Digitale Fotografie - Extra Bessere Landschaftsfotos (Vorschau)
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STEIGEN SIE EIN IN DIE<br />
DIGITA<br />
TALE<br />
FOTOGRAFIE<br />
FIE<br />
VERBESSERN SIE IHRE FÄHIGKEITEN UND MACHEN SIE BESSERE BILDER<br />
EXTRA<br />
Nr. 6 - 2014<br />
EXPERTENRAT<br />
EINSTELLEN DER KAMERA<br />
VERSTÄNDLICHE<br />
ANLEITUNGEN<br />
TIPPS ZUR AUSRÜSTUNG<br />
UND MEHR!<br />
INHALT<br />
BESSERE<br />
LANDSCHAFTSFOTOS<br />
PORTRÄT-<br />
AUFNAHMETECHNIKEN<br />
BEHERRSCHEN<br />
SIE IHRE KAMERA<br />
LERNEN SIE<br />
NEUE TRICKS<br />
KAMERAFUNKTIONEN • BELICHTUNG • BILDKOMPOSITION • AKTION<br />
Deutschland:<br />
EUR 9,99<br />
Österreich:<br />
EUR 11,-<br />
Schweiz:<br />
CHF 15,-<br />
LU/BE<br />
EUR 11,50
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Nr. 6 - 2014<br />
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3. AUSGABE EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
Willkommen 3<br />
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STEIGEN SIE EIN IN DIE DIGITALE FOTOGRAFIE • NR. 6 - 2014<br />
EXPERTENRAT<br />
EINSTELLEN DER KAMERA<br />
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ANLEITUNGEN<br />
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INHALT<br />
BE SERE<br />
LANDSCHAFTSFOTOS<br />
PORTRÄT-<br />
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NEUE TRICKS<br />
Willkommen...<br />
Die digitale Kameratechnologie hat die <strong>Fotografie</strong> revolutioniert. Wenn Sie sich<br />
kürzlich eine digitale Spiegelreflex-, Kompakt- oder Systemkamera zugelegt haben,<br />
ist bereits ein großer Schritt zu besseren Fotos gemacht. Mit ihrer Vielseitigkeit<br />
und wesentlich besseren Bildqualität ist eine solche Kamera das Herzstück eines<br />
Systems, das durch Wechselobjektive, Blitzgeräte und vielerlei anderes Zubehör<br />
erweitert werden kann.<br />
Sie können damit natürlich auch Schnappschüsse machen. Um aber die Möglichkeiten Ihrer<br />
Ausrüstung voll auszunutzen und – noch wichtiger – Ihre eigenen kreativen fotografischen<br />
Fähigkeiten weiter zu entwickeln, sollten Sie bereit sein, Neues zu lernen und dafür etwas Zeit<br />
aufzuwenden.<br />
Diese 5. Auflage des Einsteiger-Hefts von „<strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong>“ wird Ihnen dabei helfen. Die Ausgabe<br />
ist vollgepackt mit Informationen, Aufnahmetechniken, wertvollen Tipps und Tricks, die Ihnen<br />
helfen werden, besser zu fotografieren.<br />
Wenn Sie sich beim Anblick der Bilder professioneller Fotografen schon gefragt haben, wie sie<br />
solche großartigen Fotos geschafft haben, ist dieses Magazin genau das Richtige für Sie. Es befasst<br />
sich mit den wichtigsten Genres der <strong>Fotografie</strong>, von Landschaften über Portraits bis hin zu Wildlife,<br />
und erklärt in der Praxis erprobte Arbeitstechniken, mit denen Ihnen faszinierende Aufnahmen<br />
gelingen werden. Darüber hinaus finden Sie Ratschläge zur Wahl der richtigen Ausrüstung und<br />
nicht zuletzt jede Menge inspirierende Fotos, die Ihre eigene Kreativität anregen.<br />
In diesem Sinne wünschen wir Ihnen alles Gute zum Einstieg in die Welt der digitalen <strong>Fotografie</strong>!<br />
DANIEL LEZANO, EDITOR<br />
Unsere Experten<br />
ROSS HODDINOTT<br />
Ross Hoddinott ist<br />
preisgekrönter Naturfotograf,<br />
spezialisiert auf<br />
Naturgeschichte und<br />
Makrofotografie.<br />
BRETT HARKNESS<br />
Brett Harkness ist ein führender<br />
Porträtfotograf, der sich auch<br />
auf Hochzeitsfotografie<br />
spezialisiert hat<br />
PAUL WARD<br />
Paul Ward ist ein freiberuflicher<br />
Fotograf, der nahezu jedes Genre der<br />
<strong>Fotografie</strong> beherrscht, von der<br />
Modefotografie über die Porträt-,<br />
Hochzeits-, Architektur- und<br />
Landschaftsfotografie bis hin zur<br />
künstlerischen <strong>Fotografie</strong>.<br />
LEE FROST<br />
Lee Frost ist seit mehr als zwei<br />
Jahrzehnten Fotograf.<br />
Außerdem hat er inzwischen<br />
20 Bücher über <strong>Fotografie</strong><br />
geschrieben. Seine Bilder<br />
werden weltweit verkauft.<br />
IMPRESSUM<br />
HERAUSGEBER: Ultimate Guide Media<br />
REDAKTION INTERNATIONAL: Mark Bauer, Sarah<br />
Plater, Pete Davis, Terry Hope, Damien Lovegrove,<br />
Philip Nash, Pip, Ian Wood<br />
ART DIRECTOR: Tony Mullock<br />
FINANZDIREKTOR: Richard Layton<br />
DATENSCHUTZERKLÄRUNG<br />
Dieses MAGBOOK wird unter der Lizenz und mit<br />
der Erlaubnis von © Bright Publishing Limited<br />
herausgegeben. Alle Rechte an Material, Titel<br />
und Marke dieses Magazins sind Eigentum von<br />
Bright Publishing Limited und dürfen weder im<br />
Ganzen noch teilweise ohne vorherige schriftliche<br />
Genehmigung reproduziert werden.<br />
Haftung<br />
Das Heft wurde mit großer Sorgfalt produziert. Der<br />
Verlag kann jedoch keine Haftung, Gewährleistung,<br />
Garantie oder Versicherung für Meinungen, Waren<br />
oder Dienstleistungen übernehmen, die in dieser<br />
Ausgabe veröffentlicht wurden. Der Herausgeber<br />
übernimmt keine Verantwortung für Inhalte von<br />
externen Webseiten, deren Adressen veröffentlicht<br />
werden.<br />
VERTRIEB<br />
VU VERLAGSUNION KG<br />
Am Klingenweg 10<br />
65396 Walluf<br />
Telefon: 0612/3620 0<br />
BÜRO DEUTSCHLAND<br />
Ultimate Guide Media<br />
Landsberger Straße 302<br />
80687 München<br />
Telefon: +49 (0) 89 90 40 5 805<br />
Fax: +49 (0) 89 90 40 5 066<br />
BÜRO UNITED KINGDOM<br />
Ultimate Guide Media Ltd<br />
Argyle House, 1 Dee Road<br />
Richmond, Surrey<br />
TW9 2JN<br />
Company No. 06965305<br />
HOMEPAGE<br />
www.digitale-fotografie-magazin.de<br />
ABONNEMENTS UND PRESSEVERTRIEB<br />
IPS Pressevertrieb GmbH<br />
Ultimate Guide Abo-Service<br />
Postfach 1331<br />
53340 Meckenheim<br />
E-Mail: abo-ugm@ips-d.de<br />
Telefon: 022 25/70 85-362<br />
Homepage: www.ips-d.de<br />
LESERFRAGEN<br />
Bitte schicken Sie Leseranfragen an<br />
info@digitale-fotografie-magazin.de<br />
DRUCK UND BINDUNG<br />
Quad/Graphics Europe Sp. z o. o.<br />
Drukarnia Wyszków<br />
ul. Pułtuska 120<br />
07-200 Wyszków, Polska<br />
www.quadgraphics.pl<br />
Das Papier, auf dem dieses<br />
Magazin gedruckt ist, besteht<br />
aus umweltverträglichen Fasern.
INHALT<br />
EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
6 Die Kamera verstehen<br />
6 Kameras mit Wechselobjektiven<br />
8 Kamerafunktionen<br />
11 Der LCD-Monitor<br />
12 Zubehör und Anschlüsse<br />
13 Der Sucher<br />
14 Der Bildsensor<br />
16 Belichtungsprogramme<br />
18 Zeitautomatik<br />
20 Blendenautomatik<br />
22 Manuelle Betriebsart<br />
24 Der Autofokus<br />
26 Autofokus: Die Qual der Wahl<br />
28 Bildqualität<br />
30 ISO-Empfindlichkeit<br />
32 Arbeiten mit Raw-Dateien<br />
35 Raw-Konverter<br />
36 Aus Raw-Dateien werden Bilder<br />
38 Weißabgleich<br />
40 Kamera maßgeschneidert<br />
43 Grundlagen der <strong>Fotografie</strong><br />
44 Bildkomposition<br />
46 Die Drittelregel<br />
48 Kreativ Scharfstellen<br />
50 Führungslinien<br />
52 Belichtung<br />
54 Konzepte der Belichtungsmessung<br />
56 Belichtungskorrektur<br />
58 Belichtung einstellen<br />
60 Blendwerk<br />
70 Auf und zu<br />
70 Bewegung<br />
72 Der perfekte Schwenk<br />
77 Aufnahmetechnik<br />
PORTRÄTS<br />
78 Sonnenlicht einfangen<br />
80 Bedeckter Himmel<br />
82 Undercover<br />
84 Porträt am Fenster<br />
86 Kinder fotografieren<br />
LANDSCHAFTEN<br />
92 Die große weite Welt<br />
94 Grundlagen: Bildkomposition in der<br />
Landschaft<br />
96 Kameraeinstellungen<br />
98 Beleuchtung steuern<br />
100 Klassische Aufnahmetechniken<br />
FARBE<br />
102 Grundlagen<br />
104 Farbsymbolik<br />
106 Die Farbe des Lichts<br />
108 Stärke von Farben<br />
110 Andere Arten von Farbe<br />
MAKROFOTOGRAFIE<br />
112 Makro-Zubehör<br />
114 Grundlagen der Makrofotografie<br />
116 Insekten<br />
118 Pflanzen und Blumen<br />
120 Kreativ mit Nahaufnahmen<br />
SPORT UND ACTION<br />
122 Ausrüstung
124 Aufnahmetechniken<br />
126 Richtig scharfstellen<br />
128 Familienspaß<br />
WILDLIFE<br />
130 Ausrüstung für den Wildlife-Fotografen<br />
132 Wildlife-Aufnahmetechnik<br />
134 Parks und Wälder<br />
136 Wasserlandschaften<br />
139 Kamera-Ausrüstung<br />
140 Objektive<br />
150 Blitz-Grundlagen<br />
156 Studioblitz-Ausrüstungen<br />
57 Beleuchtungszubehör<br />
158 Studio-Setup mit nur einer Leuchte<br />
160 Zubehör<br />
162 Belichtungsmessung und<br />
Weißabgleich
6 <strong>Digitale</strong> Kameras verstehen EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
Kameras mit<br />
Wechselobjektiven<br />
Wenn Sie wissen, wie Ihre Kamera funktioniert, machen Sie<br />
bessere Bilder. Wir werfen einen Blick auf die Merkmale<br />
digitaler Spiegelreflex- und Systemkameras.<br />
Wenn Sie früher eine Digitalkamera mit austauschbaren Objektiven wollten, fiel die<br />
Wahl nicht schwer: Die meisten von uns hätten sich wohl für eine digitale<br />
Spiegelreflexkamera mit 35-Millimeter-Objektiv entschieden (eine Minderheit von<br />
Profis hätte hingegen eine mittelformatige, digitale Spiegelreflexkamera gewählt, die<br />
Zehntausende von Euros kostet). Vor Kurzem tauchten jedoch die Systemkameras<br />
auf und boten eine Alternative.<br />
Die jetzige Generation dieser Modelle weist eine große Ähnlichkeit mit<br />
Spiegelreflexkameras auf, indem sie fast identische Spezifizierungen bietet und auf<br />
eine sehr ähnliche Art und Weise funktioniert, obgleich es zwei bedeutende<br />
Unterschiede gibt. Die Handhabung, die Eigenschaften und die Leistung von<br />
digitalen Spiegelreflexkameras wurden über die Jahre verbessert und verfeinert, so<br />
dass dem Benutzer die Bedienung so leicht wie möglich gemacht wird. Da die<br />
meisten Hersteller von Systemkameras auch digitale Spiegelreflexkameras<br />
produzieren, ist es sinnvoll, dass beide auch ein ähnliches Betriebssystem<br />
aufweisen. Dies bedeutet nicht nur, dass Systemkameras dank ihrer schon recht<br />
fortgeschrittenen Technologie potentiell über eine sehr hohe Leistung verfügen<br />
können, sondern es macht den Umstieg von einem auf den anderen Kameratyp für<br />
die, die ihn wagen wollen, auch ziemlich einfach.<br />
In diesem Teil der Anleitung werden wir einen Blick auf die Schlüsselfunktionen Ihrer<br />
Digitalkamera werfen und erklären, wofür sie verantwortlich sind, und wie man<br />
sie richtig einsetzt, um die Bildqualität zu steigern. Außerdem vergleichen wir<br />
die beiden wichtigsten Kamerasysteme mit austauschbaren Objektiven<br />
und stellen sie einander gegenüber. Sie werden sehen, dass die beiden<br />
viel gemeinsam und nur einige praktische Unterschiede haben. In<br />
dieser Ausgabe wollen wir Ihnen einen allgemeinen Überblick<br />
über die Haupteigenschaften einer Kamera verschaffen und<br />
einen Blick auf das Herz der Digitalkameras werfen: auf den<br />
Bildsensor.<br />
Sie sollten Ihre Kamera inund<br />
auswendig kennen<br />
Digitalkameras sind Hi-Tech Geräte.<br />
Unsere Anleitung erklärt alle Funktionen<br />
und gibt Tipps und Tricks für bessere<br />
Bilder.
8 <strong>Digitale</strong> Kameras verstehen EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
Funktionen einer Digitalkamera<br />
mit Wechselobjektiven<br />
Bei den Funktionen einer digitalen Spiegelrefl ex- und einer kompakten<br />
Systemkamera gibt es keine wesentlichen Unterschiede.<br />
2<br />
4<br />
Unabhängig davon, ob eine<br />
digitale Spiegelreflex- oder<br />
Kompaktkamera zum Einsatz<br />
kommt, öffnet sich den<br />
Benutzern eine Welt von neuen<br />
Aufnahmemöglichkeiten.<br />
<strong>Digitale</strong> Kameras sind voller<br />
Spitzen-Technologie. Diese<br />
wurde entwickelt, um in<br />
möglichst vielen<br />
Aufnahmesituationen möglichst<br />
perfekte Bilder zu garantieren.<br />
Dazu kommen neuerdings auch<br />
Videofunktionen. Trotz all<br />
diesen Leistungen wurden die<br />
meisten Kameras so<br />
benutzerfreundlich wie möglich<br />
designt. Die Bedienung ist<br />
allerdings nicht bei allen<br />
Modellen gleich. Manchmal<br />
wird man durch die große<br />
Auswahl an Funktionen eher<br />
verwirrt oder übersieht<br />
Leistungen, die einem das<br />
Leben einfacher machen<br />
könnten. Dieses Magazin ist<br />
dazu da, diese Lücke zu füllen!<br />
In unserem Magazin geht es<br />
darum, wie das beste aus der<br />
Kamera herausgeholt wird und<br />
dadurch die Bildqualität<br />
erheblich verbessert werden<br />
kann.<br />
WUSSTEN SIE, DASS ...?<br />
Wenn der Auslöser im Einzelbildbetrieb<br />
zur Hälfte nach unten gedrückt wird,<br />
kann die Belichtungseinstellung für die<br />
nächste Aufnahme gespeichert werden.<br />
1<br />
7<br />
3<br />
6<br />
8<br />
9<br />
5<br />
Funktionen und Bedienungselemente digitaler Kameras<br />
1) Der Auslöser: Der Auslöser hat<br />
eine Doppelfunktion. Wird er zur Hälfte<br />
nach unten gedrückt, wird das<br />
Autofokus- und Messsystem aktiviert.<br />
Wird er ganz nach unten gedrückt, wird<br />
die Aufnahme belichtet.<br />
Wussten Sie, dass ...? Wenn das<br />
Kamera-Display aus Energiespargründen<br />
nach ein paar Minuten auf den<br />
Bereitschaftsmodus umschaltet, kann es<br />
durch leichtes Antippen des Auslösers<br />
wieder aktiviert werden. Bei vielen<br />
Kameras kann eingestellt werden, ob der<br />
Auslöser die Autofokuseinstellung, die<br />
Belichtung oder beides speichern soll.<br />
2) Interner Blitz: Die große<br />
Mehrheit der Kameras sind mit einem<br />
internen Blitz ausgerüstet. Manche<br />
digitale Spiegelreflex- und<br />
Kompaktkameras der oberen<br />
Preiskategorie sind auf externe Blitzgeräte<br />
angewiesen. Die meisten<br />
Kompaktkameras verfügen über ein<br />
internes Blitzgerät. Der<br />
Blitzausleuchtungsbereich ist dabei<br />
normalerweise groß genug für Motive, die<br />
ein paar Meter entfernt sind. Alle Kameras<br />
bieten eine Auswahl an Blitzmodi. Der<br />
Automodus dient für Porträts bei<br />
geringem Licht. Es gibt aber weitere<br />
Blitzmodi für kreative<br />
Aufnahmesituationen, wie die<br />
Zeitautomatik und den zweiten<br />
Verschlussvorhang.<br />
3) Die<br />
Blitzentriegelungstaste:<br />
Die Blitzentriegelungstaste<br />
zum Einsatz des internen<br />
Blitzgerätes drücken. Manche Kameras<br />
setzen den Blitz in vollautomatischen Modi<br />
von selbst ein. Nur in halbautomatischen<br />
und manuellen Belichtungsmodi kann dort<br />
der Blitz noch selbst gewählt werden.<br />
Wussten Sie, dass ...? Bei manchen<br />
Kameras dient der Auslöser zusätzlich<br />
dazu, den entsprechenden Blitzmodus<br />
auszuwählen, ohne auf die Menüfunktion<br />
zurückzugreifen. Bei den meisten Modellen<br />
dient dazu eine getrennte Blitz-Modus-<br />
Taste auf dem Vierwegschalter.<br />
4) Autofokus-Lampe: Bei<br />
schwachen Lichtverhältnissen hat die<br />
Kamera manchmal Probleme bei der<br />
Schärfeeinstellung. Die Autofokus-Lampe<br />
ist im internen Blitz oder im<br />
Kameragehäuse integriert und dazu da,<br />
diese Probleme zu lösen.<br />
5) Objektiv-<br />
Entriegelungstaste:<br />
Durch die Objektiv-<br />
Entriegelungstaste kann das<br />
Objektiv ausgetauscht werden.<br />
Wussten Sie, dass ...? Die Nikon-<br />
Objektive werden umgekehrt<br />
herausgedreht als die Objektive der<br />
meisten anderen Hersteller.<br />
6) AF/M: Diese Taste<br />
befindet sich auf dem<br />
Objektiv oder dem Gehäuse<br />
der Kamera und dient dem<br />
Umstellen von Autofokus auf manuelle<br />
Scharfstellung<br />
7) Selbstauslöser-Anzeige:<br />
Zeigt die Sekunden bis zur Belichtung an.<br />
8) Mikrofon: Für Audioaufnahmen<br />
mit der Video-Funktion der Kamera.<br />
Kann bei manchen Kameras auch für<br />
Audiokommentare zu den Aufnahmen<br />
eingesetzt werden.<br />
9) Springblende:<br />
Früher war diese Funktion<br />
bei Spiegelreflexkameras<br />
sehr beliebt, ist heute aber<br />
weniger üblich. Beim Einsatz dieser<br />
Funktion wird die Objektivblende auf die<br />
gewählte Öffnung eingestellt und erlaubt<br />
dem Fotografen die <strong>Vorschau</strong> der<br />
erreichten Tiefenschärfe im Sucher.<br />
Diese Funktion verdunkelt das Bild im<br />
Sucher. Der Einsatz wird dadurch vor<br />
allem bei kleineren Blendeöffnungen<br />
erschwert. Kameras mit elektronischen<br />
Suchern erhöhen die Helligkeit in der<br />
Tiefenschärfe-<strong>Vorschau</strong>, was ein großer<br />
Vorteil gegenüber optischen Suchern<br />
darstellt.<br />
Wussten Sie, dass ...? Canon-Benutzer<br />
können die Tiefenschärfe-<strong>Vorschau</strong> mit<br />
dem LiveView-Modus kombinieren.<br />
Dadurch kann die Tiefenschärfe<br />
einfacher als über den Sucher, direkt<br />
auf dem LCD-Monitor kontrolliert<br />
werden.
EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
<strong>Digitale</strong> Kameras verstehen 9<br />
15<br />
2<br />
14<br />
13<br />
10<br />
12<br />
6<br />
11<br />
1<br />
4<br />
7<br />
16<br />
5<br />
Kameras<br />
mit<br />
Sucherbild<br />
10<br />
12<br />
8<br />
10) Hauptwählrad: Dies ist wohl die<br />
wichtigste Kontrollfunktion der Kamera, da<br />
sie die Belichtungszeit festlegt. Manche<br />
Kameras haben eine Blockierfunktion fürs<br />
Wählrad, die meisten aber nicht. Darum<br />
sollte man vor dem Aufnehmen nochmals<br />
sicherstellen, dass das Rad nicht ungewollt<br />
verstellt wurde.<br />
Wussten Sie, dass ...? Viele halb<br />
professionelle und professionelle digitale<br />
Spiegelreflexkameras besitzen zur<br />
Belichtungseinstelltung anstelle eines<br />
Wählrads eine Taste.<br />
11) Blitzschuh: Der Blitzschuh ist eine<br />
Schiene auf der Oberseite des<br />
Kameragehäuses zum Anschluss des<br />
Blitzgerätes. Die externen Blitzgeräte bieten<br />
bei unterbelichteten Aufnahmesituationen<br />
eine zusätzliche Leistung in einem größeren<br />
Bildbereich. Außerdem können am<br />
Blitzschuh auch weitere Geräte wie<br />
Steuereinheiten zur Synchronisierung von<br />
Aufnahmen mit mehreren Blitzgeräten oder<br />
eine Fernbedienung angeschlossen werden.<br />
Der Anschluss in der Mitte der Schiene löst<br />
den Blitz aus, die anderen Kontakte dienen<br />
zur Datenübertragung<br />
Wussten Sie, dass ...? Der Vorläufer des<br />
unkonventionellen Designs des<br />
Sony-Blitzschuhs ist der Minolta-Dynax-<br />
Blitzschuh von 1988.<br />
12) On/off Taste: Zum Ein- und<br />
Ausschalten der Kamera. Falls die Kamera<br />
nicht ausgeschaltet wird, schaltet sie aus<br />
Energiespargründen nach fünf Minuten<br />
automatisch selbst ab. Durch das sanfte<br />
Herunterdrücken des Auslösers wird die<br />
Kamera dann wieder aktiviert.<br />
13) Display: Die Kamera benutzt ein<br />
Standard-Beleuchtungs-Display auf dem<br />
Monitor. Durch Herunterdrücken der<br />
Display-Taste kann das Histogramm-<br />
Format und die Displayfarbe gewählt<br />
werden.<br />
14) ISO: Die ISO-Einstufung bestimmt die<br />
Lichtempfindlichkeit des Sensors und ist<br />
deshalb vergleichbar mit den<br />
unterschiedlichen Filmgeschwindigkeiten in<br />
der Vergangenheit. Eine tiefe ISO-<br />
Einstufung ist weniger empfindlich, bietet<br />
16<br />
3<br />
aber eine bessere Bildqualität. Sobald die<br />
ISO-Einstufung erhöht wird, nimmt das<br />
Bildrauschen zu und führt zu einem<br />
Qualitätsverlust (hauptsächlich bezüglich<br />
der Farbwiedergabe und Schärfe).<br />
Besonders gut ersichtlich ist das<br />
Bildrauschen bei einer Einstellung von ISO<br />
800 und darüber. Neuere Kameramodelle<br />
bieten eine bessere Rauschunterdrückung<br />
als ältere.<br />
11<br />
Original-<br />
größe<br />
Seite 13<br />
15) Vorderes Einstellrad: Dieses<br />
Einstellrad befindet sich normalerweise in<br />
der Nähe des Auslösers oder bei den<br />
Daumenauflagen auf der Hinterseite der<br />
Kamera. Mit diesem Rad kann die<br />
Verschlusszeit oder die Blendenöffnung<br />
eingestellt werden.<br />
16) Sensorebene: Eine sichtbare<br />
Markierung zeigt die Sensorebene an.
10 <strong>Digitale</strong> Kameras verstehen<br />
Siehe Seite 14 für<br />
weitere Angaben<br />
zum Bild-Sensor<br />
3<br />
5 7 4<br />
3<br />
14<br />
1<br />
2<br />
9<br />
8<br />
11<br />
12<br />
15<br />
10<br />
16<br />
6<br />
Funktionen und Bedienungselemente digitaler Kameras<br />
1) Belichtungskorrektur:<br />
Die Belichtungskorrektur-Funktion<br />
erhöht oder reduziert die eingestellte<br />
Belichtung um eine festgelegte 1/3-<br />
oder 1/2-Lichtwertstufe. Mit ein wenig<br />
Erfahrung lernt man, bei welchen<br />
Motiven die Belichtungskorrektur am<br />
besten eingesetzt wird. Bei<br />
Schneemotiven wird eine positive<br />
Lichtwertstufe von +2 angewandt.<br />
Durch eine negative Lichtwertstufe von<br />
-2 bis -3 kann beim Blitzeinsatz der<br />
Hintergrund verdunkelt werden, was oft<br />
zu einer stimmungsvolleren Aufnahme<br />
führt. Bei Aufnahmen im manuellen<br />
Modus erlaubt die Belichtungskorrektur-<br />
Taste eine Anpassung der Blende.<br />
Wussten Sie, dass ...? Die meisten<br />
Kameras besitzen eine<br />
benutzerdefinierte Funktion, über die<br />
man die Lichtwertstufen um1/3 oder<br />
1/2 verändern kann.<br />
2) Kurzwahltaste:<br />
Kurzwahltasten erlauben über den<br />
LCD-Monitor einen schnelleren Zugriff<br />
auf die wichtigsten Kamerafunktionen<br />
und erfreuen sich darum steigender<br />
Beliebtheit. Über die Kurzwahltasten<br />
von Canon kann zum Beispiel schnell<br />
und einfach auf Blende/Verschlusszeit,<br />
ISO-Einstufung, interne<br />
Bildbearbeitung, Weißabgleich,<br />
Belichtungskorrektur und andere<br />
Funktionen zurückgegriffen werden. Auf<br />
manchen Kameras wie der Pentax K-x<br />
wird diese Funktion durch die Info-Taste<br />
abgedeckt. Andere Marken wie Sony<br />
haben eine Funktionstaste für<br />
Kurzbefehle.<br />
3) Sucher: <strong>Digitale</strong><br />
Spiegelreflexkameras leiten den Blick<br />
durch die Linse. Das Bild im Sucher<br />
kommt also direkt durch das Objektiv.<br />
Die Sony Aplha-Kameras (zum Beispiel<br />
die A33, A35 und A55) wurden wie<br />
Kompaktkameras mit einem<br />
elektronischen Sucher ausgerüstet.<br />
Weitere Einzelheiten über Sucher auf<br />
Seite 13.<br />
4) Autofokus-Messfeldwahl:<br />
Ein verstellbares Autofokusmessfeld<br />
hilft, Motive außerhalb der Bildmitte<br />
scharfzustellen. Über diese Taste kann<br />
von einem dynamischen auf einen<br />
statischen Autofokus umgeschaltet<br />
werden. Der statische Autofokus ist<br />
nützlich für Aufnahmesituationen, bei<br />
denen eine genaue Kontrolle über den<br />
Fokus erforderlich ist. Bei Porträts<br />
werden zum Beispiel meist die Augen<br />
fokussiert. Das Standard-Autofokus-<br />
Messfeld in der Bildmitte bietet meist<br />
die besten Resultate.<br />
5) Menü: Über die Menü-Taste kann<br />
auf alle Kamerafunktionen<br />
zurückgegriffen werden. Es lohnt sich,<br />
nach dem Kauf der Kamera das Menü<br />
mit Hilfe der Bedienungsanleitung<br />
richtig verstehen zu lernen. Das Menü<br />
besteht aus verschiedenen<br />
benutzerfreundlich organisierten<br />
untergeordneten Menüfunktionen.<br />
6) Bildbearbeitungsanzeige:<br />
Diese Anzeige leuchtet auf, wenn die<br />
Bilder von der Kamera auf die<br />
Speicherkarte übertragen werden.<br />
7) Belichtungsspeicherung:<br />
Die äußerst beliebte Belichtungs-<br />
Speicherungsfunktion ist besonders<br />
nützlich für schnelle Aufnahmeeinsätze.<br />
Bei Aufnahmesituation mit schwierigen<br />
Beleuchtungsverhältnissen kann die<br />
Belichtung an einem Mittelton<br />
gemessen werden. Dies ist besonders<br />
praktisch bei Motiven mit Gegenlicht.<br />
Wussten Sie, dass ...? Die Belichtungs-<br />
Speicherung kann mit allen<br />
Messsystemen eingesetzt werden, es<br />
empfiehlt sich aber eher eine Spot-/<br />
Selektiv- oder Zentrumswertbelichtungsmessung<br />
als eine<br />
Mehrfeldmessung.<br />
8) Vierweg-Modusschalter:<br />
Alle neueren Spiegelreflex- und<br />
Kompaktkameras sind mit einem<br />
Vierweg-Modusschalter auf der<br />
Hinterseite des Kameragehäuses<br />
ausgestattet. Dieser ermöglicht eine<br />
schnelle und flexible Bedienung der<br />
Hauptfunktionen. Jede Taste hat ihre<br />
Primärfunktion, kann aber auch zur<br />
Bedienung des Menü-Displays benutzt<br />
werden.<br />
9) Weißabgleich: Die Kamera ist<br />
sowohl mit einer automatischen<br />
Weißabgleich-Funktion als auch mit<br />
zahlreichen Voreinstellungen für<br />
unterschiedliche<br />
Beleuchtungssituationen ausgestattet.<br />
Diese Voreinstellungen optimieren unter<br />
verschiedenen<br />
Beleuchtungsbedingungen die<br />
Farbpräzision. Mit Hilfe einer Graukarte<br />
kann ein benutzerdefinierter<br />
Weißabgleich programmiert werden. Mit<br />
ein wenig Erfahrung können<br />
Weißabgleich-Einstellungen für eine<br />
kreativere Bildgestaltung eingesetzt<br />
werden.<br />
10) Interne Bildbearbeitung:<br />
Zusätzlich zu den Standard-<br />
Einstellungen, bietet die Kamera auch<br />
unterschiedliche Motiv-Funktionen, die<br />
auf besondere Motive wie Porträts,<br />
Landschaften u. a. ausgerichtet sind.<br />
Auch diese Funktionen können durch<br />
benutzerdefinierte Einstellungen an<br />
besondere Bedürfnisse angepasst<br />
werden.<br />
11) Bildbetrieb: Bei der<br />
Standard-Einstellung der Kamera wird<br />
bei jedem Knopfdruck auf den Auslöser<br />
ein einzelner Bildausschnitt<br />
aufgenommen. Die Kamera kann aber<br />
auch auf die Serienbildfunktion<br />
umgeschaltet werden. Die Belichtung<br />
kann mit dem Selbstauslöser zehn oder<br />
zwölf Sekunden herausgezögert werden,<br />
wenn der Fotograf selbst auch auf dem<br />
Bild erscheinen will. Der Zwei-Sekunden-<br />
Selbstauslöser kommt bei Aufnahmen<br />
mit einer langen Belichtungszeit zum<br />
Einsatz, um das Bild nicht zu<br />
verwackeln. Diese Funktion kann auch<br />
über eine Fernbedienung benutzt<br />
werden.<br />
12) Die Autofokus-Taste: Alle<br />
Kameras haben mindestens zwei<br />
Hauptmodi für den Autofokus, einen für<br />
statische und den anderen für<br />
bewegliche Motive. Viele Kameras<br />
besitzen zusätzlich eine AI Servo/<br />
AiAF-Funktion. Hier bleibt die Kamera in<br />
der statischen Autofokus-Funktion, bis<br />
Bewegungen registriert werden und<br />
schaltet dann automatisch auf den<br />
kontinuierlichen Autofokus.<br />
13) Video-Modus: Immer mehr<br />
Leute nehmen gerne Videos auf. Mit den<br />
neuesten Digitalkameras können<br />
hochwertige Videos im HD-Format<br />
aufgenommen werden. Es gibt in diesem<br />
Bereich eine große Auswahl an Formaten<br />
und Einstellungen für die verschiedenen<br />
Bedürfnisse von Einsteigern und Profis.<br />
14) Bildvergrößerung: Das<br />
Lupensymbol zur Bildvergrößerung findet<br />
man auf fast allen Kameras. Bei der<br />
<strong>Vorschau</strong> von Aufnahmen und mit<br />
LiveView wird das Lupensymbol zum<br />
Heranzoomen von Bildausschnitten<br />
angezeigt. Sobald der gewünschte<br />
Bildausschnitt vergrößert ist, können die<br />
Bildbereiche mit dem Vierweg-Schalter<br />
bewegt werden.<br />
15) Wiedergabe: Diese Funktion<br />
dient zur <strong>Vorschau</strong> von Bildern auf der<br />
Speicherkarte.<br />
16) Löschen: Im Wiedergabe-Modus<br />
löscht diese Funktion das gegenwärtige<br />
Bild auf dem Display.
<strong>Digitale</strong> Kameras verstehen 11<br />
15<br />
13<br />
1<br />
Tipps zum<br />
LiveView<br />
8<br />
4<br />
5<br />
9<br />
16<br />
Der LCD-Monitor<br />
2<br />
11<br />
Der LCD-Monitor wird für nahezu alle Kamerafunktionen<br />
gebraucht, daher sollten Sie dessen Anzeigen kennen. Hier die<br />
wichtigsten Infos:<br />
WUSSTEN SIE, DASS ...?<br />
Der Bewegungsradius von neig- und<br />
drehbaren Monitoren ist bei den<br />
verschiedenen Modellen unterschiedlich. Ist<br />
dieses Kriterium für Sie wichtig, sollten Sie<br />
sich die verschiedenen Modelle vor dem Kauf<br />
im Fachgeschäft daraufhin genau ansehen.<br />
Bildschirmgröße: Die meisten<br />
Kameras haben eine Bildschirmgröße<br />
von 2,7 bis 3 Zoll. Je größer der<br />
Bildschirm, desto besser, da man sich<br />
dadurch schneller durchs Menü<br />
bewegen und Bilder anschauen kann.<br />
Auch beim Einsatz von LiveView ist<br />
ein größerer Bildschirm vorteilhaft.<br />
Bildschirmauflösung: Die<br />
Auflösung wird in Pixel (Bildpunkten)<br />
gemessen. Je höher die Pixelzahl,<br />
desto schärfer die Auflösung. Die<br />
meisten Monitore haben einen<br />
460.000-Pixel-Bildschirm. Das ist<br />
nicht schlecht, im Vergleich zu<br />
Monitoren ab 920.000 Pixel sehen<br />
diese allerdings ein wenig unscharf<br />
und blass aus.<br />
Neig- und drehbare<br />
Monitore: Bewegliche Monitore<br />
werden dank ihren guten Resultaten<br />
beim Einsatz von LiveView und bei<br />
Videoaufnahmen immer beliebter.<br />
Menüsystem: Die verschiedenen<br />
Kontrolltasten auf der Kamera<br />
erlauben einen schnellen Einsatz der<br />
meisten wichtigen Modi und<br />
Funktionen. Im Menü kann auf alle<br />
Funktionen der Kamera<br />
zurückgegriffen werden. Das Menü<br />
besteht aus Symbolleisten der<br />
verschiedenen Funktionen. Dadurch<br />
ist die Menü-Struktur übersichtlicher.<br />
Canon und Nikon haben bezüglich<br />
„benutzerfreundlicher Menüs“ den<br />
besten Ruf unter den Herstellern. Mit<br />
ein bisschen Übung kann man in<br />
kurzer Zeit die meisten Kamera-<br />
Modelle ohne Probleme bedienen.<br />
Belichtungsinformation: Die<br />
Standard-Einstellung des Monitors<br />
zeigt die wichtigsten Angaben zur<br />
Belichtung. Die Gestaltung und<br />
Farben des Displays können<br />
normalerweise an die Bedürfnisse des<br />
Fotografen angepasst werden.<br />
Einzelheiten zu den verfügbaren<br />
Optionen findet man in der<br />
Bedienungsanleitung der Kamera<br />
Bildschirmhelligkeit: Viele<br />
Kamerabenutzer wissen nicht, dass<br />
die meisten Kameras eine Option zur<br />
Anpassung der Bildschirmhelligkeit<br />
besitzen. Bei hellen<br />
Aufnahmesituationen kann die<br />
Bildschirmhelligkeit dadurch erhöht,<br />
in dunklen Aufnahmesituation<br />
reduziert werden. Im Studio und zur<br />
Prüfung der richtigen Belichtung<br />
empfiehlt sich eine mittlere<br />
Bildschirmhelligkeit.<br />
Touchscreen: Einige wenige<br />
Kompakt-System-Kameras haben<br />
einen integrierten Touchscreen, auf<br />
dem die Menüfunktionen über das<br />
Antippen der Symbole auf dem<br />
Monitor gewählt werden können.<br />
Kurzanleitung: Immer mehr<br />
Geräte kommen mit einer Kurzanleitung<br />
auf den Markt. Prinzipiell ist sie an<br />
Einsteiger gerichtet und erleichtert das<br />
Verstehen der Funktionsweise der<br />
Kamera durch illustrierte Anleitungen.<br />
Monitorblende: Helles Tageslicht<br />
erschwert unter Umständen auch bei<br />
den neuesten Modellen mit den<br />
besten Blendschutzsystemen den<br />
Einsatz des Monitors. Eine<br />
Monitorblende ist eine einfache und<br />
günstige Form, um den Monitor vor<br />
der direkten Lichteinstrahlung zu<br />
schützen und wird im<br />
entsprechenden Moment auf dem<br />
Monitor befestigt. Besonders bei<br />
Kompakt-Kameramodellen ohne<br />
Sucher, die zur Bildkomposition auf<br />
den Monitor angewiesen sind, kann<br />
eine Monitorblende die Bedienung<br />
erleichtern.<br />
Bildschirmmodelle: Die<br />
meisten Kameramonitoren bestehen<br />
aus einer LCD- oder<br />
Flüssigkristallanzeige. Es gibt aber<br />
alternative Modelle aus<br />
unterschiedlichen Materialien, die<br />
hellere Farben und ein besseres<br />
Blendschutzsystem versprechen.<br />
Samsung brachte mit AMOLED<br />
(Active Matrix Organic Light Emitting<br />
Diode) ein Aktivmatrix-Display auf<br />
den Markt. Manche Kompaktkameras<br />
von Olympus sind dagegen mit OLED,<br />
organischen Leuchtdiode-<br />
Bildschirmen, ausgestattet.<br />
LiveView: Diese Funktion dient<br />
dazu festzulegen, welcher<br />
Bildausschnitt des Motivs<br />
aufgenommen werden soll. Bei<br />
manchen Kameras können einzelne<br />
Bildbereiche zur Feinabstimmung des<br />
Fokus vergrößert werden. Früher war<br />
die Autofokus-Leistung von LiveView<br />
eher schwach. Neuere Kamera-<br />
Modelle zeigen aber in dieser Hinsicht<br />
eine markante Verbesserung. Die<br />
besten LiveView-Leistungen zeigt das<br />
Sony Alpha-System und die neuesten<br />
Kameramodelle von Olympus und<br />
Panasonic. Auch wenn der Monitor<br />
scharf ist und einen guten Kontrast<br />
hat, wird sein Einsatz bei hellen<br />
Beleuchtungsverhältnissen erschwert.<br />
Dann empfiehlt sich ein LCD-<br />
Blendschutz.
12 <strong>Digitale</strong> Kameras verstehen EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
2<br />
1<br />
3<br />
2<br />
Zubehör und Anschlüsse<br />
1) Batterie: Einige Kameras verwenden<br />
AA-Batterien, die große Mehrheit jedoch<br />
funktioniert mit individuellen Lithium-<br />
Ionen-Akkus. Die sind wiederaufladbar und<br />
halten für mehrere hundert Bilder. Leider<br />
haben sie den Nachteil, etwas teurer zu<br />
sein, sollte man Ersatz benötigen.<br />
Wussten Sie, dass ...? Unabhängige<br />
Marken, wie Hahnel, Delkin und Hama<br />
produzieren kompatible Lithium-<br />
Batterien, die um einiges günstiger sind,<br />
als Marken-Batterien.<br />
2) Zubehörgriff: Es lohnt sich, die<br />
optionalen Griffe, die man auf viele<br />
Kameras aufstecken kann, in Betracht zu<br />
ziehen. Wie Sie im Folgenden sehen<br />
werden, bieten diese eine ganze Reihe von<br />
Vorteilen:<br />
Handhabung: Der zusätzliche Griff bietet<br />
einern festeren Halt, der vor allem dann<br />
nützlich ist, wenn man die Kamera im<br />
Hochformat einsetzt. Auf der anderen<br />
Seite bedeutet dies auch, dass man mehr<br />
Ausrüstung mit sich führen muss.<br />
Zusätzliche Funktionstasten: Der Griff hat<br />
ein zweites Tastenfeld, das nochmal die<br />
Tasten des Gehäuses aufweist und bei<br />
Hochformataufnahmen hilfreich sein<br />
kann. Folgende Tasten befinden sich für<br />
gewöhnlich auf dem zusätzlichen<br />
Tastenfeld: Auslöser, Eingabewählscheibe,<br />
Belichtungskorrektur, punktweise<br />
Auswahl des Autofokus und Speicherung<br />
des gemessenen Belichtungswertes.<br />
Zusätzliche Energie: Der Griff enthält<br />
zusätzliche Batterien, die verlängerte<br />
Aufnahmen erlauben. Bei vielen Griffen<br />
können sowohl Lithium-Ionen-Batterien,<br />
als auch Adapter mit AA-Batterien<br />
verwendet werden.<br />
3) Stativgewinde: Auf der<br />
Unterseite jeder Kamera befindet sich ein<br />
Viertelzollgewinde, welches die<br />
Standardgröße für normale Stative,<br />
Einbeinstative und weiteres<br />
unterstützendes Material für die Kamera<br />
ist.<br />
Karteneinschub: Die meisten Kameras<br />
besitzen auf der rechten Seite einen<br />
Karteneinschub, der von einem<br />
Klappscharnier geschützt wird. Speziellere<br />
Modelle haben ein Sicherheitsschloss, um<br />
zu verhindern, dass der Schlitz zufällig<br />
aufgeht. Es ist mittlerweile üblich<br />
geworden, den Kartenschlitz im<br />
Batteriefach auf der Unterseite der<br />
Kamera zu platzieren. Diese Position ist<br />
jedoch etwas unglücklich, da sie den<br />
Zugang erschwert, sobald die Kamera auf<br />
ein Stativ montiert wird. Einige Kameras<br />
besitzen auch zwei Kartenschlitze und<br />
bieten so eine erhöhte Kapazität, sowie<br />
eine Möglichkeit, die Kamera so<br />
einzustellen, dass Videos auf der einen<br />
und Fotos auf der anderen Karte<br />
gespeichert werden, oder Raw-Dateien<br />
auf der einen und JPEG-Dateien auf der<br />
anderen.<br />
4) Kameraanschlüsse:<br />
Im Folgenden werden die bekanntesten<br />
Buchsen aufgeführt:<br />
HDMI: Verbinden Sie Ihre Kamera direkt<br />
mit Ihrem HDTV und sehen sich die Bilder<br />
auf dem großen Bildschirm an.<br />
Fernbedienung: Stecken Sie eine<br />
Fernbedienung ein und machen<br />
Nachtaufnahmen ohne Verwacklungen.<br />
USB: Verbinden Sie Ihre Kamera direkt<br />
mit einem Computer oder einem<br />
kompatiblen Tintenstrahldrucker.<br />
Mikrofon: Wenn Sie ein Video aufnehmen,<br />
können Sie ein externes Mikrofon<br />
einstecken und so die Audio-Qualität<br />
enorm verbesserrn.<br />
PC-Buchse: Befindet sich auf der<br />
Vorderseite vieler Liebhaber- und<br />
Profi-Kameras und erlaubt die<br />
Standardsynchronisierung mit einem<br />
Studioblitz.<br />
Größe, Gewicht und<br />
Verarbeitungsqualität<br />
Alle Kameras entsprechen sehr hohen Standards, manche jedoch<br />
entsprechen höheren Standards als andere. Es lohnt sich also zu<br />
wissen, wie die Qualität der Bauweise abweicht, wenn man mehr dafür<br />
ausgibt.<br />
Einsteiger-Modelle werden so klein und leicht wie möglich gebaut und<br />
haben daher ein Gehäuse, das vorwiegend aus Polycarbonat besteht<br />
und sich verglichen zu Konkurrenzmodellen eher wie Plastik anfühlt.<br />
Kameras aus dem mittleren Preissegment sind darauf ausgerichtet,<br />
öfter benutzt zu werden und daher etwas robuster gebaut, häufig mit<br />
einem Gehäuse aus Legierungen, um die Festigkeit zu erhöhen. Einige<br />
sind sogar wetterfest.<br />
Die Gestelle und Schalen von Profi-Modellen bestehen aus Stahl- oder<br />
Magnesium-Legierungen für maximalen Schutz. Alle Bereiche der<br />
Kamera, von dem verstärkten Verschlusssystem zu den wetterfesten<br />
Versiegelungen um die Tasten und Wählknöpfe herum, sind darauf<br />
ausgelegt, so lange zu halten wie möglich. Das Resultat ist, dass diese<br />
Kameras entsprechend größer und schwerer sind.
EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
<strong>Digitale</strong> Kameras verstehen 13<br />
4<br />
4<br />
4<br />
Der Sucher<br />
Der Sucher ist deshalb wichtig, weil er für die meisten Fotografen<br />
den Rahmen des Bildes bestimmt. Größe und Klarheit sind<br />
besser, je mehr man für die Kamera ausgibt. Einsteiger-Modelle<br />
haben vergleichsweise kleine, aber klare Sucher. Kameras aus<br />
dem mittleren Preissegment weisen hier eine Verbesserung auf,<br />
indem ihre Sucher größer und heller sind. Kameras mit<br />
Vollbildaufnahme haben die besten Sucher, weil sie einem große<br />
und sehr scharfe Bilder zur Verfügung stellen.<br />
6<br />
5<br />
7<br />
5) Dioptrienkorrektur:<br />
Brillenträger können einen Knopf oder<br />
einen Schalter drücken, um das<br />
Sucherbild scharf zu stellen, ohne ihre<br />
Brille zu tragen. Die meisten Kameras<br />
bieten eine Palette von +2 bis -2<br />
Dioptrien.<br />
6) Sucherkappe: Bieten einen<br />
bequemen Verbleib und schützen den<br />
Sucher vor Streulicht. Die meisten sind<br />
abnehmbar, so dass man sein<br />
Sucherzubehör damit ausstatten kann.<br />
Dieses enthält eine Sucherverlängerung<br />
für bequemeres Suchen, und einen<br />
Winkelsucher für das Suchen bei<br />
geringem Lichtniveau.<br />
7) Sucherdisplay: Die meisten<br />
zeigen die Position des<br />
Fokussierungspunkts, während einige<br />
auch den zentralen Punkt oder den<br />
Bereich der Selektivmessung anzeigen.<br />
Der Großteil der Displays besitzt LEDs,<br />
die bei den Punkten des Autofokus rot<br />
aufleuchten, wenn er aktiviert ist. Die<br />
Information zur Belichtung wird<br />
normalerweise an der Unterseite in grün<br />
angezeigt, bei einigen verläuft sie auch<br />
am rechten Rand.<br />
Wussten Sie, dass ...? Einige wenige<br />
halbprofessionelle bis professionelle<br />
Modelle und einige Modelle aus dem<br />
mittleren Preissegment verfügen über<br />
eine Auswahl an Sucherdisplays, um für<br />
jeden Gebrauch wie beispielsweise<br />
Makro- oder<br />
archhitektonische <strong>Fotografie</strong><br />
geeignet zu sein. Einige<br />
Kameras erlauben sogar mittels<br />
einer Benutzerfunktion Rasterlinien<br />
über das Display zu legen, so dass man<br />
sich dafür keinen zusätzlichen<br />
Bildschirm kaufen muss.<br />
Sucherverdunklung:Es ist<br />
wichtig, den Sucher abzudecken, da es<br />
zu mangelhafter Belichtung führen kann,<br />
wenn Streulicht auf das Suchergehäuse<br />
fällt und den Messsensor trifft. Einige<br />
hochwertige Kameras haben eine<br />
integrierte Sucherverdunklung. Meistens<br />
jedoch wird zusammen mit den Kameras<br />
auf Benutzerebene eher eine<br />
Okularabdeckung als eigenständiges<br />
Zubehör angeboten.<br />
Augensensor: Dieses handliche<br />
kleine Teil spart Energie, indem es das<br />
LCD-Display deaktiviert, wenn es merkt,<br />
dass der Fotograf durch den Sucher<br />
schaut.<br />
Rahmenabdeckung: Während<br />
halbprofessionelle und professionelle<br />
Modelle über 100 % Rahmenabdeckung<br />
verfügen, decken die meisten Modelle nur<br />
95 % des Bildrahmens ab. Das bedeutet,<br />
dass das Endergebnis an den Kanten<br />
etwas mehr enthält, als durch den Sucher<br />
beim Komponieren des Bildes ersichtlich<br />
war.<br />
Vergrößerung: Je mehr der Sucher<br />
vergrößert, desto besser. Denn das<br />
bewirkt ein klareres, größeres Bild, das<br />
das Auge weniger belastet. Die meisten<br />
Kameras bieten unter diesem Aspekt<br />
eine ähnliche Leistung im Vergleich zu<br />
Konkurrenzmodellen aus dem selben<br />
Preissegment.<br />
Elektronische Sucher<br />
OBEN: Einige Kameras haben eine<br />
Funktion, um Gitterlinien<br />
hinzuzufügen.<br />
Systemkameras wie die Sony Alpha A33, A35 und A55 verwenden im Gegensatz<br />
zu den traditionellen optischen Modellen von digitalen Spiegelreflexkameras<br />
elektronische Farbsucher. Der Vorteil dabei ist die 100%-ige Abdeckung und der<br />
Nutzen bei der Beurteilung von Belichtung und Weißabgleich. Darüberhinaus<br />
zeigen sie eine Menge Information zur Belichtung an. Auch sie weisen allerdings<br />
ihre Probleme auf, vor allem wenn sie bei wenig Licht benutzt werden, da sie nicht<br />
an die Klarheit der Bilder von konventionellen Suchern heranreichen. Die neuesten<br />
elektronischen Sucher haben sich unter diesem Aspekt im Vergleich zu früheren<br />
Generationen verbessert. In Bezug auf Klarheit und Helligkeit sind traditionelle<br />
Sucher allerdings immernoch das Maß aller Dinge.<br />
Wussten Sie, dass ...? Einigen Systemkameras mangelt es völlig an Suchern. Ihre<br />
Benutzer sind darauf angewiesen, die Bilder nur über das LCD-Display zu<br />
komponieren. Dies hat normalerweise den Grund, die Kosten und Größen der<br />
Kameras zu reduzieren.
14 <strong>Digitale</strong> Kameras verstehen EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
Nehmen Sie das Objektiv ab und es<br />
ist einfach, eine Spiegelreflex- von<br />
einer Systemkamera zu unterscheiden.<br />
Der Sensor einer<br />
Spiegelreflexkamera wird vom<br />
Spiegel verdeckt, während der<br />
Sensor einer Systemkamera zu<br />
sehen ist.<br />
1) Objektivanschluss:<br />
Der Objektivanschluss hat elektronische<br />
Stifte, die die Information, die von<br />
Autofokus und Belichtungssystem<br />
benötigt werden, zwischen Kamera und<br />
Objektiv zu übertragen. Verschiedene<br />
Marken haben unterschiedliche<br />
Objektivanschlüsse, wobei sich die PEN<br />
von Olympus und die Lumix von<br />
Panasonic das 4/3 (Four-Third)-<br />
Objektivanschluss-System teilen.<br />
2) Spiegelreflex:<br />
<strong>Digitale</strong> Spiegelreflexkameras haben<br />
einen Reflexspiegel, der das Licht nach<br />
oben reflektiert, wo es von einem Prisma<br />
direkt auf den Sucher weitergeleitet wird.<br />
Sobald man den Auslöser drückt, erhebt<br />
sich der Spiegel aus dem Lichtpfad und<br />
ein dahinter gelegener<br />
Verschlussvorhang erlaubt dem Licht,<br />
den Sensor zu erreichen. Es ist ein<br />
langjährig getestetes System, steigert<br />
aber die Herstellungskosten und die<br />
Größe der Kamera im Vergleich zu<br />
System- und Kompaktkameras.<br />
3) Systemkamera:<br />
Während zwischen digitalen<br />
Spiegelreflexkameras und Kompaktkameras<br />
viele Gemeinsamkeiten<br />
bestehen, ist der größte Unterschied der,<br />
dass Kompaktkameras keinen<br />
Reflexspiegel aufweisen. Daher sind sie<br />
kleiner und dünner als digitale<br />
Spiegelreflexkameras. Das Fehlen eines<br />
Spiegels bedeutet, dass<br />
Kompaktkameras einen elektronischen<br />
Sucher und/oder ein LCD-Display<br />
benutzen, um Bilder zu komponieren, die<br />
direkt vom Sensor kommen, was klar<br />
ersichtlich ist, sobald man das Objektiv<br />
abnimmt.<br />
1<br />
2<br />
3<br />
Der Bildsensor<br />
Der Sensor im Herzen der Kamera spielt eine fundamentale Rolle in der digitalen<br />
<strong>Fotografie</strong>. Lernen Sie seine Eigenschaften kennen, und Sie werden bessere Bilder<br />
machen.<br />
Sensorgröße<br />
Bildsensoren werden nach Größen<br />
hergestellt: Ein Vollformat-Sensor hat<br />
zum Beispiel die gleiche Größe wie ein<br />
Negativ eines 35-Millimeter-Films.<br />
Die Sensorgröße ist aus folgenden<br />
Gründen außerordentlich wichtig:<br />
1) Die Sensorgröße bestimmt effektiv<br />
die Fokallänge des Objektivs, das man<br />
mit der Kamera verwendet (siehe<br />
Kasten).<br />
2) Im Allgemeinen können größere<br />
Sensoren Bilder von besserer Qualität<br />
erzeugen, weil die Pixel größer sind,<br />
weniger Rauschen hervorrufen und<br />
nicht so eingeengt werden.<br />
3) Größere Sensoren sind teurer in der<br />
Hersetllung, die Kameras sind also<br />
ebenfalls teurer.<br />
4) Eine Kamera mit größerem Sensor<br />
hat auch einen größeren, helleren<br />
Sucher.<br />
5) Während alles andere gleichwertig<br />
ist, geben größere Sensoren im<br />
Vergleich zu kleineren Sensoren eine<br />
leicht geringere Tiefenschärfe wieder.<br />
Vollformat-Sensoren findet man in<br />
semi-professionellen und Profi-<br />
Modellen. Ihre Größe macht sie für<br />
extrem hohe Auflösungen zugänglich:<br />
Die EOS-1D MkllI von Canon hat<br />
10,1 Millionen Pixel, die Alpha 900<br />
von Sony hat 24,6 Megapixel und die<br />
D3x von Nikon hat 24,5 Megapixel.<br />
Der APS-H-Sensor der EOS-1D-Serie<br />
richtet sich vornehmlich an Sportund<br />
Natur-Fotografen, die gerne die<br />
zusätzliche Verstärkung nutzen, die<br />
der kleinere Sensor bietet.<br />
APS-C ist die beliebteste<br />
Sensorgröße, die sich im<br />
überwiegenden Teil der digitalen<br />
Spiegelreflexkameras und auch in<br />
den Kompaktkameras von Sony und<br />
Samsung befindet.<br />
Der 4/3-Sensor war der kleinste unter<br />
den vier Hauptsensortypen, bis das<br />
Nikon 1-System und Pentax Q auf<br />
den Markt kamen.<br />
Vollformat: 36 x 24 mm<br />
APS-H: 28,7 x 19,1 mm<br />
APS-C: 23,6 x1 5,5 mm (Nikon,<br />
Pentax, Sony)<br />
APS-C: 22,3 x 14,9 mm (Canon)<br />
Four-Thirds: 17,3 x 13 mm<br />
Nikon CX-format: 13,2 x 8,8 mm<br />
Pentax Q: 6,17 x 4,55 m<br />
WUSSTEN SIE, DASS ...?<br />
Die zwei Hauptsensortypen sind<br />
CMOS (Complementary<br />
Metal-Oxide-Semiconductor) und<br />
CCD (Charged Coupled Device).<br />
CMOS ist der am häufigsten<br />
verwendete.<br />
Vollformat<br />
APS-H<br />
APS-C<br />
Four-Thirds<br />
Aktuell<br />
Größe
EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
<strong>Digitale</strong> Kameras verstehen 15<br />
Vollformat<br />
APS-H<br />
APS-C<br />
Four-Thirds<br />
WUSSTEN SIE, DASS ...? Einige wenige Bildsensoren folgen nicht dem Standarddesign.<br />
Zu ihnen gehören der Super CCD von Fuji und der Foveon-Sensor von Sigma.<br />
Empfindlichkeit<br />
Im analogen Zeitalter wurde die<br />
Empfindlichkeit von Filmen auf einer<br />
ISO-Skala angegeben (ISO steht für<br />
„International Standards Organisation“).<br />
Dieses System gilt auch für Bildsensoren.<br />
Je niedriger der ISO-Wert, desto<br />
unempfindlicher reagiert der Sensor auf<br />
Licht. Erhöht man den ISO-Wert, so<br />
steigert ein Ausgangssignal die<br />
Empfindlichkeit des Sensors, was jedoch<br />
auch den ungeliebten Effekt erhöhten<br />
Rauschens hat. Die<br />
Empfindlichkeitsskala variiert von Sensor<br />
zuu Sensor, die meisten verfügen jedoch<br />
über eine Palette von ISO 100 bis ISO<br />
6400. Top-Modelle bieten am unteren<br />
Ende der Skala einen ISO-Wert von 50<br />
und manche Kameras haben einen<br />
Höchstwert von ISO 102.400, was sogar<br />
empfindlich genug ist, um<br />
Nachtaufnahmen zu machen. Die<br />
meisten Kameras verfügen derweil in<br />
irgendeiner Form über eine optionale<br />
Rauschunterdrückung.<br />
Bildauflösung<br />
Ein Bildsensor besteht aus Millionen von<br />
lichtempfindlichen „Photosites“, besser<br />
bekannt als Pixel. Je mehr Pixel der<br />
Sensor hat, desto höher ist die Auflösung.<br />
Der allgemeine Ausdruck für eine Million<br />
Pixel ist „Megapixel“, wenn also von<br />
einem Sensor mit zwölf Millionen Pixeln<br />
die Rede ist, sagt man üblicherweise,<br />
dass er über eine Auflösung von zwölf<br />
Megapixeln verfügt. Es wäre naheliegend,<br />
dass Sensoren mit einer höheren<br />
Auflösung bessere Bilder liefern als<br />
diejenigen mit weniger Pixeln. Das ist<br />
jedoch nicht immer der Fall. Die Größe<br />
des Sensors spielt hier auch eine Rolle,<br />
denn wie schon gesagt wurde: Größere<br />
Pixel auf größeren Sensoren liefern im<br />
Allgemeinen bessere Qualität. Auch der<br />
Bildprozessor ist hier nicht unwichtig, da<br />
er die rohe Information, die ihm der<br />
Sensor zur Verfügung stellt, benutzt, um<br />
die Bilder zu erzeugen. Auch sollte man<br />
nicht außer Acht lassen, dass die optische<br />
Qualität des Objektivs, das zusammen<br />
mit der Kamera verwendet wird, ebenfalls<br />
einen wichtigen Einfluss auf die<br />
Gesamtqualität hat.<br />
Sensoren und Objektive<br />
Die Beziehung zwischen Bildsensor und<br />
Objektiven, die mit der Kamera<br />
verwendet werden, kann auf den ersten<br />
Blick irritieren. Mit ein bisschen Erfahrung<br />
wird man sie jedoch bald begreifen. Alles<br />
ist darauf zurückzuführen, wie die von<br />
einem Objektiv gebotene Abdeckung<br />
abhängig von der Sensorgröße variiert.<br />
Wenn Sie zwei identische Objektive<br />
nehmen und eines davon auf eine<br />
Kamera mit Vollformat-Sensor und das<br />
andere auf eine Kamera mit APS-C-<br />
Sensor stecken, werden Sie feststellen,<br />
dass letztere eine vergrößerte Version der<br />
Szene zeigt. Dies ist deshalb so, weil der<br />
kleinere Sensor einen kleineren Bereich<br />
des „Belichtungskreises“ verwendet, der<br />
sich auf das Licht bezieht, welches auf<br />
das Objektiv fällt. Der kleinere Sensor<br />
„stutzt“ praktisch das Bild, indem er nur<br />
eine zentrale Menge verwendet und die<br />
effektive Fokallänge des Objektivs quasi<br />
ausgeweitet hat. Dies wird normalerweise<br />
als einem 35-Millimetet-Filmformat oder<br />
einem Vollformat-Sensor ebenbürtig<br />
angegeben.<br />
Jeder Sensor hat einen Crop-Faktor, der<br />
mit der Fokallänge multipliziert werden<br />
muss, um die tatsächliche Fokallänge zu<br />
erhalten. APS-C-Sensoren haben zum<br />
Beispiel einen Crop-Faktor von 1,5 (1,6<br />
bei Canon), und 4/3-Sensoren haben<br />
einen Crop-Faktor von 2. Bei einem<br />
50-Millimeter-Objektiv, das in Verbindung<br />
mit einem 4/3-Sensor benutzt wird, wird<br />
also angegeben, dass es die gleiche<br />
Fokallänge bietet wie ein 100-Millimeter-<br />
Objektiv. Das Bild, das es erzeugt, hat das<br />
gleiche Sichtfeld, wie ein 100-Millimeter-<br />
Objektiv, das in Verbindung mit einem<br />
35-Millimeter-Film bzw. Vollformat-<br />
Sensor verwendet wird. Der springende<br />
Punkt an dieser Vergrößerung der<br />
tatsächlichen Fokallänge ist der, dass<br />
Objektive, die in Verbindung mit kleineren<br />
Sensoren benutzt werden, eine höhere<br />
Telewirkung haben, als wenn sie mit<br />
größeren Sensoren benutzt werden. Ein<br />
100-300-Millimeter-Objektiv auf einer<br />
digitalen Spiegelreflexkamera von Nikon<br />
mit APS-C-Sensor hat also eine<br />
tatsächliche Fokallänge von 150 bis 450<br />
Millimetern. Das ist toll, wenn man ein<br />
entferntes Objekt aufnehmen will, weil<br />
dadurch mehr davon im Rahmen<br />
sichtbar wird. Der Nachteil wird bei<br />
Aufnahmen im Weitwinkel-Format<br />
deutlich: Die Abdeckung ist begrenzt, da<br />
einem nicht länger ein ausreichend<br />
weites Sichtfeld zur Verfügung steht. Dies<br />
sind Crop-Faktoren der<br />
Hauptsensortypen:<br />
Vollformat: 1 x<br />
APS-H: 1.3 x<br />
APS-C: 1,5 x (Nikon, Pentax, Sony)<br />
APS-C: 1,6 x (Canon)<br />
Four-Thirds: 2 x<br />
Nikon CX-format: 2,7 x<br />
Pentax Q: 5,5 x<br />
Reine Digital-Objektive<br />
Die Beliebtheit des APS-C-Sensors hat<br />
dazu geführt, dass diverse Firmen<br />
Objektive herstellen, die nur für digitale<br />
Spiegelreflexkameras mit dieser<br />
Sensorgröße tauglich sind. Diese reinen<br />
Digital-Objektive sind in der Regel<br />
kompakter, als die üblichen Objektive<br />
und können nicht in Verbindung mit<br />
digitalen Spiegelreflexkameras verwendet<br />
werden, die einen Vollformat-Sensor<br />
enthalten, weil sie sonst massive<br />
Vignettierung hervorrufen. Diese reinen<br />
Digital-Objektive tragen bei den großen<br />
Marken die folgenden Bezeichnungen:<br />
Canon EF-S, Nikon DX,<br />
Sigma DC, Tamron Di II
16 <strong>Digitale</strong> Kameras verstehen<br />
Lesen Sie die Anleitungen!<br />
Belichtungsprogramme<br />
Wenn Sie bessere Bilder machen wollen, müssen Sie die Belichtungsprogramme<br />
Ihrer Kamera verstehen, und das ist gar nicht so schwer.<br />
Der Belichtungsmodus, den Sie wählen, spielt eine<br />
der Hauptrollen dabei, wie die Szene von Ihrer<br />
Kamera festgehalten wird. Es ist daher wichtig zu<br />
verstehen, wie jeder einzelne funktioniert und sich<br />
auf das Ergebnis auswirkt. Ihre Kamera bietet eine<br />
breite Auswahl an Optionen, die jedoch in zwei<br />
Hauptkategorien eingeteilt werden können:<br />
grundlegend und kreativ. Die grundlegenden Modi<br />
schließen den vollautomatischen und den<br />
Szenen-Modus mit ein. Die vollautomatischen<br />
Modi ermöglichen nur wenig Kontrolle darüber, wie<br />
die Bilder gemacht werden. Diese Modi richten sich<br />
an Einsteiger in die <strong>Fotografie</strong>, die gerade erst dabei<br />
sind, Grundsätze wie zum Beispiel die Funktion von<br />
Blende und Verschlusszeit, kennen zu lernen.<br />
Die kreativen Modi, die wir auch gerne als die vier<br />
Kernmodi bezeichnen, sind der Programm-Modus,<br />
die Zeitautomatik, die Blendenautomatik und der<br />
manuelle Modus. Sie geben Ihnen kreative<br />
Kontrolle über Ihre <strong>Fotografie</strong>, und da es sich um<br />
die vier Modi handelt, von denen wir denken, dass<br />
Sie sie verstehen sollten, werden wir sie in diesem<br />
Leitfaden einzeln vorstellen. Die vier Modi<br />
funktionieren auf sehr unterschiedliche Art und<br />
Weise: Im Programm-Modus beispielsweise,<br />
kümmert sich die Kamera um Verschlusszeit und<br />
Blende, lässt Ihnen jedoch Spielraum für die<br />
Korrektur von nahezu allen anderen<br />
Kameraeinstellungen. Zeit- und Blendenautomatik<br />
sind halbautomatische Modi: Sie kümmern sich<br />
entweder um Blende oder um Verschlusszeit,<br />
während alles andere automatisch von der Kamera<br />
eingestellt wird. Beim manuellen Modus haben Sie,<br />
wie möglicherweise erwartet, die Kontrolle über<br />
beides. Wenn Sie Erfahrung sammeln, wird sich Ihr<br />
Lieblingsmodus bald herauskristallisieren – bei den<br />
meisten Leuten ist es die Zeitautomatik, es gibt<br />
jedoch auch Situationen, in denen man auch auf<br />
einen der anderen Modi setzen kann. Wenn Sie<br />
unserem Expertenrat folgen, werden Sie in der Lage<br />
sein, jedes Mal denjenigen Modus zu wählen, der<br />
Ihnen dabei hilft, bessere Bilder zu machen.<br />
Wie man Belichtungsprogramme<br />
einstellt<br />
Da der Belichtungsmodus eine primäre Funktion der<br />
Kamera ist, sollte er leicht einzustellen sein. Nahezu<br />
alle Digitalkameras haben am Gehäuse eine<br />
Wähltaste für den Belichtungsmodus, der es erlaubt,<br />
den Modus leicht und schnell einzustellen.<br />
Professionelle Digitalkameras ersetzen diese<br />
Wahltaste in der Regel durch einen Modusknopf, der<br />
in Verbindung mit der Input-Taste benutzt wird.<br />
Einige Systemkameras besitzen eine Modus-Taste,<br />
die – ähnlich wie bei einer Digitalkamera – auf dem<br />
Gehäuse oder an dessen Rückteil sitzt, oder eine<br />
Option auf dem Touchscreen. Viele Kameras -<br />
bsonders die, die an der Budget-Obergrenze liegen<br />
– lassen eine Taste komplett vermissen. Der Zugriff<br />
erfolgt über den Menü-Bildschirm und die<br />
Vier-Wege-Steuerung.<br />
Spiegel<br />
Jede Kamera hat Belichtungsprogramme,<br />
die ein wenig anders arbeiten. Es lohnt<br />
sich daher, einige Minuten zu investieren,<br />
um die Anleitung zu lesen und<br />
festzustellen, wie sie funktionieren.<br />
System<br />
Szenen-Programme (objektbasierte Programme)<br />
Szenen-Modi sind für Einsteiger meist der perfekte Weg,<br />
um brilliante Bilder von verschiedenen Objektarten zu<br />
machen. Es scheint alles sehr einfach: Wenn ein Neuling<br />
seine Geliebte fotografiert, muss er nur den Porträt-<br />
Modus wählen, während ein Wanderer in einer<br />
schneebedeckten Landschaft nur den Landschafts-<br />
Modus einstellt und im Nu eine wunderschöne Szene<br />
aufnimmt. Die Wahrheit spielt jedoch nicht in<br />
Foto-Utopia. Obwohl die Kamera ein scharfes, gut<br />
belichtetes Bild macht, wird es nicht annähernd so gut<br />
sein, als wenn Sie einen kreativen Modus wählen und<br />
die Kameraeinstellungen selbst vornehmen. Letztlich<br />
liefern Szene-Modi hochwertige Schnappschüsse, die<br />
man auch mit einer vernünftigen Kompaktkamera<br />
hinbekommen – Ihre <strong>Digitale</strong> Spiegelreflex- oder<br />
Systemkamera bietet jedoch so viel mehr, benutzen Sie<br />
die Szene-Modi also nur, wenn Sie Bilder von Szenen<br />
machen, bei denen Sie unsicher in Bezug auf das sind,<br />
was zu tun ist.<br />
Jeder Szene-Modus richtet die Kamera auf das Objekt<br />
aus, das Sie fotografieren möchten. Dafür übernimmt er<br />
die Kontrolle über die Schlüsselfunktionen der Kamera.<br />
Es geht dabei nicht nur um die Verschlusszeit und die<br />
Blende – die Einstellung der Entfernung, des Autofokus,<br />
der Überschreitung der Belichtung, des Laufwerk-<br />
Modus, des eingebauten Blitzes und des Weißabgleichs,<br />
genauso wie des ISO-Wertes werden allesamt von der<br />
Kamera übernommen. Aus der Sicht eines Einsteigers ist<br />
das eine Menge potentieller Schwierigkeiten, um deren<br />
Lösung sich die Kamera kümmert, aus der Sicht eines<br />
kreativen Fotografen hingegen ist es ein großer<br />
Kontrollverlust. Unsere Referenztabelle zeigt die<br />
bekanntesten Szene-Modi und die Schlüsselfunktionen,<br />
um die sich die Kamera kümmert, oder deren Kontrolle<br />
sie Ihnen überlässt. Auf die meisten, allerdings nicht alle<br />
Kameras lässt sich diese Tabelle übertragen, für<br />
detailliertere Informationen sollten Sie daher das<br />
Benutzerhandbuch konsultieren. Wie Sie sehen, haben<br />
Sie viel weniger Einfluss auf das Ergebnis, als wenn Sie<br />
den Programm- oder den kreativen Modus verwenden,<br />
weswegen die Kamera niemals den Fotografen wird<br />
ersetzen können – sie weiß einfach nicht, welche Art von<br />
Bild Sie gerade aufnehmen wollen. Die andere<br />
wesentliche Schwachstelle der Szene-Modi ist, dass sie<br />
in Sachen Belichtung immer auf Nummer sicher gehen<br />
– vor allem, indem sie eine Verschlusszeit wählen, die<br />
Kamerabewegungen entgegenwirkt (die Kamera geht<br />
generell davon aus, dass Sie aus der Hand aufnehmen).<br />
Auch werden die Szene-Modi nicht in die Extreme<br />
gehen: Wenn Sie also ein Porträt bei hellem Licht<br />
aufnehmen und sich eine geringe Tiefenschärfe<br />
wünschen, wird die Blende nicht sehr weit geöffnet sein,<br />
sondern vielmehr eine sichere Einstellung von f/5.6<br />
gewählt werden.<br />
Funktionen Vollautomatik Porträt Landschaften Nahaufnahmen Aktion Programm<br />
Grundeinstellung Blende und Verschlusszeit *<br />
ISO-Wert<br />
Weißabgleich<br />
Fokussierung Autofokus für Einzelaufnahme - -<br />
Autofokus für mehrere Aufnahmen - - - -<br />
AI-Fokus - - - -<br />
Autofokus für Messfeldwahl<br />
Belichtung<br />
Mehr-Zonen<br />
Punkt-/teilweise - - - - -<br />
Mittig gewichtet - - - - -<br />
Belichtungskorrektur - - - - -<br />
AEB & AE-Lock - - - - -<br />
Verschluss Einzelaufnahme -<br />
Mehrere Aufnahmen - - - - -<br />
Selbstauslöser<br />
Eingebauter Blitz Automatischer Blitz - -<br />
Manueller Blitz - - - - -<br />
Ohne Blitz - - -<br />
Automatik wählbar - nicht verfügbar * Programmverschiebung
EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
<strong>Digitale</strong> Kameras verstehen 17<br />
Programmautomatik (P)<br />
Stellen Sie Ihre Kamera auf „P“, und sie wird zu einer<br />
vollautomatischen Maschine. Richten Sie sie auf ein<br />
Objekt oder eine Szene, die sie fotografieren wollen, und<br />
die Kamera wird nicht nur das Lichtniveau berechnen,<br />
um die korrekte Belichtung einzustellen, sondern sie<br />
geht sogar soweit, sowohl Blende, als auch<br />
Verschlusszeit so einzustellen, dass Sie diese Belichtung<br />
erhalten.<br />
Ob Sie dies als Vorteil oder Hindernis betrachten, hängt<br />
von der Erfahrung ab, die Sie schon mit einer Kamera<br />
gesammelt haben. Einsteigern gefällt der Programm-<br />
Modus, weil er schnell und einfach ist. Alles, was sie tun<br />
müssen, ist Kamera ausrichten, fokussieren und<br />
aufnehmen. Sie müssen sich nur um ein Minimum<br />
kümmern und haben daher (scheinbar) nur eine geringe<br />
Chance, Fehler zu begehen. Erfahrenere Hände sind aus<br />
eben diesen Gründen weniger begeistert vom<br />
Programm-Modus: Sie fühlen sich zu automatisiert und<br />
ziehen es vor, die Kontrolle über Ihre Kamera zu<br />
behalten, als das Gefühl zu haben, es sei umgekehrt.<br />
Dies kann durch die Wahl eines halbautomatischen oder<br />
manuellen Modus erreicht werden.<br />
Für Schnappschüsse auf Partys oder im Urlaub ist der<br />
Programm-Modus ideal, da er immer wieder für gute<br />
Fotos sorgt. Auch beim Wandern funktioniert er<br />
hervorragend, wenn Sie eine Reihe verschiedener<br />
Objekte aufnehmen wollen, oder wenn Sie zum Beispiel<br />
an Karneval oder bei Festivals schnell reagieren müssen,<br />
und eher an vernünftigen Aufnahmen, als an<br />
Situationen, in denen es am besten<br />
ist, die Vollautomatik zu benutzen<br />
Kunstwerken interessiert sind.<br />
Der Nachteil am Programm-Modus ist, dass die<br />
Kombination von Blende und Verschlusszeit von der<br />
Kamera fast willkürlich gewählt scheint. Wenn Sie also<br />
auf ein Objekt zielen und bereit sind, es aufzunehmen,<br />
werden Sie feststellen, dass die Kamera eine große<br />
Blende und eine kurze Verschlusszeit einstellt, während<br />
Sie lieber eine kleinere Blende für mehr Tiefenschärfe<br />
oder eine längere Verschlusszeit hätten, um<br />
Bewegungen zu verwischen. Die Kamera weiß das<br />
nicht, weil sie Ihre Gedanken nicht lesen kann<br />
(Techniker arbeiten auch daran!). Indem sie Ihnen die<br />
Möglichkeit zur Programmverschiebung bietet (siehe<br />
Kasten auf der rechten Seite), geht sie jedoch zumindest<br />
in diese Richtung.<br />
Sie können auch die Belichtung erhöhen oder<br />
reduzieren, um Fehler zugunsten eines kreativen Effekts<br />
zu korrigieren, indem Sie die<br />
Belichtungskorrektureinrichtung der Kamera verwenden.<br />
Diese macht den Programm-Modus vielseitiger und<br />
kann – in den Händen erfahrener Fotografen – als<br />
schneller und einfacher Allzweck-Modus funktionieren.<br />
Nichtsdestotrotz ist es wohl eher die Wahl von<br />
Einsteigern, die Dinge wie Tiefenschärfe noch nicht<br />
verstehen und lediglich scharfe, gut belichtete Fotos<br />
machen wollen. Sobald sie ein besseres Verständnis<br />
haben, gehen sie in der Regeel zu weniger<br />
automatisierten Belichtungsmodi über, die ihnen mehr<br />
Kontrolle bieten.<br />
Programmverschiebung<br />
Die Programmverschiebung überlässt Ihnen die<br />
Wahl der Kombination von Blende und<br />
Verschlusszeit, indem Sie die Input-Taste auf<br />
Ihre bevorzugte Wahl einstellen. Benutzen Sie<br />
sie, um die Blende auf schnellem Wege größer<br />
oder kleiner zu stellen, während die Kamera die<br />
Verschlusszeit ändert, um eine korrekte<br />
Belichtung aufrecht zu erhalten. Oder wählen<br />
Sie eine kürzere oder längere Verschlusszeit,<br />
und die Blende wird automatisch geändert.<br />
Wenn Sie beispielsweise Landschaften mit<br />
mehr Tiefenschärfe fotografieren wollen,<br />
müssen Sie nur in Richtung einer kleineren<br />
Blende „verschieben“, wohingegen Sie bei<br />
Aufnahmen von Objekten in Aktion in Richtung<br />
einer kürzeren Verschlusszeit „verschieben“.<br />
ALL IMAGES: ISTOCK PHOTO<br />
1) „Informelle“ Aufnahmen drinnen<br />
Wenn Sie zwanglose Bilder von Familie und Freunden<br />
machen möchten, wählen Sie P, lassen Sie den Blitz<br />
aufklappen, wenn nötig, und knipsen Sie. Sie könnten<br />
auch den vollautomatischen Modus benutzen, dies<br />
schließt allerdings normalerweise den Gebrauch des<br />
Blitzes ein, was häufig für weniger gefällige Resultate<br />
sorgt.<br />
2) Aufnahmen mit Aufhellblitz<br />
Der Programm-Modus ist eine gute Wahl, wenn Sie<br />
einen Hauch von Aufhellblitz zu Ihren Porträts im Freien<br />
hinzufügen möchten. Klappen Sie einfach den Blitz auf<br />
(oder benutzen Sie einen Blitz, der auf einen Blitzschuh<br />
montiert ist), und überlassen Sie der Kamera die<br />
Belichtung.<br />
3) Unkomplizierte, allgemeine Fotos<br />
Wenn Sie einfach nur schnell eine Szene festhalten<br />
wollen und keine Zeit dafür haben, die Einstellungen<br />
zu ändern, wählen Sie den Programm-Modus und<br />
machen ein paar Aufnahmen. Wenn Sie Zeit haben,<br />
verwenden Sie die Programmverschiebung, um die<br />
Einstellungen Ihren Wünschen entsprechend<br />
anzupassen. Perfekt für Schnappschüsse!<br />
Vollautomatik & Programmautomatik<br />
Genau so, wie den normale Programm-Modus (P) bieten die<br />
meisten Kameras auch einen weiteren vollautomatischen<br />
Modus, bekannt auch unter der Bezeichnung „Green Square“-,<br />
„Green Auto“- oder „Vollautomatischer“ Modus. Auf den ersten<br />
Blick mag er dem Programm-Modus identisch erscheinen, doch<br />
es gibt Unterschiede. Das Benutzerhandbuch Ihrer Kamera wird<br />
darüber mehr Aufschluss geben. Der Hauptunterschied liegt<br />
jedenfalls darin, dass beim Programm-Modus nur Blende und<br />
Verschlusszeit automatisch von der Kamera eingestellt werden.<br />
Alle anderen Funktionen, wie zum Beispiel Autofokus oder die<br />
Muster der Entfernungsmessung, ist Ihrer Kontrolle überlassen.<br />
Dies gilt auch für den Blitz. Beim Programm-Modus zeigt die<br />
Kamera an, wann der Blitz benötigt wird (indem sie das<br />
Blitzlicht-Symbol aufleuchten lässt), überlässt es jedoch Ihnen,<br />
den eingebauten Blitz aufzuklappen, bevor das Bild gemacht<br />
wird. Beim vollautomatischen Modus betätigt die Kamera selbst<br />
den Blitz, sofern sie dies für notwendig hält. Der vollautmatische<br />
Modus geht davon aus, dass der Benutzer nur minimale<br />
Kenntnisse der <strong>Fotografie</strong> hat, mit anderen Worten: dass es sich<br />
um einen blutigen Anfänger handelt. Viele Kameras sind<br />
heutzutage mit einem intelligenten automatischen Modus (iAuto<br />
oder A+) ausgestattet, der fast genauso wie der<br />
vollautomatische Modus agiert, dem Benutzer jedoch mehr<br />
Kontrolle überlässt.<br />
Programmautomatik und Blitz<br />
Wenn das Lichtniveau zurückgeht, leuchtet das Blitzlicht-<br />
Symbol auf, damit Sie den Blitz aufklappen. Sollten Sie dies<br />
nicht tun, wird die Kamera trotzdem das Bild machen. Wenn<br />
Sie die Kamera in der Hand halten, riskieren Sie jedoch<br />
Kamerabewegungen. Wenn Sie den Blitz aufklappen, stellt die<br />
Kamera die Verschlusszeit synchron zum Blitz ein und lässt die<br />
Blende normalerweise groß, um die Reichweite des Blitzes zu<br />
vergrößern. Die Kamera ist somit nur mit der korrekten<br />
Belichtung des Objekts beschäftigt, so dass der Hintergrund für<br />
gewöhnlich sehr dunkel erscheint. Wenn Sie Details aus dem<br />
Hintergrund erscheinen lassen wollen, müssen Sie einen<br />
anderen Modus verwenden.<br />
Verschlusszeit beim Blitzen<br />
Ihre Kamera wird ihr Bestes geben, um eine gewinnbringende<br />
Kombination aus Blende und Verschlusszeit zu liefern. Bei extrem<br />
hellen oder dunklen Aufnahmeverhältnissen (in der Regel sehr<br />
seltene Situationen) mag das unmöglich erscheinen. Wenn der<br />
Blitz bei sehr hellen Verhältnissen, bei maximaler Blende und<br />
kürzester Verschlusszeit, ausgelöst wird, besteht das Risiko der<br />
Überbelichtung: Verringern Sie daher den ISO-Wert, und wenn das<br />
Problem nach wie vor besteht, benutzen Sie einen Graufilter. In<br />
dunklen Situationen, wenn die längste Verschlusszeit und die<br />
größte Blende aufleuchten, riskiert man Unterbelichtung und sollte<br />
den ISO-Wert erhöhen.
18 <strong>Digitale</strong> Kameras verstehen EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
Blendenautomatik (A oder Av)<br />
Wie der Name impliziert, wird Priorität auf die Wahl<br />
der Blende gelegt, wenn Sie diesen<br />
Belichtungsmodus einstellen. Sie entscheiden,<br />
welche Blende (f/Zahl) Sie einstellen, und sobald Sie<br />
dies getan haben (indem Sie den Input-Knopf<br />
beziehungsweise entsprechende Tasten bemühen),<br />
stellt die Kamera sofort die passende Verschlusszeit<br />
ein. Sie erhalten eine korrekte Belichtung, die auf<br />
dem gelesenen Lichtwert der Belichtungsmessung<br />
basiert. Die Einstellungen von Blende und<br />
Verschlusszeit werden im Sucher der Kamera, auf<br />
deren oberem LCD-Display, und/oder dem<br />
LCD-Display am Rückteil des Gehäuses<br />
wiedergegeben, so dass Sie beide nicht übersehen<br />
können, obwohl Sie selbst nur die Blende gewählt<br />
haben. Blendenautomatik ist die ideale Belichtung,<br />
wenn Sie die Tiefenschärfe kontrollieren wollen (wie<br />
viel von der Szene scharf fokussiert ist). Wenn Sie<br />
Landschaften und Architektur fotografieren, wo<br />
Schärfe von vorne nach hinten verlangt wird, stellen<br />
Sie lediglich eine kleine Blende ein, f/11, f/16, oder<br />
f/22 zum Beispiel. Wenn Sie hingegen die<br />
Tiefenschärfe reduzieren wollen, so dass nur ein<br />
flacher Bereich scharf fokussiert wird – bei<br />
Porträtaufnahmen beispielsweise – stellen Sie eine<br />
große Blende ein (kleine Zahl), wie zum Beispiel f/4<br />
oder f/2.8. Da die Kamera auf jede Änderung an der<br />
Blende sofort mit einer Korrektur der Verschlusszeit<br />
reagiert, so dass die richtige Belichtung aufrecht<br />
erhalten wird, können Sie schnell arbeiten – in einer<br />
Minute mit kleiner Blende (und längerer<br />
Verschlusszeit), in der nächsten mit einer größeren<br />
Blende (und kürzerer Verschlusszeit). Dies macht die<br />
Blendenautomatik zum besten Belichtungsmodus für<br />
allgemeine Situationen und macht ihn zum meist<br />
verwendeten Modus unter erfahrenen Fotografen.<br />
Aufnahmesituationen für die Blendenautomatik<br />
1) Landschaften:<br />
Maximieren Sie die Tiefenschärfe<br />
Indem Sie die Blende wechseln, haben Sie die<br />
Tiefenschärfe, und damit den Umstand, wie viel von Ihrer<br />
Szene scharf erscheint, unter Kontrolle. Die meisten<br />
Landschaftsfotografen benutzen die Blendenautomatik<br />
genau aus diesem Grund.<br />
2) Porträts:<br />
Hintergrund unscharf<br />
Die meisten Porträts sollen das Objekt vom Hintergrund<br />
abheben, so als ob es den Blick des Betrachters auffängt.<br />
Nichts ist dafür besser geeignet, als die Augen zu<br />
fokussieren und eine kleine Blende zu wählen.<br />
3) Makrofotografie<br />
Wenn Sie auf sehr kurze Entfernungen arbeiten, ist die<br />
Tiefenschärfe minimal. Kritisches Fokussieren und die<br />
Fähigkeit, die passende Blende zu verwenden, sind daher<br />
für scharfe Resultate essentiell.<br />
4) Die optimale Schärfe Ihres Objektivs<br />
Jedes Objektiv hat eine Blende, die die schärfsten<br />
Resultate liefert – normalerweise liegt diese zwischen f/8<br />
und f/13. Wenn ultimative Schärfe also Ihr Ziel ist, stellen<br />
Sie auf Blendenautomatik und fotografieren mit diesen<br />
Einstellungen.<br />
Blendenkontrolle<br />
Da die Tiefenschärfe ein so wichtiger<br />
Bestandteil eines erfolgreichen<br />
Bildes ist, verwundert es nicht, dass<br />
Blendenautomatik die am<br />
häufigsten getroffene Moduswahl<br />
ist.<br />
Blendenautomatik<br />
und lange<br />
Verschlusszeiten<br />
Wenn Sie die Blendenautomatik<br />
verwenden, ist es vor allem wichtig,<br />
daran zu denken, dass die von der<br />
Kamera eingestellte Verschlusszeit<br />
länger und länger wird, je kleiner die<br />
von Ihnen gewählte Blende ist. Das<br />
Risiko auf Kamerabewegungen steigt<br />
also an. Dies kann im Eifer der<br />
Aufnahmen, vor allem bei schwachen<br />
Lichtverhältnissen, oder beim<br />
Gebrauch eines Polarisationsfilters,<br />
der das Licht um zwei Stufen<br />
schwächt, leicht vergessen werden,<br />
wenn man gerade größten Wert auf<br />
Blende und Tiefenschärfe legt.<br />
Darüberhinaus ist es ebenfalls<br />
wichtig, ein Auge auf die von der<br />
Kamera eingestellte Verschlusszeit zu<br />
werfen, damit die Aufnahmen nicht in<br />
unscharfen Bildern enden. Sobald die<br />
Verschlusszeit unter ein bestimmtes<br />
Niveau sinkt, auf dem Sie die Kamera<br />
sicher halten können, haben Sie drei<br />
Optionen:<br />
1) Stellen Sie eine größere Blende ein,<br />
so dass die Verschlusszeit steigt.<br />
Wenn die Verschlusszeit bei f/11 also<br />
1/15 Sekunde beträgt, so liegt sie bei<br />
f/8 bei 1/30 Sekunde, bei f/5.6 bei<br />
1/60 Sekunde, und bei f/4 bei 1/125<br />
Sekunde. Diese Option wird es nicht<br />
geben, wenn Sie auf eine kleine<br />
Blende angewiesen sind und viel<br />
Tiefenschärfe benötigen, doch stellen<br />
Fotografen Ihre Blende oft viel zu klein<br />
ein. Sie können getrost eine größere<br />
Blende benutzen, ohne die<br />
Tiefenschärfe zu verraten.<br />
2) Wenn Sie die Tiefenschärfe<br />
zugunsten einer größeren Blende<br />
opfern können, um die Verschlusszeit<br />
zu steigern, montieren Sie die Kamera<br />
auf ein Stativ oder irgendeine andere<br />
Stütze, so dass sie sich nicht bewegt.<br />
Dadurch ist eine lange Verschlusszeit<br />
nicht mehr von Belang. Für statische<br />
Objekte wie beispielsweise<br />
Landschaften, Architektur, oder<br />
Stillleben ist dies die beste Option.<br />
3) Die letzte Möglichkeit ist eine<br />
Erhöhung des ISO-Wertes, so dass<br />
eine kürzere Verschlusszeit verwendet<br />
werden kann. Wenn Sie zum Beispiel<br />
bei ISO 100 und 1/30 Sekunde bei<br />
f/16 aufnehmen und den ISO-Wert<br />
auf 200 stellen, erlaubt Ihnen dies,<br />
eine Verschlusszeit von 1/60 Sekunde<br />
bei f/11 zu verwenden, wenn Sie ihn<br />
auf 400 stellen, liegt die<br />
Verschlusszeit bei 1/125 Sekunde<br />
und die Blende bei f/11 und so weiter.<br />
Wenn Sie am Ball bleiben, können Sie<br />
die oben genannten Optionen sogar<br />
kombinieren. Mit einer höheren Stufe<br />
lässt sich die gewählte Blende<br />
aufrecht erhalten und quasi ohne<br />
Einbußen bei der Bildqualität eine<br />
kürzere Verschlusszeit einstellen.<br />
Wenn das nicht hilft, können Sie auch<br />
die Blende eine Stufe größer stellen,<br />
ohne viel Tiefenschärfe zu verlieren.
EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
<strong>Digitale</strong> Kameras verstehen 19<br />
Tiefenschärfe<br />
Dieser Modus wird in der Regel dann benutzt,<br />
wenn man die Tiefenschärfe unter Kontrolle<br />
haben möchte. Denken Sie daran, je größer<br />
die Blende (zum Beispiel f/2.8), desto geringer<br />
ist die Teifenschärfe, und umgekehrt.<br />
FOTOS: LEE FROST<br />
Blendenautomatik<br />
und Blitz<br />
Wie die Blendenautomatik in<br />
Kombination mit dem Blitz<br />
funktioniert, hängt von Ihrem<br />
Kamerahersteller und -modell ab. Bei<br />
den meisten Canon- und Pentax-<br />
Modellen beispielsweise wählt die<br />
Kamera eine Verschlusszeit, um den<br />
Hintergrund korrekt zu belichten,<br />
sobald Sie die Blende eingestellt<br />
haben. Bei schwachem Licht muss<br />
die Kamera daher auf ein Stativ montiert werden, um<br />
Kamerabewegungen zu vermeiden. In der Tat wendet die Kamera<br />
automatisch den Langzeitsynchronisationsblitz an. Bei Nikon, Sony<br />
und Olympus ist die Verschlusszeit limitiert, um Verwacklungen<br />
vorzubeugen, obwohl der Langzeitsynchronisationsblitz eingestellt<br />
ist. Schauen Sie in Ihr Benutzerhandbuch, um zu verstehen, wie die<br />
Blendenautomatik in Kombination mit dem Blitz funktioniert und<br />
experimentieren Sie mit verschiedenen Ergebnissen.<br />
ISTOCK PHOTO<br />
Verschlusszeitwarnung<br />
Wenn Sie die Blende auswählen, erreichen Sie irgendwann den<br />
Punkt, an dem die Verschlusszeitwarnung aufblinkt. Dies bedeutet,<br />
dass die Kamera nicht mehr in der Lage ist, eine entsprechende<br />
Verschlusszeit zu bieten, was zu schlechter Belichtung führen wird.<br />
Vielleicht deshalb, weil Sie bei sehr hellem Licht aufnehmen und sich<br />
zu schnell für eine Blende entschieden haben, oder weil Sie bei zu<br />
schwachem Licht eine zu kleine Blende eingestellt haben. Im ersten<br />
Fall sollten Sie den ISO-Wert verringern und den Gebrauch eines<br />
Graufilters in Betracht ziehen. Im zweiten Fall erhöhen Sie den<br />
ISO-Wert. Sollte dies das Problem nicht lösen, werden Sie die<br />
Blendeneinstellung wechseln müssen, bis die Verschlusszeit aufhört<br />
zu blinken.<br />
Belichtungskorrektur und Blendenautomatik<br />
Wenn Sie die Belichtungskorrektur in Kombination mit der Blendenautomatik anwenden,<br />
wird die Verschlusszeit korrigiert, um die Belichtung zu ändern, während die von Ihnen<br />
priorisierte Blende gleich bleibt. Wenn Sie beispielsweise mit 1/250 Sekunde bei f/4<br />
aufnehmen und +1EV (eine Stufe) bei der Belichtungskorrektur einstellen, ändert die Kamera<br />
die Verschlusszeit auf 1/125 Sekunde, während die Blende unverändert bei f/4 bleibt.
20 <strong>Digitale</strong> Kameras verstehen EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
Zeitautomatik (S oder Tv)<br />
Das ist der zweite halbautomatische<br />
Belichtungsmodus mit dem alle digitalen<br />
Spiegelreflex- und Kompaktkameras ausgestattet<br />
sind. Wie der Name schon sagt, hat in dieser<br />
Betriebsart die Verschlusszeit Priorität. Bei der<br />
Zeitautomatik wird die Verschlusszeit gewählt, und<br />
die Kamera passt die Blende automatisch an, um<br />
eine richtige Belichtung zu garantieren. Die<br />
Zeitautomatik funktioniert also umgekehrt wie die<br />
Blendenautomatik.<br />
Die Zeitautomatik wird vor allem bei beweglichen<br />
Motiven eingesetzt, die eine sorgfältige Wahl der<br />
Verschlusszeit erfordern. Vor allem bei Sport- und<br />
Actionaufnahmen muss die Verschlusszeit<br />
entsprechend angepasst werden, um die Bewegung<br />
des Motivs einzufrieren. Je schneller die Bewegung<br />
des Motivs, desto kürzer die Verschlusszeit und<br />
umgekehrt. Klingt logisch, nicht wahr?<br />
Naturfotografen benutzen oft die Zeitautomatik,<br />
wenn sie fliegende Vögel oder andere sich<br />
bewegende Tiere aufnehmen. Auch Fotos von sich<br />
bewegenden Motiven des täglichen Lebens, wie im<br />
Park herum rennende Kinder oder ein Hund, der sich<br />
schüttelt, nachdem er aus dem Wasser gestiegen ist,<br />
können von der Zeitautomatik profitieren.<br />
Die Zeitautomatik wird aber nicht nur zum Einfrieren<br />
von Bewegungen eingesetzt, manchmal wird dieser<br />
Modus auch als kreatives Instrument zur Schaffung<br />
von verschwommenen Bildbereichen verwendet. Bei<br />
Sport- und Actionmotiven kann die Kamera bei einer<br />
langen Verschlusszeit und beweglichen Motiven<br />
mitgeschwenkt werden. Dadurch wird das Motiv<br />
relativ scharf und der Hintergrund verschwommen.<br />
Man kann die Kamera auch einfach stillhalten, so<br />
dass die sich bewegenden Motive als farbige Streifen<br />
festgehalten werden. Strömendes Wasser in Flüssen,<br />
Wasserfällen oder dem Meer wird ebenfalls oft mit<br />
einer langsamen Verschlusszeit aufgenommen und<br />
gibt diesem eine verschwommene aber reizvolle<br />
Wirkung. In beiden Fällen existiert normalerweise<br />
eine festgelegte, optimale Verschlusszeit, um mit der<br />
Zeitautomatik die besten Resultate zu erzielen.<br />
Die Verschlusszeit kann aber auch in der<br />
Blendenautomatik eingestellt werden, indem die<br />
Blende angepasst wird, bis die Kamera die<br />
Verschlusszeit festlegt oder indem man im<br />
Programmmodus die Blende-Verschlusszeit-<br />
Kombination ändert. Der Vorteil der Zeitautomatik<br />
liegt darin, dass eine einmal eingestellte<br />
Verschlusszeit sich nicht mehr durch wechselnde<br />
Lichtverhältnisse oder eine veränderte<br />
Kameraposition beeinflussen lässt. Wird die<br />
Belichtung in der Zeitautomatik angepasst, ändert<br />
sich der Blendenwert und die Verschlusszeit bleibt<br />
konstant - umgekehrt wie bei der Blendenautomatik.<br />
Wenn man die Belichtungskorrektur der Kamera zur<br />
Steigerung oder Reduktion der Belichtung mit der<br />
Zeitautomatik einsetzt, wird der Blendenwert erhöht<br />
oder reduziert.<br />
Erlauben es die vorherrschenden<br />
Beleuchtungsverhältnisse auch mit der weitesten<br />
Öffnung des Objektivs nicht, eine genügend schnelle<br />
Verschlusszeit einzustellen, kann die ISO-<br />
Empfindlichkeit erhöht werden. Liegt die<br />
schnellstmögliche Verschlusszeit zum Beispiel bei<br />
einem ISO-Wert 100 bei 1/125 Sekunden, wird sie<br />
bei ISO 200 auf 1/250 Sekunde verkürzt, bei ISO<br />
400 auf 1/500 Sekunde und so weiter. Es handelt<br />
sich also um eine zusätzliche Steuermöglichkeit der<br />
Verschlusszeit.<br />
Wird auf der anderen Seite bei guten<br />
Lichtverhältnissen für verschwommene Bewegungen<br />
eine lange Verschlusszeit benötigt, reicht manchmal<br />
die längste Verschlusszeit nicht aus. Auch in diesem<br />
Fall kann eine ISO-Reduktion weiterhelfen. Es gibt<br />
Kameras mit einer besonderen Einstellung für eine<br />
niedrige ISO-Einstellung, die Hälfte der Standard<br />
ISO-Werte. Wählt man diese Einstellung, wird die<br />
Die Reziprokregel<br />
vermeidet Verwackeln<br />
Es gibt eine einfache Regel, um<br />
herauszufinden, ob die Aufnahmen das<br />
Risiko eingehen, verwackelt zu werden. Die<br />
Verschlusszeit muss dazu umgekehrt<br />
proportional zur Brennweite eingestellt<br />
werden. Beim Einsatz einer 200-Millimeter-<br />
Brennweite sollte eine Verschlusszeit von<br />
mindestens 1/200 Sekunde eingestellt<br />
werden, bei einer 300-Millimeter-Brennweite<br />
mindestens 1/300 etc. Objektive mit<br />
Bildstabilisation erlauben leicht längere<br />
Verschlusszeiten, aber die Reziprokregel<br />
bleibt ein guter Orientierungspunkt.<br />
langsamste Verschlusszeit verdoppelt, von 1/15<br />
Sekunde auf 1/8 Sekunde zum Beispiel. Reicht diese<br />
Methode nicht aus, sollte auf Filter zurückgegriffen<br />
werden. Ein Polarisationsfilter auf dem Objektiv<br />
reduziert die Beleuchtung um zwei Lichtwertstufen.<br />
Aus einer 1/4 Sekunde wird eine Sekunde. Auch ein<br />
Graufilter verlängert die Belichtungszeit. Ein<br />
0,6-Graufilter hat dieselbe Wirkung wie ein<br />
Polarisationsfilter. Ein 0,9-Graufilter braucht eine<br />
Erhöhung um drei Lichtwertstufen und ein<br />
1,2-Graufilter eine Erhöhung um vier Lichtwertstufen.<br />
Für gewöhnliche Aufnahmen werden keine Filter<br />
benötigt, um die Verschlusszeit zu verlangsamen.<br />
Sobald man aber experimentiert, sind diese nützlich<br />
und erlauben den Einsatz der gesamten Auswahl an<br />
Verschlusszeiten.<br />
Aufnahmesituationen die Zeitautomatik<br />
LEE FROST<br />
RICHARD PELHAM<br />
1) Sport und Wildlife:<br />
Bewegungen einfrieren.<br />
Bei sich schnell bewegenden Motiven bei denen die<br />
Bewegung eingefroren werden soll, kommt eine kurze<br />
Verschlusszeit zum Einsatz. Im Fall der Zeitautomatik<br />
kann die exakte Verschlusszeit gewählt werden.<br />
HELEN DIXON<br />
2) Bewegliche Motive:<br />
Betonte Bewegungen<br />
Will man beim Aufnehmen von beweglichen Motiven<br />
kreativer werden, kann eine lange Verschlusszeit zum<br />
Verwischen der Bewegung verwendet werden. Diese<br />
Betriebsart ist ebenfalls ideal zum Mitschwenken.<br />
LEE FROST<br />
Vorsicht wenn die<br />
Blendenwarnung aufleuchtet!<br />
Wenn die Verschlusszeit gewählt wird, kann die<br />
Blendenwarnung anfangen zu blinken. Das bedeutet,<br />
dass die Kamera für die gewählte Verschlusszeit über<br />
keinen einstellbaren Blendenwert verfügt und die<br />
Aufnahme daher falsch belichtet werden kann. Das<br />
liegt daran, dass die gewählte Verschlusszeit unter den<br />
geltenden Lichtverhältnissen zu lang oder zu kurz<br />
gewählt wurde. Ist dies der Fall, sollte die ISO-<br />
Einstellung geändert werden, bis die Blendenwarnung<br />
aufhört zu blinken. Bei sehr hellen Lichtverhältnissen<br />
wird der Einsatz eines Graufilters empfohlen.<br />
Belichtungskorrektur<br />
und Zeitautomatik<br />
Wird die Belichtungskorrektur mit der Zeitautomatik<br />
eingesetzt, wird die Blende bei gleichbleibender<br />
Verschlusszeit angepasst. Wird bei einer Belichtung<br />
von 1/250 Sekunden mit Blende f/5.6 ein positiver<br />
Belichtungswert eingestellt, wechselt die Einstellung<br />
auf 1/250 Sekunden mit Blende f/4.<br />
3) Der Zoomeffekt<br />
Diese kreative Fototechnik besteht aus dem Zoomen<br />
mit einer relativ kurzen Verschlusszeit. Durch die<br />
Zeitautomatik kann die optimale Verschlusszeit für den<br />
entsprechenden Zoom bestimmt werden.<br />
4) Landschaften: verwischtes Wasser<br />
Die Verschlusszeit hat einen dramatischen Effekt darauf,<br />
wie Wasserbewegungen aufgenommen werden. Bei der<br />
Zeitautomatik kann dabei entweder eine kurze<br />
Verschlusszeit verwendet werden, um die Bewegung<br />
festzufrieren oder eine sehr langsame Verschlusszeit, um<br />
die Bewegung zu verwischen.<br />
Zeitautomatik mit Blitz<br />
Bei allen Kameras funktioniert die Belichtung mit Blitz in<br />
Verbindung mit der Zeitautomatik auf die gleiche Art.<br />
Man wählt die Verschlusszeit, die man braucht, und die<br />
Kamera wählt automatisch die entsprechende Blende.<br />
Dadurch wird das Motiv unter den herrschenden<br />
Lichtverhältnissen korrekt belichtet.
EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
<strong>Digitale</strong> Kameras verstehen 21<br />
MIGUEL LASSA<br />
Sich bewegende<br />
Motive festhalten<br />
Mit Hilfe der Zeitautomatik kann gesteuert<br />
werden, wie sich bewegende Motive im<br />
Bildausschnitt dargestellt werden.
22 <strong>Digitale</strong> Kameras verstehen EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
Manuelle Einstellung der Belichtung (M)<br />
Dieser Belichtungsmodus überlässt die Verschlussund<br />
Blendeneinstellung dem Benutzer. Es gibt<br />
Kameraeinstellungen, die Blendenwert,<br />
Verschlusszeit oder beide automatisch festlegen. Im<br />
manuellen Modus jedoch müssen beide selbst<br />
eingestellt werden. Eine Anzeige im Sucher, dem<br />
LCD-Monitor oder dem Bildschirm leuchtet auf, wenn<br />
durch die gewählte Kombination eine richtige<br />
Belichtung erreicht wird. Falls keine korrekte<br />
Belichtung möglich ist, wird der abweichende Wert<br />
angezeigt. Daher ist dieser Modus der langsamste von<br />
allen und wird am wenigsten benutzt.<br />
Es gibt allerdings auch Fotografen, die auf den<br />
manuellen Belichtungsmodus schwören, da dieser<br />
angeblich das Messsystem der Kamera besser zum<br />
Einsatz bringen soll. Dieses Argument stimmt<br />
allerdings nicht. Man kann die Form, wie die Kamera<br />
das Licht misst, nur dadurch verändern, indem man<br />
ein anderes Messverfahren wählt. Die meisten<br />
Benutzer bevorzugen eine Mehrfeldmessung wie<br />
Evaluative von Canon oder Matrix von Nikon. Der<br />
Modus hat also keinen Einfluss auf die Lichtmessung.<br />
Es sieht also fast so aus, als ob es keine großen<br />
Argumente gibt, die für den Einsatz des manuellen<br />
Modus sprechen.<br />
Hat der manuelle Modus in dieser modernen,<br />
automatisierten und digitalen Fotowelt noch einen<br />
Platz? Auf jeden Fall. Nimmt man zum Beispiel<br />
Aufnahmen mit einem Studioblitzsystem auf, braucht<br />
man den manuellen Modus, um gemeinsam mit der<br />
Blitzsynchronisation den korrekten Blendwert<br />
einzustellen. Beim Einsatz eines Studioblitzsystems<br />
im Blendenprioritätsmodus kann der Blendwert<br />
immer noch gewählt werden, die Kamera stellt aber<br />
automatisch die richtige Verschlusszeit ein, um bei<br />
Tageslichtverhältnissen ohne Blitz aufzunehmen.<br />
Bei schwachen Lichtverhältnissen mit langen<br />
Belichtungszeiten braucht man die Bulb (B)<br />
Aufnahmesituationen für den manuellen Modus<br />
Einstellung der Kamera, um Aufnahmen von<br />
Verkehrslichtern, Feuerwerk, Sternen und anderen<br />
sich in der Nacht bewegenden Lichtern festzuhalten.<br />
Dabei dient in einigen Fällen der manuelle<br />
Belichtungsmodus zum Wählen der Bulb-Einstellung.<br />
Bei manchen Spiegelreflexkameras ist die<br />
Bulb-Einstellung eine eigene Funktion, bei anderen<br />
einfach die längste Verschlusszeit im manuellen<br />
Belichtungsmodus.<br />
Ein weiterer Vorteil des manuellen<br />
Belichtungsmodus besteht darin, dass sich diese<br />
Einstellung nicht ändern, auch wenn sich die<br />
Lichtverhältnisse ändern. Nimmt man unter<br />
schwierigen und veränderlichen Lichtverhältnissen<br />
auf, braucht aber eine festgelegte Belichtung, ist dies<br />
im manuellen Modus einfacher wie mit der<br />
Belichtungskorrektur oder einer<br />
Belichtungsspeicherung in einem anderen<br />
Belichtungsmodus.<br />
Bei wechselnden Lichtverhältnissen sollte die<br />
Belichtung angepasst werden. Wenn man dies im<br />
manuellen Modus vergisst, können die Aufnahmen<br />
unterbelichtet werden. Das kann bei anderen<br />
Belichtungsmodi nicht passieren, da diese entweder<br />
die Blendenzahl, die Verschlusszeit oder beide<br />
automatisch durch die Kamera eingestellt werden.<br />
Falls die Lichtverhältnisse wechseln, wird dabei die<br />
Belichtung automatisch angepasst.<br />
Es gibt Fotografen, die ziehen den manuellen<br />
Modus vor, da sie dadurch ein Gefühl größerer<br />
Kontrolle über die Aufnahmeverhältnisse<br />
bekommen. Wenn man allerdings erst vor einigen<br />
Jahren begonnen hat, sich richtig für die <strong>Fotografie</strong><br />
zu interessieren, klingt das vielleicht seltsam.<br />
Fotografen, die schon seit Jahrzehnten nur mit<br />
manuellen Kameras aufgenommen haben, fühlen<br />
sich damit allerdings besser vertraut.<br />
Mit erfahrenen Händen kann der manuelle Modus<br />
Blende und Verschlusszeit<br />
manuell einstellen<br />
Jede Kamera funktioniert anders. Bei der<br />
Mehrheit der Modelle wird zu diesem Zweck im<br />
manuellen Modus das Wählrad zum Einstellen<br />
der Verschlusszeit eingesetzt. Um den<br />
Blendenwert zu ändern, wird die<br />
Belichtungskompensationstaste nach unten<br />
gedrückt und der Blendenwert über das Wählrad<br />
angepasst. Bei manchen Kompaktkameras ist<br />
dieser Vorgang etwas komplizierter. Dort wird die<br />
Blendenzahl und die Verschlusszeit über den<br />
Vierwegschalter und -ring eingestellt.<br />
Spiegel<br />
System<br />
ebenso schnell und verlässlich wie andere Modi<br />
bedient werden, da sowohl die Blende als auch die<br />
Verschlusszeit genau abgestimmt werden können.<br />
Muss die Belichtung korrigiert werden, kann dies<br />
durch Anpassen der Blende, der Verschlusszeit oder<br />
beiden zusammen passieren, und man muss nicht<br />
auf die interne Belichtungskorrektur-Funktion der<br />
Kamera zurückgreifen.<br />
Hier gilt wie so oft: Jeder nach seinem Geschmack.<br />
Der manuelle Modus ist langsamer und etwas<br />
komplizierter als andere Modi, es gibt aber<br />
Fotografen die das bevorzugen.<br />
1) Aufnahmen mit<br />
Studioblitzsystemen<br />
Bei Studioblitzsystemen wird der manuelle Modus<br />
eingesetzt. Die Verschlusszeit muss dabei gleich lang<br />
oder kürzer als die Blitzsynchronisation eingestellt<br />
werden. Die Belichtung ist abhängig von der Blende.<br />
3) Bulb-Belichtung (B)<br />
Bei den meisten Kameras muss die Bulb-Einstellung<br />
im manuellen Modus gewählt werden. Diese Funktion<br />
ermöglicht beliebig lange Belichtungszeiten.<br />
2) Nachtfotografie<br />
Bei Nachtaufnahmen können alle halbautomatischen<br />
Modi eingesetzt werden. Im manuellen Modus kann<br />
allerdings die Belichtung am schnellsten an die<br />
Aufnahmebedingungen und persönliche Bedürfnisse<br />
angepasst werden.<br />
4) Serienbilder<br />
Fotografen mit wenig Erfahrung mit Belichtungsreihen<br />
benutzen oft den Blendenprioritätsmodus mit einer<br />
Belichtungskorrektur. Wenn aber im manuellen Modus<br />
Blende und Verschlusszeit angepasst werden, geht es<br />
schneller.<br />
Einsatz der Belichtungsskala<br />
Die richtige Belichtung im manuellen Modus zu<br />
erreichen, ist leichter, als viele Einsteiger denken.<br />
Werden die Blenden- und Kameraeinstellungen<br />
verändert, braucht man eine Belichtungsskala als<br />
Orientierung, um festzustellen, ob das<br />
Belichtungsresultat einer Aufnahme zu Über- oder<br />
Unterbelichtung führt. In diesen Fällen die Blende und/<br />
oder Verschlusszeit anpassen bis der Belichtungswert<br />
auf 0 steht. Dies bedeutet eine richtige Belichtung. Im<br />
manuellen Modus gibt es keine Belichtungskorrektur,<br />
die Belichtung der Aufnahme kann aber über das<br />
Wählrad angepasst werden.<br />
Manueller Modus mit Blitz<br />
Viele Hobby-Fotografen glauben, dass der Blitz auch<br />
manuell einstellbar ist, wenn man die Kamera im<br />
manuellen Modus einsetzt. Das ist aber nicht der Fall.<br />
Im manuellen Modus kann die Blende und die<br />
Verschlusszeit zur Belichtung des Hintergrundes<br />
eingestellt werden, der Blitz ist dabei aber auf das<br />
Motiv gerichtet. Auch wenn die Kamera im manuellen<br />
Modus funktioniert, setzt der Blitz ein Messsystem<br />
durch das Objektiv ein, um die richtige Blitzbelichtung<br />
festzulegen. Bei ausgeklügelteren, externen<br />
Blitzgeräten erscheint eine Distanzskala auf dem<br />
Monitor. Dort wird angezeigt, welchen Bildbereich der<br />
Blitz abdecken kann.
EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
<strong>Digitale</strong> Kameras verstehen 23<br />
Die Einstellung selbst<br />
vornehmen?<br />
Erfahrene Fotografen benutzen den<br />
manuellen Modus bei Aufnahmen<br />
unter schwierigen Lichtverhältnissen,<br />
da es die schnellste Art der<br />
EInstellung ist, beispielsweise bei<br />
Motiven mit Gegenlicht.<br />
FOTOS: LEE FROST
24 <strong>Digitale</strong> Kameras verstehen EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
Autofokus:<br />
Grundlagen<br />
Ihre Kamera bietet verschiedene Autofokus-Optionen,<br />
damit Sie scharfe Fotos bekommen. Sie sollten sie kennen.<br />
DIE TECHNOLOGIE, die schon in digitalen Spiegelreflexkameras<br />
auf Einsteigerniveau steckt, ist heutzutage, ehrlich gesagt, schon<br />
phänomenal: all diese Computer-Zauberei, die Information<br />
innerhalb von Millisekunden bereitstellt, um uns auf Knopfdruck<br />
hochwertige Bilder zu liefern. Das Problem ist, dass die Kameras<br />
heutzutage so gut sind, dass wir dazu neigen, uns zu sehr auf sie<br />
zu verlassen, jedes Mal ein perfektes Foto erwarte. Und wenn wir<br />
nicht bekommen, was wir wollen, geben wir der Kamera die<br />
Schuld!<br />
Dies gilt vor allem für den Fokus. Drehen Sie die Uhr um 25<br />
Jahre zurück und das Fokussieren war eine manuelle<br />
Angelegenheit. Ein paar von Ihnen werden sich an die<br />
glücklichen Tage erinnern, die man damit zubrachte, mit<br />
Daumen und Zeigefinger herumzuspielen, im Versuch, zwei<br />
Bilder in der Mitte des Fokussierungsdisplays<br />
übereinanderzulegen, so dass ein scharfer Fokus entstand. Die<br />
meisten jedoch werden sich vor allem daran erinnern, mit der<br />
Kamera beim Fokussieren auf das gewünschte Objekt zu zielen,<br />
den Auslöser zu drücken und anzunehmen, ein scharf<br />
fokussiertes Bild würde dabei herauskommen.<br />
In den häufigsten Fällen ist das auch so, besonders wenn man<br />
statische Objekte fotografiert, die die Komposition dominieren. In<br />
einigen Situationen jedoch werden Sie die Kontrolle übernehmen<br />
wollen – entweder indem Sie die Einstellungen auswählen, um<br />
sie an bestmmte Objekte und Gegebenheiten anzupassen, oder<br />
indem Sie die Kontrolle komplett übernehmen und manuell<br />
fokussieren. Wir werden kurz ein Auge auf dieses Szenario<br />
werfen, zuvor jedoch gibt es eine schnelle Zusammenfassung<br />
AF-Sensoren<br />
Es gibt zwei Arten von AF-<br />
Sensoren, die in Digitalkameras<br />
zum Einsatz kommen – über<br />
Kreuz oder linear. Digitalkameras<br />
haben ein Mischung aus beiden:<br />
Die Sensoren, die über Kreuz<br />
liegen versammeln sich eher in der<br />
Mitte des Suchers und die linearen<br />
liegen eher an den Rändern.<br />
Über Kreuz liegende Sensoren<br />
bestehen aus zwei linearen<br />
Sensoren, die sich im 90 Grad-Winkel kreuzen, daher der Name.<br />
Sie sind genauer als lineare Sensoren, da sie sowohl vertikale als<br />
auch horizontale Lichtmuster aufspüren können, wohingegen<br />
lineare Sensoren nur in einer Dimension funktionieren. Über Kreuz<br />
liegende Sensoren sind daher effektiver. In Digitalkameras aus<br />
dem oberen Preissegment, die viele dieser über Kreuz liegenden<br />
Sensoren haben, funktionieren einige von ihnen nur dann als über<br />
Kreuz liegend, wenn sie in Verbindung mit „schnellen“ Objektiven<br />
arbeiten, die eine maximale Blende von f/2.8 oder weiter haben,<br />
wenn Sie also Zooms mit einer maximalen Blende von f/4 oder<br />
f/5.6 verwenden, werden einige der über Kreuz liegenden Sensoren<br />
nur als lineare Sensoren arbeiten.<br />
dazu, wie der Autofokus genau funktioniert, so dass Sie<br />
hoffentlich ein besseres Verständnis dafür bekommen, warum<br />
die Kamera nicht immer das macht, was Sie gern hätten!<br />
Wenn Licht auf die Kamera und durch das Objektiv fällt, prallt<br />
grundsätzlich das meiste davon vom Reflexspiegel ab und trifft<br />
auf den Sucher, so dass Sie ein Bild sehen können. Ein bisschen<br />
allerdings wird auch auf einen Sub-Spiegel reflektiert, der<br />
wiederum dieses Licht dann auf den AF-Sensor wirft. Oben auf<br />
dem AF-Sensor befinden sich verschiedene Optiken, die das<br />
Licht in zwei Strahlen teilen. Der Sensor untersucht diese beiden<br />
Strahlen, um festzustellen, wie weit sich das Bild außerhalb des<br />
Fokus befindet und ob der Fokus vor oder hinter der Brennebene<br />
ist und passt dies entsprechend an. Dies geschieht so schnell,<br />
dass die Kamera den Fokus kontinuierlich ausrichtet, während<br />
Sie ein sich bewegendes Objekt verfolgen, was erfolgreiche<br />
<strong>Fotografie</strong> von solchen Bildern einfacher macht, als je zuvor.<br />
Das System, auch unter dem Begriff „Phasenerkennung“<br />
bekannt, benutzt die AF-Sensoren, um festzulegen, wo fokussiert<br />
werden muss. Die Anzahl der Sensoren unterscheidet sich von<br />
Modell zu Modell, doch normalerweise ist es so: Je teurer die<br />
Kamera, desto mehr Sensoren gibt es – die Canon EOS 550D hat<br />
zum Beispiel neun, die Nikon D3s hingegen hat 51. Man kann<br />
entweder alle aktivieren und die Kamera auswählen lassen,<br />
welche sie benutzt, oder bestimmte Sensoren auswählen, so<br />
dass man mehr Kontrolle darüber hat, was das Objektiv<br />
fokussiert. Die Phasenerkennung ist nicht narrensicher, und<br />
sogar das beste System kann in Schwierigkeiten kommen, wenn<br />
es bei schwachem Licht eingesetzt wird, oder wenn Sie<br />
versuchen, auf einer ebenen Fläche zu fokussieren. Wenn Sie<br />
den LiveView-Modus verwenden, wechselt das Autofokussystem<br />
von Phasenerkennung zu Kontrasterkennung, da das System nur<br />
funktionieren kann, wenn der Reflexspiegel in der<br />
Kamera in der „unteren“ Blickposition ist. Wenn Sie<br />
LiveView verwenden, klappt der Spiegel nach oben, so<br />
dass Licht, das auf das Objektiv trifft, direkt auf den<br />
Sensor der Kamera fällt. Die Kontrasterkennung<br />
funktioniert nach dem Prinzip, dass der Kontrast eines<br />
Bildes am höchsten ist, wenn es scharf fokussiert<br />
wurde, so dass das Autofokussystem den Fokus Schritt<br />
für Schritt anpasst und den Kontrast analysiert. Häufig<br />
geht es sogar über den kritischen Punkt hinaus, so dass<br />
es weiß, wo es ist, geht dann wieder zurück, und der Fokus wird<br />
fixiert. Die Kontrasterkennung kann jeden Bereich der Bildfläche<br />
fokussieren, weswegen Kompaktkameras Einstellungen wie<br />
beispielsweise Gesichtserkennung haben. In der Vergangenheit<br />
hat sie sich als langsamer als die Phasenerkennung<br />
herausgestellt, und war somit für das Fokussieren von Objekten<br />
in Bewegung nicht angebracht, außerdem gab es<br />
Schwierigkeiten bei schwachem Licht. Ausnahmen, die es sich<br />
zu merken lohnt, sind der LiveView von Sonys Alpha, der ein<br />
einzigartiges System verwendet, sowie die letzte Generation der<br />
Kompaktkameras.<br />
Fokussieren und Abmessen<br />
Bei neueren Digitalkameras – zum Beispiel der Nikon D7000 – ist<br />
der Autofokus mit dem Dosiersystem verbunden, um die Chance auf<br />
korrekte Belichtung zu erhöhen. Wenn Sie also einen Einzelpunkt-<br />
Autofokus verwenden, wird die Belichtung von der Helligkeit/<br />
Tonalität dessen bestimmt, was hinter dem ausgewählten AF-<br />
Punkt liegt, wohingegen wenn Sie einen breitflächigen Autofokus<br />
benutzen, bei dem eine Mehrzahl von AF-Punkten aktiv sind, die<br />
Belichtung davon beeinflusst wird, was hinter der ausgewählten<br />
Fläche liegt (die natürlich umso größer wird, je mehr AF-Punkte<br />
vorhanden sind). Das Szenenerkennungssystem von Nikon setzt<br />
neue Maßstäbe, indem es das Autofokus-Dosiersystem und das<br />
Weißabgleichssystem verbindet, während Canon kürzlich iFCL<br />
(Focus, Colour and Luminance = Fokus, Farbe und Helligkeit)<br />
eingeführt hat, ein System, welches Autofokus, Farb- und<br />
Helligkeitsinformationen kombiniert.<br />
Kritischer Fokus<br />
Je mehr Sie über die<br />
Autofokusmodi Ihrer Kamera<br />
wissen, desto bessere Fotos<br />
werden Sie machen.
EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
<strong>Digitale</strong> Kameras verstehen 25<br />
KARL SHAW<br />
Eine Reihe von Fokussierungsmöglichkeiten<br />
Digitalkameras bieten mehrere Möglichkeiten, die Schärfe einzustellen.<br />
Wir zeigen Ihnen anhand der bekanntesten Kameramodelle, wie man`s macht.<br />
Phasenerkennung: Diese Methode<br />
wurde traditionellerweise von Film- oder<br />
Digitalkameras verwendet und bleibt die<br />
vorherrschende Methode, die von diesen<br />
Kameras zum Fokussieren angewendet wird.<br />
Der Hauptvorteil ist, dass es unglaublich<br />
schnell und genau ist, egal ob das Objekt direkt<br />
davor oder weiter weg ist. Das System<br />
funktioniert, indem ein Strahlenteiler in der<br />
Kamera das Licht auf den Sensor leitet – dieser<br />
misst, was üblicherweise als<br />
Phasenunterschied bekannt ist, um die Entfernung des Objekts auszurechnen. Die<br />
Phasenerkennung hat ihre Schwierigkeiten in kontrastarmen Szenen sowie bei<br />
schwachem Licht – diese Schwierigkeiten und ihre Lösungen behandeln wir auf<br />
Seite 32. Bis vor kurzem war es zweifelsohne die schnellste, exakteste Art von<br />
Autofokus. Die letzte Generation der Digitalkameras bietet jedoch<br />
Kontrast-Autofokussysteme, die die Leistung des passiven AF herausfordert.<br />
Kontrast-Autofokus: Die breite Mehrheit der Kompaktkameras,<br />
genauso wie das LiveView-System in vielen<br />
digitalen Spiegelreflexkameras fokussieren<br />
Objekte, indem sie auf Kontrast statt auf<br />
Entfernung achten, um angemessene<br />
Ergenbisse zu erzielen. In der Vergangenheit<br />
hat sich dieses System als langsamer und<br />
weniger genau als die<br />
Phasenerkennungsmethode herausgestellt,<br />
die neuste Generation von digitalen<br />
Spiegelreflex- und Kompaktkameras haben hier allerdings große Fortschritte<br />
gezeigt. Tatsächlich wird von den letzten Kompaktkameras behauptet, dass die<br />
Kontrast-Autofokussysteme genauso schnell – wenn nicht schneller sind, als bei<br />
den meisten digitalen Spiegelreflexkameras. Während der Kontrast-AF, der in den<br />
meisten LiveView-Systemen zum Einsatz kommt, hinter dem<br />
Phasenerkennungs-AF her hinkt, liegt das LiveView von Sonys Alpha gleich auf<br />
mit den besten Kontrast-AF- und<br />
Phasenerkennungssystemen.<br />
Gesichtserkennungs-<br />
Autofokus: Dieses System trat zum ersten<br />
Mal in Kompaktkameras auf, doch kommt es<br />
mittlerweile bei vielen Systemkameras und<br />
einigen Spiegelreflexkameras zum Einsatz. Es<br />
soll Fotografen erleichtern, scharfe Porträts<br />
aufzunehmen – vor allem mit zwei oder mehr<br />
Personen im Bildrahmen. Die Kamera erkennt die Gesichter und fokussiert sie. Dies<br />
ist ein nützlicher Fokusmodus für Einsteiger, die noch damit beschäftigt sind, mit<br />
Multipunkt-AF klarzukommen.<br />
Lächelerkennungs-<br />
Autofokus: Diese Einrichtung trägt den<br />
Gesichtserkennungs-Autofokus noch einen<br />
Schritt weiter, indem die Kamera den<br />
Verschluss auslöst, sobald es die Menschen<br />
im Bildrahmen lächeln sieht. Es mag als<br />
Spielerei erscheinen, ist jedoch sehr hilfreich,<br />
weil die Kamera den Verschluss nicht auslöst,<br />
bis sie ein Lächeln entdeckt. Es ist auch sehr<br />
praktisch, wenn Sie Gruppen fotografieren.<br />
Rufen Sie „Bitte lächeln!“ und sowohl die Objekte, als auch die Kamera werden<br />
Ihrer Bitte nachkommen!<br />
Touchscreen-Fokus: Eine steigende Zahl neuerer Kompaktkameras<br />
besitzt LCD-Touchscreen-Monitore, die Ihnen erlauben, Modi zu ändern, indem<br />
Sie das entsprechende Icon auf dem Display drücken. So können Sie auch<br />
fokussieren, indem Sie mit dem Finger dort auf das Display drücken, wo sich das<br />
Objekt befindet. Das Autofokussystem kann sofort aktiviert werden, um den<br />
Fokus auf dem Objekt stehen zu lassen.<br />
Fokus-Falle: Ein paar Kameras bieten eine Einstellung, die Ihnen erlaubt,<br />
den Fokus auf eine bestimmte Entfernung einzustellen. Die Kamera löst den<br />
Verschluss aus, sobald sich das Objekt in genau dieser Entfernung befindet. Es ist<br />
vor allem dann nützlich, wenn Sie bewegungsintensive Objekte fotografieren, die<br />
mit anderen Autofokussystemen schwer einzufangen wären.
26 <strong>Digitale</strong> Kameras verstehen EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
Autofokus: Die Qual der Wahl<br />
Das Autofokus-System Ihrer Kamera kennt unterschiedliche Betriebsarten. Wenn Sie<br />
wissen, wann Sie welche davon verwenden sollten, werden Ihre Fotos immer gestochen scharf.<br />
Autofokus Betriebsarten: Einstellen auf ein statisches Objekt oder verfolgen eines sich bewegenden Objekts<br />
Einzelpunkt -AF (AF-S)<br />
AF-S<br />
Im AF-S-Modus stellt die Kamera<br />
scharf, wenn Sie den Auslöser halb<br />
herunterdrücken. Diese Einstellung<br />
wird beibehalten, solange Sie den Auslöser in<br />
dieser Position halten. Im Sucher wird<br />
angezeigt, wenn das Objektiv fokussiert ist,<br />
gleichzeitig hören Sie einen Piepton. Nun<br />
drücken Sie den Auslöser ganz durch, und der<br />
Verschluss wird ausgelöst. AF-S eignet sich für<br />
statische Motive. Wenn Sie oder das Motiv sich<br />
bewegen, kann es passieren, dass das Foto<br />
unscharf wird, weil die Einstellung auf dem<br />
ursprünglich fokussierten Punkt liegt. Um das<br />
zu vermeiden, drücken Sie den Auslöser erneut<br />
halb herunter, um auf das Motiv in der neuen<br />
Position scharf zu stellen. Falls die Kamera<br />
nicht scharf stellen kann, beispielsweise, weil<br />
der Minimalabstand unterschritten ist, wird der<br />
Verschluss nicht ausgelöst. AF-S eignet sich<br />
auch zum Scharfstellen auf Objekte, die sich<br />
nicht in der Mitte des Suchers befinden.<br />
Wählen Sie dazu die Einzelbild-Punktmessung,<br />
machen Ihre Bildkomposition so, dass der<br />
gewünschte Bereich scharf ist, und drücken<br />
den Auslöser halb durch. Damit ist der<br />
Schärfepunkt fixiert. Wenn Sie nun den<br />
Auslöser gedrückt halten, wird sich der<br />
Schärfepunkt nicht verändern. Machen Sie nun<br />
Ihre endgültige Bildkomposition und drücken<br />
den Auslöser ganz durch, damit der Verschluss<br />
auslöst und das Foto geschossen wird.<br />
Automatischer AF<br />
Dies ist eine sogenannte<br />
AF-A intelligente AF-Betriebsart, nur<br />
verfügbar bei einigen der neuesten<br />
Kameras. Dabei schaltet die Kamera<br />
automatisch zwischen AF-S und AF-C hin und<br />
her. Registriert die Kamera ein statisches<br />
Objekt, schaltet sie auf AF-S, registriert sie ein<br />
sich bewegendes Objekt, schaltet sie auf AF-C.<br />
Das funktioniert schneller, als Sie je manuell<br />
umschalten könnten und erhöht demzufolge<br />
die Chance, Ihr Motiv scharf abzubilden. Diese<br />
Betriebsart eignet sich besonders, wenn Sie<br />
eine Vielzahl unterschiedlicher Objekte schnell<br />
fotografieren, beispielsweise in der<br />
Straßenfotografie oder bei Bildreportagen.<br />
Erfahrenere Fotografen tendieren jedoch zu<br />
einer definierten Betriebsart, weil sie dann<br />
genau wissen, wie ihre Kamera reagieren wird.<br />
Die Betriebsarten<br />
Die meisten Hersteller bieten die folgenden<br />
Betriebsarten, doch mit unterschiedlichen<br />
Bezeichnungen. Hier die Übersicht.<br />
AF-S AF-C AF-A<br />
CANON One Shot AI Servo AI Focus<br />
NIKON AF-S AF-C AF-A<br />
OLYMPUS S-AF C-AF –<br />
PENTAX AF.S AF.C AF.A<br />
SONY AF-S AF-C AF-A<br />
Geeignet für …<br />
Porträts: Mit einem<br />
Schärfepunkt auf die Augen<br />
scharfstellen.<br />
Architektur: Einzelpunkt-<br />
AF ist ideal für statische Objekte.<br />
Geeignet für …<br />
Straßenfotografie:<br />
Abdrücken, ohne durch den<br />
Sucher zu schauen.<br />
Kinder: Der AF-A verfolgt<br />
das Kind, egal in welche<br />
Richtung es läuft.<br />
PAUL WARD LEE FROST BRETT HARKNESS<br />
BRETT HARKNESS<br />
Kontinuierlicher AF<br />
(AF-C)<br />
AF-C<br />
Manuelles<br />
Scharfstellen<br />
M<br />
In dieser Betriebsart stellt der<br />
Autofokus ständig auf das<br />
anvisierte Objekt scharf, ganz<br />
gleich, ob es sich bewegt, ob Sie sich<br />
bewegen, oder beides. Visieren Sie das<br />
gewünschte Objekt an, drücken Sie den<br />
Auslöser halb herunter, und das Objektiv stellt<br />
auf das Objekt scharf. Halten Sie den Auslöser<br />
in dieser Stellung, und das Objekt wird im<br />
Schärfebereich gehalten, bis Sie den Auslöser<br />
durchdrücken und das Foto schießen.<br />
In dieser Betriebsart können Sie auch<br />
Serienbilder schießen, wobei jede einzelne<br />
Aufnahme scharf wird, obwohl das Objekt<br />
oder Sie sich bewegen. Doch Vorsicht! Der<br />
Auslöser löst den Verschluss auch dann aus,<br />
wenn das Objektiv noch nicht scharf gestellt<br />
oder auf ein anderes, als das gewünschte<br />
Objekt scharf gestellt ist. Es kann also<br />
passieren, das Sie jede Menge unscharfe Fotos<br />
machen, wenn Sie nicht aufpassen. Eine<br />
dynamische Autofokusoption verhindert das,<br />
denn wenn das Objekt außerhalb des<br />
gewünschten Schärfebereichs gerät, werden<br />
andere AF-Punkte herangezogen, um es<br />
trotzdem scharfstellen zu können.<br />
Diese Funktion ist sinnvoll bei sich schnell<br />
bewegenden Objekten wie fliegenden Vögeln.<br />
Moderne AF-Systeme sind<br />
schnell, präzise und zuverlässig,<br />
doch es gibt nach wie vor gute<br />
Gründe, die Schärfe manuell einzustellen.<br />
Altgediente Fotografen sind es ohnehin so<br />
gewohnt. Bei statischen Objekten ist es von<br />
Vorteil, selbst zu bestimmen, auf welchen<br />
genauen Punkt des Objekts die Schärfe gelegt<br />
wird. Bei Landschaftsaufnahmen beispielsweise<br />
wollen Sie normalerweise die gesamte<br />
Szene scharf abbilden. Um das zu<br />
garantieren, müssen Sie steuern können, wo<br />
der Schärfepunkt liegt – idealerweise auf der<br />
hyperfokalen Entfernung – und das<br />
funktioniert am besten manuell. Einmal<br />
scharf gestellt, können Sie auch in Ruhe auf<br />
besseres Licht warten. Auch bei schlechten<br />
Lichtverhältnissen, schlechtem Kontrast oder<br />
im Makrobereich kommen AF-Systeme schon<br />
mal ins Schlingern, und Sie stellen besser<br />
manuell scharf.<br />
Auch kann der Schärfentiefenbereich so klein<br />
sein, dass nur genau der Punkt, auf den scharf<br />
gestellt wurde, scharf abgebildet wird. Dann<br />
müssen Sie auf jeden Fall diesen Punkt selbst<br />
festlegen. Leider ist das manuelle<br />
Scharfstellen bei sich bewegenden Objekten<br />
schwer und es verlangt viel Übung. Da greifen<br />
Sie dann doch besser auf den AF-C zurück.<br />
Geeignet für …<br />
Sport: Ihre ersten<br />
Gehversuche mit sich schnell<br />
bewegenden Objekten machen<br />
Sie mit AF-C.<br />
Tiere: Verwenden Sie den<br />
AF-C, damit Ihre Motive scharf<br />
bleiben<br />
Geeignet für…<br />
Schlechtes Licht: Der AF<br />
kann kein Objekt scharf stellen,<br />
also besser manuell einstellen.<br />
Makro: Bei geringer<br />
Tiefenschärfe geht es überhaupt<br />
nur manuell, denn Sie müssen den<br />
Schärfepunkt wissen.<br />
ISTOCK PHOTO ISTOCK PHOTO LEE FROST<br />
ROSS HODDINOTT
EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
<strong>Digitale</strong> Kameras verstehen 27<br />
Auswahl des Schärfepunkts: Aktivieren Sie alle AF-Sensoren oder verwenden Sie einen Einzelpunkt<br />
Einzelpunkt-AF<br />
Geübte Fotografen tendieren<br />
zum Einzelpunkt-AF,<br />
weil er die exakte Auswahl<br />
des Schärfepunktes ermöglicht.<br />
Überlässt man es der Kamera,<br />
besteht die Gefahr, dass deren Auswahl<br />
danebenliegt. Sie haben zwei Möglichkeiten:<br />
Die Erste ist der in der Mitte<br />
befindliche AF-Punkt. Er bestimmt die<br />
Entfernung am genauesten. Liegt Ihr<br />
Schärfepunkt nicht in der Mitte des<br />
Sucherbildes, visieren Sie Ihren Schärfepunkt<br />
an und drücken den Auslöser halb<br />
durch. Das „verriegelt“ diese Scharfeinstellung.<br />
Jetzt machen Sie erneut Ihre<br />
Bildkomposition und lösen aus. Die<br />
zweite Möglichkeit besteht darin, einen<br />
einzelnen, außerhalb des Mittenbereichs<br />
befindlichen Punkt zu benutzen. Wenn<br />
Sie viele Bilder eines Objekts aufnehmen,<br />
das sich außerhalb der Mitte<br />
befindet, besonders, wenn sich das Objekt<br />
auch noch bewegt, funktioniert<br />
das besser als mit dem zentralen AF-<br />
Punkt, denn Sie brauchen keine<br />
erneute Bildkomposition, nachdem Sie<br />
scharf gestellt haben. Auch bei weit offener<br />
Blende und entsprechend<br />
geringer Tiefenschärfe fahren Sie besser<br />
mit dieser Methode. Bei Verwenden<br />
des zentralen AF und erneuter Bildkomposition<br />
kann es passieren, dass<br />
Ihr ursprünglich anvisiertes Objekt<br />
nicht mehr im Schärfebereich ist. Verwenden<br />
Sie hingegen einen<br />
Schärfepunkt, bei dem eine einmalige<br />
Bildkomposition ausreicht, vermeiden<br />
Sie dieses Risiko.<br />
Einzelpunkt AF:<br />
1) Beim Multipunkt-AF fokussiert die Kamera<br />
auf die Nase und wegen der geringen<br />
Tiefenschärfe ist das Gesicht unscharf.<br />
2) Beim Einzelpunkt-AF wählen Sie den<br />
Sensor, der auf den Augen liegt, damit das<br />
Gesicht und besonders die Augen scharf<br />
werden.<br />
1<br />
2<br />
Multipunkt-AF<br />
Beim Multipunkt-AF<br />
werden entweder alle<br />
Schärfepunkte oder eine<br />
von Ihnen festgelegte<br />
Auswahl der Punkte herangezogen.<br />
Wenn Sie den Auslöser halb drücken,<br />
werden die Schärfepunkte aktiviert – sie<br />
stellen auf das Objekt scharf – und sie<br />
blinken rot in der Sucheranzeige.<br />
Bevorzugt wird der Schärfepunkt, der<br />
auf dem Teil des Motivs liegt, der sich<br />
am nächsten an der Kamera befindet.<br />
Als Einsteiger verwenden Sie den<br />
Multipunkt-AF, denn er nimmt Ihnen die<br />
Kleinarbeit ab, und Sie konzentrieren<br />
sich auf die Bildkomposition. Haben Sie<br />
eine kleine Blende eingestellt – etwa f/8,<br />
f/11 oder f/16, funktioniert der<br />
Multipunkt-AF ebenso einwandfrei,<br />
denn alles wird schön scharf und kein<br />
Element des Motivs muss unbedingt in<br />
der Mitte liegen. Sie haben jedoch kaum<br />
Einfluss, worauf das Objektiv<br />
scharfstellt. Wenn Sie bestimmen<br />
müssen, wo der Schärfepunkt liegt –<br />
beispielsweise auf dem Auge einer<br />
Person – verwenden Sie den Multipunkt-<br />
AF besser nicht, denn es gibt eine hohe<br />
Wahrscheinlichkeit, dass die Kamera<br />
einen anderen Schärfepunkt wählt. Das<br />
gilt insbesondere bei weit offener Blende<br />
und geringer Tiefenschärfe. Ausnahme:<br />
wenn Sie an Ihrer Kamera den Haupt-<br />
Schärfepunkt vorwählen können. Diese<br />
Möglichkeit bieten leider nur wenige<br />
Modelle. Wenn ein Objekt sich durch<br />
den Bildausschnitt bewegt und die<br />
Distanz dabei annähernd gleich bleibt,<br />
funktioniert der Multipunkt-AF, denn das<br />
Objekt wird von Schärfepunkt zu<br />
Schärfepunkt „weitergereicht“.<br />
Multipunkt-AF:<br />
Bei halb gedrücktem Auslöser wählen Sie<br />
einen Schärfepunkt. Ist die Schärfe eingestellt,<br />
werden die Fokuspunkte rot. Wollen Sie eine<br />
andere Auswahl treffen, lassen Sie den<br />
Auslöser los, suchen sich andere<br />
Schärfepunkte und fixieren erneut durch<br />
halbes Drücken des Auslösers.<br />
ISTOCK PHOTO
28 <strong>Digitale</strong> Kameras verstehen EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
Bildqualität<br />
Abhängig davon, ob Sie im Raw- oder JPEG-Format fotografieren, bietet Ihre Kamera eine Reihe von Einstellungen an,<br />
die entscheidenden Einfluss auf die Qualität Ihrer Bilder haben. Hier erfahren Sie, was diese Einstellung bedeuten.<br />
Nachdem Sie ein Bild aufgenommen haben,<br />
sendet die Kamera die Bildinformation vom<br />
Bildsensor an die Speicherkarte. Anhand der<br />
Bildqualitätseinstellungen steuern Sie, wie der<br />
Bildprozessor die Bilddaten verarbeitet, bevor<br />
sie gespeichert werden. Sie können zwischen<br />
höchster Bildqualität und verschiedenen<br />
Komprimierungen wählen, oder generell in<br />
geringerer Auflösung fotografieren, sodass<br />
mehr Bilder auf die Speicherkarte passen und<br />
die Bildverarbeitung beschleunigt wird. Damit<br />
Sie die richtige Einstellung wählen, die Ihrem<br />
Bedarf entspricht, stellen wir nachfolgend die<br />
wichtigsten Formate vor.<br />
DIE DATEIFORMATE: RAW UND JPEG<br />
Die am häufigsten genutzten Dateiformate in<br />
der Digitalfotografie sind „Raw“ und „JPEG“. Das<br />
RAW-Format (engl. „raw“ = dt. „roh“) bezeichnet<br />
eine unbearbeitete Bilddatei, die sämtliche vom<br />
Bildsensor aufgezeichneten Originaldaten<br />
enthält. Dieses Format wird genutzt, wenn<br />
maximale Bildqualität und Flexibilität der<br />
Bearbeitung gewünscht werden,<br />
erzeugt jedoch so große Dateien,<br />
dass weniger Bilder auf die<br />
Speicherkarte passen.<br />
Das JPEG-Format (JPEG =<br />
„Joint Photographic Experts<br />
Group“) bietet einige<br />
Vorteile und wird deswegen<br />
von vielen<br />
Amateur-Fotografen<br />
bevorzugt. JPEG-Bilder<br />
werden wesentlich schneller<br />
verarbeitet als RAW-Dateien<br />
und brauchen weniger Platz auf<br />
der Speicherkarte, sodass Sie viel mehr<br />
Bilder speichern können. Da die Bilder<br />
komprimiert werden müssen, um geringere<br />
Dateigrößen zu erreichen, gibt es<br />
Qualitätsverluste, die vom Grad der<br />
Komprimierung abhängen.<br />
Die meisten Kameras bieten die Möglichkeit,<br />
sowohl in Raw und JPEG zu speichern; so<br />
erhalten Sie eine JPEG-Version zur schnellen<br />
Überprüfung Ihres gerade aufgenommenen<br />
Fotos und eine Raw-Version von höchster<br />
Qualität, die Sie nachbearbeiten können.<br />
JPEG: BILDKOMPRIMIERUNG<br />
<strong>Fotografie</strong>ren in JPEG ist also ein<br />
RAW-FORMATE<br />
Raw-Dateinamen-Erweiterungen<br />
der gängigen Kameramodelle<br />
Canon: .CR2 / .CRW<br />
Nikon: .NEF<br />
Olympus: .ORF<br />
Panasonic: .RW2<br />
Pentax: .PEF/DNG<br />
Samsung: .SRW/DNG<br />
Sony: .ARW<br />
Bildqualität und Speicherkartenkapazität<br />
Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die geschätzte Zahl hochauflösender Fotos, die<br />
auf einer 4GB- und einer 8GB-Speicherkarte bei unterschiedlichen Bildqualitätseinstellungen<br />
gespeichert werden können. Wie Sie sehen, benutzen die Hersteller unterschiedliche<br />
Komprimierungsraten, sodass hier keine genaueren Angaben möglich sind. Die verwendeten<br />
Kameras waren: Panasonic Lumix GF3, Samsung NX11, Nikon D7000 und Canon EOS 550D.<br />
Kameraauflösung in RAW RAW + JPEG max. Qualität JPEG max. Qualität JPEG min. Qualität<br />
Megapixel<br />
4GB 8GB 4GB 8GB 4GB 8GB 4GB 8GB<br />
12 280 540 180 370 600 1,180 1,200 2,350<br />
14.6 140 280 102 200 550 1,120 1,700 3,350<br />
16 116 225 82 160 280 550 1,100 2,100<br />
18 150 300 118 230 555 1,080 1,100 2,150<br />
Kompromiss zwischen Bildqualität und<br />
Dateigröße. JPEG ist ein verlustbehaftetes<br />
Format, was bedeutet, dass bestimmte<br />
Bildinformationen zugunsten der kleineren<br />
Dateigröße, aber zulasten der Bildqualität<br />
verloren gehen. Je höher die<br />
Komprimierung, desto geringer<br />
die Bildqualität. Wenn Sie das<br />
JPEG-Format als<br />
Standardformat auswählen,<br />
können Sie die<br />
Komprimierungsrate einstellen<br />
und so zugleich die Höhe des<br />
Qualitätsverlustes bestimmen.<br />
Die meisten Kameras bieten<br />
drei Einstellungen, jeweils für<br />
minimale, mittlere und maximale<br />
Bildkomprimierung. Die minimale<br />
Komprimierung reduziert die Dateigröße<br />
bereits erheblich, begrenzt aber die Menge der<br />
verlorenen Bildinformation. Da ein JPEG-Foto<br />
von hoher Qualität von seinem Raw-Äquivalent<br />
praktisch nicht zu unterscheiden ist, wählen<br />
viele Fotografen diese Einstellung.<br />
Falls Sie Ihre Bilder stärker komprimieren,<br />
gehen mehr Bilddaten verloren, was sich direkt<br />
auf die Bildqualität auswirkt. Besonders in<br />
Bildbereichen mit gleichmäßigen Farbtönen<br />
sind Detailverluste und Bildrauschen erkennbar.<br />
Solche Qualitätsverluste sind bei kleinen<br />
Abmessungen natürlich weniger sichtbar als<br />
bei Vergrößerungen auf DIN A4 oder größer. Sie<br />
sollten außerdem beachten, dass bei jedem<br />
Maximale Komprimierung<br />
Hier finden Sie die Einstellung der Bildqualität an Ihrer Kamera<br />
Raw nach JPEG<br />
Minimale Komprimierung<br />
Man kann ein Foto im Raw-Format am<br />
Ende der Nachbearbeitung in ein JPEGenthält<br />
das Bild normalerweise mehr Details<br />
Format konvertieren. Wenn Sie eine Raw-<br />
Datei auf Ihrem Computer konvertieren,<br />
als wenn es vom Bildprozessor der Kamera<br />
verarbeitet wird. Der Unterschied ist zwar gering,<br />
doch für die beste JPEG-Qualität sollten Sie Ihre<br />
Raw-Fotos auf dem PC konvertieren.<br />
Speichervorgang einer JPEG-Datei weitere<br />
Daten verloren gehen. Wenn Sie also dasselbe<br />
Bild 10- oder 20-mal speichern, haben Sie einen<br />
signifikanten Anteil an Bildinformation verloren,<br />
was bei starker Vergrößerung sichtbar wird. Das<br />
Beispiel gegenüber zeigt, wie stark ein Bild<br />
durch Mehrfachspeicherung beeinträchtigt<br />
werden kann.<br />
Da es sich um eine entscheidende Funktion Ihrer Kamera handelt, sollten Sie die Einstellung als eine der ersten vornehmen. Bei den Modellen verschiedener Hersteller finden Sie diese wie folgt:<br />
Canon<br />
Die Option<br />
befindet sich in<br />
der ersten Zeile<br />
des ersten Tabs.<br />
Nikon<br />
Die Option<br />
befindet sich im<br />
Aufnahme-Menü<br />
in der dritten Zeile<br />
unter „Bildqualität“.<br />
Olympus<br />
Die Option<br />
befindet sich unter<br />
dem Symbol<br />
im Aufnahme-<br />
Menü 1.<br />
Panasonic<br />
Die Option finden<br />
Sie durch Drücken<br />
von „MENU“ und<br />
Auswählen von<br />
„Rec“.<br />
Pentax<br />
Die Option<br />
finden Sie nach<br />
Drücken der<br />
Menü-Taste im<br />
Kamera-Menü 1.<br />
Samsung<br />
Die Option finden<br />
Sie nach Drücken<br />
der Menü-Taste im<br />
Aufnahme-Menü 1.<br />
Sony<br />
Die Option finden<br />
Sie nach Drücken<br />
der Menü-Taste im<br />
Aufnahme-Menü 1.
EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
<strong>Digitale</strong> Kameras verstehen 29<br />
IMAGES: LEE FROST<br />
Original-Raw-Datei<br />
JPEG: Einmal gespeichert<br />
JPEG: Mehr als 30 Mal gespeichert<br />
Oben: JPEG Qualitätsvergleich. Das JPEG-Format verwendet ein verlustbehaftetes<br />
Komprimierungssystem, was bedeutet, dass bei jedem Speichervorgang etwas<br />
Bildinformation verloren geht. Wird eine Datei mehrfach gespeichert, ist der<br />
Qualitätsverlust zunehmend sichtbar.<br />
Bildgröße<br />
Es ist nicht erforderlich, immer mit der höchsten Auflösung zu fotografieren, Sie können<br />
an Ihrer Kamera auch geringere Auflösungen einstellen. Meistens wird eine solche<br />
Einstellung gewählt, wenn Bilder ins Internet gestellt werden sollen, beispielsweise<br />
Artikelfotos für Verkäufe bei eBay. Die Einzelheiten, wie die Bildauflösung Ihrer Kamera<br />
verringert wird, können Sie der Bedienungsanleitung entnehmen. In der Regel liegt die<br />
geringste einstellbare Auflösung zwischen 2 und 4 Megapixeln, während die mittlere<br />
Einstellung eine etwas höhere als die mittlere Auflösung bewirkt. Die folgende Tabelle<br />
zeigt den Zusammenhang zwischen Kameraeinstellung und Bildauflösung für gängige<br />
Kameramarken. Bei älteren Modellen können Abweichungen auftreten.<br />
JPEG-Kompression<br />
Auch der Grad der JPEG-Komprimierung wird von den Kameraherstellern nicht<br />
einheitlich bezeichnet. Die folgende Tabelle gibt Ihnen eine Übersicht. Zur Erinnerung:<br />
minimale Komprimierung bewirkt die beste Bildqualität, maximale Komprimierung<br />
optimiert die Aufnahmefähigkeit Ihrer Speicherkarte, aber zulasten der Bildqualität.<br />
Hersteller<br />
Höchste<br />
Auflösung<br />
Mittlere<br />
Auflösung<br />
Geringste<br />
Auflösung<br />
Hersteller<br />
Geringste<br />
Kompression<br />
Mittlere<br />
Kompression<br />
Geringste<br />
Kompression<br />
Canon L M S<br />
Nikon L M S<br />
Olympus (älter) SHQ HQ SQ<br />
Olympus (neuer) L<br />
M S<br />
Panasonic L M S<br />
Pentax (K-x) 12M 10M oder 6M 2M<br />
Samsung (NX11) 14M 10M oder 6M 2M<br />
Sony L M S<br />
Canon –<br />
Nikon Fein Normal Basis<br />
Olympus (älter) SHQ HQ SQ<br />
Olympus (neuer) F N –<br />
Panasonic ––– ––– –<br />
Pentax*<br />
Samsung Superfein Fein Normal<br />
Sony Fein Standard –<br />
* Manche neueren Pentax-Modelle bieten 4 Komprimierungsstufen
30 <strong>Digitale</strong> Kameras verstehen EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
ISO-Werte<br />
Indem Sie den ISO-Wert ändern, können Sie<br />
die Lichhtempfindlichkeit des Sensors<br />
beeinflussen – und somit auch die<br />
Fähigkeit, bei schlechten Lichtverhältnissen<br />
annehmbare Aufnahmen zu machen.<br />
DIE ISO-WERTE (ISO = International Standard<br />
Organisation) wurden ursprünglich eingeführt,<br />
um die Empfindlichkeit der Filmemulsion<br />
anzugeben. Im digitalen Zeitalter hat sich diese<br />
Art der Einstufung behauptet und sich zum<br />
standardisierten Maß für die<br />
Lichtempfindlichkeit des Bildsensors entwickelt.<br />
Je niedriger der ISO-Wert, desto<br />
unempfindlicher ist der Sensor für Licht. Je<br />
höher der ISO-Wert, desto lichtempfindlicher ist<br />
er. Zusammen mit Blende und Verschlusszeit<br />
spielt der ISO-Wert eine wesentliche Rolle bei<br />
der Belichtung eines Bildes. Geringe ISO-Werte<br />
werden hin und wieder als „langsam“<br />
bezeichnet, weil ihr Einsatz normalerweise mit<br />
einer dafür benötigten, langen Verschlusszeit<br />
einhergeht. Hohe ISO-Werte nennt man<br />
gelegentlich auch „schnell“, weil sie die<br />
Anwendung kurzer Verschlusszeiten erlauben.<br />
Die üblichen Bezeichnungen für ISO-Werte sind<br />
jedoch niedrig (ISO 200 und darunter), mittel<br />
(ISO 250 – 640), hoch (ISO 800 – 1.600) und<br />
sehr hoch (ISO 3.200 und darüber).<br />
Empfindlichkeit und<br />
Rauschen<br />
Der Bildsensor ist empfänglich für Licht. Der<br />
elektrische Strom, der durch ihn hindurchfließt,<br />
gibt die Bildinformation an den Prozessor weiter,<br />
bevor die Daten auf die Speicherkarte treffen.<br />
Wenn man den ISO-Wert ändert, erhöht man<br />
nicht direkt die Lichtempfindlichkeit des<br />
Sensors, sondern korrigiert die Stromstärke, die<br />
durch ihn hindurchfließt. Ein verstärktes Signal<br />
hat den ungeliebten Nebeneffekt erhöhten<br />
Signalrauschens, was auf Bildern, die mit hohen<br />
ISO-Werten aufgenommen wurden, am<br />
sichtbarsten ist. Je höher der ISO-Wert, desto<br />
stärker ist das Signal, was wiederum zu<br />
erhöhtem Rauschen in den Bildern führt.<br />
ISO 800<br />
ISO 50<br />
ISO 200<br />
ISO 1600<br />
ISO 100<br />
ISO 400<br />
ISO 3200<br />
IMAGES: LEE FROST
EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
<strong>Digitale</strong> Kameras verstehen 31<br />
v<br />
ISO-Wert richtig anpassen<br />
Die meisten Kameras decken ISO-Werte von 100<br />
bis 3.200 ab, einige gehen sogar bis 50 hinunter,<br />
während viele auch bis 6.400 hoch gehen. Ein paar<br />
Modelle bedienen noch höhere ISO-Werte, wie<br />
beispielsweise die Nikon D3s, die einen maximalen<br />
ISO-Wert von 102.400 aufweist! Man muss<br />
lediglich den ISO-Knopf drücken und basierend auf<br />
den Aufnahmebedingungen und dem gewünschten<br />
Effekt den Wert auswählen, mit dem man arbeiten<br />
will. Wie auch bei den beiden anderen<br />
Belichtungsvariablen, so können auch die<br />
ISO-Werte kreativ eingesetzt werden. Ihre <strong>Fotografie</strong><br />
wird also davon profitieren, wenn Sie wissen, wie<br />
die ISO-Werte funktionieren. Denken Sie daran,<br />
dass sich die Wahl Ihres ISO-Wertes darauf<br />
auswirkt, wie die Szene festgehalten wird. Vor<br />
allem dann, wenn sich bewegliche Elemente darin<br />
befinden. Langsame ISO-Werte schränken die Wahl<br />
der Verschlusszeiten ein, können also dazu führen,<br />
dass bewegliche Objekte unscharf erscheinen,<br />
während Ihnen schnelle ISO-Werte auf Kosten von<br />
Rauschen mehr Auswahlmöglichkeiten lassen.<br />
Genauso wie man die ISO-Werte selbst einstellen<br />
kann, gibt es auch eine automatische Einstellung,<br />
die der Kamera die Auswahl des ISO-Werts<br />
überlässt. Dies ist besonders hilfreich, wenn man<br />
bei schwachem Licht aufnimmt, weil es das<br />
Umgebungslicht und den Blitz ausgleicht. Wenn Sie<br />
kreative Aufnahmen machen wollen, schlagen wir<br />
jedoch vor, dass Sie die ISO-Automatik vermeiden.<br />
Es macht zum Beispiel keinen Sinn, die Kamera auf<br />
ein Stativ zu montieren, um in der Dämmerung zu<br />
fotografieren, und dabei den ISO-Wert auf 1.000 zu<br />
stellen, um Verwacklungen zu vermeiden. Dies<br />
würde lediglich ein starkes Rauschen hinzufügen.<br />
Welcher ISO-Wert am besten passt, lernt man mit<br />
zunehmender Erfahrung, ganz ähnlich wie man<br />
lernt, welche Verschlusszeit oder Blende am besten<br />
passt. Es gibt allerdings ein paar allgemeine<br />
Richtlinien dazu, wann man niedrige, mittlere oder<br />
hohe ISO-Werte wählen sollte. Diese finden Sie<br />
hier.<br />
Niedrige ISO-Werte (ISO 50-200) ?<br />
Für die bestmögliche Bildqualität sollte man niedrige ISO-Werte benutzen. Die Farben<br />
sind am genauesten, die Töne verlaufen in sanften Abstufungen, das Rauschen ist<br />
minimal, während die Schärfe am höchsten ist und die Details am besten<br />
hervortreten. Niedrige ISO-Werte bedeuten, dass der Sensor eher unempfindlich auf<br />
Licht reagiert und die Wahl der Verschlusszeiten eingeschränkt ist. Passen Sie also<br />
auch bei großen Blenden auf, dass Sie Kamerawackeln vermeiden, indem Sie ein<br />
Stativ oder eine Bildstabilisierung verwenden. Die enthusistischsten und<br />
professionellsten Landschaftsfotografen nehmen mit niedrigen ISO-Werten und<br />
fixierter Kamera auf. Studiofotografen, die Blitzköpfe verwenden, wählen ebenfalls<br />
niedrige ISO-Werte, da der starke Studioblitz genug Licht kreiert, um aus der Hand zu<br />
fotografieren. Vermeiden Sie niedrige ISO-Werte, wenn Sie aus der Hand aufnehmen,<br />
außer bei hellsten Bedingungen. Und auch dann sollten Sie aufpassen, falls Sie eine<br />
mittlere bis kleine Blende in Verbindung mit einem Telezoom verwenden.<br />
ADAM BURTON HELEN DIXON<br />
Mittlere ISO-Werte (ISO 250-640) ?<br />
Wir schlagen vor, Sie machen ISO 400 zu Ihrer Grundeinstellung. Dies hat einen<br />
doppelten Vorteil im Vergleich zu ISO 100, da es weitaus mehr Flexibilität in Bezug auf<br />
die Wahl der Belichtungseinstellungen bietet. Abgesehen von den kürzeren<br />
Verschlusszeiten, können wohl nur die geübtesten Augen einen qualitativen<br />
Unterschied zu einem Bild wahrnemen, das mit ISO 100 gemacht wurde. Diejenigen,<br />
die für gewöhnlich den integrierten Blitz verwenden, werden dafür eine zusätzlich<br />
Einsatzmöglichkeit erkennen: Er eignet sich ideal, um drinnen Porträts aufzunehmen.<br />
Welches sind also die Nachteile? Tja, es gibt eigentlich keine, die von Bedeutung<br />
währen. Man könnte anbringen, dass die Farben nicht so natürlich, das Rauschen<br />
erhöht und die Schärfe geringer sind. Aber die Unterschiede sind kaum festzustellen.<br />
Für den allgemeinen Gebrauch lassen Sie Ihre Kamera also auf ISO 400, außer Sie<br />
nehmen bei schwachem Licht auf und brauchen eine kürzere Verschlusszeit, oder Sie<br />
wollen einen niedrigen ISO-Wert für ultimative Qualität anwenden.<br />
HELEN DIXON ISTOCK PHOTO<br />
Hohe ISO-Werte (ISO 800-1600)<br />
Einen hohen ISO-Wert auszuwählen, sollten nur wenn unbedingt notwendig gewählt<br />
werden. Höhere ISO-Werte spiegeln sich in Bildern in Form von erhöhtem Rauschen<br />
und geringerer Schärfe wieder, vor allem dann, wenn die Rauschreduktion zum<br />
Einsatz kommt (dazu später mehr). Neuere Kameras weisen starke Verbesserungen<br />
bezüglich der Qualität von Bildern mit hohen ISO-Werten auf. Am ehesten werden<br />
hohe ISO-Werte verwendet, wenn Bilder aus der Hand und bei schwachem Licht<br />
gemacht werden, zum Beispiel draußen am Abend, oder drinnen. Ein hoher ISO-Wert<br />
erlaubt eine Verschlusszeit, die kurz genug ist, um Verwacklungen zu vermeiden, was<br />
mit Hilfe einer Bildstabilisierung nochmal untermauert wird. Viele benutzen niedrige<br />
ISO-Werte und riskieren, dass Bilder aufgrund von Kamerabewegung unscharf<br />
werden. Wir schlagen schnelle ISO-Werte vor: Es ist besser, mit ISO 1.000 ein<br />
scharfes Bild mit erhöhtem Rauschen aufzunehmen, als ein unscharfes mit ISO 400.<br />
Extrem hohe ISO-Werte (ISO 3200+)<br />
Digitalkameras können hohe ISO-Werte schon besser handhaben, als es Filmkameras<br />
konnten. Vorwiegend Modelle, wie die 3Dx von Nikon, die eine unfassbare Qualität bei<br />
hohen ISO-Werten liefert. Bilder, die mit ISO 3.200 gemacht wurden, werden durch<br />
erhöhtes Rauschen, ungenaue Farben und geringe Schärfe charakterisiert. All diese<br />
Probleme werden stärker, je mehr man den ISO-Wert erhöht. Einige Modelle, wie die<br />
Canon EOS – 1D MkIV und die Nikon 3Ds, bieten ISO-Höchstwerte von 102.400, was<br />
hoch genug ist, um Bilder bei Mondlicht aufzunehmen. Das macht sie zwar für<br />
Überwachungen ideal, doch für den größten Teil der <strong>Fotografie</strong> ist diese Verschlusszeit<br />
übertrieben. Verwenden Sie es daher nur, wenn es wirklich nicht anders geht. Wenn Sie<br />
nachts draußen sind und einen Yeti entdecken, oder ein am Himmel schwebendes UFO,<br />
nehmen Sie auf jeden Fall ISO 12.800 oder mehr und halten den Beweis fest!<br />
Andernfalls sollten Sie niedrigere ISO-Werte verwenden.
32 <strong>Digitale</strong> Kameras verstehen EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
Raw-Dateien<br />
Wenn man Raw-Dateien richtig bearbeitet, bieten diese eine bessere Bildqualität, was sich auch später auf die<br />
Speicherung im JPEG-Format auswirkt. In folgendem Beitrag wird erklärt, wie es funktioniert.<br />
Auch in der <strong>Fotografie</strong> gibt es bestimmte<br />
Modethemen. Filme, Objektive, Kamera-<br />
Modelle – fast alles, was mit Aufnahmen zu<br />
tun hat, war seit der Entstehung der <strong>Fotografie</strong><br />
schon einmal Thema in der einen oder<br />
anderen Debatte unter Fotografen. In den<br />
letzten Jahren war „Raw- versus JPEG-<br />
Dateien“ das Modethema Nummer eins unter<br />
Fotografen. Eine große Mehrheit unter den<br />
Berufsfotografen besteht darauf, dass<br />
Raw-Dateien eine bessere Bildqualität<br />
hervorbringen. Trotzdem gibt es eine kleine<br />
Minderheit von JPEG-Fanatikern, die dieses<br />
Dateiformat bis aufs letzte verteidigen. Ein<br />
amerikanischer JPEG-Anhänger sagte einmal:<br />
„Aufnahmen im Raw-Format können mit<br />
Tageszeitungen verglichen werden, die 20<br />
Jahre lang für den Fall aufbewahrt werden,<br />
dass man eines Tages auf die Information<br />
zurückgreifen möchte. Die Leute denken in<br />
solchen Fällen, du bist verrückt!“ Ob dies<br />
zutrifft, kommt natürlich auf die Motive, die<br />
Aufnahmetechnik und den Bedarf an<br />
Die wichtigsten Vorteile<br />
von Raw-Dateien<br />
Raw-Dateien enthalten mehr Daten, als für ein<br />
gelungenes Bild gebraucht werden, damit sie auf<br />
verschiedene Arten bearbeitet werden können.<br />
Man kann sich diese am besten als digitale<br />
Negative mit einem hohen Kontrastumfang<br />
vorstellen.<br />
Dadurch können Belichtungsfehler, ohne die<br />
Bildquaität zu beeinträchtigen, korrigiert werden.<br />
Wenn man eine Raw-Datei bearbeitet, geht<br />
die Originalaufnahme in der unbearbeiteten<br />
Form nicht verloren.<br />
Man kann also in Zukunft wieder auf<br />
Raw-Dateien zurückgreifen und die Aufnahmen<br />
mit erweiterten Kenntnissen und Erfahrungen<br />
erneut bearbeiten.<br />
Die Bildqualität von unkomprimierten<br />
Raw-Dateien von 12 bis 14 Bits ist den<br />
JPEG-Dateien überlegen.<br />
Ein Computer hat eine weit größere<br />
Verarbeitungsleistung als eine Kamera.<br />
Nachbearbeitung an. Wie bei der Diskussion<br />
„Negativfilme versus Diafilme“ gibt es bei<br />
beiden Bildformaten Vorteile und Nachteile.<br />
Früher, in Zeiten des Films, akzeptierten die<br />
Fotografen die unterschiedlichen<br />
Anwendungsformen und brachten beide zum<br />
Einsatz. Im digitalen Zeitalter hingegen sind<br />
die Fotografen anscheinend entweder<br />
Raw- oder JPEG-Anhänger, und es gibt<br />
wenige, die die Vorteile beider Formate<br />
ausnutzen.<br />
Viele Einsteiger beginnen mit dem JPEG-<br />
Format und überlassen das Raw-Format<br />
erfahreneren Fotografen. Dabei wäre in vielen<br />
Fällen das Gegenteil angebracht.<br />
Bei der Aufnahme eines Bildes werden die<br />
Daten vom Sensor aufgezeichnet. Diese Daten<br />
in ihrer vollständigen, ursprünglichen Form<br />
entsprechen einer unkomprimierten<br />
Raw-Datei von 12 bis 14 Bit.<br />
Alle digitalen Kameras produzieren anfänglich<br />
Raw-Dateien. Werden die Bilder im JPEG-<br />
Format aufgenommen, bearbeitet die<br />
Firmware (die interne Software der Kamera)<br />
die Raw-Datei, bevor die Aufnahme<br />
gespeichert wird. Dabei werden Daten, die als<br />
unwichtig eingestuft werden, gelöscht. Auf<br />
diese Daten kann also nicht mehr<br />
zurückgegriffen werden. Außerdem wird die<br />
Farbe, der Kontrast und die Schärfe des Bildes<br />
automatisch angepasst. Der Unterschied von<br />
Raw- und JPEG-Dateien lässt sich am besten<br />
durch einen Vergleich mit Filmen erklären.<br />
Aufnahmen im Raw-Format sind wie Filme,<br />
die man in seinem eigenen Labor entwickelt.<br />
Man hat dabei eine viel größere Kontrolle und<br />
kreative Freiheit wie bei dem JPEG-Format,<br />
man braucht aber mehr Zeit zur Bearbeitung.<br />
Aufnahmen im JPEG-Format haben ein<br />
ähnliches Ergebnis, wie wenn man den Film in<br />
einem Fotoservice abgibt und nach einer<br />
Stunde die Bilder abholt. Dies ist die schnellere<br />
und praktischere Methode, dabei kann<br />
allerdings oft nicht das beste aus den<br />
Negativen herausgeholt werden.<br />
Raw-Software<br />
Der größte Nachteil von<br />
Raw-Dateien besteht darin, dass man<br />
zum Öffnen und Bearbeiten von<br />
Raw-Dateien eine besondere Software<br />
braucht, Raw-Konverter genannt, um die<br />
Aufnahmen nach der Bearbeitung als<br />
TIFF- oder JPEG-Datei abzuspeichern.<br />
Jede Kameramarke hat ihr eigenes<br />
Raw-Format und wird mit einem eigenen<br />
Raw-Konverter geliefert. Die meisten<br />
Fotografen ziehen allerdings Konverter von<br />
Drittherstellern vor. Es sind verschiedene<br />
Programme wie Gimp (Freeware), Capture<br />
One und Apple Aperture (nur für Apple)<br />
erhältlich, die sowohl von Einsteigern als<br />
auch von Fortgeschrittenen angewendet<br />
werden. Viele Fotografen benutzen aber<br />
Adobe Camera Raw (ACR), das man in<br />
Lightroom und Photoshop findet. Dieser<br />
Beitrag befasst sich vor allem mit diesen<br />
Programmen. Diese Methode funktioniert<br />
wunderbar und garantiert die gleichen<br />
Resultate wie teure<br />
Programmanwendungen für Spezialisten.<br />
Wichtig: Neue Kameramodelle müssen<br />
manchmal zuerst auf das Photoshop-<br />
Update des Raw-Plug-Ins warten. Wenn<br />
man eine ältere Photoshop-Version<br />
installiert hat (zum Beispiel CS2 oder CS3)<br />
und ein neues Kamera-Modell kauft, gibt<br />
es keine aktualisierten Plug-Ins für die<br />
alten Photoshop-Versionen, und es muss<br />
daher ein Photoshop-Upgrade erworben<br />
werden.<br />
v<br />
Drei gute Gründe für das Verwenden von Raw-Dateien<br />
1) Weißabgleich:<br />
Bei Aufnahmen im JPEG-Format setzt die Kamera den<br />
Weißabgleich automatisch fest. Im Raw-Format kann<br />
der Weißabgleich in der Nachbearbeitung geändert und<br />
an den persönlichen Geschmack angepasst werden.<br />
Außerdem können Aufnahmen mit einem inkorrekten<br />
Weißabgleich im Nachhinein korrigiert werden.<br />
2) Belichtung:<br />
Die Belichtung hat zwar immer ihre Grenzen, auf<br />
einer schwach belichteten Raw-Datei wird aber<br />
viel mehr Information festgehalten als auf einer<br />
JPEG-Datei. Diese umfänglichen Daten<br />
ermöglichen zum Beispiel beste HDR-Bilder.<br />
3) Bildqualität:<br />
Die Bildqualität von JPEG-Aufnahmen ist sehr gut,<br />
zeigt aber nicht alle Einzelheiten, die in einer<br />
Raw-Datei enthalten sind. Aus dem Raw-Format<br />
konvertierte JPEG-Bilder haben eine bessere<br />
Bildqualität als direkte JPEG-Aufnahmen.<br />
FOTOS: ISTOCK PHOTO
Die ultimative Bildqualität!<br />
Eine Aufnahme im Raw-Format enthält alle<br />
Daten, um das Bild perfekt belichtet und<br />
mit einer maximaler Detailschärfe<br />
hervorzubringen.<br />
LEE FROST
34 <strong>Digitale</strong> Kameras verstehen EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
17<br />
16<br />
15<br />
14<br />
Die Symbolleiste<br />
In der linken, oberen Ecke des Bildschirms findet man verschiedene Programmsymbole zur Bildbearbeitung. Die Version<br />
CS5 hat im Vergleich zu den CS4-Anwendungen, die im Folgenden beschrieben werden, einige zusätzliche Funktionen.<br />
Die Werkzeuge, die beim tagtäglichen Nachbearbeiten von Raw-Dateien vor allem zum Einsatz kommen, sind das<br />
„Zoom-“, „Hand-“, „Dreh-“ und „Weißabgleich-Werkzeug“. Andere kamerainterne Werkzeuge wie Subsampling,<br />
Zuschneiden, Begradigen und Retuschieren funktionieren zwar gut, wenn man nur mit der Kamera nachbearbeitet,<br />
sonst überlässt man diese Bearbeitungsfunktionen aber besser Photoshop. Die Funktion zur Entfernung roter Augen aus<br />
Fotos ist nützlich, viele Porträts im Raw-Format können dadurch aber nicht wie gewünscht nachbearbeitet werden.<br />
1 2 3 4 11 5 6 7 8 12 13 9<br />
1) Das Zoom-Werkzeug:<br />
ergrößert einen Ausschnitt. Dadurch<br />
werden Details besser sichtbar.<br />
2) Das Hand-Werkzeug:<br />
erlaubt das Verschieben des Bildes<br />
auf dem Desktop.<br />
3) Das Weißabgleich-<br />
Werkzeug: erlaubt die Korrektur<br />
oder die Bestimmung des<br />
Weißabgleichs durch Klicken auf<br />
neutrale Bereiche des Bildes.<br />
4) Das Farbaufnahme-<br />
Werkzeug : dient der Anpassung<br />
einer bestimmten Farbe, durch das<br />
Klicken auf den entsprechenden<br />
Bildbereich.<br />
5) Das Zuschneiden-<br />
Werkzeug: kann einen<br />
Ausschnitt zuschneiden.<br />
6) Das Gerade-Ausrichten-<br />
Werkzeug : korrigiert oder dreht<br />
einen wackeligen Horizont.<br />
7) Das Retuschieren-<br />
Werkzeug : korrigiert Flecken auf<br />
dem Sensor und andere ungewollte<br />
Fehleinstellungen.<br />
8) Das Rote-Augenentfernen-Werkzeug:<br />
korrigiert rote Augen in Porträts.<br />
9) Voreinstellungen: Im<br />
Dialog findet man die Raw-<br />
Voreinstellungen der Kamera.<br />
10) Bilddrehung: Das Bild im<br />
Uhrzeigersinn/Gegenuhrzeigersinn<br />
um 90 Grad drehen.<br />
10<br />
11) Das Zielkorrektur-<br />
Werkzeug: Anstelle der<br />
Schiebereglers, kann zur<br />
Nachbearbeitung mit der CS5-<br />
Version dieses Werkzeug auf das Bild<br />
gezogen werden.<br />
12) Das Reparaturpinsel-<br />
Werkzeug: Mit diesem Werkzeug<br />
können bestimmte Bildbereiche zur<br />
Reparatur lokalisiert werden (CS5).<br />
13) Das Verlaufsfilter-<br />
Werkzeug: Durch diese Funktion<br />
wird der Effekt eines Verlaufsfilters<br />
erzielt. Dadurch kann die<br />
Belichtung, Helligkeit, Kontrast,<br />
Farbsättigung, Klarheit, Schärfe und<br />
Farbe an den entsprechenden Filter<br />
angepasst werden (CS5).<br />
Objekt öffnen<br />
Nach Abschluss der<br />
Raw-Nachbearbeitung die<br />
Umschalttaste drücken und<br />
das Dialogfeld auf „Objekt<br />
öffnen“ schalten. Dadurch<br />
kann die Raw-Datei im<br />
Photoshop als Smart-Objekt<br />
bearbeitet werden. Ein<br />
Smart-Objekt hat den<br />
Vorteil, dass mit einem<br />
Doppelklick auf die<br />
Photoshop-Ebene die<br />
Raw-Datei in Adobe Camera<br />
Raw wieder geöffnet und<br />
weiterbearbeitet werden<br />
kann. Wird zusätzlich die<br />
Alt-Taste gedrückt, kann im<br />
Dialogfeld „Kopie öffnen“<br />
gewählt werden. Dadurch<br />
wird im Photoshop eine<br />
Kopie des Bildes geöffnet<br />
und das Original erhalten.<br />
Wird die Löschtaste auf<br />
„Zurücksetzen“ gestellt,<br />
wird das Bild wieder in den<br />
Originalzustand zurück<br />
verwandelt.
EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
<strong>Digitale</strong> Kameras verstehen 35<br />
So funktioniert ein Raw-Konverter<br />
Die originale Raw-Datei wird durch einen Raw-Konverter wie Adobe Camera Raw in das endgültige Bild verwandelt.<br />
Beim ersten Mal scheint ein Bildbearbeitungsprozess<br />
kompliziert zu sein, die erste Aufnahme mit einer<br />
digitalen Kamera ebenso wie die erste<br />
Nachbearbeitung im Photoshop. Man sollte sich aber<br />
davon nicht entmutigen lassen. Wenn man keine<br />
Ahnung hat, was man macht, ist die Methode oft<br />
„Versuch und Irrtum“, aber irgendwann kommt man<br />
meistens zum Ziel. Bei Raw-Dateien geht das<br />
ebenso.<br />
Der Hauptgrund, warum viele Fotografen auf das<br />
JPEG-Format zurückgreifen, ist, dass es schnell,<br />
einfach und sicher funktioniert: Die komplizierteren<br />
Einstellungen übernimmt dabei die Kamera, und mit<br />
einer kurzen Nachbearbeitung im Photoshop oder<br />
Lightroom ist das Bild fertig. Nimmt man hingegen<br />
im Raw-Format auf, sind erweiterte<br />
<strong>Fotografie</strong>kenntnisse gefragt. Jede Aufnahme wird<br />
dabei individuell bearbeitet. Auf die Entwicklung von<br />
Filmen übertragen wäre das Raw-Format die eigene<br />
Dunkelkammer und das JPEG-Format das Fotolabor.<br />
Lohnt sich dieser ganze Aufwand überhaupt?<br />
Aber klar! Um beim <strong>Fotografie</strong>ren das volle kreative<br />
und technische Potential auszunutzen, braucht man<br />
eine möglichst große Kontrolle über die einzelnen<br />
Faktoren, die das Bild beeinflussen. Dazu sind<br />
Kenntnisse über die wichtigsten Werkzeuge und<br />
Funktionen im Raw-Konverter von Photoshop, Adobe<br />
Camera Raw, entscheidend. Untenstehend wird die<br />
Registerkarte „Grundeinstellungen“ der Raw-<br />
Konversion erklärt.<br />
Die grundlegenden Werkzeuge<br />
bei der Raw-Konversion<br />
Die meisten Raw-Einstellelemente werden über<br />
Schieberegler angepasst und sind daher schnell und einfach<br />
zu benutzen. Im Folgenden die grundlegenden Features der<br />
Registerkarte „Grundeinstellungen“:<br />
Dialogfelder: Die Grundfunktionen zur<br />
Bearbeitung von Raw-Dateien befinden sich auf der<br />
rechten Seite des Raw-Dialogfeld, zwischen dem<br />
Histogramm und den Schiebereglern. Man findet acht<br />
Programmsymbole mit folgenden Einstellelementen<br />
(von links nach rechts): Grundeinstellungen,<br />
Farbtonkurve, Detail, HSL/Graustufen, Teiltonung,<br />
Objektivkorrekturen, Kamerakalibrierung und Vorgaben.<br />
Dynamik und Sättigung:<br />
Das Steuerelement Sättigung ist eine Alternative zum<br />
Regler „Sättigung“, um die Farben des Bildes<br />
gleichmäßig anzupassen.<br />
Das Dynamik-Werkzeug verstärkt vor allem blasse<br />
Farben, Farben mit einer hohen Sättigung werden<br />
kaum verändert.<br />
Schwarze Bildbereiche: Dieser Regler<br />
schiebt den linken Teil des Histogramms noch weiter<br />
nach links. Dadurch werden die schwarzen<br />
Bildbereichedominanter. Eine hilfreiche Methode um<br />
den Kontrast zu verstärken.<br />
Weißabgleich: Wenn man im Raw-Format<br />
aufnimmt, wird der Weißabgleich meist in der<br />
Nachbearbeitung angepasst. Dadurch hängt die<br />
Bildqualität nicht von der richtigen Weißabgleich-<br />
Voreinstellung der Kamera ab. Mit der Registerkarte<br />
„Grundeinstellungen“ können alle Weißabgleich-<br />
Voreinstellungen auf der Menüliste ausgewählt werden<br />
(zum Beispiel „Auto“, „Tageslicht“, „Wolken“ und so<br />
weiter). Die Farbtemperatur- und Tonregler erlauben<br />
einen benutzerdefinierten Weißabgleich. Zum gleichen<br />
Zweck dient auch das Werkzeug „Weißabgleich“ auf der<br />
Werkzeugleiste.<br />
Fülllicht: Diese Funktion verstärkt die Tiefenschärfe<br />
in Schattenbereichen ohne dabei schwarze Bereiche<br />
aufzuhellen. Ähnlich wie der Füllblitz bringt diese<br />
Funktion etwas mehr Licht in den Vordergrund. Mit dem<br />
Schwarzregler kann die Wirkung verstärkt werden. Man<br />
muss dabei allerdings aufpassen und nicht übertreiben,<br />
sonst wirken die Resultate unnatürlich.<br />
Klarheit: Durch dieses Steuerelement wird der Kontrast<br />
in bestimmten Bildbereichen verstärkt und das Bild gewinnt<br />
mehr Tiefe und Mitteltöne. Sie funktioniert ähnlich wie eine<br />
Unscharfmaskierung mit einem großen Radius im Photoshop.<br />
Der Bildbereich sollte dazu 100-prozentig vergrößert werden,<br />
bis an den Bildrändern Lichtschleier beobachtet werden.<br />
Belichtung: Oben an der Registerkarte<br />
„Grundeinstellungen“ findet man unter dem Weißabgleich<br />
den Belichtungsregler, mit dem die gesamte Helligkeit des<br />
Bildes eingestellt und überbelichtete Stellen korrigiert<br />
werden können. Die Blendwerte entsprechen dabei den f/<br />
Stufen. Für viele Fotografen ist dieses Werkzeug eine<br />
wichtige Hilfe, um die Belichtung der Kamera zu korrigieren.<br />
Wird die Belichtung zu weit erhöht, besteht die Gefahr von<br />
Bildrauschen und verschwommenen Bildbereichen.<br />
Gemeinsam mit der Funktion „Wiederherstellen“ können<br />
dabei Spitzlichter ausgeglichen werden.<br />
Helligkeit/Kontrast: Die Helligkeitsfunktion<br />
funktioniert ähnlich wie das Belichtungs-Steuerelement.<br />
Anstatt Spitzlichter und Schatten zu reduzieren,<br />
komprimiert und weitet sie die Bildinformation aus. Zuerst<br />
sollte dabei der Farbtonbereich mit Hilfe der Belichtungs-,<br />
Wiederherstellungs- und Schwarzreglern eingestellt und<br />
dann die Helligkeit bestimmt werden. Der Kontrastregler<br />
beeinflusst vor allem die Mitteltöne. Diese werden zur<br />
Verstärkung des Kontrastes erhellt oder verdunkelt.<br />
Wiederherstellen des Originalbildes:<br />
Es handelt sich um einen Bildspeicher für Aufnahmen<br />
mit überbelichteten Spitzlichtern. Der Erfolg der<br />
Aufnahmen sollte logischerweise nicht von dieser<br />
Funktion abhängen. Sie ist aber das nützlichste<br />
Werkzeug von Adobe Camera Raw, da man dadurch<br />
Spitzlichter reduzieren und Detailschärfe in Mitten<br />
zurückgewinnen kann. Trotzdem kann man mit dieser<br />
Funktion natürlich keine Wunder vollbringen. Ohne<br />
bestehende Details in der Aufnahme bringt auch die<br />
beste Bildbearbeitungfunktion nichts.<br />
Raw-Dialogfeld<br />
Wird die Raw-Datei in Adobe<br />
Camera Raw geöffnet, erscheint<br />
das Raw-Dialogfeld. Die<br />
Bildvorschau zeigt das Raw-Bild in<br />
seinem Originalzustand.<br />
14) Zoom: Die Größe des Bildes<br />
in der Bildvorschau kann gewählt<br />
werden. Mit Hilfe der<br />
Registerkarten links unten können<br />
Bildbereiche herangezoomt<br />
werden.<br />
15) Die Workflow-<br />
Optionen: Unten am<br />
Bildschirm befindet sich die<br />
Optionen „Workflow“. Wenn man<br />
darauf klickt, öffnet sich ein Dialog.<br />
Unter Farbraum kommt meist<br />
Adobe RGB (1998) zum Einsatz.<br />
Unter Tiefe sollte 16 Bits/Kanal<br />
gewählt werden. Die Größe sollte<br />
an die Pixel-Auflösung der Kamera<br />
angepasst werden. Es macht<br />
keinen Sinn, dabei auf die teuren<br />
<strong>Extra</strong>-Pixels der neuen Kamera zu<br />
verzichten. Es wird empfohlen,<br />
eine Auflösung von 300 Pixel/Zoll<br />
zu wählen.<br />
16) Histogramm: In der<br />
rechten oberen Ecke befindet sich<br />
das Histogramm des Bildes, das die<br />
Farbtonverteilung in Rot-, Grünund<br />
Blaukanälen anzeigt.<br />
Blaugrüne Bereiche bezeichnen<br />
Übergänge zwischen blauen und<br />
grünen Kanälen, gelbe Bereiche<br />
Übergänge zwischen roten und<br />
grünen Kanälen und violette<br />
Bereiche Übergänge zwischen<br />
roten und blauen Kanälen. Weiße<br />
Bereiche kennzeichnen Übergänge<br />
von allen drei Kanälen. Mit Hilfe des<br />
Histogramms kann die richtige<br />
Belichtung über die Regler geprüft<br />
werden.<br />
17) Farbumfang-<br />
Warnung: Die beiden<br />
dreieckigen Registerkarten oben<br />
rechts und links des Histogramms<br />
zeigen an, ob durch die Clipping-<br />
Funktion Schatten oder Spitzlichter<br />
reduziert wurden. Sind die Dreiecke<br />
schwarz, wurde keine Clipping-<br />
Funktion eingesetzt. Wechseln die<br />
Registerkarten die Farbe, zeigt dies,<br />
dass ein Farbkanal oder eine<br />
Kombination von Farbkanälen<br />
reduziert wurde. Ist das Dreieck<br />
weiß, bedeutet das, dass alle<br />
Kanäle reduziert wurden. Man kann<br />
die Registerkarten anklicken und<br />
dabei werden die Bildbereiche<br />
hervorgehoben, bei denen die<br />
Clipping-Funktion eingesetzt<br />
wurde. Reduzierte Schatten blinken<br />
dabei blau, reduzierte Spitzlichter<br />
rot.
36 <strong>Digitale</strong> Kameras verstehen EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
So verwandeln Sie Raw-Dateien in perfekte Bilder<br />
Hier erklären wir Schritt für Schritt, wie man auf einfach und<br />
effizient Raw-Dateien ins JPEG- und TIFF-Format konvertiert.<br />
Die Nachbearbeitung ist nicht wirklich schwer. Je nachdem, wie weit die<br />
Aufnahme vom gewünschten Bild entfernt ist, müssen verschiedene<br />
Anpassungen vorgenommen werden. Fotografen, die vor der digitalen Ära<br />
Erfahrungen mit Filmen gesammelt haben, bearbeiten die Bilder meist<br />
möglichst in der Kamera, wie sie es früher mit den Filmen machen<br />
mussten. Diese Gewohnheit schadet in diesem Zusammenhang nicht.<br />
Fotografen, die an digitale Kameras gewohnt sind, verlassen sich bei der<br />
Korrektur von Aufnahmefehlern meist vor allem auf die Software in der<br />
Nachbearbeitung und verbringen daher auch mehr Zeit dabei.<br />
Die schrittweise Anleitung in diesem Beitrag zeigt, wie Raw-Dateien mit<br />
Adobe Camera Raw bearbeitet werden und welche Effekte die einzelnen<br />
Werkzeuge auf das Bild haben. Als Beispiel wurde eine Raw-Datei gewählt,<br />
die eine große Nachbearbeitung verlangt. Normalerweise braucht man<br />
aber nur ein paar Minuten, um eine Raw-Datei zu öffnen, zu bearbeiten<br />
und in eine JPEG- oder TIFF-Datei der besten Bildqualität zu<br />
verwandeln.<br />
Beim Öffnen von Raw-Dateien sehen die Bilder oft flach und ausgewaschen aus. Der<br />
1 Grund dafür ist, dass das Bild in der <strong>Vorschau</strong> auf dem LCD-Display ein kleines,<br />
bereits bearbeitetes JPEG-Bild ist und daher meist besser aussieht.<br />
Raw-Dateien produzieren die besten Bilder, wenn die Farbtöne auf der rechten Seite<br />
2 des Histogramms dominieren. Berühren die Farbtöne die rechte Seite, werden<br />
Spitzlichter reduziert und manche Bereiche verlieren dadurch Detailschärfe. Beim<br />
Klicken auf das rote Dreieck über dem Histogramm werden überbelichtete Bereiche rot<br />
angezeigt.<br />
Reduzierte Spitzlichter kommen vor allem bei Landschaftsbildern im Bereich des<br />
3 Himmels vor. Überbelichtete Spitzlichter können mit dem Regler „Wiederherstellen“<br />
bis zu einem gewissen Grad im Adobe Camera Raw wiederhergestellt werden. Wird der<br />
Regler „Wiederherstellen“ auf 20 gestellt, wird der Himmel nach Spitzlichtern abgesucht.<br />
Die Wiederherstellungs-Funktion macht Himmel flacher und sollte daher mit Vorsicht<br />
eingesetzt werden.<br />
Da das Bild immer noch ziemlich ausgewaschen aussieht, sollte nun die richtige<br />
4 Belichtung bestimmt werden. Der Belichtungsregler wird nach links auf -0,75<br />
gestellt. Das Bild wird dadurch merklich dunkler. Insgesamt macht es aber immer noch<br />
einen etwas flachen und leblosen Eindruck. Das ist normal im Raw-Format und lässt sich<br />
einfach beheben.<br />
Beim Klicken auf das Farbtonkurve-Symbol auf der Menüleiste öffnet sich ein Dialog<br />
5 mit Schiebereglern für Spitzlichter, Lichter, dunkle Bereiche und Schatten. Beim<br />
gewählten Beispiel werden die Werte für Spitzlichter und Lichter erhöht und diejenigen<br />
der dunklen Bereiche und Schatten reduziert. Dadurch bekommt das Bild mehr Kontrast<br />
und wird lebendiger.<br />
Als Nächstes wird die Farbtemperatur geprüft. Die Beispielaufnahme wurde mit dem<br />
6 kamerainternen, automatischen Weißabgleich aufgenommen und hat daher einen<br />
leicht warmen Stich. Normalerweise ist das positiv, bei unserem Beispiel hinterlässt dieser<br />
warme Stich allerdings eine matschige Wirkung. Daher wird die Farbtemperatur auf<br />
Tageslicht (5500 K) umgestellt und der Eindruck wird dadurch etwas kühler.
Fertiges Bild<br />
Das Bild wurde als<br />
16-Bit-TIFF-Datei gespeichert und<br />
in Photoshop erneut geöffnet. Dort<br />
wurden Flecken auf dem Sensor mit<br />
dem Reparaturpinsel korrigiert und<br />
mit Hilfe der Tonwertkorrektur der<br />
Effekt des Himmels verstärkt.<br />
Nun geht es darum, die Farben hervorzuholen. Im Adobe Camera Raw gibt es dazu<br />
7 zwei Regler: Dynamik und Sättigung. Der Dynamikregler hat eine subtilere Wirkung,<br />
verstärkt er doch nur blasse Farbbereiche und verändert gesättigte Farben nicht. Bei<br />
unserem Beispiel sollte der Dynamikregler auf 20 gestellt werden.<br />
Ein weiterer nützlicher Regler im Adobe Camera Raw ist der Klarheitregler. Durch die<br />
8 Verstärkung des Kontrastes in ausgewählten Bereichen wird Tiefe gewonnen. Das Bild<br />
100-prozentig heranzoomen. Den Klarheit-Regler nach oben schieben, bis Lichtschleier<br />
erscheinen und dann den Wert leicht reduzieren. Es kann auch ein niedriger Wert, in<br />
diesem Fall +10 eingesetzt werden, um das Bild zu verbessern.<br />
Um eine optimale Bildqualität zu erreichen, müssen Raw-Dateien immer schärfer<br />
9 gezeichnet werden. Dazu gibt es verschiedene Möglichkeiten, und jeder Fotograf hat<br />
seine eigenen Vorlieben. Beim Einsatz von Adobe Camera Raw sollte das Bild zuerst auf<br />
100 % herangezoomt werden und dann die Regler mit einem Radius von 1.0 angepasst<br />
werden. Vorsicht mit Bildrauschen.<br />
Aufnahmen mit Ultraweitwinkel-Objektiven oder -Zoom zeigen oft eine<br />
10 Vignettierung, bei der die Ecken des Bildes dunkler werden als der Rest.<br />
Dies kann im Adobe Camera Raw im Programmfenster „Objektivkorrektur“ mit dem<br />
Objektivvignettierungsregler korrigiert werden. Farbliche Abweichungen können ebenfalls<br />
korrigiert werden.
38 <strong>Digitale</strong> Kameras verstehen EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
Weißabgleich<br />
Wenn Sie wissen, was es mit Farbtemperaturen auf sich hat, können Sie sicherstellen, dass Ihre Bilder genau<br />
so aussehen wie erwartet.<br />
Licht variiert nicht nur in seiner Intensität und Härte,<br />
sondern auch in seiner Farbe. Natürliches Tageslicht<br />
kann warm oder kalt sein, je nach Tageszeit und<br />
Wetterbedingungen, während Kunstlicht fast jede<br />
Farbe annehmen kann. Weil sich unsere Augen<br />
solchen Lichtfarbwechseln automatisch anpassen,<br />
interpretieren wir z. B. Weiß immer als Weiß. Ihre<br />
Kamera jedoch hat diese Fähigkeit nicht. Deshalb<br />
passiert es, dass Sie manchmal Bilder machen, die<br />
wärmer oder kälter aussehen als die Szene in Ihrer<br />
Erinnerung. Um dies zu vermeiden, verfügt Ihre<br />
Kamera über einige Weißabgleich-Voreinstellungen,<br />
die an typische Bedingungen von natürlichem und<br />
künstlichem Licht angepasst sind. Die Einstellung<br />
des Weißabgleichs dient nur dem alleinigen Zweck,<br />
unerwünschte Farbstiche zu eliminieren. Die<br />
meisten von Ihnen werden diese Einstellungen<br />
wahrscheinlich nie benutzen, sondern die Kamera<br />
den Weißabgleich automatisch einstellen lassen. Es<br />
lohnt sich aber, für kreative Aufnahmetechniken mit<br />
anderen Voreinstellungen zu experimentieren.<br />
FARBTEMPERATUR<br />
Die Farbe des Lichts wird als „Farbtemperatur“<br />
bezeichnet und auf der Kelvin-Skala (K) gemessen.<br />
Die Farbtemperatur des Tageslichts an einem<br />
sonnigen Tag gilt als neutral und beträgt etwa<br />
5500K, ebenso die eines Elektronenblitzgeräts. Bei<br />
Sonnenaufgang und Sonnenuntergang ist das Licht<br />
wärmer und die Farbtemperatur entsprechend<br />
niedriger bei etwa 3000K. Kerzenlicht hat eine noch<br />
niedrigere Farbtemperatur, sie beträgt etwa 2000K,<br />
Kunstlicht liegt bei etwa 3400K. Ist die<br />
Farbtemperatur des Lichts höher als 5500K, beginnt<br />
es kalt auszusehen. Bei bewölktem Wetter beträgt<br />
die Farbtemperatur etwa 7000K, was etwa der<br />
Farbtemperatur der Schatten von Sonnenlicht<br />
entspricht. In großen Höhen kann die<br />
Farbtemperatur leicht 10000K erreichen.<br />
Wenn Sie den Weißabgleich Ihrer Kamera auf<br />
„Tageslicht“ einstellen und bei Kunstlicht<br />
<strong>Fotografie</strong>ren, erhalten Ihre Bilder einen warmen<br />
Farbstich, weil der Sensor erst ab einer<br />
Farbtemperatur von etwa 5500K natürliche Farben<br />
produziert, die von Kunstlicht jedoch wesentlich<br />
niedriger ist. Umgekehrt weisen Ihre Bilder einen<br />
kalten Farbstich auf, wenn die Farbtemperatur des<br />
Lichts über 5500K beträgt.<br />
Den Weißabgleich ändern<br />
Das Licht während eines Sonnenuntergangs hat etwa 3000K, Licht im Schatten etwa 7000K.<br />
LEE FROST<br />
AUSWAHL DES WEISSABGLEICHS<br />
Da der Weißabgleich entscheidenden<br />
Einfluss auf die Bildfarben hat, erlauben<br />
die meisten Kameras schnellen Zugriff<br />
auf die Einstellungen über eine spezielle<br />
Weißabgleich-Taste. Sie ist meist in den<br />
Vierwegeschalter integriert oder<br />
zumindest in der Nähe angebracht. Hier<br />
wählen Sie eine Weißabgleich-<br />
Voreinstellung aus. Die meisten<br />
Kameras bieten identische<br />
Voreinstellungen, teurere Modelle<br />
bieten auch feinere Abstufungen, z. B.<br />
für das Licht verschiedener<br />
Leuchtstoffröhren<br />
CANON<br />
1) Drücken Sie die Weißabgleich-Taste des<br />
Vierwegeschalters auf der Rückseite der Kamera,<br />
wählen Sie die gewünschte Voreinstellung und<br />
drücken Sie die SET-Taste.<br />
2) Bei neueren Modellen erhalten Sie Zugriff auf die<br />
Weißabgleich-Einstellungen, indem Sie die Q-Taste<br />
drücken.<br />
2<br />
1<br />
NIKON<br />
1<br />
1) Drücken Sie die i-Taste, wählen Sie eine<br />
Voreinstellung mit dem Vierwegeschalter und<br />
bestätigen Sie die Auswahl mit der OK-Taste.<br />
2) Bei älteren Modellen drücken Sie die Weißabgleich-<br />
Taste links vom LCD-Monitor an der Kamerarückseite.<br />
Die Voreinstellungen werden auf der LCD-Anzeige<br />
oben auf dem Kameragehäuse angezeigt.
EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
<strong>Digitale</strong> Kameras verstehen 39<br />
Weißabgleich-Voreinstellungen<br />
AUTO WEISSABGLEICH (AUTO / AWB):<br />
Dies ist die Standard Weißabgleich-<br />
Einstellung, die von den meisten Fotografen<br />
verwendet wird. Die Automatik bewertet die<br />
Ausgewogenheit der Farben einer Szene und versucht<br />
den optimalen Weißabgleich für eine natürliche<br />
Farbgebung zu liefern. Bei Farbtemperaturen zwischen<br />
3000K und 7000K funktioniert dies meist sehr gut,<br />
während ungewöhnliche oder dunkle Lichtverhältnisse<br />
oft eine andere Weißabgleich-Voreinstellung erfordern.<br />
TAGESLICHT: Dieser Einstellung<br />
eignet sich am besten bei<br />
normalem Tageslicht. Sie geht von<br />
einer Farbtemperatur von 5200K aus, die an<br />
einem sonnigen Tag zu erwarten ist. Die<br />
Einstellung eignet sich für das <strong>Fotografie</strong>ren<br />
im Freien, unabhängig von Ihrem Motiv. Bei<br />
Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang<br />
bekommen Ihre Bilder einen wärmeren<br />
Farbton, was aber durchaus von Vorteil ist.<br />
SCHATTEN: Tageslicht ist im Schatten<br />
weicher als im vollen Sonnenlicht. Für<br />
Porträts oder bei Makroaufnahmen kann es<br />
deshalb wünschenswert sein, das Motiv im Schatten<br />
aufzunehmen. Allerdings sehen Ihre Bilder dann<br />
eventuell kälter aus als gewünscht, denn die<br />
Farbtemperatur im Schatten liegt mit etwa 7000K<br />
höher als normales Tageslicht und erzeugt einen<br />
Blaustich. Diesen Effekt können Sie vermeiden,<br />
indem Sie den Weißabgleich auf „Schatten“ einstellen.<br />
ALL IMAGES: LEE FROST PAUL WARD<br />
BEWÖLKT: Falls eine Wolke die Sonne<br />
verdeckt, steigt die Farbtemperatur<br />
leicht auf 6000K, ähnlich der<br />
Farbtemperatur in schattigen Bereichen.<br />
Dadurch könnten Ihre Bilder kühler wirken. Der<br />
Unterschied der Farbtemperatur ist nur gering,<br />
trotzdem ist er auf einem Foto zu erkennen. Bei<br />
bewölktem Himmel liefert die Einstellung<br />
„Bewölkt“ deswegen oft ein ausgeglicheneres<br />
Resultat.<br />
KUNSTLICHT: Würden Sie bei<br />
Kunstlicht die Weißabgleich-Einstellung<br />
für Tageslicht benutzen, hätten Ihre<br />
Bilder einen Gelbstich, denn die Farbtemperatur<br />
des Kunstlichts ist sehr niedrig, etwa zwischen<br />
3200K und 3400K. Obwohl der automatische<br />
Weißabgleich normalerweise ausgeglichene<br />
Farben liefert, ist die Kunstlicht-Einstellung<br />
sinnvoll. Allerdings kann einfallendes Tageslicht<br />
einen Blaustich erzeugen.<br />
LEUCHTSTOFF: Licht aus Leuchtstoffröhren<br />
ist schwierig auszubalancieren, weil es<br />
verschiedene Arten von Leuchtstoffröhren<br />
gibt, die unterschiedliche Farbtemperaturen haben und<br />
die sich zu allem Überfluss auch noch mit<br />
zunehmendem Alter der Leuchtstoffröhre ändern. Die<br />
entsprechende Voreinstellung arbeitet mit einem<br />
Durchschnittswert, der meistens ein annehmbares<br />
Ergebnis erzeugt. Um den vorhandenen Grünstich zu<br />
kompensieren, wird dem Licht Magenta hinzugefügt.<br />
ISTOCK PHOTO<br />
ISTOCK PHOTO<br />
ISTOCK PHOTO<br />
BLITZ: Der Elektronenblitz – ganz gleich ob<br />
der in die Kamera integrierte Blitz, ein<br />
separates Blitzgerät oder ein Studioblitz –<br />
erzeugt Licht mit einer Farbtemperatur, die Tageslicht<br />
sehr ähnlich ist, also etwa 5500K bis 6000K. Sie können<br />
also mit dem Tageslicht-Weißabgleich fotografieren,<br />
insbesondere wenn sich das Blitzlicht mit Tageslicht<br />
vermischt. Ist der Blitz die einzige Lichtquelle, lohnt sich<br />
die Voreinstellung „Blitz“, weil sie dem Blitzlicht genauer<br />
angepasst ist.<br />
ANGEPASST: Mit dieser Einstellung erzeugen Sie<br />
einen Weißabgleich, welcher auf der Farbbalance<br />
in einer spezifischen Situation basiert. Dazu<br />
machen Sie ein Testfoto mit einer Weiß- oder Graukarte und<br />
lassen die Kamera den Weißabgleich justieren, sodass die<br />
Karte neutral abgebildet wird. Dadurch werden Farbstiche<br />
von Bildern eliminiert, die unter gleichen Lichtverhältnissen<br />
aufgenommen wurden. Der angepasste Weißabgleich wird<br />
oft benutzt, wenn unter besonderen Lichtverhältnissen eine<br />
hohe Farbtreue benötigt wird.<br />
MANUELL: Die letzte Möglichkeit<br />
für eine exakte Farbbalance besteht<br />
darin, die Farbtemperatur des<br />
Umgebungslichts zu messen und die<br />
Kamera manuell auf diesen Kelvin-Wert<br />
einzustellen. Dazu benötigen Sie jedoch ein<br />
Farbtemperaturmessgerät, das nicht zur<br />
Standardausrüstung von<br />
Amateurfotografen zählt.
40 <strong>Digitale</strong> Kameras verstehen EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
Eigene Einstellungen<br />
Kennen Sie das Setup-Menü und die<br />
anpassbaren Funktionen Ihrer Kamera? In<br />
diesen Menüs verstecken sich Einstellungen,<br />
mit denen Sie auf alle existierenden<br />
Funktionen Einfluss nehmen können. Es<br />
lohnt sich, einige Zeit darauf zu verwenden,<br />
die Einstellungen so anzupassen, dass die<br />
Kamera genau die Art Ergebnisse liefert, die<br />
Sie sehen wollen.<br />
Dateinummerierung<br />
Mit dieser Einstellung<br />
entscheiden Sie, ob mit jeder<br />
eingelegten Speicherkarte der<br />
Neubeginn der<br />
Nummerierung erfolgen soll,<br />
oder ob die Nummerierung<br />
kontinuierlich weiter laufen soll. Wir<br />
empfehlen die kontinuierliche Nummerierung,<br />
denn sonst besteht die Gefahr, dass Sie<br />
unterschiedliche Bilder mit demselben<br />
Dateinamen auf dem Computer haben, und das<br />
kann zu versehentlichem Übereinanderkopieren<br />
führen, was dazu führt, dass mindestens eines<br />
der Bilder mit identischem Namen<br />
unwiederbringlich verloren ist. Da helfen auch<br />
keine Datenrettungsprogramme mehr. Bei<br />
manchen Kameras können Sie die<br />
Buchstabenkombination, mit der die<br />
Dateinamen beginnen, ändern. Sie können<br />
beispielsweise Ihre Initialen verwenden.<br />
Setup eigener Bedienelemente<br />
Wenn Ihre Kamera mit zwei Einstellrädern<br />
ausgestattet ist, kann es<br />
lästig sein, dass das mit<br />
dem Daumen zu<br />
betätigende Einstellrad<br />
oben am Gehäuse die<br />
Verschlusszeit steuert und<br />
das Fronteinstellrad mit<br />
dem Zeigefinger bedient werden muss.<br />
Manche Kameras erlauben jedoch, diese<br />
Funktionalitäten zu vertauschen. Oft können Sie<br />
auch aussuchen, in welche Richtung das Rad<br />
gedreht werden kann, um die entsprechenden<br />
Einstellwerte zu verringern oder zu erhöhen.<br />
Manche Olympus-Modelle lassen Ihnen sogar<br />
die Wahl, in welche Richtung der<br />
Scharfeinstellring gedreht werden soll.<br />
Hörbarer Piepton<br />
Die einen wollen eine<br />
Rückmeldung der<br />
Kamera in Form eines<br />
Pieptons, wenn die<br />
korrekte Schärfe<br />
eingestellt ist, die anderen irritiert<br />
dieser Ton. Wenn Sie zur zweiten Gruppe<br />
gehören, suchen Sie im Menüsystem Ihrer<br />
Kamera die Einstellmöglichkeit, mit der Sie den<br />
Ton abschalten können.<br />
Raster im Sucher<br />
Wenn Sie zu den Leuten<br />
gehören, die Ihre Kamera<br />
nie gerade halten<br />
können, so dass Sie<br />
immer mit einem<br />
kippenden Horizont zu<br />
kämpfen haben,<br />
werden Sie das Einblenden eines<br />
Rasters in das Sucherbild begrüßen. Manche<br />
Hersteller zeigen das Raster im Live-View, was<br />
besonders in der Architekturfotografie von<br />
Nutzen ist.<br />
Funktionsknopf<br />
Viele Kameras bieten<br />
einen Funktionsknopf,<br />
den Sie mit bestimmten<br />
Funktionen belegen<br />
können. Das kann die<br />
Aktivierung des Live-Views, das Umschalten in<br />
den Raw-Modus, das Aktivieren einer<br />
bestimmten Belichtungsmessmethode oder ein<br />
bestimmter Autofokus-Modus sein.<br />
Nehmen Sie die Kameravoreinstellungen<br />
Ihren Bedürfnissen entsprechend vor<br />
Lernen Sie Neues über Ihre Kamera, das Ihre Gewohnheiten,<br />
wie Sie fotografieren, verbessern wird – garantiert!<br />
Auto-ISO-Modus<br />
Als man noch auf Film fotografierte, wurde der ISO-Wert beim Einlegen des Films<br />
in die Kamera automatisch eingestellt, und das war`s dann für die nächsten 36<br />
Bilder. In der Digitalfotografie ist aus dem ISO-Wert eine weitere Einstellvariable<br />
geworden, ganz wie Blendenwerte und Verschlusszeiten. Sie können den<br />
ISO-Wert je nach Kamera in Halb- oder Drittelschritten über einen Bereich von<br />
sieben Blendenstufen ändern. Das ist mehr als der Blendenbereich mancher<br />
Standard-Zoomobjektive.<br />
Damit der ISO-Wert als Variable nutzbar wird, haben die meisten Digitalkameras<br />
eine automatische ISO-Einstellung, bei der der ISO-Wert automatisch angehoben<br />
wird, wenn sich die Lichtverhältnisse verschlechtern. Das gewährleistet Verschlusszeiten, die kurz genug sind, damit das<br />
Foto nicht verwackelt. Manche Pentax-Modell haben sogar einen ISO-Prioritätsmodus (SAv), bei dem Verschlusszeit und<br />
Blende fest eingestellt bleiben und sich nur der ISO-Wert den Lichtverhältnissen anpasst.<br />
Die automatische ISO-Einstellung ist besonders nützlich für Straßenfotografen. Wenn das Licht sich ändert und Sie schnell<br />
arbeiten müssen, haben Sie nicht immer die Gelegenheit, zu überprüfen, ob die Verschlusszeit kritisch langsam geworden<br />
ist oder nicht und Sie gegebenenfalls den ISO-Wert vergrößern sollten. Warum lassen Sie das nicht die Kamera erledigen?<br />
Bei vielen Digitalkameras können Sie die automatische ISO-Einstellung sogar anpassen, indem Sie eine minimale<br />
Verschlusszeit festlegen, bei deren Unterschreiten die Kamera stattdessen den ISO-Wert ändert. Ebenso können Sie den<br />
maximalen ISO-Wert festlegen. Das ist wichtig, denn je höher der ISO-Wert steigt, desto mehr Abstriche müssen Sie wegen<br />
des sich verstärkenden Bildrauschens an der Bildqualität vornehmen. Experimentieren Sie mit diesen Einstellungen, damit<br />
Sie Ihr eigenes „ISO-Limit“ herausfinden, die Einstellung, die für Sie noch akzeptable Resultate liefert, die aber nicht mehr<br />
schlechter werden dürfen. Sind Sie glücklicher Besitzer einer Vollformat-Kamera wie der Canon EOS 5D MkII oder der<br />
Nikon D700 – dann kann der ISO-Wert ohne Weiteres auf 3200 oder sogar höher steigen. Bei den meist verbreiteten<br />
Kameras jedoch dürfte ein realistischer ISO-Wert zwischen 640 und 800 liegen.<br />
Live-View-Modus<br />
Der Live-View ist eine Funktionalität, mit deren Hilfe Sie die<br />
Bildkomposition am in der Kamera eingebauten Monitor<br />
vornehmen und nicht durch den Kamerasucher. Als die Live-View<br />
Funktion noch wenig verbreitet war, wurde sie von vielen als<br />
Spielerei belächelt, doch mittlerweile haben sich mehr und mehr<br />
Anwendungen dafür ergeben. Die Offensichtlichste ist das<br />
Ausprobieren unterschiedlicher Blickwinkel, ohne dass Sie sich<br />
groß bewegen müssten. <strong>Fotografie</strong>ren von unten oder über den<br />
Kopf in einer Menschenmenge ist wesentlich einfacher geworden.<br />
Doch es gibt noch weitere Vorteile: Für viele ist es einfacher, die<br />
beste Bildkomposition zu finden, wenn sie den Monitor und nicht<br />
den Sucher verwenden. Und wenn Sie die Kamera auf<br />
schwarzweiß stellen, sehen Sie Ihr Motiv auch auf dem Bildschirm<br />
in schwarzweiß. Bei manchen Kameras – Canon und Pentax sind<br />
hier zu nennen – funktioniert der Live-View sogar, wenn Sie die<br />
Blende einstellen. Sie haben also eine <strong>Vorschau</strong> auf den<br />
Tiefenschärfebereich und den Effekt von Graufiltern.<br />
OBEN: Der Live-View ist nützlich für die<br />
Bildkomposition.<br />
ISTOCK PHOTOS
EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
<strong>Digitale</strong> Kameras verstehen 41<br />
ROSS HODDINOTT<br />
Auto-Kontrollanzeige<br />
aus<br />
Eine Funktion, die<br />
ähnlich zwiespältige<br />
Reaktionen wie der<br />
Piepton hervorruft, ist<br />
die automatische Anzeige<br />
des jeweils letzten Bildes auf dem<br />
Kameramonitor, unmittelbar nachdem es<br />
geschossen wurde. Das verbraucht nicht nur<br />
mehr Strom, es kann auch stark ablenken,<br />
wenn Sie durch den Sucher schauen. Noch<br />
ein weiterer Grund spricht für das abschalten<br />
dieser Funktion: Während Sie das Bild<br />
betrachten, verpassen Sie womöglich die<br />
Chance für weitere gute Fotos desselben<br />
Motivs. Manche Kameras verfügen auch über<br />
eine automatische Ausschaltfunktion, die<br />
Strom sparen soll. Auch Sie kann nach<br />
Wunsch deaktiviert werden oder man kann<br />
das Zeitintervall verändern.<br />
Bildstile/Filtereffekte<br />
Das Großartige an der Digitalfotografie ist, dass Sie Faktoren wie<br />
Farbsättigung, Kontrast und Schärfe voll unter Kontrolle haben, wenn<br />
Sie Bilder am Computer nachbearbeiten – aber haben Sie auch<br />
gewusst, dass Sie das schon in der Kamera tun können? Die meisten<br />
Kameras bieten die Möglichkeit, die oben genannten Parameter zu<br />
verstellen. Das reicht von Voreinstellungen wie Quer- oder Hochformat<br />
bis hin zu bestimmten Kombinationen von Farbsättigung, Kontrast<br />
und Schärfe. Wenn Ihre Kamera die manuelle Steuerung der<br />
Bildparameter bietet, sollten Sie hier anfangen: Versuchen Sie, die<br />
Farbsättigung soweit zu senken, dass Sie fast ein Schwarzweiß-Bild<br />
haben, dann verstärken Sie den Kontrast so weit wie möglich. Das<br />
ergibt ein hartes, grobkörniges Erscheinungsbild – ein Effekt, der sich<br />
hervorragend für Porträts eignet. Bei Landschaftsbildern sollten Sie<br />
die Einstellungen vertauschen – soviel Farbsättigung wie möglich bei<br />
normalem Kontrast.<br />
Benutzen des Histogramms<br />
Wenn Sie ein Foto mit Ihrer Kamera gemacht haben, ist das erste, was<br />
Sie danach tun, sich das Bild auf dem Kameramonitor anzusehen.<br />
Nichts ist falsch daran – das ist eigentlich der größte Vorteil der<br />
Digitalfotografie . Doch können Sie dem Bild, das Ihnen dieser Monitor<br />
liefert, wirklich trauen? Ja und nein, sollte man hier antworten. Sie<br />
können es vergrößern und überprüfen, ob die Schärfe korrekt ist, Sie<br />
können den Bildausschnitt und die Bildkomposition überprüfen. Doch<br />
wenn es um die Belichtung geht, zeigt dieser eher bescheidene<br />
Bildschirm nicht immer die Realität. Das liegt am Einfluss des<br />
Umgebungslichts – hellen Sonnenlicht lässt Fotos immer unterbelichtet<br />
aussehen, eine dunkle Umgebung macht das Monitorbild heller.<br />
Unbestechlich ist dagegen das Histogramm der Kamera. Dabei handelt<br />
es sich um eine grafische Repräsentation der Farbverteilung in dem<br />
aufgenommenen Foto: Die X-Achse zeigt die Farbtöne von Pechschwarz<br />
auf der linken Seite bis zu Schneeweiß auf der rechten Seite. Auf der<br />
Y-Achse ist die Zahl der Pixel eines bestimmten Farbtons abgetragen.<br />
Man sollte diese Darstellung im Hinblick auf bestimmte Trends<br />
interpretieren, nicht anhand der „harten“ Daten. Ein durchschnittliches<br />
Motiv, richtig belichtet und mit einer Vielfalt an Farben, sollte eine<br />
einigermaßen gleichmäßige Verteilung der Töne im Histogramm<br />
aufweisen. Ist das Foto unterbelichtet, wird ein Schwerpunkt auf der<br />
linken Seite (Schwarz) sichtbar sein, bei Überbelichtung auf der rechten<br />
(weißen) Seite. Dieses Histogramm ist ein viel genauerer Indikator für die<br />
Qualität der Belichtung, als ein noch so genauer Blick auf das Bild selbst.<br />
Allerdings gilt das nur für „durchschnittliche“ Motive. In einer Szene mit<br />
Extremen – also überwiegend dunkle oder überwiegend helle<br />
Farbtöne – wird das Histogramm natürlich zu der einen oder anderen<br />
Seite der Skala neigen. Doch auch hier gilt: Wenn Sie wissen, wonach Sie<br />
im Histogramm suchen, können Sie feststellen, wie nahe Sie an der<br />
richtigen Belichtung sind. Weitere Informationen zum Histogramm<br />
finden Sie auf Seite 60.<br />
OBEN: Bestimmen Sie einen<br />
Bildstil im Menü und wählen aus<br />
den Optionen aus.<br />
Helle Szene<br />
Durchschnittliche Szene<br />
Dunkle Szene<br />
Auslösen ohne<br />
Speicherkarte<br />
Dies ist eine<br />
Einstellung, die Sie<br />
einmal überprüfen und<br />
dann nie wieder<br />
anfassen sollten. Es<br />
ist absolut davon<br />
abzuraten, die Kamera in einen Zustand<br />
zu bringen, in dem sie ohne eingelegte<br />
Speicherkarte auslösen kann. Was soll das?<br />
Es ist nur eine Frage der Zeit, bis Sie die<br />
Bildserie Ihres Lebens geschossen haben –<br />
und kein einziges Foto gespeichert wurde<br />
AF/AE Lock<br />
Eine der nützlichsten<br />
Funktionen Ihrer<br />
Kamera ist die, die<br />
festlegt, wie die AFund<br />
AE-<br />
Verriegelungsfunktionen<br />
arbeiten sollen. Da hat jeder Fotograf seine<br />
eigenen Vorstellungen, und deswegen ist es<br />
gut, dass Sie die Arbeitsweise anpassen<br />
können. Was soll beispielsweise passieren,<br />
wenn Sie den Auslöser halb herunterdrücken?<br />
Sollen beide, Scharfeinstellung und<br />
Belichtungsparameter verriegelt werden?<br />
Oder nur die Scharfeinstellung? Oder nur die<br />
Belichtung? Vielleicht wollen Sie aber die<br />
Belichtung durch Drücken des AE-L Knopfes<br />
verriegeln? Oder die Verriegelung soll erfolgen,<br />
wenn Sie den Knopf drücken, aufrecht<br />
erhalten bleiben und erst entriegeln, wenn Sie<br />
den Knopf ein zweites Mal drücken? Wie auch<br />
immer Ihre Präferenzen sein mögen, die<br />
meisten Kameras können Ihren Vorstellungen<br />
entsprechend angepasst werden.<br />
Bildschirmhelligkeit<br />
Probleme mit der<br />
Erkennbarkeit des<br />
Bildschirms im grellen<br />
Sonnenlicht? Sie<br />
können die Helligkeit<br />
verstärken, indem Sie<br />
den entsprechenden Menüpunkt des<br />
Kameramenüs auswählen. Oder Sie regeln<br />
die Helligkeit herunter, wenn Sie die<br />
Akkubetriebszeit verlängern wollen oder wenn<br />
Sie in dunkler Umgebung<br />
arbeiten.<br />
Eigenes Menü einrichten<br />
Wenn Sie bis hierher<br />
gelesen haben und ein<br />
paar neue Dinge über<br />
Ihre Kamera herausgefunden<br />
haben, haben Sie ganz nebenbei auch viel<br />
darüber erfahren, wie Ihre Kamera<br />
funktioniert. Vielleicht sind Sie aber auch<br />
irritiert, weil Sie sich nicht erinnern können,<br />
welches Menü eine bestimmte Funktion<br />
enthält. Für diesen Fall bieten einige Kameras<br />
ein individuell erstellbares Menü, oft „My<br />
Menu“ genannt. Probieren Sie’s aus.
