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STRASSENBAHN MAGAZIN Dortmunds Straßenbahn (Vorschau)

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Betriebe<br />

Fahrzeuge<br />

Geschichte<br />

Einmalig: Die Karlsruher<br />

Schulstraßenbahn-Linien<br />

Einst bis Unna, Schwerte und Castrop-Rauxel:<br />

<strong>Dortmunds</strong> <strong>Straßenbahn</strong><br />

Jenas schönste<br />

Linie im Porträt<br />

Jena: Entlang der Saale<br />

im Schatten der Kernberge<br />

Augsburg: Erinnerungen an<br />

die legendären Fünfachser<br />

Dresden – Freital: Abschied<br />

von der Tram vor 40 Jahren


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1


Einsteigen, bitte …<br />

Wo bleibt die Weitsicht?<br />

Stimmen Sie ab<br />

BBekannt ist es seit langem, doch die<br />

Bremer <strong>Straßenbahn</strong> AG (BSAG)<br />

hoffte bisher, die Probleme in den<br />

Griff zu bekommen: Bremens erste<br />

Niederflurwagen, die 77 von 1993 bis<br />

1996 gelieferten GT8N, sind zunehmend<br />

reparaturanfällig. Weitere Mitarbeiter und<br />

zusätzliche Arbeitsstunden in der Werkstatt<br />

sollten helfen, die Lage zu entschärfen.<br />

Doch Anfang Mai kam es zum akuten Engpass:<br />

Anstatt der notwendigen 102 standen<br />

der BSAG lediglich 96 bis 98 Wagen zur<br />

Verfügung; Leihfahrzeuge aus anderen<br />

Städten waren nicht beschaffbar. So hat das<br />

Unternehmen den Fahrplan eingeschränkt.<br />

Betroffen sind die Linien 1E, 1S, 3S, 4, 6E,<br />

8 und 10E. Per Telefon-Kundenservice sowie<br />

unter www.bsag.de informiert die<br />

BSAG über aktuell ausfallende Fahrten.<br />

Eine kurzfristige Beilegung des Problems<br />

scheint nicht in Sicht, noch im kommenden<br />

Winter werden voraussichtlich Busse<br />

statt <strong>Straßenbahn</strong>en verkehren. „Indes<br />

prüft die BSAG alle Möglichkeiten für<br />

Sollten Betriebe grundsätzlich eine Reserve an<br />

<strong>Straßenbahn</strong>wagen für unvorhergesehene Fälle unterhalten?<br />

• ja, die Betriebe sollten zumindest eine gewisse Anzahl älterer<br />

<strong>Straßenbahn</strong>fahrzeuge als Reserve vorhalten<br />

• ja, aber auch diese Reserve muss unbedingt aus modernen und<br />

zeitgemäßen Fahrzeugen bestehen<br />

• nein, das ist betriebswirtschaftlich nicht vertretbar. Bei Engpässen<br />

ist ein Ersatzverkehr mit angemieteten Bussen sinnvoller<br />

Stimmen Sie online ab: www.strassenbahn-magazin.de<br />

Fahrzeugneubeschaffung und Sanierungsansätze<br />

der GT8N“, endet ein Bericht von<br />

Andreas Mausolf an unsere Redaktion.<br />

Ortswechsel nach Berlin: Wie im letzten<br />

Heft auf Seite 10 berichtet, beschloss das<br />

Abgeordnetenhaus im Dezember 2013<br />

höhere Zahlungen an die BVG. Seit Ostern<br />

rollen mehr <strong>Straßenbahn</strong>en – so die<br />

Theorie. Denn auf diese Ausweitung des<br />

Betriebes war die BVG angeblich nicht<br />

vorbereitet. Da der Ende April vorhandene<br />

<strong>Straßenbahn</strong>wagenpark für die zahlreichen<br />

neuen Kurse nicht ausreichte, kaufte<br />

das Unternehmen elf gebrauchte Busse aus<br />

Amsterdam sowie vier Mercedes-Benz<br />

Citaro G aus Stuttgart.<br />

Für mich stellt das selbstgemachtes<br />

Leid und einen Skandal zugleich dar:<br />

Denn beide Verkehrsgesellschaften – die<br />

BSAG Wegmann-Züge, die BVG Tatras –<br />

nach deren Fristablauf ins Ausland verkauft.<br />

Andere Betriebe haben die Weitsicht<br />

– und das Durchsetzungsvermögen gegenüber<br />

technisch unbedarften Betriebswirten<br />

–, sich einen Reservepark vorzuhalten.<br />

Das ist das Normalste auf der Welt und<br />

vielfach gelebter Alltag. Dass die BVG jetzt<br />

15 Jahre alte Dieselbusse anmietet,<br />

ist finanziell mindestens<br />

fragwürdig und umweltpolitisch<br />

ein Witz. Oder wollten<br />

die Verantwortlichen mit ihrem<br />

Vorgehen etwa nur die Politiker<br />

aufrütteln, damit der Weg<br />

für neue Gelder frei wird?<br />

Was, liebe Leser, meinen Sie?<br />

Da fällt einem das<br />

Dach auf den Kopf?<br />

Anstatt Tramwagen<br />

mit abgelaufenen<br />

Fristen als Reserve<br />

vorzuhalten, verkauften<br />

Bremen und Berlin<br />

bis vor kurzen<br />

ihre Altwagen. Nun<br />

waren sie gezwungen,<br />

ersatzweise<br />

Gebrauchtbusse<br />

zu akquirieren.<br />

Am 23. Mai begegnete<br />

der Flexity 4016<br />

in Berlin-Pankow<br />

einem solchen im<br />

SEV eingesetzten<br />

Bus aus Amsterdam<br />

BODO SCHULZ<br />

André<br />

Marks<br />

Verantwortlicher<br />

Redakteur<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014<br />

3


Inhalt<br />

TITEL<br />

Einstmals bis Castrop-Rauxel, Schwerte und Unna: Die <strong>Straßenbahn</strong> in Dortmund . . . . . 16<br />

Betriebe<br />

TITEL<br />

Im Schatten des „U“ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 16<br />

Die <strong>Straßenbahn</strong> in Dortmund – Drei Betriebe auf getrennten<br />

Netzen prägten die Anfangs jahre der elektrischen <strong>Straßenbahn</strong> in Dortmund.<br />

Durch die schrittweise Vereinigung entstand ein Netz mit Ästen<br />

in die Nachbarstädte Unna, Castrop-Rauxel und Schwerte. Seit 2008<br />

spielt sich der Stadtbahnbetrieb in der City komplett im Untergrund ab<br />

Vor einem Neustart? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 29<br />

Braunschweigs Ausbau pläne erleben Neuauflage – Die Stadt<br />

Braunschweig bekommt dieser Tage einen neuen Oberbürgermeister<br />

und die Braunschweiger Verkehrs-AG einen neuen Chef. Auch sonst<br />

scheint in der Stadt wieder Bewegung in den <strong>Straßenbahn</strong>ausbau zu<br />

kommen<br />

Titelmotiv<br />

1992 trugen viele GT8 in<br />

Dortmund noch die braun/<br />

beige Lackierung, so auch<br />

Tw 8, der hier bei Scharnhorst<br />

unterwegs war<br />

GROSSES BILD: CHRISTIAN WENGER;<br />

KL. BILD OBEN LINKS: ULLRICH MÜLLER<br />

KL. BILDER UNTEN : RONALD GLEMBOTZKY,<br />

STEFAN HINDER, WOLFGANG NITZSCHE (V.L.N.R.)<br />

Für Erwachsene verboten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 32<br />

Die Schulstraßenbahnlinien in<br />

Karlsruhe – Sie sind in Deutschland<br />

einmalig – die drei nur für die Mädchen<br />

und Jungen der Europäischen<br />

Schule verkehrenden Tramlinien der<br />

VBK. Auch die dafür ein ge setzten<br />

Triebwagen sind etwas Besonderes<br />

Brückenschlag nach Lobeda . . . . . . . . . . . . . . . . . 36<br />

Jenas Linie 3 im Porträt – Nach Inbetriebnahme mehrerer Neubauabschnitte<br />

bietet die Linie 3 heute eine moderne Nahverkehrsverbindung<br />

zwischen Jena-Ost und Lobeda-Ost im Süden der Stadt. Zu den<br />

Besonderheiten zählt dabei nicht nur eine Häuserdurchfahrt …<br />

RUBRIKEN<br />

„Einsteigen, bitte ...“ . . . . . 3<br />

Bild des Monats. . . . . . . . . . 6<br />

Journal. . . . . . . . . . . . . . . . . . 8<br />

Nächster Halt. . . . . . . . . . . . 43<br />

Einst & Jetzt. . . . . . . . . . . . . 58<br />

TITEL<br />

TITEL<br />

Fundstück des Monats . . . . 73<br />

Forum, Impressum. . . . . . . . 78<br />

<strong>Vorschau</strong> . . . . . . . . . . . . . . . 82<br />

„Ende gut ...“ . . . . . . . . . . . 82<br />

Das besondere Bild . . . . . . . 83<br />

4 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014


<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014<br />

Neuauflage für Braunschweigs Ausbaupläne? 29 Aus vor 40 Jahren: Tram im Plauenschen Grund 60<br />

Ein Tramino im Saaletal: Jenas Linie 3 im Porträt 36 Crich: Reise in die <strong>Straßenbahn</strong>-Vergangheit 64<br />

Fahrzeuge<br />

Geschichte<br />

Zwei Karpfen als Basis. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 44<br />

Der Be 6/6 Nr. 1701 (1802) der Verkehrsbetriebe der Stadt Zürich<br />

– Er war der erste Gelenktramwagen in der Schweiz – technisch<br />

basierte er dabei auf den Großraumwagen-artigen Be 4/4 Nr. 1416 bis<br />

1430. Doch welche Veränderungen erfuhr das Einzelstück in seiner Heimatstadt<br />

und wo ist er heute?<br />

Fenster in Vergangenheit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 48<br />

Nürnbergs Pferdebahnwagen 11 restauriert – Er ist das älteste<br />

Fahrzeug in der Sammlung des Historischen <strong>Straßenbahn</strong>depots<br />

St. Peter in Nürnberg und zugleich der älteste <strong>Straßenbahn</strong>wagen in<br />

Süddeutschland. Aber was macht seine Aufarbeitung so besonders?<br />

Nicht nur anders lackiert . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 52<br />

B-Wagen: Zweite Generation in<br />

Essen und Mülheim – Die durch<br />

Streckenerweiterung notwendige<br />

Aufstockung des Fahrzeugbestandes<br />

führte auch im Bereich Essen/<br />

Mülheim an der Ruhr zu Neubeschaffungen.<br />

Doch welche Wege<br />

gingen die beiden Betreibergesellschaften<br />

dabei technisch?<br />

TITEL<br />

Ende für Parallelverkehr. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 60<br />

1974: „Aus“ für Dresdens Linie 3 nach Freital – Vor 40 Jahren<br />

fuhr die letzte <strong>Straßenbahn</strong> in die westliche Nachbarstadt Dresdens.<br />

Per Zeitmaschine in die Vergangenheit . . 64<br />

Die „living history“-Tage im <strong>Straßenbahn</strong>museum Crich – Seit<br />

30 Jahren findet in England jeden Sommer das „Edwardian Weekend“<br />

statt. Dann versetzt das Nationale <strong>Straßenbahn</strong>museum in Crich die<br />

Besucher in die Zeit nach 1900 zurück. Eine Reise in die Vergangenheit<br />

TITEL<br />

Auf Fotopirsch nach GT5 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 68<br />

Die Augsburger <strong>Straßenbahn</strong> vor 20 Jahren – Im März 1994<br />

dokumentierte ein Oldenburger Nahverkehrsfreund den Trambetrieb der<br />

Fuggerstadt. Sein Hauptinteresse galt den legendären Fünfachsern<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> im Modell<br />

Minitram groß im Möbelhaus . . . . . . . . . . . . 74<br />

Die elfte Ausgabe der Modellstraßenbahn-Ausstellung „Kleine Bahn<br />

ganz groß“ fand am 17./18. Mai 2014 im sächsischen Plauen statt<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014<br />

5


Bild des Monats<br />

6<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014


Bild des Monats<br />

Bild des Monats<br />

Sommer, Sonne, Strand – das ist in Belgien auch mit der <strong>Straßenbahn</strong> erlebbar!<br />

Entlang der gesamten Nordseeküste Belgiens – von Knokke bis de Panne – fährt<br />

die flämische Nahverkehrsgesellschaft „de Lijn“ während der Urlaubssaison<br />

im dichten Takt. Dabei kommen leihweise sogar Fahrzeuge aus Gent und Antwerpen<br />

regelmäßig zum Einsatz.<br />

So verwundert es nicht, dass Michael Beitelsmann an einem schönen Sommertag<br />

im Juli 2013 den Genter Hermelijn-Wagen 6337 im Badeort de Haan<br />

(auf französisch: Coq-sur-Mer) antraf. Das Empfangsgebäude der früheren<br />

Kleinbahngesellschaft strahlt wie die umliegenden Häuser noch das Flair des<br />

„Fin-de-siècle“ aus, als es den vornehmen und begüterten Belgiern vorbehalten<br />

war, hier ihre freie Zeit zu verbringen.<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014 7


Meldungen aus Deutschland,<br />

aus der Industrie und aus aller Welt<br />

Nach einer Probefahrt durch Schwabing kehrt T1.6-Wagen 2804<br />

am 19. Mai über den Karolinenplatz zurück in die Innenstadt und<br />

ist dabei mit zahlreichen Messeinrichtungen versehen<br />

ONLINE-UMFRAGE<br />

Tram als Thema für<br />

Wahlkampf akzeptiert<br />

Im Heft 6/14 fragten wir die Leser,<br />

ob der Bau von Straßen- und Stadtbahnen<br />

ein Wahlkampfthema sein sollte.<br />

Mit 68,4 Prozent sprachen sich<br />

mehr als die absolute Mehrheit der an<br />

der Umfrage teilnehmenden Leser dafür<br />

aus – sie pflichteten der Aussage<br />

zu: „Ja, das erhöht die Chance, ihren<br />

Bau zu verwirklichen.“<br />

Etwa ein Zehntel der Teilnehmer –<br />

10,6 Prozent – haben gegenteilige<br />

Erfahrungen gesammelt. Sie stimmten<br />

für „Nein, Wahlkampfversprechen<br />

werden fast nie umgesetzt.“ Die üb -<br />

rigen 21 Prozent der Leser votierten<br />

für die dritte Meinung „Ob Thema<br />

oder nicht, Wahlkämpfe und Absichtserklärungen<br />

spielen für die Verwirklichung<br />

überhaupt keine Rolle.“ SM<br />

Zulassungsverzögerungen beim Avenio und C2-Zug – Ausschreibung für Tram-Doppeltraktionen<br />

München wartet auf neue Tram- und U-Bahnen<br />

Die Stadtwerke München (SWM/<br />

MVG) begannen Mitte Mai den europaweiten<br />

Ausschreibungsprozess für<br />

weitere neue <strong>Straßenbahn</strong>züge. Voraussetzung<br />

dazu ist das Präqualifikationsverfahren,<br />

mit dem SWM/MVG<br />

interessierte Hersteller ermitteln. Anschließend<br />

erfolgt die eigentliche Ausschreibung.<br />

Anlass der Beschaffungspläne<br />

ist die erwartete weitere<br />

Steigerung des Fahrgastaufkommens<br />

auf den drei hoch frequentierten Streckenabschnitten<br />

Hauptbahnhof –<br />

Westfriedhof (Linien 20/21), Hauptbahnhof<br />

– Romanplatz (Linien 16/17)<br />

und Max-Weber-Platz – St. Emmeram<br />

(Linie 16). Dort lassen vorgesehene<br />

städtebauliche Maßnahmen einen<br />

überproportionalen Fahrgastzuwachs<br />

erkennen. Da die Verkehrsgesellschaft<br />

diese Strecken bereits heute im dichten<br />

Takt bedient, ist eine weitere Kapazitätserhöhung<br />

nur mittels größerer<br />

Fahrzeuge zu gewährleisten.<br />

MVG-Chef Herbert König möchte dazu<br />

auf den Linien 20 und 21 erstmals bis<br />

zu 48 Meter lange Doppeltraktionszüge<br />

einsetzen, das sind selbst gegenüber<br />

den neuen Avenios bis zu elf Meter<br />

längere Garnituren.<br />

Doppeltraktionen mit<br />

Kapazität für 270 Fahrgäste<br />

Die Kapazität pro Zugverband würde<br />

damit von bisher etwa 220 Fahrgästen<br />

auf rund 270 Fahrgäste wachsen. In<br />

Schwachlastzeiten könnte ein Wagen<br />

solo verkehren und so Energie und<br />

Wartungskosten sparen. Außerdem<br />

müssten die Werkstätten nicht aufwändig<br />

für längere Züge adaptiert<br />

werden. Als weiteren Vorteil hebt die<br />

MVG hervor, dass während des rund<br />

30-jährigen Einsatzzeitraums der Fahrzeuge<br />

besser auf Änderungen des<br />

Fahrgastaufkommens reagiert werden<br />

könne, da mit den kürzeren Wagen<br />

auch andere Betriebsformen flexibel<br />

realisierbar seien.<br />

Geplant ist der Einsatz von zunächst<br />

sechs Doppeltraktionen für die<br />

Linien 20 und 21. Die dort frei werdenden<br />

34 Meter langen Züge sowie<br />

weitere vier Wagen dieser Länge, die<br />

die SWM/MVG ebenfalls neu beschaffen,<br />

werden dann auf der Linie 16 zwischen<br />

St. Emmeram und Romanplatz<br />

eingesetzt. Dort verkehren bisher kleinere,<br />

27 Meter lange R 2.2-Züge mit<br />

nur knapp 160 Plätzen. Im Gegenzug<br />

werden 13 ältere R 2.2 nicht mehr<br />

modernisiert, sondern bald nach Lieferung<br />

der neuen Züge abgestellt. Sollten<br />

alle Phasen nach europäischem<br />

Vergaberecht planmäßig verlaufen<br />

und die Finanzierung abschließend geklärt<br />

sein, könnte die Bestellung der<br />

insgesamt 13 neuen Züge noch Ende<br />

2014 erfolgen. Ein Einsatz ist abhängig<br />

von den angebotenen Lieferzeiten<br />

der Hersteller frühestens Ende 2017<br />

vorstellbar, bis dahin sind durch die<br />

MVG noch einzelne Haltestellen im<br />

Bereich der Linien 20/21 an die längeren<br />

Züge anzupassen.<br />

Zusammen mit dieser Festbestellung<br />

wollen SWM/MVG auch verschiedene<br />

Optionen ausschreiben, um zu<br />

einem späteren Zeitpunkt – je nach<br />

Bedarf – weitere neue Fahrzeuge abzurufen.<br />

Das Ziel der Münchner Verkehrsgesellschaft<br />

ist es dabei, von den potenziellen<br />

Herstellern ein Modulkonzept<br />

8<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014


Deutschland<br />

Innerhalb von drei Einsatztagen hat der Avenio-Wagen 2804 (in München<br />

Typ T) im gesamten Streckennetz Profilfahrten unternommen. Am 20. Mai<br />

nähert er sich, vom Herkomerplatz kommend, soeben der Wendeschleife<br />

am Effnerplatz im Münchner Stadtteil Bogenhausen FREDERIK BUCHLEITNER (2)<br />

Ähnlich ist die Situation bei den neuen<br />

U-Bahnen vom Typ C2. Auch für<br />

diese lag die Zulassung der Bezirksregierung<br />

zu Redaktionsschluss noch<br />

nicht vor, wird aber für den Sommer<br />

erwartet. Unterdessen haben die C2-<br />

Züge vor ihrem ersten Linieneinsatz<br />

bereits 2013 schon insgesamt drei<br />

Design-Preise gewonnen: Den „Design<br />

Consumer Favorite“, den „Universal<br />

Design Award“ und den „Red<br />

Dot Award Product Design“. Sieben<br />

der 21 neuen sechsteiligen Gliederzüangeboten<br />

zu kommen, mit dem bedarfsabhängig<br />

unterschiedliche Fahrzeuglängen<br />

mit weitgehend gleicher<br />

technischer Konzeption möglich sind.<br />

Dies soll vor allem Ersatzteilvorhaltung<br />

und Zulassungsprozesse wirtschaftlicher<br />

gestalten.<br />

Avenio noch nicht auf Linie<br />

Unterdessen konnte die MVG Anfang<br />

auch Anfang Juni 2014 ihre neuen<br />

Avenio-Züge noch immer nicht im Linienverkehr<br />

einsetzen. Ursprünglich<br />

sollten die knapp 37 Meter langen,<br />

intern als Typ T bezeichneten Wagen<br />

bereits ab Dezember 2013 im Einsatz<br />

stehen. Mittlerweile sind zwar alle<br />

acht Fahrzeuge in München, allerdings<br />

führte der Hersteller im Frühjahr<br />

noch technische Optimierungen<br />

an einzelnen Bauteilen und Softwareanpassungen<br />

durch. Die daraus resultierenden<br />

Überarbeitungen in den Zulassungsunterlagen<br />

und der<br />

Fahrzeugdokumentation führten zu<br />

Verzögerungen bei der Inbetriebsetzung.<br />

Bislang steht die Zulassung der<br />

Fahrzeuge durch die Regierung von<br />

Oberbayern noch aus.<br />

Die acht für insgesamt 29 Millionen<br />

Euro von Siemens gelieferten<br />

Avenios unternahmen im Mai noch<br />

Inbetriebsetzungs- und Zulassungsfahrten<br />

im gesamten Münchner Tramnetz,<br />

die insgesamt sehr positiv verliefen.<br />

Eine Zulassung in diesem<br />

Sommer ist wahrscheinlich. Bis dahin<br />

sind die im Rahmen der „Fahrplanstufe<br />

3“ für die morgendliche Hauptverkehrszeit<br />

angekündigten Verbesserungen<br />

auf der Linie 28 zwischen<br />

Scheidplatz und Sendlinger Tor zunächst<br />

ausgesetzt. Bis auf weiteres kommen<br />

die P-Wagen zur teilweisen Kompensation<br />

der noch nicht einsatzbereiten Avenios<br />

auf der Linie 21/22 zum Einsatz.<br />

U-Bahn Typ C2<br />

vor der Zulassung<br />

ge sollen zur Taktverdichtung beitragen.<br />

Die restlichen 14 werden die 40<br />

Jahre alten U-Bahnen vom Typ A ersetzen.<br />

Die MVG will mit den ersten<br />

C2 zunächst den Zwei-Minuten-Takt<br />

auf der Linie U2 einführen. Hier sei<br />

der Bedarf besonders groß. MSP<br />

Bremen<br />

Linie 4 ab August<br />

nach Falkenberg<br />

Der 5,5 Kilometer lange und überwiegend<br />

zweigleisig ausgeführte dritte<br />

Bauabschnitt der Linie 4 von der<br />

heutigen Endstelle in Borgfeld über<br />

die Landesgrenze durch das niedersächsische<br />

Lilienthal bis Falkenberg<br />

wird am 1. August eröffnet. Nach der<br />

Insolvenz des bauenden Unternehmens<br />

im Herbst 2013 ruhten die Arbeiten<br />

zunächst, bis eine Neuausschreibung<br />

im beschleunigten<br />

Verfahren den Weiterbau gestattete.<br />

Die Verzögerung verursachte allerdings<br />

Mehrkosten: Waren ursprünglich<br />

56 Millionen Euro veranschlagt,<br />

summieren sich die Kosten inzwischen<br />

auf 64 Millionen Euro. Auch bei<br />

dem kurzen Teil auf bremischen Gebiet<br />

trat eine Kostensteigerung um<br />

850.000 Euro ein. Ende Mai waren<br />

die Arbeiten bis auf die Fahrleitung in<br />

Falkenberg und Maßnahmen an den<br />

Nebenanlagen bereits weitgehend<br />

abgeschlossen. AMA<br />

Krefeld<br />

Betriebshof<br />

„Open-Air“<br />

Im Mai mussten die SWK mobil in<br />

Krefeld ihren <strong>Straßenbahn</strong>-Betriebshof<br />

für zehn Tage fast komplett aus -<br />

lagern. Wegen umfangreichen Gleisbauarbeiten<br />

in der Innenstadt<br />

konnten die Wagen den Betriebshof<br />

auf dem Schienenweg nicht erreichen.<br />

Insgesamt stationierte SWK mobil<br />

deshalb etwa 30 <strong>Straßenbahn</strong>en „außer<br />

Haus“ auf die im vergangenen<br />

Am Abend des 18. Mai übernachtete 127 001 mit der nagelneuen Siemens U-Bahn 6702/7702/7802-8102 des<br />

Typs C2 für München im Güterbahnhof von Aschaffenburg<br />

MICHAEL MANN<br />

Mülheim<br />

Wegen Modernisierungsarbeiten<br />

hat die Mülheimer Verkehrsgesellschaft<br />

(MVG) eine der wichtigsten<br />

Stationen entlang der U18<br />

außer Betrieb genommen. Seit 17.<br />

Mai durchfahren alle Züge die<br />

Haltestelle „Rhein-Ruhr-Zentrum“<br />

ohne Halt. Tausende Besucher, die<br />

das Einkaufszentrum jeden Tag<br />

mit der Bahn erreichen, müssen<br />

deshalb einen Shuttlebus nutzen.<br />

Bis Anfang September bekommt<br />

die Haltestelle inmitten der Autobahn<br />

A40 einen Aufzug, verbesserten<br />

Lärmschutz und eine komplett<br />

neue Überdachung. Die<br />

Baukosten betragen rund 4,7 Millionen<br />

Euro.<br />

CLÜ<br />

Chemnitz<br />

Schon im Februar 2013 gingen<br />

die „<strong>Straßenbahn</strong>steige“ im<br />

Haupt bahnhof zunächst als<br />

Stumpfgleise in Betrieb. Voraussichtlich<br />

ab 16. Juni 2014 ist eine<br />

wichtige Etappe des Umbaus am<br />

Chemnitzer Hauptbahnhof vollendet<br />

und <strong>Straßenbahn</strong>en können<br />

die Bahnhofshalle durchfahren. Ab<br />

diesem Zeitpunkt soll dann die Linie<br />

4 anstelle der Linie 2 zum<br />

Hauptbahnhof verkehren. Seit 8.<br />

Mai enden die <strong>Straßenbahn</strong>linien<br />

2, 6 und die City-Bahn-Linie 522<br />

übergangsweise am Bahnhofsvorplatz,<br />

um die restlichen Arbeiten<br />

für die <strong>Straßenbahn</strong>-Durchbindung<br />

zu vollenden.<br />

MSP<br />

Ulm<br />

Baden-Württemberg hat im<br />

Mai den Antrag zum Bau der Linie<br />

2 zwischen Wissenschaftsstadt<br />

und Kuhberg beim Bund zur Förderung<br />

eingereicht. Nachdem die<br />

Landesbehörden Förderfähigkeit<br />

bescheinigten, prüft nun das Bundesministerium<br />

für Verkehr und digitale<br />

Infrastruktur (BMVI) die<br />

Aufnahme ins GVFG-Programm.<br />

Im Rahmen des GVFG kann der<br />

Bund bis zu 60 Prozent der zuwendungsfähigen<br />

Kosten tragen,<br />

gleichzeitig beteiligt sich das Bundesland<br />

mit bis zu 20 Prozent. Die<br />

Investitionen betragen rund 155<br />

Millionen Euro, davon sind voraussichtlich<br />

etwa 112 Millionen<br />

Euro zuwendungsfähig. MSP<br />

rz gemeldet kurz gemeldet kurz gemeldet kurz gemeldet kurz gemeldet kurz gemeldet kurz gemeldet<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014<br />

