STRASSENBAHN MAGAZIN Dortmunds Straßenbahn (Vorschau)
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Betriebe<br />
Fahrzeuge<br />
Geschichte<br />
Einmalig: Die Karlsruher<br />
Schulstraßenbahn-Linien<br />
Einst bis Unna, Schwerte und Castrop-Rauxel:<br />
<strong>Dortmunds</strong> <strong>Straßenbahn</strong><br />
Jenas schönste<br />
Linie im Porträt<br />
Jena: Entlang der Saale<br />
im Schatten der Kernberge<br />
Augsburg: Erinnerungen an<br />
die legendären Fünfachser<br />
Dresden – Freital: Abschied<br />
von der Tram vor 40 Jahren
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1
Einsteigen, bitte …<br />
Wo bleibt die Weitsicht?<br />
Stimmen Sie ab<br />
BBekannt ist es seit langem, doch die<br />
Bremer <strong>Straßenbahn</strong> AG (BSAG)<br />
hoffte bisher, die Probleme in den<br />
Griff zu bekommen: Bremens erste<br />
Niederflurwagen, die 77 von 1993 bis<br />
1996 gelieferten GT8N, sind zunehmend<br />
reparaturanfällig. Weitere Mitarbeiter und<br />
zusätzliche Arbeitsstunden in der Werkstatt<br />
sollten helfen, die Lage zu entschärfen.<br />
Doch Anfang Mai kam es zum akuten Engpass:<br />
Anstatt der notwendigen 102 standen<br />
der BSAG lediglich 96 bis 98 Wagen zur<br />
Verfügung; Leihfahrzeuge aus anderen<br />
Städten waren nicht beschaffbar. So hat das<br />
Unternehmen den Fahrplan eingeschränkt.<br />
Betroffen sind die Linien 1E, 1S, 3S, 4, 6E,<br />
8 und 10E. Per Telefon-Kundenservice sowie<br />
unter www.bsag.de informiert die<br />
BSAG über aktuell ausfallende Fahrten.<br />
Eine kurzfristige Beilegung des Problems<br />
scheint nicht in Sicht, noch im kommenden<br />
Winter werden voraussichtlich Busse<br />
statt <strong>Straßenbahn</strong>en verkehren. „Indes<br />
prüft die BSAG alle Möglichkeiten für<br />
Sollten Betriebe grundsätzlich eine Reserve an<br />
<strong>Straßenbahn</strong>wagen für unvorhergesehene Fälle unterhalten?<br />
• ja, die Betriebe sollten zumindest eine gewisse Anzahl älterer<br />
<strong>Straßenbahn</strong>fahrzeuge als Reserve vorhalten<br />
• ja, aber auch diese Reserve muss unbedingt aus modernen und<br />
zeitgemäßen Fahrzeugen bestehen<br />
• nein, das ist betriebswirtschaftlich nicht vertretbar. Bei Engpässen<br />
ist ein Ersatzverkehr mit angemieteten Bussen sinnvoller<br />
Stimmen Sie online ab: www.strassenbahn-magazin.de<br />
Fahrzeugneubeschaffung und Sanierungsansätze<br />
der GT8N“, endet ein Bericht von<br />
Andreas Mausolf an unsere Redaktion.<br />
Ortswechsel nach Berlin: Wie im letzten<br />
Heft auf Seite 10 berichtet, beschloss das<br />
Abgeordnetenhaus im Dezember 2013<br />
höhere Zahlungen an die BVG. Seit Ostern<br />
rollen mehr <strong>Straßenbahn</strong>en – so die<br />
Theorie. Denn auf diese Ausweitung des<br />
Betriebes war die BVG angeblich nicht<br />
vorbereitet. Da der Ende April vorhandene<br />
<strong>Straßenbahn</strong>wagenpark für die zahlreichen<br />
neuen Kurse nicht ausreichte, kaufte<br />
das Unternehmen elf gebrauchte Busse aus<br />
Amsterdam sowie vier Mercedes-Benz<br />
Citaro G aus Stuttgart.<br />
Für mich stellt das selbstgemachtes<br />
Leid und einen Skandal zugleich dar:<br />
Denn beide Verkehrsgesellschaften – die<br />
BSAG Wegmann-Züge, die BVG Tatras –<br />
nach deren Fristablauf ins Ausland verkauft.<br />
Andere Betriebe haben die Weitsicht<br />
– und das Durchsetzungsvermögen gegenüber<br />
technisch unbedarften Betriebswirten<br />
–, sich einen Reservepark vorzuhalten.<br />
Das ist das Normalste auf der Welt und<br />
vielfach gelebter Alltag. Dass die BVG jetzt<br />
15 Jahre alte Dieselbusse anmietet,<br />
ist finanziell mindestens<br />
fragwürdig und umweltpolitisch<br />
ein Witz. Oder wollten<br />
die Verantwortlichen mit ihrem<br />
Vorgehen etwa nur die Politiker<br />
aufrütteln, damit der Weg<br />
für neue Gelder frei wird?<br />
Was, liebe Leser, meinen Sie?<br />
Da fällt einem das<br />
Dach auf den Kopf?<br />
Anstatt Tramwagen<br />
mit abgelaufenen<br />
Fristen als Reserve<br />
vorzuhalten, verkauften<br />
Bremen und Berlin<br />
bis vor kurzen<br />
ihre Altwagen. Nun<br />
waren sie gezwungen,<br />
ersatzweise<br />
Gebrauchtbusse<br />
zu akquirieren.<br />
Am 23. Mai begegnete<br />
der Flexity 4016<br />
in Berlin-Pankow<br />
einem solchen im<br />
SEV eingesetzten<br />
Bus aus Amsterdam<br />
BODO SCHULZ<br />
André<br />
Marks<br />
Verantwortlicher<br />
Redakteur<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014<br />
3
Inhalt<br />
TITEL<br />
Einstmals bis Castrop-Rauxel, Schwerte und Unna: Die <strong>Straßenbahn</strong> in Dortmund . . . . . 16<br />
Betriebe<br />
TITEL<br />
Im Schatten des „U“ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 16<br />
Die <strong>Straßenbahn</strong> in Dortmund – Drei Betriebe auf getrennten<br />
Netzen prägten die Anfangs jahre der elektrischen <strong>Straßenbahn</strong> in Dortmund.<br />
Durch die schrittweise Vereinigung entstand ein Netz mit Ästen<br />
in die Nachbarstädte Unna, Castrop-Rauxel und Schwerte. Seit 2008<br />
spielt sich der Stadtbahnbetrieb in der City komplett im Untergrund ab<br />
Vor einem Neustart? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 29<br />
Braunschweigs Ausbau pläne erleben Neuauflage – Die Stadt<br />
Braunschweig bekommt dieser Tage einen neuen Oberbürgermeister<br />
und die Braunschweiger Verkehrs-AG einen neuen Chef. Auch sonst<br />
scheint in der Stadt wieder Bewegung in den <strong>Straßenbahn</strong>ausbau zu<br />
kommen<br />
Titelmotiv<br />
1992 trugen viele GT8 in<br />
Dortmund noch die braun/<br />
beige Lackierung, so auch<br />
Tw 8, der hier bei Scharnhorst<br />
unterwegs war<br />
GROSSES BILD: CHRISTIAN WENGER;<br />
KL. BILD OBEN LINKS: ULLRICH MÜLLER<br />
KL. BILDER UNTEN : RONALD GLEMBOTZKY,<br />
STEFAN HINDER, WOLFGANG NITZSCHE (V.L.N.R.)<br />
Für Erwachsene verboten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 32<br />
Die Schulstraßenbahnlinien in<br />
Karlsruhe – Sie sind in Deutschland<br />
einmalig – die drei nur für die Mädchen<br />
und Jungen der Europäischen<br />
Schule verkehrenden Tramlinien der<br />
VBK. Auch die dafür ein ge setzten<br />
Triebwagen sind etwas Besonderes<br />
Brückenschlag nach Lobeda . . . . . . . . . . . . . . . . . 36<br />
Jenas Linie 3 im Porträt – Nach Inbetriebnahme mehrerer Neubauabschnitte<br />
bietet die Linie 3 heute eine moderne Nahverkehrsverbindung<br />
zwischen Jena-Ost und Lobeda-Ost im Süden der Stadt. Zu den<br />
Besonderheiten zählt dabei nicht nur eine Häuserdurchfahrt …<br />
RUBRIKEN<br />
„Einsteigen, bitte ...“ . . . . . 3<br />
Bild des Monats. . . . . . . . . . 6<br />
Journal. . . . . . . . . . . . . . . . . . 8<br />
Nächster Halt. . . . . . . . . . . . 43<br />
Einst & Jetzt. . . . . . . . . . . . . 58<br />
TITEL<br />
TITEL<br />
Fundstück des Monats . . . . 73<br />
Forum, Impressum. . . . . . . . 78<br />
<strong>Vorschau</strong> . . . . . . . . . . . . . . . 82<br />
„Ende gut ...“ . . . . . . . . . . . 82<br />
Das besondere Bild . . . . . . . 83<br />
4 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014<br />
Neuauflage für Braunschweigs Ausbaupläne? 29 Aus vor 40 Jahren: Tram im Plauenschen Grund 60<br />
Ein Tramino im Saaletal: Jenas Linie 3 im Porträt 36 Crich: Reise in die <strong>Straßenbahn</strong>-Vergangheit 64<br />
Fahrzeuge<br />
Geschichte<br />
Zwei Karpfen als Basis. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 44<br />
Der Be 6/6 Nr. 1701 (1802) der Verkehrsbetriebe der Stadt Zürich<br />
– Er war der erste Gelenktramwagen in der Schweiz – technisch<br />
basierte er dabei auf den Großraumwagen-artigen Be 4/4 Nr. 1416 bis<br />
1430. Doch welche Veränderungen erfuhr das Einzelstück in seiner Heimatstadt<br />
und wo ist er heute?<br />
Fenster in Vergangenheit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 48<br />
Nürnbergs Pferdebahnwagen 11 restauriert – Er ist das älteste<br />
Fahrzeug in der Sammlung des Historischen <strong>Straßenbahn</strong>depots<br />
St. Peter in Nürnberg und zugleich der älteste <strong>Straßenbahn</strong>wagen in<br />
Süddeutschland. Aber was macht seine Aufarbeitung so besonders?<br />
Nicht nur anders lackiert . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 52<br />
B-Wagen: Zweite Generation in<br />
Essen und Mülheim – Die durch<br />
Streckenerweiterung notwendige<br />
Aufstockung des Fahrzeugbestandes<br />
führte auch im Bereich Essen/<br />
Mülheim an der Ruhr zu Neubeschaffungen.<br />
Doch welche Wege<br />
gingen die beiden Betreibergesellschaften<br />
dabei technisch?<br />
TITEL<br />
Ende für Parallelverkehr. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 60<br />
1974: „Aus“ für Dresdens Linie 3 nach Freital – Vor 40 Jahren<br />
fuhr die letzte <strong>Straßenbahn</strong> in die westliche Nachbarstadt Dresdens.<br />
Per Zeitmaschine in die Vergangenheit . . 64<br />
Die „living history“-Tage im <strong>Straßenbahn</strong>museum Crich – Seit<br />
30 Jahren findet in England jeden Sommer das „Edwardian Weekend“<br />
statt. Dann versetzt das Nationale <strong>Straßenbahn</strong>museum in Crich die<br />
Besucher in die Zeit nach 1900 zurück. Eine Reise in die Vergangenheit<br />
TITEL<br />
Auf Fotopirsch nach GT5 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 68<br />
Die Augsburger <strong>Straßenbahn</strong> vor 20 Jahren – Im März 1994<br />
dokumentierte ein Oldenburger Nahverkehrsfreund den Trambetrieb der<br />
Fuggerstadt. Sein Hauptinteresse galt den legendären Fünfachsern<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> im Modell<br />
Minitram groß im Möbelhaus . . . . . . . . . . . . 74<br />
Die elfte Ausgabe der Modellstraßenbahn-Ausstellung „Kleine Bahn<br />
ganz groß“ fand am 17./18. Mai 2014 im sächsischen Plauen statt<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014<br />
5
Bild des Monats<br />
6<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014
Bild des Monats<br />
Bild des Monats<br />
Sommer, Sonne, Strand – das ist in Belgien auch mit der <strong>Straßenbahn</strong> erlebbar!<br />
Entlang der gesamten Nordseeküste Belgiens – von Knokke bis de Panne – fährt<br />
die flämische Nahverkehrsgesellschaft „de Lijn“ während der Urlaubssaison<br />
im dichten Takt. Dabei kommen leihweise sogar Fahrzeuge aus Gent und Antwerpen<br />
regelmäßig zum Einsatz.<br />
So verwundert es nicht, dass Michael Beitelsmann an einem schönen Sommertag<br />
im Juli 2013 den Genter Hermelijn-Wagen 6337 im Badeort de Haan<br />
(auf französisch: Coq-sur-Mer) antraf. Das Empfangsgebäude der früheren<br />
Kleinbahngesellschaft strahlt wie die umliegenden Häuser noch das Flair des<br />
„Fin-de-siècle“ aus, als es den vornehmen und begüterten Belgiern vorbehalten<br />
war, hier ihre freie Zeit zu verbringen.<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014 7
Meldungen aus Deutschland,<br />
aus der Industrie und aus aller Welt<br />
Nach einer Probefahrt durch Schwabing kehrt T1.6-Wagen 2804<br />
am 19. Mai über den Karolinenplatz zurück in die Innenstadt und<br />
ist dabei mit zahlreichen Messeinrichtungen versehen<br />
ONLINE-UMFRAGE<br />
Tram als Thema für<br />
Wahlkampf akzeptiert<br />
Im Heft 6/14 fragten wir die Leser,<br />
ob der Bau von Straßen- und Stadtbahnen<br />
ein Wahlkampfthema sein sollte.<br />
Mit 68,4 Prozent sprachen sich<br />
mehr als die absolute Mehrheit der an<br />
der Umfrage teilnehmenden Leser dafür<br />
aus – sie pflichteten der Aussage<br />
zu: „Ja, das erhöht die Chance, ihren<br />
Bau zu verwirklichen.“<br />
Etwa ein Zehntel der Teilnehmer –<br />
10,6 Prozent – haben gegenteilige<br />
Erfahrungen gesammelt. Sie stimmten<br />
für „Nein, Wahlkampfversprechen<br />
werden fast nie umgesetzt.“ Die üb -<br />
rigen 21 Prozent der Leser votierten<br />
für die dritte Meinung „Ob Thema<br />
oder nicht, Wahlkämpfe und Absichtserklärungen<br />
spielen für die Verwirklichung<br />
überhaupt keine Rolle.“ SM<br />
Zulassungsverzögerungen beim Avenio und C2-Zug – Ausschreibung für Tram-Doppeltraktionen<br />
München wartet auf neue Tram- und U-Bahnen<br />
Die Stadtwerke München (SWM/<br />
MVG) begannen Mitte Mai den europaweiten<br />
Ausschreibungsprozess für<br />
weitere neue <strong>Straßenbahn</strong>züge. Voraussetzung<br />
dazu ist das Präqualifikationsverfahren,<br />
mit dem SWM/MVG<br />
interessierte Hersteller ermitteln. Anschließend<br />
erfolgt die eigentliche Ausschreibung.<br />
Anlass der Beschaffungspläne<br />
ist die erwartete weitere<br />
Steigerung des Fahrgastaufkommens<br />
auf den drei hoch frequentierten Streckenabschnitten<br />
Hauptbahnhof –<br />
Westfriedhof (Linien 20/21), Hauptbahnhof<br />
– Romanplatz (Linien 16/17)<br />
und Max-Weber-Platz – St. Emmeram<br />
(Linie 16). Dort lassen vorgesehene<br />
städtebauliche Maßnahmen einen<br />
überproportionalen Fahrgastzuwachs<br />
erkennen. Da die Verkehrsgesellschaft<br />
diese Strecken bereits heute im dichten<br />
Takt bedient, ist eine weitere Kapazitätserhöhung<br />
nur mittels größerer<br />
Fahrzeuge zu gewährleisten.<br />
MVG-Chef Herbert König möchte dazu<br />
auf den Linien 20 und 21 erstmals bis<br />
zu 48 Meter lange Doppeltraktionszüge<br />
einsetzen, das sind selbst gegenüber<br />
den neuen Avenios bis zu elf Meter<br />
längere Garnituren.<br />
Doppeltraktionen mit<br />
Kapazität für 270 Fahrgäste<br />
Die Kapazität pro Zugverband würde<br />
damit von bisher etwa 220 Fahrgästen<br />
auf rund 270 Fahrgäste wachsen. In<br />
Schwachlastzeiten könnte ein Wagen<br />
solo verkehren und so Energie und<br />
Wartungskosten sparen. Außerdem<br />
müssten die Werkstätten nicht aufwändig<br />
für längere Züge adaptiert<br />
werden. Als weiteren Vorteil hebt die<br />
MVG hervor, dass während des rund<br />
30-jährigen Einsatzzeitraums der Fahrzeuge<br />
besser auf Änderungen des<br />
Fahrgastaufkommens reagiert werden<br />
könne, da mit den kürzeren Wagen<br />
auch andere Betriebsformen flexibel<br />
realisierbar seien.<br />
Geplant ist der Einsatz von zunächst<br />
sechs Doppeltraktionen für die<br />
Linien 20 und 21. Die dort frei werdenden<br />
34 Meter langen Züge sowie<br />
weitere vier Wagen dieser Länge, die<br />
die SWM/MVG ebenfalls neu beschaffen,<br />
werden dann auf der Linie 16 zwischen<br />
St. Emmeram und Romanplatz<br />
eingesetzt. Dort verkehren bisher kleinere,<br />
27 Meter lange R 2.2-Züge mit<br />
nur knapp 160 Plätzen. Im Gegenzug<br />
werden 13 ältere R 2.2 nicht mehr<br />
modernisiert, sondern bald nach Lieferung<br />
der neuen Züge abgestellt. Sollten<br />
alle Phasen nach europäischem<br />
Vergaberecht planmäßig verlaufen<br />
und die Finanzierung abschließend geklärt<br />
sein, könnte die Bestellung der<br />
insgesamt 13 neuen Züge noch Ende<br />
2014 erfolgen. Ein Einsatz ist abhängig<br />
von den angebotenen Lieferzeiten<br />
der Hersteller frühestens Ende 2017<br />
vorstellbar, bis dahin sind durch die<br />
MVG noch einzelne Haltestellen im<br />
Bereich der Linien 20/21 an die längeren<br />
Züge anzupassen.<br />
Zusammen mit dieser Festbestellung<br />
wollen SWM/MVG auch verschiedene<br />
Optionen ausschreiben, um zu<br />
einem späteren Zeitpunkt – je nach<br />
Bedarf – weitere neue Fahrzeuge abzurufen.<br />
Das Ziel der Münchner Verkehrsgesellschaft<br />
ist es dabei, von den potenziellen<br />
Herstellern ein Modulkonzept<br />
8<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014
Deutschland<br />
Innerhalb von drei Einsatztagen hat der Avenio-Wagen 2804 (in München<br />
Typ T) im gesamten Streckennetz Profilfahrten unternommen. Am 20. Mai<br />
nähert er sich, vom Herkomerplatz kommend, soeben der Wendeschleife<br />
am Effnerplatz im Münchner Stadtteil Bogenhausen FREDERIK BUCHLEITNER (2)<br />
Ähnlich ist die Situation bei den neuen<br />
U-Bahnen vom Typ C2. Auch für<br />
diese lag die Zulassung der Bezirksregierung<br />
zu Redaktionsschluss noch<br />
nicht vor, wird aber für den Sommer<br />
erwartet. Unterdessen haben die C2-<br />
Züge vor ihrem ersten Linieneinsatz<br />
bereits 2013 schon insgesamt drei<br />
Design-Preise gewonnen: Den „Design<br />
Consumer Favorite“, den „Universal<br />
Design Award“ und den „Red<br />
Dot Award Product Design“. Sieben<br />
der 21 neuen sechsteiligen Gliederzüangeboten<br />
zu kommen, mit dem bedarfsabhängig<br />
unterschiedliche Fahrzeuglängen<br />
mit weitgehend gleicher<br />
technischer Konzeption möglich sind.<br />
Dies soll vor allem Ersatzteilvorhaltung<br />
und Zulassungsprozesse wirtschaftlicher<br />
gestalten.<br />
Avenio noch nicht auf Linie<br />
Unterdessen konnte die MVG Anfang<br />
auch Anfang Juni 2014 ihre neuen<br />
Avenio-Züge noch immer nicht im Linienverkehr<br />
einsetzen. Ursprünglich<br />
sollten die knapp 37 Meter langen,<br />
intern als Typ T bezeichneten Wagen<br />
bereits ab Dezember 2013 im Einsatz<br />
stehen. Mittlerweile sind zwar alle<br />
acht Fahrzeuge in München, allerdings<br />
führte der Hersteller im Frühjahr<br />
noch technische Optimierungen<br />
an einzelnen Bauteilen und Softwareanpassungen<br />
durch. Die daraus resultierenden<br />
Überarbeitungen in den Zulassungsunterlagen<br />
und der<br />
Fahrzeugdokumentation führten zu<br />
Verzögerungen bei der Inbetriebsetzung.<br />
Bislang steht die Zulassung der<br />
Fahrzeuge durch die Regierung von<br />
Oberbayern noch aus.<br />
Die acht für insgesamt 29 Millionen<br />
Euro von Siemens gelieferten<br />
Avenios unternahmen im Mai noch<br />
Inbetriebsetzungs- und Zulassungsfahrten<br />
im gesamten Münchner Tramnetz,<br />
die insgesamt sehr positiv verliefen.<br />
Eine Zulassung in diesem<br />
Sommer ist wahrscheinlich. Bis dahin<br />
sind die im Rahmen der „Fahrplanstufe<br />
3“ für die morgendliche Hauptverkehrszeit<br />
angekündigten Verbesserungen<br />
auf der Linie 28 zwischen<br />
Scheidplatz und Sendlinger Tor zunächst<br />
ausgesetzt. Bis auf weiteres kommen<br />
die P-Wagen zur teilweisen Kompensation<br />
der noch nicht einsatzbereiten Avenios<br />
auf der Linie 21/22 zum Einsatz.<br />
U-Bahn Typ C2<br />
vor der Zulassung<br />
ge sollen zur Taktverdichtung beitragen.<br />
Die restlichen 14 werden die 40<br />
Jahre alten U-Bahnen vom Typ A ersetzen.<br />
Die MVG will mit den ersten<br />
C2 zunächst den Zwei-Minuten-Takt<br />
auf der Linie U2 einführen. Hier sei<br />
der Bedarf besonders groß. MSP<br />
Bremen<br />
Linie 4 ab August<br />
nach Falkenberg<br />
Der 5,5 Kilometer lange und überwiegend<br />
zweigleisig ausgeführte dritte<br />
Bauabschnitt der Linie 4 von der<br />
heutigen Endstelle in Borgfeld über<br />
die Landesgrenze durch das niedersächsische<br />
Lilienthal bis Falkenberg<br />
wird am 1. August eröffnet. Nach der<br />
Insolvenz des bauenden Unternehmens<br />
im Herbst 2013 ruhten die Arbeiten<br />
zunächst, bis eine Neuausschreibung<br />
im beschleunigten<br />
Verfahren den Weiterbau gestattete.<br />
Die Verzögerung verursachte allerdings<br />
Mehrkosten: Waren ursprünglich<br />
56 Millionen Euro veranschlagt,<br />
summieren sich die Kosten inzwischen<br />
auf 64 Millionen Euro. Auch bei<br />
dem kurzen Teil auf bremischen Gebiet<br />
trat eine Kostensteigerung um<br />
850.000 Euro ein. Ende Mai waren<br />
die Arbeiten bis auf die Fahrleitung in<br />
Falkenberg und Maßnahmen an den<br />
Nebenanlagen bereits weitgehend<br />
abgeschlossen. AMA<br />
Krefeld<br />
Betriebshof<br />
„Open-Air“<br />
Im Mai mussten die SWK mobil in<br />
Krefeld ihren <strong>Straßenbahn</strong>-Betriebshof<br />
für zehn Tage fast komplett aus -<br />
lagern. Wegen umfangreichen Gleisbauarbeiten<br />
in der Innenstadt<br />
konnten die Wagen den Betriebshof<br />
auf dem Schienenweg nicht erreichen.<br />
Insgesamt stationierte SWK mobil<br />
deshalb etwa 30 <strong>Straßenbahn</strong>en „außer<br />
Haus“ auf die im vergangenen<br />
Am Abend des 18. Mai übernachtete 127 001 mit der nagelneuen Siemens U-Bahn 6702/7702/7802-8102 des<br />
Typs C2 für München im Güterbahnhof von Aschaffenburg<br />
MICHAEL MANN<br />
Mülheim<br />
Wegen Modernisierungsarbeiten<br />
hat die Mülheimer Verkehrsgesellschaft<br />
(MVG) eine der wichtigsten<br />
Stationen entlang der U18<br />
außer Betrieb genommen. Seit 17.<br />
Mai durchfahren alle Züge die<br />
Haltestelle „Rhein-Ruhr-Zentrum“<br />
ohne Halt. Tausende Besucher, die<br />
das Einkaufszentrum jeden Tag<br />
mit der Bahn erreichen, müssen<br />
deshalb einen Shuttlebus nutzen.<br />
Bis Anfang September bekommt<br />
die Haltestelle inmitten der Autobahn<br />
A40 einen Aufzug, verbesserten<br />
Lärmschutz und eine komplett<br />
neue Überdachung. Die<br />
Baukosten betragen rund 4,7 Millionen<br />
Euro.<br />
CLÜ<br />
Chemnitz<br />
Schon im Februar 2013 gingen<br />
die „<strong>Straßenbahn</strong>steige“ im<br />
Haupt bahnhof zunächst als<br />
Stumpfgleise in Betrieb. Voraussichtlich<br />
ab 16. Juni 2014 ist eine<br />
wichtige Etappe des Umbaus am<br />
Chemnitzer Hauptbahnhof vollendet<br />
und <strong>Straßenbahn</strong>en können<br />
die Bahnhofshalle durchfahren. Ab<br />
diesem Zeitpunkt soll dann die Linie<br />
4 anstelle der Linie 2 zum<br />
Hauptbahnhof verkehren. Seit 8.<br />
Mai enden die <strong>Straßenbahn</strong>linien<br />
2, 6 und die City-Bahn-Linie 522<br />
übergangsweise am Bahnhofsvorplatz,<br />
um die restlichen Arbeiten<br />
für die <strong>Straßenbahn</strong>-Durchbindung<br />
zu vollenden.<br />
MSP<br />
Ulm<br />
Baden-Württemberg hat im<br />
Mai den Antrag zum Bau der Linie<br />
2 zwischen Wissenschaftsstadt<br />
und Kuhberg beim Bund zur Förderung<br />
eingereicht. Nachdem die<br />
Landesbehörden Förderfähigkeit<br />
bescheinigten, prüft nun das Bundesministerium<br />
für Verkehr und digitale<br />
Infrastruktur (BMVI) die<br />
Aufnahme ins GVFG-Programm.<br />
Im Rahmen des GVFG kann der<br />
Bund bis zu 60 Prozent der zuwendungsfähigen<br />
Kosten tragen,<br />
gleichzeitig beteiligt sich das Bundesland<br />
mit bis zu 20 Prozent. Die<br />
Investitionen betragen rund 155<br />
Millionen Euro, davon sind voraussichtlich<br />
etwa 112 Millionen<br />
Euro zuwendungsfähig. MSP<br />
rz gemeldet kurz gemeldet kurz gemeldet kurz gemeldet kurz gemeldet kurz gemeldet kurz gemeldet<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014<br />
9
Aktuell<br />
Halle: Neue Klimamesseinrichtungen tragen seit Mai drei HAVAG-<strong>Straßenbahn</strong>en,<br />
hier eine Detailansicht der Fahrzeugfront STADTWERKE HALLE<br />
Krefeld: Im Mai verwandelte sich die 2013 vom Linienverkehr entbundene<br />
Tackheide-Strecke für zehn Tage zum „Betriebshof“<br />
CHRISTIAN LÜCKER<br />
Jahr aufgelassene, einen Kilometer<br />
lange Strecke zur Tackheide. Von dort<br />
aus hielt das Unternehmen auf den<br />
erreichbaren Streckenästen den <strong>Straßenbahn</strong>betrieb<br />
aufrecht. Während<br />
der nächtlichen Abstellung über mehrere<br />
hundert Meter Länge auf dem<br />
stadteinwärts führenden Gleis bewachte<br />
ein Sicherheitsdienst die Wagen.<br />
Im Bereich der Endschleife Tackheide<br />
hatten die SWK für den kurzen<br />
Zeitraum eine Notwerkstatt eingerichtet,<br />
um gegebenenfalls erforderliche<br />
kleine Reparaturen vorzunehmen.<br />
Dank des kurzen eingleisigen Abschnitts<br />
an der Wendeschleifenzufahrt<br />
konnten die Wagen bei Bedarf auch<br />
umrangiert und in geänderter Reihenfolge<br />
aufgestellt werden. Seit dem 19.<br />
Mai ist der eigentliche SWK-Betriebshof<br />
wieder erreichbar.<br />
CLÜ<br />
Darmstadt<br />
100 Jahre elektrisch<br />
nach Eberstadt<br />
Am 1. Mai 1914 nahm die zwei<br />
Jahre zuvor gegründete Hessische<br />
Eisenbahn-Aktiengesellschaft (HEAG)<br />
den elektrischen Betrieb in den südlichen<br />
Vorort Eberstadt auf. In Darmstadts<br />
Zentrum gab es bereits seit<br />
1897 elektrische <strong>Straßenbahn</strong>en, die<br />
Vorortstrecken bedienten jedoch bis<br />
1914 Dampfzüge. Die Linie nach<br />
Eberstadt erhielt eine Elektrifizierung<br />
mit 1.200 Volt Gleichstrom, wozu neben<br />
der ebenfalls neu errichteten Wagenhalle<br />
Eberstadt eine entsprechende<br />
Umformerstation entstand. Nur<br />
drei Monate später musste die HEAG<br />
ihre Fahrleitung zwischen Eberstadt<br />
Wartehalle und Friedhof wieder abbauen,<br />
denn das Kupfer benötigte die<br />
Industrie für kriegswichtige Zwecke.<br />
Erst nach dem Krieg setzte die HEAG<br />
die Elektrifizierung ihres Netzes fort.<br />
Die zwei Triebwagen 37 und 49 haben<br />
seitdem die Zeiten überdauert<br />
und stehen heute als historische<br />
Fahrzeuge im Depot Kranichstein.<br />
Auch Beiwagen 132 existiert noch<br />
und ist sogar betriebsfähig. Mit einem<br />
Zug aus Triebwagen 57 (ST 3,<br />
Baujahr 1926) und Beiwagen 132 bot<br />
HEAG mobilo zum 1. Mai 2014 Sonderfahrten<br />
aus Anlass des Jubiläums<br />
an; zusammen mit DWM-Gelenkwagen<br />
25 (1961) standen somit die drei<br />
ältesten betriebsfähigen Fahrzeuge<br />
von HEAG mobilo im Einsatz. JÖS<br />
Magdeburg<br />
Tatra-Verschrottung<br />
und Bauarbeiten<br />
Am 8. Mai verlud eine Spezialtransportfirma<br />
die T6A2-Wagen 1276<br />
bis 1279, 1284 1285 sowie die B6A2-<br />
Beiwagen 2143, 2145, 2146 und<br />
2148 der Magdeburger Verkehrsbetriebe<br />
(MVB) auf Tieflader und brachte<br />
sie zur Verschrottung. Zuvor demontierten<br />
die MVB-Mitarbeiter noch<br />
verschiedene Ersatzteile. Weiterhin<br />
zur betriebsfähigen Reserve gehören<br />
hingegen die beiden T6A2-Züge 1280<br />
+ 1281 + 2144 und 1282 +1283 +<br />
2147, die in Ausnahmefällen auch im<br />
Linienverkehr bei Mangel an Niederflurwagen<br />
aushelfen.<br />
Unterdessen haben am 16. Mai der<br />
Zoo Magdeburg und die MVB gemeinsam<br />
die für rund 800.000 Euro neu barrierefrei<br />
ausgebaute Haltestelle am Zoo<br />
offiziell für den Verkehr freigegeben.<br />
Aus Platzgründen ist hier kein eigener<br />
Bahnsteig möglich, daher entstand ein<br />
überfahrbares Cap mit angehobener<br />
Fahrbahn. Dank neuer Gleisplatten und<br />
der Sanierung des Straßenbelags im Bereich<br />
der neuen Haltestelle sinkt zugleich<br />
der Lärmpegel für die Anwohner.<br />
Ebenfalls beendet sind die Bauarbeiten<br />
in der Otto-von-Guericke-Straße, hier<br />
hat die MVB seit September 2013 die<br />
Gleis- und Fahrleitungsanlagen auf der<br />
im Abschnitt Danzstraße – Hasselbachstraße<br />
erneuert. Dabei bauten die MVB<br />
die Haltestelle „Verkehrsbetriebe“ mittels<br />
Bahnsteig barrierefrei aus und installierten<br />
elektronische Fahrgastinformationsanzeigen.<br />
Parallel führten die<br />
Bauunternehmen Fahrbahn- und Gehwegerneuerungen<br />
aus. Insgesamt kosteten<br />
die Arbeiten im genannten Abschnitt<br />
1,9 Millionen Euro. AXB/MSP<br />
Halle (Saale)<br />
Tram dem Klima<br />
auf der Spur<br />
An ihren Messfühlern über der<br />
Fahrerkabine sind sie zu erkennen:<br />
drei Wagen, die künftig bei ihren<br />
Linienfahrten durch die Saalestadt<br />
auch das Stadtklima überwachen.<br />
Seit 22. Mai sind die Trams im Rahmen<br />
eines in dieser Form bislang<br />
einmaligen Projektes im Einsatz, bei<br />
dem sie per GPS und speziellen Sensoren<br />
meteorologische Daten zur<br />
Lufttemperatur und relativen Feuchte<br />
sammeln.<br />
Sowohl Stadt als auch Stadtwerke<br />
Halle mit ihrem Tochterunternehmen<br />
HAVAG wirken als Projektpartner in<br />
dem vom Land Sachsen-Anhalt und<br />
dem Deutschen Wetterdienst (DWD)<br />
Darmstadt: Auf der in diesem Jahr<br />
100 Jahre alten Strecke nach Eberstadt<br />
entstand im Frühjahr diese<br />
Aufnahme des Tw 0788. Der aus<br />
historischen Wagen gebildete Sonderzug<br />
am 1. Mai 2014 verkehrte<br />
bei schlechtem Wetter JÖRN SCHRAMM<br />
10<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014
Deutschland<br />
initiierten Projekt mit. Neben den drei<br />
mit meteorologischer Mess-Sensorik<br />
ausgestatteten <strong>Straßenbahn</strong>zügen liefern<br />
zusätzlich mehrere temporär aufgestellte<br />
DWD-Messstationen in verschiedenen<br />
Stadtteilen kontinuierlich<br />
aktuelle Daten. Zur Datenverdichtung<br />
dienen darüber hinaus Messfahrten<br />
mit einem DWD-Kraftfahrzeug. Neben<br />
dem breit angelegten und vorerst für<br />
zwei Jahre geplanten Messprogramm<br />
sind anschließend stadtklimatische<br />
Modellrechnungen zum gegenwärtigen<br />
und zukünftigen Klima innerhalb<br />
der Stadt Halle geplant. Möglicherweise<br />
ergeben die Untersuchungen<br />
zudem Hinweise auf künftig höhere<br />
Temperaturen im Innenraum der <strong>Straßenbahn</strong>züge.<br />
Dadurch könnten langfristig<br />
technische Änderungen bei der<br />
Klimatisierung der <strong>Straßenbahn</strong>en<br />
notwendig werden. Die HAVAG könnte<br />
somit nach eigener Aussage –<br />
ebenso wie andere Verkehrsbetriebe –<br />
aus den Untersuchungen wertvolle Erkenntnisse<br />
für einen auch in Zukunft<br />
attraktiven öffentlichen Nahverkehr<br />
gewinnen.<br />
PM/MSP<br />
Duisburg<br />
Historischer Wagen<br />
außer Betrieb<br />
Bereits am 5. April verunfallte der<br />
historische Harkortwagen 177 im Rahmen<br />
einer Stadtrundfahrt. Zumindest<br />
dem Anschein nach ist der Sachschaden<br />
nicht besonders hoch, dennoch<br />
hat die Duisburger Verkehrsgesellschaft<br />
AG als Eigentümer des einzigartigen<br />
Fahrzeugs bis Ende Mai noch<br />
nicht entschieden, den Wagen wieder<br />
fahrbereit herzustellen. Der Wagen –<br />
einziges betriebsfähiges Museumsfahrzeug<br />
auf Duisburgs <strong>Straßenbahn</strong>netz<br />
– entstand 1926 mit einem weiteren<br />
Prototyp bei der Firma Harkort<br />
als erster Gelenkwagen in Deutsch-<br />
land überhaupt und befindet sich<br />
heute in der Obhut des „Tram-Club<br />
177“. Vor 30 Jahren wurde er im Zuge<br />
einer originalgetreuen Restaurierung<br />
umgebaut und bestreitet seither<br />
mehrmals im Jahr beliebte Stadtrundfahrten<br />
oder auch spezielle Themenfahrten.<br />
Die nächsten Fahrttermine<br />
wurden vom Tram-Club 177 zunächst<br />
bis September abgesagt. MBE<br />
Dresden<br />
Sanierungsbeginn<br />
an der Albertbrücke<br />
Die umfassende Rekonstruktion<br />
der maroden Albertbrücke über die<br />
Elbe hat begonnen. Sie soll insgesamt<br />
etwa 22 Millionen Euro kosten und<br />
findet unter eingleisiger Aufrechterhaltung<br />
des <strong>Straßenbahn</strong>betriebes<br />
statt. Dazu bauten die Dresdner Verkehrsbetriebe<br />
(DVB) beiderseits der<br />
Brücke an Wochenenden im April und<br />
Mai Bauweichen und Signalanlagen<br />
ein. Am 19. Mai begann der eingleisige<br />
Betrieb, der die kommenden zwei<br />
Jahre in wechselnden Bauzuständen<br />
andauert. Die dazu installierte Lichtsignalanlage<br />
erlaubt die zeitgleiche<br />
Durchfahrt von bis zu drei Zügen in<br />
einer Richtung. In der Bauphase 0<br />
entsteht momentan auf der Unterstrom-Seite<br />
ein Baugleis für die <strong>Straßenbahn</strong>.<br />
In dieser Zeit können Autos<br />
und <strong>Straßenbahn</strong> noch auf dem freien<br />
Teil der Brücke fahren. Bauphase 1<br />
umfasst die eigentliche Sanierung<br />
und Brückenverbreiterung. In dieser<br />
Zeit ist sie für den Autoverkehr vollständig<br />
gesperrt, die Linien 6 und 13<br />
nutzen dann ein Interimsgleis. Nach<br />
Fertigstellung baut die Stadt die derzeit<br />
für Fußgänger und Radfahrer parallel<br />
führende Behelfsbrücke zurück.<br />
Der Stadtrat hatte die Sanierung der<br />
Albertbrücke bereits 2011 beschlossen.<br />
Erst im September 2013 einigten<br />
Heidelberg: Der erste der beiden generalüberholten Wagen der oberen<br />
Bergbahn am 5. März bei seiner Aufgleisung an der Station Molkenkur<br />
– alle zehn Jahre findet bei den Bergbahnen zusätzlich zur jährlichen<br />
Inspektion eine umfassende Sonderinspektion statt. 2014 erhielten beide<br />
Wagen der oberen Bergbahn bei der Firma Garaventa in der Schweiz<br />
eine Generalüberholung und Anpassung an die aktuellen Sicherheitsanforderungen<br />
für Seilbahnen. Am 24. März nahmen sowohl die untere als<br />
auch die obere Bergbahn wieder ihren Betrieb auf<br />
DIRK WITTMANN<br />
Duisburg: Harkortwagen 177 auf Sonderfahrt, seit dem Unfall am 5. April<br />
steht der einzigartige Wagen vorerst still<br />
MICHAEL BEITELSMANN<br />
Magdeburg: Am 8. Mai fand der Abtransport mehrerer Wagen der Typen<br />
T6A2 und B6A2 zum Schrotthändler statt<br />
AXEL BARBY<br />
SM_2014_07_Journal_Duisburg<br />
=>Volldatei fehlt mir<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014 11
Aktuell<br />
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Berlin: Der Flexity F8E 8026, ursprünglich Anfang 2009 als kurzer Flexity Einrichter-Prototyp F6E 3001 mit<br />
