund, warum so viele Menschen rote Autos fahren oder<br />

rote Kleidung tragen: Sie möchten bemerkt werden. Rot<br />

erinnert uns an Blut, Leidenschaft, Gefahr, Liebe und<br />

Hitze. Rot knistert vor Aufregung und sticht ins Auge, wo<br />

auch immer es erscheint.<br />

Im positiven fotografischen Sinne erzeugt Rot<br />

Aufmerksamkeit und kann ein Bild selbst in einer kleinen<br />

Dosierung dominieren. Eine einzelne rote Tulpe in einem<br />

Meer von gelben Blumen wird das augenfälligste<br />

Element im Bild sein und kann einen nützlichen<br />

Blickpunkt darstellen. Ebenso kann etwas Rotes, das<br />

zufällig auf das Bild gerät, wie zum Beispiel ein in der<br />

Entfernung geparktes Auto, die ganze Aufnahme<br />

ruinieren. Denn sobald Sie es bemerken, werden Sie<br />

nicht in der Lage sein, die Augen davon abzuwenden.<br />

Zeit, das Kopierstempel-Werkzeug zum Einsatz zu<br />

bringen!<br />

Bilder, die hauptsächlich oder ausschließlich aus roten<br />

Farbtönen bestehen, erzeugen Spannung und<br />

Aufregung, denn sie bringen unsere unbewussten<br />

Alarmglocken zum Läuten – denken Sie an die<br />

Ausdrücke „rot vor Zorn“ oder „wie ein rotes Tuch sein“.<br />

LEE FROST LEE FROST<br />

BLAU kann je nach Situation ganz<br />

verschiedene Bedeutungen haben. Auf der einen<br />

Seite ist es eine ruhige, gelassene, selbstbewusste,<br />

hoheitsvolle, verlässliche, stabile Farbe – „blaues<br />

Blut“ ist ein Ausdruck, der eine adlige Herkunft<br />

beschreibt. Es symbolisiert auch Frische, den<br />

Himmel, das Meer, Wasser, Freiheit und große<br />

Freiflächen. Auf der anderen Seite kann Blau eine<br />

kalte, traurige Farbe sein, die Depression,<br />

Einsamkeit und Kälte symbolisiert. Es kann eine<br />

launische, rätselhafte, geheimnisvolle Farbe sein.<br />

Denken Sie daran, wie Blau verwendet wird, um<br />

Gefühle auszudrücken – „das blaue Wunder<br />

erleben“ oder „sich grün und blau ärgern“.<br />

Eine nebelige oder winterliche Landschaft<br />

repräsentiert visuell die negativeren Aspekte der<br />

blauen Farbe, während eine Aufnahme des klaren,<br />

blauen Meeres und Himmels einen positiveren<br />

Einfluss haben wird. Verwenden Sie die<br />

Weißabgleich-Einstellung „Wolfram“ auf Ihrer<br />

digitalen Spiegelreflexkamera um Ihren Tageslicht-<br />

Aufnahmen einen kühlen Blaustich zu verleihen<br />

und einen Polfilter, um die Farbe des Meeres und<br />

des Himmels bei sonnigem Wetter zu verstärken.<br />

LEE FROST HELEN DIXON<br />

Schwarz gilt in der Regel nicht als Farbe;<br />

dennoch ist es eine mit symbolischem<br />

Wert. Schwarz erinnert an Geheimnis,<br />

Furcht, Magie, Macht, Leere, Dunkelheit,<br />

Übel, Tod, Wut, Reue, Schuld, Traurigkeit<br />

und Trauer. Das sind hauptsächlich<br />

negative Symbole, aber es kann auch<br />

Reichtum, Stil, Niveau und Eleganz<br />

repräsentieren.<br />

Weiß ist ebenfalls eine Farbe und<br />

symbolisiert Reinheit, Einfachheit, Platz,<br />

Sauberkeit, Frieden, Licht, Geburt,<br />

Unschuld, Schnee, Sterilität und<br />

Eheschließung. Fotografisch kann Weiß<br />

eingesetzt werden, um einen leeren Raum<br />

in einem Bild zu erzeugen, sodass das<br />

Motiv Raum zum Atmen hat und um<br />

aufgrund der Einfachheit ein Gefühl von<br />

Ruhe einzusetzen.<br />

HELEN DIXON<br />

LEE FROST<br />

GRÜN suggeriert Frische, neues Leben und<br />

Reinheit. Es ist eine entspannende,<br />

besänftigende Farbe, die uns an Wälder, Felder<br />

und Hügel, die Natur, Umwelt, Glück,<br />

Gesundheit, Jugend und Lebenskraft erinnert.<br />

Ein Polfilter sättigt die grünen Farben in einer<br />

Landschaft und in Wäldern, um diesen Effekt zu<br />

verstärken. Frühling ist die ideale Jahreszeit, um<br />

das Grün in der Natur zu fotografieren, denn<br />

neue Gewächse sind voller Frische und Vitalität.<br />

Grün kann auch negative Anwandlungen haben,<br />

wie zum Beispiel „grün vor Neid“ oder es kann<br />

Unerfahrenheit suggerieren („grün hinter den<br />

Ohren“), aber es nicht so einfach, diese Gefühle<br />

in einem Foto zu vermitteln.<br />

GELB ist die Farbe der Sonne. Es ist eine starke,<br />

tröstliche Farbe, Symbol für Freude, Glück,<br />

Optimismus, Sommer, Sonnenschein, Wärme und<br />

Reichtum. Ähnlich wie Rot ist Gelb fotografisch<br />

gesehen eine sehr mächtige Farbe. Denken Sie an ein<br />

Feld voller Rapsblüten, die sich im prallen Sonnenlicht<br />

wiegen, oder an den goldenen Himmelskörper der<br />

untergehenden Sonne. Eine Hintergrundbeleuchtung<br />

mit niedrig stehender Sonne verleiht Bildern oft einen<br />

weichen Gelbton und Felder voller gelber Blumen oder<br />

goldenem Mais ergeben tolle Bilder.<br />

Gelb ist auch schon für sich allein betrachtet ein echter<br />

Hingucker, also achten Sie auf gelbe Farben – zum<br />

Beispiel eine Kiste Zitronen oder Bananen auf dem<br />

Markt.<br />

GRAU suggeriert Sicherheit, Verlässlichkeit,<br />

Reife, Bescheidenheit, Würde, Intelligenz,<br />

Ruhe und Neutralität, aber es kann auch<br />

Traurigkeit und Langeweile symbolisieren.<br />

ORANGE ist eine laute Farbe, die Energie,<br />

Wärme, Trost, Ausgeglichenheit, Frische,<br />

Ausstrahlung und Enthusiasmus symbolisiert.<br />

ROSA hat die Bedeutung von Liebe,<br />

Romantik, Weiblichkeit, Zärtlichkeit, Ruhe,<br />

Sanftheit und Fürsorge.<br />

BRAUN ist für Fotografen nicht sonderlich<br />

attraktiv, aber es repräsentiert die Erde, Natur,<br />

frische Luft, Robustheit und Stabilität.


EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

Foto-Technik 105<br />

Blau ist die Farbe...<br />

Möchten Sie die Kälte betonen?<br />

Dann fügen Sie Ihren Bildern<br />

für maximale Wirkung eine<br />

blaue Schattierung zu.


106 Foto-Technik EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

Die Farbe des Lichts<br />

WENN SIE DIE THEORIE VON FARBTEMPERATUREN UND WEISSABGLEICH VERSTEHEN, ERZIELEN SIE<br />

PERFEKTE ERGEBNISSE …<br />

DAS LICHT IM sichtbaren Spektrum – das<br />

Licht, das wir mit bloßem Auge erkennen<br />

können – besteht aus Wellenlängen, die von<br />

warm bis kalt reichen. Die Sequenz dieser<br />

Wellenlängen ist gut in einem Regenbogen zu<br />

sehen, der entsteht, wenn die Sonne durch den<br />

fallenden Regen scheint und die Regentropfen<br />

das Licht in seine individuellen Farben aufteilen<br />

– Rot, Orange, Gelb, Grün, Blau, Indigo und<br />

Violett, insgesamt sieben Farben.<br />

Die Farbe eines Objektes entsteht, weil die<br />

Oberfläche des Objekts bestimmte<br />

Wellenlängen des Lichts absorbiert und andere<br />

reflektiert.<br />

Ein rotes Auto sieht rot aus, weil die Farbe nur<br />

rotes Licht reflektiert und alle anderen Farben<br />

absorbiert. Laub sieht grün aus, weil es grüne<br />

Wellenlängen reflektiert. Wenn ein Objekt mehr<br />

als eine Farbe reflektiert, ist die Farbe, die wir<br />

sehen, eine Kombination dieser Wellenlängen<br />

– orange entsteht also dann, wenn sowohl rote<br />

als auch gelbe Wellenlängen reflektiert werden.<br />

Das Licht selbst kann auch eine bestimmte<br />

Farbe annehmen. Wenn alle Farb-<br />

Wellenlängen im sichtbaren Spektrum in<br />

gleicher Menge vorhanden sind, ist das<br />

Ergebnis weißes oder neutrales Licht. Sie<br />

finden dies bei klarem, sonnigem Wetter mitten<br />

am Tag. Oft besteht jedoch ein<br />

Ungleichgewicht, bei dem einige Wellenlängen<br />

stärker vorhanden sind als andere, und dies<br />

verändert die „Farbe“ des Lichts.<br />

Bei Sonnenauf- und -untergang zum Beispiel<br />

ist das Licht sehr warm, weil die Wellenlängen<br />

am kühleren Ende des Spektrums – blau und<br />

grün – auf der Reise des Lichts von der Erde zur<br />

Sonne von der Atmosphäre absorbiert werden,<br />

daher gibt es eine höhere Konzentration von<br />

rotem und gelbem Licht.<br />

Bei trübem Wetter oder in großer Höhe in<br />

Gebirgsregionen werden Wellenlängen am<br />

roten Ende des Spektrums absorbiert, sodass<br />

das Licht bläulicher erscheint. Künstliches<br />

Licht hat außerdem eine ganz unterschiedliche<br />

ursprüngliche Farbe. Das Wolfram-Licht von<br />

Glühbirnen hat eine gelbe/orange Farbe,<br />

während fluoreszierendes Licht grün und<br />

Neonlicht rot ist.<br />

FARBTEMPERATUR<br />

Variationen in der Farbe des Lichts werden als<br />

Farbtemperatur bezeichnet. Dazu wird ein System, das<br />

als Kelvin-Skala (K) bekannt ist, verwendet. Der Begriff<br />

Temperatur wird verwendet, weil sich die Farbe des<br />

Tageslicht auf genau die gleiche Art verändert wie eine<br />

Substanz, die erwärmt wird. Erhitzen Sie einen<br />

Eisenstab und er wird irgendwann rot glühen, dann<br />

orange bis gelb bis er ganz weiß und heiß ist. Darüber<br />

hinaus würde der Stab schmelzen, aber wenn er das<br />

nicht tun würde und die Temperatur weiter ansteigen<br />

würde, wäre er irgendwann blau. Je kühler das Licht<br />

ist, desto höher ist daher die Farbtemperatur. Und je<br />

wärmer es ist, desto niedriger ist die Farbtemperatur.<br />

Lassen Sie sich jedoch nicht verwirren. Farbtemperatur<br />

hat nichts mit Hitze zu tun – es bezieht sich lediglich<br />

auf die tatsächliche Farbe des Lichts.<br />

Ein durchschnittliches Tageslicht zur Mittagszeit –<br />

klares, sonniges Wetter mitten am Tag – hat eine<br />

Farbtemperatur von etwa 5.500 K. Ein elektronischer<br />

Blitz hat ebenfalls eine Farbtemperatur von 5.500 K.<br />

Bewölktes oder bedecktes Wetter erzeugt ein kühleres<br />

Licht mit einer Farbtemperatur von etwa 7.000 K. Und<br />

wenn Sie im Schatten unter klarem, blauem Himmel<br />

fotografieren oder in den Bergen, wo es eine größere<br />

Konzentration von ultraviolettem Licht gibt, kann die<br />

Farbtemperatur 10.000 K oder mehr betragen.<br />

Am anderen Extrem ist die Farbtemperatur des<br />

Tageslicht bei Sonnenauf- und -untergang wesentlich<br />

niedriger – bis auf 2.000 - 3.500 K. Das erhöht sich<br />

nach und nach am Vormittag, bis die Farbtemperatur<br />

am Mittag einen „neutralen“ Wert von 5.500 K<br />

erreicht. Anschließend sinkt die Farbtemperatur am<br />

Nachmittag wieder, bis die Sonne am Himmel<br />

verschwindet und das Licht sich wieder erwärmt.<br />

Bei künstlichen Lichtquellen ist der Unterschied der<br />

Farbtemperatur im Vergleich zu „durchschnittlichem<br />

Tageslicht am Mittag“ im allgemeinen sehr groß.<br />

Wolfram-Glühbirnen, die am weitesten verbreitete<br />

Form von künstlichem Licht, haben eine<br />

Farbtemperatur von etwa 2.800 K, während das Licht<br />

einer Kerzenflamme so niedrig wie 1.800 K liegen<br />

kann.<br />

LEE FROST LEE FROST<br />

Oben rechts & rechts: Derselbe Schauplatz vom<br />

selben Standpunkt aufgenommen, aber zu<br />

verschiedenen Tageszeiten. Ist es nicht<br />

erstaunlich, wie die Farben die Atmosphäre des<br />

Bildes komplett verändern?


EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

Foto-Technik 107<br />

ROSS HODDINOTT<br />

Akkurate Farben<br />

Meistens macht es nicht viel aus, wenn die<br />

Farbbalance nicht zu 100% perfekt ist –<br />

Veränderungen in der Farbtemperatur des Lichts<br />

können Bilder meist eher verbessern als ruinieren.<br />

Es gibt jedoch Situationen, in denen die Farben<br />

absolut akkurat seien müssen – zum Beispiel bei<br />

der Kopie eines Kunstwerks oder bei Hauttönen<br />

zum Beispiel. So geht es:<br />

1) Legen Sie eine Farbtabelle neben das Objekt<br />

und fotografieren Sie beides nebeneinander.<br />

2) Öffnen Sie die Raw-Datei in ACR oder einer<br />

ähnlichen Software und machen Sie<br />

Anpassungen in der Belichtung des Bildes.<br />

3) Verwenden Sie das Weißabgleich-Werkzeug<br />

(Pipette) auf dem Bild der Farbtabelle, um<br />

akkurate Farben zu produzieren.<br />

1<br />

Tageslicht<br />

WEISSABGLEICH<br />

Unsere Augen können sich an Änderungen der Farbe des<br />

Lichts anpassen, sodass alles mehr oder weniger normal<br />

aussieht – man nennt dies auch chromatische Adaption.<br />

Aber der Sensor unserer digitalen Spiegelreflexkamera ist<br />

nicht ganz so schlau und nimmt die Farbtemperatur so<br />

auf, wie sie tatsächlich ist – und das kann zu<br />

unerwünschten Farbstichen führen. Licht von Glühbirnen<br />

hat zum Beispiel einen starken gelb/orangen Farbstich.<br />

Um dies zu vermeiden hat Ihre digitale<br />

Spiegelreflexkamera eine Reihe von Weißabgleich (WB)<br />

Einstellungen, mit denen Sie natürlich aussehende Bilder<br />

bei unterschiedlichen Lichtverhältnissen aufnehmen<br />

können.<br />

Viele von uns lassen den Weißabgleich an unserer<br />

digitalen Spiegelreflexkamera auf Automatik (AWB)<br />

eingestellt. Dabei handelt es sich eher um eine Schätzung,<br />

bei der die Kamera versucht, die Farben so natürlich wie<br />

möglich aufzuzeichnen, wenn die Farbtemperatur in<br />

einem Bereich von 3.000 bis 7.000 K liegt. Meist sind die<br />

Ergebnisse recht ordentlich, insbesondere bei Fotos, die<br />

draußen in Tageslicht aufgenommen wurden. Aber wenn<br />

die Farbtemperatur außerhalb dieses Bereichs liegt, ist ein<br />

Farbstich ziemlich wahrscheinlich. In diesen Situationen<br />

können andere Weißabgleich-Voreinstellungen verwendet<br />

werden, um einen Farbstich zu vermeiden (siehe unten).<br />

Wenn Sie im Raw-Format fotografieren, ist die Korrektur<br />

eines Farbstichs in dieser Aufnahmephase nicht so<br />

wichtig, denn Sie können die Farbtemperatur auch bei der<br />

Wolkig Glühbirne Neonlicht<br />

Nachbearbeitung der Raw-Datei verändern, indem Sie<br />

Voreinstellungen wie Tageslicht, Wolkig, Schatten etc.<br />

verwenden oder den Kelvin-Schieberegler auf eine<br />

spezielle Temperatur einstellen.<br />

Natürlich müssen Sie nicht immer nach dem perfekten<br />

Farbabgleich streben – Farbtemperatur und Weißabgleich<br />

können auch zu kreativen Zwecken verändert werden.<br />

Wenn Sie bei Tageslicht fotografieren und die<br />

Weißabgleich-Einstellung Ihrer Kamera zum Beispiel auf<br />

Wolfram eingestellt haben, erhalten die Bilder einen<br />

kühlen Blaustich – das kann bei schlechtem Wetter oder<br />

Dunst und Nebel sehr effektiv sein. Der gleiche Effekt kann<br />

auch während der Verarbeitung der Raw-Datei hinzugefügt<br />

werden. Wenn Sie die floureszierende Weißabgleich-<br />

Einstellung im Tageslicht verwenden, erhalten Ihre Bilder<br />

einen Magenta-Stich, der insbesondere bei niedrigen<br />

Lichtverhältnissen und Nachtszenen, die hauptsächlich<br />

durch Licht am Himmel beleuchtet werden, gut<br />

funktioniert.<br />

Wenn Sie ein Bild aufwärmen möchten, verwenden Sie<br />

eine Weißabgleich-Einstellung, die für eine Verwendung<br />

von Licht mit hoher Farbtemperatur konzipiert wurde.<br />

Bilder, die bei Sonnenaufgang oder -untergang<br />

aufgenommen wurden, sehen mit dem Tageslicht-<br />

Weißabgleich zum Beispiel wärmer aus und noch wärmer,<br />

wenn Sie die Einstellungen Wolkig oder Schatten<br />

verwenden. Auch hier können Sie dies erst am Ende des<br />

Bildbearbeitungsprozesses anwenden, wenn Sie in Raw<br />

fotografieren.<br />

2<br />

3<br />

Tageslicht<br />

gleicht Licht mit einer<br />

Farbtemperatur<br />

zwischen 5.200 und<br />

5.500 K aus.<br />

Gut für:<br />

Aufnahmen bei<br />

Tageslicht<br />

Blitz<br />

hat die gleiche<br />

Farbtemperatur wie<br />

Tageslicht, zwischen 5.200<br />

und 5.500 K.<br />

Gut für:<br />

Verwendung des<br />

eingebauten Blitzes<br />

Schatten<br />

gleicht Licht mit einer<br />

Farbtemperatur<br />

zwischen 7.000 und<br />

7.500 K aus<br />

Gut für:<br />

<strong>Fotografie</strong>ren im Schatten<br />

Wolkig<br />

gleicht Licht mit einer<br />

Farbtemperatur<br />

zwischen 6.000 und<br />

6.500 K aus.<br />

Gut für:<br />

bewölkte Verhältnisse<br />

Wolfram<br />

gleicht Licht mit einer<br />

Farbtemperatur<br />

zwischen 2.850 und<br />

3.200 K aus.<br />

Gut für:<br />

künstliches Licht<br />

Fluoreszierend<br />

gleicht Licht mit einer<br />

Farbtemperatur<br />

zwischen 3.800 und<br />

4.000 K aus.<br />

Gut für:<br />

künstliches Licht<br />

Automatischer Weißabgleich<br />

analysiert die Szene und wählt den besten Weißabgleich,<br />

normalerweise zwischen 3.000 und 7.000 K.<br />

Gut für: die meisten Raw-Aufnahme<br />

Farbtemperatur<br />

ermöglicht einen speziellen Weißabgleich über die<br />

Eingabe des Kelvin-Wertes.<br />

Gut für: bekannte Kelvin-Werte<br />

Manueller Weißabgleich<br />

ermöglicht es, der Kamera zu zeigen, welche Farbe<br />

in einer Szene neutral sein soll<br />

Gut für: Verwendung der Graukarte


108 Foto-Technik EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

Die Stärke der<br />

Farben<br />

DIE FARBTYPEN IN EINEM BILD<br />

BESTIMMEN DAS GEFÜHL, DAS VOM BILD<br />

VERMITTELT WIRD. WIR ZEIGEN IHNEN,<br />

WAS SIE DARÜBER WISSEN MÜSSEN…<br />

STARKE FARBEN<br />

Wenn wir an Farben denken, stellen wir uns<br />

üblicherweise leuchtende, kräftige, satte Farben vor –<br />

das wunderbare kräftige Blau eines klaren, blauen<br />

Himmels, das lebendige Grün von frischem Laub, das<br />

leuchtende Rot der Tulpen im Frühling. In den meisten<br />

Fällen bemühen wir uns, die Farben so kräftig wie<br />

möglich zu gestalten, weil dadurch die Bilder ins Auge<br />

stechen und ausdrucksstark sind – ob uns das jedoch<br />

gelingt oder nicht, hängt von mehreren Faktoren ab.<br />

Nur allzu leicht könnte man davon ausgehen, dass<br />

Farben in hellem Sonnenlicht am stärksten wirken. Bis<br />

zu einem gewissen Punkt stimmt das auch – bei<br />

sonnigem Wetter sieht alles hell und leuchtend aus.<br />

Helles Sonnenlicht erzeugt jedoch auch Lichtreflexe,<br />

und diese können die Farbkraft drastisch reduzieren,<br />

weil auf vielen Oberflächen ein gewisser „Glanz”<br />

entsteht. Besonders viele Blendeffekte entstehen im<br />

Sonnenlicht nach einem Regenguss, wenn alles nass ist<br />

und das Licht reflektiert wird. Dies kann man mit einem<br />

Polfilter umgehen, der diese Lichtreflexe unterdrückt und<br />

so dafür sorgt, dass die Farben in Ihrer Aufnahme kräftig,<br />

Die Farben des Laubs, seien<br />

es nun die saftigen Grüntöne im<br />

Frühjahr und Sommer oder die<br />

reichhaltigen rostbraunen<br />

Farbtöne im Herbst, erscheinen<br />

leuchtender, wenn Sie bei<br />

trübem Wetter fotografieren<br />

klar und voll gesättigt sind.<br />

Für manche Motive ist helles Sonnenlicht allerdings zu<br />

hart, weil es tiefe Schatten und helle Lichter erzeugt, die<br />

feine Details vernichten. Blumen und Gärten sind hierfür<br />

ein gutes Beispiel. Wenn Sie die lebendigen Farben<br />

eines Sommerbeets in all ihrem Glanz aufnehmen<br />

möchten, warten Sie, bis die Sonne hinter einer Wolke<br />

verschwunden ist und machen Sie Ihr Bild bei hellen,<br />

aber bedeckten Bedingungen. Die Farben werden Ihnen<br />

förmlich entgegen springen, und das durch Wolken<br />

verhangene Sonnenlicht verringert die Kontraste, sodass<br />

Sie sich keine Sorgen um hässliche dunkle Schatten<br />

oder grelle Lichter machen müssen. Dasselbe gilt für<br />

Waldaufnahmen. Die Farben des Laubs, seien es nun<br />

die saftigen Grüntöne im Frühjahr und Sommer oder die<br />

reichhaltigen rostbraunen Farbtöne im Herbst,<br />

erscheinen leuchtender, wenn Sie bei trübem Wetter<br />

fotografieren, wenn die Kontraste gering sind und das<br />

Licht weich – ganz besonders, wenn Sie einen Polfilter<br />

verwenden, um Blendeffekte zu verringern.<br />

Wenn die Farben auf dem Bild am Ende nicht intensiv<br />

genug erscheinen, können Sie sie bei der<br />

Nachbearbeitung natürlich immer noch verstärken.<br />

Wenn Sie im Raw-Format fotografieren, werden Sie in<br />

den meisten Fällen die Farbstärke ohnehin etwas<br />

erhöhen müssen, da Raw-Daten oft leicht untersättigt<br />

Oben: Die Farben des Laubs harmonieren gut<br />

mit der spätabendlichen Wolkendecke, die den<br />

Baum umrahmt. Rechts: Versuchen Sie, beim<br />

<strong>Fotografie</strong>ren von Architekturmotiven das Beste<br />

aus den starken Farbkontrasten herauszuholen.<br />

wirken. Sie können aber im Prinzip in jedem Bild die<br />

Farbintensität steigern, um die Wirkung zu verbessern.<br />

Wichtig ist dabei, dass Sie nicht über das Ziel<br />

hinausschießen, da die Bilder sonst schnell unnatürlich<br />

wirken. Anstelle des Schiebereglers für Farbsättigung,<br />

der die Sättigung aller Farben erhöht, verwenden Sie den<br />

für Dynamik. Auf diese Weise erhöhen Sie die Sättigung<br />

nur für die Farben, die noch nicht ausreichend gesättigt<br />

sind. Die Funktion Dynamik arbeitet etwas feiner und<br />

subtiler als die Funktion Farbsättigung. Die Gefahr, es zu<br />

übertreiben, ist also geringer. In manchen Fällen können<br />

Sie die Dynamik sogar auf 100 % erhöhen, und es<br />

ergeben sich immer noch natürlich aussehende Bilder.<br />

Kräftige Farben sind besonders gut geeignet für grafische<br />

oder abstrakte Bilder (siehe gegenüberliegende Seite),<br />

moderne Architektur, Detailaufnahmen, Blumen- und<br />

Gartenfotografie, urbane Nachtszenen, Reisefotografie<br />

und auch für manche Porträts.<br />

ADAM BURTON LEE FROST


EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

Foto-Technik 109<br />

LEE FROST<br />

Gedeckte Stimmung<br />

Denken Sie daran: Es geht nicht<br />

nur um die Farbsättigung; auch<br />

die „gedeckten“ Töne können sehr<br />

effektiv sein.<br />

GEDECKTE FARBEN<br />

Farben müssen nicht leuchtend und kräftig sein, um<br />

zu erfolgreichen Ergebnissen zu führen – oft ist genau<br />

das Gegenteil der Fall. Weiche, gedeckte Farben sind<br />

viel stimmungsvoller und wohltuender als tief<br />

gesättigte. Sie sind angenehmer für die Augen,<br />

intensiver und romantischer, und so passen sie zu<br />

Motiven wie Porträts, Stillleben, Landschaften und<br />

naturkundlichen Bildern.<br />

Die Wetterbedingungen spielen eine wichtige Rolle.<br />

Dunstschleier, Nebel, Sprühregen,<br />

Luftverschmutzung und Rauch streuen das Licht, so<br />

dass die Farben nicht nur weniger gesättigt<br />

erscheinen, sondern auch dazu neigen, ineinander zu<br />

laufen und monochromatische Effekte zu erzeugen.<br />

Dies kann man am besten bei dichtem Nebel oder<br />

Sprühregen sehen, wenn die Landschaft<br />

zweidimensionale Züge annimmt und die Farben<br />

förmlich aus der Szenerie gesaugt werden. Solche<br />

Bedingungen können sehr intensive Bilder erzeugen,<br />

auch wenn der Mangel an Details und Tiefe mit<br />

Vorsicht zu genießen ist – halten Sie die<br />

Bildkomposition einfach und versuchen Sie, einen<br />

leuchtenden Farbtupfer einzubringen, der von<br />

Sprühregen und Nebel auf natürliche Weise gedämpft<br />

wird.<br />

Dunst ist für die <strong>Fotografie</strong> attraktiver, denn anders als<br />

bei Sprühregen und Nebel, dämpft Dunst die Farben<br />

nur wie ein dauerhafter Lichtfilter und behält einen<br />

angemessenen Grad an Sichtbarkeit bei. Denken Sie<br />

an eine Bergkette, die sich an einem dunstigen<br />

Morgen in der Ferne verliert. Die Farben dieser<br />

einzelnen „Schichten im Bild werden aus der<br />

Vogelperspektive mit zunehmender Entfernung immer<br />

heller. Solche Szenerien fotografieren Sie am besten<br />

mit einem Teleobjektiv, auf diese Weise können Sie<br />

die Perspektive noch komprimieren und den Effekt<br />

weiter hervorheben – das gleiche gilt für Nebel und<br />

Sprühregen, da sich die Intensität sich mit der<br />

Entfernung immer weiter erhöht.<br />

Trübes, düsteres Wetter reduziert die Farbsättigung<br />

erheblich, wodurch wunderschöne Bilder entstehen<br />

können. Das Licht ist weich und sanft – trübe Tage<br />

sind also für die Porträtfotografie ideal geeignet, weil<br />

das Licht den Hauttönen schmeichelt. Feine<br />

Farbnuancen in Felsformationen kommen bei trübem<br />

Wetter durch den völligen Mangel an Schatten und<br />

Kontrasten ebenfalls am besten heraus. Wenn dies<br />

nicht auf natürlichem Wege gelingt, können Sie<br />

immer noch einen Reflektor oder Diffusor über kleine<br />

Motive halten, so dass sie in einen weichen Schatten<br />

getaucht werden – ein nützlicher Trick für Nah- und<br />

Detailaufnahmen. Manchmal können Sie auch Ihren<br />

eigenen Schatten nutzen, um Ihr Motiv zu schattieren.<br />

Der frühe Morgen und der späte Nachmittag sind gute<br />

Tageszeiten, um gedeckte Farben zu fotografieren.<br />

Wenn die Sonne tief am Himmel steht, ist das Licht<br />

nicht nur weicher, sondern auch sehr warm, und dies<br />

bringt die Farben in einer Szenerie näher zusammen<br />

– alles nimmt einen weichen Gelb- oder Orangeton<br />

an. Aufnahmen gegen das Licht bringen diesen Effekt<br />

am besten zur Geltung, ganz besonders in einer<br />

dunstigen oder nebligen Umgebung.<br />

Vor Sonnenaufgang und nach Sonnenuntergang<br />

geben sich Farben eher bedeckt. Bei<br />

Küstenaufnahmen reflektiert das Meer die Farbe des<br />

Himmels, während der östliche oder westliche<br />

Horizont ein warmes Leuchten annimmt – das ist eine<br />

wunderschöne Kombination.


102 Foto-Technik EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

Grundlagen der Farbe<br />

WENN SIE DIESE GRUNDLAGEN VERSTANDEN HABEN, SIND SIE SCHON AUF DEM BESTEN<br />

WEG, FARBEN IN IHREN BILDERN RICHTIG EINZUSETZEN. LASSEN SIE UNS BEGINNEN…<br />

Der Farbkreis<br />

LEE FROST<br />

LEE FROST<br />

HARMONISCHE FARBEN<br />

Die Farben, die im Farbkreis eng nebeneinander<br />

liegen, harmonieren gut miteinander. Blau und<br />

Grün, Grün und Gelb, Rot und Purpur, Orange und<br />

Gelb – das sind alles unmittelbare Nachbarn im<br />

Farbkreis, die gut zusammenpassen. Auch alle<br />

Farben auf der warmen Seite des Farbkreises – also<br />

Purpur, Rot, Orange und Gelb – harmonieren<br />

miteinander, genauso wie die Farben auf der<br />

kühleren Seite, Blau, Violett und Grün.<br />

<strong>Fotografie</strong>n, die aus harmonischen Farben bestehen,<br />

sind erholsamer beim Betrachten und angenehmer<br />

für die Augen – sie haben eher einen beruhigenden<br />

Effekt, anstatt unsere visuelle Wahrnehmung<br />

herauszufordern. Denken Sie nur einmal an die<br />

wunderschönen warmen Farben – Rot-, Gelb-,<br />

Orange- und Brauntöne – eines herbstlichen<br />

Laubwaldes, oder die weichen Farbschattierungen<br />

der Landschaft, wenn Nebel oder Dunst das Licht<br />

streuen und alle Farben auf weiche Töne reduziert<br />

werden.<br />

Man kann aber auch tolle Fotos einer Szenerie<br />

machen, die nur eine einzige Farbe beinhaltet, oder<br />

die gleiche Farbe in unterschiedlichen<br />

Schattierungen. Weiches, diffuses Licht erzeugt<br />

diesen Effekt in der Natur und bringt die Farben in<br />

einer Szene näher zueinander. Bei Tagesanbruch<br />

und dunstigem Wetter dringt die Farbe des Lichts<br />

durch den Dunst und beherrscht die Szene. Vor dem<br />

Sonnenaufgang ist dieses Licht blau, weil die<br />

Farbtemperatur des Lichts hoch ist, aber sie lässt<br />

rasant nach, während der Sonnenaufgang näher<br />

rückt und wechselt dann schnell von kalt zu warm,<br />

wenn weiche Orange- und Gelbtöne übernehmen.<br />

In Situationen, in denen die Farbsättigung reduziert<br />

ist, erscheinen selbst Farben, die normalerweise<br />

kontrastieren, harmonisch, denn die Stimmung<br />

solcher Bilder ist in aller Regel ruhig und beschaulich.<br />

Solche Farben erzeugen bei uns also eher ein Gefühl<br />

der Entspannung als eines der Anspannung oder<br />

Herausforderung. Je weicher die Farben sind, desto<br />

mehr wird diese Harmonie betont, bis hin zu dem<br />

Stadium, in dem das Bild insgesamt fast einfarbig<br />

wirkt.<br />

KONTRASTFARBEN<br />

Während die Farbharmonie uns zu beruhigenden,<br />

entspannenden Bildern verhilft, machen Kontrastfarben<br />

genau das Gegenteil – sie erzeugen kräftige,<br />

dramatische Bilder, die unsere Aufmerksamkeit auf sich<br />

ziehen und unsere visuellen Sinne herausfordern.<br />

Kräftige Farben regen an und stimulieren. Wenn in<br />

Ihrem Bild zwei Farben aufeinandertreffen, die um die<br />

Aufmerksamkeit des Betrachters konkurrieren, wird<br />

dieser Effekt noch verstärkt, und es kommen<br />

verblüffende Bilder dabei heraus.<br />

Entscheidend dabei ist, dass Sie die Sache einfach<br />

halten. Idealerweise beschränken Sie sich auf zwei<br />

Farben – auf keinen Fall mehr als drei – weil sonst der<br />

Effekt abgeschwächt wird. Und achten Sie darauf, dass<br />

diese Farben sich im Farbkreis gegenüberstehen.<br />

Warme Farben wie Rot oder Gelb kontrastieren am<br />

stärksten mit kühlen Farben wie Blau oder Grün. Den<br />

stärksten Farbkontrast erzielen Sie zwischen Blau und<br />

Gelb, aber auch der Kontrast zwischen Rot und Grün ist<br />

sehr kräftig. Und bei allen Kombinationen gilt: je<br />

lebendiger und satter die Farben sind – insbesondere<br />

wenn alle gleich oder ähnlich hell sind – desto<br />

beeindruckender ist der Kontrast. Ein sattes Blau hebt<br />

sich von einem blassen Gelb zum Beispiel nicht so gut<br />

ab wie von einem satten Gelb.<br />

Diese Kontraste sind mit geringem Aufwand am<br />

einfachsten zu finden: eine rote Blume, umgeben von<br />

saftig grünem Gras im Sonnenschein, eine gelbe Tür<br />

oder ein gelbes Auto vor einem tiefblauen Himmel.<br />

Solche Szenen sind auch leicht nachzubilden – stellen<br />

Sie einen gelben Eimer vor eine blaue Tür, oder ein rotes<br />

Auto vor eine grüne Hecke. Probieren Sie auch<br />

verschiedene Objektive aus. Mit einem Teleobjektiv<br />

können Sie Farben isolieren und die Perspektive so<br />

komprimieren, dass die einzelnen Bildelemente näher<br />

zusammenrücken, als sie es in Wirklichkeit sind. Mit<br />

einem Weitwinkelobjektiv wird auch die kleinste<br />

Änderung des Standpunkts die Beziehung zwischen<br />

einzelnen Bildelementen verändern, und es ist auch<br />

einfacher, etwas vor einem blauen Himmel zu<br />

fotografieren, wenn man ein Weitwinkelobjektiv nutzt<br />

und von einem niedrigeren Standpunkt aus nach oben<br />

fotografiert.<br />

Am einfachsten versteht man die<br />

Wirkung von Farben, wenn man sich<br />

den Farbkreis anschaut, der alle<br />

Farben des Spektrums enthält. Am<br />

Farbkreis können Sie sehen, dass<br />

manche Farben gut zusammen<br />

harmonieren, während andere sich<br />

beißen oder kontrastieren.<br />

PRIMÄRFARBEN: die reinen<br />

Farbtöne Rot, Gelb und Blau.<br />

SEKUNDÄRFARBEN: werden<br />

gebildet, indem man zwei andere<br />

Farben zusammenmischt, wie zum<br />

Beispiel Orange und Violett.<br />

KONTRASTFARBEN: zwei Farben,<br />

die einander auf dem Farbkreis<br />

gegenüber liegen.<br />

FARBEN, DIE „ZURÜCKTRETEN” UND<br />

„HERVORTRETEN”<br />

Farben harmonieren und kontrastieren nicht nur, sie<br />

können auch „zurücktreten” und „hervortreten”. Das<br />

hat damit zu tun, wie unterschiedliche Farben<br />

gegeneinander arbeiten. Warme Farben wie Rot, Gelb<br />

und Orange gelten als „hervortretend”, denn sie heben<br />

sich auffallend ab, während kühle Blau- und<br />

Grüntöne „zurücktreten”, weil sie uns an weite, offene<br />

Flächen erinnern – das Meer, der Himmel, die<br />

Landschaft – und eher die Kulisse für alles andere<br />

bilden.<br />

Sie können diese Eigenschaften in Ihren Fotos sinnvoll<br />

nutzen. Wenn Sie eine warme Farbe mit einer kühlen<br />

Farbe kombinieren, wird die wärmere Farbe<br />

dominieren, auch wenn sie nur ganz gering<br />

vorhanden ist, und die kühlere Farbe wird einen<br />

attraktiven Hintergrund bilden. Das heißt, dass Blauund<br />

Grüntöne idealerweise für den Hintergrund<br />

verwendet werden und Rot-, Gelb- und Orangetöne<br />

im Vordergrund vorherrschen sollten. Wenn Sie diese<br />

Kombination jedoch ganz absichtlich umkehren,<br />

verwirren sie die Sinne und erzeugen ganz<br />

erstaunliche Bilder.<br />

LEE FROST


EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

Foto-Technik 111<br />

LEE FROST<br />

ABSTRAKTE FARBEN<br />

Die Farbe ist ein solch kraftvolles Werkzeug für<br />

Fotografen, dass sie schon ganz allein für großartige<br />

Bilder sorgen kann, ohne dass das eigentliche Motiv<br />

wiedererkennbar oder identifizierbar sein muss. Das<br />

eröffnet ganz neue Wege der Kreativität, denn Sie<br />

können abstrakter arbeiten und die Farben einfach<br />

um der Farben willen einfangen.<br />

Eine gute Möglichkeit, das in die Praxis umzusetzen,<br />

ist eine etwas unkonventionellere Bildkomposition.<br />

Normalerweise fangen wir ein Motiv oder eine<br />

Szene so ein, dass es einen ausgewogenen und<br />

logischen Eindruck vermittelt – der Betrachter kann<br />

das Bild anschauen und weiß sofort, welches Motiv<br />

fotografiert wurde. Wenn Sie diese Regel jedoch<br />

durchbrechen und den Bildausschnitt enger fassen,<br />

so dass kein Kontext zu sehen ist oder das Bild so<br />

zuschneiden, dass ein Teil des Motivs fehlt, gibt das<br />

Ihrem Bild gleich etwas mehr Faszination und eine<br />

abstraktere Atmosphäre. Wichtig ist dabei, dass Sie<br />

mehr Wert auf die Farben legen als auf das Motiv.<br />

Ein nahe liegendes Beispiel dafür ist ein Foto von<br />

farbenfrohen, gewellten Reflexionen auf Wasser,<br />

wobei Sie genau den Bildbestandteil eliminieren,<br />

der diese Reflexion erzeugt. Plötzlich werden die<br />

Farben und Formen in dieser Reflexion zum<br />

Mittelpunkt des Bildes und wir entfernen uns ein<br />

Stück von der Realität.<br />

Städte sind großartig geeignet, um nach abstrakten<br />

Bildmotiven zu suchen, einfach weil die Straßen<br />

eine sich stets verändernde Palette von Farben<br />

bieten – ein blauer Laster, der vor einer gelben Wand<br />

parkt, eine rote Tür vor einem tiefblauen Himmel.<br />

Manche Orte sind auch wie gemacht für farbenfrohe<br />

Abstrakte – die Insel Burano bei Venedig, das Dorf<br />

Oia auf der griechischen Insel Santorini oder die<br />

kubanische Stadt Trinidad sind nur ein paar<br />

Beispiele für Orte, an denen die Einwohner Ihre<br />

Häuser in brillanten Farben streichen und Sie an<br />

großartigen Fotos gar nicht vorbeigehen können.<br />

Aber im Prinzip kann jede städtische oder<br />

industrielle Gegend als Quelle für farbenfrohe<br />

Abstrakte dienen, und sobald Sie ein paar gute<br />

Aufnahmen im Kasten haben, werden Sie immer<br />

mehr Motive entdecken.<br />

Manche Bilder ergeben sich ganz offensichtlich,<br />

aber oft müssen Sie die Motive auch suchen, von<br />

höher oder tiefer liegenden Standpunkten<br />

fotografieren, um bestimmte Farben nach Wunsch<br />

nebeneinander zu stellen, oder unterschiedliche<br />

Objektive nutzen: Teleobjektive, um die Perspektive<br />

zu komprimieren und Farben näher<br />

zusammenzubringen, Weitwinkelobjektive, um die<br />

Farben aus der Nähe besser auszunutzen oder<br />

gegen den blauen Himmel einzufangen und diesen<br />

als eigenständigen Farbblock zu nutzen.<br />

Künstliche Farben<br />

Die bildliche Wirkung eines Fotos kann auch<br />

bestechend sein, wenn die enthalten Farben weder<br />

miteinander harmonieren noch kontrastieren,<br />

sondern einfach nur ungewöhnlich sind. Das kommt<br />

zum Beispiel oft zum Tragen, wenn Sie nachts<br />

draußen fotografieren – die künstliche Beleuchtung<br />

in unseren Städten erzeugt eine surreale Farbpalette,<br />

die Sie so in der Natur nie finden würden, ganz egal<br />

wie sehr Sie auch danach suchten. In einer einzigen<br />

Straßenszene können Sie das lebhafte Grün von<br />

Leuchtstoffröhren, das Gelb von Glühbirnen und das<br />

Rot der Neonbeleuchtung finden, die sich alle<br />

leuchtend gegen einen samtblauen Himmel<br />

abheben, oder gegen einen Himmel, der durch die<br />

Lichtverschmutzung der nächstgelegenen Stadt rot,<br />

orange und gelb getönt ist.<br />

Unsere Augen passen sich an diese<br />

unterschiedlichen Beleuchtungstypen an. Ein von<br />

Flutlicht angestrahltes Gebäude oder eine<br />

schimmernde City-Skyline können also ganz<br />

gewöhnlich aussehen, wenn wir sie betrachten. Aber<br />

unsere Digitalkamera nimmt die Farbe jeder<br />

Lichtquelle so auf, wie sie tatsächlich ist – es ist also<br />

ganz normal, wenn Sie auf dem <strong>Vorschau</strong>film<br />

seltsame Farben erkennen – das alles gehört zum<br />

Spaß bei der Nachtfotografie dazu!<br />

Machen Sie das Beste aus diesem Effekt, indem Sie<br />

Aussichtspunkte zum <strong>Fotografie</strong>ren nutzen und mit<br />

verschiedenen Objektiven experimentieren, um die<br />

Farben auf effektive Weise nebeneinander zu stellen.<br />

Ein Teleobjektiv „stapelt” Leuchtschilder entlang<br />

einer belebten Straße, wohingegen ein<br />

Weitwinkelobjektiv es Ihnen ermöglicht,<br />

verschiedene Elemente in einer Aufnahme zu<br />

vereinen – zum Beispiel eine angestrahlte Statue vor<br />

einem beleuchteten Gebäude oder eine<br />

Straßenlaterne neben einem hell erleuchteten Turm.<br />

Außerdem lohnt es sich, mit unterschiedlichen<br />

Weißabgleich-Voreinstellungen zu experimentieren,<br />

entweder direkt bei der Aufnahme oder später bei der<br />

Nachbearbeitung der Raw-Dateien. Wenn Sie zum<br />

Beispiel „Kunstlicht” wählen, sehen alle von<br />

Kunstlicht erleuchteten Bereiche des Bildes normal<br />

aus, alle von Tageslicht beleuchteten Bereiche<br />

werden jedoch blau. „Leuchtstoffröhre” ist auch toll,<br />

diese Einstellung verpasst den meisten<br />

Bildbereichen einen purpurnen Farbstich, das sieht<br />

zwar merkwürdig aus, ist aber sehr effektiv.<br />

ISTOCK PHOTO


112 Makro-<strong>Fotografie</strong> EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

Makro-Zubehör<br />

Gute Makrofotos verlangen nach starker<br />

Vergrößerung, die mit den meisten<br />

Standardobjektiven nicht erreicht werden kann.<br />

Um an kleine Dinge wirklich nah<br />

heranzukommen, brauchen Sie entweder ein<br />

spezielles Makroobjektiv, dessen Konstruktion für<br />

sehr kurze Entfernungen optimiert ist, oder<br />

besonderes Zubehör, das ein Standardobjektiv so<br />

erweitert, dass es auch für sehr kurze<br />

Entfernungen benutzt werden kann. Ein spezielles<br />

Makroobjektiv ist die beste Lösung, sowohl was<br />

Qualität als auch was den Komfort angeht, doch<br />

leider ist es auch die teuerste Lösung. Wenn Sie<br />

MAKRO-OBJEKTIV<br />

Makroobjektive sind speziell für<br />

Aufnahmen aus kürzester Distanz<br />

konstruiert und deswegen die<br />

beste Option. Es gibt sie mit<br />

verschiedenen Brennweiten, von<br />

40mm bis 200mm. Fast alle liefern<br />

eine Vergrößerung von bis zu 1:1;<br />

das bedeutet, Objekte können in<br />

Originalgröße abgebildet werden.<br />

Die Brennweite ist sehr wichtig,<br />

denn sie bestimmt Gewicht, Größe,<br />

Arbeitsentfernung – und den Preis.<br />

Kürzere Makros von 50mm bis<br />

90mm sind leichter, klein, und<br />

tendenziell billiger als längere<br />

Brennweiten. Sie bieten allerdings<br />

keine große Arbeitsentfernung,<br />

deswegen müssen Sie, wenn Sie<br />

Ihr Motiv formatfüllend im Bild<br />

haben wollen, recht nah<br />

herangehen. Bei unbelebten,<br />

statischen Objekten spielt das<br />

keine Rolle, doch es kann in der<br />

Naturfotografie zum Problem<br />

werden, wenn Sie beispielsweise<br />

einen Schmetterling fotografieren<br />

wollen. Ein Telemakro-Objektiv mit<br />

einer Brennweite jenseits von90<br />

mm bietet eine größere<br />

Arbeitsdistanz und verringert das<br />

Risiko, den Fluchtreflex des<br />

Schmetterlings auszulösen, um<br />

beim obigen Beispiel zu bleiben.<br />

Ein solch großes Makroobjektiv ist<br />

jedoch schwerer und produziert<br />

einen extrem geringen<br />

Schärfentiefebereich. Sie müssen<br />

also äußerst präzise Scharfstellen,<br />

damit Sie brauchbare Ergebnisse<br />

erzielen.<br />

sich auf die Makrofotografie spezialisieren wollen,<br />

ist ein Makroobjektiv zweifellos die Investition<br />

wert. Falls Sie jedoch nur gelegentlich die Welt der<br />

kleinen Dinge fotografisch erkunden, oder falls Ihr<br />

Budget es nicht hergibt, sind Zwischenringe oder<br />

ein Nahfilter die bessere Lösung für Sie.<br />

Weiter brauchen Sie zur Makrofotografie ein gutes<br />

Stativ, denn schon die kleinste Bewegung der<br />

Kamera wird bei derart kurzen Entfernungen<br />

extrem verstärkt. Benutzen Sie deswegen, wann<br />

immer möglich, das Stativ. Auch ein Fernauslöser<br />

und ein kleiner Reflektor zählen zum nützlichen<br />

Zubehör.<br />

Drei Möglichkeiten, nah heranzukommen<br />

AUTOMATISCHE<br />

ZWISCHENRINGE<br />

Zwischenringe haben keinerlei<br />

optische Bauteile und<br />

beeinflussen deshalb nicht die<br />

Bildqualität. Sie verlängern<br />

einfach den Abstand zwischen<br />

Objektiv und Kamerasensor,<br />

wodurch sich die minimal<br />

einstellbare Arbeitsdistanz des<br />

Objektivs verringert. Sie bieten<br />

die stärkste Vergrößerung,<br />

wenn sie in Kombination mit<br />

kurzen Brennweiten verwendet<br />

werden, meistens 28mm oder<br />

50mm. Üblicherweise werden<br />

sie in Sets mit drei Ringen von<br />

je 12mm, 20mm und 36mm<br />

angeboten. Sie können einzeln<br />

oder in jeder möglichen<br />

Kombination verwendet<br />

werden, um unterschiedliche<br />

Vergrößerungsstufen zu<br />

erreichen, wobei<br />

Kamerafunktionen wie die<br />

TTL-Messung erhalten bleiben.<br />

Die Arbeitsdistanzen sind sehr<br />

kurz, deswegen müssen Sie<br />

nah heran an Ihr Motiv. Das<br />

Kenko Teleplus DG AF Set ist für<br />

etwa 170€ eine gute Wahl. Sie<br />

können auch manuelle<br />

Zwischenringe verwenden, die<br />

es schon ab 10€ gibt. „Manuell“<br />

bedeutet allerdings, dass<br />

keinerlei Automatikfunktionen<br />

Ihrer Kamera unterstützt<br />

werden, Sie müssen also<br />

sämtliche Einstellungen<br />

manuell vornehmen.<br />

NAHFILTER<br />

Wenn Sie sich weder ein<br />

Makroobjektiv noch<br />

Zwischenringe leisten wollen,<br />

dann ist der Nahfilter Ihre Wahl. Es<br />

ist die bei weitem preiswerteste<br />

Lösung. Ein Nahfilter besteht aus<br />

einer einzigen Linse, die wie ein<br />

Filter auf das Objektiv geschraubt<br />

wird, daher der Name. Optisch<br />

gesehen hat ein Nahfilter mit<br />

einem Objektivfilter jedoch nichts<br />

zu tun, denn er wirkt als<br />

Vergrößerungsglas. Nahfilter sind<br />

leicht und beeinträchtigen keine<br />

der automatischen<br />

Kamerafunktionen. Die<br />

Vergrößerung eines Nahfilters<br />

wird in Dioptrien gemessen.<br />

Übliche Stärken sind +1, +2, +3<br />

und +4. Je höher der Wert, desto<br />

stärker die Vergrößerung. Die<br />

Skala reicht bis +10, doch bei solch<br />

extremer Vergrößerung lässt die<br />

Bildqualität stark zu wünschen<br />

übrig. Nahfilter werden am besten<br />

mit einem kurzen Festobjektiv<br />

kombiniert, etwa im Bereich von<br />

50mm bis 135mm. Eine große,<br />

komfortable Arbeitsdistanz<br />

erreichen Sie mit einem Nahfilter<br />

nicht, Sie müssen also sehr nah an<br />

Ihr Motiv herangehen, wenn Sie es<br />

formatfüllend abbilden wollen.<br />

Außerdem sind Nahfilter anfällig<br />

für sphärische und chromatische<br />

Aberrationen. Diesen Effekt<br />

können Sie jedoch verringern,<br />

wenn Sie keine kleinere Blende als<br />

f/8 benutzen.<br />

Zubehör<br />

Reflektor: Ein Reflektor ist für<br />

die Makrofotografie<br />

unerlässlich. 30 oder 45 cm<br />

Durchmesser sind mehr als<br />

ausreichend. Die Farbe ist<br />

entscheidend: Weiß gibt ein weiches, diffuses<br />

Licht, eine silberne Reflektorfläche ist heller,<br />

kann aber hartes Licht erzeugen, während ein<br />

goldfarbener Reflektor einer Nahaufnahme<br />

einen warmen Farbton gibt. Improvisieren<br />

können Sie mit einem weißen DIN A4 Blatt –<br />

das ist außerdem am billigsten.<br />

Fernauslöser:<br />

Selbst wenn Ihre Kamera auf<br />

einem Stativ montiert ist,<br />

kann das Drücken des<br />

Auslösers eine geringe<br />

Bewegung der Kamera verursachen. Bei<br />

langen Verschlusszeiten wirkt sich das auf die<br />

Bildschärfe aus. Deswegen ist es<br />

empfehlenswert, einen Fernauslöser zu<br />

benutzen, wobei es nicht darauf ankommt,<br />

ob er drahtlos oder kabelgebunden ist. In<br />

jedem Fall maximiert er die Bildschärfe,<br />

besonders wenn Sie zusätzlich noch die<br />

Spiegelvorauslösung der Kamera benutzen.<br />

Stativ: Um gestochen scharfe<br />

Makrofotos zu bekommen,<br />

benutzen Sie grundsätzlich<br />

ein Stativ. Besorgen Sie sich<br />

eines, das Ihre Kamera<br />

möglichst nah an den Boden bringt. Bei<br />

einem Stativ, dessen Mittelsäule in die<br />

Horizontale gedreht werden kann, können<br />

Sie die Kamera so auf dem Stativkopf<br />

befestigen, dass die Objektivachse parallel zur<br />

Mittelsäule des Stativs verläuft. Was den<br />

Stativkopf angeht, ist ein Drei-Wege-<br />

Schwenk- und Neigekopf eine gute Wahl,<br />

allerdings bevorzugen viele Fotografen einen<br />

Kugelkopf, weil er sich schneller und leichter<br />

einstellen lässt.<br />

Plamp: Eine Plamp leistet<br />

gute Dienste dabei, ein<br />

Objekt zu fixieren,<br />

beispielsweise eine Blume,<br />

die sich ansonsten im Wind<br />

bewegen würde. Die Wimberley Plamp ist<br />

ideal. Das ist ein aus mehreren Segmenten<br />

bestehender Arm mit einer Klammer an<br />

beiden Enden. Die eine greift um ein<br />

Stativbein, die andere stabilisiert das zu<br />

fotografierende Objekt. Die Plamp kann auch<br />

benutzt werden, um einen Reflektor in<br />

Position zu halten.<br />

Winkelsucher: Damit<br />

nehmen Sie die<br />

Bildkomposition vor, indem<br />

Sie von oben auf die Kamera<br />

blicken, anstatt horizontal<br />

durch den Sucher. Der Winkelsucher ist<br />

nützlich, wenn Sie Makroaufnahmen nah am<br />

Boden oder aus extremen Winkeln machen.<br />

Andererseits haben moderne<br />

Kameramodelle schwenk- und drehbare<br />

LCD-Monitore. Wenn Sie eine solche Kamera<br />

besitzen, brauchen Sie den Winkelsucher<br />

nicht, denn Sie können komfortabel den<br />

LiveView benutzen.


EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

Makro-<strong>Fotografie</strong> 113<br />

Makro-Ausrüstung für jeden Geldbeutel<br />

2<br />

2 2<br />

3<br />

3<br />

1<br />

3<br />

1<br />

Makro-Ausrüstung für jeden Geldbeutel<br />

Sie haben sich noch nie in der Makrofotografie<br />

versucht, wollen dies aber nun tun. Ihr Budget ist<br />

verständlicherweise begrenzt, denn Sie wollen in<br />

diesem Stadium nicht zu viel ausgeben. Ein<br />

Makroobjektiv kommt deswegen nicht infrage, Sie<br />

wollen sich auf preiswertes Zubehör für ein bereits<br />

vorhandenes Objektiv beschränken. Dieses liefert<br />

jedoch keine komfortable Arbeitsdistanz, deswegen<br />

sollten Sie sich auf unbelebte Objekte, wie Stillleben,<br />

Oberflächenstrukturen, Blumen und andere Pflanzen<br />

konzentrieren, nicht auf Kleintiere oder Insekten.<br />

1) Nahfilter (ab10€ je nach Gewindedurchmesser) :<br />

Nahfilter werden auf das Objektiv geschraubt und<br />

wirken wie ein Vergrößerungsglas. Übliche<br />

Vergrößerungsfaktoren sind +2, +3 und +4. Nahfilter<br />

wirken am besten mit Objektiven kleinerer<br />

Brennweiten zusammen. Ein 50mm Standardobjektiv<br />

ist ideal. Nahfilter eignen sich sehr gut für den Einstieg<br />

in die Makrofotografie. Leider sind sie anfällig für<br />

sphärische und chromatische Aberrationen, weil sie<br />

nur aus einem einzigen optischen Element bestehen.<br />

2) Reflektor (ab 10€): Ein Reflektor ist leicht selbst<br />

herzustellen, indem Sie ein Stück stabilen Kartons mit<br />

Aluminiumfolie umwickeln. Trotzdem empfehlen wir<br />

den Kauf eines faltbaren Reflektors, der in die<br />

Kameratasche passt. Für die Makrofotografie reicht<br />

ein Durchmesser von 30 cm vollkommen aus.<br />

3) LED Ringblitz (ab 30€): Er liefert eine weiche,<br />

schattenfreie Beleuchtung für Nahaufnahmen und<br />

kostet nur den Bruchteil eines regulären<br />

Ringblitzgeräts. Der Lichtausstoß kann geregelt<br />

werden. Sie können ihn wie ein normales Blitzgerät<br />

benutzen oder die LEDs konstant eingeschaltet<br />

lassen, wobei das Gerät wie ein Scheinwerfer wirkt.<br />

Die Stromversorgung erfolgt über den Zubehörschuh<br />

der Kamera.<br />

1<br />

Für höhere Ansprüche<br />

Ihnen liegt die Makrofotografie, und nun wollen Sie<br />

die Abbildungsqualität Ihrer Ausrüstung<br />

verbessern. Es ist also an der Zeit, ein wenig mehr<br />

zu investieren, um die Grenzen von Nahfiltern zu<br />

überwinden. Ein Makroobjektiv kommt zwar auch<br />

jetzt noch nicht infrage, doch automatische<br />

Zwischenringe liefern gegenüber dem Nahfilter<br />

bereits eine wesentliche Verbesserung der<br />

Bildqualität. Die Arbeitsdistanz ist zwar immer noch<br />

kurz, doch ein stabiles Stativ hilft Ihnen, die Liste<br />

potenzieller Motive zu erweitern, die Sie erfolgreich<br />

ablichten können.<br />

1) Automatische Zwischenringe (ca. 50€): Im<br />

Gegensatz zum Nahfilter beeinträchtigen<br />

Zwischenringe die Bildqualität nicht. Ein 50mm<br />

f/1.8 Standardobjektiv ist eine gute Wahl für die<br />

Kombination mit Zwischenringen.<br />

2) Stativ (ab 100€): Ein Stativ verhilft Ihnen zu einer<br />

besseren Bildkomposition und gestattet Ihnen vor<br />

allen Dingen, viel präziser scharfzustellen als beim<br />

<strong>Fotografie</strong>ren aus der Hand. Die Mittelsäule sollte in<br />

die Horizontale gedreht werden können,<br />

außerdem sollten die Stativ Beine möglichst weit<br />

spreizbar sein, damit Sie die Kamera nah an den<br />

Boden bringen können.<br />

3) Ringblitzadapter (ca. 70€) : Ein Ringblitzadapter<br />

verwandelt ein auf dem Zubehörschuh der Kamera<br />

montiertes Elektronenblitzgerät in ein<br />

Ringblitzgerät. Damit erreichen Sie zwar nicht die<br />

komplette Funktionalität eines regulären<br />

Ringblitzgeräts, doch dieser Kompromiss ist<br />

wesentlich preiswerter.<br />

4) Plamp (ab 30€): Eine Plamp ist ein äußerst<br />

nützliches Zubehör bei Makrofotos, denn sie kann<br />

sowohl einen Reflektor in Position halten als auch<br />

einen Zweig oder eine Blume fixieren.<br />

4<br />

Für höchste Ansprüche<br />

Sie haben festgestellt: Die Makrofotografie ist ihr „Ding“.<br />

Sie beginnen, sich auf die Makrofotografie zu<br />

spezialisieren und sind bereit, so viel Geld auszugeben,<br />

wie für beste Ergebnisse nötig ist. Sie wollen sich nun<br />

als erstes ein spezielles Makroobjektiv zulegen. Es bietet<br />

Ihnen eine große, komfortable Arbeitsdistanz, um jedes<br />

Makromotiv zu fotografieren, einschließlich Insekten,<br />

die einen ausgeprägten Fluchtreflex haben. Außerdem<br />

stehen auf Ihrer Einkaufsliste ein Makroblitzgerät und<br />

ein Stativ, das Ihnen die volle Kontrolle und präzise<br />

Steuerung von Bildkomposition und Bildschärfe erlaubt.<br />

1) 100mm Makroobjektiv (ab 300€): Diese<br />

Brennweite gibt Ihnen eine gute Arbeitsentfernung,<br />

trotzdem können Sie noch aus der Hand fotografieren,<br />

falls dies einmal notwendig sein sollte. Deswegen sollte<br />

es ein Makroobjektiv mit automatischer<br />

Bildstabilisierung sein.<br />

2) Stativ plus Stativkopf (ab 100€): Sie wollen in der<br />

Lage sein, schnelle präzise Korrekturen an der<br />

Bildkomposition vorzunehmen. Ein Getriebe-<br />

Neigekopf bietet die Möglichkeit, die Kamera auf jeder<br />

Achse präzise auszurichten.<br />

3) Makroblitzgerät (ab 200€): LED-Ringleuchten und<br />

Adapter sind gute Kompromisse, doch nur ein<br />

spezielles Makroblitzgerät ist optimal. Es bietet die beste<br />

Funktionalität und gestattet Ihnen, unter allen<br />

Bedingungen perfekt ausgeleuchtete Makrofotos zu<br />

schießen.<br />

4) Winkelsucher (ab 30€): Falls Ihre Kamera keinen<br />

schwenk- und drehbaren Monitor hat, ist der<br />

Winkelsucher eine große Hilfe, wenn Sie die Kamera<br />

nah am Boden positionieren. So müssen Sie sich nicht<br />

auf dem Bauch liegend den Hals verdrehen, wenn Sie<br />

den Bildausschnitt festlegen, sondern können in die<br />

Hocke gehen und komfortabel von oben durch den<br />

Winkelsucher schauen.<br />

4<br />

Wenn Sie es sich leisten wollen…<br />

Ringblitzgerät<br />

Falls das natürliche Licht einmal nicht<br />

ausreichen sollte, bietet ein spezielles<br />

Makro-Ringblitzgerät die beste<br />

Funktionalität und Leistung. Es wird mit<br />

einem Adapter am Objektiv befestigt und<br />

erzeugt einen ringförmigen Lichtblitz, der<br />

sich in alle Richtungen ausbreitet. Damit<br />

Schatten vollständig vermieden werden, kann der Blitz so gesteuert werden,<br />

dass der Lichtausstoß auf einer Seite stärker ist als auf der anderen.<br />

Ringblitzgeräte tendieren allerdings dazu, auf glänzenden Oberflächen<br />

ballenförmige Reflexionen zu verursachen.<br />

Automatischer Umkehrring<br />

Mit einem Umkehrring, der an einer<br />

Seite einen Anschluss für das<br />

Objektiv, an der anderen einen<br />

Kameraanschluss hat, kann man<br />

seine Objektive „verkehrt herum“ an<br />

der Kamera anbringen. Das Objektiv<br />

wirkt dann wie eine Lupe. Dadurch<br />

bleibt die Abbildungsqualität des Objektivs erhalten. Automatische<br />

Umkehrringe sind so ausgestattet, dass die Kommunikation<br />

zwischen Kamera und Objektiv weiterhin möglich ist. Für Canon<br />

gibt es beispielsweise den Novoflex EOS-Retro-Adapter.


114 Makro-<strong>Fotografie</strong> EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

Grundlagen der Makro-<strong>Fotografie</strong><br />

Makrofotografie hat den Ruf, kompliziert und<br />

umständlich zu sein, weswegen viele Fotografen sich<br />

erst gar nicht daran versuchen. Nun ist es zwar richtig,<br />

dass die Arbeit sehr nah am Motiv einige technische<br />

Herausforderungen stellt, doch sofern Sie die richtige<br />

Ausrüstung haben und richtig einsetzen, kann Sie<br />

nichts daran hindern, von Anfang an gute Makrofotos<br />

zu machen. Das größte Problem besteht darin, eine<br />

Schärfentiefe zu erzeugen, die das gesamte Motiv<br />

akzeptabel scharf abgebildet. Die Schärfentiefe wird<br />

umso geringer, je stärker die Vergrößerung wird,<br />

deswegen kann der Schärfentiefebereich extrem klein<br />

sein. Aus diesem Grund ist die Wahl der Blende<br />

entscheidend. Zeitautomatik und manuelles<br />

Scharfstellen liefern die besten Ergebnisse.<br />

Nun scheint eine kleine Blende, etwa f/16 oder f/22<br />

das Nächstliegende zu sein, um eine möglichst große<br />

Schärfentiefe zu erreichen, doch jede Situation ist<br />

anders und muss individuell beurteilt werden.<br />

Manche Motive verlangen einen großen<br />

Schärfentiefebereich, andere sehen mit einem kleinen<br />

Schärfentiefebereich besser aus. Entscheiden müssen<br />

Sie. Wenn ihr Motiv als Ganzes scharf dargestellt<br />

werden soll, ist eine kleine Blende natürlich das<br />

Instrument der Wahl. Achten Sie außerdem darauf,<br />

dass die Sensorebene der Kamera parallel zu Ihrem<br />

Motiv verläuft, denn das maximiert die Schärfentiefe.<br />

Der größte Nachteil bei Verwendung einer kleine<br />

Blende besteht darin, dass die korrespondierende<br />

Verschlusszeit lang ist. Das erhöht die Gefahr des<br />

Verwackelns der Kamera und der<br />

Bewegungsunschärfe, verursacht durch das Objekt.<br />

Außerdem werden bei kleiner Blende Vorder- und<br />

Hintergrund ebenfalls scharf abgebildet, was den<br />

Betrachter vom eigentlichen Motiv ablenkt. Je weiter<br />

offen die Blende ist, umso geringer wird die<br />

Schärfentiefe. Das bedeutet, Sie müssen sehr<br />

sorgfältig scharfstellen. Die geringe Schärfentiefe<br />

sorgt auch dafür, dass die Umgebung des Motivs<br />

unscharf abgebildet wird, wodurch es visuell<br />

hervorgehoben wird. Auch die Verschlusszeit wird<br />

kürzer sein, vielleicht sogar kurz genug, um aus der<br />

Hand zu fotografieren. Das richtige Verhältnis<br />

zwischen akzeptabler Schärfentiefe und<br />

Verschwommenheit des Hintergrunds zu finden, ist<br />

eine delikate Aufgabe. Hat Ihre Kamera eine<br />

Schärfentiefenvorschau, benutzen Sie sie, um<br />

festzustellen wie die von Ihnen gewählten<br />

Kameraeinstellungen auf das Motiv wirken. Bei<br />

manchen Kameras können Sie die Funktion auch mit<br />

dem LiveView kombinieren. Eine andere Möglichkeit<br />

besteht darin, eine Bildserie mit unterschiedlichen<br />

Blendenwerten zu schießen und die Einzelbilder im<br />

Hinblick auf die gewünschte Wirkung zu vergleichen.<br />

Ein weiterer entscheidender Aspekt ist das<br />

Scharfeinstellen. Der Autofokus wird auf derart kurze<br />

Distanz nicht funktionieren, und die geringe<br />

Schärfentiefe erhöht das Risiko unscharfer Bilder. Sie<br />

müssen also manuell Scharfstellen, wobei Sie den<br />

Schärfepunkt so präzise wie möglich legen,<br />

beispielsweise auf das Auge eines Insekts oder die<br />

Blütenpollen einer Blume. Wenn Sie ein Stativ<br />

verwenden, ist der LiveView eine große Hilfe. Mit der<br />

Zoom-Funktion können Sie spezielle Bildteile<br />

vergrößern und wenn nötig, eine Feineinstellung der<br />

Schärfe vornehmen.<br />

Bei starken Vergrößerungen werden auch die<br />

geringsten Bewegungen verstärkt, somit erhöht sich<br />

die Verwacklungsgefahr. Behalten Sie deswegen die<br />

Verschlusszeit im Auge. Am besten ist es natürlich,<br />

wenn Sie ein Stativ verwenden, doch wenn Sie aus<br />

der Hand schießen, benutzen Sie eine Verschlusszeit<br />

oberhalb von 1/200 Sekunde und schalten die<br />

Bildstabilisierung ein. Gegebenenfalls erhöhen Sie<br />

auch die ISO-Empfindlichkeit, um diese<br />

Verschlusszeit zu erreichen.<br />

Manuell können Sie akkurater scharfstellen,<br />

beispielsweise auf das Auge eines Insekts oder die<br />

Staubbeutel einer Blüte.<br />

Nah ans Licht<br />

NATÜRLICHES LICHT<br />

Die Lichtverhältnisse spielen eine entscheidende Rolle<br />

beim <strong>Fotografie</strong>ren, und die Makrofotografie ist keine<br />

Ausnahme. Helligkeit, Farbe, Richtung und Kontrast sind<br />

Faktoren, die die Qualität der Beleuchtung bestimmen.<br />

Die Lichtverhältnisse können dazu beitragen, dass<br />

winzige Details eines Motivs hervorgehoben oder<br />

verborgen werden. Frontales Licht, seitliches Licht und<br />

Gegenlicht haben darauf jeweils andere Einflüsse.<br />

Frontales Licht – Wenn ihr Motiv direkt angeleuchtet<br />

wird, ist das Licht einigermaßen gleich verteilt und wirft<br />

keine Schatten. Farben erscheinen intensiver. Doch<br />

direktes Licht kann auch zu Kontrastarmut führen, und<br />

es kann sich das Problem ergeben, dass ihr eigener<br />

Schatten auf das Motiv fällt.<br />

Seitliches Licht ist deswegen normalerweise<br />

vorzuziehen, denn es betont Formen und Linien. Wie<br />

stark dieser Effekt ist, hängt allerdings davon ab, wie<br />

intensiv das Licht ist und aus welcher Richtung es<br />

kommt. Starkes seitliches Licht kann deswegen zu viel<br />

Kontrast erzeugen. Ist dies der Fall, hellen Sie die<br />

Schatten mit einem Reflektor oder dem Blitzgerät auf.<br />

Gegenlicht ist am schwierigsten zu steuern, kann aber<br />

sehr effektvoll sein. Befindet sich die Lichtquelle hinter<br />

dem Motiv, werden dessen Form und Konturen sowie<br />

feine Details – kleine Härchen an einem Blumenstängel<br />

beispielsweise – stark hervorgehoben.<br />

Der frühe Morgen und der späte Nachmittag sind die<br />

besten Tageszeiten für Gegenlichtaufnahmen, weil<br />

dann die Sonne niedrig am Himmel steht. Benutzen Sie<br />

eine Gegenlichtblende, um Blendenflecke zu vermeiden<br />

und überprüfen Sie Ihre Aufnahmen regelmäßig anhand<br />

des Histogramms. Gegenlicht kann das<br />

Belichtungsmesssystem Ihrer Kamera zu<br />

Fehlbelichtungen veranlassen. Setzen Sie die<br />

Belichtungskorrektur ein, falls Ihre Fotos unter- oder<br />

überbelichtet sind. Besonders geeignet ist Gegenlicht<br />

bei transparenten Objekten wie Pflanzenblättern und<br />

den Flügeln von Insekten. Zuhause in den eigenen vier<br />

Wänden können Sie einen Lichtkasten benutzen, um<br />

den Gegenlichteffekt zu erzeugen.<br />

Bereit für Nahaufnahmen<br />

QUALITÄT<br />

Wählen Sie das Raw-Format als<br />

Speicherformat. Für Nahaufnahmen<br />

brauchen Sie die bestmögliche<br />

Bildqualität, die die feinsten Details<br />

und den größtmöglichen<br />

Farbtonumfang abbildet. Das<br />

Raw-Format ermöglicht dies,<br />

außerdem gibt es Ihnen einen<br />

größeren Spielraum für<br />

Veränderungen in der<br />

Nachbearbeitung.<br />

KAMERABETRIEBSART<br />

Die Priorität liegt eindeutig auf der<br />

Steuerung der Schärfentiefe.<br />

Benutzen Sie deswegen die<br />

Zeitautomatik oder die manuelle<br />

Betriebsart der Kamera. Die<br />

Zeitautomatik ist am effizientesten:<br />

Sie wählen die Blende, die Ihnen<br />

die gewünschte Tiefenschärfe<br />

liefert, und die Kamera stellt<br />

automatisch die korrekte<br />

Verschlusszeit ein.<br />

ISO-EMPFINDLICHKEIT<br />

Falls möglich, wählen Sie die<br />

geringste ISO Empfindlichkeit der<br />

Kamera, um die Bildqualität zu<br />

maximieren und so viele Details wie<br />

möglich abzubilden. Falls Sie jedoch<br />

aus der Hand fotografieren oder ihr<br />

Motiv sich bewegt, müssen Sie die<br />

ISO-Empfindlichkeit eventuell<br />

erhöhen, um eine Verschlusszeit zu<br />

erzeugen, die kurz genug ist,<br />

Bewegungsunschärfe zu verhindern.<br />

SCHARFSTELLEN<br />

Manuelles Scharfstellen bietet<br />

in der Makrofotografie generell<br />

die größte Genauigkeit. Wenn<br />

Sie ein Stativ benutzen,<br />

aktivieren Sie den LiveView.<br />

Zoomen Sie in den Bereich ein,<br />

auf dem der Schärfepunkt<br />

liegen soll, und stellen Sie<br />

sorgfältig scharf.


HELEN DIXON<br />

Sie können Gegenlichtaufnahmen auch so<br />

gestalten, dass nur noch die Silhouette Ihres Motivs<br />

auf dem Foto erkennbar ist. Doch diese<br />

Aufnahmetechnik lebt von einfachen Formen.<br />

Verwenden Sie deshalb nur eindeutig erkennbare<br />

Objekte als Motiv, wobei Sie sie möglichst vor einem<br />

warmen, farbigen Himmel abbilden. Um diesen<br />

Silhouetten-Effekt zu erzeugen, nehmen Sie die<br />

Belichtungsmessung auf dem hellen Hintergrund<br />

vor.<br />

Nutzen Sie auch die Möglichkeiten, die Ihnen ein<br />

bedeckter Himmel bietet. Wolken wirken wie ein<br />

gigantischer Diffusor, der das harte, gerichtete<br />

Sonnenlicht diffus und weich werden lässt. Ein heller<br />

bedeckter Himmel passt besonders zu<br />

Nahaufnahmen der Pflanzenwelt, wobei Sie feine<br />

Details und intensiv gesättigte Farben aufnehmen<br />

können.<br />

KUNSTLICHT<br />

Viele Fotografen bevorzugen das natürliche<br />

Tageslicht, doch wenn Sie so nah am Objekt arbeiten<br />

wie bei der Makrofotografie, sind die Lichtverhältnisse<br />

oftmals nicht ideal. Allzu oft ist es ihr eigener Körper<br />

oder die auf dem Stativ befindliche Kamera, die das<br />

Licht von Ihrem Motiv fernhalten. Hinzu kommt, dass<br />

eine stark vergrößernde Optik mehr Licht absorbiert<br />

als ein normales Objektiv. Die Lösung des Problems<br />

besteht darin, reflektiertes Licht für sich arbeiten zu<br />

lassen, indem Sie einen Reflektor verwenden. Sind<br />

jedoch die Lichtverhältnisse generell zu schlecht, um<br />

beispielsweise die Bewegung eines Insekts<br />

einzufrieren oder feine Details und Farbtöne<br />

aufzunehmen, hilft nur noch das Blitzgerät. Der in der<br />

Kamera eingebaute Blitz und ein externes, auf den<br />

Zubehörschuh gestecktes Blitzgerät sind jedoch<br />

wenig geeignet, weil deren relativ hohe Position über<br />

der Kamera dazu führen kann, dass der Blitz ihr Motiv<br />

gar nicht trifft oder das zusätzlich andere in der Nähe<br />

befindliche Objekte beleuchtet werden, ein Effekt der<br />

völlig kontraproduktiv ist. Aus diesem Grund ist hier<br />

ein Makro-Blitzgerät in Form eines Ringblitzes am<br />

besten geeignet. Wann immer Sie künstliches Licht<br />

benutzen, soll das Ergebnis trotzdem natürlich<br />

aussehen. Das kann schwierig werden, wenn das<br />

Blitzgerät sich nah am Motiv befindet. Aus diesem<br />

Grund ist die Streuung des Lichts in diesem Fall<br />

entscheidend. Es gibt nur wenige Diffusoren für<br />

bestimmte Ringblitzgeräte, deswegen werden Sie<br />

sich vielleicht Ihren eigenen herstellen müssen. Eine<br />

Möglichkeit ist, Küchenpapier von der Rolle so<br />

zuzuschneiden, dass es um den Blitzring gelegt<br />

werden kann. Das genügt meistens schon, um den<br />

Lichtblitz weicher zu machen und natürlicher<br />

aussehende Bilder zu bekommen.<br />

WEISSABGLEICH<br />

Der automatische Weißabgleich (AWB) ist<br />

in den meisten Fällen zuverlässig. Er kann<br />

jedoch im wahren Sinn des Wortes<br />

hinters Licht geführt werden, wenn ihr<br />

Motiv von einem einzigen Farbton<br />

dominiert wird. In einer solchen Situation<br />

ist es besser, auf einen angepassten<br />

Weißabgleich zurückzugreifen. Wenn Sie<br />

im Raw-Format fotografieren, können Sie<br />

den Weißabgleich ohnehin in der<br />

Nachbearbeitung einstellen.<br />

SPIEGELVORAUSLÖSUNG<br />

Wenn Sie ein Stativ benutzen, schalten Sie<br />

die Spiegelvorauslösung ein. Dadurch wird<br />

der Spiegel der Kamera hochgeklappt,<br />

bevor sich der Verschluss geöffnet. Das<br />

eliminiert interne Vibrationen, die<br />

ansonsten die Schärfe feiner Details des<br />

Motivs beeinträchtigen würden. Diese<br />

Funktion erfordert zweimaliges Drücken<br />

des Auslösers, wobei zuerst der Spiegel<br />

hochgeklappt und anschließend der<br />

Verschluss ausgelöst wird.<br />

Checkliste: Das Wesentliche<br />

❏ Wählen Sie die Blende mit Bedacht. Für große<br />

Schärfentiefe brauchen Sie eine kleine Blende. Um ihr<br />

Motiv gegen einen diffusen, unscharfen Hintergrund zu<br />

isolieren, wählen Sie eine große Blende.<br />

❏ Nehmen Sie sich die Zeit, akkurat scharfzustellen, denn<br />

die Schärfentiefe ist bei Nahaufnahmen sehr begrenzt.<br />

❏ Überschätzen Sie nicht Ihre Fähigkeit, die Kamera ruhig<br />

zu halten. Benutzen Sie möglichst immer ein Stativ. Wenn<br />

nicht, stellen Sie eine Verschlusszeit ein, die kurz genug<br />

ist, dass Sie die Kamera nicht verwackeln können.<br />

❏ Positionieren Sie die Kamera so, dass der Kamerasensor<br />

parallel zu Ihrem Motiv verläuft. So wird die Schärfentiefe<br />

optimiert.<br />

❏ Um die Schärfe zu maximieren, benutzen Sie ein Stativ,<br />

die Spiegelvorauslösung und einen Fernauslöser.<br />

❏ Achten Sie genau auf Ihre Position zur Sonne. Wenn Sie<br />

sehr nah an Ihrem Motiv arbeiten, ist die Gefahr groß,<br />

dass Ihr eigener Schatten darauf fällt.


116 Makro-<strong>Fotografie</strong> EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

Insekten<br />

Insekten sind die Favoriten vieler<br />

Makro-Fotografen, denn ihr bizarres<br />

Äußeres macht sie zu fantastischen<br />

Motiven. Mit Makroobjektiv oder Nahfilter<br />

bekommen Sie formatfüllende<br />

Aufnahmen dieser mit ihren<br />

überdimensionierten Augen, riesigen<br />

Unterkiefern und langen Antennen wie<br />

Außerirdische anmutenden Kreaturen.<br />

Sie finden sie überall, im eigenen<br />

Garten, im Park und im Wald. Suchen Sie<br />

entlang der Vegetation an Ufern, im<br />

hohen Gras, oder an Hecken. Überall<br />

finden Sie Marienkäfer, Florfliegen, Käfer,<br />

Grashüpfer, Motten, Schmetterlinge und<br />

Libellen. Der frühe Morgen und der späte<br />

Nachmittag sind die besten Zeiten zum<br />

<strong>Fotografie</strong>ren, weil Insekten als Kaltblüter<br />

zu diesen Tageszeiten weniger aktiv sind,<br />

unbeweglicher als in der Wärme des<br />

Tages. Auch das Licht ist zu diesen Zeiten<br />

viel besser und die niedrigere Position<br />

der Sonne gibt Ihnen einen größeren<br />

Spielraum für Ihre eigene Kreativität. So<br />

können Sie beispielsweise mit Gegenlicht<br />

arbeiten oder versuchen, Silhouetten<br />

einzufangen. Haben Sie ein geeignetes<br />

Subjekt gefunden, bestimmen Sie die<br />

Belichtung. Schärfentiefe ist<br />

entscheidend, schalten Sie die Kamera<br />

also auf Zeitautomatik oder manuelle<br />

Belichtung. Am besten wählen Sie eine<br />

Blende, klein genug, Ihr Motiv scharf zu<br />

bekommen, doch groß genug, die<br />

umgebende Vegetation aus dem<br />

Schärfebereich herauszunehmen. Ein<br />

Wert um f/8 oder f/11 ist normalerweise<br />

ein guter Ausgangspunkt, doch die<br />

benötigte Schärfentiefe hängt sehr stark<br />

vom Subjekt ab, von der Stärke der<br />

Vergrößerung und vom Gesamteindruck<br />

des Bildes, den Sie erreichen möchten.<br />

Meistens müssen Sie sehr schnell<br />

arbeiten, weil die Winzlinge keine<br />

Rücksicht auf Ihre Fokusprobleme<br />

nehmen, sondern sich mehr oder<br />

weniger schnell wieder auf ihren Weg<br />

machen. Deshalb ist ein Stativ in aller<br />

Regel unpraktisch, weswegen Sie aus der<br />

Hand fotografieren müssen. Damit die<br />

Verschlusszeiten kurz bleiben -<br />

idealerweise oberhalb 1/200 Sekunde<br />

- erhöhen Sie den ISO-Wert auf 400 oder<br />

800, falls erforderlich.<br />

Wie bei jedem freilebenden Tier ist es<br />

nicht ganz einfach, nah genug<br />

heranzukommen, bevor der Fluchtreflex<br />

einsetzt. Erhöhen Sie Ihre<br />

Oben: Geduld ist gefragt, wenn Sie Insekten<br />

fotografieren wollen – die Belohnung sind<br />

großartige Naturaufnahmen.<br />

Rechts: Der Hintergrund ist von großer<br />

Bedeutung, er sollte frei sein von ablenkenden<br />

Elementen – einer wie dieser ist ideal.<br />

Erfolgschancen, indem Sie sich langsam<br />

in Schussposition bringen und dabei<br />

vermeiden, Ihren eigenen Schatten auf<br />

das Tier fallen zu lassen oder hohes Gras<br />

und Zweige zu berühren. Stellen Sie<br />

manuell scharf - das ist bei<br />

Nahaufnahmen nicht nur genauer,<br />

sondern auch leiser: Das Geräusch<br />

mancher AF-Systeme kann schon<br />

ausreichen, um das Tier aufzuschrecken.<br />

Achten Sie darauf, dass der<br />

Scharfstellpunkt auf den Augen des<br />

ROSS HODDINOTT<br />

Motive zum Ausprobieren...<br />

ROSS HODDINOTT<br />

ROSS HODDINOTT<br />

ISTOCK PHOTO<br />

ROSS HODDINOTT<br />

ROSS HODDINOTT<br />

SCHMETTERLINGE<br />

Schmetterlinge gehören zu<br />

den beliebtesten Motiven. Sie<br />

lassen sich am leichtesten<br />

fotografieren, wenn Sie in der<br />

Sonne sitzen oder sich gerade<br />

an einer Blüte gütlich tun.<br />

Direkt von oben<br />

aufgenommen, sind die<br />

Zeichnungen ihrer Flügel am<br />

besten zu sehen.<br />

LIBELLEN<br />

Libellen finden Sie in<br />

Feuchtgebieten. Sie sind oft<br />

territorial, was bedeutet dass<br />

Sie beispielsweise regelmäßig<br />

auf denselben Zweig<br />

zurückkehren. Wenn Sie<br />

einen solchen bevorzugten<br />

Ruheplatz identifiziert haben,<br />

legen Sie sich auf die Lauer<br />

und halten die Kamera bereit.<br />

MARIENKÄFER<br />

Der Marienkäfer ist in jedem<br />

Garten Stammgast. Suchen Sie<br />

die Vegetation sorgfältig ab und<br />

Sie werden fast immer mehr als<br />

nur ein Exemplar finden. Sie<br />

können es vorsichtig auf einen<br />

Grashalm oder eine Blume<br />

umquartieren, um eine<br />

ansprechende Bildkomposition<br />

zu bekommen.<br />

GRASHÜPFER<br />

Auch Grashüpfer gehören zu<br />

den Gartenbewohnern. Im<br />

Sommer können Sie ganze<br />

Horden von unterschiedlicher<br />

Größe und Farbe auf den<br />

Heuwiesen antreffen. Doch sie<br />

bleiben nicht lange an einem<br />

Platz. <strong>Fotografie</strong>ren Sie sie auf<br />

„Augenhöhe“, das ergibt einen<br />

natürlichen Blickwinkel.<br />

HUMMEL<br />

Hummeln und Bienen sind<br />

nicht leicht in den Kasten zu<br />

bekommen, doch sehr fotogen.<br />

Halten Sie sich in der Nähe von<br />

nektarreichen Blumen wie dem<br />

Lavendel auf und warten Sie. Es<br />

ist eine Geduldsprobe, doch<br />

wenn der Moment gekommen<br />

ist, müssen Sie schnell<br />

scharfstellen und abdrücken.


EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

Makro-<strong>Fotografie</strong> 117<br />

ROSS HODDINOTT<br />

Nähern Sie sich Insekten grundsätzlich langsam und<br />

achten Sie dabei darauf, die umgebende Vegetation nicht zu<br />

bewegen, denn schon die geringste Bewegung löst den<br />

Fluchtreflex der Tiere aus.<br />

Tieres liegt, und schießen Sie eine<br />

schnelle Bildserie. So ist Ihre Chance am<br />

größten, wenigstens ein gestochen<br />

scharfes Bild zu erhalten.<br />

Bei der Bildkomposition sollten<br />

Sie kreativ sein. Oft ist es am<br />

besten, aus einem<br />

seitlichen Winkel oder<br />

direkt von oben zu<br />

fotografieren, besonders<br />

bei Schmetterlingen oder<br />

Motten mit<br />

ausgestreckten Flügeln. Es<br />

besteht jedoch die Gefahr,<br />

dass Sie sich diese Perspektive<br />

zur Gewohnheit machen und Ihre<br />

Bilder sich sehr ähneln. Schrecken Sie<br />

also auch vor gewagteren<br />

Bildkompositionen nicht zurück.<br />

HINWEIS<br />

Der eigene Garten ist einer<br />

der besten Orte für die<br />

Naturfotografie. Pflanzen<br />

Sie nektarreiche Blumen<br />

wie den<br />

Schmetterlingsstrauch an<br />

und lassen Sie Teile des<br />

Rasens hoch wachsen, um<br />

die Insekten in den Garten<br />

zu locken.<br />

Versuchen Sie es aus anderen Winkeln<br />

oder direkt von vorn, um die Augen des<br />

Tiers zu betonen. Ein ungewöhnlicher<br />

Blickwinkel macht Ihre Aufnahmen<br />

gleich interessanter.<br />

Formatfüllende Motive<br />

machen einen starken<br />

Eindruck, doch es kann<br />

sich auch lohnen, mehr<br />

von der Umgebung des<br />

Insekts mit ins Bild zu<br />

nehmen, weil die<br />

Umgebung meistens auch<br />

etwas über das Tier und<br />

seinen Lebensraum aussagt.<br />

Auch Leerräume schaffen eine<br />

visuell stimulierende Bildkompositionen<br />

und unterstreichen die Winzigkeit des<br />

Insekts.<br />

Checkliste: Insekten<br />

❏ Je weiter Sie sich von einem Insekt<br />

fernhalten, umso geringer ist die<br />

Wahrscheinlichkeit, dass es nervös wird<br />

und flieht. Die besten Chancen haben Sie<br />

mit einem Tele-Makroobjektiv mit einer<br />

Brennweite größer als 100mm.<br />

❏ Insekten sind am frühen Morgen und<br />

am späten Nachmittag weniger aktiv,<br />

deswegen sind dies die<br />

erfolgversprechendsten Tageszeiten für<br />

Ihre Pirsch. Außerdem ist das Licht dann<br />

besser.<br />

❏ Achten Sie auf den Hintergrund.<br />

Geknicktes Gras, Zweige oder tote<br />

Vegetation können eine Aufnahme<br />

verderben. Oft können Sie die störenden<br />

Objekte schon durch eine geringfügige<br />

Standortänderung aus dem Bild nehmen.<br />

❏ Stellen Sie grundsätzlich auf die Augen<br />

scharf, selbst wenn das bedeutet, dass<br />

nicht das gesamte Motiv scharf abgebildet<br />

werden kann.<br />

❏ Die Unversehrtheit der filigranen Tiere<br />

ist oberstes Gebot. Unternehmen Sie also<br />

nichts, das sie in Gefahr bringen könnte.


118 Makro-<strong>Fotografie</strong> EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

Pflanzen und<br />

Blumen<br />

Blumen sind dankbare Motive für die<br />

Makrofotografie. Ob es sich um Wildblumen wie<br />

Magnolien oder Mohn handelt oder um<br />

Kulturpflanzen wie Lilien, Orchideen und Tulpen –<br />

der fotografische Ansatz und die Aufnahmetechnik<br />

sind dieselben. Ruhige Tage sind am besten, weil<br />

Blumen sich bei Wind in alle Richtungen bewegen.<br />

Wenn Sie jedoch bei windigem Wetter arbeiten<br />

müssen, fixieren Sie die Pflanzen mit einer Plamp<br />

oder erzeugen Sie mit Hilfe eines geeigneten<br />

Gegenstandes einen Windschatten. Bedeckter<br />

Himmel bietet die besten Lichtverhältnisse,<br />

weil der dadurch entstehende geringere<br />

Kontrast die Darstellung der Farben<br />

und der feinen Details verbessert.<br />

Ein Polfilter sorgt für die<br />

Unterdrückung von<br />

Reflexionen und hilft zusätzlich,<br />

die natürliche Farbsättigung zu<br />

bewahren. Das frühe<br />

Morgenlicht und das letzte<br />

Tageslicht sind warm und<br />

passen deshalb zu<br />

Blumenmotiven. Gegenlicht kann<br />

ganz besondere Stimmungen<br />

erzeugen, es unterstreicht die<br />

Lichtdurchlässigkeit von Blüten und Blättern und legt<br />

attraktive Lichtränder um deren Umrisse. Falls Sie in<br />

der Tagesmitte fotografieren und das Licht zu<br />

kontrastreich wird, sollten Sie einen Reflektor zur<br />

Hand haben. Damit hellen Sie schattige Bereiche auf.<br />

In der Blumenfotografie sorgt ein schmaler<br />

Schärfentiefenbereich meist für sehr künstlerisch<br />

wirkende Aufnahmen. Verwenden Sie die größte<br />

Blendenöffnung, die zur Verfügung steht, in der<br />

Regel f/2.8 oder f/4, und stellen Sie auf einen Bereich<br />

scharf, der visuell besonders interessant ist, die<br />

Härchen am Blumenstängel unterhalb der Blüte<br />

beispielsweise. Der schmale Schärfentiefebereich<br />

sorgt dafür, dass alles Andere leicht unscharf wird,<br />

HINWEIS<br />

Einen transportablen und schnell<br />

aufzubauenden Windschutz<br />

können Sie ganz einfach aus starker<br />

Plastikfolie herstellen, die von ein<br />

paar Aluminiumstangen in Position<br />

gehalten wird. Eine Alternative<br />

dazu ist z. B. ein Lastolite Cubelite,<br />

der kleinere Objekte vor Wind<br />

schützt und gleichzeitig als Diffusor<br />

dient.<br />

wodurch das Auge des<br />

Betrachters automatisch auf den<br />

von Ihnen beabsichtigte<br />

Bildbereich geführt wird.<br />

Achten Sie genau auf den<br />

Hintergrund Ihres Motivs. Einfachheit ist<br />

hier Trumpf. Ein leicht verwischter,<br />

unscharfer Hintergrund, aufgeräumt und ohne<br />

ablenkende Objekte, ist am besten. Um den zu<br />

bekommen, fotografieren Sie nur solche Blumen, die<br />

sich optisch leicht von ihrem Hintergrund isolieren<br />

lassen. Suchen Sie nach Exemplaren, die höher als<br />

die sie umgebenden Pflanzen gewachsen sind oder<br />

die in unkritischer Entfernung vom gewählten<br />

Hintergrund stehen. Entfernen Sie störendes Gras<br />

und Zweige mit einer Schere oder drücken Sie sie mit<br />

der Hand flach an den Boden. Stellen Sie sich selbst<br />

so, dass andere Blumen außerhalb des<br />

Schärfentiefebereichs einen schönen farbig<br />

verwaschenen Hintergrund abgeben.<br />

Sie müssen übrigens gar nicht in die freie Natur<br />

Oben: Die Schärfentiefe ist in der Makrofotografie<br />

hauchdünn, stellen Sie also besonders sorgfältig scharf.<br />

Rechts: Staubbeutel von Blüten sehen immer eindrucksvoll<br />

aus, wenn Sie die Makro-Aufnahmetechnik beherrschen.<br />

hinaus, um Blumen zu fotografieren. Sie können<br />

Blumen aus dem Garten holen oder Sie beim<br />

örtlichen Floristen kaufen. Innenaufnahmen<br />

ermöglichen Ihnen eine bessere Steuerung der<br />

Lichtverhältnisse, und Sie können den Hintergrund<br />

selbst bestimmen. Benutzen Sie farbigen Karton oder<br />

farbiges Tuch. Mit der Wahl der Farbe bestimmen Sie<br />

auch den Kontrast zum Motiv. Durch ein Fenster<br />

einfallendes Licht ergibt eine natürliche Beleuchtung.<br />

Wie immer ist das Licht von besonderer<br />

Bedeutung. Ein bedeckter Himmel liefert oft das<br />

beste Licht für Blumenfotos. Starkes, direktes Licht ist<br />

zu harsch und kontrastreich, wodurch Details und<br />

feine Farbabstufungen verloren gehen. Aufgrund der<br />

Transparenz vieler Pflanzenteile ist künstliches<br />

Gegenlicht als Beleuchtung für Pflanzen ebenfalls<br />

sehr gut geeignet.<br />

ISTOCK PHOTO<br />

Ohne Reflektor<br />

Mit Reflektor<br />

Oben: Welchen Nutzen die Verwendung eines Reflektors bietet,<br />

ist hier klar zu erkennen: Er eliminiert Schatten und holt Details<br />

des Motivs hervor.detail.<br />

ROSS HODDINOTT<br />

Ohne Reflektor<br />

Mit Reflektor<br />

Oben: Das satte Grün des Blattwerks wird durch einen<br />

Polfilter noch intensiver.<br />

ROSS HODDINOTT<br />

Zimmerpflanzen<br />

Wenn Sie Kulturpflanzen in geschlossenen Räumen aufnehmen, sind<br />

die Bedingungen besser zu steuern als in Freien. Wind braucht Sie nicht<br />

zu kümmern, und Sie können sich die Blumen genau aussuchen, damit<br />

Sie nur makellosen Exemplare vor der Kamera haben. Wählen Sie<br />

Blumen mit ausgeprägten Formen. Dazu zählen Gerbera, Dahlien,<br />

Lilien und Tulpen. Das durch ein Fenster ins Zimmer fallende Tageslicht<br />

ist eine schöne natürliche Lichtquelle. Arrangieren Sie die Pflanzen<br />

deshalb nah an einem Fenster. Ist das Licht zu stark, ziehen Sie eine<br />

Gardine vor, falls sie weiß ist; ansonsten behelfen Sie sich mit einem<br />

weißen Bettlaken. Damit Ihr Motiv gut zur Geltung kommt, gehen Sie<br />

nah heran und füllen das Sucherbild damit aus. Oder Sie nehmen<br />

Details wie Blütenblätter oder Blütenstaubbeutel in den Sucher. Dazu<br />

müssen Sie natürlich noch näher an das Motiv heran. Doch nirgendwo<br />

steht geschrieben, dass das gesamte Motiv scharf abgebildet werden<br />

muss. Eine weit offene Blende von f/2.8 oder f/4 erzeugt einen sehr<br />

schmalen Schärfentiefebereich und ermöglicht künstlerische, kreative<br />

Fotos.<br />

Probieren Sie auch verschiedene Blickwinkel aus, mit der Kamera hoch<br />

über dem Kopf oder sehr niedrigen Kamerastandpunkten können Sie<br />

besondere visuelle Eindrücke erreichen. Der Hintergrund sollte einfach<br />

gehalten werden. Farbiger Karton und farbige Textilien, die wenigstens<br />

30cm vom Motiv entfernt sind, sorgen für einen unaufdringlichen, das<br />

Motiv besonders hervorhebenden Hintergrund.


EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

Makro-<strong>Fotografie</strong> 119<br />

HELEN DIXON<br />

ISTOCK PHOTO<br />

Checkliste: Blumen<br />

❏ Achten Sie auf ein idealtypisches, makelloses Aussehen Ihrer<br />

Blumen, weil schon der kleinste Schönheitsfehler aufgrund der<br />

starken Vergrößerung Ihr Bild verderben kann.<br />

❏ Ein Polfilter reduziert Blendenflecke bzw. Reflexionen am<br />

Objekt und sorgt für eine natürliche Farbsättigung von Blüten<br />

und Blättern.<br />

❏ Wenn Sie das Motiv noch attraktiver gestalten wollen,<br />

besprühen Sie die Blumen mit Wasser aus einem Zerstäuber,<br />

wodurch Dutzende kleine, reflektierende Wassertropfen auf<br />

Blüten und Blättern entstehen.<br />

❏ Halten Sie das Setup so einfach wie möglich. Es sollte sich<br />

nichts im Bildausschnitt befinden, das nichts mit dem Motiv zu<br />

tun hat. Ein kurzer Schärfentiefebereich ist oft am besten<br />

geeignet, um Ihr Motiv visuell von seiner Umgebung zu isolieren.<br />

❏ Ein Reflektor ist besonders nützlich in der Pflanzenfotografie,<br />

um hässliche Schatten zu neutralisieren. Der Vorteil des<br />

Reflektors gegenüber dem Aufhellblitz ist, dass Sie seine Wirkung<br />

schon vor der Aufnahme erkennen können. Zur Steuerung der<br />

Intensität des reflektierten Lichts verändern Sie den Abstand des<br />

Reflektors zum Motiv.


120 Makro-<strong>Fotografie</strong> EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

Kreativ mit Nahaufnahmen<br />

Wenn Sie in die richtige Ausrüstung für die<br />

Makrofotografie investiert und Ihre<br />

Aufnahmetechnik verbessert haben, bieten sich<br />

Ihnen schier endlose Möglichkeiten, diese kreativ<br />

einzusetzen. Beschränken Sie sich nicht nur auf die<br />

offensichtlichsten Motive; sowohl zu Hause als<br />

auch in freier Natur finden Sie reichlich Anregung.<br />

Formatfüllende Nahaufnahmen abstrahieren Ihr<br />

Objekt, um mit minimalem Aufwand künstlerische<br />

Fotos zu erhalten. Natürlich sind die Wahl der<br />

Beleuchtung und der Kamerastandpunkt wichtig,<br />

doch oft hat die Wahl der Blende den größten<br />

Einfluss auf die Bildwirkung. Ein flacher<br />

Schärfebereich beispielsweise, der<br />

durch eine große Blende erzeugt<br />

wird, ist oft das beste Stilmittel für<br />

faszinierende Makrofotos. Sie<br />

brauchen gar nicht das Haus zu<br />

verlassen. Lebensmittel sind ein<br />

schöner Ausgangspunkt.<br />

Formen, Oberflächenstrukturen<br />

und Farben von Früchten und<br />

Gemüse sehen hervorragend aus,<br />

wenn Sie sie aus kürzester Entfernung<br />

fotografieren. Dünne Scheiben von<br />

Zitronen, Orangen und Kiwi entfalten im<br />

Gegenlicht eine ganz besondere Wirkung. Mit<br />

einem Lichtkasten, der starkes Gegenlicht erzeugt,<br />

betonen Sie die Transparenz dieser Objekte.<br />

Auch Bohnen, Erbsen und Maiskörner sind<br />

geeignete Objekte für Makrofotos. Sie können in<br />

Mustern oder voneinander getrennten<br />

Formationen arrangiert werden. Ein niedriger<br />

Kamerastandpunkt bei geringer Schärfentiefe<br />

erzeugt dabei interessante Ergebnisse.<br />

Rauchspuren sind ein weiteres Motiv, das Sie mit<br />

wenig Aufwand in den eigenen vier Wänden<br />

HINWEIS<br />

Einen Blick für kreative<br />

Makromotive entwickeln Sie<br />

am schnellsten, wenn Sie sich<br />

Aufgaben mit klarer<br />

Zielsetzung stellen. Zum<br />

Beispiel „10 Makromotive im<br />

Wohnzimmer am nächsten<br />

Wochenende“ und „5<br />

Makromotive im Garten am<br />

Wochenende darauf“...<br />

fotografieren können. Aufsteigender Rauch<br />

erzeugt vielfältige, sich ständig ändernde und<br />

überlagernde Formen und Linien.<br />

Räucherstäbchen sind am sichersten anzuwenden<br />

und sie erzeugen eine gut sichtbare Rauchdichte.<br />

Rauch kontrastiert am besten mit einem einfachen<br />

schwarzen Hintergrund – ein ausreichend großes<br />

schwarzes Tuch erfüllt diesen Zweck. Achten Sie<br />

darauf, dass das Räucherstäbchen sicher fixiert ist<br />

und benutzen Sie das Blitzgerät, um die<br />

Rauchschwaden seitlich zu beleuchten. Stellen Sie<br />

eine relativ kurze Verschlusszeit ein, im Bereich von<br />

1/200 Sekunde und schießen Sie eine<br />

Bildserie, damit Sie unterschiedliche<br />

Rauchmuster einfangen. Bei der<br />

Nachbearbeitung können Sie das<br />

Foto invertieren und zusätzlich<br />

noch Farbe hinzufügen, um ein<br />

künstlerisch wirkendes Bild zu<br />

bekommen.<br />

Auch Wassertropfen sind<br />

fantastische Makromotive. Mit<br />

einem Zerstäuber können Sie<br />

kleine Wassertropfen auf das Objekt<br />

sprühen, das Sie fotografieren. Dadurch<br />

bekommt das Foto einen Maßstab und abgebildete<br />

Objekte wirken attraktiver. Zusätzlich reflektiert<br />

jeder einzelne Wassertropfen in der Nähe<br />

befindliche Objekte wodurch sich großartige<br />

Möglichkeiten für Nahaufnahmen ergeben. Sie<br />

können auch einen einzigen Tropfen aufnehmen,<br />

der auf eine Wasseroberfläche trifft. Dazu hängen<br />

Sie eine mit Wasser gefüllte Plastiktüte über ein<br />

Waschbecken oder eine Schüssel. Stellen Sie eine<br />

Blende in der Gegend von f/11 ein, damit Sie eine<br />

praktikable Schärfentiefe bekommen und stellen<br />

Sie die Blitzsynchronisationszeit Ihrer Kamera ein,<br />

Natürlich sind die Wahl der Beleuchtung und der<br />

Kamerastandpunkt wichtig, doch oft hat die Wahl der Blende<br />

den größten Einfluss auf die Bildwirkung.<br />

Spaßprojekte<br />

<strong>Fotografie</strong>ren soll Spaß machen. Inspirieren Sie<br />

Ihre Vorstellungskraft und scheuen Sie dabei<br />

nicht vor Experimenten zurück. Besorgen Sie<br />

sich z. B. Buchstabennudeln und probieren Sie,<br />

was sich damit anstellen lässt: lustige<br />

Wortschöpfungen und witzige Nachrichten<br />

sind längst nicht alles…<br />

Diese Art der Nahfotografie verbessert Ihre<br />

kreativen Fähigkeiten. Wenn Sie Ihre<br />

Bildelemente kombiniert haben, ist die<br />

Aufnahme selbst oft der einfachste Teil des<br />

ganzen Projekts.<br />

Oben: Probieren Sie Buchstabennudeln als Makromotiv!<br />

Unten und unten links: Die Beleuchtung ist ein<br />

wichtiger Aspekt der Nahfotografie. Bei Porträts hilft sie<br />

dabei, Linien und Formen zu unterstreichen, und bei<br />

transparenten Objekten hebt sie die Farben effektvoll im<br />

Gegenlicht hervor.<br />

ISTOCK PHOTO<br />

ISTOCK PHOTO


Makro-<strong>Fotografie</strong> 121<br />

ISTOCK PHOTO<br />

Oben: Oberflächenstrukturen sind großartige Motive<br />

für Makrofotos, z. B. verwittertes Holz oder abblätternde<br />

Farbe.<br />

Rechts: Wassertropfen sind ein klassisches Makromotiv.<br />

Ganz rechts: Mit Räucherstäbchen erzeugen Sie<br />

Rauchspuren, die träumerische, sehr fotogene Muster<br />

entstehen lassen.<br />

ISTOCK PHOTO<br />

ISTOCK PHOTO<br />

typischerweise 1/250 Sekunde. Bauen Sie das<br />

Blitzgerät seitlich auf und regeln Sie dessen<br />

Leistung auf 1/64 oder 1/32 herunter. Das verkürzt<br />

die Blitzzeit. Nun nehmen Sie eine Nadel und<br />

stechen unten in die Plastiktüte ein Loch, wodurch<br />

ein konstantes Tropfen erzeugt wird. Halten Sie<br />

einen Bleistift an der Stelle ins Wasser, an der die<br />

Wassertropfen auf die Wasseroberfläche<br />

aufschlagen und stellen Sie manuell auf diesen<br />

Punkt scharf. Nun versuchen Sie, genau in dem<br />

Moment auszulösen, in dem die Tropfen auf das<br />

Wasser treffen – als Ergebnis bekommen Sie<br />

künstlerische Wasserskulpturen. Sie können dieses<br />

Motiv variieren, indem Sie Milch oder gefärbtes<br />

Wasser benutzen.<br />

Auch verfallende Objekte sind sehr gute<br />

Makromotive. Abblätternde Farbe, zersplittertes<br />

Glas und rostige Maschinenteile gehören<br />

normalerweise nicht zu den Objekten, die wir<br />

fotografieren würden, doch ein Makrofoto zeigt<br />

deren interessante Oberflächenstrukturen und<br />

Details. Dadurch lässt sich ein künstlerischer Effekt<br />

erreichen, besonders wenn Sie das Foto später in<br />

Schwarzweiß konvertieren. Eine Kombination aus<br />

geringem Kontrast und diffusem Licht wird solchen<br />

Motiven am besten gerecht. Hafenanlagen,<br />

Friedhöfe, verfallene Gebäude, Werkstätten und<br />

Bauernhöfe sind Orte, an denen Sie eine Fülle<br />

solcher Motive finden.<br />

Die Liste für die Makrofotografie geeigneter<br />

Objekte ist endlos. Viele können Sie zu Hause<br />

aufnehmen, wo Sie vom Wetter unabhängig sind.<br />

Zur Übung sollten Sie sich ein konkretes Projekt<br />

vornehmen, zum Beispiel die Aufgabe,<br />

ausschließlich die Lebensmittel, Besteck und<br />

Kochutensilien Ihrer Küche zu fotografieren. Mit ein<br />

wenig Fantasie und einem kreativen Ansatz ist<br />

praktisch jedes Objekt für Makroaufnahmen<br />

geeignet.


122 Sport und Action EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

Sport und Action<br />

Sport- und Action-Fotos erfordern eine bestimmte Aufnahmetechnik, die manchmal<br />

wiederum spezielle Ausrüstung erfordert. Wir zeigen Ihnen hier, worauf es ankommt.<br />

Können Sie sich mit einer Hand über den Kopf<br />

streichen, während Sie sich mit der anderen Hand<br />

kreisförmig den Bauch reiben? Die Frage mag sich<br />

dumm anhören, aber sie ist relevant, denn die Sportund<br />

Action-<strong>Fotografie</strong> verlangt vergleichbare<br />

Fähigkeiten. Sie müssen mehrere Handlungen<br />

gleichzeitig ausführen und jede einzelne verlangt<br />

Können und Konzentration. Wenn Sie einen Moment<br />

nicht aufpassen, ist die Gelegenheit vorüber.<br />

Das Problem ist vergleichbar mit dem des<br />

Jonglierens mit Tellern: Entweder Sie können es, und<br />

die Teller bleiben oben, oder Sie können es nicht, und<br />

die Teller fallen herunter. Dazwischen gibt es nichts.<br />

Glücklicherweise kann es jeder lernen; was Sie<br />

brauchen ist Übung, Geduld und Ausdauer. Die Kunst<br />

guter Actionfotografie besteht darin, den Bruchteil<br />

einer Sekunde vorherzusehen, in dem das Geschehen<br />

seinen Höhepunkt erreicht. Dazu müssen Sie Ihre<br />

Ausrüstung gut genug beherrschen, dass Sie sie schnell<br />

und instinktiv benutzen können und Sie müssen<br />

Schärfe, Verschlusszeit und Blende schnell einstellen<br />

können. Darüber hinaus sollten Sie etwas von dem<br />

Thema verstehen, dass Sie fotografieren, damit Sie<br />

planen und erkennen können, wann wahrscheinlich<br />

eine fotogene Szene aufkommen wird.<br />

Genau den richtigen Moment abzupassen, ist bei<br />

manchen Sportarten einfacher als bei anderen. In<br />

vielen Fällen gibt es den Moment, wenn alles<br />

zusammenkommt und die Zeit sich zu verlangsamen<br />

scheint. Denken Sie an einen Stabhochspringer, wenn<br />

er die Latte passiert. Wenn er die erforderliche Höhe<br />

erreicht hat und seinen Rücken durchbiegt, gibt es<br />

einen Moment, an dem er still in der Luft zu verharren<br />

scheint; oder denken Sie an den Tennisspieler beim<br />

Aufschlag. Er ist am einfachsten zu fotografieren, wenn<br />

er den Ball gerade senkrecht hochgeworfen hat und<br />

den Tennisschläger über den Kopf nach hinten<br />

schwingt. Diese entscheidenden Momente sind<br />

einfacher einzufangen, weil sie genau vorhersehbar<br />

sind – Sie wissen genau, was passieren wird und wann<br />

es passieren wird, also können Sie es planen und sich<br />

darauf vorbereiten.<br />

AUSRÜSTUNG<br />

Moderne Fotoausrüstung ist für Action-Fotos<br />

bestens geeignet. Neuere Kameras haben einen<br />

sehr schnellen und präzisen Autofokus, hohe<br />

Bildfrequenzen der Serienbildfunktion und<br />

verblüffend leistungsfähige<br />

Belichtungsmesssysteme. All das macht die<br />

technischen Voraussetzungen für Action-Fotos<br />

einfacher als je zuvor. Sie brauchen keine extrem<br />

teuren Kameramodelle mehr, schon Einsteiger-<br />

DSLRs sind geeignet. An der Kamera liegt es heute<br />

also nicht mehr, wenn Sie keine guten Action-<br />

Fotos nach Hause bringen.<br />

Was die Objektive betrifft, sind Sie mit dem<br />

üblichen Brennweitenumfang gut gerüstet. Die<br />

meisten Sport- und Action-Bilder werden mit<br />

Tele-Festbrennweiten oder Telezooms<br />

geschossen, wobei das Objekt vergrößert und der<br />

Hintergrund durch geringe Schärfentiefe unscharf<br />

abgebildet wird.<br />

Ein Standard 70–300mm f/4-5.6 Telezoom-<br />

Objektiv reicht allemal aus. Natürlich ist es nicht so<br />

extrem leistungsfähig wie ein 300mm f/2.8<br />

Objektiv, aber dafür kostet es auch keine 6000€.<br />

Wenn beispielsweise die Verschlusszeit bei Blende<br />

f/5.6 nicht kurz genug ist, erhöhen Sie den<br />

ISO-Wert auf 200, 400 oder 800 – heutige<br />

Digitalkameras bieten bis ISO800 hervorragende<br />

Bildqualität, also nutzen Sie diese ISO-Werte und<br />

sparen eine Menge Geld. Vielleicht glauben Sie<br />

auch, 300mm Brennweite seien nicht genug, aber<br />

bei einer Kamera mit APS-C Sensor entsprechen<br />

300mm immerhin etwa 450mm im<br />

Kleinbildformat, und das ist schon eine ordentliche<br />

Telekanone, die fast immer ausreicht.<br />

Man braucht übrigens nicht grundsätzlich lange<br />

Brennweiten. Viele Action-Motive können aus<br />

kurzem Abstand fotografiert werden, insofern ist<br />

schon ein Standard-Zoom im Bereich von<br />

ISTOCK PHOTO<br />

Benutzen Sie einen Telekonverter an Ihrem Objektiv, und Sie kommen noch näher heran.<br />

Näher an der Action mit dem Telezoom<br />

18–55mm oftmals genug und manchmal ist sogar<br />

ein 10–20mm Weitwinkel-Zoom gefragt. Es hat<br />

nämlich den Vorteil, dass es Sie zwingt, näher<br />

heranzugehen, wodurch die Bilder eine bessere<br />

Dynamik bekommen, als wenn Sie ein Telezoom<br />

aus 150m Distanz benutzen.<br />

Was die Bildkomposition betrifft, unterscheiden<br />

sich beide ebenfalls ganz erheblich. Bei größerer<br />

Schärfentiefe wird ein größerer Bereich Ihres<br />

Objekts scharf abgebildet und die Verzerrung durch<br />

das Weitwinkel lässt die Bilder dramatischer<br />

aussehen.<br />

Nicht zuletzt sind Weitwinkelobjektive einfacher<br />

zu handhaben. Sie sind leichter, die<br />

Verwacklungsgefahr ist geringer und der bessere<br />

Schärfentiefebereich gibt Ihnen eine höhere<br />

Toleranz für kleine Fehler beim Scharfstellen. Im<br />

Gegensatz dazu wirken Aufnahmen mit<br />

Teleobjektiv gedrängter und flacher. Außer dem<br />

sind Teleobjektive schwerer und deswegen<br />

umständlicher zu benutzen, die ist Schärfentiefe<br />

begrenzt, und Sie müssen sehr präzise scharfstellen.<br />

Benutzen Sie grundsätzlich eine<br />

Gegenlichtblende, die auftretende Blendenflecke


EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

Sport und Action 123<br />

reduziert, besonders mit Weitwinkel bei sonnigem<br />

Wetter. Filter werden Sie in der Action-<strong>Fotografie</strong><br />

kaum brauchen, abgesehen von einem Graufilter<br />

vielleicht, mit dem Sie die Verschlusszeit<br />

verlängern.<br />

Beim Einsatz eines Teleobjektivs kann es<br />

sinnvoll sein, ein Einbeinstativ zu benutzen. Es gibt<br />

Ihnen noch genug Bewegungsfreiheit beim<br />

Verfolgen Ihres Motivs und beim Schwenken, aber<br />

es nimmt das Gewicht von Kamera und Objektiv<br />

auf und reduziert das Verwacklungsrisiko. Nicht<br />

zuletzt gibt es Ihnen einen definierten Drehpunkt<br />

für Kameraschwenks, was den Schwenk erheblich<br />

erleichtert.<br />

Dreibeinstative sind zu unhandlich für<br />

Action-Fotos, doch wenn Sie eine sehr langsame<br />

Verschlusszeit verwenden, um die Bewegung in<br />

einer Szene aufzunehmen, brauchen Sie trotzdem<br />

eins, sonst würde das gesamte Bild verwackeln.<br />

Dasselbe gilt für das Auslösen. Meistens werden<br />

Sie den Auslöser mit dem Finger herunterdrücken,<br />

doch das bedeutet, dass Sie nah bei der Kamera<br />

bleiben müssen. Mit einem Infrarot-Fernauslöser<br />

hingegen können Sie die Kamera nah am Ort des<br />

Geschehens aufbauen und aus größerer<br />

Entfernung auslösen. Manchmal ist das schon<br />

allein aus Sicherheitsgründen notwendig,<br />

andererseits gestattet der Fernauslöser Ihnen<br />

auch nah am Boden befindliche<br />

Kamerastandpunkte und steile Blickwinkel. Das<br />

kann beispielsweise an einer Pferderennbahn<br />

nützlich sein, an einer Motocross-Strecke oder<br />

bei einer Hürde in einem Leichtathletik-Stadion.<br />

Mit Fernauslöser können Sie auch lustige Szenen<br />

einfangen, etwa Kinder, die über die nah am<br />

Boden befindliche Kamera springen.<br />

Nicht zuletzt hat auch das Blitzgerät seine<br />

Daseinsberechtigung in der Action-<strong>Fotografie</strong>,<br />

nämlich zum „Einfrieren“ extrem schneller<br />

Bewegungen oder für kreative<br />

Aufnahmetechniken, bei denen Sie einen kurzen<br />

Blitz mit langer Verschlusszeit kombinieren, um<br />

bestimmte Bildteile scharf, andere aber<br />

verschwommen darzustellen. Der kameraeigene<br />

Miniblitz ist dazu vielleicht nicht stark genug,<br />

aber ein aufgestecktes Elektronenblitzgerät hat<br />

die erforderliche Leistung, experimentieren Sie<br />

also mit beiden.<br />

ISTOCK PHOTO<br />

Wesentliches Zubehör<br />

Objektive: Telezooms sind<br />

eine gute Wahl für<br />

Action-Bilder, denn Sie geben<br />

Ihnen einen sicheren<br />

Abstand zu Ihrem Objekt.<br />

Mit einem 70-300mm f/4-5.6 Telezoom holen<br />

Sie Ihr Motiv formatfüllend heran. Ein<br />

eingebauter Bildstabilisator ist umso<br />

hilfreicher, je weiter Sie heranzoomen. Am<br />

besten ist ein Modell mit 70-200mm oder<br />

70-300mm Brennweite und + f/2.8 als<br />

kleinstem Blendenwert, dass Ihnen auch bei<br />

schlechtem Licht kurze Verschlusszeiten<br />

ermöglicht, doch diese Lichtstärke ist teuer zu<br />

bezahlen und solche Objektive sind sehr<br />

schwer.<br />

Einbeinstativ: Einfacher zu<br />

handhaben als ein<br />

Dreibeinstativ, nimmt es nicht<br />

nur das Gewicht der Kamera<br />

auf, sondern es stabilisiert sie<br />

auch, was Ihnen kürzere Verschlusszeiten als<br />

aus der Hand erlaubt. Außerdem liefert es<br />

Ihnen einen guten Drehpunkt beim<br />

Schwenken. Achten Sie beim Kauf darauf,<br />

dass es eine komfortable Arbeitshöhe bietet,<br />

sonst müssen Sie dauernd vorübergebeugt<br />

stehen, wenn Sie durch den Sucher schauen.<br />

Blitzgerät: Sinnvoll zum<br />

„Einfrieren“ der Action bei<br />

schlechtem Licht. Versuchen<br />

Sie einen kurzen Blitz bei<br />

langer Verschlusszeit, mit<br />

dem Sie einerseits die Dynamik der<br />

Bewegungsunschärfe, andererseits aber ein<br />

gestochen scharfes Objekt abbilden können.<br />

Telekonverter:<br />

Ein kostengünstiger Weg zur<br />

„Reichweitenverlängerung“<br />

bereits vorhandener<br />

Objektive ist ein<br />

Telekonverter. Er wird zwischen<br />

Kameragehäuse und Objektiv angebracht<br />

und erzeugt Vergrößerungsfaktoren des 1,4-,<br />

1,5-, 1,7-, 2- oder sogar 3-fachen der<br />

vorhandenen Brennweite. So wird aus einem<br />

70–200mm-Objektiv mit 2-fachem<br />

Telekonverter ein 140–400mm-Objektiv.<br />

Allerdings verlieren Sie Lichtstärke: beim<br />

1,4-fach-Konverter ca. eine Blendenstufe,<br />

beim 3-fach-Konverter ca. drei<br />

Blendenstufen. Weiter ist zu beachten, dass<br />

der Autofokus Ihrer Kamera mindestens eine<br />

Blendenöffnung von f/5.6 braucht, damit er<br />

funktionieren kann. Ein 2-fach-Telekonverter<br />

macht also aus einer maximalen Blende von<br />

f/4 eine maximale Blende von f/8, sodass der<br />

Autofokus nicht mehr funktioniert.<br />

Speicherkarten: Bei<br />

Actionfotos sollte die<br />

Schreibgeschwindigkeit der<br />

eingelegten Speicherkarte so<br />

hoch wie möglich sein.<br />

Karten mit Schreibgeschwindigkeiten ab 133x<br />

sind notwendig, sonst ist der Pufferspeicher<br />

der Kamera bei Bildserien zu schnell voll, und<br />

die Serie bricht ab.


124 Sport und Action EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

Aufnahmetechniken<br />

Präzises Timing und akkurates Scharfstellen sind die Schlüssel, um Action einzufangen.<br />

Bewegung einfrieren<br />

Wenn Sie die Bewegung eines<br />

schnellen Objekts einfangen<br />

wollen, brauchen Sie eine kurze<br />

Verschlusszeit.<br />

ISTOCK PHOTO<br />

DIE BEDEUTUNG DER VERSCHLUSSZEIT<br />

Die benötigten Verschlusszeiten für schnelle<br />

Bewegungen hängen von drei Faktoren ab: erstens,<br />

wie schnell sich ein Objekt bewegt, zweitens, wie<br />

weit es von der Kamera entfernt ist und drittens von<br />

seiner Richtung. Bewegt sich das Objekt frontal auf<br />

Sie zu, kommen Sie mit einer längeren<br />

Verschlusszeit aus als wenn es seitlich vorbeizieht.<br />

Ist ein Objekt formatfüllend im Sucher, brauchen Sie<br />

zum Einfrieren eine kürzere Verschlusszeit als wenn<br />

es nur einen kleinen Teil des Suchers einnimmt.<br />

1/1000 oder 1/2000 Sekunde ist kurz genug, um<br />

die meisten Objekte einzufrieren, sofern die<br />

Lichtverhältnisse so kurze Verschlusszeiten<br />

erlauben. Orientieren Sie sich an der Tabelle mit den<br />

typischen Mindestverschlusszeiten für ausgewählte<br />

Objekte, die Sie auf der nächsten Seite finden.<br />

Wenn Sie die Blendenautomatik nutzen, wählen<br />

Sie die gewünschte Verschlusszeit aus, sodass die<br />

Kamera automatisch die passende Blende einstellt.<br />

Falls die erforderliche Blende größer ist als die<br />

maximal einstellbare Blende des Objektivs, müssen<br />

Sie eine längere Verschlusszeit wählen oder die<br />

ISO-Empfindlichkeit erhöhen. Wenn Sie<br />

beispielsweise bei ISO200 mit Ihrem Objektiv nur<br />

eine 1/250 Sekunde erreichen können, geben Ihnen<br />

ISO400 schon 1/500 Sekunde und ISO800 bereits<br />

1/1000 Sekunde.<br />

Natürlich müssen Sie nicht grundsätzlich<br />

MINIMALE VERSCHLUSSZEITEN<br />

Motiv<br />

Ganzer<br />

Bildausschnitt<br />

Verschlusszeiten benutzen, die die Objekte<br />

„einfrieren“. Wenn Sie eine langsamere Verschlusszeit<br />

verwenden, um bewusst Bewegungsunschärfe<br />

aufzunehmen, kann das viel dramatischere Fotos<br />

hervorbringen, weil dadurch die Bewegung sichtbar<br />

wird.<br />

Eine Option ist es, die Kamera zu fixieren, so dass<br />

Ihr Objekt verschwimmt, wenn es sich<br />

vorbeibewegt, während der Hintergrund scharf<br />

bleibt. Ein Beispiel für diese Aufnahmetechnik ist das<br />

Foto von den Berufspendlern, die morgens aus dem<br />

gerade in den Bahnhof eingefahrenen Zug steigen<br />

Halber<br />

Bildausschnitt<br />

45 Grad zur<br />

Kamera<br />

Frontal<br />

Jogger 1/250 Sek 1/125 Sek 1/125 Sek 1/60 Sek<br />

Pferd im Schritt 1/250 Sek 1/125 Sek 1/125 Sek 1/60 Sek<br />

Radfahrer/Sprinter 1/500 Sek 1/250 Sek 1/250 Sek 1/125 Sek<br />

Fahrzeug bei 65 km/h 1/500 Sek 1/250 Sek 1/250 Sek 1/125 Sek<br />

Fahrzeug bei 130 km/h 1/1000 Sek 1/500 Sek 1/500 Sek 1/250 Sek<br />

Pferd im Galopp 1/1000 Sek 1/500 Sek 1/500 Sek 1/250 Sek<br />

Tennisaufschlag 1/1000 Sek 1/500 Sek 1/500 Sek 1/250 Sek<br />

Formel 1 Rennen 1/2000 Sek 1/1000 Sek 1/1000 Sek 1/500 Sek<br />

Fahrender Zug 1/2000 Sek 1/1000 Sek 1/1000 Sek 1/500 Sek<br />

und eilig den Rolltreppen zustreben.<br />

Experimentieren Sie mit Verschlusszeiten von 1/2<br />

Sekunde bis zu mehreren Sekunden, um den Grad<br />

der Bewegungsunschärfe zu variieren. Die<br />

Aufnahmetechnik funktioniert selbstverständlich<br />

auch bei einzelnen, sich bewegenden Objekten, wie<br />

einem Auto, einem Radfahrer oder einem<br />

Fußgänger. Experimentieren Sie auch hier mit<br />

unterschiedlichen Verschlusszeiten, in diesem Fall<br />

vielleicht mit Zeiten zwischen 1/30 Sekunde und 1/2<br />

Sekunde, je nach Tempo und angestrebter<br />

Bewegungsunschärfe des Objekts.


EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

Sport und Action 125<br />

ISTOCK PHOTO<br />

Üben Sie Schwenks<br />

Diese Aufnahmetechnik will gelernt<br />

sein, doch wenn Sie sie beherrschen,<br />

werden Ihre Actionfotos erst richtig<br />

Eindruck machen.<br />

Aufnahmetechnik<br />

SCHWENKEN<br />

Eine weitere Aufnahmetechnik ist der Schwenk mit<br />

langer Verschlusszeit. Die Kamera wird mit dem<br />

beweglichen Objekt geschwenkt, wobei die<br />

Drehung aus der Hüfte kommt und Sie gleichzeitig<br />

den Auslöser drücken. Dadurch entsteht ein Bild,<br />

auf dem das Objekt scharf abgebildet, der<br />

Hintergrund aber verwischt ist. Diese<br />

Aufnahmetechnik wird gerne in der Sportfotografie<br />

eingesetzt, besonders im Motorsport.<br />

Es funktioniert so: Zuerst stellen Sie die<br />

Belichtung ein und wählen eine geeignete<br />

Verschlusszeit (s. Tabelle oben), dann schalten Sie<br />

die Kamera auf kontinuierlichen Autofokus und<br />

aktivieren ggf. zusätzlich die Serienbildfunktion.<br />

Wenn sich das Objekt auf Sie zu bewegt, verfolgen<br />

Sie es bis zu einem Punkt genau Ihnen gegenüber,<br />

wobei Sie die Kamera in demselben Tempo<br />

bewegen wie das Objekt. Jetzt drücken Sie den<br />

Auslöser und schwenken die Kamera, bis die<br />

Aufnahme oder Bildserie im Kasten ist. Schwenken<br />

Sie dabei die Kamera weiter, damit sich eine weiche,<br />

geradlinige Bewegung ergibt.<br />

Das hört sich ganz leicht an, hat aber seine<br />

Tücken und es braucht einige Übung, bis Sie es<br />

beherrschen. Entscheidend ist die weiche,<br />

Zu schnell geschwenkt Zu langsam geschwenkt<br />

horizontale Drehung aus der Hüfte. Die gelingt am<br />

besten, wenn Sie die Kamera ans Auge nehmen und<br />

gleichzeitig die Ellbogen in die Seite stemmen.<br />

Weiterhin müssen Sie die Kamera so exakt wie<br />

möglich horizontal schwenken, damit keine<br />

vertikale Bewegung hinzukommt. Falls Ihr Schwenk<br />

„uneben“ ist, oder das aufgenommene Objekt sich<br />

selbst vertikal bewegt, nehmen Sie sowohl dessen<br />

Bewegungsunschärfe als auch die durch den<br />

Schwenk erzeugte Unschärfe des Hintergrunds auf.<br />

Das kann zwar sehr dynamische Bilder ergeben, der<br />

Effekt ist jedoch sehr schwer zu steuern.<br />

Orientieren Sie sich zu Beginn an der Tabelle auf<br />

LEE FROST<br />

der vorherigen Seite, um den Geschwindigkeiten<br />

der unterschiedlichen Objekte die passende<br />

Verschlusszeit zuzuordnen. Wenn Sie mehr Übung<br />

haben und ihre Aufnahmetechnik besser wird,<br />

beginnen Sie, mit längeren Verschlusszeiten zu<br />

arbeiten, was für deutlichere Darstellung der<br />

Bewegung sorgt. Entsprechend dramatischer wird<br />

der Bildeindruck. Doch je länger die Verschlusszeit,<br />

desto schwieriger wird es, das sich bewegende<br />

Objekt scharf zu halten und umso mehr wird der<br />

Hintergrund verschwimmen, wodurch der Eindruck<br />

der Geschwindigkeit über das reale Maß hinaus<br />

übertrieben wird.<br />

ISTOCK PHOTO


126 Sport und Action EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

Richtig<br />

scharfstellen<br />

Präzises Scharfstellen ist unbedingt<br />

erforderlich, wenn Sie schnelle<br />

Objekte gestochen scharf abbilden<br />

wollen.<br />

Prefocus<br />

JORDAN BUTTERS<br />

In der Actionfotografie kommt dem<br />

Scharfstellen besondere Bedeutung zu, denn<br />

Sie haben es nicht nur mit beweglichen<br />

Objekten zu tun, was das Scharfstellen schon<br />

grundsätzlich erschwert, sondern benutzen<br />

oft ein Teleobjektiv mit weit offener Blende,<br />

das die Schärfentiefe reduziert. Dabei<br />

können Sie sich nicht den kleinsten Fehler<br />

erlauben. Abhängig von der Art des Objekts<br />

gibt es zwei Möglichkeiten, trotzdem<br />

zu scharfen Fotos zu kommen: vorher<br />

scharfstellen und den kontinuierlichen<br />

Autofokus.<br />

VORHER SCHARFSTELLEN<br />

Bei dieser Methode stellen Sie auf einen Punkt scharf,<br />

von dem Sie wissen, dass das zu fotografierende<br />

Objekt ihn kreuzen wird, ein Punkt auf der Fahrbahn<br />

einer Rennstrecke beispielsweise. Alles was Sie dann<br />

noch tun müssen, ist warten, bis Ihr Objekt genau über<br />

diesen Punkt fährt und im richtigen Bruchteil der<br />

entscheidenden Sekunde auslösen. Wichtig dabei ist,<br />

dass Sie die Zeitverzögerung berücksichtigen, die der<br />

Nervenimpuls von Ihrem Gehirn zum Auslösefinger<br />

braucht; nach dem Druck auf den Auslöser gibt es eine<br />

weitere minimale Verzögerung, bis sich der Verschluss<br />

schließlich öffnet und Licht auf den Kamerasensor fällt.<br />

Ist Ihr Objekt bereits scharf abgebildet, wenn Sie den<br />

Auslöser drücken, ist es vielleicht schon aus dem<br />

Schärfebereich heraus, wenn sich der Verschluss<br />

öffnet. Je schneller das Objekt, je länger die<br />

Brennweite und je weiter die Blende geöffnet ist, umso<br />

wahrscheinlicher ist dies der Fall.<br />

Wenn Sie den Autofokus benutzen, schalten Sie ihn<br />

auf „Einzelpunkt“ und die Betriebsart der Kamera auf<br />

„Einzelbild“. Nun drücken den Auslöser halb durch,<br />

wodurch der Fokus „verriegelt“ wird. Halten Sie den<br />

Auslöser solange halb gedrückt, bis das erwartete<br />

Objekt ins Bild kommt und lösen aus. Alternativ<br />

drücken Sie die „AF On“-Taste, was den Fokus ebenfalls<br />

verriegelt, aber ohne dass Sie den Auslöser weiterhin<br />

halb gedrückt halten müssten. Die letzte Möglichkeit<br />

ist das manuelle Scharfstellen auf den vorab<br />

bestimmten Punkt.<br />

Für vorheriges Scharfstellen müssen Sie genau wissen,<br />

welchen Weg das bewegliche Objekt nehmen wird. Arbeiten<br />

Sie dabei mit dem Einzelpunkt–AF und der AE-Lock-Funktion.<br />

SCHÄRFE NACHFÜHREN<br />

Kontinuierliches Scharfstellen bzw. „Nachführen der<br />

Schärfe“ bedeutet, dass die Kamera auf das bewegliche<br />

Objekt scharf stellt und die Schärfe automatisch nachregelt,<br />

während Sie es permanent im Sucher halten. Wenn das zu<br />

fotografierende Ereignis seinen Höhepunkt erreicht, lösen<br />

Sie aus. Dieser Ansatz des Scharfstellens eignet sich besser<br />

für Objekte, deren Bewegung nicht vorhersehbar ist, etwa<br />

beim Fußball.<br />

Bevor der Autofokus erfunden wurde, brauchte man viel<br />

Übung, um ein Objekt manuell im Schärfebereich zu halten.<br />

Moderne Autofokussysteme dagegen sind so schnell und<br />

genau, dass selbst Neulinge Bilder mit perfekter Schärfe<br />

erreichen können. Stellen Sie den Autofokus so ein, dass er<br />

einen gewählten Punkt des anvisierten Objekts<br />

kontinuierlich im Schärfebereich hält. Die neuesten DSLRs<br />

haben Autofokussysteme mit variablen Schärfepunkten,<br />

Gesichterkennung und weiteren Funktionen, die Ihnen<br />

helfen das gewünschte Objekt anzuvisieren.<br />

Es lohnt sich jedoch, den kontinuierlichen Autofokus<br />

ausgiebig zu testen, um herauszufinden, wie<br />

reaktionsschnell das Autofokussystem Ihrer Kamera ist. Es<br />

sollte möglich sein, eine Bildsequenz zu schießen, bei der<br />

jedes Einzelbild scharf wird. Außerdem ist es sinnvoll zu üben,<br />

den Autofokuspunkt mit der Kamera am Auge zu wechseln,<br />

um den Autofokusbereich schnell an veränderliche<br />

Situationen anzupassen und sicherzustellen, dass der<br />

Schärfebereich genau dort liegt, wo Sie ihn brauchen.<br />

ISTOCK PHOTO<br />

Weitere Optionen beim Scharfstellen<br />

SELEKTIVE SCHÄRFEPUNKTGRUPPEN<br />

Wenn Sie ein fortschrittliches<br />

Kameramodell benutzen, bietet es<br />

wahrscheinlich mehrere Autofokuspunkte.<br />

Finden Sie heraus, ob sie Punkte<br />

gruppieren können, denn das erhöht die<br />

Genauigkeit des Autofokus.<br />

SEPARATE SCHÄRFETASTE<br />

Immer mehr Kameras haben eine „AF<br />

On“-Taste auf der Rückseite. Mit dieser<br />

Taste können Sie vom Auslöser<br />

unabhängig scharfstellen, was von vielen<br />

professionellen Fotografen gerne genutzt<br />

wird.<br />

FOKUSFALLE<br />

Dies ist eine Funktion, die noch nicht so<br />

sehr verbreitet ist, sie soll aber trotzdem<br />

erwähnt werden. Die Fokusfalle erlaubt es,<br />

die Kamera so einzustellen, dass das<br />

Autofokussystem permanent auf eine<br />

bestimmte Distanz scharfstellt. Wenn das<br />

bewegliche Objekt diese Distanzzone<br />

erreicht, löst die Kamera automatisch aus.


EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

Sport und Action 127<br />

ISTOCK PHOTO<br />

Scharfschütze<br />

Um Tiere in schneller<br />

Bewegung scharf zu<br />

fotografieren, brauchen Sie<br />

viel Routine.


128 Sport und Action EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

Familienspaß<br />

Ein turbulentes Familienleben bietet ein<br />

weites Übungsfeld – ein guter Einstieg in<br />

die Actionfotografie<br />

IMAGES: ISTOCK PHOTO<br />

Das Missverständnis ist verbreitet, man könne nur<br />

bei großen Sportveranstaltungen Actionfotos in den<br />

Kasten bekommen. Allerdings sind wir auch im<br />

Alltag von Action umgeben, und im Gegensatz zu<br />

Sportveranstaltungen ist er nicht nur naheliegender,<br />

sondern oft auch fotografisch interessanter.<br />

Wenn Sie Kinder haben, herrscht kein Mangel an<br />

Motiven, und in den Sommerferien haben Sie viele<br />

Gelegenheiten, sie mit der Kamera zu begleiten.<br />

<strong>Fotografie</strong>ren Sie sie in einem Swimmingpool oder<br />

am Strand im Meer plantschend, wobei Sie eine<br />

kurze Verschlusszeit benutzen, um das Wasser<br />

einzufrieren oder eine lange Verschlusszeit, um es<br />

verschwimmen zu lassen. Lassen Sie sie<br />

sich mit dem Gartenschlauch und mit<br />

Wasserpistolen bespritzen,<br />

während Sie aus sicherer Distanz<br />

fotografieren. Fußball, mit dem<br />

Hund durch den Park rennen,<br />

Frisbee am Strand, Reiten,<br />

Radfahren, Skateboard fahren<br />

– all diese Situationen und<br />

Freizeitbeschäftigungen schaffen<br />

ideale Voraussetzungen für<br />

Action-Schnappschüsse. Wenn Sie<br />

dabei mit den hier besprochenen<br />

Aufnahmetechniken arbeiten, werden Sie definitiv<br />

ein paar spektakuläre Bilder machen – es geschieht<br />

zwangsläufig.<br />

Kinder lieben es im Mittelpunkt zu stehen,<br />

deswegen können Sie durchaus auch gestellte<br />

Situationen fotografieren, die sich nicht oft zufällig<br />

bieten. Lassen Sie sie die Kinder in Richtung Kamera<br />

rennen, während Sie eine schnelle Bildserie<br />

schießen oder lassen Sie sie über eine improvisierte<br />

Hürde springen, während Sie am Boden liegen und<br />

sie mit dem Himmel als Hintergrund fotografieren.<br />

Auch ein Trampolin ist hervorragend geeignet für<br />

Action-Fotos. Sie können die Kinder einen Sprung<br />

so oft wiederholen lassen, bis Sie genau die Pose in<br />

der Luft einfangen konnten, die Ihnen<br />

vorgeschwebt hat. Mehr als ein Eis werden Sie zur<br />

Motivation kaum brauchen.<br />

HINWEIS<br />

Prüfen Sie die Belichtung<br />

regelmäßig, damit Ihre<br />

Verschlusszeiten kurz genug<br />

bleiben, um die Action<br />

festzuhalten. Erhöhen Sie die<br />

ISO-Empfindlichkeit, wenn die<br />

Lichtverhältnisse schlechter<br />

werden, und vergessen Sie<br />

nicht den Serienbildmodus<br />

einzuschalten!<br />

Wir sind wir auch im Alltag von Action umgeben, und im<br />

Gegensatz zu Sportveranstaltungen ist er nicht nur<br />

naheliegender, sondern oft auch fotografisch interessanter.“<br />

Besuchen Sie den örtlichen Naturpark, um jede<br />

Menge Potenzial für Actionfotos zu entdecken.<br />

Denken Sie daran: Bevor Sie fremde Menschen<br />

fotografieren, bitten Sie vorher um Erlaubnis.


EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

Sport und Action 129<br />

Sportveranstaltungen<br />

Bei Großveranstaltungen<br />

brauchen Sie einen<br />

Presseausweis, doch zum<br />

Üben eignen sich kleinere<br />

Ereignisse ebenso gut.<br />

JORDAN BUTTERS<br />

Sportveranstaltungen<br />

Falls Ihr Interesse für die Sportfotografie<br />

geweckt wurde, denken Sie bestimmt daran,<br />

hochkarätige Veranstaltungen zu<br />

fotografieren. Es führt eine gerader Weg von<br />

der Kreisliga in die Bundesliga – vorausgesetzt<br />

Sie sind gut genug mit der Kamera.<br />

Um bei großen Sportveranstaltungen nah<br />

genug an die Action heran zu kommen, ist fast<br />

immer einen Presseausweis erforderlich, und<br />

ohne ein 600mm- oder 800mm-Objektiv<br />

erhalten Sie kaum brauchbare Ergebnisse.<br />

Im Motorsport hingegen sind Sie in der<br />

Regel sehr nah am Geschehen, auch von den<br />

Tribünen aus. Seien Sie so rechtzeitig vor Ort,<br />

um einen der besten Plätze zu ergattern. Mit<br />

einem Zoom-Objektiv im Bereich von 300<br />

oder 400mm werden Ihnen keine Wünsche<br />

offen bleiben. Kleinere Strecken bieten oft den<br />

besten Zugang, versuchen Sie sich also nicht<br />

gleich an einem Formel 1 Grand Prix, sondern<br />

sammeln Sie Erfahrungen. Motocross und<br />

Sandbahnrennen beispielsweise bieten<br />

hervorragende Motive, denn Sie kommen<br />

sehr nah an die Matadore heran und können<br />

sich sogar recht frei bewegen, um von<br />

unterschiedlichen Kamerastandpunkten zu<br />

fotografieren.<br />

Vergessen Sie auch Flugtage nicht, denn<br />

auch sie bieten sehr gute Motive. Alle großen<br />

Flugshows finden im Sommer statt, und weil<br />

die Action über Ihren Köpfen stattfindet,<br />

haben VIPs keine Privilegien vor anderen<br />

Zuschauern. Flugzeuge im Vorüberflug zu<br />

fotografieren, stellt Ihre Fähigkeiten der<br />

Verfolgung und des Timings auf eine harte<br />

Probe. Brennweiten von 400 bis 500mm sind<br />

am besten, doch schon ein 75–300 mm<br />

Telezoom mit einem Vergrößerungsfaktor<br />

von 1,5 oder 1,6 liefert gute Ergebnisse. Als<br />

Verschlusszeiten werden 1/500 bis 1/1000<br />

Sekunde benötigt, um brauchbare Schärfen<br />

zu erzielen. Machen Sie ein paar<br />

Testaufnahmen, um herauszufinden, wie das<br />

Messsystem der Kamera mit dem Himmel<br />

zurechtkommt und welche<br />

Belichtungskorrektur Sie ggf. einstellen<br />

müssen. Die Gefahr des Unterbelichtens ist<br />

wesentlich größer als die des Überbelichtens,<br />

prüfen Sie also ständig Ihre Messwerte. Wenn<br />

die Lichtverhältnisse sich verschlechtern,<br />

müssen Sie die ISO-Empfindlichkeit<br />

heraufsetzen, um noch eine akzeptable<br />

Verschlusszeit zu erreichen. Die neueste<br />

Kamera-Generation liefert noch bis ISO800<br />

rauschfreie Bilder, doch im Zweifelsfall bleiben<br />

Sie bei ISO400.<br />

Vergessen Sie auch nicht, dass die besten<br />

Vorführungen gegen Ende des Tages<br />

stattfinden; überanstrengen Sie sich also nicht<br />

und sparen Sie Speicherplatz für das große<br />

Finale.<br />

JORDAN BUTTERS


130 Wildlife-<strong>Fotografie</strong> EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

Ausrüstung für den<br />

Wildlife-Fotografen<br />

DIE RICHTIGE AUSRÜSTUNG KANN DEN<br />

UNTERSCHIED ZWISCHEN EINEM<br />

DURCHSCHNITTLICHEN FOTO UND EINEM<br />

HERVORRAGENDEN FOTO BEDEUTEN. HIER ZEIGEN<br />

WIR, WELCHE AUSRÜSTUNG SIE BRAUCHEN.<br />

WAHL DES OBJEKTIVS: Viele Tiere sind scheu und suchen<br />

schnell das Weite, wenn Sie sich nähern. Deswegen ist ein<br />

Teleobjektiv mit einer Brennweite von mehr als 300 mm generell<br />

die beste Wahl; so bekommen Sie Ihr Motiv auch aus großer<br />

Entfernung formatfüllend ins Bild. Kaufen Sie sich das schnellste<br />

Objektiv, also das mit der größten maximalen Blendenöffnung, das<br />

Sie sich leisten können. Ein schnelles Objektiv erlaubt Ihnen kurze<br />

Verschlusszeiten, die Sie brauchen, wenn Sie schnelle<br />

Bewegungen einfangen oder bei schlechten Lichtverhältnissen<br />

arbeiten wollen.<br />

Leider kosten lange, schnelle Teleobjektive ein kleines Vermögen<br />

und kommen daher für Amateurfotografen kaum in Frage. Die gute<br />

Nachricht ist aber: Dank der exzellenten Abbildungsqualität<br />

moderner Kameras können Sie die ISO-Empfindlichkeit getrost auf<br />

800 oder gar 1600 heraufsetzen und so die erforderlichen kurzen<br />

Verschlusszeiten erzwingen, wenn sie ein preiswertes, weniger<br />

lichtstarkes Teleobjektiv verwenden. Das heißt, auch<br />

Amateurfotografen mit schmalem Budget können sich ernsthaft mit<br />

der Wildlife-<strong>Fotografie</strong> befassen.<br />

Lange Brennweiten vergrößern nicht nur das Motiv, sondern<br />

verkürzen zugleich die Perspektive. Diese „Kompression“ kann<br />

nützlich sein, um zusätzlich zu ihrem Hauptmotiv ein bestimmtes<br />

Hintergrundelement zur Geltung zu bringen. Außerdem bedingen<br />

lange Brennweiten physikalisch einen kurzen Schärfentiefebereich,<br />

auch bei kleinster Blendenöffnung, das Scharfstellen muss also mit<br />

höchster Präzision erfolgen. Natürlich kann eine kurze<br />

Tiefenschärfe auch als kreatives Stilmittel genutzt werden, um das<br />

Hauptmotiv von der Umgebung zu isolieren.<br />

Das Teleobjektiv mit möglichst langer Brennweite ist zwar das<br />

Haupthandwerkszeug des Wildlife-Fotografen, doch in der Praxis<br />

sind auch die anderen Brennweiten sinnvoll. Ein<br />

Brennweitenbereich zwischen 70 und 200mm eignet sich gut für<br />

die Darstellung von Tieren in ihrer natürlichen Umgebung. Selbst<br />

sehr kurze Brennweiten haben ihre Berechtigung, vorausgesetzt Sie<br />

sind in der Lage, nahe genug an ihr Motiv heranzukommen. Das<br />

Weitwinkelobjektiv erzeugt eine ganz neue Perspektive. Damit<br />

können Sie ein Tier nicht nur in seiner Umgebung abbilden,<br />

sondern auch ungewöhnliche Porträts erzielen. Es zeigt seine<br />

Stärken, wenn Sie Tiere fotografieren, die nicht menschenscheu<br />

sind, denn ihnen können Sie sich auf kurze Entfernung nähern –<br />

Eichhörnchen und Wildenten beispielsweise.<br />

ROSS HODDINOTT<br />

Zoom-Power: Näher ran mit dem Telezoom …<br />

€120<br />

MITTLERE TELEZOOM-<br />

OBJEKTIVE: Sie sind<br />

bemerkenswert preiswert. Sie haben<br />

zwar oft keinen Bildstabilisator und<br />

keine weiten maximalen<br />

Blendenöffnungen, doch sie erfüllen<br />

ihren Zweck. Alle bekannten<br />

Hersteller bieten Telezooms im<br />

Bereich zwischen 70-200mm an –<br />

für unter 120 Euro.<br />

€200<br />

LANGES TELEZOOM: Die extra<br />

Reichweite eines 70-300mm Objektivs<br />

bietet Möglichkeiten, die Ihnen sonst<br />

versagt bleiben. Kombinieren Sie es mit<br />

einem APS-C Sensor, und Sie erhalten<br />

das Äquivalent von 450 Millimeter<br />

Brennweite, bezogen auf das<br />

Kleinbildformat. Viele Objektive dieses<br />

Formats haben einen Bildstabilisator.<br />

€450<br />

SUPER-TELEZOOMS: Sie liegen im<br />

Bereich zwischen 120-400 mm und<br />

sind nicht billig, doch Sie eröffnen<br />

Ihnen alle Möglichkeiten der<br />

Wildlife-<strong>Fotografie</strong>. Damit können Sie<br />

auch sehr scheue Tiere aus<br />

komfortabler Distanz formatfüllend<br />

aufnehmen.<br />

€80<br />

TELEKONVERTER: Ein 1,4-facher<br />

bis 2-facher Telekonverter erhöht die<br />

„Reichweite“ eines Objektivs um den<br />

entsprechenden Faktor, sodass Sie<br />

aus großer Distanz fotografieren<br />

können.<br />

Tarnung<br />

Frei lebende Tiere lassen Menschen<br />

meist nicht nah an sich heran.<br />

Deswegen müssen Sie sich tarnen<br />

und verkleiden. Deswegen brauchen<br />

Sie nicht in Rambo-Montur im<br />

Stadtpark herumlaufen, doch eine<br />

leichte Tarnung erhöht ihre Chancen,<br />

unentdeckt zu bleiben, erheblich.<br />

BEKLEIDUNG: Wenn Sie ein Tier<br />

verfolgen, ist es entscheidend, die<br />

passende Kleidung zu tragen. Dunkles<br />

Grün, Braun oder Schwarz sind die<br />

besten Farben; optimal ist jedoch eine<br />

Flecktarnung aus dunklen Farben.<br />

Auch eine Kopfhaube aus Baumwolle,<br />

wie sie von Motorradfahrern unter dem<br />

Helm getragen wird, hat sich als<br />

Tarnmittel bewährt (lassen Sie sich<br />

damit aber nicht in der Nähe einer<br />

Bank sehen...).


EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

Wildlife-<strong>Fotografie</strong> 131<br />

Ebenso wichtig wie die Farben ist das<br />

Geräuschverhalten ihrer Kleidung. Wenn Sie<br />

sich bewegen, sollte man nicht das Geringste<br />

hören können. Große Außentaschen sind gut,<br />

um Speicherkarten und Batterien schnell zur<br />

Hand zu haben. Wenn Sie Tiere fotografi eren<br />

wollen, werden sie oft längere Zeit in ein und<br />

derselben Position bleiben müssen. Deswegen<br />

sollte ihre Kleidung auch warm genug sein. In<br />

den Wintermonaten ist es sinnvoll, mehrere<br />

Schichten dünner Unterbekleidung tragen –<br />

denn wenn Sie frieren, werden Sie nicht auf Ihre<br />

Motive konzentrieren können.<br />

VERSTECK: Tiere in freier Natur sind scheu.<br />

Die meisten der guten Tierbilder, die Sie in den<br />

Magazinen und als Ergebnis von<br />

Fotowettbewerben sehen, waren nur möglich,<br />

weil ein Versteck benutzt wurde. Wenn Sie sich<br />

ernsthaft mit der Tierfotografi e befassen wollen,<br />

kommen Sie um ein solches Zubehör nicht<br />

herum. Sie können zwar manchmal vor Ort<br />

ein Versteck aus natürlichen Materialien<br />

herstellen, doch auf lange Sicht ist ein<br />

tragbares Versteck die bessere Wahl. Es<br />

besteht im wesentlichen aus einer Plane in<br />

Tarnfarben, die wie ein leichtes Zelt schnell<br />

aufgebaut bzw. verpackt werden kann. Ein<br />

solches Versteck bietet genug Raum für eine<br />

Person mit Ausrüstung und eignet sich sehr<br />

gut zum Gebrauch auf der Pirsch im freien<br />

Gelände oder im Wald.<br />

Bewirtschaftete Felder sind für eine Vielzahl<br />

von Tieren attraktiv: Kaninchen, Hasen,<br />

Füchse, Dachse, Kiebitze und etliche andere<br />

Vogelarten. Es kann sich durchaus lohnen,<br />

einen Bauern um die Erlaubnis zu fragen, Ihr<br />

Versteck auf einem Acker in Sichtweite seines<br />

Hauses aufzubauen. Ggf. können Sie es auch<br />

einige Tage stehen lassen, damit die Tiere Zeit<br />

haben, sich daran zu gewöhnen.<br />

Wesentliches Zubehör<br />

Stativ: In der Wildlife-<br />

Fotografi e ist es nicht<br />

immer möglich, mit<br />

Stativ zu arbeiten, doch<br />

wenn möglich, sollten<br />

Sie es tun – wenn sie aus dem<br />

Versteck heraus fotografi eren zum<br />

Beispiel. Lange Teleobjektive sind<br />

schwer. Sie mitsamt Kamera über<br />

längere Zeit in der Hand zu halten,<br />

artet schnell in wirkliche Arbeit aus,<br />

ganz abgesehen davon, dass das<br />

Verwacklungsrisiko sehr hoch ist.<br />

Stativkopf: Auch die<br />

Wahl des Stativkopfs ist<br />

wichtig. Konventionelle<br />

Drei-Wege-Köpfe sind<br />

mit dem Gewicht und<br />

der Hebelwirkung langer<br />

Teleobjektive schnell überfordert.<br />

Praktisch ist eine Objektiv-<br />

Ringhalterung, die am Objektiv<br />

befestigt wird und über ein<br />

Stativgewinde verfügt. Eine solche<br />

Halterung sorgt für eine viel bessere<br />

Balance beim Schwenken und<br />

Neigen der Kamera. Am besten ist<br />

jedoch eine kardanische Aufhängung<br />

der Kamera auf dem Stativ, wobei der<br />

zentrale Dreh- und Schwenkpunkt<br />

mit dem Schwerpunkt des<br />

Gesamtsystems von Kamera und<br />

Objektiv zusammenfällt – eine<br />

perfekte Kombination, um schnelle<br />

Bewegungen zu verfolgen. Ein<br />

kardanischer Stativkopf ist nicht<br />

billig, aber langfristig eine gute<br />

Investition, wenn sie sich der<br />

Wildlife-Fotografi e verschrieben<br />

haben.<br />

Bohnensack: Ein<br />

Bohnensack bietet eine<br />

überraschend<br />

komfortable Basis für<br />

Ihre Kamera, wenn er<br />

auf einer stabilen Oberfl äche aufl iegt.<br />

Power Grip: Ein<br />

zusätzlicher Griff erhöht<br />

die Stabilität Ihrer<br />

Kamera und erlaubt<br />

zudem schnellere<br />

Serienbildaufnahmen. Dies ist sehr<br />

nützlich, wenn Sie Actionfotos<br />

machen, beispielsweise Vögel im<br />

Flug. Ein solcher Griff enthält<br />

zusätzliche Batterien und verbessert<br />

das Handling der Kamera. Außerdem<br />

verfügt er über einen extra<br />

Auslöseknopf für Aufnahmen im<br />

Hochformat.


132 Wildlife-<strong>Fotografie</strong> EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

Wildlife – Aufnahmetechnik<br />

WENN SIE GUTE Wildlife-Fotos bekommen wollen,<br />

muss Ihre Aufnahmetechnik ebenso gut sein. Sie<br />

müssen sehr schnell arbeiten und reagieren können.<br />

Außerdem müssen Sie das Verhalten der Tiere kennen,<br />

die Sie fotografieren, und mit welchen Tricks Sie sie<br />

näher an die Kamera locken können. Am wichtigsten<br />

ist aber Ihre Geduld, denn diese wird auf harte Proben<br />

gestellt.<br />

IM GELÄNDE: Die meisten frei lebenden Tiere<br />

halten verständlicherweise nicht viel von uns<br />

Menschen. Das größte Problem für uns besteht<br />

deswegen darin, überhaupt auf Fotodistanz an sie<br />

heranzukommen. Verfolgen und anschleichen ist<br />

oftmals die einzige praktikable Methode, besonders<br />

bei größeren Säugetieren, bei Hirschen<br />

beispielsweise. Die Morgendämmerung ist die beste<br />

Zeit des Tages, die Pirsch zu beginnen, wenn viele<br />

Tiere mit der Nahrungssuche beschäftigt sind. Auch<br />

das Licht ist morgens am besten. Reduzieren Sie die<br />

Ausrüstung, die Sie tragen müssen, auf ein Minimum.<br />

Die Kamera und ein einziges Objektiv werden<br />

normalerweise ausreichen. Ein Bohnensack und ein<br />

Einbeinstativ dienen der Fixierung der Kamera, denn<br />

ein Dreibeinstativ ist fast immer zu unhandlich.<br />

Wenn Sie Ihr Motiv gefunden haben, schauen Sie sich<br />

ihre Umgebung genau an und stellen Sie die<br />

Windrichtung fest. Säugetiere haben einen<br />

bemerkenswert gut ausgeprägten Geruchssinn,<br />

deswegen müssen Sie sich gegen den Wind<br />

anschleichen. Tragen Sie einen Tarnanzug,<br />

wenigstens aber Kleidung in gedeckten, dunklen<br />

Farben. Sie sollten übrigens vermeiden, Ihren<br />

„Jagdanzug“ zu reinigen. Je „natürlicher“ Sie darin<br />

riechen, umso besser.<br />

Nähern sie sich in geduckter Haltung, wobei ihr<br />

Körper unterhalb der für das Tier sichtbaren<br />

Horizontlinie bleiben muss. Nutzen Sie die<br />

vorhandene natürliche Deckung: Bäume, Büsche und<br />

Hecken. Bewegen Sie sich äußerst langsam und<br />

beobachten Sie das Tier dabei auf Anzeichen von<br />

Nervosität. Sieht es Sie direkt an, verharren sie<br />

regungslos – bewegen Sie sich erst wieder, wenn es<br />

wieder wegschaut. Wenn Sie das Tier verscheuchen,<br />

müssen Sie komplett von vorn anfangen. Es wird eine<br />

ganze Weile dauern, bevor Sie in die richtige Position<br />

kommen, um fotografieren zu können. Doch später,<br />

wenn Sie auf ein gelungenes Foto schauen können,<br />

werden Sie überzeugt sein, dass sich die Anstrengung<br />

gelohnt hat.<br />

DIE KAMERA: In der Naturfotografie kommen und<br />

gehen die Chancen auf ein gutes Foto blitzschnell<br />

vorbei. Falls Sie zu langsam reagieren oder für die<br />

Kameraeinstellungen zu lange brauchen, haben Sie es<br />

vermasselt. Sie müssen Ihre Kamera in und<br />

auswendig kennen, damit Sie die Einstellungen<br />

reflexartig vornehmen und ändern können. Üben Sie<br />

also die schnelle Bedienung Ihrer Kamera: Ändern der<br />

ISO-Empfindlichkeit, Ändern des AF-Modus, der<br />

Verschlusszeit und des Schärfepunkts. All das muss<br />

blitzschnell erfolgen, wobei Sie die Kamera nicht vom<br />

Auge nehmen sollten. Sie müssen an den Punkt<br />

kommen, an dem Sie die wichtigsten Einstellungen<br />

ändern können, ohne darüber nachdenken zu<br />

müssen, ähnlich wie Sie beim Autofahren die Gänge<br />

automatisch wechseln, ohne dass ihnen dies bewusst<br />

ist.<br />

DAS MOTIV: Wildlife-<strong>Fotografie</strong> unterscheidet<br />

sich sehr von anderen Genres der <strong>Fotografie</strong>. Sie<br />

erfordert wirkliches Engagement und ein umfassendes<br />

Wissen über die Tiere, hinter denen Sie her sind.<br />

Informieren Sie sich online und besorgen Sie sich<br />

Literatur über das Verhalten der Tiere. Am wichtigsten<br />

dabei sind das Wissen um deren bevorzugten Habitate<br />

und um das Essverhalten. Gibt es typische<br />

Gewohnheiten und Verhaltensweisen, die Sie sich zu<br />

Nutze machen könnten.? Welche Jahreszeit eignet<br />

sich am besten, um dieses spezielle Tier zu<br />

fotografieren? Steht es unter Artenschutz? Machen Sie<br />

also Ihre Hausaufgaben bevor Sie losziehen. Diese<br />

Kenntnisse sind eine unschätzbare Hilfe und sparen<br />

langfristig viel Zeit.<br />

KÖDERN: Verfolgen und Anschleichen kann zum<br />

gewünschten Erfolg führen, doch es bleibt immer ein<br />

Unsicherheitsfaktor von wenigstens 50%. Eine<br />

Erfolgsgarantie gibt es nicht, denn selbst wenn Sie ein<br />

Tier aufgespürt haben, ist noch lange keine Fotos im<br />

Kasten. Eine andere, zuverlässigere Methode ist das<br />

Benutzen von Ködern, um die Tiere nahe an Ihr<br />

Versteck zu locken. In der Praxis benutzen Sie eine<br />

vorhandene Futterstelle, in der Nähe Sie Ihr Versteck<br />

aufgebaut haben. Das hat auch den Vorteil, dass Sie<br />

eine viel bessere Kontrolle über die Lichtverhältnisse<br />

haben und den Hintergrund bestimmen können, je<br />

nachdem wo Sie Ihr Versteck positionieren.<br />

Vögel sind am einfachsten zu ködern, und der eigene<br />

Hintergarten oder der eines Freundes sind so gut wie<br />

jeder andere Ort für dieses Vorhaben. Die Futterstation<br />

braucht nur aus einem Pfahl mit einem oder zwei<br />

Fettfutter-Klumpen zu bestehen. Damit Ihre Bilder<br />

natürlich wirken, befestigen Sie entsprechende<br />

Requisiten zusätzlich an dem Pfahl – einen bemoosten<br />

Zweig zum Beispiel oder einen, der mit Beeren<br />

bewachsen ist oder noch Blüten trägt. Das eröffnet<br />

Ihnen eine ganze Reihe von Möglichkeiten<br />

unterschiedlicher Bildkompositionen und fügt ihren<br />

Bildern attraktive Farbtupfer hinzu. Auch hier führt eine<br />

Perspektive auf Augenhöhe zu den natürlichsten<br />

Ergebnissen. Denken Sie auch an die Einfallsrichtung<br />

des Lichts, wenn Sie die Futterstelle einrichten.<br />

Idealerweise gibt es an der Stelle, an der sich ein Vogel<br />

niederlassen soll, sehr viel Licht. Dahinter befindet sich<br />

idealerweise auf den nächsten zehn Metern gar nichts.<br />

So bekommen Sie einen wunderschönen, diffusen<br />

Hintergrund, der keinerlei störende Elemente aufweist.<br />

Ihr Versteck sollte etwa drei Meter entfernt stehen.<br />

Wenn sich die Vögel daran gewöhnt haben und ihre<br />

Futterstation regelmäßig besuchen, können Sie das<br />

Versteck benutzen und Ihre Fotos schießen.<br />

Den Trick mit dem Köder können Sie natürlich auch bei<br />

anderen Tierarten anwenden – Sie können zum<br />

Beispiel Aas in einem Feld auslegen, um einen Fuchs<br />

und vielleicht sogar einen Raubvogel anzulocken.<br />

Raubtiere gewöhnen sich sehr schnell an solche<br />

kostenlosen Mahlzeiten. Wenn Sie die gewünschten<br />

Fotos im Kasten haben, sollten Sie daher weiterhin an<br />

der betreffenden Stelle Köder auszulegen, deren Menge<br />

aber stetig reduzieren, bis der Ort für die Tiere wieder so<br />

uninteressant geworden ist, wie er vorher war.<br />

Wildlife-Setup<br />

BELICHTUNGSPROGRAMM: Die<br />

Verschlusszeit ist entscheidend, wenn Sie Vögel<br />

und Säugetiere fotografieren wollen. Benutzen<br />

Sie also die Blendenautomatik und stellen Sie<br />

mindestens 1/250 Sekunde ein. Unterschreiten<br />

Sie diese Zeit nicht.<br />

ISO-EMPFINDLICHKEIT: Halten Sie den<br />

ISO-Wert so niedrig wie möglich, um<br />

Bildrauschen zu vermeiden. Angesichts der<br />

Leistungsfähigkeit moderner Kameras erhalten<br />

Sie zwar auch mit ISO 1600 bei schlechten<br />

Lichtverhältnissen noch akzeptable<br />

Bildqualität, aber denken Sie daran:<br />

Die Verschlusszeit hat absolute Priorität!<br />

SCHARFSTELLEN: Benutzen Sie den<br />

Autofokus. Heutige AF-Systeme sind extrem<br />

leistungsfähig und schnell. Der Einzelbild-AF ist<br />

angebracht für unbewegliche Motive oder sehr<br />

langsame Objekte. Bei sich schnell bewegenden<br />

Motiven schalten Sie dem Autofokus die Funktion<br />

„Verfolgen“ oder „Nachführen“ zu. Dann wird die<br />

Kamera das Objekt verfolgen und unabhängig von<br />

dessen Position kontinuierlich darauf scharfstellen.


3RD EDITION GETTING STARTED IN DIGITAL PHOTOGRAPHY<br />

Wildlife-<strong>Fotografie</strong> 133<br />

Checkliste: Wildlife<br />

Oben: Mit Geduld und<br />

Können werden Sie bald<br />

eindrucksvolle Tierfotos in<br />

freier Wildbahn schießen.<br />

ROSS HODDINOTT<br />

❏ Kurze Verschlusszeiten sind<br />

ganz wesentlich, idealerweise<br />

unter 1/500 Sekunde, damit<br />

das Motiv eingefroren wird und<br />

kein Verwackeln möglich ist.<br />

❏ Tempo ist entscheidend.<br />

Tiere stehen selten für lange<br />

Zeit still, daher müssen<br />

Bildkomposition und<br />

Scharfstellen schnell und<br />

effizient erfolgen.<br />

❏ Stellen Sie per Autofokus auf<br />

die Augen scharf. Sind diese<br />

nicht voll im Fokus, ist das Foto<br />

verdorben.<br />

❏ Seien Sie früh vor Ort und<br />

fotografieren Sie in den Abend<br />

hinein. Zu Anfang und Ende des<br />

Tages sind die Lichtverhältnisse<br />

am besten, und die tief<br />

stehende Sonne erlaubt Fotos<br />

im Gegenlicht oder Silhouetten<br />

als Motive.<br />

❏ Wichtig ist auch der<br />

Kamerawinkel: Oft ist ein<br />

Kamerastandpunkt auf<br />

Augenhöhe am besten, denn so<br />

entsteht eine natürlich wirkende<br />

Perspektive.<br />

BILDMODUS: Für Tiere in schneller Bewegung –<br />

beispielsweise Vögel im Flug – sollten Sie schnelle Bildserien<br />

schießen. Die meisten Kameras schaffen mehr als vier<br />

Aufnahmen pro Sekunde. Das erhöht Ihre Chancen auf<br />

mindestens ein gutes Foto pro Serie.<br />

SPEICHER: In der Wildlife-<strong>Fotografie</strong> ist die Erfolgsquote,<br />

ausgedrückt im Verhältnis gelunger Fotos zur Gesamtzahl der<br />

Aufnahmen, ziemlich schlecht. Es kann durchaus sein, dass Sie ein paar<br />

Dutzend Bilder machen und nur eines oder zwei davon verwenden<br />

können. Ihre Speicherkarten werden schnell voll sein, benutzen Sie<br />

deshalb Karten mit Kapazitäten von 16 bis 32GB, damit Sie während<br />

der Arbeit nicht dauernd wechseln müssen.


134 Wildlife-<strong>Fotografie</strong> EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

Parks und<br />

Wälder<br />

AUF DER PIRSCH NACH frei lebenden Tieren? Es<br />

gibt kaum bessere Orte, sie anzutreffen als in Parks<br />

und Wäldern. Es gibt eine Vielzahl von Naturparks<br />

und Waldgebieten, die bewirtschaftet werden, um<br />

die natürliche Artenvielfalt zu erhalten. Dort finden<br />

Sie Hirsche, Rehe, Eichhörnchen und eine ganze<br />

Reihe unterschiedlicher Vogelarten.<br />

Ganz gleich, ob Sie in der Stadt oder auf dem Land<br />

wohnen, ein Naturpark oder größeres Waldgebiet<br />

befindet sich immer in der Nähe. Besonders in<br />

Parks können Sie Ihre fotografischen Fähigkeiten<br />

verbessern; viele bieten auch große Teiche und<br />

Seen mit Enten und Schwänen. Die Tiere sind in<br />

der Regel an menschliches Treiben gewöhnt,<br />

denn Sie sehen uns jeden Tag als<br />

Spaziergänger, Jogger und<br />

Radfahrer. Für Fotografen ist das<br />

ein unschätzbarer Vorteil, denn<br />

die Toleranzzone der Tiere,<br />

bevor der Fluchtreflex ausgelöst<br />

wird, ist wesentlich größer als<br />

bei Tieren, denen Menschen<br />

fremd sind. Deswegen können<br />

wir uns Ihnen auf sehr kurze<br />

Entfernung nähern. Ein 70–300mm<br />

Zoomobjektiv ist allen denkbaren<br />

Situationen eines Naturparks gewachsen,<br />

auch bei größeren Tieren wie Hirschen.<br />

Hirsche sind großartige Tiere; sie sind äußerst<br />

eindrucksvoll, besonders im Spätsommer und im<br />

Herbst, wenn das Geweih vollständig entwickelt ist.<br />

Manche Wildparks sind so groß, dass die Tiere<br />

eigentlich wie in freier Wildbahn leben, ohne<br />

jedoch deren Gefahren ausgesetzt zu sein. Wenn<br />

Sie einen Park regelmäßig besuchen, werden Sie<br />

schnell feststellen, dass es bestimmte Orte gibt, an<br />

denen Hirsche oft anzutreffen sind. Kehren Sie<br />

regelmäßig unter den richtigen Lichtverhältnissen<br />

an diese Orte zurück, und folgen Sie dem von Ihnen<br />

als Motiv auserkorenen Tier vorsichtig. Stellen Sie<br />

eine weit offene Blende ein, etwa f/4. So erhalten<br />

Sie nicht nur eine kurze Verschlusszeit, sondern<br />

auch einen flachen Schärfentiefebereich, wodurch<br />

sich ihr Motiv gut von seiner Umgebung abhebt.<br />

Vielleicht haben Sie die Möglichkeit, das Tier<br />

morgens oder abends als Silhouette gegen einen<br />

farbenprächtigen Himmel zu fotografieren,<br />

vorzugsweise etwas erhöht auf einem Hügel.<br />

Solche Fotos sehen sehr eindrucksvoll aus.<br />

In Naturparks können Sie auch kleinere Säugetiere<br />

wie Eichhörnchen und Hasen fotografieren. Hasen<br />

sitzen oft genug mitten auf einer Lichtung oder am<br />

Rand einer Wiese. Bei einem solchen Motiv haben<br />

sich niedrige Kamerastandpunkte bewährt; dazu<br />

müssen Sie sich im Gras auf den Bauch legen,<br />

wenn Sie interessante, natürlich aussehende Fotos<br />

bekommen wollen. Ein Bohnensack bietet in dieser<br />

Situation die beste Möglichkeit, die Kamera zu<br />

fixieren. Frühes Morgen- oder Abendlicht sind ideal<br />

für Hasenporträts, denn dann haben die Bilder<br />

einen attraktiven warmen Grundton. Tatsächlich ist<br />

Gegenlicht fast bei allen ein Fell tragenden Tieren<br />

ideal, denn es erzeugt einen feinen Glanz um deren<br />

Konturen herum. Leider erhöht Gegenlicht auch<br />

das Risiko von Streulicht, verwenden Sie deswegen<br />

HINWEIS<br />

Wenn Ihre Wildlife-Fotos sich<br />

von der Masse abheben sollen,<br />

schießen Sie nicht immer die<br />

gleichen Porträts, sondern<br />

versuchen Sie ein typisches<br />

Verhalten der Tiere einzufangen<br />

– beispielsweise ihren Gang oder<br />

ihr Fressverhalten.<br />

❝<br />

Ganz gleich, ob Sie in der Stadt oder auf dem Land wohnen, ein Naturpark<br />

oder größeres Waldgebiet befindet sich immer in der Nähe. Besonders in<br />

Parks können Sie Ihre fotografischen Fähigkeiten verbessern.<br />

❞<br />

immer eine Gegenlichtblende.<br />

Wenn Sie Eichhörnchen fotografieren wollen,<br />

finden Sie sie wahrscheinlich im nächst gelegenen<br />

Wald. Wälder sind ein großartiges Stück Natur. Sie<br />

bieten vielen Kreaturen Heimat und Schutz. Doch<br />

viele von ihnen sind sehr scheu, nachtaktiv und<br />

tagsüber gut versteckt, wie Dachse und Eulen<br />

beispielsweise. Im Gegensatz dazu sind<br />

Eichhörnchen geradezu vertrauensselige Tiere. Im<br />

Spätsommer und im Herbst sind sie oft so<br />

beschäftigt mit dem Anlegen Ihres Wintervorrats,<br />

dass Sie sich Ihnen relativ problemlos auf eine<br />

komfortable Foto-Distanz nähern können. Sie<br />

verharren jedoch selten lange an einer Stelle. Sie<br />

müssen also schnell sein und sofort auf ihr<br />

Verhalten reagieren – Bildkomposition,<br />

scharfstellen und abdrücken müssen ohne weiteres<br />

Nachdenken reflexartig ablaufen. Auch hier ist ein<br />

Telezoom das passende Objektiv, das Ihnen die<br />

meiste Flexibilität bietet. Aufnahmen von<br />

Eichhörnchen, die am Boden nach einer Nuss<br />

suchen, sollten von einem niedrigen Standpunkt<br />

aufgenommen werden. Die schönsten Motive<br />

bieten Eichhörnchen, wenn sie gerade hinter einem<br />

Baumstamm hervorschauen oder eine Eichel<br />

blitzschnell in den kleinen Pfoten drehen. Der<br />

Nachteil solcher Fotos in Bodennähe besteht darin,<br />

dass die Lichtverhältnisse oft nicht allzu gut sind.<br />

Wählen Sie daher eine etwas höhere ISO-<br />

Empfindlichkeit, die Ihnen eine Verschlusszeit<br />

beschert, die den schnellen Bewegungen der<br />

kleinen Tiere angemessen ist.<br />

ISTOCK PHOTO ISTOCK PHOTO


EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

Wildlife-<strong>Fotografie</strong> 135<br />

ROSS HODDINOTT<br />

Wildlife im Park<br />

Verbringen Sie einen oder zwei Tage in einem<br />

Naturpark oder einem größeren Waldgebiet –<br />

Sie werden überrascht sein über die<br />

Artenvielfalt, die Sie dort antreffen.<br />

Immer einen Versuch wert...<br />

ISTOCK PHOTO<br />

ROSS HODDINOTT<br />

ISTOCK PHOTO<br />

ISTOCK PHOTO<br />

HIRSCH: Viele Wildparks<br />

bieten dem Damwild eine Heimat,<br />

wobei der Herbst die schönste Zeit<br />

zum <strong>Fotografie</strong>ren ist. Während der<br />

Brunftzeit konkurrieren die Hirsche<br />

miteinander. Sie röhren<br />

eindrucksvoll und kämpfen um die<br />

Weibchen, ein Verhalten, das sehr<br />

schön fotografiert werden kann.<br />

Bleiben sie jedoch in größerer<br />

Entfernung; das bedeutet eine<br />

Brennweite von wenigstens<br />

300mm. Ein nebliger<br />

Herbstmorgen gibt einem solchen<br />

Bild Atmosphäre und macht ihre<br />

Fotos authentisch.<br />

SPECHT:<br />

Die einfachste Möglichkeit, einen<br />

Specht anzulocken, besteht darin,<br />

eine Futterstelle einzurichten.<br />

Suchen Sie sich einen bemoosten<br />

Ast und bringen Sie ihn nah bei<br />

einem Futterhäuschen an. Bohren<br />

Sie Löcher in die Seite des Astes,<br />

die der Kamera abgewandt ist, und<br />

stecken sie Erdnüsse hinein. Diese<br />

sollten Spechte anlocken, sodass<br />

Sie Gelegenheit für natürlich<br />

wirkende Motive haben.<br />

WILDKANINCHEN: Kaninchen<br />

gehören zu den am leichtesten zu<br />

findenden Tieren. Es gibt sie praktisch<br />

überall in freier Natur, und<br />

selbstverständlich auch in gehegten<br />

Parks und Waldgebieten. Legen Sie sich<br />

flach auf den Boden, etwa zehn Meter vor<br />

dem Eingang eines Kaninchenbaus, und<br />

tarnen Sie sich mit Zweigen oder einem<br />

Tarnnetz. Gehen Sie kurz vor<br />

Tagesanbruch in Stellung, dann können<br />

Sie die Tiere fotografieren, wenn sie beim<br />

ersten Tageslicht aus dem Bau kommen.<br />

Benutzen Sie eine Brennweite von<br />

wenigstens 300mm, um den<br />

Bildausschnitt zu füllen.<br />

WALDKAUZ: Obwohl<br />

nachtaktiv, können Sie den<br />

Waldkauz auch tagsüber zu<br />

Gesicht bekommen, besonders im<br />

späten Frühling und Frühsommer,<br />

wenn sein Nachwuchs kommt.<br />

Wenn dieser flügge wird, können<br />

Sie die kleinen Vögel auf höher am<br />

Baum wachsenden Zweigen<br />

ausmachen, wo sie oft längere Zeit<br />

bewegungslos sitzen. Hier sind<br />

Brennweiten ab 400 mm gefragt.<br />

Als Stativ ist ein ‚Einbein‘ zu<br />

empfehlen, weil es Ihre<br />

Bewegungsfähigkeit nicht<br />

einschränkt.


136 Wildlife-<strong>Fotografie</strong> EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

Wasserlandschaften<br />

WO WASSER IST, da ist Leben. Teiche, Seen,<br />

Flüsse, Kanäle, Flussmündungen und<br />

Sumpfgebiete sind Lebensraum für eine<br />

Vielzahl von Kreaturen – kleine und große.<br />

Schon ein bescheidener Gartenteich wird<br />

schnell zum Habitat für Frösche, Libellen und<br />

vieles andere, was da kreucht und fl eucht. Es<br />

gibt nur wenige bessere Orte zum<br />

Fotografi eren der Natur als an einem Ufer,<br />

dem Übergang vom Wasser zum Land.<br />

Sümpfe und Moore sind Heimat für Myriaden<br />

von Insekten, für Reptilien, Vögel, und<br />

Säugetiere, Otter, Wühlmäuse, Watvögel,<br />

Amphibien, Ringelnattern und Biber, um nur<br />

wahllos einige aufzuzählen. In größeren<br />

Moorreservaten sind getarnte<br />

Aussichtsplattformen für die Besucher<br />

eingerichtet, von denen aus sie fotografi eren<br />

können, doch meistens befi nden sich diese<br />

Verstecke in einer erhöhten Position. Das führt<br />

leider dazu, dass die von dort geschossenen<br />

Fotos eine unnatürliche Perspektive haben.<br />

Doch viele Vögel sind inzwischen so sehr an<br />

Menschen gewöhnt, dass sie sie relativ nah<br />

heran lassen. Zu ihnen gehören Moorhühner,<br />

Gänse und Wasserhühner, sogar manche<br />

Reiher-Arten. Falls die freie Sicht nicht durch<br />

Vegetation behindert wird, erhalten Sie einen<br />

sehr guten Blickwinkel auf Vögel, wenn Sie<br />

sich in der Nähe eines Ufers auf den Boden<br />

legen. Benutzen Sie die Ellbogen oder einen<br />

Bohnensack, um die Kamera zu stabilisieren<br />

und liegen sie so ruhig wie möglich. Eine<br />

Brennweite von 300-400 Millimetern sollte<br />

ausreichen, trotzdem kann sich noch ein<br />

Telekonverter als nützlich erweisen. Die<br />

Verschlusszeiten sollten jenseits von 1/500<br />

Sekunde liegen. Setzen Sie die ISO-<br />

Empfi ndlichkeit herauf, um solche<br />

Verschlusszeiten zu erreichen, wenn die<br />

Lichtverhältnisse es erfordern. Im Wasser auf<br />

und ab dümpelnde Vögel ergeben besonders<br />

schöne Motive, wobei das Wasser einen<br />

farbigen Hintergrund abgibt, wenn sich<br />

Moore und Sumpfgebiete in Deutschland<br />

SEIEN SIE<br />

KREATIV!<br />

Sobald Sie etwas mehr Erfahrung<br />

beispielsweise das Abendrot darin<br />

haben, ist es an der Zeit, kreative<br />

Ideen auszuprobieren. Sie können<br />

spiegelt. Nach einer klaren, stillen<br />

Vögel im Flug erwischen, ebenso<br />

Nacht bildet sich vielleicht sogar etwas Watvögel an einem Strand, die sich vor<br />

Morgennebel, der über dem Wasser<br />

der Flut davon machen. Für<br />

treibt. Um den einzufangen, müssen Sie Bewegungs- und Unschärfeeffekte<br />

allerdings sehr früh in Position sein,<br />

benutzen sie eine längere<br />

schon vor dem ersten Tageslicht.<br />

Verschlusszeit.<br />

Doch nicht nur Vögel können im Moor<br />

fotografi ert werden, auch Otter und<br />

Wühlmäuse sind an Tümpeln und<br />

Wasserwegen anzutreffen. Leider sind sie sehr<br />

scheu, und Sie müssen viel Zeit aufwenden,<br />

um sie zu fi nden und zu fotografi eren.<br />

Amphibien und Libellen sind wesentlich<br />

zugänglichere Kreaturen und insofern bessere<br />

Motive für Naturfotografen mit weniger Zeit<br />

und weniger optimierter Ausrüstung. Frösche<br />

sind großartige Motive, und Sie sind oft in<br />

Gärten unter langem, feuchtem Gras<br />

anzutreffen. Am einfachsten fi nden Sie sie im<br />

Frühling, wenn Sie zu den Teichen<br />

zurückkehren, um zu brüten. Die beste Taktik<br />

ist dann, sich ans Ufer zu knien und auf<br />

einzelne Exemplare zu warten, bis sie den<br />

Kopf aus dem Wasser strecken, um zu atmen.<br />

Mit einem Makroobjektiv oder einer Nahlinse<br />

bekommen Sie sie formatfüllend ins Bild. Falls<br />

die Lichtverhältnisse schlecht sind, benutzen<br />

Sie einen Makroblitz, um eine gute Belichtung<br />

zu erzielen. Der Blitz hilft außerdem, einen<br />

größeren Schärfentiefebereich zu erzielen,<br />

und erzeugt attraktive Refl exe im Auge und<br />

auf der feuchten Haut des Frosches.<br />

In Feuchtgebieten gibt es auch interessante,<br />

farbenfrohe Insekten zu entdecken. Die Libelle<br />

ist nur eine der vorkommenden Arten, die<br />

großartige Motive abgeben. Bei Tagesanbruch<br />

sind ihre Flügel vielleicht noch mit Tau<br />

bedeckt und glänzen. Auch für eine solche<br />

Aufnahme müssen Sie Ihren Wecker sehr früh<br />

stellen. Durchsuchen Sie die Vegetation und<br />

das lange Gras in der Nähe eines Ufers. Für<br />

das Foto ist ein Makroobjektiv eindeutig die<br />

beste Wahl.<br />

ISTOCK PHOTO<br />

ROSS HODDINOTT<br />

ISTOCK PHOTO<br />

OTTER: Im moorreichen Schleswig-Holstein<br />

liegt die Eider-Treene-Sorge-Niederung, und dort<br />

befindet sich beim Dorf Schwabstedt das Wilde<br />

Moor, das nunmehr seit den 1980er-Jahren<br />

renaturiert wird. Hier gibt es viele Wiesenvögel<br />

wie den Brachvogel, aber auch versteckt<br />

lebende Sumpfbewohner. Durch das Gebiet<br />

führt ein Moorlehrpfad.<br />

www.eider-treene-sorge.de<br />

PEENETAL: Nahe den Inseln Rügen und Usedom liegt der<br />

so genannte Amazonas des Nordens: Um die Peene herum<br />

erstreckt sich eines der besterhaltenen Niedermoorgebiete in<br />

Mitteleuropa. Hier leben unter anderem Otter, Biber und sogar<br />

drei Arten von Adlern. Der ehemalige Polder Menzlin ist ein<br />

guter Ausgangspunkt; dort können Sie auch ein Paddelboot<br />

leihen, um das Gebiet zu erkunden. Der Naturschutz-<br />

Förderverein bietet auch Exkursionen an.<br />

www.naturschutz-peenetal.de, www.abenteuerflusslandschaft.de<br />

TEUFELSMOOR: Dieses legendäre Moor wurde<br />

durch zahllose Landschaftsmaler des Künstlerdorfes<br />

Worpswede in ganz Deutschland bekannt. Heute sind<br />

nur noch Reste des Moorgebietes übrig, unter anderem<br />

in Form des Huvenhoopsmoors bei Gnarrenburg. Zu<br />

empfehlen sind außerdem die geführten Wanderungen,<br />

Radtouren und Moorkahn-Fahrten der Biologischen<br />

Station Osterholz. Unter www.kulturland-teufelsmoor.de<br />

können Sie aus dem Pressebereich umfangreiches<br />

Informationsmaterial herunterladen.


EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

Wildlife-<strong>Fotografie</strong> 137<br />

ROTES UND SCHWARZES MOOR:<br />

Auch in den Mittelgebirgen gibt es Moore,<br />

beispielsweise in der Rhön. Das Rote Moor<br />

wurde zwar größtenteils durch Torfstecherei<br />

trockengelegt, in den Randbereichen ist es aber<br />

unberührt und steht heute unter Naturschutz.<br />

Der Rundweg, auf weiten Strecken mit<br />

Holzbohlen befestigt, ist ein beliebtes<br />

Ausflugsziel.<br />

www.rhoentourist.de/rotes-moor-rhoen.html<br />

ISTOCK PHOTO<br />

Tiere im Wasser ergeben<br />

großartige Motive – sofern die<br />

Wasseroberfläche ruhig ist<br />

und eine farbige Umgebung<br />

spiegelt.<br />

DONAUMOOS: Früher war es das größte<br />

Niedermoor Süddeutschlands. Das bayerische<br />

Donaumoos hat zwar seitdem es trockengelegt<br />

wurde seinen Moorcharakter weitgehend<br />

verloren, doch ein Besuch lohnt sich dennoch.<br />

Beim „Haus im Moos“ in Karlshuld gibt es<br />

Naturerlebnispfade, ein Freilichtmuseum und<br />

eine Biberauffangstation. Kaum sonst wo<br />

kommen Sie so nah an die Tiere heran.<br />

www.haus-im-moos.de<br />

ROSS HODDINOTT ROSS HODDINOTT<br />

Seevögel<br />

UNSERE KÜSTEN bilden ein<br />

hervorragendes Habitat für zahlreiche<br />

Seevögel. Wenn Sie eine Tagestour<br />

nach Helgoland machen, werden Sie<br />

Papageientaucher, Tölpel und<br />

ausgewachsene Seemöwen vor die<br />

Linse bekommen; mit etwas Glück<br />

gelingen sogar Bilder, wenn sie einen<br />

Fisch im Schnabel halten. Inselvögel<br />

sind normalerweise recht tolerant für<br />

die Nähe des Menschen. Mit einer<br />

Brennweite von 300 mm sollten<br />

schöne Portraits möglich sein, wobei<br />

Sie aber nicht von den markierten<br />

Fußwegen abweichen dürfen. Schalten<br />

Sie den Autofokus auf „Nachführen“<br />

und schießen Sie lange Bildserien,<br />

wodurch sich die Chance für ein gutes<br />

Foto erhöht. Halten Sie sie<br />

Verschlusszeiten so kurz wie möglich,<br />

um die Bewegungen der Vögelscharf<br />

abzubilden.<br />

In den Wintermonaten bieten auch das<br />

Watt, Flussmündungen und<br />

Küstenregionen gute Kulissen für<br />

staunenswerte Naturfotos. Überall dort,<br />

wo Nahrung im Überfl uss vorhanden<br />

ist, werden Sie große Schwärme von<br />

Watvögeln und Zugvögeln fi nden. Die<br />

Watvögel werden unablässig nach<br />

einem leckeren Bissen im Watt<br />

herumstochern. Nähern sie sich ihnen<br />

vorsichtig und benutzen Sie wenn<br />

möglich eine natürliche Deckung.<br />

Wenn Sie einen Vogel aufgeschreckt<br />

haben und er Anstalten macht,<br />

davonzufl iegen, bleiben sie regungslos<br />

stehen und warten Sie ab. Vielleicht<br />

überlegt er es sich noch einmal und<br />

widmet sich wieder seinem Festessen.<br />

Stative sind für solche Motive eher<br />

unpraktisch, die bessere Lösung sind<br />

ein Bohnensack oder ein Einbeinstativ.<br />

Wenn Sie nah an der Küste arbeiten,<br />

beachten Sie auch stets den<br />

Wasserstand! Falls die Flut<br />

hereinkommt, sollten Sie sich am<br />

besten einen Standort suchen, wo Sie<br />

bequem abwarten können, bis die<br />

Vögel sich auf dem Rückzug vor dem<br />

steigenden Wassers Ihrer Position<br />

nähern – eine sehr effektive Strategie,<br />

um Ihr Motiv auf sich zukommen zu<br />

lassen, anstatt ihm hinterher zu jagen.<br />

ISTOCK PHOTO


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EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

Kamera-Ausrüstung 139<br />

KAMERA-AUSRÜSTUNG<br />

ZUBEHÖR IST WICHTIG – ENTSCHEIDEND IST ABER, ES RICHTIG EINZUSETZEN…<br />

DIE PASSENDEN<br />

OBJEKTIVE<br />

EINSATZ VON<br />

BLITZGERÄTEN<br />

KAMERAS UND<br />

ZUBEHÖR


140 Basis-Ausrüstung: Objektive EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

Grundlagen zu Objektiven<br />

Folgen Sie unserem Ratgeber, um für Ihren Bedarf das richtige Objektiv zu finden<br />

DER SCHLÜSSEL ZUR OBJEKTIVWAHL liegt<br />

darin, ein System für all Ihre Bedürfnisse<br />

zusammenzustellen. Diese hängen wiederum von<br />

den Themen ab, die Sie bevorzugt aufnehmen:<br />

Spezialthemen wie Sport, Natur und Makro<br />

erfordern jeweils spezifische optische Mittel. Da die<br />

meisten von uns allerdings lieber von allem etwas<br />

haben, ist eine allgemeinere Auswahl am<br />

sinnvollsten. In Bezug auf Brennweiten heißt das:<br />

Wenn Ihre Objektive die Bereiche 15 mm bis 300<br />

mm auf einer Vollformat-DSLR (12 mm bis 200<br />

mm bei APS-C Sensoren) abdecken, sind Sie<br />

praktisch für jede Situation gut ausgerüstet.<br />

Längere Brennweiten sind ideal für<br />

Landschaftsfotografie, freie Natur, Architektur,<br />

Straßenszenen und Reisen, mittlere Brennweiten<br />

sind gut für Porträts, Details und allgemeine<br />

Zwecke, und Teleobjektive eignen sich für Sport,<br />

Schnappschüsse und Natur. Natürlich können Sie<br />

auch mit einem Teleobjektiv tolle Landschaften<br />

fotografieren, oder atemberaubende Naturszenen<br />

mit einem Ultraweitwinkel – nutzen Sie einfach<br />

Ihre Fantasie und nutzen Sie all Ihre Objektive voll<br />

aus.<br />

In unserem digitalen Zeitalter ist die Qualität eines<br />

Objektivs wichtiger denn je. Hochauflösende<br />

Sensoren sind so leistungsfähig, dass alle optischen<br />

Mängel von minderwertigen Objektiven sofort<br />

sichtbar werden. Am größten ist das Problem bei<br />

Ultraweitwinkel-Zooms, wo chromatische<br />

Aberration, Beugung, Vignettierung, Verzerrung<br />

und Verlust an Schärfe an den Bildecken<br />

üblicherweise zum Problem werden können – je<br />

billiger das Objektiv, umso wahrscheinlicher –,<br />

obwohl es Ausnahmen gibt. Telezooms leiden<br />

tendenziell weniger unter den genannten<br />

Problemen, weil ihr optisches Design toleranter ist,<br />

können sie aber nicht völlig ausschließen: Je mehr<br />

Pixel die Kamera hat, umso mehr Probleme können<br />

sich auf Ihren Bildern zeigen.<br />

Obwohl optische Mängel in gewissem Umfang bei<br />

der Nachbearbeitung korrigiert werden können, ist<br />

man besser bedient, wenn sie überhaupt nicht oder<br />

nur minimal vorhanden sind. Am sichersten sind<br />

Sie, wenn Sie das bestmögliche Objektiv kaufen,<br />

das Ihr Budget erlaubt. Nehmen Sie aber nicht nur<br />

den Preis eines Objektivs als alleinigen Indikator<br />

seiner Qualität. Viele Objektive und Hersteller<br />

haben einen bestimmten guten oder schlechten<br />

Ruf; lesen Sie also Kundenbewertungen und fragen<br />

Sie andere Fotografen nach ihrer Meinung. Ob Sie<br />

sich für ein Objektiv mit Festbrennweite oder eine<br />

Zoom entscheiden, hängt wiederum ganz von Ihren<br />

Bedürfnissen und Mitteln ab.<br />

Festbrennweiten sind in Bezug auf die Bildqualität<br />

meistens überlegen – Zooms hingegen sind<br />

Objektivwahl: Festbrennweite<br />

oder Zoom<br />

Sowohl Objektive mit feststehender als auch<br />

Zoomobjektive mit variabler Brennweite<br />

bieten Vor- und Nachteile. In der Regel bieten<br />

Festbrennweiten mehr Bildqualität, größere<br />

Blendenöffnungen, sind kompakter und<br />

leichter; der Kauf mehrerer Einzelobjektive<br />

kann jedoch kostspielig werden. Ein Zoom<br />

ist vielseitiger und spart Geld, da es einen<br />

großen Brennweitenbereich abdeckt. Die<br />

Qualität ist nicht ganz so hoch und die<br />

maximale Blendenöffnung kleiner, aber seine<br />

Bequemlichkeit macht es immer beliebter.<br />

vielseitiger, und Sie werden vermutlich kaum den<br />

Unterschied zwischen einer Aufnahme mit einem<br />

Zoom für 500 Euro und einer zweiten mit einem<br />

Festbrennweitenobjektiv für über 1.000 Euro<br />

erkennen. Neben Größen wie Canon und Nikon<br />

sollten auch Objektive von unabhängigen<br />

Herstellern wie Sigma und Tamron in Betracht<br />

gezogen werden, die optisch oft gleichwertig, aber<br />

preislich wesentlich günstiger sind. Unabhängig<br />

davon, welches Objektiv Sie kaufen: Seine beste<br />

optische Leistung erhalten Sie, wenn Sie so oft wie<br />

möglich mit mittleren Blendenwerten von f/8 oder<br />

f/11 arbeiten. Die Bildqualität ist jeweils am<br />

geringsten bei der kleinsten bzw. größten<br />

Blendenöffnung, vor allem bei Weitwinkel-Zooms,<br />

während die mittlere Blendenöffnung optimale<br />

Schärfe liefert.<br />

Die wichtigsten Objektivtypen für die digitale <strong>Fotografie</strong><br />

1) Weitwinkel<br />

Mit ihrem breiteren Blickfeld als<br />

das menschliche Auge erlauben<br />

Ihnen Weitwinkelobjektive,<br />

mehr von einer Szene im<br />

Bildfenster zu erfassen, daher<br />

sind sie die ideale Wahl für die<br />

Aufnahme von Landschaften,<br />

Innenräumen oder bei engen<br />

Platzverhältnissen. Sie sind<br />

in umfangreicher Auswahl als<br />

Festbrennweiten und Zooms<br />

erhältlich, an Optionen herrscht<br />

also kein Mangel. Mithilfe<br />

von Weitwinkeln können Sie<br />

Perspektiven und Bildtiefen<br />

verstärken, was zu kreativen<br />

Ergebnissen führen kann. Sie<br />

müssen sich aber bewusst sein,<br />

dass es leicht zu Verzerrungen<br />

kommt, besonders bei<br />

Objekten an den äußeren<br />

Bildrändern. Dies kann zwar<br />

für Ihre Bilder mitunter von<br />

Vorteil sein, es kann sie aber<br />

auch leicht ruinieren. Details<br />

zu Weitwinkelobjektiven siehe<br />

Seite 146.<br />

2) Telezooms<br />

Ein Telezoom ist oft das erste<br />

Objektiv, das ein DSLR- bzw.<br />

CSC-Fotograf sich anschafft.<br />

Durch seine verlängerbare<br />

Brennweite ist ein Teleobjektiv<br />

sehr hilfreich, um relativ kleine<br />

oder weit entfernte Objekte<br />

auf bildfüllendes Format zu<br />

vergrößern. Es ist auch ideal,<br />

wenn Sie Motive aufnehmen<br />

möchten, ohne bemerkt zu<br />

werden, z. . Wildtiere oder<br />

lustige Schnappschüsse.<br />

Da dieser Objektivtyp die<br />

perspektivische Bildtiefe<br />

verkürzt, ist er perfekt für<br />

schmeichelhafte Porträts<br />

geeignet. Telezooms mit<br />

50–200 mm und 70–300<br />

mm sind sehr beliebt, müssen<br />

aber mit Vorsicht eingesetzt<br />

werden, um Verwacklungen zu<br />

vermeiden. Wenn Sie es sich<br />

leisten können, investieren Sie<br />

in ein Telezoom mit maximalen<br />

Blende von f/2,8. Weitere<br />

Informationen zu Teleobjektiven<br />

siehe Seite 148.<br />

3) Makroobjektive<br />

Äußerlich sehen<br />

Makroobjektive genau wie<br />

Normalobjektive aus; der<br />

Hauptunterschied ist jedoch,<br />

dass sie viel stärker vergrößern<br />

können, sodass Sie winzige<br />

Objekte wie Insekten und<br />

Schmetterlingen formatfüllend<br />

aufnehmen können. Sie sind<br />

außerdem für sehr kurze<br />

Einstellentfernungen perfekt<br />

geeignet, wo sie hervorragende<br />

optische Qualität liefern, in<br />

der Regel mit Brennweiten<br />

von 50/55 mm bis 90/105<br />

mm. Während beide Typen<br />

nützlich sind und zumeist<br />

auch 1:1 (lebensgroße)<br />

Aufnahmen ermöglichen, sind<br />

längere Brennweiten besser<br />

für Naturfotografie geeignet,<br />

weil sie in größerer Entfernung<br />

arbeiten können – so brauchen<br />

Sie Ihrem Motiv nicht zu nah zu<br />

kommen und riskieren nicht, es<br />

zu erschrecken.<br />

4) Normalobjektive<br />

Vor langer Zeit wurden<br />

Spiegelreflexkameras mit<br />

„normalen“ 50-mm-Objektiven<br />

verkauft, von denen folglich jeder<br />

begeisterte Fotograf eines besaß;<br />

heute sind Sie stattdessen<br />

mit Standard-Zooms von<br />

18–55 mm oder 18–105 mm<br />

bestückt. Die Investition in ein<br />

50-mm-Festbrennweitenobjektiv<br />

lohnt sich aber trotzdem;<br />

denn damit halten Sie ein<br />

kompakt-leichtes Objektiv in<br />

Händen, das bis zum Bereich<br />

von wenigen Zentimetern<br />

gestochen scharfe Aufnahmen<br />

mit fantastischen Lichtstärken<br />

von mindestens f/1,8 oder sogar<br />

f/1,4 oder f/1,2 erlaubt – perfekt<br />

für Aufnahmen aus der Hand<br />

oder bei schwachem Licht. Ein<br />

75–80-mm-Objektiv hingegen<br />

liefert, auf einer Kamera mit<br />

APS-C Sensor bei maximaler<br />

Blendenöffnung, hervorragende<br />

Bilder und brillante<br />

Porträtaufnahmen mit minimaler<br />

Schärfentiefe.<br />

5) Tilt-/Shiftobjektive<br />

Diese teuren Objektive dienen zu<br />

zwei Zwecken. Erstens verhindern<br />

sie bei Architekturaufnahmen<br />

stürzende Linien: Anstatt sich<br />

zurückzulehnen, um die Spitze<br />

eines Gebäudes erfassen<br />

zu können, verschieben Sie<br />

einfach die Optik nach oben und<br />

lassen die Kamera parallel zum<br />

Gebäude ausgerichtet. Mithilfe<br />

der ‚Tilt’-Funktion können Sie<br />

außerdem den vorderen Teil des<br />

Objektivs in einem bestimmten<br />

Winkel nach unten neigen,<br />

sodass die Schärfeebene parallel<br />

zur Ebene des Kamerasensors<br />

liegt. Dadurch wird der<br />

Schärfentiefebereich vergrößert,<br />

ohne eine kleinere Blende<br />

einstellen zu müssen. Neigen Sie<br />

die Optik in die andere Richtung,<br />

wird der Schärfentiefebereich bis<br />

auf ein Minimum reduziert, was<br />

ungewöhnliche Effekte schafft.<br />

Eine ähnliche Wirkung erzielen<br />

Sie allerdings, zu einem Bruchteil<br />

der Kosten, auch mithilfe eines<br />

‚Lensbaby’.<br />

BENEDICT CAMPBELL<br />

BJORN THOMASSEN<br />

HELEN DIXON<br />

HELEN DIXON<br />

HELEN DIXON


EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

Basis-Ausrüstung: Objektive 141<br />

Thema: Effektive Brennweite<br />

Die meisten für den Einsatz mit Digitalkameras<br />

verfügbaren Objektive wurden für 35-mm-<br />

Spiegelreflexkameras oder digitale Vollformat-<br />

Spiegelreflexkameras entwickelt, deren Sensoren die<br />

gleiche Größe haben wie ein 35-mm-Filmbild (24 x<br />

36 mm). Allerdings bieten derzeit nur sehr wenige<br />

digitale Spiegelreflexkameras einen Vollformat-<br />

Sensor; die große Mehrheit verwendet APS-C<br />

Sensoren, die kleiner als das 35-mm-Vollformat<br />

sind. Demzufolge muss die Brennweite des<br />

„Normalobjektivs“ auf ein Maß verlängert werden,<br />

das in der Regel als effektive Brennweite bezeichnet<br />

wird. Diese Verlängerung kann mittels eines<br />

Vergrößerungsfaktors (MF) berechnet werden, der<br />

von der Größe des Kamerasensors abhängt. Bei den<br />

meisten Kameras beträgt dieser Faktor 1,5x – bei<br />

Canon allerdings 1,6x, und bei Vier-Drittel-Kameras<br />

sogar 2x.<br />

Für Landschaften und andere Motive, wo<br />

vorwiegend Weitwinkelobjektive genutzt werden,<br />

ist diese Verlängerung der Brennweite von Nachteil:<br />

So wird zum Beispiel ein Ultraweitwinkelzoom<br />

von 17–40 mm effektiv zu einem 25–60 mm<br />

Standardzoom, wenn die Digitalkamera den Faktor<br />

1,5x besitzt. Um die gleiche Wirkung wie ein 17–40<br />

mm Zoom zu erhalten, müssten Sie also etwa ein<br />

10–20 mm oder 12–24 mm Zoom verwenden. Für<br />

Sport, Natur und andere Themen, die Teleobjektive<br />

benötigen, ist die Brennweitenverlängerung indes<br />

vorteilhaft, weil sie schwache Objektive stärker<br />

macht: Ein 70–300 mm Zoom wird zum Beispiel<br />

auf einer Kamera mit dem Faktor 1,5x zu einem<br />

105–450 mm Zoom, sodass Sie weiter entfernte<br />

oder kleinere Motive formatfüllend aufnehmen<br />

können.<br />

Ein weiterer zu bedenkender Faktor ist, dass alle<br />

Objektive in der Mitte am schärfsten abbilden und<br />

zu den Rändern an Schärfe verlieren. Kameras mit<br />

APS-C-Sensor profitieren daher am meisten von<br />

Vollformat-Objektiven, da sie den schärferen Bereich<br />

in der Objektivmitte ausnutzen und die äußeren<br />

Bildränder ausschließen, wo die Bildqualität<br />

schlechter ist. Das Rechnen mit Brennweiten kann<br />

verwirrend sein, deshalb sollten Ihnen unsere<br />

nachfolgenden Tabellen das Verständnis erleichtern.<br />

Kameramarke/Modelle<br />

Vergrößerungs-<br />

Faktor<br />

Canon<br />

Alle EOS-Modelle (außer folgende) 1.6x<br />

EOS-1D serie 1.3x<br />

EOS 5D & EOS-1DS-Serien<br />

1x<br />

Fujifilm<br />

Alle Modelle der S-Serie 1.5x<br />

Nikon<br />

Alle D-Serien (außer folgende) 1.5x<br />

D700- und D3-Serie 1x<br />

Olympus & Panasonic<br />

Alle digitalen SLRs und CSCs<br />

2x<br />

Pentax<br />

Alle Modelle der *ist und K-Serie 1.5x<br />

Samsung<br />

Alle Modelle der GX- und NX-Serien 1.5x<br />

Sigma<br />

Alle SD-Modelle 1.7x<br />

Sony<br />

Alle Alpha & NEX (außer folgende) 1.5x<br />

Alpha 850 und 900<br />

1x<br />

Effektive Brennweiten: Die obige Tabelle zeigt<br />

die effektive Zunahme der Brennweiten für die<br />

meisten gängigen DSLR- und CSC-Kameramarken.<br />

Verwenden Sie die Vergrößerungsfaktoren<br />

zusammen mit der Tabelle auf der rechten Seite,<br />

um die effektiven Brennweiten für andere gängige<br />

Zoomobjektive zu ermitteln.<br />

Sensorgrößen: Diese Bilder wurden alle<br />

mit einem 35-mm-Objektiv von identischer<br />

Position aufgenommen, um die Wirkung des<br />

Vergrößerungsfaktors zu zeigen.<br />

Sensorgröße<br />

Vollbild APS-H APS-C APS-C (Canon) Vier-Drittel &<br />

Micro Four Thirds<br />

Brennweite<br />

auf Objektiv 1x 1.3x 1.5x 1.6x 2x<br />

14mm 14mm 18mm 21mm 22mm 28mm<br />

15mm 15mm 19mm 22mm 23mm 30mm<br />

20mm 20mm 26mm 30mm 32mm 40mm<br />

24mm 24mm 31mm 36mm 38mm 48mm<br />

28mm 28mm 36mm 42mm 45mm 56mm<br />

50mm 50mm 65mm 75mm 80mm 100mm<br />

85mm 85mm 110mm 127mm 136mm 170mm<br />

100mm 100mm 135mm 150mm 160mm 200mm<br />

10-17mm 10-17mm 13-22mm 15-25mm 16-27mm 20-34mm<br />

10-20mm 10-20mm 13-26mm 15-30mm 16-32mm 20-40mm<br />

10-22mm 10-22mm 13-29mm 15-33mm 16-35mm 20-44mm<br />

11-18mm 11-18mm 14-23mm 16-27mm 18-29mm 22-36mm<br />

12-24mm 12-24mm 16-31mm 18-36mm 19-38mm 24-48mm<br />

16-35mm 16-35mm 21-45mm 24-53mm 26-56mm 32-70mm<br />

17-35mm 17-35mm 22-45mm 25-53mm 27-56mm 34-70mm<br />

17-40mm 17-40mm 22-52mm 25-60mm 27-56mm 34-80mm<br />

18-55mm 18-55mm 23-71mm 27-82mm 29-88mm 36-110mm<br />

18-200mm 18-200mm 23-260mm 27-300mm 29-320mm 36-400mm<br />

18-270mm 18-270mm 23-351mm 27-405mm 29-432mm 36-540mm<br />

24-105mm 24-105mm 31-136mm 36-157mm 38-168mm 48-210mm<br />

28-70mm 28-70mm 36-91mm 42-105mm 45-112mm 56-140mm<br />

28-300mm 28-300mm 36-390mm 42-450mm 45-480mm 56-600mm<br />

55-200mm 55-200mm 71-260mm 82-300mm 88-320mm 110-400mm<br />

70-300mm 70-300mm 91-390mm 105-450mm 112-480mm 140-600mm<br />

100-400mm 100-400mm 130-520mm 150-600mm 160-600mm 200-800mm<br />

Vollbild<br />

APS-C<br />

Vier-Drittel


142 Die richtige Fotoausrüstung EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

Wie Objektive das Motiv beeinflussen<br />

Die Wahl des Objektivs bestimmt, wie das Motiv aufgenommen wird. Man sollte sich also in jeder Aufnahmesituation<br />

darüber im Klaren sein, welches Objektiv am besten zu ihr passt. Die Beispiele zeigen, wie<br />

unterschiedliche Objektive den Tiefenschärfebereich und die Perspektive beeinflussen.<br />

Der Blickwinkel<br />

Der mit der Brennweite verwandte Blickwinkel<br />

drückt den Sichtbereich des Objektivs in Grad<br />

aus. Ein 50 Millimeter Standard-Objektiv (33<br />

Millimeter in APS-C) wird üblicherweise als das<br />

Objektiv angesehen, dass dem menschlichen<br />

Auge am ehesten entspricht. Weitwinkelobjektive<br />

haben einen größeren Blickwinkel als<br />

Standard-50-Millimeter-Objektive. Sie zeichnen<br />

daher viel mehr auf, als das menschliche Auge<br />

sehen kann. Je kürzer die Brennweite, desto<br />

weiter das Objektiv und desto größer der<br />

Blickwinkel. Normale Weitwinkelobjektive haben<br />

eine Brennweite unter 24 Millimetern (auf einer<br />

Vollformat-Kamera). Objektive mit einer<br />

Brennweite unter 17 Millimeter werden als<br />

„Ultraweit“ bezeichnet.<br />

Teleobjektive haben einen engeren Blickwinkel<br />

als Standard-Objektive und vergrößern die<br />

Objekte im Bildausschnitt. Je größer die<br />

Brennweite, desto enger der Blickwinkel.<br />

Dadurch können weniger Bildelemente in die<br />

Komposition aufgenommen werden.<br />

17 mm<br />

24mm<br />

20 mm<br />

28 mm<br />

FOTOS: ROSS HODDINOTT<br />

35 mm<br />

50 mm<br />

70 mm<br />

100 mm<br />

135 mm<br />

170 mm<br />

200 mm<br />

250 mm<br />

300 mm<br />

400 mm<br />

500 mm<br />

600 mm


EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

Die richtige Fotoausrüstung 143<br />

Perspektive<br />

Viele Fotografen merken nicht, welch große Wirkung<br />

die Wahl des Objektivs auf das Bild haben kann. Die<br />

Beziehung des Motivs mit dem Hintergrund, kann<br />

durch den Einsatz verschiedener Objektive stark<br />

verändert werden. Wird ein Bild mit einem<br />

Weitwinkelobjektiv aufgenommen, verbessert man<br />

die Tiefe des Motivs und verstärkt die Perspektive.<br />

Mit einem Teleobjektiv hingegen wird die<br />

Perspektive reduziert, das Motiv wird komprimiert<br />

und verliert dadurch Tiefe.<br />

Um die Perspektiveänderungen aufzuzeigen, wurde<br />

eine Reihe von Bildern mit Brennweiten von zehn<br />

bis 400 Millimetern aufgenommen. Es wurde<br />

darauf geachtet, dass das Motiv bei allen<br />

Aufnahmen in der gleichen Größe erscheint. Dies<br />

wurde durch die Distanz der Kamera zum Motiv<br />

ausgeglichen. Zuerst wurde mit einem<br />

Weitwinkelobjektiv aus der Nähe aufgenommen.<br />

Die Distanz wurde mit steigender Tele-Einstellung<br />

größer. Wie man auf dem Beispiel sieht, ist der<br />

Perspekitveunterschied enorm. Das sollte man nicht<br />

vergessen, wenn man das nächste Mal ein Model<br />

wirkungsvoll vor dem Hintergrund platzieren will.<br />

10 mm<br />

28 mm<br />

14 mm<br />

55 mm<br />

100 mm 200 mm<br />

400 mm<br />

Die Tiefenschärfe:<br />

Wenn das Motiv fokussiert wird, erscheint ein bestimmter Bildbereich vor und hinter dem<br />

Fokuspunkt ebenfalls scharf, das ist der Tiefenschärfebereich. Die Wahl der Blende hat die größte<br />

Wirkung auf die Tiefenschärfe. Große Blenden produzieren einen engen Tiefenschärfebereich und<br />

kleine Blenden lassen einen tieferen Teil des Motivs scharf erscheinen. Es gibt aber noch zwei<br />

weitere Faktoren, die die Tiefenschärfe beeinflussen: Die Distanz von der Kamera zum Objekt und<br />

die Brennweite des eingesetzten Objektivs. Erfahrene Fotografen bestätigen, dass man mit<br />

Weitwinkelobjektiven eine größere Tiefenschärfe erreicht als mit Teleobjektiven. Mit einem 18 bis<br />

200 Millimeter-Zoom auf f/8 ist die Tiefenschärfe bei 18 Millimetern weit größer als bei 200<br />

Millimetern Abstand. Wenn man berücksichtigt, wie die Brennweite die Perspektive beeinflussen<br />

kann, kann ein bestimmtes Objektiv eingesetzt werden, um die Tiefenschärfe zu erhöhen oder zu<br />

reduzieren. Die Aufnahmen unten wurden alle von der selben Stelle mit f/8 gemacht. Man sieht,<br />

wie die Tiefenschärfe durch das Heranzoomen reduziert wird.<br />

18 mm<br />

90 mm<br />

35 mm<br />

200 mm<br />

Probleme mit dem Objektiv:<br />

Es gibt verschiedene Probleme mit Objektiven,<br />

die ein guter Fotograf beachten sollte.<br />

Reflexlichter<br />

Streulicht aus der Sonne<br />

oder anderen Lichtquellen<br />

kann zu Reflexlichtern<br />

führen, die den Bildkontrast<br />

reduzieren und helle<br />

Punkte auf dem Bild<br />

hervorrufen. Reflexlichter<br />

können durch eine<br />

Objektivblende, die eigene<br />

Hand oder ein Stück<br />

Karton verhindert<br />

werden.<br />

Reflex<br />

Verzeichnung:<br />

Wenn gerade Linien auf dem Bild gekurvt erscheinen,<br />

nennt man das Verzeichnung. Bei der<br />

tonnenförmigen Verzeichnung wird die Mitte einer<br />

Linie gegen den Bildrand gezogen. Bei der kissenförmigen<br />

Verzeichnung passiert das Gegenteil. Die<br />

tönnenförmige Verzeichnung, auch Konvexverzerrung<br />

genannt, kommt häufig bei Aufnahmen mit<br />

Weitwinkelobjektiven vor. Die kissenförmige Verzeichnung<br />

kann auf Teleobjektiv-Aufnahmen<br />

erscheinen. Dieser Effekt betrifft vor allem billigere<br />

Objektive und solche für weitere Distanzen.<br />

Objektive mit asphärischen Objektivelementen<br />

minimieren Verzeichnungsprobleme. Die Verzeichnung<br />

kann auch bis zu einem gewissen Grad im<br />

Photoshop korrigiert werden.<br />

Chromatische Aberration<br />

ist ein Abbildungsfehler optischer Linsen, der dadurch<br />

entsteht, dass Licht unterschiedlicher<br />

Wellenlängen verschieden stark gebrochen wird.<br />

Das Resultat sind normalerweise Farbsäume,<br />

dünne Farbbänder rund um kontrastreiche Bildobjekte<br />

herum. Dieses Objektivproblem kann durch<br />

den Einsatz von apochromatischen Objektivelementen<br />

gelöst werden.


144 Die richtige Fotoausrüstung EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

Typen von Weitwinkelobjektiven<br />

Es gibt drei Grundtypen von Weitwinkelobjektiven.<br />

Jeder bietet Vor- und Nachteile.<br />

Wir zeigen Ihnen, welche.<br />

Ultraweitwinkelzoom<br />

Diese Gruppe von Objektiven erfreut sich einer immer höheren Popularität. Dies ist keine<br />

Überraschung, da die Reichweite, die sie abdeckt, für eine so kleines und preiswertes<br />

Objektiv eine unglaubliche Vielfalt bietet. Tatsächlich ist der Ultraweitwinkelzoom wohl eines<br />

der wertvollsten Objektive, das Sie besitzen können. Es gibt einige verfügbare Brennweiten<br />

und eine, die bei circa 11 bis 22 Millimetern liegt, eignet sich am besten für Kameras mit<br />

einem Sensor der Größe APS-C. In Wahrheit decken alle einen ziemlich ähnlichen Bereich ab,<br />

trotzdem gibt es die ein oder andere Ausnahme, die es zu beachten gilt. Das 10-17<br />

Millimeter-Fischaugen-Objektiv von Pentax bietet bei seiner größten Einstellung einen<br />

Blickwinkel von 180 Grad, man bekommt also quasi ein Fischaugen-Objektiv und einen<br />

Ultraweitwinkelzoom in einem. Bemerkenswert ist, dass das 12-24 Millimeter-Objektiv von Sigma, entgegen der<br />

meisten Ultraweitwinkelzooms, auch auf Vollformat- und APS-C-Kameras benutzt werden kann. Zu guter letzt: Trotz der<br />

Popularität des 16-35 Millimeter-Objektivs bei Benutzern von Vollformat-Kameras, ist die 24-53 Millimeter-Reichweite,<br />

die es mit APS-C abdeckt, recht limitiert, so dass wir von einem Kauf abraten würden.<br />

Feste Weitwinkel<br />

Klein, leicht und kompakt, mit einer<br />

hochwertigen Optik – dies sind<br />

begehrte Objektive, die in diversen<br />

Brennweiten erhältlich sind und darauf<br />

ausgerichtet sind, Digitalfotografen den<br />

ultimativen Weitwinkel zu bieten. Bei 14<br />

Millimetern Ultraweitwinkel angefangen, ist<br />

das Objektiv vor allem für die Architekturftografie sehr<br />

gut geeignet, wenn man einen Rahmen aus kurzer<br />

Entfernung mit einem Gebäude füllen will. Weitwinkel<br />

von 20-28 Millimetern sind ideal für Landschafts- und<br />

Reisefotografen. Der Gebrauch in Verbindung mit<br />

Kameras, die einen APS-C-Sensor besitzen, ist hingegen<br />

sehr eingeschränkt. Zudem wird diese Reichweite auch<br />

von Objektiven der Standardausrüstung abgedeckt.<br />

Fisheye<br />

Das Fisheye bietet die extremste<br />

Tiefenschärfe. Es gibt zwei Arten – das<br />

runde und das Vollformat-Fisheye.<br />

Beide bilden sehr unterschiedlich ab.<br />

Runde Fisheyes erzeugen runde Bilder<br />

mit einem Blickwinkel von 180 Grad,<br />

wenn Sie in Verbindung mit einer Vollformatkamera verwendet<br />

werden. Sie verzerren die Perpektive und sind - vor allem wenn<br />

das Objekt sehr nahe ist - perfekt für lustige Porträts.<br />

Das Vollformat-Fisheye, auch als diagonales Fisheye<br />

bezeichnet, bietet ein Blickfeld von 180 Grad und kann<br />

dementsprechend unglaublich breite Aussichten festhalten. Sie<br />

sind sehr teuer, und in ihren Gebrauchsmöglichkeiten sehr<br />

begrenzt. Leihen Sie sich eines von Ihrem Händler, bevor Sie<br />

sich selbst eines kaufen.<br />

Warum sollte ich ein Weitwinkelobjektiv benutzen?<br />

Wollten Sie schon mal ein Objekt oder eine Szene fotografieren und mussten erkennen, dass nicht alles in den<br />

Rahmen passt? Wenn ja, brauchen Sie ein Weitwinkel-Objektiv. Mit einer Tiefenschärfe, die um einiges weiter<br />

reicht als das menschliche Auge, bietet es die perfekte Optik, um Aussichten festzuhalten oder große Objekte in<br />

den Rahmen zu bringen. Ein solches Objektiv verzerrt die Abbildung konstruktionsbedingt. Doch wenn Sie<br />

wissen, was Sie erwarten dürfen und wie Sie kreativ damit umgehen können, gelingen Ihnen Aufnahmen, die<br />

mit keinem anderen Objektiv möglich sind.<br />

Brennweiten verstehen: Weitwinkelobjektiv<br />

Die auf einem Objektiv angegebene Brennweite bezieht sich meistens auf Kameras, die ein 35-Millimeter-<br />

Film- oder ein Vollformat-Objektiv verwenden. Wenn Ihre Kamera einen Sensor der Größe APS-C besitzt, dann<br />

schneiden Sie das Bild letzten Endes aus und geben ihm den Effekt eines Objektivs mit längerer Brennweite<br />

auf einem Vollformat-Sensor. Die untenstehende Tabelle zeigt bekannte Weitwinkel-Objektive und wie sich<br />

deren effektive Brennweite ändert, wenn sie in Verbindung mit Digitalkameras verwendet werden.<br />

Brennweite Kameras<br />

bei Objektiv Vollformat APS-H APS-C APS-C (Canon) Four-Thirds<br />

1x 1.3x 1.5x 1.6x 2x<br />

8 mm 8 mm 10 mm 12 mm 13 mm 16 mm<br />

14 mm 14 mm 18 mm 21mm 22 mm 28 mm<br />

15 mm 15 mm 19 mm 22 mm 23 mm 30 mm<br />

20 mm 20 mm 26 mm 30 mm 32 mm 40 mm<br />

24 mm 24 mm 31 mm 36 mm 38 mm 48 mm<br />

28 mm 28 mm 36 mm 42 mm 45 mm 56 mm<br />

10-17 mm 10-17 mm 13-22 mm 15-25 mm 16-27 mm 20-34 mm<br />

10-20 mm 10-20 mm 13-26 mm 15-30 mm 16-32 mm 20-40 mm<br />

10-22 mm 10-22 mm 13-29 mm 15-33 mm 16-35 mm 20-44 mm<br />

11-18 mm 11-18 mm 14-23 mm 16-27 mm 18-29 mm 22-36 mm<br />

12-24 mm 12-24 mm 16-31 mm 18-36 mm 19-38 mm 24-48 mm<br />

16-35 mm 16-35 mm 21-45 mm 24-53 mm 26-56 mm 32-70 mm<br />

17-35 mm 17-35 mm 22-45 mm 25-53 mm 27-56 mm 34-70 mm<br />

17-40 mm 17-40 mm 22-52 mm 25-60 mm 27-56 mm 34-80 mm<br />

Anatomie eines<br />

Weitwinkelzooms<br />

1) Gegenlichtblende: Ultraweitwinkel<br />

haben eine eigene Blende, um<br />

Vignettierung und Reflexlicht zu vermeiden.<br />

2) Großes, konkaves Vorderelement: Das<br />

Vorderelement hat normalerweise eine<br />

auffällige Krümmung und wenn man das<br />

Objektiv nicht schützt, ist es Staub und<br />

Kratzern ausgesetzt. Geben Sie also auf,<br />

wenn Sie es mitnehmen.<br />

3) Manueller Fokusring: Normalerweise<br />

vorne am Objektiv und aus guten Gründen<br />

sehr breit. Sie werden ihn kaum<br />

verwenden, da Weitwinkelobjektive einen<br />

ausgezeichneten Autofokus besitzen.<br />

4) Zoomring: Befindet sich in der Regel<br />

hinten am Objektiv. Meistens sind auch sie<br />

breit und mit einer genuteten Oberfläche,<br />

um Ihnen einen guten Zugriff darauf zu<br />

ermöglichen.<br />

5) Fokusdistanz: Bei vielen Objektiven ist<br />

die Fokusdistanz auf der Oberfläche<br />

vermerkt, während einige der etwas<br />

teureren Modelle ein Fokusdistanzfenster<br />

besitzen.<br />

6) Hyperfokale Entfernung: Diese Angabe<br />

erlaubt Ihnen, abzuschätzen, wie viel von<br />

der Szene bei Ihrer Blendenwahl scharf<br />

erscheinen wird.<br />

7) Integriertes Fokussierungssystem (IF):<br />

Wenn Sie vorhaben, Filter zu benutzen,<br />

dann bieten Objektive mit integriertem<br />

Fokussierungssystem den Vorteil, dass sich<br />

die Vorderseite des Objektivs nicht dreht,<br />

wenn Sie fokussieren, und sie sie daher<br />

auch nicht von neuem einstellen müssen.<br />

1<br />

4<br />

3<br />

5<br />

Reine Digitalobjektive<br />

Wenn Sie ein Objektiv suchen, überprüfen<br />

Sie stets, ob es nur für Digitalkameras in<br />

Verbindung mit Vollformat- oder auch für<br />

solche mit APS-C/Four-Third-Sensoren<br />

geeignet ist. Die Vollformat-Objektive sind<br />

normalerweise teurer, diejenigen für den<br />

rein digitalen Gebrauch sind auf Sensoren<br />

angepasst. Wenn Sie eine digitale<br />

Spiegelreflexkamera mit APS-C- oder<br />

kleinerem Sensor benutzen und nicht damit<br />

liebäugeln, sich eine Vollformat-<br />

Digitalkamera zuzulegen, kaufen Sie sich<br />

ein reine Digitalobjektive, wie zum Beispiel<br />

die Canon EF-S- oder die DX-Modelle von<br />

Nikon.<br />

2<br />

6


Passen Sie auf Ihre Füße auf!<br />

Wenn Sie ein 180-Grad-Fisheye benutzen,<br />

müssen Sie aufpassen, dass Ihre Füße nicht<br />

im Bild sind. Lehnen Sie sich leicht nach<br />

vorne, um das zu vermeiden<br />

MATT WHORLOW


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148 Die richtige Fotoausrüstung EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

Das perfekte Objektiv für den alltäglichen Gebrauch<br />

System-Standardobjektive<br />

Das Standardzoom, das zusammen mit Ihrer Kamera geliefert wurde, ist ein gutes<br />

Allzweckobjektiv, das annehmbare Bildqualität liefert. Wir empfehlen jedoch den<br />

Kauf eines 50-Millimeter-Standardobjektivs für bessere optische Qualität.<br />

Ein Standard-Objektiv ist für die meisten<br />

Systemkameras erhältlich. Mikro-Four-Third-<br />

Objektive sind das G 20 Millimeter-f/1.7 von<br />

Panasonic, das 30 Millimeter-f/2 von Samsung<br />

und das NEX 50 Millimeter-f/1.8 von Sony.<br />

Das 50 Millimeter-f/1.8-Standardobjektiv<br />

In den Tagen des Kleinbildfilms fanden Sie<br />

unweigerlich ein 50 Millimeter-f/1.8-Objektiv mit<br />

fester Brennweite auf nahezu jeder<br />

Spiegelreflexkamera. Es war das erste Objektiv, das<br />

jeder in Verbindung mit einer Spiegelreflexkamera<br />

benutzte. Es blieb bis in die späten 1980er hinein<br />

sehr gefragt. Zu jener Zeit etwa erschienen die ersten<br />

Standardzooms. Mit variablen Brennweiten, die von<br />

Weitwinkel- bis zu kurzen Teleobjektiven alles<br />

abdeckten, bedeutete das 28-70 Millimeter-Objektiv<br />

(und ähnliche) in puncto Flexibilität einen Schritt nach<br />

vorne und führte leider dazu, dass das 50 Millimeter-<br />

Standardobjektiv nicht mehr die erste Wahl war.<br />

Zuerst einmal handelt es sich um ein in der<br />

Anschaffung sehr preiswertes Objektiv. 50 Millimeter-<br />

Objektive von Canon, Nikon und Sony liegen neu bei<br />

etwa 125 Euro, gebraucht sind sie schon für etwas<br />

über der Hälfte dieses Preises erhältlich, und daher<br />

eine erschwingliche Wahl für die meisten von uns. Die<br />

Glaubwürdigkeit dieses Preis-Leistungs-Argumentes<br />

wird durch folgende Tatsache untermauert: Das<br />

Wahlobjektiv vieler Porträtprofis war lange Zeit das 85<br />

Millimeter-Teleobjektiv, was Sie in einer f/1.8-Version<br />

um die 380 Euro kostet. Wenn Ihre Kamera einen<br />

APS-C-Sensor besitzt, wie in den meisten Fällen,<br />

verhält sich ein 50 Millimeter-Objektiv für 125 Euro<br />

wie ein 75 Millimeter-f/1.8-Objektiv (oder ein 80<br />

Millimeter-f/1.8, wenn Sie eine Canon benutzen) –<br />

und Sie sparen circa 255 Euro!<br />

Wenn es Ihnen nichts ausmacht, ein gebrauchtes<br />

Objektiv mit manueller Fokussierung zu kaufen,<br />

können Sie schon welche ab 30 Euro finden. Für den<br />

Preis einer vernünftigen Speicherkarte können Sie<br />

also auch ein hochwertiges Stück Glas bekommen,<br />

das schon ein paar Jahrzehnte alt sein kann und dem<br />

der Autofokus fehlt, Sie jedoch nicht enttäuscht. Man<br />

könnte also nicht behaupten, dass ein 50 Millimeter-<br />

Objektiv nicht erschwinglich sei, doch was bietet es<br />

eigentlich darüberhinaus? Das beste<br />

Verkaufsargument ist sicherlich seine maximale<br />

Blende von f/1.8. Ein Objektiv mit einer so schnellen<br />

maximalen Blende birgt eine Menge Potential. Das<br />

50-Millimeter-Objektiv ist zwei oder drei Stufen<br />

schneller als ihr 18-55 Millimeter-Standardzoom mit<br />

einer maximale Blende von f/3.5-5.6, versorgt Sie mit<br />

einem helleren Sucherbild und erlaubt Ihnen, bei<br />

schwachen Lichtverhältnissen aus der Hand<br />

aufzunehmen, auch bei niedrigeren ISO-Werten.<br />

Der Hauptvorteil der breiten maximalen Blende ist die<br />

extrem flache Tiefenschärfe, die dazu beiträgt, das<br />

Hauptobjekt von seiner Umgebung zu isolieren, wenn<br />

man mit einer breiten Öffnung aufnimmt. Dieses eine<br />

Merkmal bietet bedeutende kreative Möglichkeiten,<br />

vor allem im Porträtbereich. Das 50-Millimeter-<br />

Objektiv punktet im Vergleich zu fast allen anderen<br />

Objektiven auch hinsichtlich Größe und Gewicht. Mit<br />

150 Gramm und circa 5 Zentimetern Länge können<br />

Sie es immer mit sich führen, vor allem wenn Sie<br />

reisen.<br />

Und damit zum wahrscheinlich entscheidenden<br />

Vorteil – der Bildqualität. Wie bei den meisten<br />

Objektiven mit fester Brennweite ist die optische<br />

Qualität eines bescheidenen 50-Millimeter-Objektivs<br />

wohl besser als die aller anderen, bis auf die der<br />

Profizooms, und in puncto Schärfe sind sie<br />

Standardzooms weit überlegen. Was Schärfe,<br />

Verzerrung, Lichtabfall und Kontrast angeht, so gibt es<br />

auch bei Aufnahmen mit breiter Öffnung wenig Grund<br />

sich zu beschweren. Hier haben Sie es also: Das<br />

kleine, leichte und sehr erschwingliche Objektiv mit<br />

superschneller Blende und rasiermesserscharfer<br />

Optik. Wollten Sie das nicht schon immer?<br />

Aktuelle Autofokus-50-Millimeter-f/1.8-<br />

Objektive<br />

Sie werden feststellen, dass Marken, die<br />

Vollformat-Digitalkameras anbieten,<br />

50-Millimeter-Objektive in ihrem Sortiment<br />

beibehalten haben. Wenn Sie haushalten müssen,<br />

vermeiden Sie den Kauf der schnelleren f/1.4- und<br />

f/1.2-Varianten, die eher für Profis entworfen werden,<br />

und daher größer und weitaus teurer sind. Canon- und<br />

Nikon-Objektive gibt es seit Jahren, halten Sie also<br />

Ausschau nach gebrauchten Objektiven!<br />

Canon EF 50mm f/1.8II<br />

Listenpreis: 165 Euro<br />

Straßenpreis: 125 Euro<br />

Größe (D x L): 68.2 x 41 mm<br />

Gewicht: 130 g<br />

Das Mk II-Objektiv ist dem Original<br />

quasi identisch – beide sind einen<br />

Kauf wert.<br />

Nikon 50mm f/1.8D<br />

Listenpreis: 170 Euro<br />

Straßenpreis: 140 Euro<br />

Größe (D x L): 63 x 39 mm<br />

Gewicht: 160g<br />

Klein, leicht und sehr scharf.<br />

Achten Sie auf das „D“, um den<br />

Kauf eines älteren Objektivs zu<br />

vermeiden.<br />

Sony DT 50mm f/1.8 SAM<br />

Listenpreis: 200 Euro<br />

Straßenpreis: 190 Euro<br />

Größe (D x L): 70 x 45 mm<br />

Gewicht: 170 g<br />

Ein großartiges, aber nicht so leicht<br />

zu findendes Objektiv. Denken Sie<br />

daran, dass auch Minolta Dynax-Objektive passen!<br />

Was ist das Besondere an einem<br />

50-Millimeter-f/1.8-Objektiv?<br />

Um die Vorzüge eines so schnellen Objektivs wie dem<br />

50-Millimeter-Objektiv wirklich zu verstehen und schätzen zu<br />

können, sollten Sie eines ausprobieren, doch vertrauen Sie<br />

uns: Sobald Sie eins getestet haben, wird es Sie nicht mehr<br />

loslassen. Das 50-Millimeter-f/1.8-Objektiv befähigt Sie dazu,<br />

den Hintergrund vollständig aus dem Fokus zu rücken und das<br />

Hauptobjekt von seiner Umgebung zu isolieren. Diese<br />

Bilderreihe zeigt die Änderung der Tiefenschärfe bei<br />

verschiedenen Blenden von f/1.8 bis f/22.<br />

f/5.6<br />

f/1.8<br />

f/8<br />

f/3.2<br />

f/11<br />

f/14<br />

f/18<br />

f/22


EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

Die richtige Fotoausrüstung 149<br />

Objektive mit sehr gutem<br />

Preis-Leistungs-Verhältnis<br />

Über die Jahre haben wir viele Objektive getestet und ein paar von ihnen ausgewählt, von denen wir denken, dass sie es wert sind, über den<br />

Kauf nachzudenken. Es sind sechs Objektive unabhängiger Hersteller, die eine hochwertige Optik besitzen und exzellente Bildqualität liefern.<br />

Sigma 10-20mm f/4-5.6 EX DC HSM<br />

www.sigma-foto.de<br />

Listenpreis: 695 Euro<br />

Straßenpreis: 545 Euro<br />

Eigenschaften<br />

- Bauweise: 14 Elemente in zehn Gruppe<br />

- Blendenreichweite: f/4-5.6 bis f/22<br />

- Filtergewinde: 77 Millimeter<br />

- Maße: 83,5 x 81 Millimeter<br />

- Gewicht: 470 Gramm<br />

- Passt auf: Canon, Nikon, Pentax, Sigma und Sony<br />

Dieser Ultraweitzoom ist, dank seiner kompakten Bauweise und seiner<br />

scharfen Optik unter Landschaftsfotografen wirklich sehr beliebt. Wie<br />

alle Sigma EX-Objektive ist es hochwertig verarbeitet und fühlt sich sehr<br />

solide an. Der Objektivtubus ist mit einem manuellen Fokusring<br />

ausgestattet und die Optik liefert durch die Bank scharfe Resultate, mit<br />

einerm leichten Hang zu chromatischer Aberration.<br />

Tamron AF 55-200mm f/4-5.6 LD Di II<br />

www.tamron.eu<br />

Listenpreis: 200 Euro<br />

Straßenpreis: 160 Euro<br />

Eigenschaften<br />

- Bauweise: 14 Elemente in zehn Gruppen<br />

- Blendenreichweite: f/2 bis f/22<br />

- Filtergewinde: 55 Millimeter<br />

- Maße: 73 x 80 Millimeter<br />

- Gewicht: 400 Gramm<br />

- Passt auf: Canon, Nikon und Sony<br />

Exklusiv für Kameras mit APS-C-Sensoren gebaut, ist die Trumpfkarte<br />

dieses leichtgewichtigen Objekktivs seine maximale Blende von f/2, die<br />

ihm gegenüber seiner Konkurrenz eine Reihe von Vorzügen einräumt.<br />

Außer einem helleren Sucherbild, erzeugt es eine sehr flache<br />

Tiefenschärfe – eine der Hauptanforderungen in der Makrofotografie.<br />

Tamron 10-24mm f/3.5-4.5 Di II LD<br />

www.tamron.eu<br />

Listenpreis: 200 Euro<br />

Straßenpreis: 165 Euro<br />

Eigenschaften<br />

- Bauweise: 13 Elemente in neun Gruppen<br />

- Blendenreichweite: f/4-5.6 bis f/32<br />

- Filtergewinde: 52 Millimeter<br />

- Maße: 71,6 x 83 Millimeter<br />

- Gewicht: 300 Gramm<br />

- Passt auf: Canon und Nikon<br />

Normalerweise fällt die Schärfe ab, wenn Sie sich durch die Brennweiten<br />

zoomen. Dieses Objektiv jedoch behält stets eine gute Schärfe bei. Sein breiter<br />

Zoomring ist sehr leicht zu bedienen. Der Autofokus leistet gute Arbeit – er ist<br />

nicht der schnellste oder leiseste, passt aber und profiliert sich vor allem bei<br />

schwachen Lichtverhältnissen. Es handelt sich um einen leichten und<br />

kompakten Telezoom, mit großartigem Preis-Leistungs-Verhältnis.<br />

Tamron 18-270mm f/3.5-6.3 Di II VC PZD<br />

www.tamron.eu<br />

Listenpreis: 630 Euro<br />

Straßenpreis: 480 Euro<br />

Eigenschaften<br />

- Bauweise: 12 Elemente in neun Gruppen<br />

- Blendenreichweite: f/3.5-4.5 bis f/22<br />

- Filtergewinde: 77 Millimeter<br />

- Maße: 83,2 x 86,5 Millimeter<br />

- Gewicht: 406 Gramm<br />

- Passt auf: Canon, Nikon, Pentax und Sony<br />

Das 10-18 Millimeter-Objektiv von Tamron war die Jahre über sehr beliebt.<br />

Dieser Zusatz jedoch, mit seiner sehr großen Bandbreite an Brennweiten,<br />

ist sogar noch vielseitiger einsetzbar. Es ist kompakt und leicht, umgänglich<br />

und mit einem internen Fokussierungssystem ausgestattet, das<br />

Filterbenutzern gefallen wird. Die optische Qualität stimmt, dank seiner<br />

asphärischen und wenig streuenden Elemente, ebenfalls.<br />

Tamron SP AF 60mm f/2 Di II LD Macro<br />

www.tamron.de<br />

Listenpreis: 825 Euro<br />

Straßenpreis: 635 Euro<br />

Eigenschaften<br />

- Bauweise: 16 Elemente in 13 Gruppen<br />

- Blendenreichweite: f/3.5-6.3 bis f/22<br />

- Filtergewinde: 62 Millimeter<br />

- Maße: 74,4 x 88 Millimeter<br />

- Gewicht: 450 Gramm<br />

- Passt auf: Canon, Nikon und Sony<br />

Das 18-270 Millimeter-Objektiv von Tamron bietet einen unglaublichen 15fachen<br />

Zoom, was eine effektive Brennweite von 28-419 Millimetern ergibt, und für so<br />

gut wie jede Art von Objekt zu einem geeigneten Objektiv macht. Der zusätzliche<br />

Bildstabilisator gibt ihm einen vierfachen Nutzen: Es kann für Aufnahmen aus der<br />

Hand, bei schwachen Lichtverhältnissen dienen, während der Piezo Ultrasonic-<br />

Motor für einen schnellen und geräuscharmen Autofokus sorgt.<br />

Sigma 120-400mm f/4.5-5.6 DG OS HSM<br />

www.sigma-foto.de<br />

Listenpreis: 1.140 Euro<br />

Straßenpreis: 764 Euro<br />

Eigenschaften<br />

- Bauweise: 21 Elemente in 15 Gruppen<br />

- Blendenreichweite: f/4.5-5.6 to f/32<br />

- Filtergewinde: 77mm<br />

- Maße: 92 x 203 Millimeter • Gewicht: 1.640 Gramm<br />

- Passt auf: Canon, Nikon, Pentax, Sigma und Sony<br />

Trotz seiner Brennweite ist dieser Zoom mit hoher Reichweite relativ<br />

kompakt und enthält einen optischen Stabilisator (OS), ein hinteres<br />

Fokussierungssystem und einen Hyper Sonic-Motor (HSM) für leise,<br />

schnelle Fokussierung. Seine minimale Fokusdistanz liegt bei 150<br />

Zentimetern bei einer Vergrößerung von 1:4,2 – was Naturfotografen<br />

sicherlich ansprechen sollte.