9


Aktuell<br />

Halle: Neue Klimamesseinrichtungen tragen seit Mai drei HAVAG-<strong>Straßenbahn</strong>en,<br />

hier eine Detailansicht der Fahrzeugfront STADTWERKE HALLE<br />

Krefeld: Im Mai verwandelte sich die 2013 vom Linienverkehr entbundene<br />

Tackheide-Strecke für zehn Tage zum „Betriebshof“<br />

CHRISTIAN LÜCKER<br />

Jahr aufgelassene, einen Kilometer<br />

lange Strecke zur Tackheide. Von dort<br />

aus hielt das Unternehmen auf den<br />

erreichbaren Streckenästen den <strong>Straßenbahn</strong>betrieb<br />

aufrecht. Während<br />

der nächtlichen Abstellung über mehrere<br />

hundert Meter Länge auf dem<br />

stadteinwärts führenden Gleis bewachte<br />

ein Sicherheitsdienst die Wagen.<br />

Im Bereich der Endschleife Tackheide<br />

hatten die SWK für den kurzen<br />

Zeitraum eine Notwerkstatt eingerichtet,<br />

um gegebenenfalls erforderliche<br />

kleine Reparaturen vorzunehmen.<br />

Dank des kurzen eingleisigen Abschnitts<br />

an der Wendeschleifenzufahrt<br />

konnten die Wagen bei Bedarf auch<br />

umrangiert und in geänderter Reihenfolge<br />

aufgestellt werden. Seit dem 19.<br />

Mai ist der eigentliche SWK-Betriebshof<br />

wieder erreichbar.<br />

CLÜ<br />

Darmstadt<br />

100 Jahre elektrisch<br />

nach Eberstadt<br />

Am 1. Mai 1914 nahm die zwei<br />

Jahre zuvor gegründete Hessische<br />

Eisenbahn-Aktiengesellschaft (HEAG)<br />

den elektrischen Betrieb in den südlichen<br />

Vorort Eberstadt auf. In Darmstadts<br />

Zentrum gab es bereits seit<br />

1897 elektrische <strong>Straßenbahn</strong>en, die<br />

Vorortstrecken bedienten jedoch bis<br />

1914 Dampfzüge. Die Linie nach<br />

Eberstadt erhielt eine Elektrifizierung<br />

mit 1.200 Volt Gleichstrom, wozu neben<br />

der ebenfalls neu errichteten Wagenhalle<br />

Eberstadt eine entsprechende<br />

Umformerstation entstand. Nur<br />

drei Monate später musste die HEAG<br />

ihre Fahrleitung zwischen Eberstadt<br />

Wartehalle und Friedhof wieder abbauen,<br />

denn das Kupfer benötigte die<br />

Industrie für kriegswichtige Zwecke.<br />

Erst nach dem Krieg setzte die HEAG<br />

die Elektrifizierung ihres Netzes fort.<br />

Die zwei Triebwagen 37 und 49 haben<br />

seitdem die Zeiten überdauert<br />

und stehen heute als historische<br />

Fahrzeuge im Depot Kranichstein.<br />

Auch Beiwagen 132 existiert noch<br />

und ist sogar betriebsfähig. Mit einem<br />

Zug aus Triebwagen 57 (ST 3,<br />

Baujahr 1926) und Beiwagen 132 bot<br />

HEAG mobilo zum 1. Mai 2014 Sonderfahrten<br />

aus Anlass des Jubiläums<br />

an; zusammen mit DWM-Gelenkwagen<br />

25 (1961) standen somit die drei<br />

ältesten betriebsfähigen Fahrzeuge<br />

von HEAG mobilo im Einsatz. JÖS<br />

Magdeburg<br />

Tatra-Verschrottung<br />

und Bauarbeiten<br />

Am 8. Mai verlud eine Spezialtransportfirma<br />

die T6A2-Wagen 1276<br />

bis 1279, 1284 1285 sowie die B6A2-<br />

Beiwagen 2143, 2145, 2146 und<br />

2148 der Magdeburger Verkehrsbetriebe<br />

(MVB) auf Tieflader und brachte<br />

sie zur Verschrottung. Zuvor demontierten<br />

die MVB-Mitarbeiter noch<br />

verschiedene Ersatzteile. Weiterhin<br />

zur betriebsfähigen Reserve gehören<br />

hingegen die beiden T6A2-Züge 1280<br />

+ 1281 + 2144 und 1282 +1283 +<br />

2147, die in Ausnahmefällen auch im<br />

Linienverkehr bei Mangel an Niederflurwagen<br />

aushelfen.<br />

Unterdessen haben am 16. Mai der<br />

Zoo Magdeburg und die MVB gemeinsam<br />

die für rund 800.000 Euro neu barrierefrei<br />

ausgebaute Haltestelle am Zoo<br />

offiziell für den Verkehr freigegeben.<br />

Aus Platzgründen ist hier kein eigener<br />

Bahnsteig möglich, daher entstand ein<br />

überfahrbares Cap mit angehobener<br />

Fahrbahn. Dank neuer Gleisplatten und<br />

der Sanierung des Straßenbelags im Bereich<br />

der neuen Haltestelle sinkt zugleich<br />

der Lärmpegel für die Anwohner.<br />

Ebenfalls beendet sind die Bauarbeiten<br />

in der Otto-von-Guericke-Straße, hier<br />

hat die MVB seit September 2013 die<br />

Gleis- und Fahrleitungsanlagen auf der<br />

im Abschnitt Danzstraße – Hasselbachstraße<br />

erneuert. Dabei bauten die MVB<br />

die Haltestelle „Verkehrsbetriebe“ mittels<br />

Bahnsteig barrierefrei aus und installierten<br />

elektronische Fahrgastinformationsanzeigen.<br />

Parallel führten die<br />

Bauunternehmen Fahrbahn- und Gehwegerneuerungen<br />

aus. Insgesamt kosteten<br />

die Arbeiten im genannten Abschnitt<br />

1,9 Millionen Euro. AXB/MSP<br />

Halle (Saale)<br />

Tram dem Klima<br />

auf der Spur<br />

An ihren Messfühlern über der<br />

Fahrerkabine sind sie zu erkennen:<br />

drei Wagen, die künftig bei ihren<br />

Linienfahrten durch die Saalestadt<br />

auch das Stadtklima überwachen.<br />

Seit 22. Mai sind die Trams im Rahmen<br />

eines in dieser Form bislang<br />

einmaligen Projektes im Einsatz, bei<br />

dem sie per GPS und speziellen Sensoren<br />

meteorologische Daten zur<br />

Lufttemperatur und relativen Feuchte<br />

sammeln.<br />

Sowohl Stadt als auch Stadtwerke<br />

Halle mit ihrem Tochterunternehmen<br />

HAVAG wirken als Projektpartner in<br />

dem vom Land Sachsen-Anhalt und<br />

dem Deutschen Wetterdienst (DWD)<br />

Darmstadt: Auf der in diesem Jahr<br />

100 Jahre alten Strecke nach Eberstadt<br />

entstand im Frühjahr diese<br />

Aufnahme des Tw 0788. Der aus<br />

historischen Wagen gebildete Sonderzug<br />

am 1. Mai 2014 verkehrte<br />

bei schlechtem Wetter JÖRN SCHRAMM<br />

10<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014


Deutschland<br />

initiierten Projekt mit. Neben den drei<br />

mit meteorologischer Mess-Sensorik<br />

ausgestatteten <strong>Straßenbahn</strong>zügen liefern<br />

zusätzlich mehrere temporär aufgestellte<br />

DWD-Messstationen in verschiedenen<br />

Stadtteilen kontinuierlich<br />

aktuelle Daten. Zur Datenverdichtung<br />

dienen darüber hinaus Messfahrten<br />

mit einem DWD-Kraftfahrzeug. Neben<br />

dem breit angelegten und vorerst für<br />

zwei Jahre geplanten Messprogramm<br />

sind anschließend stadtklimatische<br />

Modellrechnungen zum gegenwärtigen<br />

und zukünftigen Klima innerhalb<br />

der Stadt Halle geplant. Möglicherweise<br />

ergeben die Untersuchungen<br />

zudem Hinweise auf künftig höhere<br />

Temperaturen im Innenraum der <strong>Straßenbahn</strong>züge.<br />

Dadurch könnten langfristig<br />

technische Änderungen bei der<br />

Klimatisierung der <strong>Straßenbahn</strong>en<br />

notwendig werden. Die HAVAG könnte<br />

somit nach eigener Aussage –<br />

ebenso wie andere Verkehrsbetriebe –<br />

aus den Untersuchungen wertvolle Erkenntnisse<br />

für einen auch in Zukunft<br />

attraktiven öffentlichen Nahverkehr<br />

gewinnen.<br />

PM/MSP<br />

Duisburg<br />

Historischer Wagen<br />

außer Betrieb<br />

Bereits am 5. April verunfallte der<br />

historische Harkortwagen 177 im Rahmen<br />

einer Stadtrundfahrt. Zumindest<br />

dem Anschein nach ist der Sachschaden<br />

nicht besonders hoch, dennoch<br />

hat die Duisburger Verkehrsgesellschaft<br />

AG als Eigentümer des einzigartigen<br />

Fahrzeugs bis Ende Mai noch<br />

nicht entschieden, den Wagen wieder<br />

fahrbereit herzustellen. Der Wagen –<br />

einziges betriebsfähiges Museumsfahrzeug<br />

auf Duisburgs <strong>Straßenbahn</strong>netz<br />

– entstand 1926 mit einem weiteren<br />

Prototyp bei der Firma Harkort<br />

als erster Gelenkwagen in Deutsch-<br />

land überhaupt und befindet sich<br />

heute in der Obhut des „Tram-Club<br />

177“. Vor 30 Jahren wurde er im Zuge<br />

einer originalgetreuen Restaurierung<br />

umgebaut und bestreitet seither<br />

mehrmals im Jahr beliebte Stadtrundfahrten<br />

oder auch spezielle Themenfahrten.<br />

Die nächsten Fahrttermine<br />

wurden vom Tram-Club 177 zunächst<br />

bis September abgesagt. MBE<br />

Dresden<br />

Sanierungsbeginn<br />

an der Albertbrücke<br />

Die umfassende Rekonstruktion<br />

der maroden Albertbrücke über die<br />

Elbe hat begonnen. Sie soll insgesamt<br />

etwa 22 Millionen Euro kosten und<br />

findet unter eingleisiger Aufrechterhaltung<br />

des <strong>Straßenbahn</strong>betriebes<br />

statt. Dazu bauten die Dresdner Verkehrsbetriebe<br />

(DVB) beiderseits der<br />

Brücke an Wochenenden im April und<br />

Mai Bauweichen und Signalanlagen<br />

ein. Am 19. Mai begann der eingleisige<br />

Betrieb, der die kommenden zwei<br />

Jahre in wechselnden Bauzuständen<br />

andauert. Die dazu installierte Lichtsignalanlage<br />

erlaubt die zeitgleiche<br />

Durchfahrt von bis zu drei Zügen in<br />

einer Richtung. In der Bauphase 0<br />

entsteht momentan auf der Unterstrom-Seite<br />

ein Baugleis für die <strong>Straßenbahn</strong>.<br />

In dieser Zeit können Autos<br />

und <strong>Straßenbahn</strong> noch auf dem freien<br />

Teil der Brücke fahren. Bauphase 1<br />

umfasst die eigentliche Sanierung<br />

und Brückenverbreiterung. In dieser<br />

Zeit ist sie für den Autoverkehr vollständig<br />

gesperrt, die Linien 6 und 13<br />

nutzen dann ein Interimsgleis. Nach<br />

Fertigstellung baut die Stadt die derzeit<br />

für Fußgänger und Radfahrer parallel<br />

führende Behelfsbrücke zurück.<br />

Der Stadtrat hatte die Sanierung der<br />

Albertbrücke bereits 2011 beschlossen.<br />

Erst im September 2013 einigten<br />

Heidelberg: Der erste der beiden generalüberholten Wagen der oberen<br />

Bergbahn am 5. März bei seiner Aufgleisung an der Station Molkenkur<br />

– alle zehn Jahre findet bei den Bergbahnen zusätzlich zur jährlichen<br />

Inspektion eine umfassende Sonderinspektion statt. 2014 erhielten beide<br />

Wagen der oberen Bergbahn bei der Firma Garaventa in der Schweiz<br />

eine Generalüberholung und Anpassung an die aktuellen Sicherheitsanforderungen<br />

für Seilbahnen. Am 24. März nahmen sowohl die untere als<br />

auch die obere Bergbahn wieder ihren Betrieb auf<br />

DIRK WITTMANN<br />

Duisburg: Harkortwagen 177 auf Sonderfahrt, seit dem Unfall am 5. April<br />

steht der einzigartige Wagen vorerst still<br />

MICHAEL BEITELSMANN<br />

Magdeburg: Am 8. Mai fand der Abtransport mehrerer Wagen der Typen<br />

T6A2 und B6A2 zum Schrotthändler statt<br />

AXEL BARBY<br />

SM_2014_07_Journal_Duisburg<br />

=>Volldatei fehlt mir<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014 11


Aktuell<br />

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Berlin: Der Flexity F8E 8026, ursprünglich Anfang 2009 als kurzer Flexity Einrichter-Prototyp F6E 3001 mit<br />

30,8 Meter Länge geliefert, ist seit 31. März abgenommen, hier auf der Berliner Allee. Anfang 2014 erfolgte die Angleichung<br />

an die Serienwagen einschließlich Verlängerung um zwei zusätzliche Segmente auf 40 Meter. Hintergrund<br />

ist, dass die BVG per Auftragsänderung von 2012 entgegen anfänglicher Planungen keine 30-Meter-Einrichtungwagen<br />

vom Typ F6E beschaffen möchte und stattdessen verstärkt in 40-Meter-Wagen investiert. Geplant ist<br />

(abzüglich der Proto typen), 53 F6Z, 38 F8E und 47 F8Z der Flexityfamilie anzuschaffen. Wagen 8026 schließt an die<br />

im August 2012 abgeschlossene erste F8E- Serienlieferung (Triebwagen 8002 bis 8025) an SEBASTIAN SCHRADER<br />

sich die Fraktionen nach heftigen Diskussionen<br />

auf die jetzt umgesetzte<br />

Variante, die für den <strong>Straßenbahn</strong>verkehr<br />

die geringste Beeinträchtigung<br />

bedeutet.<br />

MSP<br />

Plauen<br />

KT4D-Wagenkasten<br />

nach Schönbach<br />

Durch die Anlieferung neuer Niederflurwagen<br />

aus Bautzen kann die<br />

Plauener <strong>Straßenbahn</strong> GmbH (PSB)<br />

auf einen Teil ihrer Tatras verzichten.<br />

Der 1987 unter der Nummer 949 (I)<br />

nach Zwickau gelieferte Tatra-KT4D<br />

gelangte 1989 ohne vorherigen Einsatz<br />

weiter nach Plauen, wo er die<br />

Nummer 240 erhielt. Die PSB modernisierte<br />

ihn 1994 zum KT4DM, seit<br />

1998 gehörte er durch Einbau einer<br />

Choppersteuerung zum Typ KT4DMC.<br />

Anfang 2014 ausgemustert, verkaufte<br />

die PSB den zweiteiligen Wagenkasten<br />

für 1.000 Euro in den Greizer<br />

Ortsteil Schönbach. Die Idee zu dieser<br />

neuen Attraktion im Ort hatte Herbert<br />

Zeidler vom Dorf- und Feuerwehrverein.<br />

Aufgeladen auf zwei Tieflader gelangten<br />

Mitte Mai die beiden Wagen-<br />

Dresden: Aufgrund der Sanierung der Albertbrücke fahren die DVB-Wagen<br />

der Linien 6 und 13 seit 19. Mai 2014 auf dem Gegengleis über die Elbe in<br />

Richtung Altstadt, hier Tw 2708 am 23. Mai<br />

MICHAEL SPERL<br />

kastenteile nach Schönbach, wo sie<br />

die Vereinsfreunde direkt neben dem<br />

Feuerwehrhaus auf vorbereitete Fundamente<br />

setzten. Als nächstes wollen<br />

sie eine Bar als Treffpunkt für die Einwohner<br />

einbauen, die Sitze teilweise<br />

drehen und die Werbebeklebung entfernen.<br />

Der erste „Einsatz“ im neuen<br />

Umfeld steht Wagen 240 beim Dorffest<br />

am 12. und 13. Juli als Getränkewagen<br />

bevor.<br />

MSP<br />

Karlsruhe<br />

Keine Stadtbahnen<br />

nach Freudenstadt?<br />

Seit 2002 fährt die AVG mit ihren<br />

Stadtbahnwagen aus der Karlsruher<br />

Innenstadt nach Freudenstadt. Nun<br />

steht für die Zeit ab 2017 eine Neuausschreibung<br />

für die Murgtalbahn<br />

an, bei der Veränderungen absehbar<br />

sind: Die maximal 100 Kilometer pro<br />

Stunde schnellen Stadtbahnzüge<br />

sind auf der Hauptstrecke zwischen<br />

Karlsruhe und Rastatt zu langsam.<br />

Das Land möchte im Rahmen der<br />

Ausschreibung hier schnellere Züge.<br />

Es verspricht sich im Rahmen der<br />

Ausschreibung mehr Komfort als<br />

heute, beispielsweise Toiletten in jedem<br />

Zug und darüber hinaus mehr<br />

Fahrrad-Plätze. Das grundsätzliche<br />

Fahrplan-Angebot soll bestehen bleiben,<br />

wobei die genauen Details noch<br />

offen sind. Eine Durchbindung zum<br />

Karlsruher Marktplatz ist dann nicht<br />

mehr möglich. Verschmerzbar, wie<br />

die Vertreter der NVBW meinen: Nur<br />

acht Prozent der Fahrgäste aus dem<br />

Murgtal, so ihre Untersuchungen,<br />

wollen dorthin. Da die Stadtbahnzüge<br />

durch die höhere Geschwindigkeit<br />

zwischen Rastatt und Karlsruhe<br />

sieben Minuten gewinnen, ändert<br />

sich die Gesamtreisezeit nur wenig:<br />

Weiterhin fahren im Anschluss vom<br />

Karlsruher Hauptbahnhof die Stadtbahnen<br />

in dichtem Takt in die Innenstadt.<br />

JÖS<br />

Industrie<br />

CAF<br />

Neue Wagen<br />

für Boston<br />

Der spanische Schienenfahrzeug-<br />

Hersteller CAF erhielt für sein Werk in<br />

den USA einen Auftrag zum Bau von<br />

24 Stadtbahnwagen im Wert von 118<br />

Millionen US-Dollar, das entspricht<br />

umgerechnet einem Auftragswert von<br />

86 Millionen Euro. Das Massachusetts<br />

Department of Transportation (Mass-<br />

DOT) bestellte für Bostons Green Line<br />

sechsachsige Fahrzeuge mit einem<br />

Niederfluranteil von 70 Prozent. Boston<br />

besitzt neben einem konventionellen<br />

U-Bahn-Netz ein als Green Line<br />

bezeichnetes Stadtbahnnetz mit vier<br />

Linien und einer Streckenlänge von<br />

rund 36 Kilometern. Derzeit laufen die<br />

Arbeiten an einer 6,9 Kilometer messenden<br />

Streckenverlängerung, die bis<br />

2017 in Betrieb gehen soll. Die Wagenkästen<br />

der dreiteiligen Fahrzeuge,<br />

deren Auslieferung 2017 und 2018<br />

ansteht, kommen aus Spanien. Die<br />

Ausrüstung erfolgt im CAF-Werk in Elmira<br />

(New York), dabei verwendet die<br />

12<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014


Industrie · Weltweit<br />

CAF größtenteils in den USA hergestellte<br />

Komponenten. Die klimatisierten<br />

Fahrzeuge erhalten spezielle Bereiche<br />

für Rollstühle, Kinderwagen<br />

und Haustiere. Ein Kameraüberwachungssystem<br />

sorgt für die Sicherheit,<br />

sowohl des Innen- als auch des Außenbereiches<br />

der Fahrzeuge.<br />

JEP<br />

Škoda<br />

Anschlussauftrag<br />

aus Konya (Türkei)<br />

Der tschechische <strong>Straßenbahn</strong>-Hersteller<br />

Škoda Transportation erhielt Anfang<br />

Mai den Auftrag zur Lieferung von<br />

zwölf Niederflur-Triebwagen für fahrleitungslosen<br />

Betrieb in der türkischen<br />

Stadt Konya. Die Fahrzeuge können ohne<br />

externe Energieeinspeisung dank<br />

ihrer bordeigenen Nano-Lithium-Titan-<br />

Batterie eine Strecke von drei Kilometern<br />

mit einer Höchstgeschwindigkeit<br />

von 30 Kilometer pro Stunde zurücklegen.<br />

Die Auslieferung beginnt 2015. Bei<br />

ersten Versuchen auf der Škoda<br />

Test strecke bei Pilsen konnte<br />

ein Versuchswagen<br />

bereits eine Entfernung<br />

bis zu<br />

acht Kilo meter<br />

ohne Fahrleitung<br />

zurücklegen.<br />

Bei der Bestellung<br />

handelt es sich um eine Anschlusslieferung<br />

zu den 60<br />

konventionellen Fahrzeugen<br />

des Typs Škoda ForCity<br />

28T. Insgesamt umfasst der<br />

Auftragswert der Lieferung<br />

3,5 Milliarden Tschechische<br />

Kronen, umgerechnet also<br />

rund 130 Millionen<br />

Euro. Die Triebwagen<br />

sind für eine neue Linie<br />

be stimmt, die einen ca.<br />

1,8 Kilometer langen fahrleitungslosen<br />

Abschnitt erhält.<br />

Škoda Transportation konnte mit dem<br />

Auftrag seine Position im <strong>Straßenbahn</strong>-<br />

Markt festigen und wird in diesem Jahr<br />

mit 115 gebauten Triebwagen einen<br />

neuen Rekord aufstellen. Neben den<br />

Städten Konya und Miskolc erhalten<br />

auch die Prager Verkehrsbetriebe sowie<br />

Bratislava neue Škoda-Triebwagen. JEP<br />

Stadler Minsk<br />

Neuer Wagentyp<br />

Stadler Minsk – das Joint Venture<br />

von Stadler und Belkommunmash –<br />

hat Anfang Mai einen 100 Prozent niederflurigen<br />

Gelenkwagen vorgestellt.<br />

Das Fahrzeug vom Typ 853/85300M<br />

mit 1.524 Millimeter Spurweite bietet<br />

Stadler Minsk sowohl in Einrichtungsals<br />

auch in Zweirichtungsausführung<br />

an. Es besitzt jeweils vier Fahrmotoren<br />

und basiert auf dem seit 2008 in 29<br />

Škoda: Ab 2015 erhält die türkische Stadt Konya aus der Tschechischen Republik<br />

auch Triebwagen für fahrleitungslosen Betrieb ŠKODA TRANSPORTATION<br />

Exemplaren gebauten Belkommunmash<br />

843/84300M, der in Minsk, Kazan<br />

und Sankt Petersburg fährt. Der<br />

Stadler 853 ist in beiden Ausführungen<br />

jeweils 26,7 Meter lang und 2,5<br />

Meter breit, die Fußbodenhöhe beträgt<br />

370 Millimeter, die maximale<br />

Achslast zehn Tonnen und die<br />

Höchstgeschwindigkeit<br />

Stadler Minsk – eine<br />

Joint Venture von Stadler<br />

und Belkommunmash – stellten im Mai<br />

den Protoyp eines 100 Prozentniederflurigen<br />

Gelenkwagen vor SLG. SM<br />

75 Kilometer pro Stunde. Passend zum<br />

futuristischen Design ist eine LED-Beleuchtung<br />

installiert. Das Fassungsvermögen<br />

beträgt 196 Personen, davon<br />

60 sitzend in der Zweirichtungsausführung<br />

und 234 Personen, davon 70<br />

sitzend, in der Einrichtungsvariante.<br />

Vier Türen, beim Zweirichter pro Wagenseite,<br />

mit 1.300 Millimeter Breite<br />

ermöglichen einen zügigen Fahrgastwechsel.<br />

Im Inneren finden sich Sitzplätze<br />

in 2+2-Anordnung sowie zwei<br />

Mehrzweckabteile für Rollstühle, Fahrräder<br />

und Kinderwagen. Der Hersteller<br />

hat die Fahrzeuge für Einsätze bei<br />

Temperaturen zwischen -40 ° und 40 °<br />

Celsius ausgelegt, dafür sind eine Klimaanlage<br />

und leistungsfähige Heizungen<br />

installiert.<br />

MSP<br />

Ausland<br />

Schweiz: Basel<br />

Erlenmatt-Tram vom<br />

Volk abgelehnt<br />

Mit einer knappen Mehrheit von<br />

51,6 Prozent hat das Basler Stimmvolk<br />

den Bau des „Erlenmatt-Trams“ abgelehnt.<br />

Die Pläne im Rahmen des Konzepts<br />

„Tramnetz 2020“ sahen vor, den<br />

Alstom: Nachdem sich bereits<br />

2013 ein baugleiches Fahrzeug im<br />

Wiener Klima-Windkanal der Rail-<br />

Tec Arsenal (RTA) befunden hatte,<br />

traf im Mai dieses Jahres abermals<br />

ein für Dubai bestimmter <strong>Straßenbahn</strong>gelenkwagen<br />

vom Typ Citadis<br />

des französischen Herstellers Alstom<br />

an dieser Versuchsstätte für Messungen<br />

ein. Das mit der Ordnungsnummer<br />

001 versehene Fahrzeug<br />

ließ das Unternehmen aufgrund seiner<br />

Überlänge auf zwei Tiefladern<br />

vom Produktionsstandort bei La Rochelle<br />

in Frankreich nach Österreich<br />

transportieren RAIMUND WYHNAL<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014<br />

13


Aktuell<br />

In der Tschechischen Republik entstand 2007 bei PARS aus zwei Prager<br />

T3 ein Umbau-Achtachser mit Niederflurmittelteil. Der KT3R 2300<br />

blieb ein Einzelstück und verkehrt stets auf der Linie 17, hier an der<br />

Projesd Deshnewa am 14. Mai 2014<br />

Die UKWZ-Vierachser vom Typ 71-619 stellen derzeit 42 Prozent des<br />

Moskauer Wagenparks. Neben zwei solchen Wagen stand am 14. Mai<br />

2014 links auch ein PTMZ-Vierachser vom Typ 71-153. Das Bild entstand<br />

bei der Metrostation Uliza Podbelskogo WOLFGANG KAISER (2)<br />

Russland: Moskau<br />

Zügige Modernisierung des Wagenparks<br />

Der <strong>Straßenbahn</strong>betrieb der russischen Hauptstadt besitzt derzeit rund 960 Triebwagen<br />

und ist diesbezüglich – gemeinsam mit Prag – der weltweit größte Betrieb.<br />

Das Bild des Wagenparks wandelte sich in den vergangenen Jahren rasch:<br />

Waren in dem rund 185 Kilometer langen Streckennetz in den 1990er-Jahren<br />

noch überwiegend Tatra-T3SU unterwegs, so sind es heute hauptsächlich Standardvierachser<br />

der russischen Waggonfabrik Ust-Kataw (UKWZ), allen voran die<br />

Bauart 71-619K/KT/A (410 Wagen der Baujahre 2000 bis 2009). Daneben beschaffte<br />

der Verkehrsbetrieb Mosgortrans in den Jahren 2002 bis 2006 auch 45<br />

hochflurige Vierachser vom Typ 71-134A (LM-99AE) der St. Petersburger Waggonfabrik<br />

(PTMZ). Ab 2007 rückten Wagen mit Niederfluranteil in den Mittel-<br />

punkt des Interesses: Zunächst interessierte sich Mosgortrans für Umbau- und<br />

Neubauwagen tschechischer Herkunft, die Wagen KT3R 2300 und VarioLF 2400<br />

sollten allerdings Einzelstücke bleiben. Größere Stückzahlen erreichten die Bauarten<br />

71-153 (LM-2008) von PTMZ (21 Wagen der Baujahre 2009/10) und 71-<br />

623-02 von UKWZ (67 Wagen der Baujahre 2012/13). Im März 2014 trafen vier<br />

Prototypen des neuen PESA-Niederflurgelenkwagens „Foxtrot“ in Moskau ein,<br />

die seit 1. Juni im Linienbetrieb eingesetzt werden. Von dem dreiteiligen und 24<br />

Meter langen Typ beschafft Mosgortrans 120 Exemplare. Gleichzeitig testet der<br />

Verkehrsbetrieb einen ähnlich aufgebauten Niederflurwagen von Alstom (Typ Citadis<br />

302), der in Kürze auch im Fahrgastbetrieb zum Einsatz kommen soll. WK<br />

Badischen Bahnhof zu einer Nahverkehrs-Drehscheibe<br />

auszubauen. In diesem<br />

Zusammenhang sollte eine 1,2 Kilometer<br />

lange Neubaustrecke entstehen,<br />

welchen den Bahnhof durch das Erlenmatt-Quartier<br />

mit dem Riehenring verbinden<br />

sollte, wo Anschluss zu den<br />

Tramlinien 14 und 21 bestanden hätte.<br />

Die Kosten von 68 Millionen Franken erschienen<br />

der Mehrzahl der Bürger zu<br />

hoch. Ein Großteil der Kosten wäre für<br />

die Verstärkung des Schwarzwaldtun-<br />

Baselland Transport: Anlässlich ihres 40-jährigen Bestehens erinnert sich die BLT ihrer Wurzeln und gestaltete<br />

einen Tramzug in den Farben der Birsigthalbahn AG und der Birseckbahn AG. Die Komposition mit dem blauweißen<br />

Be 4/8 259 und dem gelben Be 4/6 105 soll rund neun Monate im historischen Kleid unterwegs sein. Der<br />

erste Einsatz im neuen alten Lack erfolgte am 20. Mai<br />

DOMINIK MADÖRIN<br />

nels im Zuge der Autobahn A2 angefallen,<br />

der im jetzigen Bauzustand die<br />

schweren Trams nicht tragen könnte. JÖS<br />

Rumänien: Timisoara<br />

Beginn Modernisierung<br />

von Wegmann-Wagen<br />

Um die zwischen 2002 und 2010<br />

übernommene Flotte der Bremer<br />

Stadtbahnwagen des Typs Wegmann<br />

auf lange Sicht in Timisora weiter<br />

nutzen zu können, entschieden sich<br />

Stadtverwaltung und Verkehrsbetrieb<br />

RATT zu einer Modernisierung von<br />

bis zu 30 Einheiten. Bei einer entsprechenden<br />

Ausschreibung setzte sich<br />

Anfang April 2014 ein Konsortium<br />

aus den Firmen Asocierea Electroputere<br />

VFU Pascani und Astra Vagoane<br />

Calatori in Arad durch. Der Vertrag<br />

hat eine Laufzeit von vier Jahren. Die<br />

umfangreiche Modernisierung erfolgt<br />

in Arad und umfasst auch den Einbau<br />

von Klimaanlagen, eines abgeschlossenen<br />

und neu gestalteten Fahrerplatzes<br />

sowie Kameraüberwachung<br />

außerhalb und innerhalb des Wagens.<br />

Fahrgastinformationsanlagen runden<br />

das moderne Erscheinungsbild ab.<br />

14 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014


Weltweit<br />

Nach den vorliegenden Informationen<br />

sollen nur Triebwagen eine Modernisierung<br />

erhalten.<br />

Wie die RATT auf Nachfrage mitteilte,<br />

beginnt die Erneuerung mit den<br />

Einheiten 3517 und 3504. Noch im<br />

Mai sollte das erste Fahrzeug nach<br />

Arad gelangen. Es ist vorgesehen, bereits<br />

in etwa vier Monaten den modernisierten<br />

Prototyp wieder in Timisoara<br />

einsetzen zu können. Dann sollen umfassende<br />

Erprobungen erfolgen, um<br />

eventuelle Schwächen zu ermitteln,<br />

die im weiteren Verlauf vermieden<br />

werden können. Pro Wagen wird mit<br />

Kosten in Höhe von knapp 500.000<br />

Euro kalkuliert.<br />

AMA<br />

Estland: Tallinn<br />

Vorbereitungen auf<br />

Einsatz der CAF-Wagen<br />

In der estnischen Hauptstadt Tallinn<br />

(deutscher Name Reval) ist die<br />

<strong>Straßenbahn</strong>strecke nach Tondi (Li-<br />

nien 3 und 4) aufgrund von Gleiserneuerung<br />

noch voraussichtlich bis<br />

November außer Betrieb, auch das<br />

Hauptdepot an der Pärnu maantee ist<br />

vom Netz abgeschnitten. Die Arbeiten<br />

dienen der Vorbereitung des Oberbaus<br />

auf den Einsatz der bald eintreffenden<br />

CAF-Niederflurwagen.<br />

Aktuell fahren – aus Platzgründen<br />

im kleineren Nebendepot Kopli – nur<br />

Wagen vom Typ KT4, alle KT6 (KT4 mit<br />

Niederflur-Mittelteil) und alle Museumswagen<br />

sind im Hauptdepot abgestellt<br />

und damit derzeit nicht nutzbar.<br />

Vom 4. bis 24. August ruht der<br />

komplette <strong>Straßenbahn</strong>btrieb, da die<br />

Gleise und Weichen am zentralen<br />

Knotenpunkt Viru väljak ausgetauscht<br />

werden.<br />

Nicht gut steht es um den Obusbetrieb<br />

in der Stadt: Die Stadtverwaltung<br />

fordert nennenswerte Zuschüsse vom<br />

Staat, von dem solche Zahlungen<br />

nicht zu erwarten sind. Ohne finanzielle<br />

Unterstützung sei ein schrittweiser<br />

Ersatz der Obusse durch Autobusse<br />

unumgänglich.<br />

WK<br />

Australien: Melbourne<br />

Neue E-Klasse<br />

überzeugt im Dienst<br />

Seit 4. November 2013 fahren die<br />

ersten Fahrzeuge der neuen E-Klasse<br />

auf den Schienen der Melbourner<br />

<strong>Straßenbahn</strong>. Die Betreibergesellschaft<br />

Keolis Downer EDI Rail (KDR)<br />

sowie die Fahrgäste zeigen sich damit<br />

gemäß einer aktuellen Umfrage zufrieden.<br />

Bei den Wagen handelt es sich<br />

Prag: 40 Jahre nach dem offiziellen Einsatzende ihrer Zweiachser feierten die Prager Verkehrsbetriebe<br />

dieses „Jubiläum“ am 9. Mai mit Sonderfahrten entlang der ursprünglichen Streckenverläufe der Linien 3, 18<br />

und 23. Zugleich beging die Prager U-Bahn ihr 40. Eröffnungsjubiläum mit einem Tag der offenen Tür am<br />