30,8 Meter Länge geliefert, ist seit 31. März abgenommen, hier auf der Berliner Allee. Anfang 2014 erfolgte die Angleichung<br />
an die Serienwagen einschließlich Verlängerung um zwei zusätzliche Segmente auf 40 Meter. Hintergrund<br />
ist, dass die BVG per Auftragsänderung von 2012 entgegen anfänglicher Planungen keine 30-Meter-Einrichtungwagen<br />
vom Typ F6E beschaffen möchte und stattdessen verstärkt in 40-Meter-Wagen investiert. Geplant ist<br />
(abzüglich der Proto typen), 53 F6Z, 38 F8E und 47 F8Z der Flexityfamilie anzuschaffen. Wagen 8026 schließt an die<br />
im August 2012 abgeschlossene erste F8E- Serienlieferung (Triebwagen 8002 bis 8025) an SEBASTIAN SCHRADER<br />
sich die Fraktionen nach heftigen Diskussionen<br />
auf die jetzt umgesetzte<br />
Variante, die für den <strong>Straßenbahn</strong>verkehr<br />
die geringste Beeinträchtigung<br />
bedeutet.<br />
MSP<br />
Plauen<br />
KT4D-Wagenkasten<br />
nach Schönbach<br />
Durch die Anlieferung neuer Niederflurwagen<br />
aus Bautzen kann die<br />
Plauener <strong>Straßenbahn</strong> GmbH (PSB)<br />
auf einen Teil ihrer Tatras verzichten.<br />
Der 1987 unter der Nummer 949 (I)<br />
nach Zwickau gelieferte Tatra-KT4D<br />
gelangte 1989 ohne vorherigen Einsatz<br />
weiter nach Plauen, wo er die<br />
Nummer 240 erhielt. Die PSB modernisierte<br />
ihn 1994 zum KT4DM, seit<br />
1998 gehörte er durch Einbau einer<br />
Choppersteuerung zum Typ KT4DMC.<br />
Anfang 2014 ausgemustert, verkaufte<br />
die PSB den zweiteiligen Wagenkasten<br />
für 1.000 Euro in den Greizer<br />
Ortsteil Schönbach. Die Idee zu dieser<br />
neuen Attraktion im Ort hatte Herbert<br />
Zeidler vom Dorf- und Feuerwehrverein.<br />
Aufgeladen auf zwei Tieflader gelangten<br />
Mitte Mai die beiden Wagen-<br />
Dresden: Aufgrund der Sanierung der Albertbrücke fahren die DVB-Wagen<br />
der Linien 6 und 13 seit 19. Mai 2014 auf dem Gegengleis über die Elbe in<br />
Richtung Altstadt, hier Tw 2708 am 23. Mai<br />
MICHAEL SPERL<br />
kastenteile nach Schönbach, wo sie<br />
die Vereinsfreunde direkt neben dem<br />
Feuerwehrhaus auf vorbereitete Fundamente<br />
setzten. Als nächstes wollen<br />
sie eine Bar als Treffpunkt für die Einwohner<br />
einbauen, die Sitze teilweise<br />
drehen und die Werbebeklebung entfernen.<br />
Der erste „Einsatz“ im neuen<br />
Umfeld steht Wagen 240 beim Dorffest<br />
am 12. und 13. Juli als Getränkewagen<br />
bevor.<br />
MSP<br />
Karlsruhe<br />
Keine Stadtbahnen<br />
nach Freudenstadt?<br />
Seit 2002 fährt die AVG mit ihren<br />
Stadtbahnwagen aus der Karlsruher<br />
Innenstadt nach Freudenstadt. Nun<br />
steht für die Zeit ab 2017 eine Neuausschreibung<br />
für die Murgtalbahn<br />
an, bei der Veränderungen absehbar<br />
sind: Die maximal 100 Kilometer pro<br />
Stunde schnellen Stadtbahnzüge<br />
sind auf der Hauptstrecke zwischen<br />
Karlsruhe und Rastatt zu langsam.<br />
Das Land möchte im Rahmen der<br />
Ausschreibung hier schnellere Züge.<br />
Es verspricht sich im Rahmen der<br />
Ausschreibung mehr Komfort als<br />
heute, beispielsweise Toiletten in jedem<br />
Zug und darüber hinaus mehr<br />
Fahrrad-Plätze. Das grundsätzliche<br />
Fahrplan-Angebot soll bestehen bleiben,<br />
wobei die genauen Details noch<br />
offen sind. Eine Durchbindung zum<br />
Karlsruher Marktplatz ist dann nicht<br />
mehr möglich. Verschmerzbar, wie<br />
die Vertreter der NVBW meinen: Nur<br />
acht Prozent der Fahrgäste aus dem<br />
Murgtal, so ihre Untersuchungen,<br />
wollen dorthin. Da die Stadtbahnzüge<br />
durch die höhere Geschwindigkeit<br />
zwischen Rastatt und Karlsruhe<br />
sieben Minuten gewinnen, ändert<br />
sich die Gesamtreisezeit nur wenig:<br />
Weiterhin fahren im Anschluss vom<br />
Karlsruher Hauptbahnhof die Stadtbahnen<br />
in dichtem Takt in die Innenstadt.<br />
JÖS<br />
Industrie<br />
CAF<br />
Neue Wagen<br />
für Boston<br />
Der spanische Schienenfahrzeug-<br />
Hersteller CAF erhielt für sein Werk in<br />
den USA einen Auftrag zum Bau von<br />
24 Stadtbahnwagen im Wert von 118<br />
Millionen US-Dollar, das entspricht<br />
umgerechnet einem Auftragswert von<br />
86 Millionen Euro. Das Massachusetts<br />
Department of Transportation (Mass-<br />
DOT) bestellte für Bostons Green Line<br />
sechsachsige Fahrzeuge mit einem<br />
Niederfluranteil von 70 Prozent. Boston<br />
besitzt neben einem konventionellen<br />
U-Bahn-Netz ein als Green Line<br />
bezeichnetes Stadtbahnnetz mit vier<br />
Linien und einer Streckenlänge von<br />
rund 36 Kilometern. Derzeit laufen die<br />
Arbeiten an einer 6,9 Kilometer messenden<br />
Streckenverlängerung, die bis<br />
2017 in Betrieb gehen soll. Die Wagenkästen<br />
der dreiteiligen Fahrzeuge,<br />
deren Auslieferung 2017 und 2018<br />
ansteht, kommen aus Spanien. Die<br />
Ausrüstung erfolgt im CAF-Werk in Elmira<br />
(New York), dabei verwendet die<br />
12<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014
Industrie · Weltweit<br />
CAF größtenteils in den USA hergestellte<br />
Komponenten. Die klimatisierten<br />
Fahrzeuge erhalten spezielle Bereiche<br />
für Rollstühle, Kinderwagen<br />
und Haustiere. Ein Kameraüberwachungssystem<br />
sorgt für die Sicherheit,<br />
sowohl des Innen- als auch des Außenbereiches<br />
der Fahrzeuge.<br />
JEP<br />
Škoda<br />
Anschlussauftrag<br />
aus Konya (Türkei)<br />
Der tschechische <strong>Straßenbahn</strong>-Hersteller<br />
Škoda Transportation erhielt Anfang<br />
Mai den Auftrag zur Lieferung von<br />
zwölf Niederflur-Triebwagen für fahrleitungslosen<br />
Betrieb in der türkischen<br />
Stadt Konya. Die Fahrzeuge können ohne<br />
externe Energieeinspeisung dank<br />
ihrer bordeigenen Nano-Lithium-Titan-<br />
Batterie eine Strecke von drei Kilometern<br />
mit einer Höchstgeschwindigkeit<br />
von 30 Kilometer pro Stunde zurücklegen.<br />
Die Auslieferung beginnt 2015. Bei<br />
ersten Versuchen auf der Škoda<br />
Test strecke bei Pilsen konnte<br />
ein Versuchswagen<br />
bereits eine Entfernung<br />
bis zu<br />
acht Kilo meter<br />
ohne Fahrleitung<br />
zurücklegen.<br />
Bei der Bestellung<br />
handelt es sich um eine Anschlusslieferung<br />
zu den 60<br />
konventionellen Fahrzeugen<br />
des Typs Škoda ForCity<br />
28T. Insgesamt umfasst der<br />
Auftragswert der Lieferung<br />
3,5 Milliarden Tschechische<br />
Kronen, umgerechnet also<br />
rund 130 Millionen<br />
Euro. Die Triebwagen<br />
sind für eine neue Linie<br />
be stimmt, die einen ca.<br />
1,8 Kilometer langen fahrleitungslosen<br />
Abschnitt erhält.<br />
Škoda Transportation konnte mit dem<br />
Auftrag seine Position im <strong>Straßenbahn</strong>-<br />
Markt festigen und wird in diesem Jahr<br />
mit 115 gebauten Triebwagen einen<br />
neuen Rekord aufstellen. Neben den<br />
Städten Konya und Miskolc erhalten<br />
auch die Prager Verkehrsbetriebe sowie<br />
Bratislava neue Škoda-Triebwagen. JEP<br />
Stadler Minsk<br />
Neuer Wagentyp<br />
Stadler Minsk – das Joint Venture<br />
von Stadler und Belkommunmash –<br />
hat Anfang Mai einen 100 Prozent niederflurigen<br />
Gelenkwagen vorgestellt.<br />
Das Fahrzeug vom Typ 853/85300M<br />
mit 1.524 Millimeter Spurweite bietet<br />
Stadler Minsk sowohl in Einrichtungsals<br />
auch in Zweirichtungsausführung<br />
an. Es besitzt jeweils vier Fahrmotoren<br />
und basiert auf dem seit 2008 in 29<br />
Škoda: Ab 2015 erhält die türkische Stadt Konya aus der Tschechischen Republik<br />
auch Triebwagen für fahrleitungslosen Betrieb ŠKODA TRANSPORTATION<br />
Exemplaren gebauten Belkommunmash<br />
843/84300M, der in Minsk, Kazan<br />
und Sankt Petersburg fährt. Der<br />
Stadler 853 ist in beiden Ausführungen<br />
jeweils 26,7 Meter lang und 2,5<br />
Meter breit, die Fußbodenhöhe beträgt<br />
370 Millimeter, die maximale<br />
Achslast zehn Tonnen und die<br />
Höchstgeschwindigkeit<br />
Stadler Minsk – eine<br />
Joint Venture von Stadler<br />
und Belkommunmash – stellten im Mai<br />
den Protoyp eines 100 Prozentniederflurigen<br />
Gelenkwagen vor SLG. SM<br />
75 Kilometer pro Stunde. Passend zum<br />
futuristischen Design ist eine LED-Beleuchtung<br />
installiert. Das Fassungsvermögen<br />
beträgt 196 Personen, davon<br />
60 sitzend in der Zweirichtungsausführung<br />
und 234 Personen, davon 70<br />
sitzend, in der Einrichtungsvariante.<br />
Vier Türen, beim Zweirichter pro Wagenseite,<br />
mit 1.300 Millimeter Breite<br />
ermöglichen einen zügigen Fahrgastwechsel.<br />
Im Inneren finden sich Sitzplätze<br />
in 2+2-Anordnung sowie zwei<br />
Mehrzweckabteile für Rollstühle, Fahrräder<br />
und Kinderwagen. Der Hersteller<br />
hat die Fahrzeuge für Einsätze bei<br />
Temperaturen zwischen -40 ° und 40 °<br />
Celsius ausgelegt, dafür sind eine Klimaanlage<br />
und leistungsfähige Heizungen<br />
installiert.<br />
MSP<br />
Ausland<br />
Schweiz: Basel<br />
Erlenmatt-Tram vom<br />
Volk abgelehnt<br />
Mit einer knappen Mehrheit von<br />
51,6 Prozent hat das Basler Stimmvolk<br />
den Bau des „Erlenmatt-Trams“ abgelehnt.<br />
Die Pläne im Rahmen des Konzepts<br />
„Tramnetz 2020“ sahen vor, den<br />
Alstom: Nachdem sich bereits<br />
2013 ein baugleiches Fahrzeug im<br />
Wiener Klima-Windkanal der Rail-<br />
Tec Arsenal (RTA) befunden hatte,<br />
traf im Mai dieses Jahres abermals<br />
ein für Dubai bestimmter <strong>Straßenbahn</strong>gelenkwagen<br />
vom Typ Citadis<br />
des französischen Herstellers Alstom<br />
an dieser Versuchsstätte für Messungen<br />
ein. Das mit der Ordnungsnummer<br />
001 versehene Fahrzeug<br />
ließ das Unternehmen aufgrund seiner<br />
Überlänge auf zwei Tiefladern<br />
vom Produktionsstandort bei La Rochelle<br />
in Frankreich nach Österreich<br />
transportieren RAIMUND WYHNAL<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014<br />
13
Aktuell<br />
In der Tschechischen Republik entstand 2007 bei PARS aus zwei Prager<br />
T3 ein Umbau-Achtachser mit Niederflurmittelteil. Der KT3R 2300<br />
blieb ein Einzelstück und verkehrt stets auf der Linie 17, hier an der<br />
Projesd Deshnewa am 14. Mai 2014<br />
Die UKWZ-Vierachser vom Typ 71-619 stellen derzeit 42 Prozent des<br />
Moskauer Wagenparks. Neben zwei solchen Wagen stand am 14. Mai<br />
2014 links auch ein PTMZ-Vierachser vom Typ 71-153. Das Bild entstand<br />
bei der Metrostation Uliza Podbelskogo WOLFGANG KAISER (2)<br />
Russland: Moskau<br />
Zügige Modernisierung des Wagenparks<br />
Der <strong>Straßenbahn</strong>betrieb der russischen Hauptstadt besitzt derzeit rund 960 Triebwagen<br />
und ist diesbezüglich – gemeinsam mit Prag – der weltweit größte Betrieb.<br />
Das Bild des Wagenparks wandelte sich in den vergangenen Jahren rasch:<br />
Waren in dem rund 185 Kilometer langen Streckennetz in den 1990er-Jahren<br />
noch überwiegend Tatra-T3SU unterwegs, so sind es heute hauptsächlich Standardvierachser<br />
der russischen Waggonfabrik Ust-Kataw (UKWZ), allen voran die<br />
Bauart 71-619K/KT/A (410 Wagen der Baujahre 2000 bis 2009). Daneben beschaffte<br />
der Verkehrsbetrieb Mosgortrans in den Jahren 2002 bis 2006 auch 45<br />
hochflurige Vierachser vom Typ 71-134A (LM-99AE) der St. Petersburger Waggonfabrik<br />
(PTMZ). Ab 2007 rückten Wagen mit Niederfluranteil in den Mittel-<br />
punkt des Interesses: Zunächst interessierte sich Mosgortrans für Umbau- und<br />
Neubauwagen tschechischer Herkunft, die Wagen KT3R 2300 und VarioLF 2400<br />
sollten allerdings Einzelstücke bleiben. Größere Stückzahlen erreichten die Bauarten<br />
71-153 (LM-2008) von PTMZ (21 Wagen der Baujahre 2009/10) und 71-<br />
623-02 von UKWZ (67 Wagen der Baujahre 2012/13). Im März 2014 trafen vier<br />
Prototypen des neuen PESA-Niederflurgelenkwagens „Foxtrot“ in Moskau ein,<br />
die seit 1. Juni im Linienbetrieb eingesetzt werden. Von dem dreiteiligen und 24<br />
Meter langen Typ beschafft Mosgortrans 120 Exemplare. Gleichzeitig testet der<br />
Verkehrsbetrieb einen ähnlich aufgebauten Niederflurwagen von Alstom (Typ Citadis<br />
302), der in Kürze auch im Fahrgastbetrieb zum Einsatz kommen soll. WK<br />
Badischen Bahnhof zu einer Nahverkehrs-Drehscheibe<br />
auszubauen. In diesem<br />
Zusammenhang sollte eine 1,2 Kilometer<br />
lange Neubaustrecke entstehen,<br />
welchen den Bahnhof durch das Erlenmatt-Quartier<br />
mit dem Riehenring verbinden<br />
sollte, wo Anschluss zu den<br />
Tramlinien 14 und 21 bestanden hätte.<br />
Die Kosten von 68 Millionen Franken erschienen<br />
der Mehrzahl der Bürger zu<br />
hoch. Ein Großteil der Kosten wäre für<br />
die Verstärkung des Schwarzwaldtun-<br />
Baselland Transport: Anlässlich ihres 40-jährigen Bestehens erinnert sich die BLT ihrer Wurzeln und gestaltete<br />
einen Tramzug in den Farben der Birsigthalbahn AG und der Birseckbahn AG. Die Komposition mit dem blauweißen<br />
Be 4/8 259 und dem gelben Be 4/6 105 soll rund neun Monate im historischen Kleid unterwegs sein. Der<br />
erste Einsatz im neuen alten Lack erfolgte am 20. Mai<br />
DOMINIK MADÖRIN<br />
nels im Zuge der Autobahn A2 angefallen,<br />
der im jetzigen Bauzustand die<br />
schweren Trams nicht tragen könnte. JÖS<br />
Rumänien: Timisoara<br />
Beginn Modernisierung<br />
von Wegmann-Wagen<br />
Um die zwischen 2002 und 2010<br />
übernommene Flotte der Bremer<br />
Stadtbahnwagen des Typs Wegmann<br />
auf lange Sicht in Timisora weiter<br />
nutzen zu können, entschieden sich<br />
Stadtverwaltung und Verkehrsbetrieb<br />
RATT zu einer Modernisierung von<br />
bis zu 30 Einheiten. Bei einer entsprechenden<br />
Ausschreibung setzte sich<br />
Anfang April 2014 ein Konsortium<br />
aus den Firmen Asocierea Electroputere<br />
VFU Pascani und Astra Vagoane<br />
Calatori in Arad durch. Der Vertrag<br />
hat eine Laufzeit von vier Jahren. Die<br />
umfangreiche Modernisierung erfolgt<br />
in Arad und umfasst auch den Einbau<br />
von Klimaanlagen, eines abgeschlossenen<br />
und neu gestalteten Fahrerplatzes<br />
sowie Kameraüberwachung<br />
außerhalb und innerhalb des Wagens.<br />
Fahrgastinformationsanlagen runden<br />
das moderne Erscheinungsbild ab.<br />
14 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014
Weltweit<br />
Nach den vorliegenden Informationen<br />
sollen nur Triebwagen eine Modernisierung<br />
erhalten.<br />
Wie die RATT auf Nachfrage mitteilte,<br />
beginnt die Erneuerung mit den<br />
Einheiten 3517 und 3504. Noch im<br />
Mai sollte das erste Fahrzeug nach<br />
Arad gelangen. Es ist vorgesehen, bereits<br />
in etwa vier Monaten den modernisierten<br />
Prototyp wieder in Timisoara<br />
einsetzen zu können. Dann sollen umfassende<br />
Erprobungen erfolgen, um<br />
eventuelle Schwächen zu ermitteln,<br />
die im weiteren Verlauf vermieden<br />
werden können. Pro Wagen wird mit<br />
Kosten in Höhe von knapp 500.000<br />
Euro kalkuliert.<br />
AMA<br />
Estland: Tallinn<br />
Vorbereitungen auf<br />
Einsatz der CAF-Wagen<br />
In der estnischen Hauptstadt Tallinn<br />
(deutscher Name Reval) ist die<br />
<strong>Straßenbahn</strong>strecke nach Tondi (Li-<br />
nien 3 und 4) aufgrund von Gleiserneuerung<br />
noch voraussichtlich bis<br />
November außer Betrieb, auch das<br />
Hauptdepot an der Pärnu maantee ist<br />
vom Netz abgeschnitten. Die Arbeiten<br />
dienen der Vorbereitung des Oberbaus<br />
auf den Einsatz der bald eintreffenden<br />
CAF-Niederflurwagen.<br />
Aktuell fahren – aus Platzgründen<br />
im kleineren Nebendepot Kopli – nur<br />
Wagen vom Typ KT4, alle KT6 (KT4 mit<br />
Niederflur-Mittelteil) und alle Museumswagen<br />
sind im Hauptdepot abgestellt<br />
und damit derzeit nicht nutzbar.<br />
Vom 4. bis 24. August ruht der<br />
komplette <strong>Straßenbahn</strong>btrieb, da die<br />
Gleise und Weichen am zentralen<br />
Knotenpunkt Viru väljak ausgetauscht<br />
werden.<br />
Nicht gut steht es um den Obusbetrieb<br />
in der Stadt: Die Stadtverwaltung<br />
fordert nennenswerte Zuschüsse vom<br />
Staat, von dem solche Zahlungen<br />
nicht zu erwarten sind. Ohne finanzielle<br />
Unterstützung sei ein schrittweiser<br />
Ersatz der Obusse durch Autobusse<br />
unumgänglich.<br />
WK<br />
Australien: Melbourne<br />
Neue E-Klasse<br />
überzeugt im Dienst<br />
Seit 4. November 2013 fahren die<br />
ersten Fahrzeuge der neuen E-Klasse<br />
auf den Schienen der Melbourner<br />
<strong>Straßenbahn</strong>. Die Betreibergesellschaft<br />
Keolis Downer EDI Rail (KDR)<br />
sowie die Fahrgäste zeigen sich damit<br />
gemäß einer aktuellen Umfrage zufrieden.<br />
Bei den Wagen handelt es sich<br />
Prag: 40 Jahre nach dem offiziellen Einsatzende ihrer Zweiachser feierten die Prager Verkehrsbetriebe<br />
dieses „Jubiläum“ am 9. Mai mit Sonderfahrten entlang der ursprünglichen Streckenverläufe der Linien 3, 18<br />
und 23. Zugleich beging die Prager U-Bahn ihr 40. Eröffnungsjubiläum mit einem Tag der offenen Tür am<br />
Depot Kačerov und verschiedenen Sonderfahrten<br />
ONDREJ MATEJ HRUBES<br />
bereits um die dritte Generation von<br />
Niederflurbahnen in der Stadt mit dem<br />
weltweit größten <strong>Straßenbahn</strong>system.<br />
Nachdem weder die als C-Klasse geführten<br />
Citadis von Alstom noch die<br />
als D-Klasse geführten Combinos von<br />
Siemens auf dem Netz der Yarra Trams<br />
voll überzeugt hatten, bestellte KDR<br />
im Jahr 2010 bei Bombardier insgesamt<br />
50 exakt 33 Meter lange und<br />
2,65 Meter breite Niederflurwagen<br />
des Typs Flexity Swift. Die Fahrzeuge<br />
werden im Stadtteil Dandenong montiert,<br />
von dort stammten auch die letzten<br />
hochflurigen Modelle (Klassen Z, A<br />
und B) der <strong>Straßenbahn</strong>. Nur die<br />
Flexx-Drehgestelle und die Mitrac-Antriebs-<br />
und Steuerungsausrüstungen<br />
werden impor tiert. Die ersten fünf gelieferten<br />
Wagen der neuen E-Klasse<br />
(Nummern 6001 bis 6005) setzt KDR<br />
auf der Linie 96 ein, die teilweise auf<br />
einer ehemaligen Vorortbahntrasse<br />
verkehrt und ein sehr hohes Verkehrsaufkommen<br />
aufweist. Wie alle <strong>Straßenbahn</strong>en<br />
in Melbourne handelt es<br />
sich um Zweirichtungswagen. Sollte<br />
sich der neue Fahrzeugtyp bewähren,<br />
gibt es eine Option auf 100 weitere<br />
Fahrzeuge.<br />
OGÜ<br />
Tallinn: An der Endstelle Kopli vor<br />
der „Eesti Mereakadeemia“ (Estnische<br />
Meeresakademie) trafen sich<br />
am 2. Mai 2014 der Obus vom Skoda-Typ<br />
14Tr Nr. 295 und die KT4D<br />
162 (ex Erfurt 516) und 142 (ex Gera<br />
328)<br />
WOLFGANG KAISER<br />
Melbourne: Seit Ende 2013 fahren die ersten neuen Bombardier-Wagen,<br />
Betreiber und Fahrgäste zeigen sich zufrieden mit dem neuen Typ OLAF GÜTTLER<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014<br />
15
Betriebe<br />
Im Schatten des<br />
Die <strong>Straßenbahn</strong> in Dortmund Drei Betriebe auf getrennten Netzen prägten die Anfangs -<br />
jahre der elektrischen <strong>Straßenbahn</strong> in Dortmund. Durch die schrittweise Vereinigung entstand<br />
ein umfangreiches Netz mit Ästen in die Nachbarstädte Unna, Schwerte und Castrop-Rauxel.<br />
Diese Verbindungen sind längst Geschichte. Der heutige Stadtbahnbetrieb, der sich in der Innenstadt<br />
seit 2008 komplett unterirdisch abspielt, erinnert kaum noch an die klassische <strong>Straßenbahn</strong><br />
16 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014
Dortmund<br />
„U“<br />
Am 16. Juni 1989 verkehrte im<br />
Bereich des Turms der Dortmunder<br />
Union-Brauerei noch oberirdisch die<br />
<strong>Straßenbahn</strong>. Der Düwag-GT8 Nr. 83<br />
trug an diesem Tag Werbung für<br />
eine der anderen damals noch existierenden<br />
Bauereien und passierte<br />
hinter dem Westentor gerade die<br />
Haltestelle für die Gegenrichtung<br />
CHRISTIAN WENGER<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014<br />
17
Betriebe<br />
Am Eröffnungstag der Dortmunder Pferdebahn, am 1. Juni 1881, ist Wagen<br />
8 vom Steinplatz an der Endstelle Fredenbaum angekommen. Das<br />
Fahrzeug gehört zur Erstausstattung SLG. SIGURD HILKENBACH (4)<br />
Unter Hoheit der in Berlin ansässigen Allgemeinen Lokal- und <strong>Straßenbahn</strong>gesellschaft<br />
entstand am Fredenbaum 1895 diese Aufnahme eines<br />
Dampfbahnzuges. Die Lokomotive war 1891 beschafft worden<br />
Um 1910 entstand auf dem Westenhellweg diese Aufnahme, im Hintergrund der Alte Markt mit<br />
dem alten Rathaus. Ab 1906 betrieb die Städtische <strong>Straßenbahn</strong> die Innenstadtlinien in Eigenregie.<br />
Tw 33 gehört zu 40 im Jahr 1899 von Herbrand und der AEG gebauten Wagen<br />
Am 9. März 1881 war es endlich soweit:<br />
Die aufstrebende Industriestadt<br />
Dortmund ebnete durch die<br />
Vertragsunterzeichnung mit dem<br />
Berliner Bauunternehmer Georg Sönderop<br />
den Weg zum Bau und Betrieb einer Pferdestraßenbahn<br />
vom Steinplatz zum Fredenbaum.<br />
Drei Monate dauerte der Bau der<br />
eingleisigen, mit einer Ausweichstelle bestückten<br />
regelspurigen Strecke, so dass Pferde<br />
ab dem 1. Juni 1881 zweiachsige Wagen<br />
durch die Stadt zogen. Zwei Monate später<br />
erfüllten sich weitere Vertragsvorgaben:<br />
Zwischen Dorstfelder Brücke und Funkenburg<br />
fuhren ab 13. August sowie zwischen<br />
dem Bahnhof und Hörde fuhren ab 27. September<br />
ebenfalls Pferdestraßenbahnen.<br />
Da die 1847 eröffnete Cöln-Mindener<br />
Eisenbahn Dortmund am nördlichen Rand<br />
der Innenstadt trennte, bestand das von<br />
Sönderop betriebene Netz aus zwei Teilen:<br />
der eine im Norden (Steinplatz – Fredenbaum)<br />
und der andere in der Innenstadt sowie<br />
im Süden.<br />
Per 4. Oktober 1881 übertrug Sönderop<br />
alle Strecken der von ihm mitbegründeten<br />
„Dortmunder <strong>Straßenbahn</strong> AG für Pferdeund<br />
Dampfbetrieb“. Da sich die Strecke nach<br />
Hörde als eine für Pferde schwer zu überwindende<br />
Steigung erwies, beschaffte die AG<br />
für diesen Ast sieben Dampflokomotiven sowie<br />
mehrere vierachsige Personenwagen. Außerdem<br />
besaß das im Februar 1882 in der<br />
Deutschen Lokal- und <strong>Straßenbahn</strong>gesellschaft<br />
aufgegangene Unternehmen etwa 100<br />
Güterwagen. Damit sollten die Zechen und<br />
die Stahlindustrien in Dortmund bedient werden.<br />
Doch die Eisenbahnen übernahmen fast<br />
alle dieser Transporte, so dass die Pferdebahngesellschaft<br />
den Güterverkehr 1890 aufgab.<br />
Ab diesem Jahr führte die Allgemeine<br />
Lokal- und <strong>Straßenbahn</strong>gesellschaft mit Sitz<br />
in Berlin den Trambetrieb in Dortmund.<br />
Die „Elektrische“ kommt!<br />
Aufgrund der wachsenden Einwohnerzahl<br />
<strong>Dortmunds</strong> kam die Pferdebahn nach zehn<br />
Jahren an ihre Grenzen. Deshalb beschloss<br />
die Betreibergesellschaft 1893 die schrittweise<br />
Umstellung auf elektrischen Betrieb.<br />
Am 1. März 1894 startete auf den Linien<br />
Dorstfeld – Funkenburg und Fredenbaum –<br />
Kronenburg der elektrische Verkehr. Innerhalb<br />
von zwei Jahren waren die übrigen<br />
noch mit Pferden oder Dampflokomotiven<br />
betriebenen Abschnitte umgestellt, die Pferdebahnwagen<br />
fanden als Beiwagen eine<br />
weitere Nutzung.<br />
Für den elektrischen Betrieb hatte die Berliner<br />
Gesellschaft 1893/94 zunächst 26<br />
Triebwagen von Herbrand mit elektrischer<br />
Ausrüstung vom Mitgesellschafter AEG beschafft.<br />
In den folgenden Jahren eröffnete<br />
das Unternehmen schrittweise neue Strecken<br />
(darunter auch die Ringlinie, die auf<br />
dem Wall die Innenstadt umrundete) und<br />
beschaffte mehrere Dutzend Wagen.<br />
Die Dortmunder <strong>Straßenbahn</strong><br />
bekommt zwei Nachbarn<br />
Am 30. Januar 1899 nahmen südlich von<br />
Dortmund die Hörder Kreisbahnen den Betrieb<br />
auf. Sie erschlossen die Stadt und den<br />
Landkreis um das bis 1928 eigenständige<br />
Hörde. Bis 1903 entstanden die jeweils meterspurigen<br />
Strecken nach Aplerbeck, Eichlinghofen,<br />
Hombruch und Wellinghofen.<br />
Kernstrecke war die Verbindung in die<br />
Nachbarstadt Schwerte (später bis Westhofen<br />
verlängert), die einen Ausläufer der<br />
Ruhrhöhen mit starken Steigungen zu überwinden<br />
hatte, was im Winter nicht selten zu<br />
Problemen führte. An mehreren Stellen der<br />
Kreisbahnen gab es Schnittpunkte mit dem<br />
regelspurigen Stadtnetz, so u. a. in Hörde<br />
selbst, in Barop und Asseln.<br />
Im Jahr 1900 waren auf dem 25 Kilometer<br />
langen Dortmunder <strong>Straßenbahn</strong>netz mit<br />
den vorhandenen 79 Trieb- und 38 Beiwagen<br />
acht Millionen Fahrgäste befördert worden.<br />
Ab 14. Dezember 1904 erhielten die<br />
Dortmunder weitere <strong>Straßenbahn</strong>anschlüsse<br />
ins Umland. Diese ermöglichten die von<br />
der AEG im Auftrag des Landkreises Dortmund<br />
errichteten und betriebenen elektrischen<br />
<strong>Straßenbahn</strong>en, die den Gemeinden<br />
Brambauer, Derne, Lünen, Wickede und<br />
Brackel ein öffentliches Verkehrsmittel bot.<br />
18 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014
Dortmund<br />
Selbst die Nachbarstädte<br />
Unna im Osten sowie Lünen<br />
und Castrop im Norden <strong>Dortmunds</strong><br />
bekamen so einen <strong>Straßenbahn</strong>anschluss<br />
an Dortmund. Ab<br />
1. Januar 1908 führte der Landkreis<br />
alle diese zuvor von der<br />
AEG betriebenen Linien selbst.<br />
Die erste Vereinigung<br />
Im Frühjahr 1906 lief der Betreibervertrag mit<br />
der Allgemeine Lokal- und <strong>Straßenbahn</strong>gesellschaft<br />
ab. Die Stadtverwaltung sah von einer<br />
Verlängerung des Vertrages ab und übernahm<br />
alle Strecken in <strong>Dortmunds</strong> Innenstadt<br />
per 1. April 1906 in eigene Regie. Unter städtischer<br />
Leitung wuchs das Netz 1907 um die<br />
Strecke Bornstraße – Westfalenburg und 1908<br />
um den Abschnitt von Westfalenburg nach<br />
Schulte-Rödding.<br />
Um 1907 entstand ebenfalls am<br />
Fredenbaum diese Aufnahme<br />
zweier Züge der Allgemeinen<br />
Lokal- und <strong>Straßenbahn</strong>gesellschaft<br />
jeweils mit Sommer- und<br />
geschlossenen Beiwagen<br />
Die Dortmunder <strong>Straßenbahn</strong> -<br />
linien in den Stadtgrenzen<br />
von 1930<br />
GRAFIK: BERND ZANDER AUS „DIE STRASSEN -<br />
BAHNEN IN DORTMUND 1881–1992“ (QUELLE 1)<br />
Im Jahr 1910 gab es eine große Veränderung<br />
im Betrieb der Städtischen <strong>Straßenbahn</strong><br />
Dortmund: Der neue Hauptbahnhof ging in<br />
Betrieb. Die Eisenbahn trennt Dortmund<br />
seitdem auf einem hohen<br />
Damm, der jedoch unter den Brücken<br />
einfach zu unterqueren ist.<br />
Dies nützte insbesondere der bislang<br />
zweigeteilten städtischen <strong>Straßenbahn</strong>, die<br />
das nördliche und das südliche Netz unter<br />
drei Eisenbahnbrücken miteinander verband.<br />
Ein weiterer wichtiger Tag in der Dortmunder<br />
Geschichte war der 1. Juli 1914: An<br />
diesem Tag übernahm die von der Stadt gegründete<br />
Dortmunder <strong>Straßenbahn</strong> GmbH<br />
sowohl den Betrieb der schon zuvor unter<br />
städtischer Leitung betriebenen Strecken als<br />
auch das Netz der Elektrischen <strong>Straßenbahn</strong><br />
des Landkreises Dortmund. Dies war durch<br />
die Eingemeindung westlich und nördlich<br />
von Dortmund gelegener Dörfer nötig und<br />
möglich geworden. Damit änderte sich das<br />
Liniennetz ganz wesentlich – Fahrgäste in die<br />
außerhalb von Dortmund gelegenen Dörfer<br />
mussten ab sofort weniger umsteigen. Im<br />
Gründungsjahr der GmbH zählte der Fahrzeugpark<br />
194 Trieb- und 171 Beiwagen.<br />
Schnellstraßenbahnen und „U-Boote“<br />
im Vorfeld der zweiten Vereinigung<br />
Der Erste Weltkrieg hatte nur wenige Auswirkungen<br />
auf den <strong>Straßenbahn</strong>betrieb. War<br />
die Arbeit als Wagenführer bis jetzt eine reine<br />
Männerarbeit gewesen, übernahmen in<br />
diesen Jahren auch Frauen die Kurbel.<br />
Im Jahr 1923 fand die erste Streckeneröffnung<br />
in der Nachkriegszeit statt. Die<br />
neue Linie zweigte in Huckarde von der<br />
städtischen <strong>Straßenbahn</strong> ab und führte<br />
durch Westerfilde nach Mengede. Für den<br />
Betrieb als Schnellstraßenbahnlinie be-<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014<br />
19
Betriebe<br />
Vor dem 1910 eingeweihten Hauptbahnhof steht 1932<br />
ein Schnellstraßenbahnzug nach Mengede bereit. Der<br />
vierachsige Tw 2 (Uerdingen 1925) kann sowohl unter<br />
1.200 als auch 600 Volt Gleichstrom verkehren. Die zehn<br />
1925 von Linke-Hoffmann gelieferten Beiwagen<br />
(hier Nr. 806) trugen den Spitznamen „U-Boot“<br />
CARL BELLINGRODT, SLG. SIGURD HILKENBACH<br />
Entwicklung der Fahrgastzahlen bei <strong>Dortmunds</strong> <strong>Straßenbahn</strong>/Stadtbahn<br />
Jahr 1900 1915 1930 1935 1941 1955 1960 1970 1980 1990 2000 2003 2006 2009 2012<br />
Fahrgastzahlen in Mio. 8 39 75 35 90 92 125 54 80 81 105 122 130 143 134<br />
schaffte die GmbH 1925/26 zehn vierachsige<br />
Triebwagen. Ihre Technik ermöglichte einen<br />
Einsatz sowohl auf der eine Zeit lang<br />
mit 1.200 Volt Gleichstrom betriebenen<br />
Neubaustrecke als auch auf den mit 600<br />
Volt gespeisten Innenstadtstrecken.<br />
In dieser Zeit beschaffte die <strong>Straßenbahn</strong>gesellschaft<br />
auch spezielle Beiwagen, die im<br />
Volksmund den Beinamen „U-Boote“ trugen.<br />
Dabei handelte es sich um tiefliegende<br />
Beiwagen mit Mitteleinstieg, die fast schon<br />
als Vorgänger der Niederflurwagen gehandelt<br />
werden könnten – zumindest von außen.<br />
Zwischen 1925 und 1927 erfolgten größere<br />
Änderungen und weitere Strecken -<br />
verlängerungen im <strong>Straßenbahn</strong>netz. Die<br />
wichtigste Umbaumaßnahme betraf die Verlegung<br />
des auf dem Osten- bzw. Westenhellweg<br />
in Richtung Dorstfeld führenden Gleises<br />
in die Kampstraße. Das entlastete den<br />
schmalen Hellweg und bot den einkaufenden<br />
Kunden in dieser Einkaufsstraße mehr Platz.<br />
Mit der bevorstehenden Eingemeindung<br />
von Hörde und dessen Landkreisgemeinden<br />
zu Dortmund übernahm die Dortmunder<br />
<strong>Straßenbahn</strong> GmbH nach Zander ( 1 ) im<br />
Jahr 1927, nach Höltge ( 2 ) am 14. April<br />
1928 die meterspurigen Hörder Kreisbahnen.<br />
Danach erfolgte die Umspurung erster<br />
„Hörder-Linien“ auf 1.435 Millimeter.<br />
Erste Stilllegungen<br />
Anfang der 1930er-Jahre hatte die Dortmunder<br />
<strong>Straßenbahn</strong> ihren Höhepunkt erreicht.<br />
Mehr als 20 Linien bedienten die<br />
Stadt und verbanden sie mit fast allen<br />
Nachbargemeinden, wo es teilweise Umsteigemöglichkeiten<br />
zu anderen Betrieben<br />
wie zum Beispiel zur Bogestra und den Vestischen<br />
Kleinbahnen gab.<br />
Mitte der 1930er-Jahre erfolgten dann die<br />
ersten Stilllegungen im <strong>Straßenbahn</strong>netz:<br />
1934 verkehrte die letzte <strong>Straßenbahn</strong> von<br />
Aplerbeck nach Asseln (ex Hörder Kreisbahnen)<br />
und auch zwischen Derne und der<br />
nördlichen Nachbarstadt Lünen entfiel der<br />
<strong>Straßenbahn</strong>betrieb.<br />
Zählte die <strong>Straßenbahn</strong> 1930 noch 75<br />
Millionen Fahrgäste, so sank diese Zahl in<br />
den folgenden vier Jahren um mehr als die<br />
Hälfte auf 35 Millionen, was jedoch durch<br />
den danach einsetzenden Wirtschaftsaufschwung<br />
in Vergessenheit geriet. 1939 ging<br />
die Dortmunder <strong>Straßenbahn</strong> GmbH in der<br />
Dortmunder Stadtwerke AG auf. Ab 1942<br />
ersetzten Obusse zum Beispiel die Ringlinie<br />
sowie ab 1943 auch ehemalige Strecken der<br />
Hörder Kreisbahnen, eine Umstellung aller<br />
Meterspurlinien unterblieb aufgrund der<br />
Kriegsereignisse.<br />
1945 neun Tage völlige Betriebspause<br />
Der Zweite Weltkrieg hatte deutlich größere<br />
Folgen auf den Dortmunder <strong>Straßenbahn</strong>betrieb<br />
als der Erste. Nachdem durch<br />
die ersten alliierten Luftangriffe mehrere<br />
Fahrzeuge zerstört waren, holten die Stadtwerke<br />
gebrauchte Triebwagen aus Brüssel,<br />
Amsterdam und Rotterdam nach Dortmund,<br />
mit denen sie den Betrieb aufrecht erhielten.<br />
Nach der größten Bombardierung der Stadt<br />
am 12. März 1945 war die Innenstadt zu 95<br />
Prozent zerstört – und von einstmals 400<br />
<strong>Straßenbahn</strong>fahrzeugen standen nur noch 45<br />
zur Verfügung. Da auch der Großteil der<br />
Gleisanlagen demoliert war, beschränkte sich<br />
der Betrieb nach neun Tagen völliger Betriebspause<br />
ab dem 18. Mai 1945 auf die<br />
20 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014
Dortmund<br />
Noch im Herstellerwerk Uerdingen entstand<br />
1914 diese Aufnahme des Dortmunder<br />
Tw 148. Ab 1913 entstanden mehr als 50<br />
solcher Lenkzweiachser mit Kardanantrieb<br />