150 Grundlagen der Blitztechnik EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

Blitzgrundlagen<br />

Wenn Sie danach trachten, Ihre Blitzaufnahmen besser zu steuern, sollten Sie die Zusammenhänge zwischen<br />

Blitzoptionen und Blitzfunktionen kennen und wissen, wann Sie welche Kombination am besten einsetzen.<br />

Es gab Zeiten, da hatten Sie genau zwei<br />

Möglichkeiten: Blitz an oder aus. Einfacher geht es<br />

wirklich nicht. Heute hingegen stehen Ihnen alle<br />

möglichen Blitz-Betriebsarten zur<br />

Verfügung, die den Einsteiger verwirren<br />

und selbst den erfahrenen Profi<br />

verblüffen. Entscheidend ist zu wissen,<br />

dass jede Blitzart für einen bestimmten<br />

Motivtypus gedacht ist, also zu wissen,<br />

wann und wie Sie sie einsetzen. Der<br />

große Vorteil der Digitalfotografie ist<br />

natürlich, dass Sie alles Mögliche<br />

ausprobieren können, ohne hundertmeterweise<br />

Kleinbildfilm zu verschwenden. Sie werden bald<br />

feststellen, welcher Blitzmodus für Ihr Motiv am<br />

besten geeignet ist. Zuerst stellen wir die<br />

gebräuchlichen einfachen Blitz-Betriebsarten vor<br />

und kommen danach zu den kreativeren Optionen.<br />

Außerdem finden Sie Informationen zur<br />

Terminologie und zu nützlichem Zubehör, das die<br />

Einsatzmöglichkeiten Ihres Blitzgeräts erweitert.<br />

3<br />

Anatomie eines Elektronenblitzgeräts<br />

2<br />

1<br />

1<br />

BRETT HARKNESS<br />

Warum Sie sich ein externes<br />

Blitzgerät zulegen sollten<br />

Praktisch alle SLR haben ein eingebautes Blitzgerät,<br />

die meisten CSC ebenso; falls nicht, werden sie mit<br />

einem Aufsteckblitz geliefert. Warum also noch ein<br />

Blitzgerät kaufen? Dafür gibt es etliche Gründe, doch<br />

drei davon sind entscheidend.<br />

Erstens: die Blitzleistung. Die des eingebauten Blitzes<br />

reicht nur wenige Meter, hinter diesem Bereich bleibt<br />

es dunkel. Auf den Blitzschuh der Kamera montierte<br />

Geräte sind wesentlich leistungsstärker und erlauben<br />

Aufnahmen von Motiven, die sich mehrere Meter<br />

entfernt befinden.<br />

Zweitens: die technische Ausstattung. Der eingebaute<br />

Blitz bietet ein paar Betriebsarten, reicht aber an die<br />

ausgeklügelten Blitzprogramme des externen Blitzes<br />

nicht heran. Außer dem schwenkbaren Blitzkopf<br />

verfügt er über Einstellmöglichkeiten zum kreativeren<br />

Lichteinsatz.<br />

Drittens: Unabhängigkeit. Die Tatsache, dass ein<br />

externes Blitzgerät eben auch entfernt von der<br />

Kamera verwendet werden kann, kann gar nicht hoch<br />

genug eingeschätzt werden, denn sie eröffnet eine<br />

Fülle von Möglichkeiten. Sie können sogar mehrere<br />

externe Elektronenblitzgeräte kombinieren und<br />

ein Beleuchtungssystem installieren, das fast dem<br />

einer Studioblitzausrüstung gleichkommt, aber viel<br />

einfacher zu transportieren ist.<br />

10<br />

1) Blitzkopf: Er lässt sich<br />

horizontal und vertikal stufenlos<br />

verstellen, damit Sie dem Blitz<br />

die Richtung geben können,<br />

die für Ihr Motiv erforderlich ist.<br />

Die meisten Blitzgeräte haben<br />

einen Zoom-Blitzkopf, durch<br />

den die Größe des erzeugten<br />

Lichtkegels justiert<br />

werden kann, um<br />

die Reichweite<br />

entsprechend der<br />

Objektiveinstellung<br />

der Kamera<br />

anzupassen.<br />

2) AF-Hilfsleuchte:<br />

Bei schlechten<br />

Lichtverhältnissen<br />

sehen Sie vielleicht<br />

einen roten Lichtstrahl<br />

aus dem Blitzgerät nach vorn<br />

austreten, der dem AF-System<br />

der Kamera hilft, die genaue<br />

Entfernung zu bestimmen.<br />

3) Diffusor/Reflektor:<br />

Ziehen Sie den Diffusor des<br />

Blitzgeräts nach vorn heraus<br />

und klappen Sie ihn herunter,<br />

wenn Sie weicheres Licht<br />

erzeugen oder dem Blitz eine<br />

andere Richtung geben wollen.<br />

4) Anschluss für<br />

externe Stromversorgung:<br />

Die etwas teureren<br />

Blitzgeräte können von außen<br />

mit Strom versorgt werden.<br />

5) LCD-Monitor: Die<br />

meisten Blitzgeräte verfügen<br />

über einen LCD-Monitor,<br />

auf dem Informationen über<br />

Betriebsart, Blitzentfernung,<br />

eingestellte Blende etc.<br />

angezeigt werden.<br />

AF-Assist<br />

Manche DSLR haben<br />

eine AF-Hilfsleuchte, doch<br />

die wird außer Kraft gesetzt<br />

durch die AF-Assist<br />

Funktion eines externen<br />

Blitzgeräts.<br />

8<br />

6) Steuertasten:<br />

Die vielfältigen Einstellmöglichkeiten<br />

erfordern mehrere<br />

Tasten, von denen die meisten<br />

mehr als eine Funktion haben.<br />

Nehmen Sie sich die erforderliche<br />

Zeit, um sich an deren<br />

Bedienung zu gewöhnen, denn<br />

die Funktionen erschließen sich<br />

nicht unbedingt sofort.<br />

7) Blitzschuh:<br />

Der Blitzschuh ist mit Kontakten<br />

ausgestattet, über die<br />

das Blitzgerät mit der Kamera<br />

kommuniziert, deren Einstellungen<br />

ausliest und blitzt, wenn<br />

der Auslöser gedrückt wird. Die<br />

Blitzschuhe aller DSLR sind<br />

standardisiert, nur Sony macht<br />

eine Ausnahme. Nicht alle CSC<br />

verfügen über einen Blitzschuh.<br />

6<br />

9<br />

7<br />

8) Betriebsanzeige:<br />

Die meisten Modelle haben<br />

eine Kontroll-Leuchte, die zwei<br />

Zustände anzeigt: Grün für<br />

„blitzbereit“ und rot für „nicht<br />

bereit“. Bei vielen Modellen<br />

dient die Leuchte auch als<br />

Auslösetaste zum Testen der<br />

Blitzfunktion.<br />

9) Verriegelung:<br />

Sie verhindert das Herausrutschen<br />

des Blitzgeräts aus<br />

dem Blitzschuh.<br />

10) Standfuß:<br />

Drahtlos auslösende Blitzgeräte<br />

werden mit einem Standfuß<br />

geliefert, mit dem sie von der<br />

Kamera entfernt aufgestellt<br />

werden. Eine Alternative<br />

besteht aus einem Stativkugelkopf<br />

, wie dem Cullmann CB2<br />

für 15,- Euro, der eine genauere<br />

Ausrichtung des Blitzes erlaubt.<br />

5<br />

4


EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

Grundlagen der Blitztechnik 151<br />

Fachbegriffe der Blitztechnik<br />

TTL Blitz-Messung:<br />

Die Kamera benutzt die TTL-Messung (Through<br />

the Lens) Messung und das Mehrfeld-Belichtungssystem,<br />

um die exakte Belichtung zu berechnen,<br />

wobei einige Modelle sich auch auf mittenbetonte<br />

Messung schalten lassen. Manche schießen einen<br />

Vorblitz, andere haben sogar eine „Flash-Exposure<br />

Lock“ (FE-Lock) – eine Blitzspeicherfunktion – die<br />

eine Punktmessung beim Blitzen unter schwierigen<br />

Bedingungen vornimmt. Bei den meisten Aufnahmen<br />

können Sie sich auf das TTL-System verlassen.<br />

Rote-Augen-Effekt:<br />

Wir alle kennen die Fotos mit roten Augen - das Rot<br />

entsteht durch Reflexion des Blitzes an der Netzhaut<br />

des Auges. Funktioniert die Rote-Augen-Funktion<br />

Ihrer Kamera nicht wie gewünscht, finden Sie in<br />

anderern Kapiteln dieses Magazins Arbeitstechniken,<br />

mit denen Sie das Problem umgehen können.<br />

Blitzsynchronisationszeit:<br />

Die Kamera kann nur bestimmte Verschlusszeiten<br />

mit dem Blitz synchronisieren, meistens zwischen<br />

1/90 und einer 1/250 Sekunde. Sie können eine<br />

längere Verschlusszeit als diese einstellen, jedoch<br />

keine Kürzere, denn das kann dazu führen, dass<br />

Teile Ihres Fotos schwarz werden.<br />

Leitzahl:<br />

Die Leitzahl ist ein Maß für die Blitzleistung. Je<br />

höher die Leitzahl, desto stärker der Blitz. Sie wird<br />

oft in Verbindung mit ISO 100 in Metern angegeben,<br />

wobei die Zahl der Meter der Blitzreichweite bei ISO<br />

100 entspricht. Sie werden selten die Blitzleistung<br />

berechnen müssen. Falls doch, tun Sie das<br />

anhand der einfachen Formel „Blende = Leitzahl /<br />

(Entfernung des Motivs zum Blitzgerät)“, wobei die<br />

Kamera in den manuellen Modus geschaltet wird<br />

und die Verschlusszeit mit einer der Synchronisationszeiten<br />

übereinstimmen muss. Ist Ihr Motiv also<br />

10m entfernt und Ihr Blitzgerät hat eine Leitzahl<br />

von 40, dann müssen Sie Blende f/4 einstellen.<br />

Die meisten kameraintegrierten Blitze haben<br />

eine Leitzahl von etwa 12, die meisten externen<br />

Blitzgeräte hingegen variieren von 28 bis über 50.<br />

Master und Slave-Blitz:<br />

Bei einem aus mehreren Blitzgeräten bestehendem<br />

Licht-Setup benutzen Sie einen „Master-Blitz“, der<br />

die „Slave-Blitze“ steuert. Die jeweilige Funktion<br />

wird mit einem Schalter an der Rückwand des<br />

Blitzgeräts eingestellt.<br />

Blitzbereich:<br />

Er gibt die Ausbreitung des Blitzes als Brennweitenwert<br />

von ca. 18mm an. Falls Sie also eine kleinere<br />

Brennweite verwenden, riskieren Sie dunkle Ecken<br />

im Bild, weil der Lichtkegel dort nicht hinfiel.<br />

Mit dem richtigen<br />

Knowhow machen<br />

auch Sie fantastische<br />

Fotos wie dieses hier.<br />

BRETT HARKNESS<br />

Hier befiinden sich die Blitz-Steuerelemente Ihrer Kamera<br />

Die meisten Kameras haben eine Blitztaste am Gehäuse und weitere Steuermöglichkeiten per Menüsystem, hier einige gängige Beispiele<br />

Canon<br />

Drücken Sie den<br />

Blitzknopf und<br />

der Blitz klappt<br />

auf. Mit dem<br />

ersten Menüpunkt<br />

stellen Sie die<br />

Blitzbetriebsart ein.<br />

Nikon<br />

Drücken und halten<br />

Sie den Blitzknopf.<br />

Falls an Ihrem<br />

Modell verfügbar,<br />

können Sie auch<br />

das Menüsystem<br />

verwenden.<br />

Olympus<br />

Drücken Sie den<br />

Blitzmodus-Knopf,<br />

treffen Sie Ihre Wahl<br />

mit dem Vier-Weg-<br />

Schalter oder dem<br />

EInstellrad, dann<br />

drücken Sie OK.<br />

Panasonic<br />

Drücken Sie MENU<br />

und scrollen Sie<br />

die Optionen<br />

im Rec- Tab. Im<br />

Q-Menu finden Sie<br />

die Blitzmodi als<br />

Shortcut.<br />

Pentax<br />

Drücken Sie den<br />

Blitzknopf und<br />

Wählen SIe mit<br />

dem Vier-Wege-<br />

Schalter einen<br />

Modus . Die<br />

Blitzkorrektur<br />

wählen Sie mit<br />

dem Einstellrad.<br />

Samsung<br />

Drücken Sie MENU<br />

und scrollen Sie<br />

die Optionen im<br />

Kamera-Tab.<br />

Oderdrücken Sie Fn<br />

und wählen einen<br />

Modus mit dem<br />

Vier-Wege-Schalter.<br />

Sony<br />

Drücken Sie den<br />

Blitzmodus-Knopf,<br />

treffen Sie Ihre Wahl<br />

mit dem Vier-Weg-<br />

Schalter oder dem<br />

Einstellrad, dann<br />

drücken Sie OK.


152 Blitztechnik: Grundlagen EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

Zubehör für die Blitzfotografie<br />

Es gibt eine große Anzahl von Accessoires, die in<br />

Verbindung mit dem Blitz Ihrer Kamera verwendet<br />

werden können. Diese können in folgenden<br />

Hauptkategorien unterschieden werden:<br />

Beleuchtungshilfen: Auf<br />

dem Zubehörmarkt wird eine<br />

Fülle an Softboxen, Diffusoren,<br />

Schirmen, Beauty Dishes und<br />

anderen Beleuchtungshilfen<br />

angeboten, die dazu beitragen,<br />

das Licht weicher zu machen oder den Blitz aus<br />

dem von Ihnen gewählten Blitzgerät in eine<br />

bestimmte Richtung zu lenken. Die Preise variieren<br />

dabei von unter 25,- Euro bis hin zu 250,- Euro für<br />

eine anständige Softbox.<br />

Blitzschiene: Sie hält das<br />

Blitzgerät seitlich von Ihrer<br />

Kamera . Sie brauchen es nicht<br />

auf den Blitzschuh zu montieren.<br />

Dadurch wird der<br />

Beleuchtungseffekt verbessert<br />

und der Blitzschuh bleibt frei für spezielle<br />

Accessoires wie einen Fernauslöser. Schauen Sie<br />

sich doch einmal die Produktpalette von Custom<br />

Brackets (www.kocktrade.de) an.<br />

Auslösekabel oder<br />

Fernauslöser: Wenn Sie Ihr<br />

Blitzgerät unabhängig von der<br />

Kamera auslösen wollen,<br />

benötigen Sie dieses Zubehör,<br />

um die Kommunikation mit dem<br />

Blitz aufrechtzuerhalten (außer, wenn das<br />

Blitzgerät über einen eingebauten, drahtlosen<br />

Auslöser verfügt). Die Geräte von Manufactures<br />

haben einen solchen eigenen Auslöser, auch Hama<br />

(www.hama.de), Hahnel (www.hahnel.ie) oder<br />

Phottix (www.phottix.com) bieten bezahlbare<br />

Optionen.<br />

Filterfolien: Setzen Sie eine<br />

farbige Folie auf Ihren Blitzkopf<br />

und tauchen Sie die Szene in<br />

Farbe. Viele Profifotografen<br />

benutzen diese Folien<br />

zusammen mit einem<br />

kameraunabhängigen Blitzgerät, um einen<br />

Hintergrund auszuleuchten. Honl (www.amazon.<br />

de) und Hama (www.hama.de) haben<br />

hervorragende Filtersets im Angebot.<br />

Batterypacks: Wenn Sie<br />

regelmäßig jede Menge<br />

Aufnahmen mit Blitz machen<br />

(zum Beispiel bei Hochzeiten),<br />

sind Batteriepacks eine<br />

kosteneffektive Option und eine<br />

Alternative zu wieder aufladbaren Akkus. Die<br />

beliebteste Marke ist Quantum (www.wexcameras.<br />

de).<br />

Slave Zellen: Stecken Sie<br />

eine unten auf den Blitz und<br />

dieser wird zünden, sobald der<br />

Sensor eine Blitzausgabe<br />

bemerkt. Wenn sie manuell<br />

gesteuerte Blitzgeräte<br />

verwenden, ist dies eine kostengünstige Methode<br />

für Setups mit mehreren Blitzgeräten. Eine Slave<br />

Zelle von Hama kostet um die 25,- Euro.<br />

Blitzhalter mit<br />

Kugelgelenk: Wenn Sie das<br />

Blitzgerät unabhängig von der<br />

Kamera verwenden, benötigen<br />

Sie einen Fuß, auf den Sie es<br />

stellen können oder einen<br />

Blitzhalter mit Kugelgelenk mit einer zu dem<br />

Blitzgerät passenden Klammer, die das Gerät<br />

sicher an seinem Platz hält. Cullmann (www.<br />

cullmann.de), Interfit (www.interfitphotographic.<br />

com) und andere unabhängige Marken bieten<br />

verschiedene Optionen. Für weiteres, von uns<br />

empfohlenes Blitzzubehör sehen Sie auch S. 144<br />

bis 145.<br />

Die wichtigsten Blitzmodi<br />

Automatik: <strong>Digitale</strong> Spiegelreflexkameras<br />

haben keinen automatischen Blitzmodus als<br />

solchen. Sie verfügen stattdessen über bestimmte<br />

Belichtungsmodi, die den Blitz automatisch<br />

ausfahren. Einige kompakte Systemkameras haben durchaus<br />

eine Auto-Einstellung unter ihren Blitzmodi. Diese funktioniert im<br />

Grunde genauso, wie bei einer Kompaktkamera, bei der der Blitz<br />

dann verwendet wird, wenn die Lichtverhältnisse es erfordern,<br />

die bei guten Wetterbedingungen jedoch ohne Blitz fotografiert.<br />

Wann sollte ich die Blitzautomatik verwenden?<br />

Ihre Kamera auf die Blitzautomatik einzustellen ist dann<br />

sinnvoll, wenn Sie einfache Schnappschüsse in Innenräumen<br />

fotografieren wollen. Wenn Sie hier nur mit dem Umgebungslicht<br />

fotografieren, werden Sie Ihre Bilder sehr wahrscheinlich durch<br />

Verwacklungsunschärfe ruinieren.<br />

Erzwungen (Aufhellblitz): Sie brauchen<br />

nicht darauf zu warten, dass die Kamera Ihnen sagt,<br />

dass Sie den Blitz verwenden müssen. Sie können ihn<br />

selber ausfahren, indem Sie einfach auf den Blitzknopf<br />

drücken. Hierdurch können Sie einen Aufhellblitz erzeugen, mit<br />

dessen Hilfe Sie Schatten entfernen und Porträts bei Tageslicht<br />

Reflexlichter hinzufügen können. Außerdem können Sie damit das<br />

Gesicht Ihres Models aufhellen, wenn es sich im Schatten befindet.<br />

Die Lichtmenge des Aufhellblitzes wird von der Kamera automatisch<br />

reguliert, aber Sie können sie verstärken oder verringern, indem Sie<br />

die Blitzbelichtungskorrektur verwenden (diese wird auf der nächsten<br />

Seite erklärt.<br />

Wann sollte ich einen Aufhellblitz verwenden?<br />

Ihr Model steht mit dem Rücken zur Sonne. Sie verwenden den<br />

Aufhellblitz, um Details zu enthüllen.<br />

Ihr Model steht unter einem Baum, der fleckige Schatten auf sein<br />

Gesicht wirft.<br />

Blitz aus: Dieser Modus steht bei der Mehrheit der<br />

digitalen Spiegelreflexkameras nicht zur Verfügung, da der<br />

Blitz ja auch nicht automatisch ausgefahren wird, wenn<br />

die Kamera nicht gerade auf einen Scene-Modus<br />

eingestellt ist, bei dem sie selbst entscheidet, ob ein Blitz benötigt wird<br />

oder nicht. Bei einigen digitalen Spiegelreflexkameras jedoch existiert<br />

diese Funktion als Modus auf dem Wählschalter. Sie soll verhindern, dass<br />

der Blitz versehentlich an Orten ausgelöst wird, an denen das<br />

<strong>Fotografie</strong>ren mit Blitz nicht erlaubt ist, wie zum Beispiel in Museen oder<br />

Theatern. Dieser Modus ist an allen spiegellosen Systemkameras zu<br />

finden, unabhängig davon, ob sie einen integrierten Blitz haben oder nich.<br />

Wann sollte ich den Blitz ausschalten?<br />

Wenn Sie durch eine Glasscheibe fotografieren, sollten Sie den Blitz<br />

abschalten, um Reflektionen zu vermeiden.<br />

Wenn Sie an Orten fotografieren wollen, an denen<br />

Blitzlichtfotografie nicht erlaubt ist, stellen Sie sicher, dass der Blitz<br />

abgeschaltet ist.<br />

Rote-Augen-Reduzierung: Wenn<br />

Sie mit dem eingebauten Blitz Ihrer Kamera<br />

Porträts in Innenräumen schießen<br />

möchten, in denen es nur wenig<br />

Umgebungslicht gibt, kann es Ihnen passieren, dass Ihre<br />

Modelle unter dem Rote-Augen-Effekt leiden. Mit diesem<br />

Modus stellen sie den Blitz entweder auf eine schnelle<br />

Folge von Stroboskopblitzen oder auf einen konstanten<br />

Lichtstrahl ein. Das Ziel dabei ist, dass sich die Pupillen<br />

Ihres Models zusammenziehen und das Risiko des<br />

Rote-Augen-Effekts minimieren. Neben diesem Modus<br />

können Sie zur Verminderung roter Augen auch eine der<br />

folgenden Techniken anwenden:<br />

Verwenden Sie einen indirekten Blitz: Rote Augen sind<br />

das Resultat des direkten Blitzes. Mit einem indirekten<br />

Blitz haben Sie das Problem folglich auf der Stelle gelöst<br />

(siehe Kasten auf der gegenüberliegenden Seite).<br />

Vergrößern Sie die Entfernung zwischen Blitz und<br />

Objektiv: Das Risiko des Rote-Augen-Effektes wird umso<br />

niedriger, je weiter der Blitz von dem Objektiv entfernt<br />

ist. Ein Blitz, der auf dem Blitzschuh angebracht ist,<br />

wird relativ wahrscheinlich einen Rote-Augen-Effekt<br />

hervorrufen, während ein Blitz, der unabhängig von<br />

der Kamera gezündet wird, äußerst selten rote Augen<br />

verursacht.<br />

Meiden Sie Alkohol: Alkohol führt dazu, das sich die<br />

Pupillen erweitern. Wenn Ihre Modelle also bereits Alkohol<br />

Rote-Augen-Reduzierung AUS<br />

Rote-Augen-Reduzierung EIN<br />

getrunken haben, werden Sie sehr viel wahrscheinlicher<br />

rote Augen haben!<br />

Verstärken Sie das Umgebungslicht: Wenn Sie den<br />

in die Kamera eingebauten Blitz verwenden, werden<br />

die vorstehenden Vorschläge wenig nützen. In diesem<br />

Fall ist die beste Lösung, das Licht einzuschalten oder in<br />

einem helleren Raum zu fotografieren, denn je heller das<br />

Umgebungslicht ist, umso kleiner sind die Pupillen des<br />

Models.<br />

Schummeln Sie! Wenn alles andere versagt, entfernen<br />

Sie die roten Augen per Software aus Ihren Fotos. Viele<br />

Pakete haben eine Rote-Augen-Funktion, mit deren Hilfe<br />

das Problem automatisch entfernt werden kann. Auch an<br />

einigen Kameras findet man diese Funktion!<br />

ISTOCK PHOTO<br />

ISTOCK PHOTO<br />

ISTOCK PHOTO


EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

Blitztechnik: Grundkenntnisse 153<br />

Verwenden von indirektem Blitz<br />

Das Licht Ihres Blitzes kann bei Porträtaufnahmen ziemlich<br />

gnadenlos sein. Aus diesem Grund verfügen die meisten Blitzgeräte,<br />

die auf den Blitzschuh aufgesteckt werden können, über einen<br />

neigbaren Kopf. In der Standardposition richtet der Blitzkopf den<br />

Blitz direkt auf Ihr Model, was nicht nur wenig schmeichelhaft wirkt,<br />

sondern auch Schatten hinter Ihrem Model erzeugt. Wenn Sie das<br />

Licht von einer Decke oder einer Wand abprallen lassen, verteilt<br />

es sich gleichmäßiger und liefert ein besseres Ergebnis, während<br />

es gleichzeitig das Schattenproblem eliminiert. Um die Belichtung<br />

brauchen Sie sich nicht zu kümmern, das erledigt Ihre Kamera für<br />

Sie. Worauf Sie allerdings achten sollten, ist, wie sehr Sie den Kopf<br />

neigen. Sie sollten ihn so ausrichten, dass er auf halber Strecke<br />

zwischen Ihnen und Ihrem Model von der Oberfläche abprallt. Wenn<br />

er zu weit nach unten geneigt ist, prallt der Blitz hinter der Person ab,<br />

und wenn Sie ihn zu weit nach oben richten, fällt das Licht auf die<br />

Stelle vor Ihrem Model. Des Weiteren sollten Sie sicherstellen, dass<br />

Sie den Blitz von einer weißen Oberfläche oder von einer Oberfläche<br />

mit einer neutralen Farbe abprallen lassen, da der Blitz die Farbe<br />

der Oberfläche annimmt. Wenn Sie ihn also von einer roten Wand<br />

abprallen lassen, wird er Ihr Modell mit einem roten Farbhauch<br />

überziehen. Wenn Sie ein Blitzgerät mit einem eingebauten Reflektor<br />

oder Diffusor besitzen, können Sie diesen verwenden, um den<br />

Blitzeffekt noch weiter zu verbessern.<br />

DIREKTER BLITZ INDIREKTER BLITZ INDIREKTER BLITZ MIT REFLEKTOR<br />

Die Wahl des richtigen Belichtungsmodus beim Blitzen<br />

Obwohl das TTL Blitzbelichtungssystem Ihrer Kamera darauf ausgerichtet ist, jedes Foto perfekt zu belichten, sollten Sie doch beachten, dass das tatsächliche Ergebnis je nach<br />

dem an der Kamera eingestellten Belichtungsmodus stark variieren kann. Wie dieser arbeitet, hängt von Marke und Modell der Kamera ab, aber unsere einfache Referenztabelle<br />

gibt Ihnen Informationen darüber, wie die Verwendung des Blitzes mit jedem der wichtigsten Kreativmodi die Art und Weise beeinflusst, auf die das Bild eingefangen wird.<br />

Marke Canon Nikon Pentax Olympus Sony<br />

Programm<br />

Die Kamera stellt<br />

Verschlusszeit und Blende<br />

ein, verringert aber die<br />

Verschlusszeit, um<br />

Verwacklungsunschärfe zu<br />

vermeiden. Der Hintergrund<br />

kann dunkel erscheinen.<br />

Die Kamera stellt die<br />

Belichtung ein, verkürzt<br />

aber die Verschlusszeit, um<br />

Verwacklungsunschärfe zu<br />

vermeiden, sofern nicht der<br />

Langzeitsynchronisations-Modus<br />

eingestellt ist. Der Hintergrund<br />

kann dunkel erscheinen.<br />

Die Kamera stellt die Belichtung<br />

ein, verringert dabei aber<br />

die Verschlusszeit, um<br />

Verwacklungsunschärfe zu<br />

vermeiden, sofern nicht der<br />

Langzeitsynchronisations-Modus<br />

eingestellt ist. Der Hintergrund<br />

kann dunkel erscheinen.<br />

Die Kamera stellt die<br />

Belichtungszeit ein, verringert<br />

aber die Verschlusszeit, um<br />

Verwacklungsunschärfe zu<br />

vermeiden, sofern nicht der<br />

Langzeitsynchronisations-Modus<br />

aktiviert ist. Der Hintergrund<br />

kann dunkel erscheinen.<br />

Die Kamera stellt die<br />

Belichtung ein, verkürzt<br />

aber die Verschlusszeit, um<br />

Verwacklungsunschärfe zu<br />

vermeiden, sofern nicht der<br />

Langzeitsynchronisations-Modus<br />

aktiviert ist. Der Hintergrund<br />

kann dunkel erscheinen.<br />

Blendenautomatik<br />

Blendenvorwahl<br />

Der Benutzer wählt die Blende,<br />

die Kamera berechnet die<br />

Blitzbelichtung entsprechend.<br />

Die Verschlusszeit wird<br />

so gewählt, dass das<br />

Umgebungslicht korrekt<br />

angepasst wird. Vorsicht vor<br />

Verwacklungsunschärfe!<br />

Der Benutzer wählt die Blende<br />

und die Kamera stellt die<br />

Blitzbelichtung entsprechend ein.<br />

Die Verschlusszeit ist begrenzt,<br />

um Verwacklungsunschärfe zu<br />

vermeiden, sofern nicht der der<br />

Langzeitsynchronisations-Modus<br />

gewählt wurde.<br />

Der Benutzer stellt die Blende<br />

ein und die Kamera wählt die<br />

Verschlusszeit so, dass der<br />

Hintergrund bis zur maximalen<br />

Synchronisationsgeschwindigkeit<br />

korrekt belichtet ist. Bei schlechten<br />

Lichtverhältnissen besteht das<br />

Risiko der Verwacklungsunschärfe.<br />

Der Benutzer wählt die Blende<br />

und die Kamera stellt die<br />

Blitzbelichtung entsprechen ein.<br />

Die Verschlusszeit ist begrenzt,<br />

um Verwacklungsunschärfe<br />

zu vermeiden, sofern der<br />

Langzeitsynchronisations-Modus<br />

nicht ebenfalls aktiviert ist<br />

Der Benutzer wählt die Blende<br />

und die Kamera stellt die<br />

Blitzbelichtung entsprechend ein.<br />

Die Verschlusszeit ist begrenzt,<br />

um Verwacklungsunschärfe<br />

zu vermeiden, sofern nicht der<br />

Langzeitsynchronisations-Modus<br />

ebenfalls aktiviert ist<br />

Zeitautomatik<br />

Der Benutzer wählt die<br />

Verschlusszeit, die Kamera<br />

stellt die entsprechende Blende<br />

für das Umgebungslicht ein<br />

und berechnet dann den<br />

Blitzausstoß gemäß dieser<br />

Blende.<br />

Der Benutzer wählt die<br />

Verschlusszeit und die Kamera<br />

stellt die entsprechende<br />

Blende ein, so dass für<br />

das das Umgebungslicht<br />

korrekt belichtet wird. Dann<br />

berechnet sie den Blitzausstoß<br />

entsprechend dieser Blende.<br />

Der Benutzer wählt die<br />

Verschlusszeit und die Kamera<br />

stellt die entsprechende<br />

Blende ein, um für das<br />

Umgebungslicht korrekt zu<br />

belichten. Dann berechnet sie<br />

den Blitzausstoß entsprechend<br />

dieser Blende.<br />

Der Benutzer wählt die<br />

Verschlusszeit und die Kamera<br />

stellt die entsprechende<br />

Blende ein, um für das<br />

Umgebungslicht korrekt zu<br />

belichten. Dann berechnet sie<br />

den Blitzausstoß entsprechend<br />

dieser Blende.<br />

Der Benutzer stellt die<br />

Verschlusszeit ein, die Kamera<br />

wählt die entsprechende<br />

Blende, um für das<br />

Umgebungslicht korrekt zu<br />

belichten und berechnet dann<br />

den Blitzausstoß gemäß dieser<br />

Blende.<br />

Manuell<br />

Sie stellen Blende und<br />

Verschlusszeit ein (bei<br />

oder unterhalb der<br />

Blitzsynchronisation) und stellen<br />

so sicher, dass die Szene genügend<br />

Umgebungslicht erhält. Das TTL<br />

Blitzsystem stellt sicher, dass das<br />

Modell korrekt belichtet wird.<br />

Sie stellen die Blende und die<br />

Verschlusszeit ein (bei oder<br />

unterhalb der Blitzsynchronisation)<br />

bei der sichergestellt ist, dass die<br />

Szene genügend Umgebungslicht<br />

erhält. Das TTL Blitzsystem stellt<br />

sicher, dass das Modell korrekt<br />

belichtet wird.<br />

Sie stellen die Blende und die<br />

Verschlusszeit so ein (bei oder<br />

unterhalb der Blitzsynchronisation)<br />

dass sichergestellt ist, dass die<br />

Szene genügend Umgebungslicht<br />

erhält. Das TTL-Blitzsystem sorgt<br />

dafür, dass das Modell korrekt<br />

belichtet wird.<br />

Sie stellen die Blende und die<br />

Verschlusszeit so ein (bei oder<br />

unterhalb der Blitzsynchronisation)<br />

dass sichergestellt ist, dass die<br />

Szene genügend Umgebungslicht<br />

erhält. Das TTL-Blitzsystem stellt<br />

sicher, dass das Modell korrekt<br />

belichtet wird.<br />

Sie stellen die Blende und die<br />

Verschlusszeit so ein (bei oder<br />

unterhalb der Blitzsynchronisation),<br />

dass sichergestellt ist, dass die<br />

Szene ausreichend Umgebungslicht<br />

erhält. Das TTL Blitzsystem stellt<br />

sicher, dass das Modell korrekt<br />

belichtet wird.<br />

Belichtungskorrektur<br />

Beeinflusst nur die Belichtung<br />

mit Umgebungslicht.<br />

Beeinflusst die Belichtung mit<br />

Umgebungslicht und mit Blitz.<br />

Beeinflusst die Belichtung mit<br />

Umgebungslicht und mit Blitz.<br />

Beeinflusst nur die Belichtung<br />

mit Umgebungslicht.<br />

Beeinflusst die Belichtung mit<br />

Umgebungslicht und mit Blitz.<br />

Blitzbelichtungskorrektur<br />

Beeinflusst nur die Belichtung<br />

mit Blitz.<br />

Beeinflusst nur die Belichtung<br />

mit Blitz.<br />

Beeinflusst nur die Belichtung<br />

mit Blitz.<br />

Beeinflusst nur die Belichtung<br />

mit Blitz.<br />

Beeinflusst nur die Belichtung<br />

mit Blitz.<br />

* Bitte beachten Sie, dass die angegebenen Informationen sich auf normale Bedingungen beziehen. In manchen Situationen können Abweichnungen der Kamera- und Blitzfunktionen auftreten.


154 Blitztechnik: Grundkenntnisse EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

Kreative Blitzmodi<br />

Synchronisierung für den zweiten (hinteren) Verschlussvorhang: Normalerweise ist Ihre Kamera<br />

auf die Blitzsynchronisierung für den ersten Verschlussvorhang eingestellt. Das bedeutet, wenn Sie ein Foto machen, löst<br />

der Blitz zu Beginn der Belichtungszeit aus. Bei den meisten Standard-Belichtungszeiten funktioniert dieses System auch<br />

sehr gut, aber wenn Sie eine längere Belichtungszeit verwenden, kann es das Resultat negativ beeinflussen, wenn sich ein<br />

Objekt innerhalb des Bildausschnitts bewegt. Dabei passiert nämlich folgendes: Der Blitz, der sofort zündet, sobald sie den Auslöser<br />

drücken, nimmt das Objekt an seiner ursprünglichen Position auf. Da es sich aber weiterhin durch den Bildausschnitt bewegt, wird ein<br />

„Streifen aufgenommen, der sich durch den Bildausschnitt zieht. Um das Bild natürlicher zu gestalten, wählen Sie also die<br />

Synchronisierung für den zweiten Verschlussvorhang (auch Synchroniserung für den hinteren Verschlussvorhang genannt), und der Blitz<br />

wird zum Ende der Belichtungszeit gezündet. Das Problem bei der Blitzsynchronisierung für den zweiten Verschlussvorhang ist allerdings,<br />

dass Sie beim <strong>Fotografie</strong>ren eines bewegten Objektes nie so genau wissen, wo im Bildausschnitt sich das Objekt befinden wird, wenn der<br />

Blitz gezündet wird. Das ist kein Problem, wenn die Belichtungszeit einigermaßen kurz, zum Beispiel 1/8 Sekunde ist, kann aber zum<br />

Problem werden, wenn Sie eine sehr lange Belichtungszeit wählen - insbesondere, wenn sich das Objekt sehr schnell bewegt.<br />

Wann sollte man die Blitzsynchronisierung für den zweiten Verschlussvorhang wählen<br />

Wenn Sie bewegte Objekt mit einer längeren Verschlusszeit fotografieren wollen, um Bewegung zu dokumentieren.<br />

JOE BEATTIE<br />

Langsamer Synchronblitz: In diesem Modus wird der Blitz mit einer langsameren Verschlusszeit kombiniert.<br />

Durch die längere Belichtungszeit wird das Umgebungslicht in der Szene mit aufgenommen, während der Blitz das<br />

Hauptmotiv ausleuchtet. Bei der Standard-Blitzeinstellung dagegen verwendet die Kamera eine schnellere<br />

Verschlusszeit um sicherzustellen, dass es nicht zu Verwacklungsunschärfe kommt. Dabei ergibt sich das Problem,<br />

dass das Hauptmotiv zwar gut ausgeleuchtet ist, der Hintergrund aber sehr dunkel bleibt. Da der Verschluss sehr lange offen bleibt,<br />

sollten Sie die Kamera auf ein Stativ stellen, um das Bild nicht durch Bewegung währen der Aufnahme zu ruinieren. Auf der anderen<br />

Seite können Sie natürlich auch sehr kreative Ergebnisse aufnehmen, indem Sie die Kamera während der Belichtung absichtlich<br />

bewegen. Probieren Sie doch einmal, die Kamera im Uhrzeigersinn oder gegen den Uhrzeigersinn zu drehen, und sehen Sie, wie<br />

helle Glanzpunkte als Streifen aufgenommen werden. Viele Kameras verfügen über den Modus Langsamer Synchronblitz, der<br />

ausgewählt werden kann. Andere wiederum stellen den Blitz automatisch auf langsame Synchronisation ein, wenn bestimmte<br />

Belichtungsmodi ausgewählt werden. Sehen Sie dazu die Bedienungsanleitung Ihrer Kamera. Übrigens kann man bei einigen<br />

Kameras auch den langsamen Synchronblitz mit der Synchronisation für den zweiten Verschlussvorhang kombinieren.<br />

Wann man den langsamen Synchronblitz verwenden sollte<br />

Benutzen Sie den langsamen Synchronblitz, um das Umgebungslicht im Hintergrund und ein vom Blitz ausgeleuchtetes<br />

Hauptmotiv aufzunehmen.<br />

Die verhältnismäßig lange Verschlusszeit schafft außergewöhnliche Effekte, wenn die Kamera bewegt wird.<br />

Drahtlos blitzen: Diese Funktion ermöglicht es Ihnen, den Blitz unabhängig von der Kamera und ohne jegliche<br />

kabelgebundene Verbindung zu zünden. Sie erhalten die Freiheit, mit dem Blitz zu experimentieren. Wie genau das<br />

drahtlose Blitzen funktioniert, variiert von Marke zu Marke, aber grundsätzlich müssen Sie Ihre Kamera auf den Modus<br />

„drahtlos blitzen einstellen und das integrierte Blitzgerät oder ein auf den Blitzschuh aufgestecktes Blitzgerät dazu<br />

verwenden, die „Slave -Blitzgeräte außerhalb der Kamera zu zünden. Drahtloses Blitzen ist selbst dann möglich, wenn Ihre Kamera<br />

nicht über den Modus „drahtlos blitzen verfügt. Dazu müssen sie nur einen Funkauslöser auf den Blitzschuh und einen Sender unten<br />

an Ihr kameraunabhängiges Blitzgerät anbringen. Marken-Auslöser sind leider recht teuer, der Zubehörhandel bietet aber sehr viel<br />

günstigere Alternativen. Sie können dabei zwischen dem günstigsten Auslöser ohne TTL Blitzmessung oder einer teureren Variante<br />

mit allen möglichen Funktionen wählen. Die meisten Leute entscheiden sich für die zweite Möglichkeit, aber wenn Sie ältere, nicht<br />

speziell für Ihre Kamera gebaute und auf manuell eingestellte Blitzgeräte verwenden, ist auch die billigere Variante möglich. Unsere<br />

Lieblings-Blitzauslöser sind die Modelle Hähnel Combi RF, Interfit Titan Pro und Pocket Wizards. Dies sind die Marken, nach denen<br />

Sie Ausschau halten sollten, wenn Sie sich im großen Stil mit der <strong>Fotografie</strong> mit mehreren, kameraunabhängigen Blitzgeräten<br />

beschäftigen wollen.<br />

Wann man drahtlos blitzen sollte<br />

Bei Aufbauten mit mehreren Blitzgeräten, oder wenn Sie einen Farbfilter auf einem kameraunabhängigen Blitzgerät verwenden<br />

wollen, um einen Hintergrund etwas lebhafter zu gestalten.<br />

ISTOCK PHOTO<br />

BRETT HARKNESS<br />

FP/Kurzzeitsynchronisation: Dieser Modus steht<br />

nur bei einer begrenzten Zahl von Kameras und Blitzgeräten<br />

zur Verfügung und macht möglich, dass der Blitz bei jeder<br />

Verschlusszeit verwendet werden kann und nicht nur auf die<br />

Standard-Blitzsynchronisationszeit begrenzt ist. Das ist besonders nützlich<br />

für Sportfotografen, die auch bei hellem Tageslicht einen Blitz verwenden<br />

wollen, um Action einzufrieren. Außerdem ist diese Funktion auch bei<br />

Lifestyle-Fotografen sehr beliebt, die bei hellem Tageslicht Blitzlicht mit<br />

großen Blenden kombinieren möchten. Dieser Modus ist sehr speziell und<br />

wird eher von Spezialisten als in der allgemeinen <strong>Fotografie</strong> eingesetzt.<br />

Wann man die Kurzzeit-Blitzsynchronisation verwenden sollte<br />

Wenn Sie bei Tageslicht mit Blitz fotografieren wollen um Action<br />

einzufrieren.<br />

Wenn Sie auch bei hellem Tageslicht mit Blitz fotografieren wollen.<br />

JON HAWKINS<br />

BRETT HARKNESS<br />

Manuelle Einstellung: Viele Blitzgeräte, die auf den Blitzschuh aufgesteckt werden können, verfügen<br />

ebenso wie eine kleine Anzahl kompakter Systemkameras über manuelle Einstellungsmöglichkeiten. Diese<br />

sind so eingestellt, dass der Blitz in bestimmten Leistungsverhältnissen in Schritten von voller Kraft über<br />

halber Kraft, ¼-Kraft und so weiter bis hin zu 1/64 Kraft oder niedriger abgefeuert werden kann. Wenn der<br />

Blitz bei einer manuellen Einstellung verwendet wird, ist der Blitzausstoß konstant; völlig unabhängig von den<br />

Kameraeinstellungen, dem Umgebungslicht oder irgendeiner anderen Variablen. Wenn Sie den Blitz also auf ¼ oder ½<br />

Kraft einstellen, ist die Leistung jedes Mal dieselbe. Das bedeutet, dass, sobald der Aufbau einmal steht, die<br />

Blitzbelichtungen ebenfalls immer konstant sind. Dies ist sehr nützlich, wenn Sie eine Serie von dunklen bis hellen<br />

Objekten oder stark reflektierende Objekte fotografieren wollen. Sobald Sie das manuelle Leistungsverhältnis Ihres<br />

Blitzgerätes bzw. Ihrer Blitzgeräte einmal so eingestellt haben, dass die Belichtung stimmt, sind die Aufnahmen immer<br />

konstant, so lange Sie nicht den Abstand zwischen Blitz und Motiv verändern. Ein weiteres Beispiel für die Nützlichkeit<br />

manueller Blitzeinstellungen ist, wenn Ihr Blitzgerät sehr alt oder von einer anderen Marke als Ihre Kamera ist. Wenn Sie es<br />

im manuellen Modus benutzen, können Sie mit Hilfe eines auf die unten am Blitz befindliche Halterung aufgesteckten<br />

Auslösers oder einer Slave-Zelle mit einem Aufbau aus mehreren Blitzgeräten fotografieren. Die manuelle Einstellung ist<br />

ebenfalls ideal, wenn Sie eine Szene mit dem Blitz sozusagen anmalen möchten, so wie es hier gezeigt wird.


EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

Blitztechnik: Grundkenntnisse 155<br />

Kreative Blitzkontrolle<br />

Blitzbelichtungskorrektur (FEC)<br />

Dies ist nicht eine der Funktionen, die Sie ständig benutzen werden, aber sie ist dennoch<br />

wichtig, da Sie Ihnen einen schnellen und einfachen Weg bietet, das Maß des Blitzausstoßes<br />

zu kontrollieren. Genauso, wie Sie die Belichtungskorrektur benutzen, um die Belichtung, die<br />

die Kamera als korrekt berechnet hat, herauf- oder herabzusetzen, wird die Blitzbelichtungskorrektur dazu<br />

verwendet, die Blitzmenge, die die Kamera für notwendig befunden hat, zu verstärken oder zu reduzieren.<br />

Normalerweise werden Sie sie anwenden, nachdem Sie sich ein gerade aufgenommenes Bild angeschaut und<br />

entschieden haben, dass Sie ein wenig mehr oder weniger Blitzlicht bevorzugen würden. In den allermeisten<br />

Fällen werden Sie gerade ein Bild mit Aufhellblitz gemacht und festgestellt haben, dass das Verhältnis<br />

von Blitzlicht zu Umgebungslicht nicht ganz funktioniert. Bei einigen Kameramarken, wie zum Beispiel<br />

Nikon, Pentax und Sony beeinflussen an der Belichtungskorrektur vorgenommene Einstellungen auch die<br />

Blitzbelichtung, so dass die Blitzbelichtungskorrektur verwendet werden kann, um dies auszugleichen.<br />

ohne FEC<br />

-1EV FEC<br />

Blitzsteuerung<br />

Der Blitzausstoß der Kamera war<br />

zu stark für unseren Geschmack,<br />

also haben wir ihn mit FEC um<br />

eine Stufe reduziert und damit ein<br />

natürlicheres Resultat erhalten.