Depot Kačerov und verschiedenen Sonderfahrten<br />

ONDREJ MATEJ HRUBES<br />

bereits um die dritte Generation von<br />

Niederflurbahnen in der Stadt mit dem<br />

weltweit größten <strong>Straßenbahn</strong>system.<br />

Nachdem weder die als C-Klasse geführten<br />

Citadis von Alstom noch die<br />

als D-Klasse geführten Combinos von<br />

Siemens auf dem Netz der Yarra Trams<br />

voll überzeugt hatten, bestellte KDR<br />

im Jahr 2010 bei Bombardier insgesamt<br />

50 exakt 33 Meter lange und<br />

2,65 Meter breite Niederflurwagen<br />

des Typs Flexity Swift. Die Fahrzeuge<br />

werden im Stadtteil Dandenong montiert,<br />

von dort stammten auch die letzten<br />

hochflurigen Modelle (Klassen Z, A<br />

und B) der <strong>Straßenbahn</strong>. Nur die<br />

Flexx-Drehgestelle und die Mitrac-Antriebs-<br />

und Steuerungsausrüstungen<br />

werden impor tiert. Die ersten fünf gelieferten<br />

Wagen der neuen E-Klasse<br />

(Nummern 6001 bis 6005) setzt KDR<br />

auf der Linie 96 ein, die teilweise auf<br />

einer ehemaligen Vorortbahntrasse<br />

verkehrt und ein sehr hohes Verkehrsaufkommen<br />

aufweist. Wie alle <strong>Straßenbahn</strong>en<br />

in Melbourne handelt es<br />

sich um Zweirichtungswagen. Sollte<br />

sich der neue Fahrzeugtyp bewähren,<br />

gibt es eine Option auf 100 weitere<br />

Fahrzeuge.<br />

OGÜ<br />

Tallinn: An der Endstelle Kopli vor<br />

der „Eesti Mereakadeemia“ (Estnische<br />

Meeresakademie) trafen sich<br />

am 2. Mai 2014 der Obus vom Skoda-Typ<br />

14Tr Nr. 295 und die KT4D<br />

162 (ex Erfurt 516) und 142 (ex Gera<br />

328)<br />

WOLFGANG KAISER<br />

Melbourne: Seit Ende 2013 fahren die ersten neuen Bombardier-Wagen,<br />

Betreiber und Fahrgäste zeigen sich zufrieden mit dem neuen Typ OLAF GÜTTLER<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014<br />

15


Betriebe<br />

Im Schatten des<br />

Die <strong>Straßenbahn</strong> in Dortmund Drei Betriebe auf getrennten Netzen prägten die Anfangs -<br />

jahre der elektrischen <strong>Straßenbahn</strong> in Dortmund. Durch die schrittweise Vereinigung entstand<br />

ein umfangreiches Netz mit Ästen in die Nachbarstädte Unna, Schwerte und Castrop-Rauxel.<br />

Diese Verbindungen sind längst Geschichte. Der heutige Stadtbahnbetrieb, der sich in der Innenstadt<br />

seit 2008 komplett unterirdisch abspielt, erinnert kaum noch an die klassische <strong>Straßenbahn</strong><br />

16 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014


Dortmund<br />

„U“<br />

Am 16. Juni 1989 verkehrte im<br />

Bereich des Turms der Dortmunder<br />

Union-Brauerei noch oberirdisch die<br />

<strong>Straßenbahn</strong>. Der Düwag-GT8 Nr. 83<br />

trug an diesem Tag Werbung für<br />

eine der anderen damals noch existierenden<br />

Bauereien und passierte<br />

hinter dem Westentor gerade die<br />

Haltestelle für die Gegenrichtung<br />

CHRISTIAN WENGER<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014<br />

17


Betriebe<br />

Am Eröffnungstag der Dortmunder Pferdebahn, am 1. Juni 1881, ist Wagen<br />

8 vom Steinplatz an der Endstelle Fredenbaum angekommen. Das<br />

Fahrzeug gehört zur Erstausstattung SLG. SIGURD HILKENBACH (4)<br />

Unter Hoheit der in Berlin ansässigen Allgemeinen Lokal- und <strong>Straßenbahn</strong>gesellschaft<br />

entstand am Fredenbaum 1895 diese Aufnahme eines<br />

Dampfbahnzuges. Die Lokomotive war 1891 beschafft worden<br />

Um 1910 entstand auf dem Westenhellweg diese Aufnahme, im Hintergrund der Alte Markt mit<br />

dem alten Rathaus. Ab 1906 betrieb die Städtische <strong>Straßenbahn</strong> die Innenstadtlinien in Eigenregie.<br />

Tw 33 gehört zu 40 im Jahr 1899 von Herbrand und der AEG gebauten Wagen<br />

Am 9. März 1881 war es endlich soweit:<br />

Die aufstrebende Industriestadt<br />

Dortmund ebnete durch die<br />

Vertragsunterzeichnung mit dem<br />

Berliner Bauunternehmer Georg Sönderop<br />

den Weg zum Bau und Betrieb einer Pferdestraßenbahn<br />

vom Steinplatz zum Fredenbaum.<br />

Drei Monate dauerte der Bau der<br />

eingleisigen, mit einer Ausweichstelle bestückten<br />

regelspurigen Strecke, so dass Pferde<br />

ab dem 1. Juni 1881 zweiachsige Wagen<br />

durch die Stadt zogen. Zwei Monate später<br />

erfüllten sich weitere Vertragsvorgaben:<br />

Zwischen Dorstfelder Brücke und Funkenburg<br />

fuhren ab 13. August sowie zwischen<br />

dem Bahnhof und Hörde fuhren ab 27. September<br />

ebenfalls Pferdestraßenbahnen.<br />

Da die 1847 eröffnete Cöln-Mindener<br />

Eisenbahn Dortmund am nördlichen Rand<br />

der Innenstadt trennte, bestand das von<br />

Sönderop betriebene Netz aus zwei Teilen:<br />

der eine im Norden (Steinplatz – Fredenbaum)<br />

und der andere in der Innenstadt sowie<br />

im Süden.<br />

Per 4. Oktober 1881 übertrug Sönderop<br />

alle Strecken der von ihm mitbegründeten<br />

„Dortmunder <strong>Straßenbahn</strong> AG für Pferdeund<br />

Dampfbetrieb“. Da sich die Strecke nach<br />

Hörde als eine für Pferde schwer zu überwindende<br />

Steigung erwies, beschaffte die AG<br />

für diesen Ast sieben Dampflokomotiven sowie<br />

mehrere vierachsige Personenwagen. Außerdem<br />

besaß das im Februar 1882 in der<br />

Deutschen Lokal- und <strong>Straßenbahn</strong>gesellschaft<br />

aufgegangene Unternehmen etwa 100<br />

Güterwagen. Damit sollten die Zechen und<br />

die Stahlindustrien in Dortmund bedient werden.<br />

Doch die Eisenbahnen übernahmen fast<br />

alle dieser Transporte, so dass die Pferdebahngesellschaft<br />

den Güterverkehr 1890 aufgab.<br />

Ab diesem Jahr führte die Allgemeine<br />

Lokal- und <strong>Straßenbahn</strong>gesellschaft mit Sitz<br />

in Berlin den Trambetrieb in Dortmund.<br />

Die „Elektrische“ kommt!<br />

Aufgrund der wachsenden Einwohnerzahl<br />

<strong>Dortmunds</strong> kam die Pferdebahn nach zehn<br />

Jahren an ihre Grenzen. Deshalb beschloss<br />

die Betreibergesellschaft 1893 die schrittweise<br />

Umstellung auf elektrischen Betrieb.<br />

Am 1. März 1894 startete auf den Linien<br />

Dorstfeld – Funkenburg und Fredenbaum –<br />

Kronenburg der elektrische Verkehr. Innerhalb<br />

von zwei Jahren waren die übrigen<br />

noch mit Pferden oder Dampflokomotiven<br />

betriebenen Abschnitte umgestellt, die Pferdebahnwagen<br />

fanden als Beiwagen eine<br />

weitere Nutzung.<br />

Für den elektrischen Betrieb hatte die Berliner<br />

Gesellschaft 1893/94 zunächst 26<br />

Triebwagen von Herbrand mit elektrischer<br />

Ausrüstung vom Mitgesellschafter AEG beschafft.<br />

In den folgenden Jahren eröffnete<br />

das Unternehmen schrittweise neue Strecken<br />

(darunter auch die Ringlinie, die auf<br />

dem Wall die Innenstadt umrundete) und<br />

beschaffte mehrere Dutzend Wagen.<br />

Die Dortmunder <strong>Straßenbahn</strong><br />

bekommt zwei Nachbarn<br />

Am 30. Januar 1899 nahmen südlich von<br />

Dortmund die Hörder Kreisbahnen den Betrieb<br />

auf. Sie erschlossen die Stadt und den<br />

Landkreis um das bis 1928 eigenständige<br />

Hörde. Bis 1903 entstanden die jeweils meterspurigen<br />

Strecken nach Aplerbeck, Eichlinghofen,<br />

Hombruch und Wellinghofen.<br />

Kernstrecke war die Verbindung in die<br />

Nachbarstadt Schwerte (später bis Westhofen<br />

verlängert), die einen Ausläufer der<br />

Ruhrhöhen mit starken Steigungen zu überwinden<br />

hatte, was im Winter nicht selten zu<br />

Problemen führte. An mehreren Stellen der<br />

Kreisbahnen gab es Schnittpunkte mit dem<br />

regelspurigen Stadtnetz, so u. a. in Hörde<br />

selbst, in Barop und Asseln.<br />

Im Jahr 1900 waren auf dem 25 Kilometer<br />

langen Dortmunder <strong>Straßenbahn</strong>netz mit<br />

den vorhandenen 79 Trieb- und 38 Beiwagen<br />

acht Millionen Fahrgäste befördert worden.<br />

Ab 14. Dezember 1904 erhielten die<br />

Dortmunder weitere <strong>Straßenbahn</strong>anschlüsse<br />

ins Umland. Diese ermöglichten die von<br />

der AEG im Auftrag des Landkreises Dortmund<br />

errichteten und betriebenen elektrischen<br />

<strong>Straßenbahn</strong>en, die den Gemeinden<br />

Brambauer, Derne, Lünen, Wickede und<br />

Brackel ein öffentliches Verkehrsmittel bot.<br />

18 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014


Dortmund<br />

Selbst die Nachbarstädte<br />

Unna im Osten sowie Lünen<br />

und Castrop im Norden <strong>Dortmunds</strong><br />

bekamen so einen <strong>Straßenbahn</strong>anschluss<br />

an Dortmund. Ab<br />

1. Januar 1908 führte der Landkreis<br />

alle diese zuvor von der<br />

AEG betriebenen Linien selbst.<br />

Die erste Vereinigung<br />

Im Frühjahr 1906 lief der Betreibervertrag mit<br />

der Allgemeine Lokal- und <strong>Straßenbahn</strong>gesellschaft<br />

ab. Die Stadtverwaltung sah von einer<br />

Verlängerung des Vertrages ab und übernahm<br />

alle Strecken in <strong>Dortmunds</strong> Innenstadt<br />

per 1. April 1906 in eigene Regie. Unter städtischer<br />

Leitung wuchs das Netz 1907 um die<br />

Strecke Bornstraße – Westfalenburg und 1908<br />

um den Abschnitt von Westfalenburg nach<br />

Schulte-Rödding.<br />

Um 1907 entstand ebenfalls am<br />

Fredenbaum diese Aufnahme<br />

zweier Züge der Allgemeinen<br />

Lokal- und <strong>Straßenbahn</strong>gesellschaft<br />

jeweils mit Sommer- und<br />

geschlossenen Beiwagen<br />

Die Dortmunder <strong>Straßenbahn</strong> -<br />

linien in den Stadtgrenzen<br />

von 1930<br />

GRAFIK: BERND ZANDER AUS „DIE STRASSEN -<br />

BAHNEN IN DORTMUND 1881–1992“ (QUELLE 1)<br />

Im Jahr 1910 gab es eine große Veränderung<br />

im Betrieb der Städtischen <strong>Straßenbahn</strong><br />

Dortmund: Der neue Hauptbahnhof ging in<br />

Betrieb. Die Eisenbahn trennt Dortmund<br />

seitdem auf einem hohen<br />

Damm, der jedoch unter den Brücken<br />

einfach zu unterqueren ist.<br />

Dies nützte insbesondere der bislang<br />

zweigeteilten städtischen <strong>Straßenbahn</strong>, die<br />

das nördliche und das südliche Netz unter<br />

drei Eisenbahnbrücken miteinander verband.<br />

Ein weiterer wichtiger Tag in der Dortmunder<br />

Geschichte war der 1. Juli 1914: An<br />

diesem Tag übernahm die von der Stadt gegründete<br />

Dortmunder <strong>Straßenbahn</strong> GmbH<br />

sowohl den Betrieb der schon zuvor unter<br />

städtischer Leitung betriebenen Strecken als<br />

auch das Netz der Elektrischen <strong>Straßenbahn</strong><br />

des Landkreises Dortmund. Dies war durch<br />

die Eingemeindung westlich und nördlich<br />

von Dortmund gelegener Dörfer nötig und<br />

möglich geworden. Damit änderte sich das<br />

Liniennetz ganz wesentlich – Fahrgäste in die<br />

außerhalb von Dortmund gelegenen Dörfer<br />

mussten ab sofort weniger umsteigen. Im<br />

Gründungsjahr der GmbH zählte der Fahrzeugpark<br />

194 Trieb- und 171 Beiwagen.<br />

Schnellstraßenbahnen und „U-Boote“<br />

im Vorfeld der zweiten Vereinigung<br />

Der Erste Weltkrieg hatte nur wenige Auswirkungen<br />

auf den <strong>Straßenbahn</strong>betrieb. War<br />

die Arbeit als Wagenführer bis jetzt eine reine<br />

Männerarbeit gewesen, übernahmen in<br />

diesen Jahren auch Frauen die Kurbel.<br />

Im Jahr 1923 fand die erste Streckeneröffnung<br />

in der Nachkriegszeit statt. Die<br />

neue Linie zweigte in Huckarde von der<br />

städtischen <strong>Straßenbahn</strong> ab und führte<br />

durch Westerfilde nach Mengede. Für den<br />

Betrieb als Schnellstraßenbahnlinie be-<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014<br />

19


Betriebe<br />

Vor dem 1910 eingeweihten Hauptbahnhof steht 1932<br />

ein Schnellstraßenbahnzug nach Mengede bereit. Der<br />

vierachsige Tw 2 (Uerdingen 1925) kann sowohl unter<br />

1.200 als auch 600 Volt Gleichstrom verkehren. Die zehn<br />

1925 von Linke-Hoffmann gelieferten Beiwagen<br />

(hier Nr. 806) trugen den Spitznamen „U-Boot“<br />

CARL BELLINGRODT, SLG. SIGURD HILKENBACH<br />

Entwicklung der Fahrgastzahlen bei <strong>Dortmunds</strong> <strong>Straßenbahn</strong>/Stadtbahn<br />

Jahr 1900 1915 1930 1935 1941 1955 1960 1970 1980 1990 2000 2003 2006 2009 2012<br />

Fahrgastzahlen in Mio. 8 39 75 35 90 92 125 54 80 81 105 122 130 143 134<br />

schaffte die GmbH 1925/26 zehn vierachsige<br />

Triebwagen. Ihre Technik ermöglichte einen<br />

Einsatz sowohl auf der eine Zeit lang<br />

mit 1.200 Volt Gleichstrom betriebenen<br />

Neubaustrecke als auch auf den mit 600<br />

Volt gespeisten Innenstadtstrecken.<br />

In dieser Zeit beschaffte die <strong>Straßenbahn</strong>gesellschaft<br />

auch spezielle Beiwagen, die im<br />

Volksmund den Beinamen „U-Boote“ trugen.<br />

Dabei handelte es sich um tiefliegende<br />

Beiwagen mit Mitteleinstieg, die fast schon<br />

als Vorgänger der Niederflurwagen gehandelt<br />

werden könnten – zumindest von außen.<br />

Zwischen 1925 und 1927 erfolgten größere<br />

Änderungen und weitere Strecken -<br />

verlängerungen im <strong>Straßenbahn</strong>netz. Die<br />

wichtigste Umbaumaßnahme betraf die Verlegung<br />

des auf dem Osten- bzw. Westenhellweg<br />

in Richtung Dorstfeld führenden Gleises<br />

in die Kampstraße. Das entlastete den<br />

schmalen Hellweg und bot den einkaufenden<br />

Kunden in dieser Einkaufsstraße mehr Platz.<br />

Mit der bevorstehenden Eingemeindung<br />

von Hörde und dessen Landkreisgemeinden<br />

zu Dortmund übernahm die Dortmunder<br />

<strong>Straßenbahn</strong> GmbH nach Zander ( 1 ) im<br />

Jahr 1927, nach Höltge ( 2 ) am 14. April<br />

1928 die meterspurigen Hörder Kreisbahnen.<br />

Danach erfolgte die Umspurung erster<br />

„Hörder-Linien“ auf 1.435 Millimeter.<br />

Erste Stilllegungen<br />

Anfang der 1930er-Jahre hatte die Dortmunder<br />

<strong>Straßenbahn</strong> ihren Höhepunkt erreicht.<br />

Mehr als 20 Linien bedienten die<br />

Stadt und verbanden sie mit fast allen<br />

Nachbargemeinden, wo es teilweise Umsteigemöglichkeiten<br />

zu anderen Betrieben<br />

wie zum Beispiel zur Bogestra und den Vestischen<br />

Kleinbahnen gab.<br />

Mitte der 1930er-Jahre erfolgten dann die<br />

ersten Stilllegungen im <strong>Straßenbahn</strong>netz:<br />

1934 verkehrte die letzte <strong>Straßenbahn</strong> von<br />

Aplerbeck nach Asseln (ex Hörder Kreisbahnen)<br />

und auch zwischen Derne und der<br />

nördlichen Nachbarstadt Lünen entfiel der<br />

<strong>Straßenbahn</strong>betrieb.<br />

Zählte die <strong>Straßenbahn</strong> 1930 noch 75<br />

Millionen Fahrgäste, so sank diese Zahl in<br />

den folgenden vier Jahren um mehr als die<br />

Hälfte auf 35 Millionen, was jedoch durch<br />

den danach einsetzenden Wirtschaftsaufschwung<br />

in Vergessenheit geriet. 1939 ging<br />

die Dortmunder <strong>Straßenbahn</strong> GmbH in der<br />

Dortmunder Stadtwerke AG auf. Ab 1942<br />

ersetzten Obusse zum Beispiel die Ringlinie<br />

sowie ab 1943 auch ehemalige Strecken der<br />

Hörder Kreisbahnen, eine Umstellung aller<br />

Meterspurlinien unterblieb aufgrund der<br />

Kriegsereignisse.<br />

1945 neun Tage völlige Betriebspause<br />

Der Zweite Weltkrieg hatte deutlich größere<br />

Folgen auf den Dortmunder <strong>Straßenbahn</strong>betrieb<br />

als der Erste. Nachdem durch<br />

die ersten alliierten Luftangriffe mehrere<br />

Fahrzeuge zerstört waren, holten die Stadtwerke<br />

gebrauchte Triebwagen aus Brüssel,<br />

Amsterdam und Rotterdam nach Dortmund,<br />

mit denen sie den Betrieb aufrecht erhielten.<br />

Nach der größten Bombardierung der Stadt<br />

am 12. März 1945 war die Innenstadt zu 95<br />

Prozent zerstört – und von einstmals 400<br />

<strong>Straßenbahn</strong>fahrzeugen standen nur noch 45<br />

zur Verfügung. Da auch der Großteil der<br />

Gleisanlagen demoliert war, beschränkte sich<br />

der Betrieb nach neun Tagen völliger Betriebspause<br />

ab dem 18. Mai 1945 auf die<br />

20 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014


Dortmund<br />

Noch im Herstellerwerk Uerdingen entstand<br />

1914 diese Aufnahme des Dortmunder<br />

Tw 148. Ab 1913 entstanden mehr als 50<br />

solcher Lenkzweiachser mit Kardanantrieb<br />

SLG. SIGURD HILKENBACH (4)<br />

ländlichen Gegenden <strong>Dortmunds</strong>, die weniger<br />

zerstört waren. In den Nachkriegsmonaten<br />

erfolgte die schrittweise Reaktivierung<br />

des Netzes, so dass im Dezember 1945 von<br />

130 Kilometern (1941) acht Teile mit 70 Kilometer<br />

Länge wieder in Betrieb waren. Im<br />

Rahmen des Wiederaufbaus der Strecken erfolgten<br />

aber auch Stilllegungen. Davon war<br />

unter anderem die Ringlinie betroffen.<br />

Neue Fahrzeuge<br />

und weitere Stilllegungen<br />

In den Nachkriegsjahren bereitete den Dortmunder<br />

Stadtwerken vor allem der Fahrzeugmangel<br />

Sorge. Erst nach der Inbetriebnahme<br />

reparierter Triebwagen konnten sie<br />

das Netz ab 1948 annähernd wieder wie in<br />

den Vorkriegsjahren betreiben. 1949/50<br />

entspannte sich die Situation weiter, als sowohl<br />

Aufbauwagen auf alten Untergestellen<br />

als auch Neubaufahrzeuge von den Firmen<br />

Fuchs, Düwag und Westwaggon eintrafen.<br />

Dies half, die Kapazitätsengpässe auf den<br />

Linien zu beseitigen und die Nachfrage ab<br />

den 1950er-Jahren besser zu bedienen.<br />

Die ersten Stilllegungen des nächsten<br />

Jahrzehnts trafen die letzten ex Hörder<br />

Schmalspurlinien: Am 16. Juni 1952 fuhr<br />

der letzte Wagen von Aplerbeck nach Hörde,<br />

am 4. Mai 1953 zwischen Hörde und<br />

Berghofen sowie am 30. Juni 1954 von<br />

Berghofen nach Schwerte. Damit war der<br />

Meterspurbetrieb beendet.<br />

<strong>Dortmunds</strong> Gleisstern<br />

Um einen besseren Anschluss zwischen den<br />

<strong>Straßenbahn</strong>linien in der Innenstadt zu bieten,<br />

ließ die Dortmunder Stadtwerke AG 1953 einen<br />

Gleisstern an der Reinoldikirche errichten.<br />

Hier trafen sich zentral fast alle Linien des<br />

Für die stark frequentierte Ringlinie beschaffte die Dortmunder <strong>Straßenbahn</strong>gesellschaft 1930<br />

von der Waggonfabrik Schöndorff zwölf zweiachsige Triebwagen mit Mitteleinstieg. Um mehr<br />

Platz für Sitzbänke zu gewinnen, verschloss der Betrieb später die Mittelstiege<br />

Dortmunder <strong>Straßenbahn</strong>netzes und konnten<br />

mittels 16 Weichen in alle vier Himmelsrichtungen<br />

abbiegen. Diese „Riesenkreuzung“<br />

blieb jedoch die einzige in Dortmund.<br />

Im den Jahren 1953/54 lieferte die Düwag<br />

die ersten vierachsigen Großraumwagen (Nr.<br />

301 bis 306), für die 1958 passende Beiwagen<br />

von Credé eintrafen. Zuvor entstand<br />

1954 in Eigenregie der Stadtwerke aus dem<br />

Aufbautriebwagen 286 und dem Bw 715 der<br />

vierachsige Gelenktriebwagen 291 mit<br />

schwebendem Mittelteil. In ähnlicher Bauart<br />

beschafften die Stadtwerke später 26 GT von<br />

der Hansa Waggonbau GmbH in Bremen.<br />

Im Jahr 1955 verkehrten auf <strong>Dortmunds</strong><br />

<strong>Straßenbahn</strong> 17 Linien, auf denen 92 Millionen<br />

Fahrgäste unterwegs waren. Doch<br />

die Konkurrenz von Obus und Autobus<br />

wuchs. So verkehrte am 1. Juli 1958 der<br />

letzte <strong>Straßenbahn</strong>wagen auf der Linie 10<br />

Auf der von den Hörder Kreisbahnen errichteten meterspurigen Linie 16<br />

Hörde – Schwerte Bahnhof entstand um 1940 diese Aufnahmen des<br />

Tw 399 (Talbot 1926, ex Tw 59) mit Rollenstromabnehmer<br />

Den elektrischen Teil der in Zweitbelegung als Tw 1 bis 10 geführten<br />

Vierachser (Uerdingen 1925/26) hatte Siemens geliefert. 1959 schieden<br />

die letzten Exemplare dieses Typs aus, hier Tw 1 um 1940<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014<br />

21


Betriebe<br />

Der 1927 vom Düsseldorfer Eisenbahnbedarf und BBC gebaute Tw 237 fährt am 17. September 1962<br />

mit einem Vorkriegsbeiwagen als Linie 13 nach Lindenhorst im Bereich Freistuhl<br />

Am Dortmunder Hauptbahnhof passiert der 1980 ausgemusterte Hansa-Gelenkwagen 418 am<br />

17. September 1962 zwei dort pausierende Wagen. Der GT4 entstand nach dem Vorbild des Dortmunder<br />

Eigenbautriebwagens Nr. 291 (später Tw 437) SIGURD HILKENBACH (2)<br />

Der 1959 gebaute Düwag-GT8 Nr. 73 ist 1962 auf der im April 1965 eingestellten Strecke von<br />

Wickede nach Unna unterwegs. 1993 ließen ihn die DSW verschrotten HANS VAN ENGELEN/SLG. MIK<br />

zwischen Habinghorst und Henrichenburg<br />

(Castrop-Rauxel).<br />

Neues für Bundesgartenschau und<br />

Ende für Altbauwagen und Strecken<br />

Anlässlich der Bundesgartenschau 1959<br />

entstand nicht nur der unübersehbare Fernsehturm<br />

im Westfalenpark, sondern auch<br />

eine neue <strong>Straßenbahn</strong>linie von der Markgrafenstraße<br />

nach Hacheney, die am 30.<br />

April 1959 in Betrieb ging. Die auf einer<br />

Schnellstraße trassierte Neubaulinie erschloss<br />

sowohl den Westfalenpark als auch<br />

den Rombergpark und den Tierpark mit<br />

Haltestellen. 1959 trafen aber auch 41 Düwag-<br />

und Hansa Waggonbau-GT8 in Dortmund<br />

ein. Sie ersetzten den Großteil der alten<br />

Zweiachser.<br />

Im Jahr 1960 beförderten die Stadtwerke<br />

auf dem damals 110 Kilometer langen<br />

<strong>Straßenbahn</strong>netz erstmals mehr als 125<br />

Millionen Fahrgäste.<br />

Am 1. Januar dieses Jahres war ein Gesetz<br />

in Kraft getreten, das den Einsatz von <strong>Straßenbahn</strong>fahrzeugen<br />

ohne Rückleuchten,<br />

Bremslichter und Magnetschienenbremsen<br />

verbot. Daraufhin ließen die Stadtwerke<br />

zahlreiche Vorkriegsfahrzeuge nachrüsten,<br />

andere vor 1930 gebaute Wagen ließen sie<br />

zum Beispiel im Betriebshof Castrop-Rauxel<br />

1960 abbrennen. Bis 1963 erfolgte zugleich<br />

die schrittweise Stilllegung der Linie 2 von<br />

Marten über Kirchlinde nach Castrop-Rauxel-Habinghorst.<br />

Durch die Inbetriebnahme von neu trassierten<br />

Strecken fuhr 1964 die letzte <strong>Straßenbahn</strong><br />

durchs Kaiserstraßen-Viertel zur<br />

Funkenburg, Busse löste sie im April 1965<br />

zwischen Wickede und Unna ab. Die Linie<br />

nach Lünen-Brambauer war danach die<br />

letzte <strong>Straßenbahn</strong>verbindung in eine Nachbarstadt.<br />

Mitte der 1960er-Jahre nahmen<br />

die Stadtwerke aber den Betrieb auf zwei<br />

Neubaustrecken auf. Einerseits gab es einen<br />

kurzen neuen Abschnitt für die Linie 4 in<br />

der Innenstadt über die Weißenburger Straße<br />

und andererseits eröffnete 1967 die unterirdische<br />

Haltestelle Westfalenhallen, die<br />

parallel zu einer Unterführung für Autos<br />

und <strong>Straßenbahn</strong> unter der B1 entstanden<br />

war. Im Jahr 1966 trafen 25 und drei Jahre<br />

später nochmals zehn neue Düwag-GT8 in<br />

Dortmund ein. Damit rückte die Ablösung<br />

der letzten Zweiachser immer näher.<br />

Die ersten Vorbereitungen<br />

für die Stadtbahn<br />

Nachdem der Dortmunder Rat 1966 dem<br />

Bau einer Stadtbahn beschlossen hatte, begannen<br />

am 22. Oktober 1969 am Freistuhl<br />

in der Nähe des Hauptbahnhofes die Arbeiten<br />

für den Nord-Süd-Tunnel, ein Projekt,<br />

das mehrere Jahre in Anspruch nahm.<br />

In der Zwischenzeit führten die Stadtwerke<br />

ab 1970 die Fahrgastselbstbedienung ein.<br />

22 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014


Dortmund<br />

Bereits zwei Jahre<br />

vor der Linie 9 nach<br />

Unna kam für die<br />

Städteverbindung<br />

zwischen Dortmund<br />

und Castrop-Rauxel<br />

das Aus. Die Linie 2,<br />

die wie hier mit<br />

Tw 251 reichlich<br />

ruhrgebietstypische<br />

Dorf- und Vorstadtkulissen<br />

bot, wurde<br />

schrittweise bis<br />

1963 eingestellt<br />

HANS VAN ENGELEN/SLG. MIK<br />

Im Betriebshof Dorstfeld gaben sich am 17. Februar<br />

1976 die Tw 424, 436 und 434 ein Stelldichein.<br />

Anders als es auf dem ersten Blick<br />

erscheint, handelt es dabei um keine Zweiachser,<br />

sondern um vierachsige Gelenkwagen<br />

mit schwebenden Mittelteil von Hansa aus<br />

Bremen<br />

SIGURD HILKENBACH<br />

Den Auftakt dafür gab die Linie 16 Hörde –<br />

Schulte Rödding, auf der die im Vorjahr gelieferten<br />

GT8 zum Einsatz kamen.<br />

Mit den Fahrplänen 1970 und 1971 gab<br />

es weitere Veränderungen: Von nun an galt<br />

ein Zehnminutentakt auf allen Linien und<br />

die sogenannten „Zehnerlinien“ verschwanden<br />

aus den Fahrplänen. Diese waren<br />

wie die „Zwanzigerlinien“ Ergänzungslinien<br />

zu den „normalen“ Linien,<br />

beispielsweise mit einem früheren Endpunkt.<br />

Die Zwanzigerlinien waren Verstärker<br />

in der Hauptverkehrszeit und blieben<br />

bis zu ihrer Einstellung ein Einsatzgebiet für<br />

die letzten Zweiachser.<br />

Zur Umstellung auf Busbetrieb legten die<br />

Stadtwerke 1970 die Linie 4 von der Kirchderner<br />

Straße nach Scharnhorst sowie im<br />

Folgejahr die Linie 7 von Aplerbeck zum<br />

Schwerter Wald still. Im Jahr 1973 ereilte<br />

dieses Schicksal die Linie 3 von der Zeche<br />

Minister Stein nach Lindenhorst. Im folgenden<br />

Jahr endete der <strong>Straßenbahn</strong>betrieb<br />

der Linie 27 vom Nußbaumweg zur Rennbahn,<br />

gleichzeitig trafen 15 neue GT8 ein,<br />

womit in Summe bereits 91 dieser Wagen<br />

zur Verfügung standen.<br />

Am 14. Mai 1976 endete der Verkehr auf<br />

Linie 6 von der Franz-Zimmer-Siedlung<br />

nach Derne. Dafür ging am Folgetag vom<br />

nunmehrigen Endpunkt Kirchderne eine<br />

Schnellstraßenbahn in die „Trabantenstadt“<br />

Scharnhorst in Betrieb. So hatten nun die<br />

Stadtteile Scharnhorst und Grevel einen direkten<br />

Anschluss an die Innenstadt. Diese<br />

Schnellstraßenbahnstrecke war mit Hinblick<br />

auf die Umstellung auf Stadtbahnbetrieb<br />

gebaut worden.<br />

Der nächste Schritt zur Stadtbahn<br />

Im Herbst 1978 trafen in Vorbereitung des<br />

Stadtbahnbetriebes die ersten 20 Stadt- und<br />

<strong>Straßenbahn</strong>wagen vom Düwag-Typ N8C in<br />

Dortmund ein. Zum Einen sollten sie ein<br />

wichtiger Vorbote für die (Teil-)Umstellung<br />

auf Stadtbahnbetrieb sein, zum Anderen sollten<br />

sie auch für den Einsatz auf den <strong>Straßenbahn</strong>strecken<br />

geeignet sein, da eine schnelle<br />

und vollständige Umstellung auf Stadtbahnbetrieb<br />

von Anfang an nicht möglich erschien.<br />

Da sich die Fronten der neuen Wagen<br />

nach vorn vergleichsweise wenig verjüngten,<br />

vergrößerten die Dortmunder Stadtwerke<br />

(DSW) in mehreren Bögen die Gleisabstände.<br />

Nach einer kurzen Testphase gingen die<br />

N8C zunächst auf der Linie 5 Mengede –<br />

Hacheney in Betrieb. Nach vollständiger<br />

Auslieferung der ersten Serie gelangten die ab<br />

1954 gebauten GT4 aufs Abstellgleis.<br />

Seit 1. Januar 1980 gehört der Dortmunder<br />

Nahverkehr zum Verkehrsverbund<br />

Rhein-Ruhr. Um Verwechslungen mit anderen<br />

Betrieben zu vermeiden, erhöhten die<br />

DSW die Nummern der neuen <strong>Straßenbahn</strong>linien<br />

um 400. In diesem Jahr beförderten<br />

die DSW mit 112 Trieb- und dem<br />

einzigen verbliebenen Beiwagen rund 79<br />

Millionen Fahrgäste.<br />

Am 31. Mai 1981 feierten die Stadtwerke<br />

das 100. Jubiläum der Dortmunder <strong>Straßenbahn</strong>.<br />

In den folgenden Monaten trafen<br />

bis 1982 weitere 34 Düwag-N8C ein, womit<br />

sich deren Anzahl auf 54 erhöhte. Nach Indienststellung<br />

aller Neuwagen musterten die<br />

Stadtwerke die ältesten GT8 von 1959 aus.<br />

<strong>Dortmunds</strong> erste Stadtbahn<br />

und die ersten B-Wagen<br />

Als zweiter Schritt in Richtung Stadtbahn<br />

eröffnete am 27. Mai 1983 der erste Stadtbahntunnel<br />

im Süden von Dortmund. In<br />

Hörde fuhr von nun an zwischen Wilhelm-<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014 23