SLG. SIGURD HILKENBACH (4)<br />
ländlichen Gegenden <strong>Dortmunds</strong>, die weniger<br />
zerstört waren. In den Nachkriegsmonaten<br />
erfolgte die schrittweise Reaktivierung<br />
des Netzes, so dass im Dezember 1945 von<br />
130 Kilometern (1941) acht Teile mit 70 Kilometer<br />
Länge wieder in Betrieb waren. Im<br />
Rahmen des Wiederaufbaus der Strecken erfolgten<br />
aber auch Stilllegungen. Davon war<br />
unter anderem die Ringlinie betroffen.<br />
Neue Fahrzeuge<br />
und weitere Stilllegungen<br />
In den Nachkriegsjahren bereitete den Dortmunder<br />
Stadtwerken vor allem der Fahrzeugmangel<br />
Sorge. Erst nach der Inbetriebnahme<br />
reparierter Triebwagen konnten sie<br />
das Netz ab 1948 annähernd wieder wie in<br />
den Vorkriegsjahren betreiben. 1949/50<br />
entspannte sich die Situation weiter, als sowohl<br />
Aufbauwagen auf alten Untergestellen<br />
als auch Neubaufahrzeuge von den Firmen<br />
Fuchs, Düwag und Westwaggon eintrafen.<br />
Dies half, die Kapazitätsengpässe auf den<br />
Linien zu beseitigen und die Nachfrage ab<br />
den 1950er-Jahren besser zu bedienen.<br />
Die ersten Stilllegungen des nächsten<br />
Jahrzehnts trafen die letzten ex Hörder<br />
Schmalspurlinien: Am 16. Juni 1952 fuhr<br />
der letzte Wagen von Aplerbeck nach Hörde,<br />
am 4. Mai 1953 zwischen Hörde und<br />
Berghofen sowie am 30. Juni 1954 von<br />
Berghofen nach Schwerte. Damit war der<br />
Meterspurbetrieb beendet.<br />
<strong>Dortmunds</strong> Gleisstern<br />
Um einen besseren Anschluss zwischen den<br />
<strong>Straßenbahn</strong>linien in der Innenstadt zu bieten,<br />
ließ die Dortmunder Stadtwerke AG 1953 einen<br />
Gleisstern an der Reinoldikirche errichten.<br />
Hier trafen sich zentral fast alle Linien des<br />
Für die stark frequentierte Ringlinie beschaffte die Dortmunder <strong>Straßenbahn</strong>gesellschaft 1930<br />
von der Waggonfabrik Schöndorff zwölf zweiachsige Triebwagen mit Mitteleinstieg. Um mehr<br />
Platz für Sitzbänke zu gewinnen, verschloss der Betrieb später die Mittelstiege<br />
Dortmunder <strong>Straßenbahn</strong>netzes und konnten<br />
mittels 16 Weichen in alle vier Himmelsrichtungen<br />
abbiegen. Diese „Riesenkreuzung“<br />
blieb jedoch die einzige in Dortmund.<br />
Im den Jahren 1953/54 lieferte die Düwag<br />
die ersten vierachsigen Großraumwagen (Nr.<br />
301 bis 306), für die 1958 passende Beiwagen<br />
von Credé eintrafen. Zuvor entstand<br />
1954 in Eigenregie der Stadtwerke aus dem<br />
Aufbautriebwagen 286 und dem Bw 715 der<br />
vierachsige Gelenktriebwagen 291 mit<br />
schwebendem Mittelteil. In ähnlicher Bauart<br />
beschafften die Stadtwerke später 26 GT von<br />
der Hansa Waggonbau GmbH in Bremen.<br />
Im Jahr 1955 verkehrten auf <strong>Dortmunds</strong><br />
<strong>Straßenbahn</strong> 17 Linien, auf denen 92 Millionen<br />
Fahrgäste unterwegs waren. Doch<br />
die Konkurrenz von Obus und Autobus<br />
wuchs. So verkehrte am 1. Juli 1958 der<br />
letzte <strong>Straßenbahn</strong>wagen auf der Linie 10<br />
Auf der von den Hörder Kreisbahnen errichteten meterspurigen Linie 16<br />
Hörde – Schwerte Bahnhof entstand um 1940 diese Aufnahmen des<br />
Tw 399 (Talbot 1926, ex Tw 59) mit Rollenstromabnehmer<br />
Den elektrischen Teil der in Zweitbelegung als Tw 1 bis 10 geführten<br />
Vierachser (Uerdingen 1925/26) hatte Siemens geliefert. 1959 schieden<br />
die letzten Exemplare dieses Typs aus, hier Tw 1 um 1940<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014<br />
21
Betriebe<br />
Der 1927 vom Düsseldorfer Eisenbahnbedarf und BBC gebaute Tw 237 fährt am 17. September 1962<br />
mit einem Vorkriegsbeiwagen als Linie 13 nach Lindenhorst im Bereich Freistuhl<br />
Am Dortmunder Hauptbahnhof passiert der 1980 ausgemusterte Hansa-Gelenkwagen 418 am<br />
17. September 1962 zwei dort pausierende Wagen. Der GT4 entstand nach dem Vorbild des Dortmunder<br />
Eigenbautriebwagens Nr. 291 (später Tw 437) SIGURD HILKENBACH (2)<br />
Der 1959 gebaute Düwag-GT8 Nr. 73 ist 1962 auf der im April 1965 eingestellten Strecke von<br />
Wickede nach Unna unterwegs. 1993 ließen ihn die DSW verschrotten HANS VAN ENGELEN/SLG. MIK<br />
zwischen Habinghorst und Henrichenburg<br />
(Castrop-Rauxel).<br />
Neues für Bundesgartenschau und<br />
Ende für Altbauwagen und Strecken<br />
Anlässlich der Bundesgartenschau 1959<br />
entstand nicht nur der unübersehbare Fernsehturm<br />
im Westfalenpark, sondern auch<br />
eine neue <strong>Straßenbahn</strong>linie von der Markgrafenstraße<br />
nach Hacheney, die am 30.<br />
April 1959 in Betrieb ging. Die auf einer<br />
Schnellstraße trassierte Neubaulinie erschloss<br />
sowohl den Westfalenpark als auch<br />
den Rombergpark und den Tierpark mit<br />
Haltestellen. 1959 trafen aber auch 41 Düwag-<br />
und Hansa Waggonbau-GT8 in Dortmund<br />
ein. Sie ersetzten den Großteil der alten<br />
Zweiachser.<br />
Im Jahr 1960 beförderten die Stadtwerke<br />
auf dem damals 110 Kilometer langen<br />
<strong>Straßenbahn</strong>netz erstmals mehr als 125<br />
Millionen Fahrgäste.<br />
Am 1. Januar dieses Jahres war ein Gesetz<br />
in Kraft getreten, das den Einsatz von <strong>Straßenbahn</strong>fahrzeugen<br />
ohne Rückleuchten,<br />
Bremslichter und Magnetschienenbremsen<br />
verbot. Daraufhin ließen die Stadtwerke<br />
zahlreiche Vorkriegsfahrzeuge nachrüsten,<br />
andere vor 1930 gebaute Wagen ließen sie<br />
zum Beispiel im Betriebshof Castrop-Rauxel<br />
1960 abbrennen. Bis 1963 erfolgte zugleich<br />
die schrittweise Stilllegung der Linie 2 von<br />
Marten über Kirchlinde nach Castrop-Rauxel-Habinghorst.<br />
Durch die Inbetriebnahme von neu trassierten<br />
Strecken fuhr 1964 die letzte <strong>Straßenbahn</strong><br />
durchs Kaiserstraßen-Viertel zur<br />
Funkenburg, Busse löste sie im April 1965<br />
zwischen Wickede und Unna ab. Die Linie<br />
nach Lünen-Brambauer war danach die<br />
letzte <strong>Straßenbahn</strong>verbindung in eine Nachbarstadt.<br />
Mitte der 1960er-Jahre nahmen<br />
die Stadtwerke aber den Betrieb auf zwei<br />
Neubaustrecken auf. Einerseits gab es einen<br />
kurzen neuen Abschnitt für die Linie 4 in<br />
der Innenstadt über die Weißenburger Straße<br />
und andererseits eröffnete 1967 die unterirdische<br />
Haltestelle Westfalenhallen, die<br />
parallel zu einer Unterführung für Autos<br />
und <strong>Straßenbahn</strong> unter der B1 entstanden<br />
war. Im Jahr 1966 trafen 25 und drei Jahre<br />
später nochmals zehn neue Düwag-GT8 in<br />
Dortmund ein. Damit rückte die Ablösung<br />
der letzten Zweiachser immer näher.<br />
Die ersten Vorbereitungen<br />
für die Stadtbahn<br />
Nachdem der Dortmunder Rat 1966 dem<br />
Bau einer Stadtbahn beschlossen hatte, begannen<br />
am 22. Oktober 1969 am Freistuhl<br />
in der Nähe des Hauptbahnhofes die Arbeiten<br />
für den Nord-Süd-Tunnel, ein Projekt,<br />
das mehrere Jahre in Anspruch nahm.<br />
In der Zwischenzeit führten die Stadtwerke<br />
ab 1970 die Fahrgastselbstbedienung ein.<br />
22 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014
Dortmund<br />
Bereits zwei Jahre<br />
vor der Linie 9 nach<br />
Unna kam für die<br />
Städteverbindung<br />
zwischen Dortmund<br />
und Castrop-Rauxel<br />
das Aus. Die Linie 2,<br />
die wie hier mit<br />
Tw 251 reichlich<br />
ruhrgebietstypische<br />
Dorf- und Vorstadtkulissen<br />
bot, wurde<br />
schrittweise bis<br />
1963 eingestellt<br />
HANS VAN ENGELEN/SLG. MIK<br />
Im Betriebshof Dorstfeld gaben sich am 17. Februar<br />
1976 die Tw 424, 436 und 434 ein Stelldichein.<br />
Anders als es auf dem ersten Blick<br />
erscheint, handelt es dabei um keine Zweiachser,<br />
sondern um vierachsige Gelenkwagen<br />
mit schwebenden Mittelteil von Hansa aus<br />
Bremen<br />
SIGURD HILKENBACH<br />
Den Auftakt dafür gab die Linie 16 Hörde –<br />
Schulte Rödding, auf der die im Vorjahr gelieferten<br />
GT8 zum Einsatz kamen.<br />
Mit den Fahrplänen 1970 und 1971 gab<br />
es weitere Veränderungen: Von nun an galt<br />
ein Zehnminutentakt auf allen Linien und<br />
die sogenannten „Zehnerlinien“ verschwanden<br />
aus den Fahrplänen. Diese waren<br />
wie die „Zwanzigerlinien“ Ergänzungslinien<br />
zu den „normalen“ Linien,<br />
beispielsweise mit einem früheren Endpunkt.<br />
Die Zwanzigerlinien waren Verstärker<br />
in der Hauptverkehrszeit und blieben<br />
bis zu ihrer Einstellung ein Einsatzgebiet für<br />
die letzten Zweiachser.<br />
Zur Umstellung auf Busbetrieb legten die<br />
Stadtwerke 1970 die Linie 4 von der Kirchderner<br />
Straße nach Scharnhorst sowie im<br />
Folgejahr die Linie 7 von Aplerbeck zum<br />
Schwerter Wald still. Im Jahr 1973 ereilte<br />
dieses Schicksal die Linie 3 von der Zeche<br />
Minister Stein nach Lindenhorst. Im folgenden<br />
Jahr endete der <strong>Straßenbahn</strong>betrieb<br />
der Linie 27 vom Nußbaumweg zur Rennbahn,<br />
gleichzeitig trafen 15 neue GT8 ein,<br />
womit in Summe bereits 91 dieser Wagen<br />
zur Verfügung standen.<br />
Am 14. Mai 1976 endete der Verkehr auf<br />
Linie 6 von der Franz-Zimmer-Siedlung<br />
nach Derne. Dafür ging am Folgetag vom<br />
nunmehrigen Endpunkt Kirchderne eine<br />
Schnellstraßenbahn in die „Trabantenstadt“<br />
Scharnhorst in Betrieb. So hatten nun die<br />
Stadtteile Scharnhorst und Grevel einen direkten<br />
Anschluss an die Innenstadt. Diese<br />
Schnellstraßenbahnstrecke war mit Hinblick<br />
auf die Umstellung auf Stadtbahnbetrieb<br />
gebaut worden.<br />
Der nächste Schritt zur Stadtbahn<br />
Im Herbst 1978 trafen in Vorbereitung des<br />
Stadtbahnbetriebes die ersten 20 Stadt- und<br />
<strong>Straßenbahn</strong>wagen vom Düwag-Typ N8C in<br />
Dortmund ein. Zum Einen sollten sie ein<br />
wichtiger Vorbote für die (Teil-)Umstellung<br />
auf Stadtbahnbetrieb sein, zum Anderen sollten<br />
sie auch für den Einsatz auf den <strong>Straßenbahn</strong>strecken<br />
geeignet sein, da eine schnelle<br />
und vollständige Umstellung auf Stadtbahnbetrieb<br />
von Anfang an nicht möglich erschien.<br />
Da sich die Fronten der neuen Wagen<br />
nach vorn vergleichsweise wenig verjüngten,<br />
vergrößerten die Dortmunder Stadtwerke<br />
(DSW) in mehreren Bögen die Gleisabstände.<br />
Nach einer kurzen Testphase gingen die<br />
N8C zunächst auf der Linie 5 Mengede –<br />
Hacheney in Betrieb. Nach vollständiger<br />
Auslieferung der ersten Serie gelangten die ab<br />
1954 gebauten GT4 aufs Abstellgleis.<br />
Seit 1. Januar 1980 gehört der Dortmunder<br />
Nahverkehr zum Verkehrsverbund<br />
Rhein-Ruhr. Um Verwechslungen mit anderen<br />
Betrieben zu vermeiden, erhöhten die<br />
DSW die Nummern der neuen <strong>Straßenbahn</strong>linien<br />
um 400. In diesem Jahr beförderten<br />
die DSW mit 112 Trieb- und dem<br />
einzigen verbliebenen Beiwagen rund 79<br />
Millionen Fahrgäste.<br />
Am 31. Mai 1981 feierten die Stadtwerke<br />
das 100. Jubiläum der Dortmunder <strong>Straßenbahn</strong>.<br />
In den folgenden Monaten trafen<br />
bis 1982 weitere 34 Düwag-N8C ein, womit<br />
sich deren Anzahl auf 54 erhöhte. Nach Indienststellung<br />
aller Neuwagen musterten die<br />
Stadtwerke die ältesten GT8 von 1959 aus.<br />
<strong>Dortmunds</strong> erste Stadtbahn<br />
und die ersten B-Wagen<br />
Als zweiter Schritt in Richtung Stadtbahn<br />
eröffnete am 27. Mai 1983 der erste Stadtbahntunnel<br />
im Süden von Dortmund. In<br />
Hörde fuhr von nun an zwischen Wilhelm-<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014 23
Betriebe<br />
Der 1996 verschrottete GT8 Nr. 85 (Düwag 1969, bis 1973 Triebwagen 9) bediente<br />
am 7. Mai 1994 in Dortmund die Haltestelle Ritterstraße<br />
MICHAEL BEITELSMANN<br />
van-Vloten-Straße und Clarenberg die Linie<br />
401 im Tunnel. Gleichzeitig endete der Verkehr<br />
zwischen Hörde und Brücherhofstraße,<br />
was das endgültige Aus für eine „echte“<br />
<strong>Straßenbahn</strong> in Hörde bedeutete.<br />
Ein Jahr später, am 2. Juni 1984, ging der<br />
Stadtbahntunnel I mitsamt seiner Zulaufstrecken<br />
in Betrieb. Von nun an waren die<br />
Nord-Süd-verbindenden Linien in der Innenstadt<br />
im Tunnel unterwegs, was auch die<br />
Stilllegung für mehrere <strong>Straßenbahn</strong>strecken<br />
innerhalb des Wallrings zur Folge hatte.<br />
Somit fuhren nur noch <strong>Straßenbahn</strong>en<br />
auf der Kampstraße (Ost-West-Linien),<br />
Hansastraße (aus Hombruch) und auf dem<br />
Brüderweg oberirdisch. Die Linien 401, 405<br />
und 407 wurden fortan als U-Bahnlinien<br />
U41, U45 und U47 geführt. Doch völlig fertiggestellt<br />
war der Tunnel noch nicht, da an<br />
der Station Märkische Straße im Süden die<br />
Stadtbahnen noch über eine provisorische<br />
Rampe ausfuhren und danach oberirdisch<br />
nach Hörde beziehungsweise nach Aplerbeck<br />
gelangten. Den Lückenschluss vollzogen<br />
die DSW am 16. Juni 1986, die U41<br />
fuhr bis Hörde nun komplett im Tunnel.<br />
Zuvor fand 1984 ein vom Tunnel unabhängige<br />
Stilllegung statt: Die Stadtwerke<br />
kappten die Linie 404 an der Westfalenhütte.<br />
Der zuletzt nur noch von den Beschäftigten<br />
der Hoesch-Werke genutzte Abschnitt<br />
ging außer Betrieb.<br />
Nach der Eröffnung des Tunnels I waren<br />
nun auch dessen Zulaufstrecken teilweise<br />
stadtbahnmäßig ausgebaut und es bot sich ein<br />
Einsatz von Stadtbahnwagen B an. Im Dezember<br />
1986 lieferte die Düwag die ersten<br />
„echten“ Stadtbahnwagen Dortmund – zehn<br />
B-Wagen der zweiten Generation vom Typ<br />
B80C. Das bis dahin typisch Dortmunder<br />
braun/beige-Design wich bei den neuen Fahrzeugen<br />
den Stadtfarben Rot/Weiß. Das erste<br />
Einsatzgebiet der B80C war die U41 zwischen<br />
Fredenbaum und Hörde.<br />
Das Aus für die <strong>Straßenbahn</strong><br />
nach Mengede<br />
Am 31. März 1989 fuhr die letzte <strong>Straßenbahn</strong><br />
von Westerfilde nach Mengede.<br />
Grund dafür waren die voranschreitenden<br />
Bauarbeiten an der neuen S-Bahnlinie der<br />
Deutschen Bundesbahn. Damit war 1990<br />
das Dortmunder Straßen- bzw. Stadtbahnnetz<br />
auf 71,5 Kilometer Länge geschrumpft.<br />
Die für Dortmund viele Jahre typische braunbeige<br />
„Schokoladen-Lackierung“ trägt der<br />
N8-Tw 123, der hier am 12. April 2007 die Haltestelle<br />
Westentor verlässt BERNHARD KUSSMAGK<br />
24 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014
Dortmund<br />
Aktuelle Daten & Fakten:<br />
Stadtbahn Dortmund<br />
Betreiber:. . . Dortmunder Stadtwerke AG (DSW21)<br />
Anzahl Linien:. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8<br />
Streckennetzlänge: . . . . . . . . . . . . . . . . . 75 km,<br />
davon 20,5 km im Tunnel<br />
Spurweite: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1.435 mm<br />
Haltestellen: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 123<br />
Triebwagen: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 121<br />
davon B6 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 43<br />
davon B8 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 21<br />
davon B100S . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10<br />
davon NGT8 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 47<br />
Betriebshöfe: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1<br />
Die industrielle Seite <strong>Dortmunds</strong> zeigt diese Aufnahme vom 25. April 1995 aus Eving. Der auf der<br />
Stadtbahnlinie U45 eingesetzte Tw 121 fährt zur Westfalenhalle<br />
MICHAEL BEITELSMANN<br />
Auf diesem beförderten die DSW mit ihren<br />
107 Triebwagen rund 81 Millionen Fahrgäste.<br />
Mit dem Fahrplan 1990 teilten sie die<br />
U45 in die „neue“ U45 von Westerfilde<br />
nach Westfalenstadion und in die U49 von<br />
Westerfilde nach Hacheney.<br />
Ab 8. Januar 1991 kam eine zweite Serie<br />
von 14 B-Wagen nach Dortmund, die nunmehr<br />
die typisch weiß/rote Stadtbahnlackierung<br />
trug. Von 1992 bis 1994 trafen<br />
jährlich zehn weitere B-Wagen ein.<br />
Im Jahr 1992 erfolgte die nächste Eröffnung:<br />
Ein Teilstück des Tunnel II zwischen<br />
Stadtgarten (Umsteigemöglichkeit in Tunnel I)<br />
und Brunnenstraße ging in Betrieb. Gleichzeitig<br />
änderten sich auch mehrere Laufwege<br />
der <strong>Straßenbahn</strong>linien. Bis zur Tunneleröffnung<br />
verband die Linie 402 Hombruch mit<br />
Grevel. Nach dem neuen Fahrplan ging nun<br />
die U42 zwischen Stadtgarten und Grevel in<br />
Betrieb, womit die 408 Hombruch – Asseln<br />
(– Wickede) die 402 ersetzte.<br />
In den folgenden Jahren stellten die DSW<br />
die nächsten Abschnitte des Tunnels II fertig.<br />
So verlängerten sie 1995 die U42 von<br />
Stadtgarten um eine Tunnelstation bis zu<br />
den Städtischen Kliniken und errichteten bis<br />
zur Eröffnung am 2. Juni 1996 einen Abzweig<br />
unter der Hohen Straße hindurch mit<br />
den Stationen Saarlandstraße und Polizeipräsidium.<br />
Am 21. Mai 1998 erfolgte dann<br />
auch der Lückenschluss zwischen letzterer<br />
Station und Westfalenhallen. Damit bestand<br />
nun eine Verbindung im Linienbetrieb zwischen<br />
Tunnel I und II über Westfalenhallen<br />
– Remydamm – Westfalenpark.<br />
B-Wagen mit Mittelteil und<br />
immer weniger <strong>Straßenbahn</strong>en<br />
Mitte der 1990er-Jahre benötigte Dortmund<br />
erneut weitere B-Wagen. Die DSW mussten<br />
eine Lösung finden, die einerseits deutlich<br />
günstiger als der Kauf von Neuwagen war,<br />
aber andererseits die enorm gestiegenen Fahrgastzahlen<br />
bewältigen konnte. Als Zwischenlösung<br />
entwickelten sie gemeinsam mit<br />
der Düwag ein Mittelteil für die vorhandenen<br />
B80C. Somit stattete Dortmund als erster<br />
und einziger Nahverkehrsbetrieb einen Teil<br />
seiner B-Wagen (elf Stück) mit Mittelteilen<br />
aus. Die 43 Sechs- und 21 Achtachser (einschließlich<br />
zehn 1998 so gelieferter Wagen)<br />
nannten die DSW fortan der Einfachheit halber<br />
B6 bzw. B8. Am 16. Juni 2002 eröffnete<br />
schließlich der letzte Abschnitt des Tunnels<br />
II. Von den Städtischen Kliniken fuhr ab<br />
dato die U42 über die neuen, unterirdischen<br />
Haltestellen Möllerbrücke und Kreuzstraße<br />
nach Hombruch. Damit kam das Ende für<br />
die 408 und somit waren nur noch zwei<br />
„echte“ <strong>Straßenbahn</strong>linien in Betrieb.<br />
Mit der Eröffnung der U42 kam der B-<br />
Wagen-Park schnell an seine Grenzen. Es bestand<br />
Bedarf an neuen Hochflurwagen. Da<br />
aber die Düwag vom Bau einer Kleinserie B-<br />
Wagen Abstand nahm und es keine kostengünstigen<br />
Anbieter für andere geeignete<br />
Neufahrzeuge gab, entschieden sich die<br />
DSW zum Kauf von gebrauchten B-Wagen<br />
aus Bonn. Im Jahr 2003 trafen 13 in Dortmund<br />
danach als B100S bezeichnete Wagen<br />
ein. Drei davon dienten als Ersatzteilspender<br />
und zehn kamen und kommen ausschließlich<br />
auf der U42 zum Einsatz. Doch die<br />
B100S sind nicht mit den Dortmunder B6<br />
und B8 kompatibel, weshalb die „Bonner“<br />
nur typenrein in Doppeltraktion verkehren.<br />
Neue Fahrzeuge und neuer Tunnel<br />
Das nächste große Ereignis in der Geschichte<br />
der Dortmunder Stadtbahn war die<br />
Eröffnung des Innenstadt-Tunnels III. Er<br />
brachte ab 27. April 2008 die Linien 403<br />
und 404 – nun als U43 und U44 bezeichnet<br />
Zwei in den Stadtbahnfarben Rot/Weiß lackierte N8C kreuzen an der<br />
Haltestelle Zugstraße, ehe in beiden Fahrtrichtungen eingleisige Streckenabschnitte<br />
folgen CHRISTIAN LÜCKER (2)<br />
Auf dem Brackeler Hellweg ist die hier oberirdisch verlaufende U43 hingegen<br />
zweigleisig trassiert. Hinter dem ebenfalls am 4. Juli 2009 aufgenommenen<br />
Tw 154 fährt ein anderer N8C in Richtung Dorstfeld<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014<br />
25
(<br />
(<br />
U46<br />
(<br />
(<br />
U41<br />
U42<br />
U43<br />
U44<br />
U45<br />
U46<br />
U47<br />
U49<br />
Brambauer – Brechten – Clarenberg<br />
Grevel – Hombruch<br />
Dorstfeld Btf – Wickede<br />
Westentor – Brackel<br />
Marten – Westfalenhütte<br />
Dortmund Hbf – Westfalenhallen<br />
Westfalenhallen – Brunnenstraße<br />
Westerfilde – Aplerbeck<br />
(Hafen –) Dortmund Hbf – Hacheney<br />
LÜNEN<br />
U41<br />
Brambauer Verkehrshof<br />
Brambauer Krankenhaus<br />
Herrentheystraße<br />
Brechtener Str.<br />
Dollersweg U43<br />
Bockumweg<br />
S<br />
Asseln Ruckebierstr. Zugstr.<br />
Eichwaldstr.<br />
Wickede DO-Wickede<br />
U43<br />
Brackel Businkstr. Aplerbecker Str.<br />
Post<br />
S<br />
In den Börten<br />
Am Hagedorn<br />
Wickede West<br />
U43<br />
S<br />
Döringhoff<br />
Asseln Mitte<br />
Brackel Verwaltungsstelle<br />
Hellweg<br />
Hellweg<br />
S4 Unna<br />
Stadtbahn (1435 mm)<br />
auf unabhängigem Bahnkörper (U-Bahn-Standard)<br />
Stadtbahn (nicht kreuzungsfrei)<br />
eingleisiger Abschnitt<br />
Gelsenkirchen<br />
Herne<br />
Oetringhauser Straße<br />
Evinger Str.<br />
U41<br />
Brechten Zentrum<br />
Wittichstraße<br />
Maienweg<br />
Waldesruh<br />
<strong>Straßenbahn</strong> (1435 mm)<br />
unterirdisch (U-Strab mit Niedrigbahnsteigen)<br />
auf besonderem oder straßenbündigem Bahnkörper<br />
eingleisiger Abschnitt<br />
H-Bahn (Schwebebahn)<br />
Andere Bahnstrecken (inkl. S-Bahn)<br />
* Gleisverschlingung<br />
DO-Derne<br />
Lünen<br />
U42<br />
Grevel<br />
Grävingholz<br />
Droote<br />
Kirchderne<br />
S2 Herne<br />
Externberg Franz-Zimmer-Siedlung<br />
Castrup-Rauxel<br />
Scharnhorst Zentrum<br />
Gelsenkirchen<br />
Obernette<br />
Amtsstraße Schulte Rödding<br />
DO-Westerfilde<br />
S<br />
Zeche Minister Stein<br />
Kirchderne<br />
Gleiwitzstraße Flughafenstraße<br />
U47<br />
Bauernkamp<br />
Hamm<br />
Niveaugleiche Kreuzung mit Güterbahn<br />
Bielefeld<br />
An den Teichen<br />
Güterstraße<br />
Buschstraße<br />
Burgholz<br />
DO-Scharnhorst<br />
Parsevalstr. Huckarde<br />
Bushof<br />
Fredenbaum<br />
Huckarde<br />
Eisenstr.<br />
*<br />
Nord<br />
Immermannstr. /<br />
Huckarde S<br />
Klinikzentrum Nord<br />
Huckarde<br />
Glückaufstr.<br />
Abzweig<br />
U44<br />
Lortzingstr.<br />
Westfalenhütte<br />
Münsterstr.<br />
U46<br />
Schützenstr.<br />
Vincenzheim<br />
Brackel<br />
DO-Rahm Insterburger Str.<br />
U49<br />
Brunnenstr.<br />
Verwaltungsstelle<br />
Leopoldstr.<br />
Borsigplatz<br />
Oberdorfstr.<br />
Hafen<br />
Rüschebrinkstr.<br />
Enscheder Str.<br />
S<br />
Brügmannplatz<br />
Geschwister-Scholl-Str.<br />
S<br />
DORTMUND Hbf<br />
Juchostr.<br />
Pothecke Knappschaftskrankenhaus<br />
Brackel<br />
U45 U49<br />
Kirche<br />
Wischlingen<br />
Herne<br />
S<br />
Dorstfeld<br />
S<br />
DO-Brackel<br />
S4 DO-Lütgendortmund<br />
Betriebshof<br />
Kampstr.<br />
Ostentor<br />
Berliner Str.<br />
Knappschaftskrankenhaus<br />
U43<br />
Marten<br />
Wittener Str Ọttostr.<br />
Unionstr.<br />
Lippestr.<br />
Ofenstr.<br />
Westentor<br />
Reinoldikirche<br />
Funkenburg Von-der-Tann-Str.<br />
Am Zehnthof<br />
Walbertstr./<br />
S<br />
Schulmuseum<br />
Heinrichstr. U43<br />
Auf dem<br />
Städtische Kliniken<br />
Stadtgarten<br />
Körne<br />
Brümmer Poth<br />
S<br />
S<br />
U44 S<br />
S<br />
DO-Marten Süd<br />
Dorstfeld DO-West<br />
S<br />
S<br />
Körne West<br />
Möllerbrücke<br />
Stadthaus<br />
Stadtkrone Ost Hauptfriedhof<br />
Vahleweg<br />
Bochum<br />
Saarlandstr.<br />
Voßkuhle Max-Eyth-Str.<br />
Essen<br />
Allerstr. /<br />
Polizeipräsidium<br />
Kohlgartenstr.<br />
Markgrafenstr.<br />
U47<br />
Westfälische Klinik<br />
Kreuzstraße<br />
Lübkestraße<br />
Dorstfeld Süd S<br />
für Psychiatrie<br />
Theodor-<br />
Fliedner- U46 Westfalenhallen<br />
Str.<br />
Märkische Karl-Liebknecht-Straße<br />
Westendorfstraße<br />
Heim<br />
U45<br />
Willem-van-Vloten-Straße<br />
Technologiezentrum<br />
U45<br />
Seilbahn<br />
S<br />
Stadion<br />
Schürbankstraße<br />
1 2<br />
Remydamm Westfalenpark<br />
Parkeisenbahn<br />
Aplerbeck<br />
S1 Bochum<br />
Campus Nord DO-Universität<br />
Essen<br />
An der<br />
S<br />
Palmweide Westfalenhalle<br />
DO-Aplerbeck U47<br />
DO-Oespel<br />
(nur bei Veranstaltungen)<br />
Hörde<br />
Unna<br />
2<br />
Am Beilstück<br />
Rombergpark<br />
Campus Süd<br />
1<br />
Barop Parkhaus<br />
U41 Clarenberg<br />
DO-Aplerbeck Süd<br />
Eichlinghofen<br />
Eierkampstraße<br />
DO-Tierpark<br />
Schwerte<br />
DO-Barop S<br />
Hacheney<br />
Harkortstraße<br />
U49<br />
H.-Rynsch-Str.<br />
(<br />
Huckarder Str.<br />
(<br />
(<br />
(<br />
Rheinische<br />
(<br />
S5 Witten<br />
Hagen<br />
U47<br />
Str.<br />
Krückenweg<br />
(<br />
(<br />
Hombruch Hallenbad<br />
U42<br />
Hombruch<br />
Grotenbachstraße<br />
(<br />
U42<br />
Evinger Str.<br />
U41<br />
(<br />
U43·U44<br />
Hagen<br />
U41·U45·U47·U49<br />
(<br />
U42<br />
(<br />
(<br />
Bornstr.<br />
Oesterholzstr.<br />
(<br />
(<br />
Derner Str.<br />
U43<br />
(<br />
Körner<br />
Hellweg<br />
Westfalendamm<br />
aus: Schwandl‘s Tram Atlas Deutschland<br />
1 km<br />
Marsbruchstr.<br />
Eine N8-Doppeltraktion<br />
imAugust 2007<br />
an der Haltestelle<br />
Reinoldikirche – es<br />
war der letzte Sommer<br />
für die letzte<br />
oberirdische Innenstadtstrecke<br />
in Dortmund.<br />
Seit Frühjahr<br />
2008 weisen Pylon<br />
und Zeltdach hier<br />
nur noch den Weg<br />
zu den unterirdischen<br />
Bahnsteigen<br />
MICHAEL KOCHEMS<br />
Aktueller Liniennetzplan<br />
<strong>Dortmunds</strong><br />
GRAFIK: ROBERT SCHWANDL<br />
– „unter Tage“. Mit dem Wegfall der <strong>Straßenbahn</strong>linien<br />
403 und 404 verlor Dortmund<br />
seine letzte „echte“ <strong>Straßenbahn</strong> und<br />
hatte somit den fast 40 Jahre dauernden Gesamtumstieg<br />
auf Stadtbahnniveau vollendet.<br />
Der in Ost-West-Richtung verlaufende<br />
Tunnel beginnt kurz vor der neuen Tunnelstation<br />
Ostentor mit einer Rampe innerhalb<br />
der Hamburger Straße und taucht unmittelbar<br />
vor der schon wieder oberirdischen<br />
Haltestelle Heinrichstraße am östlichen<br />
Ende des Tunnels wieder auf.<br />
Mit der Eröffnung des Tunnels III waren<br />
nun alle drei Hauptumsteigeknoten im<br />
Dortmunder Stadtbahnnetz im Tunnel. Neben<br />
den Stationen Reinoldikirche und<br />
Kampstraße, die allesamt den Tunnel III mit<br />
dem Tunnel II bzw. I verbinden, gibt es noch<br />
die Station Stadtgarten, die einen schnellen<br />
Umstieg zwischen Tunnel I und II bietet.<br />
Egal, von wo man mit der Stadtbahn<br />
26 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014
Dortmund<br />
kommt und wohin man möchte, man muss<br />
nur ein einziges Mal im Stadtbahnnetz an<br />
einem jener wichtigen Knoten umsteigen.<br />
Niederflur statt Hochflur<br />
Schon während der Planungsphase stießen<br />
die Stadtwerke, die sich seit September 2005<br />
mit DSW21 abkürzen, beim Tunnel III auf<br />
ein größeres Problem: Städtebaulich wäre<br />
eine Umstellung auf Hochflurbetrieb kaum<br />
möglich gewesen. Denn die engen Ortsdurchfahrten<br />
entlang der Strecke ließen keine<br />
Hochflurbahnsteige und breite Stadtbahnwagen<br />
zu. Schließlich entschieden sie<br />
sich deshalb für den Einsatz von Niederflurfahrzeugen.<br />
In den Stationen Kampstraße<br />
und Reinoldikirche, wo schon beim Bau<br />
der Tunnel I bzw. II Bahnsteige für die künftige<br />
Kreuzung mit dem Ost-West-Tunnel gebaut<br />
worden waren, mussten daraufhin die<br />
Hochflurbahnsteige entfernt und auf Nie-<br />
Die neueste Tunnelstrecke in Dortmund verbindet<br />
seit 2008 Ost mit West und wird von<br />
den Linien U43 und U44 ausschließlich mit<br />
Niederflurwagen bedient. Hier eine Doppeltraktion<br />
in der Station Westentor FELIX FÖRSTER<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014<br />
27
Betriebe<br />
noch 47 von 54 N8C in Betrieb. Nachdem<br />
fast alle neuen NGT8 im Einsatz waren,<br />
verkauften die DSW21 nach und nach bis<br />
Ende 2010 alle noch verbliebenden N8C<br />
nach Danzig. Seitdem sind die Linien U43<br />
und U44 komplett in der Hand der NGT8,<br />
deren letztes Exemplar im Januar/Februar<br />
2013 in Dortmund eintraf.<br />
Im Jahr 2009 traf man neben Düwag-Stadtbahnwagen B und Bombardier-NGT8 im Dorstfelder<br />
Betriebshof noch Stadtbahnwagen vom Typ N8C an<br />
FELIX FÖRSTER<br />
Betriebshöfe und Depots<br />
Die Dortmunder Stadtwerke betreiben für alle ihre<br />
Schienenfahrzeuge heute nur noch einen Betriebshof.<br />
Dieser liegt westlich von der Dortmunder<br />
Innenstadt in Dorstfeld und hat Anschluss an<br />
die Strecken der U43 und U44.<br />
Um auch die Fahrzeuge der anderen Linien zum<br />
Betriebshof zu bringen, besteht nördlich des Geländes<br />
eine Betriebsstrecke zur Stadtbahnlinie U47.<br />
Außerdem gibt es Ein- und Ausrückfahrten über<br />
die Ost-West-Strecke der U43 und U44. Dies wird<br />
durch einen Verbindungstunnel zwischen Tunnel II<br />
und Tunnel III (Ost-West-Strecke) ermöglicht.<br />
Neben dem Betriebshof bestehen an mehreren<br />
Tunnelbahnhöfen jeweils Abstellanlagen, so dass<br />
derflurniveau abgesenkt werden. Deshalb<br />
sind dort noch heute am Ende der Rolltreppen<br />
einige Stufen zu überwinden.<br />
Zum Betrieb der neuen U43 und U44 beschafften<br />
die DSW21 bei Bombardier 30<br />
Meter lange Flexity Classic vom Typ NGT8.<br />
Am 28. September 2007 traf der erste von<br />
47 NGT8 aus Bautzen in Dortmund ein.<br />
Die neuen Niederflurwagen mit einer Breite<br />
von 2,40 Meter und einer Einstiegshöhe<br />
nicht jedes Fahrzeug extra nach Dorstfeld gefahren<br />
werden muss.<br />
In der Geschichte der <strong>Straßenbahn</strong> verfügte die<br />
<strong>Straßenbahn</strong> über bis zu zehn Betriebshöfe. Das<br />
älteste Depot lag nahe des Fredenbaums direkt an<br />
der ersten Pferdebahnstrecke. Der Betriebshof 1<br />
entstand 1892 an der Rheinischen Straße, ihn ersetzten<br />
die Stadtwerke 1967 vollständig durch die<br />
Anlage in Dorstfeld. Weitere Betriebshöfe existierten<br />
an der Immermannstraße (2) in der Nordstadt,<br />
am Westfalendamm (3) im Süden der Innenstadt<br />
sowie in diversen Vororten <strong>Dortmunds</strong>.<br />
Die Stadtwerke gaben sie zwischen 1950 und<br />
1990 auf.<br />
von 35 Zentimetern erforderten umfangreiche<br />
Anpassungsarbeiten entlang der Strecke.<br />
Nach Testfahrten kamen die Bombardierwagen<br />
mit Eröffnung des Tunnels III in<br />
den Linienbetrieb. An ihnen galt es jedoch,<br />
etliche Kinderkrankheiten zu beheben, weshalb<br />
sich die NGT8 nur sehr langsam gegen<br />
die N8C durchsetzten.<br />
Durch einen Unfall und die Nutzung als<br />
Ersatzteilspender standen bis zuletzt nur<br />
Zwischen den Haltestellen Fredenbaum und Güterstraße unterquert die U41 die Gütergleise<br />
der Dortmunder Eisenbahn (12. April 2014). Außer auf der U43/U44 kommen bei der Dortmunder<br />
Stadtbahn ausschließlich B-Wagen zum Einsatz. Mehr dazu im nächsten Heft FELIX FÖRSTER<br />
Aktuelle Situation<br />
Alle Stadtbahnlinien fahren in einem durchgängigen<br />
Zehn-Minuten-Takt, wobei der<br />
Abschnitt Brechten – Brambauer (U41) nur<br />
alle 20 Minuten bedient wird. Auf der Linie<br />
U43 gibt es zwischen Brackel und Westentor<br />
eine Verdichtung des Taktes auf Fünf-<br />
Minuten-Abstände.<br />
Der Nord-Süd-Tunnel wird von den Linien<br />
U41, 45, 47 und 49, der Tunnel II von<br />
den Linien U42 und 46 und der Ost-West-<br />
Tunnel von den Linien U43 und 44 bedient.<br />
Der Fahrzeugeinsatz hat sich seit einigen<br />
Jahren kaum noch verändert: An Werktagen<br />
verkehren B6 in Doppeltraktion, B8 einzeln<br />
oder NGT8 zu zweit oder alleine. Einsatzwagen<br />
– beispielsweise zu Fußballspielen im<br />
Signal-Iduna-Park – verkehren in Dreifachtraktionen<br />
mit B6 oder in Doppeltraktionen<br />
mit B8. Jedoch dürfen die über 75 Meter langen<br />
Züge nur zwischen Innenstadt (Tunnel I<br />
+ II) und Stadion fahren, außerdem im Norden<br />
bis Fredenbaum sowie zum Hafen und<br />
als Zufahrt zum Betriebshof. Hintergrund<br />
ist, dass im Straßenplanum maximal 75 Meter<br />
lange Schienenfahrzeuge zugelassen sind.<br />
Ein Blick in die Zukunft<br />
Große Veränderungen oder Neubauten<br />
wird es in Dortmund in den nächsten Jahren<br />
nicht geben. Lediglich ein kurzer Tunnel<br />
nahe Aplerbeck befindet sich im Bau, der<br />
die Kreuzung Stadtbahn/B1 ersetzen soll.<br />
Außerdem ist eine Vergrößerung der Haltestelle<br />
Hauptbahnhof in Vorbereitung.<br />
Pläne haben die DSW21 allerdings einige:<br />
Ab 2019 sollen neue Hochflurwagen für<br />
den Ersatz der Bonner-B-Wagen und als Reserve<br />
beschafft werden. Außerdem gibt es<br />
Überlegungen, die Stadtbahn nach Wellinghofen,<br />
Benninghofen, Aplerbeck Süd,<br />
Kirchlinde und über die Westfalenhütte hinaus<br />