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EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
Die Grundlagen 43<br />
GRUNDLAGEN<br />
DER FOTOGRAFIE<br />
WESENTLICHE PRINZIPEN FÜR DIE BESTEN BILDER IHRES LEBENS<br />
BILDKOMPOSITION<br />
VERSTEHEN<br />
SOUVERÄNER UMGANG<br />
MIT DER BLENDE<br />
BEWEGUNG<br />
EINFANGEN
44 Die Grundlagen EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
Bildkomposition<br />
Die richtige Anordnung der Elemente Ihres Motivs ist entscheidend für die Wirkung des Fotos.<br />
Wenn Sie dafür ein paar einfache Grundregeln beachten, kann kaum etwas schiefgehen.<br />
LEE FROST<br />
ISTOCKPHOTO<br />
KREATIVES ZUSCHNEIDEN<br />
Obwohl die gewünschte Bildkomposition eigentlich<br />
schon vor der Aufnahme vorgenommen werden<br />
sollte, ist die Möglichkeit des nachträglichen<br />
Zuschneidens einer der Vorteile der Digitalfotografie.<br />
Es passiert gelegentlich, dass Ihnen erst bei der<br />
Nachbearbeitung am Computer die optimale<br />
Bildkomposition einfällt, obgleich das nicht zur Regel<br />
werden sollte. In solchen Fällen kann ein neuer<br />
Zuschnitt dem Motiv einen ganz neuen Charakter<br />
geben. Vielleicht sehen Sie erst in der<br />
Nachbearbeitung, dass ein Foto im Querformat<br />
besser wirkt als im Hochformat, was bei der<br />
Aufnahme nicht aufgefallen war. Doch nicht nur<br />
<strong>Landschaftsfotos</strong> können durch Zuschnitt verbessert<br />
werden, sondern auch Architektur, Stillleben,<br />
abstrakte Motive und sogar Porträts. Ein quadratischer<br />
Zuschnitt beispielsweise ändert die Stimmung eines<br />
Bildes, weil die totale Symmetrie mehr<br />
Ausgewogenheit und Ruhe erzeugt.<br />
Experimente mit verschiedenem Zuschnitt machen<br />
Spaß und können produktiv sein. Sie brauchen sich<br />
keine Sorgen zu machen, ein Foto zu ruinieren, wenn<br />
Sie noch die Originalversion haben.<br />
SYMMETRIEN FINDEN<br />
Die Suche nach Symmetrien kann die Regeln<br />
der Bildkomposition verletzen, weil sie oft dazu<br />
führt, dass der Horizont und die Hauptelemente<br />
eines Motivs ins Zentrum des Bildes gerückt<br />
werden. Wird dies jedoch mit der „richtigen“<br />
Szene gemacht, sodass es dem Motiv zugute<br />
kommt, können fantastische Bilder entstehen.<br />
Spiegelungen sind eine häufige Form der<br />
Symmetrie, der man kaum widerstehen kann<br />
– versuchen Sie einmal ein Porträt im<br />
Spiegelkabinett eines Jahrmarkts. In Architektur<br />
und Konstruktion werden Sie viele Symmetrien<br />
finden, seien es Hängebrücken, Bürogebäude,<br />
die Stelen eines Landungssteges oder die<br />
Verstrebungen von Strommasten. Die Natur<br />
bietet Symmetrien z. B. in den Bäumen einer<br />
Allee, der Anordnung von Pilzen auf einem<br />
Baumstumpf oder in Form von Spinnennetzen.<br />
Entscheidend bei der Aufnahme von<br />
Symmetrien ist der richtigen<br />
Kamerastandpunkt. Ist die Symmetrie „real“ und<br />
nicht durch eine Spiegelung erzeugt, wird es<br />
fast immer nur einen einzigen Standpunkt<br />
geben, von dem die Symmetrie erkennbar ist<br />
und von dem aus sie fotografiert werden sollte.<br />
Es versteht sich von selbst, dass die Kamera bei<br />
der Aufnahme genauestens horizontal oder an<br />
einer Symmetrieachse ausgerichtet werden<br />
muss.<br />
Wenn sich gar keine Symmetrie finden lässt,<br />
kann sie in der Nachbearbeitung erzeugt<br />
werden. Dazu schneiden Sie die Hälfte des<br />
Bildes aus, kopieren es, spiegeln die kopierte<br />
Hälfte und fügen Sie mit dem<br />
Verschieben-Werkzeug an die Originalhälfte an<br />
– voilà, perfekte Symmetrie, künstlich<br />
erschaffen. Diese Arbeitstechnik hat sich bei<br />
Architekturmotiven bewährt, ergibt aber auch<br />
bei Porträtfotos einen faszinierenden Effekt.<br />
EINEN MASSSTAB ERZEUGEN<br />
Um den Eindruck von Distanz und Tiefe im Bild hervorzurufen, besteht eine<br />
Methode darin, Elemente einzubeziehen, die der Szene einen Maßstab geben.<br />
Erwachsene Menschen sind zu diesem Zweck gut geeignet, weil sie mehr oder<br />
weniger gleich groß wirken. Wenn Sie das Foto eines Wasserfalls betrachten, vor<br />
dem ein Mensch zwergenhaft wirkt, muss der Wasserfall sehr hoch sein. Ohne die<br />
Person im Bild hätten Sie keine Vergleichsmöglichkeit und könnten keine<br />
Aussage über die Höhe des Wasserfalls treffen. Andere Objekte von relativ<br />
konsistenter Größe eignen sich ebenso gut, um einen Maßstab in ein Bild<br />
einzuführen, seien es Bäume, Gebäude, oder Tiere.<br />
Um den stärksten Effekt zu erzielen, bilden Sie das Maßstabs-Objekt sehr klein<br />
ab. Nutzen Sie ein Teleobjektiv, um die Perspektive so zu komprimieren, dass<br />
kleine und große Bildelemente näher beieinander liegen. Weitwinkelobjektive<br />
sind ungeeignet, denn sie kehren den Effekt um, weil Objekte im Vordergrund<br />
größer erscheinen als im Hintergrund.<br />
Es gibt auch Gelegenheiten, wenn der Betrachter die tatsächliche Größe eines<br />
Objekts nicht erkennen soll. In diesem Fall vermeiden Sie einen Maßstab, um den<br />
gegenteiligen Effekt zu erzeugen. Die Wellenmuster auf einem Sandstrand bei<br />
Ebbe können z. B. für Sanddünen einer Wüste gehalten werden, oder die<br />
Nahaufnahme eines Felsbrockens für die Luftaufnahme eines zerklüfteten<br />
Geländes. Ohne einen Maßstab im Bild ist der Unterschied nicht zu erkennen.<br />
LEE FROST
EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
Die Grundlagen 45<br />
PERSPEKTIVE<br />
Obwohl die <strong>Fotografie</strong> ein zweidimensionales Medium<br />
ist, können wir durch geschicktes Ausnutzen der<br />
Perspektive den Eindruck von Dreidimensionalität<br />
herstellen. Am einfachsten ist dies, wenn sich Objekte<br />
im Bild überlagern; wenn sich beispielsweise Berge<br />
teilweise gegenseitig verdecken, muss logischerweise<br />
ein Abstand zwischen ihnen vorhanden sein. Es gibt<br />
jedoch effizientere Verfahren, Dreidimensionalität<br />
vorzutäuschen. Je weiter sich ein Objekt von uns<br />
entfernt befindet, desto kleiner erscheint es uns.<br />
Wenn Sie direkt neben einem Gebäude stehen, wird es<br />
Sie für einen entfernt stehenden Betrachter „haushoch“<br />
überragen, doch wenn Sie nur ein paar Meter auf den<br />
Betrachter zu laufen, wird das Gebäude relativ zu Ihnen<br />
immer kleiner werden. Deswegen erzeugt ein<br />
interessanter Vordergrund in einem mit<br />
Weitwinkelobjektiv aufgenommenen Landschaftsfoto<br />
einen so starken Eindruck von Entfernung und Tiefe.<br />
Ein Holztor beispielsweise, das im Vordergrund zu<br />
sehen ist, sieht viel größer aus als die Berge in der<br />
Landschaft, also müssen die Berge weit entfernt sein.<br />
Ein anderer Trick, um „reale“ Perspektive zu erzeugen,<br />
besteht darin, eine Reihe von Objekte ähnlicher Größe<br />
zu fotografieren, das klassische Beispiel ist die mit<br />
Bäumen bestandene Allee. Der Baum am nächsten vor<br />
der Kamera erscheint am größten, der am weitesten<br />
entfernte Baum am kleinsten, die Größe der Bäume<br />
dazwischen nimmt graduell ab.<br />
Die Wirkung einer Aufnahme aus großer Höhe und<br />
Entfernung beruht darauf, dass die Intensität der Farben<br />
aufgrund der Dichte der Atmosphäre abnimmt. Wenn<br />
Sie bei Sonnenaufgang von einem Berggipfel auf die<br />
umliegenden Berge schauen, erscheinen die Berge<br />
direkt vor der Kamera dunkler als die weiter entfernten;<br />
dasselbe gilt für Bäume im Nebel oder eine hügelige<br />
Landschaft, die sich zum Horizont erstreckt. Um den<br />
Effekt zu verstärken, nutzen Sie ein Teleobjektiv und<br />
positionieren die entfernten Teile der Szene in die<br />
Bildmitte.<br />
Umgekehrt kann der Eindruck einer Luftaufnahme<br />
durch bewussten Einsatz von Farbe hervorgerufen<br />
werden. Objekte mit kühlen Farben wie Blau und Grün<br />
scheinen weiter entfernt zu sein, Objekte mit warmen<br />
Farbtönen wie Rot, Orange und Gelb wirken kürzer<br />
entfernt. Sie können diesen Effekt ausnutzen und in Ihre<br />
Bildkomposition einbeziehen, z. B. indem Sie<br />
Frühlingsblumen vor grünem Blattwerk und blauem<br />
Himmel fotografieren.<br />
LEE FROST LEE FROST
46 Die Grundlagen EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
ISTOCK PHOTO<br />
DIE DRITTELREGEL<br />
Die wohl einfachste Regel für eine ausgewogene, dem<br />
Auge gefällige Bildkomposition ist die Drittelregel. Sie<br />
beruht auf der Proportion des „Goldenen Schnitts“, ist<br />
also schon sehr alt und liefert ein solides Fundament für<br />
Ihre Bildkomposition.<br />
Die Drittelregel besagt: Teilen Sie das Sucherbild der<br />
Kamera durch zwei horizontale und zwei vertikale<br />
Linien in ein Raster von neun gleichen Feldern ein. Falls<br />
Ihre Kamera über ein zuschaltbares Bildraster verfügt, ist<br />
dieses ggf. schon nach der Drittelregel ausgerichtet und<br />
teilt den Bildbereich in drei horizontale und drei vertikale<br />
Streifen. Die Streifen bzw. Schnittpunkte der Linien<br />
dienen als Orientierungshilfe, um die Elemente einer<br />
Szene optimal zu positionieren.<br />
Wenn Ihr Motiv einen Fixpunkt enthält, z. B. eine<br />
Scheune auf einem Feld, ein Boot auf einem See oder<br />
einen einzelner Baum auf einem Hügel, können Sie<br />
diesen genau auf einen der vier Schnittpunkte des<br />
Rasters platzieren; das wirkt meistens besser als direkt in<br />
der Bildmitte. Bei <strong>Landschaftsfotos</strong> ist der obere rechte<br />
Schnittpunkt am besten geeignet, weil das menschliche<br />
Auge dazu neigt, ein Bild von links unten nach rechts<br />
oben zu betrachten bzw. zu „lesen“, also von links nach<br />
rechts. Wenn Sie den Fixpunkt nach rechts oben<br />
verlagern, hat unser Blick schon den größten Teil des<br />
Bildes erfasst, bevor es den Fixpunkt erreicht, auf dem er<br />
länger verweilen wird. Wenn Sie allerdings den<br />
einsamen Spaziergänger am Strand aufnehmen, ist der<br />
Schnittpunkt rechts unten besser, besonders wenn es<br />
einen interessanten Himmel über der Szene gibt.<br />
Die Anwendung der Drittelregel muss keineswegs<br />
auf die Landschaftsfotografie beschränkt werden,<br />
sondern funktioniert auch bei Porträts. Sie können die<br />
Bildkomposition so gestalten, dass Augen oder Kopf der<br />
Person auf einem der Schnittpunkte des Bildrasters<br />
liegen; dasselbe gilt für Makrofotos,<br />
Architekturaufnahmen, Actionbilder und sogar für<br />
abstrakte Motive.<br />
Die von der Drittelregel vorgegebenen Linien können<br />
auch dazu verwendet werden, eine ausgewogenere<br />
Bildkomposition zu erreichen. Beispielsweise ist die<br />
Versuchung groß, den Horizont genau in die Bildmitte<br />
zu legen, obwohl er am Anfang des oberen Drittels<br />
besser wirkt, da er so den Vordergrund betont. Soll der<br />
Himmel Teil des Hauptmotivs sein, verlegen Sie den<br />
Horizont stattdessen auf die Oberkante des unteren<br />
Drittels. Halten Sie sich nicht nur bei der Horizontlinie an<br />
diese Grundregel, sondern benutzen Sie sie auch bei<br />
anderen Linien, ganz gleich, ob es sich um natürliche<br />
oder angenommene Linien in einer Szene handelt.
EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
Die Grundlagen 47<br />
LEE FROST<br />
Sinngemäß gilt für die vertikalen Bildlinien dasselbe.<br />
Befindet sich ein Baum oder ein Mensch im<br />
Vordergrund, platzieren Sie ihn auf die rechte, vertikale<br />
Linie, damit der Blick, von links kommend, darauf<br />
verweilen kann. Die Drittelregel ist selbstverständlich<br />
auch mehrfach in einem Bild anwendbar. Sie<br />
positionieren den Horizont und den Fixpunkt, oder<br />
mehrere Fixpunkte einer Szene. Andererseits sollten Sie<br />
sich nicht sklavisch an eine wie auch immer geartete<br />
Regel halten. Falls Ihre Bildkomposition sich nicht damit<br />
verträgt, geben Sie der Bildkomposition den Vorrang,<br />
doch wenn beide zusammenpassen, benutzen Sie die<br />
Regel.<br />
Generell sollten Sie eine recht gute Vorstellung von<br />
der Wirkung des Bildes haben, das Sie erzielen wollen. Es<br />
wird nicht lange dauern, dann folgen Sie instinktiv der<br />
angemessenen Prozedur, und die richtige<br />
Bildkomposition stellt sich automatisch ein. Je mehr Sie<br />
<strong>Fotografie</strong>ren, umso eher werden Sie dieses Stadium<br />
erreichen.<br />
ATTRAKTIVER VORDERGRUND<br />
Der Vordergrund, also der Bildbereich direkt vor<br />
der Kamera, ist ein entscheidender Bestandteil<br />
guter Bildkomposition. Ein attraktiver<br />
Vordergrund ist aus mehreren Gründen<br />
wichtig. Erstens sorgt er für den Eindruck von<br />
Tiefe im Bild, zweitens liefert er dem Betrachter<br />
einen Einstieg in die Bildkomposition, von dem<br />
aus der Blick bis zum Hintergrund durch die<br />
Szene wandern kann. Der Vordergrund enthält<br />
mehr Informationen als der Rest der Szene. Da<br />
sein Abstand zur Kamera kürzer ist, wird er<br />
weniger durch atmosphärischen Dunst oder<br />
Nebel beeinträchtigt als weiter entfernte<br />
Bereiche, zumindest in der<br />
Landschaftsfotografie. Der Einfluss der<br />
Vordergrunds auf das Bild hängt wesentlich<br />
vom benutzten Objektiv ab – je weiter das<br />
Gesichtfeld, umso prominenter der<br />
Vordergrund. Moderate<br />
Weitwinkelbrennweiten zwischen 15mm und<br />
18mm (entsprechend 24 – 28mm im<br />
Kleinbildformat) sind ideal, denn sie bringen<br />
genug interessanten Vordergrund ins Bild,<br />
ohne dass der Rest der Szene sich in der Distanz<br />
verlieren würde. Kleinere Brennweiten führen<br />
zwar zu eindrucksvoller Präsenz des<br />
Vordergrunds, doch Sie müssen sehr nah<br />
heran, sonst ist es sehr schwer, eine geeignete<br />
Bildkomposition zu finden.<br />
Im Hochformat können Sie viel Vordergrund<br />
in der Vertikalen darstellen, was den<br />
Bildeindruck stark verändern kann, besonders,<br />
wenn der Vordergrund gut erkennbare,<br />
vertikale Linien beinhaltet. Wie aber macht man<br />
einen Vordergrund attraktiv? Dazu ist fast jedes<br />
Objekt geeignet – Felsbrocken, ein Fluss,<br />
Mauern, Tore, Zäune, Bäume, Boote,<br />
Blumenbeete, Spiegelungen und Menschen.<br />
Bildelemente, die eine natürliche Linie<br />
erzeugen oder eine Linie implizieren, sind am<br />
besten, denn sie leiten das Auge des<br />
Betrachters in die Szene hinein. Am Wichtigsten<br />
ist: Der Vordergrund muss attraktiv sein, damit<br />
Ihr Bild Interesse weckt. Vermeiden Sie aber<br />
einen zu überladenen Vordergrund, der vom<br />
Hauptmotiv und dem Rest der Szene ablenkt.<br />
Zur Schärfe: Bei Landschaftsaufnahmen soll<br />
die gesamte Szene von vorn bis hinten scharf<br />
abgebildet werden. Wenn Sie einen<br />
Vordergrund dicht vor der Kamera haben,<br />
müssen Sie sorgsam vorgehen, um die<br />
optimale Schärfe für das gesamte Bild zu<br />
erreichen. Das Scharfstellen auf die hyperfokale<br />
Entfernung ist die beste Methode, die<br />
Schärfentiefe zu maximieren, ohne die kleinste<br />
Blende nutzen zu müssen. Es bedeutet, Sie<br />
fokussieren auf eine bestimmte Entfernung, um<br />
den Schärfentiefebereich für eine vorgegebene<br />
Brennweite und Blende zu maximieren. Bei<br />
Blende f/11 ergeben sich für verschiedene<br />
Brennweiten folgende hyperfokalen<br />
Entfernungen:<br />
Für Kameras mit APS-C Sensor:<br />
10mm = 0,5m; 12mm = 0,7m;<br />
16mm = 1,2m; 20mm = 1,8m;<br />
24mm = 2,5m; 28mm = 3,5m.<br />
Vollformat-Kameras:<br />
16mm = 0,7m; 20mm = 1,1m;<br />
24mm = 1,6m; 28mm = 2,2m;<br />
35mm = 3,5m.<br />
Wenn Sie also mit Blende f/11 und einer<br />
dieser Brennweiten auf die dazu angegebene<br />
Entfernung scharfstellen, reicht Ihre<br />
Schärfentiefe von der halben angegebenen<br />
Entfernung bis Unendlich. Ganz einfach!
48 Die Grundlagen EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
KREATIV SCHARFSTELLEN<br />
Das Scharfstellen einer Aufnahme erfolgt<br />
üblicherweise nach einem der folgenden<br />
Kriterien: Entweder nutzen wir eine kleine Blende,<br />
um möglichst viel Schärfentiefe zu erreichen,<br />
oder wir nutzen eine weit offene Blende, um den<br />
Hintergrund unscharf abzubilden. Es gibt jedoch<br />
noch eine andere, unkonventionelle und kreative<br />
Methode.<br />
Sie können beispielsweise bei weit geöffneter<br />
Blende auf den Nahbereich des Vordergrunds<br />
scharfstellen. Dies reduziert drastisch die<br />
Schärfentiefe und macht genau den Bildbereich<br />
unscharf, in dem wir eigentlich Schärfe erwarten.<br />
Das funktioniert auch umgekehrt, indem Sie den<br />
Hintergrund scharf abbilden und alles andere<br />
verschwimmen lassen. Oder Sie gehen noch<br />
weiter und lassen alles so unscharf werden, dass<br />
man nicht mehr feststellen kann, was eigentlich<br />
dargestellt wird.<br />
Unscharfe Bildbereiche können dazu dienen,<br />
den Blick auf das Hauptmotiv zu lenken, das vor<br />
diesen scharf hervortritt. Die Aufnahmetechnik<br />
des differenzierten Scharfstellens beruht darauf,<br />
dass Ihr Objektiv bei weit offener Blende nur einen<br />
sehr flachen Bildbereich scharf abbildet. Probieren<br />
Sie es bei der Nahaufnahme einer Blume aus,<br />
indem Sie die größte Blende Ihres Makroobjektivs<br />
benutzen und präzise auf einen bestimmten<br />
Bereich scharfstellen. Bei einem Landschaftsfoto<br />
können Sie mit einem Teleobjektiv auf ein weit<br />
entferntes Objekt scharfstellen, etwa auf einen<br />
Baum oder ein Pferd auf einer Weide, wobei Sie<br />
den Vordergrund bewusst unscharf lassen. Der<br />
Effekt wirkt sehr schön bei Gegenlicht, wenn die<br />
Farben gedämpft werden und die Szene dadurch<br />
eine besondere Atmosphäre bekommt.<br />
Differenziertes Scharfstellen eignet sich auch für<br />
Stillleben von flach liegenden Objekten, einer<br />
Gitarre vielleicht, die aus einem so flachen Winkel<br />
fotografiert wird, dass beim Scharfstellen auf<br />
einen Teilbereich des Instruments alle anderen<br />
Teile außerhalb des Schärfebereichs liegen.<br />
Das Verfahren eignet sich auch für Porträts,<br />
wenn eine Person sehr nah bei der Kamera<br />
posiert, eine andere jedoch weiter entfernt.<br />
Stellen Sie auf die entfernte Person scharf, so dass<br />
die näher an der Kamera befindliche Person<br />
unscharf bleibt. Anstelle der zweiten Person kann<br />
es sich auch um einen Gegenstand handeln,<br />
einen Laternenpfahl etwa, der unscharf<br />
dargestellt wird.<br />
LEE FROST
EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
Die Grundlagen 49<br />
KAMERASTANDPUNKT<br />
Die allermeisten Fotos werden mit der Kamera<br />
auf Augenhöhe gemacht. Das ist auch völlig in<br />
Ordnung, denn so bekommen wir eine<br />
„realistische“ Sicht auf unsere Umgebung.<br />
Realistisch ist jedoch nicht automatisch<br />
attraktiv. Wenn Sie aus unterschiedlichen<br />
Kamerapositionen fotografieren, kann allein das<br />
einen Überraschungseffekt und Dramatik<br />
erzeugen.<br />
Die Kamera mit Weitwinkelobjektiv nah am<br />
Boden erzeugt eine hohe Verzerrung, bei der<br />
nah an der Kamera befindliche Objekte die<br />
Bildkomposition dominieren und die vertikalen<br />
Linien dramatisch aufeinander zu stürzen. Da<br />
Sie bei einem solchen Foto ohnehin nach oben<br />
sehen, können Sie den Himmel in die<br />
Bildkomposition einbeziehen – er wird zu<br />
einem effektvollen Hintergrund. Halten Sie die<br />
Kamera nur wenige Zentimeter über den Boden,<br />
fotografieren blind, überprüfen das Foto und<br />
wiederholen es, falls Ihnen der Bildausschnitt<br />
nicht zusagt. Immer mehr Kameras verfügen<br />
über dreh- und schwenkbare Monitore, die<br />
Ihnen erlauben, aus extrem ungewöhnlichen<br />
Blickwinkeln heraus zu fotografieren, wobei Sie<br />
trotzdem die Kontrolle über das Sucherbild und<br />
damit die Bildkomposition haben.<br />
Hohe Kamerastandpunkte bieten eine<br />
faszinierende Vogelperspektive auf die Welt.<br />
Probieren Sie Fotos von hohen Gebäuden<br />
herunter, indem Sie die Kamera auf die unten<br />
liegenden Straßen blicken lassen. Mit einem<br />
Weitwinkelobjektiv können Sie dabei auch den<br />
Horizont im Bild haben, und mit einem<br />
Teleobjektiv bilden Sie weit unten befindliche<br />
Details ab.<br />
Es ist grundsätzlich empfehlenswert, ein<br />
Motiv aus unterschiedlichen Winkeln und<br />
Kamerastandpunkten anzuvisieren, denn schon<br />
geringfügige Änderungen der Kameraposition<br />
können großen Einfluss auf die Wirkung des<br />
Motivs haben. Das gilt besonders bei<br />
Verwendung eines Weitwinkelobjektivs. Schon<br />
wenn Sie in die Knie gehen, kann das die<br />
Dynamik eines Fotos verändern, oder wenn Sie<br />
sich auf eine Mauer stellen, um einen etwas<br />
erhöhten Standpunkt einzunehmen.<br />
LEE FROST<br />
LEE FROST<br />
RAHMEN BENUTZEN<br />
Ein weiterer Trick für interessante Bildkompositionen<br />
besteht darin, Ihr Motiv oder die gesamte Szene zu<br />
„rahmen“. Als Teile eines solchen Rahmens dienen<br />
beispielsweise die herunterhängenden Zweige eines<br />
Baums, eine Lücke zwischen Bäumen, ein Fenster, ein<br />
Torweg oder irgendeine andere Öffnung, vor der Sie<br />
Ihr Motiv positionieren.<br />
Rahmen helfen, die Aufmerksamkeit des Betrachters<br />
auf die wichtigsten Bildteile zu lenken. Sie können aber<br />
auch unerwünschte Objekte wie Verkehrsschilder oder<br />
geparkte Autos verschwinden lassen oder<br />
unerwünschten freien Raum füllen, etwa einen<br />
langweiligen Himmel.<br />
Weitwinkelobjektive betonen den Rahmen, denn Sie<br />
können sich der Rahmenstruktur nähern und durch<br />
den Kamerastandpunkt bestimmen, welche Teile der<br />
Bildkomposition der Rahmen dominieren soll. Wenn<br />
Sie beispielsweise unter einem Baum stehen, bilden<br />
dessen Äste den oberen Teil eines Rahmens, während<br />
ein Torbogen nicht nur den oberen Teil, sondern auch<br />
die Seiten Ihres Motivs begrenzt.<br />
Eine kleine Blende wie f/11 oder f/16 liefert genug<br />
Schärfentiefe, den Rahmen und die dahinterliegende<br />
Szene scharf abzubilden, insbesondere, wenn Sie mit<br />
der hyperfokalen Entfernung arbeiten, um die<br />
Schärfentiefe zu optimieren.<br />
Sofern sich die Sonne nicht direkt hinter der Kamera<br />
befindet, liegt der Rahmen selbst im Schatten und wird<br />
nur als Silhouette abgebildet, was den<br />
Einrahmungseffekt unterstreicht. Sie müssen aber bei<br />
der Belichtungsmessung berücksichtigen, dass der<br />
Schatten des Rahmens das Messsystem der Kamera<br />
zum Überbelichten verleiten kann. In diesem Fall<br />
reduzieren Sie die Belichtung um ein bis zwei Drittel<br />
einer Blendenstufe.<br />
HALTEN SIE ES EINFACH<br />
Unaufgeräumte, überladene Bildkompositionen<br />
führen zur Reizüberflutung. Statt die<br />
Aufmerksamkeit des Betrachters zu fesseln,<br />
verlieren Sie sie, wenn er nicht sofort erkennen<br />
kann, was in dem Bild eigentlich vor sich geht.<br />
Doch wenn Sie einmal angefangen haben,<br />
unnötige Bildelemente aus einer Szene<br />
auszuschließen, werden Sie schnell dahinter<br />
kommen, wie wenig eigentlich nötig ist, um ein<br />
wirklich sehr gutes Foto zu machen – und wie<br />
viele Gelegenheiten da draußen auf Sie warten,<br />
mit minimalistischen Bildkompositionen zu<br />
arbeiten.<br />
Dabei helfen dunstiges Wetter oder Nebel, denn<br />
sie „verschlucken“ feine Details und die Landschaft<br />
ist nur noch an ihren gröberen Strukturen<br />
erkennbar, wodurch sich der Minimalismus<br />
automatisch einstellt. Brücken, Straßen, Wege und<br />
Zäune verlieren sich unter solchen Bedingungen<br />
im Nirgendwo und lassen den Betrachter<br />
nachdenklich werden. Auch Seen, Flüsse und<br />
Teiche haben diesen Effekt. Bei Nebel sind die<br />
gegenüberliegenden Ufer oft nicht mehr zu<br />
erkennen. Das graue Wasser geht in den grauen<br />
Nebel über und erzeugt dadurch eine mysteriöse,<br />
surrealistische Stimmung.<br />
Wenn die Natur eine Szene nicht selbst<br />
vereinfacht, holen Sie ausgewählte Bereiche nah<br />
heran, um überflüssige Elemente aus der<br />
Bildkomposition auszublenden. Je länger die<br />
Brennweite, umso kleiner ist das Blickfeld, und<br />
umso selektiver können Sie vorgehen.<br />
Was Ihr Bildmotiv angeht, ist der<br />
minimalistische Ansatz für fast jedes Thema<br />
geeignet. Die Architekturfotografie ist ein guter<br />
Einstieg; besonders die moderne Architektur weist<br />
aus der Entfernung interessante Formen auf.<br />
Außerhalb der Städte empfehlen sich möglichst<br />
ruhige Wasseroberflächen, deren Spiegelungen als<br />
Motive geeignet sind. Eine Wasserfläche stellt auch<br />
einen homogenen Hintergrund dar, vor dem Sie<br />
Pfosten, Felsen, Bäume und Boote fotografieren<br />
können. Halten Sie Ausschau nach Bootsanlegern,<br />
Bojen und sonstigen einfachen Objekten, die nur<br />
von offenem Wasser und Himmel umgeben sind.<br />
Arbeiten Sie mit einem zehnstufigen Graufilter, um<br />
mit extremer Langzeitbelichtung die natürlichen<br />
Bewegungen des Wassers und der Wolken am<br />
Himmel verschwimmen zu lassen.<br />
ROSS HODDINOTT
50 Die Grundlagen EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
ADAM BURTON<br />
FÜHRUNGSLINIEN<br />
Führungslinien zählen zu den wichtigsten<br />
Gestaltungsmitteln der Bildkomposition. Sie führen<br />
das Auge nicht nur in und durch das Bild, sondern<br />
können es auch in Bereiche einteilen oder als<br />
grafisches Element dienen.<br />
Die augenfälligsten Führungslinien sind Objekte<br />
wie Straßen, Wege, Brücken, Überlandleitungen,<br />
Mauern, Zäune und Alleen. Auch Schatten können<br />
starke Linien erzeugen, besonders wenn die Sonne<br />
tief am Himmel steht, oder ein Fluss, der sich durch<br />
eine Landschaft windet und in der Distanz verliert.<br />
Virtuelle Führungslinien entstehen durch die<br />
Anordnung von Objekten in einer Szene,<br />
beispielsweise große Steine in einem Bachbett, die so<br />
angeordnet sind, dass man darüber laufen kann.<br />
Zwischen den Steinen ist zwar Raum vorhanden,<br />
doch unsere Wahrnehmung verbindet die Steine<br />
automatisch zu einem zweckhaften Ganzen. Dieser<br />
Ergänzungseffekt tritt auch ein, wenn auf einem Bild<br />
eine Person zu sehen ist, die in eine bestimmte<br />
Richtung blickt. Wir tendieren dazu, der Blickrichtung<br />
zu folgen, um festzustellen, was die Person sieht.<br />
1) Horizontale Linien haben einen beruhigenden<br />
Effekt. Begrenzungen wie Mauern, Zäune und Hecken<br />
sind Beispiele dafür, auch Schatten können verwendet<br />
werden. Das Auge arbeitet sich in einem Bild von links<br />
unten nach rechts oben hoch, daher teilen<br />
horizontale Linien das Bild in mehrere Abschnitte, die<br />
nacheinander visuell aufgenommen werden.<br />
Horizontale Linien wirken am besten, wenn Sie das<br />
Bild im Querformat aufnehmen.<br />
2) Diagonale Linien wirken richtunggebend und<br />
verleihen dem Bild Tiefe, weil sie dramatische<br />
Perspektiven suggerieren. Diagonalen von links unten<br />
nach rechts oben haben den stärksten Effekt; in<br />
Landschaftsaufnahmen können beispielsweise<br />
Straßen, Flüsse, Gräben, Baumreihen und Hecken als<br />
Diagonalen genutzt werden.<br />
3) Vertikale Linien ergeben Bildkompositionen mit<br />
starker Betonung der Richtung. Denken Sie an<br />
Baumstämme und die hoch aufragenden Formen von<br />
Wolkenkratzern. Um den Effekt zu maximieren,<br />
fotografieren Sie sie im Hochformat, damit das Auge<br />
einen weiten Weg von unten nach oben<br />
zurückzulegen hat. Benutzen Sie die starken Linien<br />
von Bäumen und Mauern, um die Szene einzurahmen<br />
oder füllen Sie den Bildausschnitt, indem Sie ein<br />
Teleobjektiv verwenden, damit die vertikalen Linien<br />
dichter beisammen sind, weil die Perspektive<br />
komprimiert wird.<br />
4) Stürzende Linien sind besonders wirkungsvoll.<br />
Wenn Sie mitten auf einer langen, geraden Landstraße<br />
ISTOCKPHOTO<br />
stehen und die Straße hinunter blicken, werden Sie<br />
feststellen dass die parallelen Linien der Straße sich mit<br />
zunehmender Entfernung einander zu nähern<br />
scheinen, bis sie im so genannten Fluchtpunkt am<br />
Horizont zusammentreffen. Derselbe Effekt ergibt sich<br />
bei Eisenbahnschienen, Baumalleen, Brücken,<br />
Ackerfurchen und ähnlichen geradlinigen Objekten<br />
mit zwei oder mehr parallelen Kanten. Stürzende<br />
Linien geben einem Bild viel Tiefe, weil beispielsweise<br />
eine Straße auf ihrer gesamten Länge die gleiche<br />
Breite hat. Wenn sich ihre Kanten also einander<br />
nähern, bedeutet das, die Straße führt von der Kamera<br />
weg. Der Effekt wird am besten mit einem<br />
Weitwinkelobjektiv dargestellt, denn dann liegen die<br />
Linien im Vordergrund besonders weit auseinander.<br />
The converging effect is best emphasised<br />
with a wide-angle lens – the wider the better – so the<br />
lines appear wide apart close to the camera and rush<br />
away into the distance.<br />
LEE FROST
EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
Die Grundlagen 51<br />
ISTOCKPHOTO<br />
DIE REGELN BRECHEN<br />
Mit der Drittelregel und anderen Kompositionshilfen<br />
können Sie interessante Bilder erzielen; dennoch ist<br />
es im Sinne der Bildwirkung manchmal sinnvoller,<br />
diese Regeln zu ignorieren.<br />
Den Horizont in die Mitte des Bildausschnitts zu<br />
verlegen, oder das Hauptmotiv ins Zentrum des<br />
Bildes zu rücken, sind die bekanntesten solcher<br />
Regelverletzungen, aber nicht sonderlich tiefgreifend.<br />
Wenn schon, denn schon: Arbeiten Sie<br />
beispielsweise mit ungewöhnlichen Kamerawinkeln,<br />
oder kippen und neigen Sie die Kamera so, dass alles<br />
aus dem Bild zu rutschen scheint. Ungewohnte<br />
Winkel können Portraits und Modeaufnahmen den<br />
gewissen Pfiff geben, haben sich aber auch für<br />
Nahaufnahmen, in der Sport- und Action-<strong>Fotografie</strong><br />
und in der Architekturfotografie bewährt. Ein weiterer<br />
Trick besteht darin, ein wichtiges Element weit<br />
außerhalb von der Bildmitte zu positionieren. Bei<br />
Porträtaufnahmen tendieren wir dazu, das Motiv in<br />
den Mittelpunkt zu rücken. Versuchen Sie einmal, das<br />
Motiv an den Rand zu verlegen, und beobachten Sie<br />
die veränderte Dynamik der Bildkomposition.<br />
Leere Flächen sollten normalerweise vermieden<br />
werden, können aber ein eindrucksvolles Stilmittel<br />
sein, z. B. wenn die Komposition so angelegt ist, dass<br />
das Hauptmotiv seitlich ins Bild hereinschaut,<br />
während die Bildmitte leer bleibt.<br />
Das Nebeneinanderstellen der Elemente einer<br />
Szene ist manchmal wirkungsvoller als ein<br />
Einzelmotiv. Experimentieren Sie mit Objekten und<br />
Formen und finden Sie heraus, wie das Arrangement<br />
die Bildwirkung verändern kann. Ein Beispiel: Legen<br />
Sie eine Banane und einen Apfel auf einen weißen<br />
Hintergrund und probieren Sie, welche<br />
harmonischen Bildkompositionen mit diesen beiden<br />
Elementen möglich sind; so könnte der Apfel durch<br />
die Krümmung der Banane umfasst oder außen an<br />
die Krümmung platziert werden, um verschiedene<br />
Spannungen zu erzeugen.
52 Die Grundlagen EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
Grundlagen der Belichtung<br />
Unsere Einführung in die Grundlagen der Belichtung erklärt Ihnen,<br />
was Sie über Blendeneinstellungen und Verschlusszeiten wissen müssen.<br />
Jedes Foto ist das Ergebnis einer<br />
Blendeneinstellung und einer Verschlusszeit, deren<br />
Kombination festlegt, wie viel Licht auf den<br />
Kamerasensor fällt. Die Blende im Objektiv<br />
entspricht praktisch der Iris im menschlichen Auge,<br />
die sich je nach Helligkeit erweitert oder verengt,<br />
um die durch die Linse einfallende Lichtmenge zu<br />
regulieren. Eine größere Blendenöffnung lässt in<br />
einer gegebenen Zeitspanne mehr Licht durch als<br />
eine kleinere Blendenöffnung.<br />
Der Verschluss ist eine Barriere vor dem<br />
Kamerasensor, der beim Drücken des Auslösers für<br />
eine bestimmte Zeitspanne aus dem Lichtkanal<br />
geschwenkt wird. Die Dauer dieser Zeitspanne<br />
wird durch die einstellbare Verschlusszeit<br />
festgelegt. Es gibt eine direkte Korrelation zwischen<br />
Blende und Verschlusszeit, durch die sich die<br />
korrekte Belichtung bestimmt. Die Werte für<br />
Blendenöffnung und Verschlusszeit werden je nach<br />
Belichtungsmodus unterschiedlich festgelegt. Die<br />
Einstellung AE (Auto Exposure=automatische<br />
Belichtung) ist für den Einsteiger die einfachste<br />
Möglichkeit, zu guten Bildern zu kommen. Die<br />
Kombination von Blende und Verschlusszeit wird<br />
automatisch von der Kamera ermittelt. Deswegen<br />
reduzieren sich Ihre eigenen Aktivitäten aufs<br />
Draufhalten, Scharfstellen und Abdrücken. Das<br />
Schöne an der Digitalfotografie ist jedoch, dass Sie<br />
die Einstellungen auch selbst steuern und dadurch<br />
einen extrem hohen Einfluss darauf nehmen<br />
können, wie Ihr fertiges Bild am Ende aussehen<br />
wird.<br />
Der erste Schritt dazu ist der, dass Sie die<br />
Vollautomatik der Kamera ausschalten und<br />
stattdessen einer der Belichtungsautomatiken<br />
wählen, die Ihnen einen weit größeren Spielraum<br />
für die eigene Kreativität einräumen. Folgen Sie<br />
unseren Ausführungen und experimentieren Sie mit<br />
Blenden und Verschlusszeiten – die Zeiten, in<br />
denen man dadurch teuren Film „verschwendete“,<br />
sind schließlich vorbei. Sie werden den Punkt, an<br />
dem Sie von den üblichen Schnappschüssen zu<br />
weitaus eindrucksvolleren Fotos gelangen, viel<br />
schneller erreichen, als Sie denken.<br />
Belichtungssteuerung<br />
Viele Einsteiger haben die falsche<br />
Vorstellung, es sei schwierig, mit der<br />
Blendenautomatik oder der Zeitautomatik<br />
zu arbeiten, doch tatsächlich ist das ganz<br />
einfach. Nachdem Sie die gewünschte<br />
Belichtungsautomatik eingestellt heben (1),<br />
ist es nur eine Frage des Drehens des<br />
Einstellrades (2), bis die gewünschte Blende<br />
oder Verschlusszeit im LCD-Panel (3) Ihrer<br />
Kamera erscheint. Nun drücken Sie den<br />
Auslöser halb durch, und die Kamera<br />
erledigt den Rest. Es ist genau so einfach,<br />
wie es sich hier anhört.<br />
Verschlusszeiten verstehen<br />
Die Belichtung wird entweder durch Veränderung der Blendeneinstellung<br />
gegenüber einer gegebenen Verschlusszeit oder durch Veränderung der<br />
Verschlusszeit gegenüber einer gegebenen Blende eingestellt. Die Intervallschritte,<br />
anhand derer sich beide Einstellungen ändern lassen, heißen „Stufen“. Wird eine<br />
Einstellung um genau eine Stufe geändert, wird die Lichtmenge, die auf den<br />
Kamerasensor fällt, entweder um genau die Hälfte erhöht oder vermindert. Eine<br />
Änderung der Verschlusszeit von beispielsweise 1/500 Sekunde auf 1/250<br />
Sekunde verdoppelt die Belichtungszeit und damit die einfallende Lichtmenge. Je<br />
nach Kameramodell können auch Halb- oder Drittelstufen eingestellt werden. Die<br />
Tabelle unten zeigt Verschlusszeiten von einer Sekunde bis zu 1/4000 Sekunde.<br />
Volle Schritte 1 Sek 1/2 Sek 1/4 Sek 1/8 Sek 1/16 Sek 1/30 Sek 1/60 Sek 1/125 Sek 1/250 Sek 1/500 Sek 1/1000 Sek 1/2000 Sek 1/4000 Sek<br />
Halbe Schritte 0.7sek 1/3sek 1/6sek 1/10sek 1/20sek 1/45sek 1/90sek 1/180sek 1/350sek 1/750sek 1/1500sek 1/3000sek<br />
Blendeneinstellungen verstehen<br />
Die Illustration unten zeigt die Blendeneinstellung in Intervallen von einer Stufe.<br />
Jeder einzelne Schritt von links nach rechts bedeutet demnach eine Halbierung<br />
der Lichtmenge gegenüber der vorherigen Stufe. Größte Blende bedeutet, die Iris<br />
ist in größtmöglich offener Stellung – in diesem Fall Blende f/2.8; kleinste Blende<br />
bedeutet demgegenüber, die Iris ist in kleinstmöglich offener Stellung – in diesem<br />
Fall Blende f/22. Die Erklärung, wie die einzelnen Blendenwerte f/x numerisch<br />
zustande kommen, beruht auf einer mathematischen Formel, die für unsere<br />
Praxis jedoch keinerlei Bedeutung hat. Entscheidend für uns ist, zu wissen, dass<br />
Vergrößern oder Verkleinern der Blende um jeweils eine Stufe die Verdoppelung<br />
oder Halbierung der Lichtmenge bei gegebener Verschlusszeit bedeuten.<br />
Volle Schritte f/2.8 f/4 f/5.6 f/8 f/11 f/16 f/22 f/32<br />
Halbe Schritte f/3.5 f/4.5 f/6.7 f/9.5 f/13 f/19 f/27<br />
1<br />
2<br />
3<br />
Steuern Sie die Belichtung und legen<br />
Sie fest, wie das fertige Bild am Ende<br />
aussehen wird. Eine kleine Blende und<br />
eine lange Verschlusszeit bedeuten, die<br />
gesamte Szene ist scharf und das<br />
Wasser scheint tatsächlich durch das<br />
Bild zu fließen.<br />
Der ISO-Wert<br />
Die Größe des ISO-Werts ist heute<br />
ein Maß für die Lichtempfindlichkeit<br />
des Kamerasensors; Früher war er<br />
das Maß für die Lichtempfindlichkeit<br />
des eingelegten Films. Ein kleiner<br />
ISO Wert, ISO 100 etwa, bedeutet<br />
eine geringere Lichtempfindlichkeit<br />
als ein höherer Wert. Genaueres zur<br />
Einstellung des Iso-Werts erfahren Sie<br />
auf den Seiten 36 und 37. Behalten<br />
Sie fürs Erste, dass der eingestellte<br />
ISO-Wert die Zahl der zur<br />
Verfügung stehenden<br />
Kombinationen<br />
aus Blende und<br />
Verschlusszeit<br />
unter bestimmten<br />
Lichtverhältnissen<br />
bestimmt. Für den<br />
Anfang stellen Sie<br />
bei sehr guten<br />
Lichtverhältnissen<br />
einen eher niedrigen<br />
ISO-Wert ein – ISO<br />
100 oder ISO 200 –<br />
und einen mittleren<br />
Wert – ISO 400 –<br />
als Standardwert.
EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
Die Grundlagen 53<br />
ROSS HODDINOTT<br />
F&A: Belichtung<br />
Sinnvolles Zubehör<br />
Was bedeuten größte und<br />
kleinste Blende?<br />
Es sind die größten und<br />
kleinsten Blenden, die an einem<br />
Objektiv eingestellt werden<br />
können.<br />
Warum sind an manchen<br />
Zoom-Objektiven zwei<br />
maximale Blendenwerte<br />
angegeben?<br />
Es gibt zwei maximale<br />
Blendenwerte bei Zoom-<br />
Objektiven, der eine gilt für die<br />
kleinste einstellbare Brennweite,<br />
der andere für die größtmögliche<br />
Brennweite, wobei der höhere<br />
der beiden Blendenwerte für die<br />
maximale Brennweite gilt.<br />
Was sind reziproke<br />
Belichtungseinstellungen?<br />
Der Ausdruck bedeutet,<br />
dass unterschiedliche<br />
Kombinationen von Blendenund<br />
Verschlusszeit-Werten<br />
dieselbe Belichtung ergeben<br />
können. Beispiel: 1/250<br />
Sekunde bei Blende f/4 lässt<br />
dieselbe Lichtmenge auf<br />
den Sensor fallen wie 1/500<br />
Sekunde bei Blende f/2.8 oder<br />
1/125 Sekunde bei Blende<br />
f/5.6. Diese Kombinationen sind<br />
reziprok.<br />
Was sind „schnelle Objektive“?<br />
Ein „schnelles“ Objektiv erlaubt<br />
eine größere maximale Blende<br />
als der Standard. So wird<br />
beispielsweise ein 70-200<br />
mm f/2.8 Zoom-Objektiv als<br />
„schnell“ bezeichnet, weil die<br />
meisten Objektive dieser Art nur<br />
eine maximale Blende von f/4<br />
einstellen können.<br />
Was bedeutet<br />
Belichtungskompensation?<br />
Damit können Sie die<br />
eingestellte Belichtung nach<br />
oben oder unten korrigieren.<br />
Wir gehen darauf an anderer<br />
Stelle in diesem Magazin noch<br />
genauer ein.<br />
Mit diesem Zubehör erleichtern Sie<br />
sich das Leben und machen schönere<br />
Fotos:<br />
1) Stativ Ein einfaches Stativ mit<br />
festem Stand ermöglicht Ihnen<br />
längere Verschlusszeiten, ohne dass<br />
Verwackelungsgefahr besteht. Es<br />
kostet ab etwa 60 Euro.<br />
2) Graufilter<br />
Ein Graufilter reduziert die in das<br />
Objektiv gelangende Lichtmenge.<br />
Benutzen Sie ihn, wenn Sie lange<br />
Verschlusszeiten benötigen, die<br />
Lichtverhältnisse dafür aber eigentlich<br />
zu hell sind.<br />
3) Fernauslöser Um bei langen<br />
Belichtungszeiten Verwackeln zu<br />
vermeiden, verwenden Sie einen<br />
Fernauslöser, nicht den Auslöseknopf<br />
der Kamera. Das mit Ihrer Kamera<br />
gelieferte Handbuch verrät Ihnen,<br />
welche Art Fernauslöser zu Ihrer<br />
Kamera passen. Auch mit dem<br />
Selbstauslöser der Kamera können<br />
Sie Verwackeln verhindern.
54 Die Grundlagen EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
Konzepte der Belichtungsmessung<br />
Zu verstehen, wie Ihre Kamera das Licht misst, ist die Grundvoraussetzung für richtig belichtete Fotos.<br />
Wenn Sie den Auslöser Ihrer Kamera drücken,<br />
misst das TTL-Messsystem (engl. TTL = Through<br />
The Lens, dt. = durch das Objektiv) das Licht der<br />
Szene und versucht anhand dieser Daten die<br />
bestmögliche Belichtung einzustellen. Wie die<br />
Kamera die Szene misst, hängt davon ab,<br />
welches Messverfahren gewählt wurde; in der<br />
Regel ist dies die Mehrfeldbelichtungsmessung.<br />
Sie sollte die Funktionsweise dieses und anderer<br />
Messsysteme kennen, wenn Sie<br />
Fehlbelichtungen vermeiden wollen.<br />
Ihre Kamera verfügt über mindestens drei<br />
Messverfahren, die das Licht einer Szene<br />
messen und die korrekte Belichtung berechnen,<br />
doch jedes Verfahren misst das Licht anders.<br />
Beginnen wir mit dem Grundprinzip jedes<br />
Messverfahrens.<br />
GRUNDPRINZIP DER<br />
BELICHTUNGSMESSUNG<br />
Alle Messverfahren gehen davon aus, dass<br />
sämtliche Farbtöne einer Szene, von den<br />
dunkelsten Schatten bis zum hellsten Spitzlicht,<br />
zusammen einen mittleren Farbton von 18%<br />
Grau ergeben. In den allermeisten Situationen<br />
sind die auf diesem Prinzip basierende Messung<br />
und die resultierende Belichtung korrekt. Ist eine<br />
Szene jedoch wesentlich heller oder dunkler als<br />
der angenommene Durchschnitt, besteht das<br />
Risiko einer Fehlbelichtung. In diesem Fall<br />
müssen Sie die von der Kamera ermittelten<br />
Werte korrigieren.<br />
ISTOCK PHOTO<br />
ISTOCK PHOTO<br />
Benutzen Sie bei hellen Motiven einen positiven Wert<br />
Messen Sie die mittleren Farbtöne für eine ausgewogene Belichtung.<br />
So ändern Sie die Belichtungsmessmethode<br />
Das Ändern der Belichtungsmessmethode<br />
ist einfach, und die meisten Kameras bieten<br />
dazu sogar mehrere Möglichkeiten. Sie<br />
können das Bildschirm-Menü aufrufen und<br />
den relevanten Tab oder eine im Vier-Wege-<br />
Schalter integrierte Schnellzugriffstaste<br />
benutzen. Manche Kameras besitzen an der<br />
Oberseite oder Rückseite sogar eine spezielle<br />
Taste zur Auswahl der<br />
Belichtungsmessmethode, neuere Kameras<br />
sogar einen Touch-Screen, der schnellen<br />
Zugriff auf die Funktion erlaubt. Rechts sehen<br />
Sie, wie die Funktion bei Canon- und<br />
Nikon-Modellen aufgerufen wird, bei anderen<br />
Marken ist die Prozedur ähnlich.<br />
CANON<br />
1<br />
1) Wählen Sie im Menü den relevanten Tab und<br />
drücken die SET-Taste, um die Option auszuwählen.<br />
2) Drücken Sie die Q-Taste und benutzen Sie den<br />
Vier-Wege-Schalter, bis die Auswahl der Messmethode<br />
erscheint, dann drehen Sie das Eingabe-Einstellrad,<br />
um die gewünschte Messmethode einzustellen.<br />
2<br />
NIKON<br />
1<br />
2<br />
1) Wählen Sie das Aufnahmemenü und anschließend<br />
„Messfeldsteuerung“, dann drücken Sie OK und<br />
wählen eine Messmethode.<br />
2) Falls Ihre Kamera über eine i-Taste verfügt, drücken<br />
Sie sie, wählen „Messfeldsteuerung“ und anschließend<br />
die gewünschte Messmethode.
ISTOCK PHOTO<br />
Bei Gegenlicht machen Sie eine Spot-Messung auf dem Gesicht<br />
MEHRFELDMESSUNG<br />
Die Mehrfeldmessung ist die Standardeinstellung Ihrer<br />
Kamera, und ist so zuverlässig, dass Sie nur selten eine<br />
andere Messmethode brauchen werden. Die<br />
Mehrfeldmessung teilt das Sucherbild in mehrere Zonen<br />
ein. Die Kamera nimmt für alle Zonen gleichzeitig eine<br />
eigene Lichtmessung vor und vergleicht die Werte mit<br />
einer internen Bilddatenbank, die Tausende<br />
verschiedene Szenarien enthält. Anhand dieser Daten<br />
legt das Messsystem die Belichtung fest. Die Anzahl der<br />
dazu herangezogenen Zonen des Sucherbildes variiert<br />
von Kamera zu Kamera, es sind jedoch mindestens 16<br />
Zonen, bei teuren Modellen fast 100. Alle heute auf dem<br />
Markt erhältlichen Systeme sind sehr akkurat, wobei die<br />
neuesten Technologien die Belichtungsdaten mit<br />
denen vom Autofokus und Weißabgleich<br />
zusammenführen und so die besten Resultate liefern.<br />
Trotzdem ist keine dieser Technologien absolut<br />
narrensicher.<br />
KAMERA-<br />
SYMBOLE<br />
SONY<br />
CANON<br />
OLYMPUS<br />
NIKON<br />
PENTAX<br />
SPOT-MESSUNG / SELEKTIVMESSUNG<br />
Die Spot-Messung sollten Sie dann heranziehen, wenn Sie<br />
unter schwierigen Lichtverhältnissen fotografieren. Sie<br />
erlaubt Ihnen, eine Messung auf einem sehr kleinen Bereich<br />
im Zentrum des Bildausschnitts vorzunehmen. Wenn Sie<br />
diesen Messbereich mit einem mittleren Farbton der Szene<br />
zur Deckung bringen, eine Messung durchführen und<br />
anschließend die AE-Lock-Funktion benutzen, können Sie<br />
die gefundene Belichtung auf einen beliebigen Bildbereich<br />
anwenden, ohne dass diese von den Helligkeitswerten der<br />
direkt angrenzenden Bildbereiche beeinflusst wird. Die<br />
Punktmessung ist die akkurateste Messung, die Sie<br />
vornehmen können, wobei der kreisförmige Messbereich<br />
eine Größe von etwa 3% des Sucherbilds hat.<br />
Die Selektivmessung ist weniger bekannt und<br />
unterscheidet sich von der Spotmessung dadurch, dass sie<br />
einen größeren Messbereich von etwa 8–10% des<br />
Bildausschnitts berücksichtigt. Ansonsten funktioniert sie<br />
genauso wie die Spot-Messung. Wenn Sie die<br />
Selektivmessung benutzen, achten Sie darauf, dass Sie<br />
einen mittleren Farbton messen, sonst sind<br />
Fehlbelichtungen möglich.<br />
KAMERA-<br />
SYMBOLE<br />
NIKON<br />
CANON (PARTIAL)<br />
OLYMPUS<br />
CANON (SPOT)<br />
SONY/PENTAX<br />
MITTENBETONTE MESSUNG<br />
Die mittenbetonte Messung ist die älteste und am<br />
wenigsten präzise Messmethode. Sie bezieht sich auf<br />
einen Durchschnittswert, der aus der<br />
Helligkeitsverteilung des gesamten Sucherbildes<br />
errechnet wird, wobei eine höhere Gewichtung auf dem<br />
zentralen Bildbereich liegt. Für Alltagssituationen ist diese<br />
Messmethode kaum relevant, kann aber in Verbindung<br />
mit der AE-Lock-Funktion noch nützlich sein.<br />
KAMERA-<br />
SYMBOLE<br />
SONY<br />
CANON<br />
OLYMPUS<br />
Wussten Sie schon?<br />
NIKON<br />
PENTAX<br />
Immer mehr Kameras führen die Daten von<br />
Autofokus, Weißabgleich und<br />
Belichtungsmesssystem zusammen, um<br />
bessere Ergebnisse zu liefern. Canons<br />
iFCL-Technologie und Nikons Scene<br />
Recognition System sind nur zwei Beispiele.
56 Die Grundlagen EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
Die Automatik überlisten<br />
Hier zeigen wir Ihnen, wie Sie richtig belichten können, falls das Messsystem Ihrer Kamera versagt.<br />
1) AE-Lock<br />
Mit dieser Funktion können Sie festlegen, wo Sie<br />
die Belichtungsmessung einer Szene<br />
vornehmen. Für beste Ergebnisse nutzen Sie die<br />
AE-Lock-Funktion mit der Punktmessung<br />
zusammen, nicht mit der Mehrfeldmessung, um<br />
die Messung auf einer kleinen Fläche mit<br />
mittlerem Farbton vornehmen zu können.<br />
Da die AE-Lock-Funktion unabhängig von der<br />
Scharfeinstellung funktioniert, können Sie die<br />
Belichtung eines Bildbereichs messen, während<br />
Sie auf einen anderen Bildbereich scharfstellen.<br />
Bei manchen Canon-EOS-Modellen wird<br />
durch Drücken der *-Taste automatisch die<br />
Selektivmessung aktiviert, sodass Sie nicht<br />
manuell von der Mehrfeldmessung auf<br />
Selektivmessung umschalten müssen.<br />
Der Zweck der AE-Lock-Funktion besteht<br />
darin, bei kontrastreichen Szenen korrekte<br />
Belichtung zu gewährleisten, obwohl das Risiko<br />
einer Fehlbelichtung besteht. Bei starkem<br />
Gegenlicht kann z. B. ein heller Himmel zur<br />
Unterbelichtung des Motivs führen; wenn Sie die<br />
AE-Lock-Funktion nutzen und eine<br />
Punktmessung auf einem mittleren Farbton des<br />
Motivs vornehmen, erhalten Sie trotzdem eine<br />
korrekte Belichtung. Diese Methode funktioniert<br />
auch, wenn Sie Ihr Motiv vor dunklem<br />
Hintergrund fotografieren. Bei <strong>Landschaftsfotos</strong>,<br />
in denen ein großer Teil des Bildausschnitts nur<br />
Himmel zeigt, führen Sie eine AE-Lock-Messung<br />
für den Vordergrund durch. Auch bei Panoramen<br />
hat sich die Funktion bewährt, denn mit ihr<br />
können Sie alle Einzelbilder exakt gleich<br />
belichten und später problemlos<br />
zusammenfügen.<br />
Mehrfeldmessung<br />
Landschaften mit viel Himmel können die<br />
Mehrfeldmessung zum Unterbelichten verleiten.<br />
AE-Lock-Messung auf einem dunklen Bildbereich<br />
Die AE-Lock-Funktion auf einem dunklen<br />
Bildbereich führt zur Überbelichtung.<br />
So finden Sie die AE-Lock-Funktion<br />
an Ihrer Kamera:<br />
Bei den meisten Modellen befindet<br />
sich die AE-Lock-Taste rechts oben<br />
an der Kamerarückseite, wo sie<br />
mit dem rechten Daumen leicht zu<br />
erreichen ist. Im Zweifelsfall schauen Sie im Handbuch<br />
Ihrer Kamera nach.<br />
AE-Lock-Messung auf einem hellen Bildbereich<br />
Die AE-Lock-Funktion auf einem hellen<br />
Bildbereich führt zur Unterbelichtung.<br />
AE-Lock-Messung auf einem Bildbereich mit mittlerem Farbton<br />
Die AE-Lock-Messung auf einem Bildbereich mit mittlerem Farbton –<br />
den Felsen in diesem Fall – führt zur richtigen Belichtung.<br />
AE-Lock-Funktionen anpassen: Viele Kameras<br />
ermöglichen die Anpassung der AE-Lock-Funktionen.<br />
Eine übliche Anpassung ist die Verbindung mit dem<br />
Autofokus, das heißt, beide Funktionen werden<br />
verriegelt. Sie können die AE-Lock-Funktion auch so<br />
anpassen, dass sie nur wirkt, solange die AE-Lock-<br />
Taste gedrückt wird. Einzelheiten dazu finden Sie<br />
ebenfalls in der Bedienungsanleitung der Kamera.<br />
IMAGES: ROSS HODDINOTT<br />
2) Belichtungskorrektur<br />
Dies ist der schnellste, einfachste und am häufigsten<br />
verwendete manuelle Eingriff in die Automatik der<br />
Kamera. Mit ihm erhöhen oder verringern Sie die<br />
eigentlich von der Kamera vorgegebene Belichtung<br />
eines Fotos. Sie können positive (+), also eine stärkere,<br />
oder negative (-), also eine schwächere Belichtung<br />
einstellen. Anhand einer Skala im Sucher und auf dem<br />
Kameramonitor können Sie ablesen, wie stark Sie die<br />
Belichtung korrigieren. Doch Vorsicht: Eine einmal<br />
eingestellte Belichtungskorrektur bleibt eingestellt,<br />
vergessen Sie also nicht, sie wieder auf Null zu stellen,<br />
wenn Sie sie nicht mehr benötigen.<br />
Wie die Belichtung korrigiert wird, hängt von der<br />
benutzten Betriebsart der Kamera ab. Bei eingestellter<br />
Zeitautomatik ändert sich die Verschlusszeit, bei<br />
eingestellter Blendenautomatik die Blendenöffnung. Bei<br />
der Programmautomatik werden die Lichtverhältnisse<br />
berücksichtigt, wobei die Kamera die Priorität darauf<br />
legt, eine verwacklungssichere Verschlusszeit zu finden.<br />
Die Einstellung der Belichtungskorrektur wird in drittel<br />
oder halben Blendenstufen vorgenommen, wobei Sie<br />
bei den meisten Kameras wählen können, welches<br />
Raster Sie bevorzugen.<br />
Die Belichtungskorrektur lässt sich mit jeder<br />
Belichtungsmessmethode kombinieren. Mit<br />
No EV<br />
zunehmender Erfahrung werden Sie wissen, wann Sie<br />
korrigieren müssen und wie viel Korrektur Sie<br />
benötigen. Ein alter Hase wird bei Gegenlicht oder im<br />
Schnee, ohne einen Gedanken darauf zu<br />
verschwenden, 1.5 Blendenstufen einstellen. Solche<br />
Fähigkeiten werden Sie auch bald entwickeln. Wenn<br />
Sie den LiveView der Kamera benutzen, werden Sie<br />
schnell merken, dass die Belichtungskorrektur die<br />
schnellste und einfachste Möglichkeit ist,<br />
Belichtungsfehler zu vermeiden.<br />
EV +1<br />
Belichtungskorrektur und Blitz:<br />
Beim Blitzen hängt es wieder von der<br />
Kamera ab, wie die Belichtungskorrektur<br />
eingestellt wird. Manche Modelle ändern<br />
nur die Belichtung für das Umgebungslicht,<br />
nicht die Blitzleistung, andere ändern<br />
beides.<br />
IMAGES: LEE FROST
EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
Die Grundlagen 57<br />
3) Belichtungsreihenautomatik (AEB)<br />
AEB<br />
„Belichtungsreihenautomatik“<br />
bedeutet, dass Sie eine<br />
Bildserie schießen, wobei<br />
jedes Einzelbild anders<br />
belichtet wird. Die Funktion<br />
ist für weniger erfahrene<br />
Fotografen gedacht, um die<br />
Chancen auf ein korrekt<br />
belichtetes Bild zu erhöhen,<br />
indem drei oder fünf<br />
Einzelbilder geschossen<br />
werden. Wie bei der<br />
Belichtungskorrektur<br />
stellen Sie die AEB-Funktion<br />
in drittel oder halben<br />
Blendenstufen ein. Die<br />
Kamera schießt nun ein auf<br />
der gemessenen<br />
Belichtung basierendes<br />
Foto, jedoch zusätzlich je<br />
ein oder zwei weitere<br />
unterbelichtete und<br />
überbelichtete Fotos.<br />
Diese Funktion erfreut<br />
sich erst größerer<br />
Beliebtheit, seitdem sich<br />
herumgesprochen hat, wie<br />
einfach man die<br />
Einzelbilder zu einer<br />
HDR-Aufnahme<br />
zusammenfügen kann.<br />
AEB: 0EV<br />
AEB: -1EV<br />
Dies ist das erste Bild einer mit Belichtungsreihenautomatik geschossenen<br />
Serie mit einer Korrektur von +/-1 Blendenstufe. Es ist stark unterbelichtet.<br />
AEB: +1EV<br />
IMAGES: LEE FROST<br />
Das zweite Bild wurde mit der von der Kamera ursprünglich gefundenen<br />
Belichtung gemacht und ist immer noch leicht unterbelichtet.<br />
Das letzte Bild der Serie entstand mit einer Belichtungskorrektur<br />
von +1 Blendenstufe und liefert ein annehmbares Ergebnis.<br />
BELICHTUNGSREIHENAUTOMATIK MIT BELICHTUNGSKORREKTUR<br />
Erfahrene Fotografen kombinieren die Belichtungsreihenautomatik mit der Belichtungskorrektur. Wenn<br />
Sie beispielsweise eine winterliche Szene im Schnee fotografieren, brauchen Sie etwas positive<br />
Belichtungskorrektur, um die Szene nicht zu dunkel erscheinen zu lassen. Wenn Sie nun die<br />
Belichtungsreihenautomatik benutzen, indem Sie +/-1EV einstellen, bekommen Sie drei Bilder, eins mit<br />
der Standard-Belichtung, eins mit einer Blendenstufe Unterbelichtung und eins mit einer Blendenstufe<br />
Überbelichtung. Von diesen dreien sind sehr wahrscheinlich das unterbelichtete und das normal<br />
belichtete Foto nicht zu gebrauchen, während das überbelichtete Foto immer noch zu dunkel sein kann.<br />
Das vermeiden Sie, indem Sie zusätzlich die Belichtungskorrektur auf +1EV einstellen, so dass die mittlere<br />
AEB-Aufnahme in Wahrheit die Standardbelichtung +1EV erhält, die eine Blendenstufe unterbelichtete<br />
AEB-Aufnahme die Standardbelichtung bekommt, und die eine Blendenstufe überbelichtete<br />
AEB-Aufnahme noch eine zusätzliche positive Blendenstufe Belichtungskorrektur bekommt, also um 2<br />
Stufen überbelichtet wird. Dadurch steigen die Chancen, dass eine richtig belichtete Aufnahme dabei ist.<br />
Messung durch die Kamera<br />
AEB: -1EV & EC: +1EV<br />
AEB: 0EV & EC: +1EV<br />
AEB: +1EV & EC: +1EV<br />
Die Kameramessung führt zu starker<br />
Unterbelichtung der Szene.<br />
Die Belichtungskorrektur von +1EV wird<br />
durch die Belichtungsreihenautomatik-<br />
Einstellung von -1EV neutralisiert.<br />
+1EV Belichtungskorrektur plus<br />
Belichtungsreihenautomatik mit 0EV liefert<br />
ein besseres Ergebnis.<br />
Belichtungskorrektur plus Belichtungsreihenautomatik<br />
führt zu 2 zusätzlichen Blendenstufen, wodurch das<br />
beste Ergebnis erzielt wird.
58 Grundlagen EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
Richtig belichten: Feinarbeit mit Hilfsmitteln<br />
Ihre Kamera bietet eine Vielzahl von Kombinationen für Betriebsarten und manuelle Eingriffe in die<br />
automatische Belichtung. Hier behandeln wir den Einsatz von Belichtungshilfen, mit deren Hilfe<br />
Belichtungsfehler ab sofort der Vergangenheit angehören.<br />
Graue Karte<br />
Das Belichtungsmesssystem Ihrer Kamera geht davon aus,<br />
dass die Durchschnittsfarbe aller Farben in einer Szene ein<br />
18% Grau ist. Ist dies nicht der Fall, weil sehr viele helle oder<br />
dunkle Farbtöne vorhanden sind, führt dies zur Unter- bzw.<br />
Überbelichtungen.<br />
Um diese zu vermeiden, benutzen viele Fotografen eine graue<br />
Karte. Das ist nichts anderes als ein Stück Pappe, das mit der Farbe<br />
18% Grau bedruckt ist. Legen Sie die Karte irgendwo in die Szene,<br />
idealerweise an einen Platz mit denselben Lichtverhältnissen<br />
wie Ihr Hauptmotiv, und führen Sie eine Messung mithilfe<br />
der AE-Lock-Funktion durch. Nun erhalten Sie die korrekten<br />
Belichtungswerte für Ihr Motiv. Damit die Messung mit der<br />
BENUTZUNG DER GRAUEN KARTE:<br />
1) Dieses Bild, aufgenommen nach einer<br />
Mehrfeldmessung, ist falsch belichtet.<br />
2) Nach einer Messung mit eingeschalteter<br />
AE-Lock-Funktion und formatfüllend ins<br />
Sucherbild gehaltener grauer Karte wird<br />
die Aufnahme wiederholt.<br />
3) Die Messung auf der grauen Karte ergibt<br />
eine perfekte Belichtung.<br />
3<br />
Karte richtig funktioniert, müssen Sie einige Dinge beachten:<br />
Die Karte muss gleichmäßig beleuchtet sein und darf nicht<br />
nach vorn oder hinten geneigt sein, da beides zu falschen<br />
Messungen führt. Sie sollten auch darauf achten, dass kein<br />
Schatten auf die Karte fällt, einschließlich Ihres eigenen, da<br />
auch das die Messung verfälscht. Falls der Autofokus der<br />
Kamera nicht scharfstellen kann, fokussieren Sie manuell. Ist<br />
die Karte sehr weit von der Kamera entfernt und an beiden<br />
Standpunkten herrschen verschiedene Lichtverhältnisse,<br />
erhalten Sie mit einer Spot-Messung das beste Ergebnis. Die<br />
graue Karte ist übrigens auch sehr gut geeignet, um den<br />
korrekten Weißabgleich für eine Szene zu ermitteln.<br />
1 2<br />
Belichtungsmesser<br />
Wenn Sie sich ernsthaft mit<br />
<strong>Fotografie</strong> beschäftigen,<br />
werden Sie sich früher<br />
oder später einen<br />
Handbelichtungsmesser<br />
zulegen. Brauchbare<br />
Modelle gibt es<br />
ab 150€. Nur mit<br />
einem solchen<br />
Belichtungsmesser<br />
erhalten Sie eine<br />
wirklich akkurate<br />
Messung des auf<br />
Ihr Motiv fallenden<br />
Umgebungslichts.<br />
Ihre Kamera kann<br />
konstruktionsbedingt<br />
nur das Licht<br />
messen, welches vom<br />
Motiv reflektiert wird und<br />
durch das Objektiv auf den<br />
Sensor fällt. Die Messung<br />
des Umgebungslichts ist im<br />
Gegensatz zur Messung des<br />
reflektierten Lichts effizienter,<br />
weil sie nicht durch die Farben<br />
des Motivs beeinflusst wird. Ein<br />
Beispiel: Wenn ein schwarzes<br />
Pferd neben einem weißen<br />
Pferd steht, ergibt die Messung<br />
des Umgebungslichts für<br />
beide Motive exakt denselben<br />
Wert. Die Messung des<br />
reflektierten Lichts durch die<br />
Kamera hingegen ergibt für<br />
jedes Pferd einen anderen<br />
Messwert, sodass das weiße<br />
Pferd unterbelichtet<br />
und das schwarze Pferd<br />
überbelichtet wird. Der<br />
Handbelichtungsmesser<br />
liefert in jeder Situation die<br />
korrekten Belichtungsdaten,<br />
seine Benutzung ist aber<br />
etwas umständlicher als die<br />
Lichtmessung durch das<br />
Objektiv.<br />
Geeignet für…<br />
Geeignet für…<br />
LEE FROST<br />
LEE FROST<br />
STRANDSZENEN<br />
Reflexionen im Sand und Spiegelungen im<br />
Wasser verfälschen die Messwerte der Kamera.<br />
Mit einer grauen Karte ist das Problem schnell<br />
behoben.<br />
MOTIV IN STARK GERICHTETEM LICHT<br />
Falls Ihr Motiv von einer stark gerichteten<br />
Lichtquelle beleuchtet wird, platzieren Sie die<br />
graue Karte direkt daneben, um eine akkurate<br />
Messung zu erhalten.<br />
MISCHLICHT<br />
In diesem Fall benutzen Sie die graue Karte<br />
nicht nur, um die korrekte Belichtung zu<br />
bestimmen, sondern auch für einen der<br />
Situation angepassten Weißabgleich.<br />
PORTRÄTS IM GEGENLICHT<br />
Halten Sie den Belichtungsmesser<br />
sehr nah an das Gesicht, damit<br />
die Messung nicht durch das<br />
Gegenlicht verfälscht wird.
EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
Grundlagen 59<br />
IMAGES: LEE FROST<br />
Korrekt belichtet<br />
Andere Hilfen<br />
Expodisk<br />
Eine Expodisk wird für einen neutralen<br />
Weißabgleich vor dem Objektiv befestigt.<br />
Sie besteht aus einem transparenten<br />
Prismenraster. Nach einer Aufnahme in<br />
Richtung der dominierenden Lichtquelle der<br />
Szene, wird der Weißabgleich der Kamera<br />
manuell eingestellt.<br />
www.expoimaging.com<br />
Histogramm<br />
Die meisten von uns prüfen ein aufgenommenes Foto anhand<br />
der Darstellung auf dem Kameramonitor. Haben Sie sich aber<br />
schon gefragt, wie naturgetreu die angezeigten Farbtöne und<br />
Helligkeit tatsächlich sind? Eine einfache Methode, um die<br />
Genauigkeit der Prüfung zu verbessern, bietet das Histogramm<br />
der Kamera. Das Histogramm ist eine grafische Darstellung in<br />
einem Koordinatensystem mit X- und Y-Achse, das die Verteilung<br />
der Farbtöne im Bild anzeigt: Die Tiefen sind links dargestellt, die<br />
Mitteltöne im mittleren Bereich und die Lichter rechts. Sie können<br />
erkennen, welche Farbwerte tatsächlich vorhanden sind, indem Sie<br />
sich die Kurven der Grafik anschauen – je höher eine Kurvenspitze,<br />
desto mehr Farbtöne liegen in diesem Bereich. Wenn Sie ein<br />
Histogramm lesen, können Sie die Belichtung einer Szene mit einem<br />
einzigen Blick beurteilen. Entscheidend ist jedoch zu wissen, wie die<br />
Histogramme von Szene zu Szene variieren.<br />
In einer durchschnittlichen Situation wie bei diesem<br />
Landschaftsfoto können Sie erwarten, dass sich eine Spitze<br />
im mittleren Bereich befindet. Eine Spitze links von der Mitte<br />
deutet auf Unterbelichtung, eine Spitze rechts von der Mitte auf<br />
Überbelichtung hin.<br />
Bei überwiegend hellen oder dunklen Szenen liegt die Sache<br />
jedoch anders. Wie Sie an den Beispielfotos erkennen können, weist<br />
eine richtig belichtete dunkle Szene Spitzen auf der linken Seite auf,<br />
während bei einer richtig belichteten sehr hellen Szene die Spitzen<br />
rechts zu finden sind. Nehmen Sie sich die Zeit, Ihre Bilder sorgfältig<br />
anhand des Histogramms zu überprüfen, und Sie werden schnell<br />
lernen, aus der Kurvenform die richtigen Schlüsse zu ziehen.<br />
Korrekt belichtet<br />
Unterbelichtet<br />
Korrekt belichtet<br />
Unterbelichtet<br />
Mikrofaser-Reinigungstuch<br />
Das Mikrofasertuch von Spudz<br />
dient nicht nur der Reinigung des<br />
Objektivs, sondern Sie können auch<br />
eine Belichtungsmessung darauf<br />
vornehmen, weil es mit 18% Grau<br />
eingefärbt ist.<br />
www.spudz.com<br />
Lastolite 30cm Ezybalance<br />
Diese beidseitig verwendbare,<br />
grau und weiß beschichtete<br />
Karte kann sowohl zur<br />
Belichtungsmessung als auch<br />
zur Farbkorrektur verwendet<br />
werden<br />
www.lastolite.com<br />
Dunkle Szene: Eine überwiegend dunkle Szene enthält generell<br />
mehr Bildinformationen auf der linken Seite des Histogramms.<br />
Schnee: Das viele Weiß in dieser Szene und das Fehlen von Schatten<br />
erzeugen ein Histogramm, das stark nach rechts gewichtet ist.<br />
Weiße und graue Karte<br />
Auf der vorletzten Seite dieses<br />
Magazins finden Sie sowohl eine<br />
weiße als auch eine graue Karte<br />
zum Ausschneiden.
60 Die Grundlagen EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
Die Objektivblende – eine Einführung<br />
Einfach gesagt, besteht der Sinn und Zweck der <strong>Fotografie</strong> darin, korrekt<br />
belichtete Fotos zu erzeugen.<br />
DIE BILDSCHÄRFE IST natürlich besonders<br />
wichtig; wer will schon ein perfekt belichtetes,<br />
aber unscharfes Bild vorzeigen? In aller Regel<br />
meistern heutige Autofokussysteme die<br />
Bildschärfe sehr gut. Dasselbe lässt sich über<br />
Belichtungsautomatiken sagen – bis zu einem<br />
gewissen Grad. Schalten Sie die Kamera auf<br />
Vollautomatik, dann erhalten Sie meistens<br />
genau die richtige Belichtung, ohne über die<br />
verwendeten Einstellungen nachzudenken. Vor<br />
allem zwei Einstellungen steuern die Belichtung:<br />
die Objektivblende und die<br />
Kameraverschlusszeit. Beide beeinfl ussen aber<br />
noch weitere Bildeffekte, welche darüber<br />
entscheiden, ob ein Foto als gelungen<br />
angesehen wird oder nicht. Das Verständnis des<br />
Zusammenwirkens von Blende und Verschluss<br />
ist demnach entscheidend, wenn Sie diese<br />
Bildeffekte selbst steuern und nicht der<br />
Automatik überlassen wollen.<br />
Die Blende steuert die Lichtmenge, die durch<br />
das Objektiv fällt, durch einstellbare<br />
Blendenwerte f/x (siehe unten). Diese<br />
Einstellung bestimmt aber nicht nur den<br />
Lichteinfall, sondern auch, welcher<br />
Entfernungsbereich von der Kamera scharf<br />
abgebildet wird.<br />
Dieser Bereich, innerhalb dessen alle Objekte<br />
scharf abgebildet werden, heißt der<br />
Schärfentiefenbereich: Je weiter die Blende<br />
geöffnet ist (bzw. je kleiner der f/x-Wert), umso<br />
kürzer der Schärfentiefenbereich. Umgekehrt, je<br />
weiter die Blende geschlossen ist (bzw. je größer<br />
der f/x-Wert), umso größer der<br />
Schärfentiefenbereich.<br />
Wenn Sie also beispielsweise Porträts<br />
aufnehmen, werden Sie wahrscheinlich eher<br />
eine weit offene Blende benutzen, die den<br />
Schärfentiefenbereich verkleinert und den<br />
Hintergrund unscharf erscheinen lässt, während<br />
Sie bei Landschaftsaufnahmen eher eine kleine<br />
Blende wählen, die den Schärfentiefenbereich<br />
vergrößert, damit der ganze Bildbereich scharf<br />
aufgenommen wird. Wir gehen darauf an<br />
anderer Stelle genauer ein; nur soviel sei gesagt:<br />
Abhängig von der Blendenöffnung, wandert der<br />
Schärfentiefenbereich von vorn nach hinten.<br />
Deshalb ist es wichtig, die Wirkung der<br />
eingestellten Blende zu kennen, um den Effekt<br />
auf Ihre Aufnahme beurteilen zu können.<br />
Arbeiten Sie oft mit Elektronenblitzgerät? Auch<br />
hier ist die Wahl der Blende entscheidend, da<br />
sie die Blitzintensität steuert. Das kommt daher,<br />
weil die Zeitdauer des Blitzes so kurz ist, dass<br />
die Verschlusszeit irrelevant wird (es sei denn,<br />
sie wäre kürzer als die Blitzsynchronisationszeit<br />
der Kamera). Die richtige Belichtung eines Fotos<br />
hängt völlig davon ab, wie viel Blitzlicht durch<br />
das Objektiv fällt, was wiederum von der Größe<br />
der Blendenöffnung abhängt: Ist die Blende zu<br />
weit geöffnet, wird das Bild überbelichtet; ist sie<br />
zu weit geschlossen, wird unterbelichtet.<br />
Fachchinesisch:<br />
Blendentechnik<br />
Diaphragma: Eine Reihe kleiner,<br />
zungenförmiger, konzentrisch um die<br />
Objektivachse angeordneter Folien, in<br />
unterschiedlichem Winkel zueinander<br />
angeordnet, um entsprechend des eingestellten<br />
f/x-Werts ein im Durchmesser veränderbares<br />
Loch um die Objektivlängsachse zu erzeugen.<br />
Analog zum menschlichen Auge auch „Iris“<br />
genannt.<br />
Blendenstufe: Der f/x-Wert, der die<br />
Blendengröße angibt. Gängige Werte sind f/2.8,<br />
f/4, f/5.6, f/8, f/11, f/16 und f/22.<br />
Aufblenden: Eine größere Blende einstellen<br />
(kleinerer f/x-Wert) – beispielsweise von f/8 auf<br />
f/5.6.<br />
Optimale Blende: Die Blende, bei der ein<br />
Objektiv die beste optische Leistung erreicht,<br />
normalerweise zwischen f/8 und f/11.<br />
Abblenden: Eine kleinere Blende einstellen<br />
(größerer f/x-Wert) – beispielsweise von<br />
f/8 auf f/11. Der Begriff wird auch in dem<br />
Zusammenhang gebraucht, wenn die Blende<br />
auf die kleinste Größe eingestellt wird (größter<br />
f/x-Wert).<br />
Kleine Blende: Eine Blende mit höherem<br />
f/x-Wert wie f/16 oder f/22.<br />
Schmale/geringe Schärfentiefe:<br />
Wenn nur ein kleiner Entfernungsbereich einer<br />
Szene scharf abgebildet wird, was durch eine<br />
weit geöffnete Blende erreicht wird.<br />
Weit geöffnete Blende: Blende mit kleinem<br />
f/x-Wert wie f/2.8 oder f/4.<br />
Grundlagen<br />
Die Blende – das technische Gegenstück zur Iris<br />
des menschlichen Auges – ist ein Loch, durch<br />
das Licht einfällt. Seine Größe wird durch<br />
folgende f/x-Werte gemessen: f/1.4, f/2, f/2.8,<br />
f/4, f/5.6, f/8, f/11, f/16, f/22 und f/32.<br />
Je größer der f/x-Wert, desto kleiner die Blende,<br />
und umgekehrt. Physikalisch ausgedrückt: Jede<br />
Blende der obenstehenden f/x-Blendenwertreihe<br />
lässt jeweils die Hälfte der Lichtmenge des<br />
vorherigen Werts hindurch. Blende f/5.6 lässt<br />
also beispielsweise nur noch die Hälfte der<br />
Lichtmenge durch das Objektiv wie Blende f/4.<br />
Die Anzahl der einstellbaren Blendenwerte<br />
variiert je nach Objektivart. Ein 50mm<br />
Standardobjektiv mit fester Brennweite bietet<br />
etwa eine Blendenskala von f/1.4 bis f/16, ein<br />
70-200mm Telezoom eine Skala von f/4 bis<br />
f/32. Objektive unterscheiden sich nur anhand<br />
ihrer höchsten und niedrigsten Blendenwerte,<br />
die Mittelwerte der Skala werden von jedem<br />
Objektiv abgedeckt, auch von sehr alten.<br />
Seit moderne Kameras ihre Blenden<br />
elektronisch einstellen, sind auch Werte<br />
zwischen den Standardblendenstufen möglich,<br />
meist in Werten von 1/3 Blendenstufe: So liegen<br />
beispielsweise zwischen f/4 und f/5.6 die<br />
Zwischenstufen f/4.5 und f/5; zwischen f/5.6<br />
und f/8 gibt es f/6.3 und f/7.1 usw. Dies<br />
ermöglicht dem Fotografen, seine Belichtung<br />
noch feiner abzustimmen.<br />
Die Art und Weise, wie Sie die Blende einstellen,<br />
hängt vom Belichtungsprogramm der Kamera<br />
ab. Von allen verfügbaren<br />
Belichtungsprogrammen bzw. „Betriebsarten“<br />
ist die Zeitautomatik die sinnvollste. Dabei<br />
steuern Sie die Blende direkt durch manuelle<br />
Vorwahl des Blendenwerts f/x. Wenn die<br />
Lichtverhältnisse sich ändern, sodass die<br />
Belichtung nachgeregelt werden muss,<br />
übernimmt das die Kamera und passt die<br />
Verschlusszeit entsprechend an. Dasselbe gilt,<br />
wenn Sie eine Belichtungskorrektur einstellen.<br />
Bei der Blendenautomatik funktioniert das<br />
Ganze umgekehrt: Die Verschlusszeit bleibt<br />
f/2.8 f/22<br />
Oben: Weit offene Blende<br />
Eine größere Blende ergibt ein Bild mit geringer<br />
Tiefenschärfe, was bedeutet, die den Schärfebereich<br />
umgebenden Areale werden leicht unscharf.<br />
Oben rechts: Kleine Blende<br />
Eine kleinere Blende ergibt ein detailreicheres,<br />
schärferes Foto. Je kleiner die Blende, desto besser<br />
ist die Schärfentiefe.<br />
f/2.8<br />
f/11<br />
f/5.6<br />
f/16<br />
konstant, und die Kamera passt den<br />
Blendenwert den Lichtverhältnissen an; dies ist<br />
allerdings nur in seltenen Fällen erwünscht.<br />
Praktikabel hingegen ist eine komplett manuelle<br />
Einstellung von Blende und Verschlusszeit: Alle<br />
Einstellungen bleiben unverändert, bis sie<br />
manuell geändert werden. Einziger Nachteil der<br />
Methode ist, dass sie länger dauert und bei<br />
schwankenden Lichtverhältnissen<br />
fehleranfälliger ist.<br />
f/8<br />
f/22<br />
Belichtungsprogramme<br />
Av Zeitautomatik: (A oder Av): In<br />
diesem Modus wird die Verschlusszeit<br />
automatisch von der Kamera gesteuert,<br />
die Blende stellen Sie manuell ein. An einem<br />
Einstellrad, meist oben am Kameragehäuse,<br />
wählen Sie den gewünschten Blendenwert vor<br />
und haben somit volle Kontrolle über ihre<br />
Wirkung. Die Verschlusszeit wird je nach<br />
Lichtverhältnissen von der Kamera automatisch<br />
nachgeregelt, sodass stets korrekt belichtet wird.<br />
Tv Blendenautomatik (S oder<br />
Tv): In diesem Modus bleibt Ihre<br />
eingestellte Verschlusszeit konstant. Die<br />
Kamera regelt den Blendenwert entsprechend den<br />
Lichtverhältnissen nach und sorgt dadurch für<br />
korrekte Belichtung.<br />
Vollautomatik (P): Wie der Name<br />
P schon sagt, stellt die Kamera in diesem<br />
Modus sowohl Blende als auch<br />
Verschlusszeit automatisch ein. Sie können die<br />
Kombination beider Werte am Einstellrad<br />
justieren, bis eine bevorzugte Blende angezeigt<br />
wird.<br />
Manuelle Einstellung (M):<br />
M Sowohl Blende als auch Verschlusszeit<br />
werden nur manuell eingestellt. Sie<br />
wählen Ihre gewünschte Blende und regeln die<br />
Verschlusszeit nach oben oder unten, bis der<br />
Indikator eine korrekte Belichtungseinstellung<br />
anzeigt.<br />
ROSS HODDINOTT
EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
Die Grundlagen 61<br />
LEE FROST<br />
Von vorn bis hinten<br />
Für Fotos wie dieses hier brauchen Sie<br />
eine kleine Blende. Alles wird scharf<br />
abgebildet.<br />
Schärfentiefe-<strong>Vorschau</strong><br />
Bei Spiegelreflexkameras ist die Einschätzung der<br />
Schärfentiefe nicht ganz einfach. Das liegt daran, dass die<br />
Blende so lange voll geöffnet bleibt, bis Sie auf den Auslöser<br />
drücken, unabhängig vom eingestellten Wert. Die im Sucher<br />
sichtbare Schärfentiefe würden Sie erhalten, wenn Sie mit<br />
weit offener Blende fotografieren.<br />
Um zu beurteilen, wie die tatsächlich eingestellte<br />
Schärfentiefe wirkt, können Sie die Schärfentiefe-<br />
<strong>Vorschau</strong>taste nutzen – aus den Tagen analoger<br />
Kleinbildkameras auch als „Springblende“ bekannt. Drücken<br />
Sie diese Taste an Ihrer Kamera, dann wird die vorgewählte<br />
Blende sofort eingestellt. Sie sehen gleich, wie das Sucherbild<br />
merklich dunkler wird, denn die einfallende Lichtmenge ist<br />
jetzt um die gewählten Blendenstufen reduziert. Sie werden<br />
anfangs nicht viel erkennen, doch wenn Sie die Kamera<br />
eine Weile an das Auge halten, passen sich die Augen dem<br />
dunkleren Bild an. Jedenfalls genug, um zu erkennen, was<br />
scharf ist oder nicht.<br />
Die stolzen Besitzer von Canon Spiegelreflexkameras können<br />
zur Beurteilung der Schärfentiefe die LiveView-Funktion Ihres<br />
LCD-Monitors nutzen.<br />
Canon<br />
Nikon<br />
Blenden - häufig gestellte<br />
Fragen<br />
F: Was bedeutet „schnelles<br />
Objektiv“?<br />
Das bezieht sich auf die maximale Blendengröße<br />
eines Objektivs. Manche 70-200mm Telezoom-<br />
Objektive bieten eine maximale Blende von f/2.8,<br />
andere bieten bei gleicher Brennweite nur einen<br />
Maximalwert von f/4. Bietet ein Objektiv einer<br />
bestimmten Kategorie einen größeren maximalen<br />
Blendenwert als der Durchschnitt, spricht man<br />
von einem schnellen Objektiv. Unser 70-200mm<br />
f/2.8 Objektiv ist also ein schnelles Objektiv,<br />
ebenso ein 16-35mm f/2.8 Weitwinkelzoom<br />
oder ein 85mm f/1.4 Festbrennweitenobjektiv<br />
usw. Ein 75-300mm f/4-5.6 Zoom würde man<br />
dagegen als „langsam“ bezeichnen. Schnellere<br />
Objektive sind von besserer optischer Qualität,<br />
infolgedessen teurer und meistens größer als ihre<br />
langsameren Pendants.<br />
F: Worin besteht der Vorteil eines<br />
schnellen Objektivs?<br />
Der unmittelbare Vorteil besteht schlicht darin,<br />
dass Sie eine größere maximale Blende einstellen<br />
können, was kürzere Verschlusszeiten erlaubt.<br />
Deswegen von Sport- und Wildlife-Fotografen<br />
bevorzugt. Bei f/4 als maximaler Blende sind<br />
Sie vielleicht auf 1/125 Sekunde beschränkt,<br />
doch bei einer maximal möglichen Blende<br />
f/2.8 können Sie 1/250 Sekunde einstellen<br />
und erhalten dieselbe Belichtung. Sie erinnern<br />
sich: Der Wechsel von einer Blendenstufe<br />
zur nächsten bedeutet entweder die doppelte<br />
oder die halbe einfallende Lichtmenge, wenn<br />
Sie auf- oder abblenden. Dasselbe gilt für die<br />
Verschlusszeiten. Ein weiterer Vorteil schneller<br />
Objektive ist, dass Sie bei Tele-Brennweiten<br />
und größerer maximaler Blendenöffnung einen<br />
kürzeren Schärfentiefenbereich haben, mit dem<br />
Sie Ihr Motiv isolieren und den Hintergrund<br />
unscharf abbilden können. Nebenbei ist auch<br />
das Sucherbild heller, was besonders bei<br />
schwachem Licht die Bildkomposition und<br />
Scharfeinstellung erleichtert.<br />
F: Bedeuten die f/x-Werte bei allen<br />
Objektiven dasselbe, ist also f/8<br />
beim 70-200mm Zoomobjektiv<br />
dasselbe wie beim 17-40mm Zoom?<br />
Genauso ist es. Alle f/x-Werte lassen dieselbe<br />
Lichtmenge durch, ganz gleich bei welcher<br />
Brennweite. Wenn Sie also das Objektiv<br />
wechseln und bei Blendeneinstellung<br />
beibehalten, ist auch die Verschlusszeit der<br />
Kamera dieselbe.<br />
F: Warum geben Zoomobjektive<br />
oft zwei verschiedene maximale<br />
Brennweiten an – z. B. f/4–5.6 für ein<br />
75-300mm Zoom?<br />
Zoomobjektive verwenden verschieden Linsen,<br />
die in bestimmten Gruppierungen angeordnet<br />
sind, um variable Brennweiten zu ermöglichen.<br />
Wenn Sie vom Weitwinkel- in den Telebereich<br />
zoomen, werden diese Linsengruppen entlang<br />
der Mittelachse des Objektivs verschoben<br />
um das anvisierte Objekt zu vergrößern. Bei<br />
billigeren Zoomobjektiven ist die Optik aus<br />
Kostengründen so konstruiert, dass die maximale<br />
mögliche Blende mit zunehmender Brennweite<br />
kleiner wird. Zoomobjektive mit konstanter<br />
maximaler Blende sind in Konstruktion und<br />
Fertigung aufwendiger und deshalb teurer.<br />
F: Warum haben die in manchen<br />
Bildern auftretenden Lichtreflexe<br />
die Form der Blende des Objektivs?<br />
Weil die Reflexe von Licht verursacht werden,<br />
das innerhalb des Objektivs mehrfach hin- und<br />
hergeworfen wird und dabei manchmal auch<br />
von den Diaphragma-Elementen, aus denen<br />
die Blende besteht, reflektiert wird. Dadurch<br />
entstehen Lichtreflexe in Blendenform. Das<br />
kann bei bestimmten Aufnahmen durchaus<br />
attraktiv wirken; Sie können den Effekt jedoch<br />
vermeiden, indem Sie eine Gegenlichtblende<br />
verwenden oder das Objektiv mit der Hand nach<br />
oben hin abschirmen, um direkten Lichteinfall zu<br />
vermeiden.
62 Die Grundlagen EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
Die wunderbare Welt der großen Blenden<br />
Lernen Sie, wie große Blenden Ihre Bilder verwandeln können, und entdecken Sie die maximale Kreativität Ihrer Kamera.<br />
WIE BEREITS erklärt: Je niedriger der f/-Wert,<br />
desto größer ist die Blende. Wenn Sie eine<br />
große Blende einstellen, fällt als unmittelbare<br />
Konsequenz mehr Licht in Ihr Objektiv ein.<br />
Dies wiederum bedeutet, dass der Verschluss<br />
Ihrer Kamera nicht so lange geöffnet bleiben<br />
muss, um die korrekte Belichtung zu erzeugen.<br />
Mit anderen Worten: Je größer die Blende,<br />
desto kürzer ist die Verschlusszeit in jeder<br />
beliebigen Situation.<br />
Sportfotografen schießen oft mit großer Blende,<br />
weil diese ihnen ermöglicht, die<br />
Verschlusszeiten kurz zu halten und Objekte in<br />
schneller Bewegung einzufrieren. Um einen<br />
Formel 1-Bolliden in voller Fahrt einzufangen,<br />
benötigen Sie Verschlusszeiten von 1/1000<br />
Sekunde oder kürzer. Ein praktischer<br />
Nebeneffekt ist, dass Sie beim <strong>Fotografie</strong>ren<br />
aus der Hand Verwacklungsunschärfe besser<br />
vermeiden können, wenn Sie Ihre Blende<br />
„öffnen“ um somit eine vernünftige<br />
Verschlusszeit zu erzielen. Dies ist besonders<br />
hilfreich, wenn Sie Zoom- oder Teleobjektive<br />
verwenden, die besonders anfällig für<br />
Verwacklungsunschärfen sind – nicht nur weil<br />
sie groß und schwer sind, sondern weil sie jede<br />
Kamerabewegung vergrößern.<br />
Große Blenden finden darüber hinaus bei<br />
schlechten Lichtverhältnissen Verwendung,<br />
wenn Sie an der Grenze des Machbaren<br />
arbeiten. Ist ein Stativ nicht praktikabel, um die<br />
Kamera still zu halten, haben Sie keine Wahl<br />
als das Objektiv auf die größte Blende<br />
einzustellen und aus der Hand zu fotografieren.<br />
Hier kann es einen großen Unterschied<br />
machen, welchen Objektivtyp Sie verwenden.<br />
Ein 50mm-Objektiv mit Festbrennweite ist für<br />
alle Lichtverhältnisse geeignet, weil es im<br />
Vergleich zu Zoomobjektiven nicht nur<br />
kompakt und leicht genug zum <strong>Fotografie</strong>ren<br />
aus der Hand ist, sondern weil auch die<br />
„langsamsten“ Objektive eine maximale<br />
Blende von 1/1.8 haben, die auch bei<br />
schlechtem Licht überraschend kurze<br />
Verschlusszeiten erlauben. Auf dem Markt sind<br />
auch noch „schnellere“ 50mm-Objektive mit<br />
maximalen Blenden von f/1.4 oder f/1.2<br />
erhältlich – allerdings ist die letztere Variante<br />
nicht nur zehn Mal so teuer wie ein<br />
f/8-Objektiv, sondern auch zehn Mal so<br />
schwer. Die Vorteile der schnelleren Blende<br />
werden also durch Größe und Gewicht<br />
aufgehoben, da Sie kürzere Verschlusszeiten<br />
benötigen, um Verwacklungsunschärfen zu<br />
vermeiden.<br />
Abgesehen von Verschlusszeiten: Ein anderer,<br />
wichtiger Vorteil großer Blenden ist, dass Sie<br />
eine reduzierte Tiefenschärfe erhalten, bei der<br />
ein kleinerer Bereich des Motivs oder der Szene<br />
scharf abgebildet wird. Je größer die Blende,<br />
desto geringer die Tiefenschärfe, die Sie bei<br />
jeder Blende erhalten. f/4 erzeugt also eine<br />
flachere Tiefenschärfe als f/5.6 oder f/8. Die<br />
Tiefenschärfe wird bei jedem beliebigen<br />
Objektiv noch weiter reduziert, wenn die<br />
Brennweite ansteigt. Wenn Sie also mit 28 mm<br />
und f/4 fotografieren, wird ein größerer Bereich<br />
der Szene scharf abgebildet als wenn Sie mit<br />
200 mm und f/4 arbeiten.<br />
Schließlich wird die Tiefenschärfe noch weiter<br />
reduziert, wenn das Motiv näher an die<br />
Kamera heranrückt, buchstäblich auf ein paar<br />
Millimeter, wenn Sie ein weit geöffnetes<br />
Makroobjektiv verwenden und die minimale<br />
Fokusdistanz wählen. Dieser Effekt kann,<br />
wenn er kreativ eingesetzt wird, fantastische<br />
Bilder erzeugen.<br />
ISTOCK PHOTO<br />
ROSS HODDINOTT<br />
GROSSE BLENDEN BEI LANDSCHAFTSAUFNAHMEN<br />
Der Einsatz großer Blenden in der Landschaftsfotografie erscheint unlogisch, denn normalerweise<br />
will man eine Szene von vorne bis hinten scharf abbilden, was mit großer Blende schwierig ist –<br />
oder? Tatsächlich gilt dies in manchen Situationen nicht: Sie benötigen nur dann große<br />
Tiefenschärfe, wenn sich der nächste Punkt einer Szene nah vor der Kamera befindet. Manchmal<br />
sind jedoch alle Elemente, die Sie aufnehmen möchten, sehr weit entfernt. In solchen Fällen<br />
benötigen Sie überhaupt keine Tiefenschärfe; gute Beispiele sind Luftaufnahmen aus Flugzeugen<br />
oder Heißluftballons. Hier müssen Sie sogar mit weit geöffneter Blende fotografieren, um trotz Ihrer<br />
Bewegung alles scharf abzubilden. Das Gleiche gilt, wenn Sie von einem Hügel oder Berg aus ein<br />
Tal unter sich fotografieren, oder ein Stadtbild von einem hohen Aussichtspunkt, zum Beispiel vom<br />
Dach eines Wolkenkratzers.<br />
Auch in der Landschaftsfotografie kann kurze Tiefenschärfe funktionieren, denn sie ermöglicht<br />
Ihnen ein Element scharf abzubilden und andere verschwimmen zu lassen, etwa einen einsamen<br />
Baum auf einem Feld, der mithilfe eines Zoomobjektivs bei größter Blende eingefangen wird. Diese<br />
Technik wird auch als „selektive Schärfe“ bezeichnet. Sie können erstaunliche Ergebnisse erzielen,<br />
wenn Sie mit weit geöffnetem Weitwinkelobjektiv auf ein Element fokussieren, welches sich in der<br />
Nähe der Kamera befindet, zum Beispiel ein Blütenblatt, sodass dieses scharf abgebildet wird,<br />
während alles andere unscharf bleibt. Wenn Sie Ihr Objektiv weit öffnen, wird die Szene genauso<br />
abgebildet wie sie im Sucher erscheint, sodass der Tiefenschärfebereich gut zu kontrollieren ist;<br />
zudem wird klar erkennbar, ob Sie auf die richtige Stelle fokussiert haben.<br />
GROSSE BLENDEN UND<br />
PORTRÄTAUFNAHMEN<br />
Porträtfotografie und große Blenden sind<br />
füreinander bestimmt. Sie werden oft den<br />
Wunsch haben, alles im Hintergrund Ihres<br />
Modells unscharf zu lassen, damit es nicht<br />
vom Porträt ablenken kann. Kurze<br />
Teleobjektive im Bereich von 85–135mm<br />
gelten für traditionelle Porträtaufnahmen als<br />
beste Wahl, weil sie die Perspektive so<br />
komprimieren, dass unsere Gesichtszügen<br />
ebenmäßiger erscheinen, und weil Sie bei<br />
großen Blenden zudem für kurze<br />
Tiefenschärfe sorgen und den Hintergrund<br />
verschwimmen lassen. Wenn Sie dies<br />
erreichen, aber das ganze Gesicht Ihres<br />
Modells scharf abbilden möchten, sollten Sie<br />
sich an Blende f/5.6 halten und auf die<br />
Augen des Modells fokussieren.<br />
Bei größeren Blenden wird die Tiefenschärfe<br />
bis zu einem Bereich reduziert, in dem Teile<br />
des Gesichts wie Nasenspitze und Stirn<br />
möglicherweise nicht mehr scharf abgebildet<br />
werden. Aber auch dieser Effekt kann sehr<br />
gut funktionieren, weil Sie damit die<br />
Aufmerksamkeit auf die Augen lenken,<br />
besonders wenn Sie mit maximaler Blende<br />
fotografieren. Versuchen Sie einmal, Porträts<br />
mit einem Zoomobjektiv bei f/2.8 oder f/4<br />
oder mit 50 mm Festbrennweite bei f/1.8 zu<br />
fotografieren. In diesem Fall sollten Sie nur<br />
darauf achten, dass sich Ihr Modell im<br />
rechten Winkel zur Kamera befindet, sodass<br />
immer beide Auge fokussiert werden.<br />
Alternativ können Sie auch einmal aus einem<br />
Winkel fotografieren, sodass ein Auge näher<br />
an der Kamera ist als das andere; in diesem<br />
Fall fokussieren Sie auf das nähere Auge.
EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
Die Grundlagen 63<br />
ISTOCK PHOTO<br />
GROSSE BLENDEN FÜR NATURAUFNAHMEN<br />
Naturfotografen geht es meist darum, scheue Lebewesen in natürlicher<br />
Umgebung einzufangen; die Tiere befi nden sich in einem gewissen<br />
Abstand zur Kamera, sind mitunter sehr klein und in vielen Fällen gut<br />
getarnt. Aus all diesen Gründen sind lange Teleobjektive die besten<br />
Werkzeuge für solche Aufgaben: Sie können aus sicherer Entfernung<br />
fotografi eren, und Ihr Motiv erscheint in ausreichender Größe im<br />
Bildausschnitt. Brennweiten von 300 mm bis 600 mm sind üblich. Auch<br />
hier bevorzugen viele Fotografen große Blenden, damit die<br />
Belichtungszeiten kurz bleiben, Verwacklungsunschärfen vermieden<br />
werden (lange Objektive sind schwer) und die Bewegung des Motivs<br />
eingefroren wird. Zudem wird das Motiv so isoliert, dass es sich besser<br />
vom Hintergrund abhebt. Wenn Sie nicht gerade tausende Euro für ein<br />
schnelles Objektiv mit Festbrennweite auszugeben, z. B. 300mm f/2.8,<br />
oder 500mm f/4, liegt die maximale Blende Ihres längsten Objektivs<br />
wahrscheinlich bei f/5.6 oder f/8 – besonders wenn Sie die Brennweite<br />
durch einen Telekonverter verlängern. Das braucht Sie aber nicht zu<br />
sorgen, denn ab Brennweiten von 300 mm wird die Tiefenschärfe<br />
selbst bei diesen Blendenwerten sehr kurz. Wenn Sie Ihr Motiv dann<br />
sorgfältig fokussieren, wird der Hintergrund in der Regel sehr unscharf.<br />
Auch Teleobjektive mit kürzeren Brennweiten bis 200 mm können sehr<br />
effektiv sein, wenn man sie weit öffnet, um Objekte näher vor der<br />
Kamera zu fotografi eren. So wird die Aufmerksamkeit auf einen<br />
bestimmten Bereich konzentriert, etwa ein Auge, während alles übrige<br />
verschwimmt. Das Gleiche gilt, wenn Sie Wildtiere aus der Nähe mit<br />
Weitwinkel fotografi eren, obwohl diese Objektive generell viel<br />
Tiefenschärfe bieten. Bei geringer Fokusdistanz und maximaler Blende<br />
erreichen selbst Objektive , die nur das Hauptmotiv scharf abbilden und<br />
Hintergründe bis zur Unkenntlichkeit verschwimmen lassen, erstaunlich<br />
kurze Tiefenschärfen.<br />
Große Blende: Fokus<br />
Kurze Tiefenschärfe fi ndet in<br />
der kreativen Fotografi e viele<br />
Anwendungsbeispiele. Sie sollten<br />
sich nur darüber im Klaren sein, dass<br />
die Fokuszone in einem solchen Bild<br />
reduziert ist. Sie müssen sehr genau<br />
fokussieren, weil der Spielraum für<br />
Fehler sehr klein ist. Dies gilt eher für<br />
Tele- als für Weitwinkelobjektive, weil<br />
mit einem weit geöffneten Teleobjektiv<br />
nur Tiefenschärfen von wenigen<br />
Zentimetern erreicht werden. Sie<br />
müssen also genau darauf achten, den<br />
richtigen Punkt zu fokussieren.<br />
Hier können moderne AF-Systeme<br />
sehr hilfreich sein, aber auch sie sind<br />
nicht vor Fehlern gefeit. Sie fokussieren nur auf etwas, das sich hinter<br />
einem aktiven AF-Punkt befi ndet. Das Zauberwort hier lautet: Übung.<br />
Gewöhnen Sie sich an das Fokussystem Ihrer Kamera, lernen Sie die<br />
AF-Punkte mit der Kamera vor Ihrem Auge zu wechseln, sodass Sie ein<br />
Objekt außerhalb der Mitte scharf halten können. Oder fokussieren Sie<br />
auf einen speziellen Punkt, wenn die Bildkomposition abgeschlossen<br />
ist, indem Sie Fokus-Hilfspunkte verwenden, um ein bewegtes Objekt<br />
scharf zu stellen.<br />
Wenn alles andere versagt, können Sie alternativ auch auf manuellen<br />
Fokus umschalten und sich statt auf die Technik auf Ihr Augenmaß<br />
verlassen. Das mag radikal erscheinen, wo doch unsere Autofokus-<br />
Systeme so weit entwickelt sind, aber manchmal ist Low-Tec einfach<br />
die beste Wahl.