Betriebe<br />

Der 1996 verschrottete GT8 Nr. 85 (Düwag 1969, bis 1973 Triebwagen 9) bediente<br />

am 7. Mai 1994 in Dortmund die Haltestelle Ritterstraße<br />

MICHAEL BEITELSMANN<br />

van-Vloten-Straße und Clarenberg die Linie<br />

401 im Tunnel. Gleichzeitig endete der Verkehr<br />

zwischen Hörde und Brücherhofstraße,<br />

was das endgültige Aus für eine „echte“<br />

<strong>Straßenbahn</strong> in Hörde bedeutete.<br />

Ein Jahr später, am 2. Juni 1984, ging der<br />

Stadtbahntunnel I mitsamt seiner Zulaufstrecken<br />

in Betrieb. Von nun an waren die<br />

Nord-Süd-verbindenden Linien in der Innenstadt<br />

im Tunnel unterwegs, was auch die<br />

Stilllegung für mehrere <strong>Straßenbahn</strong>strecken<br />

innerhalb des Wallrings zur Folge hatte.<br />

Somit fuhren nur noch <strong>Straßenbahn</strong>en<br />

auf der Kampstraße (Ost-West-Linien),<br />

Hansastraße (aus Hombruch) und auf dem<br />

Brüderweg oberirdisch. Die Linien 401, 405<br />

und 407 wurden fortan als U-Bahnlinien<br />

U41, U45 und U47 geführt. Doch völlig fertiggestellt<br />

war der Tunnel noch nicht, da an<br />

der Station Märkische Straße im Süden die<br />

Stadtbahnen noch über eine provisorische<br />

Rampe ausfuhren und danach oberirdisch<br />

nach Hörde beziehungsweise nach Aplerbeck<br />

gelangten. Den Lückenschluss vollzogen<br />

die DSW am 16. Juni 1986, die U41<br />

fuhr bis Hörde nun komplett im Tunnel.<br />

Zuvor fand 1984 ein vom Tunnel unabhängige<br />

Stilllegung statt: Die Stadtwerke<br />

kappten die Linie 404 an der Westfalenhütte.<br />

Der zuletzt nur noch von den Beschäftigten<br />

der Hoesch-Werke genutzte Abschnitt<br />

ging außer Betrieb.<br />

Nach der Eröffnung des Tunnels I waren<br />

nun auch dessen Zulaufstrecken teilweise<br />

stadtbahnmäßig ausgebaut und es bot sich ein<br />

Einsatz von Stadtbahnwagen B an. Im Dezember<br />

1986 lieferte die Düwag die ersten<br />

„echten“ Stadtbahnwagen Dortmund – zehn<br />

B-Wagen der zweiten Generation vom Typ<br />

B80C. Das bis dahin typisch Dortmunder<br />

braun/beige-Design wich bei den neuen Fahrzeugen<br />

den Stadtfarben Rot/Weiß. Das erste<br />

Einsatzgebiet der B80C war die U41 zwischen<br />

Fredenbaum und Hörde.<br />

Das Aus für die <strong>Straßenbahn</strong><br />

nach Mengede<br />

Am 31. März 1989 fuhr die letzte <strong>Straßenbahn</strong><br />

von Westerfilde nach Mengede.<br />

Grund dafür waren die voranschreitenden<br />

Bauarbeiten an der neuen S-Bahnlinie der<br />

Deutschen Bundesbahn. Damit war 1990<br />

das Dortmunder Straßen- bzw. Stadtbahnnetz<br />

auf 71,5 Kilometer Länge geschrumpft.<br />

Die für Dortmund viele Jahre typische braunbeige<br />

„Schokoladen-Lackierung“ trägt der<br />

N8-Tw 123, der hier am 12. April 2007 die Haltestelle<br />

Westentor verlässt BERNHARD KUSSMAGK<br />

24 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014


Dortmund<br />

Aktuelle Daten & Fakten:<br />

Stadtbahn Dortmund<br />

Betreiber:. . . Dortmunder Stadtwerke AG (DSW21)<br />

Anzahl Linien:. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8<br />

Streckennetzlänge: . . . . . . . . . . . . . . . . . 75 km,<br />

davon 20,5 km im Tunnel<br />

Spurweite: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1.435 mm<br />

Haltestellen: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 123<br />

Triebwagen: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 121<br />

davon B6 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 43<br />

davon B8 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 21<br />

davon B100S . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10<br />

davon NGT8 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 47<br />

Betriebshöfe: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1<br />

Die industrielle Seite <strong>Dortmunds</strong> zeigt diese Aufnahme vom 25. April 1995 aus Eving. Der auf der<br />

Stadtbahnlinie U45 eingesetzte Tw 121 fährt zur Westfalenhalle<br />

MICHAEL BEITELSMANN<br />

Auf diesem beförderten die DSW mit ihren<br />

107 Triebwagen rund 81 Millionen Fahrgäste.<br />

Mit dem Fahrplan 1990 teilten sie die<br />

U45 in die „neue“ U45 von Westerfilde<br />

nach Westfalenstadion und in die U49 von<br />

Westerfilde nach Hacheney.<br />

Ab 8. Januar 1991 kam eine zweite Serie<br />

von 14 B-Wagen nach Dortmund, die nunmehr<br />

die typisch weiß/rote Stadtbahnlackierung<br />

trug. Von 1992 bis 1994 trafen<br />

jährlich zehn weitere B-Wagen ein.<br />

Im Jahr 1992 erfolgte die nächste Eröffnung:<br />

Ein Teilstück des Tunnel II zwischen<br />

Stadtgarten (Umsteigemöglichkeit in Tunnel I)<br />

und Brunnenstraße ging in Betrieb. Gleichzeitig<br />

änderten sich auch mehrere Laufwege<br />

der <strong>Straßenbahn</strong>linien. Bis zur Tunneleröffnung<br />

verband die Linie 402 Hombruch mit<br />

Grevel. Nach dem neuen Fahrplan ging nun<br />

die U42 zwischen Stadtgarten und Grevel in<br />

Betrieb, womit die 408 Hombruch – Asseln<br />

(– Wickede) die 402 ersetzte.<br />

In den folgenden Jahren stellten die DSW<br />

die nächsten Abschnitte des Tunnels II fertig.<br />

So verlängerten sie 1995 die U42 von<br />

Stadtgarten um eine Tunnelstation bis zu<br />

den Städtischen Kliniken und errichteten bis<br />

zur Eröffnung am 2. Juni 1996 einen Abzweig<br />

unter der Hohen Straße hindurch mit<br />

den Stationen Saarlandstraße und Polizeipräsidium.<br />

Am 21. Mai 1998 erfolgte dann<br />

auch der Lückenschluss zwischen letzterer<br />

Station und Westfalenhallen. Damit bestand<br />

nun eine Verbindung im Linienbetrieb zwischen<br />

Tunnel I und II über Westfalenhallen<br />

– Remydamm – Westfalenpark.<br />

B-Wagen mit Mittelteil und<br />

immer weniger <strong>Straßenbahn</strong>en<br />

Mitte der 1990er-Jahre benötigte Dortmund<br />

erneut weitere B-Wagen. Die DSW mussten<br />

eine Lösung finden, die einerseits deutlich<br />

günstiger als der Kauf von Neuwagen war,<br />

aber andererseits die enorm gestiegenen Fahrgastzahlen<br />

bewältigen konnte. Als Zwischenlösung<br />

entwickelten sie gemeinsam mit<br />

der Düwag ein Mittelteil für die vorhandenen<br />

B80C. Somit stattete Dortmund als erster<br />

und einziger Nahverkehrsbetrieb einen Teil<br />

seiner B-Wagen (elf Stück) mit Mittelteilen<br />

aus. Die 43 Sechs- und 21 Achtachser (einschließlich<br />

zehn 1998 so gelieferter Wagen)<br />

nannten die DSW fortan der Einfachheit halber<br />

B6 bzw. B8. Am 16. Juni 2002 eröffnete<br />

schließlich der letzte Abschnitt des Tunnels<br />

II. Von den Städtischen Kliniken fuhr ab<br />

dato die U42 über die neuen, unterirdischen<br />

Haltestellen Möllerbrücke und Kreuzstraße<br />

nach Hombruch. Damit kam das Ende für<br />

die 408 und somit waren nur noch zwei<br />

„echte“ <strong>Straßenbahn</strong>linien in Betrieb.<br />

Mit der Eröffnung der U42 kam der B-<br />

Wagen-Park schnell an seine Grenzen. Es bestand<br />

Bedarf an neuen Hochflurwagen. Da<br />

aber die Düwag vom Bau einer Kleinserie B-<br />

Wagen Abstand nahm und es keine kostengünstigen<br />

Anbieter für andere geeignete<br />

Neufahrzeuge gab, entschieden sich die<br />

DSW zum Kauf von gebrauchten B-Wagen<br />

aus Bonn. Im Jahr 2003 trafen 13 in Dortmund<br />

danach als B100S bezeichnete Wagen<br />

ein. Drei davon dienten als Ersatzteilspender<br />

und zehn kamen und kommen ausschließlich<br />

auf der U42 zum Einsatz. Doch die<br />

B100S sind nicht mit den Dortmunder B6<br />

und B8 kompatibel, weshalb die „Bonner“<br />

nur typenrein in Doppeltraktion verkehren.<br />

Neue Fahrzeuge und neuer Tunnel<br />

Das nächste große Ereignis in der Geschichte<br />

der Dortmunder Stadtbahn war die<br />

Eröffnung des Innenstadt-Tunnels III. Er<br />

brachte ab 27. April 2008 die Linien 403<br />

und 404 – nun als U43 und U44 bezeichnet<br />

Zwei in den Stadtbahnfarben Rot/Weiß lackierte N8C kreuzen an der<br />

Haltestelle Zugstraße, ehe in beiden Fahrtrichtungen eingleisige Streckenabschnitte<br />

folgen CHRISTIAN LÜCKER (2)<br />

Auf dem Brackeler Hellweg ist die hier oberirdisch verlaufende U43 hingegen<br />

zweigleisig trassiert. Hinter dem ebenfalls am 4. Juli 2009 aufgenommenen<br />

Tw 154 fährt ein anderer N8C in Richtung Dorstfeld<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014<br />

25


(<br />

(<br />

U46<br />

(<br />

(<br />

U41<br />

U42<br />

U43<br />

U44<br />

U45<br />

U46<br />

U47<br />

U49<br />

Brambauer – Brechten – Clarenberg<br />

Grevel – Hombruch<br />

Dorstfeld Btf – Wickede<br />

Westentor – Brackel<br />

Marten – Westfalenhütte<br />

Dortmund Hbf – Westfalenhallen<br />

Westfalenhallen – Brunnenstraße<br />

Westerfilde – Aplerbeck<br />

(Hafen –) Dortmund Hbf – Hacheney<br />

LÜNEN<br />

U41<br />

Brambauer Verkehrshof<br />

Brambauer Krankenhaus<br />

Herrentheystraße<br />

Brechtener Str.<br />

Dollersweg U43<br />

Bockumweg<br />

S<br />

Asseln Ruckebierstr. Zugstr.<br />

Eichwaldstr.<br />

Wickede DO-Wickede<br />

U43<br />

Brackel Businkstr. Aplerbecker Str.<br />

Post<br />

S<br />

In den Börten<br />

Am Hagedorn<br />

Wickede West<br />

U43<br />

S<br />

Döringhoff<br />

Asseln Mitte<br />

Brackel Verwaltungsstelle<br />

Hellweg<br />

Hellweg<br />

S4 Unna<br />

Stadtbahn (1435 mm)<br />

auf unabhängigem Bahnkörper (U-Bahn-Standard)<br />

Stadtbahn (nicht kreuzungsfrei)<br />

eingleisiger Abschnitt<br />

Gelsenkirchen<br />

Herne<br />

Oetringhauser Straße<br />

Evinger Str.<br />

U41<br />

Brechten Zentrum<br />

Wittichstraße<br />

Maienweg<br />

Waldesruh<br />

<strong>Straßenbahn</strong> (1435 mm)<br />

unterirdisch (U-Strab mit Niedrigbahnsteigen)<br />

auf besonderem oder straßenbündigem Bahnkörper<br />

eingleisiger Abschnitt<br />

H-Bahn (Schwebebahn)<br />

Andere Bahnstrecken (inkl. S-Bahn)<br />

* Gleisverschlingung<br />

DO-Derne<br />

Lünen<br />

U42<br />

Grevel<br />

Grävingholz<br />

Droote<br />

Kirchderne<br />

S2 Herne<br />

Externberg Franz-Zimmer-Siedlung<br />

Castrup-Rauxel<br />

Scharnhorst Zentrum<br />

Gelsenkirchen<br />

Obernette<br />

Amtsstraße Schulte Rödding<br />

DO-Westerfilde<br />

S<br />

Zeche Minister Stein<br />

Kirchderne<br />

Gleiwitzstraße Flughafenstraße<br />

U47<br />

Bauernkamp<br />

Hamm<br />

Niveaugleiche Kreuzung mit Güterbahn<br />

Bielefeld<br />

An den Teichen<br />

Güterstraße<br />

Buschstraße<br />

Burgholz<br />

DO-Scharnhorst<br />

Parsevalstr. Huckarde<br />

Bushof<br />

Fredenbaum<br />

Huckarde<br />

Eisenstr.<br />

*<br />

Nord<br />

Immermannstr. /<br />

Huckarde S<br />

Klinikzentrum Nord<br />

Huckarde<br />

Glückaufstr.<br />

Abzweig<br />

U44<br />

Lortzingstr.<br />

Westfalenhütte<br />

Münsterstr.<br />

U46<br />

Schützenstr.<br />

Vincenzheim<br />

Brackel<br />

DO-Rahm Insterburger Str.<br />

U49<br />

Brunnenstr.<br />

Verwaltungsstelle<br />

Leopoldstr.<br />

Borsigplatz<br />

Oberdorfstr.<br />

Hafen<br />

Rüschebrinkstr.<br />

Enscheder Str.<br />

S<br />

Brügmannplatz<br />

Geschwister-Scholl-Str.<br />

S<br />

DORTMUND Hbf<br />

Juchostr.<br />

Pothecke Knappschaftskrankenhaus<br />

Brackel<br />

U45 U49<br />

Kirche<br />

Wischlingen<br />

Herne<br />

S<br />

Dorstfeld<br />

S<br />

DO-Brackel<br />

S4 DO-Lütgendortmund<br />

Betriebshof<br />

Kampstr.<br />

Ostentor<br />

Berliner Str.<br />

Knappschaftskrankenhaus<br />

U43<br />

Marten<br />

Wittener Str Ọttostr.<br />

Unionstr.<br />

Lippestr.<br />

Ofenstr.<br />

Westentor<br />

Reinoldikirche<br />

Funkenburg Von-der-Tann-Str.<br />

Am Zehnthof<br />

Walbertstr./<br />

S<br />

Schulmuseum<br />

Heinrichstr. U43<br />

Auf dem<br />

Städtische Kliniken<br />

Stadtgarten<br />

Körne<br />

Brümmer Poth<br />

S<br />

S<br />

U44 S<br />

S<br />

DO-Marten Süd<br />

Dorstfeld DO-West<br />

S<br />

S<br />

Körne West<br />

Möllerbrücke<br />

Stadthaus<br />

Stadtkrone Ost Hauptfriedhof<br />

Vahleweg<br />

Bochum<br />

Saarlandstr.<br />

Voßkuhle Max-Eyth-Str.<br />

Essen<br />

Allerstr. /<br />

Polizeipräsidium<br />

Kohlgartenstr.<br />

Markgrafenstr.<br />

U47<br />

Westfälische Klinik<br />

Kreuzstraße<br />

Lübkestraße<br />

Dorstfeld Süd S<br />

für Psychiatrie<br />

Theodor-<br />

Fliedner- U46 Westfalenhallen<br />

Str.<br />

Märkische Karl-Liebknecht-Straße<br />

Westendorfstraße<br />

Heim<br />

U45<br />

Willem-van-Vloten-Straße<br />

Technologiezentrum<br />

U45<br />

Seilbahn<br />

S<br />

Stadion<br />

Schürbankstraße<br />

1 2<br />

Remydamm Westfalenpark<br />

Parkeisenbahn<br />

Aplerbeck<br />

S1 Bochum<br />

Campus Nord DO-Universität<br />

Essen<br />

An der<br />

S<br />

Palmweide Westfalenhalle<br />

DO-Aplerbeck U47<br />

DO-Oespel<br />

(nur bei Veranstaltungen)<br />

Hörde<br />

Unna<br />

2<br />

Am Beilstück<br />

Rombergpark<br />

Campus Süd<br />

1<br />

Barop Parkhaus<br />

U41 Clarenberg<br />

DO-Aplerbeck Süd<br />

Eichlinghofen<br />

Eierkampstraße<br />

DO-Tierpark<br />

Schwerte<br />

DO-Barop S<br />

Hacheney<br />

Harkortstraße<br />

U49<br />

H.-Rynsch-Str.<br />

(<br />

Huckarder Str.<br />

(<br />

(<br />

(<br />

Rheinische<br />

(<br />

S5 Witten<br />

Hagen<br />

U47<br />

Str.<br />

Krückenweg<br />

(<br />

(<br />

Hombruch Hallenbad<br />

U42<br />

Hombruch<br />

Grotenbachstraße<br />

(<br />

U42<br />

Evinger Str.<br />

U41<br />

(<br />

U43·U44<br />

Hagen<br />

U41·U45·U47·U49<br />

(<br />

U42<br />

(<br />

(<br />

Bornstr.<br />

Oesterholzstr.<br />

(<br />

(<br />

Derner Str.<br />

U43<br />

(<br />

Körner<br />

Hellweg<br />

Westfalendamm<br />

aus: Schwandl‘s Tram Atlas Deutschland<br />

1 km<br />

Marsbruchstr.<br />

Eine N8-Doppeltraktion<br />

imAugust 2007<br />

an der Haltestelle<br />

Reinoldikirche – es<br />

war der letzte Sommer<br />

für die letzte<br />

oberirdische Innenstadtstrecke<br />

in Dortmund.<br />

Seit Frühjahr<br />

2008 weisen Pylon<br />

und Zeltdach hier<br />

nur noch den Weg<br />

zu den unterirdischen<br />

Bahnsteigen<br />

MICHAEL KOCHEMS<br />

Aktueller Liniennetzplan<br />

<strong>Dortmunds</strong><br />

GRAFIK: ROBERT SCHWANDL<br />

– „unter Tage“. Mit dem Wegfall der <strong>Straßenbahn</strong>linien<br />

403 und 404 verlor Dortmund<br />

seine letzte „echte“ <strong>Straßenbahn</strong> und<br />

hatte somit den fast 40 Jahre dauernden Gesamtumstieg<br />

auf Stadtbahnniveau vollendet.<br />

Der in Ost-West-Richtung verlaufende<br />

Tunnel beginnt kurz vor der neuen Tunnelstation<br />

Ostentor mit einer Rampe innerhalb<br />

der Hamburger Straße und taucht unmittelbar<br />

vor der schon wieder oberirdischen<br />

Haltestelle Heinrichstraße am östlichen<br />

Ende des Tunnels wieder auf.<br />

Mit der Eröffnung des Tunnels III waren<br />

nun alle drei Hauptumsteigeknoten im<br />

Dortmunder Stadtbahnnetz im Tunnel. Neben<br />

den Stationen Reinoldikirche und<br />

Kampstraße, die allesamt den Tunnel III mit<br />

dem Tunnel II bzw. I verbinden, gibt es noch<br />

die Station Stadtgarten, die einen schnellen<br />

Umstieg zwischen Tunnel I und II bietet.<br />

Egal, von wo man mit der Stadtbahn<br />

26 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014


Dortmund<br />

kommt und wohin man möchte, man muss<br />

nur ein einziges Mal im Stadtbahnnetz an<br />

einem jener wichtigen Knoten umsteigen.<br />

Niederflur statt Hochflur<br />

Schon während der Planungsphase stießen<br />

die Stadtwerke, die sich seit September 2005<br />

mit DSW21 abkürzen, beim Tunnel III auf<br />

ein größeres Problem: Städtebaulich wäre<br />

eine Umstellung auf Hochflurbetrieb kaum<br />

möglich gewesen. Denn die engen Ortsdurchfahrten<br />

entlang der Strecke ließen keine<br />

Hochflurbahnsteige und breite Stadtbahnwagen<br />

zu. Schließlich entschieden sie<br />

sich deshalb für den Einsatz von Niederflurfahrzeugen.<br />

In den Stationen Kampstraße<br />

und Reinoldikirche, wo schon beim Bau<br />

der Tunnel I bzw. II Bahnsteige für die künftige<br />

Kreuzung mit dem Ost-West-Tunnel gebaut<br />

worden waren, mussten daraufhin die<br />

Hochflurbahnsteige entfernt und auf Nie-<br />

Die neueste Tunnelstrecke in Dortmund verbindet<br />

seit 2008 Ost mit West und wird von<br />

den Linien U43 und U44 ausschließlich mit<br />

Niederflurwagen bedient. Hier eine Doppeltraktion<br />

in der Station Westentor FELIX FÖRSTER<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014<br />

27


Betriebe<br />

noch 47 von 54 N8C in Betrieb. Nachdem<br />

fast alle neuen NGT8 im Einsatz waren,<br />

verkauften die DSW21 nach und nach bis<br />

Ende 2010 alle noch verbliebenden N8C<br />

nach Danzig. Seitdem sind die Linien U43<br />

und U44 komplett in der Hand der NGT8,<br />

deren letztes Exemplar im Januar/Februar<br />

2013 in Dortmund eintraf.<br />

Im Jahr 2009 traf man neben Düwag-Stadtbahnwagen B und Bombardier-NGT8 im Dorstfelder<br />

Betriebshof noch Stadtbahnwagen vom Typ N8C an<br />

FELIX FÖRSTER<br />

Betriebshöfe und Depots<br />

Die Dortmunder Stadtwerke betreiben für alle ihre<br />

Schienenfahrzeuge heute nur noch einen Betriebshof.<br />

Dieser liegt westlich von der Dortmunder<br />

Innenstadt in Dorstfeld und hat Anschluss an<br />

die Strecken der U43 und U44.<br />

Um auch die Fahrzeuge der anderen Linien zum<br />

Betriebshof zu bringen, besteht nördlich des Geländes<br />

eine Betriebsstrecke zur Stadtbahnlinie U47.<br />

Außerdem gibt es Ein- und Ausrückfahrten über<br />

die Ost-West-Strecke der U43 und U44. Dies wird<br />

durch einen Verbindungstunnel zwischen Tunnel II<br />

und Tunnel III (Ost-West-Strecke) ermöglicht.<br />

Neben dem Betriebshof bestehen an mehreren<br />

Tunnelbahnhöfen jeweils Abstellanlagen, so dass<br />

derflurniveau abgesenkt werden. Deshalb<br />

sind dort noch heute am Ende der Rolltreppen<br />

einige Stufen zu überwinden.<br />

Zum Betrieb der neuen U43 und U44 beschafften<br />

die DSW21 bei Bombardier 30<br />

Meter lange Flexity Classic vom Typ NGT8.<br />

Am 28. September 2007 traf der erste von<br />

47 NGT8 aus Bautzen in Dortmund ein.<br />

Die neuen Niederflurwagen mit einer Breite<br />

von 2,40 Meter und einer Einstiegshöhe<br />

nicht jedes Fahrzeug extra nach Dorstfeld gefahren<br />

werden muss.<br />

In der Geschichte der <strong>Straßenbahn</strong> verfügte die<br />

<strong>Straßenbahn</strong> über bis zu zehn Betriebshöfe. Das<br />

älteste Depot lag nahe des Fredenbaums direkt an<br />

der ersten Pferdebahnstrecke. Der Betriebshof 1<br />

entstand 1892 an der Rheinischen Straße, ihn ersetzten<br />

die Stadtwerke 1967 vollständig durch die<br />

Anlage in Dorstfeld. Weitere Betriebshöfe existierten<br />

an der Immermannstraße (2) in der Nordstadt,<br />

am Westfalendamm (3) im Süden der Innenstadt<br />

sowie in diversen Vororten <strong>Dortmunds</strong>.<br />

Die Stadtwerke gaben sie zwischen 1950 und<br />

1990 auf.<br />

von 35 Zentimetern erforderten umfangreiche<br />

Anpassungsarbeiten entlang der Strecke.<br />

Nach Testfahrten kamen die Bombardierwagen<br />

mit Eröffnung des Tunnels III in<br />

den Linienbetrieb. An ihnen galt es jedoch,<br />

etliche Kinderkrankheiten zu beheben, weshalb<br />

sich die NGT8 nur sehr langsam gegen<br />

die N8C durchsetzten.<br />

Durch einen Unfall und die Nutzung als<br />

Ersatzteilspender standen bis zuletzt nur<br />

Zwischen den Haltestellen Fredenbaum und Güterstraße unterquert die U41 die Gütergleise<br />

der Dortmunder Eisenbahn (12. April 2014). Außer auf der U43/U44 kommen bei der Dortmunder<br />

Stadtbahn ausschließlich B-Wagen zum Einsatz. Mehr dazu im nächsten Heft FELIX FÖRSTER<br />

Aktuelle Situation<br />

Alle Stadtbahnlinien fahren in einem durchgängigen<br />

Zehn-Minuten-Takt, wobei der<br />

Abschnitt Brechten – Brambauer (U41) nur<br />

alle 20 Minuten bedient wird. Auf der Linie<br />

U43 gibt es zwischen Brackel und Westentor<br />

eine Verdichtung des Taktes auf Fünf-<br />

Minuten-Abstände.<br />

Der Nord-Süd-Tunnel wird von den Linien<br />

U41, 45, 47 und 49, der Tunnel II von<br />

den Linien U42 und 46 und der Ost-West-<br />

Tunnel von den Linien U43 und 44 bedient.<br />

Der Fahrzeugeinsatz hat sich seit einigen<br />

Jahren kaum noch verändert: An Werktagen<br />

verkehren B6 in Doppeltraktion, B8 einzeln<br />

oder NGT8 zu zweit oder alleine. Einsatzwagen<br />

– beispielsweise zu Fußballspielen im<br />

Signal-Iduna-Park – verkehren in Dreifachtraktionen<br />

mit B6 oder in Doppeltraktionen<br />

mit B8. Jedoch dürfen die über 75 Meter langen<br />

Züge nur zwischen Innenstadt (Tunnel I<br />

+ II) und Stadion fahren, außerdem im Norden<br />

bis Fredenbaum sowie zum Hafen und<br />

als Zufahrt zum Betriebshof. Hintergrund<br />

ist, dass im Straßenplanum maximal 75 Meter<br />

lange Schienenfahrzeuge zugelassen sind.<br />

Ein Blick in die Zukunft<br />

Große Veränderungen oder Neubauten<br />

wird es in Dortmund in den nächsten Jahren<br />

nicht geben. Lediglich ein kurzer Tunnel<br />

nahe Aplerbeck befindet sich im Bau, der<br />

die Kreuzung Stadtbahn/B1 ersetzen soll.<br />

Außerdem ist eine Vergrößerung der Haltestelle<br />

Hauptbahnhof in Vorbereitung.<br />

Pläne haben die DSW21 allerdings einige:<br />

Ab 2019 sollen neue Hochflurwagen für<br />

den Ersatz der Bonner-B-Wagen und als Reserve<br />

beschafft werden. Außerdem gibt es<br />

Überlegungen, die Stadtbahn nach Wellinghofen,<br />

Benninghofen, Aplerbeck Süd,<br />

Kirchlinde und über die Westfalenhütte hinaus<br />

Richtung Kirchderne zu verlängern.<br />

Aber das ist noch weit entfernte Zukunftsmusik.<br />

FELIX FÖRSTER/ANDRÉ MARKS<br />

Verwendete Quellen:<br />

1<br />

Bernd Zander, Fred Teppe: Die <strong>Straßenbahn</strong><br />

in: Dortmund 1881–1992. Alba,<br />

Düsseldorf 1992<br />

2<br />

Dieter Höltge: Straßen- und Stadtbahnen<br />

in: Deutschland, Band 4: Ruhrgebiet von Dortmund<br />

bis Duisburg, EK-Verlag, Freiburg 1994<br />

28 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014


Braunschweig<br />

Die gegenwärtig noch eingesetzten GT6 und Beiwagen vom Typ „Mannheim“ sollen bald durch ab Frühsommer eintreffende Solaris Tramino ersetzt<br />

werden. Am 16. Mai 2014 bog Tw 7761 (LHB 1977) mit Bw 7773 (LHB 1977) auf dem Friedrich-Wilhelm-Platz in den Kalenwall ein BODO SCHULZ<br />

Vor einem Neustart?<br />

Braunschweigs Ausbau pläne erleben Neuauflage Die Stadt Braunschweig bekommt dieser<br />

Tage einen neuen Oberbürgermeister und die Braunschweiger Verkehrs-AG einen neuen Chef. Auch<br />

sonst scheint in der Stadt wieder Bewegung in den <strong>Straßenbahn</strong>ausbau zu kommen<br />