Richtung Kirchderne zu verlängern.<br />
Aber das ist noch weit entfernte Zukunftsmusik.<br />
FELIX FÖRSTER/ANDRÉ MARKS<br />
Verwendete Quellen:<br />
1<br />
Bernd Zander, Fred Teppe: Die <strong>Straßenbahn</strong><br />
in: Dortmund 1881–1992. Alba,<br />
Düsseldorf 1992<br />
2<br />
Dieter Höltge: Straßen- und Stadtbahnen<br />
in: Deutschland, Band 4: Ruhrgebiet von Dortmund<br />
bis Duisburg, EK-Verlag, Freiburg 1994<br />
28 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014
Braunschweig<br />
Die gegenwärtig noch eingesetzten GT6 und Beiwagen vom Typ „Mannheim“ sollen bald durch ab Frühsommer eintreffende Solaris Tramino ersetzt<br />
werden. Am 16. Mai 2014 bog Tw 7761 (LHB 1977) mit Bw 7773 (LHB 1977) auf dem Friedrich-Wilhelm-Platz in den Kalenwall ein BODO SCHULZ<br />
Vor einem Neustart?<br />
Braunschweigs Ausbau pläne erleben Neuauflage Die Stadt Braunschweig bekommt dieser<br />
Tage einen neuen Oberbürgermeister und die Braunschweiger Verkehrs-AG einen neuen Chef. Auch<br />
sonst scheint in der Stadt wieder Bewegung in den <strong>Straßenbahn</strong>ausbau zu kommen<br />
In seiner Sitzung vom 1. April 2014 fasste<br />
der Rat der Stadt Braunschweig einen<br />
wegweisenden Beschluss: Unter dem<br />
Tagesordnungspunkt „Stadtbahnausbaukon<br />
zept“ kamen die Ratsmitglieder<br />
überein, neun Trassenkorridore für die Erweiterung<br />
des bestehenden <strong>Straßenbahn</strong>netzes<br />
„in der zweiten Bearbeitungsstufe<br />
vertieft“ zu untersuchen. Diese Korridore<br />
sind (siehe auch Grafik):<br />
• die westliche Innenstadtstrecke (Verbindung<br />
Lange Straße/Radeklint – Friedrich-<br />
Wilhelm-Platz bzw. Europaplatz)<br />
• die Neubaustrecke (Radeklint –) Lehndorf<br />
– Kanzlerfeld mit Abzweig nach Lamme<br />
Zentraler Umsteigepunkt im Braunschweiger<br />
Netz ist derzeit die Haltestelle Rathaus, hier bediente<br />
sie am 17. Oktober 2013 der Tw 8162.<br />
Wird die westliche Innenstadtstrecke gebaut,<br />
müssten einige Anschlüsse und Umsteigebeziehungen<br />
neu gestaltet werden STEFAN VOCKRODT<br />
• die Neubaustrecke (Hauptbahnhof –)<br />
Salzdahlumer Straße – Heidberg (– Südstadt<br />
– Rautheim/Mascherode)<br />
• die so genannte „Campusbahn“ (Hamburger<br />
Straße –) Nördliches Ringgebiet –<br />
Querum<br />
• die Verlängerung der Linie M3 Volkmarode<br />
– Volkmarode Nord<br />
• eine <strong>Straßenbahn</strong>neubaustrecke Radeklint<br />
– Ölper<br />
• eine Verlängerung nach Querum (ab Querumer<br />
Straße, Linie M3)<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014<br />
29
Betriebe<br />
Trassenkorridore der aktuellen Stadtbahnausbaudebatte. Die Farben geben die Priorität an (hoch, mittel und nachrangig – blau) GRAFIK: STADT BS<br />
30 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014
Braunschweig<br />
• eine Verlängerung Helmstedter Straße (Krematorium,<br />
Endpunkt Linie 4) – Lindenberg<br />
– Südstadt – Rautheim/Mascherode<br />
Werden alle diese Maßnahmen in den nächsten<br />
Jahren realisiert, so wüchse das <strong>Straßenbahn</strong>netz<br />
Braunschweigs um über 20 auf<br />
rund 60 Kilometer Streckenlänge an.<br />
Pläne nicht neu<br />
Mit dem im April getroffenen Beschluss<br />
knüpft die Braunschweiger Lokalpolitik an<br />
über 20 Jahre alte Pläne an. Schon im Februar<br />
1989 beauftragte der Rat die Stadtverwaltung<br />
mit der Aufstellung eines Prioritätenkonzepts<br />
für den Ausbau des <strong>Straßenbahn</strong>netzes.<br />
Drei Jahre später legte die Verwaltung<br />
1992 eine solche Ausarbeitung vor, anschließend<br />
begann die Umsetzung der einzelnen<br />
Punkte. Unvollendet brach das nach<br />
der Jahrtausendwende ab: Die auf Kostenminimierung<br />
ausgerichtete Politik des von<br />
2001 bis 2014 amtierenden Oberbürgermeisters<br />
Dr. Gert Hoffmann (CDU) ließ<br />
manch planerisch fortgeschrittenes Projekt<br />
in eine Art „Dornröschenschlaf“ sinken.<br />
Die größten Neubaumaßnahmen der vergangenen<br />
Jahre waren die nach rund 35<br />
Jahre Planung 2006 fertiggestellte Stadtbahnanbindung<br />
Stöckheims im Süden und<br />
der Neubau des Betriebshofs mit Anschluss<br />
von der Helmstedter Straße (eröffnet 2009).<br />
Mit der seit 2011 bestehenden neuen<br />
Mehrheit von SPD, Grünen, Linken, Piraten<br />
und der BiBS beschloss der Rat nun, die<br />
Stadtbahnplanungen wieder aufzunehmen.<br />
Die westliche Innenstadtstrecke<br />
Derzeit hat Braunschweig kein wirkliches<br />
Stadtbahnnetz, die nordöstlichen und die<br />
südwestlichen Linienäste hängen alle an einem<br />
Rückgrat, das der zentrale Abschnitt<br />
Hagenmarkt – Rathaus – Schloss über den<br />
Bohlweg bildet. Besonders der Knoten am<br />
Hagenmarkt ist der neuralgische Punkt des<br />
Stadtbahnsystems, laufen hier doch vier Linien<br />
zusammen: die M1 und 2 aus Norden<br />
(Wenden bzw. Siegfriedviertel), die M3 aus<br />
Osten (Volkmarode) und die Linie 4 von<br />
Westen (Radeklint). Um zumindest teilweise<br />
diesen Knoten entlasten zu können und<br />
eine Alternative zum Nadelöhr Bohlweg zu<br />
haben, kommt der westlichen Innenstadtstrecke<br />
daher besonders hohe Priorität zu.<br />
Eine Stadtbahn von<br />
Nord-West nach Süd-Ost<br />
Die beiden Trassen Lehndorf – Kanzlerfeld/Lamme<br />
und Salzdahlumer Straße –<br />
Heidberg/Südstadt zielen auf einen Ersatz<br />
der bestehenden Buslinie 411 durch eine<br />
oder zwei Stadtbahnlinien. Die heute von<br />
Lamme via Lehndorf, die Innenstadt, den<br />
Hauptbahnhof und über die Salzdahlumer<br />
Str. in die Südstadt führende Buslinie 411 ist<br />
stark ausgelastet, sehr verspätungsanfällig<br />
Noch sind in Braunschweig sowohl von Düwag 1975 als auch von LHB 1977 gebaute Altbauwagen<br />
im Einsatz, hier verlässt der LHB-Triebwagen 7755 am 16. Mai 2014 den Berliner Platz am Hauptbahnhof.<br />
Auf Plakaten kündigt die Verkehrs-AG die Ablösung der GT6 an<br />
BODO SCHULZ<br />
und wird auf den einzelnen Abschnitten<br />
durch weitere Buslinien verstärkt.<br />
Ausgangspunkt der Strecke nach Nordwesten<br />
ist die bestehende Strecke zum Radeklint<br />
(Linie 4), dabei ist die Führung zum<br />
Wilhelminischen Ring (Rudolfplatz) bzw.<br />
zur Hannoverschen Straße noch weitgehend<br />
offen. Die Stadtverwaltung bevorzugt eine<br />
Trasse, die über die Celler Straße zunächst<br />
das Krankenhaus Celler Straße anschließt<br />
und von dort entlang des ehemaligen Ringgleises<br />
(heute ein beliebter Fuß- und Radweg)<br />
zur Hannoverschen Straße und Richtung<br />
Lehndorf fortgeführt wird.<br />
Der südöstliche Ast der „<strong>Straßenbahn</strong><br />
11“ ist weit weniger umstritten, zumindest<br />
was die Verbindung vom Hauptbahnhof via<br />
Salzdahlumer Straße zum Heidberg betrifft,<br />
Die Braunschweig <strong>Straßenbahn</strong><br />
Betreiber<br />
Braunschweiger Verkehrs-AG (BsVAG),<br />
Am Hauptgüterbahnhof 28, 38126 Braunschweig,<br />
www.bsvag.de und www.verkehrs-AG.de<br />
Spurweite: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1.100 mm<br />
Streckenlänge:. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 39,6 km<br />
Linien:. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5<br />
Betriebshöfe: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1<br />
Fahrzeuge<br />
Triebwagen: . . . . . . . . . . . . . . . . Gesamtzahl 49<br />
10 GT6 „Mannheim“ (Düwag 1975, LHB 1977)<br />
14 GT6 „Braunschweig“ (LHB 1981)<br />
1 GT6-NF (LHB 1977/MGB 2000)<br />
12 NFGT6-S1100 (AEG/LHB 1995)<br />
12 NGT8-D-BS (Alstom 2007)<br />
Beiwagen:. . . . . . . . . . . . . . . . 26 (alle Hochflur)<br />
12 EB4 „Mannheim“ (Düwag 1974, LHB 1977)<br />
14 EB4 „Braunschweig“ (LHB 1981)<br />
die auch eine Umleitungsführung für die<br />
ebenfalls stark befahrene Wolfenbütteler<br />
Straße (Linien M1 und 2) schafft. An dieser<br />
Trasse liegen auch das Klinikum Salzdahlumer<br />
Straße und ein geplantes neues Wohnund<br />
Gewerbegebiet auf dem Gelände der<br />
ehemaligen Heinrich-der-Löwe-Kaserne.<br />
Verlängerung Volkmarode Nord<br />
Dieses Projekt hat recht gute Realisierungschancen,<br />
da es inzwischen als politisch gewollt<br />
betrachtet werden kann und die Akzeptanz<br />
vor Ort schon jetzt groß ist, lediglich<br />
der Anschluss des Schulzentrums mit stark<br />
wachsender IGS kann mit der früher geplanten<br />
Führung nicht optimal erfolgen.<br />
Die weiteren Verlängerungen stammen<br />
bis auf die so genannte „Campusbahn“<br />
(Trassen 306 und 401), welche die beiden<br />
jüngeren Bereiche der TU miteinander verbinden<br />
würde, aus dem Prioritätenkonzept<br />
von 1992, das so eine nachträgliche Würdigung<br />
findet.<br />
Was lässt sich umsetzen?<br />
Der Landtag Niedersachsens hat jüngst ein<br />
„Gesetz über Zuwendungen des Landes zur<br />
Verbesserung er Verkehrsverhältnisse der<br />
Gemeinden (Niedersächsisches Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz<br />
– NdsGVFG)“<br />
beschlossen, das die Verwendung der Entflechtungsmittel<br />
des Bundes ab 2017 im<br />
Verhältnis 60 Prozent ÖPNV/40 Prozent<br />
Straße festschreibt. Da für Straßen- bzw.<br />
Stadtbahnausbauten auch Trassen im Straßenplanum<br />
– wenn verkehrlich notwendig<br />
und städtebaulich sinnvoll – förderungsfähig<br />
sind, stehen die Chancen einiger Braunschweiger<br />
Pläne auf Landeszuschüsse derzeit<br />
recht gut, sofern man in Braunschweig<br />
es schafft, bald in die konkrete Planung zu<br />
kommen.<br />
STEFAN VOCKRODT<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014<br />
31
Betriebe<br />
Für Erwachsene verboten<br />
Die Schulstraßenbahnlinien in Karlsruhe Sie sind in Deutschland einmalig – die drei<br />
nur für die Mädchen und Jungen der Europäischen Schule verkehrenden <strong>Straßenbahn</strong>linien der<br />
VBK. Doch auch die dafür eingesetzten Triebwagen sind etwas Besonderes – noch ...<br />
In den meisten deutschen Städten ist die<br />
Schülerbeförderung ein großes Thema,<br />
denn speziell zum Unterrichtsbeginn<br />
morgens erfordert diese häufig die Bereitstellung<br />
zusätzlicher Fahrten und Fahrzeuge<br />
als Verstärker regulärer <strong>Straßenbahn</strong>oder<br />
Buslinien. Einen ganz anderen Weg –<br />
in dieser Form in Deutschland einmalig –<br />
sind die Verkehrsbetriebe Karlsruhe (VBK)<br />
gegangen: In Kooperation mit der Europäischen<br />
Schule gibt es dort seit 14 Jahren drei<br />
spezielle <strong>Straßenbahn</strong>linien.<br />
Drei Linien für eine Schule<br />
Im Norden von Karlsruhe liegt am nördlichen<br />
Ende des Stadtteils Waldstadt die Europäische<br />
Schule. Sie wurde 1962 als erstes<br />
Selten sind die Einsätze der Badewannen-Tw<br />
124 und 125 geworden. Sie finden fast ausschließlich<br />
noch als Schultrams Verwendung,<br />
hier am 7. April 2011 an der Lessingstraße<br />
32 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014
Karlsruhe<br />
Fahrplan Linie 16<br />
Linie 16 „rosa“ Mo.–Fr. Mi. & Fr. Mo., Di. & Do.<br />
Schillerstraße ab 7:08 an 13:05 an 16:15<br />
Lessingstraße 7:11 13:01 16:11<br />
Otto-Sachs-Straße 7:13 12:59 16:09<br />
Mathystraße 7:14 12:58 16:08<br />
Kolpingplatz 7:16 12:56 16:06<br />
Ebertstraße 7:18 12:54 16:04<br />
Hbf Vorplatz 7:19 12:53 16:03<br />
Poststraße 7:20 12:51 16:01<br />
Tivoli 7:22 12:49 15:59<br />
Werderstraße 7:23 12:48 15;58<br />
Rüppurrer Tor 7:25 12:46 15:56<br />
Durlacher Tor 7:29 12:42 15:52<br />
Karl-Wilhelm-Platz 7:32 12:39 15:49<br />
Europäische Schule an 7:45 ab 12:27 ab 15:37<br />
Quellen aller Tabellen: www.eskar.org<br />
Beim Tw 209 handelt es sich wie beim auf Seite 32 abgebildeten<br />
Tw 208 um einen ehemaligen GT6-D. Auch dieser 1978 von der Waggon<br />
Union in Berlin gebaute Gelenktriebwagen hat mit dem Schultramdienst<br />
derzeit noch eine Aufgabe – wie lange noch, ist offen ...<br />
LINKS „Sonderwagen Europäische Schule“<br />
lautet die Zielanzeige von Tw 208 am<br />
15. April 2013, einem der letzten GT8-D<br />
der VBK. Auf den Schultramlinien 16, 17<br />
und 18 finden diese Wagen eines ihrer<br />
Rückzugsgebiete MICHAEL KOCHEMS (3)<br />
Lerninstitut dieser Art in der Bundesrepublik<br />
Deutschland gegründet. Im Jahr 2000<br />
verlängerten die VBK die Gleise der Linie 4<br />
von der bisherigen Endstelle Waldstadt um<br />
einige hundert Meter bis zum Eingang der<br />
Schule an der Albert-Schweitzer-Straße.<br />
Dazu entstand dort eine eingleisige Wendeschleife.<br />
Um die Linie 4 während des täglichen<br />
Schulbeginns bzw. -endes nicht zu stark zu<br />
belasten und für die Schüler eine möglichst<br />
umsteigefreie Verbindung in die verschiedenen<br />
Stadtteile anzubieten, haben die VBK<br />
im Dezember 2000 drei Schulstraßenbahnlinien<br />
eingerichtet, die im wesentlichen wie<br />
Schulbusse funktionieren. Sie erhielten die<br />
Liniennummern 16 bis 18 und ersetzten<br />
sechs Schulbuslinien.<br />
Weil die Benutzung der drei Linien nur<br />
für die Schüler der Europäischen Schule gestattet<br />
ist, tauchen die Fahrpläne konsequenterweise<br />
nicht bei den offiziellen Fahrplaninformationen<br />
der Verkehrsbetriebe<br />
auf. Trotzdem ist ihr Fahrplan im Internet<br />
abrufbar, nämlich auf der Seite der Europäischen<br />
Schule unter www.eskar.org.<br />
Das Betriebskonzept<br />
Täglich verkehrt jede Linie nur einmal morgens<br />
zur Schule. Die Rückfahrt erfolgt abhängig<br />
vom Schulplan entweder mittags oder<br />
nachmittags. Nur die Linie 17 verkehrt mittwochs<br />
sowohl mittags als auch nachmittags.<br />
Montags bis Freitags außerhalb der Ferien<br />
der Schule, die von den allgemeinen<br />
Schulferien in Baden-Württemberg abweichen<br />
Nach Unterrichtsende stehen an der Endschleife von Linie 4 die Triebwagen Schlange, um die<br />
Schüler abzuholen. Den am 27. März 2014 fotografierten Tw 124 hatte einst die AVG beschafft<br />
Zwischen 15:33 und 15:39 Uhr müssen die Schüler schnell in einen der drei Wagen einsteigen.<br />
Hier stürmen sie gerade am 27. März 2014 einen GT8-EP ULLRICH MÜLLER (2)<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014<br />
33
Betriebe<br />
Fahrplan Linie 17<br />
Linie 17 „braun“ Mo.– Fr. Mi. & Fr. Mo.–Mi., Fr.<br />
Weinbrenner Platz ab 7:09 an 13:05 an 16:15<br />
Hübschstraße 7:10 13:03 16:13<br />
Kühler Krug 7:11 13:02 16:12<br />
Entenfang 7:14 13:00 16:10<br />
Entenfang 7:15 12:59 16:09<br />
Philippstraße 7:16 12:57 16:07<br />
Händelstraße 7:17 12:56 16:06<br />
Yorckstraße 7:19 12:55 16:05<br />
Europaplatz 7:24 12:50 16:00<br />
Marktplatz 7:27 12:46 15:56<br />
Hirtenweg 7:37 12:37 15:47<br />
Sinsheimer Straße 7:38 12:36 15:46<br />
Glogauer Straße 7:41 12:33 15:43<br />
Waldstadt Zentrum 7:42 12:32 15:42<br />
Europäische Schule an 7:47 ab 12:28 ab 15:38<br />
können, sieht das tägliche Betriebsschema damit<br />
immer gleich aus: Frühmorgens rücken<br />
drei Triebwagen zu den Startpunkten der<br />
drei Linien an der Schillerstraße, am Weinbrenner<br />
Platz und in Durlach aus. Von dort<br />
fahren sie so los, dass sie alle kurz nacheinander<br />
zwischen 7:45 und 7:54 Uhr an der<br />
Schule ankommen. Unterwegs wird nur an<br />
ausgewählten Haltestellen gestoppt. Nach<br />
dem Ausstieg der Schüler räumen die drei<br />
Triebwagen die Schleife für die Linie 4 und<br />
rücken über die Tullastraße in den gleichnamigen<br />
Betriebshof ein, wo sie eine Betriebspause<br />
verbringen. Mittags bzw. nachmittags<br />
läuft der Prozess genau umgekehrt – die drei<br />
Triebwagen fahren erst zur Schule, verlassen<br />
kurz hintereinander die Schleife und fahren<br />
wieder in die Stadt. Weil sie alle drei bis zum<br />
Hauptfriedhof denselben Linienweg haben,<br />
bedienen die Linien 17 und 18 in dem Teilstück<br />
unterschiedliche Haltestellen. Die von<br />
der Schillerstraße kommende Linie 16, die<br />
zuvor auch den Hauptbahnhof bedient hat,<br />
fährt vom Karl-Wilhelm-Platz bis zur Schule<br />
gleich ohne Halt durch.<br />
Fahrzeuge interessanter als Konzept<br />
Seit jeher sind die Schulstraßenbahnlinien<br />
auch in punkto Fahrzeugeinsatz etwas Besonderes:<br />
War hier zunächst das letzte Refugium<br />
der von der Albtalbahn stammenden<br />
Düwag-Gelenkwagen, so laufen seit einigen<br />
Jahren hier die ebenfalls vom baldigen Ab-<br />
Verlauf der Karlsruher<br />
Schultramlinien 16,<br />
17 und 18<br />
GRAFIK: ROBERT SCHWANDL<br />
Waldstadt<br />
Europäische Schule<br />
16 17 18<br />
Waldstadt Zentrum<br />
Glogauer Str.<br />
Im Eichbäumle<br />
Fächerbad<br />
Sinsheimer Str.<br />
Hirtenweg<br />
Technologiepark<br />
-<br />
Europaplatz<br />
Karl-Wilhelm-Platz Hauptfriedhof<br />
Entenfang Philippstr. Händelstr.<br />
Yorckstr. Schillerstr.<br />
Rintheimer<br />
Marktplatz Durlacher<br />
Str.<br />
Hübschstr. 16<br />
Lessingstr.<br />
Tor<br />
Tullastr./<br />
Kühler Krug Weinbrennerpl.<br />
Otto-Sachs-Str.<br />
Rüppurrer Tor VBK<br />
17 18 Durlach<br />
Mathystr.<br />
Werderstr.<br />
Turmberg<br />
17<br />
Kolpingpl.<br />
Ebertstr.<br />
17<br />
Poststr.<br />
16<br />
Tivoli<br />
KARLSRUHE Hbf<br />
16·17<br />
18<br />
)<br />
)<br />
Friedrichschule<br />
Schlossplatz<br />
K.-Weysser-<br />
Str.<br />
G<br />
34
Fahrplan Linie 18<br />
Karlsruhe<br />
Linie 18 „grün“ Mo.– Fr. Mi. & Fr. Mo, Di. & Do.<br />
Durlach Turmberg ab 7:30 an 12:52 an 16:02<br />
Karl-Weysser-Straße 7:31 – –<br />
Schlossplatz 7:32 12:51 16:01<br />
Friedrichschule 7:34 12:49 15:59<br />
Tullastraße 7:40 12:43 15:53<br />
Rintheimer Straße 7:42 12:41 15:51<br />
Hauptfriedhof 7:43 12:40 15:50<br />
Fächerbad 7:47 12:36 15:46<br />
Im Eichbäumle 7:48 12:35 15:45<br />
Europäische Schule an 7:54 ab 12:29 ab 15:39<br />
Lesen<br />
<br />
Sie noch oder<br />
sammeln<br />
Sie schon?<br />
Auch der 1978 von der Waggon Union gebaute Tw 213 (1980 vom GT6<br />
in einen GT8 umgebaut) kam in den vergangenen Jahren oft im Schultramliniendienst<br />
zum Einsatz. Diese Aufnahme zeigt ihn am 18. März<br />
2009 in der Nähe der Endschleife in Karlsruhe-Waldstadt<br />
schied bedrohten, den Düwag-GT ähnlichen<br />
Gelenkwagen der Berliner DWM/Waggon-<br />
Union. Außerdem stehen die Chancen gut,<br />
dass auf einer der Linien mindestens eine der<br />
beiden noch vorhandenen „Badewannen“<br />
eingesetzt wird. Dieser Spitzname gilt den<br />
zwei ortsüblich als „GT8-70C“ bezeichneten,<br />
achtachsigen Gelenkwagen 124 und<br />
125, von denen die Berliner Waggon-Union<br />
1975 vier Exemplare an die Albtalbahn geliefert<br />
hatte (ursprünglich mit elektropneu-<br />
matischer Steuerung – siehe SM 6/2014, Seite<br />
48). Nicht auszuschließen ist jedoch auch<br />
der Einsatz eines Niederflurwagens. Wenn<br />
im Laufe des Jahres 2014 die GT8 auf ihrer<br />
letzten regulären Einsatzlinie 5 durch Niederflurwagen<br />
ersetzt werden, könnte es sein, dass<br />
sie auf den Schulstraßenbahnlinien noch einige<br />
Zeit bleiben. Doch darüber haben die VBK<br />
noch nicht entschieden. Deshalb sei sicherheitshalber<br />
Eile angesagt, um diese Fahrzeuge<br />
hier noch zu erleben. MICHAEL KOCHEMS<br />
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Am 24. März 2003 war der Tw 120 auf der Schulstraßenbahnlinie 18 im Einsatz, hier im Bereich<br />
von Karlsruhe-Waldstadt. Der einst von der AVG beschaffte GT8-EP (Düwag 1969) erfuhr 2004 einen<br />
Umbau zum Fahrradtransportwagen, 2011 erfolgte seine Verschrottung MICHAEL KOCHEMS (2)<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014<br />
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Brückenschlag<br />
nach Lobeda<br />
Jenas Linie 3 im Porträt Nach Inbetriebnahme mehrerer Neubauabschnitte bietet die<br />
Linie 3 heute eine moderne Nahverkehrsverbindung zwischen Jena-Ost und Lobeda-Ost im<br />
Süden der Stadt. Zu den Besonderheiten zählt dabei nicht nur eine Häuserdurchfahrt …<br />
36 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014
Jena<br />
Mit ihrem Vorläufer, der den<br />
Westbahnhof mit dem Saalbahnhof<br />
verbindenden alten Linie<br />
3, hat die heutige „3“ fast<br />
nichts gemeinsam. Die alte 3 hatte der VEB<br />
(K) Städtischer Verkehr Jena 1963 auf Busbetrieb<br />
umgestellt (innerer Teil der heutigen<br />
Stadtbuslinie 15). Die „neue 3“ befuhr ab<br />
dem 16. Dezember 1996 als reine Tangentiallinie<br />
den ersten Abschnitt der neuen<br />
<strong>Straßenbahn</strong>anbindung von Winzerla nach<br />
Lobeda-Ost im Süden der Universitätsstadt.<br />
Mit der Netzumstellung von 2009 erreichte<br />
sie die Innenstadt und bildete fortan<br />
mit den Linien 4 und 5 eine der drei täglich<br />
verkehrenden „Hauptlinien“ im <strong>Straßenbahn</strong>netz.<br />
Montags bis freitags wird sie in<br />
ihrem nordöstlichen und zentralen Abschnitt<br />
durch die Linie 2 verstärkt.<br />
Die Fahrt beginnt<br />
Die Endstelle Jena-Ost im Bereich des<br />
Eschenplatzes befindet sich im Stadtteil Wenigenjena.<br />
Dieser Name wird einerseits mit<br />
„Klein-Jena“ erklärt, könnte sich jedoch<br />
auch auf eine ursprünglich slawische Siedlung<br />
(= „wendisches Jena“) beziehen.<br />
Auf ihren ersten Kilometern ab der Endstelle<br />
hat die Linie 3 noch meist das Erscheinungsbild<br />
einer für die erste Hälfte des<br />
20. Jahrhunderts typischen „Kleinstadtstraßenbahn“:<br />
eine eingleisige Strecke mit älteren<br />
Fahrleitungsmasten. Zunächst liegt das<br />
Gleis bis zur dritten Station in Seitenlage<br />
durch einen Bordstein getrennt neben der<br />
Straße. In Fahrtrichtung rechts ist stets der<br />
„Jenzig“, Jenas markanteste Erhebung, zu<br />
sehen. Sie ist für <strong>Straßenbahn</strong>fotos als stimmungsvoller<br />
Hintergrund geeignet.<br />
Ab der Haltestelle Jenzigweg, der zugleich<br />
einzigen Ausweichstelle im eingleisigen Abschnitt,<br />
verläuft das Gleis auf der nunmehr<br />
nach Südwesten führenden Karl-Liebknecht-<br />
Straße straßenbündig, nur teilweise durch<br />
Fahrbahnmarkierungen vor dem entgegenkommenden<br />
Kraftfahrzeugverkehr „geschützt“.<br />
In den 2000er-Jahren ließ die Jenaer<br />
Nahverkehrsgesellschaft die Strecke ab<br />
Höhe Einmündung Schenkstraße in Richtung<br />
anderes Saaleufer zweigleisig ausbauen,<br />
die Haltestelle Geschwister-Scholl-Straße ist<br />
seitdem als Kaphaltestelle ausgeführt.<br />
Kurz vor der Saale passieren die Wagen<br />
am Ostufer die „Grüne Tanne“, ein traditionsreiches<br />
Gasthaus, bekannt als Gründungsort<br />
der Jenaer Urburschenschaft<br />
Von der Göschwitzer (Straßen-)Brücke sind<br />
solche Aufnahmen auf die <strong>Straßenbahn</strong>brücke<br />
über die Saale und das Flüsschen Roda<br />
möglich. Genutzt wird sie unter anderem<br />
von der Linie 3 Jena-Ost – Lobeda-Ost. Am<br />
13. März 2014 war der im Vorjahr beschaffte<br />
Solaris-Tramino 702 hier unterwegs<br />
FOTOS, WENN NICHT ANDERS ANGEGEBEN: RONALD GLEMBOTZKY<br />
Bereits seit 1972 ragt der 159,60 Meter hohe Jentower mit seinen 29 Obergeschossen in den Himmel,<br />
daneben steht die Jenaer Stadtkirche. Der Tw 617 überquert hier auf der Camsdorfer Brücke<br />
die Saale und wird in Kürze die Haltestelle Geschwister-Scholl-Straße in Wenigenjena erreichen<br />
1815. An der folgenden Brücke endet zugleich<br />
der Stadtteil Wenigenjena.<br />
Das erste Mal über die Saale<br />
Die Jena von Süd nach Nord durchquerende<br />
Saale, die gemeinsam mit ihren Zuflüssen die<br />
Stadt und ihr Umland landschaftlich stark geprägt<br />
hat, überqueren die Linien 2 und 3 (sowie<br />
nachts die 33) auf der Camsdorfer Brücke.<br />
Bei dem heute so genannten Bauwerk handelt<br />
es sich um einen Neubau aus den Jahren<br />
2004/05. Eine an dieser Stelle 1913 fertiggestellte<br />
Vorgängerbrücke bot einst die Grundlage<br />
für die Erschließung von Wenigenjena mit<br />
der <strong>Straßenbahn</strong>. Mit dieser ist Jena-Ost seit<br />
30. Mai 1914 – also fast exakt 100 Jahre – zu<br />
erreichen. Die am 13. Juli 1946 nach ihrer<br />
Daten & Fakten: Jenas Linie 3<br />
Betreiber: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .<br />
. . . . . . . Jenaer Nahverkehrsgesellschaft GmbH<br />
(ein Tochterunternehmen der Stadtwerke Jena)<br />
Linienlänge: . . . . . . . . . 13,9 km (über Winzerla)<br />
Haltestellen: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 29<br />
Fahrzeit:. . . . . . . . . . . . . . . . . 39 bis 40 Minuten<br />
Linienfarbe: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . rosa<br />
üblicher Takt:. . . . . . . . . . . . . . alle 20 Minunten<br />
Spitzentakt: . . . . . . . . . . . . . . . . alle 15 Minuten<br />
Verstärkungen: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .<br />
• Mo–Fr durch Linie 2 (Jena-Ost – Winzerla,<br />
ebenfalls im 20-/15-Minuten-Takt)<br />
• abends, nachts und Sonntagvormittag: abschnittsweiser<br />
Ersatz durch die Linien 33,<br />
34 und 35 (30- bzw. 40-Min.-Takt)<br />
Anzahl Kurse: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .<br />
• 6 (Wochenende) bis 10 (Mo-Fr an Schultagen,<br />
zusammen mit Linie 2)<br />
Wageneinsatz: . . . . . . . . . . . GT6M-ZR, Tramino<br />
Einzelfahrt: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1,90 Euro<br />
Tageskarte: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4,90 Euro<br />
Kriegszerstörung wiedereröffnete Brücke<br />
sperrte die Stadtverwaltung aufgrund gravierender<br />
Baumängel am 14. November 2003 für<br />
den gesamten Straßenverkehr. Anschließend<br />
ließ sie das Bauwerk 2004 abtragen und durch<br />
einen Neubau ersetzen, dessen Einweihung am<br />
28. April 2005 ein großes Fest war.<br />
Vom Frühjahr bis zum Oktober 2004 hielt<br />
die Nahverkehrsgesellschaft während dieser<br />
Brückenarbeiten den <strong>Straßenbahn</strong>verkehr auf<br />
der Ostseite mit den letzten Gotha-Wagen im<br />
Inselbetrieb aufrecht. Am Westufer der Saale<br />
angekommen, unterquert die Straße sogleich<br />
den Damm der auch als „Saalbahn“ bekannten<br />
Eisenbahnstrecke Großheringen –/Abzweig<br />
Saaleck – Saalfeld (Saale) und kreuzt<br />
anschließend die Straße Am Eisenbahndamm/Am<br />
Anger die stark belastete Nord-<br />
Süd-Achse des Jenaer Straßenverkehrs (die<br />
Bundesstraße 88, Naumburg – Rudolstadt).<br />
Im Stadtzentrum<br />
Die letzte Haltestelle vor dem eigentlichen<br />
Stadtzentrum liegt im Steinweg. Nördlich<br />
dehnt sich das Entwicklungsgebiet Inselplatz<br />
aus; ein in den 1980er-Jahren errichtetes<br />
Kaufhaus ist bereits abgerissen. Nun<br />
sind hier neben Universitätseinrichtungen<br />
auch Wohnungen geplant.<br />
Über ein Gleisdreieck schließt die Linie 3<br />
an den Streckenast in den Jenaer Norden an<br />
(Linien 1 und 4 sowie nachts die 34), führt<br />
selbst aber ein kurzes Stück nach Süden, bis<br />
sie um den Roten Tum herum scharf nach<br />
Westen abbiegt. Entlang des Löbdergrabens<br />
– dieser Name bezieht sich auf hier früher<br />
vorhandene Anlagen der Stadtbefestigung –<br />
wird die kleine Jenaer Innenstadt mit ihren<br />
engen Gassen südöstlich umfahren.<br />
Die nun folgende Haltestelle Löbdergraben<br />
fungiert gemeinsam mit den benachbarten,<br />
aber nicht von der Linie 3 bedienten Haltestellen<br />
Teichgraben und Holzmarkt als zentraler<br />
Umsteigepunkt im Jenaer ÖPNV-Netz.<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014<br />
37
Betriebe<br />
Die Haltestelle Jenzigweg ist zugleich die einzige Ausweiche im eingleisigen Abschnitt zwischen<br />
Jena-Ost und der Haltestelle Geschwister-Scholl-Straße. Im Hintergrund ist der Jenzig erkennbar,<br />
der sich in Wenigenjena häufig als Bildhintergrund anbietet<br />
Johann Friedrich I. von Sachsen, einstiger Gründer<br />
der heutigen Friedrich-Schiller-Universität<br />
Jena (Gründungsjahr 1558), in der Innenstadt<br />
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Linienverlauf und Stationsübersicht<br />
von Jenas <strong>Straßenbahn</strong>linie 3<br />
ZEICHNUNG: SEBASTIAN PASCHINSKY<br />
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In diesem Bereich bestehen<br />
Umsteigemöglichkeiten zu<br />
nahezu allen weiteren Linien<br />
des Stadtverkehrs. Zugleich<br />
befinden sich hier viele<br />
zentrale Einrichtungen, ein Kino<br />
sowie zahlreiche Geschäfte und Restaurants.<br />
Bei der Neugestaltung des<br />
Holzmarktes und seiner Umgebung<br />
gaben Stadtverwaltung und Verkehrsgesellschaft<br />
die alte eingleisige <strong>Straßenbahn</strong>strecke<br />
durch die Neugasse zur Straße vor dem<br />
Neutor auf und ersetzten sie durch eine leistungsfähigere<br />
zweigleisige Trassierung entlang<br />
der Kronengasse und Straße „Am Volksbad“<br />
inklusive einer Hausdurchfahrt innerhalb eines<br />
neu errichteten Einkaufszentrums. Und so<br />
führt die Linie 3 auf ihrem weiteren Weg in<br />
Richtung Süden direkt unter einem Restaurant<br />
entlang! In der Kronengasse mündet zugleich<br />
die vom Ernst-Abbe-Platz kommende Linie 5<br />
vom Holzmarkt in die neugebaute Trasse ein,<br />
die damit von allen fünf Jenaer <strong>Straßenbahn</strong>-<br />
Tageslinien benutzt wird. Beim „Volksbad“<br />
handelt es sich um ein ehemaliges Wannen-<br />
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und Brausebad<br />
mit angeschlossener<br />
Schwimmhalle,<br />
was nach fast<br />
100-jähriger Nutzung<br />
2001 schloss.<br />
Heute beherbergt<br />
es nur noch Büros,<br />
Lager und einen<br />
Veranstaltungsraum<br />
des Jenaer Kulturbetriebes.<br />
Umsteigeknoten Jena Paradies<br />
Das südliche Ende der parallel zur Straße „Am<br />
Volksbad“ trassierten Neubaustrecke mündet<br />
auf die Knebelstraße ein. Auf der Kreuzung<br />
mit dieser Straße befindet sich ein weiteres<br />
Gleisdreieck. Führen die Linien 1, 4 und 5<br />
nach links zur nächsten Saalebrücke, so biegen<br />
die Linien 2 und 3 gemeinsam nach rechts ab.<br />
Ab hier verläuft die <strong>Straßenbahn</strong> parallel zur<br />
Saalbahn. Deren Haltepunkt Jena Paradies<br />
verlegte die DB AG im Jahr 2005 etwas nach<br />
Norden, wo er sich in zeitgenössischer Erscheinungsform<br />
wiederfindet.<br />
Diese Station ist eine der drei bedeutenden<br />
Eisenbahnhalte im Jenaer Stadtgebiet, heute<br />
jedoch der einzige mit Bedienung durch Fernverkehrszüge.<br />
Der erst wenige Jahre alte Busbahnhof<br />
nördlich der Knebelstraße ergänzt<br />
diesen Nahverkehrsknoten. Neben Regionalbuslinien<br />
verschiedener Anbieter halten hier<br />
inzwischen auch diverse Fernbuslinien.<br />
Parallel zur Saalbahn<br />
Nach dem Verlassen der Innenstadt führt die<br />
Linie 3 die nächsten Kilometer mehr oder weniger<br />
parallel zur Saalbahn in Richtung Süden.<br />
Der Name der Haltestelle Felsenkeller<br />
erinnert an das früher hier gelager te Bier einer<br />
Brauerei. Nicht weit entfernt befinden<br />
sich der Bahnhof Jena West (an der Eisenbahnstrecke<br />
Weimar – Gera) und das Geraer<br />
Justizzentrum. Gleich nach der Haltestelle<br />
ist die <strong>Straßenbahn</strong> wieder straßenbündig<br />
entlang der Kahlaischen Straße trassiert.<br />
Während sich nach links die Grünflächen der<br />
Oberaue im hier breiten Saaletal ausbreiten,<br />
steigt das Gelände rechts deutlich an. Vereinzelt<br />
zeigen sich sogar mächtige Felswände.<br />
Nur wenige hundert Meter vor der Haltestelle<br />
Ringwiese überquert die Weimar-Geraer<br />
Eisenbahn auf einer Brücke die Kahlaische<br />
Straße. Die <strong>Straßenbahn</strong> verläuft fortan<br />
wieder auf einer separaten, anders als in Wenigenjena<br />
allerdings zweigleisigen Trasse.<br />
Entlang der Rudolstädter Straße<br />
In Fahrtrichtung rechts prägen nun zunächst<br />
die zur Ernst-Abbe-Siedlung gehörenden Reihen-<br />
und Doppelhäuser das Bild. Doch der<br />
38 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014
Jena<br />
Anblick ändert sich bis zur nächsten Haltestelle<br />
Damaschkeweg schlagartig: Ab der von<br />
rechts einmündenden Winzerlaer Straße flankieren<br />
die vorwiegend mehrgeschossigen Plattenbauten<br />
des Neubaugebietes Winzerla die<br />
Strecke. Die Haltestelle Damaschkeweg bietet<br />
wichtige Umsteigebeziehungen zu Buslinien<br />
insbesondere in Richtung Beutenberg, Lichtenhain<br />
und Zeisswerk.<br />
Nur wenige hundert Meter südlich schließt<br />
an einem Gleisdreieck die 1996 eröffnete<br />
Neubaustrecke in Richtung Neulobeda an.<br />
Die Linien 2 und 3 teilen sich die Bedienung<br />
des kurzen Restabschnittes nach Winzerla:<br />
Montags bis freitags zwischen etwa 6.30 und<br />
19 Uhr nutzt die Linie 3 die direkte Verbindung<br />
in Richtung Burgau und Lobeda. Den<br />
Abschnitt zur Wendeschleife Winzerla befährt<br />
zu diesen Zeiten werktags nur die Linie<br />
2. Am Wochenende sowie zu den übrigen Betriebszeiten<br />
bedient die Linie 3 Winzerla mit.<br />