64 Die Grundlagen<br />
EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
Die Blende in der Makrofotografie<br />
Die Wahl des Fokuspunkts kann aus einer guten Nahaufnahme eine<br />
hervorragende machen – erfahren Sie mehr über die Geheimnisse von<br />
Profis der Makrofotografie...<br />
WIE BEREITS bekannt: Je größer die Blende, desto<br />
kürzer die Tiefenschärfe. Und da sie mit<br />
zunehmender Vergrößerung immer kürzer wird, ist<br />
der Effekt bei Nahaufnahmen entsprechend stärker.<br />
Der Schärfebereich kann bei Größenverhältnissen im<br />
Bereich 1:1 (Lebensgröße) hauchdünn werden.<br />
Wenn Sie also auch mit großen f/-Werten noch<br />
rasiermesserscharfe Nahaufnahmen fotografieren<br />
wollen, müssen Ihr Fokus und Ihre Technik<br />
wohlüberlegt sein.<br />
Da die Tiefenschärfe bei großen (weiten) Blenden so<br />
eingeschränkt ist könnte man annehmen, dass eine<br />
kleinere f/Zahl besser geeignet sei, um einen<br />
größeren Schärfebereich zu erzeugen. Dadurch<br />
werden jedoch normalerweise auch ablenkende<br />
Details im Vorder- und Hintergrund in den Fokus<br />
gerückt, die Hintergründe werden unordentlich und<br />
lenken das Auge von dem eigentlichen Motiv ab. Die<br />
Wahl einer kleineren Blende führt außerdem zu einer<br />
wesentlich längeren Verschlusszeit, was ebenfalls<br />
unpraktisch sein kann, wenn man aus der Hand<br />
fotografiert oder wenn man Objekte in Bewegung,<br />
wie zum Beispiel fliegende Insekten oder vom Wind<br />
bewegte Pflanzen ablichten möchte.<br />
Aber von den praktischen Erwägungen einmal<br />
abgesehen, gibt es außerdem auch ästhetische<br />
Vorteile, die für die Verwendung einer großen Blende<br />
beim <strong>Fotografie</strong>ren von Makroaufnahmen sprechen.<br />
Sie trägt dazu bei, die Umgebung des Objekts auf<br />
ansprechende Weise verschwimmen zu lassen und<br />
einen diffusen Bereich verwaschener Farben zu<br />
schaffen, aus denen Ihr Motiv deutlich hervortritt –<br />
eine Technik, die wir bereits angesprochen haben<br />
und die als selektive Schärfe bezeichnet wird. Wenn<br />
Sie zum Beispiel Insekten oder Wildblumen<br />
fotografieren, stellt eine Blende im Bereich von f/4<br />
oder f/5.6 sicher, dass nur das Objekt selber scharf<br />
abgebildet wird, und dass der Hintergrund frei von<br />
Unordnung ist, ohne dass Sie dazu erst einmal die<br />
umgebende Vegetation „jäten“ oder den Blickwinkel<br />
ändern müssten. Um die Tiefenschärfe bei jeder<br />
beliebigen f/Stufe zu maximieren, versuchen Sie, den<br />
Sensor Ihrer Kamera parallel zu Ihrem Objekt<br />
auszurichten. Der Grund dafür ist, dass es nur eine<br />
geometrische Ebene vollständiger Schärfe gibt. Auf<br />
diese Weise platzieren Sie so viel wie möglich von<br />
Ihrem Objekt auf dieser Ebene.<br />
Ob Sie nun wild lebende Tiere, Pflanzen oder<br />
Stillleben fotografieren ¬– die Wahl einer großen<br />
Blende kann sich bei der Verwendung eines<br />
Makroobjektivs oder einer Nahlinse als extrem<br />
nützliches, kreatives Werkzeug erweisen, das Ihren<br />
Fokuspunkt betont. Fast alles vor und hinter Ihrem<br />
Fokuspunkt wird zunehmend verschwommener<br />
abgebildet, was eine ganze Menge kreativen<br />
Potenzials bietet. Sie können zum Beispiel Ihren<br />
Fokuspunkt auf die Blütenblättern oder -stempel<br />
einer Blume legen und den Rest der Pflanze auf<br />
attraktive Weise verschwimmen lassen. Der Trick ist,<br />
gerade genug Tiefenschärfe zu erzeugen, um<br />
sicherzustellen, dass der Hintergrund Ihres Objekts<br />
schön verschwimmt, aber trotzdem noch erkennbar<br />
bleibt. Wenn Ihre Kamera über einen <strong>Vorschau</strong>knopf<br />
verfügt, sollten Sie diesen verwenden, um den Effekt<br />
zu kontrollieren. Passen Sie die f/Zahl an, wenn mehr<br />
oder weniger Tiefenschärfe erforderlich ist. Diese Art<br />
von selektiver Fokussierung kann erstaunliche,<br />
künstlerische Resultate hervorrufen und viel mehr<br />
über die Größe, die Schönheit und das Design eines<br />
Objekts preisgeben, als ein durchgängig scharfes<br />
Bild.<br />
Eine große Blende erlaubt Fotografen von<br />
Nahaufnahmen viel mehr Kreativität beim<br />
Fokussieren. Aber das ist nicht immer gut. Die durch<br />
eine große Blende erzeugte, flache Tiefenschärfe<br />
bedeutet, dass die Fokussierung rasiermesserscharf<br />
sein muss. Wenn die scharfe Zone potenziell nur ein<br />
paar Millimeter misst, ist es nicht leicht, aus der<br />
Hand scharfe Ergebnisse zu erzielen. Sie sollten also,<br />
wann immer es möglich ist, ein Stativ verwenden.<br />
Dies ermöglicht es Ihnen, Ihren Fokuspunkt sehr viel<br />
akkurater zu platzieren. In Situationen, in denen die<br />
Verwendung eines Stativs nicht praktikabel ist,<br />
sollten Sie eine größere Serie von Aufnahmen<br />
schießen, um sicherzustellen, dass wenigstens eine<br />
Aufnahme korrekt fokussiert ist. Dabei ist ein<br />
manueller Fokus am besten geeignet, da der<br />
Autofokus Probleme beim Fokussieren auf nahe<br />
gelegene Objekte haben kann. Noch besser ist es,<br />
wenn Sie LiveView verwenden und in den Bereich,<br />
auf den Sie fokussieren möchten, hineinzoomen, um<br />
dann die entsprechenden Feineinstellungen an<br />
Ihrem Fokus sorgfältig und von Hand vorzunehmen.<br />
Profi-Tipp: Ross Hoddinott<br />
„Bei Nahaufnahmen ist die Tiefenschärfe<br />
aufgrund der starken Vergrößerung meist<br />
sehr kurz. Daher glauben viele Fotografen,<br />
dass man kleine Blenden verwenden<br />
sollte. Ich bin jedoch anderer Meinung<br />
und verwende für Blumen, Insekten<br />
usw. nur selten kleine Blenden. Erstens<br />
führt die kleine Blende zu längeren<br />
Verschlusszeiten, die beim <strong>Fotografie</strong>ren<br />
von Wildtieren bei schwachem Licht nicht<br />
erwünscht sind; zweitens kann eine kleine<br />
Blende störende Details im Hintergrund in<br />
den Fokus bringen.<br />
Ich verwende lieber größere Blenden<br />
im Bereich f/2.8 bis f/8. Die kurze<br />
Tiefenschärfe führt dazu, dass mein<br />
Objekt sich deutlich von seinem<br />
Hintergrund löst. Die Ergebnisse können<br />
fantastisch aussehen – allerdings muss<br />
der Fokuspunkt hundertprozentig exakt<br />
sein! Um sicher zu stellen, dass das<br />
Objekt durchgehend scharf abgebildet<br />
wird, sollten Sie Ihre Kamera parallel<br />
dazu ausrichten, um die Tiefenschärfe<br />
zu maximieren. Fokussieren Sie nach<br />
Möglichkeit manuell und nutzen Sie<br />
die LiveView-Funktion; auf diese Weise<br />
können Sie präzise in die Szene einzoomen<br />
und Ihren Fokuspunkt genau platzieren.<br />
Die kurze Tiefenschärfe stellt in jedem Fall<br />
ein kraftvolles, künstlerisches Werkzeug für<br />
Nahaufnahmen dar.“<br />
ÄNDERN DER TIEFENSCHÄRFE<br />
Jeder kann ein scharfes Foto schießen – was wirklich<br />
zählt ist, wo Sie die Schärfe platzieren! Diese<br />
Bildsequenz einer Gebänderten Prachtlibelle wurde aus<br />
identischem Blickwinkel und Fokuspunkt<br />
aufgenommen, nur die Tiefenschärfe wurde verändert.<br />
Die Sequenz zeigt, wie Hintergrunddetails zunehmend<br />
hervortreten und abzulenken beginnen, je kleiner die<br />
Blende wird.<br />
Eine große Blende hilft, Ihr Objekt zu isolieren und<br />
dessen Formen und Strukturen zu betonen – Sie<br />
müssen nur den Fokuspunkt richtig auswählen!<br />
f/2.8<br />
f/5.6<br />
f/11<br />
f/16<br />
f/22
Direkte Begegnung!<br />
Wo Sie Ihren Fokus<br />
positionieren, kann<br />
dramatische Folgen für die<br />
Wirkung Ihres Bildes<br />
haben.<br />
ALLE BILDER: ROSS HODDINOTT
66 Die Grundlagen<br />
EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
Wie Sie aus kleinen Blenden das Beste machen<br />
Egal welches Objektiv Sie verwenden: Wenn Sie wissen, welche Blende Sie<br />
für welches Motiv einstellen müssen, werden Ihre fotografischen Ergebnisse<br />
sofort besser. Es folgt ein kurzer Leitfaden...<br />
DER WICHTIGSTE GRUND, warum Fotografen ihre<br />
Objektive auf kleine Blenden einstellen, ist die<br />
Vergrößerung der Tiefenschärfe, damit ein größerer<br />
Bereich der Szene im Fokus ist. Sie sollten sich<br />
allerdings bewusst sein, dass die Tiefenschärfe auch<br />
noch von zwei weiteren Faktoren beeinflusst wird:<br />
von der Brennweite des Objektivs und der<br />
Fokusdistanz. Je größer das Objektiv (je kürzer die<br />
Brennweite), desto mehr Tiefenschärfe erzielen Sie<br />
mit jeder Blende, und je mehr das Objektiv den<br />
Tele-Bereich abdeckt (je länger die Brennweite),<br />
desto weniger Tiefenschärfe erzielen Sie.<br />
Unabhängig von Fokusdistanz und Blende wird die<br />
Tiefenschärfe größer, je weiter sich der Fokuspunkt<br />
von der Kamera entfernt.<br />
Bei Brennweiten im Ultraweitwinkelbereich von 10<br />
bis 15 mm (15 bis 20 mm bei Vollformatsensoren)<br />
können Sie von ein paar Zentimetern bis in<br />
unendliche Entfernung alles in scharfem Fokus<br />
ablichten, wenn Sie auf f/16 oder f/22 abblenden, da<br />
die Tiefenschärfe so weitreichend ist. Nichtsdestotrotz<br />
müssen Sie jedoch auf eine bestimmte Distanz<br />
fokussieren – die hyperfokale Distanz – um die<br />
Tiefenschärfe zu maximieren (siehe Seite 19).<br />
Teleobjektive erzeugen bei kleinen Blenden<br />
wesentlich weniger Tiefenschärfe als<br />
Weitwinkelobjektive, aber da man aufgrund ihrer<br />
Vergrößerungskraft eher weit entfernte Szenen oder<br />
Objekte fotografiert, ist das nicht wirklich<br />
problematisch.<br />
Da kleine Blenden die Lichtmenge reduzieren, die in<br />
das Objektiv eintritt, muss eine längere Verschlusszeit<br />
gewählt werden, um eine korrekte Belichtung zu<br />
erzielen. Das bedeutet: Wenn Sie bei einer<br />
Belichtungsmessung einen Wert von 1/60 Sekunde<br />
bei f/4 erhalten, verändert sich die Verschlusszeit,<br />
wenn Sie das Objektiv abblenden (siehe Tabelle<br />
unten). Dies müssen Sie im Hinterkopf behalten,<br />
wenn Sie aus der Hand fotografieren (insbesondere<br />
bei schlechten Lichtverhältnissen), weil Ihre Fotos<br />
ansonsten Verwacklungsunschärfen aufweisen<br />
könnten. Die Daumenregel lautet: Die Verschlusszeit<br />
sollte mit der Brennweite, mit der Sie fotografieren,<br />
mindestens übereinstimmen: 1/60 Sekunde bei 50<br />
mm, 1/125 Sekunde bei 200 mm und so weiter.<br />
Natürlich haben manche Fotografen eine ruhigere<br />
Hand als andere, und möglicherweise gehören auch<br />
Sie selbst zu diesen Glücklichen; dann werden Sie<br />
sich nicht unbedingt an diese Regel halten müssen.<br />
Viele neuere Objektive verfügen außerdem über eine<br />
Bildstabilisation, die Verwacklungen entgegenwirkt<br />
und es Ihnen ermöglicht, auch bei längeren<br />
Verschlusszeiten aus der Hand noch messerscharfe<br />
Ergebnisse zu erzielen – zum Beispiel mit einem<br />
70–200mm-Zoomobjektiv und 1/30 Sekunde<br />
Belichtungszeit trotz maximaler Vergrößerung! Auch<br />
eine Steigerung des ISO-Wertes ermöglicht Ihnen,<br />
kürzere Belichtungszeiten zu nutzen; trotzdem sollten<br />
Sie aber Ihre Kamera möglichst immer auf ein<br />
robustes Stativ setzen.<br />
Ein positiver Aspekt des Abblendens mit langen<br />
Verschlusszeiten ist, dass Sie Bewegungen einfangen<br />
können. Wasserfälle entfalten deutlich mehr<br />
Atmosphäre, wenn sie bei einer Belichtungszeit von<br />
1/2 bis 1 Sekunde fotografiert werden, sodass<br />
fließendes Wasser oder Wellen milchig-trüb<br />
erscheinen – mit Belichtungszeiten über 30<br />
Sekunden können Sie es sogar in Nebel verwandeln.<br />
Weitere Beispiele sind Grashalme im Wind, Bäume,<br />
die von heftigen Böen geschüttelt werden,<br />
Menschenmengen in Bewegung, galoppierende<br />
Pferde usw. – praktisch alle Motive in Bewegung<br />
können mit langen Verschlusszeiten und<br />
abgeblendetem Objektiv auf kreative Weise<br />
eingefangen werden.<br />
Profi-Tipp: Lee Frost<br />
„Ein Nachteil beim <strong>Fotografie</strong>ren mit<br />
sehr kleinen Blenden ist die Tatsache,<br />
dass Diffraktion auftreten kann. Das<br />
bedeutet: Die Wellenlänge des Lichts<br />
wird gebeugt oder abgelenkt, wenn es<br />
durch die Öffnung im Objektiv fällt, die<br />
durch die Blendenlamellen erzeugt wird.<br />
Dies bewirkt Schärfeverluste. Manche<br />
Objektive leiden stärker darunter als<br />
andere: Ultraweitwinkelobjektive sind<br />
häufiger betroffen als Teleobjektive,<br />
Zoomobjektive häufiger als Objektive mit<br />
fester Brennweite.<br />
Diffraktion wirkt stärker bei kleinen<br />
Blenden, weil das Licht von den Rändern<br />
der Blendenlamellen abgelenkt wird. Je<br />
kleiner die Blende, desto größer ist der<br />
Teil des gesamten Lichtspektrums, der<br />
gebeugt wird. Bei großen Blenden ist<br />
Diffraktion weniger stark ausgeprägt, weil<br />
das Verhältnis des gebeugten zum nicht<br />
gebeugten Licht kleiner ist. Wenn ein<br />
Objektiv sehr stark unter Diffraktion leidet,<br />
gehen alle Vorteile der Tiefenschärfe<br />
durch den Schärfeverlust verloren.<br />
Die Lösung? Blenden Sie Ihr Objektiv<br />
nicht weiter ab, als unbedingt notwendig!“<br />
LEE FROST<br />
Verschluss 1/125 Sek 1/60 Sek 1/30 Sek 1/15 Sek 1/8 Sek 1/4 Sek 1/2 Sek 1 Sekunde<br />
Blende f/2.8 f/4 f/5.6 f/8 f/11 f/16 f/22 f/32<br />
KLEINE BLENDEN IN DER<br />
NATURFOTOGRAFIE<br />
Wie Porträtaufnahmen können auch Naturfotos mit<br />
Betonung auf der Umgebung fotografiert werden.<br />
Warum versuchen Sie nicht einmal, ein Insekt oder<br />
ein Tier als Teil seines natürlichen Lebensraums zu<br />
fotografieren, anstatt es aus seiner Umgebung<br />
heraus zu isolieren? Oftmals benötigen Sie trotzdem<br />
ein Teleobjektiv, einfach, um einen gewissen<br />
Abstand wahren zu können und somit ein<br />
Aufschrecken und Verjagen Ihres Motivs zu<br />
vermeiden. Anstatt den Bildausschnitt zu füllen,<br />
zoomen Sie aus dem Motiv heraus, sodass ein<br />
größerer Bereich der Umgebung mit in die<br />
Bildkomposition aufgenommen wird und blenden<br />
Sie auf f/11 oder f/16 ab, um die gesamte Szene<br />
scharf abzubilden.<br />
Wenn Sie nah an Ihr Motiv herangehen, können Sie<br />
für eine dramatischere Perspektive zu einem<br />
Weitwinkelobjektiv wechseln. Diese Technik wird<br />
oftmals für Fotos von Reptilien, Insekten,<br />
Schmetterlinge oder zutraulichere Vögel<br />
angewendet, die nicht das Weite suchen, wenn<br />
man sich ihnen nähert. Wenn Sie sich mit Blende<br />
f/11 oder f/16 Ihrem Motiv nähern, wird jedes Detail<br />
innerhalb des Bildausschnitts scharf abgebildet. Der<br />
Naturfotograf Frans Lanting verwendet häufig<br />
Weitwinkelobjektive für <strong>Fotografie</strong>n wild lebender<br />
Tiere und die Ergebnisse sind wirklich erstaunlich.<br />
Schauen Sie sich seine Arbeiten doch einmal an<br />
und lassen Sie sich inspirieren. Besuchen Sie ihn<br />
unter franslanting.photoshelter.com.<br />
ROSS HODDINOTT
EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
Die Grundlagen 67<br />
KLEINE BLENDEN FÜR<br />
LANDSCHAFTSAUFNAHMEN<br />
Ebenso wie große Blenden für<br />
Porträtaufnahmen, sind kleine Blenden für die<br />
Landschaftsfotografie der Standard. Die meisten<br />
<strong>Landschaftsfotos</strong> werden mit<br />
Weitwinkelobjektiven aufgenommen, um ein<br />
breiteres Blickfeld einzufangen, und in den<br />
meistens Fällen soll das Bild durchgängig scharf<br />
sein. Die einfachste Möglichkeit, dies zu<br />
erreichen ist, das Objektiv auf f/16 oder f/22<br />
abzublenden, um die Tiefenschärfe zu<br />
maximieren. Zum Glück bieten<br />
Weitwinkelobjektive bei kleiner Blende eine<br />
große Tiefenschärfe, die bei schrumpfender<br />
Brennweite noch zunimmt.<br />
Das ist auch gut so; denn je weiter der<br />
Blickwinkel des Objektivs, umso eher sind wir<br />
geneigt, unsere Komposition mit<br />
Vordergrunddetails auszufüllen, was wiederum<br />
mehr Tiefenschärfe erfordert. Wenn Sie<br />
städtische Szenen bei Nacht fotografieren<br />
wollen, können Sie längere Belichtungszeiten<br />
verwenden und somit Lichtspuren einfangen,<br />
wenn Sie Ihr Objektiv abblenden. Helle<br />
Lichtpunkte hingegen werden häufig als Sterne<br />
abgebildet. Es kann auch Nachteile mit sich<br />
bringen, wenn Sie Ihr Objektiv bis zur<br />
minimalen Blende abblenden (siehe Kasten<br />
gegenüber). Vermeiden Sie dies, wann immer<br />
Sie können, und bleiben Sie eine oder zwei<br />
Stufen oberhalb der minimalen Blende. Eine<br />
Möglichkeit, die trotzdem noch genügend<br />
Tiefenschärfe erzeugt, ist die sogenannte<br />
„hyperfokale Fokussierung“ (siehe Seite 19).<br />
ISTOCK PHOTO<br />
LEE FROST<br />
KLEINE BLENDEN FÜR<br />
PORTRÄTAUFNAHMEN<br />
Porträtaufnahmen werden zwar meistens mit<br />
einem Teleobjektiv und großer Blende<br />
fotografiert, es gibt aber kein Gesetz, das dies<br />
zwingend vorschreibt. Warum nicht mal ein<br />
Porträt mit Betonung auf der Umgebung, in dem<br />
Ihr Modell innerhalb seiner Arbeitswelt vorgestellt<br />
wird: ein Gärtner in seinem Gartenschuppen, ein<br />
Töpfer an seiner Töpferscheibe, ein Koch in der<br />
Küche? Solche Porträts sind oft erfolgreicher als<br />
das traditionelle „Brustbild“, weil sie uns viel<br />
mehr über den Menschen verraten und auch<br />
fotografisch interessanter sind.<br />
Die meisten Porträts mit Betonung auf der<br />
Umgebung werden mit Weitwinkelobjektiv<br />
aufgenommen, mit dem Sie alles scharf abbilden<br />
können. Eine Alternative für Umgebungsporträts<br />
ist die Verwendung eines Weitwinkelobjektivs im<br />
Nahbereich, mit dem Sie nicht viel mehr als den<br />
Kopf und die Schultern Ihres Modells im<br />
Bildausschnitt haben. Die übertriebene<br />
Perspektive bedeutet, dass Sie immer noch den<br />
Hintergrund als dessen Lebensraum mit in den<br />
Bildausschnitt aufnehmen und mit einer kleinen<br />
Blende fotografieren können, sodass alles scharf<br />
ist. Da der Hintergrund sich in einen unendlichen<br />
Bereich erstreckt, dominiert Ihr Modell immer<br />
noch den Bildausschnitt.<br />
ISTOCK PHOTO
68 Die Grundlagen EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
Die Verwendung<br />
kleiner Blenden<br />
So fotografieren Sie mit einer kleinen<br />
Blende rasiermesserscharfe<br />
Landschaftsaufnahmen<br />
LEE FROST: Wir haben bereits erklärt,<br />
dass kleine Blenden eine größere<br />
Tiefenschärfe erzeugen, sodass Sie einen<br />
größeren Bereich der Szenerie im Fokus<br />
abbilden können. Wenn man Landschaften<br />
fotografiert, möchte man idealerweise alles vom<br />
unmittelbaren Vordergrund bis hin zu dem weit<br />
entfernten Hintergrund scharf haben. Um dies zu<br />
erreichen, wenden viele Fotografen eine<br />
Daumenregel an, die besagt, dass man sein<br />
Weitwinkel- oder Zoomobjektiv auf dessen<br />
minimale Blende – für gewöhnlich f/22 –<br />
abblenden und auf unendlich fokussieren soll. Dies<br />
funktioniert auch in den meisten Fällen, weil<br />
Weitwinkelobjektive bei kleinen Blenden so viel<br />
Tiefenschärfe bieten. Es ist jedoch nicht immer<br />
praktikabel, die minimale Blende zu verwenden.<br />
Die Gründe hierfür werden wir auf der nächsten<br />
Seite erläutern. An dieser Stelle möchten wir Ihnen<br />
erst einmal zeigen, wie Sie bei der<br />
Landschaftsfotografie die besten Ergebnisse<br />
erzielen können, ohne dabei notwendigerweise<br />
immer auf die minimale Blende Ihres Objektivs<br />
zurückgreifen zu müssen.<br />
Große Blende Diese Szene wurde mit einer<br />
1digitalen Spiegelreflexkamera mit Vollformatsensor<br />
und 17–40mm-Zoomobjektiv bei 17mm<br />
aufgenommen. Es wurde manuell auf die Felsblöcke<br />
fokussiert, die der Kamera am nächsten sind, und die<br />
Blende auf das Maximum f/4 geöffnet. Wie Sie sehen,<br />
sind die Felsblöcke im Vordergrund scharf abgebildet;<br />
auf mittlerer Distanz lässt die Tiefenschärfe jedoch nach,<br />
und das Schloss im Hintergrund verschwimmt.<br />
Fokus auf dem Vordergrund Wenn Sie das<br />
2Objektiv auf eine kleinere Blende abblenden, wird<br />
die Tiefenschärfe vergrößert, sodass sie sich weiter in<br />
den Hintergrund erstreckt. Da das Objektiv aber noch<br />
auf den Vordergrund fokussiert ist, müssen wir auf die<br />
minimale Blende f/22 abblenden, bis das Schloss im<br />
Hintergrund scharf abgebildet wird. Grund: Die<br />
Tiefenschärfe wird reduziert, wenn die Fokusdistanz<br />
kurz ist, wie in diesem Fall.<br />
Fokus auf unendlich Eine weitere Option ist,<br />
3 das Objektiv auf unendlich zu fokussieren. Diese<br />
Technik verwenden die meisten Fotografen, wenn<br />
Sie Landschaftsaufnahmen mit Weitwinkelobjektiv<br />
aufnehmen. Wenn Sie dabei auf f/22 abblenden,<br />
wie im Beispiel oben gezeigt, ist die gesamte Szene<br />
im Fokus. Dies liegt an der Kombination aus<br />
ultra-weiter Brennweite, minimaler Blende und<br />
weiter Fokusdistanz.<br />
Aufblenden Muss man wirklich auf f/22<br />
4 abblenden, wenn man auf „unendlich“ fokussiert?<br />
Wir haben diese Szene mit dem Fokus auf unendlich<br />
aufgenommen und bei jedem Bild eine Stufe<br />
aufgeblendet, um zu sehen, wie weit wir die Blende<br />
öffnen können, bis der Vordergrund unscharf wird.<br />
Tatsächlich konnten wir in diesem Fall die Blende<br />
nicht über f/22 öffnen. Es ist also nicht ideal, auf einen<br />
Bereich nah vor der Kamera oder in weiter Entfernung<br />
zu fokussieren.<br />
Fokus auf ein Drittel Die Tiefenschärfe erstreckt<br />
5sich vom tatsächlichen Fokusunkt nach vorn<br />
und nach hinten. Man verschwendet also<br />
Tiefenschärfe, wenn man auf den Vordergrund oder<br />
„unendlich“ fokussiert. Die Lösung ist die alte Regel,<br />
ein Drittel der Strecke in das Bild zu fokussieren! Wir<br />
haben es bei f/22 ausprobiert und, wie zu erwarten,<br />
ist alles scharf, weil die Tiefenschärfe auf diese Weise<br />
effektiver genutzt wird.
Das fertige Bild<br />
Zum Schluss haben wir die Blende<br />
noch eine Stufe weiter geöffnet, auf<br />
f/16. In diesem Fall ist das Bild nicht<br />
nur von vorne bis hinten scharf,<br />
sondern auch bis in beide Ecken, weil<br />
weniger Diffraktion auftritt.<br />
Denken Sie daran: Für schärfere Bilder<br />
1/3 ins Bild hinein fokussieren und<br />
nicht zu stark abblenden!
70 Die Grundlagen<br />
VERSCHLUSSZEITEN VERSTEHEN<br />
Der typische Verschlusszeitbereich einer digitalen<br />
Spiegelreflexkamera liegt zwischen 1/4000 Sekunde<br />
und 30 Sekunden. Zusätzlich gibt es den sog.<br />
„Langzeitbelichtungsmodus“ (B), um den Verschluss<br />
manuell geöffnet zu halten, so lange Sie möchten. Auf<br />
diese Weise können Sie auch bei geringem Licht<br />
fotografieren und Belichtungszeiten wählen, die<br />
außerhalb des Verschlusszeitbereichs liegen.<br />
Wie Sie schon wissen, gibt die Verschlusszeit eine<br />
gemessene Zeitspanne von Sekundenbruchteilen oder<br />
ganzen Sekunden an, während der Ihr<br />
Kameraverschluss geöffnet ist und Licht auf den<br />
Sensor fällt. Das Licht passiert zuerst die<br />
Blendenöffnung und den offenen Verschluss, bevor es<br />
auf den Bildsensor trifft. Die Lichtmenge, die zur<br />
Belichtung eines Bildes auf den Sensor gelangt, hängt<br />
also davon ab, wie weit die Blende geöffnet ist,<br />
angegeben durch den gewählten Blendenwert f/x,<br />
sowie von der Dauer der Verschlussöffnung,<br />
angegeben durch die Verschlusszeit in Sekunden<br />
(bzw. Bruchteilen).<br />
Diese beiden Einstellungen arbeiten zusammen und<br />
im Verhältnis zueinander. Eine Verdopplung der<br />
Verschlusszeit hat denselben Effekt auf die<br />
Bildbelichtung wie die Öffnung der Blende um eine<br />
Stufe, während die Halbierung der Verschlusszeit den<br />
gleichen Effekt hat wie eine Reduktion der<br />
Blendenöffnung um eine Stufe. Wenn der<br />
Belichtungsmesser Ihrer Kamera eine<br />
Belichtungseinstellung von 1/60 Sekunde bei f/8<br />
ausgibt, könnten Sie in dieser Situation jede der<br />
folgenden Kombinationen von Blendenöffnung und<br />
Verschlusszeit verwenden und würden ein korrekt<br />
belichtetes Bild erzielen (siehe Kasten).<br />
Die Kombination, für die Sie sich entscheiden, hängt<br />
von dem Motiv ab, das Sie fotografieren, und davon,<br />
welche Art von Bild Sie machen möchten. Wenn Sie<br />
ein sich schnell bewegendes Motiv einfrieren<br />
möchten, sollten Sie eine schnelle Verschlusszeit von<br />
zum Beispiel 1/500 Sekunde bei f/2.8 wählen. Wenn<br />
Sie jedoch das Motiv unscharf darstellen möchten,<br />
um die Bewegung im Bild einzufangen, ist 1/15<br />
Sekunde bei f/16 oder 1/8 Sekunde bei f/22 die<br />
bessere Wahl.<br />
Ein weiterer Faktor, mit dem Sie mehr Kontrolle über<br />
die Auswahl der Verschlusszeit erlangen können, ist<br />
die Lichtempfindlichkeit (ISO) Ihrer Kamera. Immer,<br />
wenn Sie den ISO-Wert verdoppeln, können Sie die<br />
Verschlusszeit halbieren, und immer, wenn Sie den<br />
ISO-Wert halbieren, können Sie die Verschlusszeit<br />
verdoppeln. Der zweite Kasten unten zeigt Ihnen ein<br />
Beispiel hierzu.<br />
Die Erhöhung der ISO, und damit die Möglichkeit,<br />
eine schnellere Verschlusszeit zu verwenden, ist eine<br />
gute Alternative, wenn die Lichtverhältnisse schlecht<br />
sind. Und bei der hervorragenden Bildqualität, die<br />
digitale Spiegelreflexkameras bei hoher ISO erzielen,<br />
müssen Sie sich nie wieder ein tolles Bild entgehen<br />
lassen, nur weil die Verschlusszeit zu lang wäre. Es<br />
macht jedoch wenig Sinn, die ISO zu verändern, wenn<br />
Sie mit einer langen Verschlusszeit arbeiten möchten,<br />
weil ISO 50 die niedrigste Lichtempfindlichkeit ist, die<br />
bei digitalen Spiegelreflexkameras eingestellt werden<br />
kann. Der ISO Standardwert liegt jedoch gewöhnlich<br />
bei 100, das heißt das Beste, das Sie mit der<br />
niedrigsten ISO-Einstellung herausholen können, ist<br />
eine Verdoppelung der Verschlusszeit bzw.<br />
Belichtungszeit.<br />
Wenn die Wahl der Verschlusszeit entscheidet, ist es<br />
am besten, die Blendenautomatik (S oder TV) als<br />
Belichtungsmodus zu wählen. Wenn Ihre Kamera<br />
sich in diesem Modus befindet, legen Sie die<br />
Verschlusszeit fest und Ihre Kamera stellt automatisch<br />
die erforderliche Blendenöffnung (f/Zahl) für eine<br />
korrekte Belichtung ein. Wenn Sie die Kameraposition<br />
wechseln, sich die Lichtverhältnisse ändern oder Sie<br />
die Belichtungskorrektur aktivieren, wird die<br />
eingestellte Verschlusszeit beibehalten und die Blende<br />
wird verändert, um eine korrekte Belichtung<br />
beizubehalten. Auf diese Weise behalten Sie die<br />
Kontrolle darüber, ob in Ihrem Bild die Bewegung<br />
eingefroren oder verschwommen erscheint.<br />
Lange Belichtungszeiten<br />
ermöglichen die kreative<br />
Nutzung praktisch aller<br />
Lichtquellen –<br />
einschließlich Feuer...<br />
Kombinationen von Verschlusszeit und Blendenöffnung<br />
1/500 Sek 1/250 Sek 1/125 Sek 1/60 Sek 1/30 Sek 1/15 Sek 1/8 Sek 1/4 Sek<br />
f/2.8 f/4 f/5.6 f/8 f/11 f/16 f/22 f/32<br />
Kombinationen von ISO-Wert und Verschlusszeit<br />
ISO 50 ISO 100 ISO 200 ISO 400 ISO 800 ISO 1600 ISO 3200<br />
1/15 Sek 1/30 Sek 1/60 Sek 1/125 Sek 1/250 Sek 1/500 Sek 1/1000 Sek<br />
FOKUSSIERUNG AUF SICH<br />
BEWEGENDE MOTIVE<br />
Ein wesentlicher Faktor, den Sie beim <strong>Fotografie</strong>ren<br />
beweglicher Motive beachten müssen, ist das<br />
Fokussieren. Manche Bewegungen, etwa die eines<br />
Wasserfalls, sind kein Problem. Bewegt sich Ihr<br />
Motiv aber auf Sie zu oder von der Kamera weg,<br />
zum Beispiel ein Vogel im Flug oder ein fahrendes<br />
Auto, wird das Scharfstellen schon komplizierter.<br />
Die neuesten Autofokus-Systeme sind hier sehr<br />
hilfreich.<br />
Wenn Sie Ihre Kamera auf AF.C oder Servo AF<br />
einstellen, während Sie Ihr Objekt anvisieren, wird<br />
die Kamera den Fokus automatisch nachregeln,<br />
damit das Motiv scharf bleibt. Die einzige<br />
Bedingung ist, dass Sie einen aktiven Fokuspunkt<br />
über Ihrem Motiv halten. Tun Sie das nicht, wird<br />
das Objektiv irgendeinen anderen Bereich hinter<br />
diesem Fokuspunkt scharf stellen. Das zentrale<br />
Fokusfeld ist häufig das empfindlichste, aber nicht<br />
immer möchte man das Motiv in der Bildmitte<br />
haben. Machen Sie sich also mit der Verwendung<br />
von dezentralen Fokusfeldern vertraut und üben<br />
Sie, den Fokuspunkt mit der Kamera am Auge zu<br />
verändern, so dass Ihnen das auch schnell<br />
während einer Aufnahme gelingt. Prüfen Sie auch,<br />
wie Sie die Vorteile des Fokussierens zu Ihren<br />
Gunsten nutzen können. Möglicherweise gelingt es<br />
Kontinuierlicher Autofokus<br />
Ihnen, mehrere Fokusfelder auszuwählen, so dass<br />
Ihr Motiv, wenn es sich von einem Punkt<br />
wegbewegt, von einem anderen Fokusfeld<br />
übernommen und die Scharfstellung beibehalten<br />
wird.<br />
Viele digitale Spiegelreflexkameras bieten<br />
sogenannte „Fokus-Assist-Felder“, um die<br />
Nutzfläche des Fokuspunkts zu erweitern. Diese<br />
Funktionen können bei sich schnell bewegenden<br />
Motiven einen großen Unterschied machen, denn<br />
selbst wenn Ihre Motivverfolgung nicht hundert<br />
Prozent genau ist, erhalten Sie trotzdem noch ein<br />
perfekt scharfes Bild. Wenn es Ihnen schwer fällt,<br />
mit dem Autofokus gute Ergebnisse zu erzielen,<br />
denken Sie ruhig mal darüber nach, wieder auf<br />
manuellen Fokus umzuschalten und lernen Sie,<br />
ISTOCK PHOTO<br />
Schärfennachführung<br />
wie Sie dem Fokus folgen, das heißt wie Sie den<br />
Fokus anpassen, während Sie Ihr Motiv anvisieren.<br />
Das ist gar nicht so schwierig wie es klingt. Wenn<br />
Ihr Motiv einem festgelegten Kurs folgt, wie ein<br />
Auto oder Motorrad auf einer Rennstrecke, können<br />
Sie auf einen bestimmten Punkt fokussieren und<br />
dann einfach nur darauf warten, bis Ihr Motiv<br />
diesen Punkt erreicht und den Auslöser ganz kurz<br />
vorher drücken.<br />
Diese Technik, die Vorfokussieren genannt wird,<br />
wendet man am besten mit manuellem Fokus an,<br />
denn wenn Sie dafür den „One-Shot-Autofokus”<br />
verwenden würden, müssten Sie den Auslöser halb<br />
gedrückt halten, damit die Scharfstellung auf den<br />
gewünschten Bereich beibehalten wird. Dies<br />
entfällt beim manuellen Fokus.<br />
ISTOCK PHOTO
ISTOCK PHOTO<br />
Häufig gestellte Fragen zum Thema Bewegung<br />
Ist es einfach, einem Bild mit Photoshop<br />
F Bewegung hinzuzufügen?<br />
A Ja, das ist einfach. Wenn Sie ein Bild öffnen und<br />
dann zu „Filter > Weichzeichnungsfilter“ gehen,<br />
finden Sie eine Dropdown-Liste von<br />
Weichzeichnungsfiltern. „Bewegungsunschärfe“<br />
und „Radialer Weichzeichner“ sind die zwei<br />
nützlichsten davon. Verwenden Sie<br />
Bewegungsunschärfe, um den Hintergrund eines<br />
Bildes weichzuzeichnen, damit es so wirkt, als<br />
hätten Sie die Kamera geschwenkt. Markieren Sie<br />
Ihr Hauptmotiv mit dem Lasso-Werkzeug, gehen<br />
Sie dann zu „Auswahl > Auswahl umkehren“ und<br />
wenden Sie den Filter an. Experimentieren Sie mit<br />
dem Regler „Abstand“, um den<br />
Weichzeichnungsgrad und den Winkel zu<br />
variieren. Der Radiale Weichzeichner ist ideal<br />
geeignet, um stehende Räder aussehen zu lassen,<br />
als würden sie sich drehen. Markieren Sie ein Rad<br />
mit dem Lasso-Werkzeug und gehen Sie zu „Filter<br />
> Weichzeichnungsfilter > Radialer<br />
Weichzeichner“, klicken Sie auf „Kreisförmig“ und<br />
„Sehr gut“ und probieren Sie einige Werte aus.<br />
Kann man einen Bewegungsunschärfe-<br />
F Effekt erzielen, indem man Vaseline auf<br />
einen alten Filter schmiert?<br />
A Ja, das ist eine bewährte Technik, die einen<br />
Versuch wert ist. Nehmen Sie irgendeinen alten<br />
Filter wie zum Beispiel einen UV- oder<br />
Skylightfilter, oder auch einfach ein Stück<br />
transparenten Kunststoff, verteilen Sie ein<br />
bisschen Vaseline drauf und erzeugen Sie mit den<br />
Fingern parallele Streifen in der Vaseline. Wenn Sie<br />
dann den Filter auf Ihrem Objektiv befestigen,<br />
sorgt die Vaseline dafür, dass alles schlierig wirkt.<br />
Das funktioniert besonders gut bei Waldansichten<br />
und verwandelt die Baumstämme in<br />
verschwommene Streifen, so als hätten Sie die<br />
Kamera bei geöffnetem Verschluss vertikal<br />
geschwenkt.<br />
Wie fotografiert man Sternenspuren –<br />
Fund wohin muss ich gehen, um solche<br />
zu finden?<br />
A Eine Belichtungszeit von einigen Stunden bei<br />
einer großen Blenden und einer ISO von etwa 400<br />
dürfte zu einem annehmbaren Ergebnis führen.<br />
Sie müssen allerdings weit weg von bewohnten<br />
Gebieten sein, weil sonst die Lichtverschmutzung<br />
durch die Umgebung Ihre Aufnahmen ruinieren<br />
kann. Fahren Sie aufs Land, möglichst weit weg<br />
von Wohngebieten. Wüsten oder Gebirge sind<br />
ideal zum <strong>Fotografie</strong>ren von Sternen, weil es dort<br />
praktisch keine Lichtverschmutzung gibt. Achten<br />
Sie darauf, dass Ihre Batterien geladen sind und<br />
der Himmel klar genug ist, um die Sterne sehen zu<br />
können. Vollmond erzeugt zu viel Licht, warten Sie<br />
daher auf abnehmenden Mond.<br />
Peilen Sie mit einem Kompass in Richtung<br />
Norden, sodass Sie den Polarstern in Ihre Bilder<br />
integrieren können. Er wird als heller, weißer Punkt<br />
unter all den anderen Sternen aufgenommen, die<br />
kreisförmige Lichtspuren um ihn herum erzeugen.<br />
Nehmen Sie auch etwas von der Landschaft am<br />
unteren Bildrand mit auf, um der Aufnahme einen<br />
Maßstab zu geben, und verwenden Sie Ihr<br />
weitwinkligstes Objektiv, um so viel wie möglich<br />
vom Himmel aufs Bild zu bekommen.<br />
Hot-Pixel und Bildrauschen sind bei langen<br />
Belichtungszeiten unvermeidlich, deshalb sollten<br />
Sie die Rauschreduzierung bei Langzeitbelichtung<br />
aktivieren. Das bedeutet, dass Ihre Kamera am<br />
Ende der Aufnahme noch einmal mit<br />
geschlossener Blende ein Schwarzbild mit gleicher<br />
Belichtungsdauer aufnimmt, um die Hot-Pixel<br />
abzubilden. Es dauert also doppelt so lange, bis<br />
Sie Ihre Aufnahme sehen können, aber es lohnt<br />
sich zu warten, denn ohne Rauschreduzierung<br />
werden die Bilder mitunter grauenhaft.<br />
Wie kann ich am besten mit dem Zoom<br />
F des Objektives Bewegung in mein Bild<br />
bekommen?<br />
A Sie müssen nur Ihre Kamera auf eine langsame<br />
Verschlusszeit einstellen – 1/8 Sekunde oder noch<br />
langsamer – und das Objektiv einmal durch die<br />
komplette Brennweite zoomen, während Sie den<br />
Auslöser gedrückt halten. Dadurch verwandelt<br />
sich Ihr Motiv in eine Reihe farbkräftiger Streifen,<br />
die in der Bildmitte zusammenlaufen. Der Effekt ist<br />
wirklich umwerfend, besonders mit plakativen<br />
und farbenfrohen Motiven.
72 Die Grundlagen EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
Der perfekte Schwenk<br />
Das <strong>Fotografie</strong>ren von bewegten Objekten erfordert oftmals, diese Bewegung „einzufrieren“. Sie<br />
erzielen aber auch sehr dynamische Fotos, indem Sie die Verschlusszeit kreativ verlängern…<br />
JORDAN BUTTERS: Der<br />
Kameraschwenk ist eine<br />
Aufnahmetechnik, die in der Sport- und<br />
Action-<strong>Fotografie</strong> oft angewendet wird,<br />
um Bewegung sichtbar zu machen. Dies muss<br />
nicht auf Sport und Action beschränkt sein,<br />
sondern kann in jeder Situation eingesetzt<br />
werden, in der Bewegung festgehalten werden<br />
soll, sei es ein Vogel im Flug, ein herumtollender<br />
Hund oder ein Kind auf seinem Fahrrad.<br />
Schwenken bedeutet, einem beweglichen Objekt<br />
mit der Kamera zu folgen, sodass es während der<br />
Aufnahme im Fokus bleibt. Mit der richtigen<br />
Verschlusszeit, viel Übung und etwas Glück zeigt<br />
Ihr Foto ein bewegtes Motiv scharf vor einem<br />
verschwommenen Hintergrund, was der Szene<br />
starke Dynamik verleiht.<br />
Der entscheidende Faktor bei solchen Schwenks<br />
ist, die Verschlusszeit Ihrem Motiv anzupassen. Ein<br />
schnell fahrendes Auto, aufgenommen mit 1/200<br />
Sekunde, vermittelt eine andere Dynamik als ein<br />
mit derselben Verschlusszeit aufgenommener<br />
Radfahrer. Damit der Radfahrer dieselbe Dynamik<br />
erhält, muss der Verschluss länger offen bleiben,<br />
weil sonst der Grad der Hintergrundunschärfe<br />
bzw. die Bewegungswirkung nicht erreicht wird.<br />
Das Problem liegt auf der Hand: Je länger der<br />
Verschluss geöffnet ist, desto schwerer ist es, das<br />
Objekt zu verfolgen und scharf im Bild zu halten.<br />
Wie so oft, macht auch hier die Übung den Meister.<br />
Bevor Sie sich an ein lebendiges Motiv wagen,<br />
beobachten Sie z. B. den vorbeiströmenden<br />
Verkehr einer befahrenen Strasse. So bekommen<br />
Sie ein Gefühl für die passende Verschlusszeit, die<br />
zur Geschwindigkeit Ihres Ziels passt, und<br />
verbessern Ihre Aufnahmetechnik. Denken Sie<br />
daran, dass jede Ihrer eigenen Bewegungen durch<br />
lange Verschlusszeiten verstärkt wird. Wenn Sie<br />
beispielsweise ein Kind auf einem Fahrrad<br />
fotografieren, kann das Problem auftreten, weil es<br />
nicht in einer geraden Linie fährt.<br />
Die Schwenktechnik erfordert Geduld. Sie sollten<br />
den kontinuierlichen Autofokus nutzen, damit<br />
die Kamera den Auslöser nicht blockiert und Sie<br />
jederzeit abdrücken können, auch wenn Ihr<br />
Motiv noch unscharf ist. Nutzen Sie den<br />
mittenbetonten Autofokus, um Ihre<br />
Erfolgschancen weiter zu verbessern. Nicht jedes<br />
Foto wird scharf sein, und Sie werden anfangs<br />
mehr misslungene als geglückte Aufnahmen<br />
erhalten. Mit etwas Erfahrung wird sich das<br />
jedoch bald ändern.<br />
Ausrüstung<br />
STATIV<br />
Ein Stativ verhindert<br />
vertikale Bewegungen<br />
und Verwackeln der<br />
Kamera. Ein schwenkbarer<br />
Stativkopf liefert die besten<br />
Ergebnisse, wenn Sie ihn<br />
so einstellen, dass er keine<br />
vertikale Bewegung zulässt.<br />
EINBEINSTATIV<br />
Ein Einbeinstativ gibt Ihnen<br />
mehr Bewegungsfreiheit als ein<br />
Dreibeinstativ und eignet sich<br />
sehr gut, wenn Sie ein schweres<br />
Teleobjektiv benutzen. An<br />
großen Teleobjektiven kann<br />
eine Objektivschelle mit<br />
Stativgewinde angebracht<br />
werden. Dieses ergibt eine wesentlich verbesserte<br />
Schwerpunktlage des Gesamtsystems, sodass der<br />
Kameraschwenk leichter auszuführen ist.<br />
TELEZOOM<br />
Grundsätzlich können Sie Ihr<br />
18–55mm Kit-Zoomobjektiv<br />
benutzen, doch ein Telezoom<br />
mit 55–200mm oder besser<br />
noch 70–300mm Brennweite<br />
ist besser geeignet, weil Sie<br />
den Bildausschnitt exakter<br />
bestimmen können, um dem beweglichen Objekt die<br />
volle Aufmerksamkeit des Betrachters zu sichern.<br />
Motive für die Schwenktechnik<br />
ISTOCK PHOTO<br />
JORDAN BUTTERS<br />
ISTOCK PHOTO<br />
REITER Bei diesem Motiv wirkt die bei trabenden<br />
und galoppierenden Pferden zwangsläufige<br />
Vertikalbewegung des Tieres erschwerend. Die<br />
Verschlusszeit sollte nicht zu lang sein, sonst bekommen<br />
Sie Probleme mit der Schärfe.<br />
MOTORSPORTS Probieren Sie Ihre<br />
Schwenktechnik auf einer Rennstrecke aus. Falls<br />
Sie außerhalb der Zuschauertribüne fotografieren<br />
wollen, brauchen Sie eine besondere Erlaubnis,<br />
doch es lohnt sich auf jeden Fall.<br />
HAUSTIERE Tierporträts können mit dieser<br />
Aufnahmetechnik besonders schön werden. Hunde<br />
lieben es zu rennen und sind ideale Übungspartner,<br />
wenn Sie die Situation für das Tier interessant<br />
gestalten, z. B. in Ihrem Garten oder einem Park.<br />
Bekannte Fehler, die Sie vermeiden sollten<br />
VERSCHLUSSZEIT ZU KURZ<br />
Durch eine Verschlusszeit von<br />
1/200 Sekunde ist die Bewegung<br />
eingefroren, nur die Speichen<br />
sind noch erkennbar. Die<br />
Aufnahme ist scharf, aber der<br />
Eindruck von Bewegung wird<br />
nicht vermittelt.<br />
VERSCHLUSSZEIT ZU LANG<br />
Hier war die Verschlusszeit 1/10<br />
Sekunde lang und hat es sehr schwer<br />
gemacht, der Bewegung exakt zu<br />
folgen. Die lange Verschlusszeit<br />
führte dazu, dass die Kopfbewegung<br />
des Kindes unscharf abgebildet<br />
wurde.<br />
FALSCHE KAMERAPOSITION<br />
Die Entfernung zwischen Kamera und<br />
beweglichem Objekt veränderte sich,<br />
während der Verschluss geöffnet war,<br />
sodass nur ein Teil des Motivs scharf<br />
abgebildet wurde. Das kann zwar ein<br />
interessanter Effekt sein, das Ergebnis ist<br />
aber Glückssache.<br />
HINDERNISSE<br />
Stellen Sie sich mit der Kamera so auf,<br />
dass Ihre Sicht auf das bewegliche<br />
Objekt an keinem Punkt des Schwenks<br />
verdeckt wird, und achten Sie auch auf<br />
ruhigen Hintergrund. Der Einfluss anderer<br />
Objekte oder Farben wird durch die lange<br />
Verschlusszeit extrem verstärkt.
Das fertige Bild<br />
Der direkte Augenkontakt und<br />
das Lächeln machen diese<br />
Aufnahme zu einem guten<br />
Foto. Der verschwommene<br />
Hintergrund lenkt alle<br />
Aufmerksamkeit auf das<br />
radfahrende Kind.<br />
Korrekte Haltung Stellen Sie sich so, dass das erwartete Objekt sich von links nach<br />
1rechts oder umgekehrt durch den Bildausschnitt des Suchers der Kamera parallel an<br />
Ihnen vorbei bewegt. Wenn es sich ihnen in einem steilen Winkel nähert oder sich von<br />
Ihnen fortbewegt, wird das Bild zumindest teilweise unscharf. Stellen Sie Ihre Füße<br />
schulterbreit auseinander und vollziehen Sie Ihre Drehung beim Schwenk aus der Hüfte,<br />
damit sie gleichmäßig bleibt.<br />
Autofokus-Betriebsart Schalten Sie den Einzelpunkt-Autofokus ein und wählen Sie<br />
2den kontinuierlichen Modus, der den Schärfepunkt ständig nachregelt, wenn das<br />
Objekt sich aus dem Schärfebereich heraus bewegt. Achten Sie darauf, den zentralen<br />
Messpunkt des Autofokus zu verwenden, dann ist der Schwenk mit dem Objekt in der<br />
Mitte einfacher zu vollziehen.<br />
Verschlusszeit Schalten Sie die Kamera auf Zeitautomatik, falls verfügbar<br />
3auf Serienbildmodus, und beginnen Sie mit 1/50 Sekunde als<br />
Verschlusszeit. Wenn es damit schwerfällt, Ihr Objekt scharfzustellen, wählen<br />
Sie eine kürzere Verschlusszeit. Wird dadurch auch der Hintergrund scharf<br />
abgebildet, müssen Sie die Verschlusszeit wieder verlängern.<br />
Objekt verfolgen Folgen Sie Ihrem Objekt mit dem zentralen<br />
4Autofokuspunkt im Sucher, während Sie den Auslöser halb<br />
durchdrücken. Wenn der richtige Moment gekommen ist, drücken Sie den<br />
Auslöser durch und schwenken die Kamera weiter, während die Bildserie<br />
aufgenommen wird. Das Objekt muss dabei in der Mitte des Suchers bleiben.
74 Die Grundlagen<br />
BEWEGUNG IM WASSER<br />
Wasser ist eines der häufigsten bewegten<br />
Motive – aus dem einfachen Grund, weil<br />
Wasser uns ständig umgibt: Flüsse, Ströme,<br />
Wasserfälle, Meere, Springbrunnen, Kanäle<br />
und Regentropfen sorgen für tolle Fotos.<br />
Auf welche Art man Bewegungen fließender<br />
Gewässer aufnehmen möchte, ist eine Frage<br />
des persönlichen Geschmacks und des<br />
gewünschten Effekts. Manche Fotografen<br />
lieben es, Wasser mit langer Verschlusszeit<br />
verschwimmen zu lassen, andere hassen den<br />
Effekt.<br />
Ganz gleich, was Sie bevorzugen, der erzielte<br />
Effekt hängt immer davon ab, wie schnell das<br />
Wasser fließt und welche Verschlusszeit Sie<br />
verwenden. Wenn Sie eine Anmutung von<br />
natürlicher Bewegung aufzeichnen möchten,<br />
bei der das Wasser leicht verschwommen ist,<br />
aber man immer noch viel Struktur erkennt,<br />
dann sollte die Blende nicht sehr lange<br />
geöffnet sein: Für einen Wasserfall vielleicht<br />
1/15 oder 1/8 Sekunde, für einen Fluss oder<br />
das Meer 1/4 bis 1/2 Sekunde – lang genug,<br />
um das Wasser leicht verschwimmen zu<br />
lassen, aber nicht so lang, dass es milchig<br />
wird.<br />
Wenn Sie den gasförmigen, milchigen Effekt<br />
erzeugen wollen, den so viele lieben, dann<br />
müssen Sie die Verschlusszeit deutlich<br />
verlängern. Nehmen Sie bei sanften<br />
Wasserfällen mit mittlerem Wasservolumen<br />
eine Verschlusszeit zwischen einer und zehn<br />
Sekunden. Bei größeren Wasserfällen oder<br />
jeder Art von Wasserfall nach heftigem<br />
Regenguss, sollte eine Verschlusszeit von 1/2<br />
bis 2 Sekunden zum gewünschten Effekt<br />
führen. Der Trick ist, die Verschlusszeit so<br />
lange zu verlängern, bis einzelne Bereiche<br />
des Wasserfalls beginnen „auszubrechen“<br />
(überbelichten). Sobald dies passiert, wissen<br />
Sie, dass Sie die Zeit nicht weiter verlängern<br />
können ohne einen Filter zu benutzen.<br />
Beim Meer muss das anders gehandhabt<br />
werden, da die Bewegung stark vom Wetter,<br />
den Gezeiten und den örtlichen<br />
Gegebenheiten abhängt. Wenn Sie die<br />
tosende Brandung mit ein klein wenig<br />
Unschärfe fotografieren möchten, probieren<br />
Sie eine Einstellung von 1/4 bis 1/2 Sekunde<br />
und drücken Sie genau in dem Moment auf<br />
den Auslöser, wenn die Wellen zerbersten.<br />
EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
Um die Bewegung des Meeres<br />
aufzuzeichnen, wie es über die Felsen spült,<br />
verwenden Sie Verschlusszeiten zwischen<br />
zwei und zehn Sekunden. Aber wenn Sie das<br />
Meer als filigranen Nebel aufzeichnen<br />
möchten, müssen Sie den Verschluss<br />
zwischen 30 und 120 Sekunden geöffnet<br />
halten. Experimentieren Sie – probieren Sie<br />
unterschiedliche Verschlusszeiten in<br />
unterschiedlichen Situationen und<br />
entwickeln Sie ein Gefühl dafür, was wann<br />
funktioniert.<br />
ALLE BILDER: LEE FROST
1.2 Graufilter<br />
GRAUFILTER VERWENDEN<br />
Wenn Sie Ihr Objektiv auf eine kleine Blende und<br />
den ISO-Wert der Kamera auf das Minimum<br />
einstellen, und die daraus resultierende längste<br />
Verschlusszeit ist immer noch nicht lang genug,<br />
ist es Zeit für einen Graufilter, auch<br />
„Neutraldichtefilter“ genannt.<br />
Graufilter sind, wie der Name sagt, von grauer<br />
Farbe und reduzieren die Menge des Lichts, die<br />
auf das Objektiv fällt, sodass Sie eine längere<br />
Verschlusszeit benötigen. Es gibt sie in<br />
verschiedenen Dichten – 0,3, 0,6, 0,9 und 1,2<br />
sind am beliebtesten. Sie ermöglichen eine<br />
Steigerung der Verschlusszeit um jeweils eine,<br />
zwei, drei und vier Stufen. Wenn also die längste<br />
Verschlusszeit ohne Einsatz eines Filters 1/4<br />
Sekunde beträgt, dann erhöht sich diese auf eine<br />
halbe, eine, zwei oder vier Sekunden mit<br />
Graufiltern der Dichte 0,3, 0,6, 0,9 und 1,2.<br />
Die schwächeren Graufilter zwischen 0,3 und<br />
1,2 sind ideal für den allgemeinen Gebrauch,<br />
denn sie erhöhen die Verschlusszeit nicht<br />
massiv, aber geben Ihnen ein wenig mehr<br />
Kontrolle über die Länge der Verschlusszeit.<br />
Sobald Sie den Filter aufgesteckt haben, müssen<br />
Sie die Verschlusszeit nicht korrigieren, denn das<br />
geschieht automatisch. Dadurch sind Graufilter<br />
schnell und einfach zu benutzen. Für einen<br />
kumulativen Effekt können Sie zwei Graufilter<br />
zusammen einsetzen – 0,6 plus 0,9 z. B. erhöht<br />
die Verschlusszeit um fünf Stufen. Zudem<br />
können Graufilter auch mit Polfiltern kombiniert<br />
werden; bedenken Sie aber, dass ein Polfilter<br />
ebenfalls zwei Stufen Licht verliert und somit den<br />
gleichen Effekt hat wie ein 0,6 Graufilter.<br />
Ohne Filter<br />
Extreme Bewegung mit einem zehnstufigen Graufilter<br />
Wir haben Ihnen die Vorzüge der Verwendung<br />
von Graufiltern erläutert, um die<br />
Verschlusszeit zu verlängern, wenn Sie<br />
Bewegung aufzeichnen möchten. Aber<br />
stärkere Graufilter, insbesondere der<br />
zehnstufige Graufilter, werden immer<br />
beliebter, denn sie bringen das Konzept der<br />
Bewegungsaufzeichnung auf ein neues Level.<br />
Vergessen Sie Verschlusszeiten von wenigen<br />
Sekunden. Mit einem zehnstufigen Graufilter<br />
auf Ihrem Objektiv wie der Lee Filters Big<br />
Stopper oder der Hitech Pro Stop reden wir<br />
über Minuten und zwar bei hellem Tageslicht.<br />
Er versetzt sie in die Lage, den Ablauf der Zeit<br />
aufzunehmen und Szenen auf eine Art zu<br />
fotografieren, wie sie das menschliche Auge<br />
niemals sehen kann. Treibende Wolken<br />
werden zu filigranen Farbstreifen, während sie<br />
hoch über uns vorbeiziehen. Wasser verliert<br />
seine Oberflächenstruktur und sieht aus wie<br />
Milch, während unbewegliche Elemente in<br />
bloßem 3D hervorstechen. Die Effekte sind<br />
merkwürdig und wundervoll zugleich und die<br />
Bilder stecken voller Faszination und<br />
Atmosphäre. Bei Küstenlandschaften<br />
funktioniert diese Technik gut, denn hier<br />
stehen zwei sich bewegende Elemente,<br />
nämlich das Meer und der Himmel, in<br />
Kontrast mit statischen Merkmalen wie<br />
Molen, Felsen und Klippen.<br />
Diese Filter sind so dicht, dass man überhaupt<br />
nicht hindurch sehen kann. Sie müssen ein<br />
Stativ verwenden und den<br />
Langzeitbelichtungsmodus (B) wählen,<br />
sodass Sie die Blende so lang wie notwendig<br />
offen halten können. Vorab müssen Sie das<br />
Objektiv manuell, ohne aufgesteckten Filter,<br />
fokussieren. Um die Verschlusszeit zu<br />
berechnen, machen Sie eine Messung ohne<br />
den Graufilter auf dem Objektiv und<br />
multiplizieren anschließend die Verschlusszeit<br />
mit 1000. 1/30 Sekunde wird zu 33<br />
Sekunden, 1/15 Sekunde ist eine Minute, 1/8<br />
Sekunde wird zwei Minuten, und so weiter.
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EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
Grundlagen 77<br />
Aufnahmetechnik<br />
MEISTERN SIE LANDSCHAFTEN, WILDLIFE, PORTRÄTS, SPORT UND MAKROAUFNAHMEN…<br />
FASZINIERENDE<br />
LANDSCHAFTEN<br />
EINFÜHLSAME<br />
PORTRÄTS<br />
FASZINIERENDE<br />
NAHAUFNAHMEN
78 Foto-Technik EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
Sonnenlicht einfangen<br />
Ein schöner Sommertag bietet ideale Gelegenheiten für Porträtaufnahmen – aber nur, wenn<br />
man das harte Sonnenlicht in weiches, diffuses Licht verwandelt, das für Porträts geeignet ist.<br />
Es hat seine Vorteile, bei strahlendem Sonnenschein<br />
und blauem Himmel im Freien zu fotografieren. Bei viel<br />
Licht stehen entsprechend viele Blendenstufen und<br />
Verschlusszeiten zur Auswahl, auch bei geringer<br />
ISO-Empfindlichkeit. Dank der Wärme haben alle<br />
Beteiligten mehr Spaß an der Porträt-Session und<br />
größere Auswahl bei der Bekleidung. Die guten<br />
Lichtverhältnisse bringen nicht zuletzt die Farben<br />
besser zur Geltung. All das sind beste Voraussetzungen<br />
für gute Fotos.<br />
Aber es gibt auch Nachteile: Der erste ist<br />
offensichtlich: Direktes Sonnenlicht ist sehr hell und<br />
hart, was zu starken Schatten auf Gesichtern führt.<br />
Wahrscheinlich müssen die Modelle auch blinzeln,<br />
wenn sie das Gesicht der Sonne zuwenden. Und ist das<br />
Gesicht im Gegenlicht, können Probleme mit<br />
Blendenflecken auftreten, außerdem birgt der hohe<br />
Kontrast zwischen hellem Hintergrund und schattigem<br />
Motiv zusätzlich die Gefahr des Unterbelichtens. Sie<br />
müssen also wahrscheinlich die Belichtungskorrektur-<br />
Funktion der Kamera benutzen.<br />
Doch es gibt noch eine andere Möglichkeit, dieses<br />
Problem zu lösen: benutzen Sie einen Diffusorschirm,<br />
den Sie zwischen die zu fotografierende Person und<br />
die Sonne positionieren. Das Licht, das durch ihn<br />
hindurch fällt, ist ungerichtet, ganz wie in einem<br />
natürlichen Schatten; doch weil es ein weißes Medium<br />
passieren musste, ist es nun neutral, aber trotzdem<br />
noch ausreichend intensiv für eine helle Ausleuchtung<br />
des Motivs. In einem natürlichen Schatten hingegen<br />
würde das Licht an einer oder mehreren Oberflächen<br />
reflektiert und da eine Oberfläche zwangsläufig eine<br />
Farbe hat, würde sich das auf die Farbdarstellung in<br />
Ihrem Bild auswirken. Abgesehen davon, wären die<br />
Lichtverhältnisse insgesamt schlechter, was Ihre<br />
Möglichkeiten der Belichtungssteuerung einschränken<br />
würde.<br />
Ein weiterer Vorteil eines Diffusorschirms ist der,<br />
dass er Sie unabhängig macht von schattigen<br />
Bereichen der gewählten Umgebung. Sie können<br />
beispielsweise mitten im Garten oder im Park<br />
fotografieren, weil Sie das auf Ihr Motiv fallende Licht<br />
mit dem Diffusor steuern können. Da dieses Licht<br />
gleichmäßig verteilt ist, können Sie aus einer<br />
beliebigen Richtung fotografieren und den<br />
vorhandenen Hintergrund verwenden.<br />
Ins Gegenlicht<br />
Falls Sie keinen Diffusor haben,<br />
fotografieren Sie so gegen das<br />
Licht, dass die Sonne von einem<br />
Objekt verdeckt wird. Blattwerk<br />
ist dafür gut geeignet, oder in<br />
diesem Beispiel ein Hut mit breiter<br />
Krempe, der das Motiv zugleich<br />
fotogener macht. Benutzen Sie<br />
einen weißen Reflektor, um Licht<br />
auf das Gesicht zurückzuwerfen.<br />
Für die Belichtungsmessung<br />
auf dem Gesicht verwenden Sie<br />
entweder die AE-Lock-Funktion<br />
oder geben +1 bis +2 Blendenstufen<br />
Belichtungskorrektur zu.<br />
ISTOCK PHOTO<br />
Sonnenlicht Schritt für Schritt<br />
Für diese einfache Schritt-für-Schritt-<br />
Anleitung haben wir in einem privaten<br />
Garten fotografiert und einen großen,<br />
quadratischen Diffusor verwendet, der<br />
von mindestens einer Person in Position<br />
gehalten wurde. Natürlich sind kleinere<br />
Diffusoren leichter zu handhaben, liefern<br />
jedoch entsprechend weniger diffuses<br />
Licht. Ein empfehlenswerter Diffusor ist<br />
in dem 5-in-1-Reflektor-Set enthalten,<br />
dass wir Ihnen auf Seite 160 vorstellen.<br />
Übrigens spielen Reflektoren auch eine<br />
große Rolle bei der Manipulation von<br />
Lichtverhältnissen. Bei dieser Foto-<br />
Session war die Kamera auf Zeitautomatik,<br />
die Blende auf f/5.6 bei ISO 100 und der<br />
Weißabgleich auf „Tageslicht“ eingestellt.<br />
Setup Wir fotografierten am<br />
1Nachmittag, die Sonne stand noch<br />
hoch am Himmel und der Diffusor musste<br />
über Rubys Kopf gehalten werden. Der<br />
große, schattige Bereich des diffusen<br />
Lichts ist gut auf dem Rasen erkennbar.<br />
Testfoto Das ist das Resultat des ersten<br />
2Versuchs. Da die Sonne von dem<br />
Diffusor verdeckt wird, brauchte das Kind<br />
nicht zu blinzeln und das Haar bekam<br />
einen attraktiven Glanz. Doch obwohl das<br />
Licht das Gesicht recht gleichmäßig<br />
beleuchtete, gab es einige leichte<br />
Schatten, die beseitigt werden mussten.<br />
Reflektor Um dem diffusen Licht<br />
3etwas Farbe hinzuzufügen,<br />
positionierten wir einen goldfarbenen<br />
Reflektor so in den durch den Diffusor<br />
abgeschatteten Aufnahmebereich, dass<br />
er Rubys Gesicht aufhellen konnte.<br />
Spotlight Nun sah das Foto schon<br />
4sehr viel besser aus als unser erster<br />
Versuch. Das Licht vom Reflektor gab<br />
Rubys Gesicht einen warmen Farbton und<br />
ließ die Schatten verschwinden. Das<br />
Ergebnis war technisch mehr als<br />
zufriedenstellend, also probierten wir<br />
noch eine andere Pose aus.<br />
1 3<br />
2 4
Das fertige Bild<br />
Hier liegt Ruby auf dem Bauch. Da der<br />
Effekt auf ihrem Gesicht zu stark war,<br />
haben wir den Reflektor umgedreht<br />
und die weiße Reflexionsfläche<br />
benutzt. Nun war das Licht weicher<br />
bzw. neutraler und leuchtete die Pose<br />
perfekt aus.
80 Porträts EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
Aufnahmen an wolkigen Tagen<br />
Wolkenverhangene Tage sind eine weitere Herausforderung für<br />
Porträtfotografen. In folgendem Beitrag zeigen wir, wie man bedeckte<br />
Wetterbedingungen am besten für beeindruckende Porträts nutzt.<br />
LESER AUS NORDEUROPA erleben manchmal<br />
sogar im Sommer mehr Tage mit bedecktem<br />
Himmel als mit Sonnenschein. Das klingt für<br />
Einsteigerfotografen vielleicht zuerst nicht<br />
gerade ermutigend, bedeckter Himmel ist aber<br />
perfekt für Porträts. Eine Schicht grauer Wolken<br />
wirkt wie ein natürlicher Diffusor. Das Licht kann<br />
mit Beleuchtungshilfen wie Reflektoren an den<br />
richtigen Ort geleitet werden. Ein<br />
wolkenbehangener Tag bietet einen größeren<br />
Handlungsspielraum, um das Licht zu<br />
beeinflussen, da Lichtwinkel, -stärke und -ton<br />
vor allem von den Reflektoren und deren Position<br />
bestimmt werden. Der Fotograf muss sich in<br />
dieser Aufnahmesituation nicht mit direktem,<br />
grellem Sonnenlicht herumschlagen. Das Modell<br />
kann auch zur Mittagszeit im Freien fotografiert<br />
werden, ohne dass das Gesicht von starken<br />
Schatten und Spitzlichtern beeinträchtigt wird.<br />
Um ein wenig Sommerstimmung in die flache<br />
Beleuchtung zu bringen, wird empfohlen, ein<br />
Modell mit hellen, farbigen Kleidern und eine<br />
farbige Umgebung wie eine saftig grüne Wiese<br />
oder ein Garten mit Blumen zu wählen.<br />
Wie gut das Motiv beleuchtet wird, ist nicht nur<br />
abhängig von der Umgebung, sondern auch von<br />
den Fähigkeiten des Fotografen,<br />
Beleuchtungshilfen richtig einzusetzen. Da das<br />
Licht von oben durch die Wolken dringt,<br />
empfiehlt es sich, den Reflektor unter dem<br />
Modell auf dem Boden anzubringen, damit die<br />
Schatten ausgeleuchtet werden. Um die<br />
gewünschte Lichtintensität zu finden, kann der<br />
Abstand des Reflektors zum Modell verändert<br />
werden. Kleine Kinder können sich auch direkt<br />
auf den Reflektor -setzen. Alle Schatten werden<br />
dabei durch die Spiegelung des Lichts<br />
ausgeleuchtet. Kinder finden Reflektoren<br />
manchmal sogar richtig anziehend, da sie<br />
fliegenden Teppichen ähneln und bleiben daher<br />
auch gerne für ein paar Aufnahmen sitzen. Auch<br />
andere spiegelnde Oberflächen in der Umgebung<br />
wie weiße Wände können dazu beitragen,<br />
genügend Licht auf das Motiv zu bekommen.<br />
Vorsicht mit farbigen Oberflächen, da diese<br />
farbiges Licht abstrahlen.<br />
Es stehen verschiedene Arten von Reflektoren<br />
zur Auswahl, ein Kit mit fünf Reflektoren in<br />
einem ist wohl die beste Option für Einsteiger, da<br />
man dabei gleichzeitig über goldene, silberne<br />
und weiße Oberflächen verfügt.<br />
In manchen Aufnahmesituationen kann der<br />
silberne Reflektor zu stark und kühl und der<br />
goldene zu warm erscheinen. In diesen Fällen<br />
kann, wie in folgender Anleitung von Brett<br />
Harkness, ein kombinierter Reflektor wie der<br />
TriGrip-Sunfire/Silber-Reflektor von Lastolite<br />
eingesetzt werden.<br />
Hintergrundbeleuchtung mit dem Blitzgerät<br />
Meistens fehlt die Sonne gerade in dem<br />
Moment, in dem sie für eine Aufnahme<br />
gebraucht wird. Dann empfiehlt sich der<br />
Einsatz eines Blitzgerätes. Eine Mischung<br />
aus Blitz- und Tageslicht hilft dabei, Schatten<br />
auszuleuchten und macht die Aufnahme<br />
dynamischer. Diese Technik ist etwas<br />
fortgeschrittener. Beherrscht man sie richtig,<br />
öffnet sich jedoch eine breite Auswahl von<br />
neuen Aufnahmemöglichkeiten. Ein Blitzgerät<br />
kann hinter dem Motiv eingesetzt werden,<br />
um eine sonnige Hintergrundbeleuchtung<br />
nachzuahmen. Das externe Blitzgerät wird<br />
dabei kabellos über eine Fernbedienung<br />
betätigt. Zuerst sollte die Kamera dabei auf<br />
den Programm-Modus und das Blitzgerät<br />
auf TTL eingestellt werden. Ist der Effekt<br />
des Blitzgerätes zu schwach, wählt man die<br />
Blitzeinstellung manuell.<br />
BRETT HARKNESS<br />
Licht bei bedecktem Himmel<br />
1 2<br />
Für Porträtaufnahmen mit Kindern ist ein<br />
bedeckter Himmel ideal, da man sich nicht um<br />
scharfe Schatten und blinzelnde Augen kümmern<br />
muss und daher größere Freiheiten bei der<br />
Bildkomposition hat. Brett Harkness zeigt sein<br />
Können in dieser typischen Lifestyle-Aufnahme<br />
mit einem wolkenbehangenen Himmel.<br />
Bretts Modell ist ein typischer achtjähriger<br />
Junge, dem es schwerfällt, länger still zu<br />
sitzen und der stattdessen lieber spielt und die<br />
Umgebung erkundet. Brett wurde vor allem<br />
durch den schöne Himmel zu dieser Aufnahmen<br />
inspiriert. Er setzte dazu einen Reflektor ein, um<br />
die Lichtqualität zu verbessern. Bei Kinderfotos ist<br />
es wichtig, die Kinder während den Aufnahmen<br />
etwas zu unterhalten. Die Resultate werden<br />
besser, wenn die Kinder dabei Spaß haben. Wenn<br />
ein Kind zu einer Pose gezwungen wird, wirkt<br />
diese meist ziemlich unnatürlich.<br />
Einstellung Sobald Brett die<br />
1Aufnahmeumgebung ausgesucht hatte, bat er<br />
sein Modell, sich vor eine grüne Tür zu setzen und<br />
wählte eine Blende von f/5.6. Da die<br />
Lichtverhältnisse schwach waren, benutzte er<br />
einen Sunfire/Silber-Reflektor von Lastolite, um ein<br />
wenig Kontrast zum flachen und schwachen Licht<br />
zu schaffen.<br />
Probeaufnahme Bei dieser Aufnahme wurde<br />
2das Gesicht fokussiert und das Modell<br />
aufgefordert, in der Wiese herumzuspielen, um<br />
verschiedene Gesichtsausdrücke festzuhalten.<br />
Brett drehte seine Kamera für eine diagonale<br />
Komposition, um das Bild dynamischer zu<br />
gestalten.<br />
Die Position wechseln Nachdem das Modell<br />
3eine Weile spielen durfte, wurde es gebeten,<br />
sich auf ein Gitterkäfig zu setzen und still zu<br />
halten. Auf der Seite und auf dem Boden wurden<br />
zwei TriGrip-Reflektoren von Lastolite angebracht.<br />
Die unterschiedliche Entfernung der Reflektoren<br />
führte zu einem einen leichten Kontrast.<br />
3
Fertiges Bild<br />
In Bretts Bilderserie findet man<br />
verschiedene Gesichtsausdrücke<br />
und Posen. Durch die Reflektoren<br />
konnte das Licht wie gewünscht<br />
eingesetzt und der Kontrast auf dem<br />
Gesicht leicht verstärkt werden.
82 Porträts EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
Aufnahmen im Schatten<br />
Wenn man im Sommer bei Porträtaufnahmen Probleme mit direktem Sonnenlicht hat, sind<br />
Aufnahmen im Schatten oft eine willkommene Alternative. Wir zeigen, wie es geht.<br />
WENN DIE SONNE IM ZENIT STEHT und das Licht zu stark<br />
für Porträtaufnahmen ist, ist der Schatten oft der einzige Ort,<br />
wo man vor grellen Sonnenstrahlen und hohem Kontrast<br />
geschützt ist. Wird bei der Aufnahme ein breiter, gleichmäßiger<br />
Farbtonbereich mit eingeschränktem Kontrast und eine<br />
bessere Kontrolle gewünscht, ist die beste Lösung ein Platz im<br />
Schatten unter einem Baum oder neben einem Gebäude,<br />
wenn kein Diffusor zur Verfügung seht.<br />
Steht das Modell im Schatten, werden die<br />
Beleuchtungsbedingungen sofort besser. Der Fotograf verfügt<br />
dabei über eine bessere Kontrolle über die Richtung und Stärke<br />
des Tageslichtes. Das Licht ist im Schatten weicher, kühler und<br />
gedämpfter, man muss also mit weniger Licht und möglichen<br />
Farbstichen rechnen.<br />
Da das Licht im Schatten kühler ist, wählen Fotografen oft<br />
neben der Weißabgleich-Einstellung „Schatten“ einen<br />
goldenen Reflektor oder den Sunfire/Silber-Reflektor von<br />
Lastolite, um etwas Wärme ins Bild zu bringen. Auch die<br />
Farben der Umgebung müssen beachtet werden, da dunkle<br />
Oberflächen Licht absorbieren, währendem helle Flächen das<br />
Licht reflektieren. Oberflächen mit starken Farben können<br />
farbiges Licht spiegeln. Dabei sollte das Modell nicht zu nahe<br />
an diesen farbigen Oberflächen posieren und die Weißabgleich-<br />
Einstellung muss entsprechend angepasst werden. Am besten<br />
nimmt man im Raw-Format auf und korrigiert die Farben in der<br />
Nachbearbeitung.<br />
Bei Aufnahmen im Schatten ist es auch wichtig, sich bewusst<br />
zu sein, woher das Licht genau kommt. Oft wird es durch<br />
verschiedene Oberflächen wie Wände und Böden und in<br />
verschiedenen Winkeln gespiegelt. Mit ein wenig Erfahrung<br />
lernt man schnell, wie man am besten damit umgeht.<br />
Außerdem kann man auch verschiedene Aufnahmesituationen<br />
in der Mitte und am Rand des Schattenbereichs ausprobieren.<br />
Durch den Abstand zwischen Reflektor und Motiv kann die<br />
Beleuchtung ebenfalls beeinflusst werden. Auch der Kontrast<br />
kann auf diese Weise verändert werden. Das Motiv kann sich<br />
zum Beispiel zur Hälfte in der Sonne und zur anderen Hälfte im<br />
Schatten befinden oder von hinten beleuchtet werden. Wird<br />
letztgenannte Technik angewandt, empfiehlt sich ein Reflektor<br />
vor dem Modell, um Licht ins Gesicht zu spiegeln und Schatten<br />
zu entfernen.<br />
Der Fotograf kann auch mit der Sonne im Rücken aufnehmen<br />
und erzielt dadurch ein sehr schmeichelhaftes, weiches, Licht<br />
mit schwachem Kontrast auf dem Gesicht. Vor allem bei<br />
Modellen mit Kleidern in weißen oder schwarzen Farbtönen<br />
oder mit dunkler Haut empfehlen sich bei hellem Sonnenlicht<br />
Porträtaufnahmen im Schatten, da die Belichtung sonst zu<br />
einem Alptraum werden kann.<br />
Weißabgleich:<br />
Die meisten Anfänger stellen<br />
den Weißabgleich auf „Auto“<br />
und erreichen dadurch meist<br />
gute Resultate. Wählt man<br />
aber den Weißabgleich je nach<br />
Lichtbedingung, kann man diese<br />
Resultate noch weiter verbessern.<br />
Ist der Weißabgleich auf „Auto“<br />
gestellt, wirken Aufnahmen im<br />
Schatten oft blau, wird er aber<br />
auf „Schatten“ gestellt, werden<br />
diese wärmer. Man kann den<br />
Weißabgleich auch selbst definieren<br />
oder eine der Voreinstellungen<br />
der Kamera benutzen, um wärmere<br />
und kältere Farbtöne zu erzielen.<br />
Aufnahmen im Schatten<br />
1 2<br />
Profi-Fotograf Brett Harkness zeigt im Folgenden<br />
seine Vorgehensweise bei Aufnahmen im Schatten.<br />
Dieser Durchgang war perfekt für das Vorhaben,<br />
er hatte Schatten und das bestehende Licht<br />
war weich und einfach zu kontrollieren. Um das<br />
richtige Licht auf sein Modell Emma zu bringen,<br />
ließ er sie langsam aus dem Durchgang auf sich zu<br />
laufen, bis er mit der Beleuchtung auf dem Gesicht<br />
zufrieden war.<br />
Verschiedene Einstellungen ausprobieren Da<br />
1die Lichtbedingungen ziemlich schwach waren,<br />
begann Brett mit einer großen Blende von f/4 und<br />
verstärkte die ISO-Empfindlichkeit auf 640, um eine<br />
genügend kurze Verschlusszeit für eine Aufnahme<br />
aus der Hand zu erreichen. Die ersten paar<br />
Aufnahmen sind gelungen, der Hintergrund ist aber<br />
verschwommen, und es gibt noch einiges zu<br />
verbessern. Brett zoomte das Model dann näher<br />
heran, um einen Bildausschnitt von Kopf und<br />
Schultern aufzunehmen. Das Resultat ist weit<br />
besser als das vorherige!<br />
Verschiedene Posen Für eine weitere Aufnahme<br />
2bat er Emma, sich gegen eine Wand zu lehnen.<br />
Dadurch wurde das Licht auf ihrem Gesicht<br />
reduziert, und er musste einen Reflektor beiziehen.<br />
Er wählte die silberne Seite des Lastolite<br />
Sunfire-Reflektors, da diese die stärksten Resultate<br />
erzielt und dadurch möglichst viele Schatten entfernt<br />
werden. Bei einer großen Blende muss der<br />
Fokuspunkt vorsichtig gewählt werden. In diesem<br />
Beispiel hat Brett Emmas Augen mit dem<br />
punktuellen Fokus fokussiert und hat dadurch die<br />
Schärfe aus dem Vorder- und Hintergrund<br />
genommen. Die Wand verhalf der Aufnahme zu<br />
einer Linienführung gegen Emmas Gesicht, was die<br />
Komposition noch verstärkt.
Fertiges Bild<br />
Das Lieblingsbild wurde ins<br />
Schwarz-Weiß-Format verwandelt.<br />
Das schattierte Licht hat auf diesem<br />
Foto schöne, weiche Hauttöne<br />
geschaffen.
84 Fototechnik EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
Lifestyle-<strong>Fotografie</strong> bei Tageslicht<br />
Daniel Lezano zeigt in diesem Beitrag, wie man mit ein paar Tricks<br />
fantastische Lifestyle-Aufnahmen zu Hause machen kann.<br />
Viele führenden Lifestyle-Fotografen setzen in den allermeisten Aufnahmesituation nur<br />
Tageslicht für ihre Porträts ein. Deshalb sollte man helle, sonnige Tage ausnutzen, um<br />
einfache, aber wirkungsvolle Porträts von Freunden und Familienangehörigen aufzunehmen.<br />
Das gute an Lifestyle-Porträts ist, dass man diese ohne große Ausrüstung aufnehmen kann.<br />
Eine digitale Spiegelreflex- oder Systemkamera und ein Kit-Objektiv reicht aus. „Ich selbst benutze<br />
mein Lieblingsobjektiv, das bescheidene und günstige 50-Millimeter f/1.8-Objektiv.“ Da das Tageslicht<br />
schwierig voraussehbar ist, können Beleuchtungshilfen wie Reflektoren und Diffusoren hilfreich sein.<br />
Sie sind aber nicht unabdingbar. Man sollte bei den Aufnahmen „saubere“ Bilder erzielen: Das Motiv<br />
und die Einstellung sollten so einfach wie möglich gehalten werden. „Ich wählte eine klassische<br />
Kombination: Das Model Bethany trägt ein weißes Oberteil und Jeans und liegt auf dem<br />
Laminatfußboden meines Esszimmers.“<br />
Diffuses Tageslicht<br />
Das Licht sollte für schmeichelhafte<br />
Porträts so diffus wie möglich sein,<br />
damit das Model nicht durch direktes<br />
Sonnenlicht zum Blinzeln gezwungen<br />
wird und damit das Licht auf dem<br />
Gesicht nicht zu grell wirkt. In dies der<br />
Fall, sollte das Model im Schatten<br />
platziert oder ein Diffusor eingesetzt<br />
werden (rechts). Funktioniert das<br />
nicht, sollte man besser warten, bis<br />
die Sonne weiterwandert oder von<br />
Wolken bedeckt wird. Ein silberner<br />
Reflektor ist nützlich, um Schatten<br />
auszufüllen, auch wenn man mit<br />
ungebündeltem Licht aufnimmt.<br />
Vorsicht mit dem Fokus!<br />
Eine große Blende produziert einen engen<br />
Tiefenschärfebereich, der schnell unscharf wird.<br />
Die Aufnahme muss daher sorgfältig fokussiert<br />
werden. Ein einzelnes Autofokusfeld wählen, den<br />
Fokus speichern und das Bild wieder<br />
zusammensetzen.<br />
„Mein Esszimmer ist ziemlich klein, ich musste<br />
daher alle Möbel entfernen. Der Fußboden wurde<br />
gesaugt und so gut wie möglich gereinigt. Weil<br />
wir wenig Platz hatten, öffnete ich die Tür zum<br />
Innenhof für den Fall, dass ich aus dem Innenhof<br />
aufnehmen sollte. Eine große Blende produziert<br />
in dieser Situation einen engen<br />
Tiefenschärfebereich, perfekt für diese Art von<br />
Aufnahmen. Ich versuchte es mit der maximalen<br />
Blende f/1.8 meines 50-Millimeter-Objektivs,<br />
obwohl ich die meisten Bilder mit einem<br />
Blendwert zwischen 2.5 und 3.5 aufnehme.<br />
Dadurch wird die Schärfe verbessert.“<br />
Ein geneigter Blickwinkel<br />
Ein unter den meisten Lifestyle-Fotografen beliebter<br />
Trick für die Bildkomposition besteht darin, die Kamera<br />
zu neigen und dadurch Bilder mit einem schrägen<br />
Horizont aufzunehmen. Durch diese einfache Technik<br />
kann ein wenig mehr Energie auf das Bild gebracht<br />
werden. Man sollte die Kamera jedoch nicht zu stark<br />
neigen.<br />
Schritt 1 Die erste Aufnahme dient zur Prüfung der Bildkomposition und<br />
Belichtung. „Ich hatte schon eine klare Idee im Kopf, wie ich die Aufnahme<br />
wollte. Das Model Bethany kniet auf dem Boden und lehnt sich mit dem Rücken<br />
und Kopf nach hinten. Die Aufnahme ist nicht schlecht herausgekommen,<br />
obwohl die seitliche Beleuchtung ihre rechte Seite zu dunkel erscheinen lässt. “<br />
Schritt 2 „Ich platzierte einen silbernen Reflektor auf Bethanys rechter Seite,<br />
gerade außerhalb des Bildausschnitts. Der Unterschied ist deutlich sichtbar. Das<br />
Licht auf dem Gesicht wird dadurch ausgeglichen. Die Beleuchtung ist zwar<br />
dadurch besser, die Wand hinter dem Model gibt dem Bild nach meinem<br />
Geschmack aber einen etwas überfüllten Ausdruck. “
EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
Fototechnik 85<br />
Fertiges Bild<br />
„Meine Aufnahme war perfekt und ich musste sie nur<br />
noch wenig nachbearbeiten. Ich verstärkte mit der<br />
Gradationskurve den Kontrast und habe das Bild leicht<br />
zugeschnitten. Dadurch bekam ich das beabsichtigte<br />
Resultat. Am besten sollte man es einfach selbst<br />
ausprobieren. Viele Leser sind erstaunt, wie einfach<br />
man zu Hause gute Lifestyle-Fotos aufnehmen kann. “<br />
Schritt 3 „Das Model Bethany und ich wechselten dann die Position, ich nahm<br />
nun aus dem Innenhof in den Raum hinein auf. Ich habe die Fensterläden im<br />
Hintergrund geschlossen, um diesen zu verdunkeln. Der leere Raum hinter dem<br />
Model ist eine Verbesserung im Vergleich zur ersten Komposition, aber mein<br />
Blickpunkt ist zu hoch. “<br />
Schritt 4 „Ich ging dann in die Hocke.<br />
Dieser tiefe Blickpunkt ist deutlich besser. Die Mehrfeldmessung hat Bethanys<br />
Gesicht wegen des dunklen Hintergrunds überbelichtet und ausgebleicht. Dies<br />
kann durch eine negative Belichtungskorrektur von -2 bis -3 schnell korrigiert<br />
werden. “
86 Porträts EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
Kinder fotografieren<br />
Jedes Kind ist einzigartig – es gibt jedoch einige<br />
allgemeingültige Regeln, die Ihnen helfen, zu guten<br />
Kinderfotos zu kommen.<br />
ES IST NICHT IMMER EINFACH, doch Kinder zu fotografieren gehört zu<br />
den dankbarsten Momenten in der <strong>Fotografie</strong>. Es kann zu einer wirklichen<br />
Herausforderung werden, doch wenn Sie ein paar Grundregeln beherzigen<br />
und mit den kleinen Persönlichkeiten richtig umgehen, werden Sie bald<br />
eine schöne Sammlung vorweisen können.<br />
Das Wichtigste beim <strong>Fotografie</strong>ren von Kindern hat mit <strong>Fotografie</strong><br />
überhaupt nichts zu tun, sondern damit, wie einfühlsam Sie mit den<br />
Kleinen umgehen. Das alles Entscheidende ist: Kinder müssen sich nicht<br />
nur wohlfühlen, sie sollten sogar Spaß daran haben, von Ihnen fotografiert<br />
zu werden, sonst wirken die Fotos unnatürlich. In den ersten 10 Minuten<br />
sollte die Kameraausrüstung gar nicht zu sehen sein. Verbringen Sie die<br />
Zeit im Gespräch mit Kindern und Eltern. Erst nachdem Sie etwas<br />
„beschnuppert“ worden sind, sollten Sie zur Sache kommen und Fotos<br />
machen. Der Umgang mit kleineren Kindern ist in der Regel<br />
unkomplizierter, während Teenager schon viel selbstbewusster sind und oft<br />
zögern, sich überhaupt fotografieren zu lassen.<br />
Welche Art Fotos?<br />
Das ist eine Frage, die entweder die Eltern oder die Betroffenen selbst<br />
entscheiden, wenn es sich um ältere Kinder handelt. In früheren Zeiten<br />
waren Porträts sehr formal, doch heute zeigen die schönsten Kinderporträts<br />
entspannte, natürliche und fröhliche Gesichter. Aufnahmen Zuhause im<br />
Kinderzimmer sind ein guter Ausgangspunkt. In der bekannten Umgebung<br />
fühlen sie sich wohl und es stehen jede Menge Requisiten zur Verfügung,<br />
die Sie einbeziehen können. Vermeiden Sie unbedingt, dass man die Kinder<br />
in die „gute“ Sonntagskleidung steckt, denn darin sehen sie nur zu oft aus<br />
wie als Erwachsene verkleidet. Viel besser für die Stimmung ist das<br />
Lieblingsoutfit.<br />
<strong>Fotografie</strong>ren Zuhause ist die eine Möglichkeit, doch es hat seine Vorteile,<br />
wenn Sie es auch im Freien versuchen. Eigentlich ist jede Location geeignet<br />
- Parks, offene Landschaften, der Strand, das Stadtzentrum. Jede ist auf<br />
andere Weise attraktiv und erzeugt eine andere Stimmung, die den<br />
Eindruck eines Porträts beeinflusst. Es gibt zahllose Möglichkeiten der<br />
Bildkomposition, von „Kopfschüssen“ bis zu Aufnahmen, auf denen die<br />
ganze Person im Bild ist oder solche, in denen die Personen nur ein Teil des<br />
Motivs sind. Seine Sie fantasievoll.<br />
Das Kamera-Setup<br />
Bei Kinderporträts müssen Sie vorausdenken und flink sein. In manchen<br />
Augenblicken haben Sie die schönsten Posen vor der Kamera, dann<br />
wieder müssen Sie versuchen, zu einem guten Schnappschuss zu<br />
kommen, während die Kinder ihre Mätzchen machen. Wir empfehlen<br />
folgende Einstellungen:<br />
1) Belichtungsprogramm:<br />
Am besten benutzen Sie die<br />
Blendenautomatik. Beginnen Sie<br />
mit einer Blende von f/5.6 und<br />
variieren Sie bei Bedarf, doch in<br />
den meisten Fällen können Sie<br />
diesen Wert während der gesamten<br />
Session eingestellt lassen. Er gibt<br />
Ihnen einen relativ schmalen<br />
Schärfentiefenbereich, so dass<br />
Gesichter scharf sind und der<br />
Hintergrund verwaschen. Achten<br />
Sie auf die Verschlusszeit; sie muss immer kurz genug sein, um nicht zu<br />
verwackeln. Wird sie zu lang, erhöhen Sie die ISO-Empfindlichkeit auf bis zu<br />
ISO 1000. Versuchen Sie, die Verschlusszeit bei 1/200 Sekunde oder kürzer<br />
zu halten, wenn Sie mit Brennweiten bis 200mm arbeiten und bei 1/300<br />
Sekunde bei 70-300mm Brennweite.<br />
2) Autofokus: Er sollte auf<br />
Einzelpunkt-AF geschaltet sein. Benutzen<br />
Sie den zentralen Schärfepunkt, denn er<br />
hat die höchste Empfindlichkeit.<br />
Schalten Sie den AF-Modus auf S (S-AF,<br />
AF-S). Wenn Sie auf die Augen des Kindes<br />
scharfgestellt haben, verriegeln Sie diese<br />
Einstellung, indem Sie den Auslöser<br />
halb durchdrücken, dann machen Sie<br />
die endgültige<br />
Bildkomposition<br />
und lösen aus.<br />
3) Belichtungsmessung: Bleiben<br />
Sie bei der Mehrfeldmessung und Sie<br />
sollten keine Probleme bekommen. Falls<br />
Ihr Model überwiegend dunkle Farben<br />
aufweist, machen Sie ein Test Foto<br />
und überprüfen die Aufnahme auf dem<br />
Kameramonitor. Falls Details fehlen,<br />
korrigieren Sie die Belichtung um eine<br />
Stufe (+1EV) mit der Belichtungskorrekturfunktion.<br />
CANON NIKON OLYMPUS<br />
PENTAX<br />
Variieren Sie<br />
die Bildkomposition<br />
Das funktioniert<br />
am einfachsten<br />
durch<br />
unterschiedliche<br />
Posen und<br />
unterschiedliche<br />
Bildausschnitte:<br />
von der<br />
Nahaufnahme des<br />
Gesichts bis zur<br />
ganzen Person.<br />
4) Dateiformat: Verwenden<br />
Sie das RAW-Format, es gibt<br />
Ihnen maximale Kontrolle über<br />
Bildqualität und Farbbalance.<br />
Bei Serienbildern wirkt sich das<br />
leider auf die Geschwindigkeit<br />
aus, da der Pufferspeicher<br />
schneller voll ist. Benutzen Sie<br />
das JPEG-Format nur dann, falls<br />
Sie nicht wissen, wie man RAW-<br />
Dateien bearbeitet oder falls der<br />
Speicherplatz der Speicherkarte<br />
begrenzt ist.<br />
5) Weißabgleich: Den<br />
machen Sie idealerweise den<br />
Lichtverhältnissen entsprechend.<br />
Falls Sie sich nicht sicher sind,<br />
nehmen Sie den automatischen<br />
Weißabgleich. Auch hier zeigt<br />
sich ein Vorteil des Raw-Formats:<br />
Dabei können Sie einen falschen<br />
Weißabgleich in der Nachbearbeitung<br />
korrigieren.
EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
Porträts 87<br />
Das fertige Bild<br />
Machen Sie sich bei<br />
Kinderporträtsnicht zu<br />
viele Gedanken.<br />
Die sonnige Natur der<br />
Kleinen, gutes Licht, eine<br />
entspannte, fröhliche<br />
Atmosphäre, dann ist es<br />
schon fast geschafft.<br />
Halten Sie es einfach<br />
Dieser Tipp wird Ihnen wieder und<br />
wieder begegnen, doch das<br />
Geheimnis großartiger Porträts<br />
besteht wirklich darin, alles so<br />
einfach wie möglich zu halten, von<br />
der Kameraausrüstung bis zur<br />
Beleuchtung.
88 Ideen und Techniken für tolle Familienfotos<br />
Der Leitfaden Zur Porträtfotografie<br />
Strahlende, schöne Babys<br />
Ein neues Familienmitglied ist einer der Hauptgründe für<br />
den Kauf digitaler Spiegelreflexkameras. Mit unseren<br />
Ratschlägen werden Sie wunderschöne Babyfotos machen!<br />
NUR WENIGE DINGE BRINGEN DIE MENSCHEN SO SEHR DAZU, DEN<br />
BERÜHMTEN SATZ „Oh, wie süß!“ auszusprechen wie ein Baby. Diese<br />
prallen Bäckchen, diese großen Augen und dieses zahnlose Lächeln sind<br />
einfach perfekte Zutaten für wunderschöne Porträtaufnahmen. So fotogen<br />
Babys aber auch sind, sie sind nicht gerade die einfachsten Fotomodelle. Zum einen<br />
ist es ihnen ganz egal, was Sie sagen. Es hat also keinen Sinn, sie zu bitten, aus dem<br />
Fenster zu sehen oder zu lächeln - sie werden Sie ignorieren. Rechnen Sie<br />
stattdessen mit jeder Menge Speichel, Nickerchen, Weinen und interessiertem<br />
Herumschauen - nur nicht in die Kamera. Eine weitere Hürde vor allem bei ganz<br />
jungen Babys ist, dass diese noch gar nicht kräftig genug sind, um sich selbstständig<br />
aufrecht halten zu können. Das heißt also, Sie müssen sie entweder im Liegen oder<br />
mit irgendeiner Art von Stütze fotografieren.<br />
Aus diesem Grund sind viele Eltern und Familienmitglieder frustriert darüber, dass sie<br />
den neuesten Familienzuwachs nicht so aufnehmen können, wie sie es gerne<br />
würden. Kein Wunder, wenn man bedenkt, dass viele mit einem Weitwinkelobjekt zu<br />
nah herangehen und den integrierten Blitz auslösen. Das Ergebnis: Ein eine<br />
hässliche Aufnahme von einem Baby, das nach dem x-ten Blitzlicht in seinem kurzen<br />
Leben eine genervte Grimasse zieht.<br />
Vor Ihnen liegt also eine schwierige Aufgabe, aber verschiedene Dinge sprechen für<br />
Sie. Zunächst einmal ist Ihr Modell nicht sehr mobil, das heißt es wird nicht<br />
weglaufen. Und weil die Eltern anwesend sind, wird es sich in der Regel wohlfühlen<br />
und glücklich sein – vor allem, wenn Sie es nach einem seiner Nickerchen oder<br />
Mahlzeiten fotografieren möchten.<br />
Vor dem <strong>Fotografie</strong>ren ist es ratsam, einige Minuten mit dem Baby zu verbringen,<br />
damit es sich an Sie gewöhnen kann.<br />
Reden Sie mit dem Baby, zeigen Sie ihm Spielsachen, lassen Sie es Ihren Finger<br />
halten, oder lassen Sie sich noch andere Dinge einfallen, die das Kind beruhigen.<br />
Lächeln Sie viel, und kommen Sie sich nicht albern dabei vor, komische Geräusche<br />
zu machen oder mit Quietschestimme zu sprechen – all das trägt dazu bei, eine erste<br />
Bindung herzustellen.<br />
Wenn die Aufnahmen in einem geschlossenen Raum gemacht werden, platzieren<br />
Sie Ihr Modell in der Nähe einer Terrassentür; wenn die Aufnahmen im Freien<br />
gemacht werden, suchen Sie sich einen gut ausgeleuchteten Schattenbereich aus.<br />
Sie sollten schnell arbeiten und die Kamera in der Hand halten können. Stellen Sie<br />
also einen hohen ISO-Wert ein (400 – 800), und verwenden Sie eine große<br />
Blendenöffnung. Wählen Sie einen möglichst schlichten Hintergrund und machen<br />
Sie,die Aufnahme sowohl vor hellem als auch vor dunklem Hintergrund. Sehen Sie<br />
sie sich dann die Ergebnisse am LCD-Bildschirm an, um zu sehen, welcher am<br />
besten geeignet ist.<br />
Die Augen eines Babys sind im Verhältnis zum restlichen Gesicht relativ groß; achten<br />
Sie also darauf, dass mindestens eines scharf eingestellt ist. Ändern Sie den<br />
Blickwinkel, und machen Sie Aufnahmen von oben und anschließend im Liegen, um<br />
eine Aufnahme auf Augenhöhe des Babys oder sogar niedriger zu machen.<br />
Wenn Sie einmal mit den Aufnahmen begonnen haben, müssen Sie schnell<br />
arbeiten. Eine gute Option ist es auch, die Bildfrequenz<br />
auf kontinuierlich einzustellen und eine<br />
Reihenaufnahme zu machen, wenn Sie das<br />
Modell direkt ansieht. Sie werden zwar<br />
feststellen, dass die meisten Bilder nicht gut<br />
genug sind, aufbewahrt zu werden, aber mit<br />
etwas Glück werden Sie eine Handvoll guter<br />
Aufnahmen bekommen, von denen die Eltern<br />
begeistert sein werden. Die bessere Alternative<br />
ist es, die Einstellung auf Einzelbild zu lassen,<br />
und sich für weniger Bilder zu entscheiden, die<br />
jedoch mit etwas mehr Geschick und<br />
Zweckbestimmung gemacht werden.<br />
Hände und Füße<br />
Sie sollten unbedingt einige<br />
Aufnahmen von den Händen<br />
und Füßen des Babys<br />
machen. Versuchen Sie das,<br />
wenn das Baby erst wenige<br />
Tage alt ist, weil es dann die<br />
meiste Zeit schläft und die<br />
faltige Babyhaut die Wirkung<br />
der Fotos noch unterstreicht.<br />
Verwenden Sie weiches Licht<br />
sowie blasse und neutrale<br />
Farben; stellen Sie eine große<br />
Blendenöffnung für eine<br />
flache Schärfentiefe ein, und<br />
experimentieren Sie mit<br />
verschiedenen Winkeln und<br />
Blickwinkeln herum.<br />
Machen Sie Aufnahmen in<br />
Farbe und in Schwarz-Weiß.<br />
GANZ OBEN: Kleine Babys sind oft noch zu schwach, um<br />
sich selbstständig aufrecht halten zu können. Verwenden<br />
Sie also Möbelstücke als Hilfsmittel, und sorgen Sie dafür,<br />
dass die Eltern oder ein Assistent in der Nähe sind, damit<br />
keine Unfälle passieren!<br />
OBEN: Seien Sie mutig, und probieren Sie ungewöhnliche<br />
Bildaufbauten aus. Babys haben normalerweise sehr<br />
große Augen; mit knappen Zuschnitten und einer sehr<br />
flachen Tiefenschärfe können Sie das noch betonen.<br />
Top-Tipps: Babyfotos<br />
1) ERREGEN SIE IHRE AUFMERKSAMKEIT<br />
Babys sehen Sie normalerweise an, wenn<br />
Sie, kurz bevor Sie auf den Auslöser drücken,<br />
vor ihnen ein Spielzeug halten, schütteln<br />
oder drücken.<br />
2) NICHT ÜBERTREIBEN! Eine zehnminütige<br />
Sitzung ist lang genug. Nach einer Pause<br />
können Sie dann wieder weitermachen.<br />
3) IMMER MIT DER RUHE Seien Sie nicht<br />
frustriert und ärgern Sie sich nicht, wenn der<br />
Fototermin nicht nach Plan verläuft. Seien<br />
Sie sich immer im Klaren darüber, dass die<br />
Möglichkeit besteht, dass Sie überhaupt<br />
keine guten Bilder bekommen.<br />
4) RECHNEN SIE MIT KLEINEN „UNFÄLLEN“<br />
Halten Sie eine Küchenrolle und<br />
Papiertaschentücher bereit, um dem Baby<br />
bei Bedarf den Mund oder die Nase<br />
abwischen zu können. Babys produzieren<br />
erstaunlich viel Spucke und Schleim!<br />
5) SEIEN SIE KREATIV Wenn das Baby nicht<br />
in die Kamera schaut, probieren Sie<br />
ungewöhnliche Winkel und Kompositionen<br />
aus, die möglicherweise eine gute Aufnahme<br />
liefern, oder konzentrieren Sie sich auf<br />
Hände, Füße oder andere kleine Details.<br />
FOTOS: BRETT HARKNESS
Babyverhalten<br />
Wenn Sie sehr geduldig<br />
sind, finden Sie vielleicht<br />
einen Moment, in dem das<br />
Baby herumalbert und<br />
direkt in die Kamera<br />
schaut!<br />
Belichtung: 1/500<br />
Sekunden bei f4,5 (ISO<br />
500).<br />
Umwandeln in Schwarz-Weiß<br />
Denken Sie daran, dass sich Babybilder ideal zur<br />
Umwandlung in Schwarz-Weiß eignen. Sie sollten<br />
also durchaus überlegen, ob Sie nicht einige Ihrer<br />
Lieblingsaufnahmen in die sehr beliebten<br />
Monochrom-Bilder umwandeln.
90 Portraits EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
Kinder und Teenager fotografieren<br />
Sie können altklug, ungezogen und ausgesprochen vorlaut<br />
sein. Aber in diesem Alter sind Kinder oft auch am<br />
fotogensten, also machen Sie unbedingt viele Aufnahmen!<br />
VIELE ELTERN BEHAUPTEN, die Zeit<br />
zwischen fünf und zehn Jahren seien die<br />
angenehmsten Jahre der Kindheit. In<br />
diesen Jahren entwickeln Kinder ihre<br />
Persönlichkeit. In diesen jungen Jahren<br />
steckt das Potenzial für die besten<br />
Kinderporträts; die wachsende<br />
Unabhängigkeit und Bewegungsfreiheit<br />
schafft großartige Fotogelegenheiten für<br />
unvergessliche Schnappschüsse.<br />
Bringen Sie einen Telezoom an Ihrer<br />
digitalen Spiegelreflexkamera an (50–200<br />
mm oder 70–300 mm) und halten Sie<br />
Abstand, damit das Kind die Kamera<br />
vergisst. Nachdem Sie ein paar erste Bilder<br />
gemacht haben, suchen Sie sich einen<br />
guten Blickwinkel, stellen Sie die Kamera<br />
auf Serienbilder ein und rufen Sie den<br />
Namen des Kindes, damit es Sie bei der<br />
Aufnahme anschaut. Kinder in diesem<br />
Alter sind noch ansprechbar für<br />
Anweisungen. Wenn Sie sie also bitten,<br />
sich hinzusetzen, aufzustehen,<br />
umzudrehen etc., werden sie dies meist tun, zumindest um<br />
der Sache willen.<br />
So können Sie in kurzer Zeit eine gute Mischung aus<br />
Schnappschüssen und inszenierten Momenten aufnehmen.<br />
Wenn Ihrem Modell nach einigen Minuten langweilig wird<br />
und es wieder Blödsinn macht, können Sie gegen Ende des<br />
Shootings ein paar Bilder mit albernen Grimassen und Posen<br />
machen. Seien Sie bei den Posen Ihres Modells ganz<br />
entspannt. Bitten Sie es, an einer bestimmten Stelle zu<br />
stehen oder zu sitzen und machen Sie erst einmal ein paar<br />
Bilder. Wenn es zu angespannt aussieht, lassen Sie das Kind<br />
die Arme und den Kopf schütteln, damit es sich entspannt<br />
und lacht, denn es soll ihm ja auch Spaß machen. Machen<br />
Sie ein paar weitere Aufnahmen, sagen Sie ihm, wie toll es<br />
das macht und bitten Sie es, das Kinn höher oder tiefer zu<br />
halten, den Kopf zu neigen und so weiter, bis Sie die<br />
Aufnahme so haben, wie Sie es wollten. Probieren Sie<br />
mehrere Blickwinkel und Ausschnitte, damit die Aufnahmen<br />
eine wirklich bunte Mischung darstellen. Am Ende des<br />
Shootings sagen Sie ihm, dass es ein paar Minuten lang ganz<br />
verrückt sein soll und fangen Sie dabei die unvernünftigsten<br />
Dinge ein!<br />
Neben Kopf-und-Schulter-Bildern sollten Sie auch<br />
Ganzkörperaufnahmen machen. Wenn das Kind einen<br />
einzigartigen Sinn für Stil hat, dann sollten Sie diesen auch<br />
unbedingt zeigen! Ihr ultimatives Ziel sollte es sein, eine gute<br />
Mischung von Bildern zu erhalten, die zusammen die<br />
unterschiedlichen Aspekte des Charakters Ihres Motivs<br />
wiedergeben.<br />
Türen sind ideal,<br />
um Kinder davor<br />
posieren zu<br />
lassen. Lassen<br />
Sie das Kind<br />
Kleidung tragen,<br />
die zur Farbe<br />
der Tür passt.<br />
Falls es mehrere<br />
Schichten<br />
Oberbekleidung<br />
trägt, kann es zur<br />
Abwechslung mal<br />
nur im T-Shirt<br />
posieren.<br />
Bei Bedarf<br />
können Sie das<br />
vorhandene<br />
Licht mithilfe<br />
eines Reflektors<br />
verstärken.<br />
Geschenkideen<br />
FOTOLEINWAND<br />
Es gibt sie schon seit ein paar<br />
Jahren, aber ihre Popularität ist<br />
ungebrochen. Ein Kinderporträt<br />
auf einer Fotoleinwand ist eine<br />
auffallende Methode, die besten<br />
Aufnahmen zu präsentieren und<br />
eine tolle Foto-Geschenkidee.<br />
TINTENSTRAHL ABZÜGE<br />
Wenn Sie gerne Ihre eigene<br />
Fotokunstreihe produzieren<br />
möchten, schauen Sie sich die<br />
große Bandbreite an Kunstpapieren<br />
an, die es für die Verwendung mit<br />
Tintenstrahldruckern gibt. Zu den<br />
guten Marken und Sorten, die Sie<br />
ausprobieren können, gehören<br />
Hahnemühle Photo Rag Satin<br />
Glossy Fine Art und Permajet Royal<br />
Fine Art.<br />
Geheimtipps: Kinder<br />
1) Schnell arbeiten Mit einem Telezoom-Objektiv (z.B.<br />
50 - 200 mm) können Sie den Bildaufbau schnell von<br />
Großporträtaufnahmen zu Ganzkörperbildern ändern.<br />
2) Auf eine ungezwungene Atmosphäre achten Bevor<br />
Sie mi t dem <strong>Fotografie</strong>ren beginnen, erklären Sie ihnen<br />
Ihre Pläne und machen Sie ein paar Witze, damit sie sich<br />
entspannen.<br />
3) Positive Unterstützung! Sagen Sie ihnen<br />
permanent, was für Naturtalente sie sind und dass sie auf<br />
den Bildern wirklich gut aussehen. Selbst in jungen Jahren<br />
profitieren die Kinder von diesem Zuspruch.<br />
4) Spielen lassen! Wenn Sie anfangen, herumzualbern,<br />
lassen Sie sie spielen und machen Sie einige tolle<br />
Schnappschüsse, bevor Sie sie unterbrechen, damit Sie sie<br />
für die nächste Aufnahme vorbereiten können.<br />
5) Belohnung nicht vergessen! Eine kleine<br />
Bestechung (Spielzeug, Süßigkeit etc.) funktioniert so<br />
gut wie immer und wenn die Kinder für Ihre Mühen<br />
eine Belohnung erhalten, sagen Sie bei der nächsten<br />
Fotosession gerne wieder „ja“.
EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
Zeit für die Teenager!<br />
Behandeln Sie Jugendliche wie<br />
Erwachsene, und Sie werden das<br />
Beste aus ihnen herausholen<br />
WIE ALLE ELTERN bestätigen werden,<br />
entwickeln Kinder sehr schnell ihre<br />
Unabhängigkeit, wenn sie auf die<br />
weiterführende Schule kommen. Für Sie als<br />
Fotograf bedeutet dies, dass Sie Ihr Motiv mehr<br />
als Erwachsener und nicht als Kind behandeln<br />
sollten, wenn Sie eine Chance haben möchten,<br />
dass diese vor der Kamera posieren. Und auch<br />
wenn Sie Ihnen zum Beispiel Tipps geben, was<br />
sie anziehen sollten, seien Sie nicht sauer, wenn<br />
Sie genau das Gegenteil von dem anhaben, um<br />
das Sie sie gebeten haben. Arbeiten Sie mit<br />
ihnen und bitten Sie sie nach ein paar<br />
Aufnahmen, die Kleidung zu wechseln, um zu<br />
sehen, ob das, was Sie gerne möchten, besser<br />
passt.<br />
Sie werden merken, dass Jugendliche eine kurze<br />
Aufmerksamkeitsspanne haben und nach kurzer<br />
Zeit etwas anderes tun wollen als fotografiert zu<br />
werden. Wenn Sie freundlich bleiben, Interesse zeigen<br />
und Ideen zu ihrer Fotosession aufmerksam zuhören,<br />
können Sie sie eine ganze Weile auf Ihrer Seite halten.<br />
Wenn Ihre Modelle gerne fotografiert wird, ist das<br />
Shooting ein Kinderspiel, da sie sich nach jeder<br />
Aufnahme ganz natürlich von Pose zu Pose begeben! In<br />
den Jahren als Teenager sind Kinder oft am<br />
gehemmtesten. Auch wenn es einige reine<br />
Exhibitionisten unter ihnen gibt, sorgt sich die Mehrheit<br />
darum, wie sie auf den Bildern aussehen werden,<br />
insbesondere wenn ihre Hormone gerade dabei sind,<br />
ihre Haut zu zerstören. Ihr Ziel sollte es immer sein, sie<br />
in schmeichelndem Licht aufzunehmen, sie eher wie<br />
Erwachsene aussehen lassen und nicht wie Kinder und<br />
versuchen, dass Ihnen der gesamte Prozess Spaß<br />
macht.<br />
Was wollen sie selbst?<br />
Neben einer Auswahl<br />
von Bildern, die<br />
Ihnen und den Eltern<br />
gefallen, sollten Sie auf<br />
jeden Fall auch das<br />
Motiv selbst fragen,<br />
wie es fotografiert<br />
werden möchte.<br />
Die Antwort könnte<br />
Sie überraschen.<br />
Als wir Katie nach<br />
Ideen fragten, wie<br />
sie fotografiert werden möchte, schlug sie<br />
ein Schwarzweißbild vor, auf dem sie von<br />
der Kamera wegschaut, und zeigte uns ein<br />
Zeitschriftenfoto. Das war zwar nicht die Art<br />
von Bild, die wir geplant hatten, aber wir<br />
opferten die Zeit für den Neuaufbau und<br />
nahmen es dann so auf, wie Katie wollte.<br />
Bei diesem Bild haben wir sie in die Nähe<br />
von indirekten Fenstertüren gesetzt, sodass<br />
sie von der Seite beleuchtet wurde. Dann<br />
stellten wir einen Studioblitz mit einer kleinen<br />
Softbox auf den Boden, um etwas Licht von<br />
ganz unten auf die gegenüberliegende Seite<br />
zu werfen. Das Bild wurde mit Photoshop in<br />
Schwarzweiß umgewandelt.<br />
Mono Belichtung:<br />
Wenn Sie vorhaben,<br />
Ihre Bilder in<br />
Schwarzweiß<br />
umzuwandeln,<br />
brauchen Sie sich<br />
über Farbstiche durch<br />
die Beleuchtung<br />
keine Sorgen zu<br />
machen. Lassen Sie<br />
bei Ihrer Kamera<br />
den automatischen<br />
Weißabgleich<br />
eingestellt.<br />
Die Arbeit mit<br />
Jugendlichen kann<br />
viel Spaß machen;<br />
versuchen Sie dies<br />
in Ihren Bildern<br />
auszudrücken. Bitten Sie<br />
Ihren Assistenten oder<br />
einen Freund, sie zum<br />
Lachen zu bringen und<br />
seien Sie bereit, wenn<br />
der Moment kommt.<br />
Teenager haben<br />
viele Hobbies und<br />
Interessen; versuchen<br />
Sie diese ebenfalls mit<br />
einzubringen, etwa<br />
durch Kleidung oder<br />
Requisiten.<br />
Portraits 91<br />
Geheimtipps: Teenagers<br />
1) Achten Sie darauf, dass sie glücklich<br />
und entspannt sind und Spaß haben.<br />
Sie werden viel bessere Bilder<br />
erhalten als wenn sie gelangweilt und<br />
desinteressiert sind.<br />
2) Fragen Sie sie, ob sie Lieblingsbilder<br />
aus Zeitschriften oder dem Internet<br />
haben und überlegen Sie, ob Sie sie<br />
auf ähnliche Art fotografieren können.<br />
3) Geben Sie ihnen einen groben<br />
Hinweis, welche Kleidung Sie an<br />
ihnen sehen möchten (z.B. einfaches<br />
T-Shirt, Jeans etc.), aber achten Sie<br />
darauf, dass ihnen Ihr Vorschlag auch<br />
gefällt.<br />
4) Versuchen Sie nicht zu förmlich zu<br />
klingen, wenn Sie mit ihnen sprechen.<br />
Aber verwenden Sie lieber keine<br />
Wörter wie „cool“, wenn Sie glauben,<br />
dass das nach hinten losgehen<br />
könnte!<br />
5) Wenn Sie eine gute Aufnahme<br />
gemacht haben, zeigen Sie sie ihnen<br />
auf dem LCD-Bildschirm. Wenn<br />
ihnen gefällt, was sie sehen, haben<br />
sie mehr Lust mit dem <strong>Fotografie</strong>ren<br />
fortzufahren.<br />
6) Lassen Sie keine Eltern oder<br />
Freunde beim Shooting zuschauen,<br />
da ihnen das womöglich peinlich ist –<br />
bitten Sie diejenigen, die nicht mit aufs<br />
Foto sollen, den Raum zu verlassen!<br />
7) Geben Sie ihnen ein kleines<br />
Geschenk (z.B. einen 15 Euro iTunes<br />
Gutschein) als Dankeschön und<br />
schicken Sie ihnen einige Abzüge von<br />
den besten Bildern. Das ist ein kleiner<br />
Preis für ihre Zeit und sorgt dafür, dass<br />
sie in der Zukunft gerne für weitere<br />
Bilder zur Verfügung stehen!<br />
BRETT HARKNESS
92 Landschaften<br />
Bereiten Sie sich auf die freie Natur vor<br />
Die Landschaftsfotografie bringt es oft mit sich, stundenlang in der freien Natur<br />
unterwegs zu sein. Bereiten Sie sich gut vor, um diese Erfahrung ebenso erfolgreich<br />
wie angenehm zu gestalten.<br />
ISTOCKPHOTO<br />
ISTOCKPHOTO<br />
RECHERCHIEREN & PLANEN<br />
Großartige Landschaftsaufnahmen<br />
entstehen selten zufällig — die besten<br />
Aufnahmen sind oft das Ergebnis sorgfältiger<br />
Planung, also machen Sie Ihre<br />
Hausaufgaben. Recherchieren Sie Ihren<br />
Aufnahmeort möglichst im Voraus, sehen Sie<br />
sich nach geeigneten Standpunkten um und<br />
probieren Sie verschiedene Kompositionen<br />
aus; dies wird Ihnen helfen, während der<br />
Aufnahmen schnell und effizient zu arbeiten.<br />
Wenn es sich um eine Meeresküste handelt,<br />
beachten Sie die Gezeiten. Die größte<br />
Bedeutung kommt dem Licht zu: Eignet sich<br />
der Ort eher für Aufnahmen am Morgen oder<br />
am Abend?<br />
Ein Sonnenrechner wie „The Photographer’s<br />
Ephemeris (http://photoephemeris.com) hilft<br />
Ihnen, die Richtung des Lichts zu<br />
verschiedenen Tageszeiten herauszufinden.<br />
Das Programm ist nur auf Englisch erhältlich,<br />
aber es gibt eine Anleitung auf Deutsch<br />
(http://photoephemeris.com/<br />
the-photographer-s-ephemeris-auf-deutsch).<br />
Zum Schluss sollten Sie auf geeignetes<br />
Wetter für ihren Aufnahmeort warten. Sehen<br />
Sie sich die Wettervorhersage genau an und<br />
stimmen Sie Ihren Besuch zeitlich so ab,<br />
dass er mit idealen Verhältnissen<br />
zusammenfällt, und verbessern Sie dadurch<br />
Ihre Chance erfolgreich zu sein.<br />
PASSENDE KLEIDUNG<br />
Eine unerwartete Wetteränderung<br />
kann Ihre Planung umwerfen, achten<br />
Sie deshalb auf angemessene<br />
Bekleideung. Wenn es kalt oder nass<br />
ist, sollten Sie verschiedene<br />
Kleidungsstücke übereinander tragen,<br />
die Sie bei Bedarf an-/ablegen können.<br />
Die äußere Schicht sollte wind- und<br />
wasserdicht sein, sowohl am<br />
Oberkörper als auch an den Beinen.<br />
Probieren Sie es mal mit Kleidung von<br />
Berghaus oder Paramo. Eine Mütze<br />
verhindert, dass Sie bei niedrigen<br />
Temperaturen Körperwärme abgeben,<br />
während isolierte Handschuhe Ihre<br />
Finger warmhalten, sodass Sie Ihre<br />
Kamera bedienen können. Manche<br />
Menschen bevorzugen Handschuhe<br />
oder Fäustlinge, bei denen man die<br />
Fingerkappe umklappen kann, um die<br />
Finger freizulegen, wie die von Matin.<br />
Für steiniges oder unwegsames<br />
Gelände sind robuste Wanderschuhe<br />
geeignet, am Strand oder im Sumpf<br />
ermöglichen Ihnen Gummistiefel, zum<br />
<strong>Fotografie</strong>ren ins Wasser zu waten.<br />
Achten Sie darauf, dass die Stiefel<br />
gefüttert sind.<br />
IMMER MIT STATIV<br />
Wir wissen, dass es lästig ist, ein Stativ<br />
zu tragen und immer wieder neu<br />
aufzustellen. Es gibt aber einen Grund,<br />
warum ernsthafte Outdoor-Fotografen<br />
immer eines benutzen: Stative bedeuten<br />
volle Kontrolle! Langsame<br />
Verschlusszeiten und niedrige ISO-Werte<br />
sind kein Problem, es ist einfacher, das<br />
Bild mit Präzision zusammenzustellen,<br />
Grauverlaufsfilter einzusetzen, die<br />
Tiefenschärfe zu maximieren und die<br />
Kamera in Position zu bringen, um direkt<br />
loslegen zu können, wenn plötzlich das<br />
Licht besser ist. Ein mittelgroßes Modell<br />
aus Carbonfaser, wie das 190CXPRO3<br />
oder das 055CXPRO4 von Manfrotto,<br />
bietet einen guten Kompromiss<br />
zwischen Gewicht und Stabilität, auch<br />
mit einer schweren professionellen<br />
digitalen Spiegelreflexkamera. Wenn Sie<br />
sparen müssen, entscheiden Sie sich für<br />
die preiswerteren Modelle aus<br />
gleichwertigen Legierungen. Sie<br />
benötigen außerdem einen geeigneten<br />
Kopf, und Kugelköpfe werden immer<br />
beliebter. Schauen Sie sich zum Beispiel<br />
den Kugelkopf MH1312-652 von<br />
Giottos oder die Modelle 498RC2 und<br />
327RC2 von Manfrotto an.<br />
Die Hügel leben!<br />
Es sollte immer Ihre<br />
Priorität sein, die<br />
Aufnahme so zu planen,<br />
dass Sie mit gutem<br />
Wetter zusammenfällt.<br />
Doch auch dunkle,<br />
stürmische Tage können<br />
mit Aufnahmen wie<br />
diesen belohnen.<br />
WAHL DES OBJEKTIVS<br />
Kommen wir zum Wichtigsten: der<br />
Ausrüstung! Die perfekte Lösung muss allen<br />
Landschafts-Anforderungen genügen, aber<br />
leicht genug sein, um sie den ganzen Tag<br />
tragen zu können. Zum Glück ist es nicht<br />
schwierig, beides zu kombinieren. Die Wahl<br />
der Kamera ist praktisch irrelevant, denn es<br />
gibt heute kaum noch schlechte digitale<br />
Spiegelreflexkameras. Der Schlüssel zu<br />
Kreativität und Erfolg sind die Objektive!<br />
Wenn Sie im Vollbild aufnehmen, sind drei<br />
Zoomobjektive im Bereich 17 bis 200 / 300<br />
mm mehr als ausreichend, für APS-C genügen<br />
10 bis 200 mm. Weitwinkelobjektive sind für<br />
Landschaftsaufnahmen nützlicher als<br />
Teleobjektive, sind aber anfälliger für optische<br />
Aberrationen bzw. Diffraktion, deshalb sollten<br />
Sie nur in ein Modell von guter Qualität<br />
investieren.<br />
Für Vollbildaufnahmen sind Canons 17–40<br />
mm f/4 und 16–35 mm f/2,8 L Mk II oder<br />
Nikons 14–24 mm f/2.8 G, 16–35 mm f/4 G<br />
und 17–55mm f/2.8 G geeignete Kandidaten,<br />
während für APS-C-Sensoren Nikons 10–24<br />
mm f/3.5–4.5 G und 12–24 mm f/4 G,<br />
Canons 10–22 mm f/3.5–4.5 und Sigmas<br />
10–20 mm f/3.5 und 12–24 mm f/4.5-5.6 in<br />
die engere Auswahl gehören.<br />
ADAM BURTON
ADAM BURTON<br />
PACKEN SIE IMMER FILTER EIN<br />
Filter sind für Landschaftsaufnahmen absolut<br />
notwendig! Sie sollten immer einen Polfilter<br />
dabeihaben, da er blendendes Licht und<br />
Reflexionen reduziert, um die Klarheit zu<br />
verbessern und den Himmel bei sonnigem Wetter<br />
zu betonen. Auch Grauverlaufsfilter sind ein<br />
Muss, um Landschaft und Himmel richtig zu<br />
belichten. Der Verlauf ermöglicht es Ihnen, den<br />
Himmel so abzudunkeln, dass seine Helligkeit<br />
der Landschaft ähnelt. Was die Dichte betrifft,<br />
sind 0,6 und 0,9 am nützlichsten; „harte“<br />
Grauverlaufsfilter ermöglichen einen<br />
gleichmäßigeren Verlauf als „weiche“. Massive<br />
Graufilter sind praktisch, um die Verschlusszeit zu<br />
verlangsamen, wenn Sie zum Beispiel Bewegung<br />
im fließenden Wasser aufnehmen möchten.<br />
Eine Dichte von 0,6 erhöht die Belichtung um<br />
zwei Stufen, 0,9 um drei Stufen und 1,2 um vier<br />
Stufen. Um extremere Effekte durch<br />
Langzeitbelichtung zu erreichen, benötigen Sie<br />
einen zehnstufigen Graufilter, zum Beispiel den<br />
Lee Big Stopper, B + W 3.0 ND oder Hitech Pro<br />
Stop (siehe Seite 56 für weitere Informationen).<br />
Diese ermöglichen Belichtungen von mehreren<br />
Minuten bei Tageslicht, um Bewegungen in Meer,<br />
Himmel, Flüssen und ähnlich bewegten Motiven<br />
aufzunehmen. Die Ergebnisse können so<br />
erstaunlich sein, dass Sie, wenn Sie einmal<br />
anfangen, vermutlich nicht mehr aufhören<br />
können!<br />
ROSS HODDINOTT<br />
Profi-Tipp: Ross Hoddinott<br />
„Gehen Sie nicht zu früh nach Hause!<br />
Nach einem schmerzlich frühen Start<br />
oder einem langen Tag unterwegs zieht<br />
es Sie vermutlich stark nach Hause; doch<br />
bleiben Sie standhaft! Ich habe diesen<br />
Fehler früher oft gemacht – im Glauben,<br />
die Wolken würden nicht aufbrechen oder<br />
die Bedingungen nicht mehr hergeben<br />
–, nur um dann auf der Rückfahrt einen<br />
wunderschönen Sonnenuntergang oder<br />
einen dramatischen Himmel zu erleben.<br />
Es gibt nichts Frustrierenderes als eine<br />
großartige Gelegenheit zu verpassen,<br />
nur weil man nicht noch eine Stunde<br />
geblieben ist. Wetterbedingungen<br />
können sich erstaunlich schnell ändern,<br />
sodass auf einmal ein wundervolles<br />
Licht erscheint oder die Wolken gerade<br />
genug aufreißen, damit dramatische<br />
Lichtstrahlen durchscheinen und die<br />
Szene in Licht baden. Wenn Sie sich<br />
also die Mühe gemacht haben, zu einem<br />
Aufnahmeort zu gelangen, gehen Sie<br />
nicht, bis Sie wirklich sicher sind, dass es<br />
keine Chance für weitere Möglichkeiten<br />
gibt. Bleiben Sie – vielleicht fangen<br />
Sie einen unvergesslichen, magischen<br />
Moment ein.“
94 Landschaften EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
Die Grundlagen<br />
Eine gute Bildkomposition ist der Schlüssel zu guten Fotos. Es gibt ein paar Regeln, die<br />
Ihnen auf dem Weg zum Erfolg helfen können – lassen Sie sich davon anregen.<br />
ROSS HODDINOTT<br />
Der Vordergrund<br />
Ein interessanter Vordergrund ist wichtig und verstärkt die Tiefenwirkung. Das können Felsformationen<br />
sein, durch Vegetation verursachte Reflexionen oder ein Weg, der nach hinten ins Bild führt. Die Elemente<br />
sollten zur übrigen Szene passen und einen visuellen Einstiegspunkt bieten, der das Auge in die<br />
Bildkomposition führt und zugleich als Maßstab dient. Verwenden Sie ein Weitwinkel im Bereich<br />
17-35mm, der weite Blickwinkel steigert die Perspektive und die Größe nahe gelegener Objekte. Auch die<br />
Höhe der Kameraposition kann die Bildwirkung beeinflussen: Ist der Standpunkt zu hoch über dem<br />
Boden, kann der mittlere Entfernungsbereich leer und langweilig aussehen. In dem Fall sorgt ein<br />
niedrigerer Standpunkt für eine interessantere, dramatischere Perspektive. Um die gesamte Szenerie<br />
scharf abzubilden, wird außerdem viel Schärfentiefe benötigt; stellen Sie also sorgfältig scharf und<br />
verwenden Sie eine Blende im Bereich von f/16. Ermitteln Sie die hyperfokale Entfernung und wählen Sie<br />
einen Schärfepunkt etwa am Ende des ersten Drittels der Szene.<br />
ROSS HODDINOTT<br />
ROSS HODDINOTT<br />
ROSS HODDINOTT<br />
Die Drittelregel<br />
Die vielleicht wichtigste Regel der<br />
Bildkomposition ist die Drittelregel.<br />
Um sie umzusetzen, stellen Sie sich<br />
das Sucherbild durch zwei horizontal<br />
und zwei vertikal verlaufende Linien<br />
in neun gleich große Teile zerteilt vor.<br />
Ordnen Sie nun Ihre Bildelemente<br />
entlang dieses Linienrasters an, so<br />
sollte der Horizont auf einer der<br />
horizontalen Linien liegen.<br />
Oft ist es am besten, wenn Ihr Motiv<br />
zwischen einem Drittel Himmel und<br />
zwei Dritteln Erdoberfläche<br />
eingebettet ist. Wenn der Himmel<br />
besonders eindrucksvoll aussieht,<br />
können Sie diese Proportion auch<br />
umkehren. Die Schnittpunkte<br />
unserer gedachten Linien markieren<br />
optische Fixpunkte. Das hängt damit<br />
zusammen, wie unser Gehirn die<br />
Informationen vom Auge verarbeitet.<br />
Für die beste optische Balance<br />
sollten sich die Schlüsselelemente<br />
Ihrer Szene nahe diesen Punkten<br />
befinden.<br />
Manche Fotografen empfinden die<br />
Drittelregel als zu klischeehaft –<br />
dennoch funktioniert sie, und die<br />
erfolgreichsten <strong>Landschaftsfotos</strong><br />
beruhen auf ihr!<br />
Bei vielen Kameras lässt sich ein<br />
entsprechendes Raster in den Sucher<br />
oder auf dem Monitor einblenden,<br />
um die Arbeit mit der Drittelregel zu<br />
erleichtern.<br />
ROSS HODDINOTT<br />
Regeln müssen manchmal gebrochen<br />
werden<br />
Natürlich sollte man die Regeln der Bildkomposition<br />
kennen und anwenden – dennoch gelten sie nicht<br />
automatisch für jedes Motiv, sonst entstehen<br />
unweigerlich fantasielose, vorhersehbare Bilder. Trotz<br />
aller nützlichen Regeln sollten Sie daher auch Mut<br />
zum Experiment haben. Ein Horizont genau in der<br />
Mitte des Bildausschnitts macht sich in bestimmten<br />
Szenen gut – besonders wenn sich Himmel im<br />
Wasser spiegelt, was ein ganz eigenes<br />
Symmetriegefühl erzeugt. Das Geheimnis guter<br />
Bildkomposition liegt manchmal einfach darin, dem<br />
eigenen Gefühl zu folgen.<br />
Führungslinien<br />
Gut erkennbare Linien sind eine große Hilfe, denn sie<br />
führen das Auge durch das Bild. Eine Landschaft ist<br />
voller Linien, Wege, Strassen, Bodenwellen, Hecken,<br />
Flüsse oder Küstenlinien. Auch „implizite“ Linien<br />
können eingebunden werden, etwa eine Reihe<br />
gleichartiger Objekte, Steine usw.<br />
Ein Weitwinkelobjektiv kann Linien verlängern und<br />
Winkel vergrößern. Am wirkungsvollsten sind sie,<br />
wenn sie aus einer Bildecke diagonal ins Bild führen.<br />
Diagonale Linien sind dynamischer, denn sie<br />
implizieren Tiefe und wirken am besten von links<br />
nach rechts ins Bild laufend – entsprechend dem<br />
natürlichen Bewegungsmuster des menschlichen<br />
Auges!<br />
Die Regel der ungeraden<br />
Zahl<br />
Die Regel der ungeraden Zahl ist<br />
weniger bekannt, doch ebenso nützlich<br />
und effizient, wenn die geforderten<br />
Umstände zutreffen. Außerdem ist sie<br />
sehr einfach anzuwenden. Sie besagt,<br />
das eine Bildkomposition mit einer<br />
ungeraden Zahl von im Bild<br />
befindlichen Objekten ästhetisch<br />
ansprechender ist, als vergleichbare<br />
Bilder mit eine geraden Zahl von<br />
Objekten. Bei einer Baumreihe auf<br />
einem Hügelrücken beispielsweise sieht<br />
ein Foto mit einem einzelnen Baum<br />
oder mit drei oder fünf Bäumen besser<br />
aus, als ein Bild mit zwei oder vier<br />
Bäumen. Ungerade Zahlen schaffen<br />
einen natürlichen Rahmen – es gibt<br />
immer ein zentrales Objekt. „Drei“ ist<br />
eine besonders starke Zahl, weil<br />
dadurch ein Dreieck gebildet wird. Sie<br />
sind skeptisch? Probieren Sie`s aus!
Ungerade …<br />
Die Regel der ungeraden Zahl<br />
ist äußerst einfach – ein, drei<br />
oder fünf Objekte im Bild<br />
sehen immer besser aus als<br />
zwei oder vier.<br />
ADAM BURTON
96 Landschaften EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
Kamera-Einstellungen<br />
Wenn Ihnen eine fantastische Landschaft vor die Linse gerät, ist es entscheidend zu<br />
wissen, wie Sie die Kamera einstellen müssen, um das Beste daraus zu machen<br />
AUFNAHMEMODI<br />
<strong>Digitale</strong> Spiegelreflexkameras haben<br />
eine Vielzahl von Aufnahmemodi,<br />
mit denen Sie die Belichtung auf<br />
unterschiedliche Weise regulieren<br />
können. Die Automatikprogramme<br />
sollten Sie bei der<br />
Landschaftsfotografie am besten<br />
vermeiden. Ebenso den<br />
Programmmodus, der den<br />
gewünschten Effekt einfach nicht<br />
zuverlässig genug vorhersehen<br />
kann. Sie brauchen volle Kontrolle<br />
über die Wahl der Blende, denn dies<br />
bestimmt den Grad der<br />
Tiefenschärfe. Der Modus<br />
Zeitautomatik mit Blendenvorwahl<br />
(A oder Av) ist die beste Wahl. Damit<br />
wählen Sie die Blende, während die<br />
Kamera automatisch die dazu<br />
passende Verschlusszeit bestimmt,<br />
um insgesamt eine korrekte<br />
Belichtung zu erreichen. Wenn das<br />
Bild von vorne bis hinten scharf sein<br />
soll, wählen Sie eine kleine Blende<br />
wie f/16. Der manuelle Modus ist<br />
ebenfalls nützlich, aber er verlässt<br />
sich stark auf Ihre Eingaben.<br />
BELICHTUNGS-<br />
KOMPENSATION<br />
Wenn Sie sich das Histogramm des<br />
Bildes angeschaut haben und<br />
finden, dass Sie die Szene aufgrund<br />
einer falschen Belichtung aufhellen<br />
oder abdunkeln müssen, ist die<br />
einfachste Lösung, auf die<br />
Belichtungskompensation der<br />
Kamera zurückzugreifen. Einige<br />
digitale Spiegelreflexkameras haben<br />
einen speziellen Button dafür, der<br />
mit einem (+/–) Symbol<br />
gekennzeichnet ist, während bei<br />
anderen Modellen die Kompensation<br />
über einen der Drehregler eingestellt<br />
wird. Bewegen Sie die<br />
Belichtungsanzeige in Richtung des<br />
(+) Symbols, um eine positive<br />
Kompensation anzuwenden und das<br />
Bild aufzuhellen. Oder bewegen Sie<br />
es in Richtung des (–) Symbols, um<br />
eine negative Kompensation<br />
anzuwenden und das Bild im<br />
Ergebnis dunkler erscheinen zu<br />
lassen. Die Bildkompensation wird<br />
normalerweise in Stufen von 1/3<br />
oder 1/2 angegeben..<br />
OPTIONEN ZUR<br />
BELICHTUNGSMESSUNG<br />
Ihre Kamera verfügt über eine Reihe<br />
von Methoden zur<br />
Belichtungsmessung – üblicherweise<br />
Multizonen, mittenbetont und<br />
Punkt. Punktmessung ist nützlich,<br />
wenn Sie bei Ihrer Messung sehr<br />
präzise vorgehen müssen – eventuell<br />
zum Beispiel, um den Kontrast des<br />
Lichts zwischen Land und Himmel<br />
zu berechnen. In den allermeisten<br />
Fotosituationen stellt jedoch die<br />
Multizonenmessung die am besten<br />
geeignete Methode dar. Sie greift auf<br />
das Licht von verschiedenen<br />
Bereichen des Bildes zurück und<br />
berechnet daraus einen<br />
Durchschnittswert. Diese Methode<br />
ist sehr akkurat und kann nur sehr<br />
selten ausgetrickst werden – nur<br />
extrem helle, dunkle oder von hinten<br />
ausgeleuchtete Motive täuschen es.<br />
Daher empfehlen wir Ihnen, bei der<br />
Multizonenmessung Ihrer Kamera zu<br />
bleiben – sie wird sich in der<br />
Mehrheit der Situationen als<br />
verlässlich erweisen.<br />
DEN ISO-WERT SO KLEIN WIE MÖGLICH<br />
WÄHLEN<br />
Um die Bildqualität zu maximieren, sollten Sie die ISO-Einstellung<br />
auf der kleinstmöglichen Empfindlichkeit halten – typischerweise<br />
ISO 100 oder 200. Dadurch bleiben Ihre Bilder frei von Rauschen.<br />
Höhere Empfindlichkeiten sind nützlich, wenn Sie eine kurze<br />
Verschlusszeit benötigen. Aber bei der Landschaftsfotografie ist<br />
Schnelligkeit nicht unbedingt ein Thema, insbesondere wenn Sie ein<br />
Stativ für die Stabilisierung verwenden. Denken Sie daran, die Auto<br />
ISO Funktion Ihrer Kamera zu deaktivieren, damit die Kamera nicht<br />
eine höhere ISO wählt als Sie haben möchten.<br />
ADAM BURTON<br />
Profitipp: Helen Dixon<br />
„Das Wetter ist bei uns in<br />
Großbritannien eins der beliebtesten<br />
Gesprächsthemen. Wir haben sehr<br />
veränderliche Wetterbedingungen<br />
– und schlechtes Wetter muss nicht<br />
unbedingt etwas schlechtes sein.<br />
Egal ob Sie es lieben oder hassen,<br />
Sie sollten das facettenreiche Klima<br />
schätzen lernen und die Ausrüstung<br />
für Regenwetter bereit halten!<br />
Viele von uns sind Schönwetter-<br />
Fotografen, aber ich habe gelernt,<br />
auch dann rauszugehen, wenn<br />
die Vorhersage nicht so günstig ist.<br />
Einige der besten Bedingungen findet<br />
man, wenn eine Kaltfront wieder<br />
abzieht. Der Übergang zwischen<br />
schlechtem und sich besserndem<br />
Wetter kann äußerst lohnenswert<br />
sein. Natürlich kann man dabei nass<br />
werden, wenn man darauf wartet,<br />
dass das beste Licht herauskommt,<br />
aber es kann sich lohnen. Seien<br />
Sie einfach gut vorbereitet! Ein<br />
dramatischer Himmel, flüchtiges<br />
Licht, Regenbögen und üppige<br />
Landschaften sind oft die Geschenke<br />
unseres unvorhersehbaren Wetters!<br />
Und vergessen Sie nicht, dass<br />
Sie nicht auf die goldene Stunde<br />
beschränkt sind. Sie können<br />
praktisch den ganzen Tag über<br />
fotografieren.“
EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
Landschaften 97<br />
Stellen Sie sich ein…<br />
Wenn Sie mit den<br />
Einstellungsmöglichkeiten vertraut<br />
sind, können Sie Ihre Kamera immer<br />
den Lichtverhältnissen anpassen.<br />
HELEN DIXON
98 Landschaften EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
Das Licht beherrschen (bei jedem Wetter!)<br />
Die Natur und Veränderlichkeit des Lichts zu verstehen, ist eine wesentliche Fähigkeit, die man lernen muss. Und<br />
geben Sie nicht auf, wenn das Wetter mal nicht mitspielt – Sie können trotzdem tolle <strong>Landschaftsfotos</strong> erzielen!<br />
TAGESZEIT<br />
Um großartige Landschaftsaufnahmen zu machen, müssen Sie zur<br />
rechten Zeit am rechten Ort sein. Die Lichtqualität kann der<br />
entscheidende Faktor für das Gelingen oder Scheitern Ihres Fotos<br />
sein. Sowohl die Tageszeit als auch Jahreszeit und Wetter können<br />
die Lichtqualität beeinflussen. Tagsüber erzeugt der hohe<br />
Sonnenstand ein grelles, unvorteilhaftes Licht – selbst wenn der<br />
Bildaufbau genau richtig war, ist das Ergebnis oft enttäuschend. In<br />
der Regel ist das Licht jeweils eine halbe Stunde vor bzw. nach<br />
Sonnenauf- und Sonnenuntergang am besten – während der so<br />
genannten „goldenen Stunden“ ist das Licht weich, warm und<br />
attraktiv, die niedrig stehende Sonne betont Strukturen und formt<br />
die Landschaft.<br />
Für großartige Landschaftsaufnahmen stellen Sie den Wecker früh<br />
morgens und bleiben bis spät abends draußen. Sie sollten<br />
wenigstens eine Stunde vor Sonnenaufgang vor Ort sein; der Glanz<br />
und die Intensität einer Morgendämmerung kann magisch sein,<br />
und sobald die Sonne am Horizont erscheint, ist die Lichtqualität<br />
perfekt. Am Ende des Tages ist das Licht ähnlich gut. Auch hier<br />
sollten Sie rechtzeitig kommen, um den richtigen Blickwinkel zu<br />
finden. Und packen Sie nicht zu früh wieder ein – das Abendrot<br />
nach Sonnenuntergang kann spektakulär sein! Denken Sie im<br />
Winter auch daran, dass die Sonne tiefer steht, sodass ihr Licht den<br />
ganzen Tag über brauchbar ist.<br />
LEE FROST<br />
ROSS HODDINOTT
EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
Landschaften 99<br />
LEE FROST<br />
ADAM BURTON<br />
DIE RICHTUNG DES LICHTS<br />
Eine Szene kann von vorne, seitlich oder von<br />
hinten beleuchtet sein. Die Lichtrichtung<br />
spielt eine entscheidende Rolle für die<br />
Bildqualität und Atmosphäre. Wird eine<br />
Landschaft von vorn ausgeleuchtet, fallen<br />
Schatten hinter das Motiv. Dies führt dazu,<br />
dass Strukturen und Formen weniger betont<br />
und die Ergebnisse flach und uninteressant<br />
werden. Wenn Sie bei Dämmerlicht ein<br />
Weitwinkelobjektiv verwenden, müssen Sie<br />
auch vermeiden, dass Ihr eigener Schatten<br />
ins Bild fällt.<br />
Der bevorzugte Stil von Fotografen ist oft eine<br />
niedrige Ausleuchtung von der Seite, denn<br />
dadurch werden Gestalt und Form der<br />
Landschaft aufgedeckt und sie hilft, den<br />
Fotos Tiefe zu verleihen. Vermeiden Sie, falls<br />
möglich, die Sonne in Ihren Bildaufbau<br />
einzubeziehen – außer, wenn sie indirekt<br />
durch eine Wolke, ein Gebäude oder Bäume<br />
scheint – denn ihre Intensität wird den<br />
Dynamikbereich der Kamera überschreiten<br />
und es gibt ein erhöhtes Risiko für<br />
Belichtungsfehler. Aber auch wenn<br />
Fotografen oft geraten wird, es zu vermeiden<br />
gegen die Sonne zu fotografieren, kann ein<br />
Gegenlicht eindrucksvolle und<br />
atmosphärische Ergebnisse erzeugen, mit<br />
Schatten, die auf einen zulaufen, Silhouetten<br />
erzeugen und Gestalt und Form betonen.<br />
NUTZEN SIE DAS WETTER SO GUT<br />
WIE MÖGLICH<br />
Das Wetter hat großen Einfluss auf das Aussehen,<br />
die Anmutung und Atmosphäre von<br />
Landschaftsbildern. Ob es sonnig, wolkig, neblig<br />
oder stürmisch ist, jedes Art von Wetter stellt ganz<br />
eigene Herausforderungen und Gelegenheiten. Es<br />
lässt sich kaum bezweifeln, dass das beste Wetter<br />
für die Freiluftfotografie eine Mischung aus Sonne<br />
und Regenschauern darstellt. Die Luft ist<br />
typischerweise klar und das Licht kann magisch<br />
sein, wenn die Sonne durch die Wolken bricht.<br />
Wenn Sie Glück haben, sehen Sie sogar einen<br />
Regenbogen, aber Sie müssen schnell arbeiten<br />
und die Verwendung eines Regenschutzes ist<br />
angebracht, um Ihre Ausrüstung trocken zu halten.<br />
Eine Wolke bildet oft ein Schlüsselelement in<br />
Landschaftsaufnahmen, denn sie macht die Bilder<br />
interessanter, verleiht ihnen Tiefe und<br />
möglicherweise Dramatik. Im Gegensatz dazu sind<br />
klare Himmel allgemein weniger attraktiv, denn sie<br />
sind eher langweilig und bieten ein ziemlich grelles<br />
Licht.<br />
An Tagen, an denen der Himmel leer ist, legen Sie<br />
den Schwerpunkt auf Vordergrundmotive und<br />
begrenzen Sie die Menge des Himmels im Bild.<br />
Stürmische Tage können sehr interessant sein.<br />
Wolken, Blätter und Vegetation werden vom Winde<br />
verweht und Sie können diese Bewegung<br />
einfangen, indem Sie eine lange Verschlusszeit<br />
verwenden – eventuell unter Zuhilfenahme eines<br />
soliden Graufilters – um die Bewegung des Motivs<br />
kreativ weich zu zeichnen. Auch wenn wir uns oft<br />
eine deutliche Klarheit wünschen, können Dunst<br />
und Nebel eine besondere Atmosphäre und<br />
Stimmung erzeugen. Tief liegender Nebel ist ganz<br />
besonders fotogen, denn er simplifiziert die<br />
Landschaft und reduziert Motive auf ihre einfachen<br />
Silhouetten. Klobige, interessante Objekte wie ein<br />
kahler Baum funktionieren oft besonders gut.<br />
Teleobjektive passen zu nebeligen<br />
Wetterbedingungen, denn sie verkürzen die<br />
Perspektive und ermöglichen es, interessante<br />
Motive zu betonen. Bei bewölktem Wetter passt<br />
Waldfotografie, denn das Licht wird hier angenehm<br />
durch die Wolkendecke gestreut. Graues Wetter<br />
kann auch gut zur Schwarzweiß-<strong>Fotografie</strong> passen<br />
und die Konsistenz des Lichts ist ideal, wenn Sie<br />
mit längeren Verschlusszeiten fotografieren<br />
möchten. Es gibt kein richtiges oder falsches Wetter<br />
– Sie müssen nur Motive wählen, die zum Wetter<br />
passen.<br />
Profi-Tipp: Lee Frost<br />
„Wenn ich losgehe, um Landschaften<br />
zu fotografieren, dann hasse ich es,<br />
nach Hause zu kommen, ohne etwas<br />
Anständiges im Kasten zu haben.<br />
Das Problem ist, dass die klassische<br />
farbige Landschaftsfotografie dermaßen<br />
abhängig von Licht und Wetter ist,<br />
dass die Chance, bei jeder Exkursion<br />
erfolgreiche Fotos zu schießen, äußerst<br />
gering ist. Um das zu umgehen, habe<br />
ich mir im Laufe der Jahre eine Reihe<br />
von Techniken und Ideen angeeignet,<br />
sodass ich bei jeder Art von Wetter<br />
interessante Bilder produzieren<br />
kann. Eine nahe liegende Methode<br />
ist es, von vornherein mit der Absicht<br />
zu fotografieren, die Bilder später<br />
in schwarzweiß zu konvertieren<br />
–Situationen, die für Farbbilder<br />
nicht passen, können großartig für<br />
eindrucksvolle Schwarzweißaufnahmen<br />
sein. Eine weitere Lieblingsmethode<br />
ist es, einen zehnstufigen Graufilter für<br />
lange Verschlusszeiten bei Tageslicht<br />
zu benutzen. Infrarot funktioniert gut,<br />
wenn das Licht grell ist. Wenn Sie nichts<br />
davon reizt, können Sie bei schlechtem<br />
Wetter noch den Joker spielen und<br />
Detailaufnahmen machen. Bewegen Sie<br />
sich nahe heran und fangen Sie Elemente<br />
der Landschaft ein – Muster und Struktur<br />
von Felsen gelingen dabei immer.“
100 Landschaften<br />
„Klassische“ Aufnahmetechniken<br />
Manchmal sind die alten Techniken die besten, wenn es darum geht, auch langweiligen<br />
Motiven etwas Flair zu verleihen. Ein Blick zurück… in Farbe und Schwarzweiß.<br />
LEE FROST<br />
Farbe und Schwarzweiß<br />
Die allermeisten Landschaftsaufnahmen sind heute in<br />
Farbe, da wir Charakter und Atmosphäre einer Szenerie<br />
realistisch darstellen wollen. Oft ist Farbe auch das<br />
wichtigste Element, und das gesamte Motiv steht und<br />
fällt mit der Farbdarstellung. Sonnenauf- oder<br />
Untergänge in Schwarzweiß sind absolut sinnlos, denn<br />
nahezu alles, was das Motiv ausmacht, geht verloren.<br />
Auch jahreszeitliche Farben sind eine unschätzbare<br />
Hilfe: die goldenen Herbsttöne, das üppige Grün von<br />
Frühling und Sommer. Farben haben großen Einfluss<br />
darauf, wie Menschen auf ein Bild reagieren. Weiche,<br />
harmonische Farben wirken beruhigend und vermitteln<br />
Gelassenheit. Die grelle Farbe eines Rapsfeldes gegen<br />
den blauen Himmel dagegen schafft einen kraftvollen<br />
Kontrast, der die Sinne anregt.<br />
Schwarzweißbilder sind demgegenüber ein<br />
geradlinigeres, einfacheres Medium. Nehmen Sie die<br />
Farbe heraus, und Sie entfernen sich ein gutes Stück<br />
von der Realität.<br />
Das Schwarzweißbild entkleidet die Landschaft, macht<br />
sie nackt, und der visuelle Eindruck ist völlig anders.<br />
Oberflächen, Linien und Formen treten in den<br />
Vordergrund, auch Licht und Schatten erhalten<br />
Priorität. Durch konvertieren eines Fotos in<br />
Schwarzweiß bringen Sie die Dramatik schlechten<br />
Wetters oft viel besser zur Geltung, als es Farbe je<br />
könnte. Das gilt auch für diese grauen, trostlosen<br />
Novembertage, an denen man eigentlich nur nach<br />
Hause ins Warme will. Die Schwarzweißfotografie<br />
verlangte viel Zeit und man musste etliche Fähigkeiten<br />
beherrschen, denn man musste den Film selbst<br />
entwickeln und auch die Abzüge selbst produzieren,<br />
weil ein Fotolabor Schwarzweißbilder nahezu immer<br />
ruinierte. Im Digitalzeitalter jedoch ist die<br />
Schwarzweißtechnik für alle zugänglich, auch wenn sie<br />
sich „nur“ im Computer abspielt.<br />
Panoramen<br />
Wir alle sind an rechteckige Fotos gewöhnt, doch viele<br />
Landschaften kommen erst in der Panorama-Ansicht<br />
wirklich gut zu Geltung. In den alten Tagen des Films<br />
hätte man dafür eine extrem teure Spezialkamera<br />
gebraucht, doch heute können Sie qualitativ hochwertige<br />
Panoramabilder mit einer handelsüblichen<br />
Spiegelreflexkamera aufnehmen. Sie verfügen über einen<br />
Panoramamodus, bei dem Sie die Kamera sanft über die<br />
aufzunehmende Szene schwenken, wobei automatisch<br />
eine Bildsequenz geschossen wird, die anschließend<br />
ohne Ihr weiteres Zutun zu einem Panoramabild<br />
zusammengeführt wird.<br />
Der Vorgang ist einfach durchzuführen, und die<br />
Ergebnisse können überraschend gut sein. Doch für<br />
optimale Qualität sollten Sie eine Bildsequenz schießen,<br />
deren Einzelbilder später am Computer<br />
zusammengeführt werden. Dafür gibt es mehrere<br />
Programme, unter anderen Photoshop von Adobe und<br />
PanoramaPlus X4 von Serif.<br />
Auf jeden Fall sollten Sie ein Stativ benutzen, die<br />
Belichtung messen, und die Kamera in den manuellen<br />
Modus schalten. Das stellt sicher, dass jedes Bild gleich<br />
belichtet wird und dass es sich überlappende Bereiche<br />
gibt, die groß genug sind, die Einzelbilder nahtlos<br />
aneinander anzupassen. Der Computer erledigt dann<br />
den Rest.<br />
ISTOCK PHOTO ISTOCK PHOTO
Kein Widerspruch:<br />
Bewegung und<br />
Landschaften<br />
Auch wenn es nicht so aussieht, eine Landschaft ist<br />
voller Bewegung: Wasser, Wolken, Laubbäume,<br />
Getreidefelder beispielsweise. Die Bewegungen<br />
sollten entweder „eingefroren“ oder bewusst stark<br />
„verwischt“ werden. Alles was zwischen diesen<br />
beiden Extremen liegt, sieht mehr oder weniger<br />
verwackelt aus und verdirbt daher das Bild. Wie Sie<br />
in welcher Situation vorgehen, hängt vom Motiv ab,<br />
vom vorhandenen Licht, dem Effekt, den Sie erzielen<br />
wollen und damit auch zu einem guten Teil vom<br />
persönlichen Geschmack.<br />
Wie die Bewegung sich auf dem Foto darstellt, hängt<br />
von der Verschlusszeit ab. Eine kurze Verschlusszeit<br />
friert das Bild ein, eine Lange Verschlusszeit<br />
verwischt die sich bewegenden Bildelemente. Die<br />
genaue Verschlusszeit hängt ab von der Art und<br />
Weise der Bewegung. Als Faustregel kann man sich<br />
merken: Verschlusszeiten von 1/250 Sekunde und<br />
kürzer frieren die Bewegung ein, und alles was länger<br />
ist als 1/4 Sekunde, lässt Bewegungen<br />
verschwimmen.<br />
In der Praxis ist es einfacher, Bewegungen zu<br />
verwischen, weil man in der Regel nicht die besten<br />
Lichtverhältnisse hat und deshalb durch kleine<br />
Blenden die Schärfentiefe optimiert. Auch vom<br />
ästhetischen Standpunkt aus macht sich kreativ<br />
verwischte Bewegung meistens besser im Bild, weil<br />
sie eher mit Lebendigkeit und Zeitablauf assoziiert<br />
wird als die „eingefrorene“ Starre des Augenblicks.<br />
Wasser ist immer ein dankbares Motiv. Flüsse,<br />
Wasserfälle und Meer bekommen einen ganz<br />
anderen Charakter, wenn sie mit langen<br />
Belichtungszeiten aufgenommen werden, und<br />
Wasser nimmt ein milchig weiches Erscheinungsbild<br />
an.<br />
Bei schlechten Lichtverhältnissen ist es kein Problem,<br />
Belichtungszeiten zu verwenden, die lang genug sind<br />
– kleine Blende und geringer ISO-Wert sorgen dafür.<br />
Ist das Licht jedoch sehr hell, brauchen Sie<br />
womöglich einen Graufilter, um die Belichtungszeit<br />
zu verlängern. Ein dreistufiger Filter (0,9 ND) sollte in<br />
den meisten Fällen ausreichen. Erinnern wir uns:<br />
Eine Stufe nach unten oder oben bedeutet die<br />
Halbierung oder Verdoppelung der Belichtungszeit.<br />
Brauchen Sie ohne Filter also 1/8 Sekunde<br />
entsprechend Ihrer Messung, verlängert der<br />
dreistufige Graufilter die Zeit auf eine Sekunde.<br />
Das Messsystem der Kamera gleicht den Graufilter<br />
automatisch aus. Ein 10-stufiger Filter ist ideal, wenn<br />
Sie die Bewegungen in Ihrem Motiv stark<br />
hervorheben wollen.<br />
ADAM BURTON<br />
Erwarten Sie allerdings nicht die besten Resultate,<br />
nur weil Sie die längste mögliche Verschlusszeit<br />
benutzen, denn bei sehr langen Verschlusszeiten<br />
gehen Details und Oberflächenstrukturen verloren.<br />
Kurze Zeiten sind oftmals besser, besonders bei<br />
Szenen an der See, wenn die Flut hereinkommt und<br />
die Felsen an der Küste umströmt. Mit 1/2 Sekunde<br />
und wenn Sie genau dann auslösen, wenn eine Welle<br />
die vorderen Felsen erreicht, fangen Sie genug<br />
Bewegung des Wassers ein, um das Interesse des<br />
Betrachters zu erwecken, und den Detailreichtum<br />
des Bildes zu erhalten und die Oberflächen natürlich<br />
aussehen zu lassen. Experimentieren Sie einfach mit<br />
unterschiedlichen Zeiten; die Erfahrung bringt die<br />
Urteilsfähigkeit mit sich, die Sie brauchen, um auf<br />
Anhieb genau den gewünschten Effekt zu erreichen.<br />
Langzeitbelichtungen können auch<br />
Wolkenbewegungen gut verwischen. Das sieht<br />
besonders schön aus, wenn die Wolken in Richtung<br />
der Kamera ziehen, und gibt dem Bild mehr Tiefe.<br />
Auch Getreidefelder – überhaupt jegliche Vegetation<br />
– macht sich gut, wenn Landschaften sonst eher<br />
statisch aussehen. Wellenförmig sich wiegender<br />
Weizen und biegende Äste nehmen Sie am besten<br />
mit Zeiten von ein bis zwei Sekunden auf. Machen<br />
Sie ruhig mehrere Sequenzen, dann wird schon eine<br />
dabei sein, die passt.
102 Foto-Technik EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
Grundlagen der Farbe<br />
WENN SIE DIESE GRUNDLAGEN VERSTANDEN HABEN, SIND SIE SCHON AUF DEM BESTEN<br />
WEG, FARBEN IN IHREN BILDERN RICHTIG EINZUSETZEN. LASSEN SIE UNS BEGINNEN…<br />
Der Farbkreis<br />
LEE FROST<br />
LEE FROST<br />
HARMONISCHE FARBEN<br />
Die Farben, die im Farbkreis eng nebeneinander<br />
liegen, harmonieren gut miteinander. Blau und<br />
Grün, Grün und Gelb, Rot und Purpur, Orange und<br />
Gelb – das sind alles unmittelbare Nachbarn im<br />
Farbkreis, die gut zusammenpassen. Auch alle<br />
Farben auf der warmen Seite des Farbkreises – also<br />
Purpur, Rot, Orange und Gelb – harmonieren<br />
miteinander, genauso wie die Farben auf der<br />
kühleren Seite, Blau, Violett und Grün.<br />
<strong>Fotografie</strong>n, die aus harmonischen Farben bestehen,<br />
sind erholsamer beim Betrachten und angenehmer<br />
für die Augen – sie haben eher einen beruhigenden<br />
Effekt, anstatt unsere visuelle Wahrnehmung<br />
herauszufordern. Denken Sie nur einmal an die<br />
wunderschönen warmen Farben – Rot-, Gelb-,<br />
Orange- und Brauntöne – eines herbstlichen<br />
Laubwaldes, oder die weichen Farbschattierungen<br />
der Landschaft, wenn Nebel oder Dunst das Licht<br />
streuen und alle Farben auf weiche Töne reduziert<br />
werden.<br />
Man kann aber auch tolle Fotos einer Szenerie<br />
machen, die nur eine einzige Farbe beinhaltet, oder<br />
die gleiche Farbe in unterschiedlichen<br />
Schattierungen. Weiches, diffuses Licht erzeugt<br />
diesen Effekt in der Natur und bringt die Farben in<br />
einer Szene näher zueinander. Bei Tagesanbruch<br />
und dunstigem Wetter dringt die Farbe des Lichts<br />
durch den Dunst und beherrscht die Szene. Vor dem<br />
Sonnenaufgang ist dieses Licht blau, weil die<br />
Farbtemperatur des Lichts hoch ist, aber sie lässt<br />
rasant nach, während der Sonnenaufgang näher<br />
rückt und wechselt dann schnell von kalt zu warm,<br />
wenn weiche Orange- und Gelbtöne übernehmen.<br />
In Situationen, in denen die Farbsättigung reduziert<br />
ist, erscheinen selbst Farben, die normalerweise<br />
kontrastieren, harmonisch, denn die Stimmung<br />
solcher Bilder ist in aller Regel ruhig und beschaulich.<br />
Solche Farben erzeugen bei uns also eher ein Gefühl<br />
der Entspannung als eines der Anspannung oder<br />
Herausforderung. Je weicher die Farben sind, desto<br />
mehr wird diese Harmonie betont, bis hin zu dem<br />
Stadium, in dem das Bild insgesamt fast einfarbig<br />
wirkt.<br />
KONTRASTFARBEN<br />
Während die Farbharmonie uns zu beruhigenden,<br />
entspannenden Bildern verhilft, machen Kontrastfarben<br />
genau das Gegenteil – sie erzeugen kräftige,<br />
dramatische Bilder, die unsere Aufmerksamkeit auf sich<br />
ziehen und unsere visuellen Sinne herausfordern.<br />
Kräftige Farben regen an und stimulieren. Wenn in<br />
Ihrem Bild zwei Farben aufeinandertreffen, die um die<br />
Aufmerksamkeit des Betrachters konkurrieren, wird<br />
dieser Effekt noch verstärkt, und es kommen<br />
verblüffende Bilder dabei heraus.<br />
Entscheidend dabei ist, dass Sie die Sache einfach<br />
halten. Idealerweise beschränken Sie sich auf zwei<br />
Farben – auf keinen Fall mehr als drei – weil sonst der<br />
Effekt abgeschwächt wird. Und achten Sie darauf, dass<br />
diese Farben sich im Farbkreis gegenüberstehen.<br />
Warme Farben wie Rot oder Gelb kontrastieren am<br />
stärksten mit kühlen Farben wie Blau oder Grün. Den<br />
stärksten Farbkontrast erzielen Sie zwischen Blau und<br />
Gelb, aber auch der Kontrast zwischen Rot und Grün ist<br />
sehr kräftig. Und bei allen Kombinationen gilt: je<br />
lebendiger und satter die Farben sind – insbesondere<br />
wenn alle gleich oder ähnlich hell sind – desto<br />
beeindruckender ist der Kontrast. Ein sattes Blau hebt<br />
sich von einem blassen Gelb zum Beispiel nicht so gut<br />
ab wie von einem satten Gelb.<br />
Diese Kontraste sind mit geringem Aufwand am<br />
einfachsten zu finden: eine rote Blume, umgeben von<br />
saftig grünem Gras im Sonnenschein, eine gelbe Tür<br />
oder ein gelbes Auto vor einem tiefblauen Himmel.<br />
Solche Szenen sind auch leicht nachzubilden – stellen<br />
Sie einen gelben Eimer vor eine blaue Tür, oder ein rotes<br />
Auto vor eine grüne Hecke. Probieren Sie auch<br />
verschiedene Objektive aus. Mit einem Teleobjektiv<br />
können Sie Farben isolieren und die Perspektive so<br />
komprimieren, dass die einzelnen Bildelemente näher<br />
zusammenrücken, als sie es in Wirklichkeit sind. Mit<br />
einem Weitwinkelobjektiv wird auch die kleinste<br />
Änderung des Standpunkts die Beziehung zwischen<br />
einzelnen Bildelementen verändern, und es ist auch<br />
einfacher, etwas vor einem blauen Himmel zu<br />
fotografieren, wenn man ein Weitwinkelobjektiv nutzt<br />
und von einem niedrigeren Standpunkt aus nach oben<br />
fotografiert.<br />
Am einfachsten versteht man die<br />
Wirkung von Farben, wenn man sich<br />
den Farbkreis anschaut, der alle<br />
Farben des Spektrums enthält. Am<br />
Farbkreis können Sie sehen, dass<br />
manche Farben gut zusammen<br />
harmonieren, während andere sich<br />
beißen oder kontrastieren.<br />
PRIMÄRFARBEN: die reinen<br />
Farbtöne Rot, Gelb und Blau.<br />
SEKUNDÄRFARBEN: werden<br />
gebildet, indem man zwei andere<br />
Farben zusammenmischt, wie zum<br />
Beispiel Orange und Violett.<br />
KONTRASTFARBEN: zwei Farben,<br />
die einander auf dem Farbkreis<br />
gegenüber liegen.<br />
FARBEN, DIE „ZURÜCKTRETEN” UND<br />
„HERVORTRETEN”<br />
Farben harmonieren und kontrastieren nicht nur, sie<br />
können auch „zurücktreten” und „hervortreten”. Das<br />
hat damit zu tun, wie unterschiedliche Farben<br />
gegeneinander arbeiten. Warme Farben wie Rot, Gelb<br />
und Orange gelten als „hervortretend”, denn sie heben<br />
sich auffallend ab, während kühle Blau- und<br />
Grüntöne „zurücktreten”, weil sie uns an weite, offene<br />
Flächen erinnern – das Meer, der Himmel, die<br />
Landschaft – und eher die Kulisse für alles andere<br />
bilden.<br />
Sie können diese Eigenschaften in Ihren Fotos sinnvoll<br />
nutzen. Wenn Sie eine warme Farbe mit einer kühlen<br />
Farbe kombinieren, wird die wärmere Farbe<br />
dominieren, auch wenn sie nur ganz gering<br />
vorhanden ist, und die kühlere Farbe wird einen<br />
attraktiven Hintergrund bilden. Das heißt, dass Blauund<br />
Grüntöne idealerweise für den Hintergrund<br />
verwendet werden und Rot-, Gelb- und Orangetöne<br />
im Vordergrund vorherrschen sollten. Wenn Sie diese<br />
Kombination jedoch ganz absichtlich umkehren,<br />
verwirren sie die Sinne und erzeugen ganz<br />
erstaunliche Bilder.<br />
LEE FROST
EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
Foto-Technik 103<br />
LEE FROST<br />
Der direkteste Weg zu<br />
stimmungsvollen Bildern führt<br />
über Farben, die beim<br />
Betrachter Emotionen wecken.<br />
Polfilter<br />
Wenn sie das Beste aus den Farben Ihrer<br />
Bilder herausholen möchten, gehört<br />
ein Polfilter zu Ihren wichtigsten<br />
Zubehören. Blau bildet einen<br />
großartigen Hintergrund für<br />
wärmere Farben, und es gibt kein<br />
besseres Blau als das des Himmels<br />
– und der erscheint tiefblau und<br />
dramatisch, wenn Sie ihn bei<br />
sonnigem Wetter durch einen<br />
Polfilter fotografieren. Ein Polfilter<br />
unterdrückt auch Reflexionen von<br />
nichtmetallischen Oberflächen, so<br />
dass die Farbsättigung erhöht wird. Das<br />
funktioniert sogar an trüben Tagen und ganz besonders gut<br />
bei Waldaufnahmen. Wenn Sie nicht sicher sind, versuchen<br />
Sie es erst einmal mit dem Polfilter – Sie können ihn immer<br />
noch abnehmen, wenn er keinen großen Unterschied<br />
macht, aber in den meisten Fällen wird er das tun. Achten<br />
Sie darauf, dass die Sonne im rechten Winkel zur Kamera<br />
steht, um die besten Ergebnisse zu erzielen, und drehen Sie<br />
den Polfilter auf Ihrem Objektiv so lange, bis Sie den<br />
gewünschten Effekt erzielen.<br />
LEE FROST
104 Foto-Technik EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
Farbsymbolik<br />
FARBE HAT DIE MACHT DER SUGGESTION UND KANN IN IHREN FOTOS<br />
GEWISSE STIMMUNGEN UND GEFÜHLE ERZEUGEN<br />
Schwarz und Weiß<br />
ROT ist die lauteste aller Farben und hebt sich von<br />
jeder anderen Farbe ab wie ein bunter Hund. Das ist der<br />
Grund, warum so viele Menschen rote Autos fahren oder<br />
rote Kleidung tragen: Sie möchten bemerkt werden. Rot<br />
erinnert uns an Blut, Leidenschaft, Gefahr, Liebe und<br />
Hitze. Rot knistert vor Aufregung und sticht ins Auge, wo<br />
auch immer es erscheint.<br />
Im positiven fotografischen Sinne erzeugt Rot<br />
Aufmerksamkeit und kann ein Bild selbst in einer kleinen<br />
Dosierung dominieren. Eine einzelne rote Tulpe in einem<br />
Meer von gelben Blumen wird das augenfälligste<br />
Element im Bild sein und kann einen nützlichen<br />
Blickpunkt darstellen. Ebenso kann etwas Rotes, das<br />
zufällig auf das Bild gerät, wie zum Beispiel ein in der<br />
Entfernung geparktes Auto, die ganze Aufnahme<br />
ruinieren. Denn sobald Sie es bemerken, werden Sie<br />
nicht in der Lage sein, die Augen davon abzuwenden.<br />
Zeit, das Kopierstempel-Werkzeug zum Einsatz zu<br />
bringen!<br />
Bilder, die hauptsächlich oder ausschließlich aus roten<br />
Farbtönen bestehen, erzeugen Spannung und<br />
Aufregung, denn sie bringen unsere unbewussten<br />
Alarmglocken zum Läuten – denken Sie an die<br />
Ausdrücke „rot vor Zorn“ oder „wie ein rotes Tuch sein“.<br />
LEE FROST LEE FROST<br />
BLAU kann je nach Situation ganz<br />
verschiedene Bedeutungen haben. Auf der einen<br />
Seite ist es eine ruhige, gelassene, selbstbewusste,<br />
hoheitsvolle, verlässliche, stabile Farbe – „blaues<br />
Blut“ ist ein Ausdruck, der eine adlige Herkunft<br />
beschreibt. Es symbolisiert auch Frische, den<br />
Himmel, das Meer, Wasser, Freiheit und große<br />
Freiflächen. Auf der anderen Seite kann Blau eine<br />
kalte, traurige Farbe sein, die Depression,<br />
Einsamkeit und Kälte symbolisiert. Es kann eine<br />
launische, rätselhafte, geheimnisvolle Farbe sein.<br />
Denken Sie daran, wie Blau verwendet wird, um<br />
Gefühle auszudrücken – „das blaue Wunder<br />
erleben“ oder „sich grün und blau ärgern“.<br />
Eine nebelige oder winterliche Landschaft<br />
repräsentiert visuell die negativeren Aspekte der<br />
blauen Farbe, während eine Aufnahme des klaren,<br />
blauen Meeres und Himmels einen positiveren<br />
Einfluss haben wird. Verwenden Sie die<br />
Weißabgleich-Einstellung „Wolfram“ auf Ihrer<br />
digitalen Spiegelreflexkamera um Ihren Tageslicht-<br />
Aufnahmen einen kühlen Blaustich zu verleihen<br />
und einen Polfilter, um die Farbe des Meeres und<br />
des Himmels bei sonnigem Wetter zu verstärken.<br />
LEE FROST HELEN DIXON<br />
Schwarz gilt in der Regel nicht als Farbe;<br />
dennoch ist es eine mit symbolischem<br />
Wert. Schwarz erinnert an Geheimnis,<br />
Furcht, Magie, Macht, Leere, Dunkelheit,<br />
Übel, Tod, Wut, Reue, Schuld, Traurigkeit<br />
und Trauer. Das sind hauptsächlich<br />
negative Symbole, aber es kann auch<br />
Reichtum, Stil, Niveau und Eleganz<br />
repräsentieren.<br />
Weiß ist ebenfalls eine Farbe und<br />
symbolisiert Reinheit, Einfachheit, Platz,<br />
Sauberkeit, Frieden, Licht, Geburt,<br />
Unschuld, Schnee, Sterilität und<br />
Eheschließung. Fotografisch kann Weiß<br />
eingesetzt werden, um einen leeren Raum<br />
in einem Bild zu erzeugen, sodass das<br />
Motiv Raum zum Atmen hat und um<br />
aufgrund der Einfachheit ein Gefühl von<br />
Ruhe einzusetzen.<br />
HELEN DIXON<br />
LEE FROST<br />
GRÜN suggeriert Frische, neues Leben und<br />
Reinheit. Es ist eine entspannende,<br />
besänftigende Farbe, die uns an Wälder, Felder<br />
und Hügel, die Natur, Umwelt, Glück,<br />
Gesundheit, Jugend und Lebenskraft erinnert.<br />
Ein Polfilter sättigt die grünen Farben in einer<br />
Landschaft und in Wäldern, um diesen Effekt zu<br />
verstärken. Frühling ist die ideale Jahreszeit, um<br />
das Grün in der Natur zu fotografieren, denn<br />
neue Gewächse sind voller Frische und Vitalität.<br />
Grün kann auch negative Anwandlungen haben,<br />
wie zum Beispiel „grün vor Neid“ oder es kann<br />
Unerfahrenheit suggerieren („grün hinter den<br />
Ohren“), aber es nicht so einfach, diese Gefühle<br />
in einem Foto zu vermitteln.<br />
GELB ist die Farbe der Sonne. Es ist eine starke,<br />
tröstliche Farbe, Symbol für Freude, Glück,<br />
Optimismus, Sommer, Sonnenschein, Wärme und<br />
Reichtum. Ähnlich wie Rot ist Gelb fotografisch<br />
gesehen eine sehr mächtige Farbe. Denken Sie an ein<br />
Feld voller Rapsblüten, die sich im prallen Sonnenlicht<br />
wiegen, oder an den goldenen Himmelskörper der<br />
untergehenden Sonne. Eine Hintergrundbeleuchtung<br />
mit niedrig stehender Sonne verleiht Bildern oft einen<br />
weichen Gelbton und Felder voller gelber Blumen oder<br />
goldenem Mais ergeben tolle Bilder.<br />
Gelb ist auch schon für sich allein betrachtet ein echter<br />
Hingucker, also achten Sie auf gelbe Farben – zum<br />
Beispiel eine Kiste Zitronen oder Bananen auf dem<br />
Markt.<br />
GRAU suggeriert Sicherheit, Verlässlichkeit,<br />
Reife, Bescheidenheit, Würde, Intelligenz,<br />
Ruhe und Neutralität, aber es kann auch<br />
Traurigkeit und Langeweile symbolisieren.<br />
ORANGE ist eine laute Farbe, die Energie,<br />
Wärme, Trost, Ausgeglichenheit, Frische,<br />
Ausstrahlung und Enthusiasmus symbolisiert.<br />
ROSA hat die Bedeutung von Liebe,<br />
Romantik, Weiblichkeit, Zärtlichkeit, Ruhe,<br />
Sanftheit und Fürsorge.<br />
BRAUN ist für Fotografen nicht sonderlich<br />
attraktiv, aber es repräsentiert die Erde, Natur,<br />
frische Luft, Robustheit und Stabilität.
EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
Foto-Technik 105<br />
Blau ist die Farbe...<br />
Möchten Sie die Kälte betonen?<br />
Dann fügen Sie Ihren Bildern<br />
für maximale Wirkung eine<br />
blaue Schattierung zu.
106 Foto-Technik EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
Die Farbe des Lichts<br />
WENN SIE DIE THEORIE VON FARBTEMPERATUREN UND WEISSABGLEICH VERSTEHEN, ERZIELEN SIE<br />
PERFEKTE ERGEBNISSE …<br />
DAS LICHT IM sichtbaren Spektrum – das<br />
Licht, das wir mit bloßem Auge erkennen<br />
können – besteht aus Wellenlängen, die von<br />
warm bis kalt reichen. Die Sequenz dieser<br />
Wellenlängen ist gut in einem Regenbogen zu<br />
sehen, der entsteht, wenn die Sonne durch den<br />
fallenden Regen scheint und die Regentropfen<br />
das Licht in seine individuellen Farben aufteilen<br />
– Rot, Orange, Gelb, Grün, Blau, Indigo und<br />
Violett, insgesamt sieben Farben.<br />
Die Farbe eines Objektes entsteht, weil die<br />
Oberfläche des Objekts bestimmte<br />
Wellenlängen des Lichts absorbiert und andere<br />
reflektiert.<br />
Ein rotes Auto sieht rot aus, weil die Farbe nur<br />
rotes Licht reflektiert und alle anderen Farben<br />
absorbiert. Laub sieht grün aus, weil es grüne<br />
Wellenlängen reflektiert. Wenn ein Objekt mehr<br />
als eine Farbe reflektiert, ist die Farbe, die wir<br />
sehen, eine Kombination dieser Wellenlängen<br />
– orange entsteht also dann, wenn sowohl rote<br />
als auch gelbe Wellenlängen reflektiert werden.<br />
Das Licht selbst kann auch eine bestimmte<br />
Farbe annehmen. Wenn alle Farb-<br />
Wellenlängen im sichtbaren Spektrum in<br />
gleicher Menge vorhanden sind, ist das<br />
Ergebnis weißes oder neutrales Licht. Sie<br />
finden dies bei klarem, sonnigem Wetter mitten<br />
am Tag. Oft besteht jedoch ein<br />
Ungleichgewicht, bei dem einige Wellenlängen<br />
stärker vorhanden sind als andere, und dies<br />
verändert die „Farbe“ des Lichts.<br />
Bei Sonnenauf- und -untergang zum Beispiel<br />
ist das Licht sehr warm, weil die Wellenlängen<br />
am kühleren Ende des Spektrums – blau und<br />
grün – auf der Reise des Lichts von der Erde zur<br />
Sonne von der Atmosphäre absorbiert werden,<br />
daher gibt es eine höhere Konzentration von<br />
rotem und gelbem Licht.<br />
Bei trübem Wetter oder in großer Höhe in<br />
Gebirgsregionen werden Wellenlängen am<br />
roten Ende des Spektrums absorbiert, sodass<br />
das Licht bläulicher erscheint. Künstliches<br />
Licht hat außerdem eine ganz unterschiedliche<br />
ursprüngliche Farbe. Das Wolfram-Licht von<br />
Glühbirnen hat eine gelbe/orange Farbe,<br />
während fluoreszierendes Licht grün und<br />
Neonlicht rot ist.<br />
FARBTEMPERATUR<br />
Variationen in der Farbe des Lichts werden als<br />
Farbtemperatur bezeichnet. Dazu wird ein System, das<br />
als Kelvin-Skala (K) bekannt ist, verwendet. Der Begriff<br />
Temperatur wird verwendet, weil sich die Farbe des<br />
Tageslicht auf genau die gleiche Art verändert wie eine<br />
Substanz, die erwärmt wird. Erhitzen Sie einen<br />
Eisenstab und er wird irgendwann rot glühen, dann<br />
orange bis gelb bis er ganz weiß und heiß ist. Darüber<br />
hinaus würde der Stab schmelzen, aber wenn er das<br />
nicht tun würde und die Temperatur weiter ansteigen<br />
würde, wäre er irgendwann blau. Je kühler das Licht<br />
ist, desto höher ist daher die Farbtemperatur. Und je<br />
wärmer es ist, desto niedriger ist die Farbtemperatur.<br />
Lassen Sie sich jedoch nicht verwirren. Farbtemperatur<br />
hat nichts mit Hitze zu tun – es bezieht sich lediglich<br />
auf die tatsächliche Farbe des Lichts.<br />
Ein durchschnittliches Tageslicht zur Mittagszeit –<br />
klares, sonniges Wetter mitten am Tag – hat eine<br />
Farbtemperatur von etwa 5.500 K. Ein elektronischer<br />
Blitz hat ebenfalls eine Farbtemperatur von 5.500 K.<br />
Bewölktes oder bedecktes Wetter erzeugt ein kühleres<br />
Licht mit einer Farbtemperatur von etwa 7.000 K. Und<br />
wenn Sie im Schatten unter klarem, blauem Himmel<br />
fotografieren oder in den Bergen, wo es eine größere<br />
Konzentration von ultraviolettem Licht gibt, kann die<br />
Farbtemperatur 10.000 K oder mehr betragen.<br />
Am anderen Extrem ist die Farbtemperatur des<br />
Tageslicht bei Sonnenauf- und -untergang wesentlich<br />
niedriger – bis auf 2.000 - 3.500 K. Das erhöht sich<br />
nach und nach am Vormittag, bis die Farbtemperatur<br />
am Mittag einen „neutralen“ Wert von 5.500 K<br />
erreicht. Anschließend sinkt die Farbtemperatur am<br />
Nachmittag wieder, bis die Sonne am Himmel<br />
verschwindet und das Licht sich wieder erwärmt.<br />
Bei künstlichen Lichtquellen ist der Unterschied der<br />
Farbtemperatur im Vergleich zu „durchschnittlichem<br />
Tageslicht am Mittag“ im allgemeinen sehr groß.<br />
Wolfram-Glühbirnen, die am weitesten verbreitete<br />
Form von künstlichem Licht, haben eine<br />
Farbtemperatur von etwa 2.800 K, während das Licht<br />
einer Kerzenflamme so niedrig wie 1.800 K liegen<br />
kann.<br />
LEE FROST LEE FROST<br />
Oben rechts & rechts: Derselbe Schauplatz vom<br />
selben Standpunkt aufgenommen, aber zu<br />
verschiedenen Tageszeiten. Ist es nicht<br />
erstaunlich, wie die Farben die Atmosphäre des<br />
Bildes komplett verändern?
EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
Foto-Technik 107<br />
ROSS HODDINOTT<br />
Akkurate Farben<br />
Meistens macht es nicht viel aus, wenn die<br />
Farbbalance nicht zu 100% perfekt ist –<br />
Veränderungen in der Farbtemperatur des Lichts<br />
können Bilder meist eher verbessern als ruinieren.<br />
Es gibt jedoch Situationen, in denen die Farben<br />
absolut akkurat seien müssen – zum Beispiel bei<br />
der Kopie eines Kunstwerks oder bei Hauttönen<br />
zum Beispiel. So geht es:<br />
1) Legen Sie eine Farbtabelle neben das Objekt<br />
und fotografieren Sie beides nebeneinander.<br />
2) Öffnen Sie die Raw-Datei in ACR oder einer<br />
ähnlichen Software und machen Sie<br />
Anpassungen in der Belichtung des Bildes.<br />
3) Verwenden Sie das Weißabgleich-Werkzeug<br />
(Pipette) auf dem Bild der Farbtabelle, um<br />
akkurate Farben zu produzieren.<br />
1<br />
Tageslicht<br />
WEISSABGLEICH<br />
Unsere Augen können sich an Änderungen der Farbe des<br />
Lichts anpassen, sodass alles mehr oder weniger normal<br />
aussieht – man nennt dies auch chromatische Adaption.<br />
Aber der Sensor unserer digitalen Spiegelreflexkamera ist<br />
nicht ganz so schlau und nimmt die Farbtemperatur so<br />
auf, wie sie tatsächlich ist – und das kann zu<br />
unerwünschten Farbstichen führen. Licht von Glühbirnen<br />
hat zum Beispiel einen starken gelb/orangen Farbstich.<br />
Um dies zu vermeiden hat Ihre digitale<br />
Spiegelreflexkamera eine Reihe von Weißabgleich (WB)<br />
Einstellungen, mit denen Sie natürlich aussehende Bilder<br />
bei unterschiedlichen Lichtverhältnissen aufnehmen<br />
können.<br />
Viele von uns lassen den Weißabgleich an unserer<br />
digitalen Spiegelreflexkamera auf Automatik (AWB)<br />
eingestellt. Dabei handelt es sich eher um eine Schätzung,<br />
bei der die Kamera versucht, die Farben so natürlich wie<br />
möglich aufzuzeichnen, wenn die Farbtemperatur in<br />
einem Bereich von 3.000 bis 7.000 K liegt. Meist sind die<br />
Ergebnisse recht ordentlich, insbesondere bei Fotos, die<br />
draußen in Tageslicht aufgenommen wurden. Aber wenn<br />
die Farbtemperatur außerhalb dieses Bereichs liegt, ist ein<br />
Farbstich ziemlich wahrscheinlich. In diesen Situationen<br />
können andere Weißabgleich-Voreinstellungen verwendet<br />
werden, um einen Farbstich zu vermeiden (siehe unten).<br />
Wenn Sie im Raw-Format fotografieren, ist die Korrektur<br />
eines Farbstichs in dieser Aufnahmephase nicht so<br />
wichtig, denn Sie können die Farbtemperatur auch bei der<br />
Wolkig Glühbirne Neonlicht<br />
Nachbearbeitung der Raw-Datei verändern, indem Sie<br />
Voreinstellungen wie Tageslicht, Wolkig, Schatten etc.<br />
verwenden oder den Kelvin-Schieberegler auf eine<br />
spezielle Temperatur einstellen.<br />
Natürlich müssen Sie nicht immer nach dem perfekten<br />
Farbabgleich streben – Farbtemperatur und Weißabgleich<br />
können auch zu kreativen Zwecken verändert werden.<br />
Wenn Sie bei Tageslicht fotografieren und die<br />
Weißabgleich-Einstellung Ihrer Kamera zum Beispiel auf<br />
Wolfram eingestellt haben, erhalten die Bilder einen<br />
kühlen Blaustich – das kann bei schlechtem Wetter oder<br />
Dunst und Nebel sehr effektiv sein. Der gleiche Effekt kann<br />
auch während der Verarbeitung der Raw-Datei hinzugefügt<br />
werden. Wenn Sie die floureszierende Weißabgleich-<br />
Einstellung im Tageslicht verwenden, erhalten Ihre Bilder<br />
einen Magenta-Stich, der insbesondere bei niedrigen<br />
Lichtverhältnissen und Nachtszenen, die hauptsächlich<br />
durch Licht am Himmel beleuchtet werden, gut<br />
funktioniert.<br />
Wenn Sie ein Bild aufwärmen möchten, verwenden Sie<br />
eine Weißabgleich-Einstellung, die für eine Verwendung<br />
von Licht mit hoher Farbtemperatur konzipiert wurde.<br />
Bilder, die bei Sonnenaufgang oder -untergang<br />
aufgenommen wurden, sehen mit dem Tageslicht-<br />
Weißabgleich zum Beispiel wärmer aus und noch wärmer,<br />
wenn Sie die Einstellungen Wolkig oder Schatten<br />
verwenden. Auch hier können Sie dies erst am Ende des<br />
Bildbearbeitungsprozesses anwenden, wenn Sie in Raw<br />
fotografieren.<br />
2<br />
3<br />
Tageslicht<br />
gleicht Licht mit einer<br />
Farbtemperatur<br />
zwischen 5.200 und<br />
5.500 K aus.<br />
Gut für:<br />
Aufnahmen bei<br />
Tageslicht<br />
Blitz<br />
hat die gleiche<br />
Farbtemperatur wie<br />
Tageslicht, zwischen 5.200<br />
und 5.500 K.<br />
Gut für:<br />
Verwendung des<br />
eingebauten Blitzes<br />
Schatten<br />
gleicht Licht mit einer<br />
Farbtemperatur<br />
zwischen 7.000 und<br />
7.500 K aus<br />
Gut für:<br />
<strong>Fotografie</strong>ren im Schatten<br />
Wolkig<br />
gleicht Licht mit einer<br />
Farbtemperatur<br />
zwischen 6.000 und<br />
6.500 K aus.<br />
Gut für:<br />
bewölkte Verhältnisse<br />
Wolfram<br />
gleicht Licht mit einer<br />
Farbtemperatur<br />
zwischen 2.850 und<br />
3.200 K aus.<br />
Gut für:<br />
künstliches Licht<br />
Fluoreszierend<br />
gleicht Licht mit einer<br />
Farbtemperatur<br />
zwischen 3.800 und<br />
4.000 K aus.<br />
Gut für:<br />
künstliches Licht<br />
Automatischer Weißabgleich<br />
analysiert die Szene und wählt den besten Weißabgleich,<br />
normalerweise zwischen 3.000 und 7.000 K.<br />
Gut für: die meisten Raw-Aufnahme<br />
Farbtemperatur<br />
ermöglicht einen speziellen Weißabgleich über die<br />
Eingabe des Kelvin-Wertes.<br />
Gut für: bekannte Kelvin-Werte<br />
Manueller Weißabgleich<br />
ermöglicht es, der Kamera zu zeigen, welche Farbe<br />
in einer Szene neutral sein soll<br />
Gut für: Verwendung der Graukarte
108 Foto-Technik EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
Die Stärke der<br />
Farben<br />
DIE FARBTYPEN IN EINEM BILD<br />
BESTIMMEN DAS GEFÜHL, DAS VOM BILD<br />
VERMITTELT WIRD. WIR ZEIGEN IHNEN,<br />
WAS SIE DARÜBER WISSEN MÜSSEN…<br />
STARKE FARBEN<br />
Wenn wir an Farben denken, stellen wir uns<br />
üblicherweise leuchtende, kräftige, satte Farben vor –<br />
das wunderbare kräftige Blau eines klaren, blauen<br />
Himmels, das lebendige Grün von frischem Laub, das<br />
leuchtende Rot der Tulpen im Frühling. In den meisten<br />
Fällen bemühen wir uns, die Farben so kräftig wie<br />
möglich zu gestalten, weil dadurch die Bilder ins Auge<br />
stechen und ausdrucksstark sind – ob uns das jedoch<br />
gelingt oder nicht, hängt von mehreren Faktoren ab.<br />
Nur allzu leicht könnte man davon ausgehen, dass<br />
Farben in hellem Sonnenlicht am stärksten wirken. Bis<br />
zu einem gewissen Punkt stimmt das auch – bei<br />
sonnigem Wetter sieht alles hell und leuchtend aus.<br />
Helles Sonnenlicht erzeugt jedoch auch Lichtreflexe,<br />
und diese können die Farbkraft drastisch reduzieren,<br />
weil auf vielen Oberflächen ein gewisser „Glanz”<br />
entsteht. Besonders viele Blendeffekte entstehen im<br />
Sonnenlicht nach einem Regenguss, wenn alles nass ist<br />
und das Licht reflektiert wird. Dies kann man mit einem<br />
Polfilter umgehen, der diese Lichtreflexe unterdrückt und<br />
so dafür sorgt, dass die Farben in Ihrer Aufnahme kräftig,<br />
Die Farben des Laubs, seien<br />
es nun die saftigen Grüntöne im<br />
Frühjahr und Sommer oder die<br />
reichhaltigen rostbraunen<br />
Farbtöne im Herbst, erscheinen<br />
leuchtender, wenn Sie bei<br />
trübem Wetter fotografieren<br />
klar und voll gesättigt sind.<br />
Für manche Motive ist helles Sonnenlicht allerdings zu<br />
hart, weil es tiefe Schatten und helle Lichter erzeugt, die<br />
feine Details vernichten. Blumen und Gärten sind hierfür<br />
ein gutes Beispiel. Wenn Sie die lebendigen Farben<br />
eines Sommerbeets in all ihrem Glanz aufnehmen<br />
möchten, warten Sie, bis die Sonne hinter einer Wolke<br />
verschwunden ist und machen Sie Ihr Bild bei hellen,<br />
aber bedeckten Bedingungen. Die Farben werden Ihnen<br />
förmlich entgegen springen, und das durch Wolken<br />
verhangene Sonnenlicht verringert die Kontraste, sodass<br />
Sie sich keine Sorgen um hässliche dunkle Schatten<br />
oder grelle Lichter machen müssen. Dasselbe gilt für<br />
Waldaufnahmen. Die Farben des Laubs, seien es nun<br />
die saftigen Grüntöne im Frühjahr und Sommer oder die<br />
reichhaltigen rostbraunen Farbtöne im Herbst,<br />
erscheinen leuchtender, wenn Sie bei trübem Wetter<br />
fotografieren, wenn die Kontraste gering sind und das<br />
Licht weich – ganz besonders, wenn Sie einen Polfilter<br />
verwenden, um Blendeffekte zu verringern.<br />
Wenn die Farben auf dem Bild am Ende nicht intensiv<br />
genug erscheinen, können Sie sie bei der<br />
Nachbearbeitung natürlich immer noch verstärken.<br />
Wenn Sie im Raw-Format fotografieren, werden Sie in<br />
den meisten Fällen die Farbstärke ohnehin etwas<br />
erhöhen müssen, da Raw-Daten oft leicht untersättigt<br />
Oben: Die Farben des Laubs harmonieren gut<br />
mit der spätabendlichen Wolkendecke, die den<br />
Baum umrahmt. Rechts: Versuchen Sie, beim<br />
<strong>Fotografie</strong>ren von Architekturmotiven das Beste<br />
aus den starken Farbkontrasten herauszuholen.<br />
wirken. Sie können aber im Prinzip in jedem Bild die<br />
Farbintensität steigern, um die Wirkung zu verbessern.<br />
Wichtig ist dabei, dass Sie nicht über das Ziel<br />
hinausschießen, da die Bilder sonst schnell unnatürlich<br />
wirken. Anstelle des Schiebereglers für Farbsättigung,<br />
der die Sättigung aller Farben erhöht, verwenden Sie den<br />
für Dynamik. Auf diese Weise erhöhen Sie die Sättigung<br />
nur für die Farben, die noch nicht ausreichend gesättigt<br />
sind. Die Funktion Dynamik arbeitet etwas feiner und<br />
subtiler als die Funktion Farbsättigung. Die Gefahr, es zu<br />
übertreiben, ist also geringer. In manchen Fällen können<br />
Sie die Dynamik sogar auf 100 % erhöhen, und es<br />
ergeben sich immer noch natürlich aussehende Bilder.<br />
Kräftige Farben sind besonders gut geeignet für grafische<br />
oder abstrakte Bilder (siehe gegenüberliegende Seite),<br />
moderne Architektur, Detailaufnahmen, Blumen- und<br />
Gartenfotografie, urbane Nachtszenen, Reisefotografie<br />
und auch für manche Porträts.<br />
ADAM BURTON LEE FROST
EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
Foto-Technik 109<br />
LEE FROST<br />
Gedeckte Stimmung<br />
Denken Sie daran: Es geht nicht<br />
nur um die Farbsättigung; auch<br />
die „gedeckten“ Töne können sehr<br />
effektiv sein.<br />
GEDECKTE FARBEN<br />
Farben müssen nicht leuchtend und kräftig sein, um<br />
zu erfolgreichen Ergebnissen zu führen – oft ist genau<br />
das Gegenteil der Fall. Weiche, gedeckte Farben sind<br />
viel stimmungsvoller und wohltuender als tief<br />
gesättigte. Sie sind angenehmer für die Augen,<br />
intensiver und romantischer, und so passen sie zu<br />
Motiven wie Porträts, Stillleben, Landschaften und<br />
naturkundlichen Bildern.<br />
Die Wetterbedingungen spielen eine wichtige Rolle.<br />
Dunstschleier, Nebel, Sprühregen,<br />
Luftverschmutzung und Rauch streuen das Licht, so<br />
dass die Farben nicht nur weniger gesättigt<br />
erscheinen, sondern auch dazu neigen, ineinander zu<br />
laufen und monochromatische Effekte zu erzeugen.<br />
Dies kann man am besten bei dichtem Nebel oder<br />
Sprühregen sehen, wenn die Landschaft<br />
zweidimensionale Züge annimmt und die Farben<br />
förmlich aus der Szenerie gesaugt werden. Solche<br />
Bedingungen können sehr intensive Bilder erzeugen,<br />
auch wenn der Mangel an Details und Tiefe mit<br />
Vorsicht zu genießen ist – halten Sie die<br />
Bildkomposition einfach und versuchen Sie, einen<br />
leuchtenden Farbtupfer einzubringen, der von<br />
Sprühregen und Nebel auf natürliche Weise gedämpft<br />
wird.<br />
Dunst ist für die <strong>Fotografie</strong> attraktiver, denn anders als<br />
bei Sprühregen und Nebel, dämpft Dunst die Farben<br />
nur wie ein dauerhafter Lichtfilter und behält einen<br />
angemessenen Grad an Sichtbarkeit bei. Denken Sie<br />
an eine Bergkette, die sich an einem dunstigen<br />
Morgen in der Ferne verliert. Die Farben dieser<br />
einzelnen „Schichten im Bild werden aus der<br />
Vogelperspektive mit zunehmender Entfernung immer<br />
heller. Solche Szenerien fotografieren Sie am besten<br />
mit einem Teleobjektiv, auf diese Weise können Sie<br />
die Perspektive noch komprimieren und den Effekt<br />
weiter hervorheben – das gleiche gilt für Nebel und<br />
Sprühregen, da sich die Intensität sich mit der<br />
Entfernung immer weiter erhöht.<br />
Trübes, düsteres Wetter reduziert die Farbsättigung<br />
erheblich, wodurch wunderschöne Bilder entstehen<br />
können. Das Licht ist weich und sanft – trübe Tage<br />
sind also für die Porträtfotografie ideal geeignet, weil<br />
das Licht den Hauttönen schmeichelt. Feine<br />
Farbnuancen in Felsformationen kommen bei trübem<br />
Wetter durch den völligen Mangel an Schatten und<br />
Kontrasten ebenfalls am besten heraus. Wenn dies<br />
nicht auf natürlichem Wege gelingt, können Sie<br />
immer noch einen Reflektor oder Diffusor über kleine<br />
Motive halten, so dass sie in einen weichen Schatten<br />
getaucht werden – ein nützlicher Trick für Nah- und<br />
Detailaufnahmen. Manchmal können Sie auch Ihren<br />
eigenen Schatten nutzen, um Ihr Motiv zu schattieren.<br />
Der frühe Morgen und der späte Nachmittag sind gute<br />
Tageszeiten, um gedeckte Farben zu fotografieren.<br />
Wenn die Sonne tief am Himmel steht, ist das Licht<br />
nicht nur weicher, sondern auch sehr warm, und dies<br />
bringt die Farben in einer Szenerie näher zusammen<br />
– alles nimmt einen weichen Gelb- oder Orangeton<br />
an. Aufnahmen gegen das Licht bringen diesen Effekt<br />
am besten zur Geltung, ganz besonders in einer<br />
dunstigen oder nebligen Umgebung.<br />
Vor Sonnenaufgang und nach Sonnenuntergang<br />
geben sich Farben eher bedeckt. Bei<br />
Küstenaufnahmen reflektiert das Meer die Farbe des<br />
Himmels, während der östliche oder westliche<br />
Horizont ein warmes Leuchten annimmt – das ist eine<br />
wunderschöne Kombination.
102 Foto-Technik EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
Grundlagen der Farbe<br />
WENN SIE DIESE GRUNDLAGEN VERSTANDEN HABEN, SIND SIE SCHON AUF DEM BESTEN<br />
WEG, FARBEN IN IHREN BILDERN RICHTIG EINZUSETZEN. LASSEN SIE UNS BEGINNEN…<br />
Der Farbkreis<br />
LEE FROST<br />
LEE FROST<br />
HARMONISCHE FARBEN<br />
Die Farben, die im Farbkreis eng nebeneinander<br />
liegen, harmonieren gut miteinander. Blau und<br />
Grün, Grün und Gelb, Rot und Purpur, Orange und<br />
Gelb – das sind alles unmittelbare Nachbarn im<br />
Farbkreis, die gut zusammenpassen. Auch alle<br />
Farben auf der warmen Seite des Farbkreises – also<br />
Purpur, Rot, Orange und Gelb – harmonieren<br />
miteinander, genauso wie die Farben auf der<br />
kühleren Seite, Blau, Violett und Grün.<br />
<strong>Fotografie</strong>n, die aus harmonischen Farben bestehen,<br />
sind erholsamer beim Betrachten und angenehmer<br />
für die Augen – sie haben eher einen beruhigenden<br />
Effekt, anstatt unsere visuelle Wahrnehmung<br />
herauszufordern. Denken Sie nur einmal an die<br />
wunderschönen warmen Farben – Rot-, Gelb-,<br />
Orange- und Brauntöne – eines herbstlichen<br />
Laubwaldes, oder die weichen Farbschattierungen<br />
der Landschaft, wenn Nebel oder Dunst das Licht<br />
streuen und alle Farben auf weiche Töne reduziert<br />
werden.<br />
Man kann aber auch tolle Fotos einer Szenerie<br />
machen, die nur eine einzige Farbe beinhaltet, oder<br />
die gleiche Farbe in unterschiedlichen<br />
Schattierungen. Weiches, diffuses Licht erzeugt<br />
diesen Effekt in der Natur und bringt die Farben in<br />
einer Szene näher zueinander. Bei Tagesanbruch<br />
und dunstigem Wetter dringt die Farbe des Lichts<br />
durch den Dunst und beherrscht die Szene. Vor dem<br />
Sonnenaufgang ist dieses Licht blau, weil die<br />
Farbtemperatur des Lichts hoch ist, aber sie lässt<br />
rasant nach, während der Sonnenaufgang näher<br />
rückt und wechselt dann schnell von kalt zu warm,<br />
wenn weiche Orange- und Gelbtöne übernehmen.<br />
In Situationen, in denen die Farbsättigung reduziert<br />
ist, erscheinen selbst Farben, die normalerweise<br />
kontrastieren, harmonisch, denn die Stimmung<br />
solcher Bilder ist in aller Regel ruhig und beschaulich.<br />
Solche Farben erzeugen bei uns also eher ein Gefühl<br />
der Entspannung als eines der Anspannung oder<br />
Herausforderung. Je weicher die Farben sind, desto<br />
mehr wird diese Harmonie betont, bis hin zu dem<br />
Stadium, in dem das Bild insgesamt fast einfarbig<br />
wirkt.<br />
KONTRASTFARBEN<br />
Während die Farbharmonie uns zu beruhigenden,<br />
entspannenden Bildern verhilft, machen Kontrastfarben<br />
genau das Gegenteil – sie erzeugen kräftige,<br />
dramatische Bilder, die unsere Aufmerksamkeit auf sich<br />
ziehen und unsere visuellen Sinne herausfordern.<br />
Kräftige Farben regen an und stimulieren. Wenn in<br />
Ihrem Bild zwei Farben aufeinandertreffen, die um die<br />
Aufmerksamkeit des Betrachters konkurrieren, wird<br />
dieser Effekt noch verstärkt, und es kommen<br />
verblüffende Bilder dabei heraus.<br />
Entscheidend dabei ist, dass Sie die Sache einfach<br />
halten. Idealerweise beschränken Sie sich auf zwei<br />
Farben – auf keinen Fall mehr als drei – weil sonst der<br />
Effekt abgeschwächt wird. Und achten Sie darauf, dass<br />
diese Farben sich im Farbkreis gegenüberstehen.<br />
Warme Farben wie Rot oder Gelb kontrastieren am<br />
stärksten mit kühlen Farben wie Blau oder Grün. Den<br />
stärksten Farbkontrast erzielen Sie zwischen Blau und<br />
Gelb, aber auch der Kontrast zwischen Rot und Grün ist<br />
sehr kräftig. Und bei allen Kombinationen gilt: je<br />
lebendiger und satter die Farben sind – insbesondere<br />
wenn alle gleich oder ähnlich hell sind – desto<br />
beeindruckender ist der Kontrast. Ein sattes Blau hebt<br />
sich von einem blassen Gelb zum Beispiel nicht so gut<br />
ab wie von einem satten Gelb.<br />
Diese Kontraste sind mit geringem Aufwand am<br />
einfachsten zu finden: eine rote Blume, umgeben von<br />
saftig grünem Gras im Sonnenschein, eine gelbe Tür<br />
oder ein gelbes Auto vor einem tiefblauen Himmel.<br />
Solche Szenen sind auch leicht nachzubilden – stellen<br />
Sie einen gelben Eimer vor eine blaue Tür, oder ein rotes<br />
Auto vor eine grüne Hecke. Probieren Sie auch<br />
verschiedene Objektive aus. Mit einem Teleobjektiv<br />
können Sie Farben isolieren und die Perspektive so<br />
komprimieren, dass die einzelnen Bildelemente näher<br />
zusammenrücken, als sie es in Wirklichkeit sind. Mit<br />
einem Weitwinkelobjektiv wird auch die kleinste<br />
Änderung des Standpunkts die Beziehung zwischen<br />
einzelnen Bildelementen verändern, und es ist auch<br />
einfacher, etwas vor einem blauen Himmel zu<br />
fotografieren, wenn man ein Weitwinkelobjektiv nutzt<br />
und von einem niedrigeren Standpunkt aus nach oben<br />
fotografiert.<br />
Am einfachsten versteht man die<br />
Wirkung von Farben, wenn man sich<br />
den Farbkreis anschaut, der alle<br />
Farben des Spektrums enthält. Am<br />
Farbkreis können Sie sehen, dass<br />
manche Farben gut zusammen<br />
harmonieren, während andere sich<br />
beißen oder kontrastieren.<br />
PRIMÄRFARBEN: die reinen<br />
Farbtöne Rot, Gelb und Blau.<br />
SEKUNDÄRFARBEN: werden<br />
gebildet, indem man zwei andere<br />
Farben zusammenmischt, wie zum<br />
Beispiel Orange und Violett.<br />
KONTRASTFARBEN: zwei Farben,<br />
die einander auf dem Farbkreis<br />
gegenüber liegen.<br />
FARBEN, DIE „ZURÜCKTRETEN” UND<br />
„HERVORTRETEN”<br />
Farben harmonieren und kontrastieren nicht nur, sie<br />
können auch „zurücktreten” und „hervortreten”. Das<br />
hat damit zu tun, wie unterschiedliche Farben<br />
gegeneinander arbeiten. Warme Farben wie Rot, Gelb<br />
und Orange gelten als „hervortretend”, denn sie heben<br />
sich auffallend ab, während kühle Blau- und<br />
Grüntöne „zurücktreten”, weil sie uns an weite, offene<br />
Flächen erinnern – das Meer, der Himmel, die<br />
Landschaft – und eher die Kulisse für alles andere<br />
bilden.<br />
Sie können diese Eigenschaften in Ihren Fotos sinnvoll<br />
nutzen. Wenn Sie eine warme Farbe mit einer kühlen<br />
Farbe kombinieren, wird die wärmere Farbe<br />
dominieren, auch wenn sie nur ganz gering<br />
vorhanden ist, und die kühlere Farbe wird einen<br />
attraktiven Hintergrund bilden. Das heißt, dass Blauund<br />
Grüntöne idealerweise für den Hintergrund<br />
verwendet werden und Rot-, Gelb- und Orangetöne<br />
im Vordergrund vorherrschen sollten. Wenn Sie diese<br />
Kombination jedoch ganz absichtlich umkehren,<br />
verwirren sie die Sinne und erzeugen ganz<br />
erstaunliche Bilder.<br />
LEE FROST
EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
Foto-Technik 111<br />
LEE FROST<br />
ABSTRAKTE FARBEN<br />
Die Farbe ist ein solch kraftvolles Werkzeug für<br />
Fotografen, dass sie schon ganz allein für großartige<br />
Bilder sorgen kann, ohne dass das eigentliche Motiv<br />
wiedererkennbar oder identifizierbar sein muss. Das<br />
eröffnet ganz neue Wege der Kreativität, denn Sie<br />
können abstrakter arbeiten und die Farben einfach<br />
um der Farben willen einfangen.<br />
Eine gute Möglichkeit, das in die Praxis umzusetzen,<br />
ist eine etwas unkonventionellere Bildkomposition.<br />
Normalerweise fangen wir ein Motiv oder eine<br />
Szene so ein, dass es einen ausgewogenen und<br />
logischen Eindruck vermittelt – der Betrachter kann<br />
das Bild anschauen und weiß sofort, welches Motiv<br />
fotografiert wurde. Wenn Sie diese Regel jedoch<br />
durchbrechen und den Bildausschnitt enger fassen,<br />
so dass kein Kontext zu sehen ist oder das Bild so<br />
zuschneiden, dass ein Teil des Motivs fehlt, gibt das<br />
Ihrem Bild gleich etwas mehr Faszination und eine<br />
abstraktere Atmosphäre. Wichtig ist dabei, dass Sie<br />
mehr Wert auf die Farben legen als auf das Motiv.<br />
Ein nahe liegendes Beispiel dafür ist ein Foto von<br />
farbenfrohen, gewellten Reflexionen auf Wasser,<br />
wobei Sie genau den Bildbestandteil eliminieren,<br />
der diese Reflexion erzeugt. Plötzlich werden die<br />
Farben und Formen in dieser Reflexion zum<br />
Mittelpunkt des Bildes und wir entfernen uns ein<br />
Stück von der Realität.<br />
Städte sind großartig geeignet, um nach abstrakten<br />
Bildmotiven zu suchen, einfach weil die Straßen<br />
eine sich stets verändernde Palette von Farben<br />
bieten – ein blauer Laster, der vor einer gelben Wand<br />
parkt, eine rote Tür vor einem tiefblauen Himmel.<br />
Manche Orte sind auch wie gemacht für farbenfrohe<br />
Abstrakte – die Insel Burano bei Venedig, das Dorf<br />
Oia auf der griechischen Insel Santorini oder die<br />
kubanische Stadt Trinidad sind nur ein paar<br />
Beispiele für Orte, an denen die Einwohner Ihre<br />
Häuser in brillanten Farben streichen und Sie an<br />
großartigen Fotos gar nicht vorbeigehen können.<br />
Aber im Prinzip kann jede städtische oder<br />
industrielle Gegend als Quelle für farbenfrohe<br />
Abstrakte dienen, und sobald Sie ein paar gute<br />
Aufnahmen im Kasten haben, werden Sie immer<br />
mehr Motive entdecken.<br />
Manche Bilder ergeben sich ganz offensichtlich,<br />
aber oft müssen Sie die Motive auch suchen, von<br />
höher oder tiefer liegenden Standpunkten<br />
fotografieren, um bestimmte Farben nach Wunsch<br />
nebeneinander zu stellen, oder unterschiedliche<br />
Objektive nutzen: Teleobjektive, um die Perspektive<br />
zu komprimieren und Farben näher<br />
zusammenzubringen, Weitwinkelobjektive, um die<br />
Farben aus der Nähe besser auszunutzen oder<br />
gegen den blauen Himmel einzufangen und diesen<br />
als eigenständigen Farbblock zu nutzen.<br />
Künstliche Farben<br />
Die bildliche Wirkung eines Fotos kann auch<br />
bestechend sein, wenn die enthalten Farben weder<br />
miteinander harmonieren noch kontrastieren,<br />
sondern einfach nur ungewöhnlich sind. Das kommt<br />
zum Beispiel oft zum Tragen, wenn Sie nachts<br />
draußen fotografieren – die künstliche Beleuchtung<br />
in unseren Städten erzeugt eine surreale Farbpalette,<br />
die Sie so in der Natur nie finden würden, ganz egal<br />
wie sehr Sie auch danach suchten. In einer einzigen<br />
Straßenszene können Sie das lebhafte Grün von<br />
Leuchtstoffröhren, das Gelb von Glühbirnen und das<br />
Rot der Neonbeleuchtung finden, die sich alle<br />
leuchtend gegen einen samtblauen Himmel<br />
abheben, oder gegen einen Himmel, der durch die<br />
Lichtverschmutzung der nächstgelegenen Stadt rot,<br />
orange und gelb getönt ist.<br />
Unsere Augen passen sich an diese<br />
unterschiedlichen Beleuchtungstypen an. Ein von<br />
Flutlicht angestrahltes Gebäude oder eine<br />
schimmernde City-Skyline können also ganz<br />
gewöhnlich aussehen, wenn wir sie betrachten. Aber<br />
unsere Digitalkamera nimmt die Farbe jeder<br />
Lichtquelle so auf, wie sie tatsächlich ist – es ist also<br />
ganz normal, wenn Sie auf dem <strong>Vorschau</strong>film<br />
seltsame Farben erkennen – das alles gehört zum<br />
Spaß bei der Nachtfotografie dazu!<br />
Machen Sie das Beste aus diesem Effekt, indem Sie<br />
Aussichtspunkte zum <strong>Fotografie</strong>ren nutzen und mit<br />
verschiedenen Objektiven experimentieren, um die<br />
Farben auf effektive Weise nebeneinander zu stellen.<br />
Ein Teleobjektiv „stapelt” Leuchtschilder entlang<br />
einer belebten Straße, wohingegen ein<br />
Weitwinkelobjektiv es Ihnen ermöglicht,<br />
verschiedene Elemente in einer Aufnahme zu<br />
vereinen – zum Beispiel eine angestrahlte Statue vor<br />
einem beleuchteten Gebäude oder eine<br />
Straßenlaterne neben einem hell erleuchteten Turm.<br />
Außerdem lohnt es sich, mit unterschiedlichen<br />
Weißabgleich-Voreinstellungen zu experimentieren,<br />
entweder direkt bei der Aufnahme oder später bei der<br />
Nachbearbeitung der Raw-Dateien. Wenn Sie zum<br />
Beispiel „Kunstlicht” wählen, sehen alle von<br />
Kunstlicht erleuchteten Bereiche des Bildes normal<br />
aus, alle von Tageslicht beleuchteten Bereiche<br />
werden jedoch blau. „Leuchtstoffröhre” ist auch toll,<br />
diese Einstellung verpasst den meisten<br />
Bildbereichen einen purpurnen Farbstich, das sieht<br />
zwar merkwürdig aus, ist aber sehr effektiv.<br />
ISTOCK PHOTO
112 Makro-<strong>Fotografie</strong> EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
Makro-Zubehör<br />
Gute Makrofotos verlangen nach starker<br />
Vergrößerung, die mit den meisten<br />
Standardobjektiven nicht erreicht werden kann.<br />
Um an kleine Dinge wirklich nah<br />
heranzukommen, brauchen Sie entweder ein<br />
spezielles Makroobjektiv, dessen Konstruktion für<br />
sehr kurze Entfernungen optimiert ist, oder<br />
besonderes Zubehör, das ein Standardobjektiv so<br />
erweitert, dass es auch für sehr kurze<br />
Entfernungen benutzt werden kann. Ein spezielles<br />
Makroobjektiv ist die beste Lösung, sowohl was<br />
Qualität als auch was den Komfort angeht, doch<br />
leider ist es auch die teuerste Lösung. Wenn Sie<br />
MAKRO-OBJEKTIV<br />
Makroobjektive sind speziell für<br />
Aufnahmen aus kürzester Distanz<br />
konstruiert und deswegen die<br />
beste Option. Es gibt sie mit<br />
verschiedenen Brennweiten, von<br />
40mm bis 200mm. Fast alle liefern<br />
eine Vergrößerung von bis zu 1:1;<br />
das bedeutet, Objekte können in<br />
Originalgröße abgebildet werden.<br />
Die Brennweite ist sehr wichtig,<br />
denn sie bestimmt Gewicht, Größe,<br />
Arbeitsentfernung – und den Preis.<br />
Kürzere Makros von 50mm bis<br />
90mm sind leichter, klein, und<br />
tendenziell billiger als längere<br />
Brennweiten. Sie bieten allerdings<br />
keine große Arbeitsentfernung,<br />
deswegen müssen Sie, wenn Sie<br />
Ihr Motiv formatfüllend im Bild<br />
haben wollen, recht nah<br />
herangehen. Bei unbelebten,<br />
statischen Objekten spielt das<br />
keine Rolle, doch es kann in der<br />
Naturfotografie zum Problem<br />
werden, wenn Sie beispielsweise<br />
einen Schmetterling fotografieren<br />
wollen. Ein Telemakro-Objektiv mit<br />
einer Brennweite jenseits von90<br />
mm bietet eine größere<br />
Arbeitsdistanz und verringert das<br />
Risiko, den Fluchtreflex des<br />
Schmetterlings auszulösen, um<br />
beim obigen Beispiel zu bleiben.<br />
Ein solch großes Makroobjektiv ist<br />
jedoch schwerer und produziert<br />
einen extrem geringen<br />
Schärfentiefebereich. Sie müssen<br />
also äußerst präzise Scharfstellen,<br />
damit Sie brauchbare Ergebnisse<br />
erzielen.<br />
sich auf die Makrofotografie spezialisieren wollen,<br />
ist ein Makroobjektiv zweifellos die Investition<br />
wert. Falls Sie jedoch nur gelegentlich die Welt der<br />
kleinen Dinge fotografisch erkunden, oder falls Ihr<br />
Budget es nicht hergibt, sind Zwischenringe oder<br />
ein Nahfilter die bessere Lösung für Sie.<br />
Weiter brauchen Sie zur Makrofotografie ein gutes<br />
Stativ, denn schon die kleinste Bewegung der<br />
Kamera wird bei derart kurzen Entfernungen<br />
extrem verstärkt. Benutzen Sie deswegen, wann<br />
immer möglich, das Stativ. Auch ein Fernauslöser<br />
und ein kleiner Reflektor zählen zum nützlichen<br />
Zubehör.<br />
Drei Möglichkeiten, nah heranzukommen<br />
AUTOMATISCHE<br />
ZWISCHENRINGE<br />
Zwischenringe haben keinerlei<br />
optische Bauteile und<br />
beeinflussen deshalb nicht die<br />
Bildqualität. Sie verlängern<br />
einfach den Abstand zwischen<br />
Objektiv und Kamerasensor,<br />
wodurch sich die minimal<br />
einstellbare Arbeitsdistanz des<br />
Objektivs verringert. Sie bieten<br />
die stärkste Vergrößerung,<br />
wenn sie in Kombination mit<br />
kurzen Brennweiten verwendet<br />
werden, meistens 28mm oder<br />
50mm. Üblicherweise werden<br />
sie in Sets mit drei Ringen von<br />
je 12mm, 20mm und 36mm<br />
angeboten. Sie können einzeln<br />
oder in jeder möglichen<br />
Kombination verwendet<br />
werden, um unterschiedliche<br />
Vergrößerungsstufen zu<br />
erreichen, wobei<br />
Kamerafunktionen wie die<br />
TTL-Messung erhalten bleiben.<br />
Die Arbeitsdistanzen sind sehr<br />
kurz, deswegen müssen Sie<br />
nah heran an Ihr Motiv. Das<br />
Kenko Teleplus DG AF Set ist für<br />
etwa 170€ eine gute Wahl. Sie<br />
können auch manuelle<br />
Zwischenringe verwenden, die<br />
es schon ab 10€ gibt. „Manuell“<br />
bedeutet allerdings, dass<br />
keinerlei Automatikfunktionen<br />
Ihrer Kamera unterstützt<br />
werden, Sie müssen also<br />
sämtliche Einstellungen<br />
manuell vornehmen.<br />
NAHFILTER<br />
Wenn Sie sich weder ein<br />
Makroobjektiv noch<br />
Zwischenringe leisten wollen,<br />
dann ist der Nahfilter Ihre Wahl. Es<br />
ist die bei weitem preiswerteste<br />
Lösung. Ein Nahfilter besteht aus<br />
einer einzigen Linse, die wie ein<br />
Filter auf das Objektiv geschraubt<br />
wird, daher der Name. Optisch<br />
gesehen hat ein Nahfilter mit<br />
einem Objektivfilter jedoch nichts<br />
zu tun, denn er wirkt als<br />
Vergrößerungsglas. Nahfilter sind<br />
leicht und beeinträchtigen keine<br />
der automatischen<br />
Kamerafunktionen. Die<br />
Vergrößerung eines Nahfilters<br />
wird in Dioptrien gemessen.<br />
Übliche Stärken sind +1, +2, +3<br />
und +4. Je höher der Wert, desto<br />
stärker die Vergrößerung. Die<br />
Skala reicht bis +10, doch bei solch<br />
extremer Vergrößerung lässt die<br />
Bildqualität stark zu wünschen<br />
übrig. Nahfilter werden am besten<br />
mit einem kurzen Festobjektiv<br />
kombiniert, etwa im Bereich von<br />
50mm bis 135mm. Eine große,<br />
komfortable Arbeitsdistanz<br />
erreichen Sie mit einem Nahfilter<br />
nicht, Sie müssen also sehr nah an<br />
Ihr Motiv herangehen, wenn Sie es<br />
formatfüllend abbilden wollen.<br />
Außerdem sind Nahfilter anfällig<br />
für sphärische und chromatische<br />
Aberrationen. Diesen Effekt<br />
können Sie jedoch verringern,<br />
wenn Sie keine kleinere Blende als<br />
f/8 benutzen.<br />
Zubehör<br />
Reflektor: Ein Reflektor ist für<br />
die Makrofotografie<br />
unerlässlich. 30 oder 45 cm<br />
Durchmesser sind mehr als<br />
ausreichend. Die Farbe ist<br />
entscheidend: Weiß gibt ein weiches, diffuses<br />
Licht, eine silberne Reflektorfläche ist heller,<br />
kann aber hartes Licht erzeugen, während ein<br />
goldfarbener Reflektor einer Nahaufnahme<br />
einen warmen Farbton gibt. Improvisieren<br />
können Sie mit einem weißen DIN A4 Blatt –<br />
das ist außerdem am billigsten.<br />
Fernauslöser:<br />
Selbst wenn Ihre Kamera auf<br />
einem Stativ montiert ist,<br />
kann das Drücken des<br />
Auslösers eine geringe<br />
Bewegung der Kamera verursachen. Bei<br />
langen Verschlusszeiten wirkt sich das auf die<br />
Bildschärfe aus. Deswegen ist es<br />
empfehlenswert, einen Fernauslöser zu<br />
benutzen, wobei es nicht darauf ankommt,<br />
ob er drahtlos oder kabelgebunden ist. In<br />
jedem Fall maximiert er die Bildschärfe,<br />
besonders wenn Sie zusätzlich noch die<br />
Spiegelvorauslösung der Kamera benutzen.<br />
Stativ: Um gestochen scharfe<br />
Makrofotos zu bekommen,<br />
benutzen Sie grundsätzlich<br />
ein Stativ. Besorgen Sie sich<br />
eines, das Ihre Kamera<br />
möglichst nah an den Boden bringt. Bei<br />
einem Stativ, dessen Mittelsäule in die<br />
Horizontale gedreht werden kann, können<br />
Sie die Kamera so auf dem Stativkopf<br />
befestigen, dass die Objektivachse parallel zur<br />
Mittelsäule des Stativs verläuft. Was den<br />
Stativkopf angeht, ist ein Drei-Wege-<br />
Schwenk- und Neigekopf eine gute Wahl,<br />
allerdings bevorzugen viele Fotografen einen<br />
Kugelkopf, weil er sich schneller und leichter<br />
einstellen lässt.<br />
Plamp: Eine Plamp leistet<br />
gute Dienste dabei, ein<br />
Objekt zu fixieren,<br />
beispielsweise eine Blume,<br />
die sich ansonsten im Wind<br />
bewegen würde. Die Wimberley Plamp ist<br />
ideal. Das ist ein aus mehreren Segmenten<br />
bestehender Arm mit einer Klammer an<br />
beiden Enden. Die eine greift um ein<br />
Stativbein, die andere stabilisiert das zu<br />
fotografierende Objekt. Die Plamp kann auch<br />
benutzt werden, um einen Reflektor in<br />
Position zu halten.<br />
Winkelsucher: Damit<br />
nehmen Sie die<br />
Bildkomposition vor, indem<br />
Sie von oben auf die Kamera<br />
blicken, anstatt horizontal<br />
durch den Sucher. Der Winkelsucher ist<br />
nützlich, wenn Sie Makroaufnahmen nah am<br />
Boden oder aus extremen Winkeln machen.<br />
Andererseits haben moderne<br />
Kameramodelle schwenk- und drehbare<br />
LCD-Monitore. Wenn Sie eine solche Kamera<br />
besitzen, brauchen Sie den Winkelsucher<br />
nicht, denn Sie können komfortabel den<br />
LiveView benutzen.
EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
Makro-<strong>Fotografie</strong> 113<br />
Makro-Ausrüstung für jeden Geldbeutel<br />
2<br />
2 2<br />
3<br />
3<br />
1<br />
3<br />
1<br />
Makro-Ausrüstung für jeden Geldbeutel<br />
Sie haben sich noch nie in der Makrofotografie<br />
versucht, wollen dies aber nun tun. Ihr Budget ist<br />
verständlicherweise begrenzt, denn Sie wollen in<br />
diesem Stadium nicht zu viel ausgeben. Ein<br />
Makroobjektiv kommt deswegen nicht infrage, Sie<br />
wollen sich auf preiswertes Zubehör für ein bereits<br />
vorhandenes Objektiv beschränken. Dieses liefert<br />
jedoch keine komfortable Arbeitsdistanz, deswegen<br />
sollten Sie sich auf unbelebte Objekte, wie Stillleben,<br />
Oberflächenstrukturen, Blumen und andere Pflanzen<br />
konzentrieren, nicht auf Kleintiere oder Insekten.<br />
1) Nahfilter (ab10€ je nach Gewindedurchmesser) :<br />
Nahfilter werden auf das Objektiv geschraubt und<br />
wirken wie ein Vergrößerungsglas. Übliche<br />
Vergrößerungsfaktoren sind +2, +3 und +4. Nahfilter<br />
wirken am besten mit Objektiven kleinerer<br />
Brennweiten zusammen. Ein 50mm Standardobjektiv<br />
ist ideal. Nahfilter eignen sich sehr gut für den Einstieg<br />
in die Makrofotografie. Leider sind sie anfällig für<br />
sphärische und chromatische Aberrationen, weil sie<br />
nur aus einem einzigen optischen Element bestehen.<br />
2) Reflektor (ab 10€): Ein Reflektor ist leicht selbst<br />
herzustellen, indem Sie ein Stück stabilen Kartons mit<br />
Aluminiumfolie umwickeln. Trotzdem empfehlen wir<br />
den Kauf eines faltbaren Reflektors, der in die<br />
Kameratasche passt. Für die Makrofotografie reicht<br />
ein Durchmesser von 30 cm vollkommen aus.<br />
3) LED Ringblitz (ab 30€): Er liefert eine weiche,<br />
schattenfreie Beleuchtung für Nahaufnahmen und<br />
kostet nur den Bruchteil eines regulären<br />
Ringblitzgeräts. Der Lichtausstoß kann geregelt<br />
werden. Sie können ihn wie ein normales Blitzgerät<br />
benutzen oder die LEDs konstant eingeschaltet<br />
lassen, wobei das Gerät wie ein Scheinwerfer wirkt.<br />
Die Stromversorgung erfolgt über den Zubehörschuh<br />
der Kamera.<br />
1<br />
Für höhere Ansprüche<br />
Ihnen liegt die Makrofotografie, und nun wollen Sie<br />
die Abbildungsqualität Ihrer Ausrüstung<br />
verbessern. Es ist also an der Zeit, ein wenig mehr<br />
zu investieren, um die Grenzen von Nahfiltern zu<br />
überwinden. Ein Makroobjektiv kommt zwar auch<br />
jetzt noch nicht infrage, doch automatische<br />
Zwischenringe liefern gegenüber dem Nahfilter<br />
bereits eine wesentliche Verbesserung der<br />
Bildqualität. Die Arbeitsdistanz ist zwar immer noch<br />
kurz, doch ein stabiles Stativ hilft Ihnen, die Liste<br />
potenzieller Motive zu erweitern, die Sie erfolgreich<br />
ablichten können.<br />
1) Automatische Zwischenringe (ca. 50€): Im<br />
Gegensatz zum Nahfilter beeinträchtigen<br />
Zwischenringe die Bildqualität nicht. Ein 50mm<br />
f/1.8 Standardobjektiv ist eine gute Wahl für die<br />
Kombination mit Zwischenringen.<br />
2) Stativ (ab 100€): Ein Stativ verhilft Ihnen zu einer<br />
besseren Bildkomposition und gestattet Ihnen vor<br />
allen Dingen, viel präziser scharfzustellen als beim<br />
<strong>Fotografie</strong>ren aus der Hand. Die Mittelsäule sollte in<br />
die Horizontale gedreht werden können,<br />
außerdem sollten die Stativ Beine möglichst weit<br />
spreizbar sein, damit Sie die Kamera nah an den<br />
Boden bringen können.<br />
3) Ringblitzadapter (ca. 70€) : Ein Ringblitzadapter<br />
verwandelt ein auf dem Zubehörschuh der Kamera<br />
montiertes Elektronenblitzgerät in ein<br />
Ringblitzgerät. Damit erreichen Sie zwar nicht die<br />
komplette Funktionalität eines regulären<br />
Ringblitzgeräts, doch dieser Kompromiss ist<br />
wesentlich preiswerter.<br />
4) Plamp (ab 30€): Eine Plamp ist ein äußerst<br />
nützliches Zubehör bei Makrofotos, denn sie kann<br />
sowohl einen Reflektor in Position halten als auch<br />
einen Zweig oder eine Blume fixieren.<br />
4<br />
Für höchste Ansprüche<br />
Sie haben festgestellt: Die Makrofotografie ist ihr „Ding“.<br />
Sie beginnen, sich auf die Makrofotografie zu<br />
spezialisieren und sind bereit, so viel Geld auszugeben,<br />
wie für beste Ergebnisse nötig ist. Sie wollen sich nun<br />
als erstes ein spezielles Makroobjektiv zulegen. Es bietet<br />
Ihnen eine große, komfortable Arbeitsdistanz, um jedes<br />
Makromotiv zu fotografieren, einschließlich Insekten,<br />
die einen ausgeprägten Fluchtreflex haben. Außerdem<br />
stehen auf Ihrer Einkaufsliste ein Makroblitzgerät und<br />
ein Stativ, das Ihnen die volle Kontrolle und präzise<br />
Steuerung von Bildkomposition und Bildschärfe erlaubt.<br />
1) 100mm Makroobjektiv (ab 300€): Diese<br />
Brennweite gibt Ihnen eine gute Arbeitsentfernung,<br />
trotzdem können Sie noch aus der Hand fotografieren,<br />
falls dies einmal notwendig sein sollte. Deswegen sollte<br />
es ein Makroobjektiv mit automatischer<br />
Bildstabilisierung sein.<br />
2) Stativ plus Stativkopf (ab 100€): Sie wollen in der<br />
Lage sein, schnelle präzise Korrekturen an der<br />
Bildkomposition vorzunehmen. Ein Getriebe-<br />
Neigekopf bietet die Möglichkeit, die Kamera auf jeder<br />
Achse präzise auszurichten.<br />
3) Makroblitzgerät (ab 200€): LED-Ringleuchten und<br />
Adapter sind gute Kompromisse, doch nur ein<br />
spezielles Makroblitzgerät ist optimal. Es bietet die beste<br />
Funktionalität und gestattet Ihnen, unter allen<br />
Bedingungen perfekt ausgeleuchtete Makrofotos zu<br />
schießen.<br />
4) Winkelsucher (ab 30€): Falls Ihre Kamera keinen<br />
schwenk- und drehbaren Monitor hat, ist der<br />
Winkelsucher eine große Hilfe, wenn Sie die Kamera<br />
nah am Boden positionieren. So müssen Sie sich nicht<br />
auf dem Bauch liegend den Hals verdrehen, wenn Sie<br />
den Bildausschnitt festlegen, sondern können in die<br />
Hocke gehen und komfortabel von oben durch den<br />
Winkelsucher schauen.<br />
4<br />
Wenn Sie es sich leisten wollen…<br />
Ringblitzgerät<br />
Falls das natürliche Licht einmal nicht<br />
ausreichen sollte, bietet ein spezielles<br />
Makro-Ringblitzgerät die beste<br />
Funktionalität und Leistung. Es wird mit<br />
einem Adapter am Objektiv befestigt und<br />
erzeugt einen ringförmigen Lichtblitz, der<br />
sich in alle Richtungen ausbreitet. Damit<br />
Schatten vollständig vermieden werden, kann der Blitz so gesteuert werden,<br />
dass der Lichtausstoß auf einer Seite stärker ist als auf der anderen.<br />
Ringblitzgeräte tendieren allerdings dazu, auf glänzenden Oberflächen<br />
ballenförmige Reflexionen zu verursachen.<br />
Automatischer Umkehrring<br />
Mit einem Umkehrring, der an einer<br />
Seite einen Anschluss für das<br />
Objektiv, an der anderen einen<br />
Kameraanschluss hat, kann man<br />
seine Objektive „verkehrt herum“ an<br />
der Kamera anbringen. Das Objektiv<br />
wirkt dann wie eine Lupe. Dadurch<br />
bleibt die Abbildungsqualität des Objektivs erhalten. Automatische<br />
Umkehrringe sind so ausgestattet, dass die Kommunikation<br />
zwischen Kamera und Objektiv weiterhin möglich ist. Für Canon<br />
gibt es beispielsweise den Novoflex EOS-Retro-Adapter.
114 Makro-<strong>Fotografie</strong> EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
Grundlagen der Makro-<strong>Fotografie</strong><br />
Makrofotografie hat den Ruf, kompliziert und<br />
umständlich zu sein, weswegen viele Fotografen sich<br />
erst gar nicht daran versuchen. Nun ist es zwar richtig,<br />
dass die Arbeit sehr nah am Motiv einige technische<br />
Herausforderungen stellt, doch sofern Sie die richtige<br />
Ausrüstung haben und richtig einsetzen, kann Sie<br />
nichts daran hindern, von Anfang an gute Makrofotos<br />
zu machen. Das größte Problem besteht darin, eine<br />
Schärfentiefe zu erzeugen, die das gesamte Motiv<br />
akzeptabel scharf abgebildet. Die Schärfentiefe wird<br />
umso geringer, je stärker die Vergrößerung wird,<br />
deswegen kann der Schärfentiefebereich extrem klein<br />
sein. Aus diesem Grund ist die Wahl der Blende<br />
entscheidend. Zeitautomatik und manuelles<br />
Scharfstellen liefern die besten Ergebnisse.<br />
Nun scheint eine kleine Blende, etwa f/16 oder f/22<br />
das Nächstliegende zu sein, um eine möglichst große<br />
Schärfentiefe zu erreichen, doch jede Situation ist<br />
anders und muss individuell beurteilt werden.<br />
Manche Motive verlangen einen großen<br />
Schärfentiefebereich, andere sehen mit einem kleinen<br />
Schärfentiefebereich besser aus. Entscheiden müssen<br />
Sie. Wenn ihr Motiv als Ganzes scharf dargestellt<br />
werden soll, ist eine kleine Blende natürlich das<br />
Instrument der Wahl. Achten Sie außerdem darauf,<br />
dass die Sensorebene der Kamera parallel zu Ihrem<br />
Motiv verläuft, denn das maximiert die Schärfentiefe.<br />
Der größte Nachteil bei Verwendung einer kleine<br />
Blende besteht darin, dass die korrespondierende<br />
Verschlusszeit lang ist. Das erhöht die Gefahr des<br />
Verwackelns der Kamera und der<br />
Bewegungsunschärfe, verursacht durch das Objekt.<br />
Außerdem werden bei kleiner Blende Vorder- und<br />
Hintergrund ebenfalls scharf abgebildet, was den<br />
Betrachter vom eigentlichen Motiv ablenkt. Je weiter<br />
offen die Blende ist, umso geringer wird die<br />
Schärfentiefe. Das bedeutet, Sie müssen sehr<br />
sorgfältig scharfstellen. Die geringe Schärfentiefe<br />
sorgt auch dafür, dass die Umgebung des Motivs<br />
unscharf abgebildet wird, wodurch es visuell<br />
hervorgehoben wird. Auch die Verschlusszeit wird<br />
kürzer sein, vielleicht sogar kurz genug, um aus der<br />
Hand zu fotografieren. Das richtige Verhältnis<br />
zwischen akzeptabler Schärfentiefe und<br />
Verschwommenheit des Hintergrunds zu finden, ist<br />
eine delikate Aufgabe. Hat Ihre Kamera eine<br />
Schärfentiefenvorschau, benutzen Sie sie, um<br />
festzustellen wie die von Ihnen gewählten<br />
Kameraeinstellungen auf das Motiv wirken. Bei<br />
manchen Kameras können Sie die Funktion auch mit<br />
dem LiveView kombinieren. Eine andere Möglichkeit<br />
besteht darin, eine Bildserie mit unterschiedlichen<br />
Blendenwerten zu schießen und die Einzelbilder im<br />
Hinblick auf die gewünschte Wirkung zu vergleichen.<br />
Ein weiterer entscheidender Aspekt ist das<br />
Scharfeinstellen. Der Autofokus wird auf derart kurze<br />
Distanz nicht funktionieren, und die geringe<br />
Schärfentiefe erhöht das Risiko unscharfer Bilder. Sie<br />
müssen also manuell Scharfstellen, wobei Sie den<br />
Schärfepunkt so präzise wie möglich legen,<br />
beispielsweise auf das Auge eines Insekts oder die<br />
Blütenpollen einer Blume. Wenn Sie ein Stativ<br />
verwenden, ist der LiveView eine große Hilfe. Mit der<br />
Zoom-Funktion können Sie spezielle Bildteile<br />
vergrößern und wenn nötig, eine Feineinstellung der<br />
Schärfe vornehmen.<br />
Bei starken Vergrößerungen werden auch die<br />
geringsten Bewegungen verstärkt, somit erhöht sich<br />
die Verwacklungsgefahr. Behalten Sie deswegen die<br />
Verschlusszeit im Auge. Am besten ist es natürlich,<br />
wenn Sie ein Stativ verwenden, doch wenn Sie aus<br />
der Hand schießen, benutzen Sie eine Verschlusszeit<br />
oberhalb von 1/200 Sekunde und schalten die<br />
Bildstabilisierung ein. Gegebenenfalls erhöhen Sie<br />
auch die ISO-Empfindlichkeit, um diese<br />
Verschlusszeit zu erreichen.<br />
Manuell können Sie akkurater scharfstellen,<br />
beispielsweise auf das Auge eines Insekts oder die<br />
Staubbeutel einer Blüte.<br />
Nah ans Licht<br />
NATÜRLICHES LICHT<br />
Die Lichtverhältnisse spielen eine entscheidende Rolle<br />
beim <strong>Fotografie</strong>ren, und die Makrofotografie ist keine<br />
Ausnahme. Helligkeit, Farbe, Richtung und Kontrast sind<br />
Faktoren, die die Qualität der Beleuchtung bestimmen.<br />
Die Lichtverhältnisse können dazu beitragen, dass<br />
winzige Details eines Motivs hervorgehoben oder<br />
verborgen werden. Frontales Licht, seitliches Licht und<br />
Gegenlicht haben darauf jeweils andere Einflüsse.<br />
Frontales Licht – Wenn ihr Motiv direkt angeleuchtet<br />
wird, ist das Licht einigermaßen gleich verteilt und wirft<br />
keine Schatten. Farben erscheinen intensiver. Doch<br />
direktes Licht kann auch zu Kontrastarmut führen, und<br />
es kann sich das Problem ergeben, dass ihr eigener<br />
Schatten auf das Motiv fällt.<br />
Seitliches Licht ist deswegen normalerweise<br />
vorzuziehen, denn es betont Formen und Linien. Wie<br />
stark dieser Effekt ist, hängt allerdings davon ab, wie<br />
intensiv das Licht ist und aus welcher Richtung es<br />
kommt. Starkes seitliches Licht kann deswegen zu viel<br />
Kontrast erzeugen. Ist dies der Fall, hellen Sie die<br />
Schatten mit einem Reflektor oder dem Blitzgerät auf.<br />
Gegenlicht ist am schwierigsten zu steuern, kann aber<br />
sehr effektvoll sein. Befindet sich die Lichtquelle hinter<br />
dem Motiv, werden dessen Form und Konturen sowie<br />
feine Details – kleine Härchen an einem Blumenstängel<br />
beispielsweise – stark hervorgehoben.<br />
Der frühe Morgen und der späte Nachmittag sind die<br />
besten Tageszeiten für Gegenlichtaufnahmen, weil<br />
dann die Sonne niedrig am Himmel steht. Benutzen Sie<br />
eine Gegenlichtblende, um Blendenflecke zu vermeiden<br />
und überprüfen Sie Ihre Aufnahmen regelmäßig anhand<br />
des Histogramms. Gegenlicht kann das<br />
Belichtungsmesssystem Ihrer Kamera zu<br />
Fehlbelichtungen veranlassen. Setzen Sie die<br />
Belichtungskorrektur ein, falls Ihre Fotos unter- oder<br />
überbelichtet sind. Besonders geeignet ist Gegenlicht<br />
bei transparenten Objekten wie Pflanzenblättern und<br />
den Flügeln von Insekten. Zuhause in den eigenen vier<br />
Wänden können Sie einen Lichtkasten benutzen, um<br />
den Gegenlichteffekt zu erzeugen.<br />
Bereit für Nahaufnahmen<br />
QUALITÄT<br />
Wählen Sie das Raw-Format als<br />
Speicherformat. Für Nahaufnahmen<br />
brauchen Sie die bestmögliche<br />
Bildqualität, die die feinsten Details<br />
und den größtmöglichen<br />
Farbtonumfang abbildet. Das<br />
Raw-Format ermöglicht dies,<br />
außerdem gibt es Ihnen einen<br />
größeren Spielraum für<br />
Veränderungen in der<br />
Nachbearbeitung.<br />
KAMERABETRIEBSART<br />
Die Priorität liegt eindeutig auf der<br />
Steuerung der Schärfentiefe.<br />
Benutzen Sie deswegen die<br />
Zeitautomatik oder die manuelle<br />
Betriebsart der Kamera. Die<br />
Zeitautomatik ist am effizientesten:<br />
Sie wählen die Blende, die Ihnen<br />
die gewünschte Tiefenschärfe<br />
liefert, und die Kamera stellt<br />
automatisch die korrekte<br />
Verschlusszeit ein.<br />
ISO-EMPFINDLICHKEIT<br />
Falls möglich, wählen Sie die<br />
geringste ISO Empfindlichkeit der<br />
Kamera, um die Bildqualität zu<br />
maximieren und so viele Details wie<br />
möglich abzubilden. Falls Sie jedoch<br />
aus der Hand fotografieren oder ihr<br />
Motiv sich bewegt, müssen Sie die<br />
ISO-Empfindlichkeit eventuell<br />
erhöhen, um eine Verschlusszeit zu<br />
erzeugen, die kurz genug ist,<br />
Bewegungsunschärfe zu verhindern.<br />
SCHARFSTELLEN<br />
Manuelles Scharfstellen bietet<br />
in der Makrofotografie generell<br />
die größte Genauigkeit. Wenn<br />
Sie ein Stativ benutzen,<br />
aktivieren Sie den LiveView.<br />
Zoomen Sie in den Bereich ein,<br />
auf dem der Schärfepunkt<br />
liegen soll, und stellen Sie<br />
sorgfältig scharf.
HELEN DIXON<br />
Sie können Gegenlichtaufnahmen auch so<br />
gestalten, dass nur noch die Silhouette Ihres Motivs<br />
auf dem Foto erkennbar ist. Doch diese<br />
Aufnahmetechnik lebt von einfachen Formen.<br />
Verwenden Sie deshalb nur eindeutig erkennbare<br />
Objekte als Motiv, wobei Sie sie möglichst vor einem<br />
warmen, farbigen Himmel abbilden. Um diesen<br />
Silhouetten-Effekt zu erzeugen, nehmen Sie die<br />
Belichtungsmessung auf dem hellen Hintergrund<br />
vor.<br />
Nutzen Sie auch die Möglichkeiten, die Ihnen ein<br />
bedeckter Himmel bietet. Wolken wirken wie ein<br />
gigantischer Diffusor, der das harte, gerichtete<br />
Sonnenlicht diffus und weich werden lässt. Ein heller<br />
bedeckter Himmel passt besonders zu<br />
Nahaufnahmen der Pflanzenwelt, wobei Sie feine<br />
Details und intensiv gesättigte Farben aufnehmen<br />
können.<br />
KUNSTLICHT<br />
Viele Fotografen bevorzugen das natürliche<br />
Tageslicht, doch wenn Sie so nah am Objekt arbeiten<br />
wie bei der Makrofotografie, sind die Lichtverhältnisse<br />
oftmals nicht ideal. Allzu oft ist es ihr eigener Körper<br />
oder die auf dem Stativ befindliche Kamera, die das<br />
Licht von Ihrem Motiv fernhalten. Hinzu kommt, dass<br />
eine stark vergrößernde Optik mehr Licht absorbiert<br />
als ein normales Objektiv. Die Lösung des Problems<br />
besteht darin, reflektiertes Licht für sich arbeiten zu<br />
lassen, indem Sie einen Reflektor verwenden. Sind<br />
jedoch die Lichtverhältnisse generell zu schlecht, um<br />
beispielsweise die Bewegung eines Insekts<br />
einzufrieren oder feine Details und Farbtöne<br />
aufzunehmen, hilft nur noch das Blitzgerät. Der in der<br />
Kamera eingebaute Blitz und ein externes, auf den<br />
Zubehörschuh gestecktes Blitzgerät sind jedoch<br />
wenig geeignet, weil deren relativ hohe Position über<br />
der Kamera dazu führen kann, dass der Blitz ihr Motiv<br />
gar nicht trifft oder das zusätzlich andere in der Nähe<br />
befindliche Objekte beleuchtet werden, ein Effekt der<br />
völlig kontraproduktiv ist. Aus diesem Grund ist hier<br />
ein Makro-Blitzgerät in Form eines Ringblitzes am<br />
besten geeignet. Wann immer Sie künstliches Licht<br />
benutzen, soll das Ergebnis trotzdem natürlich<br />
aussehen. Das kann schwierig werden, wenn das<br />
Blitzgerät sich nah am Motiv befindet. Aus diesem<br />
Grund ist die Streuung des Lichts in diesem Fall<br />
entscheidend. Es gibt nur wenige Diffusoren für<br />
bestimmte Ringblitzgeräte, deswegen werden Sie<br />
sich vielleicht Ihren eigenen herstellen müssen. Eine<br />
Möglichkeit ist, Küchenpapier von der Rolle so<br />
zuzuschneiden, dass es um den Blitzring gelegt<br />
werden kann. Das genügt meistens schon, um den<br />
Lichtblitz weicher zu machen und natürlicher<br />
aussehende Bilder zu bekommen.<br />
WEISSABGLEICH<br />
Der automatische Weißabgleich (AWB) ist<br />
in den meisten Fällen zuverlässig. Er kann<br />
jedoch im wahren Sinn des Wortes<br />
hinters Licht geführt werden, wenn ihr<br />
Motiv von einem einzigen Farbton<br />
dominiert wird. In einer solchen Situation<br />
ist es besser, auf einen angepassten<br />
Weißabgleich zurückzugreifen. Wenn Sie<br />
im Raw-Format fotografieren, können Sie<br />
den Weißabgleich ohnehin in der<br />
Nachbearbeitung einstellen.<br />
SPIEGELVORAUSLÖSUNG<br />
Wenn Sie ein Stativ benutzen, schalten Sie<br />
die Spiegelvorauslösung ein. Dadurch wird<br />
der Spiegel der Kamera hochgeklappt,<br />
bevor sich der Verschluss geöffnet. Das<br />
eliminiert interne Vibrationen, die<br />
ansonsten die Schärfe feiner Details des<br />
Motivs beeinträchtigen würden. Diese<br />
Funktion erfordert zweimaliges Drücken<br />
des Auslösers, wobei zuerst der Spiegel<br />
hochgeklappt und anschließend der<br />
Verschluss ausgelöst wird.<br />
Checkliste: Das Wesentliche<br />
❏ Wählen Sie die Blende mit Bedacht. Für große<br />
Schärfentiefe brauchen Sie eine kleine Blende. Um ihr<br />
Motiv gegen einen diffusen, unscharfen Hintergrund zu<br />
isolieren, wählen Sie eine große Blende.<br />
❏ Nehmen Sie sich die Zeit, akkurat scharfzustellen, denn<br />
die Schärfentiefe ist bei Nahaufnahmen sehr begrenzt.<br />
❏ Überschätzen Sie nicht Ihre Fähigkeit, die Kamera ruhig<br />
zu halten. Benutzen Sie möglichst immer ein Stativ. Wenn<br />
nicht, stellen Sie eine Verschlusszeit ein, die kurz genug<br />
ist, dass Sie die Kamera nicht verwackeln können.<br />
❏ Positionieren Sie die Kamera so, dass der Kamerasensor<br />
parallel zu Ihrem Motiv verläuft. So wird die Schärfentiefe<br />
optimiert.<br />
❏ Um die Schärfe zu maximieren, benutzen Sie ein Stativ,<br />
die Spiegelvorauslösung und einen Fernauslöser.<br />
❏ Achten Sie genau auf Ihre Position zur Sonne. Wenn Sie<br />
sehr nah an Ihrem Motiv arbeiten, ist die Gefahr groß,<br />
dass Ihr eigener Schatten darauf fällt.
116 Makro-<strong>Fotografie</strong> EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
Insekten<br />
Insekten sind die Favoriten vieler<br />
Makro-Fotografen, denn ihr bizarres<br />
Äußeres macht sie zu fantastischen<br />
Motiven. Mit Makroobjektiv oder Nahfilter<br />
bekommen Sie formatfüllende<br />
Aufnahmen dieser mit ihren<br />
überdimensionierten Augen, riesigen<br />
Unterkiefern und langen Antennen wie<br />
Außerirdische anmutenden Kreaturen.<br />
Sie finden sie überall, im eigenen<br />
Garten, im Park und im Wald. Suchen Sie<br />
entlang der Vegetation an Ufern, im<br />
hohen Gras, oder an Hecken. Überall<br />
finden Sie Marienkäfer, Florfliegen, Käfer,<br />
Grashüpfer, Motten, Schmetterlinge und<br />
Libellen. Der frühe Morgen und der späte<br />
Nachmittag sind die besten Zeiten zum<br />
<strong>Fotografie</strong>ren, weil Insekten als Kaltblüter<br />
zu diesen Tageszeiten weniger aktiv sind,<br />
unbeweglicher als in der Wärme des<br />
Tages. Auch das Licht ist zu diesen Zeiten<br />
viel besser und die niedrigere Position<br />
der Sonne gibt Ihnen einen größeren<br />
Spielraum für Ihre eigene Kreativität. So<br />
können Sie beispielsweise mit Gegenlicht<br />
arbeiten oder versuchen, Silhouetten<br />
einzufangen. Haben Sie ein geeignetes<br />
Subjekt gefunden, bestimmen Sie die<br />
Belichtung. Schärfentiefe ist<br />
entscheidend, schalten Sie die Kamera<br />
also auf Zeitautomatik oder manuelle<br />
Belichtung. Am besten wählen Sie eine<br />
Blende, klein genug, Ihr Motiv scharf zu<br />
bekommen, doch groß genug, die<br />
umgebende Vegetation aus dem<br />
Schärfebereich herauszunehmen. Ein<br />
Wert um f/8 oder f/11 ist normalerweise<br />
ein guter Ausgangspunkt, doch die<br />
benötigte Schärfentiefe hängt sehr stark<br />
vom Subjekt ab, von der Stärke der<br />
Vergrößerung und vom Gesamteindruck<br />
des Bildes, den Sie erreichen möchten.<br />
Meistens müssen Sie sehr schnell<br />
arbeiten, weil die Winzlinge keine<br />
Rücksicht auf Ihre Fokusprobleme<br />
nehmen, sondern sich mehr oder<br />
weniger schnell wieder auf ihren Weg<br />
machen. Deshalb ist ein Stativ in aller<br />
Regel unpraktisch, weswegen Sie aus der<br />
Hand fotografieren müssen. Damit die<br />
Verschlusszeiten kurz bleiben -<br />
idealerweise oberhalb 1/200 Sekunde<br />
- erhöhen Sie den ISO-Wert auf 400 oder<br />
800, falls erforderlich.<br />
Wie bei jedem freilebenden Tier ist es<br />
nicht ganz einfach, nah genug<br />
heranzukommen, bevor der Fluchtreflex<br />
einsetzt. Erhöhen Sie Ihre<br />
Oben: Geduld ist gefragt, wenn Sie Insekten<br />
fotografieren wollen – die Belohnung sind<br />
großartige Naturaufnahmen.<br />
Rechts: Der Hintergrund ist von großer<br />
Bedeutung, er sollte frei sein von ablenkenden<br />
Elementen – einer wie dieser ist ideal.<br />
Erfolgschancen, indem Sie sich langsam<br />
in Schussposition bringen und dabei<br />
vermeiden, Ihren eigenen Schatten auf<br />
das Tier fallen zu lassen oder hohes Gras<br />
und Zweige zu berühren. Stellen Sie<br />
manuell scharf - das ist bei<br />
Nahaufnahmen nicht nur genauer,<br />
sondern auch leiser: Das Geräusch<br />
mancher AF-Systeme kann schon<br />
ausreichen, um das Tier aufzuschrecken.<br />
Achten Sie darauf, dass der<br />
Scharfstellpunkt auf den Augen des<br />
ROSS HODDINOTT<br />
Motive zum Ausprobieren...<br />
ROSS HODDINOTT<br />
ROSS HODDINOTT<br />
ISTOCK PHOTO<br />
ROSS HODDINOTT<br />
ROSS HODDINOTT<br />
SCHMETTERLINGE<br />
Schmetterlinge gehören zu<br />
den beliebtesten Motiven. Sie<br />
lassen sich am leichtesten<br />
fotografieren, wenn Sie in der<br />
Sonne sitzen oder sich gerade<br />
an einer Blüte gütlich tun.<br />
Direkt von oben<br />
aufgenommen, sind die<br />
Zeichnungen ihrer Flügel am<br />
besten zu sehen.<br />
LIBELLEN<br />
Libellen finden Sie in<br />
Feuchtgebieten. Sie sind oft<br />
territorial, was bedeutet dass<br />
Sie beispielsweise regelmäßig<br />
auf denselben Zweig<br />
zurückkehren. Wenn Sie<br />
einen solchen bevorzugten<br />
Ruheplatz identifiziert haben,<br />
legen Sie sich auf die Lauer<br />
und halten die Kamera bereit.<br />
MARIENKÄFER<br />
Der Marienkäfer ist in jedem<br />
Garten Stammgast. Suchen Sie<br />
die Vegetation sorgfältig ab und<br />
Sie werden fast immer mehr als<br />
nur ein Exemplar finden. Sie<br />
können es vorsichtig auf einen<br />
Grashalm oder eine Blume<br />
umquartieren, um eine<br />
ansprechende Bildkomposition<br />
zu bekommen.<br />
GRASHÜPFER<br />
Auch Grashüpfer gehören zu<br />
den Gartenbewohnern. Im<br />
Sommer können Sie ganze<br />
Horden von unterschiedlicher<br />
Größe und Farbe auf den<br />
Heuwiesen antreffen. Doch sie<br />
bleiben nicht lange an einem<br />
Platz. <strong>Fotografie</strong>ren Sie sie auf<br />
„Augenhöhe“, das ergibt einen<br />
natürlichen Blickwinkel.<br />
HUMMEL<br />
Hummeln und Bienen sind<br />
nicht leicht in den Kasten zu<br />
bekommen, doch sehr fotogen.<br />
Halten Sie sich in der Nähe von<br />
nektarreichen Blumen wie dem<br />
Lavendel auf und warten Sie. Es<br />
ist eine Geduldsprobe, doch<br />
wenn der Moment gekommen<br />
ist, müssen Sie schnell<br />
scharfstellen und abdrücken.
EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
Makro-<strong>Fotografie</strong> 117<br />
ROSS HODDINOTT<br />
Nähern Sie sich Insekten grundsätzlich langsam und<br />
achten Sie dabei darauf, die umgebende Vegetation nicht zu<br />
bewegen, denn schon die geringste Bewegung löst den<br />
Fluchtreflex der Tiere aus.<br />
Tieres liegt, und schießen Sie eine<br />
schnelle Bildserie. So ist Ihre Chance am<br />
größten, wenigstens ein gestochen<br />
scharfes Bild zu erhalten.<br />
Bei der Bildkomposition sollten<br />
Sie kreativ sein. Oft ist es am<br />
besten, aus einem<br />
seitlichen Winkel oder<br />
direkt von oben zu<br />
fotografieren, besonders<br />
bei Schmetterlingen oder<br />
Motten mit<br />
ausgestreckten Flügeln. Es<br />
besteht jedoch die Gefahr,<br />
dass Sie sich diese Perspektive<br />
zur Gewohnheit machen und Ihre<br />
Bilder sich sehr ähneln. Schrecken Sie<br />
also auch vor gewagteren<br />
Bildkompositionen nicht zurück.<br />
HINWEIS<br />
Der eigene Garten ist einer<br />
der besten Orte für die<br />
Naturfotografie. Pflanzen<br />
Sie nektarreiche Blumen<br />
wie den<br />
Schmetterlingsstrauch an<br />
und lassen Sie Teile des<br />
Rasens hoch wachsen, um<br />
die Insekten in den Garten<br />
zu locken.<br />
Versuchen Sie es aus anderen Winkeln<br />
oder direkt von vorn, um die Augen des<br />
Tiers zu betonen. Ein ungewöhnlicher<br />
Blickwinkel macht Ihre Aufnahmen<br />
gleich interessanter.<br />
Formatfüllende Motive<br />
machen einen starken<br />
Eindruck, doch es kann<br />
sich auch lohnen, mehr<br />
von der Umgebung des<br />
Insekts mit ins Bild zu<br />
nehmen, weil die<br />
Umgebung meistens auch<br />
etwas über das Tier und<br />
seinen Lebensraum aussagt.<br />
Auch Leerräume schaffen eine<br />
visuell stimulierende Bildkompositionen<br />
und unterstreichen die Winzigkeit des<br />
Insekts.<br />
Checkliste: Insekten<br />
❏ Je weiter Sie sich von einem Insekt<br />
fernhalten, umso geringer ist die<br />
Wahrscheinlichkeit, dass es nervös wird<br />
und flieht. Die besten Chancen haben Sie<br />
mit einem Tele-Makroobjektiv mit einer<br />
Brennweite größer als 100mm.<br />
❏ Insekten sind am frühen Morgen und<br />
am späten Nachmittag weniger aktiv,<br />
deswegen sind dies die<br />
erfolgversprechendsten Tageszeiten für<br />
Ihre Pirsch. Außerdem ist das Licht dann<br />
besser.<br />
❏ Achten Sie auf den Hintergrund.<br />
Geknicktes Gras, Zweige oder tote<br />
Vegetation können eine Aufnahme<br />
verderben. Oft können Sie die störenden<br />
Objekte schon durch eine geringfügige<br />
Standortänderung aus dem Bild nehmen.<br />
❏ Stellen Sie grundsätzlich auf die Augen<br />
scharf, selbst wenn das bedeutet, dass<br />
nicht das gesamte Motiv scharf abgebildet<br />
werden kann.<br />
❏ Die Unversehrtheit der filigranen Tiere<br />
ist oberstes Gebot. Unternehmen Sie also<br />
nichts, das sie in Gefahr bringen könnte.
118 Makro-<strong>Fotografie</strong> EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
Pflanzen und<br />
Blumen<br />
Blumen sind dankbare Motive für die<br />
Makrofotografie. Ob es sich um Wildblumen wie<br />
Magnolien oder Mohn handelt oder um<br />
Kulturpflanzen wie Lilien, Orchideen und Tulpen –<br />
der fotografische Ansatz und die Aufnahmetechnik<br />
sind dieselben. Ruhige Tage sind am besten, weil<br />
Blumen sich bei Wind in alle Richtungen bewegen.<br />
Wenn Sie jedoch bei windigem Wetter arbeiten<br />
müssen, fixieren Sie die Pflanzen mit einer Plamp<br />
oder erzeugen Sie mit Hilfe eines geeigneten<br />
Gegenstandes einen Windschatten. Bedeckter<br />
Himmel bietet die besten Lichtverhältnisse,<br />
weil der dadurch entstehende geringere<br />
Kontrast die Darstellung der Farben<br />
und der feinen Details verbessert.<br />
Ein Polfilter sorgt für die<br />
Unterdrückung von<br />
Reflexionen und hilft zusätzlich,<br />
die natürliche Farbsättigung zu<br />
bewahren. Das frühe<br />
Morgenlicht und das letzte<br />
Tageslicht sind warm und<br />
passen deshalb zu<br />
Blumenmotiven. Gegenlicht kann<br />
ganz besondere Stimmungen<br />
erzeugen, es unterstreicht die<br />
Lichtdurchlässigkeit von Blüten und Blättern und legt<br />
attraktive Lichtränder um deren Umrisse. Falls Sie in<br />
der Tagesmitte fotografieren und das Licht zu<br />
kontrastreich wird, sollten Sie einen Reflektor zur<br />
Hand haben. Damit hellen Sie schattige Bereiche auf.<br />
In der Blumenfotografie sorgt ein schmaler<br />
Schärfentiefenbereich meist für sehr künstlerisch<br />
wirkende Aufnahmen. Verwenden Sie die größte<br />
Blendenöffnung, die zur Verfügung steht, in der<br />
Regel f/2.8 oder f/4, und stellen Sie auf einen Bereich<br />
scharf, der visuell besonders interessant ist, die<br />
Härchen am Blumenstängel unterhalb der Blüte<br />
beispielsweise. Der schmale Schärfentiefebereich<br />
sorgt dafür, dass alles Andere leicht unscharf wird,<br />
HINWEIS<br />
Einen transportablen und schnell<br />
aufzubauenden Windschutz<br />
können Sie ganz einfach aus starker<br />
Plastikfolie herstellen, die von ein<br />
paar Aluminiumstangen in Position<br />
gehalten wird. Eine Alternative<br />
dazu ist z. B. ein Lastolite Cubelite,<br />
der kleinere Objekte vor Wind<br />
schützt und gleichzeitig als Diffusor<br />
dient.<br />
wodurch das Auge des<br />
Betrachters automatisch auf den<br />
von Ihnen beabsichtigte<br />
Bildbereich geführt wird.<br />
Achten Sie genau auf den<br />
Hintergrund Ihres Motivs. Einfachheit ist<br />
hier Trumpf. Ein leicht verwischter,<br />
unscharfer Hintergrund, aufgeräumt und ohne<br />
ablenkende Objekte, ist am besten. Um den zu<br />
bekommen, fotografieren Sie nur solche Blumen, die<br />
sich optisch leicht von ihrem Hintergrund isolieren<br />
lassen. Suchen Sie nach Exemplaren, die höher als<br />
die sie umgebenden Pflanzen gewachsen sind oder<br />
die in unkritischer Entfernung vom gewählten<br />
Hintergrund stehen. Entfernen Sie störendes Gras<br />
und Zweige mit einer Schere oder drücken Sie sie mit<br />
der Hand flach an den Boden. Stellen Sie sich selbst<br />
so, dass andere Blumen außerhalb des<br />
Schärfentiefebereichs einen schönen farbig<br />
verwaschenen Hintergrund abgeben.<br />
Sie müssen übrigens gar nicht in die freie Natur<br />
Oben: Die Schärfentiefe ist in der Makrofotografie<br />
hauchdünn, stellen Sie also besonders sorgfältig scharf.<br />
Rechts: Staubbeutel von Blüten sehen immer eindrucksvoll<br />
aus, wenn Sie die Makro-Aufnahmetechnik beherrschen.<br />
hinaus, um Blumen zu fotografieren. Sie können<br />
Blumen aus dem Garten holen oder Sie beim<br />
örtlichen Floristen kaufen. Innenaufnahmen<br />
ermöglichen Ihnen eine bessere Steuerung der<br />
Lichtverhältnisse, und Sie können den Hintergrund<br />
selbst bestimmen. Benutzen Sie farbigen Karton oder<br />
farbiges Tuch. Mit der Wahl der Farbe bestimmen Sie<br />
auch den Kontrast zum Motiv. Durch ein Fenster<br />
einfallendes Licht ergibt eine natürliche Beleuchtung.<br />
Wie immer ist das Licht von besonderer<br />
Bedeutung. Ein bedeckter Himmel liefert oft das<br />
beste Licht für Blumenfotos. Starkes, direktes Licht ist<br />
zu harsch und kontrastreich, wodurch Details und<br />
feine Farbabstufungen verloren gehen. Aufgrund der<br />
Transparenz vieler Pflanzenteile ist künstliches<br />
Gegenlicht als Beleuchtung für Pflanzen ebenfalls<br />
sehr gut geeignet.<br />
ISTOCK PHOTO<br />
Ohne Reflektor<br />
Mit Reflektor<br />
Oben: Welchen Nutzen die Verwendung eines Reflektors bietet,<br />
ist hier klar zu erkennen: Er eliminiert Schatten und holt Details<br />
des Motivs hervor.detail.<br />
ROSS HODDINOTT<br />
Ohne Reflektor<br />
Mit Reflektor<br />
Oben: Das satte Grün des Blattwerks wird durch einen<br />
Polfilter noch intensiver.<br />
ROSS HODDINOTT<br />
Zimmerpflanzen<br />
Wenn Sie Kulturpflanzen in geschlossenen Räumen aufnehmen, sind<br />
die Bedingungen besser zu steuern als in Freien. Wind braucht Sie nicht<br />
zu kümmern, und Sie können sich die Blumen genau aussuchen, damit<br />
Sie nur makellosen Exemplare vor der Kamera haben. Wählen Sie<br />
Blumen mit ausgeprägten Formen. Dazu zählen Gerbera, Dahlien,<br />
Lilien und Tulpen. Das durch ein Fenster ins Zimmer fallende Tageslicht<br />
ist eine schöne natürliche Lichtquelle. Arrangieren Sie die Pflanzen<br />
deshalb nah an einem Fenster. Ist das Licht zu stark, ziehen Sie eine<br />
Gardine vor, falls sie weiß ist; ansonsten behelfen Sie sich mit einem<br />
weißen Bettlaken. Damit Ihr Motiv gut zur Geltung kommt, gehen Sie<br />
nah heran und füllen das Sucherbild damit aus. Oder Sie nehmen<br />
Details wie Blütenblätter oder Blütenstaubbeutel in den Sucher. Dazu<br />
müssen Sie natürlich noch näher an das Motiv heran. Doch nirgendwo<br />
steht geschrieben, dass das gesamte Motiv scharf abgebildet werden<br />
muss. Eine weit offene Blende von f/2.8 oder f/4 erzeugt einen sehr<br />
schmalen Schärfentiefebereich und ermöglicht künstlerische, kreative<br />
Fotos.<br />
Probieren Sie auch verschiedene Blickwinkel aus, mit der Kamera hoch<br />
über dem Kopf oder sehr niedrigen Kamerastandpunkten können Sie<br />
besondere visuelle Eindrücke erreichen. Der Hintergrund sollte einfach<br />
gehalten werden. Farbiger Karton und farbige Textilien, die wenigstens<br />
30cm vom Motiv entfernt sind, sorgen für einen unaufdringlichen, das<br />
Motiv besonders hervorhebenden Hintergrund.
EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
Makro-<strong>Fotografie</strong> 119<br />
HELEN DIXON<br />
ISTOCK PHOTO<br />
Checkliste: Blumen<br />
❏ Achten Sie auf ein idealtypisches, makelloses Aussehen Ihrer<br />
Blumen, weil schon der kleinste Schönheitsfehler aufgrund der<br />
starken Vergrößerung Ihr Bild verderben kann.<br />
❏ Ein Polfilter reduziert Blendenflecke bzw. Reflexionen am<br />
Objekt und sorgt für eine natürliche Farbsättigung von Blüten<br />
und Blättern.<br />
❏ Wenn Sie das Motiv noch attraktiver gestalten wollen,<br />
besprühen Sie die Blumen mit Wasser aus einem Zerstäuber,<br />
wodurch Dutzende kleine, reflektierende Wassertropfen auf<br />
Blüten und Blättern entstehen.<br />
❏ Halten Sie das Setup so einfach wie möglich. Es sollte sich<br />
nichts im Bildausschnitt befinden, das nichts mit dem Motiv zu<br />
tun hat. Ein kurzer Schärfentiefebereich ist oft am besten<br />
geeignet, um Ihr Motiv visuell von seiner Umgebung zu isolieren.<br />
❏ Ein Reflektor ist besonders nützlich in der Pflanzenfotografie,<br />
um hässliche Schatten zu neutralisieren. Der Vorteil des<br />
Reflektors gegenüber dem Aufhellblitz ist, dass Sie seine Wirkung<br />
schon vor der Aufnahme erkennen können. Zur Steuerung der<br />
Intensität des reflektierten Lichts verändern Sie den Abstand des<br />
Reflektors zum Motiv.
120 Makro-<strong>Fotografie</strong> EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
Kreativ mit Nahaufnahmen<br />
Wenn Sie in die richtige Ausrüstung für die<br />
Makrofotografie investiert und Ihre<br />
Aufnahmetechnik verbessert haben, bieten sich<br />
Ihnen schier endlose Möglichkeiten, diese kreativ<br />
einzusetzen. Beschränken Sie sich nicht nur auf die<br />
offensichtlichsten Motive; sowohl zu Hause als<br />
auch in freier Natur finden Sie reichlich Anregung.<br />
Formatfüllende Nahaufnahmen abstrahieren Ihr<br />
Objekt, um mit minimalem Aufwand künstlerische<br />
Fotos zu erhalten. Natürlich sind die Wahl der<br />
Beleuchtung und der Kamerastandpunkt wichtig,<br />
doch oft hat die Wahl der Blende den größten<br />
Einfluss auf die Bildwirkung. Ein flacher<br />
Schärfebereich beispielsweise, der<br />
durch eine große Blende erzeugt<br />
wird, ist oft das beste Stilmittel für<br />
faszinierende Makrofotos. Sie<br />
brauchen gar nicht das Haus zu<br />
verlassen. Lebensmittel sind ein<br />
schöner Ausgangspunkt.<br />
Formen, Oberflächenstrukturen<br />
und Farben von Früchten und<br />
Gemüse sehen hervorragend aus,<br />
wenn Sie sie aus kürzester Entfernung<br />
fotografieren. Dünne Scheiben von<br />
Zitronen, Orangen und Kiwi entfalten im<br />
Gegenlicht eine ganz besondere Wirkung. Mit<br />
einem Lichtkasten, der starkes Gegenlicht erzeugt,<br />
betonen Sie die Transparenz dieser Objekte.<br />
Auch Bohnen, Erbsen und Maiskörner sind<br />
geeignete Objekte für Makrofotos. Sie können in<br />
Mustern oder voneinander getrennten<br />
Formationen arrangiert werden. Ein niedriger<br />
Kamerastandpunkt bei geringer Schärfentiefe<br />
erzeugt dabei interessante Ergebnisse.<br />
Rauchspuren sind ein weiteres Motiv, das Sie mit<br />
wenig Aufwand in den eigenen vier Wänden<br />
HINWEIS<br />
Einen Blick für kreative<br />
Makromotive entwickeln Sie<br />
am schnellsten, wenn Sie sich<br />
Aufgaben mit klarer<br />
Zielsetzung stellen. Zum<br />
Beispiel „10 Makromotive im<br />
Wohnzimmer am nächsten<br />
Wochenende“ und „5<br />
Makromotive im Garten am<br />
Wochenende darauf“...<br />
fotografieren können. Aufsteigender Rauch<br />
erzeugt vielfältige, sich ständig ändernde und<br />
überlagernde Formen und Linien.<br />
Räucherstäbchen sind am sichersten anzuwenden<br />
und sie erzeugen eine gut sichtbare Rauchdichte.<br />
Rauch kontrastiert am besten mit einem einfachen<br />
schwarzen Hintergrund – ein ausreichend großes<br />
schwarzes Tuch erfüllt diesen Zweck. Achten Sie<br />
darauf, dass das Räucherstäbchen sicher fixiert ist<br />
und benutzen Sie das Blitzgerät, um die<br />
Rauchschwaden seitlich zu beleuchten. Stellen Sie<br />
eine relativ kurze Verschlusszeit ein, im Bereich von<br />
1/200 Sekunde und schießen Sie eine<br />
Bildserie, damit Sie unterschiedliche<br />
Rauchmuster einfangen. Bei der<br />
Nachbearbeitung können Sie das<br />
Foto invertieren und zusätzlich<br />
noch Farbe hinzufügen, um ein<br />
künstlerisch wirkendes Bild zu<br />
bekommen.<br />
Auch Wassertropfen sind<br />
fantastische Makromotive. Mit<br />
einem Zerstäuber können Sie<br />
kleine Wassertropfen auf das Objekt<br />
sprühen, das Sie fotografieren. Dadurch<br />
bekommt das Foto einen Maßstab und abgebildete<br />
Objekte wirken attraktiver. Zusätzlich reflektiert<br />
jeder einzelne Wassertropfen in der Nähe<br />
befindliche Objekte wodurch sich großartige<br />
Möglichkeiten für Nahaufnahmen ergeben. Sie<br />
können auch einen einzigen Tropfen aufnehmen,<br />
der auf eine Wasseroberfläche trifft. Dazu hängen<br />
Sie eine mit Wasser gefüllte Plastiktüte über ein<br />
Waschbecken oder eine Schüssel. Stellen Sie eine<br />
Blende in der Gegend von f/11 ein, damit Sie eine<br />
praktikable Schärfentiefe bekommen und stellen<br />
Sie die Blitzsynchronisationszeit Ihrer Kamera ein,<br />
Natürlich sind die Wahl der Beleuchtung und der<br />
Kamerastandpunkt wichtig, doch oft hat die Wahl der Blende<br />
den größten Einfluss auf die Bildwirkung.<br />
Spaßprojekte<br />
<strong>Fotografie</strong>ren soll Spaß machen. Inspirieren Sie<br />
Ihre Vorstellungskraft und scheuen Sie dabei<br />
nicht vor Experimenten zurück. Besorgen Sie<br />
sich z. B. Buchstabennudeln und probieren Sie,<br />
was sich damit anstellen lässt: lustige<br />
Wortschöpfungen und witzige Nachrichten<br />
sind längst nicht alles…<br />
Diese Art der Nahfotografie verbessert Ihre<br />
kreativen Fähigkeiten. Wenn Sie Ihre<br />
Bildelemente kombiniert haben, ist die<br />
Aufnahme selbst oft der einfachste Teil des<br />
ganzen Projekts.<br />
Oben: Probieren Sie Buchstabennudeln als Makromotiv!<br />
Unten und unten links: Die Beleuchtung ist ein<br />
wichtiger Aspekt der Nahfotografie. Bei Porträts hilft sie<br />
dabei, Linien und Formen zu unterstreichen, und bei<br />
transparenten Objekten hebt sie die Farben effektvoll im<br />
Gegenlicht hervor.<br />
ISTOCK PHOTO<br />
ISTOCK PHOTO
Makro-<strong>Fotografie</strong> 121<br />
ISTOCK PHOTO<br />
Oben: Oberflächenstrukturen sind großartige Motive<br />
für Makrofotos, z. B. verwittertes Holz oder abblätternde<br />
Farbe.<br />
Rechts: Wassertropfen sind ein klassisches Makromotiv.<br />
Ganz rechts: Mit Räucherstäbchen erzeugen Sie<br />
Rauchspuren, die träumerische, sehr fotogene Muster<br />
entstehen lassen.<br />
ISTOCK PHOTO<br />
ISTOCK PHOTO<br />
typischerweise 1/250 Sekunde. Bauen Sie das<br />
Blitzgerät seitlich auf und regeln Sie dessen<br />
Leistung auf 1/64 oder 1/32 herunter. Das verkürzt<br />
die Blitzzeit. Nun nehmen Sie eine Nadel und<br />
stechen unten in die Plastiktüte ein Loch, wodurch<br />
ein konstantes Tropfen erzeugt wird. Halten Sie<br />
einen Bleistift an der Stelle ins Wasser, an der die<br />
Wassertropfen auf die Wasseroberfläche<br />
aufschlagen und stellen Sie manuell auf diesen<br />
Punkt scharf. Nun versuchen Sie, genau in dem<br />
Moment auszulösen, in dem die Tropfen auf das<br />
Wasser treffen – als Ergebnis bekommen Sie<br />
künstlerische Wasserskulpturen. Sie können dieses<br />
Motiv variieren, indem Sie Milch oder gefärbtes<br />
Wasser benutzen.<br />
Auch verfallende Objekte sind sehr gute<br />
Makromotive. Abblätternde Farbe, zersplittertes<br />
Glas und rostige Maschinenteile gehören<br />
normalerweise nicht zu den Objekten, die wir<br />
fotografieren würden, doch ein Makrofoto zeigt<br />
deren interessante Oberflächenstrukturen und<br />
Details. Dadurch lässt sich ein künstlerischer Effekt<br />
erreichen, besonders wenn Sie das Foto später in<br />
Schwarzweiß konvertieren. Eine Kombination aus<br />
geringem Kontrast und diffusem Licht wird solchen<br />
Motiven am besten gerecht. Hafenanlagen,<br />
Friedhöfe, verfallene Gebäude, Werkstätten und<br />
Bauernhöfe sind Orte, an denen Sie eine Fülle<br />
solcher Motive finden.<br />
Die Liste für die Makrofotografie geeigneter<br />
Objekte ist endlos. Viele können Sie zu Hause<br />
aufnehmen, wo Sie vom Wetter unabhängig sind.<br />
Zur Übung sollten Sie sich ein konkretes Projekt<br />
vornehmen, zum Beispiel die Aufgabe,<br />
ausschließlich die Lebensmittel, Besteck und<br />
Kochutensilien Ihrer Küche zu fotografieren. Mit ein<br />
wenig Fantasie und einem kreativen Ansatz ist<br />
praktisch jedes Objekt für Makroaufnahmen<br />
geeignet.
122 Sport und Action EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
Sport und Action<br />
Sport- und Action-Fotos erfordern eine bestimmte Aufnahmetechnik, die manchmal<br />
wiederum spezielle Ausrüstung erfordert. Wir zeigen Ihnen hier, worauf es ankommt.<br />
Können Sie sich mit einer Hand über den Kopf<br />
streichen, während Sie sich mit der anderen Hand<br />
kreisförmig den Bauch reiben? Die Frage mag sich<br />
dumm anhören, aber sie ist relevant, denn die Sportund<br />
Action-<strong>Fotografie</strong> verlangt vergleichbare<br />
Fähigkeiten. Sie müssen mehrere Handlungen<br />
gleichzeitig ausführen und jede einzelne verlangt<br />
Können und Konzentration. Wenn Sie einen Moment<br />
nicht aufpassen, ist die Gelegenheit vorüber.<br />
Das Problem ist vergleichbar mit dem des<br />
Jonglierens mit Tellern: Entweder Sie können es, und<br />
die Teller bleiben oben, oder Sie können es nicht, und<br />
die Teller fallen herunter. Dazwischen gibt es nichts.<br />
Glücklicherweise kann es jeder lernen; was Sie<br />
brauchen ist Übung, Geduld und Ausdauer. Die Kunst<br />
guter Actionfotografie besteht darin, den Bruchteil<br />
einer Sekunde vorherzusehen, in dem das Geschehen<br />
seinen Höhepunkt erreicht. Dazu müssen Sie Ihre<br />
Ausrüstung gut genug beherrschen, dass Sie sie schnell<br />
und instinktiv benutzen können und Sie müssen<br />
Schärfe, Verschlusszeit und Blende schnell einstellen<br />
können. Darüber hinaus sollten Sie etwas von dem<br />
Thema verstehen, dass Sie fotografieren, damit Sie<br />
planen und erkennen können, wann wahrscheinlich<br />
eine fotogene Szene aufkommen wird.<br />
Genau den richtigen Moment abzupassen, ist bei<br />
manchen Sportarten einfacher als bei anderen. In<br />
vielen Fällen gibt es den Moment, wenn alles<br />
zusammenkommt und die Zeit sich zu verlangsamen<br />
scheint. Denken Sie an einen Stabhochspringer, wenn<br />
er die Latte passiert. Wenn er die erforderliche Höhe<br />
erreicht hat und seinen Rücken durchbiegt, gibt es<br />
einen Moment, an dem er still in der Luft zu verharren<br />
scheint; oder denken Sie an den Tennisspieler beim<br />
Aufschlag. Er ist am einfachsten zu fotografieren, wenn<br />
er den Ball gerade senkrecht hochgeworfen hat und<br />
den Tennisschläger über den Kopf nach hinten<br />
schwingt. Diese entscheidenden Momente sind<br />
einfacher einzufangen, weil sie genau vorhersehbar<br />
sind – Sie wissen genau, was passieren wird und wann<br />
es passieren wird, also können Sie es planen und sich<br />
darauf vorbereiten.<br />
AUSRÜSTUNG<br />
Moderne Fotoausrüstung ist für Action-Fotos<br />
bestens geeignet. Neuere Kameras haben einen<br />
sehr schnellen und präzisen Autofokus, hohe<br />
Bildfrequenzen der Serienbildfunktion und<br />
verblüffend leistungsfähige<br />
Belichtungsmesssysteme. All das macht die<br />
technischen Voraussetzungen für Action-Fotos<br />
einfacher als je zuvor. Sie brauchen keine extrem<br />
teuren Kameramodelle mehr, schon Einsteiger-<br />
DSLRs sind geeignet. An der Kamera liegt es heute<br />
also nicht mehr, wenn Sie keine guten Action-<br />
Fotos nach Hause bringen.<br />
Was die Objektive betrifft, sind Sie mit dem<br />
üblichen Brennweitenumfang gut gerüstet. Die<br />
meisten Sport- und Action-Bilder werden mit<br />
Tele-Festbrennweiten oder Telezooms<br />
geschossen, wobei das Objekt vergrößert und der<br />
Hintergrund durch geringe Schärfentiefe unscharf<br />
abgebildet wird.<br />
Ein Standard 70–300mm f/4-5.6 Telezoom-<br />
Objektiv reicht allemal aus. Natürlich ist es nicht so<br />
extrem leistungsfähig wie ein 300mm f/2.8<br />
Objektiv, aber dafür kostet es auch keine 6000€.<br />
Wenn beispielsweise die Verschlusszeit bei Blende<br />
f/5.6 nicht kurz genug ist, erhöhen Sie den<br />
ISO-Wert auf 200, 400 oder 800 – heutige<br />
Digitalkameras bieten bis ISO800 hervorragende<br />
Bildqualität, also nutzen Sie diese ISO-Werte und<br />
sparen eine Menge Geld. Vielleicht glauben Sie<br />
auch, 300mm Brennweite seien nicht genug, aber<br />
bei einer Kamera mit APS-C Sensor entsprechen<br />
300mm immerhin etwa 450mm im<br />
Kleinbildformat, und das ist schon eine ordentliche<br />
Telekanone, die fast immer ausreicht.<br />
Man braucht übrigens nicht grundsätzlich lange<br />
Brennweiten. Viele Action-Motive können aus<br />
kurzem Abstand fotografiert werden, insofern ist<br />
schon ein Standard-Zoom im Bereich von<br />
ISTOCK PHOTO<br />
Benutzen Sie einen Telekonverter an Ihrem Objektiv, und Sie kommen noch näher heran.<br />
Näher an der Action mit dem Telezoom<br />
18–55mm oftmals genug und manchmal ist sogar<br />
ein 10–20mm Weitwinkel-Zoom gefragt. Es hat<br />
nämlich den Vorteil, dass es Sie zwingt, näher<br />
heranzugehen, wodurch die Bilder eine bessere<br />
Dynamik bekommen, als wenn Sie ein Telezoom<br />
aus 150m Distanz benutzen.<br />
Was die Bildkomposition betrifft, unterscheiden<br />
sich beide ebenfalls ganz erheblich. Bei größerer<br />
Schärfentiefe wird ein größerer Bereich Ihres<br />
Objekts scharf abgebildet und die Verzerrung durch<br />
das Weitwinkel lässt die Bilder dramatischer<br />
aussehen.<br />
Nicht zuletzt sind Weitwinkelobjektive einfacher<br />
zu handhaben. Sie sind leichter, die<br />
Verwacklungsgefahr ist geringer und der bessere<br />
Schärfentiefebereich gibt Ihnen eine höhere<br />
Toleranz für kleine Fehler beim Scharfstellen. Im<br />
Gegensatz dazu wirken Aufnahmen mit<br />
Teleobjektiv gedrängter und flacher. Außer dem<br />
sind Teleobjektive schwerer und deswegen<br />
umständlicher zu benutzen, die ist Schärfentiefe<br />
begrenzt, und Sie müssen sehr präzise scharfstellen.<br />
Benutzen Sie grundsätzlich eine<br />
Gegenlichtblende, die auftretende Blendenflecke
EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
Sport und Action 123<br />
reduziert, besonders mit Weitwinkel bei sonnigem<br />
Wetter. Filter werden Sie in der Action-<strong>Fotografie</strong><br />
kaum brauchen, abgesehen von einem Graufilter<br />
vielleicht, mit dem Sie die Verschlusszeit<br />
verlängern.<br />
Beim Einsatz eines Teleobjektivs kann es<br />
sinnvoll sein, ein Einbeinstativ zu benutzen. Es gibt<br />
Ihnen noch genug Bewegungsfreiheit beim<br />
Verfolgen Ihres Motivs und beim Schwenken, aber<br />
es nimmt das Gewicht von Kamera und Objektiv<br />
auf und reduziert das Verwacklungsrisiko. Nicht<br />
zuletzt gibt es Ihnen einen definierten Drehpunkt<br />
für Kameraschwenks, was den Schwenk erheblich<br />
erleichtert.<br />
Dreibeinstative sind zu unhandlich für<br />
Action-Fotos, doch wenn Sie eine sehr langsame<br />
Verschlusszeit verwenden, um die Bewegung in<br />
einer Szene aufzunehmen, brauchen Sie trotzdem<br />
eins, sonst würde das gesamte Bild verwackeln.<br />
Dasselbe gilt für das Auslösen. Meistens werden<br />
Sie den Auslöser mit dem Finger herunterdrücken,<br />
doch das bedeutet, dass Sie nah bei der Kamera<br />
bleiben müssen. Mit einem Infrarot-Fernauslöser<br />
hingegen können Sie die Kamera nah am Ort des<br />
Geschehens aufbauen und aus größerer<br />
Entfernung auslösen. Manchmal ist das schon<br />
allein aus Sicherheitsgründen notwendig,<br />
andererseits gestattet der Fernauslöser Ihnen<br />
auch nah am Boden befindliche<br />
Kamerastandpunkte und steile Blickwinkel. Das<br />
kann beispielsweise an einer Pferderennbahn<br />
nützlich sein, an einer Motocross-Strecke oder<br />
bei einer Hürde in einem Leichtathletik-Stadion.<br />
Mit Fernauslöser können Sie auch lustige Szenen<br />
einfangen, etwa Kinder, die über die nah am<br />
Boden befindliche Kamera springen.<br />
Nicht zuletzt hat auch das Blitzgerät seine<br />
Daseinsberechtigung in der Action-<strong>Fotografie</strong>,<br />
nämlich zum „Einfrieren“ extrem schneller<br />
Bewegungen oder für kreative<br />
Aufnahmetechniken, bei denen Sie einen kurzen<br />
Blitz mit langer Verschlusszeit kombinieren, um<br />
bestimmte Bildteile scharf, andere aber<br />
verschwommen darzustellen. Der kameraeigene<br />
Miniblitz ist dazu vielleicht nicht stark genug,<br />
aber ein aufgestecktes Elektronenblitzgerät hat<br />
die erforderliche Leistung, experimentieren Sie<br />
also mit beiden.<br />
ISTOCK PHOTO<br />
Wesentliches Zubehör<br />
Objektive: Telezooms sind<br />
eine gute Wahl für<br />
Action-Bilder, denn Sie geben<br />
Ihnen einen sicheren<br />
Abstand zu Ihrem Objekt.<br />
Mit einem 70-300mm f/4-5.6 Telezoom holen<br />
Sie Ihr Motiv formatfüllend heran. Ein<br />
eingebauter Bildstabilisator ist umso<br />
hilfreicher, je weiter Sie heranzoomen. Am<br />
besten ist ein Modell mit 70-200mm oder<br />
70-300mm Brennweite und + f/2.8 als<br />
kleinstem Blendenwert, dass Ihnen auch bei<br />
schlechtem Licht kurze Verschlusszeiten<br />
ermöglicht, doch diese Lichtstärke ist teuer zu<br />
bezahlen und solche Objektive sind sehr<br />
schwer.<br />
Einbeinstativ: Einfacher zu<br />
handhaben als ein<br />
Dreibeinstativ, nimmt es nicht<br />
nur das Gewicht der Kamera<br />
auf, sondern es stabilisiert sie<br />
auch, was Ihnen kürzere Verschlusszeiten als<br />
aus der Hand erlaubt. Außerdem liefert es<br />
Ihnen einen guten Drehpunkt beim<br />
Schwenken. Achten Sie beim Kauf darauf,<br />
dass es eine komfortable Arbeitshöhe bietet,<br />
sonst müssen Sie dauernd vorübergebeugt<br />
stehen, wenn Sie durch den Sucher schauen.<br />
Blitzgerät: Sinnvoll zum<br />
„Einfrieren“ der Action bei<br />
schlechtem Licht. Versuchen<br />
Sie einen kurzen Blitz bei<br />
langer Verschlusszeit, mit<br />
dem Sie einerseits die Dynamik der<br />
Bewegungsunschärfe, andererseits aber ein<br />
gestochen scharfes Objekt abbilden können.<br />
Telekonverter:<br />
Ein kostengünstiger Weg zur<br />
„Reichweitenverlängerung“<br />
bereits vorhandener<br />
Objektive ist ein<br />
Telekonverter. Er wird zwischen<br />
Kameragehäuse und Objektiv angebracht<br />
und erzeugt Vergrößerungsfaktoren des 1,4-,<br />
1,5-, 1,7-, 2- oder sogar 3-fachen der<br />
vorhandenen Brennweite. So wird aus einem<br />
70–200mm-Objektiv mit 2-fachem<br />
Telekonverter ein 140–400mm-Objektiv.<br />
Allerdings verlieren Sie Lichtstärke: beim<br />
1,4-fach-Konverter ca. eine Blendenstufe,<br />
beim 3-fach-Konverter ca. drei<br />
Blendenstufen. Weiter ist zu beachten, dass<br />
der Autofokus Ihrer Kamera mindestens eine<br />
Blendenöffnung von f/5.6 braucht, damit er<br />
funktionieren kann. Ein 2-fach-Telekonverter<br />
macht also aus einer maximalen Blende von<br />
f/4 eine maximale Blende von f/8, sodass der<br />
Autofokus nicht mehr funktioniert.<br />
Speicherkarten: Bei<br />
Actionfotos sollte die<br />
Schreibgeschwindigkeit der<br />
eingelegten Speicherkarte so<br />
hoch wie möglich sein.<br />
Karten mit Schreibgeschwindigkeiten ab 133x<br />
sind notwendig, sonst ist der Pufferspeicher<br />
der Kamera bei Bildserien zu schnell voll, und<br />
die Serie bricht ab.
124 Sport und Action EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
Aufnahmetechniken<br />
Präzises Timing und akkurates Scharfstellen sind die Schlüssel, um Action einzufangen.<br />
Bewegung einfrieren<br />
Wenn Sie die Bewegung eines<br />
schnellen Objekts einfangen<br />
wollen, brauchen Sie eine kurze<br />
Verschlusszeit.<br />
ISTOCK PHOTO<br />
DIE BEDEUTUNG DER VERSCHLUSSZEIT<br />
Die benötigten Verschlusszeiten für schnelle<br />
Bewegungen hängen von drei Faktoren ab: erstens,<br />
wie schnell sich ein Objekt bewegt, zweitens, wie<br />
weit es von der Kamera entfernt ist und drittens von<br />
seiner Richtung. Bewegt sich das Objekt frontal auf<br />
Sie zu, kommen Sie mit einer längeren<br />
Verschlusszeit aus als wenn es seitlich vorbeizieht.<br />
Ist ein Objekt formatfüllend im Sucher, brauchen Sie<br />
zum Einfrieren eine kürzere Verschlusszeit als wenn<br />
es nur einen kleinen Teil des Suchers einnimmt.<br />
1/1000 oder 1/2000 Sekunde ist kurz genug, um<br />
die meisten Objekte einzufrieren, sofern die<br />
Lichtverhältnisse so kurze Verschlusszeiten<br />
erlauben. Orientieren Sie sich an der Tabelle mit den<br />
typischen Mindestverschlusszeiten für ausgewählte<br />
Objekte, die Sie auf der nächsten Seite finden.<br />
Wenn Sie die Blendenautomatik nutzen, wählen<br />
Sie die gewünschte Verschlusszeit aus, sodass die<br />
Kamera automatisch die passende Blende einstellt.<br />
Falls die erforderliche Blende größer ist als die<br />
maximal einstellbare Blende des Objektivs, müssen<br />
Sie eine längere Verschlusszeit wählen oder die<br />
ISO-Empfindlichkeit erhöhen. Wenn Sie<br />
beispielsweise bei ISO200 mit Ihrem Objektiv nur<br />
eine 1/250 Sekunde erreichen können, geben Ihnen<br />
ISO400 schon 1/500 Sekunde und ISO800 bereits<br />
1/1000 Sekunde.<br />
Natürlich müssen Sie nicht grundsätzlich<br />
MINIMALE VERSCHLUSSZEITEN<br />
Motiv<br />
Ganzer<br />
Bildausschnitt<br />
Verschlusszeiten benutzen, die die Objekte<br />
„einfrieren“. Wenn Sie eine langsamere Verschlusszeit<br />
verwenden, um bewusst Bewegungsunschärfe<br />
aufzunehmen, kann das viel dramatischere Fotos<br />
hervorbringen, weil dadurch die Bewegung sichtbar<br />
wird.<br />
Eine Option ist es, die Kamera zu fixieren, so dass<br />
Ihr Objekt verschwimmt, wenn es sich<br />
vorbeibewegt, während der Hintergrund scharf<br />
bleibt. Ein Beispiel für diese Aufnahmetechnik ist das<br />
Foto von den Berufspendlern, die morgens aus dem<br />
gerade in den Bahnhof eingefahrenen Zug steigen<br />
Halber<br />
Bildausschnitt<br />
45 Grad zur<br />
Kamera<br />
Frontal<br />
Jogger 1/250 Sek 1/125 Sek 1/125 Sek 1/60 Sek<br />
Pferd im Schritt 1/250 Sek 1/125 Sek 1/125 Sek 1/60 Sek<br />
Radfahrer/Sprinter 1/500 Sek 1/250 Sek 1/250 Sek 1/125 Sek<br />
Fahrzeug bei 65 km/h 1/500 Sek 1/250 Sek 1/250 Sek 1/125 Sek<br />
Fahrzeug bei 130 km/h 1/1000 Sek 1/500 Sek 1/500 Sek 1/250 Sek<br />
Pferd im Galopp 1/1000 Sek 1/500 Sek 1/500 Sek 1/250 Sek<br />
Tennisaufschlag 1/1000 Sek 1/500 Sek 1/500 Sek 1/250 Sek<br />
Formel 1 Rennen 1/2000 Sek 1/1000 Sek 1/1000 Sek 1/500 Sek<br />
Fahrender Zug 1/2000 Sek 1/1000 Sek 1/1000 Sek 1/500 Sek<br />
und eilig den Rolltreppen zustreben.<br />
Experimentieren Sie mit Verschlusszeiten von 1/2<br />
Sekunde bis zu mehreren Sekunden, um den Grad<br />
der Bewegungsunschärfe zu variieren. Die<br />
Aufnahmetechnik funktioniert selbstverständlich<br />
auch bei einzelnen, sich bewegenden Objekten, wie<br />
einem Auto, einem Radfahrer oder einem<br />
Fußgänger. Experimentieren Sie auch hier mit<br />
unterschiedlichen Verschlusszeiten, in diesem Fall<br />
vielleicht mit Zeiten zwischen 1/30 Sekunde und 1/2<br />
Sekunde, je nach Tempo und angestrebter<br />
Bewegungsunschärfe des Objekts.
EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
Sport und Action 125<br />
ISTOCK PHOTO<br />
Üben Sie Schwenks<br />
Diese Aufnahmetechnik will gelernt<br />
sein, doch wenn Sie sie beherrschen,<br />
werden Ihre Actionfotos erst richtig<br />
Eindruck machen.<br />
Aufnahmetechnik<br />
SCHWENKEN<br />
Eine weitere Aufnahmetechnik ist der Schwenk mit<br />
langer Verschlusszeit. Die Kamera wird mit dem<br />
beweglichen Objekt geschwenkt, wobei die<br />
Drehung aus der Hüfte kommt und Sie gleichzeitig<br />
den Auslöser drücken. Dadurch entsteht ein Bild,<br />
auf dem das Objekt scharf abgebildet, der<br />
Hintergrund aber verwischt ist. Diese<br />
Aufnahmetechnik wird gerne in der Sportfotografie<br />
eingesetzt, besonders im Motorsport.<br />
Es funktioniert so: Zuerst stellen Sie die<br />
Belichtung ein und wählen eine geeignete<br />
Verschlusszeit (s. Tabelle oben), dann schalten Sie<br />
die Kamera auf kontinuierlichen Autofokus und<br />
aktivieren ggf. zusätzlich die Serienbildfunktion.<br />
Wenn sich das Objekt auf Sie zu bewegt, verfolgen<br />
Sie es bis zu einem Punkt genau Ihnen gegenüber,<br />
wobei Sie die Kamera in demselben Tempo<br />
bewegen wie das Objekt. Jetzt drücken Sie den<br />
Auslöser und schwenken die Kamera, bis die<br />
Aufnahme oder Bildserie im Kasten ist. Schwenken<br />
Sie dabei die Kamera weiter, damit sich eine weiche,<br />
geradlinige Bewegung ergibt.<br />
Das hört sich ganz leicht an, hat aber seine<br />
Tücken und es braucht einige Übung, bis Sie es<br />
beherrschen. Entscheidend ist die weiche,<br />
Zu schnell geschwenkt Zu langsam geschwenkt<br />
horizontale Drehung aus der Hüfte. Die gelingt am<br />
besten, wenn Sie die Kamera ans Auge nehmen und<br />
gleichzeitig die Ellbogen in die Seite stemmen.<br />
Weiterhin müssen Sie die Kamera so exakt wie<br />
möglich horizontal schwenken, damit keine<br />
vertikale Bewegung hinzukommt. Falls Ihr Schwenk<br />
„uneben“ ist, oder das aufgenommene Objekt sich<br />
selbst vertikal bewegt, nehmen Sie sowohl dessen<br />
Bewegungsunschärfe als auch die durch den<br />
Schwenk erzeugte Unschärfe des Hintergrunds auf.<br />
Das kann zwar sehr dynamische Bilder ergeben, der<br />
Effekt ist jedoch sehr schwer zu steuern.<br />
Orientieren Sie sich zu Beginn an der Tabelle auf<br />
LEE FROST<br />
der vorherigen Seite, um den Geschwindigkeiten<br />
der unterschiedlichen Objekte die passende<br />
Verschlusszeit zuzuordnen. Wenn Sie mehr Übung<br />
haben und ihre Aufnahmetechnik besser wird,<br />
beginnen Sie, mit längeren Verschlusszeiten zu<br />
arbeiten, was für deutlichere Darstellung der<br />
Bewegung sorgt. Entsprechend dramatischer wird<br />
der Bildeindruck. Doch je länger die Verschlusszeit,<br />
desto schwieriger wird es, das sich bewegende<br />
Objekt scharf zu halten und umso mehr wird der<br />
Hintergrund verschwimmen, wodurch der Eindruck<br />
der Geschwindigkeit über das reale Maß hinaus<br />
übertrieben wird.<br />
ISTOCK PHOTO
126 Sport und Action EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
Richtig<br />
scharfstellen<br />
Präzises Scharfstellen ist unbedingt<br />
erforderlich, wenn Sie schnelle<br />
Objekte gestochen scharf abbilden<br />
wollen.<br />
Prefocus<br />
JORDAN BUTTERS<br />
In der Actionfotografie kommt dem<br />
Scharfstellen besondere Bedeutung zu, denn<br />
Sie haben es nicht nur mit beweglichen<br />
Objekten zu tun, was das Scharfstellen schon<br />
grundsätzlich erschwert, sondern benutzen<br />
oft ein Teleobjektiv mit weit offener Blende,<br />
das die Schärfentiefe reduziert. Dabei<br />
können Sie sich nicht den kleinsten Fehler<br />
erlauben. Abhängig von der Art des Objekts<br />
gibt es zwei Möglichkeiten, trotzdem<br />
zu scharfen Fotos zu kommen: vorher<br />
scharfstellen und den kontinuierlichen<br />
Autofokus.<br />
VORHER SCHARFSTELLEN<br />
Bei dieser Methode stellen Sie auf einen Punkt scharf,<br />
von dem Sie wissen, dass das zu fotografierende<br />
Objekt ihn kreuzen wird, ein Punkt auf der Fahrbahn<br />
einer Rennstrecke beispielsweise. Alles was Sie dann<br />
noch tun müssen, ist warten, bis Ihr Objekt genau über<br />
diesen Punkt fährt und im richtigen Bruchteil der<br />
entscheidenden Sekunde auslösen. Wichtig dabei ist,<br />
dass Sie die Zeitverzögerung berücksichtigen, die der<br />
Nervenimpuls von Ihrem Gehirn zum Auslösefinger<br />
braucht; nach dem Druck auf den Auslöser gibt es eine<br />
weitere minimale Verzögerung, bis sich der Verschluss<br />
schließlich öffnet und Licht auf den Kamerasensor fällt.<br />
Ist Ihr Objekt bereits scharf abgebildet, wenn Sie den<br />
Auslöser drücken, ist es vielleicht schon aus dem<br />
Schärfebereich heraus, wenn sich der Verschluss<br />
öffnet. Je schneller das Objekt, je länger die<br />
Brennweite und je weiter die Blende geöffnet ist, umso<br />
wahrscheinlicher ist dies der Fall.<br />
Wenn Sie den Autofokus benutzen, schalten Sie ihn<br />
auf „Einzelpunkt“ und die Betriebsart der Kamera auf<br />
„Einzelbild“. Nun drücken den Auslöser halb durch,<br />
wodurch der Fokus „verriegelt“ wird. Halten Sie den<br />
Auslöser solange halb gedrückt, bis das erwartete<br />
Objekt ins Bild kommt und lösen aus. Alternativ<br />
drücken Sie die „AF On“-Taste, was den Fokus ebenfalls<br />
verriegelt, aber ohne dass Sie den Auslöser weiterhin<br />
halb gedrückt halten müssten. Die letzte Möglichkeit<br />
ist das manuelle Scharfstellen auf den vorab<br />
bestimmten Punkt.<br />
Für vorheriges Scharfstellen müssen Sie genau wissen,<br />
welchen Weg das bewegliche Objekt nehmen wird. Arbeiten<br />
Sie dabei mit dem Einzelpunkt–AF und der AE-Lock-Funktion.<br />
SCHÄRFE NACHFÜHREN<br />
Kontinuierliches Scharfstellen bzw. „Nachführen der<br />
Schärfe“ bedeutet, dass die Kamera auf das bewegliche<br />
Objekt scharf stellt und die Schärfe automatisch nachregelt,<br />
während Sie es permanent im Sucher halten. Wenn das zu<br />
fotografierende Ereignis seinen Höhepunkt erreicht, lösen<br />
Sie aus. Dieser Ansatz des Scharfstellens eignet sich besser<br />
für Objekte, deren Bewegung nicht vorhersehbar ist, etwa<br />
beim Fußball.<br />
Bevor der Autofokus erfunden wurde, brauchte man viel<br />
Übung, um ein Objekt manuell im Schärfebereich zu halten.<br />
Moderne Autofokussysteme dagegen sind so schnell und<br />
genau, dass selbst Neulinge Bilder mit perfekter Schärfe<br />
erreichen können. Stellen Sie den Autofokus so ein, dass er<br />
einen gewählten Punkt des anvisierten Objekts<br />
kontinuierlich im Schärfebereich hält. Die neuesten DSLRs<br />
haben Autofokussysteme mit variablen Schärfepunkten,<br />
Gesichterkennung und weiteren Funktionen, die Ihnen<br />
helfen das gewünschte Objekt anzuvisieren.<br />
Es lohnt sich jedoch, den kontinuierlichen Autofokus<br />
ausgiebig zu testen, um herauszufinden, wie<br />
reaktionsschnell das Autofokussystem Ihrer Kamera ist. Es<br />
sollte möglich sein, eine Bildsequenz zu schießen, bei der<br />
jedes Einzelbild scharf wird. Außerdem ist es sinnvoll zu üben,<br />
den Autofokuspunkt mit der Kamera am Auge zu wechseln,<br />
um den Autofokusbereich schnell an veränderliche<br />
Situationen anzupassen und sicherzustellen, dass der<br />
Schärfebereich genau dort liegt, wo Sie ihn brauchen.<br />
ISTOCK PHOTO<br />
Weitere Optionen beim Scharfstellen<br />
SELEKTIVE SCHÄRFEPUNKTGRUPPEN<br />
Wenn Sie ein fortschrittliches<br />
Kameramodell benutzen, bietet es<br />
wahrscheinlich mehrere Autofokuspunkte.<br />
Finden Sie heraus, ob sie Punkte<br />
gruppieren können, denn das erhöht die<br />
Genauigkeit des Autofokus.<br />
SEPARATE SCHÄRFETASTE<br />
Immer mehr Kameras haben eine „AF<br />
On“-Taste auf der Rückseite. Mit dieser<br />
Taste können Sie vom Auslöser<br />
unabhängig scharfstellen, was von vielen<br />
professionellen Fotografen gerne genutzt<br />
wird.<br />
FOKUSFALLE<br />
Dies ist eine Funktion, die noch nicht so<br />
sehr verbreitet ist, sie soll aber trotzdem<br />
erwähnt werden. Die Fokusfalle erlaubt es,<br />
die Kamera so einzustellen, dass das<br />
Autofokussystem permanent auf eine<br />
bestimmte Distanz scharfstellt. Wenn das<br />
bewegliche Objekt diese Distanzzone<br />
erreicht, löst die Kamera automatisch aus.
EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
Sport und Action 127<br />
ISTOCK PHOTO<br />
Scharfschütze<br />
Um Tiere in schneller<br />
Bewegung scharf zu<br />
fotografieren, brauchen Sie<br />
viel Routine.
128 Sport und Action EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
Familienspaß<br />
Ein turbulentes Familienleben bietet ein<br />
weites Übungsfeld – ein guter Einstieg in<br />
die Actionfotografie<br />
IMAGES: ISTOCK PHOTO<br />
Das Missverständnis ist verbreitet, man könne nur<br />
bei großen Sportveranstaltungen Actionfotos in den<br />
Kasten bekommen. Allerdings sind wir auch im<br />
Alltag von Action umgeben, und im Gegensatz zu<br />
Sportveranstaltungen ist er nicht nur naheliegender,<br />
sondern oft auch fotografisch interessanter.<br />
Wenn Sie Kinder haben, herrscht kein Mangel an<br />
Motiven, und in den Sommerferien haben Sie viele<br />
Gelegenheiten, sie mit der Kamera zu begleiten.<br />
<strong>Fotografie</strong>ren Sie sie in einem Swimmingpool oder<br />
am Strand im Meer plantschend, wobei Sie eine<br />
kurze Verschlusszeit benutzen, um das Wasser<br />
einzufrieren oder eine lange Verschlusszeit, um es<br />
verschwimmen zu lassen. Lassen Sie sie<br />
sich mit dem Gartenschlauch und mit<br />
Wasserpistolen bespritzen,<br />
während Sie aus sicherer Distanz<br />
fotografieren. Fußball, mit dem<br />
Hund durch den Park rennen,<br />
Frisbee am Strand, Reiten,<br />
Radfahren, Skateboard fahren<br />
– all diese Situationen und<br />
Freizeitbeschäftigungen schaffen<br />
ideale Voraussetzungen für<br />
Action-Schnappschüsse. Wenn Sie<br />
dabei mit den hier besprochenen<br />
Aufnahmetechniken arbeiten, werden Sie definitiv<br />
ein paar spektakuläre Bilder machen – es geschieht<br />
zwangsläufig.<br />
Kinder lieben es im Mittelpunkt zu stehen,<br />
deswegen können Sie durchaus auch gestellte<br />
Situationen fotografieren, die sich nicht oft zufällig<br />
bieten. Lassen Sie sie die Kinder in Richtung Kamera<br />
rennen, während Sie eine schnelle Bildserie<br />
schießen oder lassen Sie sie über eine improvisierte<br />
Hürde springen, während Sie am Boden liegen und<br />
sie mit dem Himmel als Hintergrund fotografieren.<br />
Auch ein Trampolin ist hervorragend geeignet für<br />
Action-Fotos. Sie können die Kinder einen Sprung<br />
so oft wiederholen lassen, bis Sie genau die Pose in<br />
der Luft einfangen konnten, die Ihnen<br />
vorgeschwebt hat. Mehr als ein Eis werden Sie zur<br />
Motivation kaum brauchen.<br />
HINWEIS<br />
Prüfen Sie die Belichtung<br />
regelmäßig, damit Ihre<br />
Verschlusszeiten kurz genug<br />
bleiben, um die Action<br />
festzuhalten. Erhöhen Sie die<br />
ISO-Empfindlichkeit, wenn die<br />
Lichtverhältnisse schlechter<br />
werden, und vergessen Sie<br />
nicht den Serienbildmodus<br />
einzuschalten!<br />
Wir sind wir auch im Alltag von Action umgeben, und im<br />
Gegensatz zu Sportveranstaltungen ist er nicht nur<br />
naheliegender, sondern oft auch fotografisch interessanter.“<br />
Besuchen Sie den örtlichen Naturpark, um jede<br />
Menge Potenzial für Actionfotos zu entdecken.<br />
Denken Sie daran: Bevor Sie fremde Menschen<br />
fotografieren, bitten Sie vorher um Erlaubnis.
EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
Sport und Action 129<br />
Sportveranstaltungen<br />
Bei Großveranstaltungen<br />
brauchen Sie einen<br />
Presseausweis, doch zum<br />
Üben eignen sich kleinere<br />
Ereignisse ebenso gut.<br />
JORDAN BUTTERS<br />
Sportveranstaltungen<br />
Falls Ihr Interesse für die Sportfotografie<br />
geweckt wurde, denken Sie bestimmt daran,<br />
hochkarätige Veranstaltungen zu<br />
fotografieren. Es führt eine gerader Weg von<br />
der Kreisliga in die Bundesliga – vorausgesetzt<br />
Sie sind gut genug mit der Kamera.<br />
Um bei großen Sportveranstaltungen nah<br />
genug an die Action heran zu kommen, ist fast<br />
immer einen Presseausweis erforderlich, und<br />
ohne ein 600mm- oder 800mm-Objektiv<br />
erhalten Sie kaum brauchbare Ergebnisse.<br />
Im Motorsport hingegen sind Sie in der<br />
Regel sehr nah am Geschehen, auch von den<br />
Tribünen aus. Seien Sie so rechtzeitig vor Ort,<br />
um einen der besten Plätze zu ergattern. Mit<br />
einem Zoom-Objektiv im Bereich von 300<br />
oder 400mm werden Ihnen keine Wünsche<br />
offen bleiben. Kleinere Strecken bieten oft den<br />
besten Zugang, versuchen Sie sich also nicht<br />
gleich an einem Formel 1 Grand Prix, sondern<br />
sammeln Sie Erfahrungen. Motocross und<br />
Sandbahnrennen beispielsweise bieten<br />
hervorragende Motive, denn Sie kommen<br />
sehr nah an die Matadore heran und können<br />
sich sogar recht frei bewegen, um von<br />
unterschiedlichen Kamerastandpunkten zu<br />
fotografieren.<br />
Vergessen Sie auch Flugtage nicht, denn<br />
auch sie bieten sehr gute Motive. Alle großen<br />
Flugshows finden im Sommer statt, und weil<br />
die Action über Ihren Köpfen stattfindet,<br />
haben VIPs keine Privilegien vor anderen<br />
Zuschauern. Flugzeuge im Vorüberflug zu<br />
fotografieren, stellt Ihre Fähigkeiten der<br />
Verfolgung und des Timings auf eine harte<br />
Probe. Brennweiten von 400 bis 500mm sind<br />
am besten, doch schon ein 75–300 mm<br />
Telezoom mit einem Vergrößerungsfaktor<br />
von 1,5 oder 1,6 liefert gute Ergebnisse. Als<br />
Verschlusszeiten werden 1/500 bis 1/1000<br />
Sekunde benötigt, um brauchbare Schärfen<br />
zu erzielen. Machen Sie ein paar<br />
Testaufnahmen, um herauszufinden, wie das<br />
Messsystem der Kamera mit dem Himmel<br />
zurechtkommt und welche<br />
Belichtungskorrektur Sie ggf. einstellen<br />
müssen. Die Gefahr des Unterbelichtens ist<br />
wesentlich größer als die des Überbelichtens,<br />
prüfen Sie also ständig Ihre Messwerte. Wenn<br />
die Lichtverhältnisse sich verschlechtern,<br />
müssen Sie die ISO-Empfindlichkeit<br />
heraufsetzen, um noch eine akzeptable<br />
Verschlusszeit zu erreichen. Die neueste<br />
Kamera-Generation liefert noch bis ISO800<br />
rauschfreie Bilder, doch im Zweifelsfall bleiben<br />
Sie bei ISO400.<br />
Vergessen Sie auch nicht, dass die besten<br />
Vorführungen gegen Ende des Tages<br />
stattfinden; überanstrengen Sie sich also nicht<br />
und sparen Sie Speicherplatz für das große<br />
Finale.<br />
JORDAN BUTTERS
130 Wildlife-<strong>Fotografie</strong> EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
Ausrüstung für den<br />
Wildlife-Fotografen<br />
DIE RICHTIGE AUSRÜSTUNG KANN DEN<br />
UNTERSCHIED ZWISCHEN EINEM<br />
DURCHSCHNITTLICHEN FOTO UND EINEM<br />
HERVORRAGENDEN FOTO BEDEUTEN. HIER ZEIGEN<br />
WIR, WELCHE AUSRÜSTUNG SIE BRAUCHEN.<br />
WAHL DES OBJEKTIVS: Viele Tiere sind scheu und suchen<br />
schnell das Weite, wenn Sie sich nähern. Deswegen ist ein<br />
Teleobjektiv mit einer Brennweite von mehr als 300 mm generell<br />
die beste Wahl; so bekommen Sie Ihr Motiv auch aus großer<br />
Entfernung formatfüllend ins Bild. Kaufen Sie sich das schnellste<br />
Objektiv, also das mit der größten maximalen Blendenöffnung, das<br />
Sie sich leisten können. Ein schnelles Objektiv erlaubt Ihnen kurze<br />
Verschlusszeiten, die Sie brauchen, wenn Sie schnelle<br />
Bewegungen einfangen oder bei schlechten Lichtverhältnissen<br />
arbeiten wollen.<br />
Leider kosten lange, schnelle Teleobjektive ein kleines Vermögen<br />
und kommen daher für Amateurfotografen kaum in Frage. Die gute<br />
Nachricht ist aber: Dank der exzellenten Abbildungsqualität<br />
moderner Kameras können Sie die ISO-Empfindlichkeit getrost auf<br />
800 oder gar 1600 heraufsetzen und so die erforderlichen kurzen<br />
Verschlusszeiten erzwingen, wenn sie ein preiswertes, weniger<br />
lichtstarkes Teleobjektiv verwenden. Das heißt, auch<br />
Amateurfotografen mit schmalem Budget können sich ernsthaft mit<br />
der Wildlife-<strong>Fotografie</strong> befassen.<br />
Lange Brennweiten vergrößern nicht nur das Motiv, sondern<br />
verkürzen zugleich die Perspektive. Diese „Kompression“ kann<br />
nützlich sein, um zusätzlich zu ihrem Hauptmotiv ein bestimmtes<br />
Hintergrundelement zur Geltung zu bringen. Außerdem bedingen<br />
lange Brennweiten physikalisch einen kurzen Schärfentiefebereich,<br />
auch bei kleinster Blendenöffnung, das Scharfstellen muss also mit<br />
höchster Präzision erfolgen. Natürlich kann eine kurze<br />
Tiefenschärfe auch als kreatives Stilmittel genutzt werden, um das<br />
Hauptmotiv von der Umgebung zu isolieren.<br />
Das Teleobjektiv mit möglichst langer Brennweite ist zwar das<br />
Haupthandwerkszeug des Wildlife-Fotografen, doch in der Praxis<br />
sind auch die anderen Brennweiten sinnvoll. Ein<br />
Brennweitenbereich zwischen 70 und 200mm eignet sich gut für<br />
die Darstellung von Tieren in ihrer natürlichen Umgebung. Selbst<br />
sehr kurze Brennweiten haben ihre Berechtigung, vorausgesetzt Sie<br />
sind in der Lage, nahe genug an ihr Motiv heranzukommen. Das<br />
Weitwinkelobjektiv erzeugt eine ganz neue Perspektive. Damit<br />
können Sie ein Tier nicht nur in seiner Umgebung abbilden,<br />
sondern auch ungewöhnliche Porträts erzielen. Es zeigt seine<br />
Stärken, wenn Sie Tiere fotografieren, die nicht menschenscheu<br />
sind, denn ihnen können Sie sich auf kurze Entfernung nähern –<br />
Eichhörnchen und Wildenten beispielsweise.<br />
ROSS HODDINOTT<br />
Zoom-Power: Näher ran mit dem Telezoom …<br />
€120<br />
MITTLERE TELEZOOM-<br />
OBJEKTIVE: Sie sind<br />
bemerkenswert preiswert. Sie haben<br />
zwar oft keinen Bildstabilisator und<br />
keine weiten maximalen<br />
Blendenöffnungen, doch sie erfüllen<br />
ihren Zweck. Alle bekannten<br />
Hersteller bieten Telezooms im<br />
Bereich zwischen 70-200mm an –<br />
für unter 120 Euro.<br />
€200<br />
LANGES TELEZOOM: Die extra<br />
Reichweite eines 70-300mm Objektivs<br />
bietet Möglichkeiten, die Ihnen sonst<br />
versagt bleiben. Kombinieren Sie es mit<br />
einem APS-C Sensor, und Sie erhalten<br />
das Äquivalent von 450 Millimeter<br />
Brennweite, bezogen auf das<br />
Kleinbildformat. Viele Objektive dieses<br />
Formats haben einen Bildstabilisator.<br />
€450<br />
SUPER-TELEZOOMS: Sie liegen im<br />
Bereich zwischen 120-400 mm und<br />
sind nicht billig, doch Sie eröffnen<br />
Ihnen alle Möglichkeiten der<br />
Wildlife-<strong>Fotografie</strong>. Damit können Sie<br />
auch sehr scheue Tiere aus<br />
komfortabler Distanz formatfüllend<br />
aufnehmen.<br />
€80<br />
TELEKONVERTER: Ein 1,4-facher<br />
bis 2-facher Telekonverter erhöht die<br />
„Reichweite“ eines Objektivs um den<br />
entsprechenden Faktor, sodass Sie<br />
aus großer Distanz fotografieren<br />
können.<br />
Tarnung<br />
Frei lebende Tiere lassen Menschen<br />
meist nicht nah an sich heran.<br />
Deswegen müssen Sie sich tarnen<br />
und verkleiden. Deswegen brauchen<br />
Sie nicht in Rambo-Montur im<br />
Stadtpark herumlaufen, doch eine<br />
leichte Tarnung erhöht ihre Chancen,<br />
unentdeckt zu bleiben, erheblich.<br />
BEKLEIDUNG: Wenn Sie ein Tier<br />
verfolgen, ist es entscheidend, die<br />
passende Kleidung zu tragen. Dunkles<br />
Grün, Braun oder Schwarz sind die<br />
besten Farben; optimal ist jedoch eine<br />
Flecktarnung aus dunklen Farben.<br />
Auch eine Kopfhaube aus Baumwolle,<br />
wie sie von Motorradfahrern unter dem<br />
Helm getragen wird, hat sich als<br />
Tarnmittel bewährt (lassen Sie sich<br />
damit aber nicht in der Nähe einer<br />
Bank sehen...).
EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
Wildlife-<strong>Fotografie</strong> 131<br />
Ebenso wichtig wie die Farben ist das<br />
Geräuschverhalten ihrer Kleidung. Wenn Sie<br />
sich bewegen, sollte man nicht das Geringste<br />
hören können. Große Außentaschen sind gut,<br />
um Speicherkarten und Batterien schnell zur<br />
Hand zu haben. Wenn Sie Tiere fotografi eren<br />
wollen, werden sie oft längere Zeit in ein und<br />
derselben Position bleiben müssen. Deswegen<br />
sollte ihre Kleidung auch warm genug sein. In<br />
den Wintermonaten ist es sinnvoll, mehrere<br />
Schichten dünner Unterbekleidung tragen –<br />
denn wenn Sie frieren, werden Sie nicht auf Ihre<br />
Motive konzentrieren können.<br />
VERSTECK: Tiere in freier Natur sind scheu.<br />
Die meisten der guten Tierbilder, die Sie in den<br />
Magazinen und als Ergebnis von<br />
Fotowettbewerben sehen, waren nur möglich,<br />
weil ein Versteck benutzt wurde. Wenn Sie sich<br />
ernsthaft mit der Tierfotografi e befassen wollen,<br />
kommen Sie um ein solches Zubehör nicht<br />
herum. Sie können zwar manchmal vor Ort<br />
ein Versteck aus natürlichen Materialien<br />
herstellen, doch auf lange Sicht ist ein<br />
tragbares Versteck die bessere Wahl. Es<br />
besteht im wesentlichen aus einer Plane in<br />
Tarnfarben, die wie ein leichtes Zelt schnell<br />
aufgebaut bzw. verpackt werden kann. Ein<br />
solches Versteck bietet genug Raum für eine<br />
Person mit Ausrüstung und eignet sich sehr<br />
gut zum Gebrauch auf der Pirsch im freien<br />
Gelände oder im Wald.<br />
Bewirtschaftete Felder sind für eine Vielzahl<br />
von Tieren attraktiv: Kaninchen, Hasen,<br />
Füchse, Dachse, Kiebitze und etliche andere<br />
Vogelarten. Es kann sich durchaus lohnen,<br />
einen Bauern um die Erlaubnis zu fragen, Ihr<br />
Versteck auf einem Acker in Sichtweite seines<br />
Hauses aufzubauen. Ggf. können Sie es auch<br />
einige Tage stehen lassen, damit die Tiere Zeit<br />
haben, sich daran zu gewöhnen.<br />
Wesentliches Zubehör<br />
Stativ: In der Wildlife-<br />
Fotografi e ist es nicht<br />
immer möglich, mit<br />
Stativ zu arbeiten, doch<br />
wenn möglich, sollten<br />
Sie es tun – wenn sie aus dem<br />
Versteck heraus fotografi eren zum<br />
Beispiel. Lange Teleobjektive sind<br />
schwer. Sie mitsamt Kamera über<br />
längere Zeit in der Hand zu halten,<br />
artet schnell in wirkliche Arbeit aus,<br />
ganz abgesehen davon, dass das<br />
Verwacklungsrisiko sehr hoch ist.<br />
Stativkopf: Auch die<br />
Wahl des Stativkopfs ist<br />
wichtig. Konventionelle<br />
Drei-Wege-Köpfe sind<br />
mit dem Gewicht und<br />
der Hebelwirkung langer<br />
Teleobjektive schnell überfordert.<br />
Praktisch ist eine Objektiv-<br />
Ringhalterung, die am Objektiv<br />
befestigt wird und über ein<br />
Stativgewinde verfügt. Eine solche<br />
Halterung sorgt für eine viel bessere<br />
Balance beim Schwenken und<br />
Neigen der Kamera. Am besten ist<br />
jedoch eine kardanische Aufhängung<br />
der Kamera auf dem Stativ, wobei der<br />
zentrale Dreh- und Schwenkpunkt<br />
mit dem Schwerpunkt des<br />
Gesamtsystems von Kamera und<br />
Objektiv zusammenfällt – eine<br />
perfekte Kombination, um schnelle<br />
Bewegungen zu verfolgen. Ein<br />
kardanischer Stativkopf ist nicht<br />
billig, aber langfristig eine gute<br />
Investition, wenn sie sich der<br />
Wildlife-Fotografi e verschrieben<br />
haben.<br />
Bohnensack: Ein<br />
Bohnensack bietet eine<br />
überraschend<br />
komfortable Basis für<br />
Ihre Kamera, wenn er<br />
auf einer stabilen Oberfl äche aufl iegt.<br />
Power Grip: Ein<br />
zusätzlicher Griff erhöht<br />
die Stabilität Ihrer<br />
Kamera und erlaubt<br />
zudem schnellere<br />
Serienbildaufnahmen. Dies ist sehr<br />
nützlich, wenn Sie Actionfotos<br />
machen, beispielsweise Vögel im<br />
Flug. Ein solcher Griff enthält<br />
zusätzliche Batterien und verbessert<br />
das Handling der Kamera. Außerdem<br />
verfügt er über einen extra<br />
Auslöseknopf für Aufnahmen im<br />
Hochformat.
132 Wildlife-<strong>Fotografie</strong> EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
Wildlife – Aufnahmetechnik<br />
WENN SIE GUTE Wildlife-Fotos bekommen wollen,<br />
muss Ihre Aufnahmetechnik ebenso gut sein. Sie<br />
müssen sehr schnell arbeiten und reagieren können.<br />
Außerdem müssen Sie das Verhalten der Tiere kennen,<br />
die Sie fotografieren, und mit welchen Tricks Sie sie<br />
näher an die Kamera locken können. Am wichtigsten<br />
ist aber Ihre Geduld, denn diese wird auf harte Proben<br />
gestellt.<br />
IM GELÄNDE: Die meisten frei lebenden Tiere<br />
halten verständlicherweise nicht viel von uns<br />
Menschen. Das größte Problem für uns besteht<br />
deswegen darin, überhaupt auf Fotodistanz an sie<br />
heranzukommen. Verfolgen und anschleichen ist<br />
oftmals die einzige praktikable Methode, besonders<br />
bei größeren Säugetieren, bei Hirschen<br />
beispielsweise. Die Morgendämmerung ist die beste<br />
Zeit des Tages, die Pirsch zu beginnen, wenn viele<br />
Tiere mit der Nahrungssuche beschäftigt sind. Auch<br />
das Licht ist morgens am besten. Reduzieren Sie die<br />
Ausrüstung, die Sie tragen müssen, auf ein Minimum.<br />
Die Kamera und ein einziges Objektiv werden<br />
normalerweise ausreichen. Ein Bohnensack und ein<br />
Einbeinstativ dienen der Fixierung der Kamera, denn<br />
ein Dreibeinstativ ist fast immer zu unhandlich.<br />
Wenn Sie Ihr Motiv gefunden haben, schauen Sie sich<br />
ihre Umgebung genau an und stellen Sie die<br />
Windrichtung fest. Säugetiere haben einen<br />
bemerkenswert gut ausgeprägten Geruchssinn,<br />
deswegen müssen Sie sich gegen den Wind<br />
anschleichen. Tragen Sie einen Tarnanzug,<br />
wenigstens aber Kleidung in gedeckten, dunklen<br />
Farben. Sie sollten übrigens vermeiden, Ihren<br />
„Jagdanzug“ zu reinigen. Je „natürlicher“ Sie darin<br />
riechen, umso besser.<br />
Nähern sie sich in geduckter Haltung, wobei ihr<br />
Körper unterhalb der für das Tier sichtbaren<br />
Horizontlinie bleiben muss. Nutzen Sie die<br />
vorhandene natürliche Deckung: Bäume, Büsche und<br />
Hecken. Bewegen Sie sich äußerst langsam und<br />
beobachten Sie das Tier dabei auf Anzeichen von<br />
Nervosität. Sieht es Sie direkt an, verharren sie<br />
regungslos – bewegen Sie sich erst wieder, wenn es<br />
wieder wegschaut. Wenn Sie das Tier verscheuchen,<br />
müssen Sie komplett von vorn anfangen. Es wird eine<br />
ganze Weile dauern, bevor Sie in die richtige Position<br />
kommen, um fotografieren zu können. Doch später,<br />
wenn Sie auf ein gelungenes Foto schauen können,<br />
werden Sie überzeugt sein, dass sich die Anstrengung<br />
gelohnt hat.<br />
DIE KAMERA: In der Naturfotografie kommen und<br />
gehen die Chancen auf ein gutes Foto blitzschnell<br />
vorbei. Falls Sie zu langsam reagieren oder für die<br />
Kameraeinstellungen zu lange brauchen, haben Sie es<br />
vermasselt. Sie müssen Ihre Kamera in und<br />
auswendig kennen, damit Sie die Einstellungen<br />
reflexartig vornehmen und ändern können. Üben Sie<br />
also die schnelle Bedienung Ihrer Kamera: Ändern der<br />
ISO-Empfindlichkeit, Ändern des AF-Modus, der<br />
Verschlusszeit und des Schärfepunkts. All das muss<br />
blitzschnell erfolgen, wobei Sie die Kamera nicht vom<br />
Auge nehmen sollten. Sie müssen an den Punkt<br />
kommen, an dem Sie die wichtigsten Einstellungen<br />
ändern können, ohne darüber nachdenken zu<br />
müssen, ähnlich wie Sie beim Autofahren die Gänge<br />
automatisch wechseln, ohne dass ihnen dies bewusst<br />
ist.<br />
DAS MOTIV: Wildlife-<strong>Fotografie</strong> unterscheidet<br />
sich sehr von anderen Genres der <strong>Fotografie</strong>. Sie<br />
erfordert wirkliches Engagement und ein umfassendes<br />
Wissen über die Tiere, hinter denen Sie her sind.<br />
Informieren Sie sich online und besorgen Sie sich<br />
Literatur über das Verhalten der Tiere. Am wichtigsten<br />
dabei sind das Wissen um deren bevorzugten Habitate<br />
und um das Essverhalten. Gibt es typische<br />
Gewohnheiten und Verhaltensweisen, die Sie sich zu<br />
Nutze machen könnten.? Welche Jahreszeit eignet<br />
sich am besten, um dieses spezielle Tier zu<br />
fotografieren? Steht es unter Artenschutz? Machen Sie<br />
also Ihre Hausaufgaben bevor Sie losziehen. Diese<br />
Kenntnisse sind eine unschätzbare Hilfe und sparen<br />
langfristig viel Zeit.<br />
KÖDERN: Verfolgen und Anschleichen kann zum<br />
gewünschten Erfolg führen, doch es bleibt immer ein<br />
Unsicherheitsfaktor von wenigstens 50%. Eine<br />
Erfolgsgarantie gibt es nicht, denn selbst wenn Sie ein<br />
Tier aufgespürt haben, ist noch lange keine Fotos im<br />
Kasten. Eine andere, zuverlässigere Methode ist das<br />
Benutzen von Ködern, um die Tiere nahe an Ihr<br />
Versteck zu locken. In der Praxis benutzen Sie eine<br />
vorhandene Futterstelle, in der Nähe Sie Ihr Versteck<br />
aufgebaut haben. Das hat auch den Vorteil, dass Sie<br />
eine viel bessere Kontrolle über die Lichtverhältnisse<br />
haben und den Hintergrund bestimmen können, je<br />
nachdem wo Sie Ihr Versteck positionieren.<br />
Vögel sind am einfachsten zu ködern, und der eigene<br />
Hintergarten oder der eines Freundes sind so gut wie<br />
jeder andere Ort für dieses Vorhaben. Die Futterstation<br />
braucht nur aus einem Pfahl mit einem oder zwei<br />
Fettfutter-Klumpen zu bestehen. Damit Ihre Bilder<br />
natürlich wirken, befestigen Sie entsprechende<br />
Requisiten zusätzlich an dem Pfahl – einen bemoosten<br />
Zweig zum Beispiel oder einen, der mit Beeren<br />
bewachsen ist oder noch Blüten trägt. Das eröffnet<br />
Ihnen eine ganze Reihe von Möglichkeiten<br />
unterschiedlicher Bildkompositionen und fügt ihren<br />
Bildern attraktive Farbtupfer hinzu. Auch hier führt eine<br />
Perspektive auf Augenhöhe zu den natürlichsten<br />
Ergebnissen. Denken Sie auch an die Einfallsrichtung<br />
des Lichts, wenn Sie die Futterstelle einrichten.<br />
Idealerweise gibt es an der Stelle, an der sich ein Vogel<br />
niederlassen soll, sehr viel Licht. Dahinter befindet sich<br />
idealerweise auf den nächsten zehn Metern gar nichts.<br />
So bekommen Sie einen wunderschönen, diffusen<br />
Hintergrund, der keinerlei störende Elemente aufweist.<br />
Ihr Versteck sollte etwa drei Meter entfernt stehen.<br />
Wenn sich die Vögel daran gewöhnt haben und ihre<br />
Futterstation regelmäßig besuchen, können Sie das<br />
Versteck benutzen und Ihre Fotos schießen.<br />
Den Trick mit dem Köder können Sie natürlich auch bei<br />
anderen Tierarten anwenden – Sie können zum<br />
Beispiel Aas in einem Feld auslegen, um einen Fuchs<br />
und vielleicht sogar einen Raubvogel anzulocken.<br />
Raubtiere gewöhnen sich sehr schnell an solche<br />
kostenlosen Mahlzeiten. Wenn Sie die gewünschten<br />
Fotos im Kasten haben, sollten Sie daher weiterhin an<br />
der betreffenden Stelle Köder auszulegen, deren Menge<br />
aber stetig reduzieren, bis der Ort für die Tiere wieder so<br />
uninteressant geworden ist, wie er vorher war.<br />
Wildlife-Setup<br />
BELICHTUNGSPROGRAMM: Die<br />
Verschlusszeit ist entscheidend, wenn Sie Vögel<br />
und Säugetiere fotografieren wollen. Benutzen<br />
Sie also die Blendenautomatik und stellen Sie<br />
mindestens 1/250 Sekunde ein. Unterschreiten<br />
Sie diese Zeit nicht.<br />
ISO-EMPFINDLICHKEIT: Halten Sie den<br />
ISO-Wert so niedrig wie möglich, um<br />
Bildrauschen zu vermeiden. Angesichts der<br />
Leistungsfähigkeit moderner Kameras erhalten<br />
Sie zwar auch mit ISO 1600 bei schlechten<br />
Lichtverhältnissen noch akzeptable<br />
Bildqualität, aber denken Sie daran:<br />
Die Verschlusszeit hat absolute Priorität!<br />
SCHARFSTELLEN: Benutzen Sie den<br />
Autofokus. Heutige AF-Systeme sind extrem<br />
leistungsfähig und schnell. Der Einzelbild-AF ist<br />
angebracht für unbewegliche Motive oder sehr<br />
langsame Objekte. Bei sich schnell bewegenden<br />
Motiven schalten Sie dem Autofokus die Funktion<br />
„Verfolgen“ oder „Nachführen“ zu. Dann wird die<br />
Kamera das Objekt verfolgen und unabhängig von<br />
dessen Position kontinuierlich darauf scharfstellen.