In seiner Sitzung vom 1. April 2014 fasste<br />

der Rat der Stadt Braunschweig einen<br />

wegweisenden Beschluss: Unter dem<br />

Tagesordnungspunkt „Stadtbahnausbaukon<br />

zept“ kamen die Ratsmitglieder<br />

überein, neun Trassenkorridore für die Erweiterung<br />

des bestehenden <strong>Straßenbahn</strong>netzes<br />

„in der zweiten Bearbeitungsstufe<br />

vertieft“ zu untersuchen. Diese Korridore<br />

sind (siehe auch Grafik):<br />

• die westliche Innenstadtstrecke (Verbindung<br />

Lange Straße/Radeklint – Friedrich-<br />

Wilhelm-Platz bzw. Europaplatz)<br />

• die Neubaustrecke (Radeklint –) Lehndorf<br />

– Kanzlerfeld mit Abzweig nach Lamme<br />

Zentraler Umsteigepunkt im Braunschweiger<br />

Netz ist derzeit die Haltestelle Rathaus, hier bediente<br />

sie am 17. Oktober 2013 der Tw 8162.<br />

Wird die westliche Innenstadtstrecke gebaut,<br />

müssten einige Anschlüsse und Umsteigebeziehungen<br />

neu gestaltet werden STEFAN VOCKRODT<br />

• die Neubaustrecke (Hauptbahnhof –)<br />

Salzdahlumer Straße – Heidberg (– Südstadt<br />

– Rautheim/Mascherode)<br />

• die so genannte „Campusbahn“ (Hamburger<br />

Straße –) Nördliches Ringgebiet –<br />

Querum<br />

• die Verlängerung der Linie M3 Volkmarode<br />

– Volkmarode Nord<br />

• eine <strong>Straßenbahn</strong>neubaustrecke Radeklint<br />

– Ölper<br />

• eine Verlängerung nach Querum (ab Querumer<br />

Straße, Linie M3)<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014<br />

29


Betriebe<br />

Trassenkorridore der aktuellen Stadtbahnausbaudebatte. Die Farben geben die Priorität an (hoch, mittel und nachrangig – blau) GRAFIK: STADT BS<br />

30 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014


Braunschweig<br />

• eine Verlängerung Helmstedter Straße (Krematorium,<br />

Endpunkt Linie 4) – Lindenberg<br />

– Südstadt – Rautheim/Mascherode<br />

Werden alle diese Maßnahmen in den nächsten<br />

Jahren realisiert, so wüchse das <strong>Straßenbahn</strong>netz<br />

Braunschweigs um über 20 auf<br />

rund 60 Kilometer Streckenlänge an.<br />

Pläne nicht neu<br />

Mit dem im April getroffenen Beschluss<br />

knüpft die Braunschweiger Lokalpolitik an<br />

über 20 Jahre alte Pläne an. Schon im Februar<br />

1989 beauftragte der Rat die Stadtverwaltung<br />

mit der Aufstellung eines Prioritätenkonzepts<br />

für den Ausbau des <strong>Straßenbahn</strong>netzes.<br />

Drei Jahre später legte die Verwaltung<br />

1992 eine solche Ausarbeitung vor, anschließend<br />

begann die Umsetzung der einzelnen<br />

Punkte. Unvollendet brach das nach<br />

der Jahrtausendwende ab: Die auf Kostenminimierung<br />

ausgerichtete Politik des von<br />

2001 bis 2014 amtierenden Oberbürgermeisters<br />

Dr. Gert Hoffmann (CDU) ließ<br />

manch planerisch fortgeschrittenes Projekt<br />

in eine Art „Dornröschenschlaf“ sinken.<br />

Die größten Neubaumaßnahmen der vergangenen<br />

Jahre waren die nach rund 35<br />

Jahre Planung 2006 fertiggestellte Stadtbahnanbindung<br />

Stöckheims im Süden und<br />

der Neubau des Betriebshofs mit Anschluss<br />

von der Helmstedter Straße (eröffnet 2009).<br />

Mit der seit 2011 bestehenden neuen<br />

Mehrheit von SPD, Grünen, Linken, Piraten<br />

und der BiBS beschloss der Rat nun, die<br />

Stadtbahnplanungen wieder aufzunehmen.<br />

Die westliche Innenstadtstrecke<br />

Derzeit hat Braunschweig kein wirkliches<br />

Stadtbahnnetz, die nordöstlichen und die<br />

südwestlichen Linienäste hängen alle an einem<br />

Rückgrat, das der zentrale Abschnitt<br />

Hagenmarkt – Rathaus – Schloss über den<br />

Bohlweg bildet. Besonders der Knoten am<br />

Hagenmarkt ist der neuralgische Punkt des<br />

Stadtbahnsystems, laufen hier doch vier Linien<br />

zusammen: die M1 und 2 aus Norden<br />

(Wenden bzw. Siegfriedviertel), die M3 aus<br />

Osten (Volkmarode) und die Linie 4 von<br />

Westen (Radeklint). Um zumindest teilweise<br />

diesen Knoten entlasten zu können und<br />

eine Alternative zum Nadelöhr Bohlweg zu<br />

haben, kommt der westlichen Innenstadtstrecke<br />

daher besonders hohe Priorität zu.<br />

Eine Stadtbahn von<br />

Nord-West nach Süd-Ost<br />

Die beiden Trassen Lehndorf – Kanzlerfeld/Lamme<br />

und Salzdahlumer Straße –<br />

Heidberg/Südstadt zielen auf einen Ersatz<br />

der bestehenden Buslinie 411 durch eine<br />

oder zwei Stadtbahnlinien. Die heute von<br />

Lamme via Lehndorf, die Innenstadt, den<br />

Hauptbahnhof und über die Salzdahlumer<br />

Str. in die Südstadt führende Buslinie 411 ist<br />

stark ausgelastet, sehr verspätungsanfällig<br />

Noch sind in Braunschweig sowohl von Düwag 1975 als auch von LHB 1977 gebaute Altbauwagen<br />

im Einsatz, hier verlässt der LHB-Triebwagen 7755 am 16. Mai 2014 den Berliner Platz am Hauptbahnhof.<br />

Auf Plakaten kündigt die Verkehrs-AG die Ablösung der GT6 an<br />

BODO SCHULZ<br />

und wird auf den einzelnen Abschnitten<br />

durch weitere Buslinien verstärkt.<br />

Ausgangspunkt der Strecke nach Nordwesten<br />

ist die bestehende Strecke zum Radeklint<br />

(Linie 4), dabei ist die Führung zum<br />

Wilhelminischen Ring (Rudolfplatz) bzw.<br />

zur Hannoverschen Straße noch weitgehend<br />

offen. Die Stadtverwaltung bevorzugt eine<br />

Trasse, die über die Celler Straße zunächst<br />

das Krankenhaus Celler Straße anschließt<br />

und von dort entlang des ehemaligen Ringgleises<br />

(heute ein beliebter Fuß- und Radweg)<br />

zur Hannoverschen Straße und Richtung<br />

Lehndorf fortgeführt wird.<br />

Der südöstliche Ast der „<strong>Straßenbahn</strong><br />

11“ ist weit weniger umstritten, zumindest<br />

was die Verbindung vom Hauptbahnhof via<br />

Salzdahlumer Straße zum Heidberg betrifft,<br />

Die Braunschweig <strong>Straßenbahn</strong><br />

Betreiber<br />

Braunschweiger Verkehrs-AG (BsVAG),<br />

Am Hauptgüterbahnhof 28, 38126 Braunschweig,<br />

www.bsvag.de und www.verkehrs-AG.de<br />

Spurweite: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1.100 mm<br />

Streckenlänge:. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 39,6 km<br />

Linien:. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5<br />

Betriebshöfe: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1<br />

Fahrzeuge<br />

Triebwagen: . . . . . . . . . . . . . . . . Gesamtzahl 49<br />

10 GT6 „Mannheim“ (Düwag 1975, LHB 1977)<br />

14 GT6 „Braunschweig“ (LHB 1981)<br />

1 GT6-NF (LHB 1977/MGB 2000)<br />

12 NFGT6-S1100 (AEG/LHB 1995)<br />

12 NGT8-D-BS (Alstom 2007)<br />

Beiwagen:. . . . . . . . . . . . . . . . 26 (alle Hochflur)<br />

12 EB4 „Mannheim“ (Düwag 1974, LHB 1977)<br />

14 EB4 „Braunschweig“ (LHB 1981)<br />

die auch eine Umleitungsführung für die<br />

ebenfalls stark befahrene Wolfenbütteler<br />

Straße (Linien M1 und 2) schafft. An dieser<br />

Trasse liegen auch das Klinikum Salzdahlumer<br />

Straße und ein geplantes neues Wohnund<br />

Gewerbegebiet auf dem Gelände der<br />

ehemaligen Heinrich-der-Löwe-Kaserne.<br />

Verlängerung Volkmarode Nord<br />

Dieses Projekt hat recht gute Realisierungschancen,<br />

da es inzwischen als politisch gewollt<br />

betrachtet werden kann und die Akzeptanz<br />

vor Ort schon jetzt groß ist, lediglich<br />

der Anschluss des Schulzentrums mit stark<br />

wachsender IGS kann mit der früher geplanten<br />

Führung nicht optimal erfolgen.<br />

Die weiteren Verlängerungen stammen<br />

bis auf die so genannte „Campusbahn“<br />

(Trassen 306 und 401), welche die beiden<br />

jüngeren Bereiche der TU miteinander verbinden<br />

würde, aus dem Prioritätenkonzept<br />

von 1992, das so eine nachträgliche Würdigung<br />

findet.<br />

Was lässt sich umsetzen?<br />

Der Landtag Niedersachsens hat jüngst ein<br />

„Gesetz über Zuwendungen des Landes zur<br />

Verbesserung er Verkehrsverhältnisse der<br />

Gemeinden (Niedersächsisches Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz<br />

– NdsGVFG)“<br />

beschlossen, das die Verwendung der Entflechtungsmittel<br />

des Bundes ab 2017 im<br />

Verhältnis 60 Prozent ÖPNV/40 Prozent<br />

Straße festschreibt. Da für Straßen- bzw.<br />

Stadtbahnausbauten auch Trassen im Straßenplanum<br />

– wenn verkehrlich notwendig<br />

und städtebaulich sinnvoll – förderungsfähig<br />

sind, stehen die Chancen einiger Braunschweiger<br />

Pläne auf Landeszuschüsse derzeit<br />

recht gut, sofern man in Braunschweig<br />

es schafft, bald in die konkrete Planung zu<br />

kommen.<br />

STEFAN VOCKRODT<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014<br />

31


Betriebe<br />

Für Erwachsene verboten<br />

Die Schulstraßenbahnlinien in Karlsruhe Sie sind in Deutschland einmalig – die drei<br />

nur für die Mädchen und Jungen der Europäischen Schule verkehrenden <strong>Straßenbahn</strong>linien der<br />

VBK. Doch auch die dafür eingesetzten Triebwagen sind etwas Besonderes – noch ...<br />

In den meisten deutschen Städten ist die<br />

Schülerbeförderung ein großes Thema,<br />

denn speziell zum Unterrichtsbeginn<br />

morgens erfordert diese häufig die Bereitstellung<br />

zusätzlicher Fahrten und Fahrzeuge<br />

als Verstärker regulärer <strong>Straßenbahn</strong>oder<br />

Buslinien. Einen ganz anderen Weg –<br />

in dieser Form in Deutschland einmalig –<br />

sind die Verkehrsbetriebe Karlsruhe (VBK)<br />

gegangen: In Kooperation mit der Europäischen<br />

Schule gibt es dort seit 14 Jahren drei<br />

spezielle <strong>Straßenbahn</strong>linien.<br />

Drei Linien für eine Schule<br />

Im Norden von Karlsruhe liegt am nördlichen<br />

Ende des Stadtteils Waldstadt die Europäische<br />

Schule. Sie wurde 1962 als erstes<br />

Selten sind die Einsätze der Badewannen-Tw<br />

124 und 125 geworden. Sie finden fast ausschließlich<br />

noch als Schultrams Verwendung,<br />

hier am 7. April 2011 an der Lessingstraße<br />

32 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014


Karlsruhe<br />

Fahrplan Linie 16<br />

Linie 16 „rosa“ Mo.–Fr. Mi. & Fr. Mo., Di. & Do.<br />

Schillerstraße ab 7:08 an 13:05 an 16:15<br />

Lessingstraße 7:11 13:01 16:11<br />

Otto-Sachs-Straße 7:13 12:59 16:09<br />

Mathystraße 7:14 12:58 16:08<br />

Kolpingplatz 7:16 12:56 16:06<br />

Ebertstraße 7:18 12:54 16:04<br />

Hbf Vorplatz 7:19 12:53 16:03<br />

Poststraße 7:20 12:51 16:01<br />

Tivoli 7:22 12:49 15:59<br />

Werderstraße 7:23 12:48 15;58<br />

Rüppurrer Tor 7:25 12:46 15:56<br />

Durlacher Tor 7:29 12:42 15:52<br />

Karl-Wilhelm-Platz 7:32 12:39 15:49<br />

Europäische Schule an 7:45 ab 12:27 ab 15:37<br />

Quellen aller Tabellen: www.eskar.org<br />

Beim Tw 209 handelt es sich wie beim auf Seite 32 abgebildeten<br />

Tw 208 um einen ehemaligen GT6-D. Auch dieser 1978 von der Waggon<br />

Union in Berlin gebaute Gelenktriebwagen hat mit dem Schultramdienst<br />

derzeit noch eine Aufgabe – wie lange noch, ist offen ...<br />

LINKS „Sonderwagen Europäische Schule“<br />

lautet die Zielanzeige von Tw 208 am<br />

15. April 2013, einem der letzten GT8-D<br />

der VBK. Auf den Schultramlinien 16, 17<br />

und 18 finden diese Wagen eines ihrer<br />

Rückzugsgebiete MICHAEL KOCHEMS (3)<br />

Lerninstitut dieser Art in der Bundesrepublik<br />

Deutschland gegründet. Im Jahr 2000<br />

verlängerten die VBK die Gleise der Linie 4<br />

von der bisherigen Endstelle Waldstadt um<br />

einige hundert Meter bis zum Eingang der<br />

Schule an der Albert-Schweitzer-Straße.<br />

Dazu entstand dort eine eingleisige Wendeschleife.<br />

Um die Linie 4 während des täglichen<br />

Schulbeginns bzw. -endes nicht zu stark zu<br />

belasten und für die Schüler eine möglichst<br />

umsteigefreie Verbindung in die verschiedenen<br />

Stadtteile anzubieten, haben die VBK<br />

im Dezember 2000 drei Schulstraßenbahnlinien<br />

eingerichtet, die im wesentlichen wie<br />

Schulbusse funktionieren. Sie erhielten die<br />

Liniennummern 16 bis 18 und ersetzten<br />

sechs Schulbuslinien.<br />

Weil die Benutzung der drei Linien nur<br />

für die Schüler der Europäischen Schule gestattet<br />

ist, tauchen die Fahrpläne konsequenterweise<br />

nicht bei den offiziellen Fahrplaninformationen<br />

der Verkehrsbetriebe<br />

auf. Trotzdem ist ihr Fahrplan im Internet<br />

abrufbar, nämlich auf der Seite der Europäischen<br />

Schule unter www.eskar.org.<br />

Das Betriebskonzept<br />

Täglich verkehrt jede Linie nur einmal morgens<br />

zur Schule. Die Rückfahrt erfolgt abhängig<br />

vom Schulplan entweder mittags oder<br />

nachmittags. Nur die Linie 17 verkehrt mittwochs<br />

sowohl mittags als auch nachmittags.<br />

Montags bis Freitags außerhalb der Ferien<br />

der Schule, die von den allgemeinen<br />

Schulferien in Baden-Württemberg abweichen<br />

Nach Unterrichtsende stehen an der Endschleife von Linie 4 die Triebwagen Schlange, um die<br />

Schüler abzuholen. Den am 27. März 2014 fotografierten Tw 124 hatte einst die AVG beschafft<br />

Zwischen 15:33 und 15:39 Uhr müssen die Schüler schnell in einen der drei Wagen einsteigen.<br />

Hier stürmen sie gerade am 27. März 2014 einen GT8-EP ULLRICH MÜLLER (2)<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014<br />

33


Betriebe<br />

Fahrplan Linie 17<br />

Linie 17 „braun“ Mo.– Fr. Mi. & Fr. Mo.–Mi., Fr.<br />

Weinbrenner Platz ab 7:09 an 13:05 an 16:15<br />

Hübschstraße 7:10 13:03 16:13<br />

Kühler Krug 7:11 13:02 16:12<br />

Entenfang 7:14 13:00 16:10<br />

Entenfang 7:15 12:59 16:09<br />

Philippstraße 7:16 12:57 16:07<br />

Händelstraße 7:17 12:56 16:06<br />

Yorckstraße 7:19 12:55 16:05<br />

Europaplatz 7:24 12:50 16:00<br />

Marktplatz 7:27 12:46 15:56<br />

Hirtenweg 7:37 12:37 15:47<br />

Sinsheimer Straße 7:38 12:36 15:46<br />

Glogauer Straße 7:41 12:33 15:43<br />

Waldstadt Zentrum 7:42 12:32 15:42<br />

Europäische Schule an 7:47 ab 12:28 ab 15:38<br />

können, sieht das tägliche Betriebsschema damit<br />

immer gleich aus: Frühmorgens rücken<br />

drei Triebwagen zu den Startpunkten der<br />

drei Linien an der Schillerstraße, am Weinbrenner<br />

Platz und in Durlach aus. Von dort<br />

fahren sie so los, dass sie alle kurz nacheinander<br />

zwischen 7:45 und 7:54 Uhr an der<br />

Schule ankommen. Unterwegs wird nur an<br />

ausgewählten Haltestellen gestoppt. Nach<br />

dem Ausstieg der Schüler räumen die drei<br />

Triebwagen die Schleife für die Linie 4 und<br />

rücken über die Tullastraße in den gleichnamigen<br />

Betriebshof ein, wo sie eine Betriebspause<br />

verbringen. Mittags bzw. nachmittags<br />

läuft der Prozess genau umgekehrt – die drei<br />

Triebwagen fahren erst zur Schule, verlassen<br />

kurz hintereinander die Schleife und fahren<br />

wieder in die Stadt. Weil sie alle drei bis zum<br />

Hauptfriedhof denselben Linienweg haben,<br />

bedienen die Linien 17 und 18 in dem Teilstück<br />

unterschiedliche Haltestellen. Die von<br />

der Schillerstraße kommende Linie 16, die<br />

zuvor auch den Hauptbahnhof bedient hat,<br />

fährt vom Karl-Wilhelm-Platz bis zur Schule<br />

gleich ohne Halt durch.<br />

Fahrzeuge interessanter als Konzept<br />

Seit jeher sind die Schulstraßenbahnlinien<br />

auch in punkto Fahrzeugeinsatz etwas Besonderes:<br />

War hier zunächst das letzte Refugium<br />

der von der Albtalbahn stammenden<br />

Düwag-Gelenkwagen, so laufen seit einigen<br />

Jahren hier die ebenfalls vom baldigen Ab-<br />

Verlauf der Karlsruher<br />

Schultramlinien 16,<br />

17 und 18<br />

GRAFIK: ROBERT SCHWANDL<br />

Waldstadt<br />

Europäische Schule<br />

16 17 18<br />

Waldstadt Zentrum<br />

Glogauer Str.<br />

Im Eichbäumle<br />

Fächerbad<br />

Sinsheimer Str.<br />

Hirtenweg<br />

Technologiepark<br />

-<br />

Europaplatz<br />

Karl-Wilhelm-Platz Hauptfriedhof<br />

Entenfang Philippstr. Händelstr.<br />

Yorckstr. Schillerstr.<br />

Rintheimer<br />

Marktplatz Durlacher<br />

Str.<br />

Hübschstr. 16<br />

Lessingstr.<br />

Tor<br />

Tullastr./<br />

Kühler Krug Weinbrennerpl.<br />

Otto-Sachs-Str.<br />

Rüppurrer Tor VBK<br />

17 18 Durlach<br />

Mathystr.<br />

Werderstr.<br />

Turmberg<br />

17<br />

Kolpingpl.<br />

Ebertstr.<br />

17<br />

Poststr.<br />

16<br />

Tivoli<br />

KARLSRUHE Hbf<br />

16·17<br />

18<br />

)<br />

)<br />

Friedrichschule<br />

Schlossplatz<br />

K.-Weysser-<br />

Str.<br />

G<br />

34


Fahrplan Linie 18<br />

Karlsruhe<br />

Linie 18 „grün“ Mo.– Fr. Mi. & Fr. Mo, Di. & Do.<br />

Durlach Turmberg ab 7:30 an 12:52 an 16:02<br />

Karl-Weysser-Straße 7:31 – –<br />

Schlossplatz 7:32 12:51 16:01<br />

Friedrichschule 7:34 12:49 15:59<br />

Tullastraße 7:40 12:43 15:53<br />

Rintheimer Straße 7:42 12:41 15:51<br />

Hauptfriedhof 7:43 12:40 15:50<br />

Fächerbad 7:47 12:36 15:46<br />

Im Eichbäumle 7:48 12:35 15:45<br />

Europäische Schule an 7:54 ab 12:29 ab 15:39<br />

Lesen<br />

<br />

Sie noch oder<br />

sammeln<br />

Sie schon?<br />

Auch der 1978 von der Waggon Union gebaute Tw 213 (1980 vom GT6<br />

in einen GT8 umgebaut) kam in den vergangenen Jahren oft im Schultramliniendienst<br />

zum Einsatz. Diese Aufnahme zeigt ihn am 18. März<br />

2009 in der Nähe der Endschleife in Karlsruhe-Waldstadt<br />

schied bedrohten, den Düwag-GT ähnlichen<br />

Gelenkwagen der Berliner DWM/Waggon-<br />

Union. Außerdem stehen die Chancen gut,<br />

dass auf einer der Linien mindestens eine der<br />

beiden noch vorhandenen „Badewannen“<br />

eingesetzt wird. Dieser Spitzname gilt den<br />

zwei ortsüblich als „GT8-70C“ bezeichneten,<br />

achtachsigen Gelenkwagen 124 und<br />

125, von denen die Berliner Waggon-Union<br />

1975 vier Exemplare an die Albtalbahn geliefert<br />

hatte (ursprünglich mit elektropneu-<br />

matischer Steuerung – siehe SM 6/2014, Seite<br />

48). Nicht auszuschließen ist jedoch auch<br />

der Einsatz eines Niederflurwagens. Wenn<br />

im Laufe des Jahres 2014 die GT8 auf ihrer<br />

letzten regulären Einsatzlinie 5 durch Niederflurwagen<br />

ersetzt werden, könnte es sein, dass<br />

sie auf den Schulstraßenbahnlinien noch einige<br />

Zeit bleiben. Doch darüber haben die VBK<br />

noch nicht entschieden. Deshalb sei sicherheitshalber<br />

Eile angesagt, um diese Fahrzeuge<br />

hier noch zu erleben. MICHAEL KOCHEMS<br />

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Am 24. März 2003 war der Tw 120 auf der Schulstraßenbahnlinie 18 im Einsatz, hier im Bereich<br />

von Karlsruhe-Waldstadt. Der einst von der AVG beschaffte GT8-EP (Düwag 1969) erfuhr 2004 einen<br />

Umbau zum Fahrradtransportwagen, 2011 erfolgte seine Verschrottung MICHAEL KOCHEMS (2)<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014<br />

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Betriebe<br />

Brückenschlag<br />

nach Lobeda<br />

Jenas Linie 3 im Porträt Nach Inbetriebnahme mehrerer Neubauabschnitte bietet die<br />

Linie 3 heute eine moderne Nahverkehrsverbindung zwischen Jena-Ost und Lobeda-Ost im<br />

Süden der Stadt. Zu den Besonderheiten zählt dabei nicht nur eine Häuserdurchfahrt …<br />

36 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014


Jena<br />

Mit ihrem Vorläufer, der den<br />

Westbahnhof mit dem Saalbahnhof<br />

verbindenden alten Linie<br />

3, hat die heutige „3“ fast<br />

nichts gemeinsam. Die alte 3 hatte der VEB<br />

(K) Städtischer Verkehr Jena 1963 auf Busbetrieb<br />

umgestellt (innerer Teil der heutigen<br />

Stadtbuslinie 15). Die „neue 3“ befuhr ab<br />

dem 16. Dezember 1996 als reine Tangentiallinie<br />

den ersten Abschnitt der neuen<br />

<strong>Straßenbahn</strong>anbindung von Winzerla nach<br />

Lobeda-Ost im Süden der Universitätsstadt.<br />

Mit der Netzumstellung von 2009 erreichte<br />

sie die Innenstadt und bildete fortan<br />

mit den Linien 4 und 5 eine der drei täglich<br />

verkehrenden „Hauptlinien“ im <strong>Straßenbahn</strong>netz.<br />

Montags bis freitags wird sie in<br />

ihrem nordöstlichen und zentralen Abschnitt<br />

durch die Linie 2 verstärkt.<br />

Die Fahrt beginnt<br />

Die Endstelle Jena-Ost im Bereich des<br />

Eschenplatzes befindet sich im Stadtteil Wenigenjena.<br />

Dieser Name wird einerseits mit<br />

„Klein-Jena“ erklärt, könnte sich jedoch<br />

auch auf eine ursprünglich slawische Siedlung<br />

(= „wendisches Jena“) beziehen.<br />

Auf ihren ersten Kilometern ab der Endstelle<br />

hat die Linie 3 noch meist das Erscheinungsbild<br />

einer für die erste Hälfte des<br />

20. Jahrhunderts typischen „Kleinstadtstraßenbahn“:<br />

eine eingleisige Strecke mit älteren<br />

Fahrleitungsmasten. Zunächst liegt das<br />

Gleis bis zur dritten Station in Seitenlage<br />

durch einen Bordstein getrennt neben der<br />

Straße. In Fahrtrichtung rechts ist stets der<br />

„Jenzig“, Jenas markanteste Erhebung, zu<br />

sehen. Sie ist für <strong>Straßenbahn</strong>fotos als stimmungsvoller<br />

Hintergrund geeignet.<br />

Ab der Haltestelle Jenzigweg, der zugleich<br />

einzigen Ausweichstelle im eingleisigen Abschnitt,<br />

verläuft das Gleis auf der nunmehr<br />

nach Südwesten führenden Karl-Liebknecht-<br />

Straße straßenbündig, nur teilweise durch<br />

Fahrbahnmarkierungen vor dem entgegenkommenden<br />

Kraftfahrzeugverkehr „geschützt“.<br />

In den 2000er-Jahren ließ die Jenaer<br />

Nahverkehrsgesellschaft die Strecke ab<br />

Höhe Einmündung Schenkstraße in Richtung<br />

anderes Saaleufer zweigleisig ausbauen,<br />

die Haltestelle Geschwister-Scholl-Straße ist<br />

seitdem als Kaphaltestelle ausgeführt.<br />

Kurz vor der Saale passieren die Wagen<br />

am Ostufer die „Grüne Tanne“, ein traditionsreiches<br />

Gasthaus, bekannt als Gründungsort<br />

der Jenaer Urburschenschaft<br />

Von der Göschwitzer (Straßen-)Brücke sind<br />

solche Aufnahmen auf die <strong>Straßenbahn</strong>brücke<br />

über die Saale und das Flüsschen Roda<br />

möglich. Genutzt wird sie unter anderem<br />

von der Linie 3 Jena-Ost – Lobeda-Ost. Am<br />

13. März 2014 war der im Vorjahr beschaffte<br />

Solaris-Tramino 702 hier unterwegs<br />

FOTOS, WENN NICHT ANDERS ANGEGEBEN: RONALD GLEMBOTZKY<br />

Bereits seit 1972 ragt der 159,60 Meter hohe Jentower mit seinen 29 Obergeschossen in den Himmel,<br />

daneben steht die Jenaer Stadtkirche. Der Tw 617 überquert hier auf der Camsdorfer Brücke<br />

die Saale und wird in Kürze die Haltestelle Geschwister-Scholl-Straße in Wenigenjena erreichen<br />

1815. An der folgenden Brücke endet zugleich<br />

der Stadtteil Wenigenjena.<br />

Das erste Mal über die Saale<br />

Die Jena von Süd nach Nord durchquerende<br />

Saale, die gemeinsam mit ihren Zuflüssen die<br />

Stadt und ihr Umland landschaftlich stark geprägt<br />

hat, überqueren die Linien 2 und 3 (sowie<br />

nachts die 33) auf der Camsdorfer Brücke.<br />

Bei dem heute so genannten Bauwerk handelt<br />

es sich um einen Neubau aus den Jahren<br />

2004/05. Eine an dieser Stelle 1913 fertiggestellte<br />

Vorgängerbrücke bot einst die Grundlage<br />

für die Erschließung von Wenigenjena mit<br />

der <strong>Straßenbahn</strong>. Mit dieser ist Jena-Ost seit<br />

30. Mai 1914 – also fast exakt 100 Jahre – zu<br />

erreichen. Die am 13. Juli 1946 nach ihrer<br />

Daten & Fakten: Jenas Linie 3<br />

Betreiber: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .<br />

. . . . . . . Jenaer Nahverkehrsgesellschaft GmbH<br />

(ein Tochterunternehmen der Stadtwerke Jena)<br />

Linienlänge: . . . . . . . . . 13,9 km (über Winzerla)<br />

Haltestellen: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 29<br />

Fahrzeit:. . . . . . . . . . . . . . . . . 39 bis 40 Minuten<br />

Linienfarbe: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . rosa<br />

üblicher Takt:. . . . . . . . . . . . . . alle 20 Minunten<br />

Spitzentakt: . . . . . . . . . . . . . . . . alle 15 Minuten<br />

Verstärkungen: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .<br />

• Mo–Fr durch Linie 2 (Jena-Ost – Winzerla,<br />

ebenfalls im 20-/15-Minuten-Takt)<br />

• abends, nachts und Sonntagvormittag: abschnittsweiser<br />

Ersatz durch die Linien 33,<br />

34 und 35 (30- bzw. 40-Min.-Takt)<br />

Anzahl Kurse: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .<br />

• 6 (Wochenende) bis 10 (Mo-Fr an Schultagen,<br />

zusammen mit Linie 2)<br />

Wageneinsatz: . . . . . . . . . . . GT6M-ZR, Tramino<br />

Einzelfahrt: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1,90 Euro<br />

Tageskarte: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4,90 Euro<br />

Kriegszerstörung wiedereröffnete Brücke<br />

sperrte die Stadtverwaltung aufgrund gravierender<br />

Baumängel am 14. November 2003 für<br />

den gesamten Straßenverkehr. Anschließend<br />

ließ sie das Bauwerk 2004 abtragen und durch<br />

einen Neubau ersetzen, dessen Einweihung am<br />

28. April 2005 ein großes Fest war.<br />

Vom Frühjahr bis zum Oktober 2004 hielt<br />

die Nahverkehrsgesellschaft während dieser<br />

Brückenarbeiten den <strong>Straßenbahn</strong>verkehr auf<br />

der Ostseite mit den letzten Gotha-Wagen im<br />

Inselbetrieb aufrecht. Am Westufer der Saale<br />

angekommen, unterquert die Straße sogleich<br />

den Damm der auch als „Saalbahn“ bekannten<br />

Eisenbahnstrecke Großheringen –/Abzweig<br />

Saaleck – Saalfeld (Saale) und kreuzt<br />

anschließend die Straße Am Eisenbahndamm/Am<br />

Anger die stark belastete Nord-<br />

Süd-Achse des Jenaer Straßenverkehrs (die<br />

Bundesstraße 88, Naumburg – Rudolstadt).<br />

Im Stadtzentrum<br />

Die letzte Haltestelle vor dem eigentlichen<br />

Stadtzentrum liegt im Steinweg. Nördlich<br />

dehnt sich das Entwicklungsgebiet Inselplatz<br />

aus; ein in den 1980er-Jahren errichtetes<br />

Kaufhaus ist bereits abgerissen. Nun<br />

sind hier neben Universitätseinrichtungen<br />

auch Wohnungen geplant.<br />

Über ein Gleisdreieck schließt die Linie 3<br />

an den Streckenast in den Jenaer Norden an<br />

(Linien 1 und 4 sowie nachts die 34), führt<br />

selbst aber ein kurzes Stück nach Süden, bis<br />

sie um den Roten Tum herum scharf nach<br />

Westen abbiegt. Entlang des Löbdergrabens<br />

– dieser Name bezieht sich auf hier früher<br />

vorhandene Anlagen der Stadtbefestigung –<br />

wird die kleine Jenaer Innenstadt mit ihren<br />

engen Gassen südöstlich umfahren.<br />

Die nun folgende Haltestelle Löbdergraben<br />

fungiert gemeinsam mit den benachbarten,<br />

aber nicht von der Linie 3 bedienten Haltestellen<br />

Teichgraben und Holzmarkt als zentraler<br />

Umsteigepunkt im Jenaer ÖPNV-Netz.<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014<br />