Diese Haltestellenanlage verfügt über zwei<br />
Schleifengleise und drei Bahnsteige. Auch<br />
dort bestehen Umsteigemöglichkeiten zu<br />
zahlreichen städtischen und regionalen Buslinien.<br />
Während die Linie 2 planmäßig über<br />
den Gleiswechsel umsetzt, befahren die <strong>Straßenbahn</strong>linie<br />
3 und nachts die Linie 34 die<br />
Wendeschleife. Das innere Gleis wird dann<br />
planmäßig für die Fahrten in Richtung Neulobeda,<br />
das äußere – analog zur Linie 2 – in<br />
Richtung Stadtzentrum (– Jena-Ost) genutzt.<br />
Durch Burgau<br />
Am Gleisdreieck Winzerla kreuzt die Linie<br />
3 die Rudolstädter Straße und führt nach<br />
Osten in Richtung Burgau auf einem brei-<br />
Vom Holzmarkt führen alle fünf werktags verkehrenden Linien der Jenaer Nahverkehrsgesellschaft<br />
unter einem Neubau zur Kronengasse. Von dort kommend ist hier am 23. Mai 2014 der<br />
im Jahre 2002 in Bautzen gebaute Tw 625 auf dem Weg nach Jena-Ost SEBASTIAN PASCHINSKY<br />
Hinter der Haltestelle Alte Burg auer<br />
Brücke erheben sich die Kernberge,<br />
ein 391,6 Meter hoher Muschelkalkbergzug<br />
östlich von Jena<br />
RONNY DAUER<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014<br />
39
Betriebe<br />
An der Haltestelle Ernst-Ruska-Ring wird erstmals das Gewerbegiebt Jena-Süd erreicht. In über<br />
160 Unternehmen arbeiten hier heute ca. 6.000 Menschen. Am 19. Oktober 2013 legte der Triebwagen<br />
612 seinen regulären Halt auf der Fahrt nach Lobeda-Ost ein<br />
ten Grünstreifen südlich der Lobedaer Straße.<br />
In diesem Bereich bildet die Linie 3 eine<br />
Tangentialverbindung im Jenaer Netz. Kurz<br />
hinter der Haltestelle Freizeitbad, direkt neben<br />
einem „Spaßbad“ und in der Nähe eines<br />
Heizkraftwerkes der Stadtwerke Jena<br />
gelegen, unterquert die Strecke in Burgau<br />
die beiden Gleispaare von Saalbahn und<br />
der Weimar-Geraer Eisenbahn. Schon unter<br />
der Brücke liegen die Weichen des nächsten<br />
Gleisdreiecks: Hier mündet die Linie 3 auf<br />
die von den Linien 1, 4 und 5 genutzte kürzere<br />
Strecke vom Stadtzentrum (über die<br />
Oberaue) nach Neulobeda ein.<br />
Die Verbindung von der Tangentialstrecke<br />
aus Winzerla nach in Richtung Zentrum<br />
dient dabei ausschließlich betrieblichen<br />
Zwecken und wird im Liniendienst regulär<br />
nicht genutzt.<br />
Die östlich des Gleisdreiecks neben einem<br />
Einkaufszentrum folgende Haltestelle Burgaupark<br />
wird von den Linien 1, 3, 4 und 5<br />
bedient. Kurz nach dieser Haltestelle zweigt<br />
die jüngste Neubaustrecke im Jenaer <strong>Straßenbahn</strong>netz<br />
nach Süden ab. Diese wird<br />
von den Linie 1 und 3 sowie abends und am<br />
Sonntagvormittag allein durch die Linie 35<br />
befahren und erschließt – nach dem Passieren<br />
des östlichen Randes des alten Dorfes<br />
Burgau – das Gewerbegebiet Göschwitz sowie<br />
den Bahnhof Göschwitz.<br />
Neben der Haltestelle Alte Burgauer Brücke<br />
liegen die namensgebende alte Steinbrücke<br />
sowie ein Biergarten in unmittelbarer<br />
Nähe zur Saale. Burgau war schon<br />
zwischen 1908 und 1967 durch die Jenaer<br />
<strong>Straßenbahn</strong> erschlossen. Die frühere Streckenführung<br />
mitten durch den Ort ist heute<br />
jedoch kaum mehr auszumachen.<br />
Im Bereich des Eisenbahnknotens<br />
Jena-Göschwitz<br />
Die größtenteils etwas abseitige Lage der<br />
weiteren Neubaustrecke erlaubt eine hohe<br />
Fahrgeschwindigkeit, sorgt aber auch für<br />
teilweise lange Fußwege zu den Haltestellen<br />
Ernst-Ruska-Ring, Felsbachstraße und<br />
Fast keine Autos störten zum Zeitpunkt der Aufnahme auf der sonst stark befahrenen Kahlaischen Straße. Vor prächtigen Wohnhäusern mit Fachwerk<br />
ist der Solaris-Tramino 702 zwischen den Haltestellen Mühlenstraße und Ringwiese in Richtung Lobeda-Ost unterwegs<br />
40 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014
Jena<br />
Nach dem Unterqueren der Weimar-Geraer<br />
Eisenbahn folgt die Haltestelle Ringwiese<br />
vor allem Jenoptik. Westlich der Strecke<br />
dominieren inzwischen kaum genutzte Flächen<br />
der früheren Einsatzstelle Göschwitz<br />
des Bahnbetriebswerkes Saalfeld und des<br />
Güterbahnhofs Göschwitz (Saale). Der<br />
Personenbahnhof Jena-Göschwitz fungiert<br />
zwar teilweise als „Hauptbahnhof“ von<br />
Jena. Hier halten jedoch inzwischen ausschließlich<br />
die Züge des Eisenbahnregionalverkehrs.<br />
Durch seine zentrumsferne<br />
Lage und weil die Züge des Fernverkehrs<br />
hier nicht halten, ist er jedoch nicht so bedeutend,<br />
wie die beiden zentraler gelegenen<br />
Stationen (Jena West und Jena Paradies).<br />
Trotzdem hat Jena-Göschwitz seit der Inbetriebnahme<br />
der <strong>Straßenbahn</strong>erweiterung<br />
an Bedeutung gewonnen, da die zu seinem<br />
Erreichen früher notwendigen Umwege<br />
entfielen und ein deutlich attraktiveres<br />
Fahrtenangebot als mit der früheren Buslinie<br />
13 besteht.<br />
Neubautrassenabschnitte<br />
auch in Jena-Lobeda<br />
In einem weiten Bogen unterquert die folgende<br />
Trasse zunächst die Göschwitzer<br />
Straße und überquert gleich danach die<br />
Saale sowie das Flüsschen Roda. Gleichzeitig<br />
steigt das Gelände hier wieder spürbar<br />
an. Am Ostufer der Saale erreicht die Strecke<br />
nun die Plattenbauten der Großsiedlung<br />
Neulobeda. An der dreigleisigen früheren<br />
Endstelle Lobeda-West schließt sie<br />
wieder an die <strong>Straßenbahn</strong>neubaustrecke<br />
von 1996 an. Nach einem weiteren Links-<br />
An der Haltestelle Damaschkeweg bestehen Übergangsmöglichkeiten zum Stadtbus. Ab hier<br />
fährt die Linie 3 teilweise direkt nach Burgau oder zuerst über Winzerla<br />
Zwischen Gewerbegebiet und Bahnanlagen geht es zum Bahnhof Jena-Göschwitz. Im Hintergrund<br />
erheben sich die Kernberge. Sie sind ein Erkennungszeichen des Saaletals in diesem Bereich<br />
Im Bereich des Bahnhofes Jena-Göschwitz führt<br />
das Gleis der Linie 3 nah an den Eisenbahnschienen<br />
entlang. In Fahrtrichtung Lobeda-Ost<br />
befindet sich Tramino 703 am 21. März 2014 im<br />
Steigungsabschnitt hinauf zur Brücke über<br />
Saale und das Flüsschen Roda RONNY DAUER<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014<br />
41
Betriebe<br />
bogen treffen wir auf das Gleisdreieck Lobeda,<br />
über welches die direktere Strecke<br />
entlang der Stadtrodaer Straße anbindet<br />
(dort verkehren die Linien 4 und 5). Neulobeda<br />
wurde zunächst ausschließlich über<br />
diese deutlich kürzere und nur eine Zwischenhaltestelle<br />
aufweisende Strecke erreicht.<br />
Die Linie 3 von vor 2009 bediente<br />
Lobeda-West mittels „Stichfahrt“ mit. Östlich<br />
des Gleisdreiecks wird die schnellstra-<br />
Lange Zeit Endstation: Lobeda-West. Nach Einweihung der Neubaustrecke auf das andere<br />
Saaleufer wird von hier aus in wenigen Minuten der Bahnhof Jena-Göschwitz erreicht<br />
ßenartig ausgebaute Stadtrodaer Straße auf<br />
einer separaten <strong>Straßenbahn</strong>brücke überquert.<br />
Tagsüber dient allein die Linie 3 der<br />
relativ starken ÖPNV-Nachfrage zwischen<br />
Lobeda-West und -Ost.<br />
An Neubaublöcken vorbei<br />
dem Endpunkt entgegen<br />
Die Gleistrasse wechselt nun in Mittellage<br />
der Erlanger Allee. Beiderseits der Straße<br />
dominieren zunächst noch mehrgeschossige<br />
Plattenbauten, die auf der Nordseite bald<br />
vom ausgedehnten Komplex des Universitätsklinikums<br />
abgelöst werden. Auf der<br />
Südseite der gleichnamigen Haltestelle befindet<br />
sich das Stadtteilzentrum von Lobeda-Ost.<br />
Die Bebauung lockert sich ab hier<br />
etwas auf, denn mehrheitlich nur noch fünfgeschossige<br />
Wohngebäude beherrschen nun<br />
das Bild. Nach zwei weiteren Haltestellen<br />
ist die südliche Endstelle der Linie 3 erreicht,<br />
nachdem die Trasse auf dem letzten<br />
Stück wieder in die nördliche Seitenlage gewechselt<br />
hat.<br />
Bei der dreigleisige Endstellenanlage<br />
han delt es sich zugleich um die höchstgelegene<br />
Haltestelle im Jenaer <strong>Straßenbahn</strong>netz.<br />
Die Linie 3 teilt sie sich mit der wichtigeren<br />
Linie 5, die eine deutlich schnellere<br />
Verbindung in Richtung Stadtzentrum bietet<br />
und montags bis freitags auch häufiger<br />
fährt.<br />
ROBERT MÜLLER<br />
Endstation der Linie 3 im Südosten:<br />
Lobeda-Ost. Der Solaris-Tramino 704<br />
bedient hier am 13. März 2014 die<br />
Linie 5, der Tw 624 die Linie 3<br />
42 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014
Nächster Halt: …<br />
Nicht auf übermäßigen Alkoholkonsum, sondern auf einen so benannten Hof geht der Name der Krefelder Haltestelle „Schicks“ zurück. Tw 609 erreicht<br />
hier auf seiner Fahrt nach Fischeln das Krefelder Stadtgebiet. Ein paar Meter weiter geht es ins Depot der SWK<br />
CHRISTIAN LÜCKER<br />
Nächster Halt:<br />
Schicks<br />
Wo sich heute täglich tausende Autos nach Tönisvorst,<br />
Gatherhof, Kempen und in die Krefelder<br />
City schieben und dutzende <strong>Straßenbahn</strong>en<br />
Richtung Fischeln und St. Tönis rollen, da<br />
befand sich bis Ende des 19. Jahrhunderts nicht<br />
viel mehr als ein Bauernhof. Der „Schickshof“<br />
war für die Krefelder aber von besonderer Bedeutung:<br />
Er markierte eine der wenigen Stellen,<br />
an denen die Bürger den Abwehrgraben der<br />
Stadt überqueren konnten. Solche sogenannten<br />
Schlagbaumstellen wurden häufig nach benachbarten<br />
Höfen benannt. So kommt die<br />
Siedlung „Schicksbaum“ zu ihrem Namen.<br />
Und auch die Haltestelle Schicks erinnert noch<br />
an die Familie, der hier einst das Umland gehörte.<br />
Heute befindet sich an dieser Stelle die<br />
Stadtgrenze: Direkt hinter der Haltestelle<br />
Schicks verlässt die <strong>Straßenbahn</strong>linie 041 Krefeld,<br />
um ins etwa drei Kilometer entfernte St.<br />
Tönis zu fahren. Von dort aus startet übrigens<br />
die längste zusammenhängende Straßen- und<br />
Stadtbahnfahrt Deutschlands. Wer gutes Sitzfleisch<br />
hat, der kann von St. Tönis über Krefeld,<br />
Düsseldorf, Duisburg, Mülheim, Essen,<br />
Gelsenkirchen und Bochum bis an den äußersten<br />
Zipfel Wittens fahren. Auf der Schiene ergibt<br />
das immerhin eine Fahrstrecke von über<br />
100 Kilometern.<br />
Doch nicht überall gibt es einen so komfortablen<br />
Takt wie an der Haltestelle Schicks:<br />
Wochentags rollen hier alle zehn Minuten<br />
hochflurige M8C oder die Niederflurwagen<br />
des Typs Flexity Outlook vor.<br />
Und an wohl kaum einer anderen Haltestelle<br />
im Krefelder Stadtgebiet wird das Fahrpersonal<br />
so häufig gegrüßt wie hier. Ein Großteil<br />
des Fahrpersonals und der Kontrolleure<br />
nutzt die Haltestelle nämlich selbst: Ganz in<br />
der Nähe, in Fahrtrichtung Innenstadt, befindet<br />
sich der Betriebshof der SWK, der<br />
sämtliche 39 Krefelder Linienfahrzeuge beheimatet.<br />
CHRISTIAN LÜCKER<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014<br />
43
Fahrzeuge<br />
Der erste Schweizer Gelenkmotorwagen, der Be 6/6 Nr. 1802 der VBZ hier noch als 1701 im<br />
Ablieferungszustand 1960 im Frankental (Höngg)<br />
FOTO: MFO, SAMMLUNG HANS. BODMER<br />
Zwei Karpfen<br />
als Basis<br />
Der Be 6/6 Nr. 1701 (1802) der Verkehrsbetriebe der Stadt<br />
Zürich Er war der erste Gelenktramwagen in der Schweiz –<br />
technisch basierte er dabei auf den Großraumwagen-artigen<br />
Be 4/4 Nr. 1416 bis 1430. Doch welche Veränderungen erfuhr<br />
das Einzelstück in seiner Heimatstadt und wo ist er heute?<br />
Der Zürcher Gelenkmotorwagen<br />
Be 6/6 Nr. 1802 (ex 1701) am 5. Mai<br />
1989 einsatzbereit in der Gessne r -<br />
allee. Einsätze mit Beiwagen – wie<br />
hier mit B4 Nr. 786 – waren viele<br />
Jahre üblich<br />
HANS BODMER<br />
Die Nachkriegszeit war in Zürich geprägt<br />
vom unaufhaltsamen Aufstieg<br />
des Automobilverkehrs, vom grenzenlosen<br />
Ausgreifen der Städte ins<br />
Umland und vom ungeheuren Anstieg des allgemeinen<br />
Verkehrsvolumens. Eigentlich sollte<br />
deshalb in den 1950er-Jahren auch in Zürich<br />
das Tram ausrangiert werden – die<br />
Zukunft sah man in Trolley- und Autobussen.<br />
Doch es kam anders, worauf in einem folgenden<br />
Heft einmal eingegangen werden soll. Die<br />
andauernde Konjunktur Anfang der 1960er-<br />
Bereits nach seiner 1967 erfolgten Umzeichnung<br />
von 1701 in 1802 entstand auch diese<br />
Fotografie. Die Aufnahme vom 24. August<br />
1968 zeigt den Gelenkmotorwagen im Einsatz<br />
auf der Linie 14 in Seebach FOTO: HANS BODMER<br />
44 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014
Zürichs Be 6/6 Nr. 1701 (1802)<br />
Jahre und das Wachstum aller Geschäftszweige<br />
mit der Konzentration vieler Firmen<br />
mit zahlreichem Personal in der Stadt Zürich<br />
brachten eine enorme Zunahme des öffentlichen<br />
Verkehrs. Der Verkehrsstrom konnte<br />
mit den herkömmlichen Fahrzeugen der <strong>Straßenbahn</strong><br />
nicht mehr bewältigt werden. Außerdem<br />
war der vorhandene Rollmaterialpark<br />
zu jener Zeit überaltert, ihn prägten<br />
noch zahlreiche zweiachsige Wagen, die dringend<br />
ersetzt werden mussten (der Betrieb mit<br />
zweiachsigen Motorwagen endete in Zürich<br />
letztendlich im Sommer 1972).<br />
Vorgeschichte des Be 6/6 Nr. 1701<br />
Aus oben genannten Umständen heraus<br />
entwickelte die Schweizerische Wagonsund<br />
Aufzügefabrik AG, Schlieren (SWS), in<br />
Zusammenarbeit mit der Maschinenfabrik<br />
Oerlikon (MFO) für die Verkehrsbetriebe<br />
der Stadt Zürich (VBZ) im Jahre 1957 den<br />
ersten Gelenktrolleybus der Schweiz. Zwei<br />
Jahre später – 1959 – nahmen die Firmen<br />
SWS und MFO gemeinsam mit den VBZ<br />
Studien für ein erstes Gelenktram auf. Basis<br />
waren die Motorwagen Be 4/4 Nr. 1416<br />
bis 1430 („Karpfen“), die oben genannte<br />
Unternehmen 1959/60 an die VBZ lieferten.<br />
Es entstand daraus der 1960 gelieferte<br />
sechsachsige Gelenkwagen Be 6/6 Nr. 1701<br />
(später 1802) mit Allachsantrieb.<br />
Wie die „Karpfenserie“ war der Gelenkwagen<br />
für das in Zürich projektierte Tieftram<br />
konzipiert, indem auf beiden Wagenseiten<br />
hätten Türen eingebaut werden<br />
können, um im Untergrundbereich auch In-<br />
selperrons zu bedienen.Der zweiteilige Wagenkasten<br />
des Be 6/6 ruht auf drei zweiachsigen<br />
Triebdrehgestellen, die – inklusive der<br />
Fahrmotoren – identisch mit denen der Wagen<br />
1416 bis 1430 sind. Das mittlere Drehgestell<br />
trägt das von SWS zum Patent angemeldete<br />
Gelenksystem. Die beiden<br />
Wagenhälften sind durch zwei ineinandergreifende<br />
zentrale Drehzapfen miteinander<br />
spielfrei verbunden. Der Wagenkasten sowie<br />
die Führerstandsform entsprechen wiederum<br />
den „Karpfenwagen“. Der Gelenkwagen<br />
besitzt vier Ein- und Ausstiegtüren, wobei<br />
zwei als doppelbreite Vierflügel- und<br />
zwei als Dreiflügel-Falttüren, alle parallel<br />
zur Gleisachse, angeordnet sind.<br />
Das Fahrzeug ist mit vier voneinander<br />
unabhängigen Bremsen ausgerüstet, näm-<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014
Fahrzeuge<br />
zulässig waren. Seit dem Ausbau der Kondukteurkabine<br />
im Heck des Wagens gibt es<br />
46 Sitz- und 118 Stehplätze für insgesamt<br />
164 Fahrgäste. Die zulässige Höchstgeschwindigkeit<br />
legten Hersteller und VBZ<br />
auf 60 km/h fest.<br />
Die technische Basis für das Einzelstück Be 6/6 Nr. 1701 (1802) bildeten die 1959/60 gebauten<br />
Be 4/4 Nr. 1416 bis 1430. Frontpartie, Wagenkastenbereiche, aber auch viele Antriebsbaugruppen<br />
fanden sich auch im ersten Zürcher Gelenktramwagen wieder<br />
HANS BODMER<br />
Der schon damals nur noch für besondere Zwecke genutzte Wagen 1802 mit einer phantasievollen<br />
Bemalung am 15. April 2004 an der Endstelle Hardturm<br />
TIBERT KELLER<br />
Literaturquellen<br />
• Bryner, K.; Anderegg, E.: Der erste Strassenbahn-Gelenkmotorwagen<br />
der Schweiz.<br />
In: Neue Zürcher Zeitung (1961), Nr. 4909.<br />
• Bryner, K.: Gelenkfahrzeuge für den öffentlichen<br />
Verkehr. In: Technische Rundschau<br />
(1962), Nr. 16.<br />
• Zbinden, W.: Gelenktriebwagen für die<br />
Verkehrsbetriebe der Städte Basel und Zürich.<br />
In: BBC-Sonderausgabe; Elektrische und<br />
dieselelektrische Traktion (1960), S. 75–79.<br />
lich mit einer elektrischen Widerstandsbremse<br />
(alle sechs Fahrmotoren), einer automatischen<br />
Druckluftbremse System<br />
Charmilles, einer sechsfachen Schienenbremse<br />
und einer Handbremse. Die elektrische<br />
Bremse sowie die Druckluftbremse<br />
dienen als Betriebsbremsen und sind über<br />
die Fahrautomatik miteinander verbunden,<br />
wobei die Druckluftbremse mit einem Griff<br />
beim Handrad des Steuerkontrollers auch<br />
separat betätigt werden kann.<br />
Das Fassungsvermögen des Wagens verteilte<br />
sich ursprünglich auf 44 Sitz- und 116<br />
Stehplätze, womit in Summe 160 Personen<br />
Die Steuerung des Unikates<br />
Für die elektrische Ausrüstung griffen die<br />
Hersteller ebenfalls auf bewährte Elemente<br />
der „Karpfenwagen“ zurück. So verfügt der<br />
Be 6/6 über eine elektropneumatische Hüpfersteuerung.<br />
Die ursprüngliche Schaltung<br />
der Wagen ermöglichte nur den Betrieb aller<br />
Fahrmotoren mit 200 Volt Gleichstrom, das<br />
heißt, zwei parallele Gruppen mit je drei Motoren<br />
in Serie mit zwei Feldschwächungsstufen<br />
bis zu 30 Prozent. Damit konnte auf das<br />
Anfahren mit zwei Gruppierungen, wie dies<br />
bei den „Karpfenwagen“ der Fall ist (Serie –<br />
Serie/Parallel) verzichtet werden, was zu großen<br />
Vereinfachungen der Steuerung führte.<br />
Es zeigte sich jedoch, dass die Leistungsreserve<br />
des Motorwagens den ständig steigenden<br />
Anforderungen so nicht gewachsen<br />
war. Die Fahrmotoren wurden deshalb wieder<br />
auf ihre Normalspannung von 300 Volt<br />
Gleichstrom (drei parallele Gruppen mit je<br />
zwei Motoren in Serie) umgeschaltet. Das<br />
Anfahren in nur einer Gruppierung behielten<br />
die VBZ hingegen bei.<br />
Die Fahr- und Bremsstufen sind sehr fein<br />
aufgeteilt, das heißt, das Anfahren- und<br />
Bremsen ist für den Fahrgast kaum spürbar.<br />
Zum Fahren sind 20 Fahrstufen sowie zwei<br />
Shuntstufen (Feldschwächung) und zum<br />
Bremsen 22 Stufen vorhanden, wobei auf<br />
der letzten Bremsstufe via Schienenbremshüpfer<br />
die elektromagnetische Schienenbremse<br />
in Funktion tritt.<br />
Der Fahrmotor vom Typ EMR 24 als<br />
Gleichstrom-Hauptschlussmaschine hatte sich<br />
bei den VBZ bestens bewährt. Außer dem<br />
handbetätigten Hauptstrom-Wendeschalter,<br />
mit dem bei Motorausfall auch die einzelnen<br />
Motorgruppen abgetrennt werden können,<br />
und einem Nockenschaltwerk, das die Fahrund<br />
Bremsschaltung herstellt, enthält die Steuerapparatur<br />
nur elektropneumatisch betätigte<br />
Hüpfer vom Typ PH 251 der MFO, die zusammen<br />
mit den übrigen Apparaten in seitlich<br />
gut zugänglichen Kästen unter dem Wagenboden<br />
untergebracht sind.<br />
Der Einsatz des Einzelstücks<br />
Der Be 6/6 Nr. 1701 erhielt 1967 die Nummer<br />
1802 und kam viele Jahre hauptsächlich<br />
auf der Linie 14 und später auf der Linie<br />
11 mit einem vierachsigen Beiwagen der<br />
Serie 771 bis 786 zum Einsatz. Zur Erprobung<br />
der Halbscheren-Stromabnehmer ließen<br />
die VBZ Mitte der 1970er-Jahre den<br />
herkömmlichen Scherenpantograph ersetzen.<br />
Eine Zeit lang diente das Einzelstück<br />
auch während der morgendlichen und<br />
46 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014
Zürichs Be 6/6 Nr. 1701 (1802)<br />
Der seit 1993 als Gastrotram<br />
mit einer Küche<br />
ausgerüstete Be 6/6 Nr.<br />
1802 verkehrte in den<br />
vergangenen Jahren mit<br />
ganz unterschiedlichen<br />
Lackierungen und Reklamen.<br />
Am 30. Mai 2009<br />
warb er in Zürich<br />
für „Ferien in Österreich“,<br />
hier bei einem<br />
Halt am Bellevue<br />
TIBERT KELLER<br />
abendlichen Hauptverkehrszeit für Einsatzkurse.<br />
Im Laufe der Jahrzehnte ließen die<br />
VBZ den Gelenkwagen mehrmals revidieren.<br />
Nach dem Einbau einer Küche verkehrt<br />
er seit April 1993 als „Gastrotram“ – meist<br />
während der warmen Jahreszeit mit einem<br />
offenen Aussichtswagen für Gesellschaften.<br />
Aktuell ist das Unikat in der Zentralwerkstätte<br />
der VBZ in Zürich-Altstetten abgestellt.<br />
Es ist jedoch vorgesehen, wenngleich<br />
noch nicht definitiv beschlossen, den<br />
Wagen einer abermaligen Revision zu unterziehen.<br />
Für die heutigen kulinarischen<br />
Bedürfnisse soll dabei auch eine neue Küche<br />
eingebaut werden. HANS BODMER<br />
Typenzeichnung des Gelenkmotorwagens Be 6/6 Nr. 1802 (ex 1701) nach Ausbau der Kondukteuerkabine und mit Halbscherenstromabnehmer<br />
im Zustand Mitte der 1970er Jahre. Inzwischen verfügt er über ein Küchenabteil im linken, hinteren Wagenteil<br />
ZEICHNUNG: HANS BODMER<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014<br />
47
Fahrzeuge<br />
Er ist das älteste erhaltene <strong>Straßenbahn</strong>fahrzeug Nürnbergs – und seit Februar dieses Jahres restauriert: der Pferdebahnwagen 11. Er zählt<br />
seitdem wieder zu den wertvollsten Exponaten des Historischen <strong>Straßenbahn</strong>depots St. Peter<br />
MARTIN SCHULZE-NOVER<br />
Fenster in Vergangenheit<br />
Nürnbergs Pferdebahnwagen 11 restauriert Er ist das älteste Fahrzeug in der Sammlung<br />
des Historischen <strong>Straßenbahn</strong>depots St. Peter in Nürnberg und zugleich der älteste <strong>Straßenbahn</strong>wagen<br />
in Süddeutschland. Aber was macht seine Aufarbeitung so besonders?<br />
Als ältestes Fahrzeug in der Sammlung<br />
des Historischen <strong>Straßenbahn</strong>depots<br />
St. Peter in Nürnberg<br />
kann der Pferdebahnwagen 11 viele<br />
Geschichten erzählen. Nach umfangreichen<br />
Untersuchungen und gut einjähriger<br />
konservatorischer Behandlung zeigt er sich<br />
seit Februar 2014 wieder in Erscheinungsbild<br />
der Auslieferung im Jahr 1881.<br />
Technisches Kulturgut erhalten<br />
Der Weitsicht der Leitung der Nürnberg-<br />
Fürther <strong>Straßenbahn</strong>-Gesellschaft zu Beginn<br />
des 20. Jahrhunderts ist es zu verdanken,<br />
dass viele Nürnberger <strong>Straßenbahn</strong>fahrzeuge<br />
aus dem 19. Jahrhundert erhalten geblieben<br />
sind. Denn bereits vor einem Jahrhundert<br />
pflegte die Nürnberger <strong>Straßenbahn</strong> ein<br />
eigenes, nichtöffentliches Museum. Seit<br />
1985 ist diese Sammlung ergänzt um Exponate<br />
aus den folgenden Jahrzehnten im Historischen<br />
<strong>Straßenbahn</strong>depot St. Peter der<br />
Öffentlichkeit zugänglich.<br />
Der Pferdebahnwagen 11 genießt darin<br />
einen besonderen Stellenwert, handelt es<br />
sich bei ihm doch nicht nur um eines der<br />
zehn ersten Fahrzeuge aus dem Werk Wörth<br />
der späteren Maschinenfabrik Augsburg-<br />
Nürnberg (MAN), sondern auch um den ältesten<br />
erhaltenen <strong>Straßenbahn</strong>wagen Nürnbergs!<br />
Als solcher bereits seit dem Jahr 1909<br />
als Museumswagen vorgehalten, befindet er<br />
sich weitestgehend in einem originalen und<br />
vollständigen Zustand, wenngleich verschiedene<br />
Restaurierungen der 1930er- und<br />
1970er-Jahre seine äußerliche Erscheinung<br />
immer weiter vom Original entfremdet hatten.<br />
So zeigte sich der Pferdebahnwagen bis<br />
Ende 2012 zwar im Inneren weitgehend authentisch,<br />
von außen prägten jedoch von<br />
der Restaurierung 1971 stammende Kunststoff-Klebefolien<br />
und eine Lackierung in<br />
Holzoptik sein Bild.<br />
Im Herbst 2012 gab der Verein „Freunde<br />
der Nürnberg-Fürther <strong>Straßenbahn</strong> e. V.“<br />
bei der renommierte Firma Haber & Brandner<br />
aus Regensburg genaue Untersuchungen<br />
und die Konservierung des Wagens in Auftrag.<br />
Dieses ein Volumen von ca. 60.000 Euro<br />
umfassende Projekt finanzierte der Verein<br />
ausschließlich durch Spendengelder. Dank<br />
der Unterstützung der Landesstelle für die<br />
nichtstaatlichen Museen in Bayern sowie<br />
der Firmen MAN SE, Siemens AG, Hübner<br />
48 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014
Nürnbergs Pferdebahnwagen 11<br />
Technische Daten:<br />
Pferdebahnwagen 11<br />
Zugehörige Reihe: . . . . . . . Wagen 1 bis 26, 27 II ,<br />
37 bis 41, 50 bis 55<br />
Bauart: . . . . . . . . . . . . . zweiachsige Einspänner<br />
als Zweirichtungswagen<br />
Aufbau: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Holz<br />
Länge: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4.810 mm<br />
Breite:. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1.930 mm<br />
Achsstand: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1.370 mm<br />
Leergewicht:. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1.600 kg<br />
Sitz-/Stehplätze: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 12/12<br />
Anordnung der Sitzbänke: . . . . . . . . . . . . . längs<br />
Hersteller:<br />
Nr. 1: Brill, Philadelphia<br />
übrige Nr.: Maschinenbau Actiengesellschaft<br />
Nürnberg<br />
Baujahre: ....1881/82, ein Nachzügler 1890<br />
(Wagen 27II)<br />
Baujahr Wagen 11:. . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1881<br />
Ausmusterung der Serie: . . . . . . . . . 1896–1909<br />
Im Jahr 1890 biegt der Pferdebahnwagen 10 vom Schlachthof kommend in Richtung Laufer Tor<br />
in die Nürnberger Altstadt ein. Markant ist die große Schlusslaterne ARCHIV DER VAG NÜRNBERG (2)<br />
und der Sparkasse Fürth gelang eine vollständige<br />
Befundung, Dokumentation und Sicherung<br />
teilweise aus dem Lieferjahr 1881<br />
stammender Lackschichten und die Rekonstruktion<br />
der Außenlackierung auf Basis der<br />
gewonnenen Erkenntnisse.<br />
Wechselvolle Geschichte<br />
eines <strong>Straßenbahn</strong>wagens<br />
Für den Bau der ersten Pferdebahnwagen<br />
diente dem Werk Wörth der Maschinenbau-Actiengesellschaft<br />
Nürnberg 1881 ein<br />
von der US-Firma Brill in Philadelphia hergestelltes<br />
Fahrzeug als Muster. In Nürnberg<br />
gingen die 34 von 1881 bis 1882 gebauten<br />
Nachbauten mit einer dunkelbraun/grünen<br />
Lackierung in Betrieb. Auf Weisung des aus<br />
Schweden stammenden neuen Direktors der<br />
<strong>Straßenbahn</strong>gesellschaft, Gustaf Rooth, änderte<br />
sich die Farbgebung aller Nürnberger<br />
Wagen 1885 in gelb-blau. Diesen Anstrich<br />
erhielt der Pferdebahnwagen 11 später ein<br />
zweites Mal.<br />
Mit Einführung des elektrischen Betriebs<br />
wurden die Pferdebahnwagen als Beiwagen<br />
verwendet. Wagen 11 erhielt 1898 eine elektrische<br />
Innenbeleuchtung, deren Position bis<br />
heute erkennbar ist. Bis 1909 musterte die<br />
<strong>Straßenbahn</strong>gesellschaft die 1881 gebauten<br />
ehemaligen Pferdebahnwagen mit vier Seitenfenstern<br />
aus, lediglich einige wenige ließ<br />
das Unternehmen zu Arbeitswagen (z. B.<br />
Salzstreuwagen) umbauen. Für Verschubarbeiten<br />
in der Hauptwerkstatt waren noch in<br />
den 1970er-Jahren mehrere Untergestelle<br />
ehemaliger Pferdebahnwagen vorhanden.<br />
Eines gab die VAG 1951 nach München ab,<br />
wo es als Basis für die Rekonstruktion des<br />
Pferdebahnwagens 273 diente.<br />
Diese Aufnahme von 1881 aus dem Werk Wörth der späteren Maschinenbau-Actiengesellschaft<br />
Nürnberg (MAN) zeigt zwei der Pferdebahnwagen in ihrer ursprünglichen Lackierung<br />
Den Wagen 11 ließ die <strong>Straßenbahn</strong>gesellschaft<br />
schon 1909 aus musealen Beweggründen<br />
weitestgehend in seinen Ursprungszustand<br />
als Pferdebahnwagen zurückversetzen.<br />
Neben dem Ausbau der Kupplung und elektrischen<br />
Beleuchtung erhielt er dabei eine neue<br />
Lackierung.<br />
Im Vorfeld des 100. Jubiläums der ersten<br />
deutschen Dampfeisenbahn 1935 fand eine<br />
erste Restaurierung des Wagens statt. Den<br />
Zweiten Weltkrieg überstand der Zweiachser<br />
weitestgehend unbeschadet, lediglich die<br />
Fensterscheiben waren zerbrochen.<br />
In der Folgezeit stand das Fahrzeug in der<br />
Hauptwerkstatt Muggenhof – ohne einen<br />
seitlichen Witterungsschutz. Die Substanz<br />
des Wagens litt darunter derart, dass er<br />
Ende der 1960er Jahren nicht mehr vorzeigbar<br />
war. Anlässlich der anstehenden Eröffnung<br />
der Nürnberger U-Bahn erhielt der<br />
Wagen letztmalig 1971 eine grundlegende<br />
Überholung. In diesem Zustand war er ab<br />
1985 im Historischen Straßendepot St. Peter<br />
ausgestellt.<br />
Fenster in die Vergangenheit<br />
Das Ergebnis der innerhalb knapp eines<br />
Jahres ausgeführten Untersuchungen und<br />
Arbeiten am Pferdebahnwagen 11 war beeindruckend:<br />
Demnach stammt das Wageninnere<br />
zu mehr als 95 Prozent aus dem<br />
Lieferjahr 1881. Damit ist der Wagen heute<br />
deutschlandweit sicherlich einmalig. An<br />
zahlreichen Stellen des Wagenäußeren dokumentierten<br />
die Fachleute ebenfalls Reste<br />
der originalen Lackierung aus dem Jahr<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014<br />
49
Fahrzeuge<br />
Besichtigungsmöglichkeiten<br />
Das Historische <strong>Straßenbahn</strong>depot St. Peter ist an<br />
jedem ersten Wochenende im Monat (außer im<br />
Januar) jeweils samstags und sonntags von 10 bis<br />
17.30 Uhr geöffnet. Während der Öffnungszeiten<br />
verkehrt auch die Burgringlinie 15 mit historischen<br />
Wagen um die Nürnberger Altstadt.<br />
Weitere Informationen z.B. über die Freunde der<br />
Nürnberg-Fürther <strong>Straßenbahn</strong> e. V.,<br />
Schloßstraße 1, 90478 Nürnberg,<br />
Telefon: 09 11/49 98 33<br />
Internet: www.sfnbg.de<br />
Behutsam legt eine Konservatorin die alten<br />
Farbschichten des Wagens frei. Zuvor entfernte<br />
sie die 1971 aufgebrachte Klebefolie.<br />
Ein Ausschnitt davon visualisiert nun auch<br />
diesen Teil der Wagengeschichte<br />
1881 und legten sie frei. Gemeinsam mit<br />
den alten Lieferaufnahmen war es dadurch<br />
möglich, die ursprüngliche Lackierung des<br />
Wagens nahezu vollständig zu rekonstruieren.<br />
Neben teilweise flächigen Freilegungen<br />
wurden an über 100 Stellen Lacksplitter untersucht,<br />
um eine punktuelle Aussage über<br />
die Lackierung in den einzelnen Epochen zu<br />
Das weitestgehend originale Innere des Pferdebahnwagens<br />
11. An der Decke sind die Anbringungsstellen<br />
der elektrischen Beleuchtung<br />
zu erkennen, die der Wagen kurz vor der<br />
Jahrhundertwende erhielt ANDREAS NEUER (2)<br />
erhalten. Schliffbilder – sogenannte Strategrafien<br />
– ermöglichten hier eine zeitliche<br />
Zuordnung einzelner Schichten.<br />
Doch der Wagen gab auch so manches<br />
Rätsel auf: So waren an einer Stelle die Zierleisten<br />
entgegen aller anderen Fundstellen<br />
nicht beige-schwarz-beige gefasst, sondern<br />
umgekehrt – also schwarz-beige-schwarz.<br />
Was es damit auf sich hatte, klärten die Experten<br />
erst nach einer großflächigeren Untersuchung<br />
auf: Der Lackierer hatte sich<br />
1881 offenbar an dieser Stelle zunächst vermalt.<br />
Nachdem der Irrtum aufgefallen war,<br />
trug er die korrekten Farben darüber auf.<br />
Nun stellte sich die Frage: Restaurieren oder<br />
konservieren – oder beides?<br />
Die einmalige Originalsubstanz verpflichtete<br />
zu einem besonderen Vorgehen:<br />
Bestehende Lackschichten blieben erhalten<br />
und gefestigt sowie abschließend mit Schellack<br />
als Trennschicht überzogen, bevor die<br />
Restauratoren die neue Lackierung auf Öl-<br />
Harz-Basis auftrugen. Dies ermöglicht es,<br />
die neue Außenlackierung für spätere Restaurierungen<br />
zu entfernen bzw. sauber trennen<br />
zu können (Stichwort Reversibilität).<br />
Die kartierten Fundstellen alter Bemalungsreste<br />
sind für eine spätere wissenschaftliche<br />
Auswertung der Nachwelt erhalten.<br />
Im Wageninneren fanden begleitend Sicherungsmaßnahmen<br />
an Holzelementen<br />
statt. Außerdem legten die Fachleute gelöste<br />
Furniere wieder an und befestigten lose<br />
Zierleisten.<br />
Seit Februar 2014 ist der Pferdebahnwagen<br />
wieder an seinem angestammten Platz<br />
im Historischen <strong>Straßenbahn</strong>depot St. Peter<br />
zu finden. Er markiert zurückhaltend<br />
und authentisch den Beginn des Nahverkehrs<br />
in der Frankenmetropole und den Beginn<br />
der <strong>Straßenbahn</strong>fertigung der MAN in<br />
Nürnberg.<br />
TOBIAS SCHNEIDER<br />
Der noch 1935 zum 150. Dampfeisenbahnjubiläum oder zur 50-Jahr-Feier des elektrischen Betriebes<br />
in Nürnberg 1946 genutzte Zweiachser bleibt jetzt in St. Peter ein Standobjekt. Der von<br />
der Firma Haber & Brandner restaurierte Wagen darf nicht mehr rollen MARTIN SCHULZE-NOVER<br />