156 Die richtige Fotoausrüstung EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

Studioblitz-Ausrüstungen<br />

Neulinge sind vonStudioblitzen eher eingeschüchtert ,<br />

doch die Technik ist eigentlich einfach beherschbar<br />

Obwohl diverse Studioblitz-Ausrüstungen für Preise von unter 250 bis hin zu<br />

Tausenden von Euro erhältlich sind, besitzen die meisten davon doch sehr ähnliche<br />

Eigenschaften und alle folgen den gleichen grundlegenden Funktionsprinzipien. Ein<br />

Studioblitzkopf ist so gebaut, dass er einen Blitz bei einer vorgegebenen<br />

Leistungseinstellung auslöst – all die zusätzlichen Funktionen und Accessoires sind so<br />

ausgerichtet, dass sie dem Fotografen mehr Kontrolle über die Leistung des Blitzes<br />

geben. Eine Studioblitz-Ausrüstung wirklich zu beherrschen, kann Jahre dauern, doch<br />

mit dem Wesentlichen zurecht zu kommen, ist Gott sei Dank relativ einfach. Ähnlich<br />

wie bei der Benutzung von Umgebungslicht, liegt der Schlüssel zum Erfolg darin, zu<br />

lernen, wie man die Blitzleistung so unter Kontrolle bekommt, dass das Objekt<br />

genauso beleuchtet wird, wie Sie es sich wünschen. Der große Unterschied zwischen<br />

Studio- und Umgebungslicht liegt in der Kontrolle, die Sie darüber haben – so können<br />

Sie die Intensität und die Richtung der Beleuchtung exakt einstellen, genauso wie die<br />

Beschaffenheit des Lichts, das auf Ihr Objekt fällt, und zwar weitaus exakter, als Sie es<br />

bei natürlichem Licht je könnten. Dies macht den Studioblitz zu einer unglaublich<br />

vielseitigen Form von Beleuchtung, doch offenbar auch zu einer, mit der man sich<br />

genauer auskennen muss – und das erfordert Zeit. Wir stellen die grundlegenden<br />

Funktionen und Wirkungsweisen eines Studioblitzsystems vor, und zeigen, wie die<br />

diversen Zubehörteile, Softboxen und Schirme beispielsweise, gebraucht werden<br />

können, um die Beleuchtung des Objekts zu kontrollieren.<br />

Anatomie eines Studioblitzkopfs<br />

Dieses Bild zeigt die Rückseite eines Interfit-Blitzkopfes, die meisten Marken<br />

haben jedoch ein ähnliches Layout, mit einfach zu bedienenden und gut<br />

beschriebenen Knöpfen.<br />

Bauen Sie Ihre Kamera für die Arbeit mit dem Studioblitz auf<br />

Stellen Sie die Kamera auf manuell und die korrekte Blitzsynchronzeit. Dann<br />

stecken Sie einen Fotoadapter auf Ihren Blitzschuh, um ihre Kamera mit dem<br />

Synchronkabel des Blitzes zu verbinden.<br />

CANON<br />

(1) Stellen Sie Hauptschalter auf M, um<br />

den manuellen Modus zu wählen.<br />

(2) Drehen Sie die Eingabewählscheibe<br />

hinter den Verschlussknopf und stellen<br />

Sie die Blitzsynchronzeit ein.<br />

(3) Sobald Sie eine Belichtungsmessung<br />

durchgeführt haben, halten Sie den<br />

+/--Knopf gedrückt, dann drehen Sie<br />

die Eingabewählscheibe, so dass Sie die<br />

geforderte Blende einstellen können.<br />

NIKON<br />

(1) Stellen Sie Hauptschalter auf M, um<br />

den manuellen Modus zu wählen.<br />

(2) Drehen Sie die Eingabewählscheibe<br />

hinter den Verschlussknopf und stellen<br />

die Blitzsynchronzeit ein.<br />

(3) Sobald Sie eine Belichtungsmessung<br />

durchgeführt haben, drehen Sie die<br />

Eingabewählscheibe an der Vorderseite<br />

des Griffes, um die Blende einzustellen.<br />

1<br />

2<br />

1<br />

3<br />

3<br />

2<br />

3 2<br />

4<br />

1<br />

Rückseite des Blitzkopfs<br />

Normalerweise sind die Kontrollknöpfe an<br />

der Rückseite des Blitzkopfes, bei einigen<br />

Modellen können sie sich jedoch auch<br />

seitlich befinden.<br />

1) Synchronbuchse Die meisten<br />

Studioblitz-Ausrüstungen sind mit einem<br />

Synchron-Kabel ausgestattet, das Ihre Kamera<br />

mit dem Blitzkopf verbindet, damit der Blitz<br />

ausgelöst wird, wenn Sie den Verschlussknopf<br />

drücken.<br />

2) Fernauslösesensor: Dieser Sensor ermittelt<br />

jeden Blitz. Wenn Ihre Kamera also mit einem<br />

Blitz eines mehrteiligen Aufbaus verbunden<br />

ist, wird der Kamerablitz die anderen Blitze<br />

betätigen, so dass alle zusammen ausgelöst<br />

werden.<br />

3) Leistungseinstellungen: Eine der<br />

Schlüsselfunktionen eines Studioblitzkopfes<br />

ist, dass man an ihm die Intensität des Blitzes<br />

einstellen kann. Basisblitzköpfe haben feste<br />

Einstellungen, ¼ der vollen Leistung zum<br />

Beispiel, ½ Leistung, und so weiter, während<br />

die meisten der Köpfe für Fortgeschrittenere<br />

stufenlos verstellbar sind.<br />

4) Statuslicht/ Signaltöne: Viele Blitzköpfe<br />

sind mit Lämpchen ausgestattet, die anzeigen,<br />

wann der Kopf genug Energie hat, um<br />

ausgelöst zu werden.<br />

Zu heiß zum anfassen!<br />

Blitzköpfe heizen sehr schnell auf, passen<br />

Sie daher auf, dass Sie sich nicht daran<br />

verbrennen, wenn Sie das Zubehör<br />

wechseln. Sowohl die Metallfassung, als<br />

auch die Glühbirne werden heiß, vor allem<br />

dann, wenn das Einstell-Licht brennt.<br />

6<br />

Vorderseite des Blitzkopfs<br />

5) Einstelllicht: Diese Glühbirne bleibt<br />

an, damit Sie das Bild komponieren, das<br />

Objekt fokussieren und den Blitzeffekt<br />

vorausberechnen können.<br />

6) Glühbirne: Sie sorgen für den<br />

mächtigen Blitz. Die meisten Marken<br />

verfügen über spezielle Glühbirnen, die<br />

nur in bestimmte Köpfe oder<br />

Studioblitz-Serien passen. Sie sind sehr<br />

zerbrechlich, behandeln Sie sie daher mit<br />

äußerster Sorgfalt.<br />

5<br />

PENTAX<br />

(1) Stellen Sie Hauptschalter an der<br />

oberen Kante auf M, um den manuellen<br />

Modus zu wählen.<br />

(2) Drehen Sie die Eingabewählscheibe<br />

hinter den Verschlussknopf und stellen<br />

Sie die Blitzsynchronzeit ein.<br />

(3) Sobald Sie eine Belichtungsmessung<br />

durchgeführt haben, halten Sie den<br />

+/--Knopf gedrückt, dann drehen Sie<br />

die Eingabewählscheibe, so dass Sie die<br />

geforderte Blende einstellen können.<br />

SONY<br />

(1) Stellen Sie den Hauptschalter an der<br />

oberen Kante auf Tv, um die<br />

Blendenautomatik zu wählen.<br />

(2) Drehen Sie die Eingabewählscheibe<br />

hinter den Verschlussknopf und stellen<br />

Sie die Blitzsynchronzeit ein.<br />

(3) Sobald Sie eine Belichtungsmessung<br />

durchgeführt haben, halten Sie den<br />

+/--Knopf gedrückt, dann drehen Sie<br />

die Eingabewählscheibe, so dass Sie die<br />

geforderte Blende einstellen können.<br />

Systemkameras<br />

SYSTEMKAMERAS<br />

Nur wenige Systemkameras verfügen<br />

über eine Belichtungsmoduswählscheibe,<br />

wie man sie bei der Mehrheit der digitalen<br />

Spiegelreflexkameras findet. Trotzdem ist<br />

es noch immer recht einfach, den<br />

Belichtungsmodus zu wählen. Bei den<br />

meisten Modellen müssen Sie lediglich<br />

den Menüknopf oder die<br />

Vierwegesteuerung drücken, um die<br />

Belichtungsmodi auf dem Display zu<br />

haben, und dann das Rädchen auf M<br />

drehen, um den manuellen Modus<br />

auszuwählen. Bei Modellen mit<br />

Touchscreen müssen Sie einfach nur auf<br />

das M des Displays drücken.<br />

1<br />

1<br />

2<br />

3<br />

3<br />

2


EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

Die richtige Fotoausrüstung 157<br />

Beleuchtungszubehör<br />

Ihr Studioblitzsystem ist nur so gut wie das Beleuchtungszubehör und die Accessoires.<br />

BLITZKÖPFE SIND SO GEBAUT, dass sie intensive Lichtblitze erzeugen können, doch<br />

das Beleuchtungszubehör, welches Sie darauf ausgerichtet haben, bestimmt die<br />

Wirkung des Lichts, das auf das Objekt fällt. Wenn Sie je darüber nachgedacht haben,<br />

sich ein Studioblitzsystem zuzulegen, dann werden Sie zweifellos auch die diversen<br />

Zubehörteile gesehen haben, die dafür erhältlich sind. Jedes von ihnen hat seinen<br />

eigenen Weg, wie es auf die Intensität und die Beschaffenheit des Lichts einwirkt.<br />

Während die meisten Basisausrüstungen über einen oder zwei Schirme und „Spills“<br />

verfügen, ist darüberhinaus eine Vielzahl von Accessoires erhältlich. Zu wissen, welches<br />

Ihren Anforderungen am ehesten entspricht, ist daher unerlässlich. In unserem<br />

umfassenden Vergleich haben wir die typischsten Zubehörteile, die für die meisten<br />

Studioausrüstungen erhältlich sind, getestet, um Ihnen einen Eindruck davon zu<br />

vermitteln, wie sich jedes von ihnen im einzelnen auf das Licht auswirkt.<br />

Ebenso wie das Beleuchtungszubehör, können auch andere Accessoires eine wichtige<br />

Rolle für die Qualität der Endergebnisse<br />

spielen, oder den Vorgang einfach um ein<br />

Vielfaches leichter machen. Ein<br />

Belichtungsmessung<br />

Wenn Sie einen Studioblitz verwenden, stellen<br />

Sie sicher, dass die weiße Kuppel (Invercone)<br />

auf Ihrem Belichtungsmesser über dem Sensor<br />

frei ist, so dass sie einfallendes Licht misst, was<br />

erwiesenermaßen am exaktesten ist.<br />

Belichtungsmesser ist zum Beispiel hilfreich, um<br />

die korrekte Blende herauszufinden, die Sie für eine perfekte<br />

Belichtung an Ihrer Kamera einstellen müssen, auch ein Fernauslöser ist praktisch.<br />

Der Hintergrund wirkt sich ebenfalls auf das endgültige Bild aus: Die Auswahl ist groß,<br />

von einfarbig, über farbige Muster, bis hin zu Papierrollen, die auf Rahmen passen und<br />

zusammenklappbaren Kulissen. Auch Reflektoren sollte man nicht übersehen. Sie<br />

werfen das Licht auf das Objekt, oder den Hintergrund zurück, und dienen somit als<br />

Alternative zu zusätzlichen Lichtquellen. Silber ist am wirkungsvollsten, Weiß wirkt<br />

weicher und natürlicher, während ein schwarzer Reflektor Wangenknochen<br />

hervorheben kann!<br />

Schirm<br />

In weiß, silber und<br />

durchsichtig<br />

erhältlich, ist der<br />

Schirm eines der<br />

günstigsten<br />

Accessoires auf<br />

dem Markt. Silber<br />

ist bei<br />

reflektierendem<br />

Licht sehr<br />

wirkungsvoll, Weiß<br />

sorgt für einen<br />

weicheren,<br />

natürlicheren<br />

Effekt, und<br />

durchsichtige<br />

Schirme bieten das<br />

Licht mit der<br />

stärksten Diffusion.<br />

Softbox<br />

Ein echter Liebling,<br />

weil sie eine sehr<br />

streuende Wirkung<br />

haben, die ideal für<br />

schmeichelhafte<br />

Porträts sind. Je<br />

größer die Softbox,<br />

desto weicher ist<br />

das Licht, das sie<br />

erzeugt.<br />

Größtenteils sind<br />

sie quadratisch,<br />

manche jedoch<br />

sind auch<br />

rechteckig und<br />

dünn (sie werden<br />

auch als<br />

Lichtbänder<br />

bezeichnet).<br />

Beauty Dish<br />

„Beauty Dishes“<br />

werden, wie Sie<br />

möglicherweise<br />

erwartet haben,<br />

vor allem bei<br />

Schönheits-<br />

Nahaufnahmen<br />

und Make-Up<br />

Fotos verwendet.<br />

Sie geben im<br />

Zentrum ein sehr<br />

hartes Licht, was<br />

gut ist bei<br />

Make-Up Fotos.<br />

Engstrahlreflektor<br />

Werden häufig in<br />

Verbindung mit<br />

dem Blitzkopf<br />

geliefert und sollen<br />

das Licht zu einem<br />

konzentrierten<br />

Strahl kanalisieren.<br />

Bei Porträts eignen<br />

sie sich vor allem<br />

zur Beleuchtung<br />

des Hintergrundes,<br />

sind jedoch<br />

ziemlich hart,<br />

wenn sie auf das<br />

Gesicht des<br />

Objekts gerichtet<br />

werden.<br />

Backlight<br />

Dieses konische<br />

Zubehörteil sorgt<br />

für einen<br />

hartkantigen und<br />

direkten<br />

Lichtstrahl, der<br />

sich eher als<br />

Hintergrundoder<br />

Haarlicht<br />

denn als die<br />

Schlüsselbeleuchtung<br />

für<br />

ein Porträt eignet.<br />

Wabengitter<br />

Sie sorgen für<br />

einen<br />

weichkantigen<br />

Lichtkreis und<br />

sind gern<br />

gesehene<br />

Alternativen zu<br />

einem<br />

Backlight-<br />

Reflektor.<br />

Wabengitter<br />

funktionieren<br />

ähnlich einem<br />

Scheinwerfer,<br />

bieten allerdings<br />

einen breiteren<br />

Schein und sind in<br />

verschiedenen<br />

Größen erhältlich.


158 Die richtige Fotoausrüstung EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

Nur ein Licht im Studio<br />

Um die Studiobeleuchtung in den Griff zu bekommen, versuchen Sie es mit einem<br />

einfachen Aufbau mit nur einer Leuchte. Das reicht für den Anfang.<br />

Wenn Sie lernen wollen, wie Sie Ihre Beleuchtung in den Griff bekommen, fangen Sie<br />

am besten mit nur einem Licht an. Ein Licht ist mehr als ausreichend, um<br />

atemberaubende Resultate zu erzielen und so mancher große Fotograf benutzt auch<br />

heute noch eine einzige Lichtquelle für seine Arbeiten. Schließlich haben wir draußen<br />

auch nur eine einzige – die Sonne. Dieser Aufbau ist leicht zu kontrollieren und schon<br />

die kleinste Korrektur des Lichts auf Ihrem Objekt zieht eine große Wirkung nach sich.<br />

Dies zwingt Sie, den Winkel des Lichts und die Diffusionsmethode exakt einzustellen.<br />

Und da Sie nur eine einzige Lichtquelle haben, können Sie auch Reflektoren in Ihren<br />

Aufbau miteinbeziehen, um das Licht abzulenken und Schatten aufzufüllen.<br />

Die Bildreihe unten zeigt, was passiert, wenn Sie Ihr einziges Licht in unterschiedlichen<br />

Höhen und Winkeln ausrichten – wie Sie sehen, ist es unerlässlich, dass Sie die<br />

Möglichkeiten beim Aufbau Ihres einzigen Studioblitzkopfes kennen, um einige der<br />

weniger schmeichelhaften Ergebnisse aus der Bildreihe zu vermeiden. Wie zuvor<br />

angesprochen, müssen Sie Ihre Kamera auf den manuellen Modus und<br />

Langzeitsynchronisation stellen (wenn Sie dies nicht kennen, gehen Sie mit 1/125<br />

Sekunde auf Nummer sicher oder konsultieren das Benutzerhandbuch). Die Blende ist<br />

vom Zählerstand abhängig, was bei einem Aufbau mit einem Licht kein Problem sein<br />

sollte. Mit dem Synchro-Kabel der Lichtquelle verbunden, halten Sie den Zähler vor das<br />

Gesicht des Objekts, drücken den Knopf, um den Blitz auszulösen, und lesen den<br />

Zählerstand ab. Indem Sie die Intensität des Blitzes am Blitzkopf einstellen, können Sie<br />

auch die Blende ändern, mit der Sie arbeiten. Stellen Sie die Intensität höher, um die<br />

Blende zu verkleinern und verringern Sie sie, um mit einer größeren Blende zu arbeiten.<br />

Ein Licht: Alles was Sie am Anfang brauchen, ist Ihre Kamera und ein einziger<br />

Blitzkopf. Mit ein bisschen Übung, werden Sie feststellen, dass Sie großartige<br />

Resultate erzeugen können!<br />

1) Von oben beleuchtet<br />

Das Licht befindet sich hoch<br />

über dem Kopf des Modells. So<br />

bekommen Sie ein natürlich<br />

wirkendes Licht, obwohl die<br />

Schatten unter der Nase und<br />

dem Kinn hart werden. Die<br />

besten Ergebnisse erhalten Sie,<br />

wenn das Modell in Richtung<br />

der Lichtquelle schaut.<br />

Alternativ dazu könnten Sie<br />

auch fragen, ob sie einen<br />

Reflektor halten würde, um die<br />

Schatten aufzufüllen.<br />

2) Von unten beleuchtet<br />

Wenn Sie das Licht tiefer<br />

postieren, als den Kopf des<br />

Modells, so dass es nach oben<br />

scheint, wird es jeden<br />

unansehnlichen Schatten unter<br />

der Nase und dem Kinn<br />

ausmerzen. Die besten<br />

Ergebnisse erhalten Sie, wenn das<br />

Modell nach unten in Richtung<br />

der Lichtquelle sieht, was auch –<br />

wie Sie sehen – dazu führt, dass<br />

„Catchlights“ in den Augen des<br />

Modells sichtbar werden.<br />

3) Von der Seite beleuchtet<br />

Platzieren Sie das Licht<br />

entweder zur Rechten oder zur<br />

Linken des Gesichts Ihres<br />

Modells, und Sie erhalten<br />

kräftiges, direktes Licht,<br />

welches die Hälfte des Gesichts<br />

mit Schatten bedeckt. Um Ihre<br />

Chancen zu erhöhen, die<br />

„Catchlights“ in den Augen<br />

Ihres Objekts festzuhalten, ist<br />

es wichtig, dass das Licht weit<br />

genug vorne ist.<br />

4) Ein Licht & ein Reflektor<br />

Wenn Sie den Reflektor auf der<br />

entgegengesetzten Seite des<br />

Lichts nah ans Gesicht halten,<br />

werden Sie jeden harten<br />

Schatten ausgleichen können,<br />

fast so, als ob Sie einen zweiten<br />

Blitzkopf benutzen würden. Je<br />

näher Sie ihn am Modell<br />

platzieren, desto stärker<br />

reflektiert er (ein Assistent ist<br />

trotzdem nützlich!)


EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

Die richtige Fotoausrüstung 159<br />

Neigen Sie den Kopf<br />

Wenn Sie Porträts aufnehmen, vor allem von<br />

weiblichen Models, dann bitten Sie sie, den<br />

Kopf leicht zu neigen. Das sorgt für einen<br />

Hauch von Freundlichkeit in der Aufnahme<br />

und gibt dem Bild ein entspannteres<br />

Aussehen.<br />

5) Klassischer Aufbau<br />

mit einem Licht -Setup<br />

Diese Technik funktioniert, wenn<br />

Sie das Licht leicht über dem<br />

Modell und seitlich davon platzieren<br />

– so dass es in einem 45<br />

Grad-Winkel zur Seite und nach<br />

unten scheint. Durch diesen Aufbau<br />

erhalten Sie ein Gesicht mit einem<br />

schönen, natürlichen Look und<br />

darüberhinaus ein gut gesetztes<br />

„Catchlight“ für ein angenehmes,<br />

schmeichelhaftes Ergebnis.<br />

F&A: Studioblitz<br />

Wie viel sollte ich für ein<br />

Studioblitzsystem ausgeben?<br />

Wir würden Ihnen für den Anfang ein<br />

Zweikopfsystem mit Softbox und Schirm<br />

empfehlen. Unsere Tests bescheinigen<br />

einigen gute Qualität, darunter auch dem<br />

Interfit X150 Mk II und dem Elinchrom<br />

D-Lite 4IT Studio 2 Go.<br />

Welche Vorteile bieten teurere Modelle?<br />

Die Bauweise (und Zuverlässigkeit) ist<br />

etwas besser, doch die wahren Vorteile sind<br />

Intensität, Eigenschaften und Leistung. Eine<br />

höhere Intensität ist hilfreich, weil Sie die<br />

Lichter etwas weiter vom Objekt entfernt<br />

postieren können, während der relative<br />

Lichtverlust durch Zusätze wie Softboxen<br />

verringert wird. Sie werden feststellen,<br />

dass teurere Blitzköpfe mehr Kontrolle<br />

über die Intensität, sowie eine schnellere<br />

Erholungszeit des Blitzes bieten.<br />

Sind Aufsätze anderer Systeme<br />

kompatibel?<br />

Normalerweise haben verschiedene<br />

Marken verschiedene Passformen haben<br />

und sind somit nicht kompatibel. Chimera<br />

allerdings stellt Speedringe für seine<br />

Softboxen her, die mit nahezu jedem<br />

System kompatibel ist. Mehr Informationen<br />

finden Sie unter www.chimeralighting.com.<br />

Wie sollte ich meine Kamera aufbauen,<br />

um mit einem Studioblitz zu arbeiten?<br />

Sie müssen sie auf den manuellen<br />

Modus stellen, weil das Dosiersystem<br />

nicht in Verbindung mit einem Studioblitz<br />

funktioniert. Stellen Sie die Verschlusszeit<br />

auf die Synchronzeit des Blitzes und die<br />

Blende entsprechend dem Zählerstand des<br />

Blitzes ein.<br />

Wie führe ich eine Belichtungsmessung in<br />

Verbindung mit dem Studioblitz durch?<br />

Verwenden Sie einen Belichtungsmesser,<br />

der über ein Synchro-Kabel mit einem<br />

Blitzkopf verbunden ist. Sobald Sie die<br />

Lichter aufgebaut haben, halten Sie den<br />

Sensor vor das Gesicht des Objekts,<br />

machen eine Messung und stellen die vom<br />

Belichtungsmesser empfohlene Blende auf<br />

der Kamera ein. Denken Sie daran, dass<br />

Belichtungsmesser und Kamera auf den<br />

selben ISO-Wert eingestellt sein müssen!<br />

Wie verbinde ich meine Kamera mit<br />

einem Studioblitzsystem?<br />

Der Stecker am Ende des Synchro-Kabels<br />

des Studioblitzes verbindet ihn mit der PC-<br />

Buchse Ihrer Kamera. Wenn Ihre Kamera<br />

keine Buchse hat, kaufen Sie einen Adapter<br />

(circa 15 Euro), der auf den Blitzschuh Ihrer<br />

Kamera passt und das Synchro-Kabel mit<br />

ihm verbindet. Eine etwas teurere Variante<br />

ist ein drahtloser Auslöser, der auf Ihrem<br />

Blitzschuh sitzt und einen Empfänger am<br />

Blitzkopf betätigt.


160 Ausrüstung EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

Zubehör<br />

Wenn sich Ihre fotografischen Fähigkeiten entwickeln, werden Sie die Grundausstattung Ihrer Kameraausrüstung erweitern<br />

wollen. Hier zeigen wir Ihnen eine Auswahl des am häufigsten benötigten Zubehörs: Kamerataschen, Stative, Fernauslöser,<br />

Belichtungsmesser und Reflektoren.<br />

Sekonic<br />

Flashmate<br />

L-308S<br />

Preis: ca. 100 €<br />

www.profoto-de.com<br />

Handbelichtungsmesser für Umgebungs- und Blitzlicht<br />

Interfit 265 (107cm) 5-in-1 Reflektor<br />

Preis: ca. 50€<br />

www.photospecialist.de<br />

Handbelichtungsmesser haben nicht<br />

mehr die Bedeutung wie in den Tagen<br />

des Kleinbildfilms, doch es gibt nach wie<br />

vor gute Gründe für ihren Gebrauch.<br />

Da sie sowohl das Umgebungslicht als<br />

auch Blitzlicht messen können, drahtlos<br />

oder mit Blitzsynchronisierungskabel,<br />

sind Handbelichtungsmesser im<br />

Studio ebenso nützlich wie im Freien.<br />

Wenn Sie die weiße, transparente<br />

Sensorabdeckung nutzen, können<br />

Sie Messungen des Umgebungslichts<br />

vornehmen, das auf Ihr Motiv fällt. Eine<br />

solche Messung ist präziser als die des<br />

reflektierten Lichts, das Ihre Kamera<br />

von dem Motiv misst. Sie können das<br />

Messintervall auf eine drittel, halbe oder<br />

ganze Blendenstufe einstellen, je nach<br />

dem Intervall Ihrer Kamera. Wenn Sie<br />

regelmäßig mit einer Mischbeleuchtung<br />

aus Umgebungslicht und Blitzlicht<br />

arbeiten, ist ein Handbelichtungsmesser<br />

sehr hilfreich.<br />

Urteil<br />

Kompakter, leichter und vielseitiger<br />

Belichtungsmesser; preiswertes Gerät für<br />

Studio und Outdoor-Einsatz<br />

Verarbeitung<br />

Merkmale<br />

Leistung<br />

Preis / Leistung<br />

GESAMTURTEIL<br />

Dieser faltbare Reflektor<br />

schafft in jeder Situation<br />

die Voraussetzung für eine<br />

effektvolle Lichtsteuerung. Die<br />

große Auswahl von verschiedenen<br />

reflektierenden Oberflächen in einem<br />

einzigen zusammenlegbaren Reflektorsystem<br />

garantiert Ihnen maximale Flexibilität bei<br />

minimalem Platzverbrauch. Es eignet sich für<br />

alle Beleuchtungssituationen und besteht aus<br />

einem zusammenlegbaren Stahlrahmen mit 5<br />

Reflexionsflächen in Schwarz, Weiß, Silbern und<br />

Golden, die dank eines Reißverschlusses leicht<br />

zu wechseln sind. Die mittlere Schicht ist eine<br />

Diffusorfläche für die direkte Beleuchtung Ihres<br />

Motivs. Die Handhabung ist denkbar einfach: Sie<br />

ziehen einfach die Hülle mit der gewünschten<br />

Beschichtung über den Stahlrahmen und fixieren<br />

sie mit dem Reißverschluss.<br />

Urteil<br />

Ausgezeichneter, preiswerter<br />

Reflektor<br />

Qualität d. Reflektors<br />

Verarbeitung d. Hülle<br />

Vielseitigkeit<br />

Leistung<br />

Preis / Leistung<br />

GESAMTURTEIL<br />

Giottos Silk Road<br />

YTL 8354<br />

Preis: ca. 260€<br />

Länge (geschlossen): 54cm<br />

Zahl der Beinsegmente: 4<br />

Höhe (Beine ausgezogen): 171cm<br />

Maximale Traglast: 5kg<br />

Gewicht: 1,38kg<br />

www.wexcameras.de<br />

Das Giottos Silk Road YTL8354 Kohlefaser<br />

Stativ mit 3D Mittelsäule ist ein äußerst<br />

kompaktes, viersegmentiges Stativ. Das<br />

Y-förmige Mittelsäulendesign der YTL Serie<br />

ermöglicht kompaktes Zusammenfalten,<br />

die achtlagige Kohlefaser-Technologie<br />

erhöht die Stärke und reduziert das<br />

Gewicht. Abgestufte Beinmarkierungen<br />

erleichtern den waagerechten Aufbau,<br />

und mit dem Quick-Easy-Lever<br />

Beinverschluss-System können<br />

Sie Stativbeine verkürzen oder<br />

verlängern, ohne Ihr Motiv aus den<br />

Augen zu lassen. Das Stativ kann<br />

auf drei Positionen eingestellt<br />

werden und lässt sich mit<br />

Stativköpfen verschiedener<br />

Anschlussgrößen<br />

kombinieren. Das YTL8354<br />

wiegt 1.380 Gramm und<br />

lässt sich von 17cm bis<br />

zu einer Maximalhöhe<br />

von 171cm ausfahren.<br />

Es kann mit bis zu 5<br />

Kilogramm belastet werden<br />

und ist im zusammengefalteten Zustand 54cm lang.<br />

Manfrotto 190XPROB mit 460 MG<br />

Stativkopf<br />

Preis: ca. 130€<br />

Länge (geschlossen): 57cm<br />

Zahl der Beinsegmente: 3<br />

Höhe (Beine ausgezogen): 146cm<br />

Maximale Tragkraft: 5kg<br />

Gewicht: 2,25kg<br />

www.manfrotto.de<br />

Dieses Aluminiumstativ von Manfrotto<br />

gehört zu den leichtesten seiner<br />

Preisklasse. Die Beine sind sehr stabil<br />

und halten die Kamera perfekt in allen<br />

Positionen. Die Schnellspannverschlüsse<br />

sind einfach zu bedienen und verriegeln<br />

die Beine sicher. Das interessanteste<br />

Merkmal dieses Stativs ist die<br />

Mittelsäule, die für Makroaufnahmen<br />

horizontal geschwenkt werden kann,<br />

ohne sie umstecken zu müssen. Am<br />

Stativkopf und an der Muffe für die<br />

Mittelsäule befindet sich jeweils<br />

eine Wasserwaage. Der Stativkopf ist<br />

sehr vielseitig und kann leicht in alle<br />

Richtungen geschwenkt, geneigt<br />

und gedreht werden.<br />

Dank dieser Technik eignet sich<br />

das Stativ besonders für die<br />

Naturfotografie. Das Fehlen eines<br />

Schwenkhebels ist vielleicht ein<br />

Manko, doch die Vielseitigkeit<br />

des Kopfes macht dieses wett.


EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

Ausrüstung 161<br />

Lowepro Event Messenger 250 Vanguard UP-Rise 45<br />

Preis: ca. 40€€<br />

Hauptabteil: 35 x 25 x 10cm<br />

Gewicht: 780g<br />

www.lowepro-deutschland.de<br />

Preis: ca. 65€<br />

Abmessungen: 43 x 32 x 22cm<br />

Gewicht: 1600g<br />

www.vanguardworld.de<br />

Die Lowepro Event<br />

Messenger 250 ist eine<br />

schlanke Schultertasche<br />

mit raffinierten Details.<br />

Ihr modernes Design<br />

verfügt über ein duales<br />

Verschlusssystem. Dieses<br />

ermöglicht wahlweise ein sicheres<br />

Verschließen mit zusätzlichem<br />

Klettverschluss, oder schnelles und<br />

leises Öffnen mit Klippverschluss. Die<br />

große Öffnung ermöglicht einen schnellen Zugriff<br />

auf die Ausrüstung im Hauptfach. Die leichte<br />

Tasche kann bequem mit dem gepolsterten,<br />

anti-rutsch-beschichteten Schultergurt oder dem<br />

Handgriff getragen werden. Viel Stauraum für<br />

Zubehör bieten die zusätzlichen Taschen an der<br />

Innen- und Außenseite.<br />

Ideal für Fotografen, nicht mehr als die Kamera,<br />

Objektive, Blitz, ein kleines Notebook und ein paar<br />

persönliche Dinge transportieren möchten.<br />

Der Fotorucksack Vanguard UP-Rise 45 ist<br />

geeignet für eine Spiegelreflexkamera mit<br />

montiertem 70–200mm Zoomobjektiv,<br />

3–4 Objektive, ein Blitzgerät und Zubehör.<br />

Die Schulterriemen lassen sich durch<br />

ein spezielles Faltsystem verstauen. Der<br />

Rucksack erlaubt sowohl einen schnellen,<br />

einfachen Zugriff von vorn als auch von<br />

der Seite. Er verfügt über eine abnehmbare<br />

Regenschutzhülle sowie mehrere<br />

Taschen für zusätzliche Speicherkarten und<br />

Objektivdeckel, und das orangefarbene<br />

Innenfutter bietet bei schlechtem Licht<br />

einen guten Kontrast zu den Einzelteilen der<br />

eingepackten Fotoausrüstung. Mit einem<br />

leichten Zug am Reißverschluss lässt sich die<br />

Tasche expandieren und dem veränderlichen<br />

Packbedarf an Objektiven und weiterer<br />

Ausrüstung anpassen. Es ist ein vielseitiger<br />

Fotorucksack, der seinen Inhalt auch bei<br />

Regenwetter zuverlässig schützt.<br />

Vanguard Heralder 33 Tamrac Evolution 9<br />

Preis: ca. 100€<br />

Hauptabteil: 36 x 27 x 17cm<br />

Gewicht: 1650g<br />

www.vanguardworld.de<br />

Mit der Vanguard Heralder 33<br />

erhalten Sie einen exzellenten<br />

Gegenwert für Ihr Geld. Aufgrund<br />

des herausnehmbaren Innenteils<br />

dieser Fototasche können Sie<br />

Ihre gesamte Fotoausrüstung<br />

schnell in nur einem einfachen<br />

Schritt einpacken. Wenn Sie Ihre<br />

Ausrüstung nicht benötigen, können<br />

Sie die Fototasche in eine bequeme<br />

Umhängetasche verwandeln. Weitere<br />

Merkmale sind der äußerst komfortabel<br />

gepolsterte Anti-Rutsch-Schultergurt, ein<br />

gepolstertes Laptop-Fach, gepolsterte<br />

Objektivtaschen, zahlreiche Zubehörtaschen<br />

zum Verstauen von Kleinteilen oder kompatiblem<br />

Vanguard-Zubehör. Ein anderes herausragendes<br />

Merkmal der Heralder 33 ist der komfortable<br />

Stativhalter. Er besteht aus einem Schlingensystem,<br />

mit dem Sie Ihr Stativ zum Transport an der Tasche<br />

befestigen; ein Regenschutz vervollständigt diese<br />

gut durchdachte Konstruktion.<br />

Preis: ca. 200€<br />

Hauptabteil: 28 x 30 x 16cm<br />

Gewicht: 2180g<br />

http://hapa.tamrac.com/5789.htm<br />

Der Tamrac Evolution 9 ist in vielerlei<br />

Hinsicht ein Kompromiss, was ihn zu einem<br />

hervorragenden Allround-Transportsystem<br />

macht. Er bietet schnellen Zugriff auf eine<br />

Spiegelreflexkamera mit einem montierten<br />

Objektiv bis 22cm Länge, mehrere<br />

Zusatzobjektive und ein Blitzgerät. Der Zugriff<br />

ist von 3 Seiten möglich, an der Rückseite<br />

bietet ein gepolstertes Fach Platz für 17-Zoll<br />

Laptops bis zur Größe von 44 x 28 x 4cm. Das<br />

schaumstoffgepolsterte obere Fach bietet Raum<br />

für eine leichte Jacke oder weiteres Zubehör, eine<br />

Netztasche im hinteren Teil verwahrt Kleinteile sicher<br />

und separat, eine Netztasche an der Innenseite des<br />

oberen Fachs zusätzliche Kleinigkeiten.<br />

Der Evolution 9 kann in eine Schultertasche<br />

verwandelt werden, indem ein Schultergurt einfach<br />

über Kreuz am Tragesystem befestigt wird – dabei<br />

helfen spezielle Farbmarkierungen: Rot für die<br />

rechte Schulter, Blau für die linke Schulter. Der nicht<br />

benötigte Schultergurt kann in diesem Fall einfach<br />

verstaut werden.<br />

Hama Fernauslöser<br />

5348<br />

Preis: ca. 25€<br />

www.hama.de<br />

Dieser Kabelfernauslöser ähnelt dem<br />

Nikon MC-30, kostet aber nur die<br />

Hälfte. Er ist klein, mit 34 Gramm sehr<br />

leicht, und mit 80 cm Kabellänge fast<br />

überall hinreichend. Die Bulb-Funktion<br />

ermöglicht verwacklungsfreie<br />

Langzeitbelichtungen. Die zweistufige<br />

Auslösetaste löst sowohl das Scharfstellen<br />

durch Autofokus als auch den<br />

Kameraverschluss aus. Der Hama 5384<br />

ist eine funktionelle Fernbedienung zu<br />

einem hervorragenden Preis.<br />

Urteil<br />

Zuverlässige, preiswerte Lösung<br />

Verarbeitungsqualität<br />

Leistung<br />

Preis / Leistung<br />

GESAMTURTEIL<br />

Hähnel Kabelfernauslöser<br />

Preis: ca. 15€<br />

www.haehnel-foto.de<br />

Das Hähnel-Modell ist größer<br />

als das von Hama, liegt dadurch<br />

besser in der Hand und ist,<br />

obwohl mit 60 Gramm fast<br />

doppelt so schwer, immer<br />

noch ein Leichtgewicht. Der<br />

Fernauslöser ist erhältlich für<br />

alle gängigen Kameramodelle,<br />

passende Anschlussadapter<br />

sind enthalten. Zusätzlich<br />

zum 80 cm-Kabel wird eine<br />

Kabelverlängerung von 2<br />

m mitgeliefert, welche die<br />

Reichweite auf 2,80 m erhöht.<br />

Urteil<br />

Beste Wahl als Hauptfernsteuerung.<br />

Verarbeitungsqualität<br />

Leistung<br />

Preis / Leistung<br />

GESAMTURTEIL


162 Richtig belichten EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

BJORN THOMASSEN<br />

Belichtungsreihen schießen<br />

Ob Sie die graue Karte benutzen oder nicht: Unter<br />

problematischen Lichtverhältnissen ist es ratsam,<br />

eine Belichtungsreihe aus Einzelbildern zu<br />

schießen, die die Belichtungskorrektur oder die<br />

AEB-Funktion der Kamera mit einem Intervall von<br />

+/-1 Schritt verwendet. So können Sie sicher sein,<br />

dass wenigstens eine der Aufnahmen richtig<br />

belichtet wird.<br />

So benutzen Sie die graue/weiße Karte zur<br />

Belichtungsmessung und zum Weißabgleich<br />

Szenen mit starkem Gegenlicht können zu Belichtungsfehlern führen. Wenn Sie eine graue Karte benutzen, umgehen Sie<br />

dieses Problem. Die 18-Prozent-Graukarte ist ein Hilfsmittel zur richtigen Belichtung. Beide Karten können auch zum<br />

Einstellen eines situationsbezogenen Weißabgleichs eingesetzt werden. Wie auf den Karten gemessen wird, hängt von<br />

Ihrer Kamera ab – dies müssen Sie also im Handbuch nachschlagen.<br />

DIGITALKAMERAS GREIFEN AUF recht komplizierte Belichtungsmessverfahren<br />

zurück, um unterschiedlichen Lichtverhältnissen gerecht werden zu können.<br />

Diese Verfahren gehen jedoch alle von der Annahme aus, dass der gemessene<br />

Bereich ein mittlerer Farbton ist, 18 Prozent Grau, um genau zu sein. Das ist der<br />

Farbton, der sich ergibt, würde man alle dunklen, hellen und mittleren Farbtöne<br />

vermischen. Er ist die Basis aller Messmethoden, und diese funktionieren<br />

überraschend gut. Doch bei Szenen, die insgesamt wesentlich heller oder<br />

dunkler als der Durchschnitt sind, kann das Meßsystem der Kamera dazu<br />

„verleitet“ werden, über- oder unterzubelichten, weil sich für solche Szenen ein<br />

anderer Mittelwert als 18 Prozent ergibt.<br />

Da die Kamerameßsysteme jedoch auf die 18 Prozent kalibriert<br />

sind, müssen Sie die Belichtungsmessungen entsprechend den real<br />

herrschenden Bedingungen anpassen. Das geschieht entweder durch die<br />

Belichtungskompensation, den AE-Lock Knopf oder durch Messen eines<br />

Bereichs der Szene, der einen mittleren Farbton, idealerweise 18 Prozent<br />

Perfekte Messungen<br />

Szenen mit starkem Gegenlicht<br />

können zu Belichtungsfehlern<br />

führen. Wenn Sie eine graue Karte<br />

benutzen, umgehen Sie dieses<br />

Problem.<br />

Grau, aufweist. Und nun, Sie ahnen es bereits, kommt unsere graue Karte ins<br />

Spiel. Sie ist ganz einfach zu benutzen: Entscheidend ist, dass Sie sie in einem<br />

Bereich platzieren, der sehr ähnlich beleuchtet ist, wie das zu fotografierende<br />

Motiv. Legen Sie sie also nicht in den Schatten, wenn Ihr Motiv sich im<br />

grellen Sonnenlicht befindet. Achten Sie außerdem darauf, dass die Karte den<br />

Messbereich ausfüllt, deshalb sollten Sie hier zur Punktmessung greifen.<br />

Nun können sie entweder die Belichtung mit der AE-Lock Funktion der Kamera<br />

speichern, oder Sie merken sich die gemessenen Werte, schalten auf manuellen<br />

Betrieb und stellen diese Werte von Hand ein. Wenn das Licht sich jedoch<br />

ständig ändert, durch vorüberziehende Wolken beispielsweise, ist die manuelle<br />

Methode ungeeignet. Auf der Karte sind Referenzlinien für den Autofokus<br />

aufgedruckt, damit die Kamera das Objektiv leichter darauf fokussieren kann.<br />

Die Scharfeinstellung muss jedoch nicht absolut korrekt sein. Graue und<br />

weiße Karte können beide auch verwendet werden, um einen den aktuellen<br />

Lichtverhältnissen genau angepassten Weißabgleich durchzuführen.<br />

1 EINSTIEG:<br />

Wenn Sie Porträts bei Gegenlicht fotografieren,<br />

geben Sie der Person die graue Karte in die Hand und<br />

bitten Sie sie, die Karte möglichst senkrecht in<br />

Richtung Kamera zu halten.<br />

MESSEN SIE DIE BELICHTUNG<br />

2Achten Sie darauf, dass der Messbereich von der<br />

grauen Karte ausgefüllt ist. Wir haben in diesem Fall<br />

zur Punktmessung gegriffen. Speichern Sie die<br />

Belichtung mit der AE-Lock Funktion.<br />

BILDKOMPOSITION UND SCHUSS<br />

3Mit den gespeicherten Belichtungsmessdaten<br />

machen Sie nun Ihre Bildkomposition und lösen aus.<br />

Wenn Sie die Belichtung nun auf dem Monitor der<br />

Kamera überprüfen, sollte sie genau richtig sein.