3RD EDITION GETTING STARTED IN DIGITAL PHOTOGRAPHY<br />
Wildlife-<strong>Fotografie</strong> 133<br />
Checkliste: Wildlife<br />
Oben: Mit Geduld und<br />
Können werden Sie bald<br />
eindrucksvolle Tierfotos in<br />
freier Wildbahn schießen.<br />
ROSS HODDINOTT<br />
❏ Kurze Verschlusszeiten sind<br />
ganz wesentlich, idealerweise<br />
unter 1/500 Sekunde, damit<br />
das Motiv eingefroren wird und<br />
kein Verwackeln möglich ist.<br />
❏ Tempo ist entscheidend.<br />
Tiere stehen selten für lange<br />
Zeit still, daher müssen<br />
Bildkomposition und<br />
Scharfstellen schnell und<br />
effizient erfolgen.<br />
❏ Stellen Sie per Autofokus auf<br />
die Augen scharf. Sind diese<br />
nicht voll im Fokus, ist das Foto<br />
verdorben.<br />
❏ Seien Sie früh vor Ort und<br />
fotografieren Sie in den Abend<br />
hinein. Zu Anfang und Ende des<br />
Tages sind die Lichtverhältnisse<br />
am besten, und die tief<br />
stehende Sonne erlaubt Fotos<br />
im Gegenlicht oder Silhouetten<br />
als Motive.<br />
❏ Wichtig ist auch der<br />
Kamerawinkel: Oft ist ein<br />
Kamerastandpunkt auf<br />
Augenhöhe am besten, denn so<br />
entsteht eine natürlich wirkende<br />
Perspektive.<br />
BILDMODUS: Für Tiere in schneller Bewegung –<br />
beispielsweise Vögel im Flug – sollten Sie schnelle Bildserien<br />
schießen. Die meisten Kameras schaffen mehr als vier<br />
Aufnahmen pro Sekunde. Das erhöht Ihre Chancen auf<br />
mindestens ein gutes Foto pro Serie.<br />
SPEICHER: In der Wildlife-<strong>Fotografie</strong> ist die Erfolgsquote,<br />
ausgedrückt im Verhältnis gelunger Fotos zur Gesamtzahl der<br />
Aufnahmen, ziemlich schlecht. Es kann durchaus sein, dass Sie ein paar<br />
Dutzend Bilder machen und nur eines oder zwei davon verwenden<br />
können. Ihre Speicherkarten werden schnell voll sein, benutzen Sie<br />
deshalb Karten mit Kapazitäten von 16 bis 32GB, damit Sie während<br />
der Arbeit nicht dauernd wechseln müssen.
134 Wildlife-<strong>Fotografie</strong> EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
Parks und<br />
Wälder<br />
AUF DER PIRSCH NACH frei lebenden Tieren? Es<br />
gibt kaum bessere Orte, sie anzutreffen als in Parks<br />
und Wäldern. Es gibt eine Vielzahl von Naturparks<br />
und Waldgebieten, die bewirtschaftet werden, um<br />
die natürliche Artenvielfalt zu erhalten. Dort finden<br />
Sie Hirsche, Rehe, Eichhörnchen und eine ganze<br />
Reihe unterschiedlicher Vogelarten.<br />
Ganz gleich, ob Sie in der Stadt oder auf dem Land<br />
wohnen, ein Naturpark oder größeres Waldgebiet<br />
befindet sich immer in der Nähe. Besonders in<br />
Parks können Sie Ihre fotografischen Fähigkeiten<br />
verbessern; viele bieten auch große Teiche und<br />
Seen mit Enten und Schwänen. Die Tiere sind in<br />
der Regel an menschliches Treiben gewöhnt,<br />
denn Sie sehen uns jeden Tag als<br />
Spaziergänger, Jogger und<br />
Radfahrer. Für Fotografen ist das<br />
ein unschätzbarer Vorteil, denn<br />
die Toleranzzone der Tiere,<br />
bevor der Fluchtreflex ausgelöst<br />
wird, ist wesentlich größer als<br />
bei Tieren, denen Menschen<br />
fremd sind. Deswegen können<br />
wir uns Ihnen auf sehr kurze<br />
Entfernung nähern. Ein 70–300mm<br />
Zoomobjektiv ist allen denkbaren<br />
Situationen eines Naturparks gewachsen,<br />
auch bei größeren Tieren wie Hirschen.<br />
Hirsche sind großartige Tiere; sie sind äußerst<br />
eindrucksvoll, besonders im Spätsommer und im<br />
Herbst, wenn das Geweih vollständig entwickelt ist.<br />
Manche Wildparks sind so groß, dass die Tiere<br />
eigentlich wie in freier Wildbahn leben, ohne<br />
jedoch deren Gefahren ausgesetzt zu sein. Wenn<br />
Sie einen Park regelmäßig besuchen, werden Sie<br />
schnell feststellen, dass es bestimmte Orte gibt, an<br />
denen Hirsche oft anzutreffen sind. Kehren Sie<br />
regelmäßig unter den richtigen Lichtverhältnissen<br />
an diese Orte zurück, und folgen Sie dem von Ihnen<br />
als Motiv auserkorenen Tier vorsichtig. Stellen Sie<br />
eine weit offene Blende ein, etwa f/4. So erhalten<br />
Sie nicht nur eine kurze Verschlusszeit, sondern<br />
auch einen flachen Schärfentiefebereich, wodurch<br />
sich ihr Motiv gut von seiner Umgebung abhebt.<br />
Vielleicht haben Sie die Möglichkeit, das Tier<br />
morgens oder abends als Silhouette gegen einen<br />
farbenprächtigen Himmel zu fotografieren,<br />
vorzugsweise etwas erhöht auf einem Hügel.<br />
Solche Fotos sehen sehr eindrucksvoll aus.<br />
In Naturparks können Sie auch kleinere Säugetiere<br />
wie Eichhörnchen und Hasen fotografieren. Hasen<br />
sitzen oft genug mitten auf einer Lichtung oder am<br />
Rand einer Wiese. Bei einem solchen Motiv haben<br />
sich niedrige Kamerastandpunkte bewährt; dazu<br />
müssen Sie sich im Gras auf den Bauch legen,<br />
wenn Sie interessante, natürlich aussehende Fotos<br />
bekommen wollen. Ein Bohnensack bietet in dieser<br />
Situation die beste Möglichkeit, die Kamera zu<br />
fixieren. Frühes Morgen- oder Abendlicht sind ideal<br />
für Hasenporträts, denn dann haben die Bilder<br />
einen attraktiven warmen Grundton. Tatsächlich ist<br />
Gegenlicht fast bei allen ein Fell tragenden Tieren<br />
ideal, denn es erzeugt einen feinen Glanz um deren<br />
Konturen herum. Leider erhöht Gegenlicht auch<br />
das Risiko von Streulicht, verwenden Sie deswegen<br />
HINWEIS<br />
Wenn Ihre Wildlife-Fotos sich<br />
von der Masse abheben sollen,<br />
schießen Sie nicht immer die<br />
gleichen Porträts, sondern<br />
versuchen Sie ein typisches<br />
Verhalten der Tiere einzufangen<br />
– beispielsweise ihren Gang oder<br />
ihr Fressverhalten.<br />
❝<br />
Ganz gleich, ob Sie in der Stadt oder auf dem Land wohnen, ein Naturpark<br />
oder größeres Waldgebiet befindet sich immer in der Nähe. Besonders in<br />
Parks können Sie Ihre fotografischen Fähigkeiten verbessern.<br />
❞<br />
immer eine Gegenlichtblende.<br />
Wenn Sie Eichhörnchen fotografieren wollen,<br />
finden Sie sie wahrscheinlich im nächst gelegenen<br />
Wald. Wälder sind ein großartiges Stück Natur. Sie<br />
bieten vielen Kreaturen Heimat und Schutz. Doch<br />
viele von ihnen sind sehr scheu, nachtaktiv und<br />
tagsüber gut versteckt, wie Dachse und Eulen<br />
beispielsweise. Im Gegensatz dazu sind<br />
Eichhörnchen geradezu vertrauensselige Tiere. Im<br />
Spätsommer und im Herbst sind sie oft so<br />
beschäftigt mit dem Anlegen Ihres Wintervorrats,<br />
dass Sie sich Ihnen relativ problemlos auf eine<br />
komfortable Foto-Distanz nähern können. Sie<br />
verharren jedoch selten lange an einer Stelle. Sie<br />
müssen also schnell sein und sofort auf ihr<br />
Verhalten reagieren – Bildkomposition,<br />
scharfstellen und abdrücken müssen ohne weiteres<br />
Nachdenken reflexartig ablaufen. Auch hier ist ein<br />
Telezoom das passende Objektiv, das Ihnen die<br />
meiste Flexibilität bietet. Aufnahmen von<br />
Eichhörnchen, die am Boden nach einer Nuss<br />
suchen, sollten von einem niedrigen Standpunkt<br />
aufgenommen werden. Die schönsten Motive<br />
bieten Eichhörnchen, wenn sie gerade hinter einem<br />
Baumstamm hervorschauen oder eine Eichel<br />
blitzschnell in den kleinen Pfoten drehen. Der<br />
Nachteil solcher Fotos in Bodennähe besteht darin,<br />
dass die Lichtverhältnisse oft nicht allzu gut sind.<br />
Wählen Sie daher eine etwas höhere ISO-<br />
Empfindlichkeit, die Ihnen eine Verschlusszeit<br />
beschert, die den schnellen Bewegungen der<br />
kleinen Tiere angemessen ist.<br />
ISTOCK PHOTO ISTOCK PHOTO
EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
Wildlife-<strong>Fotografie</strong> 135<br />
ROSS HODDINOTT<br />
Wildlife im Park<br />
Verbringen Sie einen oder zwei Tage in einem<br />
Naturpark oder einem größeren Waldgebiet –<br />
Sie werden überrascht sein über die<br />
Artenvielfalt, die Sie dort antreffen.<br />
Immer einen Versuch wert...<br />
ISTOCK PHOTO<br />
ROSS HODDINOTT<br />
ISTOCK PHOTO<br />
ISTOCK PHOTO<br />
HIRSCH: Viele Wildparks<br />
bieten dem Damwild eine Heimat,<br />
wobei der Herbst die schönste Zeit<br />
zum <strong>Fotografie</strong>ren ist. Während der<br />
Brunftzeit konkurrieren die Hirsche<br />
miteinander. Sie röhren<br />
eindrucksvoll und kämpfen um die<br />
Weibchen, ein Verhalten, das sehr<br />
schön fotografiert werden kann.<br />
Bleiben sie jedoch in größerer<br />
Entfernung; das bedeutet eine<br />
Brennweite von wenigstens<br />
300mm. Ein nebliger<br />
Herbstmorgen gibt einem solchen<br />
Bild Atmosphäre und macht ihre<br />
Fotos authentisch.<br />
SPECHT:<br />
Die einfachste Möglichkeit, einen<br />
Specht anzulocken, besteht darin,<br />
eine Futterstelle einzurichten.<br />
Suchen Sie sich einen bemoosten<br />
Ast und bringen Sie ihn nah bei<br />
einem Futterhäuschen an. Bohren<br />
Sie Löcher in die Seite des Astes,<br />
die der Kamera abgewandt ist, und<br />
stecken sie Erdnüsse hinein. Diese<br />
sollten Spechte anlocken, sodass<br />
Sie Gelegenheit für natürlich<br />
wirkende Motive haben.<br />
WILDKANINCHEN: Kaninchen<br />
gehören zu den am leichtesten zu<br />
findenden Tieren. Es gibt sie praktisch<br />
überall in freier Natur, und<br />
selbstverständlich auch in gehegten<br />
Parks und Waldgebieten. Legen Sie sich<br />
flach auf den Boden, etwa zehn Meter vor<br />
dem Eingang eines Kaninchenbaus, und<br />
tarnen Sie sich mit Zweigen oder einem<br />
Tarnnetz. Gehen Sie kurz vor<br />
Tagesanbruch in Stellung, dann können<br />
Sie die Tiere fotografieren, wenn sie beim<br />
ersten Tageslicht aus dem Bau kommen.<br />
Benutzen Sie eine Brennweite von<br />
wenigstens 300mm, um den<br />
Bildausschnitt zu füllen.<br />
WALDKAUZ: Obwohl<br />
nachtaktiv, können Sie den<br />
Waldkauz auch tagsüber zu<br />
Gesicht bekommen, besonders im<br />
späten Frühling und Frühsommer,<br />
wenn sein Nachwuchs kommt.<br />
Wenn dieser flügge wird, können<br />
Sie die kleinen Vögel auf höher am<br />
Baum wachsenden Zweigen<br />
ausmachen, wo sie oft längere Zeit<br />
bewegungslos sitzen. Hier sind<br />
Brennweiten ab 400 mm gefragt.<br />
Als Stativ ist ein ‚Einbein‘ zu<br />
empfehlen, weil es Ihre<br />
Bewegungsfähigkeit nicht<br />
einschränkt.
136 Wildlife-<strong>Fotografie</strong> EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
Wasserlandschaften<br />
WO WASSER IST, da ist Leben. Teiche, Seen,<br />
Flüsse, Kanäle, Flussmündungen und<br />
Sumpfgebiete sind Lebensraum für eine<br />
Vielzahl von Kreaturen – kleine und große.<br />
Schon ein bescheidener Gartenteich wird<br />
schnell zum Habitat für Frösche, Libellen und<br />
vieles andere, was da kreucht und fl eucht. Es<br />
gibt nur wenige bessere Orte zum<br />
Fotografi eren der Natur als an einem Ufer,<br />
dem Übergang vom Wasser zum Land.<br />
Sümpfe und Moore sind Heimat für Myriaden<br />
von Insekten, für Reptilien, Vögel, und<br />
Säugetiere, Otter, Wühlmäuse, Watvögel,<br />
Amphibien, Ringelnattern und Biber, um nur<br />
wahllos einige aufzuzählen. In größeren<br />
Moorreservaten sind getarnte<br />
Aussichtsplattformen für die Besucher<br />
eingerichtet, von denen aus sie fotografi eren<br />
können, doch meistens befi nden sich diese<br />
Verstecke in einer erhöhten Position. Das führt<br />
leider dazu, dass die von dort geschossenen<br />
Fotos eine unnatürliche Perspektive haben.<br />
Doch viele Vögel sind inzwischen so sehr an<br />
Menschen gewöhnt, dass sie sie relativ nah<br />
heran lassen. Zu ihnen gehören Moorhühner,<br />
Gänse und Wasserhühner, sogar manche<br />
Reiher-Arten. Falls die freie Sicht nicht durch<br />
Vegetation behindert wird, erhalten Sie einen<br />
sehr guten Blickwinkel auf Vögel, wenn Sie<br />
sich in der Nähe eines Ufers auf den Boden<br />
legen. Benutzen Sie die Ellbogen oder einen<br />
Bohnensack, um die Kamera zu stabilisieren<br />
und liegen sie so ruhig wie möglich. Eine<br />
Brennweite von 300-400 Millimetern sollte<br />
ausreichen, trotzdem kann sich noch ein<br />
Telekonverter als nützlich erweisen. Die<br />
Verschlusszeiten sollten jenseits von 1/500<br />
Sekunde liegen. Setzen Sie die ISO-<br />
Empfi ndlichkeit herauf, um solche<br />
Verschlusszeiten zu erreichen, wenn die<br />
Lichtverhältnisse es erfordern. Im Wasser auf<br />
und ab dümpelnde Vögel ergeben besonders<br />
schöne Motive, wobei das Wasser einen<br />
farbigen Hintergrund abgibt, wenn sich<br />
Moore und Sumpfgebiete in Deutschland<br />
SEIEN SIE<br />
KREATIV!<br />
Sobald Sie etwas mehr Erfahrung<br />
beispielsweise das Abendrot darin<br />
haben, ist es an der Zeit, kreative<br />
Ideen auszuprobieren. Sie können<br />
spiegelt. Nach einer klaren, stillen<br />
Vögel im Flug erwischen, ebenso<br />
Nacht bildet sich vielleicht sogar etwas Watvögel an einem Strand, die sich vor<br />
Morgennebel, der über dem Wasser<br />
der Flut davon machen. Für<br />
treibt. Um den einzufangen, müssen Sie Bewegungs- und Unschärfeeffekte<br />
allerdings sehr früh in Position sein,<br />
benutzen sie eine längere<br />
schon vor dem ersten Tageslicht.<br />
Verschlusszeit.<br />
Doch nicht nur Vögel können im Moor<br />
fotografi ert werden, auch Otter und<br />
Wühlmäuse sind an Tümpeln und<br />
Wasserwegen anzutreffen. Leider sind sie sehr<br />
scheu, und Sie müssen viel Zeit aufwenden,<br />
um sie zu fi nden und zu fotografi eren.<br />
Amphibien und Libellen sind wesentlich<br />
zugänglichere Kreaturen und insofern bessere<br />
Motive für Naturfotografen mit weniger Zeit<br />
und weniger optimierter Ausrüstung. Frösche<br />
sind großartige Motive, und Sie sind oft in<br />
Gärten unter langem, feuchtem Gras<br />
anzutreffen. Am einfachsten fi nden Sie sie im<br />
Frühling, wenn Sie zu den Teichen<br />
zurückkehren, um zu brüten. Die beste Taktik<br />
ist dann, sich ans Ufer zu knien und auf<br />
einzelne Exemplare zu warten, bis sie den<br />
Kopf aus dem Wasser strecken, um zu atmen.<br />
Mit einem Makroobjektiv oder einer Nahlinse<br />
bekommen Sie sie formatfüllend ins Bild. Falls<br />
die Lichtverhältnisse schlecht sind, benutzen<br />
Sie einen Makroblitz, um eine gute Belichtung<br />
zu erzielen. Der Blitz hilft außerdem, einen<br />
größeren Schärfentiefebereich zu erzielen,<br />
und erzeugt attraktive Refl exe im Auge und<br />
auf der feuchten Haut des Frosches.<br />
In Feuchtgebieten gibt es auch interessante,<br />
farbenfrohe Insekten zu entdecken. Die Libelle<br />
ist nur eine der vorkommenden Arten, die<br />
großartige Motive abgeben. Bei Tagesanbruch<br />
sind ihre Flügel vielleicht noch mit Tau<br />
bedeckt und glänzen. Auch für eine solche<br />
Aufnahme müssen Sie Ihren Wecker sehr früh<br />
stellen. Durchsuchen Sie die Vegetation und<br />
das lange Gras in der Nähe eines Ufers. Für<br />
das Foto ist ein Makroobjektiv eindeutig die<br />
beste Wahl.<br />
ISTOCK PHOTO<br />
ROSS HODDINOTT<br />
ISTOCK PHOTO<br />
OTTER: Im moorreichen Schleswig-Holstein<br />
liegt die Eider-Treene-Sorge-Niederung, und dort<br />
befindet sich beim Dorf Schwabstedt das Wilde<br />
Moor, das nunmehr seit den 1980er-Jahren<br />
renaturiert wird. Hier gibt es viele Wiesenvögel<br />
wie den Brachvogel, aber auch versteckt<br />
lebende Sumpfbewohner. Durch das Gebiet<br />
führt ein Moorlehrpfad.<br />
www.eider-treene-sorge.de<br />
PEENETAL: Nahe den Inseln Rügen und Usedom liegt der<br />
so genannte Amazonas des Nordens: Um die Peene herum<br />
erstreckt sich eines der besterhaltenen Niedermoorgebiete in<br />
Mitteleuropa. Hier leben unter anderem Otter, Biber und sogar<br />
drei Arten von Adlern. Der ehemalige Polder Menzlin ist ein<br />
guter Ausgangspunkt; dort können Sie auch ein Paddelboot<br />
leihen, um das Gebiet zu erkunden. Der Naturschutz-<br />
Förderverein bietet auch Exkursionen an.<br />
www.naturschutz-peenetal.de, www.abenteuerflusslandschaft.de<br />
TEUFELSMOOR: Dieses legendäre Moor wurde<br />
durch zahllose Landschaftsmaler des Künstlerdorfes<br />
Worpswede in ganz Deutschland bekannt. Heute sind<br />
nur noch Reste des Moorgebietes übrig, unter anderem<br />
in Form des Huvenhoopsmoors bei Gnarrenburg. Zu<br />
empfehlen sind außerdem die geführten Wanderungen,<br />
Radtouren und Moorkahn-Fahrten der Biologischen<br />
Station Osterholz. Unter www.kulturland-teufelsmoor.de<br />
können Sie aus dem Pressebereich umfangreiches<br />
Informationsmaterial herunterladen.
EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
Wildlife-<strong>Fotografie</strong> 137<br />
ROTES UND SCHWARZES MOOR:<br />
Auch in den Mittelgebirgen gibt es Moore,<br />
beispielsweise in der Rhön. Das Rote Moor<br />
wurde zwar größtenteils durch Torfstecherei<br />
trockengelegt, in den Randbereichen ist es aber<br />
unberührt und steht heute unter Naturschutz.<br />
Der Rundweg, auf weiten Strecken mit<br />
Holzbohlen befestigt, ist ein beliebtes<br />
Ausflugsziel.<br />
www.rhoentourist.de/rotes-moor-rhoen.html<br />
ISTOCK PHOTO<br />
Tiere im Wasser ergeben<br />
großartige Motive – sofern die<br />
Wasseroberfläche ruhig ist<br />
und eine farbige Umgebung<br />
spiegelt.<br />
DONAUMOOS: Früher war es das größte<br />
Niedermoor Süddeutschlands. Das bayerische<br />
Donaumoos hat zwar seitdem es trockengelegt<br />
wurde seinen Moorcharakter weitgehend<br />
verloren, doch ein Besuch lohnt sich dennoch.<br />
Beim „Haus im Moos“ in Karlshuld gibt es<br />
Naturerlebnispfade, ein Freilichtmuseum und<br />
eine Biberauffangstation. Kaum sonst wo<br />
kommen Sie so nah an die Tiere heran.<br />
www.haus-im-moos.de<br />
ROSS HODDINOTT ROSS HODDINOTT<br />
Seevögel<br />
UNSERE KÜSTEN bilden ein<br />
hervorragendes Habitat für zahlreiche<br />
Seevögel. Wenn Sie eine Tagestour<br />
nach Helgoland machen, werden Sie<br />
Papageientaucher, Tölpel und<br />
ausgewachsene Seemöwen vor die<br />
Linse bekommen; mit etwas Glück<br />
gelingen sogar Bilder, wenn sie einen<br />
Fisch im Schnabel halten. Inselvögel<br />
sind normalerweise recht tolerant für<br />
die Nähe des Menschen. Mit einer<br />
Brennweite von 300 mm sollten<br />
schöne Portraits möglich sein, wobei<br />
Sie aber nicht von den markierten<br />
Fußwegen abweichen dürfen. Schalten<br />
Sie den Autofokus auf „Nachführen“<br />
und schießen Sie lange Bildserien,<br />
wodurch sich die Chance für ein gutes<br />
Foto erhöht. Halten Sie sie<br />
Verschlusszeiten so kurz wie möglich,<br />
um die Bewegungen der Vögelscharf<br />
abzubilden.<br />
In den Wintermonaten bieten auch das<br />
Watt, Flussmündungen und<br />
Küstenregionen gute Kulissen für<br />
staunenswerte Naturfotos. Überall dort,<br />
wo Nahrung im Überfl uss vorhanden<br />
ist, werden Sie große Schwärme von<br />
Watvögeln und Zugvögeln fi nden. Die<br />
Watvögel werden unablässig nach<br />
einem leckeren Bissen im Watt<br />
herumstochern. Nähern sie sich ihnen<br />
vorsichtig und benutzen Sie wenn<br />
möglich eine natürliche Deckung.<br />
Wenn Sie einen Vogel aufgeschreckt<br />
haben und er Anstalten macht,<br />
davonzufl iegen, bleiben sie regungslos<br />
stehen und warten Sie ab. Vielleicht<br />
überlegt er es sich noch einmal und<br />
widmet sich wieder seinem Festessen.<br />
Stative sind für solche Motive eher<br />
unpraktisch, die bessere Lösung sind<br />
ein Bohnensack oder ein Einbeinstativ.<br />
Wenn Sie nah an der Küste arbeiten,<br />
beachten Sie auch stets den<br />
Wasserstand! Falls die Flut<br />
hereinkommt, sollten Sie sich am<br />
besten einen Standort suchen, wo Sie<br />
bequem abwarten können, bis die<br />
Vögel sich auf dem Rückzug vor dem<br />
steigenden Wassers Ihrer Position<br />
nähern – eine sehr effektive Strategie,<br />
um Ihr Motiv auf sich zukommen zu<br />
lassen, anstatt ihm hinterher zu jagen.<br />
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EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
Kamera-Ausrüstung 139<br />
KAMERA-AUSRÜSTUNG<br />
ZUBEHÖR IST WICHTIG – ENTSCHEIDEND IST ABER, ES RICHTIG EINZUSETZEN…<br />
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140 Basis-Ausrüstung: Objektive EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
Grundlagen zu Objektiven<br />
Folgen Sie unserem Ratgeber, um für Ihren Bedarf das richtige Objektiv zu finden<br />
DER SCHLÜSSEL ZUR OBJEKTIVWAHL liegt<br />
darin, ein System für all Ihre Bedürfnisse<br />
zusammenzustellen. Diese hängen wiederum von<br />
den Themen ab, die Sie bevorzugt aufnehmen:<br />
Spezialthemen wie Sport, Natur und Makro<br />
erfordern jeweils spezifische optische Mittel. Da die<br />
meisten von uns allerdings lieber von allem etwas<br />
haben, ist eine allgemeinere Auswahl am<br />
sinnvollsten. In Bezug auf Brennweiten heißt das:<br />
Wenn Ihre Objektive die Bereiche 15 mm bis 300<br />
mm auf einer Vollformat-DSLR (12 mm bis 200<br />
mm bei APS-C Sensoren) abdecken, sind Sie<br />
praktisch für jede Situation gut ausgerüstet.<br />
Längere Brennweiten sind ideal für<br />
Landschaftsfotografie, freie Natur, Architektur,<br />
Straßenszenen und Reisen, mittlere Brennweiten<br />
sind gut für Porträts, Details und allgemeine<br />
Zwecke, und Teleobjektive eignen sich für Sport,<br />
Schnappschüsse und Natur. Natürlich können Sie<br />
auch mit einem Teleobjektiv tolle Landschaften<br />
fotografieren, oder atemberaubende Naturszenen<br />
mit einem Ultraweitwinkel – nutzen Sie einfach<br />
Ihre Fantasie und nutzen Sie all Ihre Objektive voll<br />
aus.<br />
In unserem digitalen Zeitalter ist die Qualität eines<br />
Objektivs wichtiger denn je. Hochauflösende<br />
Sensoren sind so leistungsfähig, dass alle optischen<br />
Mängel von minderwertigen Objektiven sofort<br />
sichtbar werden. Am größten ist das Problem bei<br />
Ultraweitwinkel-Zooms, wo chromatische<br />
Aberration, Beugung, Vignettierung, Verzerrung<br />
und Verlust an Schärfe an den Bildecken<br />
üblicherweise zum Problem werden können – je<br />
billiger das Objektiv, umso wahrscheinlicher –,<br />
obwohl es Ausnahmen gibt. Telezooms leiden<br />
tendenziell weniger unter den genannten<br />
Problemen, weil ihr optisches Design toleranter ist,<br />
können sie aber nicht völlig ausschließen: Je mehr<br />
Pixel die Kamera hat, umso mehr Probleme können<br />
sich auf Ihren Bildern zeigen.<br />
Obwohl optische Mängel in gewissem Umfang bei<br />
der Nachbearbeitung korrigiert werden können, ist<br />
man besser bedient, wenn sie überhaupt nicht oder<br />
nur minimal vorhanden sind. Am sichersten sind<br />
Sie, wenn Sie das bestmögliche Objektiv kaufen,<br />
das Ihr Budget erlaubt. Nehmen Sie aber nicht nur<br />
den Preis eines Objektivs als alleinigen Indikator<br />
seiner Qualität. Viele Objektive und Hersteller<br />
haben einen bestimmten guten oder schlechten<br />
Ruf; lesen Sie also Kundenbewertungen und fragen<br />
Sie andere Fotografen nach ihrer Meinung. Ob Sie<br />
sich für ein Objektiv mit Festbrennweite oder eine<br />
Zoom entscheiden, hängt wiederum ganz von Ihren<br />
Bedürfnissen und Mitteln ab.<br />
Festbrennweiten sind in Bezug auf die Bildqualität<br />
meistens überlegen – Zooms hingegen sind<br />
Objektivwahl: Festbrennweite<br />
oder Zoom<br />
Sowohl Objektive mit feststehender als auch<br />
Zoomobjektive mit variabler Brennweite<br />
bieten Vor- und Nachteile. In der Regel bieten<br />
Festbrennweiten mehr Bildqualität, größere<br />
Blendenöffnungen, sind kompakter und<br />
leichter; der Kauf mehrerer Einzelobjektive<br />
kann jedoch kostspielig werden. Ein Zoom<br />
ist vielseitiger und spart Geld, da es einen<br />
großen Brennweitenbereich abdeckt. Die<br />
Qualität ist nicht ganz so hoch und die<br />
maximale Blendenöffnung kleiner, aber seine<br />
Bequemlichkeit macht es immer beliebter.<br />
vielseitiger, und Sie werden vermutlich kaum den<br />
Unterschied zwischen einer Aufnahme mit einem<br />
Zoom für 500 Euro und einer zweiten mit einem<br />
Festbrennweitenobjektiv für über 1.000 Euro<br />
erkennen. Neben Größen wie Canon und Nikon<br />
sollten auch Objektive von unabhängigen<br />
Herstellern wie Sigma und Tamron in Betracht<br />
gezogen werden, die optisch oft gleichwertig, aber<br />
preislich wesentlich günstiger sind. Unabhängig<br />
davon, welches Objektiv Sie kaufen: Seine beste<br />
optische Leistung erhalten Sie, wenn Sie so oft wie<br />
möglich mit mittleren Blendenwerten von f/8 oder<br />
f/11 arbeiten. Die Bildqualität ist jeweils am<br />
geringsten bei der kleinsten bzw. größten<br />
Blendenöffnung, vor allem bei Weitwinkel-Zooms,<br />
während die mittlere Blendenöffnung optimale<br />
Schärfe liefert.<br />
Die wichtigsten Objektivtypen für die digitale <strong>Fotografie</strong><br />
1) Weitwinkel<br />
Mit ihrem breiteren Blickfeld als<br />
das menschliche Auge erlauben<br />
Ihnen Weitwinkelobjektive,<br />
mehr von einer Szene im<br />
Bildfenster zu erfassen, daher<br />
sind sie die ideale Wahl für die<br />
Aufnahme von Landschaften,<br />
Innenräumen oder bei engen<br />
Platzverhältnissen. Sie sind<br />
in umfangreicher Auswahl als<br />
Festbrennweiten und Zooms<br />
erhältlich, an Optionen herrscht<br />
also kein Mangel. Mithilfe<br />
von Weitwinkeln können Sie<br />
Perspektiven und Bildtiefen<br />
verstärken, was zu kreativen<br />
Ergebnissen führen kann. Sie<br />
müssen sich aber bewusst sein,<br />
dass es leicht zu Verzerrungen<br />
kommt, besonders bei<br />
Objekten an den äußeren<br />
Bildrändern. Dies kann zwar<br />
für Ihre Bilder mitunter von<br />
Vorteil sein, es kann sie aber<br />
auch leicht ruinieren. Details<br />
zu Weitwinkelobjektiven siehe<br />
Seite 146.<br />
2) Telezooms<br />
Ein Telezoom ist oft das erste<br />
Objektiv, das ein DSLR- bzw.<br />
CSC-Fotograf sich anschafft.<br />
Durch seine verlängerbare<br />
Brennweite ist ein Teleobjektiv<br />
sehr hilfreich, um relativ kleine<br />
oder weit entfernte Objekte<br />
auf bildfüllendes Format zu<br />
vergrößern. Es ist auch ideal,<br />
wenn Sie Motive aufnehmen<br />
möchten, ohne bemerkt zu<br />
werden, z. . Wildtiere oder<br />
lustige Schnappschüsse.<br />
Da dieser Objektivtyp die<br />
perspektivische Bildtiefe<br />
verkürzt, ist er perfekt für<br />
schmeichelhafte Porträts<br />
geeignet. Telezooms mit<br />
50–200 mm und 70–300<br />
mm sind sehr beliebt, müssen<br />
aber mit Vorsicht eingesetzt<br />
werden, um Verwacklungen zu<br />
vermeiden. Wenn Sie es sich<br />
leisten können, investieren Sie<br />
in ein Telezoom mit maximalen<br />
Blende von f/2,8. Weitere<br />
Informationen zu Teleobjektiven<br />
siehe Seite 148.<br />
3) Makroobjektive<br />
Äußerlich sehen<br />
Makroobjektive genau wie<br />
Normalobjektive aus; der<br />
Hauptunterschied ist jedoch,<br />
dass sie viel stärker vergrößern<br />
können, sodass Sie winzige<br />
Objekte wie Insekten und<br />
Schmetterlingen formatfüllend<br />
aufnehmen können. Sie sind<br />
außerdem für sehr kurze<br />
Einstellentfernungen perfekt<br />
geeignet, wo sie hervorragende<br />
optische Qualität liefern, in<br />
der Regel mit Brennweiten<br />
von 50/55 mm bis 90/105<br />
mm. Während beide Typen<br />
nützlich sind und zumeist<br />
auch 1:1 (lebensgroße)<br />
Aufnahmen ermöglichen, sind<br />
längere Brennweiten besser<br />
für Naturfotografie geeignet,<br />
weil sie in größerer Entfernung<br />
arbeiten können – so brauchen<br />
Sie Ihrem Motiv nicht zu nah zu<br />
kommen und riskieren nicht, es<br />
zu erschrecken.<br />
4) Normalobjektive<br />
Vor langer Zeit wurden<br />
Spiegelreflexkameras mit<br />
„normalen“ 50-mm-Objektiven<br />
verkauft, von denen folglich jeder<br />
begeisterte Fotograf eines besaß;<br />
heute sind Sie stattdessen<br />
mit Standard-Zooms von<br />
18–55 mm oder 18–105 mm<br />
bestückt. Die Investition in ein<br />
50-mm-Festbrennweitenobjektiv<br />
lohnt sich aber trotzdem;<br />
denn damit halten Sie ein<br />
kompakt-leichtes Objektiv in<br />
Händen, das bis zum Bereich<br />
von wenigen Zentimetern<br />
gestochen scharfe Aufnahmen<br />
mit fantastischen Lichtstärken<br />
von mindestens f/1,8 oder sogar<br />
f/1,4 oder f/1,2 erlaubt – perfekt<br />
für Aufnahmen aus der Hand<br />
oder bei schwachem Licht. Ein<br />
75–80-mm-Objektiv hingegen<br />
liefert, auf einer Kamera mit<br />
APS-C Sensor bei maximaler<br />
Blendenöffnung, hervorragende<br />
Bilder und brillante<br />
Porträtaufnahmen mit minimaler<br />
Schärfentiefe.<br />
5) Tilt-/Shiftobjektive<br />
Diese teuren Objektive dienen zu<br />
zwei Zwecken. Erstens verhindern<br />
sie bei Architekturaufnahmen<br />
stürzende Linien: Anstatt sich<br />
zurückzulehnen, um die Spitze<br />
eines Gebäudes erfassen<br />
zu können, verschieben Sie<br />
einfach die Optik nach oben und<br />
lassen die Kamera parallel zum<br />
Gebäude ausgerichtet. Mithilfe<br />
der ‚Tilt’-Funktion können Sie<br />
außerdem den vorderen Teil des<br />
Objektivs in einem bestimmten<br />
Winkel nach unten neigen,<br />
sodass die Schärfeebene parallel<br />
zur Ebene des Kamerasensors<br />
liegt. Dadurch wird der<br />
Schärfentiefebereich vergrößert,<br />
ohne eine kleinere Blende<br />
einstellen zu müssen. Neigen Sie<br />
die Optik in die andere Richtung,<br />
wird der Schärfentiefebereich bis<br />
auf ein Minimum reduziert, was<br />
ungewöhnliche Effekte schafft.<br />
Eine ähnliche Wirkung erzielen<br />
Sie allerdings, zu einem Bruchteil<br />
der Kosten, auch mithilfe eines<br />
‚Lensbaby’.<br />
BENEDICT CAMPBELL<br />
BJORN THOMASSEN<br />
HELEN DIXON<br />
HELEN DIXON<br />
HELEN DIXON
EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
Basis-Ausrüstung: Objektive 141<br />
Thema: Effektive Brennweite<br />
Die meisten für den Einsatz mit Digitalkameras<br />
verfügbaren Objektive wurden für 35-mm-<br />
Spiegelreflexkameras oder digitale Vollformat-<br />
Spiegelreflexkameras entwickelt, deren Sensoren die<br />
gleiche Größe haben wie ein 35-mm-Filmbild (24 x<br />
36 mm). Allerdings bieten derzeit nur sehr wenige<br />
digitale Spiegelreflexkameras einen Vollformat-<br />
Sensor; die große Mehrheit verwendet APS-C<br />
Sensoren, die kleiner als das 35-mm-Vollformat<br />
sind. Demzufolge muss die Brennweite des<br />
„Normalobjektivs“ auf ein Maß verlängert werden,<br />
das in der Regel als effektive Brennweite bezeichnet<br />
wird. Diese Verlängerung kann mittels eines<br />
Vergrößerungsfaktors (MF) berechnet werden, der<br />
von der Größe des Kamerasensors abhängt. Bei den<br />
meisten Kameras beträgt dieser Faktor 1,5x – bei<br />
Canon allerdings 1,6x, und bei Vier-Drittel-Kameras<br />
sogar 2x.<br />
Für Landschaften und andere Motive, wo<br />
vorwiegend Weitwinkelobjektive genutzt werden,<br />
ist diese Verlängerung der Brennweite von Nachteil:<br />
So wird zum Beispiel ein Ultraweitwinkelzoom<br />
von 17–40 mm effektiv zu einem 25–60 mm<br />
Standardzoom, wenn die Digitalkamera den Faktor<br />
1,5x besitzt. Um die gleiche Wirkung wie ein 17–40<br />
mm Zoom zu erhalten, müssten Sie also etwa ein<br />
10–20 mm oder 12–24 mm Zoom verwenden. Für<br />
Sport, Natur und andere Themen, die Teleobjektive<br />
benötigen, ist die Brennweitenverlängerung indes<br />
vorteilhaft, weil sie schwache Objektive stärker<br />
macht: Ein 70–300 mm Zoom wird zum Beispiel<br />
auf einer Kamera mit dem Faktor 1,5x zu einem<br />
105–450 mm Zoom, sodass Sie weiter entfernte<br />
oder kleinere Motive formatfüllend aufnehmen<br />
können.<br />
Ein weiterer zu bedenkender Faktor ist, dass alle<br />
Objektive in der Mitte am schärfsten abbilden und<br />
zu den Rändern an Schärfe verlieren. Kameras mit<br />
APS-C-Sensor profitieren daher am meisten von<br />
Vollformat-Objektiven, da sie den schärferen Bereich<br />
in der Objektivmitte ausnutzen und die äußeren<br />
Bildränder ausschließen, wo die Bildqualität<br />
schlechter ist. Das Rechnen mit Brennweiten kann<br />
verwirrend sein, deshalb sollten Ihnen unsere<br />
nachfolgenden Tabellen das Verständnis erleichtern.<br />
Kameramarke/Modelle<br />
Vergrößerungs-<br />
Faktor<br />
Canon<br />
Alle EOS-Modelle (außer folgende) 1.6x<br />
EOS-1D serie 1.3x<br />
EOS 5D & EOS-1DS-Serien<br />
1x<br />
Fujifilm<br />
Alle Modelle der S-Serie 1.5x<br />
Nikon<br />
Alle D-Serien (außer folgende) 1.5x<br />
D700- und D3-Serie 1x<br />
Olympus & Panasonic<br />
Alle digitalen SLRs und CSCs<br />
2x<br />
Pentax<br />
Alle Modelle der *ist und K-Serie 1.5x<br />
Samsung<br />
Alle Modelle der GX- und NX-Serien 1.5x<br />
Sigma<br />
Alle SD-Modelle 1.7x<br />
Sony<br />
Alle Alpha & NEX (außer folgende) 1.5x<br />
Alpha 850 und 900<br />
1x<br />
Effektive Brennweiten: Die obige Tabelle zeigt<br />
die effektive Zunahme der Brennweiten für die<br />
meisten gängigen DSLR- und CSC-Kameramarken.<br />
Verwenden Sie die Vergrößerungsfaktoren<br />
zusammen mit der Tabelle auf der rechten Seite,<br />
um die effektiven Brennweiten für andere gängige<br />
Zoomobjektive zu ermitteln.<br />
Sensorgrößen: Diese Bilder wurden alle<br />
mit einem 35-mm-Objektiv von identischer<br />
Position aufgenommen, um die Wirkung des<br />
Vergrößerungsfaktors zu zeigen.<br />
Sensorgröße<br />
Vollbild APS-H APS-C APS-C (Canon) Vier-Drittel &<br />
Micro Four Thirds<br />
Brennweite<br />
auf Objektiv 1x 1.3x 1.5x 1.6x 2x<br />
14mm 14mm 18mm 21mm 22mm 28mm<br />
15mm 15mm 19mm 22mm 23mm 30mm<br />
20mm 20mm 26mm 30mm 32mm 40mm<br />
24mm 24mm 31mm 36mm 38mm 48mm<br />
28mm 28mm 36mm 42mm 45mm 56mm<br />
50mm 50mm 65mm 75mm 80mm 100mm<br />
85mm 85mm 110mm 127mm 136mm 170mm<br />
100mm 100mm 135mm 150mm 160mm 200mm<br />
10-17mm 10-17mm 13-22mm 15-25mm 16-27mm 20-34mm<br />
10-20mm 10-20mm 13-26mm 15-30mm 16-32mm 20-40mm<br />
10-22mm 10-22mm 13-29mm 15-33mm 16-35mm 20-44mm<br />
11-18mm 11-18mm 14-23mm 16-27mm 18-29mm 22-36mm<br />
12-24mm 12-24mm 16-31mm 18-36mm 19-38mm 24-48mm<br />
16-35mm 16-35mm 21-45mm 24-53mm 26-56mm 32-70mm<br />
17-35mm 17-35mm 22-45mm 25-53mm 27-56mm 34-70mm<br />
17-40mm 17-40mm 22-52mm 25-60mm 27-56mm 34-80mm<br />
18-55mm 18-55mm 23-71mm 27-82mm 29-88mm 36-110mm<br />
18-200mm 18-200mm 23-260mm 27-300mm 29-320mm 36-400mm<br />
18-270mm 18-270mm 23-351mm 27-405mm 29-432mm 36-540mm<br />
24-105mm 24-105mm 31-136mm 36-157mm 38-168mm 48-210mm<br />
28-70mm 28-70mm 36-91mm 42-105mm 45-112mm 56-140mm<br />
28-300mm 28-300mm 36-390mm 42-450mm 45-480mm 56-600mm<br />
55-200mm 55-200mm 71-260mm 82-300mm 88-320mm 110-400mm<br />
70-300mm 70-300mm 91-390mm 105-450mm 112-480mm 140-600mm<br />
100-400mm 100-400mm 130-520mm 150-600mm 160-600mm 200-800mm<br />
Vollbild<br />
APS-C<br />
Vier-Drittel
142 Die richtige Fotoausrüstung EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
Wie Objektive das Motiv beeinflussen<br />
Die Wahl des Objektivs bestimmt, wie das Motiv aufgenommen wird. Man sollte sich also in jeder Aufnahmesituation<br />
darüber im Klaren sein, welches Objektiv am besten zu ihr passt. Die Beispiele zeigen, wie<br />
unterschiedliche Objektive den Tiefenschärfebereich und die Perspektive beeinflussen.<br />
Der Blickwinkel<br />
Der mit der Brennweite verwandte Blickwinkel<br />
drückt den Sichtbereich des Objektivs in Grad<br />
aus. Ein 50 Millimeter Standard-Objektiv (33<br />
Millimeter in APS-C) wird üblicherweise als das<br />
Objektiv angesehen, dass dem menschlichen<br />
Auge am ehesten entspricht. Weitwinkelobjektive<br />
haben einen größeren Blickwinkel als<br />
Standard-50-Millimeter-Objektive. Sie zeichnen<br />
daher viel mehr auf, als das menschliche Auge<br />
sehen kann. Je kürzer die Brennweite, desto<br />
weiter das Objektiv und desto größer der<br />
Blickwinkel. Normale Weitwinkelobjektive haben<br />
eine Brennweite unter 24 Millimetern (auf einer<br />
Vollformat-Kamera). Objektive mit einer<br />
Brennweite unter 17 Millimeter werden als<br />
„Ultraweit“ bezeichnet.<br />
Teleobjektive haben einen engeren Blickwinkel<br />
als Standard-Objektive und vergrößern die<br />
Objekte im Bildausschnitt. Je größer die<br />
Brennweite, desto enger der Blickwinkel.<br />
Dadurch können weniger Bildelemente in die<br />
Komposition aufgenommen werden.<br />
17 mm<br />
24mm<br />
20 mm<br />
28 mm<br />
FOTOS: ROSS HODDINOTT<br />
35 mm<br />
50 mm<br />
70 mm<br />
100 mm<br />
135 mm<br />
170 mm<br />
200 mm<br />
250 mm<br />
300 mm<br />
400 mm<br />
500 mm<br />
600 mm
EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
Die richtige Fotoausrüstung 143<br />
Perspektive<br />
Viele Fotografen merken nicht, welch große Wirkung<br />
die Wahl des Objektivs auf das Bild haben kann. Die<br />
Beziehung des Motivs mit dem Hintergrund, kann<br />
durch den Einsatz verschiedener Objektive stark<br />
verändert werden. Wird ein Bild mit einem<br />
Weitwinkelobjektiv aufgenommen, verbessert man<br />
die Tiefe des Motivs und verstärkt die Perspektive.<br />
Mit einem Teleobjektiv hingegen wird die<br />
Perspektive reduziert, das Motiv wird komprimiert<br />
und verliert dadurch Tiefe.<br />
Um die Perspektiveänderungen aufzuzeigen, wurde<br />
eine Reihe von Bildern mit Brennweiten von zehn<br />
bis 400 Millimetern aufgenommen. Es wurde<br />
darauf geachtet, dass das Motiv bei allen<br />
Aufnahmen in der gleichen Größe erscheint. Dies<br />
wurde durch die Distanz der Kamera zum Motiv<br />
ausgeglichen. Zuerst wurde mit einem<br />
Weitwinkelobjektiv aus der Nähe aufgenommen.<br />
Die Distanz wurde mit steigender Tele-Einstellung<br />
größer. Wie man auf dem Beispiel sieht, ist der<br />
Perspekitveunterschied enorm. Das sollte man nicht<br />
vergessen, wenn man das nächste Mal ein Model<br />
wirkungsvoll vor dem Hintergrund platzieren will.<br />
10 mm<br />
28 mm<br />
14 mm<br />
55 mm<br />
100 mm 200 mm<br />
400 mm<br />
Die Tiefenschärfe:<br />
Wenn das Motiv fokussiert wird, erscheint ein bestimmter Bildbereich vor und hinter dem<br />
Fokuspunkt ebenfalls scharf, das ist der Tiefenschärfebereich. Die Wahl der Blende hat die größte<br />
Wirkung auf die Tiefenschärfe. Große Blenden produzieren einen engen Tiefenschärfebereich und<br />
kleine Blenden lassen einen tieferen Teil des Motivs scharf erscheinen. Es gibt aber noch zwei<br />
weitere Faktoren, die die Tiefenschärfe beeinflussen: Die Distanz von der Kamera zum Objekt und<br />
die Brennweite des eingesetzten Objektivs. Erfahrene Fotografen bestätigen, dass man mit<br />
Weitwinkelobjektiven eine größere Tiefenschärfe erreicht als mit Teleobjektiven. Mit einem 18 bis<br />
200 Millimeter-Zoom auf f/8 ist die Tiefenschärfe bei 18 Millimetern weit größer als bei 200<br />
Millimetern Abstand. Wenn man berücksichtigt, wie die Brennweite die Perspektive beeinflussen<br />
kann, kann ein bestimmtes Objektiv eingesetzt werden, um die Tiefenschärfe zu erhöhen oder zu<br />
reduzieren. Die Aufnahmen unten wurden alle von der selben Stelle mit f/8 gemacht. Man sieht,<br />
wie die Tiefenschärfe durch das Heranzoomen reduziert wird.<br />
18 mm<br />
90 mm<br />
35 mm<br />
200 mm<br />
Probleme mit dem Objektiv:<br />
Es gibt verschiedene Probleme mit Objektiven,<br />
die ein guter Fotograf beachten sollte.<br />
Reflexlichter<br />
Streulicht aus der Sonne<br />
oder anderen Lichtquellen<br />
kann zu Reflexlichtern<br />
führen, die den Bildkontrast<br />
reduzieren und helle<br />
Punkte auf dem Bild<br />
hervorrufen. Reflexlichter<br />
können durch eine<br />
Objektivblende, die eigene<br />
Hand oder ein Stück<br />
Karton verhindert<br />
werden.<br />
Reflex<br />
Verzeichnung:<br />
Wenn gerade Linien auf dem Bild gekurvt erscheinen,<br />
nennt man das Verzeichnung. Bei der<br />
tonnenförmigen Verzeichnung wird die Mitte einer<br />
Linie gegen den Bildrand gezogen. Bei der kissenförmigen<br />
Verzeichnung passiert das Gegenteil. Die<br />
tönnenförmige Verzeichnung, auch Konvexverzerrung<br />
genannt, kommt häufig bei Aufnahmen mit<br />
Weitwinkelobjektiven vor. Die kissenförmige Verzeichnung<br />
kann auf Teleobjektiv-Aufnahmen<br />
erscheinen. Dieser Effekt betrifft vor allem billigere<br />
Objektive und solche für weitere Distanzen.<br />
Objektive mit asphärischen Objektivelementen<br />
minimieren Verzeichnungsprobleme. Die Verzeichnung<br />
kann auch bis zu einem gewissen Grad im<br />
Photoshop korrigiert werden.<br />
Chromatische Aberration<br />
ist ein Abbildungsfehler optischer Linsen, der dadurch<br />
entsteht, dass Licht unterschiedlicher<br />
Wellenlängen verschieden stark gebrochen wird.<br />
Das Resultat sind normalerweise Farbsäume,<br />
dünne Farbbänder rund um kontrastreiche Bildobjekte<br />
herum. Dieses Objektivproblem kann durch<br />
den Einsatz von apochromatischen Objektivelementen<br />
gelöst werden.
144 Die richtige Fotoausrüstung EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
Typen von Weitwinkelobjektiven<br />
Es gibt drei Grundtypen von Weitwinkelobjektiven.<br />
Jeder bietet Vor- und Nachteile.<br />
Wir zeigen Ihnen, welche.<br />
Ultraweitwinkelzoom<br />
Diese Gruppe von Objektiven erfreut sich einer immer höheren Popularität. Dies ist keine<br />
Überraschung, da die Reichweite, die sie abdeckt, für eine so kleines und preiswertes<br />
Objektiv eine unglaubliche Vielfalt bietet. Tatsächlich ist der Ultraweitwinkelzoom wohl eines<br />
der wertvollsten Objektive, das Sie besitzen können. Es gibt einige verfügbare Brennweiten<br />
und eine, die bei circa 11 bis 22 Millimetern liegt, eignet sich am besten für Kameras mit<br />
einem Sensor der Größe APS-C. In Wahrheit decken alle einen ziemlich ähnlichen Bereich ab,<br />
trotzdem gibt es die ein oder andere Ausnahme, die es zu beachten gilt. Das 10-17<br />
Millimeter-Fischaugen-Objektiv von Pentax bietet bei seiner größten Einstellung einen<br />
Blickwinkel von 180 Grad, man bekommt also quasi ein Fischaugen-Objektiv und einen<br />
Ultraweitwinkelzoom in einem. Bemerkenswert ist, dass das 12-24 Millimeter-Objektiv von Sigma, entgegen der<br />
meisten Ultraweitwinkelzooms, auch auf Vollformat- und APS-C-Kameras benutzt werden kann. Zu guter letzt: Trotz der<br />
Popularität des 16-35 Millimeter-Objektivs bei Benutzern von Vollformat-Kameras, ist die 24-53 Millimeter-Reichweite,<br />
die es mit APS-C abdeckt, recht limitiert, so dass wir von einem Kauf abraten würden.<br />
Feste Weitwinkel<br />
Klein, leicht und kompakt, mit einer<br />
hochwertigen Optik – dies sind<br />
begehrte Objektive, die in diversen<br />
Brennweiten erhältlich sind und darauf<br />
ausgerichtet sind, Digitalfotografen den<br />
ultimativen Weitwinkel zu bieten. Bei 14<br />
Millimetern Ultraweitwinkel angefangen, ist<br />
das Objektiv vor allem für die Architekturftografie sehr<br />
gut geeignet, wenn man einen Rahmen aus kurzer<br />
Entfernung mit einem Gebäude füllen will. Weitwinkel<br />
von 20-28 Millimetern sind ideal für Landschafts- und<br />
Reisefotografen. Der Gebrauch in Verbindung mit<br />
Kameras, die einen APS-C-Sensor besitzen, ist hingegen<br />
sehr eingeschränkt. Zudem wird diese Reichweite auch<br />
von Objektiven der Standardausrüstung abgedeckt.<br />
Fisheye<br />
Das Fisheye bietet die extremste<br />
Tiefenschärfe. Es gibt zwei Arten – das<br />
runde und das Vollformat-Fisheye.<br />
Beide bilden sehr unterschiedlich ab.<br />
Runde Fisheyes erzeugen runde Bilder<br />
mit einem Blickwinkel von 180 Grad,<br />
wenn Sie in Verbindung mit einer Vollformatkamera verwendet<br />
werden. Sie verzerren die Perpektive und sind - vor allem wenn<br />
das Objekt sehr nahe ist - perfekt für lustige Porträts.<br />
Das Vollformat-Fisheye, auch als diagonales Fisheye<br />
bezeichnet, bietet ein Blickfeld von 180 Grad und kann<br />
dementsprechend unglaublich breite Aussichten festhalten. Sie<br />
sind sehr teuer, und in ihren Gebrauchsmöglichkeiten sehr<br />
begrenzt. Leihen Sie sich eines von Ihrem Händler, bevor Sie<br />
sich selbst eines kaufen.<br />
Warum sollte ich ein Weitwinkelobjektiv benutzen?<br />
Wollten Sie schon mal ein Objekt oder eine Szene fotografieren und mussten erkennen, dass nicht alles in den<br />
Rahmen passt? Wenn ja, brauchen Sie ein Weitwinkel-Objektiv. Mit einer Tiefenschärfe, die um einiges weiter<br />
reicht als das menschliche Auge, bietet es die perfekte Optik, um Aussichten festzuhalten oder große Objekte in<br />
den Rahmen zu bringen. Ein solches Objektiv verzerrt die Abbildung konstruktionsbedingt. Doch wenn Sie<br />
wissen, was Sie erwarten dürfen und wie Sie kreativ damit umgehen können, gelingen Ihnen Aufnahmen, die<br />
mit keinem anderen Objektiv möglich sind.<br />
Brennweiten verstehen: Weitwinkelobjektiv<br />
Die auf einem Objektiv angegebene Brennweite bezieht sich meistens auf Kameras, die ein 35-Millimeter-<br />
Film- oder ein Vollformat-Objektiv verwenden. Wenn Ihre Kamera einen Sensor der Größe APS-C besitzt, dann<br />
schneiden Sie das Bild letzten Endes aus und geben ihm den Effekt eines Objektivs mit längerer Brennweite<br />
auf einem Vollformat-Sensor. Die untenstehende Tabelle zeigt bekannte Weitwinkel-Objektive und wie sich<br />
deren effektive Brennweite ändert, wenn sie in Verbindung mit Digitalkameras verwendet werden.<br />
Brennweite Kameras<br />
bei Objektiv Vollformat APS-H APS-C APS-C (Canon) Four-Thirds<br />
1x 1.3x 1.5x 1.6x 2x<br />
8 mm 8 mm 10 mm 12 mm 13 mm 16 mm<br />
14 mm 14 mm 18 mm 21mm 22 mm 28 mm<br />
15 mm 15 mm 19 mm 22 mm 23 mm 30 mm<br />
20 mm 20 mm 26 mm 30 mm 32 mm 40 mm<br />
24 mm 24 mm 31 mm 36 mm 38 mm 48 mm<br />
28 mm 28 mm 36 mm 42 mm 45 mm 56 mm<br />
10-17 mm 10-17 mm 13-22 mm 15-25 mm 16-27 mm 20-34 mm<br />
10-20 mm 10-20 mm 13-26 mm 15-30 mm 16-32 mm 20-40 mm<br />
10-22 mm 10-22 mm 13-29 mm 15-33 mm 16-35 mm 20-44 mm<br />
11-18 mm 11-18 mm 14-23 mm 16-27 mm 18-29 mm 22-36 mm<br />
12-24 mm 12-24 mm 16-31 mm 18-36 mm 19-38 mm 24-48 mm<br />
16-35 mm 16-35 mm 21-45 mm 24-53 mm 26-56 mm 32-70 mm<br />
17-35 mm 17-35 mm 22-45 mm 25-53 mm 27-56 mm 34-70 mm<br />
17-40 mm 17-40 mm 22-52 mm 25-60 mm 27-56 mm 34-80 mm<br />
Anatomie eines<br />
Weitwinkelzooms<br />
1) Gegenlichtblende: Ultraweitwinkel<br />
haben eine eigene Blende, um<br />
Vignettierung und Reflexlicht zu vermeiden.<br />
2) Großes, konkaves Vorderelement: Das<br />
Vorderelement hat normalerweise eine<br />
auffällige Krümmung und wenn man das<br />
Objektiv nicht schützt, ist es Staub und<br />
Kratzern ausgesetzt. Geben Sie also auf,<br />
wenn Sie es mitnehmen.<br />
3) Manueller Fokusring: Normalerweise<br />
vorne am Objektiv und aus guten Gründen<br />
sehr breit. Sie werden ihn kaum<br />
verwenden, da Weitwinkelobjektive einen<br />
ausgezeichneten Autofokus besitzen.<br />
4) Zoomring: Befindet sich in der Regel<br />
hinten am Objektiv. Meistens sind auch sie<br />
breit und mit einer genuteten Oberfläche,<br />
um Ihnen einen guten Zugriff darauf zu<br />
ermöglichen.<br />
5) Fokusdistanz: Bei vielen Objektiven ist<br />
die Fokusdistanz auf der Oberfläche<br />
vermerkt, während einige der etwas<br />
teureren Modelle ein Fokusdistanzfenster<br />
besitzen.<br />
6) Hyperfokale Entfernung: Diese Angabe<br />
erlaubt Ihnen, abzuschätzen, wie viel von<br />
der Szene bei Ihrer Blendenwahl scharf<br />
erscheinen wird.<br />
7) Integriertes Fokussierungssystem (IF):<br />
Wenn Sie vorhaben, Filter zu benutzen,<br />
dann bieten Objektive mit integriertem<br />
Fokussierungssystem den Vorteil, dass sich<br />
die Vorderseite des Objektivs nicht dreht,<br />
wenn Sie fokussieren, und sie sie daher<br />
auch nicht von neuem einstellen müssen.<br />
1<br />
4<br />
3<br />
5<br />
Reine Digitalobjektive<br />
Wenn Sie ein Objektiv suchen, überprüfen<br />
Sie stets, ob es nur für Digitalkameras in<br />
Verbindung mit Vollformat- oder auch für<br />
solche mit APS-C/Four-Third-Sensoren<br />
geeignet ist. Die Vollformat-Objektive sind<br />
normalerweise teurer, diejenigen für den<br />
rein digitalen Gebrauch sind auf Sensoren<br />
angepasst. Wenn Sie eine digitale<br />
Spiegelreflexkamera mit APS-C- oder<br />
kleinerem Sensor benutzen und nicht damit<br />
liebäugeln, sich eine Vollformat-<br />
Digitalkamera zuzulegen, kaufen Sie sich<br />
ein reine Digitalobjektive, wie zum Beispiel<br />
die Canon EF-S- oder die DX-Modelle von<br />
Nikon.<br />
2<br />
6
Passen Sie auf Ihre Füße auf!<br />
Wenn Sie ein 180-Grad-Fisheye benutzen,<br />
müssen Sie aufpassen, dass Ihre Füße nicht<br />
im Bild sind. Lehnen Sie sich leicht nach<br />
vorne, um das zu vermeiden<br />
MATT WHORLOW
<strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong><br />
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148 Die richtige Fotoausrüstung EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
Das perfekte Objektiv für den alltäglichen Gebrauch<br />
System-Standardobjektive<br />
Das Standardzoom, das zusammen mit Ihrer Kamera geliefert wurde, ist ein gutes<br />
Allzweckobjektiv, das annehmbare Bildqualität liefert. Wir empfehlen jedoch den<br />
Kauf eines 50-Millimeter-Standardobjektivs für bessere optische Qualität.<br />
Ein Standard-Objektiv ist für die meisten<br />
Systemkameras erhältlich. Mikro-Four-Third-<br />
Objektive sind das G 20 Millimeter-f/1.7 von<br />
Panasonic, das 30 Millimeter-f/2 von Samsung<br />
und das NEX 50 Millimeter-f/1.8 von Sony.<br />
Das 50 Millimeter-f/1.8-Standardobjektiv<br />
In den Tagen des Kleinbildfilms fanden Sie<br />
unweigerlich ein 50 Millimeter-f/1.8-Objektiv mit<br />
fester Brennweite auf nahezu jeder<br />
Spiegelreflexkamera. Es war das erste Objektiv, das<br />
jeder in Verbindung mit einer Spiegelreflexkamera<br />
benutzte. Es blieb bis in die späten 1980er hinein<br />
sehr gefragt. Zu jener Zeit etwa erschienen die ersten<br />
Standardzooms. Mit variablen Brennweiten, die von<br />
Weitwinkel- bis zu kurzen Teleobjektiven alles<br />
abdeckten, bedeutete das 28-70 Millimeter-Objektiv<br />
(und ähnliche) in puncto Flexibilität einen Schritt nach<br />
vorne und führte leider dazu, dass das 50 Millimeter-<br />
Standardobjektiv nicht mehr die erste Wahl war.<br />
Zuerst einmal handelt es sich um ein in der<br />
Anschaffung sehr preiswertes Objektiv. 50 Millimeter-<br />
Objektive von Canon, Nikon und Sony liegen neu bei<br />
etwa 125 Euro, gebraucht sind sie schon für etwas<br />
über der Hälfte dieses Preises erhältlich, und daher<br />
eine erschwingliche Wahl für die meisten von uns. Die<br />
Glaubwürdigkeit dieses Preis-Leistungs-Argumentes<br />
wird durch folgende Tatsache untermauert: Das<br />
Wahlobjektiv vieler Porträtprofis war lange Zeit das 85<br />
Millimeter-Teleobjektiv, was Sie in einer f/1.8-Version<br />
um die 380 Euro kostet. Wenn Ihre Kamera einen<br />
APS-C-Sensor besitzt, wie in den meisten Fällen,<br />
verhält sich ein 50 Millimeter-Objektiv für 125 Euro<br />
wie ein 75 Millimeter-f/1.8-Objektiv (oder ein 80<br />
Millimeter-f/1.8, wenn Sie eine Canon benutzen) –<br />
und Sie sparen circa 255 Euro!<br />
Wenn es Ihnen nichts ausmacht, ein gebrauchtes<br />
Objektiv mit manueller Fokussierung zu kaufen,<br />
können Sie schon welche ab 30 Euro finden. Für den<br />
Preis einer vernünftigen Speicherkarte können Sie<br />
also auch ein hochwertiges Stück Glas bekommen,<br />
das schon ein paar Jahrzehnte alt sein kann und dem<br />
der Autofokus fehlt, Sie jedoch nicht enttäuscht. Man<br />
könnte also nicht behaupten, dass ein 50 Millimeter-<br />
Objektiv nicht erschwinglich sei, doch was bietet es<br />
eigentlich darüberhinaus? Das beste<br />
Verkaufsargument ist sicherlich seine maximale<br />
Blende von f/1.8. Ein Objektiv mit einer so schnellen<br />
maximalen Blende birgt eine Menge Potential. Das<br />
50-Millimeter-Objektiv ist zwei oder drei Stufen<br />
schneller als ihr 18-55 Millimeter-Standardzoom mit<br />
einer maximale Blende von f/3.5-5.6, versorgt Sie mit<br />
einem helleren Sucherbild und erlaubt Ihnen, bei<br />
schwachen Lichtverhältnissen aus der Hand<br />
aufzunehmen, auch bei niedrigeren ISO-Werten.<br />
Der Hauptvorteil der breiten maximalen Blende ist die<br />
extrem flache Tiefenschärfe, die dazu beiträgt, das<br />
Hauptobjekt von seiner Umgebung zu isolieren, wenn<br />
man mit einer breiten Öffnung aufnimmt. Dieses eine<br />
Merkmal bietet bedeutende kreative Möglichkeiten,<br />
vor allem im Porträtbereich. Das 50-Millimeter-<br />
Objektiv punktet im Vergleich zu fast allen anderen<br />
Objektiven auch hinsichtlich Größe und Gewicht. Mit<br />
150 Gramm und circa 5 Zentimetern Länge können<br />
Sie es immer mit sich führen, vor allem wenn Sie<br />
reisen.<br />
Und damit zum wahrscheinlich entscheidenden<br />
Vorteil – der Bildqualität. Wie bei den meisten<br />
Objektiven mit fester Brennweite ist die optische<br />
Qualität eines bescheidenen 50-Millimeter-Objektivs<br />
wohl besser als die aller anderen, bis auf die der<br />
Profizooms, und in puncto Schärfe sind sie<br />
Standardzooms weit überlegen. Was Schärfe,<br />
Verzerrung, Lichtabfall und Kontrast angeht, so gibt es<br />
auch bei Aufnahmen mit breiter Öffnung wenig Grund<br />
sich zu beschweren. Hier haben Sie es also: Das<br />
kleine, leichte und sehr erschwingliche Objektiv mit<br />
superschneller Blende und rasiermesserscharfer<br />
Optik. Wollten Sie das nicht schon immer?<br />
Aktuelle Autofokus-50-Millimeter-f/1.8-<br />
Objektive<br />
Sie werden feststellen, dass Marken, die<br />
Vollformat-Digitalkameras anbieten,<br />
50-Millimeter-Objektive in ihrem Sortiment<br />
beibehalten haben. Wenn Sie haushalten müssen,<br />
vermeiden Sie den Kauf der schnelleren f/1.4- und<br />
f/1.2-Varianten, die eher für Profis entworfen werden,<br />
und daher größer und weitaus teurer sind. Canon- und<br />
Nikon-Objektive gibt es seit Jahren, halten Sie also<br />
Ausschau nach gebrauchten Objektiven!<br />
Canon EF 50mm f/1.8II<br />
Listenpreis: 165 Euro<br />
Straßenpreis: 125 Euro<br />
Größe (D x L): 68.2 x 41 mm<br />
Gewicht: 130 g<br />
Das Mk II-Objektiv ist dem Original<br />
quasi identisch – beide sind einen<br />
Kauf wert.<br />
Nikon 50mm f/1.8D<br />
Listenpreis: 170 Euro<br />
Straßenpreis: 140 Euro<br />
Größe (D x L): 63 x 39 mm<br />
Gewicht: 160g<br />
Klein, leicht und sehr scharf.<br />
Achten Sie auf das „D“, um den<br />
Kauf eines älteren Objektivs zu<br />
vermeiden.<br />
Sony DT 50mm f/1.8 SAM<br />
Listenpreis: 200 Euro<br />
Straßenpreis: 190 Euro<br />
Größe (D x L): 70 x 45 mm<br />
Gewicht: 170 g<br />
Ein großartiges, aber nicht so leicht<br />
zu findendes Objektiv. Denken Sie<br />
daran, dass auch Minolta Dynax-Objektive passen!<br />
Was ist das Besondere an einem<br />
50-Millimeter-f/1.8-Objektiv?<br />
Um die Vorzüge eines so schnellen Objektivs wie dem<br />
50-Millimeter-Objektiv wirklich zu verstehen und schätzen zu<br />
können, sollten Sie eines ausprobieren, doch vertrauen Sie<br />
uns: Sobald Sie eins getestet haben, wird es Sie nicht mehr<br />
loslassen. Das 50-Millimeter-f/1.8-Objektiv befähigt Sie dazu,<br />
den Hintergrund vollständig aus dem Fokus zu rücken und das<br />
Hauptobjekt von seiner Umgebung zu isolieren. Diese<br />
Bilderreihe zeigt die Änderung der Tiefenschärfe bei<br />
verschiedenen Blenden von f/1.8 bis f/22.<br />
f/5.6<br />
f/1.8<br />
f/8<br />
f/3.2<br />
f/11<br />
f/14<br />
f/18<br />
f/22
EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
Die richtige Fotoausrüstung 149<br />
Objektive mit sehr gutem<br />
Preis-Leistungs-Verhältnis<br />
Über die Jahre haben wir viele Objektive getestet und ein paar von ihnen ausgewählt, von denen wir denken, dass sie es wert sind, über den<br />
Kauf nachzudenken. Es sind sechs Objektive unabhängiger Hersteller, die eine hochwertige Optik besitzen und exzellente Bildqualität liefern.<br />
Sigma 10-20mm f/4-5.6 EX DC HSM<br />
www.sigma-foto.de<br />
Listenpreis: 695 Euro<br />
Straßenpreis: 545 Euro<br />
Eigenschaften<br />
- Bauweise: 14 Elemente in zehn Gruppe<br />
- Blendenreichweite: f/4-5.6 bis f/22<br />
- Filtergewinde: 77 Millimeter<br />
- Maße: 83,5 x 81 Millimeter<br />
- Gewicht: 470 Gramm<br />
- Passt auf: Canon, Nikon, Pentax, Sigma und Sony<br />
Dieser Ultraweitzoom ist, dank seiner kompakten Bauweise und seiner<br />
scharfen Optik unter Landschaftsfotografen wirklich sehr beliebt. Wie<br />
alle Sigma EX-Objektive ist es hochwertig verarbeitet und fühlt sich sehr<br />
solide an. Der Objektivtubus ist mit einem manuellen Fokusring<br />
ausgestattet und die Optik liefert durch die Bank scharfe Resultate, mit<br />
einerm leichten Hang zu chromatischer Aberration.<br />
Tamron AF 55-200mm f/4-5.6 LD Di II<br />
www.tamron.eu<br />
Listenpreis: 200 Euro<br />
Straßenpreis: 160 Euro<br />
Eigenschaften<br />
- Bauweise: 14 Elemente in zehn Gruppen<br />
- Blendenreichweite: f/2 bis f/22<br />
- Filtergewinde: 55 Millimeter<br />
- Maße: 73 x 80 Millimeter<br />
- Gewicht: 400 Gramm<br />
- Passt auf: Canon, Nikon und Sony<br />
Exklusiv für Kameras mit APS-C-Sensoren gebaut, ist die Trumpfkarte<br />
dieses leichtgewichtigen Objekktivs seine maximale Blende von f/2, die<br />
ihm gegenüber seiner Konkurrenz eine Reihe von Vorzügen einräumt.<br />
Außer einem helleren Sucherbild, erzeugt es eine sehr flache<br />
Tiefenschärfe – eine der Hauptanforderungen in der Makrofotografie.<br />
Tamron 10-24mm f/3.5-4.5 Di II LD<br />
www.tamron.eu<br />
Listenpreis: 200 Euro<br />
Straßenpreis: 165 Euro<br />
Eigenschaften<br />
- Bauweise: 13 Elemente in neun Gruppen<br />
- Blendenreichweite: f/4-5.6 bis f/32<br />
- Filtergewinde: 52 Millimeter<br />
- Maße: 71,6 x 83 Millimeter<br />
- Gewicht: 300 Gramm<br />
- Passt auf: Canon und Nikon<br />
Normalerweise fällt die Schärfe ab, wenn Sie sich durch die Brennweiten<br />
zoomen. Dieses Objektiv jedoch behält stets eine gute Schärfe bei. Sein breiter<br />
Zoomring ist sehr leicht zu bedienen. Der Autofokus leistet gute Arbeit – er ist<br />
nicht der schnellste oder leiseste, passt aber und profiliert sich vor allem bei<br />
schwachen Lichtverhältnissen. Es handelt sich um einen leichten und<br />
kompakten Telezoom, mit großartigem Preis-Leistungs-Verhältnis.<br />
Tamron 18-270mm f/3.5-6.3 Di II VC PZD<br />
www.tamron.eu<br />
Listenpreis: 630 Euro<br />
Straßenpreis: 480 Euro<br />
Eigenschaften<br />
- Bauweise: 12 Elemente in neun Gruppen<br />
- Blendenreichweite: f/3.5-4.5 bis f/22<br />
- Filtergewinde: 77 Millimeter<br />
- Maße: 83,2 x 86,5 Millimeter<br />
- Gewicht: 406 Gramm<br />
- Passt auf: Canon, Nikon, Pentax und Sony<br />
Das 10-18 Millimeter-Objektiv von Tamron war die Jahre über sehr beliebt.<br />
Dieser Zusatz jedoch, mit seiner sehr großen Bandbreite an Brennweiten,<br />
ist sogar noch vielseitiger einsetzbar. Es ist kompakt und leicht, umgänglich<br />
und mit einem internen Fokussierungssystem ausgestattet, das<br />
Filterbenutzern gefallen wird. Die optische Qualität stimmt, dank seiner<br />
asphärischen und wenig streuenden Elemente, ebenfalls.<br />
Tamron SP AF 60mm f/2 Di II LD Macro<br />
www.tamron.de<br />
Listenpreis: 825 Euro<br />
Straßenpreis: 635 Euro<br />
Eigenschaften<br />
- Bauweise: 16 Elemente in 13 Gruppen<br />
- Blendenreichweite: f/3.5-6.3 bis f/22<br />
- Filtergewinde: 62 Millimeter<br />
- Maße: 74,4 x 88 Millimeter<br />
- Gewicht: 450 Gramm<br />
- Passt auf: Canon, Nikon und Sony<br />
Das 18-270 Millimeter-Objektiv von Tamron bietet einen unglaublichen 15fachen<br />
Zoom, was eine effektive Brennweite von 28-419 Millimetern ergibt, und für so<br />
gut wie jede Art von Objekt zu einem geeigneten Objektiv macht. Der zusätzliche<br />
Bildstabilisator gibt ihm einen vierfachen Nutzen: Es kann für Aufnahmen aus der<br />
Hand, bei schwachen Lichtverhältnissen dienen, während der Piezo Ultrasonic-<br />
Motor für einen schnellen und geräuscharmen Autofokus sorgt.<br />
Sigma 120-400mm f/4.5-5.6 DG OS HSM<br />
www.sigma-foto.de<br />
Listenpreis: 1.140 Euro<br />
Straßenpreis: 764 Euro<br />
Eigenschaften<br />
- Bauweise: 21 Elemente in 15 Gruppen<br />
- Blendenreichweite: f/4.5-5.6 to f/32<br />
- Filtergewinde: 77mm<br />
- Maße: 92 x 203 Millimeter • Gewicht: 1.640 Gramm<br />
- Passt auf: Canon, Nikon, Pentax, Sigma und Sony<br />
Trotz seiner Brennweite ist dieser Zoom mit hoher Reichweite relativ<br />
kompakt und enthält einen optischen Stabilisator (OS), ein hinteres<br />
Fokussierungssystem und einen Hyper Sonic-Motor (HSM) für leise,<br />
schnelle Fokussierung. Seine minimale Fokusdistanz liegt bei 150<br />
Zentimetern bei einer Vergrößerung von 1:4,2 – was Naturfotografen<br />
sicherlich ansprechen sollte.
150 Grundlagen der Blitztechnik EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
Blitzgrundlagen<br />
Wenn Sie danach trachten, Ihre Blitzaufnahmen besser zu steuern, sollten Sie die Zusammenhänge zwischen<br />
Blitzoptionen und Blitzfunktionen kennen und wissen, wann Sie welche Kombination am besten einsetzen.<br />
Es gab Zeiten, da hatten Sie genau zwei<br />
Möglichkeiten: Blitz an oder aus. Einfacher geht es<br />
wirklich nicht. Heute hingegen stehen Ihnen alle<br />
möglichen Blitz-Betriebsarten zur<br />
Verfügung, die den Einsteiger verwirren<br />
und selbst den erfahrenen Profi<br />
verblüffen. Entscheidend ist zu wissen,<br />
dass jede Blitzart für einen bestimmten<br />
Motivtypus gedacht ist, also zu wissen,<br />
wann und wie Sie sie einsetzen. Der<br />
große Vorteil der Digitalfotografie ist<br />
natürlich, dass Sie alles Mögliche<br />
ausprobieren können, ohne hundertmeterweise<br />
Kleinbildfilm zu verschwenden. Sie werden bald<br />
feststellen, welcher Blitzmodus für Ihr Motiv am<br />
besten geeignet ist. Zuerst stellen wir die<br />
gebräuchlichen einfachen Blitz-Betriebsarten vor<br />
und kommen danach zu den kreativeren Optionen.<br />
Außerdem finden Sie Informationen zur<br />
Terminologie und zu nützlichem Zubehör, das die<br />
Einsatzmöglichkeiten Ihres Blitzgeräts erweitert.<br />
3<br />
Anatomie eines Elektronenblitzgeräts<br />
2<br />
1<br />
1<br />
BRETT HARKNESS<br />
Warum Sie sich ein externes<br />
Blitzgerät zulegen sollten<br />
Praktisch alle SLR haben ein eingebautes Blitzgerät,<br />
die meisten CSC ebenso; falls nicht, werden sie mit<br />
einem Aufsteckblitz geliefert. Warum also noch ein<br />
Blitzgerät kaufen? Dafür gibt es etliche Gründe, doch<br />
drei davon sind entscheidend.<br />
Erstens: die Blitzleistung. Die des eingebauten Blitzes<br />
reicht nur wenige Meter, hinter diesem Bereich bleibt<br />
es dunkel. Auf den Blitzschuh der Kamera montierte<br />
Geräte sind wesentlich leistungsstärker und erlauben<br />
Aufnahmen von Motiven, die sich mehrere Meter<br />
entfernt befinden.<br />
Zweitens: die technische Ausstattung. Der eingebaute<br />
Blitz bietet ein paar Betriebsarten, reicht aber an die<br />
ausgeklügelten Blitzprogramme des externen Blitzes<br />
nicht heran. Außer dem schwenkbaren Blitzkopf<br />
verfügt er über Einstellmöglichkeiten zum kreativeren<br />
Lichteinsatz.<br />
Drittens: Unabhängigkeit. Die Tatsache, dass ein<br />
externes Blitzgerät eben auch entfernt von der<br />
Kamera verwendet werden kann, kann gar nicht hoch<br />
genug eingeschätzt werden, denn sie eröffnet eine<br />
Fülle von Möglichkeiten. Sie können sogar mehrere<br />
externe Elektronenblitzgeräte kombinieren und<br />
ein Beleuchtungssystem installieren, das fast dem<br />
einer Studioblitzausrüstung gleichkommt, aber viel<br />
einfacher zu transportieren ist.<br />
10<br />
1) Blitzkopf: Er lässt sich<br />
horizontal und vertikal stufenlos<br />
verstellen, damit Sie dem Blitz<br />
die Richtung geben können,<br />
die für Ihr Motiv erforderlich ist.<br />
Die meisten Blitzgeräte haben<br />
einen Zoom-Blitzkopf, durch<br />
den die Größe des erzeugten<br />
Lichtkegels justiert<br />
werden kann, um<br />
die Reichweite<br />
entsprechend der<br />
Objektiveinstellung<br />
der Kamera<br />
anzupassen.<br />
2) AF-Hilfsleuchte:<br />
Bei schlechten<br />
Lichtverhältnissen<br />
sehen Sie vielleicht<br />
einen roten Lichtstrahl<br />
aus dem Blitzgerät nach vorn<br />
austreten, der dem AF-System<br />
der Kamera hilft, die genaue<br />
Entfernung zu bestimmen.<br />
3) Diffusor/Reflektor:<br />
Ziehen Sie den Diffusor des<br />
Blitzgeräts nach vorn heraus<br />
und klappen Sie ihn herunter,<br />
wenn Sie weicheres Licht<br />
erzeugen oder dem Blitz eine<br />
andere Richtung geben wollen.<br />
4) Anschluss für<br />
externe Stromversorgung:<br />
Die etwas teureren<br />
Blitzgeräte können von außen<br />
mit Strom versorgt werden.<br />
5) LCD-Monitor: Die<br />
meisten Blitzgeräte verfügen<br />
über einen LCD-Monitor,<br />
auf dem Informationen über<br />
Betriebsart, Blitzentfernung,<br />
eingestellte Blende etc.<br />
angezeigt werden.<br />
AF-Assist<br />
Manche DSLR haben<br />
eine AF-Hilfsleuchte, doch<br />
die wird außer Kraft gesetzt<br />
durch die AF-Assist<br />
Funktion eines externen<br />
Blitzgeräts.<br />
8<br />
6) Steuertasten:<br />
Die vielfältigen Einstellmöglichkeiten<br />
erfordern mehrere<br />
Tasten, von denen die meisten<br />
mehr als eine Funktion haben.<br />
Nehmen Sie sich die erforderliche<br />
Zeit, um sich an deren<br />
Bedienung zu gewöhnen, denn<br />
die Funktionen erschließen sich<br />
nicht unbedingt sofort.<br />
7) Blitzschuh:<br />
Der Blitzschuh ist mit Kontakten<br />
ausgestattet, über die<br />
das Blitzgerät mit der Kamera<br />
kommuniziert, deren Einstellungen<br />
ausliest und blitzt, wenn<br />
der Auslöser gedrückt wird. Die<br />
Blitzschuhe aller DSLR sind<br />
standardisiert, nur Sony macht<br />
eine Ausnahme. Nicht alle CSC<br />
verfügen über einen Blitzschuh.<br />
6<br />
9<br />
7<br />
8) Betriebsanzeige:<br />
Die meisten Modelle haben<br />
eine Kontroll-Leuchte, die zwei<br />
Zustände anzeigt: Grün für<br />
„blitzbereit“ und rot für „nicht<br />
bereit“. Bei vielen Modellen<br />
dient die Leuchte auch als<br />
Auslösetaste zum Testen der<br />
Blitzfunktion.<br />
9) Verriegelung:<br />
Sie verhindert das Herausrutschen<br />
des Blitzgeräts aus<br />
dem Blitzschuh.<br />
10) Standfuß:<br />
Drahtlos auslösende Blitzgeräte<br />
werden mit einem Standfuß<br />
geliefert, mit dem sie von der<br />
Kamera entfernt aufgestellt<br />
werden. Eine Alternative<br />
besteht aus einem Stativkugelkopf<br />
, wie dem Cullmann CB2<br />
für 15,- Euro, der eine genauere<br />
Ausrichtung des Blitzes erlaubt.<br />
5<br />
4
EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
Grundlagen der Blitztechnik 151<br />
Fachbegriffe der Blitztechnik<br />
TTL Blitz-Messung:<br />
Die Kamera benutzt die TTL-Messung (Through<br />
the Lens) Messung und das Mehrfeld-Belichtungssystem,<br />
um die exakte Belichtung zu berechnen,<br />
wobei einige Modelle sich auch auf mittenbetonte<br />
Messung schalten lassen. Manche schießen einen<br />
Vorblitz, andere haben sogar eine „Flash-Exposure<br />
Lock“ (FE-Lock) – eine Blitzspeicherfunktion – die<br />
eine Punktmessung beim Blitzen unter schwierigen<br />
Bedingungen vornimmt. Bei den meisten Aufnahmen<br />
können Sie sich auf das TTL-System verlassen.<br />
Rote-Augen-Effekt:<br />
Wir alle kennen die Fotos mit roten Augen - das Rot<br />
entsteht durch Reflexion des Blitzes an der Netzhaut<br />
des Auges. Funktioniert die Rote-Augen-Funktion<br />
Ihrer Kamera nicht wie gewünscht, finden Sie in<br />
anderern Kapiteln dieses Magazins Arbeitstechniken,<br />
mit denen Sie das Problem umgehen können.<br />
Blitzsynchronisationszeit:<br />
Die Kamera kann nur bestimmte Verschlusszeiten<br />
mit dem Blitz synchronisieren, meistens zwischen<br />
1/90 und einer 1/250 Sekunde. Sie können eine<br />
längere Verschlusszeit als diese einstellen, jedoch<br />
keine Kürzere, denn das kann dazu führen, dass<br />
Teile Ihres Fotos schwarz werden.<br />
Leitzahl:<br />
Die Leitzahl ist ein Maß für die Blitzleistung. Je<br />
höher die Leitzahl, desto stärker der Blitz. Sie wird<br />
oft in Verbindung mit ISO 100 in Metern angegeben,<br />
wobei die Zahl der Meter der Blitzreichweite bei ISO<br />
100 entspricht. Sie werden selten die Blitzleistung<br />
berechnen müssen. Falls doch, tun Sie das<br />
anhand der einfachen Formel „Blende = Leitzahl /<br />
(Entfernung des Motivs zum Blitzgerät)“, wobei die<br />
Kamera in den manuellen Modus geschaltet wird<br />
und die Verschlusszeit mit einer der Synchronisationszeiten<br />
übereinstimmen muss. Ist Ihr Motiv also<br />
10m entfernt und Ihr Blitzgerät hat eine Leitzahl<br />
von 40, dann müssen Sie Blende f/4 einstellen.<br />
Die meisten kameraintegrierten Blitze haben<br />
eine Leitzahl von etwa 12, die meisten externen<br />
Blitzgeräte hingegen variieren von 28 bis über 50.<br />
Master und Slave-Blitz:<br />
Bei einem aus mehreren Blitzgeräten bestehendem<br />
Licht-Setup benutzen Sie einen „Master-Blitz“, der<br />
die „Slave-Blitze“ steuert. Die jeweilige Funktion<br />
wird mit einem Schalter an der Rückwand des<br />
Blitzgeräts eingestellt.<br />
Blitzbereich:<br />
Er gibt die Ausbreitung des Blitzes als Brennweitenwert<br />
von ca. 18mm an. Falls Sie also eine kleinere<br />
Brennweite verwenden, riskieren Sie dunkle Ecken<br />
im Bild, weil der Lichtkegel dort nicht hinfiel.<br />
Mit dem richtigen<br />
Knowhow machen<br />
auch Sie fantastische<br />
Fotos wie dieses hier.<br />
BRETT HARKNESS<br />
Hier befiinden sich die Blitz-Steuerelemente Ihrer Kamera<br />
Die meisten Kameras haben eine Blitztaste am Gehäuse und weitere Steuermöglichkeiten per Menüsystem, hier einige gängige Beispiele<br />
Canon<br />
Drücken Sie den<br />
Blitzknopf und<br />
der Blitz klappt<br />
auf. Mit dem<br />
ersten Menüpunkt<br />
stellen Sie die<br />
Blitzbetriebsart ein.<br />
Nikon<br />
Drücken und halten<br />
Sie den Blitzknopf.<br />
Falls an Ihrem<br />
Modell verfügbar,<br />
können Sie auch<br />
das Menüsystem<br />
verwenden.<br />
Olympus<br />
Drücken Sie den<br />
Blitzmodus-Knopf,<br />
treffen Sie Ihre Wahl<br />
mit dem Vier-Weg-<br />
Schalter oder dem<br />
EInstellrad, dann<br />
drücken Sie OK.<br />
Panasonic<br />
Drücken Sie MENU<br />
und scrollen Sie<br />
die Optionen<br />
im Rec- Tab. Im<br />
Q-Menu finden Sie<br />
die Blitzmodi als<br />
Shortcut.<br />
Pentax<br />
Drücken Sie den<br />
Blitzknopf und<br />
Wählen SIe mit<br />
dem Vier-Wege-<br />
Schalter einen<br />
Modus . Die<br />
Blitzkorrektur<br />
wählen Sie mit<br />
dem Einstellrad.<br />
Samsung<br />
Drücken Sie MENU<br />
und scrollen Sie<br />
die Optionen im<br />
Kamera-Tab.<br />
Oderdrücken Sie Fn<br />
und wählen einen<br />
Modus mit dem<br />
Vier-Wege-Schalter.<br />
Sony<br />
Drücken Sie den<br />
Blitzmodus-Knopf,<br />
treffen Sie Ihre Wahl<br />
mit dem Vier-Weg-<br />
Schalter oder dem<br />
Einstellrad, dann<br />
drücken Sie OK.
152 Blitztechnik: Grundlagen EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
Zubehör für die Blitzfotografie<br />
Es gibt eine große Anzahl von Accessoires, die in<br />
Verbindung mit dem Blitz Ihrer Kamera verwendet<br />
werden können. Diese können in folgenden<br />
Hauptkategorien unterschieden werden:<br />
Beleuchtungshilfen: Auf<br />
dem Zubehörmarkt wird eine<br />
Fülle an Softboxen, Diffusoren,<br />
Schirmen, Beauty Dishes und<br />
anderen Beleuchtungshilfen<br />
angeboten, die dazu beitragen,<br />
das Licht weicher zu machen oder den Blitz aus<br />
dem von Ihnen gewählten Blitzgerät in eine<br />
bestimmte Richtung zu lenken. Die Preise variieren<br />
dabei von unter 25,- Euro bis hin zu 250,- Euro für<br />
eine anständige Softbox.<br />
Blitzschiene: Sie hält das<br />
Blitzgerät seitlich von Ihrer<br />
Kamera . Sie brauchen es nicht<br />
auf den Blitzschuh zu montieren.<br />
Dadurch wird der<br />
Beleuchtungseffekt verbessert<br />
und der Blitzschuh bleibt frei für spezielle<br />
Accessoires wie einen Fernauslöser. Schauen Sie<br />
sich doch einmal die Produktpalette von Custom<br />
Brackets (www.kocktrade.de) an.<br />
Auslösekabel oder<br />
Fernauslöser: Wenn Sie Ihr<br />
Blitzgerät unabhängig von der<br />
Kamera auslösen wollen,<br />
benötigen Sie dieses Zubehör,<br />
um die Kommunikation mit dem<br />
Blitz aufrechtzuerhalten (außer, wenn das<br />
Blitzgerät über einen eingebauten, drahtlosen<br />
Auslöser verfügt). Die Geräte von Manufactures<br />
haben einen solchen eigenen Auslöser, auch Hama<br />
(www.hama.de), Hahnel (www.hahnel.ie) oder<br />
Phottix (www.phottix.com) bieten bezahlbare<br />
Optionen.<br />
Filterfolien: Setzen Sie eine<br />
farbige Folie auf Ihren Blitzkopf<br />
und tauchen Sie die Szene in<br />
Farbe. Viele Profifotografen<br />
benutzen diese Folien<br />
zusammen mit einem<br />
kameraunabhängigen Blitzgerät, um einen<br />
Hintergrund auszuleuchten. Honl (www.amazon.<br />
de) und Hama (www.hama.de) haben<br />
hervorragende Filtersets im Angebot.<br />
Batterypacks: Wenn Sie<br />
regelmäßig jede Menge<br />
Aufnahmen mit Blitz machen<br />
(zum Beispiel bei Hochzeiten),<br />
sind Batteriepacks eine<br />
kosteneffektive Option und eine<br />
Alternative zu wieder aufladbaren Akkus. Die<br />
beliebteste Marke ist Quantum (www.wexcameras.<br />
de).<br />
Slave Zellen: Stecken Sie<br />
eine unten auf den Blitz und<br />
dieser wird zünden, sobald der<br />
Sensor eine Blitzausgabe<br />
bemerkt. Wenn sie manuell<br />
gesteuerte Blitzgeräte<br />
verwenden, ist dies eine kostengünstige Methode<br />
für Setups mit mehreren Blitzgeräten. Eine Slave<br />
Zelle von Hama kostet um die 25,- Euro.<br />
Blitzhalter mit<br />
Kugelgelenk: Wenn Sie das<br />
Blitzgerät unabhängig von der<br />
Kamera verwenden, benötigen<br />
Sie einen Fuß, auf den Sie es<br />
stellen können oder einen<br />
Blitzhalter mit Kugelgelenk mit einer zu dem<br />
Blitzgerät passenden Klammer, die das Gerät<br />
sicher an seinem Platz hält. Cullmann (www.<br />
cullmann.de), Interfit (www.interfitphotographic.<br />
com) und andere unabhängige Marken bieten<br />
verschiedene Optionen. Für weiteres, von uns<br />
empfohlenes Blitzzubehör sehen Sie auch S. 144<br />
bis 145.<br />
Die wichtigsten Blitzmodi<br />
Automatik: <strong>Digitale</strong> Spiegelreflexkameras<br />
haben keinen automatischen Blitzmodus als<br />
solchen. Sie verfügen stattdessen über bestimmte<br />
Belichtungsmodi, die den Blitz automatisch<br />
ausfahren. Einige kompakte Systemkameras haben durchaus<br />
eine Auto-Einstellung unter ihren Blitzmodi. Diese funktioniert im<br />
Grunde genauso, wie bei einer Kompaktkamera, bei der der Blitz<br />
dann verwendet wird, wenn die Lichtverhältnisse es erfordern,<br />
die bei guten Wetterbedingungen jedoch ohne Blitz fotografiert.<br />
Wann sollte ich die Blitzautomatik verwenden?<br />
Ihre Kamera auf die Blitzautomatik einzustellen ist dann<br />
sinnvoll, wenn Sie einfache Schnappschüsse in Innenräumen<br />
fotografieren wollen. Wenn Sie hier nur mit dem Umgebungslicht<br />
fotografieren, werden Sie Ihre Bilder sehr wahrscheinlich durch<br />
Verwacklungsunschärfe ruinieren.<br />
Erzwungen (Aufhellblitz): Sie brauchen<br />
nicht darauf zu warten, dass die Kamera Ihnen sagt,<br />
dass Sie den Blitz verwenden müssen. Sie können ihn<br />
selber ausfahren, indem Sie einfach auf den Blitzknopf<br />
drücken. Hierdurch können Sie einen Aufhellblitz erzeugen, mit<br />
dessen Hilfe Sie Schatten entfernen und Porträts bei Tageslicht<br />
Reflexlichter hinzufügen können. Außerdem können Sie damit das<br />
Gesicht Ihres Models aufhellen, wenn es sich im Schatten befindet.<br />
Die Lichtmenge des Aufhellblitzes wird von der Kamera automatisch<br />
reguliert, aber Sie können sie verstärken oder verringern, indem Sie<br />
die Blitzbelichtungskorrektur verwenden (diese wird auf der nächsten<br />
Seite erklärt.<br />
Wann sollte ich einen Aufhellblitz verwenden?<br />
Ihr Model steht mit dem Rücken zur Sonne. Sie verwenden den<br />
Aufhellblitz, um Details zu enthüllen.<br />
Ihr Model steht unter einem Baum, der fleckige Schatten auf sein<br />
Gesicht wirft.<br />
Blitz aus: Dieser Modus steht bei der Mehrheit der<br />
digitalen Spiegelreflexkameras nicht zur Verfügung, da der<br />
Blitz ja auch nicht automatisch ausgefahren wird, wenn<br />
die Kamera nicht gerade auf einen Scene-Modus<br />
eingestellt ist, bei dem sie selbst entscheidet, ob ein Blitz benötigt wird<br />
oder nicht. Bei einigen digitalen Spiegelreflexkameras jedoch existiert<br />
diese Funktion als Modus auf dem Wählschalter. Sie soll verhindern, dass<br />
der Blitz versehentlich an Orten ausgelöst wird, an denen das<br />
<strong>Fotografie</strong>ren mit Blitz nicht erlaubt ist, wie zum Beispiel in Museen oder<br />
Theatern. Dieser Modus ist an allen spiegellosen Systemkameras zu<br />
finden, unabhängig davon, ob sie einen integrierten Blitz haben oder nich.<br />
Wann sollte ich den Blitz ausschalten?<br />
Wenn Sie durch eine Glasscheibe fotografieren, sollten Sie den Blitz<br />
abschalten, um Reflektionen zu vermeiden.<br />
Wenn Sie an Orten fotografieren wollen, an denen<br />
Blitzlichtfotografie nicht erlaubt ist, stellen Sie sicher, dass der Blitz<br />
abgeschaltet ist.<br />
Rote-Augen-Reduzierung: Wenn<br />
Sie mit dem eingebauten Blitz Ihrer Kamera<br />
Porträts in Innenräumen schießen<br />
möchten, in denen es nur wenig<br />
Umgebungslicht gibt, kann es Ihnen passieren, dass Ihre<br />
Modelle unter dem Rote-Augen-Effekt leiden. Mit diesem<br />
Modus stellen sie den Blitz entweder auf eine schnelle<br />
Folge von Stroboskopblitzen oder auf einen konstanten<br />
Lichtstrahl ein. Das Ziel dabei ist, dass sich die Pupillen<br />
Ihres Models zusammenziehen und das Risiko des<br />
Rote-Augen-Effekts minimieren. Neben diesem Modus<br />
können Sie zur Verminderung roter Augen auch eine der<br />
folgenden Techniken anwenden:<br />
Verwenden Sie einen indirekten Blitz: Rote Augen sind<br />
das Resultat des direkten Blitzes. Mit einem indirekten<br />
Blitz haben Sie das Problem folglich auf der Stelle gelöst<br />
(siehe Kasten auf der gegenüberliegenden Seite).<br />
Vergrößern Sie die Entfernung zwischen Blitz und<br />
Objektiv: Das Risiko des Rote-Augen-Effektes wird umso<br />
niedriger, je weiter der Blitz von dem Objektiv entfernt<br />
ist. Ein Blitz, der auf dem Blitzschuh angebracht ist,<br />
wird relativ wahrscheinlich einen Rote-Augen-Effekt<br />
hervorrufen, während ein Blitz, der unabhängig von<br />
der Kamera gezündet wird, äußerst selten rote Augen<br />
verursacht.<br />
Meiden Sie Alkohol: Alkohol führt dazu, das sich die<br />
Pupillen erweitern. Wenn Ihre Modelle also bereits Alkohol<br />
Rote-Augen-Reduzierung AUS<br />
Rote-Augen-Reduzierung EIN<br />
getrunken haben, werden Sie sehr viel wahrscheinlicher<br />
rote Augen haben!<br />
Verstärken Sie das Umgebungslicht: Wenn Sie den<br />
in die Kamera eingebauten Blitz verwenden, werden<br />
die vorstehenden Vorschläge wenig nützen. In diesem<br />
Fall ist die beste Lösung, das Licht einzuschalten oder in<br />
einem helleren Raum zu fotografieren, denn je heller das<br />
Umgebungslicht ist, umso kleiner sind die Pupillen des<br />
Models.<br />
Schummeln Sie! Wenn alles andere versagt, entfernen<br />
Sie die roten Augen per Software aus Ihren Fotos. Viele<br />
Pakete haben eine Rote-Augen-Funktion, mit deren Hilfe<br />
das Problem automatisch entfernt werden kann. Auch an<br />
einigen Kameras findet man diese Funktion!<br />
ISTOCK PHOTO<br />
ISTOCK PHOTO<br />
ISTOCK PHOTO
EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
Blitztechnik: Grundkenntnisse 153<br />
Verwenden von indirektem Blitz<br />
Das Licht Ihres Blitzes kann bei Porträtaufnahmen ziemlich<br />
gnadenlos sein. Aus diesem Grund verfügen die meisten Blitzgeräte,<br />
die auf den Blitzschuh aufgesteckt werden können, über einen<br />
neigbaren Kopf. In der Standardposition richtet der Blitzkopf den<br />
Blitz direkt auf Ihr Model, was nicht nur wenig schmeichelhaft wirkt,<br />
sondern auch Schatten hinter Ihrem Model erzeugt. Wenn Sie das<br />
Licht von einer Decke oder einer Wand abprallen lassen, verteilt<br />
es sich gleichmäßiger und liefert ein besseres Ergebnis, während<br />
es gleichzeitig das Schattenproblem eliminiert. Um die Belichtung<br />
brauchen Sie sich nicht zu kümmern, das erledigt Ihre Kamera für<br />
Sie. Worauf Sie allerdings achten sollten, ist, wie sehr Sie den Kopf<br />
neigen. Sie sollten ihn so ausrichten, dass er auf halber Strecke<br />
zwischen Ihnen und Ihrem Model von der Oberfläche abprallt. Wenn<br />
er zu weit nach unten geneigt ist, prallt der Blitz hinter der Person ab,<br />
und wenn Sie ihn zu weit nach oben richten, fällt das Licht auf die<br />
Stelle vor Ihrem Model. Des Weiteren sollten Sie sicherstellen, dass<br />
Sie den Blitz von einer weißen Oberfläche oder von einer Oberfläche<br />
mit einer neutralen Farbe abprallen lassen, da der Blitz die Farbe<br />
der Oberfläche annimmt. Wenn Sie ihn also von einer roten Wand<br />
abprallen lassen, wird er Ihr Modell mit einem roten Farbhauch<br />
überziehen. Wenn Sie ein Blitzgerät mit einem eingebauten Reflektor<br />
oder Diffusor besitzen, können Sie diesen verwenden, um den<br />
Blitzeffekt noch weiter zu verbessern.<br />
DIREKTER BLITZ INDIREKTER BLITZ INDIREKTER BLITZ MIT REFLEKTOR<br />
Die Wahl des richtigen Belichtungsmodus beim Blitzen<br />
Obwohl das TTL Blitzbelichtungssystem Ihrer Kamera darauf ausgerichtet ist, jedes Foto perfekt zu belichten, sollten Sie doch beachten, dass das tatsächliche Ergebnis je nach<br />
dem an der Kamera eingestellten Belichtungsmodus stark variieren kann. Wie dieser arbeitet, hängt von Marke und Modell der Kamera ab, aber unsere einfache Referenztabelle<br />
gibt Ihnen Informationen darüber, wie die Verwendung des Blitzes mit jedem der wichtigsten Kreativmodi die Art und Weise beeinflusst, auf die das Bild eingefangen wird.<br />
Marke Canon Nikon Pentax Olympus Sony<br />
Programm<br />
Die Kamera stellt<br />
Verschlusszeit und Blende<br />
ein, verringert aber die<br />
Verschlusszeit, um<br />
Verwacklungsunschärfe zu<br />
vermeiden. Der Hintergrund<br />
kann dunkel erscheinen.<br />
Die Kamera stellt die<br />
Belichtung ein, verkürzt<br />
aber die Verschlusszeit, um<br />
Verwacklungsunschärfe zu<br />
vermeiden, sofern nicht der<br />
Langzeitsynchronisations-Modus<br />
eingestellt ist. Der Hintergrund<br />
kann dunkel erscheinen.<br />
Die Kamera stellt die Belichtung<br />
ein, verringert dabei aber<br />
die Verschlusszeit, um<br />
Verwacklungsunschärfe zu<br />
vermeiden, sofern nicht der<br />
Langzeitsynchronisations-Modus<br />
eingestellt ist. Der Hintergrund<br />
kann dunkel erscheinen.<br />
Die Kamera stellt die<br />
Belichtungszeit ein, verringert<br />
aber die Verschlusszeit, um<br />
Verwacklungsunschärfe zu<br />
vermeiden, sofern nicht der<br />
Langzeitsynchronisations-Modus<br />
aktiviert ist. Der Hintergrund<br />
kann dunkel erscheinen.<br />
Die Kamera stellt die<br />
Belichtung ein, verkürzt<br />
aber die Verschlusszeit, um<br />
Verwacklungsunschärfe zu<br />
vermeiden, sofern nicht der<br />
Langzeitsynchronisations-Modus<br />
aktiviert ist. Der Hintergrund<br />
kann dunkel erscheinen.<br />
Blendenautomatik<br />
Blendenvorwahl<br />
Der Benutzer wählt die Blende,<br />
die Kamera berechnet die<br />
Blitzbelichtung entsprechend.<br />
Die Verschlusszeit wird<br />
so gewählt, dass das<br />
Umgebungslicht korrekt<br />
angepasst wird. Vorsicht vor<br />
Verwacklungsunschärfe!<br />
Der Benutzer wählt die Blende<br />
und die Kamera stellt die<br />
Blitzbelichtung entsprechend ein.<br />
Die Verschlusszeit ist begrenzt,<br />
um Verwacklungsunschärfe zu<br />
vermeiden, sofern nicht der der<br />
Langzeitsynchronisations-Modus<br />
gewählt wurde.<br />
Der Benutzer stellt die Blende<br />
ein und die Kamera wählt die<br />
Verschlusszeit so, dass der<br />
Hintergrund bis zur maximalen<br />
Synchronisationsgeschwindigkeit<br />
korrekt belichtet ist. Bei schlechten<br />
Lichtverhältnissen besteht das<br />
Risiko der Verwacklungsunschärfe.<br />
Der Benutzer wählt die Blende<br />
und die Kamera stellt die<br />
Blitzbelichtung entsprechen ein.<br />
Die Verschlusszeit ist begrenzt,<br />
um Verwacklungsunschärfe<br />
zu vermeiden, sofern der<br />
Langzeitsynchronisations-Modus<br />
nicht ebenfalls aktiviert ist<br />
Der Benutzer wählt die Blende<br />
und die Kamera stellt die<br />
Blitzbelichtung entsprechend ein.<br />
Die Verschlusszeit ist begrenzt,<br />
um Verwacklungsunschärfe<br />
zu vermeiden, sofern nicht der<br />
Langzeitsynchronisations-Modus<br />
ebenfalls aktiviert ist<br />
Zeitautomatik<br />
Der Benutzer wählt die<br />
Verschlusszeit, die Kamera<br />
stellt die entsprechende Blende<br />
für das Umgebungslicht ein<br />
und berechnet dann den<br />
Blitzausstoß gemäß dieser<br />
Blende.<br />
Der Benutzer wählt die<br />
Verschlusszeit und die Kamera<br />
stellt die entsprechende<br />
Blende ein, so dass für<br />
das das Umgebungslicht<br />
korrekt belichtet wird. Dann<br />
berechnet sie den Blitzausstoß<br />
entsprechend dieser Blende.<br />
Der Benutzer wählt die<br />
Verschlusszeit und die Kamera<br />
stellt die entsprechende<br />
Blende ein, um für das<br />
Umgebungslicht korrekt zu<br />
belichten. Dann berechnet sie<br />
den Blitzausstoß entsprechend<br />
dieser Blende.<br />
Der Benutzer wählt die<br />
Verschlusszeit und die Kamera<br />
stellt die entsprechende<br />
Blende ein, um für das<br />
Umgebungslicht korrekt zu<br />
belichten. Dann berechnet sie<br />
den Blitzausstoß entsprechend<br />
dieser Blende.<br />
Der Benutzer stellt die<br />
Verschlusszeit ein, die Kamera<br />
wählt die entsprechende<br />
Blende, um für das<br />
Umgebungslicht korrekt zu<br />
belichten und berechnet dann<br />
den Blitzausstoß gemäß dieser<br />
Blende.<br />
Manuell<br />
Sie stellen Blende und<br />
Verschlusszeit ein (bei<br />
oder unterhalb der<br />
Blitzsynchronisation) und stellen<br />
so sicher, dass die Szene genügend<br />
Umgebungslicht erhält. Das TTL<br />
Blitzsystem stellt sicher, dass das<br />
Modell korrekt belichtet wird.<br />
Sie stellen die Blende und die<br />
Verschlusszeit ein (bei oder<br />
unterhalb der Blitzsynchronisation)<br />
bei der sichergestellt ist, dass die<br />
Szene genügend Umgebungslicht<br />
erhält. Das TTL Blitzsystem stellt<br />
sicher, dass das Modell korrekt<br />
belichtet wird.<br />
Sie stellen die Blende und die<br />
Verschlusszeit so ein (bei oder<br />
unterhalb der Blitzsynchronisation)<br />
dass sichergestellt ist, dass die<br />
Szene genügend Umgebungslicht<br />
erhält. Das TTL-Blitzsystem sorgt<br />
dafür, dass das Modell korrekt<br />
belichtet wird.<br />
Sie stellen die Blende und die<br />
Verschlusszeit so ein (bei oder<br />
unterhalb der Blitzsynchronisation)<br />
dass sichergestellt ist, dass die<br />
Szene genügend Umgebungslicht<br />
erhält. Das TTL-Blitzsystem stellt<br />
sicher, dass das Modell korrekt<br />
belichtet wird.<br />
Sie stellen die Blende und die<br />
Verschlusszeit so ein (bei oder<br />
unterhalb der Blitzsynchronisation),<br />
dass sichergestellt ist, dass die<br />
Szene ausreichend Umgebungslicht<br />
erhält. Das TTL Blitzsystem stellt<br />
sicher, dass das Modell korrekt<br />
belichtet wird.<br />
Belichtungskorrektur<br />
Beeinflusst nur die Belichtung<br />
mit Umgebungslicht.<br />
Beeinflusst die Belichtung mit<br />
Umgebungslicht und mit Blitz.<br />
Beeinflusst die Belichtung mit<br />
Umgebungslicht und mit Blitz.<br />
Beeinflusst nur die Belichtung<br />
mit Umgebungslicht.<br />
Beeinflusst die Belichtung mit<br />
Umgebungslicht und mit Blitz.<br />
Blitzbelichtungskorrektur<br />
Beeinflusst nur die Belichtung<br />
mit Blitz.<br />
Beeinflusst nur die Belichtung<br />
mit Blitz.<br />
Beeinflusst nur die Belichtung<br />
mit Blitz.<br />
Beeinflusst nur die Belichtung<br />
mit Blitz.<br />
Beeinflusst nur die Belichtung<br />
mit Blitz.<br />
* Bitte beachten Sie, dass die angegebenen Informationen sich auf normale Bedingungen beziehen. In manchen Situationen können Abweichnungen der Kamera- und Blitzfunktionen auftreten.