Verwendete Quellen<br />
• Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen<br />
in Bayern: „Technisches Kulturgut“ aus<br />
der Reihe „MuseumsBausteine“; München, 2005<br />
• Freunde der Nürnberg-Fürther <strong>Straßenbahn</strong><br />
e.V.: „Die Nürnberg-Fürther <strong>Straßenbahn</strong><br />
im Wandel der Zeiten“; Nürnberg, 2006<br />
• Robert Binder: „Der Stadtverkehr in Nürnberg<br />
und Fürth von 1881 bis 1981“; Nürnberg, 1982<br />
• Werke und Bahnen der Stadt der Reichsparteitage<br />
Nürnberg: „Die Nürnberg-Fürther<br />
<strong>Straßenbahn</strong> 1881–1935“; Nürnberg 1935<br />
50 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014
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Nicht nur anders lackiert<br />
B-Wagen: Zweite Generation in Essen und Mülheim Die durch Streckenerweiterung<br />
notwendige Aufstockung des Fahrzeugbestandes führte auch im Bereich Essen/Mülheim zu Neubeschaffungen.<br />
Doch welche Wege gingen die beiden Betreibergesellschaften dabei technisch?<br />
Die Vergrößerung des Streckennetzes<br />
von Mülheim a. d. Ruhr und Essen<br />
machte Mitte der 1980er-Jahre<br />
eine Aufstockung der dortigen Wagenbestände<br />
notwendig. Doch obwohl beide<br />
Unternehmen gemeinsam in ein Betriebssystem<br />
eingebunden waren, gingen sie bei<br />
der Neubeschaffung unterschiedliche Wege.<br />
So nutzte Mülheim die Gelegenheit der laufenden<br />
Bestellung für Köln für einen Anschlussauftrag<br />
von zwei Wagen. Diese waren<br />
mit Ausnahme der fehlenden Führerstandstüren<br />
identisch mit der Kölner Lieferung, das<br />
heißt, sie verfügten über Schwenkschiebetüren<br />
und waren mit Schaltwerkstechnik ausgerüstet<br />
(die Schaltwerke stammten aus auf Choppersteuerung<br />
umgebauten Essener Wagen).<br />
Die Geschwindigkeit war entsprechend den<br />
örtlichen Gegebenheiten aber auf 80 km/h beschränkt.<br />
Die Lieferung der beiden Tw 5031<br />
und 5032 erfolgte 1985. Eine technische Beschreibung<br />
der für Kölner gebauten Wagen<br />
der zweiten Generation ist im STRASSEN-<br />
BAHN <strong>MAGAZIN</strong> 11/2013 veröffentlicht,<br />
weshalb auf die beiden Wagen hier nicht weiter<br />
eingegangen werden soll.<br />
Der Weg der Essener Verkehrs-AG<br />
Die stets sehr innovativ denkende technische<br />
Abteilung der Essener Verkehrs-AG (EVAG)<br />
wollte die Beschaffung neuer Fahrzeuge für<br />
verschiedene Neuerungen nutzen. Aufgrund<br />
der geringen Zahl von nur fünf Fahrzeugen<br />
waren größere grundsätzliche Änderungen<br />
oder eine Neukonstruktion nicht möglich.<br />
Die von Mülheim verfolgte Linie, sich an eine<br />
laufende Bestellung eines anderen Betriebes<br />
anzuschließen, war für Essen nicht sinnvoll,<br />
da einerseits der mit dem Umbau der ersten<br />
Generation auf Leistungselektronik eingeschlagene<br />
Weg nicht wieder aufgegeben, andererseits<br />
die betriebliche Kompatibilität mit<br />
den älteren Fahrzeugen unbedingt erhalten<br />
bleiben sollte. Die seit der Indienststellung<br />
der ersten Serie eingetretenen Weiterentwicklungen<br />
bei den Stadtbahnwagen B anderer<br />
Betreiber sollten auf Brauchbarkeit für Essener<br />
Verhältnisse untersucht werden. An den<br />
52 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014
B-Wagen<br />
Der Triebwagen 5032, einer der beiden Mülheimer B-Wagen der zweiten Gene ration mit Schiebe -<br />
türen, fährt am 23. April 1994 auf der Linie U17 am Holsterhauser Platz in Essen<br />
Farbenfrohes Mülheimer B-Wagen-Doppel der<br />
zweiten Generation: Tw 5015 im grau-weißgelben<br />
Mülheimer Lack und Tw 5016 in den<br />
1994 vom VRR festgelegten „CE-Farben“, aufgenommen<br />
am 24. August 2002<br />
ALLE FOTOS: AXEL REUTHER<br />
ebenfalls 1985 gelieferten und in Dienst gestellten<br />
neuen Wagen für Essen (Betriebsnummern<br />
5141 bis 5145) waren die Einzeltüren im<br />
Bereich der Wagenenden ersatzlos entfallen. Es<br />
gibt auch keine „Nottüre“ für das Personal,<br />
da diese in Essen aufgrund der Streckeneinrichtung<br />
beiderseitig hätte eingebaut werden<br />
müssen, wofür der Platz nicht vorhanden war.<br />
Für die Doppeltüren kamen Falttüren zum<br />
Einbau. Der Wagen wies eine Masse von 38,3<br />
Tonnen auf und war damit 1,3 Tonnen leichter<br />
als die erste Serie. Das geringere Gewicht<br />
erreichte die EVAG zum Teil durch das Weglassen<br />
nicht mehr benötigter Funktionen und<br />
Komponenten. So entfielen Fahnenhalter im<br />
Frontbereich, die Gepäckablagen im Fahrgastraum,<br />
die Laufbohlen auf dem Dach und<br />
die Sichtblenden des Stromabnehmers.<br />
Der Tw 5015 nach seiner Neulackierung am 15. März 2003 mit Mülheimer Betriebsfarben und<br />
ohne Einzeltüren an den Köpfen, hier auf der Linie U17 an der Haltestelle Laubenweg<br />
Optimierte Komponenten<br />
Die Verbesserungen betreffen ein neuartiges<br />
Material bei den Leuchtenabdeckungen der<br />
Lichtbänder im Fahrgastraum, neue Polsterkerne<br />
bei den Fahrgastsitzen, Verkleinerung<br />
der Kästen unter den Sitzen, Befestigung<br />
des Einholmstromabnehmers, Ausführung<br />
der Dachsicherungen, geänderte<br />
Bauteile und Materialien bei Türen und<br />
Trittstufen, neue Blockmagneten der Schienenbremsen,<br />
leichtere Getriebe und neue<br />
Bauteile in der Druckluftanlage.<br />
Weitere Optimierungen erzielte der Hersteller<br />
durch neue Technologien. So baute<br />
er die bei den Umbaufahrzeugen der ersten<br />
Generation bewährte Gleichstromsteller-<br />
Steuerung ein. Für die Bordnetzversorgung<br />
sorgte an Stelle des bisherigen rotierenden<br />
Umformers ein statischer Umformer. Dessen<br />
Vorteil lag in einem geräuscharmen Betrieb.<br />
Die Gewichtseinsparung betrug<br />
knapp 600 Kilogramm. Die Aufgabe des<br />
bisherigen Kolbenkompressors übernahm<br />
ein geräuscharmer Rotationskompressor.<br />
Dieser Typ kam damit erstmalig serienmäßig<br />
in einem Schienenfahrzeug zum Einbau.<br />
In zahlreichen Bereichen besteht aber auch<br />
Übereinstimmung mit Wagen anderer Betriebe,<br />
so bei der größeren Zahl der Sitzplätze, der<br />
Vergrößerung des Sitzteilers, der Ausrüstung<br />
mit ungeteilter Frontscheibe und größerer<br />
Ziel- und Seitenbeschilderung. Besser als bei<br />
anderen Betrieben war die freie Sicht zwischen<br />
Fahrerplatz und Fahrgastraum gelöst. Zwei<br />
große Scheiben schufen hier ungehinderten<br />
Ausblick. Das Blenden des Fahrers durch Spie-<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014<br />
53
Fahrzeuge<br />
Der Triebwagen 5144 in der ersten Ausführung der neuen gelben Lackierung 2002 auf der<br />
Sommerburgstraße als Linie U17 in Richtung Margarethenhöhe<br />
Der Essener Triebwagen 5103 der Erstlieferung in City-Express-Lackierung auf der Linie U17 auf<br />
der Altenessener Straße am 30. September 2001<br />
gelungen in der gewölbten Frontscheibe vermied<br />
ein perforiertes Rollo, das auch im herabgelassenen<br />
Zustand sichtdurchlässig war.<br />
Umbauten in Essen<br />
Für den Einsatz auf der teilweise im Straßenraum<br />
verlaufenden Linie U17 nahm die<br />
EVAG ab Herbst 1981 erste Umbauten an<br />
den vorhandenen Wagen der ersten Generation<br />
vor. So erhielten die Wagen 5009 bis<br />
5011 Fahrscheinentwertern und eine induktive<br />
Meldeübertragung, was eine Umzeichnung<br />
in 5101 bis 5103 nach sich zog.<br />
Um den Fahrgast im Streckenabschnitt<br />
ohne Bahnsteige den Einstieg zu verbessern,<br />
ersetzte ein besser sichtbares Riffelblech das<br />
bisherige Gitterrost auf der unteren Schwenkstufe.<br />
Die Zurücknahme der mittleren Klappstufe<br />
um 15 Millimeter und die Verlängerung<br />
der Haltegriffe an den Türen um 20<br />
Zentimeter nach oben erleichterte insbesondere<br />
den Ausstieg.<br />
Kennzeichnend für die Stadtbahnwagen<br />
Kölner Bauart war von Beginn an ihr hoher<br />
Energieverbrauch. Die hohe fahrdynamische<br />
Beanspruchung führte zu einer entsprechenden<br />
Belastung der Antriebsanlage<br />
und der Starkstromleitungen mit entsprechendem<br />
Verschleiß. Dies bedeutete schon<br />
nach wenigen Einsatzjahren die Notwendigkeit<br />
zur Sanierung der Kabelanlagen.<br />
Daher untersuchte die EVAG, ob es nicht<br />
wirtschaftlicher ist, anlässlich der notwendigen<br />
Erneuerung der Kabel eine neue sparsamer<br />
arbeitende Technologie einzuführen.<br />
Diese stand zwischenzeitlich in Form einer<br />
Gleichstromstellersteuerung in Kompaktbauweise<br />
mit Flüssigkeitskühlung serienreif<br />
zur Verfügung, die den bisherigen elektromotorisch<br />
betriebenen vielstufigen Nockenschaltwerken<br />
für Fahren und Bremsen hinsichtlich<br />
Wartungsarmut, Verschleiß und<br />
Energieverbrauch weit überlegen war.<br />
Der Einbau von Choppersteuerungen<br />
Bei der Umrüstung auf die Gleichstromsteller<br />
– besser bekannt unter dem englischen<br />
Begriff Choppersteuerung – waren jedoch<br />
einige Vorgaben einzuhalten: Es musste die<br />
Kuppelbarkeit mit den Schaltwerkswagen<br />
erhalten bleiben, die Fahrdynamik war der<br />
bei den Schaltwerkswagen vorhandenen anzupassen<br />
und die Fahrmotoren sollten weiter<br />
verwendet werden können. Für die neue<br />
Steuerung standen lediglich die vorgesehenen<br />
Einbauräume zur Verfügung, Kontakte<br />
sollten möglichst durch Halbleiter ersetzt<br />
und der unzureichende Schutz vom Stromabnehmer<br />
zum Überstromselbstschalter verbessert<br />
werden.<br />
Am 15. Mai 2014 entstand diese Aufnahme<br />
der beiden Tw 5104 und 5107 in ihrer aktuellen<br />
Lackierung auf der Linie 11, hier an der<br />
Haltestelle Heßlerstraße<br />
54 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014
B-Wagen<br />
Der Triebwagen 5143, ein Essener Wagen der zweiten Generation in seiner Ursprungslackierung, fährt am 15. März 2003 auf der Linie U17 am<br />
Laubenweg im Stadtteil Margarethenhöhe. Die Anlage des Hochbahnsteiges ist hier erst nachträglich angelegt worden<br />
Durch den Einbau zweier voneinander<br />
unabhängiger Antriebseinheiten sollte auf<br />
die Notfahrsteuerung (bisher in Form einer<br />
Hilfs-Schützensteuerung vorhanden) verzichtet<br />
werden.<br />
1981 entschied die EVAG, zunächst zehn<br />
Wagen in eigener Werkstatt auf Chopper-<br />
Steuerung umzubauen. Dazu lieferte BBC<br />
die entsprechenden Geräte, deren Bauteile<br />
vielfach bauartgleich mit den bereits in den<br />
meterspurigen Stadtbahnwagen „Typ<br />
M8C“ verwendeten waren. Zunächst sind<br />
damit die drei Tw 5009 bis 5011 des Baujahres<br />
1976 und sieben Tw 5021 bis 5026<br />
sowie 5028 des Baujahrs 1978 umgebaut<br />
worden, die danach die neuen Betriebsnummern<br />
5101 bis 5103 sowie 5121 bis 5127<br />
erhielten. Wegen der erzielten Vorteile erfolgte<br />
dann nach und nach auch bei den übrigen<br />
B-Wagen der Umbau auf Chopper. So<br />
gingen 1983 die beiden Tw 5007 und 5008<br />
anschließend als Tw 5107 und 5108 wieder<br />
in Dienst, die 1981 umgebauten Tw 5101<br />
bis 5103 erhielten nun die Nummern 5109<br />
bis 5111. Im Jahr 1986 ließ die EVAG dann<br />
auch noch die restlichen sechs Schaltwerkwagen<br />
von 1976, die Tw 5001 bis 5006, mit<br />
Choppersteuerungen versehen und zeichnete<br />
sie danach in Tw 5101 bis 5106 um (Nr.<br />
5101 bis 5103 dabei in Zweitbesetzung). Als<br />
19. und letzter Wagen folgte 1988 noch der<br />
von 1978 bis 1988 an die Firma Rhein-Consult<br />
verliehene Tw 5027 (Baujahr 1978), der<br />
nach seinem Umbau die Betriebsnummer<br />
5128 bekam. Die ursprüngliche Typenbezeichnung<br />
B100S änderte sich nach den Umbauten<br />
der 19. Wagen jeweils in B80C.<br />
Geänderte Lackierungen<br />
Eine auch für den Fahrgast sichtbare Veränderung<br />
betraf den Entfall einer seitlichen Linienanzeige,<br />
um den Wartungsaufwand zu re-<br />
Seitenansicht und Grundriss des Essener B-Wagens der 2. Generation mit Falttüren<br />
SLG. AXEL REUTHER<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014<br />
55
Fahrzeuge<br />
Triebwagen 5145 in Ursprungslackierung hat am 24. August 2002 den Triebwagen 5108 – ein B-Wagen der ersten Generation – als zweiten<br />
Wagen mit CE-Lackierung im Schlepp. Hier auf der Linie U17 auf der Altenessener Straße<br />
duzieren. Dazu überklebten die Werkstattmitarbeiter<br />
die Anzeigen und bezogen diese<br />
Flächen damit in den rot-weißen Außenanstrich<br />
mit ein. Zwischenzeitlich hat die EVAG<br />
bei den Fahrzeugen der ersten Generation auf<br />
jeder Wagenseite an einem Einstieg die mittlere<br />
Haltestange ausbauen lassen, um die<br />
Benutzung durch Rollstuhlfahrer und mit<br />
Kinderwagen zu erleichtern. Im Jahre 1994<br />
begannen beide Betriebe, die weiß-rote Lackierung<br />
durch die vom VRR festgelegten<br />
Produktfarben des City-Express (CE) zu er-<br />
Die Mülheimer B-Wagen der ersten Generation unterscheiden sich nur durch das andere<br />
Betriebslogo von den Essener Wagen. Hier eine Begegnung von zwei Doppelzügen auf dem<br />
Ruhrschnellweg an der Haltestelle Rosendeller Straße am 16. Juni 1984<br />
setzen. Da die Neulackierung nur im Rahmen<br />
fälliger Haupt untersuchungen erfolgte, gab es<br />
eine Zeit lang beide Farbvarianten nebeneinander.<br />
Die Farb vielfalt erhöhte sich ab 1996<br />
weiter, als die von der Docklands-Light-Railway<br />
(DLR) übernommene zweite Serie P89 in<br />
einer neuen gelben Lackierung mit blauen<br />
Kopfstreifen in Dienst kam und die B-Wagen<br />
teilweise ebenfalls diese Farbe erhielten.<br />
In einer nächsten Stufe kam es zu einem<br />
neuen Außenauftritt des Unternehmens mit<br />
einem veränderten Gelbton mit schwarz abgesetzter<br />
Fensterpartie und ohne blaue<br />
Kopfstreifen, so dass zeitweise vier Lackvarianten<br />
parallel zu sehen waren. Insgesamt<br />
gibt es heute fünf verschiedene Farbvarianten,<br />
darunter auch immer noch einige Wagen<br />
in den Ursprungsfarben rot-weiß von<br />
1976. Nach der Jahrtausendwende erfolgte<br />
die Ausstattung der Erstserie mit neuen<br />
Türen. Dabei entfielen auch die Einzeltüren<br />
an den Fahrzeugköpfen.<br />
AXEL REUTHER · Fortsetzung folgt<br />
Verwendete Literatur<br />
• Ahlbrecht, Hans: Inbetriebnahme der neuen<br />
Stadtbahnwagen in Essen, in: Stadtverkehr,<br />
Heft 4/1986<br />
• Gleitsmann, Götz: Die Stadtbahnwagen<br />
Typ B der Essener Verkehrs AG, in: Sternfahrt,<br />
Heft 22 6/1995<br />
56 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014
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Geschichte<br />
58 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014
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Einst<br />
&Jetzt<br />
Das Steintor in Rostock ist eines der vier<br />
heute noch vorhandenen Haupttore der<br />
Hansestadt an der Warnow und präsentiert<br />
sich in jüngster Zeit frisch restauriert. Im<br />
August 1985 passiert ein Gotha-Dreiwagenzug<br />
aus Einrichtungswagen das Tor,<br />
ganz rechts ist im Hintergrund auf dem Gegengleis<br />
der Fahrschulwagen 551 (ex 431,<br />
ex 31, Wismar 1926) zu sehen. Ein Trenngitter<br />
zwischen den Gleisen soll das Wechseln<br />
der Haltestellenseiten durch Fußgänger<br />
verhindern.<br />
Am 23. April 2013 ist ein Düwag-Niederflurwagen<br />
vom Typ 6NGTWDE auf dem<br />
Weg zum Kurt-Schumacher-Ring, denn die<br />
Linie 2 biegt hier nach Osten ab. Seit 1987<br />
befindet sich ein Abzweig an dieser Stelle,<br />
Trenngitter gibt es jetzt keine mehr. Wurde<br />
das Steintor früher vom Individualverkehr<br />
umtost, ist der Bereich nunmehr verkehrsberuhigt.<br />
Die auf der älteren Fotografie<br />
rechts im Hintergrund sichtbare Fahrbahn<br />
ist sogar komplett entfallen. Das prächtige<br />
Backsteingebäude neben dem Steintor – das<br />
Ständehaus – heute Sitz des Oberlandesgerichts,<br />
ist ebenfalls frisch saniert.<br />
TEXT UND FOTOS: BERNHARD KUSSMAGK<br />
59
Geschichte<br />
Ende für Parallelverkehr<br />
1974: „Aus“ für Dresdens Linie 3 nach Freital Vor 40 Jahren fuhr am 26. Mai die letzte<br />
<strong>Straßenbahn</strong> in die westliche Nachbarstadt Dresdens. Damit endete der Betrieb auf der 1902<br />
eröffneten „Plauenschen Grundbahn“ und deren Verlängerungen bis Freital-Hainsberg<br />
Auch in der sächsischen Residenzstadt<br />
Dresden und deren westlichen<br />
Nachbargemeinden im Döhlener<br />
Becken gab es um die Wende<br />
vom 19. zum 20. Jahrhundert viele Dutzend<br />
prosperierende Unternehmen und Steinkohlengruben,<br />
zu denen jeden Werktag entsprechend<br />
mehrere Tausend Arbeiter und<br />
Bergmänner pendelten – die meisten zu Fuß,<br />
die Bessergestellten schon mit der Eisenbahn.<br />
Die 1855 von einer Privatgesellschaft<br />
eröffnete Albert(s)bahn nach Tharandt betrieb<br />
ab 1868 der sächsische Staat. Diese Eisenbahnstrecke<br />
kam jedoch in den 1890er-<br />
Jahren an ihre Kapazitätsgrenze – obwohl<br />
die Züge zwischen Dresden und Deuben (–<br />
Tharandt) in der Hauptverkehrszeit im Abstand<br />
von wenigen Minuten verkehrten,<br />
schafften sie es nicht, das Verkehrsbedürfnis<br />
vollständig abzudecken.<br />
Deshalb baten die Gemeinden im Döhlener<br />
Becken ab 1892 mehrfach um den Bau<br />
einer <strong>Straßenbahn</strong> im Plauenschen Grund.<br />
Doch die beiden Kammern des Sächsischen<br />
Landtages lehnten anfangs stets ab. Nachdem<br />
die Continentale Gesellschaft für<br />
elektrische Unternehmungen mit Sitz in<br />
Nürnberg 1897 (ein Ableger der AG Elektrizitätswerke<br />
vorm. Schuckert & Co.) die<br />
Genehmigung für Vorarbeiten zum Bau ei-<br />
60 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014
Dresden/Freital<br />
Am Eröffnungstag der Staatsstraßenbahn Löbtau – Deuben entstand am 7. Oktober 1902 neben<br />
dem Deubener Rathaus diese Aufnahme des Tw 309 und Bw 186 der Deutschen <strong>Straßenbahn</strong>gesellschaft<br />
Dresden. Der Triebwagen blieb als Museumsfahrzeug erhalten SLG. MARIO SCHATZ<br />
Am 17. Mai 1974 passiert<br />
im Plauenschen Grund ein<br />
nach Freital fahrender Zug<br />
der Linie 3 die Weizenmühle<br />
und Heidenschanze<br />
FRANK EBERMANN<br />
ner Schwebebahn über der Weißeritz von<br />
Dresden nach Hainsberg beantragt hatte,<br />
dachten die Abgeordneten in den Kammern<br />
allerdings langsam um. Sie befürchtete<br />
durch von Privatgesellschaften errichtete<br />
Parallelverkehre für den Fiskus nicht unerhebliche<br />
Einnahmeverluste auf der staatlichen<br />
Eisenbahnstrecke. Andererseits war<br />
das Verkehrsbedürfnis nicht länger zu ignorieren.<br />
So fiel am 5. Januar 1900 der Beschluss,<br />
auf Staatskosten eine elektrische<br />
<strong>Straßenbahn</strong> von Plauen nach Deuben zu<br />
bauen – der Bau einer Schwebebahn war<br />
vom Tisch.<br />
Bau und Eröffnung<br />
der Plauenschen Grundbahn<br />
Den Bau der von April bis September 1902<br />
in 1.450 mm „Stadtspur“ errichteten Staatsstraßenbahn<br />
Löbtau – Deuben leitete das<br />
Baubüro Dresden-Neustadt II der dem Finanzministerium<br />
unterstehenden Königlich<br />
Nach der polizeilichen<br />
Abnahme am 6. Juni<br />
1935 endete die <strong>Straßenbahn</strong><br />
in Hainsberg<br />
Rabenauer Grund<br />
(neben dem damaligen<br />
Haltepunkt<br />
Hainsberg Süd/heute<br />
Freital-Coßmannsdorf<br />
der Schmalspurbahn<br />
nach Kipsdorf)<br />
SLG. FRANK EBERMANN<br />
Sächsischen Staatseisenbahnen (K.Sächs.<br />
Sts.E.B.). Am 1. Oktober 1902 fand eine<br />
erste Probefahrt auf der etwa sieben Kilometer<br />
langen Neubaustrecke durch den<br />
Plauenschen Grund statt, die Eröffnungsfahrt<br />
nur eine Woche danach am 7. Oktober.<br />
Die mit dem Betrieb beauftragte Deutsche<br />
<strong>Straßenbahn</strong>-Gesellschaft in Dresden<br />
setzte an diesem Tag vor dem Beiwagen 186<br />
Zeittafel <strong>Straßenbahn</strong> in Freital<br />
07.10.1902 Eröffnung Löbtau – Deuben<br />
05.01.1906 Eröffnung Deuben – Hainsberg (vor Weißeritzbrücke)<br />
01.04.1912 Eröffnung Hainsberg – Coßmannsdorf (Lindengarten)<br />
06.06.1935 Eröffnung Lindengarten – Hainsberg Rabenauer Grund<br />
18.07.1961 Einweihung Gleisschleife am Endpunkt in Hainsberg<br />
04.05.1969 neues Liniennetz tritt in Kraft – Verlauf Linie 3 fortan Wilder<br />
Mann – Hainsberg<br />
25.05.1974 letzter Betriebstag Dresden-Löbtau – Freital-Hainsberg<br />
den Triebwagen 309 ein, der sich heute im<br />
Bestand des <strong>Straßenbahn</strong>museums Dresden<br />
befindet.<br />
Der reguläre Betrieb begann am 8. Oktober<br />
5.42 Uhr am Dresdner Postplatz. Von<br />
dort fuhren die Wagen auf den 1898 als<br />
Pferdebahn errichteten Gleisen nach Löbtau.<br />
Die Deutsche <strong>Straßenbahn</strong>-Gesellschaft<br />
hatte am 24. Juli 1900 auf dieser Strecke bis<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014<br />
61
Betriebe<br />
zur Endstelle an der Plauenschen/Ecke<br />
Habsburger Straße (heute Tharandter/Ecke<br />
Fritz-Schulze-Straße) den elektrischen Betrieb<br />
aufgenommen. Vom bisherigen Endpunkt<br />
führte die fast komplett zweigleisig<br />
verlegte Neubaustrecke zunächst auf das<br />
andere Weißeritzufer nach Plauen (wie Löbtau<br />
am 1. Januar 1903 nach Dresden eingemeindet).<br />
Zwischen der Bienertmühle und<br />
dem alten Eisenbahnhaltepunkt Plauen verlief<br />
die Grundbahn anschließend ursprünglich<br />
auf der östlichen Weißeritzseite, anschließend<br />
komplett westlich der Weißeritz<br />
in der Dresdner Straße. In Deuben ließ der<br />
Fiskus einen Betriebshof errichten, der Endpunkt<br />
der Strecke befand sich zunächst an<br />
der Flurgrenze zu Hainsberg.<br />
Änderungen im Betrieb<br />
Ab dem 1. Januar 1906 führte die neu gegründete<br />
Städtische <strong>Straßenbahn</strong> Dresden im<br />
Auftrag der Staatsregierung auch den Betrieb<br />
bis Deuben. Die Strecke erhielt dazu die Liniennummer<br />
22. Wenige Tage später ging am<br />
5. Januar die schon 1904 per Dekret bewilligte<br />
Verlängerung der <strong>Straßenbahn</strong> nach<br />
Hainsberg in Betrieb. Der Abschnitt bis zu<br />
Füssels Gasthof vor der Weißeritzbrücke war<br />
915 Meter lang und – wie bereits im Bereich<br />
von Potschappel und Deuben – dreischienig<br />
ausgeführt, um einen späteren Güterverkehr<br />
mit meterspurigen Rollwagen zu ermöglichen.<br />
Doch die am 18. Januar 1906 eröffnete<br />
und elektrisch betriebene Staatliche Güterbahn<br />
Deuben nutzte das Dreischienengleis<br />
letztendlich bis Ende 1972 lediglich vor dem<br />
Betriebshof Deuben auf einer Länge von 9,18<br />
Meter. Die Güterbahn<br />
bediente vor<br />
allem Unternehmen<br />
auf der östlichen<br />
Weißeritzseite.<br />
Im August 1911<br />
begann die Verlängerung<br />
der Linie 22<br />
von Hainsberg nach<br />
Coßmannsdorf.<br />
Nach der Weißeritzbrücke<br />
bog die Trasse<br />
eingleisig entlang<br />
der Rabenauer Straße<br />
Bis zum Lindengarten kurz vor der Hainsberger<br />
Straße, wo eine Umfahrung entstand.<br />
Der reguläre Betrieb nach Coßmannsdorf<br />
startete am 1. April 1912 um 12 Uhr.<br />
Im Zuge von Notstandsarbeiten fand<br />
1920/21 die Umtrassierung der Straße zwischen<br />
der Habsburger Straße in Löbtau und<br />
der Felsenkellerbrauerei statt. Durch die ab<br />
Februar von der Linie 22 in beiden Richtungen<br />
befahrbare Neubaustraße entfielen die<br />
beiden Überbrückungen der Weißeritz – die<br />
Streckenlänge verkürzte sich um 20 Meter.<br />
In jener Notzeit schlossen sich die Gemeinden<br />
Deuben, Potschappel und Döhlen<br />
zur Stadt Freital zusammen. Hainsberg gemeindete<br />
hingegen 1933 Coßmannsdorf<br />
ein, wonach der Endpunkt der <strong>Straßenbahn</strong><br />
ab 7. November den Namen Hainsberg<br />
trug. Die letzte eigentliche Verlängerung innerhalb<br />
Freitals ging am<br />
6. Juni 1935 in Betrieb.<br />
Dazu war das Gleis von<br />
der Rabenauer Straße<br />
durch die Hainsberger<br />
Straße bis zur Straße<br />
„An der Kleinbahn“<br />
um 650 Meter verlängert<br />
worden. Der Endpunkt<br />
befand sich nunmehr<br />
ganz in der Nähe<br />
Das von 1969 bis 1974<br />
gültige Linienverlaufschild<br />
des Haltepunktes<br />
Hainsberg Süd der<br />
Schmalspurbahn nach<br />
Kipsdorf. Das Fahrziel der <strong>Straßenbahn</strong> lautete<br />
nunmehr „Hainsberg Rabenauer<br />
Grund“. Auf die Änderungen und weitere<br />
Besonderheiten in der Betriebsführung dieser<br />
Jahrzehnte sei aus Platzgründen hier<br />
jetzt verzichtet.<br />
Die Nachkriegszeit und das Ende<br />
Nach dem Zweiten Weltkrieg etablierte sich<br />
zunächst die Linie 12 von Niedersedlitz<br />
nach Hainsberg, die sich ab Löbtau die<br />
Trasse nach Freital mit der im September<br />
1949 eingerichteten Linie 3 von Dresden-<br />
Tolkewitz über den Schillerplatz und die<br />
Neustadt sowie Löbtau teilte. Bei den End-<br />
Mitte Mai 1974 stellten die<br />
Dresdner Verkehrsbetriebe alle<br />
im Betriebshof Freital noch<br />
vorhandenen Wagen für <strong>Straßenbahn</strong>freunde<br />
zur Parade auf<br />
HANS-DIETER RÄNDLER<br />
62<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014
Dresden/Freital<br />
punkten und der exakten Führung beider<br />
Linien in Dresden gab es verschiedene Änderungen,<br />
wie auch ab 1958 zusätzlich die<br />
Linie 59 die Stadt Radebeul mit Freital per<br />
<strong>Straßenbahn</strong> verband.<br />
1960/61 ließen die Dresdner Verkehrsbetriebe<br />
am Endpunkt in Hainsberg eine zweigleisige<br />
Wendeschleife errichten, die ab 18.<br />
Juli 1961 offiziell dem öffentlichen Verkehr<br />
diente. In den Wochen danach erfüllte die<br />
<strong>Straßenbahn</strong> eine wichtige Zubringerfunktion<br />
für die VII. Slalom- und II. Wildwasserrennen-Weltmeisterschaften.<br />
Damit hatte<br />
die Tram nach Hainsberg, was Freital<br />
1964 eingemeindete, ihren Zenit überschritten.<br />
Bis Mitte der 1960er-Jahre stellten<br />
die Verkehrsbetriebe alle drei nach Freital<br />
führenden Linien (3, 12 und 59) auf<br />
schaffnerlosen Betrieb um. Gleichzeitig reduzierte<br />
sich der Betrieb auf den Linien.<br />
Das per 4. Mai 1969 eingeführte neue Liniennetz<br />
enthielt lediglich noch die Linie 3<br />
nach Freital. Ihr Beginn war fortan am Wilden<br />
Mann, von wo sie über den Postplatz<br />
nach Löbtau kam. In Dresdens Nachbarstadt<br />
war der motorisierte Individualverkehr<br />
und staatlich gelenkte Straßenverkehr<br />
inzwischen so weit angestiegen, dass der<br />
Rat der Stadt die <strong>Straßenbahn</strong> in Freital als<br />
Hindernis ansah. Nachdem der Betrieb der<br />
meterspurigen Güterbahn Ende 1972 geendet<br />
hatte, stellten die Verkehrsbetriebe per<br />
25. Mai 1974 auch den Betrieb der Linie 3<br />
Aus einem städtischen Normalwagen der Dresdner <strong>Straßenbahn</strong> entstand im Mai 1974 diese<br />
Aufnmahme auf die Einfahrweiche zur Wendeschleife in Hainsberg FRANK EBERMANN (2)<br />
von der Fritz-Schulze-Straße in Dresden-<br />
Löbtau bis nach Freital-Hainsberg ein. Am<br />
Morgen des 26. Mai, einem Sonntag, verließ<br />
in den Morgenstunden der letzte <strong>Straßenbahn</strong>wagen<br />
Freital. Eine offizielle Verabschiedung<br />
fand nicht statt, allerdings<br />
fand im Mai eine Sonderfahrt mit dem<br />
Fahrschulwagen 724 012-5 (ein städtischer<br />
Normalwagen, ex Tw 750, Bautzen 1913)<br />
statt. Als Ersatz richtete der VEB Kraftverkehr<br />
die Omnibuslinie 3A von Hainsberg<br />
bis zum Willi-Ermer-Platz (heute Ebertplatz)<br />
in Löbtau ein.<br />
Innerhalb der Dresdner Straße von Freital<br />
verschwanden die <strong>Straßenbahn</strong>gleise<br />
vergleichsweise rasch. Im Plauenschen<br />
Grund lagen die Schienen hingegen meist<br />
noch bis 1990. Auf dem Gelände des Ende<br />
der 1990er-Jahre abgerissenen <strong>Straßenbahn</strong>depots<br />
in Freital-Deuben entstand ein<br />
Busbahnhof. So erinnern heute lediglich<br />
noch eine wenige Masten in Dresdens<br />
Nachbarstadt an die vor 40 Jahren eingestellte<br />
<strong>Straßenbahn</strong>. ANDRÉ MARKS<br />
Quelle<br />
Mario Schatz: Die <strong>Straßenbahn</strong> im Plauenschen<br />
Grund. Vorgeschichte – Bau – Betrieb –<br />
Güterbahn. Sonderausgabe 2012 „Die Glocke“,<br />
hrsg. vom <strong>Straßenbahn</strong>museum Dresden e.V.<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014<br />
63
Geschichte<br />
Der Triebwagen 812 aus Glasgow fährt gerade von der Endstelle Town End in Crich ab. Er entstand 1900 mit offenem Oberdeck, erhielt aber 1910<br />
eine Überdachung und 1912 geschlossene Plattformen, wie er sich heute im <strong>Straßenbahn</strong>museum Crich präsentiert ALLE FOTOS: NORBERT KUSCHINSKI<br />
Mit der Zeitmaschine<br />
in die Vergangenheit<br />
Die „living history“-Tage im <strong>Straßenbahn</strong>museum Crich Seit 30 Jahren findet in England<br />
jeden Sommer das „Edwardian Weekend“ statt. Dann versetzt das nationale <strong>Straßenbahn</strong>museum<br />
in Crich die Besucher in die Zeit nach 1900 zurück. Eine „Reise in die Vergangenheit“...<br />
Sich einmal in die Vergangenheit versetzen<br />
und erleben, wie die im Museum<br />
ausgestellten Dinge funktionierten,<br />
wie die Menschen damit umgingen,<br />
was sie dachten und sagten. Das wünschen<br />
sich oft viele Museumsbesucher. In <strong>Straßenbahn</strong>museen<br />
mit Fahrbetrieb kann man zumindest<br />
die Bahnen im Einsatz erleben. Das<br />
Umfeld ist aber das von heute: Straßen, Autoverkehr,<br />
Passanten und in der Regel auch die<br />
Fahrgäste. Allenfalls tragen Fahrer und Schaffner<br />
historische Uniformen, kassieren das Fahrgeld<br />
und knipsen die Fahrkarten. Wie war es<br />
aber früher wirklich?<br />
Wie sahen die Fahrgäste aus, fuhren sie<br />
vorwiegend zur Arbeit oder mehr der Bequemlichkeit<br />
halber in der Freizeit? Dioramen<br />
und Filme helfen da nur teilweise. Museale<br />
Inszenierungen mit Figurinen können<br />
einen bestimmten Bereich (wie z.B. einen<br />
Fahrgastraum oder einen Arbeitsplatz) veranschaulichen,<br />
wirken aber wie eingefroren.<br />
Eine wirklich „echte“ Erfahrung mit allen<br />
Sinnen könnte man nur erhalten, wenn man<br />
sich mit einer Zeitmaschine in die Vergangenheit<br />
versetzen würde. Aber obwohl es<br />
diese Idee schon mindestens seit dem Roman<br />
„The Time Machine“ von H. G. Wells<br />
aus dem Jahre 1895 gibt, scheitert die technische<br />
Realisierung bisher an bestimmten<br />
physikalischen Randbedingungen ...<br />
Was bedeutet „living history“?<br />
Als Ersatz haben Historiker und Museumsleute<br />
etwas erfunden, was sie mangels eines<br />
passenden deutschen Begriffs „living histo-<br />
64 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014
England: Crich<br />
ry“ nennen, was am sinnvollsten mit „lebende<br />
Vergangenheit“ übersetzt werden<br />
kann. Gemeint ist damit die Darstellung historischer<br />
Lebenswelten durch Komparsen<br />
und Statisten mit entsprechender Kleidung,<br />
Ausrüstung und Verhalten in einem dazu<br />
passend nachgestalteten Umfeld. Die Bandbreite<br />
reicht vom kommerziellen Volksfestspektakel<br />
der Mittelaltermärkte über die<br />
Darstellung ländlichen Arbeitslebens in großen<br />
Freilichtmuseen bis zu wissenschaftlich<br />
begleiteten Siedlerzügen. Sonderformen sind<br />
die experimentelle Archäologie, bei der im<br />
Interesse der wissenschaftlichen Forschung<br />
das Leben zum Beispiel in einem Steinzeitdorf<br />
nachgestellt wird, und das Reenactment,<br />
bei dem konkrete geschichtliche<br />
Ereignisse (wie zum Beispiel die Völkerschlacht<br />
bei Leipzig) in möglichst exakter<br />
Form, wenn auch mit weniger Teilnehmern<br />
nachgespielt werden.<br />
Handelt es sich um öffentliche Vorführungen,<br />
so kann sich der Besucher tatsächlich<br />
wie von einer Zeitmaschine in die Vergangenheit<br />
versetzt fühlen. Erinnert sei zum<br />
Beispiel an die Nachgestaltung der großen<br />
sächsischen Feldbahnübung 1909 in Seeligstadt<br />
bei Meißen an zwei Wochenenden<br />
2009, an der mehrere eisenbahn- und militärhistorische<br />
Vereine beteiligt waren.<br />
Das Konzept des<br />
<strong>Straßenbahn</strong>museums Crich<br />
Bei den <strong>Straßenbahn</strong>museen in Deutschland<br />
gibt es zwar Thementage, aber diese beschränken<br />
sich meist auf ein bestimmtes Rahmenprogramm<br />
wie die Beteiligung von Straßenfahrzeugen<br />
mit Blaulicht von der<br />
Feuerwehr über Rettungswagen bis zum<br />
THW. Ein Grund ist natürlich, dass für „living<br />
history“ ein ausreichend großer Platz erforderlich<br />
ist. Werfen wir daher einen Blick ins<br />
Ausland: Bereits seit vielen Jahren gibt es an<br />
bestimmten Wochenenden „living history“ im<br />
Nationalen <strong>Straßenbahn</strong>museum Crich in<br />
England. Als eines der ältesten und größten<br />