37


Betriebe<br />

Die Haltestelle Jenzigweg ist zugleich die einzige Ausweiche im eingleisigen Abschnitt zwischen<br />

Jena-Ost und der Haltestelle Geschwister-Scholl-Straße. Im Hintergrund ist der Jenzig erkennbar,<br />

der sich in Wenigenjena häufig als Bildhintergrund anbietet<br />

Johann Friedrich I. von Sachsen, einstiger Gründer<br />

der heutigen Friedrich-Schiller-Universität<br />

Jena (Gründungsjahr 1558), in der Innenstadt<br />

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Linienverlauf und Stationsübersicht<br />

von Jenas <strong>Straßenbahn</strong>linie 3<br />

ZEICHNUNG: SEBASTIAN PASCHINSKY<br />

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In diesem Bereich bestehen<br />

Umsteigemöglichkeiten zu<br />

nahezu allen weiteren Linien<br />

des Stadtverkehrs. Zugleich<br />

befinden sich hier viele<br />

zentrale Einrichtungen, ein Kino<br />

sowie zahlreiche Geschäfte und Restaurants.<br />

Bei der Neugestaltung des<br />

Holzmarktes und seiner Umgebung<br />

gaben Stadtverwaltung und Verkehrsgesellschaft<br />

die alte eingleisige <strong>Straßenbahn</strong>strecke<br />

durch die Neugasse zur Straße vor dem<br />

Neutor auf und ersetzten sie durch eine leistungsfähigere<br />

zweigleisige Trassierung entlang<br />

der Kronengasse und Straße „Am Volksbad“<br />

inklusive einer Hausdurchfahrt innerhalb eines<br />

neu errichteten Einkaufszentrums. Und so<br />

führt die Linie 3 auf ihrem weiteren Weg in<br />

Richtung Süden direkt unter einem Restaurant<br />

entlang! In der Kronengasse mündet zugleich<br />

die vom Ernst-Abbe-Platz kommende Linie 5<br />

vom Holzmarkt in die neugebaute Trasse ein,<br />

die damit von allen fünf Jenaer <strong>Straßenbahn</strong>-<br />

Tageslinien benutzt wird. Beim „Volksbad“<br />

handelt es sich um ein ehemaliges Wannen-<br />

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und Brausebad<br />

mit angeschlossener<br />

Schwimmhalle,<br />

was nach fast<br />

100-jähriger Nutzung<br />

2001 schloss.<br />

Heute beherbergt<br />

es nur noch Büros,<br />

Lager und einen<br />

Veranstaltungsraum<br />

des Jenaer Kulturbetriebes.<br />

Umsteigeknoten Jena Paradies<br />

Das südliche Ende der parallel zur Straße „Am<br />

Volksbad“ trassierten Neubaustrecke mündet<br />

auf die Knebelstraße ein. Auf der Kreuzung<br />

mit dieser Straße befindet sich ein weiteres<br />

Gleisdreieck. Führen die Linien 1, 4 und 5<br />

nach links zur nächsten Saalebrücke, so biegen<br />

die Linien 2 und 3 gemeinsam nach rechts ab.<br />

Ab hier verläuft die <strong>Straßenbahn</strong> parallel zur<br />

Saalbahn. Deren Haltepunkt Jena Paradies<br />

verlegte die DB AG im Jahr 2005 etwas nach<br />

Norden, wo er sich in zeitgenössischer Erscheinungsform<br />

wiederfindet.<br />

Diese Station ist eine der drei bedeutenden<br />

Eisenbahnhalte im Jenaer Stadtgebiet, heute<br />

jedoch der einzige mit Bedienung durch Fernverkehrszüge.<br />

Der erst wenige Jahre alte Busbahnhof<br />

nördlich der Knebelstraße ergänzt<br />

diesen Nahverkehrsknoten. Neben Regionalbuslinien<br />

verschiedener Anbieter halten hier<br />

inzwischen auch diverse Fernbuslinien.<br />

Parallel zur Saalbahn<br />

Nach dem Verlassen der Innenstadt führt die<br />

Linie 3 die nächsten Kilometer mehr oder weniger<br />

parallel zur Saalbahn in Richtung Süden.<br />

Der Name der Haltestelle Felsenkeller<br />

erinnert an das früher hier gelager te Bier einer<br />

Brauerei. Nicht weit entfernt befinden<br />

sich der Bahnhof Jena West (an der Eisenbahnstrecke<br />

Weimar – Gera) und das Geraer<br />

Justizzentrum. Gleich nach der Haltestelle<br />

ist die <strong>Straßenbahn</strong> wieder straßenbündig<br />

entlang der Kahlaischen Straße trassiert.<br />

Während sich nach links die Grünflächen der<br />

Oberaue im hier breiten Saaletal ausbreiten,<br />

steigt das Gelände rechts deutlich an. Vereinzelt<br />

zeigen sich sogar mächtige Felswände.<br />

Nur wenige hundert Meter vor der Haltestelle<br />

Ringwiese überquert die Weimar-Geraer<br />

Eisenbahn auf einer Brücke die Kahlaische<br />

Straße. Die <strong>Straßenbahn</strong> verläuft fortan<br />

wieder auf einer separaten, anders als in Wenigenjena<br />

allerdings zweigleisigen Trasse.<br />

Entlang der Rudolstädter Straße<br />

In Fahrtrichtung rechts prägen nun zunächst<br />

die zur Ernst-Abbe-Siedlung gehörenden Reihen-<br />

und Doppelhäuser das Bild. Doch der<br />

38 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014


Jena<br />

Anblick ändert sich bis zur nächsten Haltestelle<br />

Damaschkeweg schlagartig: Ab der von<br />

rechts einmündenden Winzerlaer Straße flankieren<br />

die vorwiegend mehrgeschossigen Plattenbauten<br />

des Neubaugebietes Winzerla die<br />

Strecke. Die Haltestelle Damaschkeweg bietet<br />

wichtige Umsteigebeziehungen zu Buslinien<br />

insbesondere in Richtung Beutenberg, Lichtenhain<br />

und Zeisswerk.<br />

Nur wenige hundert Meter südlich schließt<br />

an einem Gleisdreieck die 1996 eröffnete<br />

Neubaustrecke in Richtung Neulobeda an.<br />

Die Linien 2 und 3 teilen sich die Bedienung<br />

des kurzen Restabschnittes nach Winzerla:<br />

Montags bis freitags zwischen etwa 6.30 und<br />

19 Uhr nutzt die Linie 3 die direkte Verbindung<br />

in Richtung Burgau und Lobeda. Den<br />

Abschnitt zur Wendeschleife Winzerla befährt<br />

zu diesen Zeiten werktags nur die Linie<br />

2. Am Wochenende sowie zu den übrigen Betriebszeiten<br />

bedient die Linie 3 Winzerla mit.<br />

Diese Haltestellenanlage verfügt über zwei<br />

Schleifengleise und drei Bahnsteige. Auch<br />

dort bestehen Umsteigemöglichkeiten zu<br />

zahlreichen städtischen und regionalen Buslinien.<br />

Während die Linie 2 planmäßig über<br />

den Gleiswechsel umsetzt, befahren die <strong>Straßenbahn</strong>linie<br />

3 und nachts die Linie 34 die<br />

Wendeschleife. Das innere Gleis wird dann<br />

planmäßig für die Fahrten in Richtung Neulobeda,<br />

das äußere – analog zur Linie 2 – in<br />

Richtung Stadtzentrum (– Jena-Ost) genutzt.<br />

Durch Burgau<br />

Am Gleisdreieck Winzerla kreuzt die Linie<br />

3 die Rudolstädter Straße und führt nach<br />

Osten in Richtung Burgau auf einem brei-<br />

Vom Holzmarkt führen alle fünf werktags verkehrenden Linien der Jenaer Nahverkehrsgesellschaft<br />

unter einem Neubau zur Kronengasse. Von dort kommend ist hier am 23. Mai 2014 der<br />

im Jahre 2002 in Bautzen gebaute Tw 625 auf dem Weg nach Jena-Ost SEBASTIAN PASCHINSKY<br />

Hinter der Haltestelle Alte Burg auer<br />

Brücke erheben sich die Kernberge,<br />

ein 391,6 Meter hoher Muschelkalkbergzug<br />

östlich von Jena<br />

RONNY DAUER<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014<br />

39


Betriebe<br />

An der Haltestelle Ernst-Ruska-Ring wird erstmals das Gewerbegiebt Jena-Süd erreicht. In über<br />

160 Unternehmen arbeiten hier heute ca. 6.000 Menschen. Am 19. Oktober 2013 legte der Triebwagen<br />

612 seinen regulären Halt auf der Fahrt nach Lobeda-Ost ein<br />

ten Grünstreifen südlich der Lobedaer Straße.<br />

In diesem Bereich bildet die Linie 3 eine<br />

Tangentialverbindung im Jenaer Netz. Kurz<br />

hinter der Haltestelle Freizeitbad, direkt neben<br />

einem „Spaßbad“ und in der Nähe eines<br />

Heizkraftwerkes der Stadtwerke Jena<br />

gelegen, unterquert die Strecke in Burgau<br />

die beiden Gleispaare von Saalbahn und<br />

der Weimar-Geraer Eisenbahn. Schon unter<br />

der Brücke liegen die Weichen des nächsten<br />

Gleisdreiecks: Hier mündet die Linie 3 auf<br />

die von den Linien 1, 4 und 5 genutzte kürzere<br />

Strecke vom Stadtzentrum (über die<br />

Oberaue) nach Neulobeda ein.<br />

Die Verbindung von der Tangentialstrecke<br />

aus Winzerla nach in Richtung Zentrum<br />

dient dabei ausschließlich betrieblichen<br />

Zwecken und wird im Liniendienst regulär<br />

nicht genutzt.<br />

Die östlich des Gleisdreiecks neben einem<br />

Einkaufszentrum folgende Haltestelle Burgaupark<br />

wird von den Linien 1, 3, 4 und 5<br />

bedient. Kurz nach dieser Haltestelle zweigt<br />

die jüngste Neubaustrecke im Jenaer <strong>Straßenbahn</strong>netz<br />

nach Süden ab. Diese wird<br />

von den Linie 1 und 3 sowie abends und am<br />

Sonntagvormittag allein durch die Linie 35<br />

befahren und erschließt – nach dem Passieren<br />

des östlichen Randes des alten Dorfes<br />

Burgau – das Gewerbegebiet Göschwitz sowie<br />

den Bahnhof Göschwitz.<br />

Neben der Haltestelle Alte Burgauer Brücke<br />

liegen die namensgebende alte Steinbrücke<br />

sowie ein Biergarten in unmittelbarer<br />

Nähe zur Saale. Burgau war schon<br />

zwischen 1908 und 1967 durch die Jenaer<br />

<strong>Straßenbahn</strong> erschlossen. Die frühere Streckenführung<br />

mitten durch den Ort ist heute<br />

jedoch kaum mehr auszumachen.<br />

Im Bereich des Eisenbahnknotens<br />

Jena-Göschwitz<br />

Die größtenteils etwas abseitige Lage der<br />

weiteren Neubaustrecke erlaubt eine hohe<br />

Fahrgeschwindigkeit, sorgt aber auch für<br />

teilweise lange Fußwege zu den Haltestellen<br />

Ernst-Ruska-Ring, Felsbachstraße und<br />

Fast keine Autos störten zum Zeitpunkt der Aufnahme auf der sonst stark befahrenen Kahlaischen Straße. Vor prächtigen Wohnhäusern mit Fachwerk<br />

ist der Solaris-Tramino 702 zwischen den Haltestellen Mühlenstraße und Ringwiese in Richtung Lobeda-Ost unterwegs<br />

40 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014


Jena<br />

Nach dem Unterqueren der Weimar-Geraer<br />

Eisenbahn folgt die Haltestelle Ringwiese<br />

vor allem Jenoptik. Westlich der Strecke<br />

dominieren inzwischen kaum genutzte Flächen<br />

der früheren Einsatzstelle Göschwitz<br />

des Bahnbetriebswerkes Saalfeld und des<br />

Güterbahnhofs Göschwitz (Saale). Der<br />

Personenbahnhof Jena-Göschwitz fungiert<br />

zwar teilweise als „Hauptbahnhof“ von<br />

Jena. Hier halten jedoch inzwischen ausschließlich<br />

die Züge des Eisenbahnregionalverkehrs.<br />

Durch seine zentrumsferne<br />

Lage und weil die Züge des Fernverkehrs<br />

hier nicht halten, ist er jedoch nicht so bedeutend,<br />

wie die beiden zentraler gelegenen<br />

Stationen (Jena West und Jena Paradies).<br />

Trotzdem hat Jena-Göschwitz seit der Inbetriebnahme<br />

der <strong>Straßenbahn</strong>erweiterung<br />

an Bedeutung gewonnen, da die zu seinem<br />

Erreichen früher notwendigen Umwege<br />

entfielen und ein deutlich attraktiveres<br />

Fahrtenangebot als mit der früheren Buslinie<br />

13 besteht.<br />

Neubautrassenabschnitte<br />

auch in Jena-Lobeda<br />

In einem weiten Bogen unterquert die folgende<br />

Trasse zunächst die Göschwitzer<br />

Straße und überquert gleich danach die<br />

Saale sowie das Flüsschen Roda. Gleichzeitig<br />

steigt das Gelände hier wieder spürbar<br />

an. Am Ostufer der Saale erreicht die Strecke<br />

nun die Plattenbauten der Großsiedlung<br />

Neulobeda. An der dreigleisigen früheren<br />

Endstelle Lobeda-West schließt sie<br />

wieder an die <strong>Straßenbahn</strong>neubaustrecke<br />

von 1996 an. Nach einem weiteren Links-<br />

An der Haltestelle Damaschkeweg bestehen Übergangsmöglichkeiten zum Stadtbus. Ab hier<br />

fährt die Linie 3 teilweise direkt nach Burgau oder zuerst über Winzerla<br />

Zwischen Gewerbegebiet und Bahnanlagen geht es zum Bahnhof Jena-Göschwitz. Im Hintergrund<br />

erheben sich die Kernberge. Sie sind ein Erkennungszeichen des Saaletals in diesem Bereich<br />

Im Bereich des Bahnhofes Jena-Göschwitz führt<br />

das Gleis der Linie 3 nah an den Eisenbahnschienen<br />

entlang. In Fahrtrichtung Lobeda-Ost<br />

befindet sich Tramino 703 am 21. März 2014 im<br />

Steigungsabschnitt hinauf zur Brücke über<br />

Saale und das Flüsschen Roda RONNY DAUER<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014<br />

41


Betriebe<br />

bogen treffen wir auf das Gleisdreieck Lobeda,<br />

über welches die direktere Strecke<br />

entlang der Stadtrodaer Straße anbindet<br />

(dort verkehren die Linien 4 und 5). Neulobeda<br />

wurde zunächst ausschließlich über<br />

diese deutlich kürzere und nur eine Zwischenhaltestelle<br />

aufweisende Strecke erreicht.<br />

Die Linie 3 von vor 2009 bediente<br />

Lobeda-West mittels „Stichfahrt“ mit. Östlich<br />

des Gleisdreiecks wird die schnellstra-<br />

Lange Zeit Endstation: Lobeda-West. Nach Einweihung der Neubaustrecke auf das andere<br />

Saaleufer wird von hier aus in wenigen Minuten der Bahnhof Jena-Göschwitz erreicht<br />

ßenartig ausgebaute Stadtrodaer Straße auf<br />

einer separaten <strong>Straßenbahn</strong>brücke überquert.<br />

Tagsüber dient allein die Linie 3 der<br />

relativ starken ÖPNV-Nachfrage zwischen<br />

Lobeda-West und -Ost.<br />

An Neubaublöcken vorbei<br />

dem Endpunkt entgegen<br />

Die Gleistrasse wechselt nun in Mittellage<br />

der Erlanger Allee. Beiderseits der Straße<br />

dominieren zunächst noch mehrgeschossige<br />

Plattenbauten, die auf der Nordseite bald<br />

vom ausgedehnten Komplex des Universitätsklinikums<br />

abgelöst werden. Auf der<br />

Südseite der gleichnamigen Haltestelle befindet<br />

sich das Stadtteilzentrum von Lobeda-Ost.<br />

Die Bebauung lockert sich ab hier<br />

etwas auf, denn mehrheitlich nur noch fünfgeschossige<br />

Wohngebäude beherrschen nun<br />

das Bild. Nach zwei weiteren Haltestellen<br />

ist die südliche Endstelle der Linie 3 erreicht,<br />

nachdem die Trasse auf dem letzten<br />

Stück wieder in die nördliche Seitenlage gewechselt<br />

hat.<br />

Bei der dreigleisige Endstellenanlage<br />

han delt es sich zugleich um die höchstgelegene<br />

Haltestelle im Jenaer <strong>Straßenbahn</strong>netz.<br />

Die Linie 3 teilt sie sich mit der wichtigeren<br />

Linie 5, die eine deutlich schnellere<br />

Verbindung in Richtung Stadtzentrum bietet<br />

und montags bis freitags auch häufiger<br />

fährt.<br />

ROBERT MÜLLER<br />

Endstation der Linie 3 im Südosten:<br />

Lobeda-Ost. Der Solaris-Tramino 704<br />

bedient hier am 13. März 2014 die<br />

Linie 5, der Tw 624 die Linie 3<br />

42 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014


Nächster Halt: …<br />

Nicht auf übermäßigen Alkoholkonsum, sondern auf einen so benannten Hof geht der Name der Krefelder Haltestelle „Schicks“ zurück. Tw 609 erreicht<br />

hier auf seiner Fahrt nach Fischeln das Krefelder Stadtgebiet. Ein paar Meter weiter geht es ins Depot der SWK<br />

CHRISTIAN LÜCKER<br />

Nächster Halt:<br />

Schicks<br />

Wo sich heute täglich tausende Autos nach Tönisvorst,<br />

Gatherhof, Kempen und in die Krefelder<br />

City schieben und dutzende <strong>Straßenbahn</strong>en<br />

Richtung Fischeln und St. Tönis rollen, da<br />

befand sich bis Ende des 19. Jahrhunderts nicht<br />

viel mehr als ein Bauernhof. Der „Schickshof“<br />

war für die Krefelder aber von besonderer Bedeutung:<br />

Er markierte eine der wenigen Stellen,<br />

an denen die Bürger den Abwehrgraben der<br />

Stadt überqueren konnten. Solche sogenannten<br />

Schlagbaumstellen wurden häufig nach benachbarten<br />

Höfen benannt. So kommt die<br />

Siedlung „Schicksbaum“ zu ihrem Namen.<br />

Und auch die Haltestelle Schicks erinnert noch<br />

an die Familie, der hier einst das Umland gehörte.<br />

Heute befindet sich an dieser Stelle die<br />

Stadtgrenze: Direkt hinter der Haltestelle<br />

Schicks verlässt die <strong>Straßenbahn</strong>linie 041 Krefeld,<br />

um ins etwa drei Kilometer entfernte St.<br />

Tönis zu fahren. Von dort aus startet übrigens<br />

die längste zusammenhängende Straßen- und<br />

Stadtbahnfahrt Deutschlands. Wer gutes Sitzfleisch<br />

hat, der kann von St. Tönis über Krefeld,<br />

Düsseldorf, Duisburg, Mülheim, Essen,<br />

Gelsenkirchen und Bochum bis an den äußersten<br />

Zipfel Wittens fahren. Auf der Schiene ergibt<br />

das immerhin eine Fahrstrecke von über<br />

100 Kilometern.<br />

Doch nicht überall gibt es einen so komfortablen<br />

Takt wie an der Haltestelle Schicks:<br />

Wochentags rollen hier alle zehn Minuten<br />

hochflurige M8C oder die Niederflurwagen<br />

des Typs Flexity Outlook vor.<br />

Und an wohl kaum einer anderen Haltestelle<br />

im Krefelder Stadtgebiet wird das Fahrpersonal<br />

so häufig gegrüßt wie hier. Ein Großteil<br />

des Fahrpersonals und der Kontrolleure<br />

nutzt die Haltestelle nämlich selbst: Ganz in<br />

der Nähe, in Fahrtrichtung Innenstadt, befindet<br />

sich der Betriebshof der SWK, der<br />

sämtliche 39 Krefelder Linienfahrzeuge beheimatet.<br />

CHRISTIAN LÜCKER<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014<br />

43


Fahrzeuge<br />

Der erste Schweizer Gelenkmotorwagen, der Be 6/6 Nr. 1802 der VBZ hier noch als 1701 im<br />

Ablieferungszustand 1960 im Frankental (Höngg)<br />

FOTO: MFO, SAMMLUNG HANS. BODMER<br />

Zwei Karpfen<br />

als Basis<br />

Der Be 6/6 Nr. 1701 (1802) der Verkehrsbetriebe der Stadt<br />

Zürich Er war der erste Gelenktramwagen in der Schweiz –<br />

technisch basierte er dabei auf den Großraumwagen-artigen<br />

Be 4/4 Nr. 1416 bis 1430. Doch welche Veränderungen erfuhr<br />

das Einzelstück in seiner Heimatstadt und wo ist er heute?<br />

Der Zürcher Gelenkmotorwagen<br />

Be 6/6 Nr. 1802 (ex 1701) am 5. Mai<br />

1989 einsatzbereit in der Gessne r -<br />

allee. Einsätze mit Beiwagen – wie<br />

hier mit B4 Nr. 786 – waren viele<br />

Jahre üblich<br />

HANS BODMER<br />

Die Nachkriegszeit war in Zürich geprägt<br />

vom unaufhaltsamen Aufstieg<br />

des Automobilverkehrs, vom grenzenlosen<br />

Ausgreifen der Städte ins<br />

Umland und vom ungeheuren Anstieg des allgemeinen<br />

Verkehrsvolumens. Eigentlich sollte<br />

deshalb in den 1950er-Jahren auch in Zürich<br />

das Tram ausrangiert werden – die<br />

Zukunft sah man in Trolley- und Autobussen.<br />

Doch es kam anders, worauf in einem folgenden<br />

Heft einmal eingegangen werden soll. Die<br />

andauernde Konjunktur Anfang der 1960er-<br />

Bereits nach seiner 1967 erfolgten Umzeichnung<br />

von 1701 in 1802 entstand auch diese<br />

Fotografie. Die Aufnahme vom 24. August<br />

1968 zeigt den Gelenkmotorwagen im Einsatz<br />

auf der Linie 14 in Seebach FOTO: HANS BODMER<br />

44 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014


Zürichs Be 6/6 Nr. 1701 (1802)<br />

Jahre und das Wachstum aller Geschäftszweige<br />

mit der Konzentration vieler Firmen<br />

mit zahlreichem Personal in der Stadt Zürich<br />

brachten eine enorme Zunahme des öffentlichen<br />

Verkehrs. Der Verkehrsstrom konnte<br />

mit den herkömmlichen Fahrzeugen der <strong>Straßenbahn</strong><br />

nicht mehr bewältigt werden. Außerdem<br />

war der vorhandene Rollmaterialpark<br />

zu jener Zeit überaltert, ihn prägten<br />

noch zahlreiche zweiachsige Wagen, die dringend<br />

ersetzt werden mussten (der Betrieb mit<br />

zweiachsigen Motorwagen endete in Zürich<br />

letztendlich im Sommer 1972).<br />

Vorgeschichte des Be 6/6 Nr. 1701<br />

Aus oben genannten Umständen heraus<br />

entwickelte die Schweizerische Wagonsund<br />

Aufzügefabrik AG, Schlieren (SWS), in<br />

Zusammenarbeit mit der Maschinenfabrik<br />

Oerlikon (MFO) für die Verkehrsbetriebe<br />

der Stadt Zürich (VBZ) im Jahre 1957 den<br />

ersten Gelenktrolleybus der Schweiz. Zwei<br />

Jahre später – 1959 – nahmen die Firmen<br />

SWS und MFO gemeinsam mit den VBZ<br />

Studien für ein erstes Gelenktram auf. Basis<br />

waren die Motorwagen Be 4/4 Nr. 1416<br />

bis 1430 („Karpfen“), die oben genannte<br />

Unternehmen 1959/60 an die VBZ lieferten.<br />

Es entstand daraus der 1960 gelieferte<br />

sechsachsige Gelenkwagen Be 6/6 Nr. 1701<br />

(später 1802) mit Allachsantrieb.<br />

Wie die „Karpfenserie“ war der Gelenkwagen<br />

für das in Zürich projektierte Tieftram<br />

konzipiert, indem auf beiden Wagenseiten<br />

hätten Türen eingebaut werden<br />

können, um im Untergrundbereich auch In-<br />

selperrons zu bedienen.Der zweiteilige Wagenkasten<br />

des Be 6/6 ruht auf drei zweiachsigen<br />

Triebdrehgestellen, die – inklusive der<br />

Fahrmotoren – identisch mit denen der Wagen<br />

1416 bis 1430 sind. Das mittlere Drehgestell<br />

trägt das von SWS zum Patent angemeldete<br />

Gelenksystem. Die beiden<br />

Wagenhälften sind durch zwei ineinandergreifende<br />

zentrale Drehzapfen miteinander<br />

spielfrei verbunden. Der Wagenkasten sowie<br />

die Führerstandsform entsprechen wiederum<br />

den „Karpfenwagen“. Der Gelenkwagen<br />

besitzt vier Ein- und Ausstiegtüren, wobei<br />

zwei als doppelbreite Vierflügel- und<br />

zwei als Dreiflügel-Falttüren, alle parallel<br />

zur Gleisachse, angeordnet sind.<br />

Das Fahrzeug ist mit vier voneinander<br />

unabhängigen Bremsen ausgerüstet, näm-<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014


Fahrzeuge<br />

zulässig waren. Seit dem Ausbau der Kondukteurkabine<br />

im Heck des Wagens gibt es<br />

46 Sitz- und 118 Stehplätze für insgesamt<br />

164 Fahrgäste. Die zulässige Höchstgeschwindigkeit<br />

legten Hersteller und VBZ<br />

auf 60 km/h fest.<br />

Die technische Basis für das Einzelstück Be 6/6 Nr. 1701 (1802) bildeten die 1959/60 gebauten<br />

Be 4/4 Nr. 1416 bis 1430. Frontpartie, Wagenkastenbereiche, aber auch viele Antriebsbaugruppen<br />

fanden sich auch im ersten Zürcher Gelenktramwagen wieder<br />

HANS BODMER<br />

Der schon damals nur noch für besondere Zwecke genutzte Wagen 1802 mit einer phantasievollen<br />

Bemalung am 15. April 2004 an der Endstelle Hardturm<br />

TIBERT KELLER<br />

Literaturquellen<br />

• Bryner, K.; Anderegg, E.: Der erste Strassenbahn-Gelenkmotorwagen<br />

der Schweiz.<br />

In: Neue Zürcher Zeitung (1961), Nr. 4909.<br />

• Bryner, K.: Gelenkfahrzeuge für den öffentlichen<br />

Verkehr. In: Technische Rundschau<br />

(1962), Nr. 16.<br />

• Zbinden, W.: Gelenktriebwagen für die<br />

Verkehrsbetriebe der Städte Basel und Zürich.<br />

In: BBC-Sonderausgabe; Elektrische und<br />

dieselelektrische Traktion (1960), S. 75–79.<br />

lich mit einer elektrischen Widerstandsbremse<br />

(alle sechs Fahrmotoren), einer automatischen<br />

Druckluftbremse System<br />

Charmilles, einer sechsfachen Schienenbremse<br />

und einer Handbremse. Die elektrische<br />

Bremse sowie die Druckluftbremse<br />

dienen als Betriebsbremsen und sind über<br />

die Fahrautomatik miteinander verbunden,<br />

wobei die Druckluftbremse mit einem Griff<br />

beim Handrad des Steuerkontrollers auch<br />

separat betätigt werden kann.<br />

Das Fassungsvermögen des Wagens verteilte<br />

sich ursprünglich auf 44 Sitz- und 116<br />

Stehplätze, womit in Summe 160 Personen<br />

Die Steuerung des Unikates<br />

Für die elektrische Ausrüstung griffen die<br />

Hersteller ebenfalls auf bewährte Elemente<br />

der „Karpfenwagen“ zurück. So verfügt der<br />

Be 6/6 über eine elektropneumatische Hüpfersteuerung.<br />

Die ursprüngliche Schaltung<br />

der Wagen ermöglichte nur den Betrieb aller<br />

Fahrmotoren mit 200 Volt Gleichstrom, das<br />

heißt, zwei parallele Gruppen mit je drei Motoren<br />

in Serie mit zwei Feldschwächungsstufen<br />

bis zu 30 Prozent. Damit konnte auf das<br />

Anfahren mit zwei Gruppierungen, wie dies<br />

bei den „Karpfenwagen“ der Fall ist (Serie –<br />

Serie/Parallel) verzichtet werden, was zu großen<br />

Vereinfachungen der Steuerung führte.<br />

Es zeigte sich jedoch, dass die Leistungsreserve<br />

des Motorwagens den ständig steigenden<br />

Anforderungen so nicht gewachsen<br />

war. Die Fahrmotoren wurden deshalb wieder<br />

auf ihre Normalspannung von 300 Volt<br />

Gleichstrom (drei parallele Gruppen mit je<br />

zwei Motoren in Serie) umgeschaltet. Das<br />

Anfahren in nur einer Gruppierung behielten<br />

die VBZ hingegen bei.<br />

Die Fahr- und Bremsstufen sind sehr fein<br />

aufgeteilt, das heißt, das Anfahren- und<br />

Bremsen ist für den Fahrgast kaum spürbar.<br />

Zum Fahren sind 20 Fahrstufen sowie zwei<br />

Shuntstufen (Feldschwächung) und zum<br />

Bremsen 22 Stufen vorhanden, wobei auf<br />

der letzten Bremsstufe via Schienenbremshüpfer<br />

die elektromagnetische Schienenbremse<br />

in Funktion tritt.<br />

Der Fahrmotor vom Typ EMR 24 als<br />

Gleichstrom-Hauptschlussmaschine hatte sich<br />

bei den VBZ bestens bewährt. Außer dem<br />

handbetätigten Hauptstrom-Wendeschalter,<br />

mit dem bei Motorausfall auch die einzelnen<br />

Motorgruppen abgetrennt werden können,<br />

und einem Nockenschaltwerk, das die Fahrund<br />

Bremsschaltung herstellt, enthält die Steuerapparatur<br />

nur elektropneumatisch betätigte<br />

Hüpfer vom Typ PH 251 der MFO, die zusammen<br />

mit den übrigen Apparaten in seitlich<br />

gut zugänglichen Kästen unter dem Wagenboden<br />

untergebracht sind.<br />

Der Einsatz des Einzelstücks<br />

Der Be 6/6 Nr. 1701 erhielt 1967 die Nummer<br />

1802 und kam viele Jahre hauptsächlich<br />

auf der Linie 14 und später auf der Linie<br />

11 mit einem vierachsigen Beiwagen der<br />

Serie 771 bis 786 zum Einsatz. Zur Erprobung<br />

der Halbscheren-Stromabnehmer ließen<br />

die VBZ Mitte der 1970er-Jahre den<br />

herkömmlichen Scherenpantograph ersetzen.<br />

Eine Zeit lang diente das Einzelstück<br />

auch während der morgendlichen und<br />

46 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014


Zürichs Be 6/6 Nr. 1701 (1802)<br />

Der seit 1993 als Gastrotram<br />

mit einer Küche<br />

ausgerüstete Be 6/6 Nr.<br />

1802 verkehrte in den<br />

vergangenen Jahren mit<br />

ganz unterschiedlichen<br />

Lackierungen und Reklamen.<br />

Am 30. Mai 2009<br />

warb er in Zürich<br />

für „Ferien in Österreich“,<br />

hier bei einem<br />

Halt am Bellevue<br />

TIBERT KELLER<br />

abendlichen Hauptverkehrszeit für Einsatzkurse.<br />

Im Laufe der Jahrzehnte ließen die<br />

VBZ den Gelenkwagen mehrmals revidieren.<br />

Nach dem Einbau einer Küche verkehrt<br />

er seit April 1993 als „Gastrotram“ – meist<br />

während der warmen Jahreszeit mit einem<br />

offenen Aussichtswagen für Gesellschaften.<br />

Aktuell ist das Unikat in der Zentralwerkstätte<br />

der VBZ in Zürich-Altstetten abgestellt.<br />

Es ist jedoch vorgesehen, wenngleich<br />

noch nicht definitiv beschlossen, den<br />

Wagen einer abermaligen Revision zu unterziehen.<br />

Für die heutigen kulinarischen<br />

Bedürfnisse soll dabei auch eine neue Küche<br />

eingebaut werden. HANS BODMER<br />

Typenzeichnung des Gelenkmotorwagens Be 6/6 Nr. 1802 (ex 1701) nach Ausbau der Kondukteuerkabine und mit Halbscherenstromabnehmer<br />

im Zustand Mitte der 1970er Jahre. Inzwischen verfügt er über ein Küchenabteil im linken, hinteren Wagenteil<br />