154 Blitztechnik: Grundkenntnisse EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
Kreative Blitzmodi<br />
Synchronisierung für den zweiten (hinteren) Verschlussvorhang: Normalerweise ist Ihre Kamera<br />
auf die Blitzsynchronisierung für den ersten Verschlussvorhang eingestellt. Das bedeutet, wenn Sie ein Foto machen, löst<br />
der Blitz zu Beginn der Belichtungszeit aus. Bei den meisten Standard-Belichtungszeiten funktioniert dieses System auch<br />
sehr gut, aber wenn Sie eine längere Belichtungszeit verwenden, kann es das Resultat negativ beeinflussen, wenn sich ein<br />
Objekt innerhalb des Bildausschnitts bewegt. Dabei passiert nämlich folgendes: Der Blitz, der sofort zündet, sobald sie den Auslöser<br />
drücken, nimmt das Objekt an seiner ursprünglichen Position auf. Da es sich aber weiterhin durch den Bildausschnitt bewegt, wird ein<br />
„Streifen aufgenommen, der sich durch den Bildausschnitt zieht. Um das Bild natürlicher zu gestalten, wählen Sie also die<br />
Synchronisierung für den zweiten Verschlussvorhang (auch Synchroniserung für den hinteren Verschlussvorhang genannt), und der Blitz<br />
wird zum Ende der Belichtungszeit gezündet. Das Problem bei der Blitzsynchronisierung für den zweiten Verschlussvorhang ist allerdings,<br />
dass Sie beim <strong>Fotografie</strong>ren eines bewegten Objektes nie so genau wissen, wo im Bildausschnitt sich das Objekt befinden wird, wenn der<br />
Blitz gezündet wird. Das ist kein Problem, wenn die Belichtungszeit einigermaßen kurz, zum Beispiel 1/8 Sekunde ist, kann aber zum<br />
Problem werden, wenn Sie eine sehr lange Belichtungszeit wählen - insbesondere, wenn sich das Objekt sehr schnell bewegt.<br />
Wann sollte man die Blitzsynchronisierung für den zweiten Verschlussvorhang wählen<br />
Wenn Sie bewegte Objekt mit einer längeren Verschlusszeit fotografieren wollen, um Bewegung zu dokumentieren.<br />
JOE BEATTIE<br />
Langsamer Synchronblitz: In diesem Modus wird der Blitz mit einer langsameren Verschlusszeit kombiniert.<br />
Durch die längere Belichtungszeit wird das Umgebungslicht in der Szene mit aufgenommen, während der Blitz das<br />
Hauptmotiv ausleuchtet. Bei der Standard-Blitzeinstellung dagegen verwendet die Kamera eine schnellere<br />
Verschlusszeit um sicherzustellen, dass es nicht zu Verwacklungsunschärfe kommt. Dabei ergibt sich das Problem,<br />
dass das Hauptmotiv zwar gut ausgeleuchtet ist, der Hintergrund aber sehr dunkel bleibt. Da der Verschluss sehr lange offen bleibt,<br />
sollten Sie die Kamera auf ein Stativ stellen, um das Bild nicht durch Bewegung währen der Aufnahme zu ruinieren. Auf der anderen<br />
Seite können Sie natürlich auch sehr kreative Ergebnisse aufnehmen, indem Sie die Kamera während der Belichtung absichtlich<br />
bewegen. Probieren Sie doch einmal, die Kamera im Uhrzeigersinn oder gegen den Uhrzeigersinn zu drehen, und sehen Sie, wie<br />
helle Glanzpunkte als Streifen aufgenommen werden. Viele Kameras verfügen über den Modus Langsamer Synchronblitz, der<br />
ausgewählt werden kann. Andere wiederum stellen den Blitz automatisch auf langsame Synchronisation ein, wenn bestimmte<br />
Belichtungsmodi ausgewählt werden. Sehen Sie dazu die Bedienungsanleitung Ihrer Kamera. Übrigens kann man bei einigen<br />
Kameras auch den langsamen Synchronblitz mit der Synchronisation für den zweiten Verschlussvorhang kombinieren.<br />
Wann man den langsamen Synchronblitz verwenden sollte<br />
Benutzen Sie den langsamen Synchronblitz, um das Umgebungslicht im Hintergrund und ein vom Blitz ausgeleuchtetes<br />
Hauptmotiv aufzunehmen.<br />
Die verhältnismäßig lange Verschlusszeit schafft außergewöhnliche Effekte, wenn die Kamera bewegt wird.<br />
Drahtlos blitzen: Diese Funktion ermöglicht es Ihnen, den Blitz unabhängig von der Kamera und ohne jegliche<br />
kabelgebundene Verbindung zu zünden. Sie erhalten die Freiheit, mit dem Blitz zu experimentieren. Wie genau das<br />
drahtlose Blitzen funktioniert, variiert von Marke zu Marke, aber grundsätzlich müssen Sie Ihre Kamera auf den Modus<br />
„drahtlos blitzen einstellen und das integrierte Blitzgerät oder ein auf den Blitzschuh aufgestecktes Blitzgerät dazu<br />
verwenden, die „Slave -Blitzgeräte außerhalb der Kamera zu zünden. Drahtloses Blitzen ist selbst dann möglich, wenn Ihre Kamera<br />
nicht über den Modus „drahtlos blitzen verfügt. Dazu müssen sie nur einen Funkauslöser auf den Blitzschuh und einen Sender unten<br />
an Ihr kameraunabhängiges Blitzgerät anbringen. Marken-Auslöser sind leider recht teuer, der Zubehörhandel bietet aber sehr viel<br />
günstigere Alternativen. Sie können dabei zwischen dem günstigsten Auslöser ohne TTL Blitzmessung oder einer teureren Variante<br />
mit allen möglichen Funktionen wählen. Die meisten Leute entscheiden sich für die zweite Möglichkeit, aber wenn Sie ältere, nicht<br />
speziell für Ihre Kamera gebaute und auf manuell eingestellte Blitzgeräte verwenden, ist auch die billigere Variante möglich. Unsere<br />
Lieblings-Blitzauslöser sind die Modelle Hähnel Combi RF, Interfit Titan Pro und Pocket Wizards. Dies sind die Marken, nach denen<br />
Sie Ausschau halten sollten, wenn Sie sich im großen Stil mit der <strong>Fotografie</strong> mit mehreren, kameraunabhängigen Blitzgeräten<br />
beschäftigen wollen.<br />
Wann man drahtlos blitzen sollte<br />
Bei Aufbauten mit mehreren Blitzgeräten, oder wenn Sie einen Farbfilter auf einem kameraunabhängigen Blitzgerät verwenden<br />
wollen, um einen Hintergrund etwas lebhafter zu gestalten.<br />
ISTOCK PHOTO<br />
BRETT HARKNESS<br />
FP/Kurzzeitsynchronisation: Dieser Modus steht<br />
nur bei einer begrenzten Zahl von Kameras und Blitzgeräten<br />
zur Verfügung und macht möglich, dass der Blitz bei jeder<br />
Verschlusszeit verwendet werden kann und nicht nur auf die<br />
Standard-Blitzsynchronisationszeit begrenzt ist. Das ist besonders nützlich<br />
für Sportfotografen, die auch bei hellem Tageslicht einen Blitz verwenden<br />
wollen, um Action einzufrieren. Außerdem ist diese Funktion auch bei<br />
Lifestyle-Fotografen sehr beliebt, die bei hellem Tageslicht Blitzlicht mit<br />
großen Blenden kombinieren möchten. Dieser Modus ist sehr speziell und<br />
wird eher von Spezialisten als in der allgemeinen <strong>Fotografie</strong> eingesetzt.<br />
Wann man die Kurzzeit-Blitzsynchronisation verwenden sollte<br />
Wenn Sie bei Tageslicht mit Blitz fotografieren wollen um Action<br />
einzufrieren.<br />
Wenn Sie auch bei hellem Tageslicht mit Blitz fotografieren wollen.<br />
JON HAWKINS<br />
BRETT HARKNESS<br />
Manuelle Einstellung: Viele Blitzgeräte, die auf den Blitzschuh aufgesteckt werden können, verfügen<br />
ebenso wie eine kleine Anzahl kompakter Systemkameras über manuelle Einstellungsmöglichkeiten. Diese<br />
sind so eingestellt, dass der Blitz in bestimmten Leistungsverhältnissen in Schritten von voller Kraft über<br />
halber Kraft, ¼-Kraft und so weiter bis hin zu 1/64 Kraft oder niedriger abgefeuert werden kann. Wenn der<br />
Blitz bei einer manuellen Einstellung verwendet wird, ist der Blitzausstoß konstant; völlig unabhängig von den<br />
Kameraeinstellungen, dem Umgebungslicht oder irgendeiner anderen Variablen. Wenn Sie den Blitz also auf ¼ oder ½<br />
Kraft einstellen, ist die Leistung jedes Mal dieselbe. Das bedeutet, dass, sobald der Aufbau einmal steht, die<br />
Blitzbelichtungen ebenfalls immer konstant sind. Dies ist sehr nützlich, wenn Sie eine Serie von dunklen bis hellen<br />
Objekten oder stark reflektierende Objekte fotografieren wollen. Sobald Sie das manuelle Leistungsverhältnis Ihres<br />
Blitzgerätes bzw. Ihrer Blitzgeräte einmal so eingestellt haben, dass die Belichtung stimmt, sind die Aufnahmen immer<br />
konstant, so lange Sie nicht den Abstand zwischen Blitz und Motiv verändern. Ein weiteres Beispiel für die Nützlichkeit<br />
manueller Blitzeinstellungen ist, wenn Ihr Blitzgerät sehr alt oder von einer anderen Marke als Ihre Kamera ist. Wenn Sie es<br />
im manuellen Modus benutzen, können Sie mit Hilfe eines auf die unten am Blitz befindliche Halterung aufgesteckten<br />
Auslösers oder einer Slave-Zelle mit einem Aufbau aus mehreren Blitzgeräten fotografieren. Die manuelle Einstellung ist<br />
ebenfalls ideal, wenn Sie eine Szene mit dem Blitz sozusagen anmalen möchten, so wie es hier gezeigt wird.
EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
Blitztechnik: Grundkenntnisse 155<br />
Kreative Blitzkontrolle<br />
Blitzbelichtungskorrektur (FEC)<br />
Dies ist nicht eine der Funktionen, die Sie ständig benutzen werden, aber sie ist dennoch<br />
wichtig, da Sie Ihnen einen schnellen und einfachen Weg bietet, das Maß des Blitzausstoßes<br />
zu kontrollieren. Genauso, wie Sie die Belichtungskorrektur benutzen, um die Belichtung, die<br />
die Kamera als korrekt berechnet hat, herauf- oder herabzusetzen, wird die Blitzbelichtungskorrektur dazu<br />
verwendet, die Blitzmenge, die die Kamera für notwendig befunden hat, zu verstärken oder zu reduzieren.<br />
Normalerweise werden Sie sie anwenden, nachdem Sie sich ein gerade aufgenommenes Bild angeschaut und<br />
entschieden haben, dass Sie ein wenig mehr oder weniger Blitzlicht bevorzugen würden. In den allermeisten<br />
Fällen werden Sie gerade ein Bild mit Aufhellblitz gemacht und festgestellt haben, dass das Verhältnis<br />
von Blitzlicht zu Umgebungslicht nicht ganz funktioniert. Bei einigen Kameramarken, wie zum Beispiel<br />
Nikon, Pentax und Sony beeinflussen an der Belichtungskorrektur vorgenommene Einstellungen auch die<br />
Blitzbelichtung, so dass die Blitzbelichtungskorrektur verwendet werden kann, um dies auszugleichen.<br />
ohne FEC<br />
-1EV FEC<br />
Blitzsteuerung<br />
Der Blitzausstoß der Kamera war<br />
zu stark für unseren Geschmack,<br />
also haben wir ihn mit FEC um<br />
eine Stufe reduziert und damit ein<br />
natürlicheres Resultat erhalten.
156 Die richtige Fotoausrüstung EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
Studioblitz-Ausrüstungen<br />
Neulinge sind vonStudioblitzen eher eingeschüchtert ,<br />
doch die Technik ist eigentlich einfach beherschbar<br />
Obwohl diverse Studioblitz-Ausrüstungen für Preise von unter 250 bis hin zu<br />
Tausenden von Euro erhältlich sind, besitzen die meisten davon doch sehr ähnliche<br />
Eigenschaften und alle folgen den gleichen grundlegenden Funktionsprinzipien. Ein<br />
Studioblitzkopf ist so gebaut, dass er einen Blitz bei einer vorgegebenen<br />
Leistungseinstellung auslöst – all die zusätzlichen Funktionen und Accessoires sind so<br />
ausgerichtet, dass sie dem Fotografen mehr Kontrolle über die Leistung des Blitzes<br />
geben. Eine Studioblitz-Ausrüstung wirklich zu beherrschen, kann Jahre dauern, doch<br />
mit dem Wesentlichen zurecht zu kommen, ist Gott sei Dank relativ einfach. Ähnlich<br />
wie bei der Benutzung von Umgebungslicht, liegt der Schlüssel zum Erfolg darin, zu<br />
lernen, wie man die Blitzleistung so unter Kontrolle bekommt, dass das Objekt<br />
genauso beleuchtet wird, wie Sie es sich wünschen. Der große Unterschied zwischen<br />
Studio- und Umgebungslicht liegt in der Kontrolle, die Sie darüber haben – so können<br />
Sie die Intensität und die Richtung der Beleuchtung exakt einstellen, genauso wie die<br />
Beschaffenheit des Lichts, das auf Ihr Objekt fällt, und zwar weitaus exakter, als Sie es<br />
bei natürlichem Licht je könnten. Dies macht den Studioblitz zu einer unglaublich<br />
vielseitigen Form von Beleuchtung, doch offenbar auch zu einer, mit der man sich<br />
genauer auskennen muss – und das erfordert Zeit. Wir stellen die grundlegenden<br />
Funktionen und Wirkungsweisen eines Studioblitzsystems vor, und zeigen, wie die<br />
diversen Zubehörteile, Softboxen und Schirme beispielsweise, gebraucht werden<br />
können, um die Beleuchtung des Objekts zu kontrollieren.<br />
Anatomie eines Studioblitzkopfs<br />
Dieses Bild zeigt die Rückseite eines Interfit-Blitzkopfes, die meisten Marken<br />
haben jedoch ein ähnliches Layout, mit einfach zu bedienenden und gut<br />
beschriebenen Knöpfen.<br />
Bauen Sie Ihre Kamera für die Arbeit mit dem Studioblitz auf<br />
Stellen Sie die Kamera auf manuell und die korrekte Blitzsynchronzeit. Dann<br />
stecken Sie einen Fotoadapter auf Ihren Blitzschuh, um ihre Kamera mit dem<br />
Synchronkabel des Blitzes zu verbinden.<br />
CANON<br />
(1) Stellen Sie Hauptschalter auf M, um<br />
den manuellen Modus zu wählen.<br />
(2) Drehen Sie die Eingabewählscheibe<br />
hinter den Verschlussknopf und stellen<br />
Sie die Blitzsynchronzeit ein.<br />
(3) Sobald Sie eine Belichtungsmessung<br />
durchgeführt haben, halten Sie den<br />
+/--Knopf gedrückt, dann drehen Sie<br />
die Eingabewählscheibe, so dass Sie die<br />
geforderte Blende einstellen können.<br />
NIKON<br />
(1) Stellen Sie Hauptschalter auf M, um<br />
den manuellen Modus zu wählen.<br />
(2) Drehen Sie die Eingabewählscheibe<br />
hinter den Verschlussknopf und stellen<br />
die Blitzsynchronzeit ein.<br />
(3) Sobald Sie eine Belichtungsmessung<br />
durchgeführt haben, drehen Sie die<br />
Eingabewählscheibe an der Vorderseite<br />
des Griffes, um die Blende einzustellen.<br />
1<br />
2<br />
1<br />
3<br />
3<br />
2<br />
3 2<br />
4<br />
1<br />
Rückseite des Blitzkopfs<br />
Normalerweise sind die Kontrollknöpfe an<br />
der Rückseite des Blitzkopfes, bei einigen<br />
Modellen können sie sich jedoch auch<br />
seitlich befinden.<br />
1) Synchronbuchse Die meisten<br />
Studioblitz-Ausrüstungen sind mit einem<br />
Synchron-Kabel ausgestattet, das Ihre Kamera<br />
mit dem Blitzkopf verbindet, damit der Blitz<br />
ausgelöst wird, wenn Sie den Verschlussknopf<br />
drücken.<br />
2) Fernauslösesensor: Dieser Sensor ermittelt<br />
jeden Blitz. Wenn Ihre Kamera also mit einem<br />
Blitz eines mehrteiligen Aufbaus verbunden<br />
ist, wird der Kamerablitz die anderen Blitze<br />
betätigen, so dass alle zusammen ausgelöst<br />
werden.<br />
3) Leistungseinstellungen: Eine der<br />
Schlüsselfunktionen eines Studioblitzkopfes<br />
ist, dass man an ihm die Intensität des Blitzes<br />
einstellen kann. Basisblitzköpfe haben feste<br />
Einstellungen, ¼ der vollen Leistung zum<br />
Beispiel, ½ Leistung, und so weiter, während<br />
die meisten der Köpfe für Fortgeschrittenere<br />
stufenlos verstellbar sind.<br />
4) Statuslicht/ Signaltöne: Viele Blitzköpfe<br />
sind mit Lämpchen ausgestattet, die anzeigen,<br />
wann der Kopf genug Energie hat, um<br />
ausgelöst zu werden.<br />
Zu heiß zum anfassen!<br />
Blitzköpfe heizen sehr schnell auf, passen<br />
Sie daher auf, dass Sie sich nicht daran<br />
verbrennen, wenn Sie das Zubehör<br />
wechseln. Sowohl die Metallfassung, als<br />
auch die Glühbirne werden heiß, vor allem<br />
dann, wenn das Einstell-Licht brennt.<br />
6<br />
Vorderseite des Blitzkopfs<br />
5) Einstelllicht: Diese Glühbirne bleibt<br />
an, damit Sie das Bild komponieren, das<br />
Objekt fokussieren und den Blitzeffekt<br />
vorausberechnen können.<br />
6) Glühbirne: Sie sorgen für den<br />
mächtigen Blitz. Die meisten Marken<br />
verfügen über spezielle Glühbirnen, die<br />
nur in bestimmte Köpfe oder<br />
Studioblitz-Serien passen. Sie sind sehr<br />
zerbrechlich, behandeln Sie sie daher mit<br />
äußerster Sorgfalt.<br />
5<br />
PENTAX<br />
(1) Stellen Sie Hauptschalter an der<br />
oberen Kante auf M, um den manuellen<br />
Modus zu wählen.<br />
(2) Drehen Sie die Eingabewählscheibe<br />
hinter den Verschlussknopf und stellen<br />
Sie die Blitzsynchronzeit ein.<br />
(3) Sobald Sie eine Belichtungsmessung<br />
durchgeführt haben, halten Sie den<br />
+/--Knopf gedrückt, dann drehen Sie<br />
die Eingabewählscheibe, so dass Sie die<br />
geforderte Blende einstellen können.<br />
SONY<br />
(1) Stellen Sie den Hauptschalter an der<br />
oberen Kante auf Tv, um die<br />
Blendenautomatik zu wählen.<br />
(2) Drehen Sie die Eingabewählscheibe<br />
hinter den Verschlussknopf und stellen<br />
Sie die Blitzsynchronzeit ein.<br />
(3) Sobald Sie eine Belichtungsmessung<br />
durchgeführt haben, halten Sie den<br />
+/--Knopf gedrückt, dann drehen Sie<br />
die Eingabewählscheibe, so dass Sie die<br />
geforderte Blende einstellen können.<br />
Systemkameras<br />
SYSTEMKAMERAS<br />
Nur wenige Systemkameras verfügen<br />
über eine Belichtungsmoduswählscheibe,<br />
wie man sie bei der Mehrheit der digitalen<br />
Spiegelreflexkameras findet. Trotzdem ist<br />
es noch immer recht einfach, den<br />
Belichtungsmodus zu wählen. Bei den<br />
meisten Modellen müssen Sie lediglich<br />
den Menüknopf oder die<br />
Vierwegesteuerung drücken, um die<br />
Belichtungsmodi auf dem Display zu<br />
haben, und dann das Rädchen auf M<br />
drehen, um den manuellen Modus<br />
auszuwählen. Bei Modellen mit<br />
Touchscreen müssen Sie einfach nur auf<br />
das M des Displays drücken.<br />
1<br />
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3<br />
3<br />
2
EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
Die richtige Fotoausrüstung 157<br />
Beleuchtungszubehör<br />
Ihr Studioblitzsystem ist nur so gut wie das Beleuchtungszubehör und die Accessoires.<br />
BLITZKÖPFE SIND SO GEBAUT, dass sie intensive Lichtblitze erzeugen können, doch<br />
das Beleuchtungszubehör, welches Sie darauf ausgerichtet haben, bestimmt die<br />
Wirkung des Lichts, das auf das Objekt fällt. Wenn Sie je darüber nachgedacht haben,<br />
sich ein Studioblitzsystem zuzulegen, dann werden Sie zweifellos auch die diversen<br />
Zubehörteile gesehen haben, die dafür erhältlich sind. Jedes von ihnen hat seinen<br />
eigenen Weg, wie es auf die Intensität und die Beschaffenheit des Lichts einwirkt.<br />
Während die meisten Basisausrüstungen über einen oder zwei Schirme und „Spills“<br />
verfügen, ist darüberhinaus eine Vielzahl von Accessoires erhältlich. Zu wissen, welches<br />
Ihren Anforderungen am ehesten entspricht, ist daher unerlässlich. In unserem<br />
umfassenden Vergleich haben wir die typischsten Zubehörteile, die für die meisten<br />
Studioausrüstungen erhältlich sind, getestet, um Ihnen einen Eindruck davon zu<br />
vermitteln, wie sich jedes von ihnen im einzelnen auf das Licht auswirkt.<br />
Ebenso wie das Beleuchtungszubehör, können auch andere Accessoires eine wichtige<br />
Rolle für die Qualität der Endergebnisse<br />
spielen, oder den Vorgang einfach um ein<br />
Vielfaches leichter machen. Ein<br />
Belichtungsmessung<br />
Wenn Sie einen Studioblitz verwenden, stellen<br />
Sie sicher, dass die weiße Kuppel (Invercone)<br />
auf Ihrem Belichtungsmesser über dem Sensor<br />
frei ist, so dass sie einfallendes Licht misst, was<br />
erwiesenermaßen am exaktesten ist.<br />
Belichtungsmesser ist zum Beispiel hilfreich, um<br />
die korrekte Blende herauszufinden, die Sie für eine perfekte<br />
Belichtung an Ihrer Kamera einstellen müssen, auch ein Fernauslöser ist praktisch.<br />
Der Hintergrund wirkt sich ebenfalls auf das endgültige Bild aus: Die Auswahl ist groß,<br />
von einfarbig, über farbige Muster, bis hin zu Papierrollen, die auf Rahmen passen und<br />
zusammenklappbaren Kulissen. Auch Reflektoren sollte man nicht übersehen. Sie<br />
werfen das Licht auf das Objekt, oder den Hintergrund zurück, und dienen somit als<br />
Alternative zu zusätzlichen Lichtquellen. Silber ist am wirkungsvollsten, Weiß wirkt<br />
weicher und natürlicher, während ein schwarzer Reflektor Wangenknochen<br />
hervorheben kann!<br />
Schirm<br />
In weiß, silber und<br />
durchsichtig<br />
erhältlich, ist der<br />
Schirm eines der<br />
günstigsten<br />
Accessoires auf<br />
dem Markt. Silber<br />
ist bei<br />
reflektierendem<br />
Licht sehr<br />
wirkungsvoll, Weiß<br />
sorgt für einen<br />
weicheren,<br />
natürlicheren<br />
Effekt, und<br />
durchsichtige<br />
Schirme bieten das<br />
Licht mit der<br />
stärksten Diffusion.<br />
Softbox<br />
Ein echter Liebling,<br />
weil sie eine sehr<br />
streuende Wirkung<br />
haben, die ideal für<br />
schmeichelhafte<br />
Porträts sind. Je<br />
größer die Softbox,<br />
desto weicher ist<br />
das Licht, das sie<br />
erzeugt.<br />
Größtenteils sind<br />
sie quadratisch,<br />
manche jedoch<br />
sind auch<br />
rechteckig und<br />
dünn (sie werden<br />
auch als<br />
Lichtbänder<br />
bezeichnet).<br />
Beauty Dish<br />
„Beauty Dishes“<br />
werden, wie Sie<br />
möglicherweise<br />
erwartet haben,<br />
vor allem bei<br />
Schönheits-<br />
Nahaufnahmen<br />
und Make-Up<br />
Fotos verwendet.<br />
Sie geben im<br />
Zentrum ein sehr<br />
hartes Licht, was<br />
gut ist bei<br />
Make-Up Fotos.<br />
Engstrahlreflektor<br />
Werden häufig in<br />
Verbindung mit<br />
dem Blitzkopf<br />
geliefert und sollen<br />
das Licht zu einem<br />
konzentrierten<br />
Strahl kanalisieren.<br />
Bei Porträts eignen<br />
sie sich vor allem<br />
zur Beleuchtung<br />
des Hintergrundes,<br />
sind jedoch<br />
ziemlich hart,<br />
wenn sie auf das<br />
Gesicht des<br />
Objekts gerichtet<br />
werden.<br />
Backlight<br />
Dieses konische<br />
Zubehörteil sorgt<br />
für einen<br />
hartkantigen und<br />
direkten<br />
Lichtstrahl, der<br />
sich eher als<br />
Hintergrundoder<br />
Haarlicht<br />
denn als die<br />
Schlüsselbeleuchtung<br />
für<br />
ein Porträt eignet.<br />
Wabengitter<br />
Sie sorgen für<br />
einen<br />
weichkantigen<br />
Lichtkreis und<br />
sind gern<br />
gesehene<br />
Alternativen zu<br />
einem<br />
Backlight-<br />
Reflektor.<br />
Wabengitter<br />
funktionieren<br />
ähnlich einem<br />
Scheinwerfer,<br />
bieten allerdings<br />
einen breiteren<br />
Schein und sind in<br />
verschiedenen<br />
Größen erhältlich.
158 Die richtige Fotoausrüstung EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
Nur ein Licht im Studio<br />
Um die Studiobeleuchtung in den Griff zu bekommen, versuchen Sie es mit einem<br />
einfachen Aufbau mit nur einer Leuchte. Das reicht für den Anfang.<br />
Wenn Sie lernen wollen, wie Sie Ihre Beleuchtung in den Griff bekommen, fangen Sie<br />
am besten mit nur einem Licht an. Ein Licht ist mehr als ausreichend, um<br />
atemberaubende Resultate zu erzielen und so mancher große Fotograf benutzt auch<br />
heute noch eine einzige Lichtquelle für seine Arbeiten. Schließlich haben wir draußen<br />
auch nur eine einzige – die Sonne. Dieser Aufbau ist leicht zu kontrollieren und schon<br />
die kleinste Korrektur des Lichts auf Ihrem Objekt zieht eine große Wirkung nach sich.<br />
Dies zwingt Sie, den Winkel des Lichts und die Diffusionsmethode exakt einzustellen.<br />
Und da Sie nur eine einzige Lichtquelle haben, können Sie auch Reflektoren in Ihren<br />
Aufbau miteinbeziehen, um das Licht abzulenken und Schatten aufzufüllen.<br />
Die Bildreihe unten zeigt, was passiert, wenn Sie Ihr einziges Licht in unterschiedlichen<br />
Höhen und Winkeln ausrichten – wie Sie sehen, ist es unerlässlich, dass Sie die<br />
Möglichkeiten beim Aufbau Ihres einzigen Studioblitzkopfes kennen, um einige der<br />
weniger schmeichelhaften Ergebnisse aus der Bildreihe zu vermeiden. Wie zuvor<br />
angesprochen, müssen Sie Ihre Kamera auf den manuellen Modus und<br />
Langzeitsynchronisation stellen (wenn Sie dies nicht kennen, gehen Sie mit 1/125<br />
Sekunde auf Nummer sicher oder konsultieren das Benutzerhandbuch). Die Blende ist<br />
vom Zählerstand abhängig, was bei einem Aufbau mit einem Licht kein Problem sein<br />
sollte. Mit dem Synchro-Kabel der Lichtquelle verbunden, halten Sie den Zähler vor das<br />
Gesicht des Objekts, drücken den Knopf, um den Blitz auszulösen, und lesen den<br />
Zählerstand ab. Indem Sie die Intensität des Blitzes am Blitzkopf einstellen, können Sie<br />
auch die Blende ändern, mit der Sie arbeiten. Stellen Sie die Intensität höher, um die<br />
Blende zu verkleinern und verringern Sie sie, um mit einer größeren Blende zu arbeiten.<br />
Ein Licht: Alles was Sie am Anfang brauchen, ist Ihre Kamera und ein einziger<br />
Blitzkopf. Mit ein bisschen Übung, werden Sie feststellen, dass Sie großartige<br />
Resultate erzeugen können!<br />
1) Von oben beleuchtet<br />
Das Licht befindet sich hoch<br />
über dem Kopf des Modells. So<br />
bekommen Sie ein natürlich<br />
wirkendes Licht, obwohl die<br />
Schatten unter der Nase und<br />
dem Kinn hart werden. Die<br />
besten Ergebnisse erhalten Sie,<br />
wenn das Modell in Richtung<br />
der Lichtquelle schaut.<br />
Alternativ dazu könnten Sie<br />
auch fragen, ob sie einen<br />
Reflektor halten würde, um die<br />
Schatten aufzufüllen.<br />
2) Von unten beleuchtet<br />
Wenn Sie das Licht tiefer<br />
postieren, als den Kopf des<br />
Modells, so dass es nach oben<br />
scheint, wird es jeden<br />
unansehnlichen Schatten unter<br />
der Nase und dem Kinn<br />
ausmerzen. Die besten<br />
Ergebnisse erhalten Sie, wenn das<br />
Modell nach unten in Richtung<br />
der Lichtquelle sieht, was auch –<br />
wie Sie sehen – dazu führt, dass<br />
„Catchlights“ in den Augen des<br />
Modells sichtbar werden.<br />
3) Von der Seite beleuchtet<br />
Platzieren Sie das Licht<br />
entweder zur Rechten oder zur<br />
Linken des Gesichts Ihres<br />
Modells, und Sie erhalten<br />
kräftiges, direktes Licht,<br />
welches die Hälfte des Gesichts<br />
mit Schatten bedeckt. Um Ihre<br />
Chancen zu erhöhen, die<br />
„Catchlights“ in den Augen<br />
Ihres Objekts festzuhalten, ist<br />
es wichtig, dass das Licht weit<br />
genug vorne ist.<br />
4) Ein Licht & ein Reflektor<br />
Wenn Sie den Reflektor auf der<br />
entgegengesetzten Seite des<br />
Lichts nah ans Gesicht halten,<br />
werden Sie jeden harten<br />
Schatten ausgleichen können,<br />
fast so, als ob Sie einen zweiten<br />
Blitzkopf benutzen würden. Je<br />
näher Sie ihn am Modell<br />
platzieren, desto stärker<br />
reflektiert er (ein Assistent ist<br />
trotzdem nützlich!)
EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
Die richtige Fotoausrüstung 159<br />
Neigen Sie den Kopf<br />
Wenn Sie Porträts aufnehmen, vor allem von<br />
weiblichen Models, dann bitten Sie sie, den<br />
Kopf leicht zu neigen. Das sorgt für einen<br />
Hauch von Freundlichkeit in der Aufnahme<br />
und gibt dem Bild ein entspannteres<br />
Aussehen.<br />
5) Klassischer Aufbau<br />
mit einem Licht -Setup<br />
Diese Technik funktioniert, wenn<br />
Sie das Licht leicht über dem<br />
Modell und seitlich davon platzieren<br />
– so dass es in einem 45<br />
Grad-Winkel zur Seite und nach<br />
unten scheint. Durch diesen Aufbau<br />
erhalten Sie ein Gesicht mit einem<br />
schönen, natürlichen Look und<br />
darüberhinaus ein gut gesetztes<br />
„Catchlight“ für ein angenehmes,<br />
schmeichelhaftes Ergebnis.<br />
F&A: Studioblitz<br />
Wie viel sollte ich für ein<br />
Studioblitzsystem ausgeben?<br />
Wir würden Ihnen für den Anfang ein<br />
Zweikopfsystem mit Softbox und Schirm<br />
empfehlen. Unsere Tests bescheinigen<br />
einigen gute Qualität, darunter auch dem<br />
Interfit X150 Mk II und dem Elinchrom<br />
D-Lite 4IT Studio 2 Go.<br />
Welche Vorteile bieten teurere Modelle?<br />
Die Bauweise (und Zuverlässigkeit) ist<br />
etwas besser, doch die wahren Vorteile sind<br />
Intensität, Eigenschaften und Leistung. Eine<br />
höhere Intensität ist hilfreich, weil Sie die<br />
Lichter etwas weiter vom Objekt entfernt<br />
postieren können, während der relative<br />
Lichtverlust durch Zusätze wie Softboxen<br />
verringert wird. Sie werden feststellen,<br />
dass teurere Blitzköpfe mehr Kontrolle<br />
über die Intensität, sowie eine schnellere<br />
Erholungszeit des Blitzes bieten.<br />
Sind Aufsätze anderer Systeme<br />
kompatibel?<br />
Normalerweise haben verschiedene<br />
Marken verschiedene Passformen haben<br />
und sind somit nicht kompatibel. Chimera<br />
allerdings stellt Speedringe für seine<br />
Softboxen her, die mit nahezu jedem<br />
System kompatibel ist. Mehr Informationen<br />
finden Sie unter www.chimeralighting.com.<br />
Wie sollte ich meine Kamera aufbauen,<br />
um mit einem Studioblitz zu arbeiten?<br />
Sie müssen sie auf den manuellen<br />
Modus stellen, weil das Dosiersystem<br />
nicht in Verbindung mit einem Studioblitz<br />
funktioniert. Stellen Sie die Verschlusszeit<br />
auf die Synchronzeit des Blitzes und die<br />
Blende entsprechend dem Zählerstand des<br />
Blitzes ein.<br />
Wie führe ich eine Belichtungsmessung in<br />
Verbindung mit dem Studioblitz durch?<br />
Verwenden Sie einen Belichtungsmesser,<br />
der über ein Synchro-Kabel mit einem<br />
Blitzkopf verbunden ist. Sobald Sie die<br />
Lichter aufgebaut haben, halten Sie den<br />
Sensor vor das Gesicht des Objekts,<br />
machen eine Messung und stellen die vom<br />
Belichtungsmesser empfohlene Blende auf<br />
der Kamera ein. Denken Sie daran, dass<br />
Belichtungsmesser und Kamera auf den<br />
selben ISO-Wert eingestellt sein müssen!<br />
Wie verbinde ich meine Kamera mit<br />
einem Studioblitzsystem?<br />
Der Stecker am Ende des Synchro-Kabels<br />
des Studioblitzes verbindet ihn mit der PC-<br />
Buchse Ihrer Kamera. Wenn Ihre Kamera<br />
keine Buchse hat, kaufen Sie einen Adapter<br />
(circa 15 Euro), der auf den Blitzschuh Ihrer<br />
Kamera passt und das Synchro-Kabel mit<br />
ihm verbindet. Eine etwas teurere Variante<br />
ist ein drahtloser Auslöser, der auf Ihrem<br />
Blitzschuh sitzt und einen Empfänger am<br />
Blitzkopf betätigt.
160 Ausrüstung EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
Zubehör<br />
Wenn sich Ihre fotografischen Fähigkeiten entwickeln, werden Sie die Grundausstattung Ihrer Kameraausrüstung erweitern<br />
wollen. Hier zeigen wir Ihnen eine Auswahl des am häufigsten benötigten Zubehörs: Kamerataschen, Stative, Fernauslöser,<br />
Belichtungsmesser und Reflektoren.<br />
Sekonic<br />
Flashmate<br />
L-308S<br />
Preis: ca. 100 €<br />
www.profoto-de.com<br />
Handbelichtungsmesser für Umgebungs- und Blitzlicht<br />
Interfit 265 (107cm) 5-in-1 Reflektor<br />
Preis: ca. 50€<br />
www.photospecialist.de<br />
Handbelichtungsmesser haben nicht<br />
mehr die Bedeutung wie in den Tagen<br />
des Kleinbildfilms, doch es gibt nach wie<br />
vor gute Gründe für ihren Gebrauch.<br />
Da sie sowohl das Umgebungslicht als<br />
auch Blitzlicht messen können, drahtlos<br />
oder mit Blitzsynchronisierungskabel,<br />
sind Handbelichtungsmesser im<br />
Studio ebenso nützlich wie im Freien.<br />
Wenn Sie die weiße, transparente<br />
Sensorabdeckung nutzen, können<br />
Sie Messungen des Umgebungslichts<br />
vornehmen, das auf Ihr Motiv fällt. Eine<br />
solche Messung ist präziser als die des<br />
reflektierten Lichts, das Ihre Kamera<br />
von dem Motiv misst. Sie können das<br />
Messintervall auf eine drittel, halbe oder<br />
ganze Blendenstufe einstellen, je nach<br />
dem Intervall Ihrer Kamera. Wenn Sie<br />
regelmäßig mit einer Mischbeleuchtung<br />
aus Umgebungslicht und Blitzlicht<br />
arbeiten, ist ein Handbelichtungsmesser<br />
sehr hilfreich.<br />
Urteil<br />
Kompakter, leichter und vielseitiger<br />
Belichtungsmesser; preiswertes Gerät für<br />
Studio und Outdoor-Einsatz<br />
Verarbeitung<br />
Merkmale<br />
Leistung<br />
Preis / Leistung<br />
GESAMTURTEIL<br />
Dieser faltbare Reflektor<br />
schafft in jeder Situation<br />
die Voraussetzung für eine<br />
effektvolle Lichtsteuerung. Die<br />
große Auswahl von verschiedenen<br />
reflektierenden Oberflächen in einem<br />
einzigen zusammenlegbaren Reflektorsystem<br />
garantiert Ihnen maximale Flexibilität bei<br />
minimalem Platzverbrauch. Es eignet sich für<br />
alle Beleuchtungssituationen und besteht aus<br />
einem zusammenlegbaren Stahlrahmen mit 5<br />
Reflexionsflächen in Schwarz, Weiß, Silbern und<br />
Golden, die dank eines Reißverschlusses leicht<br />
zu wechseln sind. Die mittlere Schicht ist eine<br />
Diffusorfläche für die direkte Beleuchtung Ihres<br />
Motivs. Die Handhabung ist denkbar einfach: Sie<br />
ziehen einfach die Hülle mit der gewünschten<br />
Beschichtung über den Stahlrahmen und fixieren<br />
sie mit dem Reißverschluss.<br />
Urteil<br />
Ausgezeichneter, preiswerter<br />
Reflektor<br />
Qualität d. Reflektors<br />
Verarbeitung d. Hülle<br />
Vielseitigkeit<br />
Leistung<br />
Preis / Leistung<br />
GESAMTURTEIL<br />
Giottos Silk Road<br />
YTL 8354<br />
Preis: ca. 260€<br />
Länge (geschlossen): 54cm<br />
Zahl der Beinsegmente: 4<br />
Höhe (Beine ausgezogen): 171cm<br />
Maximale Traglast: 5kg<br />
Gewicht: 1,38kg<br />
www.wexcameras.de<br />
Das Giottos Silk Road YTL8354 Kohlefaser<br />
Stativ mit 3D Mittelsäule ist ein äußerst<br />
kompaktes, viersegmentiges Stativ. Das<br />
Y-förmige Mittelsäulendesign der YTL Serie<br />
ermöglicht kompaktes Zusammenfalten,<br />
die achtlagige Kohlefaser-Technologie<br />
erhöht die Stärke und reduziert das<br />
Gewicht. Abgestufte Beinmarkierungen<br />
erleichtern den waagerechten Aufbau,<br />
und mit dem Quick-Easy-Lever<br />
Beinverschluss-System können<br />
Sie Stativbeine verkürzen oder<br />
verlängern, ohne Ihr Motiv aus den<br />
Augen zu lassen. Das Stativ kann<br />
auf drei Positionen eingestellt<br />
werden und lässt sich mit<br />
Stativköpfen verschiedener<br />
Anschlussgrößen<br />
kombinieren. Das YTL8354<br />
wiegt 1.380 Gramm und<br />
lässt sich von 17cm bis<br />
zu einer Maximalhöhe<br />
von 171cm ausfahren.<br />
Es kann mit bis zu 5<br />
Kilogramm belastet werden<br />
und ist im zusammengefalteten Zustand 54cm lang.<br />
Manfrotto 190XPROB mit 460 MG<br />
Stativkopf<br />
Preis: ca. 130€<br />
Länge (geschlossen): 57cm<br />
Zahl der Beinsegmente: 3<br />
Höhe (Beine ausgezogen): 146cm<br />
Maximale Tragkraft: 5kg<br />
Gewicht: 2,25kg<br />
www.manfrotto.de<br />
Dieses Aluminiumstativ von Manfrotto<br />
gehört zu den leichtesten seiner<br />
Preisklasse. Die Beine sind sehr stabil<br />
und halten die Kamera perfekt in allen<br />
Positionen. Die Schnellspannverschlüsse<br />
sind einfach zu bedienen und verriegeln<br />
die Beine sicher. Das interessanteste<br />
Merkmal dieses Stativs ist die<br />
Mittelsäule, die für Makroaufnahmen<br />
horizontal geschwenkt werden kann,<br />
ohne sie umstecken zu müssen. Am<br />
Stativkopf und an der Muffe für die<br />
Mittelsäule befindet sich jeweils<br />
eine Wasserwaage. Der Stativkopf ist<br />
sehr vielseitig und kann leicht in alle<br />
Richtungen geschwenkt, geneigt<br />
und gedreht werden.<br />
Dank dieser Technik eignet sich<br />
das Stativ besonders für die<br />
Naturfotografie. Das Fehlen eines<br />
Schwenkhebels ist vielleicht ein<br />
Manko, doch die Vielseitigkeit<br />
des Kopfes macht dieses wett.
EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
Ausrüstung 161<br />
Lowepro Event Messenger 250 Vanguard UP-Rise 45<br />
Preis: ca. 40€€<br />
Hauptabteil: 35 x 25 x 10cm<br />
Gewicht: 780g<br />
www.lowepro-deutschland.de<br />
Preis: ca. 65€<br />
Abmessungen: 43 x 32 x 22cm<br />
Gewicht: 1600g<br />
www.vanguardworld.de<br />
Die Lowepro Event<br />
Messenger 250 ist eine<br />
schlanke Schultertasche<br />
mit raffinierten Details.<br />
Ihr modernes Design<br />
verfügt über ein duales<br />
Verschlusssystem. Dieses<br />
ermöglicht wahlweise ein sicheres<br />
Verschließen mit zusätzlichem<br />
Klettverschluss, oder schnelles und<br />
leises Öffnen mit Klippverschluss. Die<br />
große Öffnung ermöglicht einen schnellen Zugriff<br />
auf die Ausrüstung im Hauptfach. Die leichte<br />
Tasche kann bequem mit dem gepolsterten,<br />
anti-rutsch-beschichteten Schultergurt oder dem<br />
Handgriff getragen werden. Viel Stauraum für<br />
Zubehör bieten die zusätzlichen Taschen an der<br />
Innen- und Außenseite.<br />
Ideal für Fotografen, nicht mehr als die Kamera,<br />
Objektive, Blitz, ein kleines Notebook und ein paar<br />
persönliche Dinge transportieren möchten.<br />
Der Fotorucksack Vanguard UP-Rise 45 ist<br />
geeignet für eine Spiegelreflexkamera mit<br />
montiertem 70–200mm Zoomobjektiv,<br />
3–4 Objektive, ein Blitzgerät und Zubehör.<br />
Die Schulterriemen lassen sich durch<br />
ein spezielles Faltsystem verstauen. Der<br />
Rucksack erlaubt sowohl einen schnellen,<br />
einfachen Zugriff von vorn als auch von<br />
der Seite. Er verfügt über eine abnehmbare<br />
Regenschutzhülle sowie mehrere<br />
Taschen für zusätzliche Speicherkarten und<br />
Objektivdeckel, und das orangefarbene<br />
Innenfutter bietet bei schlechtem Licht<br />
einen guten Kontrast zu den Einzelteilen der<br />
eingepackten Fotoausrüstung. Mit einem<br />
leichten Zug am Reißverschluss lässt sich die<br />
Tasche expandieren und dem veränderlichen<br />
Packbedarf an Objektiven und weiterer<br />
Ausrüstung anpassen. Es ist ein vielseitiger<br />
Fotorucksack, der seinen Inhalt auch bei<br />
Regenwetter zuverlässig schützt.<br />
Vanguard Heralder 33 Tamrac Evolution 9<br />
Preis: ca. 100€<br />
Hauptabteil: 36 x 27 x 17cm<br />
Gewicht: 1650g<br />
www.vanguardworld.de<br />
Mit der Vanguard Heralder 33<br />
erhalten Sie einen exzellenten<br />
Gegenwert für Ihr Geld. Aufgrund<br />
des herausnehmbaren Innenteils<br />
dieser Fototasche können Sie<br />
Ihre gesamte Fotoausrüstung<br />
schnell in nur einem einfachen<br />
Schritt einpacken. Wenn Sie Ihre<br />
Ausrüstung nicht benötigen, können<br />
Sie die Fototasche in eine bequeme<br />
Umhängetasche verwandeln. Weitere<br />
Merkmale sind der äußerst komfortabel<br />
gepolsterte Anti-Rutsch-Schultergurt, ein<br />
gepolstertes Laptop-Fach, gepolsterte<br />
Objektivtaschen, zahlreiche Zubehörtaschen<br />
zum Verstauen von Kleinteilen oder kompatiblem<br />
Vanguard-Zubehör. Ein anderes herausragendes<br />
Merkmal der Heralder 33 ist der komfortable<br />
Stativhalter. Er besteht aus einem Schlingensystem,<br />
mit dem Sie Ihr Stativ zum Transport an der Tasche<br />
befestigen; ein Regenschutz vervollständigt diese<br />
gut durchdachte Konstruktion.<br />
Preis: ca. 200€<br />
Hauptabteil: 28 x 30 x 16cm<br />
Gewicht: 2180g<br />
http://hapa.tamrac.com/5789.htm<br />
Der Tamrac Evolution 9 ist in vielerlei<br />
Hinsicht ein Kompromiss, was ihn zu einem<br />
hervorragenden Allround-Transportsystem<br />
macht. Er bietet schnellen Zugriff auf eine<br />
Spiegelreflexkamera mit einem montierten<br />
Objektiv bis 22cm Länge, mehrere<br />
Zusatzobjektive und ein Blitzgerät. Der Zugriff<br />
ist von 3 Seiten möglich, an der Rückseite<br />
bietet ein gepolstertes Fach Platz für 17-Zoll<br />
Laptops bis zur Größe von 44 x 28 x 4cm. Das<br />
schaumstoffgepolsterte obere Fach bietet Raum<br />
für eine leichte Jacke oder weiteres Zubehör, eine<br />
Netztasche im hinteren Teil verwahrt Kleinteile sicher<br />
und separat, eine Netztasche an der Innenseite des<br />
oberen Fachs zusätzliche Kleinigkeiten.<br />
Der Evolution 9 kann in eine Schultertasche<br />
verwandelt werden, indem ein Schultergurt einfach<br />
über Kreuz am Tragesystem befestigt wird – dabei<br />
helfen spezielle Farbmarkierungen: Rot für die<br />
rechte Schulter, Blau für die linke Schulter. Der nicht<br />
benötigte Schultergurt kann in diesem Fall einfach<br />
verstaut werden.<br />
Hama Fernauslöser<br />
5348<br />
Preis: ca. 25€<br />
www.hama.de<br />
Dieser Kabelfernauslöser ähnelt dem<br />
Nikon MC-30, kostet aber nur die<br />
Hälfte. Er ist klein, mit 34 Gramm sehr<br />
leicht, und mit 80 cm Kabellänge fast<br />
überall hinreichend. Die Bulb-Funktion<br />
ermöglicht verwacklungsfreie<br />
Langzeitbelichtungen. Die zweistufige<br />
Auslösetaste löst sowohl das Scharfstellen<br />
durch Autofokus als auch den<br />
Kameraverschluss aus. Der Hama 5384<br />
ist eine funktionelle Fernbedienung zu<br />
einem hervorragenden Preis.<br />
Urteil<br />
Zuverlässige, preiswerte Lösung<br />
Verarbeitungsqualität<br />
Leistung<br />
Preis / Leistung<br />
GESAMTURTEIL<br />
Hähnel Kabelfernauslöser<br />
Preis: ca. 15€<br />
www.haehnel-foto.de<br />
Das Hähnel-Modell ist größer<br />
als das von Hama, liegt dadurch<br />
besser in der Hand und ist,<br />
obwohl mit 60 Gramm fast<br />
doppelt so schwer, immer<br />
noch ein Leichtgewicht. Der<br />
Fernauslöser ist erhältlich für<br />
alle gängigen Kameramodelle,<br />
passende Anschlussadapter<br />
sind enthalten. Zusätzlich<br />
zum 80 cm-Kabel wird eine<br />
Kabelverlängerung von 2<br />
m mitgeliefert, welche die<br />
Reichweite auf 2,80 m erhöht.<br />
Urteil<br />
Beste Wahl als Hauptfernsteuerung.<br />
Verarbeitungsqualität<br />
Leistung<br />
Preis / Leistung<br />
GESAMTURTEIL
162 Richtig belichten EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
BJORN THOMASSEN<br />
Belichtungsreihen schießen<br />
Ob Sie die graue Karte benutzen oder nicht: Unter<br />
problematischen Lichtverhältnissen ist es ratsam,<br />
eine Belichtungsreihe aus Einzelbildern zu<br />
schießen, die die Belichtungskorrektur oder die<br />
AEB-Funktion der Kamera mit einem Intervall von<br />
+/-1 Schritt verwendet. So können Sie sicher sein,<br />
dass wenigstens eine der Aufnahmen richtig<br />
belichtet wird.<br />
So benutzen Sie die graue/weiße Karte zur<br />
Belichtungsmessung und zum Weißabgleich<br />
Szenen mit starkem Gegenlicht können zu Belichtungsfehlern führen. Wenn Sie eine graue Karte benutzen, umgehen Sie<br />
dieses Problem. Die 18-Prozent-Graukarte ist ein Hilfsmittel zur richtigen Belichtung. Beide Karten können auch zum<br />
Einstellen eines situationsbezogenen Weißabgleichs eingesetzt werden. Wie auf den Karten gemessen wird, hängt von<br />
Ihrer Kamera ab – dies müssen Sie also im Handbuch nachschlagen.<br />
DIGITALKAMERAS GREIFEN AUF recht komplizierte Belichtungsmessverfahren<br />
zurück, um unterschiedlichen Lichtverhältnissen gerecht werden zu können.<br />
Diese Verfahren gehen jedoch alle von der Annahme aus, dass der gemessene<br />
Bereich ein mittlerer Farbton ist, 18 Prozent Grau, um genau zu sein. Das ist der<br />
Farbton, der sich ergibt, würde man alle dunklen, hellen und mittleren Farbtöne<br />
vermischen. Er ist die Basis aller Messmethoden, und diese funktionieren<br />
überraschend gut. Doch bei Szenen, die insgesamt wesentlich heller oder<br />
dunkler als der Durchschnitt sind, kann das Meßsystem der Kamera dazu<br />
„verleitet“ werden, über- oder unterzubelichten, weil sich für solche Szenen ein<br />
anderer Mittelwert als 18 Prozent ergibt.<br />
Da die Kamerameßsysteme jedoch auf die 18 Prozent kalibriert<br />
sind, müssen Sie die Belichtungsmessungen entsprechend den real<br />
herrschenden Bedingungen anpassen. Das geschieht entweder durch die<br />
Belichtungskompensation, den AE-Lock Knopf oder durch Messen eines<br />
Bereichs der Szene, der einen mittleren Farbton, idealerweise 18 Prozent<br />
Perfekte Messungen<br />
Szenen mit starkem Gegenlicht<br />
können zu Belichtungsfehlern<br />
führen. Wenn Sie eine graue Karte<br />
benutzen, umgehen Sie dieses<br />
Problem.<br />
Grau, aufweist. Und nun, Sie ahnen es bereits, kommt unsere graue Karte ins<br />
Spiel. Sie ist ganz einfach zu benutzen: Entscheidend ist, dass Sie sie in einem<br />
Bereich platzieren, der sehr ähnlich beleuchtet ist, wie das zu fotografierende<br />
Motiv. Legen Sie sie also nicht in den Schatten, wenn Ihr Motiv sich im<br />
grellen Sonnenlicht befindet. Achten Sie außerdem darauf, dass die Karte den<br />
Messbereich ausfüllt, deshalb sollten Sie hier zur Punktmessung greifen.<br />
Nun können sie entweder die Belichtung mit der AE-Lock Funktion der Kamera<br />
speichern, oder Sie merken sich die gemessenen Werte, schalten auf manuellen<br />
Betrieb und stellen diese Werte von Hand ein. Wenn das Licht sich jedoch<br />
ständig ändert, durch vorüberziehende Wolken beispielsweise, ist die manuelle<br />
Methode ungeeignet. Auf der Karte sind Referenzlinien für den Autofokus<br />
aufgedruckt, damit die Kamera das Objektiv leichter darauf fokussieren kann.<br />
Die Scharfeinstellung muss jedoch nicht absolut korrekt sein. Graue und<br />
weiße Karte können beide auch verwendet werden, um einen den aktuellen<br />
Lichtverhältnissen genau angepassten Weißabgleich durchzuführen.<br />
1 EINSTIEG:<br />
Wenn Sie Porträts bei Gegenlicht fotografieren,<br />
geben Sie der Person die graue Karte in die Hand und<br />
bitten Sie sie, die Karte möglichst senkrecht in<br />
Richtung Kamera zu halten.<br />
MESSEN SIE DIE BELICHTUNG<br />
2Achten Sie darauf, dass der Messbereich von der<br />
grauen Karte ausgefüllt ist. Wir haben in diesem Fall<br />
zur Punktmessung gegriffen. Speichern Sie die<br />
Belichtung mit der AE-Lock Funktion.<br />
BILDKOMPOSITION UND SCHUSS<br />
3Mit den gespeicherten Belichtungsmessdaten<br />
machen Sie nun Ihre Bildkomposition und lösen aus.<br />
Wenn Sie die Belichtung nun auf dem Monitor der<br />
Kamera überprüfen, sollte sie genau richtig sein.
GRAUKARTE<br />
<strong>Digitale</strong><br />
WEISSABGLEICHKARTE<br />
<strong>Digitale</strong>
EXTRA<br />
STEIGEN SIE EIN IN DIE<br />
DIGITALE<br />
FOTOGRAFIE<br />
VERBESSERN SIE IHRE FÄHIGKEITEN UND MACHEN SIE BESSERE BILDER<br />
INHALT!<br />
TIPPS VON EXPERTEN HELFEN IHNEN, BESSERE FOTOS ZU MACHEN<br />
8 <strong>Digitale</strong> Kameras verstehen EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE <strong>Digitale</strong> Kameras verstehen 9<br />
EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
Funktionen und Bedienungselemente digitaler Kameras<br />
Unabhängig davon, ob eine<br />
digitale Spiegelreflex- oder<br />
Kompaktkamera zum Einsatz<br />
kommt, öffnet sich den<br />
Benutzern eine Welt von neuen<br />
Aufnahmemöglichkeiten.<br />
<strong>Digitale</strong> Kameras sind voller<br />
Spitzen-Technologie. Diese<br />
wurde entwickelt, um in<br />
möglichst vielen<br />
Aufnahmesituationen möglichst<br />
perfekte Bilder zu garantieren.<br />
Dazu kommen neuerdings auch<br />
Videofunktionen. Trotz all<br />
diesen Leistungen wurden die<br />
meisten Kameras so<br />
benutzerfreundlich wie möglich<br />
designt. Die Bedienung ist<br />
allerdings nicht bei allen<br />
Modellen gleich. Manchmal<br />
wird man durch die große<br />
Auswahl an Funktionen eher<br />
verwirrt oder übersieht<br />
Leistungen, die einem das<br />
Leben einfacher machen<br />
könnten. Dieses Magazin ist<br />
dazu da, diese Lücke zu füllen!<br />
In unserem Magazin geht es<br />
darum, wie das beste aus der<br />
Kamera herausgeholt wird und<br />
dadurch die Bildqualität<br />
erheblich verbessert werden<br />
kann.<br />
Funktionen einer Digitalkamera<br />
mit Wechselobjektiven<br />
Bei den Funktionen einer digitalen Spiegelreflex- und einer kompakten<br />
Systemkamera gibt es keine wesentlichen Unterschiede.<br />
1<br />
3<br />
7<br />
2<br />
4<br />
6<br />
5<br />
7<br />
9<br />
8<br />
1<br />
2<br />
5<br />
6<br />
10<br />
13<br />
14<br />
15<br />
16<br />
11<br />
12<br />
1) Der Auslöser: Der Auslöser hat<br />
eine Doppelfunktion. Wird er zur Hälfte<br />
nach unten gedrückt, wird das<br />
Autofokus- und Messsystem aktiviert.<br />
Wird er ganz nach unten gedrückt, wird<br />
die Aufnahme belichtet.<br />
Wussten Sie, dass ...? Wenn das<br />
Kamera-Display aus Energiespargründen<br />
nach ein paar Minuten auf den<br />
Bereitschaftsmodus umschaltet, kann es<br />
durch leichtes Antippen des Auslösers<br />
wieder aktiviert werden. Bei vielen<br />
Kameras kann eingestellt werden, ob der<br />
Auslöser die Autofokuseinstellung, die<br />
Belichtung oder beides speichern soll.<br />
2) Interner Blitz: Die große<br />
Mehrheit der Kameras sind mit einem<br />
internen Blitz ausgerüstet. Manche<br />
digitale Spiegelreflex- und<br />
Kompaktkameras der oberen<br />
Preiskategorie sind auf externe Blitzgeräte<br />
angewiesen. Die meisten<br />
Kompaktkameras verfügen über ein<br />
internes Blitzgerät. Der<br />
Blitzausleuchtungsbereich ist dabei<br />
normalerweise groß genug für Motive, die<br />
ein paar Meter entfernt sind. Alle Kameras<br />
bieten eine Auswahl an Blitzmodi. Der<br />
Automodus dient für Porträts bei<br />
geringem Licht. Es gibt aber weitere<br />
Blitzmodi für kreative<br />
Aufnahmesituationen, wie die<br />
Zeitautomatik und den zweiten<br />
Verschlussvorhang.<br />
3) Die<br />
Blitzentriegelungstaste:<br />
Die Blitzentriegelungstaste<br />
zum Einsatz des internen<br />
Blitzgerätes drücken. Manche Kameras<br />
setzen den Blitz in vollautomatischen Modi<br />
von selbst ein. Nur in halbautomatischen<br />
und manuellen Belichtungsmodi kann dort<br />
der Blitz noch selbst gewählt werden.<br />
Wussten Sie, dass ...? Bei manchen<br />
Kameras dient der Auslöser zusätzlich<br />
dazu, den entsprechenden Blitzmodus<br />
auszuwählen, ohne auf die Menüfunktion<br />
zurückzugreifen. Bei den meisten Modellen<br />
dient dazu eine getrennte Blitz-Modus-<br />
Taste auf dem Vierwegschalter.<br />
4) Autofokus-Lampe: Bei<br />
schwachen Lichtverhältnissen hat die<br />
Kamera manchmal Probleme bei der<br />
Schärfeeinstellung. Die Autofokus-Lampe<br />
ist im internen Blitz oder im<br />
Kameragehäuse integriert und dazu da,<br />
diese Probleme zu lösen.<br />
5) Objektiv-<br />
Entriegelungstaste:<br />
Durch die Objektiv-<br />
Entriegelungstaste kann das<br />
Objektiv ausgetauscht werden.<br />
Wussten Sie, dass ...? Die Nikon-<br />
Objektive werden umgekehrt<br />
herausgedreht als die Objektive der<br />
meisten anderen Hersteller.<br />
6) AF/M: Diese Taste<br />
befindet sich auf dem<br />
Objektiv oder dem Gehäuse<br />
der Kamera und dient dem<br />
Umstellen von Autofokus auf manuelle<br />
Scharfstellung<br />
7) Selbstauslöser-Anzeige:<br />
Zeigt die Sekunden bis zur Belichtung an.<br />
8) Mikrofon: Für Audioaufnahmen<br />
mit der Video-Funktion der Kamera.<br />
Kann bei manchen Kameras auch für<br />
Audiokommentare zu den Aufnahmen<br />
eingesetzt werden.<br />
9) Springblende:<br />
Früher war diese Funktion<br />
bei Spiegelreflexkameras<br />
sehr beliebt, ist heute aber<br />
weniger üblich. Beim Einsatz dieser<br />
Funktion wird die Objektivblende auf die<br />
gewählte Öffnung eingestellt und erlaubt<br />
dem Fotografen die <strong>Vorschau</strong> der<br />
erreichten Tiefenschärfe im Sucher.<br />
Diese Funktion verdunkelt das Bild im<br />
Sucher. Der Einsatz wird dadurch vor<br />
allem bei kleineren Blendeöffnungen<br />
erschwert. Kameras mit elektronischen<br />
Suchern erhöhen die Helligkeit in der<br />
Tiefenschärfe-<strong>Vorschau</strong>, was ein großer<br />
Vorteil gegenüber optischen Suchern<br />
darstellt.<br />
Wussten Sie, dass ...? Canon-Benutzer<br />
können die Tiefenschärfe-<strong>Vorschau</strong> mit<br />
dem LiveView-Modus kombinieren.<br />
Dadurch kann die Tiefenschärfe<br />
einfacher als über den Sucher, direkt<br />
auf dem LCD-Monitor kontrolliert<br />
werden.<br />
10) Hauptwählrad: Dies ist wohl die<br />
wichtigste Kontrollfunktion der Kamera, da<br />
sie die Belichtungszeit festlegt. Manche<br />
Kameras haben eine Blockierfunktion fürs<br />
Wählrad, die meisten aber nicht. Darum<br />
sollte man vor dem Aufnehmen nochmals<br />
sicherstellen, dass das Rad nicht ungewollt<br />
verstellt wurde.<br />
Wussten Sie, dass ...? Viele halb<br />
professionelle und professionelle digitale<br />
Spiegelreflexkameras besitzen zur<br />
Belichtungseinstelltung anstelle eines<br />
Wählrads eine Taste.<br />
11) Blitzschuh: Der Blitzschuh ist eine<br />
Schiene auf der Oberseite des<br />
Kameragehäuses zum Anschluss des<br />
Blitzgerätes. Die externen Blitzgeräte bieten<br />
bei unterbelichteten Aufnahmesituationen<br />
eine zusätzliche Leistung in einem größeren<br />
Bildbereich. Außerdem können am<br />
Blitzschuh auch weitere Geräte wie<br />
Steuereinheiten zur Synchronisierung von<br />
Aufnahmen mit mehreren Blitzgeräten oder<br />
eine Fernbedienung angeschlossen werden.<br />
Der Anschluss in der Mitte der Schiene löst<br />
den Blitz aus, die anderen Kontakte dienen<br />
zur Datenübertragung<br />
Wussten Sie, dass ...? Der Vorläufer des<br />
unkonventionellen Designs des<br />
Sony-Blitzschuhs ist der Minolta-Dynax-<br />
Blitzschuh von 1988.<br />
12) On/off Taste: Zum Ein- und<br />
Ausschalten der Kamera. Falls die Kamera<br />
nicht ausgeschaltet wird, schaltet sie aus<br />
Energiespargründen nach fünf Minuten<br />
automatisch selbst ab. Durch das sanfte<br />
Herunterdrücken des Auslösers wird die<br />
Kamera dann wieder aktiviert.<br />
13) Display: Die Kamera benutzt ein<br />
Standard-Beleuchtungs-Display auf dem<br />
Monitor. Durch Herunterdrücken der<br />
Display-Taste kann das Histogramm-<br />
Format und die Displayfarbe gewählt<br />
werden.<br />
14) ISO: Die ISO-Einstufung bestimmt die<br />
Lichtempfindlichkeit des Sensors und ist<br />
deshalb vergleichbar mit den<br />
unterschiedlichen Filmgeschwindigkeiten in<br />
der Vergangenheit. Eine tiefe ISO-<br />
Einstufung ist weniger empfindlich, bietet<br />
aber eine bessere Bildqualität. Sobald die<br />
ISO-Einstufung erhöht wird, nimmt das<br />
Bildrauschen zu und führt zu einem<br />
Qualitätsverlust (hauptsächlich bezüglich<br />
der Farbwiedergabe und Schärfe).<br />
Besonders gut ersichtlich ist das<br />
Bildrauschen bei einer Einstellung von ISO<br />
800 und darüber. Neuere Kameramodelle<br />
bieten eine bessere Rauschunterdrückung<br />
als ältere.<br />
15) Vorderes Einstellrad: Dieses<br />
Einstellrad befindet sich normalerweise in<br />
der Nähe des Auslösers oder bei den<br />
Daumenauflagen auf der Hinterseite der<br />
Kamera. Mit diesem Rad kann die<br />
Verschlusszeit oder die Blendenöffnung<br />
eingestellt werden.<br />
16) Sensorebene: Eine sichtbare<br />
Markierung zeigt die Sensorebene an.<br />
Kameras<br />
Kameras<br />
Kameras<br />
Kameras<br />
Kameras<br />
Kameras<br />
Kameras<br />
Kameras<br />
Kameras<br />
mit<br />
mit<br />
mit<br />
mit<br />
mit<br />
Sucherbild<br />
Sucherbild<br />
Sucherbild<br />
Sucherbild<br />
Sucherbild<br />
Sucherbild<br />
Sucherbild<br />
Sucherbild<br />
Sucherbild<br />
Sucherbild<br />
Sucherbild<br />
Sucherbild<br />
4<br />
WUSSTEN SIE, DASS ...?<br />
Wenn der Auslöser im Einzelbildbetrieb<br />
zur Hälfte nach unten gedrückt wird,<br />
kann die Belichtungseinstellung für die<br />
nächste Aufnahme gespeichert werden.<br />
Original<br />
Original<br />
Original<br />
Original<br />
Original<br />
Original<br />
Original<br />
Original<br />
Original<br />
Originalgröße<br />
größe<br />
größe<br />
größe<br />
größe<br />
größe<br />
größe<br />
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3<br />
16<br />
11<br />
10 12<br />
8<br />
Zu verstehen, wie Ihre Kamera das Licht misst, ist die Grundvoraussetzung für richtig belichtete Fotos.<br />
Konzepte der Belichtungsmessung<br />
ISTOCK PHOTO<br />
54 Die Grundlagen EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
Messen Sie die mittleren Farbtöne für eine ausgewogene Belichtung.<br />
Benutzen Sie bei hellen Motiven einen positiven Wert<br />
CANON (PARTIAL)<br />
CANON (SPOT)<br />
NIKON<br />
SONY/PENTAX<br />
OLYMPUS<br />
PENTAX<br />
OLYMPUS<br />
CANON<br />
NIKON<br />
SONY<br />
PENTAX<br />
OLYMPUS<br />
SONY<br />
Wussten Sie schon?<br />
So ändern Sie die Belichtungsmessmethode<br />
Immer mehr Kameras führen die Daten von<br />
Autofokus, Weißabgleich und<br />
Belichtungsmesssystem zusammen, um<br />
bessere Ergebnisse zu liefern. Canons<br />
iFCL-Technologie und Nikons Scene<br />
Recognition System sind nur zwei Beispiele.<br />
Das Ändern der Belichtungsmessmethode<br />
ist einfach, und die meisten Kameras bieten<br />
dazu sogar mehrere Möglichkeiten. Sie<br />
können das Bildschirm-Menü aufrufen und<br />
den relevanten Tab oder eine im Vier-Wege-<br />
Schalter integrierte Schnellzugriffstaste<br />
benutzen. Manche Kameras besitzen an der<br />
Oberseite oder Rückseite sogar eine spezielle<br />
Taste zur Auswahl der<br />
Belichtungsmessmethode, neuere Kameras<br />
sogar einen Touch-Screen, der schnellen<br />
Zugriff auf die Funktion erlaubt. Rechts sehen<br />
Sie, wie die Funktion bei Canon- und<br />
Nikon-Modellen aufgerufen wird, bei anderen<br />
Marken ist die Prozedur ähnlich.<br />
1) Wählen Sie im Menü den relevanten Tab und<br />
drücken die SET-Taste, um die Option auszuwählen.<br />
2) Drücken Sie die Q-Taste und benutzen Sie den<br />
Vier-Wege-Schalter, bis die Auswahl der Messmethode<br />
erscheint, dann drehen Sie das Eingabe-Einstellrad,<br />
um die gewünschte Messmethode einzustellen.<br />
1) Wählen Sie das Aufnahmemenü und anschließend<br />
„Messfeldsteuerung“, dann drücken Sie OK und<br />
wählen eine Messmethode.<br />
2) Falls Ihre Kamera über eine i-Taste verfügt, drücken<br />
Sie sie, wählen „Messfeldsteuerung“ und anschließend<br />
die gewünschte Messmethode.<br />
Wenn Sie den Auslöser Ihrer Kamera drücken,<br />
misst das TTL-Messsystem (engl. TTL = Through<br />
The Lens, dt. = durch das Objektiv) das Licht der<br />
Szene und versucht anhand dieser Daten die<br />
bestmögliche Belichtung einzustellen. Wie die<br />
Kamera die Szene misst, hängt davon ab,<br />
welches Messverfahren gewählt wurde; in der<br />
Regel ist dies die Mehrfeldbelichtungsmessung.<br />
Sie sollte die Funktionsweise dieses und anderer<br />
Messsysteme kennen, wenn Sie<br />
Fehlbelichtungen vermeiden wollen.<br />
Ihre Kamera verfügt über mindestens drei<br />
Messverfahren, die das Licht einer Szene<br />
messen und die korrekte Belichtung berechnen,<br />
doch jedes Verfahren misst das Licht anders.<br />
Beginnen wir mit dem Grundprinzip jedes<br />
Messverfahrens.<br />
GRUNDPRINZIP DER<br />
BELICHTUNGSMESSUNG<br />
Alle Messverfahren gehen davon aus, dass<br />
sämtliche Farbtöne einer Szene, von den<br />
dunkelsten Schatten bis zum hellsten Spitzlicht,<br />
zusammen einen mittleren Farbton von 18%<br />
Grau ergeben. In den allermeisten Situationen<br />
sind die auf diesem Prinzip basierende Messung<br />
und die resultierende Belichtung korrekt. Ist eine<br />
Szene jedoch wesentlich heller oder dunkler als<br />
der angenommene Durchschnitt, besteht das<br />
Risiko einer Fehlbelichtung. In diesem Fall<br />
müssen Sie die von der Kamera ermittelten<br />
Werte korrigieren.<br />
KAMERA-<br />
SYMBOLE<br />
KAMERA-<br />
SYMBOLE<br />
CANON<br />
NIKON<br />
KAMERA-<br />
SYMBOLE<br />
ISTOCK PHOTO<br />
ISTOCK PHOTO<br />
SPOT-MESSUNG / SELEKTIVMESSUNG<br />
Die Spot-Messung sollten Sie dann heranziehen, wenn Sie<br />
unter schwierigen Lichtverhältnissen fotografieren. Sie<br />
erlaubt Ihnen, eine Messung auf einem sehr kleinen Bereich<br />
im Zentrum des Bildausschnitts vorzunehmen. Wenn Sie<br />
diesen Messbereich mit einem mittleren Farbton der Szene<br />
zur Deckung bringen, eine Messung durchführen und<br />
anschließend die AE-Lock-Funktion benutzen, können Sie<br />
die gefundene Belichtung auf einen beliebigen Bildbereich<br />
anwenden, ohne dass diese von den Helligkeitswerten der<br />
direkt angrenzenden Bildbereiche beeinflusst wird. Die<br />
Punktmessung ist die akkurateste Messung, die Sie<br />
vornehmen können, wobei der kreisförmige Messbereich<br />
eine Größe von etwa 3% des Sucherbilds hat.<br />
Die Selektivmessung ist weniger bekannt und<br />
unterscheidet sich von der Spotmessung dadurch, dass sie<br />
einen größeren Messbereich von etwa 8–10% des<br />
Bildausschnitts berücksichtigt. Ansonsten funktioniert sie<br />
genauso wie die Spot-Messung. Wenn Sie die<br />
Selektivmessung benutzen, achten Sie darauf, dass Sie<br />
einen mittleren Farbton messen, sonst sind<br />
Fehlbelichtungen möglich.<br />
MEHRFELDMESSUNG<br />
Die Mehrfeldmessung ist die Standardeinstellung Ihrer<br />
Kamera, und ist so zuverlässig, dass Sie nur selten eine<br />
andere Messmethode brauchen werden. Die<br />
Mehrfeldmessung teilt das Sucherbild in mehrere Zonen<br />
ein. Die Kamera nimmt für alle Zonen gleichzeitig eine<br />
eigene Lichtmessung vor und vergleicht die Werte mit<br />
einer internen Bilddatenbank, die Tausende<br />
verschiedene Szenarien enthält. Anhand dieser Daten<br />
legt das Messsystem die Belichtung fest. Die Anzahl der<br />
dazu herangezogenen Zonen des Sucherbildes variiert<br />
von Kamera zu Kamera, es sind jedoch mindestens 16<br />
Zonen, bei teuren Modellen fast 100. Alle heute auf dem<br />
Markt erhältlichen Systeme sind sehr akkurat, wobei die<br />
neuesten Technologien die Belichtungsdaten mit<br />
denen vom Autofokus und Weißabgleich<br />
zusammenführen und so die besten Resultate liefern.<br />
Trotzdem ist keine dieser Technologien absolut<br />
narrensicher.<br />
MITTENBETONTE MESSUNG<br />
Die mittenbetonte Messung ist die älteste und am<br />
wenigsten präzise Messmethode. Sie bezieht sich auf<br />
einen Durchschnittswert, der aus der<br />
Helligkeitsverteilung des gesamten Sucherbildes<br />
errechnet wird, wobei eine höhere Gewichtung auf dem<br />
zentralen Bildbereich liegt. Für Alltagssituationen ist diese<br />
Messmethode kaum relevant, kann aber in Verbindung<br />
mit der AE-Lock-Funktion noch nützlich sein.<br />
Bei Gegenlicht machen Sie eine Spot-Messung auf dem Gesicht<br />
NIKON<br />
CANON<br />
1<br />
1<br />
2<br />
2<br />
Porträts 87<br />
EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
86 Porträts EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
Kinder fotografieren<br />
Jedes Kind ist einzigartig – es gibt jedoch einige<br />
allgemeingültige Regeln, die Ihnen helfen, zu guten<br />
Kinderfotos zu kommen.<br />
ES IST NICHT IMMER EINFACH, doch Kinder zu fotografieren gehört zu<br />
den dankbarsten Momenten in der <strong>Fotografie</strong>. Es kann zu einer wirklichen<br />
Herausforderung werden, doch wenn Sie ein paar Grundregeln beherzigen<br />
und mit den kleinen Persönlichkeiten richtig umgehen, werden Sie bald<br />
eine schöne Sammlung vorweisen können.<br />
Das Wichtigste beim <strong>Fotografie</strong>ren von Kindern hat mit <strong>Fotografie</strong><br />
überhaupt nichts zu tun, sondern damit, wie einfühlsam Sie mit den<br />
Kleinen umgehen. Das alles Entscheidende ist: Kinder müssen sich nicht<br />
nur wohlfühlen, sie sollten sogar Spaß daran haben, von Ihnen fotografiert<br />
zu werden, sonst wirken die Fotos unnatürlich. In den ersten 10 Minuten<br />
sollte die Kameraausrüstung gar nicht zu sehen sein. Verbringen Sie die<br />
Zeit im Gespräch mit Kindern und Eltern. Erst nachdem Sie etwas<br />
„beschnuppert“ worden sind, sollten Sie zur Sache kommen und Fotos<br />
machen. Der Umgang mit kleineren Kindern ist in der Regel<br />
unkomplizierter, während Teenager schon viel selbstbewusster sind und oft<br />
zögern, sich überhaupt fotografieren zu lassen.<br />
Welche Art Fotos?<br />
Das ist eine Frage, die entweder die Eltern oder die Betroffenen selbst<br />
entscheiden, wenn es sich um ältere Kinder handelt. In früheren Zeiten<br />
waren Porträts sehr formal, doch heute zeigen die schönsten Kinderporträts<br />
entspannte, natürliche und fröhliche Gesichter. Aufnahmen Zuhause im<br />
Kinderzimmer sind ein guter Ausgangspunkt. In der bekannten Umgebung<br />
fühlen sie sich wohl und es stehen jede Menge Requisiten zur Verfügung,<br />
die Sie einbeziehen können. Vermeiden Sie unbedingt, dass man die Kinder<br />
in die „gute“ Sonntagskleidung steckt, denn darin sehen sie nur zu oft aus<br />
wie als Erwachsene verkleidet. Viel besser für die Stimmung ist das<br />
Lieblingsoutfit.<br />
<strong>Fotografie</strong>ren Zuhause ist die eine Möglichkeit, doch es hat seine Vorteile,<br />
wenn Sie es auch im Freien versuchen. Eigentlich ist jede Location geeignet<br />
- Parks, offene Landschaften, der Strand, das Stadtzentrum. Jede ist auf<br />
andere Weise attraktiv und erzeugt eine andere Stimmung, die den<br />
Eindruck eines Porträts beeinflusst. Es gibt zahllose Möglichkeiten der<br />
Bildkomposition, von „Kopfschüssen“ bis zu Aufnahmen, auf denen die<br />
ganze Person im Bild ist oder solche, in denen die Personen nur ein Teil des<br />
Motivs sind. Seine Sie fantasievoll.<br />
Variieren Sie<br />
die Bildkomposition<br />
Das funktioniert<br />
am einfachsten<br />
durch<br />
unterschiedliche<br />
Posen und<br />
unterschiedliche<br />
Bildausschnitte:<br />
von der<br />
Nahaufnahme des<br />
Gesichts bis zur<br />
ganzen Person.<br />
Das Kamera-Setup<br />
Bei Kinderporträts müssen Sie vorausdenken und flink sein. In manchen<br />
Augenblicken haben Sie die schönsten Posen vor der Kamera, dann<br />
wieder müssen Sie versuchen, zu einem guten Schnappschuss zu<br />
kommen, während die Kinder ihre Mätzchen machen. Wir empfehlen<br />
folgende Einstellungen:<br />
1) Belichtungsprogramm:<br />
Am besten benutzen Sie die<br />
Blendenautomatik. Beginnen Sie<br />
mit einer Blende von f/5.6 und<br />
variieren Sie bei Bedarf, doch in<br />
den meisten Fällen können Sie<br />
diesen Wert während der gesamten<br />
Session eingestellt lassen. Er gibt<br />
Ihnen einen relativ schmalen<br />
Schärfentiefenbereich, so dass<br />
Gesichter scharf sind und der<br />
Hintergrund verwaschen. Achten<br />
Sie auf die Verschlusszeit; sie muss immer kurz genug sein, um nicht zu<br />
verwackeln. Wird sie zu lang, erhöhen Sie die ISO-Empfindlichkeit auf bis zu<br />
ISO 1000. Versuchen Sie, die Verschlusszeit bei 1/200 Sekunde oder kürzer<br />
zu halten, wenn Sie mit Brennweiten bis 200mm arbeiten und bei 1/300<br />
Sekunde bei 70-300mm Brennweite.<br />
Sie auf die Verschlusszeit; sie muss immer kurz genug sein, um nicht zu<br />
4) Dateiformat: Verwenden<br />
Sie das RAW-Format, es gibt<br />
Ihnen maximale Kontrolle über<br />
Bildqualität und Farbbalance.<br />
Bei Serienbildern wirkt sich das<br />
leider auf die Geschwindigkeit<br />
aus, da der Pufferspeicher<br />
schneller voll ist. Benutzen Sie<br />
das JPEG-Format nur dann, falls<br />
Sie nicht wissen, wie man RAW-<br />
Dateien bearbeitet oder falls der<br />
Speicherplatz der Speicherkarte<br />
begrenzt ist.<br />
5) Weißabgleich: Den<br />
machen Sie idealerweise den<br />
Lichtverhältnissen entsprechend.<br />
Falls Sie sich nicht sicher sind,<br />
nehmen Sie den automatischen<br />
Weißabgleich. Auch hier zeigt<br />
sich ein Vorteil des Raw-Formats:<br />
Dabei können Sie einen falschen<br />
Weißabgleich in der Nachbearbeitung<br />
korrigieren.<br />
2) Autofokus: Er sollte auf<br />
Einzelpunkt-AF geschaltet sein. Benutzen<br />
Sie den zentralen Schärfepunkt, denn er<br />
hat die höchste Empfindlichkeit.<br />
Schalten Sie den AF-Modus auf S (S-AF,<br />
AF-S). Wenn Sie auf die Augen des Kindes<br />
scharfgestellt haben, verriegeln Sie diese<br />
Einstellung, indem Sie den Auslöser<br />
halb durchdrücken, dann machen Sie<br />
die endgültige<br />
Bildkomposition<br />
und lösen aus.<br />
3) Belichtungsmessung: Bleiben<br />
Sie bei der Mehrfeldmessung und Sie<br />
sollten keine Probleme bekommen. Falls<br />
Ihr Model überwiegend dunkle Farben<br />
aufweist, machen Sie ein Test Foto<br />
und überprüfen die Aufnahme auf dem<br />
Kameramonitor. Falls Details fehlen,<br />
korrigieren Sie die Belichtung um eine<br />
Stufe (+1EV) mit der Belichtungskorrekturfunktion.<br />
CANON NIKON PENTAX<br />
OLYMPUS<br />
Dieser Tipp wird Ihnen wieder und<br />
wieder begegnen, doch das<br />
Geheimnis großartiger Porträts<br />
besteht wirklich darin, a les so<br />
einfach wie möglich zu halten, von<br />
der Kameraausrüstung bis zur<br />
Beleuchtung.<br />
Halten Sie es einfach<br />
Das fertige Bild<br />
Machen Sie sich bei<br />
Kinderporträtsnicht zu<br />
viele Gedanken.<br />
Die sonnige Natur der<br />
Kleinen, gutes Licht, eine<br />
entspannte, fröhliche<br />
Atmosphäre, dann ist es<br />
schon fast geschafft.<br />
ISTOCKPHOTO<br />
ISTOCKPHOTO<br />
ADAM BURTON<br />
RECHERCHIEREN & PLANEN<br />
Großartige Landschaftsaufnahmen<br />
entstehen selten zufällig — die besten<br />
Aufnahmen sind oft das Ergebnis sorgfältiger<br />
Planung, also machen Sie Ihre<br />
Hausaufgaben. Recherchieren Sie Ihren<br />
Aufnahmeort möglichst im Voraus, sehen Sie<br />
sich nach geeigneten Standpunkten um und<br />
probieren Sie verschiedene Kompositionen<br />
aus; dies wird Ihnen helfen, während der<br />
Aufnahmen schnell und effizient zu arbeiten.<br />
Wenn es sich um eine Meeresküste handelt,<br />
beachten Sie die Gezeiten. Die größte<br />
Bedeutung kommt dem Licht zu: Eignet sich<br />
der Ort eher für Aufnahmen am Morgen oder<br />
am Abend?<br />
Ein Sonnenrechner wie „The Photographer’s<br />
Ephemeris (http://photoephemeris.com) hilft<br />
Ihnen, die Richtung des Lichts zu<br />
verschiedenen Tageszeiten herauszufinden.<br />
Das Programm ist nur auf Englisch erhältlich,<br />
aber es gibt eine Anleitung auf Deutsch<br />
(http://photoephemeris.com/<br />
the-photographer-s-ephemeris-auf-deutsch).<br />
Zum Schluss sollten Sie auf geeignetes<br />
Wetter für ihren Aufnahmeort warten. Sehen<br />
Sie sich die Wettervorhersage genau an und<br />
stimmen Sie Ihren Besuch zeitlich so ab,<br />
dass er mit idealen Verhältnissen<br />
zusammenfällt, und verbessern Sie dadurch<br />
Ihre Chance erfolgreich zu sein.<br />
Bereiten Sie sich auf die freie Natur vor<br />
Die Landschaftsfotografie bringt es oft mit sich, stundenlang in der freien Natur<br />
unterwegs zu sein. Bereiten Sie sich gut vor, um diese Erfahrung ebenso erfolgreich<br />
wie angenehm zu gestalten.<br />
PASSENDE KLEIDUNG<br />
Eine unerwartete Wetteränderung<br />
kann Ihre Planung umwerfen, achten<br />
Sie deshalb auf angemessene<br />
Bekleideung. Wenn es kalt oder nass<br />
ist, sollten Sie verschiedene<br />
Kleidungsstücke übereinander tragen,<br />
die Sie bei Bedarf an-/ablegen können.<br />
Die äußere Schicht sollte wind- und<br />
wasserdicht sein, sowohl am<br />
Oberkörper als auch an den Beinen.<br />
Probieren Sie es mal mit Kleidung von<br />
Berghaus oder Paramo. Eine Mütze<br />
verhindert, dass Sie bei niedrigen<br />
Temperaturen Körperwärme abgeben,<br />
während isolierte Handschuhe Ihre<br />
Finger warmhalten, sodass Sie Ihre<br />
Kamera bedienen können. Manche<br />
Menschen bevorzugen Handschuhe<br />
oder Fäustlinge, bei denen man die<br />
Fingerkappe umklappen kann, um die<br />
Finger freizulegen, wie die von Matin.<br />
Für steiniges oder unwegsames<br />
Gelände sind robuste Wanderschuhe<br />
geeignet, am Strand oder im Sumpf<br />
ermöglichen Ihnen Gummistiefel, zum<br />
<strong>Fotografie</strong>ren ins Wasser zu waten.<br />
Achten Sie darauf, dass die Stiefel<br />
gefüttert sind.<br />
IMMER MIT STATIV<br />
Wir wissen, dass es lästig ist, ein Stativ<br />
zu tragen und immer wieder neu<br />
aufzustellen. Es gibt aber einen Grund,<br />
warum ernsthafte Outdoor-Fotografen<br />
immer eines benutzen: Stative bedeuten<br />
volle Kontrolle! Langsame<br />
Verschlusszeiten und niedrige ISO-Werte<br />
sind kein Problem, es ist einfacher, das<br />
Bild mit Präzision zusammenzustellen,<br />
Grauverlaufsfilter einzusetzen, die<br />
Tiefenschärfe zu maximieren und die<br />
Kamera in Position zu bringen, um direkt<br />
loslegen zu können, wenn plötzlich das<br />
Licht besser ist. Ein mittelgroßes Modell<br />
aus Carbonfaser, wie das 190CXPRO3<br />
oder das 055CXPRO4 von Manfrotto,<br />
bietet einen guten Kompromiss<br />
zwischen Gewicht und Stabilität, auch<br />
mit einer schweren professionellen<br />
digitalen Spiegelreflexkamera. Wenn Sie<br />
sparen müssen, entscheiden Sie sich für<br />
die preiswerteren Modelle aus<br />
gleichwertigen Legierungen. Sie<br />
benötigen außerdem einen geeigneten<br />
Kopf, und Kugelköpfe werden immer<br />
beliebter. Schauen Sie sich zum Beispiel<br />
den Kugelkopf MH1312-652 von<br />
Giottos oder die Modelle 498RC2 und<br />
327RC2 von Manfrotto an.<br />
PACKEN SIE IMMER FILTER EIN<br />
Filter sind für Landschaftsaufnahmen absolut<br />
notwendig! Sie sollten immer einen Polfilter<br />
dabeihaben, da er blendendes Licht und<br />
Reflexionen reduziert, um die Klarheit zu<br />
verbessern und den Himmel bei sonnigem Wetter<br />
zu betonen. Auch Grauverlaufsfilter sind ein<br />
Muss, um Landschaft und Himmel richtig zu<br />
belichten. Der Verlauf ermöglicht es Ihnen, den<br />
Himmel so abzudunkeln, dass seine Helligkeit<br />
der Landschaft ähnelt. Was die Dichte betrifft,<br />
sind 0,6 und 0,9 am nützlichsten; „harte“<br />
Grauverlaufsfilter ermöglichen einen<br />
gleichmäßigeren Verlauf als „weiche“. Massive<br />
Graufilter sind praktisch, um die Verschlusszeit zu<br />
verlangsamen, wenn Sie zum Beispiel Bewegung<br />
im fließenden Wasser aufnehmen möchten.<br />
Eine Dichte von 0,6 erhöht die Belichtung um<br />
zwei Stufen, 0,9 um drei Stufen und 1,2 um vier<br />
Stufen. Um extremere Effekte durch<br />
Langzeitbelichtung zu erreichen, benötigen Sie<br />
einen zehnstufigen Graufilter, zum Beispiel den<br />
Lee Big Stopper, B + W 3.0 ND oder Hitech Pro<br />
Stop (siehe Seite 56 für weitere Informationen).<br />
Diese ermöglichen Belichtungen von mehreren<br />
Minuten bei Tageslicht, um Bewegungen in Meer,<br />
Himmel, Flüssen und ähnlich bewegten Motiven<br />
aufzunehmen. Die Ergebnisse können so<br />
erstaunlich sein, dass Sie, wenn Sie einmal<br />
anfangen, vermutlich nicht mehr aufhören<br />
können!<br />
Die Hügel leben!<br />
Es sollte immer Ihre<br />
Priorität sein, die<br />
Aufnahme so zu planen,<br />
dass Sie mit gutem<br />
Wetter zusammenfällt.<br />
Doch auch dunkle,<br />
stürmische Tage können<br />
mit Aufnahmen wie<br />
diesen belohnen.<br />
ROSS HODDINOTT<br />
WAHL DES OBJEKTIVS<br />
Kommen wir zum Wichtigsten: der<br />
Ausrüstung! Die perfekte Lösung muss allen<br />
Landschafts-Anforderungen genügen, aber<br />
leicht genug sein, um sie den ganzen Tag<br />
tragen zu können. Zum Glück ist es nicht<br />
schwierig, beides zu kombinieren. Die Wahl<br />
der Kamera ist praktisch irrelevant, denn es<br />
gibt heute kaum noch schlechte digitale<br />
Spiegelreflexkameras. Der Schlüssel zu<br />
Kreativität und Erfolg sind die Objektive!<br />
Wenn Sie im Vollbild aufnehmen, sind drei<br />
Zoomobjektive im Bereich 17 bis 200 / 300<br />
mm mehr als ausreichend, für APS-C genügen<br />
10 bis 200 mm. Weitwinkelobjektive sind für<br />
Landschaftsaufnahmen nützlicher als<br />
Teleobjektive, sind aber anfälliger für optische<br />
Aberrationen bzw. Diffraktion, deshalb sollten<br />
Sie nur in ein Modell von guter Qualität<br />
investieren.<br />
Für Vollbildaufnahmen sind Canons 17–40<br />
mm f/4 und 16–35 mm f/2,8 L Mk II oder<br />
Nikons 14–24 mm f/2.8 G, 16–35 mm f/4 G<br />
und 17–55mm f/2.8 G geeignete Kandidaten,<br />
während für APS-C-Sensoren Nikons 10–24<br />
mm f/3.5–4.5 G und 12–24 mm f/4 G,<br />
Canons 10–22 mm f/3.5–4.5 und Sigmas<br />
10–20 mm f/3.5 und 12–24 mm f/4.5-5.6 in<br />
die engere Auswahl gehören.<br />
ADAM BURTON<br />
92 Landschaften<br />
„Gehen Sie nicht zu früh nach Hause!<br />
Nach einem schmerzlich frühen Start<br />
oder einem langen Tag unterwegs zieht<br />
es Sie vermutlich stark nach Hause; doch<br />
bleiben Sie standhaft! Ich habe diesen<br />
Fehler früher oft gemacht – im Glauben,<br />
die Wolken würden nicht aufbrechen oder<br />
die Bedingungen nicht mehr hergeben<br />
–, nur um dann auf der Rückfahrt einen<br />
wunderschönen Sonnenuntergang oder<br />
einen dramatischen Himmel zu erleben.<br />
Es gibt nichts Frustrierenderes als eine<br />
großartige Gelegenheit zu verpassen,<br />
nur weil man nicht noch eine Stunde<br />
geblieben ist. Wetterbedingungen<br />
können sich erstaunlich schnell ändern,<br />
sodass auf einmal ein wundervolles<br />
Licht erscheint oder die Wolken gerade<br />
genug aufreißen, damit dramatische<br />
Lichtstrahlen durchscheinen und die<br />
Szene in Licht baden. Wenn Sie sich<br />
also die Mühe gemacht haben, zu einem<br />
Aufnahmeort zu gelangen, gehen Sie<br />
nicht, bis Sie wirklich sicher sind, dass es<br />
keine Chance für weitere Möglichkeiten<br />
gibt. Bleiben Sie – vielleicht fangen<br />
Sie einen unvergesslichen, magischen<br />
Moment ein.“<br />
Profi-Tipp: Ross Hoddinott<br />
Typen von Weitwinkelobjektiven<br />
Es gibt drei Grundtypen von Weitwinkelobjektiven.<br />
Jeder bietet Vor- und Nachteile.<br />
Wir zeigen Ihnen, welche.<br />
Ultraweitwinkelzoom<br />
Diese Gruppe von Objektiven erfreut sich einer immer höheren Popularität. Dies ist keine<br />
Überraschung, da die Reichweite, die sie abdeckt, für eine so kleines und preiswertes<br />
Objektiv eine unglaubliche Vielfalt bietet. Tatsächlich ist der Ultraweitwinkelzoom wohl eines<br />
der wertvollsten Objektive, das Sie besitzen können. Es gibt einige verfügbare Brennweiten<br />
und eine, die bei circa 11 bis 22 Millimetern liegt, eignet sich am besten für Kameras mit<br />
einem Sensor der Größe APS-C. In Wahrheit decken alle einen ziemlich ähnlichen Bereich ab,<br />
trotzdem gibt es die ein oder andere Ausnahme, die es zu beachten gilt. Das 10-17<br />
Millimeter-Fischaugen-Objektiv von Pentax bietet bei seiner größten Einstellung einen<br />
Blickwinkel von 180 Grad, man bekommt also quasi ein Fischaugen-Objektiv und einen<br />
Ultraweitwinkelzoom in einem. Bemerkenswert ist, dass das 12-24 Millimeter-Objektiv von Sigma, entgegen der<br />
meisten Ultraweitwinkelzooms, auch auf Vollformat- und APS-C-Kameras benutzt werden kann. Zu guter letzt: Trotz der<br />
Popularität des 16-35 Millimeter-Objektivs bei Benutzern von Vollformat-Kameras, ist die 24-53 Millimeter-Reichweite,<br />
die es mit APS-C abdeckt, recht limitiert, so dass wir von einem Kauf abraten würden.<br />
Anatomie eines<br />
Weitwinkelzooms<br />
1) Gegenlichtblende: Ultraweitwinkel<br />
haben eine eigene Blende, um<br />
Vignettierung und Reflexlicht zu vermeiden.<br />
2) Großes, konkaves Vorderelement: Das<br />
Vorderelement hat normalerweise eine<br />
auffällige Krümmung und wenn man das<br />
Objektiv nicht schützt, ist es Staub und<br />
Kratzern ausgesetzt. Geben Sie also auf,<br />
wenn Sie es mitnehmen.<br />
3) Manueller Fokusring: Normalerweise<br />
vorne am Objektiv und aus guten Gründen<br />
sehr breit. Sie werden ihn kaum<br />
verwenden, da Weitwinkelobjektive einen<br />
ausgezeichneten Autofokus besitzen.<br />
4) Zoomring: Befindet sich in der Regel<br />
hinten am Objektiv. Meistens sind auch sie<br />
breit und mit einer genuteten Oberfläche,<br />
um Ihnen einen guten Zugriff darauf zu<br />
ermöglichen.<br />
5) Fokusdistanz: Bei vielen Objektiven ist<br />
die Fokusdistanz auf der Oberfläche<br />
vermerkt, während einige der etwas<br />
teureren Modelle ein Fokusdistanzfenster<br />
besitzen.<br />
6) Hyperfokale Entfernung: Diese Angabe<br />
erlaubt Ihnen, abzuschätzen, wie viel von<br />
der Szene bei Ihrer Blendenwahl scharf<br />
erscheinen wird.<br />
7) Integriertes Fokussierungssystem (IF):<br />
Wenn Sie vorhaben, Filter zu benutzen,<br />
dann bieten Objektive mit integriertem<br />
Fokussierungssystem den Vorteil, dass sich<br />
die Vorderseite des Objektivs nicht dreht,<br />
wenn Sie fokussieren, und sie sie daher<br />
auch nicht von neuem einstellen müssen.<br />
Fisheye<br />
Das Fisheye bietet die extremste<br />
Tiefenschärfe. Es gibt zwei Arten – das<br />
runde und das Vollformat-Fisheye.<br />
Beide bilden sehr unterschiedlich ab.<br />
Runde Fisheyes erzeugen runde Bilder<br />
mit einem Blickwinkel von 180 Grad,<br />
wenn Sie in Verbindung mit einer Vollformatkamera verwendet<br />
werden. Sie verzerren die Perpektive und sind - vor allem wenn<br />
das Objekt sehr nahe ist - perfekt für lustige Porträts.<br />
Das Vollformat-Fisheye, auch als diagonales Fisheye<br />
bezeichnet, bietet ein Blickfeld von 180 Grad und kann<br />
dementsprechend unglaublich breite Aussichten festhalten. Sie<br />
sind sehr teuer, und in ihren Gebrauchsmöglichkeiten sehr<br />
begrenzt. Leihen Sie sich eines von Ihrem Händler, bevor Sie<br />
sich selbst eines kaufen.<br />
Feste Weitwinkel<br />
Klein, leicht und kompakt, mit einer<br />
hochwertigen Optik – dies sind<br />
begehrte Objektive, die in diversen<br />
Brennweiten erhältlich sind und darauf<br />
ausgerichtet sind, Digitalfotografen den<br />
ultimativen Weitwinkel zu bieten. Bei 14<br />
Millimetern Ultraweitwinkel angefangen, ist<br />
das Objektiv vor allem für die Architekturftografie sehr<br />
gut geeignet, wenn man einen Rahmen aus kurzer<br />
Entfernung mit einem Gebäude füllen will. Weitwinkel<br />
von 20-28 Millimetern sind ideal für Landschafts- und<br />
Reisefotografen. Der Gebrauch in Verbindung mit<br />
Kameras, die einen APS-C-Sensor besitzen, ist hingegen<br />
sehr eingeschränkt. Zudem wird diese Reichweite auch<br />
von Objektiven der Standardausrüstung abgedeckt.<br />
Reine Digitalobjektive<br />
Wenn Sie ein Objektiv suchen, überprüfen<br />
Sie stets, ob es nur für Digitalkameras in<br />
Verbindung mit Vollformat- oder auch für<br />
solche mit APS-C/Four-Third-Sensoren<br />
geeignet ist. Die Vollformat-Objektive sind<br />
normalerweise teurer, diejenigen für den<br />
rein digitalen Gebrauch sind auf Sensoren<br />
angepasst. Wenn Sie eine digitale<br />
Spiegelreflexkamera mit APS-C- oder<br />
kleinerem Sensor benutzen und nicht damit<br />
liebäugeln, sich eine Vollformat-<br />
Digitalkamera zuzulegen, kaufen Sie sich<br />
ein reine Digitalobjektive, wie zum Beispiel<br />
die Canon EF-S- oder die DX-Modelle von<br />
Nikon.<br />
Warum sollte ich ein Weitwinkelobjektiv benutzen?<br />
Wollten Sie schon mal ein Objekt oder eine Szene fotografieren und mussten erkennen, dass nicht alles in den<br />
Rahmen passt? Wenn ja, brauchen Sie ein Weitwinkel-Objektiv. Mit einer Tiefenschärfe, die um einiges weiter<br />
reicht als das menschliche Auge, bietet es die perfekte Optik, um Aussichten festzuhalten oder große Objekte in<br />
den Rahmen zu bringen. Ein solches Objektiv verzerrt die Abbildung konstruktionsbedingt. Doch wenn Sie<br />
wissen, was Sie erwarten dürfen und wie Sie kreativ damit umgehen können, gelingen Ihnen Aufnahmen, die<br />
mit keinem anderen Objektiv möglich sind.<br />
Brennweiten verstehen: Weitwinkelobjektiv<br />
Die auf einem Objektiv angegebene Brennweite bezieht sich meistens auf Kameras, die ein 35-Millimeter-<br />
Film- oder ein Vollformat-Objektiv verwenden. Wenn Ihre Kamera einen Sensor der Größe APS-C besitzt, dann<br />
schneiden Sie das Bild letzten Endes aus und geben ihm den Effekt eines Objektivs mit längerer Brennweite<br />
auf einem Vollformat-Sensor. Die untenstehende Tabelle zeigt bekannte Weitwinkel-Objektive und wie sich<br />
deren effektive Brennweite ändert, wenn sie in Verbindung mit Digitalkameras verwendet werden.<br />
Brennweite<br />
Kameras<br />
bei Objektiv Vollformat APS-H APS-C APS-C (Canon) Four-Thirds<br />
1x 1.3x 1.5x 1.6x 2x<br />
8 mm 8 mm 10 mm 12 mm 13 mm 16 mm<br />
14 mm 14 mm 18 mm 21mm 22 mm 28 mm<br />
15 mm 15 mm 19 mm 22 mm 23 mm 30 mm<br />
20 mm 20 mm 26 mm 30 mm 32 mm 40 mm<br />
24 mm 24 mm 31 mm 36 mm 38 mm 48 mm<br />
28 mm 28 mm 36 mm 42 mm 45 mm 56 mm<br />
10-17 mm 10-17 mm 13-22 mm 15-25 mm 16-27 mm 20-34 mm<br />
10-20 mm 10-20 mm 13-26 mm 15-30 mm 16-32 mm 20-40 mm<br />
10-22 mm 10-22 mm 13-29 mm 15-33 mm 16-35 mm 20-44 mm<br />
11-18 mm 11-18 mm 14-23 mm 16-27 mm 18-29 mm 22-36 mm<br />
12-24 mm 12-24 mm 16-31 mm 18-36 mm 19-38 mm 24-48 mm<br />
16-35 mm 16-35 mm 21-45 mm 24-53 mm 26-56 mm 32-70 mm<br />
17-35 mm 17-35 mm 22-45 mm 25-53 mm 27-56 mm 34-70 mm<br />
17-40 mm 17-40 mm 22-52 mm 25-60 mm 27-56 mm 34-80 mm<br />
MATT WHORLOW<br />
Wenn Sie ein 180-Grad-Fisheye benutzen,<br />
mü sen Sie aufpa sen, da s Ihre Füße nicht<br />
im Bild sind. Lehnen Sie sich leicht nach<br />
vorne, um das zu vermeiden<br />
Passen Sie auf Ihre Füße auf!<br />
144 Die richtige Fotoausrüstung EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
1<br />
4<br />
3<br />
2<br />
6<br />
5<br />
So benutzen Sie die graue/weiße Karte zur<br />
Belichtungsmessung und zum Weißabgleich<br />
DIGITALKAMERAS GREIFEN AUF recht komplizierte Belichtungsmessverfahren<br />
zurück, um unterschiedlichen Lichtverhältnissen gerecht werden zu können.<br />
Diese Verfahren gehen jedoch alle von der Annahme aus, dass der gemessene<br />
Bereich ein mittlerer Farbton ist, 18 Prozent Grau, um genau zu sein. Das ist der<br />
Farbton, der sich ergibt, würde man alle dunklen, hellen und mittleren Farbtöne<br />
vermischen. Er ist die Basis aller Messmethoden, und diese funktionieren<br />
überraschend gut. Doch bei Szenen, die insgesamt wesentlich heller oder<br />
dunkler als der Durchschnitt sind, kann das Meßsystem der Kamera dazu<br />
„verleitet“ werden, über- oder unterzubelichten, weil sich für solche Szenen ein<br />
anderer Mittelwert als 18 Prozent ergibt.<br />
Da die Kamerameßsysteme jedoch auf die 18 Prozent kalibriert<br />
sind, müssen Sie die Belichtungsmessungen entsprechend den real<br />
herrschenden Bedingungen anpassen. Das geschieht entweder durch die<br />
Belichtungskompensation, den AE-Lock Knopf oder durch Messen eines<br />
Bereichs der Szene, der einen mittleren Farbton, idealerweise 18 Prozent<br />
Grau, aufweist. Und nun, Sie ahnen es bereits, kommt unsere graue Karte ins<br />
Spiel. Sie ist ganz einfach zu benutzen: Entscheidend ist, dass Sie sie in einem<br />
Bereich platzieren, der sehr ähnlich beleuchtet ist, wie das zu fotografierende<br />
Motiv. Legen Sie sie also nicht in den Schatten, wenn Ihr Motiv sich im<br />
grellen Sonnenlicht befindet. Achten Sie außerdem darauf, dass die Karte den<br />
Messbereich ausfüllt, deshalb sollten Sie hier zur Punktmessung greifen.<br />
Nun können sie entweder die Belichtung mit der AE-Lock Funktion der Kamera<br />
speichern, oder Sie merken sich die gemessenen Werte, schalten auf manuellen<br />
Betrieb und stellen diese Werte von Hand ein. Wenn das Licht sich jedoch<br />
ständig ändert, durch vorüberziehende Wolken beispielsweise, ist die manuelle<br />
Methode ungeeignet. Auf der Karte sind Referenzlinien für den Autofokus<br />
aufgedruckt, damit die Kamera das Objektiv leichter darauf fokussieren kann.<br />
Die Scharfeinstellung muss jedoch nicht absolut korrekt sein. Graue und<br />
weiße Karte können beide auch verwendet werden, um einen den aktuellen<br />
Lichtverhältnissen genau angepassten Weißabgleich durchzuführen.<br />
Szenen mit starkem Gegenlicht können zu Belichtungsfehlern führen. Wenn Sie eine graue Karte benutzen, umgehen Sie<br />
dieses Problem. Die 18-Prozent-Graukarte ist ein Hilfsmittel zur richtigen Belichtung. Beide Karten können auch zum<br />
Einstellen eines situationsbezogenen Weißabgleichs eingesetzt werden. Wie auf den Karten gemessen wird, hängt von<br />
Ihrer Kamera ab – dies müssen Sie also im Handbuch nachschlagen.<br />
1 EINSTIEG:<br />
Wenn Sie Porträts bei Gegenlicht fotografieren,<br />
geben Sie der Person die graue Karte in die Hand und<br />
bitten Sie sie, die Karte möglichst senkrecht in<br />
Richtung Kamera zu halten.<br />
2 MESSEN SIE DIE BELICHTUNG<br />
Achten Sie darauf, dass der Messbereich von der<br />
grauen Karte ausgefüllt ist. Wir haben in diesem Fall<br />
zur Punktmessung gegriffen. Speichern Sie die<br />
Belichtung mit der AE-Lock Funktion.<br />
3 BILDKOMPOSITION UND SCHUSS<br />
Mit den gespeicherten Belichtungsmessdaten<br />
machen Sie nun Ihre Bildkomposition und lösen aus.<br />
Wenn Sie die Belichtung nun auf dem Monitor der<br />
Kamera überprüfen, sollte sie genau richtig sein.<br />
BJORN THOMASSEN<br />
Perfekte Messungen<br />
Szenen mit starkem Gegenlicht<br />
können zu Belichtungsfehlern<br />
führen. Wenn Sie eine graue Karte<br />
benutzen, umgehen Sie dieses<br />
Problem.<br />
Ob Sie die graue Karte benutzen oder nicht: Unter<br />
problematischen Lichtverhältni sen ist es ratsam,<br />
eine Belichtungsreihe aus Einzelbildern zu<br />
schießen, die die Belichtungsko rektur oder die<br />
AEB-Funktion der Kamera mit einem Interva l von<br />
+/-1 Schri t verwendet. So können Sie sicher sein,<br />
da s wenigstens eine der Aufnahmen richtig<br />
belichtet wird.<br />
Belichtungsreihen schießen<br />
162 Richtig belichten EINSTIEG IN DIE DIGITALFOTOGRAFIE<br />
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Tipps für Landschaften, Wildlife,<br />
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Die Ausrüstung<br />
Passende Objektive und die richtige<br />
Beleuchtung machen Sie kreativ<br />
Karten zum Weißabgleich<br />
Garantiert immer perfekte Belichtung<br />
mit der grauen und weißen Karte<br />
Die Kamera im Griff<br />
Großartige Bilder mit jeder<br />
Spiegelreflex- und Systemkamera<br />
Die Grundlagen<br />
Erfahren Sie, wie Sie jederzeit<br />
Top-Fotos machen<br />
Beherrschen Sie das Licht<br />
Steuern Sie die Beleuchtung<br />
für ganz besondere Porträts<br />
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