<strong>Straßenbahn</strong>museen Europas hat es nicht nur<br />
einen umfangreichen Fahrzeugbestand von<br />
der Pferdebahn bis zu modernen <strong>Straßenbahn</strong>wagen,<br />
sondern auch einen abgegrenzten<br />
großen Museumsbereich mit einer eigenen<br />
Museumsstrecke und einem „Dorf“ mit Straße,<br />
Gaststätte und weiteren Gebäuden.<br />
Traditionell steht ein Wochenende unter<br />
dem Thema des Alltags im Zweiten Weltkrieg,<br />
bei dem die <strong>Straßenbahn</strong>en verdunkelt<br />
sind und (um eventuelle Spione zu<br />
verwirren) ohne Zielschilder fahren. Militärfahrzeuge<br />
und Soldaten sind in den Straßen<br />
zu sehen, und die Besucher müssen je-<br />
Der 1874 gebaute Pferdebahnwagen 15 der Sheffield Coporation Tramways passiert die Gaststätte<br />
„Red Lion“. Dieser Wagen rollte schon 1963 durch Crich<br />
Der Tw 159 der London United Tramways, gebaut 1901 und seit 2013 wieder regelmäßig eingesetzt,<br />
hat die Endstelle Town End fast erreicht. Aber trugen die Fahrer damals wirklich bereits Krawatten?<br />
Tw 22 aus Glasgow entstand zwar erst 1922,<br />
unterscheidet sich aber äußerlich nicht sehr von<br />
den zehn Jahre früher gebauten Wagen. Hier<br />
fährt er an einem Lieferwagen vorbei<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014<br />
65
Geschichte<br />
Vor dem aus London stammenden Tw 159 demonstrieren Frauenrechtlerinnen für ihr Stimmrecht - zum Unverständnis männlicher Zeitgenossen<br />
derzeit ihre (an der Kasse erhaltene) Ausweiskarte<br />
vorzeigen, um nicht als feindlicher<br />
Spion verhaftet zu werden. Auch sollen<br />
sie sich vor Blindgängern und vor betrügerischen<br />
Schwarzhändlern in Acht nehmen.<br />
Am Wochenende „Roter Oktober“ stehen<br />
dagegen Automobile der Marken Trabant,<br />
Wartburg und Tatra auf der Straße, während<br />
auf dem Bürgersteig russische Soldaten, DDR-<br />
Grenztruppen und Polizisten sowie in Westberlin<br />
stationierte britische Soldaten zu sehen<br />
Besondere Wochenenden in Crich 2014<br />
Veranstaltungsort<br />
The National Tramway Museum<br />
Crich Tramway Village (bei Matlock),<br />
Derbyshire, DE4 5DP<br />
12./13. Juli:„Edwardian Weekend“ (Darstellung<br />
der Zeit 1901 bis ca. 1919)<br />
9./10. August:„August 1940s Weekend“<br />
(Darstellung der Zeit des Zweiten Weltkrieges)<br />
23. bis 25. August:„Classic Transport Gathering“<br />
(Präsentation von Fahrzeugen aus allen<br />
Epochen mit Paraden)<br />
sind. Mehrmals am Tag kann man revolutionäre<br />
Paraden erleben und sich anschließend<br />
im Gasthaus mit osteuropäischen Speisen und<br />
deutschem Bier stärken – und natürlich spielen<br />
auch die aus dem ehemaligen Ostblock<br />
stammenden <strong>Straßenbahn</strong>wagen (aus Berlin,<br />
Prag und Halle/Saale) eine wichtige Rolle.<br />
Das „Edwardian Weekend“<br />
Das wohl erfolgreichste Aktionswochenende<br />
ist aber das „Edwardian Weekend“. Seit<br />
13./14. September:„Electric 50“ (Präsentation<br />
der elektrischen Fahrzeuge anlässlich der ersten<br />
Fahrt eines elektrischen Triebwagens in Crich vor<br />
50 Jahren)<br />
Anstelle einer „Red October“-Darstellung finden<br />
in diesem Herbst vom 25. Oktober bis zum 2. November<br />
„Starlight Specials“ statt. Dabei werden<br />
die <strong>Straßenbahn</strong>fahrzeuge farbenfroh illuminiert.<br />
Weitere Hinweise (in Englisch) – siehe Homepage<br />
des Nationalen <strong>Straßenbahn</strong>museums Crich:<br />
www.tramway.co.uk<br />
1984 ist es ein Dauerbrenner. Der Name bezieht<br />
sich auf die Regierungszeit von König<br />
Edward VII., also von 1901 bis zu seinem<br />
Tode 1910. Dabei sollen die Eleganz und<br />
Atmosphäre dieser Zeit dargestellt werden<br />
– und natürlich sind Fahrzeuge aus dieser<br />
Zeit zu sehen. Das betrifft einerseits <strong>Straßenbahn</strong>wagen,<br />
von denen es in der reichhaltigen<br />
Sammlung des Museums mehrere<br />
gibt, darunter auch einige betriebsfähige.<br />
Dazu gehören zum Beispiel der 1900 gebaute<br />
Triebwagen 74 aus Sheffield und der<br />
1901 gebaute Triebwagen Nr. 159 der London<br />
United Tramways, der seit 2012 wieder<br />
fahrfähig ist. Andererseits sind auch Oldtimer-Automobile<br />
zu sehen. Diese stammen<br />
von privaten Sammlern, die dafür freien<br />
Eintritt erhalten.<br />
Den Reiz dieser Wochenenden macht jedoch<br />
auch das Umfeld aus: Im Theater gibt<br />
es Vorführungen von Artisten und Sängern,<br />
am Konzertplatz dürfen Besucher ein Picknick<br />
einnehmen und dabei einem Blasorchester<br />
lauschen, auf den Straßen treffen sie<br />
Darsteller in historischen Kostümen – beispielsweise<br />
demonstriert eine Gruppe Suffragetten<br />
für das Frauenwahlrecht. Dabei<br />
66 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014
England: Crich<br />
Eine Lady im Rollstuhl mit Begleiterin. Mit einer der damaligen <strong>Straßenbahn</strong>en<br />
hätten sie wohl nicht mitfahren können – wie mobil wäre<br />
sie also damals wirklich gewesen?<br />
Herr Oberst und Gattin machen eine kleine Rast auf ihrem Spaziergang<br />
durch die Stadt. Solche Personen trifft man beim Edwardian Weekend<br />
im National Tram Museum auf Schritt und Tritt<br />
geraten sie in Konflikt mit der Staatsmacht,<br />
wenn sie etwa bei einer ihrer Kundgebungen<br />
einen <strong>Straßenbahn</strong>wagen besetzen und<br />
so den Verkehr blockieren. Schließlich muss<br />
sogar die Armee anrücken, um die Ordnung<br />
wieder herzustellen.<br />
Erlebnis auch für Pferdebahnfreunde<br />
Weil Anfang des 20. Jahrhunderts auch<br />
noch in vielen englischen Städten die Pferdebahn<br />
fuhr, ist während des „Edwardian<br />
Weekend“ in Crich auch ein Pferdebahnwagen<br />
im Einsatz – das einzige Mal im ganzen<br />
Jahr. Seit 1984 kommt in der Regel der<br />
1874 gebaute Pferdebahnwagen Nr. 15 aus<br />
Sheffield zum Einsatz. Lediglich von 1991<br />
bis 1995 fiel er aufgrund eines längeren<br />
Werkstattaufenthalts aus. Dieser Wagen<br />
war übrigens der erste, mit dem die Besucher<br />
bei Eröffnung des <strong>Straßenbahn</strong>museum<br />
in Crich 1963 fahren konnten. Triebwagen<br />
übernahmen erst nach Fertigstellung<br />
der elektrischen Anlage Mitte 1964 regulären<br />
Fahrbetrieb.<br />
Freilich war das Ende der Pferdebahn<br />
während der Regierungszeit von König Edward<br />
VII. bereits absehbar. So kommt es<br />
gegen Ende des Tages zu einer „Demonstration<br />
der Stalljungen“. Sie erfahren, dass<br />
ihre Pferdebahn stillgelegt werden soll und<br />
fürchten nun um ihre Arbeitsplätze. Nun<br />
tragen sie Transparente wie „Schützt die<br />
Pferdebahn“ oder „Schickt uns doch auch<br />
gleich zum Abdecker“. Auch warnen sie<br />
die Fahrgäste „Fahrt nicht mit der neuen<br />
Bahn, sie ist gefährlich“, denn man brauche<br />
nur die Oberleitung und die Schienen<br />
gleichzeitig berühren, um einen tödlichen<br />
Stromschlag zu erhalten … Schließlich<br />
kommt der Manager der Bahn in Frack<br />
und Zylinder und klärt die Situation, indem<br />
er den kompromissbereiten Arbeitern<br />
eine Beschäftigung bei der elektrischen<br />
Bahn verspricht. Nur der Stalljunge, der<br />
ihm respektlos den Zylinder vom Kopf<br />
schlug, wird sich wohl etwas anderes suchen<br />
müssen. NORBERT KUSCHINSKI<br />
Auf zur Zeitreise!<br />
Die Illusion einer Zeitreise ist allerdings nicht vollkommen,<br />
denn nicht alle Sinne werden gleichermaßen<br />
angesprochen. Die Straßen in den Städten waren<br />
damals noch durch zahlreiche Pferde (nicht nur<br />
die der <strong>Straßenbahn</strong>) geprägt. Die dadurch entstandenen<br />
Verunreinigungen und Gerüche können heute<br />
nicht nachvollzogen werden, was wohl auch besser<br />
ist. Was allenfalls indirekt darstellbar ist, sind<br />
Bildung, Wissen und Denken der Menschen zur damaligen<br />
Zeit. Und was natürlich am deutlichsten ist:<br />
Obwohl Besucher in historischer Kleidung ermäßigten<br />
Eintritt erhalten, laufen dennoch viele Besucher<br />
in heutiger Kleidung herum und benehmen sich auch<br />
sehr „heutig“, wodurch es mitunter zu ungewollt<br />
komischen Begegnungen kommt.<br />
Diese Aktionstage sind nicht nur ein attraktives<br />
Besucherspektakel und damit eine Attraktion des<br />
etwas abseits größerer Städte liegenden Museums,<br />
sondern auch ein Beitrag zur „lebenslangen<br />
Bildung“. Diese wird in Großbritannien staatlich<br />
gefördert, auch durch finanzielle Zuschüsse. Also:<br />
Auf zur nächsten Zeitreise!<br />
Die Stallburschen demonstrieren für den Erhalt „ihrer“ Pferdebahn, wie wir heute wissen –<br />
ohne Erfolg. Die Besucher des <strong>Straßenbahn</strong>museums klatschen trotzdem Beifall<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014<br />
67
Geschichte<br />
Auf Fotopirsch nach GT5<br />
Die Augsburger <strong>Straßenbahn</strong> vor 20 Jahren Im März 1994 dokumentierte ein Oldenburger<br />
Nahverkehrsfreund im Rahmen seiner Bayernreise auch den Trambetrieb der Fuggerstadt.<br />
Sein Hauptinteresse galt den legendären Fünfachsern in deren letzten Einsatzjehren<br />
Liniennetz Augsburg 1994<br />
1. . . . . . . . . . . . . . . . . Göggingen – Lechhausen<br />
2. . . . . . . . . . . . . . . . Stadtbergen – Kriegshaber<br />
4 . . . . . . . Haunstetten, ev. Kirche – Oberhausen<br />
Am Abend des 23. März traf ich in<br />
meinem Quartier in Stadtbergen bei<br />
Augsburg ein. Hatte ich morgens<br />
noch den Trambetrieb in Würzburg<br />
dokumentiert – siehe <strong>STRASSENBAHN</strong> MA-<br />
GAZIN 6/2014 – so folgt ein Bericht über<br />
meinen Zwischenstopp in Ulm im Anschluss<br />
an die Erlebnisse in Bayern.<br />
Das gewählte Quartier in Stadtbergen erwies<br />
sich als Glücksgriff: Vom Zimmerfenster<br />
hatte ich einen Panoramablick auf die Straße<br />
und die dort verlaufende <strong>Straßenbahn</strong>linie 2.<br />
Diese wurde obendrein noch komplett mit den<br />
fünfachsigen Gelenktriebwagen befahren, denen<br />
mein Hauptinteresse galt. „Toll – auch<br />
abends noch alle 15 Minuten mit Tatzlagersound<br />
in den Schlaf“, schrieb ich damals begeistert<br />
in mein Tagebuch. Augsburg war damals<br />
zweifellos die interessanteste Station meiner<br />
Reise. Das Streckennetz wurde von drei<br />
Linien befahren und war im Prinzip seit 1960<br />
unverändert – man hatte lediglich hin und<br />
wieder Linienäste getauscht. Eine erste Streckenverlängerung<br />
von Lechhausen zum Neuen<br />
Ostfriedhof war aber schon im Bau, weitere<br />
Neubaustrecken waren projektiert. Einige<br />
Jahre zuvor – im Jahre 1990 – hatten die<br />
Augsburger Verkehrsbetriebe einen „Coup“<br />
gelandet, indem alle <strong>Straßenbahn</strong>linien über<br />
die Woche ganztägig im Fünf-Minuten-Takt<br />
gefahren wurden. Zwar verzichtete man im<br />
Gegenzug auf Verstärkungsfahrten im Spitzenverkehr,<br />
aber dennoch hatte die Verkehrsgesellschaft<br />
die Attraktivität der Augsburger<br />
<strong>Straßenbahn</strong> sehr gesteigert.<br />
Mehr als GT5 – Betrieb prägt<br />
eine große Fahrzeugvielfalt<br />
Zur Bewältigung des Fahrgastzuwachses<br />
hatte man 1991 aus Stuttgart 20 ältere GT4-<br />
Gelenkwagen (= zehn Doppeltraktionen) ge-<br />
68 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014
Augsburg<br />
Ein Blick in die Werkstatt des Betriebshofes Baumgartnerstraße mit dem Tw 8012 vom Typ M8C und dem Tw 408, der<br />
ehemalige Stuttgarter GT4 Nr. 540. An letzteren wird letzte Hand vor seiner Inbetriebnahme in Augsburg angelegt<br />
Vor der heute<br />
von den Stadtwerken<br />
nicht mehr genutzten<br />
Wagenhalle<br />
in Lechhausen warteten<br />
am 23. März<br />
1994 der Fünfachs-<br />
Tw 541 und die aus<br />
den Wagen 403 und<br />
453 gebildete GT4-<br />
Doppeltraktion auf<br />
ihre Abfahrtszeit.<br />
Die Halle nutzen<br />
heute die Freunde<br />
der Augsburger<br />
<strong>Straßenbahn</strong> e.V.<br />
Wagenpark Augsburg 3/1994 (nur betriebsfähige Wagen des Personenverkehrs)<br />
Tw-Nr. Typ Bauart Hersteller Baujahr Bemerkungen<br />
401–410 GT4 4x-ER-Gel-Tw Esslingen 1959/60 1991 ex Stuttgart Tw 539/37,<br />
529/32/46/30/38/40/34/28;<br />
408/09 noch nicht im Einsatz<br />
451–460 GT4 4x-ER-Gel-Tw Esslingen 1960–1962 geführte Tw; 1991 ex Stuttgart<br />
Tw 580/79/35/45/81/36/73/41,<br />
542/74; 458/59 noch nicht i.E.<br />
511, 518 GT5 5x-ER-Gel-Tw MAN 1956 1968 Umbau aus 3x-1R-Tw<br />
522–525/530–534 GT5 5x-ER-Gel-Tw MAN 1964<br />
535–541 GT5 5x-ER-Gel-Tw MAN 1968<br />
542/44/45 GT5 5x-ER-Gel-Tw MAN 1956 1969 Umbau aus 3x-1R-Bw<br />
263/65/66<br />
601 GT6M 6x-ER-Gel-Tw Nfl MAN 1993 Prototyp<br />
801–812 GT8 8x-ER-Gel-Tw MAN/Düwag 1976 Typ „Mannheim“<br />
8001–8012 M8C 8x-ZR-Gel-Tw MAN/Düwag 1985<br />
(66 Tw)<br />
Gefolgt vom Niederflur-Prototyp<br />
601<br />
nähert sich der GT8<br />
Nr. 809 am 23. März<br />
1994 aus Haun stetten<br />
kommend der<br />
Haltestelle Rotes Tor.<br />
Den Tw 601 mustert<br />
der Verkehrsbetrieb<br />
nach knapp zweijährigem<br />
Einsatz 1995<br />
nach einem Unfall<br />
bereits aus und gibt<br />
ihn an MAN nach<br />
Nürnberg zurück<br />
ALLE FOTOS STEFAN HINDER<br />
69
Geschichte<br />
Auch in Kriegshaber wenden die Wagen im Gleisdreieck vor dem ehemaligen Depot. Am 23. März 1994 verbringt Tw 524 hier seine Pausenzeit;<br />
2013 wird er in Iasi (Rumänien) verschrottet. Die damals noch gewohnte Telefonzelle dürfte das gleiche Schicksal deutlich früher ereilt haben<br />
...<br />
kauft und sukzessive bis 1994 in Dienst gestellt.<br />
Überwiegend erfolgte ihre Aufarbeitung<br />
in der ZWM Mannheim, einige Fahrzeuge<br />
waren zum Zeitpunkt meines Besuches<br />
noch gar nicht fertiggestellt. Der Bestand an<br />
Fünfachsern war bis März 1994 auf genau<br />
die Hälfte geschrumpft: Es waren noch 21<br />
von ursprünglich 42 Exemplaren im Bestand.<br />
Außerdem gab es zwölf Einrichtungsachtachser<br />
vom Düwag-Typ „Mannheim“<br />
aus den 1970er- und zwölf Stadtbahnwagen<br />
M8C aus den 1980er-Jahren.<br />
Neueste Errungenschaft war ein im<br />
Vorjahr gelieferter Niederflur-Sechsachser<br />
des MAN/AEG-Typs GT6M, der als Prototyp<br />
einer geplanten Serie galt und Ende<br />
1995 nach einem schweren Unfall ausgemustert<br />
werden musste. Nicht für den regulären<br />
Personenverkehr, aber für Sonderfahrten<br />
standen auch noch drei<br />
Zweiachser vom KSW-Typ (Tw 501, 506<br />
Das Endstück der Linie 2 in Kriegshaber ist trotz Fünf-Minuten-Taktes nur eingleisig ausgeführt, und aufgrund der notwendigen Dreickwende an der<br />
Endstelle sind Tramaufläufe wie dieser an der Tagesordnung: Tw 538 fährt soeben Richtung Innenstadt ab, während im Hintergrund Tw 537 gerade<br />
die Endstation erreicht hat und Tw 542 zurückstößt (links). An der Ausweiche Heimgarten begegnen sich am 23. März 1994 die Tw 534 und 540 (rechts)<br />
70 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014
Augsburg<br />
Eigentlich ist das Augsburger <strong>Straßenbahn</strong>netz nicht sonderlich steigungsreich. Eine Ausnahme bildet das kurze, aber steile Streckenstück am Perlachberg<br />
im Zuge der Linie 1. Die in unterschiedlichen Straßenzügen liegenden eingleisigen Abschnitte werden im Richtungsbetrieb befahren<br />
sowie 507) zur Verfügung. Da ich all diese<br />
Fahrzeuge gerne sehen wollte, hatte ich<br />
vor der Reise schriftlich mit der Betriebsleitung<br />
einen Besichtigungstermin für den<br />
Betriebshof an der Baumgartnerstraße<br />
vereinbart.<br />
Einzelstück nur im Betriebshof<br />
So vielfältig der Fahrzeugpark, so vielfältig<br />
war auch der Fahrzeugeinsatz: Die Linie 2<br />
fuhr – wie erwähnt – ausschließlich mit GT5<br />
(17 Kurse!). Die Linie 1 war die Domäne der<br />
M8C-Wagen und der GT4-Doppeltraktionen,<br />
aber auch hier beobachtete ich zwei<br />
Kurse mit GT5. Die Linie 4 bedienten normalerweise<br />
die „Mannheim“-Achtachser.<br />
Außerdem verkehrte hier der Niederflur-<br />
Prototyp 601, aber als zusätzlicher, nicht<br />
fahrplanmäßiger Kurs. Ich konnte ihn daher<br />
zu meinem Erstaunen bei der Betriebshofbesichtigung<br />
antreffen, nachdem ich ihn unmittelbar<br />
zuvor noch im Einsatz auf der SL<br />
4 fotografiert hatte. „Der Fahrer macht jetzt<br />
Brotzeit“, erläuterte mir mein Begleiter.<br />
Was könnte sich ein <strong>Straßenbahn</strong>freund mehr<br />
wünschen, als dass der Blick aus dem Hotelzimmerfenster<br />
nach dem Aufstehen so aussieht:<br />
Tw 534 am 24. März 1994 in Stadtbergen<br />
Im Depot war übrigens neben den erwähnten<br />
Fahrzeugen auch noch der historische<br />
Tw 101 anzutreffen, ein Vierachser mit<br />
Maximum-Drehgestellen aus dem Jahre<br />
1913. Außerdem standen dort noch die<br />
GT5-Tw 526 und 529, deren HU-Fristen einige<br />
Wochen zuvor abgelaufen waren. Man<br />
versicherte mir allerdings, dass vorläufig<br />
keine weiteren GT5 abgestellt werden sollten.<br />
Der Tw 531 befand sich gerade in der<br />
HU, und es sollte tatsächlich auch noch sieben<br />
Jahre dauern, bis der letzte GT5 aus<br />
dem Straßenbild verschwand.<br />
Vom GT5 besonders angetan<br />
Von diesen einzigartigen Wagen war ich<br />
ziemlich angetan: Die Fahreigenschaften<br />
empfand ich als erstaunlich gut (besser als<br />
die der ex Stuttgarter GT4), und überrascht<br />
war ich auch über die zügige Anfahrbe-<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014<br />
71
Geschichte<br />
Der GT5 Nr. 531 steht am 23. März 1994 im Betriebshof Baumgartnerstraße.<br />
Die leichte Trennbarkeit der beiden Wagenteile war ein Grund<br />
für die Beschaffung dieser Wagentype 1964 von MAN<br />
Im Betriebshof befinden sich an diesem Tag auch mehrere Sonder -<br />
wagen: vorn der KSW Nr. 507, dahinter die gleichartigen Triebwagen<br />
506 und 501 sowie der vierachsige Triebwagen 101 von 1913<br />
schleunigung. Die für ein Fahrzeug dieser<br />
Größe schwache Motorisierung (2 x 60<br />
kW) ließ eigentlich anderes erwarten! Der<br />
Innenraum präsentierte sich mit gemütlicher,<br />
aber nicht zu dunkler Holzverkleidung.<br />
Die Sitze waren zwar aus Durofol,<br />
aber immerhin in Fahrtrichtung aufgestellt.<br />
Auf der Negativ-Seite blieben für meinen<br />
Geschmack lediglich das recht laute Motorgeräusch<br />
und der in Abständen lautstark<br />
losratternde Kompressor.<br />
Sehr schön fand ich auch die achtachsigen<br />
Tw 801 bis 812, zumal sie sich fast alle<br />
(Ausnahme: Tw 801) noch in der klassischen<br />
beigen Lackierung präsentierten.<br />
Beim Betreten der Wagen allerdings fühlte<br />
Der Tw 541 hat die Endstelle Lechhausen erreicht und wird gleich in das Wendedreieck vor der<br />
Wagenhalle zurückstoßen. Erste Arbeiten für die Verlängerung zum Neuen Ostfriedhof, die am<br />
10. September 1994 in Betrieb genommen werden wird, haben begonnen<br />
Fünfachs-Tw 537 hat am 23. März 1994 stadtauswärts fahrend die Haltestelle Senkelbach erreicht,<br />
während im Hintergrund ein gleichartiger Triebwagen in Richtung Fischertor fährt<br />
man sich mit einem Schlag in die 1970er-<br />
Jahre zurückversetzt: Das gesamte Gestühl<br />
präsentierte sich in der Modefarbe dieser<br />
Zeit – in einem schrillen Orange. „Fehlen<br />
nur noch die Abba-Poster und die Pril-Blumen“,<br />
notierte ich ironisch dazu. Alle anderen<br />
Wagen zeigten sich in der einige Jahre<br />
zuvor eingeführten weiß-grünen Farbgebung.<br />
Ganzreklamen gab es zu meiner Freude<br />
nicht.<br />
Reger Rangierbetrieb<br />
an Gleisdreiecken<br />
Neben der Betriebshofbesichtigung befuhr<br />
ich die Strecken nach Lechhausen, Oberhausen<br />
und Kriegshaber und lief das sehenswerte<br />
Stück der Linie 2 zwischen Rathaus<br />
und Fischertor ab. Durch den<br />
Fünf-Minuten-Takt musste man nie lange<br />
auf Fotomotive warten. An den Endstellen<br />
Lechhausen und Kriegshaber dienten als<br />
Wendemöglichkeit die Gleisdreiecke im<br />
Vorfeld von nicht mehr benötigten Wagenhallen,<br />
so dass angesichts der dichten Taktfolge<br />
ständig Betrieb mit mindestens zwei,<br />
oft auch drei rangierenden Wagen herrschte.<br />
Abgesehen vom Wetter, das sich überwiegend<br />
grau und wolkenverhangen zeigte,<br />
war ich daher mit der Ausbeute dieses Tages<br />
mehr als zufrieden. STEFAN HINDER<br />
Und 20 Jahre danach?<br />
Augsburg hat sein <strong>Straßenbahn</strong>netz zwischenzeitlich<br />
fast verdoppelt – es ist von knapp 26 im<br />
Jahr 1994 auf aktuell 45,4 Kilometer Länge gewachsen.<br />
Neben den Streckenverlängerungen<br />
zum Neuen Ostfriedhof, nach Augsburg-West<br />
und Augsburg-Nord entstanden die neuen <strong>Straßenbahn</strong>linien<br />
3 nach Haunstetten-West und 6<br />
nach Friedberg-West. Letztere ist größtenteils<br />
ein verlängerter Wiederaufbau der 1960 stillgelegten<br />
Linie 6 nach Hochzoll.<br />
Vom alten Wagenpark sind nur noch sieben<br />
der M8C-Wagen von 1985 im Einsatz (Tw 8002<br />
und 8004 bis 8009). Der Rest besteht aus 79<br />
Niederflurwagen mittlerweile dreier verschiedener<br />
Typen.<br />
72 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014
Fundstück des Monats<br />
FOLGE 17<br />
Hall in Tirol<br />
Unterer Stadtplatz<br />
Grau und unscheinbar, aber es steht noch: das Depot der ehemaligen Überlandstraßenbahn von Innsbruck in Hall in Tirol.<br />
Bis 1974 verbrachten darin Trams die Nacht. Die Aufnahme entstand am 28. April 2014<br />
BERNHARD KUSSMAGK<br />
Vergessener Betriebshof<br />
Vor 40 Jahren endete der <strong>Straßenbahn</strong>verkehr von Innsbruck nach Hall in Tirol. Dort erinnert jedoch<br />
bis heute ein kleines Depot an diese knapp zwölf Kilometer lange Überlandstrecke mit 1.000<br />
Millimeter Spurweite. Doch welche <strong>Straßenbahn</strong>fahrzeuge übernachteten dort einst?<br />
Der Untere Stadtplatz in Hall in Tirol bietet eine prächtige mittelalterliche<br />
Kulisse. Schweift der Blick nach Westen, fällt ein unscheinbares<br />
Gebäude kaum auf. Für Nahverkehrsfreunde stellt es jedoch etwas<br />
Besonderes dar – beim näheren Hinsehen ist es rasch als ehemaliges Depot<br />
identifiziert. Bis zum Abend des 8. Juni 1974 endete die Überlandstraßenbahnlinie<br />
4, vom Innsbrucker Hauptbahnhof kommend, am<br />
Unteren Stadtplatz.<br />
Die 4 – genannt „der Haller“ – gehörte bereits ab dem 1. Juni 1891<br />
zum Stadtbild Halls, zunächst noch als Dampfstraßenbahn. In den<br />
Jahren 1909/10 elektrifizierte die Localbahn Innsbruck – Hall in<br />
Tirol (L.B.I.H.i.T.) die meterspurige Strecke in zwei Abschnitten.<br />
Gegen den Willen der Verkehrsbetriebe verfügte die Stadt Innsbruck<br />
die Stilllegung der 4, um einen vergleichsweise geringen Betrag im<br />
Zuge der Neuerrichtung einer Brücke während der Vorbereitungen<br />
auf die Olympischen Winterspiele 1976 zu sparen, bei der die <strong>Straßenbahn</strong><br />
„störte“. Das Ende des Hallers erfolgte unter großer Anteilnahme<br />
der Bevölkerung. Trotz Eingleisigkeit, sehr altem Wagenmaterial<br />
und dünnem Halbstundentakt war die Linie wegen ihrer<br />
Zuverlässigkeit äußerst beliebt. Gerade jener alte Wagenpark der<br />
Grazer Waggonfabrik war ein Fest für alle Verkehrsfreunde, zogen<br />
die schweren, hohen, vierachsigen, knapp zwölf Meter langen Triebwagen<br />
aus dem Jahr 1909 doch zwei bis vier leichte, niedrige, zweiachsige,<br />
knapp sechs Meter kurze Beiwagen aus der Dampfbahnära,<br />
die während der raschen Fahrt nett hin- und hertänzelten.<br />
1976 kauften die Innsbrucker Verkehrsbetriebe sechsachsige Zweirichtungswagen<br />
der Hagener <strong>Straßenbahn</strong>, die sich für eine Modernisierung<br />
der meist schnurgerade verlaufenden Linie 4 geeignet<br />
hätten. Durch eine zusätzliche Ausweiche wäre ein 15-Minuten-Takt<br />
möglich gewesen, zu spät ...<br />
Heute erinnert mit Ausnahme des kleinen Depots fast nichts mehr an<br />
den Haller. Im Zuge der geplanten Regionalbahn soll die Tram in moderner<br />
Form, wenn auch mit anderer Streckenführung, zumindest<br />
teilweise wieder aufleben, denn zumindest bis nach Rum (zwischen<br />
Innsbruck und Hal gelegen) wird die <strong>Straßenbahn</strong> in einigen Jahren<br />
wieder fahren.<br />
BERNHARD KUSSMAGK<br />
Mehr Erinnerungen an die Haller Lokalbahn:„Rendezvous mit<br />
Linie 4“ in <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 8/2010, Seiten 92 bis 95<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014<br />
73
■ Miniatur-Nahverkehr: Anlagen, Fahrzeuge, Tipps und Neuheiten<br />
m sm-modell@geramond.de<br />
11. Internationale Modellstraßenbahnausstellung<br />
Kleine Bahn...<br />
ganz groSS<br />
Plauener StraSSenbahn<br />
Tradition verbindet<br />
17.05.14 von 10 bis 18 Uhr & 18.05.14 von 12 bis 17 Uhr<br />
in der Veranstaltungsshalle „Möbel biller“ Plauen<br />
Minitram groß<br />
im Möbelhaus<br />
Kleine Bahn ganz groß ■ Schon zum elften<br />
Mal zeigten Hobbyfreunde einem breiten<br />
Publikum Fahrzeuge und Anlagen. Diesmal<br />
war ein Möbelkaufhaus in Plauen Treffpunkt<br />
der europäischen Modellstraßenbahnszene<br />
Im letzten Jahr berichteten wir<br />
vom Modelltramtreffen in Chemnitz,<br />
wo schon bei Öffnung der<br />
Ausstellung eine so große Menschenmenge<br />
in die Bushalle der Verkehrs-AG<br />
stürmte wie man es sonst<br />
nur von Kaufhäusern kennt, wenn die<br />
Meute danach über die Sonderangebote<br />
herfallen kann. Dieses Jahr fand<br />
„Kleine Bahn ganz groß“ (KBGG) nun<br />
tatsächlich in einem Kaufhaus statt.<br />
„Möbel Biller“ am Plauener Rosa-<br />
Luxemburg-Platz war Mitte Mai für<br />
ein Wochenende der Mittelpunkt der<br />
europäischen Modellstraßenbahnszene.<br />
In der angeschlossenen Veranstaltungshalle<br />
zeigten 43 Aussteller<br />
mit rund 180 Teilnehmern unter von<br />
der Decke baumelndem Weihnachtsschmuck<br />
ihre Modelle und Anlagen.<br />
Jedes dieser vier Spur-IIm-Trammodelle hat einen anderen Erbauer. Den<br />
ET57 der Gothaer <strong>Straßenbahn</strong> (o. l.) fertigte der Gothaer Thomas Pferner<br />
aus einem Bausatz von Yannick Schäffner. Den Hallenser Lindner-<br />
Zug (o. r.) bauten Jens Huschina und Joachim Piest aus Berlin. Der gelbe<br />
Oldtimer mit der Nummer 11 ist Thomas Pferners Umbau aus einem<br />
LGB-Modell. Der moderne Erfurter MGT6 (kl. Foto) ist ein Eigenbau von<br />
Andreas Lange aus Erfurt, den jetzt Frank Findeis aus Plauen sein Eigen<br />
nennt. Die Anlage gehört den Spur-II-Freunden um Jens Huschina<br />
74 strassenbahn magazin 7|2014
Kleine Bahn ganz gro<br />
Die „Modulfreunde Nürnberg“ sind wie der „Modulbau Nürnberg“ eine<br />
Interessengemeinschaft, die nach gleichen Normen baut und fährt<br />
Erwin Löw von den Modulfreunden nennt seine H0-Anlage „Löwenstein“.<br />
Die Stadt hat kein echtes Vorbild, soll nur gut zur Tram passen<br />
Auf der Anlage der Spur-II-Freunde zeigte Thomas Findeis aus Plauen (l.)<br />
seinen Niederflurwagens MGT6D, den Andreas Lange aus Erfurt baute<br />
Zur Braunschweiger IG Nahverkehr gehören auch Frauen. Tine Kasch<br />
(neben Mobaleiter Alex Schwieger) organisiert die Reisen des Vereins<br />
War die Chemnitzer Bushalle 2013<br />
schon wegen schlechter Lichtverhältnisse<br />
in die Kritik geraten, konnte der<br />
Möbelladen hier noch einen draufsetzen.<br />
Mit „dunkel wie in der U-Bahn“<br />
brachte es Götz Renker aus Leipzig<br />
auf den Punkt. Rund 2.100 zahlende<br />
Besucher hatten aber trotzdem ihre<br />
Freude an den 32 Anlagen. Dank des<br />
verkaufsoffenen Sonntags riss der<br />
Zuschauerzustrom am zweiten Tag<br />
nicht ab. Auch immer mehr Hersteller<br />
nutzten KBGG, um ihr Programm<br />
den Kunden näher zu bringen. Während<br />
es für die sächsischen Anbieter<br />
wieder ein Heimspiel war, hatte die<br />
Navemo AG aus Zürich die weiteste<br />
Anfahrt nach Plauen.<br />
Viel Aufmerksamkeit konnten die<br />
Spur-II-Freunde um Jens Huschina<br />
mit ihrer großen Gartentram auf sich<br />
ziehen. Noch größer war‘s nur beim<br />
Plauener Heiko Puchta mit seinen<br />
1:10-Fahrzeugen. Auch den noch<br />
unfertigen Zuwachs für seinen Fahrzeugpark,<br />
einen RT6 von Tatra in der<br />
Ausführung fürs böhmische Reichenberg<br />
(Liberec), hatte er dabei.<br />
Die Magdeburger <strong>Straßenbahn</strong>freunde sind mit ihrer Modulanlage, die<br />
vorwiegend heimatliche Gegebenheiten umsetzt, seit Jahren dabei<br />
Alle Magdeburger <strong>Straßenbahn</strong>freunde sind an ihren grünen T-Shirts zu<br />
erkennen, so auch Thorsten Löbl, der hier den Teil „Schönebeck“ bedient<br />
strassenbahn magazin 7|2014 75
aßenbahn im Modell<br />
Eine GT6N und eine Variobahn warten ihre Pausenzeiten auf Tobias Ruschels<br />
H0-Modul „Gustav-Adolf-Straße“ der „IG Modulbau Nürnberg“ ab<br />
Dieter Gropp lässt auf seiner H0-Anlage noch einmal die DDR-Gewerkschaft<br />
FDGB den „Kampftag der Arbeiterklasse“ auf der Straße feiern<br />
Von Johannes Keller-Harmsen stammen die 3-D-Modelle der Timis-II-<br />
Züge nach Vorbildern von Iasi (l.), Arad (r.) auf der Modulbau-Anlage<br />
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skandinavische wie auch viele<br />
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wirkende Fahrwerke.<br />
Auch Modelltram-Urgestein Alfred<br />
Spühr war unter den Besuchern. Bis<br />
vor einigen Jahren hatte der 80-Jährige<br />
noch selbst als Aussteller an KBGG<br />
teilgenommen. Besonders die auch in<br />
Plauen wieder gezeigte kleine H0-Anlage<br />
von Werner Jurkowski hatte es ihm<br />
angetan. „Da kann ich ewig zuschauen,<br />
denn der Betrieb mit den Selbstbaumodellen<br />
aus Messing läuft problemlos“,<br />
freut sich der Osnabrücker.<br />
Die vorbildentsprechende Geschwindigkeit<br />
(oder besser Langsamkeit) der<br />
vom Berliner Jurkowski gefahrenen<br />
Modelle gefiel Spühr. In den <strong>Straßenbahn</strong>en<br />
manch anderer Anlage möchte<br />
er besser kein Fahrgast sein. „Zu hohes<br />
Tempo mit teils sehr schlechter Gleisla-<br />
45 Minuten Arbeitsaufwand<br />
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Unter Holger Otts H0-Anlage fährt eine Unterpflasterstraßenbahn. Dank<br />
des Dreischienengleises kann er auch Meterspur-Triebwagen einsetzen<br />
ge sowie häufigen Unterbrechern und<br />
Entgleisungen“ weckten in ihm nur<br />
gedämpfte Begeisterung.<br />
Hohe Kosten, wenig Zeit<br />
Es gab aber auch viel Lob für den<br />
Einsatz der Teilnehmer. Thomas<br />
Hildebrand aus Erfurt zeigte sich<br />
begeistert, dass „sie alle ihre Reise-<br />
und Hotelkosten selber tragen und<br />
trotzdem so zahlreich bei der Veranstaltung<br />
dabei sind“. Er bedauerte<br />
nur, als Teilnehmer selbst kaum Zeit<br />
zum ausführlichen Besuch der anderen<br />
Aussteller zu haben. Götz Renker<br />
nannte KBGG in Plauen „eine recht<br />
schöne Veranstaltung, die wie immer<br />
gut durchorganisiert war“.<br />
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B<br />
76 strassenbahn magazin 7|2014
Kleine Bahn ganz gro<br />
Schon jetzt stehen auch die nächsten<br />
beiden Veranstaltungsorte für<br />
„Kleine Bahn ganz groß“ fest: 2015<br />
in Schwerin und 2016 mit Hamburg<br />
endlich auch mal wieder in den alten<br />
Bundesländern. Der Termin im April<br />
2015 in Schwerin stößt aber nicht auf<br />
einhellige Zustimmung. SM-Autor<br />
Guido Mandorf weiß: „Die Veranstaltung<br />
soll in einem ungeheizten Lokschuppen<br />
stattfinden, sodass schon<br />
viele ihre Teilnahme abgesagt haben,<br />
um ihre Anlagen zu schonen.“ Alfred<br />
Spühr meint dazu wenig prophetisch,<br />
dass „wir uns da alle wohl sehr warm<br />
anziehen müssen“.<br />
JOG<br />
Von Ingbert Neumeister stammt dieser H0-Eigenbau eines GT8-70D/N. Das Vorbild des Messing-Ätzmodells hat<br />
Siemens für die Verkehrsbetriebe Karlsruhe gebaut. Die Modellteile wurden in einem Metallätzwerk gefertigt<br />
L. BÄR, R. FELGENTREU, H. GIERAMM (2), TH. HILDEBRAND (5), H. OTT (2), G. RENKER (2), S. SCHÄFER (2)<br />
Dieter Gropp aus Gera zeigte auf seiner H0-Anlage einen Kriegseinheitsobus,<br />
der vorbildgerecht unter Oberleitung die Modellstraßen befuhr<br />
Der japanische Typ 60 Biwako Go kommt als N-Modell von Modemo<br />
Die meisten Bilder dieses Berichts wurden mit Langzeitbelichtung aufgenommen.<br />
Wie dunkel es wirklich im Plauener Möbelhaus war, zeigt diese<br />
Aufnahme, die an der Anlage der „Modulfreunde Nürnberg“ entstand<br />
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B<br />
Neu im Lieferprogramm 2014<br />
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B. DIETRICH-VANDONINCK (3)<br />
Rivarossi zeigte diesen Dortmunder Rewe-Stadtbahnwagen für H0<br />
Nürnberger Messe-Nachwehen<br />
■ Auch gut fünf Monate nach der<br />
Nürnberger Spielwarenmesse gibt<br />
es noch einige Neuheiten und Korrekturen<br />