GRAUKARTE<br />

<strong>Digitale</strong><br />

WEISSABGLEICHKARTE<br />

<strong>Digitale</strong>


EXTRA<br />

STEIGEN SIE EIN IN DIE<br />

DIGITALE<br />

FOTOGRAFIE<br />

VERBESSERN SIE IHRE FÄHIGKEITEN UND MACHEN SIE BESSERE BILDER<br />

INHALT!<br />

TIPPS VON EXPERTEN HELFEN IHNEN, BESSERE FOTOS ZU MACHEN<br />

8 <strong>Digitale</strong> Kameras verstehen EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE <strong>Digitale</strong> Kameras verstehen 9<br />

EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

Funktionen und Bedienungselemente digitaler Kameras<br />

Unabhängig davon, ob eine<br />

digitale Spiegelreflex- oder<br />

Kompaktkamera zum Einsatz<br />

kommt, öffnet sich den<br />

Benutzern eine Welt von neuen<br />

Aufnahmemöglichkeiten.<br />

<strong>Digitale</strong> Kameras sind voller<br />

Spitzen-Technologie. Diese<br />

wurde entwickelt, um in<br />

möglichst vielen<br />

Aufnahmesituationen möglichst<br />

perfekte Bilder zu garantieren.<br />

Dazu kommen neuerdings auch<br />

Videofunktionen. Trotz all<br />

diesen Leistungen wurden die<br />

meisten Kameras so<br />

benutzerfreundlich wie möglich<br />

designt. Die Bedienung ist<br />

allerdings nicht bei allen<br />

Modellen gleich. Manchmal<br />

wird man durch die große<br />

Auswahl an Funktionen eher<br />

verwirrt oder übersieht<br />

Leistungen, die einem das<br />

Leben einfacher machen<br />

könnten. Dieses Magazin ist<br />

dazu da, diese Lücke zu füllen!<br />

In unserem Magazin geht es<br />

darum, wie das beste aus der<br />

Kamera herausgeholt wird und<br />

dadurch die Bildqualität<br />

erheblich verbessert werden<br />

kann.<br />

Funktionen einer Digitalkamera<br />

mit Wechselobjektiven<br />

Bei den Funktionen einer digitalen Spiegelreflex- und einer kompakten<br />

Systemkamera gibt es keine wesentlichen Unterschiede.<br />

1<br />

3<br />

7<br />

2<br />

4<br />

6<br />

5<br />

7<br />

9<br />

8<br />

1<br />

2<br />

5<br />

6<br />

10<br />

13<br />

14<br />

15<br />

16<br />

11<br />

12<br />

1) Der Auslöser: Der Auslöser hat<br />

eine Doppelfunktion. Wird er zur Hälfte<br />

nach unten gedrückt, wird das<br />

Autofokus- und Messsystem aktiviert.<br />

Wird er ganz nach unten gedrückt, wird<br />

die Aufnahme belichtet.<br />

Wussten Sie, dass ...? Wenn das<br />

Kamera-Display aus Energiespargründen<br />

nach ein paar Minuten auf den<br />

Bereitschaftsmodus umschaltet, kann es<br />

durch leichtes Antippen des Auslösers<br />

wieder aktiviert werden. Bei vielen<br />

Kameras kann eingestellt werden, ob der<br />

Auslöser die Autofokuseinstellung, die<br />

Belichtung oder beides speichern soll.<br />

2) Interner Blitz: Die große<br />

Mehrheit der Kameras sind mit einem<br />

internen Blitz ausgerüstet. Manche<br />

digitale Spiegelreflex- und<br />

Kompaktkameras der oberen<br />

Preiskategorie sind auf externe Blitzgeräte<br />

angewiesen. Die meisten<br />

Kompaktkameras verfügen über ein<br />

internes Blitzgerät. Der<br />

Blitzausleuchtungsbereich ist dabei<br />

normalerweise groß genug für Motive, die<br />

ein paar Meter entfernt sind. Alle Kameras<br />

bieten eine Auswahl an Blitzmodi. Der<br />

Automodus dient für Porträts bei<br />

geringem Licht. Es gibt aber weitere<br />

Blitzmodi für kreative<br />

Aufnahmesituationen, wie die<br />

Zeitautomatik und den zweiten<br />

Verschlussvorhang.<br />

3) Die<br />

Blitzentriegelungstaste:<br />

Die Blitzentriegelungstaste<br />

zum Einsatz des internen<br />

Blitzgerätes drücken. Manche Kameras<br />

setzen den Blitz in vollautomatischen Modi<br />

von selbst ein. Nur in halbautomatischen<br />

und manuellen Belichtungsmodi kann dort<br />

der Blitz noch selbst gewählt werden.<br />

Wussten Sie, dass ...? Bei manchen<br />

Kameras dient der Auslöser zusätzlich<br />

dazu, den entsprechenden Blitzmodus<br />

auszuwählen, ohne auf die Menüfunktion<br />

zurückzugreifen. Bei den meisten Modellen<br />

dient dazu eine getrennte Blitz-Modus-<br />

Taste auf dem Vierwegschalter.<br />

4) Autofokus-Lampe: Bei<br />

schwachen Lichtverhältnissen hat die<br />

Kamera manchmal Probleme bei der<br />

Schärfeeinstellung. Die Autofokus-Lampe<br />

ist im internen Blitz oder im<br />

Kameragehäuse integriert und dazu da,<br />

diese Probleme zu lösen.<br />

5) Objektiv-<br />

Entriegelungstaste:<br />

Durch die Objektiv-<br />

Entriegelungstaste kann das<br />

Objektiv ausgetauscht werden.<br />

Wussten Sie, dass ...? Die Nikon-<br />

Objektive werden umgekehrt<br />

herausgedreht als die Objektive der<br />

meisten anderen Hersteller.<br />

6) AF/M: Diese Taste<br />

befindet sich auf dem<br />

Objektiv oder dem Gehäuse<br />

der Kamera und dient dem<br />

Umstellen von Autofokus auf manuelle<br />

Scharfstellung<br />

7) Selbstauslöser-Anzeige:<br />

Zeigt die Sekunden bis zur Belichtung an.<br />

8) Mikrofon: Für Audioaufnahmen<br />

mit der Video-Funktion der Kamera.<br />

Kann bei manchen Kameras auch für<br />

Audiokommentare zu den Aufnahmen<br />

eingesetzt werden.<br />

9) Springblende:<br />

Früher war diese Funktion<br />

bei Spiegelreflexkameras<br />

sehr beliebt, ist heute aber<br />

weniger üblich. Beim Einsatz dieser<br />

Funktion wird die Objektivblende auf die<br />

gewählte Öffnung eingestellt und erlaubt<br />

dem Fotografen die <strong>Vorschau</strong> der<br />

erreichten Tiefenschärfe im Sucher.<br />

Diese Funktion verdunkelt das Bild im<br />

Sucher. Der Einsatz wird dadurch vor<br />

allem bei kleineren Blendeöffnungen<br />

erschwert. Kameras mit elektronischen<br />

Suchern erhöhen die Helligkeit in der<br />

Tiefenschärfe-<strong>Vorschau</strong>, was ein großer<br />

Vorteil gegenüber optischen Suchern<br />

darstellt.<br />

Wussten Sie, dass ...? Canon-Benutzer<br />

können die Tiefenschärfe-<strong>Vorschau</strong> mit<br />

dem LiveView-Modus kombinieren.<br />

Dadurch kann die Tiefenschärfe<br />

einfacher als über den Sucher, direkt<br />

auf dem LCD-Monitor kontrolliert<br />

werden.<br />

10) Hauptwählrad: Dies ist wohl die<br />

wichtigste Kontrollfunktion der Kamera, da<br />

sie die Belichtungszeit festlegt. Manche<br />

Kameras haben eine Blockierfunktion fürs<br />

Wählrad, die meisten aber nicht. Darum<br />

sollte man vor dem Aufnehmen nochmals<br />

sicherstellen, dass das Rad nicht ungewollt<br />

verstellt wurde.<br />

Wussten Sie, dass ...? Viele halb<br />

professionelle und professionelle digitale<br />

Spiegelreflexkameras besitzen zur<br />

Belichtungseinstelltung anstelle eines<br />

Wählrads eine Taste.<br />

11) Blitzschuh: Der Blitzschuh ist eine<br />

Schiene auf der Oberseite des<br />

Kameragehäuses zum Anschluss des<br />

Blitzgerätes. Die externen Blitzgeräte bieten<br />

bei unterbelichteten Aufnahmesituationen<br />

eine zusätzliche Leistung in einem größeren<br />

Bildbereich. Außerdem können am<br />

Blitzschuh auch weitere Geräte wie<br />

Steuereinheiten zur Synchronisierung von<br />

Aufnahmen mit mehreren Blitzgeräten oder<br />

eine Fernbedienung angeschlossen werden.<br />

Der Anschluss in der Mitte der Schiene löst<br />

den Blitz aus, die anderen Kontakte dienen<br />

zur Datenübertragung<br />

Wussten Sie, dass ...? Der Vorläufer des<br />

unkonventionellen Designs des<br />

Sony-Blitzschuhs ist der Minolta-Dynax-<br />

Blitzschuh von 1988.<br />

12) On/off Taste: Zum Ein- und<br />

Ausschalten der Kamera. Falls die Kamera<br />

nicht ausgeschaltet wird, schaltet sie aus<br />

Energiespargründen nach fünf Minuten<br />

automatisch selbst ab. Durch das sanfte<br />

Herunterdrücken des Auslösers wird die<br />

Kamera dann wieder aktiviert.<br />

13) Display: Die Kamera benutzt ein<br />

Standard-Beleuchtungs-Display auf dem<br />

Monitor. Durch Herunterdrücken der<br />

Display-Taste kann das Histogramm-<br />

Format und die Displayfarbe gewählt<br />

werden.<br />

14) ISO: Die ISO-Einstufung bestimmt die<br />

Lichtempfindlichkeit des Sensors und ist<br />

deshalb vergleichbar mit den<br />

unterschiedlichen Filmgeschwindigkeiten in<br />

der Vergangenheit. Eine tiefe ISO-<br />

Einstufung ist weniger empfindlich, bietet<br />

aber eine bessere Bildqualität. Sobald die<br />

ISO-Einstufung erhöht wird, nimmt das<br />

Bildrauschen zu und führt zu einem<br />

Qualitätsverlust (hauptsächlich bezüglich<br />

der Farbwiedergabe und Schärfe).<br />

Besonders gut ersichtlich ist das<br />

Bildrauschen bei einer Einstellung von ISO<br />

800 und darüber. Neuere Kameramodelle<br />

bieten eine bessere Rauschunterdrückung<br />

als ältere.<br />

15) Vorderes Einstellrad: Dieses<br />

Einstellrad befindet sich normalerweise in<br />

der Nähe des Auslösers oder bei den<br />

Daumenauflagen auf der Hinterseite der<br />

Kamera. Mit diesem Rad kann die<br />

Verschlusszeit oder die Blendenöffnung<br />

eingestellt werden.<br />

16) Sensorebene: Eine sichtbare<br />

Markierung zeigt die Sensorebene an.<br />

Kameras<br />

Kameras<br />

Kameras<br />

Kameras<br />

Kameras<br />

Kameras<br />

Kameras<br />

Kameras<br />

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mit<br />

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Sucherbild<br />

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Sucherbild<br />

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4<br />

WUSSTEN SIE, DASS ...?<br />

Wenn der Auslöser im Einzelbildbetrieb<br />

zur Hälfte nach unten gedrückt wird,<br />

kann die Belichtungseinstellung für die<br />

nächste Aufnahme gespeichert werden.<br />

Original<br />

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Originalgröße<br />

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Seite 13<br />

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3<br />

16<br />

11<br />

10 12<br />

8<br />

Zu verstehen, wie Ihre Kamera das Licht misst, ist die Grundvoraussetzung für richtig belichtete Fotos.<br />

Konzepte der Belichtungsmessung<br />

ISTOCK PHOTO<br />

54 Die Grundlagen EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

Messen Sie die mittleren Farbtöne für eine ausgewogene Belichtung.<br />

Benutzen Sie bei hellen Motiven einen positiven Wert<br />

CANON (PARTIAL)<br />

CANON (SPOT)<br />

NIKON<br />

SONY/PENTAX<br />

OLYMPUS<br />

PENTAX<br />

OLYMPUS<br />

CANON<br />

NIKON<br />

SONY<br />

PENTAX<br />

OLYMPUS<br />

SONY<br />

Wussten Sie schon?<br />

So ändern Sie die Belichtungsmessmethode<br />

Immer mehr Kameras führen die Daten von<br />

Autofokus, Weißabgleich und<br />

Belichtungsmesssystem zusammen, um<br />

bessere Ergebnisse zu liefern. Canons<br />

iFCL-Technologie und Nikons Scene<br />

Recognition System sind nur zwei Beispiele.<br />

Das Ändern der Belichtungsmessmethode<br />

ist einfach, und die meisten Kameras bieten<br />

dazu sogar mehrere Möglichkeiten. Sie<br />

können das Bildschirm-Menü aufrufen und<br />

den relevanten Tab oder eine im Vier-Wege-<br />

Schalter integrierte Schnellzugriffstaste<br />

benutzen. Manche Kameras besitzen an der<br />

Oberseite oder Rückseite sogar eine spezielle<br />

Taste zur Auswahl der<br />

Belichtungsmessmethode, neuere Kameras<br />

sogar einen Touch-Screen, der schnellen<br />

Zugriff auf die Funktion erlaubt. Rechts sehen<br />

Sie, wie die Funktion bei Canon- und<br />

Nikon-Modellen aufgerufen wird, bei anderen<br />

Marken ist die Prozedur ähnlich.<br />

1) Wählen Sie im Menü den relevanten Tab und<br />

drücken die SET-Taste, um die Option auszuwählen.<br />

2) Drücken Sie die Q-Taste und benutzen Sie den<br />

Vier-Wege-Schalter, bis die Auswahl der Messmethode<br />

erscheint, dann drehen Sie das Eingabe-Einstellrad,<br />

um die gewünschte Messmethode einzustellen.<br />

1) Wählen Sie das Aufnahmemenü und anschließend<br />

„Messfeldsteuerung“, dann drücken Sie OK und<br />

wählen eine Messmethode.<br />

2) Falls Ihre Kamera über eine i-Taste verfügt, drücken<br />

Sie sie, wählen „Messfeldsteuerung“ und anschließend<br />

die gewünschte Messmethode.<br />

Wenn Sie den Auslöser Ihrer Kamera drücken,<br />

misst das TTL-Messsystem (engl. TTL = Through<br />

The Lens, dt. = durch das Objektiv) das Licht der<br />

Szene und versucht anhand dieser Daten die<br />

bestmögliche Belichtung einzustellen. Wie die<br />

Kamera die Szene misst, hängt davon ab,<br />

welches Messverfahren gewählt wurde; in der<br />

Regel ist dies die Mehrfeldbelichtungsmessung.<br />

Sie sollte die Funktionsweise dieses und anderer<br />

Messsysteme kennen, wenn Sie<br />

Fehlbelichtungen vermeiden wollen.<br />

Ihre Kamera verfügt über mindestens drei<br />

Messverfahren, die das Licht einer Szene<br />

messen und die korrekte Belichtung berechnen,<br />

doch jedes Verfahren misst das Licht anders.<br />

Beginnen wir mit dem Grundprinzip jedes<br />

Messverfahrens.<br />

GRUNDPRINZIP DER<br />

BELICHTUNGSMESSUNG<br />

Alle Messverfahren gehen davon aus, dass<br />

sämtliche Farbtöne einer Szene, von den<br />

dunkelsten Schatten bis zum hellsten Spitzlicht,<br />

zusammen einen mittleren Farbton von 18%<br />

Grau ergeben. In den allermeisten Situationen<br />

sind die auf diesem Prinzip basierende Messung<br />

und die resultierende Belichtung korrekt. Ist eine<br />

Szene jedoch wesentlich heller oder dunkler als<br />

der angenommene Durchschnitt, besteht das<br />

Risiko einer Fehlbelichtung. In diesem Fall<br />

müssen Sie die von der Kamera ermittelten<br />

Werte korrigieren.<br />

KAMERA-<br />

SYMBOLE<br />

KAMERA-<br />

SYMBOLE<br />

CANON<br />

NIKON<br />

KAMERA-<br />

SYMBOLE<br />

ISTOCK PHOTO<br />

ISTOCK PHOTO<br />

SPOT-MESSUNG / SELEKTIVMESSUNG<br />

Die Spot-Messung sollten Sie dann heranziehen, wenn Sie<br />

unter schwierigen Lichtverhältnissen fotografieren. Sie<br />

erlaubt Ihnen, eine Messung auf einem sehr kleinen Bereich<br />

im Zentrum des Bildausschnitts vorzunehmen. Wenn Sie<br />

diesen Messbereich mit einem mittleren Farbton der Szene<br />

zur Deckung bringen, eine Messung durchführen und<br />

anschließend die AE-Lock-Funktion benutzen, können Sie<br />

die gefundene Belichtung auf einen beliebigen Bildbereich<br />

anwenden, ohne dass diese von den Helligkeitswerten der<br />

direkt angrenzenden Bildbereiche beeinflusst wird. Die<br />

Punktmessung ist die akkurateste Messung, die Sie<br />

vornehmen können, wobei der kreisförmige Messbereich<br />

eine Größe von etwa 3% des Sucherbilds hat.<br />

Die Selektivmessung ist weniger bekannt und<br />

unterscheidet sich von der Spotmessung dadurch, dass sie<br />

einen größeren Messbereich von etwa 8–10% des<br />

Bildausschnitts berücksichtigt. Ansonsten funktioniert sie<br />

genauso wie die Spot-Messung. Wenn Sie die<br />

Selektivmessung benutzen, achten Sie darauf, dass Sie<br />

einen mittleren Farbton messen, sonst sind<br />

Fehlbelichtungen möglich.<br />

MEHRFELDMESSUNG<br />

Die Mehrfeldmessung ist die Standardeinstellung Ihrer<br />

Kamera, und ist so zuverlässig, dass Sie nur selten eine<br />

andere Messmethode brauchen werden. Die<br />

Mehrfeldmessung teilt das Sucherbild in mehrere Zonen<br />

ein. Die Kamera nimmt für alle Zonen gleichzeitig eine<br />

eigene Lichtmessung vor und vergleicht die Werte mit<br />

einer internen Bilddatenbank, die Tausende<br />

verschiedene Szenarien enthält. Anhand dieser Daten<br />

legt das Messsystem die Belichtung fest. Die Anzahl der<br />

dazu herangezogenen Zonen des Sucherbildes variiert<br />

von Kamera zu Kamera, es sind jedoch mindestens 16<br />

Zonen, bei teuren Modellen fast 100. Alle heute auf dem<br />

Markt erhältlichen Systeme sind sehr akkurat, wobei die<br />

neuesten Technologien die Belichtungsdaten mit<br />

denen vom Autofokus und Weißabgleich<br />

zusammenführen und so die besten Resultate liefern.<br />

Trotzdem ist keine dieser Technologien absolut<br />

narrensicher.<br />

MITTENBETONTE MESSUNG<br />

Die mittenbetonte Messung ist die älteste und am<br />

wenigsten präzise Messmethode. Sie bezieht sich auf<br />

einen Durchschnittswert, der aus der<br />

Helligkeitsverteilung des gesamten Sucherbildes<br />

errechnet wird, wobei eine höhere Gewichtung auf dem<br />

zentralen Bildbereich liegt. Für Alltagssituationen ist diese<br />

Messmethode kaum relevant, kann aber in Verbindung<br />

mit der AE-Lock-Funktion noch nützlich sein.<br />

Bei Gegenlicht machen Sie eine Spot-Messung auf dem Gesicht<br />

NIKON<br />

CANON<br />

1<br />

1<br />

2<br />

2<br />

Porträts 87<br />

EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

86 Porträts EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

Kinder fotografieren<br />

Jedes Kind ist einzigartig – es gibt jedoch einige<br />

allgemeingültige Regeln, die Ihnen helfen, zu guten<br />

Kinderfotos zu kommen.<br />

ES IST NICHT IMMER EINFACH, doch Kinder zu fotografieren gehört zu<br />

den dankbarsten Momenten in der <strong>Fotografie</strong>. Es kann zu einer wirklichen<br />

Herausforderung werden, doch wenn Sie ein paar Grundregeln beherzigen<br />

und mit den kleinen Persönlichkeiten richtig umgehen, werden Sie bald<br />

eine schöne Sammlung vorweisen können.<br />

Das Wichtigste beim <strong>Fotografie</strong>ren von Kindern hat mit <strong>Fotografie</strong><br />

überhaupt nichts zu tun, sondern damit, wie einfühlsam Sie mit den<br />

Kleinen umgehen. Das alles Entscheidende ist: Kinder müssen sich nicht<br />

nur wohlfühlen, sie sollten sogar Spaß daran haben, von Ihnen fotografiert<br />

zu werden, sonst wirken die Fotos unnatürlich. In den ersten 10 Minuten<br />

sollte die Kameraausrüstung gar nicht zu sehen sein. Verbringen Sie die<br />

Zeit im Gespräch mit Kindern und Eltern. Erst nachdem Sie etwas<br />

„beschnuppert“ worden sind, sollten Sie zur Sache kommen und Fotos<br />

machen. Der Umgang mit kleineren Kindern ist in der Regel<br />

unkomplizierter, während Teenager schon viel selbstbewusster sind und oft<br />

zögern, sich überhaupt fotografieren zu lassen.<br />

Welche Art Fotos?<br />

Das ist eine Frage, die entweder die Eltern oder die Betroffenen selbst<br />

entscheiden, wenn es sich um ältere Kinder handelt. In früheren Zeiten<br />

waren Porträts sehr formal, doch heute zeigen die schönsten Kinderporträts<br />

entspannte, natürliche und fröhliche Gesichter. Aufnahmen Zuhause im<br />

Kinderzimmer sind ein guter Ausgangspunkt. In der bekannten Umgebung<br />

fühlen sie sich wohl und es stehen jede Menge Requisiten zur Verfügung,<br />

die Sie einbeziehen können. Vermeiden Sie unbedingt, dass man die Kinder<br />

in die „gute“ Sonntagskleidung steckt, denn darin sehen sie nur zu oft aus<br />

wie als Erwachsene verkleidet. Viel besser für die Stimmung ist das<br />

Lieblingsoutfit.<br />

<strong>Fotografie</strong>ren Zuhause ist die eine Möglichkeit, doch es hat seine Vorteile,<br />

wenn Sie es auch im Freien versuchen. Eigentlich ist jede Location geeignet<br />

- Parks, offene Landschaften, der Strand, das Stadtzentrum. Jede ist auf<br />

andere Weise attraktiv und erzeugt eine andere Stimmung, die den<br />

Eindruck eines Porträts beeinflusst. Es gibt zahllose Möglichkeiten der<br />

Bildkomposition, von „Kopfschüssen“ bis zu Aufnahmen, auf denen die<br />

ganze Person im Bild ist oder solche, in denen die Personen nur ein Teil des<br />

Motivs sind. Seine Sie fantasievoll.<br />

Variieren Sie<br />

die Bildkomposition<br />

Das funktioniert<br />

am einfachsten<br />

durch<br />

unterschiedliche<br />

Posen und<br />

unterschiedliche<br />

Bildausschnitte:<br />

von der<br />

Nahaufnahme des<br />

Gesichts bis zur<br />

ganzen Person.<br />

Das Kamera-Setup<br />

Bei Kinderporträts müssen Sie vorausdenken und flink sein. In manchen<br />

Augenblicken haben Sie die schönsten Posen vor der Kamera, dann<br />

wieder müssen Sie versuchen, zu einem guten Schnappschuss zu<br />

kommen, während die Kinder ihre Mätzchen machen. Wir empfehlen<br />

folgende Einstellungen:<br />

1) Belichtungsprogramm:<br />

Am besten benutzen Sie die<br />

Blendenautomatik. Beginnen Sie<br />

mit einer Blende von f/5.6 und<br />

variieren Sie bei Bedarf, doch in<br />

den meisten Fällen können Sie<br />

diesen Wert während der gesamten<br />

Session eingestellt lassen. Er gibt<br />

Ihnen einen relativ schmalen<br />

Schärfentiefenbereich, so dass<br />

Gesichter scharf sind und der<br />

Hintergrund verwaschen. Achten<br />

Sie auf die Verschlusszeit; sie muss immer kurz genug sein, um nicht zu<br />

verwackeln. Wird sie zu lang, erhöhen Sie die ISO-Empfindlichkeit auf bis zu<br />

ISO 1000. Versuchen Sie, die Verschlusszeit bei 1/200 Sekunde oder kürzer<br />

zu halten, wenn Sie mit Brennweiten bis 200mm arbeiten und bei 1/300<br />

Sekunde bei 70-300mm Brennweite.<br />

Sie auf die Verschlusszeit; sie muss immer kurz genug sein, um nicht zu<br />

4) Dateiformat: Verwenden<br />

Sie das RAW-Format, es gibt<br />

Ihnen maximale Kontrolle über<br />

Bildqualität und Farbbalance.<br />

Bei Serienbildern wirkt sich das<br />

leider auf die Geschwindigkeit<br />

aus, da der Pufferspeicher<br />

schneller voll ist. Benutzen Sie<br />

das JPEG-Format nur dann, falls<br />

Sie nicht wissen, wie man RAW-<br />

Dateien bearbeitet oder falls der<br />

Speicherplatz der Speicherkarte<br />

begrenzt ist.<br />

5) Weißabgleich: Den<br />

machen Sie idealerweise den<br />

Lichtverhältnissen entsprechend.<br />

Falls Sie sich nicht sicher sind,<br />

nehmen Sie den automatischen<br />

Weißabgleich. Auch hier zeigt<br />

sich ein Vorteil des Raw-Formats:<br />

Dabei können Sie einen falschen<br />

Weißabgleich in der Nachbearbeitung<br />

korrigieren.<br />

2) Autofokus: Er sollte auf<br />

Einzelpunkt-AF geschaltet sein. Benutzen<br />

Sie den zentralen Schärfepunkt, denn er<br />

hat die höchste Empfindlichkeit.<br />

Schalten Sie den AF-Modus auf S (S-AF,<br />

AF-S). Wenn Sie auf die Augen des Kindes<br />

scharfgestellt haben, verriegeln Sie diese<br />

Einstellung, indem Sie den Auslöser<br />

halb durchdrücken, dann machen Sie<br />

die endgültige<br />

Bildkomposition<br />

und lösen aus.<br />

3) Belichtungsmessung: Bleiben<br />

Sie bei der Mehrfeldmessung und Sie<br />

sollten keine Probleme bekommen. Falls<br />

Ihr Model überwiegend dunkle Farben<br />

aufweist, machen Sie ein Test Foto<br />

und überprüfen die Aufnahme auf dem<br />

Kameramonitor. Falls Details fehlen,<br />

korrigieren Sie die Belichtung um eine<br />

Stufe (+1EV) mit der Belichtungskorrekturfunktion.<br />

CANON NIKON PENTAX<br />

OLYMPUS<br />

Dieser Tipp wird Ihnen wieder und<br />

wieder begegnen, doch das<br />

Geheimnis großartiger Porträts<br />

besteht wirklich darin, a les so<br />

einfach wie möglich zu halten, von<br />

der Kameraausrüstung bis zur<br />

Beleuchtung.<br />

Halten Sie es einfach<br />

Das fertige Bild<br />

Machen Sie sich bei<br />

Kinderporträtsnicht zu<br />

viele Gedanken.<br />

Die sonnige Natur der<br />

Kleinen, gutes Licht, eine<br />

entspannte, fröhliche<br />

Atmosphäre, dann ist es<br />

schon fast geschafft.<br />

ISTOCKPHOTO<br />

ISTOCKPHOTO<br />

ADAM BURTON<br />

RECHERCHIEREN & PLANEN<br />

Großartige Landschaftsaufnahmen<br />

entstehen selten zufällig — die besten<br />

Aufnahmen sind oft das Ergebnis sorgfältiger<br />

Planung, also machen Sie Ihre<br />

Hausaufgaben. Recherchieren Sie Ihren<br />

Aufnahmeort möglichst im Voraus, sehen Sie<br />

sich nach geeigneten Standpunkten um und<br />

probieren Sie verschiedene Kompositionen<br />

aus; dies wird Ihnen helfen, während der<br />

Aufnahmen schnell und effizient zu arbeiten.<br />

Wenn es sich um eine Meeresküste handelt,<br />

beachten Sie die Gezeiten. Die größte<br />

Bedeutung kommt dem Licht zu: Eignet sich<br />

der Ort eher für Aufnahmen am Morgen oder<br />

am Abend?<br />

Ein Sonnenrechner wie „The Photographer’s<br />

Ephemeris (http://photoephemeris.com) hilft<br />

Ihnen, die Richtung des Lichts zu<br />

verschiedenen Tageszeiten herauszufinden.<br />

Das Programm ist nur auf Englisch erhältlich,<br />

aber es gibt eine Anleitung auf Deutsch<br />

(http://photoephemeris.com/<br />

the-photographer-s-ephemeris-auf-deutsch).<br />

Zum Schluss sollten Sie auf geeignetes<br />

Wetter für ihren Aufnahmeort warten. Sehen<br />

Sie sich die Wettervorhersage genau an und<br />

stimmen Sie Ihren Besuch zeitlich so ab,<br />

dass er mit idealen Verhältnissen<br />

zusammenfällt, und verbessern Sie dadurch<br />

Ihre Chance erfolgreich zu sein.<br />

Bereiten Sie sich auf die freie Natur vor<br />

Die Landschaftsfotografie bringt es oft mit sich, stundenlang in der freien Natur<br />

unterwegs zu sein. Bereiten Sie sich gut vor, um diese Erfahrung ebenso erfolgreich<br />

wie angenehm zu gestalten.<br />

PASSENDE KLEIDUNG<br />

Eine unerwartete Wetteränderung<br />

kann Ihre Planung umwerfen, achten<br />

Sie deshalb auf angemessene<br />

Bekleideung. Wenn es kalt oder nass<br />

ist, sollten Sie verschiedene<br />

Kleidungsstücke übereinander tragen,<br />

die Sie bei Bedarf an-/ablegen können.<br />

Die äußere Schicht sollte wind- und<br />

wasserdicht sein, sowohl am<br />

Oberkörper als auch an den Beinen.<br />

Probieren Sie es mal mit Kleidung von<br />

Berghaus oder Paramo. Eine Mütze<br />

verhindert, dass Sie bei niedrigen<br />

Temperaturen Körperwärme abgeben,<br />

während isolierte Handschuhe Ihre<br />

Finger warmhalten, sodass Sie Ihre<br />

Kamera bedienen können. Manche<br />

Menschen bevorzugen Handschuhe<br />

oder Fäustlinge, bei denen man die<br />

Fingerkappe umklappen kann, um die<br />

Finger freizulegen, wie die von Matin.<br />

Für steiniges oder unwegsames<br />

Gelände sind robuste Wanderschuhe<br />

geeignet, am Strand oder im Sumpf<br />

ermöglichen Ihnen Gummistiefel, zum<br />

<strong>Fotografie</strong>ren ins Wasser zu waten.<br />

Achten Sie darauf, dass die Stiefel<br />

gefüttert sind.<br />

IMMER MIT STATIV<br />

Wir wissen, dass es lästig ist, ein Stativ<br />

zu tragen und immer wieder neu<br />

aufzustellen. Es gibt aber einen Grund,<br />

warum ernsthafte Outdoor-Fotografen<br />

immer eines benutzen: Stative bedeuten<br />

volle Kontrolle! Langsame<br />

Verschlusszeiten und niedrige ISO-Werte<br />

sind kein Problem, es ist einfacher, das<br />

Bild mit Präzision zusammenzustellen,<br />

Grauverlaufsfilter einzusetzen, die<br />

Tiefenschärfe zu maximieren und die<br />

Kamera in Position zu bringen, um direkt<br />

loslegen zu können, wenn plötzlich das<br />

Licht besser ist. Ein mittelgroßes Modell<br />

aus Carbonfaser, wie das 190CXPRO3<br />

oder das 055CXPRO4 von Manfrotto,<br />

bietet einen guten Kompromiss<br />

zwischen Gewicht und Stabilität, auch<br />

mit einer schweren professionellen<br />

digitalen Spiegelreflexkamera. Wenn Sie<br />

sparen müssen, entscheiden Sie sich für<br />

die preiswerteren Modelle aus<br />

gleichwertigen Legierungen. Sie<br />

benötigen außerdem einen geeigneten<br />

Kopf, und Kugelköpfe werden immer<br />

beliebter. Schauen Sie sich zum Beispiel<br />

den Kugelkopf MH1312-652 von<br />

Giottos oder die Modelle 498RC2 und<br />

327RC2 von Manfrotto an.<br />

PACKEN SIE IMMER FILTER EIN<br />

Filter sind für Landschaftsaufnahmen absolut<br />

notwendig! Sie sollten immer einen Polfilter<br />

dabeihaben, da er blendendes Licht und<br />

Reflexionen reduziert, um die Klarheit zu<br />

verbessern und den Himmel bei sonnigem Wetter<br />

zu betonen. Auch Grauverlaufsfilter sind ein<br />

Muss, um Landschaft und Himmel richtig zu<br />

belichten. Der Verlauf ermöglicht es Ihnen, den<br />

Himmel so abzudunkeln, dass seine Helligkeit<br />

der Landschaft ähnelt. Was die Dichte betrifft,<br />

sind 0,6 und 0,9 am nützlichsten; „harte“<br />

Grauverlaufsfilter ermöglichen einen<br />

gleichmäßigeren Verlauf als „weiche“. Massive<br />

Graufilter sind praktisch, um die Verschlusszeit zu<br />

verlangsamen, wenn Sie zum Beispiel Bewegung<br />

im fließenden Wasser aufnehmen möchten.<br />

Eine Dichte von 0,6 erhöht die Belichtung um<br />

zwei Stufen, 0,9 um drei Stufen und 1,2 um vier<br />

Stufen. Um extremere Effekte durch<br />

Langzeitbelichtung zu erreichen, benötigen Sie<br />

einen zehnstufigen Graufilter, zum Beispiel den<br />

Lee Big Stopper, B + W 3.0 ND oder Hitech Pro<br />

Stop (siehe Seite 56 für weitere Informationen).<br />

Diese ermöglichen Belichtungen von mehreren<br />

Minuten bei Tageslicht, um Bewegungen in Meer,<br />

Himmel, Flüssen und ähnlich bewegten Motiven<br />

aufzunehmen. Die Ergebnisse können so<br />

erstaunlich sein, dass Sie, wenn Sie einmal<br />

anfangen, vermutlich nicht mehr aufhören<br />

können!<br />

Die Hügel leben!<br />

Es sollte immer Ihre<br />

Priorität sein, die<br />

Aufnahme so zu planen,<br />

dass Sie mit gutem<br />

Wetter zusammenfällt.<br />

Doch auch dunkle,<br />

stürmische Tage können<br />

mit Aufnahmen wie<br />

diesen belohnen.<br />

ROSS HODDINOTT<br />

WAHL DES OBJEKTIVS<br />

Kommen wir zum Wichtigsten: der<br />

Ausrüstung! Die perfekte Lösung muss allen<br />

Landschafts-Anforderungen genügen, aber<br />

leicht genug sein, um sie den ganzen Tag<br />

tragen zu können. Zum Glück ist es nicht<br />

schwierig, beides zu kombinieren. Die Wahl<br />

der Kamera ist praktisch irrelevant, denn es<br />

gibt heute kaum noch schlechte digitale<br />

Spiegelreflexkameras. Der Schlüssel zu<br />

Kreativität und Erfolg sind die Objektive!<br />

Wenn Sie im Vollbild aufnehmen, sind drei<br />

Zoomobjektive im Bereich 17 bis 200 / 300<br />

mm mehr als ausreichend, für APS-C genügen<br />

10 bis 200 mm. Weitwinkelobjektive sind für<br />

Landschaftsaufnahmen nützlicher als<br />

Teleobjektive, sind aber anfälliger für optische<br />

Aberrationen bzw. Diffraktion, deshalb sollten<br />

Sie nur in ein Modell von guter Qualität<br />

investieren.<br />

Für Vollbildaufnahmen sind Canons 17–40<br />

mm f/4 und 16–35 mm f/2,8 L Mk II oder<br />

Nikons 14–24 mm f/2.8 G, 16–35 mm f/4 G<br />

und 17–55mm f/2.8 G geeignete Kandidaten,<br />

während für APS-C-Sensoren Nikons 10–24<br />

mm f/3.5–4.5 G und 12–24 mm f/4 G,<br />

Canons 10–22 mm f/3.5–4.5 und Sigmas<br />

10–20 mm f/3.5 und 12–24 mm f/4.5-5.6 in<br />

die engere Auswahl gehören.<br />

ADAM BURTON<br />

92 Landschaften<br />

„Gehen Sie nicht zu früh nach Hause!<br />

Nach einem schmerzlich frühen Start<br />

oder einem langen Tag unterwegs zieht<br />

es Sie vermutlich stark nach Hause; doch<br />

bleiben Sie standhaft! Ich habe diesen<br />

Fehler früher oft gemacht – im Glauben,<br />

die Wolken würden nicht aufbrechen oder<br />

die Bedingungen nicht mehr hergeben<br />

–, nur um dann auf der Rückfahrt einen<br />

wunderschönen Sonnenuntergang oder<br />

einen dramatischen Himmel zu erleben.<br />

Es gibt nichts Frustrierenderes als eine<br />

großartige Gelegenheit zu verpassen,<br />

nur weil man nicht noch eine Stunde<br />

geblieben ist. Wetterbedingungen<br />

können sich erstaunlich schnell ändern,<br />

sodass auf einmal ein wundervolles<br />

Licht erscheint oder die Wolken gerade<br />

genug aufreißen, damit dramatische<br />

Lichtstrahlen durchscheinen und die<br />

Szene in Licht baden. Wenn Sie sich<br />

also die Mühe gemacht haben, zu einem<br />

Aufnahmeort zu gelangen, gehen Sie<br />

nicht, bis Sie wirklich sicher sind, dass es<br />

keine Chance für weitere Möglichkeiten<br />

gibt. Bleiben Sie – vielleicht fangen<br />

Sie einen unvergesslichen, magischen<br />

Moment ein.“<br />

Profi-Tipp: Ross Hoddinott<br />

Typen von Weitwinkelobjektiven<br />

Es gibt drei Grundtypen von Weitwinkelobjektiven.<br />

Jeder bietet Vor- und Nachteile.<br />

Wir zeigen Ihnen, welche.<br />

Ultraweitwinkelzoom<br />

Diese Gruppe von Objektiven erfreut sich einer immer höheren Popularität. Dies ist keine<br />

Überraschung, da die Reichweite, die sie abdeckt, für eine so kleines und preiswertes<br />

Objektiv eine unglaubliche Vielfalt bietet. Tatsächlich ist der Ultraweitwinkelzoom wohl eines<br />

der wertvollsten Objektive, das Sie besitzen können. Es gibt einige verfügbare Brennweiten<br />

und eine, die bei circa 11 bis 22 Millimetern liegt, eignet sich am besten für Kameras mit<br />

einem Sensor der Größe APS-C. In Wahrheit decken alle einen ziemlich ähnlichen Bereich ab,<br />

trotzdem gibt es die ein oder andere Ausnahme, die es zu beachten gilt. Das 10-17<br />

Millimeter-Fischaugen-Objektiv von Pentax bietet bei seiner größten Einstellung einen<br />

Blickwinkel von 180 Grad, man bekommt also quasi ein Fischaugen-Objektiv und einen<br />

Ultraweitwinkelzoom in einem. Bemerkenswert ist, dass das 12-24 Millimeter-Objektiv von Sigma, entgegen der<br />

meisten Ultraweitwinkelzooms, auch auf Vollformat- und APS-C-Kameras benutzt werden kann. Zu guter letzt: Trotz der<br />

Popularität des 16-35 Millimeter-Objektivs bei Benutzern von Vollformat-Kameras, ist die 24-53 Millimeter-Reichweite,<br />

die es mit APS-C abdeckt, recht limitiert, so dass wir von einem Kauf abraten würden.<br />

Anatomie eines<br />

Weitwinkelzooms<br />

1) Gegenlichtblende: Ultraweitwinkel<br />

haben eine eigene Blende, um<br />

Vignettierung und Reflexlicht zu vermeiden.<br />

2) Großes, konkaves Vorderelement: Das<br />

Vorderelement hat normalerweise eine<br />

auffällige Krümmung und wenn man das<br />

Objektiv nicht schützt, ist es Staub und<br />

Kratzern ausgesetzt. Geben Sie also auf,<br />

wenn Sie es mitnehmen.<br />

3) Manueller Fokusring: Normalerweise<br />

vorne am Objektiv und aus guten Gründen<br />

sehr breit. Sie werden ihn kaum<br />

verwenden, da Weitwinkelobjektive einen<br />

ausgezeichneten Autofokus besitzen.<br />

4) Zoomring: Befindet sich in der Regel<br />

hinten am Objektiv. Meistens sind auch sie<br />

breit und mit einer genuteten Oberfläche,<br />

um Ihnen einen guten Zugriff darauf zu<br />

ermöglichen.<br />

5) Fokusdistanz: Bei vielen Objektiven ist<br />

die Fokusdistanz auf der Oberfläche<br />

vermerkt, während einige der etwas<br />

teureren Modelle ein Fokusdistanzfenster<br />

besitzen.<br />

6) Hyperfokale Entfernung: Diese Angabe<br />

erlaubt Ihnen, abzuschätzen, wie viel von<br />

der Szene bei Ihrer Blendenwahl scharf<br />

erscheinen wird.<br />

7) Integriertes Fokussierungssystem (IF):<br />

Wenn Sie vorhaben, Filter zu benutzen,<br />

dann bieten Objektive mit integriertem<br />

Fokussierungssystem den Vorteil, dass sich<br />

die Vorderseite des Objektivs nicht dreht,<br />

wenn Sie fokussieren, und sie sie daher<br />

auch nicht von neuem einstellen müssen.<br />

Fisheye<br />

Das Fisheye bietet die extremste<br />

Tiefenschärfe. Es gibt zwei Arten – das<br />

runde und das Vollformat-Fisheye.<br />

Beide bilden sehr unterschiedlich ab.<br />

Runde Fisheyes erzeugen runde Bilder<br />

mit einem Blickwinkel von 180 Grad,<br />

wenn Sie in Verbindung mit einer Vollformatkamera verwendet<br />

werden. Sie verzerren die Perpektive und sind - vor allem wenn<br />

das Objekt sehr nahe ist - perfekt für lustige Porträts.<br />

Das Vollformat-Fisheye, auch als diagonales Fisheye<br />

bezeichnet, bietet ein Blickfeld von 180 Grad und kann<br />

dementsprechend unglaublich breite Aussichten festhalten. Sie<br />

sind sehr teuer, und in ihren Gebrauchsmöglichkeiten sehr<br />

begrenzt. Leihen Sie sich eines von Ihrem Händler, bevor Sie<br />

sich selbst eines kaufen.<br />

Feste Weitwinkel<br />

Klein, leicht und kompakt, mit einer<br />

hochwertigen Optik – dies sind<br />

begehrte Objektive, die in diversen<br />

Brennweiten erhältlich sind und darauf<br />

ausgerichtet sind, Digitalfotografen den<br />

ultimativen Weitwinkel zu bieten. Bei 14<br />

Millimetern Ultraweitwinkel angefangen, ist<br />

das Objektiv vor allem für die Architekturftografie sehr<br />

gut geeignet, wenn man einen Rahmen aus kurzer<br />

Entfernung mit einem Gebäude füllen will. Weitwinkel<br />

von 20-28 Millimetern sind ideal für Landschafts- und<br />

Reisefotografen. Der Gebrauch in Verbindung mit<br />

Kameras, die einen APS-C-Sensor besitzen, ist hingegen<br />

sehr eingeschränkt. Zudem wird diese Reichweite auch<br />

von Objektiven der Standardausrüstung abgedeckt.<br />

Reine Digitalobjektive<br />

Wenn Sie ein Objektiv suchen, überprüfen<br />

Sie stets, ob es nur für Digitalkameras in<br />

Verbindung mit Vollformat- oder auch für<br />

solche mit APS-C/Four-Third-Sensoren<br />

geeignet ist. Die Vollformat-Objektive sind<br />

normalerweise teurer, diejenigen für den<br />

rein digitalen Gebrauch sind auf Sensoren<br />

angepasst. Wenn Sie eine digitale<br />

Spiegelreflexkamera mit APS-C- oder<br />

kleinerem Sensor benutzen und nicht damit<br />

liebäugeln, sich eine Vollformat-<br />

Digitalkamera zuzulegen, kaufen Sie sich<br />

ein reine Digitalobjektive, wie zum Beispiel<br />

die Canon EF-S- oder die DX-Modelle von<br />

Nikon.<br />

Warum sollte ich ein Weitwinkelobjektiv benutzen?<br />

Wollten Sie schon mal ein Objekt oder eine Szene fotografieren und mussten erkennen, dass nicht alles in den<br />

Rahmen passt? Wenn ja, brauchen Sie ein Weitwinkel-Objektiv. Mit einer Tiefenschärfe, die um einiges weiter<br />

reicht als das menschliche Auge, bietet es die perfekte Optik, um Aussichten festzuhalten oder große Objekte in<br />

den Rahmen zu bringen. Ein solches Objektiv verzerrt die Abbildung konstruktionsbedingt. Doch wenn Sie<br />

wissen, was Sie erwarten dürfen und wie Sie kreativ damit umgehen können, gelingen Ihnen Aufnahmen, die<br />

mit keinem anderen Objektiv möglich sind.<br />

Brennweiten verstehen: Weitwinkelobjektiv<br />

Die auf einem Objektiv angegebene Brennweite bezieht sich meistens auf Kameras, die ein 35-Millimeter-<br />

Film- oder ein Vollformat-Objektiv verwenden. Wenn Ihre Kamera einen Sensor der Größe APS-C besitzt, dann<br />

schneiden Sie das Bild letzten Endes aus und geben ihm den Effekt eines Objektivs mit längerer Brennweite<br />

auf einem Vollformat-Sensor. Die untenstehende Tabelle zeigt bekannte Weitwinkel-Objektive und wie sich<br />

deren effektive Brennweite ändert, wenn sie in Verbindung mit Digitalkameras verwendet werden.<br />

Brennweite<br />

Kameras<br />

bei Objektiv Vollformat APS-H APS-C APS-C (Canon) Four-Thirds<br />

1x 1.3x 1.5x 1.6x 2x<br />

8 mm 8 mm 10 mm 12 mm 13 mm 16 mm<br />

14 mm 14 mm 18 mm 21mm 22 mm 28 mm<br />

15 mm 15 mm 19 mm 22 mm 23 mm 30 mm<br />

20 mm 20 mm 26 mm 30 mm 32 mm 40 mm<br />

24 mm 24 mm 31 mm 36 mm 38 mm 48 mm<br />

28 mm 28 mm 36 mm 42 mm 45 mm 56 mm<br />

10-17 mm 10-17 mm 13-22 mm 15-25 mm 16-27 mm 20-34 mm<br />

10-20 mm 10-20 mm 13-26 mm 15-30 mm 16-32 mm 20-40 mm<br />

10-22 mm 10-22 mm 13-29 mm 15-33 mm 16-35 mm 20-44 mm<br />

11-18 mm 11-18 mm 14-23 mm 16-27 mm 18-29 mm 22-36 mm<br />

12-24 mm 12-24 mm 16-31 mm 18-36 mm 19-38 mm 24-48 mm<br />

16-35 mm 16-35 mm 21-45 mm 24-53 mm 26-56 mm 32-70 mm<br />

17-35 mm 17-35 mm 22-45 mm 25-53 mm 27-56 mm 34-70 mm<br />

17-40 mm 17-40 mm 22-52 mm 25-60 mm 27-56 mm 34-80 mm<br />

MATT WHORLOW<br />

Wenn Sie ein 180-Grad-Fisheye benutzen,<br />

mü sen Sie aufpa sen, da s Ihre Füße nicht<br />

im Bild sind. Lehnen Sie sich leicht nach<br />

vorne, um das zu vermeiden<br />

Passen Sie auf Ihre Füße auf!<br />

144 Die richtige Fotoausrüstung EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

1<br />

4<br />

3<br />

2<br />

6<br />

5<br />

So benutzen Sie die graue/weiße Karte zur<br />

Belichtungsmessung und zum Weißabgleich<br />

DIGITALKAMERAS GREIFEN AUF recht komplizierte Belichtungsmessverfahren<br />

zurück, um unterschiedlichen Lichtverhältnissen gerecht werden zu können.<br />

Diese Verfahren gehen jedoch alle von der Annahme aus, dass der gemessene<br />

Bereich ein mittlerer Farbton ist, 18 Prozent Grau, um genau zu sein. Das ist der<br />

Farbton, der sich ergibt, würde man alle dunklen, hellen und mittleren Farbtöne<br />

vermischen. Er ist die Basis aller Messmethoden, und diese funktionieren<br />

überraschend gut. Doch bei Szenen, die insgesamt wesentlich heller oder<br />

dunkler als der Durchschnitt sind, kann das Meßsystem der Kamera dazu<br />

„verleitet“ werden, über- oder unterzubelichten, weil sich für solche Szenen ein<br />

anderer Mittelwert als 18 Prozent ergibt.<br />

Da die Kamerameßsysteme jedoch auf die 18 Prozent kalibriert<br />

sind, müssen Sie die Belichtungsmessungen entsprechend den real<br />

herrschenden Bedingungen anpassen. Das geschieht entweder durch die<br />

Belichtungskompensation, den AE-Lock Knopf oder durch Messen eines<br />

Bereichs der Szene, der einen mittleren Farbton, idealerweise 18 Prozent<br />

Grau, aufweist. Und nun, Sie ahnen es bereits, kommt unsere graue Karte ins<br />

Spiel. Sie ist ganz einfach zu benutzen: Entscheidend ist, dass Sie sie in einem<br />

Bereich platzieren, der sehr ähnlich beleuchtet ist, wie das zu fotografierende<br />

Motiv. Legen Sie sie also nicht in den Schatten, wenn Ihr Motiv sich im<br />

grellen Sonnenlicht befindet. Achten Sie außerdem darauf, dass die Karte den<br />

Messbereich ausfüllt, deshalb sollten Sie hier zur Punktmessung greifen.<br />

Nun können sie entweder die Belichtung mit der AE-Lock Funktion der Kamera<br />

speichern, oder Sie merken sich die gemessenen Werte, schalten auf manuellen<br />

Betrieb und stellen diese Werte von Hand ein. Wenn das Licht sich jedoch<br />

ständig ändert, durch vorüberziehende Wolken beispielsweise, ist die manuelle<br />

Methode ungeeignet. Auf der Karte sind Referenzlinien für den Autofokus<br />

aufgedruckt, damit die Kamera das Objektiv leichter darauf fokussieren kann.<br />

Die Scharfeinstellung muss jedoch nicht absolut korrekt sein. Graue und<br />

weiße Karte können beide auch verwendet werden, um einen den aktuellen<br />

Lichtverhältnissen genau angepassten Weißabgleich durchzuführen.<br />

Szenen mit starkem Gegenlicht können zu Belichtungsfehlern führen. Wenn Sie eine graue Karte benutzen, umgehen Sie<br />

dieses Problem. Die 18-Prozent-Graukarte ist ein Hilfsmittel zur richtigen Belichtung. Beide Karten können auch zum<br />

Einstellen eines situationsbezogenen Weißabgleichs eingesetzt werden. Wie auf den Karten gemessen wird, hängt von<br />

Ihrer Kamera ab – dies müssen Sie also im Handbuch nachschlagen.<br />

1 EINSTIEG:<br />

Wenn Sie Porträts bei Gegenlicht fotografieren,<br />

geben Sie der Person die graue Karte in die Hand und<br />

bitten Sie sie, die Karte möglichst senkrecht in<br />

Richtung Kamera zu halten.<br />

2 MESSEN SIE DIE BELICHTUNG<br />

Achten Sie darauf, dass der Messbereich von der<br />

grauen Karte ausgefüllt ist. Wir haben in diesem Fall<br />

zur Punktmessung gegriffen. Speichern Sie die<br />

Belichtung mit der AE-Lock Funktion.<br />

3 BILDKOMPOSITION UND SCHUSS<br />

Mit den gespeicherten Belichtungsmessdaten<br />

machen Sie nun Ihre Bildkomposition und lösen aus.<br />

Wenn Sie die Belichtung nun auf dem Monitor der<br />

Kamera überprüfen, sollte sie genau richtig sein.<br />

BJORN THOMASSEN<br />

Perfekte Messungen<br />

Szenen mit starkem Gegenlicht<br />

können zu Belichtungsfehlern<br />

führen. Wenn Sie eine graue Karte<br />

benutzen, umgehen Sie dieses<br />

Problem.<br />

Ob Sie die graue Karte benutzen oder nicht: Unter<br />

problematischen Lichtverhältni sen ist es ratsam,<br />

eine Belichtungsreihe aus Einzelbildern zu<br />

schießen, die die Belichtungsko rektur oder die<br />

AEB-Funktion der Kamera mit einem Interva l von<br />

+/-1 Schri t verwendet. So können Sie sicher sein,<br />

da s wenigstens eine der Aufnahmen richtig<br />

belichtet wird.<br />

Belichtungsreihen schießen<br />

162 Richtig belichten EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />

GRAUKARTE<br />

WEISSABGLEICHKARTE<br />

<strong>Digitale</strong><br />

<strong>Digitale</strong><br />

Aufnahmetechnik<br />

Tipps für Landschaften, Wildlife,<br />

Sport, Action und Makroaufnahmen<br />

Die Ausrüstung<br />

Passende Objektive und die richtige<br />

Beleuchtung machen Sie kreativ<br />

Karten zum Weißabgleich<br />

Garantiert immer perfekte Belichtung<br />

mit der grauen und weißen Karte<br />

Die Kamera im Griff<br />

Großartige Bilder mit jeder<br />

Spiegelreflex- und Systemkamera<br />

Die Grundlagen<br />

Erfahren Sie, wie Sie jederzeit<br />

Top-Fotos machen<br />

Beherrschen Sie das Licht<br />

Steuern Sie die Beleuchtung<br />

für ganz besondere Porträts<br />

MEISTERN<br />

SIE IHRE<br />

KAMERA<br />

EINSTELLUNGEN,<br />

TIPPS UND TRICKS<br />

FÜR ALLE GÄNGIGEN<br />

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