ZEICHNUNG: HANS BODMER<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014<br />

47


Fahrzeuge<br />

Er ist das älteste erhaltene <strong>Straßenbahn</strong>fahrzeug Nürnbergs – und seit Februar dieses Jahres restauriert: der Pferdebahnwagen 11. Er zählt<br />

seitdem wieder zu den wertvollsten Exponaten des Historischen <strong>Straßenbahn</strong>depots St. Peter<br />

MARTIN SCHULZE-NOVER<br />

Fenster in Vergangenheit<br />

Nürnbergs Pferdebahnwagen 11 restauriert Er ist das älteste Fahrzeug in der Sammlung<br />

des Historischen <strong>Straßenbahn</strong>depots St. Peter in Nürnberg und zugleich der älteste <strong>Straßenbahn</strong>wagen<br />

in Süddeutschland. Aber was macht seine Aufarbeitung so besonders?<br />

Als ältestes Fahrzeug in der Sammlung<br />

des Historischen <strong>Straßenbahn</strong>depots<br />

St. Peter in Nürnberg<br />

kann der Pferdebahnwagen 11 viele<br />

Geschichten erzählen. Nach umfangreichen<br />

Untersuchungen und gut einjähriger<br />

konservatorischer Behandlung zeigt er sich<br />

seit Februar 2014 wieder in Erscheinungsbild<br />

der Auslieferung im Jahr 1881.<br />

Technisches Kulturgut erhalten<br />

Der Weitsicht der Leitung der Nürnberg-<br />

Fürther <strong>Straßenbahn</strong>-Gesellschaft zu Beginn<br />

des 20. Jahrhunderts ist es zu verdanken,<br />

dass viele Nürnberger <strong>Straßenbahn</strong>fahrzeuge<br />

aus dem 19. Jahrhundert erhalten geblieben<br />

sind. Denn bereits vor einem Jahrhundert<br />

pflegte die Nürnberger <strong>Straßenbahn</strong> ein<br />

eigenes, nichtöffentliches Museum. Seit<br />

1985 ist diese Sammlung ergänzt um Exponate<br />

aus den folgenden Jahrzehnten im Historischen<br />

<strong>Straßenbahn</strong>depot St. Peter der<br />

Öffentlichkeit zugänglich.<br />

Der Pferdebahnwagen 11 genießt darin<br />

einen besonderen Stellenwert, handelt es<br />

sich bei ihm doch nicht nur um eines der<br />

zehn ersten Fahrzeuge aus dem Werk Wörth<br />

der späteren Maschinenfabrik Augsburg-<br />

Nürnberg (MAN), sondern auch um den ältesten<br />

erhaltenen <strong>Straßenbahn</strong>wagen Nürnbergs!<br />

Als solcher bereits seit dem Jahr 1909<br />

als Museumswagen vorgehalten, befindet er<br />

sich weitestgehend in einem originalen und<br />

vollständigen Zustand, wenngleich verschiedene<br />

Restaurierungen der 1930er- und<br />

1970er-Jahre seine äußerliche Erscheinung<br />

immer weiter vom Original entfremdet hatten.<br />

So zeigte sich der Pferdebahnwagen bis<br />

Ende 2012 zwar im Inneren weitgehend authentisch,<br />

von außen prägten jedoch von<br />

der Restaurierung 1971 stammende Kunststoff-Klebefolien<br />

und eine Lackierung in<br />

Holzoptik sein Bild.<br />

Im Herbst 2012 gab der Verein „Freunde<br />

der Nürnberg-Fürther <strong>Straßenbahn</strong> e. V.“<br />

bei der renommierte Firma Haber & Brandner<br />

aus Regensburg genaue Untersuchungen<br />

und die Konservierung des Wagens in Auftrag.<br />

Dieses ein Volumen von ca. 60.000 Euro<br />

umfassende Projekt finanzierte der Verein<br />

ausschließlich durch Spendengelder. Dank<br />

der Unterstützung der Landesstelle für die<br />

nichtstaatlichen Museen in Bayern sowie<br />

der Firmen MAN SE, Siemens AG, Hübner<br />

48 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014


Nürnbergs Pferdebahnwagen 11<br />

Technische Daten:<br />

Pferdebahnwagen 11<br />

Zugehörige Reihe: . . . . . . . Wagen 1 bis 26, 27 II ,<br />

37 bis 41, 50 bis 55<br />

Bauart: . . . . . . . . . . . . . zweiachsige Einspänner<br />

als Zweirichtungswagen<br />

Aufbau: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Holz<br />

Länge: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4.810 mm<br />

Breite:. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1.930 mm<br />

Achsstand: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1.370 mm<br />

Leergewicht:. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1.600 kg<br />

Sitz-/Stehplätze: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 12/12<br />

Anordnung der Sitzbänke: . . . . . . . . . . . . . längs<br />

Hersteller:<br />

Nr. 1: Brill, Philadelphia<br />

übrige Nr.: Maschinenbau Actiengesellschaft<br />

Nürnberg<br />

Baujahre: ....1881/82, ein Nachzügler 1890<br />

(Wagen 27II)<br />

Baujahr Wagen 11:. . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1881<br />

Ausmusterung der Serie: . . . . . . . . . 1896–1909<br />

Im Jahr 1890 biegt der Pferdebahnwagen 10 vom Schlachthof kommend in Richtung Laufer Tor<br />

in die Nürnberger Altstadt ein. Markant ist die große Schlusslaterne ARCHIV DER VAG NÜRNBERG (2)<br />

und der Sparkasse Fürth gelang eine vollständige<br />

Befundung, Dokumentation und Sicherung<br />

teilweise aus dem Lieferjahr 1881<br />

stammender Lackschichten und die Rekonstruktion<br />

der Außenlackierung auf Basis der<br />

gewonnenen Erkenntnisse.<br />

Wechselvolle Geschichte<br />

eines <strong>Straßenbahn</strong>wagens<br />

Für den Bau der ersten Pferdebahnwagen<br />

diente dem Werk Wörth der Maschinenbau-Actiengesellschaft<br />

Nürnberg 1881 ein<br />

von der US-Firma Brill in Philadelphia hergestelltes<br />

Fahrzeug als Muster. In Nürnberg<br />

gingen die 34 von 1881 bis 1882 gebauten<br />

Nachbauten mit einer dunkelbraun/grünen<br />

Lackierung in Betrieb. Auf Weisung des aus<br />

Schweden stammenden neuen Direktors der<br />

<strong>Straßenbahn</strong>gesellschaft, Gustaf Rooth, änderte<br />

sich die Farbgebung aller Nürnberger<br />

Wagen 1885 in gelb-blau. Diesen Anstrich<br />

erhielt der Pferdebahnwagen 11 später ein<br />

zweites Mal.<br />

Mit Einführung des elektrischen Betriebs<br />

wurden die Pferdebahnwagen als Beiwagen<br />

verwendet. Wagen 11 erhielt 1898 eine elektrische<br />

Innenbeleuchtung, deren Position bis<br />

heute erkennbar ist. Bis 1909 musterte die<br />

<strong>Straßenbahn</strong>gesellschaft die 1881 gebauten<br />

ehemaligen Pferdebahnwagen mit vier Seitenfenstern<br />

aus, lediglich einige wenige ließ<br />

das Unternehmen zu Arbeitswagen (z. B.<br />

Salzstreuwagen) umbauen. Für Verschubarbeiten<br />

in der Hauptwerkstatt waren noch in<br />

den 1970er-Jahren mehrere Untergestelle<br />

ehemaliger Pferdebahnwagen vorhanden.<br />

Eines gab die VAG 1951 nach München ab,<br />

wo es als Basis für die Rekonstruktion des<br />

Pferdebahnwagens 273 diente.<br />

Diese Aufnahme von 1881 aus dem Werk Wörth der späteren Maschinenbau-Actiengesellschaft<br />

Nürnberg (MAN) zeigt zwei der Pferdebahnwagen in ihrer ursprünglichen Lackierung<br />

Den Wagen 11 ließ die <strong>Straßenbahn</strong>gesellschaft<br />

schon 1909 aus musealen Beweggründen<br />

weitestgehend in seinen Ursprungszustand<br />

als Pferdebahnwagen zurückversetzen.<br />

Neben dem Ausbau der Kupplung und elektrischen<br />

Beleuchtung erhielt er dabei eine neue<br />

Lackierung.<br />

Im Vorfeld des 100. Jubiläums der ersten<br />

deutschen Dampfeisenbahn 1935 fand eine<br />

erste Restaurierung des Wagens statt. Den<br />

Zweiten Weltkrieg überstand der Zweiachser<br />

weitestgehend unbeschadet, lediglich die<br />

Fensterscheiben waren zerbrochen.<br />

In der Folgezeit stand das Fahrzeug in der<br />

Hauptwerkstatt Muggenhof – ohne einen<br />

seitlichen Witterungsschutz. Die Substanz<br />

des Wagens litt darunter derart, dass er<br />

Ende der 1960er Jahren nicht mehr vorzeigbar<br />

war. Anlässlich der anstehenden Eröffnung<br />

der Nürnberger U-Bahn erhielt der<br />

Wagen letztmalig 1971 eine grundlegende<br />

Überholung. In diesem Zustand war er ab<br />

1985 im Historischen Straßendepot St. Peter<br />

ausgestellt.<br />

Fenster in die Vergangenheit<br />

Das Ergebnis der innerhalb knapp eines<br />

Jahres ausgeführten Untersuchungen und<br />

Arbeiten am Pferdebahnwagen 11 war beeindruckend:<br />

Demnach stammt das Wageninnere<br />

zu mehr als 95 Prozent aus dem<br />

Lieferjahr 1881. Damit ist der Wagen heute<br />

deutschlandweit sicherlich einmalig. An<br />

zahlreichen Stellen des Wagenäußeren dokumentierten<br />

die Fachleute ebenfalls Reste<br />

der originalen Lackierung aus dem Jahr<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014<br />

49


Fahrzeuge<br />

Besichtigungsmöglichkeiten<br />

Das Historische <strong>Straßenbahn</strong>depot St. Peter ist an<br />

jedem ersten Wochenende im Monat (außer im<br />

Januar) jeweils samstags und sonntags von 10 bis<br />

17.30 Uhr geöffnet. Während der Öffnungszeiten<br />

verkehrt auch die Burgringlinie 15 mit historischen<br />

Wagen um die Nürnberger Altstadt.<br />

Weitere Informationen z.B. über die Freunde der<br />

Nürnberg-Fürther <strong>Straßenbahn</strong> e. V.,<br />

Schloßstraße 1, 90478 Nürnberg,<br />

Telefon: 09 11/49 98 33<br />

Internet: www.sfnbg.de<br />

Behutsam legt eine Konservatorin die alten<br />

Farbschichten des Wagens frei. Zuvor entfernte<br />

sie die 1971 aufgebrachte Klebefolie.<br />

Ein Ausschnitt davon visualisiert nun auch<br />

diesen Teil der Wagengeschichte<br />

1881 und legten sie frei. Gemeinsam mit<br />

den alten Lieferaufnahmen war es dadurch<br />

möglich, die ursprüngliche Lackierung des<br />

Wagens nahezu vollständig zu rekonstruieren.<br />

Neben teilweise flächigen Freilegungen<br />

wurden an über 100 Stellen Lacksplitter untersucht,<br />

um eine punktuelle Aussage über<br />

die Lackierung in den einzelnen Epochen zu<br />

Das weitestgehend originale Innere des Pferdebahnwagens<br />

11. An der Decke sind die Anbringungsstellen<br />

der elektrischen Beleuchtung<br />

zu erkennen, die der Wagen kurz vor der<br />

Jahrhundertwende erhielt ANDREAS NEUER (2)<br />

erhalten. Schliffbilder – sogenannte Strategrafien<br />

– ermöglichten hier eine zeitliche<br />

Zuordnung einzelner Schichten.<br />

Doch der Wagen gab auch so manches<br />

Rätsel auf: So waren an einer Stelle die Zierleisten<br />

entgegen aller anderen Fundstellen<br />

nicht beige-schwarz-beige gefasst, sondern<br />

umgekehrt – also schwarz-beige-schwarz.<br />

Was es damit auf sich hatte, klärten die Experten<br />

erst nach einer großflächigeren Untersuchung<br />

auf: Der Lackierer hatte sich<br />

1881 offenbar an dieser Stelle zunächst vermalt.<br />

Nachdem der Irrtum aufgefallen war,<br />

trug er die korrekten Farben darüber auf.<br />

Nun stellte sich die Frage: Restaurieren oder<br />

konservieren – oder beides?<br />

Die einmalige Originalsubstanz verpflichtete<br />

zu einem besonderen Vorgehen:<br />

Bestehende Lackschichten blieben erhalten<br />

und gefestigt sowie abschließend mit Schellack<br />

als Trennschicht überzogen, bevor die<br />

Restauratoren die neue Lackierung auf Öl-<br />

Harz-Basis auftrugen. Dies ermöglicht es,<br />

die neue Außenlackierung für spätere Restaurierungen<br />

zu entfernen bzw. sauber trennen<br />

zu können (Stichwort Reversibilität).<br />

Die kartierten Fundstellen alter Bemalungsreste<br />

sind für eine spätere wissenschaftliche<br />

Auswertung der Nachwelt erhalten.<br />

Im Wageninneren fanden begleitend Sicherungsmaßnahmen<br />

an Holzelementen<br />

statt. Außerdem legten die Fachleute gelöste<br />

Furniere wieder an und befestigten lose<br />

Zierleisten.<br />

Seit Februar 2014 ist der Pferdebahnwagen<br />

wieder an seinem angestammten Platz<br />

im Historischen <strong>Straßenbahn</strong>depot St. Peter<br />

zu finden. Er markiert zurückhaltend<br />

und authentisch den Beginn des Nahverkehrs<br />

in der Frankenmetropole und den Beginn<br />

der <strong>Straßenbahn</strong>fertigung der MAN in<br />

Nürnberg.<br />

TOBIAS SCHNEIDER<br />

Der noch 1935 zum 150. Dampfeisenbahnjubiläum oder zur 50-Jahr-Feier des elektrischen Betriebes<br />

in Nürnberg 1946 genutzte Zweiachser bleibt jetzt in St. Peter ein Standobjekt. Der von<br />

der Firma Haber & Brandner restaurierte Wagen darf nicht mehr rollen MARTIN SCHULZE-NOVER<br />

Verwendete Quellen<br />

• Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen<br />

in Bayern: „Technisches Kulturgut“ aus<br />

der Reihe „MuseumsBausteine“; München, 2005<br />

• Freunde der Nürnberg-Fürther <strong>Straßenbahn</strong><br />

e.V.: „Die Nürnberg-Fürther <strong>Straßenbahn</strong><br />

im Wandel der Zeiten“; Nürnberg, 2006<br />

• Robert Binder: „Der Stadtverkehr in Nürnberg<br />

und Fürth von 1881 bis 1981“; Nürnberg, 1982<br />

• Werke und Bahnen der Stadt der Reichsparteitage<br />

Nürnberg: „Die Nürnberg-Fürther<br />

<strong>Straßenbahn</strong> 1881–1935“; Nürnberg 1935<br />

50 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014


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Fahrzeuge<br />

Nicht nur anders lackiert<br />

B-Wagen: Zweite Generation in Essen und Mülheim Die durch Streckenerweiterung<br />

notwendige Aufstockung des Fahrzeugbestandes führte auch im Bereich Essen/Mülheim zu Neubeschaffungen.<br />

Doch welche Wege gingen die beiden Betreibergesellschaften dabei technisch?<br />

Die Vergrößerung des Streckennetzes<br />

von Mülheim a. d. Ruhr und Essen<br />

machte Mitte der 1980er-Jahre<br />

eine Aufstockung der dortigen Wagenbestände<br />

notwendig. Doch obwohl beide<br />

Unternehmen gemeinsam in ein Betriebssystem<br />

eingebunden waren, gingen sie bei<br />

der Neubeschaffung unterschiedliche Wege.<br />

So nutzte Mülheim die Gelegenheit der laufenden<br />

Bestellung für Köln für einen Anschlussauftrag<br />

von zwei Wagen. Diese waren<br />

mit Ausnahme der fehlenden Führerstandstüren<br />

identisch mit der Kölner Lieferung, das<br />

heißt, sie verfügten über Schwenkschiebetüren<br />

und waren mit Schaltwerkstechnik ausgerüstet<br />

(die Schaltwerke stammten aus auf Choppersteuerung<br />

umgebauten Essener Wagen).<br />

Die Geschwindigkeit war entsprechend den<br />

örtlichen Gegebenheiten aber auf 80 km/h beschränkt.<br />

Die Lieferung der beiden Tw 5031<br />

und 5032 erfolgte 1985. Eine technische Beschreibung<br />

der für Kölner gebauten Wagen<br />

der zweiten Generation ist im STRASSEN-<br />

BAHN <strong>MAGAZIN</strong> 11/2013 veröffentlicht,<br />

weshalb auf die beiden Wagen hier nicht weiter<br />

eingegangen werden soll.<br />

Der Weg der Essener Verkehrs-AG<br />

Die stets sehr innovativ denkende technische<br />

Abteilung der Essener Verkehrs-AG (EVAG)<br />

wollte die Beschaffung neuer Fahrzeuge für<br />

verschiedene Neuerungen nutzen. Aufgrund<br />

der geringen Zahl von nur fünf Fahrzeugen<br />

waren größere grundsätzliche Änderungen<br />

oder eine Neukonstruktion nicht möglich.<br />

Die von Mülheim verfolgte Linie, sich an eine<br />

laufende Bestellung eines anderen Betriebes<br />

anzuschließen, war für Essen nicht sinnvoll,<br />

da einerseits der mit dem Umbau der ersten<br />

Generation auf Leistungselektronik eingeschlagene<br />

Weg nicht wieder aufgegeben, andererseits<br />

die betriebliche Kompatibilität mit<br />

den älteren Fahrzeugen unbedingt erhalten<br />

bleiben sollte. Die seit der Indienststellung<br />

der ersten Serie eingetretenen Weiterentwicklungen<br />

bei den Stadtbahnwagen B anderer<br />

Betreiber sollten auf Brauchbarkeit für Essener<br />

Verhältnisse untersucht werden. An den<br />

52 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014


B-Wagen<br />

Der Triebwagen 5032, einer der beiden Mülheimer B-Wagen der zweiten Gene ration mit Schiebe -<br />

türen, fährt am 23. April 1994 auf der Linie U17 am Holsterhauser Platz in Essen<br />

Farbenfrohes Mülheimer B-Wagen-Doppel der<br />

zweiten Generation: Tw 5015 im grau-weißgelben<br />

Mülheimer Lack und Tw 5016 in den<br />

1994 vom VRR festgelegten „CE-Farben“, aufgenommen<br />

am 24. August 2002<br />

ALLE FOTOS: AXEL REUTHER<br />

ebenfalls 1985 gelieferten und in Dienst gestellten<br />

neuen Wagen für Essen (Betriebsnummern<br />

5141 bis 5145) waren die Einzeltüren im<br />

Bereich der Wagenenden ersatzlos entfallen. Es<br />

gibt auch keine „Nottüre“ für das Personal,<br />

da diese in Essen aufgrund der Streckeneinrichtung<br />

beiderseitig hätte eingebaut werden<br />

müssen, wofür der Platz nicht vorhanden war.<br />

Für die Doppeltüren kamen Falttüren zum<br />

Einbau. Der Wagen wies eine Masse von 38,3<br />

Tonnen auf und war damit 1,3 Tonnen leichter<br />

als die erste Serie. Das geringere Gewicht<br />

erreichte die EVAG zum Teil durch das Weglassen<br />

nicht mehr benötigter Funktionen und<br />

Komponenten. So entfielen Fahnenhalter im<br />

Frontbereich, die Gepäckablagen im Fahrgastraum,<br />

die Laufbohlen auf dem Dach und<br />

die Sichtblenden des Stromabnehmers.<br />

Der Tw 5015 nach seiner Neulackierung am 15. März 2003 mit Mülheimer Betriebsfarben und<br />

ohne Einzeltüren an den Köpfen, hier auf der Linie U17 an der Haltestelle Laubenweg<br />

Optimierte Komponenten<br />

Die Verbesserungen betreffen ein neuartiges<br />

Material bei den Leuchtenabdeckungen der<br />

Lichtbänder im Fahrgastraum, neue Polsterkerne<br />

bei den Fahrgastsitzen, Verkleinerung<br />

der Kästen unter den Sitzen, Befestigung<br />

des Einholmstromabnehmers, Ausführung<br />

der Dachsicherungen, geänderte<br />

Bauteile und Materialien bei Türen und<br />

Trittstufen, neue Blockmagneten der Schienenbremsen,<br />

leichtere Getriebe und neue<br />

Bauteile in der Druckluftanlage.<br />

Weitere Optimierungen erzielte der Hersteller<br />

durch neue Technologien. So baute<br />

er die bei den Umbaufahrzeugen der ersten<br />

Generation bewährte Gleichstromsteller-<br />

Steuerung ein. Für die Bordnetzversorgung<br />

sorgte an Stelle des bisherigen rotierenden<br />

Umformers ein statischer Umformer. Dessen<br />

Vorteil lag in einem geräuscharmen Betrieb.<br />

Die Gewichtseinsparung betrug<br />

knapp 600 Kilogramm. Die Aufgabe des<br />

bisherigen Kolbenkompressors übernahm<br />

ein geräuscharmer Rotationskompressor.<br />

Dieser Typ kam damit erstmalig serienmäßig<br />

in einem Schienenfahrzeug zum Einbau.<br />

In zahlreichen Bereichen besteht aber auch<br />

Übereinstimmung mit Wagen anderer Betriebe,<br />

so bei der größeren Zahl der Sitzplätze, der<br />

Vergrößerung des Sitzteilers, der Ausrüstung<br />

mit ungeteilter Frontscheibe und größerer<br />

Ziel- und Seitenbeschilderung. Besser als bei<br />

anderen Betrieben war die freie Sicht zwischen<br />

Fahrerplatz und Fahrgastraum gelöst. Zwei<br />

große Scheiben schufen hier ungehinderten<br />

Ausblick. Das Blenden des Fahrers durch Spie-<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014<br />

53


Fahrzeuge<br />

Der Triebwagen 5144 in der ersten Ausführung der neuen gelben Lackierung 2002 auf der<br />

Sommerburgstraße als Linie U17 in Richtung Margarethenhöhe<br />

Der Essener Triebwagen 5103 der Erstlieferung in City-Express-Lackierung auf der Linie U17 auf<br />

der Altenessener Straße am 30. September 2001<br />

gelungen in der gewölbten Frontscheibe vermied<br />

ein perforiertes Rollo, das auch im herabgelassenen<br />

Zustand sichtdurchlässig war.<br />

Umbauten in Essen<br />

Für den Einsatz auf der teilweise im Straßenraum<br />

verlaufenden Linie U17 nahm die<br />

EVAG ab Herbst 1981 erste Umbauten an<br />

den vorhandenen Wagen der ersten Generation<br />

vor. So erhielten die Wagen 5009 bis<br />

5011 Fahrscheinentwertern und eine induktive<br />

Meldeübertragung, was eine Umzeichnung<br />

in 5101 bis 5103 nach sich zog.<br />

Um den Fahrgast im Streckenabschnitt<br />

ohne Bahnsteige den Einstieg zu verbessern,<br />

ersetzte ein besser sichtbares Riffelblech das<br />

bisherige Gitterrost auf der unteren Schwenkstufe.<br />

Die Zurücknahme der mittleren Klappstufe<br />

um 15 Millimeter und die Verlängerung<br />

der Haltegriffe an den Türen um 20<br />

Zentimeter nach oben erleichterte insbesondere<br />

den Ausstieg.<br />

Kennzeichnend für die Stadtbahnwagen<br />

Kölner Bauart war von Beginn an ihr hoher<br />

Energieverbrauch. Die hohe fahrdynamische<br />

Beanspruchung führte zu einer entsprechenden<br />

Belastung der Antriebsanlage<br />

und der Starkstromleitungen mit entsprechendem<br />

Verschleiß. Dies bedeutete schon<br />

nach wenigen Einsatzjahren die Notwendigkeit<br />

zur Sanierung der Kabelanlagen.<br />

Daher untersuchte die EVAG, ob es nicht<br />

wirtschaftlicher ist, anlässlich der notwendigen<br />

Erneuerung der Kabel eine neue sparsamer<br />

arbeitende Technologie einzuführen.<br />

Diese stand zwischenzeitlich in Form einer<br />

Gleichstromstellersteuerung in Kompaktbauweise<br />

mit Flüssigkeitskühlung serienreif<br />

zur Verfügung, die den bisherigen elektromotorisch<br />

betriebenen vielstufigen Nockenschaltwerken<br />

für Fahren und Bremsen hinsichtlich<br />

Wartungsarmut, Verschleiß und<br />

Energieverbrauch weit überlegen war.<br />

Der Einbau von Choppersteuerungen<br />

Bei der Umrüstung auf die Gleichstromsteller<br />

– besser bekannt unter dem englischen<br />

Begriff Choppersteuerung – waren jedoch<br />

einige Vorgaben einzuhalten: Es musste die<br />

Kuppelbarkeit mit den Schaltwerkswagen<br />

erhalten bleiben, die Fahrdynamik war der<br />

bei den Schaltwerkswagen vorhandenen anzupassen<br />

und die Fahrmotoren sollten weiter<br />

verwendet werden können. Für die neue<br />

Steuerung standen lediglich die vorgesehenen<br />

Einbauräume zur Verfügung, Kontakte<br />

sollten möglichst durch Halbleiter ersetzt<br />

und der unzureichende Schutz vom Stromabnehmer<br />

zum Überstromselbstschalter verbessert<br />

werden.<br />

Am 15. Mai 2014 entstand diese Aufnahme<br />

der beiden Tw 5104 und 5107 in ihrer aktuellen<br />

Lackierung auf der Linie 11, hier an der<br />

Haltestelle Heßlerstraße<br />

54 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014


B-Wagen<br />

Der Triebwagen 5143, ein Essener Wagen der zweiten Generation in seiner Ursprungslackierung, fährt am 15. März 2003 auf der Linie U17 am<br />

Laubenweg im Stadtteil Margarethenhöhe. Die Anlage des Hochbahnsteiges ist hier erst nachträglich angelegt worden<br />

Durch den Einbau zweier voneinander<br />

unabhängiger Antriebseinheiten sollte auf<br />

die Notfahrsteuerung (bisher in Form einer<br />

Hilfs-Schützensteuerung vorhanden) verzichtet<br />

werden.<br />

1981 entschied die EVAG, zunächst zehn<br />

Wagen in eigener Werkstatt auf Chopper-<br />

Steuerung umzubauen. Dazu lieferte BBC<br />

die entsprechenden Geräte, deren Bauteile<br />

vielfach bauartgleich mit den bereits in den<br />

meterspurigen Stadtbahnwagen „Typ<br />

M8C“ verwendeten waren. Zunächst sind<br />

damit die drei Tw 5009 bis 5011 des Baujahres<br />

1976 und sieben Tw 5021 bis 5026<br />

sowie 5028 des Baujahrs 1978 umgebaut<br />

worden, die danach die neuen Betriebsnummern<br />

5101 bis 5103 sowie 5121 bis 5127<br />

erhielten. Wegen der erzielten Vorteile erfolgte<br />

dann nach und nach auch bei den übrigen<br />

B-Wagen der Umbau auf Chopper. So<br />

gingen 1983 die beiden Tw 5007 und 5008<br />

anschließend als Tw 5107 und 5108 wieder<br />

in Dienst, die 1981 umgebauten Tw 5101<br />

bis 5103 erhielten nun die Nummern 5109<br />

bis 5111. Im Jahr 1986 ließ die EVAG dann<br />

auch noch die restlichen sechs Schaltwerkwagen<br />

von 1976, die Tw 5001 bis 5006, mit<br />

Choppersteuerungen versehen und zeichnete<br />

sie danach in Tw 5101 bis 5106 um (Nr.<br />

5101 bis 5103 dabei in Zweitbesetzung). Als<br />

19. und letzter Wagen folgte 1988 noch der<br />

von 1978 bis 1988 an die Firma Rhein-Consult<br />

verliehene Tw 5027 (Baujahr 1978), der<br />

nach seinem Umbau die Betriebsnummer<br />

5128 bekam. Die ursprüngliche Typenbezeichnung<br />

B100S änderte sich nach den Umbauten<br />

der 19. Wagen jeweils in B80C.<br />

Geänderte Lackierungen<br />

Eine auch für den Fahrgast sichtbare Veränderung<br />

betraf den Entfall einer seitlichen Linienanzeige,<br />

um den Wartungsaufwand zu re-<br />

Seitenansicht und Grundriss des Essener B-Wagens der 2. Generation mit Falttüren<br />

SLG. AXEL REUTHER<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014<br />

55


Fahrzeuge<br />

Triebwagen 5145 in Ursprungslackierung hat am 24. August 2002 den Triebwagen 5108 – ein B-Wagen der ersten Generation – als zweiten<br />