zu vermelden.<br />
Paul Sassen von Skiptram, der<br />
selbst nicht auf der Messe war,<br />
wollte uns durch einen Mittelsmann<br />
einen Tauschantrieb für Limas H0-<br />
Sechsachser vorstellen. Da dies<br />
nicht geklappt hat, reichen wir das<br />
Teil hier jetzt nach.<br />
Das im letzten Teil des Messeberichts<br />
der Firma NPE als Neuheit<br />
zugeschriebene Rillengleissystem<br />
für N und Nm und die Modelle der<br />
Sóllertram und des Baseler Triebwagen<br />
Ce 2/2 stammen tatsächlich<br />
vom Hersteller N-Tram.<br />
Wie wir es voraus gesehen haben,<br />
ziehen sich immer mehr Tramhersteller<br />
von der Spielwarenmesse<br />
zurück. Jetzt hat auch Bernhard<br />
Eng von Navemo mitgeteilt, dass<br />
man 2015 nicht mehr in Nürnberg<br />
ausstellen werde. Offenbar hat die<br />
Messegesellschaft den Trend erkannt.<br />
Seit Ende Mai versucht man<br />
nun unter „Bahn frei für Kleinserienhersteller“<br />
den Abgang mit neuen<br />
Angeboten aufzuhalten. JOG<br />
Skiptrams Tauschantrieb soll Limas H0-Sechsachser ertüchtigen<br />
strassenbahn magazin 7|2014 77
Ihre Seiten: Ergänzungen, Anmerkungen, Kritik und Anregung<br />
<br />
ö<br />
:<br />
*<br />
89 – 13 06 99-720<br />
0 89 – 13 06 99-700<br />
redaktion@geramond.de<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong><br />
Postfach 40 02 09 · 80702 München<br />
Zu „Erfurts Tw 121“<br />
(SM 6/2014)<br />
Wagen stand länger<br />
im Spreewald<br />
Leider hat sich in den Artikel doch<br />
noch ein Fehler eingeschlichen, den ich<br />
aber selbst verursacht habe. Die Umsetzung<br />
vom Flugplatzmuseum Cottbus<br />
zum Museum nach Burg erfolgte nicht<br />
erst am 15. Januar 2010, sondern bereits<br />
am 15. Januar 2009. Leider bin ich erst<br />
nach Druckbeginn auf meinen Schreibfehler<br />
gestoßen.<br />
Ulrich Thomsch, Cottbus<br />
Zu „Einst & Jetzt“ (SM 5/2014)<br />
Beiwagen genau<br />
bestimmbar<br />
Der Autor des Textes war sich nicht<br />
ganz sicher, mit welchen Beiwagen die<br />
beiden Züge behangen sind. Ich kann<br />
helfen: Von den äußerlich erkennbaren<br />
größeren Unterscheiden<br />
zwischen den<br />
Beiwagentypen<br />
B24 und<br />
dem Foto nur die Trittstufen zu sehen.<br />
Der Typ B24 hat Trittkästen mit einer Stufe<br />
und der Typ B25 solche mit zwei Stufen.<br />
So ist der Zug der Linie 60 mit dem<br />
Typ B25 behangen und der von der Linie<br />
75/76 mit dem Typ B24.<br />
Manfred Keste, Berlin<br />
Zu „Triebwageneinsätze in<br />
Doppeltraktion“ (SM 4/2014)<br />
Teils auch andere Doppelpacks<br />
unterwegs<br />
Nach meinen Beobachtungen sind<br />
die in der Tabelle auf Seite 20 angegebenen<br />
Daten zu Karlsruhe so nicht ganz<br />
richtig: Im Bereich der <strong>Straßenbahn</strong><br />
konnte ich Doppeltraktionen bisher nur<br />
auf der Linie 1 sowie S2 – und dann lediglich<br />
aus zwei GT6-70-D/N gebildet –<br />
ausmachen. Die achtachsigen Wagen<br />
waren immer nur solo anzutreffen. Dass<br />
bei der Gleichstrom-Stadtbahn S1/11<br />
nie zwei GT8-80C zusammen unterwegs<br />
sind, stimmt so auch<br />
nicht – siehe Bild. Vermutlich<br />
wird verwendet, was<br />
gerade verfügbar ist.<br />
Hannover: An der Haltestelle Auestraße traf Achim Uhlenhut am 8. März<br />
2014 diesen außerregulären Langzug an, den Tw 6202 führte<br />
In Richtung Norden, auf der Hardtbahn,<br />
sind Doppeltraktionen mindestens<br />
bis Leopoldshafen zu beobachten. Dort<br />
werden die Züge getrennt, wobei der<br />
erste Wagen nach Hochstetten weiterfährt<br />
und der zweite zum KIT Campus<br />
Nord (Forschungszentrum) abzweigt<br />
(Mitfahrt nur für Berechtigte). In Richtung<br />
Süden, auf der Albtalbahn, werden<br />
die meisten Doppeltraktionen in Ettlingen<br />
getrennt. Der erste Wagen fährt<br />
nach Bad Herrenalb bzw. Ittersbach weiter,<br />
der zweite wendet in der Schleife am<br />
Ettlinger Albgaubad, um nach Karlsruhe<br />
Gerd Jänsch fotografierte auf der Karlsruher Gleichstrom-Stadtbahn S1/11 im<br />
Juni 2010 diese beiden GT6-70D in Doppeltraktion an der Europahalle<br />
B25 sind auf<br />
78<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014
Preisträger des großen Gewinnspiels<br />
Im <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3/2014 luden wir alle Leser zu einem großen Gewinnspiel gemeinsam mit BAHN EXTRA und LOK <strong>MAGAZIN</strong> ein. Aus der Vielzahl der Einsendungen mit<br />
dem richtigen Lösungswort „Gotha“ wurden folgende 50 Preisträger ausgelost. Die ausgeschriebenen Preise wurden an die Gewinner bereits verschickt.<br />
Vorname Name Ort<br />
Gabriele Beckmann Bad Deynhausen 1. Platz<br />
Helmut Vogeley Laubach 2. Platz<br />
Peter Salomson Stockholm (S) 3. Platz<br />
Hans J. Schubert Erfurt 4. Platz<br />
Maik Schüßler Berlin 5. Platz<br />
Morten Nielsen Fredericia (DK) 6. Platz<br />
Werner Rupp Heilbronn 7. Platz<br />
Marko Hahn Naumburg 8. Platz<br />
Hans-Joachim Herbel Stuttgart 9. Platz<br />
Rolf Gebigke Renchen 10. Platz<br />
Peter Dütsch Hückeswagen 11. Platz<br />
Christoph Koch Mittenaar 12. Platz<br />
Roland Söder Helsa 13. Platz<br />
Berthold Krebs Bergtheim 14. Platz<br />
Dirk Bachmann Cuxhaven 15. Platz<br />
Klaus Illmer Stuttgart 16. Platz<br />
Rainer Fischer Arnsberg 17. Platz<br />
Vorname Name Ort<br />
Michael Frei Würenlos (CH) 18. Platz<br />
Arnd Bagusat Monheim 19. Platz<br />
Till Schüler Leipzig 20. Platz<br />
Horst Sternberg Berlin 21. Platz<br />
Ludger Müller Gelsenkirchen 22. Platz<br />
Uwe Schlüter Hildesheim 23. Platz<br />
Hubert Müller München 24. Platz<br />
Klaus Lindner Berlin 25. Platz<br />
Barbara Heinrich Niederdorfelden 26. Platz<br />
Hans-Joachim Porep Perleberg 27. Platz<br />
Marcel Templin Berlin 28. Platz<br />
Marc Kessler Hamburg 29. Platz<br />
Ludwig Dünbier Freiburg im Breisgau 30. Platz<br />
Bertram Juelich Oberwinter 31. Platz<br />
Martin Müller Rossdorf 32. Platz<br />
Gunther Ottens Hemmoor 33. Platz<br />
Rolf Bäumler Nackenheim 34. Platz<br />
Vorname Name Ort<br />
Hannelore Schlüter Hildesheim 35. Platz<br />
Joe Schmitz Rotterdamm (NL) 36. Platz<br />
Hans Wesner Berlin 37. Platz<br />
Sebastiaan Eshuis Auderghem (B) 38. Platz<br />
Stefan Schäfer Schöffengrund 39. Platz<br />
Alex de Montigny Ettelbruck (L) 40. Platz<br />
Helmut Mayer Ingolstadt 41. Platz<br />
Ulrich Schüz Karlsruhe 42. Platz<br />
Ulrich Schweers Brühl 43. Platz<br />
Holger Biermann Merzig 44. Platz<br />
Ullrich Taube Krandenburg 45. Platz<br />
Carsten Drescher Magdeburg 46. Platz<br />
Ulrich Betten Iserlohn 47. Platz<br />
Günther Klebes Erlangen 48. Platz<br />
Matthias Gey Bannewitz 49. Platz<br />
Bernhard Senft Schliengen 50. Platz<br />
verkehrende Züge wieder zu verstärken<br />
oder im „Bw“ abgestellt zu werden. In<br />
den Verkehrsspitzen unterbleibt vereinzelt<br />
die Zugteilung in Ettlingen, wodurch<br />
dann auch im Bereich Ettlingen-Bad Herrenalb/Ittersbach<br />
Doppeltraktionen anzutreffen<br />
sind. Gerd Jänsch, Leipzig<br />
Doppeltraktion für<br />
Fußballfreunde<br />
Auf der Linie 17 kommen in Hannover<br />
regulär nur Solo-Triebwagen zum Einsatz.<br />
Anlässlich von gutbesuchten Fußballspielen<br />
verkehren jedoch auch hier<br />
„Langzüge“, wie in Hannover Stadtbahn-Doppeltraktionen<br />
genannt werden.<br />
Anbei finden Sie eine Aufnahme, die einen<br />
solchen Zug an der Haltestelle Auestraße<br />
zeigt.<br />
Achim Uhlenhut, Hannover<br />
Zweifel an Plänen für<br />
Frankfurts Linie 11<br />
Im Artikel steht auf Seite 22 zur Linie<br />
11 in Frankfurt am Main, dass es geplant<br />
sei, diese auf lange Sicht in Doppeltraktion<br />
verkehren zu lassen. Das ist falsch.<br />
Weder sind die dafür nötigen Fahrzeuge<br />
bestellt, noch sind die umgebauten Haltestellen<br />
auf der Hanauer Landstraße dafür<br />
geeignet. Richtig ist, dass im Jahr<br />
2013 neun S-Wagen nachgeliefert wurden.<br />
Diese werden aber zur Aufstockung<br />
des zu knappen Wagenparks benötigt.<br />
Auch wurde aus Kostengründen die<br />
Nachbestellung von ursprünglich zehn<br />
auf neun Wagen gekürzt. Um die Linie<br />
11 in Doppeltraktion fahren lassen zu<br />
können, wären aber mindestens 20 Wagen<br />
nötig, da in der Hauptverkehrszeit<br />
(7,5-Minuten-Takt) 19 Kurse auf der Linie<br />
11 unterwegs sind. Beim 10-Minuten-<br />
Takt sind es immer noch 14 Kurse. Auch<br />
die barrierefrei umgebauten Haltestellen<br />
Daimlerstraße, Dieselstraße, Hugo-Junkers-Straße<br />
und Arthur-von-Weinberg-<br />
Steg (bis Dezember 2013 Fechenheim<br />
Post) sind nach wie vor nur einfache Haltestellen<br />
mit 30-Meter-Bahnsteigen und<br />
somit nicht für Doppeltraktionen geeignet.<br />
Lediglich die Haltestelle Daimlerstraße<br />
in Richtung Fechenheim hat (wie auch<br />
schon vor dem Umbau) einen 60-Meter-<br />
Bahnsteig, weil sie als Doppelhaltestelle<br />
dem Umstieg der Fahrgäste aus der Linie<br />
12 von Bornheim kommend in die Linie<br />
11 dient.<br />
Bertram Barten, Frankfurt am Main<br />
Reise durch ein anderes Duisburg<br />
Zwei <strong>Straßenbahn</strong>linien und eine<br />
Stadtbahnlinie: Wer sich heute das<br />
Duisburger Schienennetz anschaut, der<br />
ahnt nicht, wie weit verzweigt und<br />
vielfältig die <strong>Straßenbahn</strong> in Duisburg<br />
noch in den 1950er- und 1960er-Jahren<br />
daher kam. Seit Anfang des 20.<br />
Jahrhunderts hatten sich mehrere <strong>Straßenbahn</strong>betriebe<br />
in der Stahlstadt gegründet<br />
und jedes Jahr Millionen Fahrgäste<br />
zu den Thyssen-Werken, den<br />
Zechen oder an den Rhein gebracht.<br />
Neben den heute noch existierenden<br />
Normalspurstrecken gab es auch viele<br />
Meterspurlinien, die bis in die linksseitigen<br />
Duisburger Vororte reichten.<br />
Der Bildband „Die Duisburger <strong>Straßenbahn</strong>“<br />
der Zeitzeugenbörse Duisburg<br />
greift die Entwicklung der Duisburger<br />
<strong>Straßenbahn</strong> von den Anfängen bis<br />
zur Eröffnung des Innenstadttunnels<br />
1992 anschaulich und gut gegliedert auf.<br />
So sind die Bildstrecken nach den verschiedenen<br />
<strong>Straßenbahn</strong>betrieben eingeteilt,<br />
es gibt zum Beispiel eine eigene Rubrik<br />
für die früher eigenständige<br />
Hamborner <strong>Straßenbahn</strong><br />
Die Autoren greifen dabei sowohl auf<br />
Fotografien als auch auf historische Ansichtskarten<br />
zurück. Der Schwerpunkt<br />
liegt auf der Zeit vor 1970, Aufnahmen<br />
von den zahlreichen Umbau-Gelenkwagen<br />
finden sich kaum. Unter dem Strich<br />
zeigt der Bildband aber viele spannende<br />
und selten gezeigte Motive, wie die <strong>Straßenbahn</strong><br />
vor dem alten Hauptbahnhof,<br />
in Neuenkamp oder Alsum. Die Bildtexte<br />
machen es oft leicht, selbst stark veränderte<br />
Orte wiederzuerkennen. Die Qualität<br />
der Aufnahmen ist nicht immer gleich<br />
gut, einige ältere Fotografien sind leider<br />
sehr unscharf und man hat den Eindruck,<br />
dass sie zu stark vergrößert worden sind<br />
– oder dass mit moderner Bildbearbeitung<br />
mehr drin gewesen wäre. Zudem<br />
findet der eingefleischte Nahverkehrsfreund<br />
ein paar inhaltliche Fehler: So<br />
wird ein Lizenzbau in Graz als ex Duisburger<br />
„Typ Mannheimer“ bezeichnet.<br />
Trotzdem: Wer sich für die Duisburger<br />
<strong>Straßenbahn</strong> und die Stadtgeschichte interessiert,<br />
der wird beim Stöbern in diesem<br />
Buch viel Freude haben.<br />
CHRISTIAN LÜCKER<br />
Zeitzeugenbörse Duisburg e.V.:<br />
Die Duisburger <strong>Straßenbahn</strong>,<br />
128 Seiten 23,5 x 17,0 cm, ca. 200<br />
SW-Fotos, Sutton-Verlag, Erfurt<br />
2014, ISBN 978-3-95400-361-7,<br />
Preis: 19,99 Euro<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014<br />
79
Forum<br />
80<br />
Termine<br />
21. Juni, Halle (Saale): Die Hallesche<br />
<strong>Straßenbahn</strong>freunde e.V. laden von 11 bis<br />
17 Uhr ins Historische <strong>Straßenbahn</strong>depot<br />
auf die Seebener Straße 191 ein<br />
22. Juni, Berlin: Themenfahrten mit historischen<br />
<strong>Straßenbahn</strong>en in Berlin; Beginn<br />
der 2,5-stündigen Rundfahrten jeweils 11<br />
und 14 Uhr; Fahrpreise: Erwachsene 6,–<br />
Euro, Kinder die Hälfte, Fahrscheine in den<br />
Wagen erhältlich, keine Platzreservierung;<br />
Informationen ca. zwei Wochen vor der<br />
Fahrt unter www.dvn-berlin.de oder<br />
030/256 33 880<br />
28. Juni, Magdeburg: Ausflug in die<br />
Sommerfrische – eine Reise in die Anfangszeit<br />
der elektrischen <strong>Straßenbahn</strong>,<br />
Abfahrten 14 und 16 Uhr von der Hartstraße<br />
(neben dem Rathaus). Das Zeitreise-Ticket<br />
kostet 12 Euro – im Vorverkauf<br />
beim Verein Feuerwache am Ambrosiusplatz<br />
erhältlich, Kartentelefon 0391/60 28<br />
09<br />
22. Juni, München: Öffnungstag des<br />
MVG-Museums in der Ständlerstraße 20<br />
von 11 bis 17 Uhr<br />
5. Juli, Augsburg: Rundfahrten von avg<br />
und „Freunden der Augsburger <strong>Straßenbahn</strong><br />
e.V.“ (F.d.A.S.) mit KSW Nr. 506, bei<br />
technischen Defekten GT 8; Abfahrt Königsplatz,<br />
B2: 14.05, 15.05 und 16.05<br />
Uhr, Fahrscheine beim Schaffner im Wagen,<br />
Erwachsene 3 Euro, Kinder 1, 50<br />
Euro (Mitglieder von <strong>Straßenbahn</strong>vereinen<br />
frei)<br />
5. Juli, Bochum: Nostalgischer <strong>Straßenbahn</strong>verkehr<br />
Gelsenkirchen Hbf – Essen<br />
Hbf; sieben mal stündlich ab 11.17 Uhr<br />
Ob Tag der offenen Tür, Sonderfahrt oder Sym posium:<br />
Veröffentlichen Sie Ihren Termin hier kostenlos.<br />
Fax (0 89) 13 06 99-700 · E-Mail: redaktion@geramond.de<br />
bzw. von Essen Hbf ab 11.04 Uhr bis nach<br />
18 Uhr<br />
5. Juli, Döbeln: Öffentliche Fahrtage der<br />
Pferdestraßenbahn, jeweils 10 bis 12.30<br />
und 14 bis 17 Uhr. Die Fahrten beginnen<br />
am Pferdebahnmuseum, Niederwerder 6.<br />
Das Museum ist Dienstag bis Freitag 10 bis<br />
17 Uhr und sonnabends 9.30 bis 12.30 Uhr<br />
geöffnet (an den o. g. Fahrtagen bis 17 Uhr)<br />
5. Juli Freiburg: die Oldtimerlinie 7 verkehrt<br />
aufgrund von Bauarbeiten 2014 auf<br />
der Route Haid/Munzinger Straße – Weingarten<br />
– Technisches Rathaus – Hauptfriedhof<br />
– Hornusstraße – Zähringen/Gundelfinger<br />
Straße; die Mitfahrt ist kostenfrei, es<br />
werden aber limitierte Spenden-Sonderfahrscheine<br />
zum Erhalt der Wagen angeboten,<br />
Betriebszeit 9.26 bis 17.19 Uhr<br />
5., 12. und 19. Juli, Halle (Saale): Die Hallesche<br />
<strong>Straßenbahn</strong>freunde e.V. laden von 11<br />
bis 17 Uhr ins Historische <strong>Straßenbahn</strong>depot<br />
auf die Seebener Straße 191 ein; am 12. Juli<br />
Sonderthema: „50 Jahre Halle-Neustadt“<br />
5./6. Juli, Stuttgart: Doppeljubiläum „75<br />
Jahre Killesbergbahn und 25 Jahre <strong>Straßenbahn</strong>museum“.<br />
Öffnungszeiten der <strong>Straßenbahn</strong>welt<br />
10 bis 17 Uhr. Fahrbetrieb mit<br />
der Oldtimerlinie 21 und der Oldtimer-Buslinie<br />
23E. Am So zusätzlich Rundfahrten auf<br />
der Depotschleife. Dampflokfest und Mehrzugbetrieb<br />
auf der Liliputbahn im Höhenpark<br />
Killesberg. Oldtimer-Busshuttle zwischen<br />
Killesberg und <strong>Straßenbahn</strong>welt.<br />
Weitere Besuchstage der <strong>Straßenbahn</strong>welt<br />
mit Fahrbetrieb sind der 13., 20. und 27.<br />
Juli. Nähere Informationen www.strassenbahnwelt.com<br />
bzw. www.shb-ev.info<br />
In diesen Fachgeschäften erhalten Sie das <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong><br />
Postleitzahlgebiet 0<br />
Thalia-Buchhandlung, 02625 Bautzen,<br />
Kornmarkt 7 · Fachbuchhandlung<br />
Hermann Sack, 04107 Leipzig,<br />
Harkortstr. 7<br />
Postleitzahlgebiet 1<br />
Schweitzer Sortiment, 10117 Berlin,<br />
Französische Str. 13/14 · Loko Motive<br />
Fachbuchhandlung, 10777 Berlin,<br />
Regensburger Str. 25 · Modellbahnen<br />
& Spielwaren Michael Turberg, 10789<br />
Berlin, Lietzenburger Str. 51 · Buchhandlung<br />
Flügelrad, 10963 Berlin,<br />
Stresemannstr. 107 · Modellbahn-<br />
Pietsch, 12105 Berlin, Prühßstr. 34<br />
Postleitzahlgebiet 2<br />
Roland Modellbahnstudio,<br />
28217 Bremen, Wartburgstr. 59<br />
Postleitzahlgebiet 3<br />
Buchhandlung Decius, 30159 Hannover,<br />
Marktstr. 52 · Train & Play, 30159<br />
Hannover, Breite Str. 7 · Pfankuch<br />
Buch, 38023 Braunschweig, Postfach<br />
3360 · Pfankuch Buch, Kleine Burg<br />
10, 38100 Braunschweig<br />
Postleitzahlgebiet 4<br />
Menzels Lokschuppen, 40217 Düsseldorf,<br />
Friedrichstr. 6 · Goethe-Buchhandlung,<br />
40549 Düsseldorf, Will -<br />
stätterstr. 15 · Modellbahnladen Hilden,<br />
Hofstr. 12, 40723 Hilden · Fach -<br />
buchhandlung Jürgen Donat, 47058<br />
Duis burg, Ottilienplatz 6<br />
Postleitzahlgebiet 5<br />
Technische Spielwaren Karin Lindenberg,<br />
50676 Köln, Blaubach 6-8 ·<br />
Modellbahn-Center Hünerbein, 52062<br />
Aachen, Augustinergasse 14 · Mayersche<br />
Buchhandlung, 52064 Aachen,<br />
Matthiashofstr. 28-30 · Buchhandlung<br />
Karl Kersting, 58095 Hagen, Berg -<br />
str. 78<br />
Postleitzahlgebiet 6<br />
Kerst & Schweitzer, 60486 Frankfurt,<br />
Solmsstr. 75<br />
Postleitzahlgebiet 7<br />
Stuttgarter Eisenbahn-u.Verkehrsparadies,<br />
70176 Stuttgart, Leuschnerstr.<br />
35 · Buch hand lung Wilhelm Messerschmidt,<br />
70193 Stuttgart, Schwabstr.<br />
96 · Buchhandlung Albert Müller,<br />
70597 Stutt gart, Epplestr. 19C · Eisen -<br />
bahn-Treffpunkt Schweickhardt,<br />
71334 Waiblingen, Biegelwiesenstr.<br />
31 · Osiandersche Buch handlung,<br />
72072 Tübingen, Unter dem Holz 25 ·<br />
Buch verkauf Alfred Junginger, 73312<br />
Geis lingen, Karlstr. 14 · Service rund<br />
ums Buch Uwe Mumm, 75180 Pforzheim,<br />
Hirsauer Str. 122 · Modellbahnen<br />
Mössner, 79261 Gutach, Landstr.<br />
16 A<br />
Postleitzahlgebiet 8<br />
Fachbuchzentrum & Antiquariat Stiletto,<br />
80634 München, Schulstr. 19 ·<br />
Augsburger Lok schuppen, 86199<br />
Augsburg, Gögginger Str. 110 · Verlag<br />
Benedikt Bickel, 86529 Schroben -<br />
hausen, Ingolstädter Str. 54<br />
Postleitzahlgebiet 9<br />
Buchhandlung Jakob, 90402 Nürnberg,<br />
Hefners platz 8 · Modellbahnvertrieb<br />
Gisela Scholz, 90451 Nürnberg,<br />
Nördlinger Str. 13 · Modell spielwaren<br />
Helmut Sigmund, 90478 Nürnberg,<br />
Schweiggerstr. 5 · Buchhandlung<br />
Rupprecht, 92648 Vohenstrauß, Zum<br />
Beckenkeller 2 · Fried rich Pustet & .,<br />
94032 Passau, Nibe lun gen platz 1 ·<br />
Schöningh Buchhandlung & ., 97070<br />
Würz burg, Franziskanerplatz 4<br />
Österreich<br />
Buchhandlung Herder, 1010 Wien,<br />
Wollzeile 33 · Modellbau Pospischil,<br />
1020 Wien, Novaragasse 47 · Technische<br />
Fachbuch handlung, 1040 Wien,<br />
5./6. Juli, Nürnberg: Öffnungstag im<br />
Historischen <strong>Straßenbahn</strong>depot St. Peter<br />
von 10 bis 17.30 Uhr (17 Uhr letzter Einlass),<br />
während der Öffnungszeiten fährt<br />
die historische Burgringlinie 15 entlang<br />
der Nürnberger Altstadt<br />
6. Juli, Bochum: „Glückauf-Tour“ –<br />
Bergbau-Geschichte und -Geschichten<br />
der Verkehrshistorische Arbeitsgemeinschaft<br />
BOGESTRA e.V., Treffpunkt 11 Uhr<br />
am Btf. Engelsburg, Essener Str. 125; Erwachsene<br />
49,– Euro, Kinder/Jugendliche<br />
35,– Euro pro Person, ca. sechs Stunden,<br />
Fahrscheine über die Stadt- und Touristinfo<br />
Gelsenkirchen im Hans-Sachs-Haus,<br />
Tel. 02 09/169 3968<br />
12. Juli, Dresden: Das <strong>Straßenbahn</strong>museum<br />
Dresden öffnet anlässlich der Museumssommernacht<br />
von 17 bis 1 Uhr, siehe<br />
www.strassenbahnmuseum-dresden.de<br />
13. und 27. Juli, München: Öffnungstag<br />
des MVG-Museums in der Ständlerstraße<br />
20 von 11 bis 17 Uhr<br />
20. Juli, Bochum: „MuseumsExpress“<br />
Bochum Hbf – Bf Dahlhausen (S); fünf<br />
Abfahrten in Bochum zwischen 11.02<br />
und 17.02 Uhr sowie von Dahlhausen<br />
zwischen 11.51 und 17.51 Uhr<br />
20. Juli, Leipzig: Der „Historische <strong>Straßenbahn</strong>hof<br />
Leipzig-Möckern“ hat von<br />
10 bis 17 Uhr geöffnet. Stündlich pendelt<br />
im Zubringerverkehr die Linie 29E mit historischen<br />
Wagen zwischen dem Museum<br />
und der Innenstand und es finden Sonderfahrten<br />
mit historischen Wagen statt.<br />
Weitere Informationen unter: www.strassenbahnmuseum.de<br />
Wiedner Hauptstr. 13 · Leporello – die<br />
Buchhandlung, 1090 Wien, Liechtensteinstr.<br />
17 · Buchhandlung Morawa,<br />
1140 Wien, Hackinger Str. 52 · Buchhandlung<br />
J. Heyn, 9020 Klagenfurt,<br />
Kramergasse 2-4<br />
Belgien<br />
Musée du Transport Urbain Bruxellois,<br />
1090 Brüssel, Boulevard de Smet de<br />
Naeyer 423/1<br />
Tschechien<br />
Rezek Pragomodel, 110 00 Praha 1<br />
Klimentska 32<br />
Dänemark<br />
Peter Andersens Forlag, 2640 Hede -<br />
husene, Brandvaenget 60<br />
Spanien<br />
Librimport, 8027 Barcelona, Ciudad<br />
de Elche 5<br />
Großbritannien<br />
ABOUT, GU46 6LJ, Yateley,<br />
4 Borderside<br />
Niederlande<br />
van Stockum Boekverkopers, 2512<br />
GV, Den Haag, Westeinde 57 · Norsk<br />
Modell jernbane AS, 6815 ES, Arnheim,<br />
Kluizeweg 474<br />
Nummer 297 • 7/2014 • Juli • 45. Jahrgang<br />
Betriebe<br />
Fahrzeuge<br />
Geschichte<br />
www.strassenbahn-magazin.de<br />
Redaktionsanschrift:<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong><br />
Postfach 40 02 09 · D-80702 München<br />
Tel. + 49 (0) 89.13 06 99.720<br />
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Verantw. Redakteur:<br />
André Marks, andre.marks@geramond.de<br />
Redaktion:<br />
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Thomas Hanna-Daoud, Martin Weltner<br />
Redaktion <strong>Straßenbahn</strong> im Modell:<br />
Jens-Olaf Griese-Bande low,<br />
jobandelow@geramond.de<br />
Redaktionsteam:<br />
Berthold Dietrich-Vandoninck, Wolfgang Kaiser,<br />
Michael Kochems, Bernhard Kuß magk,<br />
Ronald Glembotzky, Hans Immer,<br />
Dr. Martin Pabst, Axel Reuther, Robert Schrempf,<br />
Michael Sperl, Guido Mandorf<br />
Redaktionsassistenz: Brigitte Stuiber<br />
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Es gilt Anzeigenpreisliste Nr. 24 vom 1.1.2014<br />
Layout: Karin Vierheller<br />
Litho: Cromika, Verona<br />
Druck: Stürtz GmbH, Würzburg<br />
Verlag:<br />
GeraMond Verlag GmbH,<br />
Infanteriestraße 11a, 80797 München<br />
Geschäftsführung:<br />
Clemens Hahn<br />
Herstellungsleitung:<br />
Sandra Kho<br />
Leitung Marketing und Sales Zeitschriften:<br />
Andreas Thorey<br />
Vertriebsleitung:<br />
Dr. Regine Hahn<br />
Vertrieb/Auslieferung Handel:<br />
MZV, Unterschleißheim<br />
Im selben Verlag erscheinen außerdem:<br />
AUTO CLASSIC TRAKTOR CLASSIC SCHIFF CLASSIC<br />
FLUGMODELL MODELLFAN MILITÄR & GESCHICHTE<br />
FLUGZEUG CLASSIC SCHIFFSMODELL CLAUSEWITZ<br />
Preise: Einzelheft Euro 8,50 (D), Euro 9,50 (A),<br />
sFr. 15,90 (CH), bei Einzelversand zzgl. Porto;<br />
Jahresabopreis (12 Hefte) Euro 91,80 (incl. MwSt.,<br />
im Ausland zzgl. Versandkosten)<br />
Die Abogebühren werden unter der Gläubiger-Identifikationsnummer<br />
DE63ZZZ00000314764 des Gera -<br />
Nova Bruckmann Verlagshauses eingezogen. Der<br />
Einzug erfolgt jeweils zum Erscheinungstermin der<br />
Ausgabe, der mit der Vorausgabe ankündigt wird. Den<br />
aktuellen Abopreis findet der Abonnent immer hier im<br />
Impressum. Die Mandatsreferenznummer ist die auf<br />
dem Adressetikett eingedruckte Kundennummer.<br />
Erscheinen und Bezug: <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong><br />
erscheint monatlich. Sie erhalten die Reihe in Deutsch -<br />
land, in Österreich und in der Schweiz im Bahnhofs buch -<br />
handel, an gut sortierten Zeitschriftenki os ken, im Fachbuchhandel<br />
sowie direkt beim Verlag.<br />
© 2013 by GeraMond Verlag. Die Zeitschrift und alle ihre<br />
enthaltenen Beiträge und Abbildungen sind urheberrechtlich<br />
geschützt. Durch Annahme eines Manu skripts erwirbt<br />
der Verlag das aus schließ liche Recht zur Ver öffentlichung.<br />
Für unverlangt ein gesandte Fotos wird keine Haftung<br />
übernommen. Gerichtsstand ist München.<br />
Ver antwortlich für den redaktionellen Inhalt: André Marks;<br />
verantwortlich für Anzeigen: Rudolf Gruber, beide Infanteriestr.<br />
11a, 80797 München.<br />
ISSN 0340-7071 • 10815<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014<br />
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E-Mail (für Rückfragen und weitere Infos)<br />
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Ich ermächtige die GeraNova Bruckmann Verlagshaus GmbH, wiederkehrende Zahlungen von meinem<br />
Konto mittels Lastschrift einzuziehen. Zugleich weise ich mein Kreditinstitut an, die von<br />
GeraNova Bruckmann Verlagshaus GmbH auf mein Konto gezogenen Lastschriften einzulösen. Die<br />
Mandatsreferenz wird mir separat mitgeteilt. Hinweis: Ich kann innerhalb von acht Wochen, beginnend<br />
mit dem Belastungsdatum, die Erstattung des belasteten Betrages verlangen. Es gelten dabei<br />
die mit meinem Kreditinstitut vereinbarten Bedingungen.<br />
✗<br />
Bankleitzahl<br />
Datum/Unterschrift<br />
Bitte ausfüllen, ausschneiden oder kopieren und gleich senden an:<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> Leserservice, Postfach 1280, 82197 Gilching oder per<br />
Fax an 0180-532 16 20 (14 ct/min.), E-Mail: leserservice@strassenbahnmagazin.de<br />
www.strassenbahn-magazin.de/abo<br />
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<strong>Vorschau</strong><br />
WOLFGANG MEIER<br />
Liebe Leser,<br />
Sie haben<br />
Freunde, die<br />
sich ebenso<br />
für die<br />
<strong>Straßenbahn</strong><br />
mit all Ihren<br />
Facetten begeistern<br />
wie Sie? Dann empfehlen<br />
Sie uns doch weiter! Ich freue mich<br />
über jeden neuen Leser<br />
Juwelenjagd in Esslingen – das war die END<br />
Ihr Nimbus ist ungebrochen: Die am 28. Februar 1978 eingestellte <strong>Straßenbahn</strong> Esslingen – Nellingen – Denkendorf lebt<br />
auch mehr als 35 Jahre nach ihrem Ende in den Herzen aller weiter, die sie jemals im Betrieb kennengelernt haben.<br />
Aber auch viele andere und jüngere <strong>Straßenbahn</strong>freunde fasziniert die 1926 eröffnete Überlandstraßenbahn, die von Esslingen<br />
am Neckar nach Nellingen und von dort auf zwei getrennten Ästen weiter nach Denkendorf und Neuhausen führte<br />
60 Jahre Großraumwagen<br />
in Mülheim an der Ruhr<br />
Weitere Themen der kommenden Ausgabe<br />
Am 19. Februar 1954 ging der erste vierachsige Großraum -<br />
wagen in Mülheim an der Ruhr in Dienst. Elf dieser Trieb- und<br />
13 ebenso neue Beiwagen leiteten die dringend notwendige<br />
Modernisierung des Mülheimer Wagenparks ein. 40 Jahre<br />
waren sie auf den Meterspurgleisen im Ruhrgebiet als Linienwagen<br />
unterwegs – ein Porträt.<br />
120 Jahre <strong>Straßenbahn</strong> in Plauen<br />
Am 17. November 1894 eröffnete die Allgemeinen Local- und<br />
<strong>Straßenbahn</strong>gesellschaft im sächsischen Plauen die erste Teilstrecke<br />
der elektrischen <strong>Straßenbahn</strong>. Ab Ende Mai 1895 führten<br />
sächsische Gesellschaften den Betrieb, ab 1951 der VEB<br />
Verkehrsbetrieb der Stadt Plauen, seit 1990 die Plauener<br />
<strong>Straßenbahn</strong> GmbH. Ein Überblick über die Entwicklung.<br />
DANIEL MÖSCHKE<br />
Nur 28 Tage in Dienst –<br />
die Tram in Cuxhaven<br />
SLG. ANDREAS MAUSOLF<br />
Im letzten Friedensmonat 1914 verkehrte in Cuxhaven<br />
ganze 28 Tage lang eine <strong>Straßenbahn</strong>. Das neue Verkehrsmittel<br />
sollte die Nahverkehrsströme lenken. Dabei lief in<br />
Cuxhaven letztendlich alles anders – so auch ohne Strom:<br />
Der Betrieb erwarb einen Benzoltriebwagen von der<br />
Schmöckwitz-Grünauer Uferbahn bei Berlin …<br />
Vor 20 Jahren in München<br />
1994 befand sich die Münchner <strong>Straßenbahn</strong> auf ihrem<br />
historischen Tiefpunkt: Noch wenige Monate zuvor hatte es<br />
Streckenstilllegungen gegeben. Vor 20 Jahren besuchte<br />
Stefan Hinder aus Oldenburg im Rahmen seiner Bayerntour<br />
die bayerische Landeshauptstadt und dokumentierte die<br />
Besonderheiten des damaligen Betriebes.<br />
André Marks,<br />
Verantwortlicher Redakteur<br />
Ende gut …?<br />
„Traktionsausfall“<br />
bei Pferdebahn<br />
Am 12. Mai 2014 startete die Pferdebahn<br />
in Douglas auf der Isle of Man in die neue<br />
Saison. Am Folgetag geschah etwas, was<br />
nach Einschätzung des seit 41 Jahren zuständigen<br />
Abteilungsleiters Michael Crellin<br />
noch nie passiert ist: Ein Zugpferd<br />
brach vor einem Pferdebahnwagen zusammen<br />
und war auf der Stelle tot.<br />
Der 17 Jahre alte Albert hatte vorher<br />
keine Symptome einer Erkrankung gezeigt<br />
und dürfte an einem Herzschlag<br />
gestorben sein, so die lokale Presse.<br />
Die Pferdebahn in Douglas fährt in diesem<br />
Jahr bis zum 14. September und ist<br />
täglich von 9 bis 18 Uhr im Einsatz.<br />
Die seit 2007 wieder verkehrende Döbelner<br />
Pferdebahn in Deutschland hofft,<br />
solche Erfahrungen wie die Kollegen auf<br />
der Isle of Man nie sammeln zu müssen.<br />
Sie verkehrt auch in diesem Jahr von Mai<br />
bis Oktober jeden ersten Sonnabend jeweils<br />
von 10 bis 12:30 Uhr sowie von 14<br />
bis 17 Uhr. Das Pferdebahnmuseum in<br />
Döbeln öffnet hingegen von Dienstag bis<br />
Freitag zwischen 10 und 17 Uhr sowie<br />
samstags von 9:30 bis 12:30 Uhr. Weitere<br />
Termine können vereinbart werden.<br />
Indes hatten die Döbelner vor einem<br />
Jahr mit einem ganz anderen „Traktionsausfall“<br />
zu kämpfen: Das Juni-Hochwasser<br />
2013 hatte die Gleisanlagen in<br />
der Innenstadt überschwemmt und<br />
auch das Pferdebahnmuseum stand im<br />
Nassen. Bis Ende 2013 war fast alles<br />
wieder repariert. Aber ob es am Ende<br />
auch gut geworden ist, davon muss sich<br />
jeder selbst überzeugen … AMA/AM<br />
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Das besondere Bild<br />
Das besondere Bild<br />
Als am 23. Juni 1912 die <strong>Straßenbahn</strong><br />
in Brandenburg an der Havel<br />
ihr Liniennetz von der Artilleriestraße<br />
(heute Fouquéstraße)<br />
zur damaligen „Landesirrenanstalt“ erweiterte,<br />
entstand nahe des Bahnhofes Görden<br />
eine niveaugleiche Kreuzung mit der Brandenburgische<br />
Städtebahn.<br />
Nach dem Zweiten Weltkrieg errichtete<br />
die Deutsche Reichsbahn an diesem<br />
Punkt eine Schrankenanlage. Am 14. März<br />
1984 wartete der 1973 aus Halle (Saale)<br />
übernommene Tw 165, ein 1989 verschrotteter<br />
T2D von 1968, auf die Durchfahrt<br />
eines Zuges, um dann die Fahrt auf<br />
der damals Georgi-Dimitroff-Allee genannten<br />
Gördenalle nach Kirchmöser-<br />
West fortzusetzen.<br />
Als 2003 der letzte für den Reiseverkehr<br />
verbliebene ehemalige Städtebahnabschnitt<br />
Brandenburg – Rathenow zur Sanierung<br />
anstand, erhielt die Kreuzung neue Sicherungstechnik.<br />
Ihr Befahren durch einen <strong>Straßenbahn</strong>zug<br />
erfassen seitdem Gleismeldekreise,<br />
so dass in diesem Moment das<br />
Eisenbahngleis nicht freigeblockt werden<br />
kann. Zusätzlich sind Gefahrenraumfreimeldeanlagen<br />
installiert. Andererseits bleibt<br />
das <strong>Straßenbahn</strong>signal in Gesperrt-Stellung,<br />
wenn der Bahnübergang bzw. der zugehörige<br />
Blockabschnitt für eine Zugfahrt freigegeben<br />
ist.<br />
Die Verkehrsbetriebe Brandenburg an<br />
der Havel betreiben hier die <strong>Straßenbahn</strong>linie<br />
1 vom Hauptbahnhof seit Ende<br />
September 2002 nur noch bis zur Anton-<br />
Saefkow-Allee. Gleiskreuzungen mit Eisenbahngleisen<br />
bestehen in Brandenburg<br />
außerdem noch mit Anschlussgleisen in<br />
Görden (zum Flugplatz Brieske, außer Betrieb<br />
und gleismäßig abgetrennt) und in<br />
der August-Bebel-Straße (Hafenbahn).<br />
Nicht mehr vorhanden sind schienengleiche<br />
Kreuzungen mit der Städtebahn in der<br />
Wilhelmsdorfer Landstraße (Strecke 1965<br />
stillgelegt) und am Bahnhof Altstadt<br />
(1969 ersetzt durch eine Brücke).<br />
Da schienengleiche Kreuzungen zwischen<br />
Eisen- und <strong>Straßenbahn</strong> auf freier<br />
Strecke schon seit längerem als Neubau<br />
nicht mehr zulässig sind und nach Möglichkeit<br />
durch Über- und Unterführungen<br />
ersetzt werden, stellen sie heute eine Seltenheit<br />
dar und beschränken sich meist auf<br />
Kreuzungen mit Industrie- und Anschlussbahnen.<br />
Kreuzungen mit öffentlichen<br />
Eisenbahnstrecken bestehen außer in<br />
Brandenburg an der Havel nur noch bei<br />
den <strong>Straßenbahn</strong>betrieben in Dortmund,<br />
Das besondere Bild<br />
Dresden, Gelsenkirchen, Halberstadt und<br />
Leipzig.<br />
TEXT: IVO KÖHLER/AM<br />
FOTO: WOLFGANG MEIER
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