Wagen mit CE-Lackierung im Schlepp. Hier auf der Linie U17 auf der Altenessener Straße<br />

duzieren. Dazu überklebten die Werkstattmitarbeiter<br />

die Anzeigen und bezogen diese<br />

Flächen damit in den rot-weißen Außenanstrich<br />

mit ein. Zwischenzeitlich hat die EVAG<br />

bei den Fahrzeugen der ersten Generation auf<br />

jeder Wagenseite an einem Einstieg die mittlere<br />

Haltestange ausbauen lassen, um die<br />

Benutzung durch Rollstuhlfahrer und mit<br />

Kinderwagen zu erleichtern. Im Jahre 1994<br />

begannen beide Betriebe, die weiß-rote Lackierung<br />

durch die vom VRR festgelegten<br />

Produktfarben des City-Express (CE) zu er-<br />

Die Mülheimer B-Wagen der ersten Generation unterscheiden sich nur durch das andere<br />

Betriebslogo von den Essener Wagen. Hier eine Begegnung von zwei Doppelzügen auf dem<br />

Ruhrschnellweg an der Haltestelle Rosendeller Straße am 16. Juni 1984<br />

setzen. Da die Neulackierung nur im Rahmen<br />

fälliger Haupt untersuchungen erfolgte, gab es<br />

eine Zeit lang beide Farbvarianten nebeneinander.<br />

Die Farb vielfalt erhöhte sich ab 1996<br />

weiter, als die von der Docklands-Light-Railway<br />

(DLR) übernommene zweite Serie P89 in<br />

einer neuen gelben Lackierung mit blauen<br />

Kopfstreifen in Dienst kam und die B-Wagen<br />

teilweise ebenfalls diese Farbe erhielten.<br />

In einer nächsten Stufe kam es zu einem<br />

neuen Außenauftritt des Unternehmens mit<br />

einem veränderten Gelbton mit schwarz abgesetzter<br />

Fensterpartie und ohne blaue<br />

Kopfstreifen, so dass zeitweise vier Lackvarianten<br />

parallel zu sehen waren. Insgesamt<br />

gibt es heute fünf verschiedene Farbvarianten,<br />

darunter auch immer noch einige Wagen<br />

in den Ursprungsfarben rot-weiß von<br />

1976. Nach der Jahrtausendwende erfolgte<br />

die Ausstattung der Erstserie mit neuen<br />

Türen. Dabei entfielen auch die Einzeltüren<br />

an den Fahrzeugköpfen.<br />

AXEL REUTHER · Fortsetzung folgt<br />

Verwendete Literatur<br />

• Ahlbrecht, Hans: Inbetriebnahme der neuen<br />

Stadtbahnwagen in Essen, in: Stadtverkehr,<br />

Heft 4/1986<br />

• Gleitsmann, Götz: Die Stadtbahnwagen<br />

Typ B der Essener Verkehrs AG, in: Sternfahrt,<br />

Heft 22 6/1995<br />

56 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014


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Geschichte<br />

58 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014


Einst & Jetzt<br />

Einst<br />

&Jetzt<br />

Das Steintor in Rostock ist eines der vier<br />

heute noch vorhandenen Haupttore der<br />

Hansestadt an der Warnow und präsentiert<br />

sich in jüngster Zeit frisch restauriert. Im<br />

August 1985 passiert ein Gotha-Dreiwagenzug<br />

aus Einrichtungswagen das Tor,<br />

ganz rechts ist im Hintergrund auf dem Gegengleis<br />

der Fahrschulwagen 551 (ex 431,<br />

ex 31, Wismar 1926) zu sehen. Ein Trenngitter<br />

zwischen den Gleisen soll das Wechseln<br />

der Haltestellenseiten durch Fußgänger<br />

verhindern.<br />

Am 23. April 2013 ist ein Düwag-Niederflurwagen<br />

vom Typ 6NGTWDE auf dem<br />

Weg zum Kurt-Schumacher-Ring, denn die<br />

Linie 2 biegt hier nach Osten ab. Seit 1987<br />

befindet sich ein Abzweig an dieser Stelle,<br />

Trenngitter gibt es jetzt keine mehr. Wurde<br />

das Steintor früher vom Individualverkehr<br />

umtost, ist der Bereich nunmehr verkehrsberuhigt.<br />

Die auf der älteren Fotografie<br />

rechts im Hintergrund sichtbare Fahrbahn<br />

ist sogar komplett entfallen. Das prächtige<br />

Backsteingebäude neben dem Steintor – das<br />

Ständehaus – heute Sitz des Oberlandesgerichts,<br />

ist ebenfalls frisch saniert.<br />

TEXT UND FOTOS: BERNHARD KUSSMAGK<br />

59


Geschichte<br />

Ende für Parallelverkehr<br />

1974: „Aus“ für Dresdens Linie 3 nach Freital Vor 40 Jahren fuhr am 26. Mai die letzte<br />

<strong>Straßenbahn</strong> in die westliche Nachbarstadt Dresdens. Damit endete der Betrieb auf der 1902<br />

eröffneten „Plauenschen Grundbahn“ und deren Verlängerungen bis Freital-Hainsberg<br />

Auch in der sächsischen Residenzstadt<br />

Dresden und deren westlichen<br />

Nachbargemeinden im Döhlener<br />

Becken gab es um die Wende<br />

vom 19. zum 20. Jahrhundert viele Dutzend<br />

prosperierende Unternehmen und Steinkohlengruben,<br />

zu denen jeden Werktag entsprechend<br />

mehrere Tausend Arbeiter und<br />

Bergmänner pendelten – die meisten zu Fuß,<br />

die Bessergestellten schon mit der Eisenbahn.<br />

Die 1855 von einer Privatgesellschaft<br />

eröffnete Albert(s)bahn nach Tharandt betrieb<br />

ab 1868 der sächsische Staat. Diese Eisenbahnstrecke<br />

kam jedoch in den 1890er-<br />

Jahren an ihre Kapazitätsgrenze – obwohl<br />

die Züge zwischen Dresden und Deuben (–<br />

Tharandt) in der Hauptverkehrszeit im Abstand<br />

von wenigen Minuten verkehrten,<br />

schafften sie es nicht, das Verkehrsbedürfnis<br />

vollständig abzudecken.<br />

Deshalb baten die Gemeinden im Döhlener<br />

Becken ab 1892 mehrfach um den Bau<br />

einer <strong>Straßenbahn</strong> im Plauenschen Grund.<br />

Doch die beiden Kammern des Sächsischen<br />

Landtages lehnten anfangs stets ab. Nachdem<br />

die Continentale Gesellschaft für<br />

elektrische Unternehmungen mit Sitz in<br />

Nürnberg 1897 (ein Ableger der AG Elektrizitätswerke<br />

vorm. Schuckert & Co.) die<br />

Genehmigung für Vorarbeiten zum Bau ei-<br />

60 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014


Dresden/Freital<br />

Am Eröffnungstag der Staatsstraßenbahn Löbtau – Deuben entstand am 7. Oktober 1902 neben<br />

dem Deubener Rathaus diese Aufnahme des Tw 309 und Bw 186 der Deutschen <strong>Straßenbahn</strong>gesellschaft<br />

Dresden. Der Triebwagen blieb als Museumsfahrzeug erhalten SLG. MARIO SCHATZ<br />

Am 17. Mai 1974 passiert<br />

im Plauenschen Grund ein<br />

nach Freital fahrender Zug<br />

der Linie 3 die Weizenmühle<br />

und Heidenschanze<br />

FRANK EBERMANN<br />

ner Schwebebahn über der Weißeritz von<br />

Dresden nach Hainsberg beantragt hatte,<br />

dachten die Abgeordneten in den Kammern<br />

allerdings langsam um. Sie befürchtete<br />

durch von Privatgesellschaften errichtete<br />

Parallelverkehre für den Fiskus nicht unerhebliche<br />

Einnahmeverluste auf der staatlichen<br />

Eisenbahnstrecke. Andererseits war<br />

das Verkehrsbedürfnis nicht länger zu ignorieren.<br />

So fiel am 5. Januar 1900 der Beschluss,<br />

auf Staatskosten eine elektrische<br />

<strong>Straßenbahn</strong> von Plauen nach Deuben zu<br />

bauen – der Bau einer Schwebebahn war<br />

vom Tisch.<br />

Bau und Eröffnung<br />

der Plauenschen Grundbahn<br />

Den Bau der von April bis September 1902<br />

in 1.450 mm „Stadtspur“ errichteten Staatsstraßenbahn<br />

Löbtau – Deuben leitete das<br />

Baubüro Dresden-Neustadt II der dem Finanzministerium<br />

unterstehenden Königlich<br />

Nach der polizeilichen<br />

Abnahme am 6. Juni<br />

1935 endete die <strong>Straßenbahn</strong><br />

in Hainsberg<br />

Rabenauer Grund<br />

(neben dem damaligen<br />

Haltepunkt<br />

Hainsberg Süd/heute<br />

Freital-Coßmannsdorf<br />

der Schmalspurbahn<br />

nach Kipsdorf)<br />

SLG. FRANK EBERMANN<br />

Sächsischen Staatseisenbahnen (K.Sächs.<br />

Sts.E.B.). Am 1. Oktober 1902 fand eine<br />

erste Probefahrt auf der etwa sieben Kilometer<br />

langen Neubaustrecke durch den<br />

Plauenschen Grund statt, die Eröffnungsfahrt<br />

nur eine Woche danach am 7. Oktober.<br />

Die mit dem Betrieb beauftragte Deutsche<br />

<strong>Straßenbahn</strong>-Gesellschaft in Dresden<br />

setzte an diesem Tag vor dem Beiwagen 186<br />

Zeittafel <strong>Straßenbahn</strong> in Freital<br />

07.10.1902 Eröffnung Löbtau – Deuben<br />

05.01.1906 Eröffnung Deuben – Hainsberg (vor Weißeritzbrücke)<br />

01.04.1912 Eröffnung Hainsberg – Coßmannsdorf (Lindengarten)<br />

06.06.1935 Eröffnung Lindengarten – Hainsberg Rabenauer Grund<br />

18.07.1961 Einweihung Gleisschleife am Endpunkt in Hainsberg<br />

04.05.1969 neues Liniennetz tritt in Kraft – Verlauf Linie 3 fortan Wilder<br />

Mann – Hainsberg<br />

25.05.1974 letzter Betriebstag Dresden-Löbtau – Freital-Hainsberg<br />

den Triebwagen 309 ein, der sich heute im<br />

Bestand des <strong>Straßenbahn</strong>museums Dresden<br />

befindet.<br />

Der reguläre Betrieb begann am 8. Oktober<br />

5.42 Uhr am Dresdner Postplatz. Von<br />

dort fuhren die Wagen auf den 1898 als<br />

Pferdebahn errichteten Gleisen nach Löbtau.<br />

Die Deutsche <strong>Straßenbahn</strong>-Gesellschaft<br />

hatte am 24. Juli 1900 auf dieser Strecke bis<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014<br />

61


Betriebe<br />

zur Endstelle an der Plauenschen/Ecke<br />

Habsburger Straße (heute Tharandter/Ecke<br />

Fritz-Schulze-Straße) den elektrischen Betrieb<br />

aufgenommen. Vom bisherigen Endpunkt<br />

führte die fast komplett zweigleisig<br />

verlegte Neubaustrecke zunächst auf das<br />

andere Weißeritzufer nach Plauen (wie Löbtau<br />

am 1. Januar 1903 nach Dresden eingemeindet).<br />

Zwischen der Bienertmühle und<br />

dem alten Eisenbahnhaltepunkt Plauen verlief<br />

die Grundbahn anschließend ursprünglich<br />

auf der östlichen Weißeritzseite, anschließend<br />

komplett westlich der Weißeritz<br />

in der Dresdner Straße. In Deuben ließ der<br />

Fiskus einen Betriebshof errichten, der Endpunkt<br />

der Strecke befand sich zunächst an<br />

der Flurgrenze zu Hainsberg.<br />

Änderungen im Betrieb<br />

Ab dem 1. Januar 1906 führte die neu gegründete<br />

Städtische <strong>Straßenbahn</strong> Dresden im<br />

Auftrag der Staatsregierung auch den Betrieb<br />

bis Deuben. Die Strecke erhielt dazu die Liniennummer<br />

22. Wenige Tage später ging am<br />

5. Januar die schon 1904 per Dekret bewilligte<br />

Verlängerung der <strong>Straßenbahn</strong> nach<br />

Hainsberg in Betrieb. Der Abschnitt bis zu<br />

Füssels Gasthof vor der Weißeritzbrücke war<br />

915 Meter lang und – wie bereits im Bereich<br />

von Potschappel und Deuben – dreischienig<br />

ausgeführt, um einen späteren Güterverkehr<br />

mit meterspurigen Rollwagen zu ermöglichen.<br />

Doch die am 18. Januar 1906 eröffnete<br />

und elektrisch betriebene Staatliche Güterbahn<br />

Deuben nutzte das Dreischienengleis<br />

letztendlich bis Ende 1972 lediglich vor dem<br />

Betriebshof Deuben auf einer Länge von 9,18<br />

Meter. Die Güterbahn<br />

bediente vor<br />

allem Unternehmen<br />

auf der östlichen<br />

Weißeritzseite.<br />

Im August 1911<br />

begann die Verlängerung<br />

der Linie 22<br />

von Hainsberg nach<br />

Coßmannsdorf.<br />

Nach der Weißeritzbrücke<br />

bog die Trasse<br />

eingleisig entlang<br />

der Rabenauer Straße<br />

Bis zum Lindengarten kurz vor der Hainsberger<br />

Straße, wo eine Umfahrung entstand.<br />

Der reguläre Betrieb nach Coßmannsdorf<br />

startete am 1. April 1912 um 12 Uhr.<br />

Im Zuge von Notstandsarbeiten fand<br />

1920/21 die Umtrassierung der Straße zwischen<br />

der Habsburger Straße in Löbtau und<br />

der Felsenkellerbrauerei statt. Durch die ab<br />

Februar von der Linie 22 in beiden Richtungen<br />

befahrbare Neubaustraße entfielen die<br />

beiden Überbrückungen der Weißeritz – die<br />

Streckenlänge verkürzte sich um 20 Meter.<br />

In jener Notzeit schlossen sich die Gemeinden<br />

Deuben, Potschappel und Döhlen<br />

zur Stadt Freital zusammen. Hainsberg gemeindete<br />

hingegen 1933 Coßmannsdorf<br />

ein, wonach der Endpunkt der <strong>Straßenbahn</strong><br />

ab 7. November den Namen Hainsberg<br />

trug. Die letzte eigentliche Verlängerung innerhalb<br />

Freitals ging am<br />

6. Juni 1935 in Betrieb.<br />

Dazu war das Gleis von<br />

der Rabenauer Straße<br />

durch die Hainsberger<br />

Straße bis zur Straße<br />

„An der Kleinbahn“<br />

um 650 Meter verlängert<br />

worden. Der Endpunkt<br />

befand sich nunmehr<br />

ganz in der Nähe<br />

Das von 1969 bis 1974<br />

gültige Linienverlaufschild<br />

des Haltepunktes<br />

Hainsberg Süd der<br />

Schmalspurbahn nach<br />

Kipsdorf. Das Fahrziel der <strong>Straßenbahn</strong> lautete<br />

nunmehr „Hainsberg Rabenauer<br />

Grund“. Auf die Änderungen und weitere<br />

Besonderheiten in der Betriebsführung dieser<br />

Jahrzehnte sei aus Platzgründen hier<br />

jetzt verzichtet.<br />

Die Nachkriegszeit und das Ende<br />

Nach dem Zweiten Weltkrieg etablierte sich<br />

zunächst die Linie 12 von Niedersedlitz<br />

nach Hainsberg, die sich ab Löbtau die<br />

Trasse nach Freital mit der im September<br />

1949 eingerichteten Linie 3 von Dresden-<br />

Tolkewitz über den Schillerplatz und die<br />

Neustadt sowie Löbtau teilte. Bei den End-<br />

Mitte Mai 1974 stellten die<br />

Dresdner Verkehrsbetriebe alle<br />

im Betriebshof Freital noch<br />

vorhandenen Wagen für <strong>Straßenbahn</strong>freunde<br />

zur Parade auf<br />

HANS-DIETER RÄNDLER<br />

62<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014


Dresden/Freital<br />

punkten und der exakten Führung beider<br />

Linien in Dresden gab es verschiedene Änderungen,<br />

wie auch ab 1958 zusätzlich die<br />

Linie 59 die Stadt Radebeul mit Freital per<br />

<strong>Straßenbahn</strong> verband.<br />

1960/61 ließen die Dresdner Verkehrsbetriebe<br />

am Endpunkt in Hainsberg eine zweigleisige<br />

Wendeschleife errichten, die ab 18.<br />

Juli 1961 offiziell dem öffentlichen Verkehr<br />

diente. In den Wochen danach erfüllte die<br />

<strong>Straßenbahn</strong> eine wichtige Zubringerfunktion<br />

für die VII. Slalom- und II. Wildwasserrennen-Weltmeisterschaften.<br />

Damit hatte<br />

die Tram nach Hainsberg, was Freital<br />

1964 eingemeindete, ihren Zenit überschritten.<br />

Bis Mitte der 1960er-Jahre stellten<br />

die Verkehrsbetriebe alle drei nach Freital<br />

führenden Linien (3, 12 und 59) auf<br />

schaffnerlosen Betrieb um. Gleichzeitig reduzierte<br />

sich der Betrieb auf den Linien.<br />

Das per 4. Mai 1969 eingeführte neue Liniennetz<br />

enthielt lediglich noch die Linie 3<br />

nach Freital. Ihr Beginn war fortan am Wilden<br />

Mann, von wo sie über den Postplatz<br />

nach Löbtau kam. In Dresdens Nachbarstadt<br />

war der motorisierte Individualverkehr<br />

und staatlich gelenkte Straßenverkehr<br />

inzwischen so weit angestiegen, dass der<br />

Rat der Stadt die <strong>Straßenbahn</strong> in Freital als<br />

Hindernis ansah. Nachdem der Betrieb der<br />

meterspurigen Güterbahn Ende 1972 geendet<br />

hatte, stellten die Verkehrsbetriebe per<br />

25. Mai 1974 auch den Betrieb der Linie 3<br />

Aus einem städtischen Normalwagen der Dresdner <strong>Straßenbahn</strong> entstand im Mai 1974 diese<br />

Aufnmahme auf die Einfahrweiche zur Wendeschleife in Hainsberg FRANK EBERMANN (2)<br />

von der Fritz-Schulze-Straße in Dresden-<br />

Löbtau bis nach Freital-Hainsberg ein. Am<br />

Morgen des 26. Mai, einem Sonntag, verließ<br />

in den Morgenstunden der letzte <strong>Straßenbahn</strong>wagen<br />

Freital. Eine offizielle Verabschiedung<br />

fand nicht statt, allerdings<br />

fand im Mai eine Sonderfahrt mit dem<br />

Fahrschulwagen 724 012-5 (ein städtischer<br />

Normalwagen, ex Tw 750, Bautzen 1913)<br />

statt. Als Ersatz richtete der VEB Kraftverkehr<br />

die Omnibuslinie 3A von Hainsberg<br />

bis zum Willi-Ermer-Platz (heute Ebertplatz)<br />

in Löbtau ein.<br />

Innerhalb der Dresdner Straße von Freital<br />

verschwanden die <strong>Straßenbahn</strong>gleise<br />

vergleichsweise rasch. Im Plauenschen<br />

Grund lagen die Schienen hingegen meist<br />

noch bis 1990. Auf dem Gelände des Ende<br />

der 1990er-Jahre abgerissenen <strong>Straßenbahn</strong>depots<br />

in Freital-Deuben entstand ein<br />

Busbahnhof. So erinnern heute lediglich<br />

noch eine wenige Masten in Dresdens<br />

Nachbarstadt an die vor 40 Jahren eingestellte<br />

<strong>Straßenbahn</strong>. ANDRÉ MARKS<br />

Quelle<br />

Mario Schatz: Die <strong>Straßenbahn</strong> im Plauenschen<br />

Grund. Vorgeschichte – Bau – Betrieb –<br />

Güterbahn. Sonderausgabe 2012 „Die Glocke“,<br />

hrsg. vom <strong>Straßenbahn</strong>museum Dresden e.V.<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014<br />

63


Geschichte<br />

Der Triebwagen 812 aus Glasgow fährt gerade von der Endstelle Town End in Crich ab. Er entstand 1900 mit offenem Oberdeck, erhielt aber 1910<br />

eine Überdachung und 1912 geschlossene Plattformen, wie er sich heute im <strong>Straßenbahn</strong>museum Crich präsentiert ALLE FOTOS: NORBERT KUSCHINSKI<br />

Mit der Zeitmaschine<br />

in die Vergangenheit<br />

Die „living history“-Tage im <strong>Straßenbahn</strong>museum Crich Seit 30 Jahren findet in England<br />

jeden Sommer das „Edwardian Weekend“ statt. Dann versetzt das nationale <strong>Straßenbahn</strong>museum<br />

in Crich die Besucher in die Zeit nach 1900 zurück. Eine „Reise in die Vergangenheit“...<br />

Sich einmal in die Vergangenheit versetzen<br />

und erleben, wie die im Museum<br />

ausgestellten Dinge funktionierten,<br />

wie die Menschen damit umgingen,<br />

was sie dachten und sagten. Das wünschen<br />

sich oft viele Museumsbesucher. In <strong>Straßenbahn</strong>museen<br />

mit Fahrbetrieb kann man zumindest<br />

die Bahnen im Einsatz erleben. Das<br />

Umfeld ist aber das von heute: Straßen, Autoverkehr,<br />

Passanten und in der Regel auch die<br />

Fahrgäste. Allenfalls tragen Fahrer und Schaffner<br />

historische Uniformen, kassieren das Fahrgeld<br />

und knipsen die Fahrkarten. Wie war es<br />

aber früher wirklich?<br />

Wie sahen die Fahrgäste aus, fuhren sie<br />

vorwiegend zur Arbeit oder mehr der Bequemlichkeit<br />

halber in der Freizeit? Dioramen<br />

und Filme helfen da nur teilweise. Museale<br />

Inszenierungen mit Figurinen können<br />

einen bestimmten Bereich (wie z.B. einen<br />

Fahrgastraum oder einen Arbeitsplatz) veranschaulichen,<br />

wirken aber wie eingefroren.<br />

Eine wirklich „echte“ Erfahrung mit allen<br />

Sinnen könnte man nur erhalten, wenn man<br />

sich mit einer Zeitmaschine in die Vergangenheit<br />

versetzen würde. Aber obwohl es<br />

diese Idee schon mindestens seit dem Roman<br />

„The Time Machine“ von H. G. Wells<br />

aus dem Jahre 1895 gibt, scheitert die technische<br />

Realisierung bisher an bestimmten<br />

physikalischen Randbedingungen ...<br />

Was bedeutet „living history“?<br />

Als Ersatz haben Historiker und Museumsleute<br />

etwas erfunden, was sie mangels eines<br />

passenden deutschen Begriffs „living histo-<br />

64 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014


England: Crich<br />

ry“ nennen, was am sinnvollsten mit „lebende<br />

Vergangenheit“ übersetzt werden<br />

kann. Gemeint ist damit die Darstellung historischer<br />

Lebenswelten durch Komparsen<br />

und Statisten mit entsprechender Kleidung,<br />

Ausrüstung und Verhalten in einem dazu<br />

passend nachgestalteten Umfeld. Die Bandbreite<br />

reicht vom kommerziellen Volksfestspektakel<br />

der Mittelaltermärkte über die<br />

Darstellung ländlichen Arbeitslebens in großen<br />

Freilichtmuseen bis zu wissenschaftlich<br />

begleiteten Siedlerzügen. Sonderformen sind<br />

die experimentelle Archäologie, bei der im<br />

Interesse der wissenschaftlichen Forschung<br />

das Leben zum Beispiel in einem Steinzeitdorf<br />

nachgestellt wird, und das Reenactment,<br />

bei dem konkrete geschichtliche<br />

Ereignisse (wie zum Beispiel die Völkerschlacht<br />

bei Leipzig) in möglichst exakter<br />

Form, wenn auch mit weniger Teilnehmern<br />

nachgespielt werden.<br />

Handelt es sich um öffentliche Vorführungen,<br />

so kann sich der Besucher tatsächlich<br />

wie von einer Zeitmaschine in die Vergangenheit<br />

versetzt fühlen. Erinnert sei zum<br />

Beispiel an die Nachgestaltung der großen<br />

sächsischen Feldbahnübung 1909 in Seeligstadt<br />

bei Meißen an zwei Wochenenden<br />

2009, an der mehrere eisenbahn- und militärhistorische<br />

Vereine beteiligt waren.<br />

Das Konzept des<br />

<strong>Straßenbahn</strong>museums Crich<br />

Bei den <strong>Straßenbahn</strong>museen in Deutschland<br />

gibt es zwar Thementage, aber diese beschränken<br />

sich meist auf ein bestimmtes Rahmenprogramm<br />

wie die Beteiligung von Straßenfahrzeugen<br />

mit Blaulicht von der<br />

Feuerwehr über Rettungswagen bis zum<br />

THW. Ein Grund ist natürlich, dass für „living<br />

history“ ein ausreichend großer Platz erforderlich<br />

ist. Werfen wir daher einen Blick ins<br />

Ausland: Bereits seit vielen Jahren gibt es an<br />

bestimmten Wochenenden „living history“ im<br />

Nationalen <strong>Straßenbahn</strong>museum Crich in<br />

England. Als eines der ältesten und größten<br />

<strong>Straßenbahn</strong>museen Europas hat es nicht nur<br />

einen umfangreichen Fahrzeugbestand von<br />

der Pferdebahn bis zu modernen <strong>Straßenbahn</strong>wagen,<br />

sondern auch einen abgegrenzten<br />

großen Museumsbereich mit einer eigenen<br />

Museumsstrecke und einem „Dorf“ mit Straße,<br />

Gaststätte und weiteren Gebäuden.<br />

Traditionell steht ein Wochenende unter<br />

dem Thema des Alltags im Zweiten Weltkrieg,<br />

bei dem die <strong>Straßenbahn</strong>en verdunkelt<br />

sind und (um eventuelle Spione zu<br />

verwirren) ohne Zielschilder fahren. Militärfahrzeuge<br />

und Soldaten sind in den Straßen<br />

zu sehen, und die Besucher müssen je-<br />

Der 1874 gebaute Pferdebahnwagen 15 der Sheffield Coporation Tramways passiert die Gaststätte<br />

„Red Lion“. Dieser Wagen rollte schon 1963 durch Crich<br />

Der Tw 159 der London United Tramways, gebaut 1901 und seit 2013 wieder regelmäßig eingesetzt,<br />

hat die Endstelle Town End fast erreicht. Aber trugen die Fahrer damals wirklich bereits Krawatten?<br />

Tw 22 aus Glasgow entstand zwar erst 1922,<br />

unterscheidet sich aber äußerlich nicht sehr von<br />

den zehn Jahre früher gebauten Wagen. Hier<br />

fährt er an einem Lieferwagen vorbei<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014<br />

65


Geschichte<br />

Vor dem aus London stammenden Tw 159 demonstrieren Frauenrechtlerinnen für ihr Stimmrecht - zum Unverständnis männlicher Zeitgenossen<br />

derzeit ihre (an der Kasse erhaltene) Ausweiskarte<br />

vorzeigen, um nicht als feindlicher<br />

Spion verhaftet zu werden. Auch sollen<br />

sie sich vor Blindgängern und vor betrügerischen<br />

Schwarzhändlern in Acht nehmen.<br />

Am Wochenende „Roter Oktober“ stehen<br />

dagegen Automobile der Marken Trabant,<br />

Wartburg und Tatra auf der Straße, während<br />

auf dem Bürgersteig russische Soldaten, DDR-<br />

Grenztruppen und Polizisten sowie in Westberlin<br />

stationierte britische Soldaten zu sehen<br />

Besondere Wochenenden in Crich 2014<br />

Veranstaltungsort<br />

The National Tramway Museum<br />

Crich Tramway Village (bei Matlock),<br />

Derbyshire, DE4 5DP<br />

12./13. Juli:„Edwardian Weekend“ (Darstellung<br />

der Zeit 1901 bis ca. 1919)<br />

9./10. August:„August 1940s Weekend“<br />

(Darstellung der Zeit des Zweiten Weltkrieges)<br />

23. bis 25. August:„Classic Transport Gathering“<br />

(Präsentation von Fahrzeugen aus allen<br />

Epochen mit Paraden)<br />

sind. Mehrmals am Tag kann man revolutionäre<br />

Paraden erleben und sich anschließend<br />

im Gasthaus mit osteuropäischen Speisen und<br />

deutschem Bier stärken – und natürlich spielen<br />

auch die aus dem ehemaligen Ostblock<br />

stammenden <strong>Straßenbahn</strong>wagen (aus Berlin,<br />

Prag und Halle/Saale) eine wichtige Rolle.<br />

Das „Edwardian Weekend“<br />

Das wohl erfolgreichste Aktionswochenende<br />

ist aber das „Edwardian Weekend“. Seit<br />

13./14. September:„Electric 50“ (Präsentation<br />

der elektrischen Fahrzeuge anlässlich der ersten<br />

Fahrt eines elektrischen Triebwagens in Crich vor<br />

50 Jahren)<br />

Anstelle einer „Red October“-Darstellung finden<br />

in diesem Herbst vom 25. Oktober bis zum 2. November<br />

„Starlight Specials“ statt. Dabei werden<br />

die <strong>Straßenbahn</strong>fahrzeuge farbenfroh illuminiert.<br />

Weitere Hinweise (in Englisch) – siehe Homepage<br />

des Nationalen <strong>Straßenbahn</strong>museums Crich:<br />

www.tramway.co.uk<br />

1984 ist es ein Dauerbrenner. Der Name bezieht<br />

sich auf die Regierungszeit von König<br />

Edward VII., also von 1901 bis zu seinem<br />

Tode 1910. Dabei sollen die Eleganz und<br />

Atmosphäre dieser Zeit dargestellt werden<br />

– und natürlich sind Fahrzeuge aus dieser<br />

Zeit zu sehen. Das betrifft einerseits <strong>Straßenbahn</strong>wagen,<br />

von denen es in der reichhaltigen<br />

Sammlung des Museums mehrere<br />

gibt, darunter auch einige betriebsfähige.<br />

Dazu gehören zum Beispiel der 1900 gebaute<br />

Triebwagen 74 aus Sheffield und der<br />

1901 gebaute Triebwagen Nr. 159 der London<br />

United Tramways, der seit 2012 wieder<br />

fahrfähig ist. Andererseits sind auch Oldtimer-Automobile<br />

zu sehen. Diese stammen<br />

von privaten Sammlern, die dafür freien<br />

Eintritt erhalten.<br />

Den Reiz dieser Wochenenden macht jedoch<br />

auch das Umfeld aus: Im Theater gibt<br />

es Vorführungen von Artisten und Sängern,<br />

am Konzertplatz dürfen Besucher ein Picknick<br />

einnehmen und dabei einem Blasorchester<br />

lauschen, auf den Straßen treffen sie<br />

Darsteller in historischen Kostümen – beispielsweise<br />

demonstriert eine Gruppe Suffragetten<br />

für das Frauenwahlrecht. Dabei<br />

66 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014


England: Crich<br />

Eine Lady im Rollstuhl mit Begleiterin. Mit einer der damaligen <strong>Straßenbahn</strong>en<br />

hätten sie wohl nicht mitfahren können – wie mobil wäre<br />

sie also damals wirklich gewesen?<br />

Herr Oberst und Gattin machen eine kleine Rast auf ihrem Spaziergang<br />

durch die Stadt. Solche Personen trifft man beim Edwardian Weekend<br />

im National Tram Museum auf Schritt und Tritt<br />

geraten sie in Konflikt mit der Staatsmacht,<br />

wenn sie etwa bei einer ihrer Kundgebungen<br />

einen <strong>Straßenbahn</strong>wagen besetzen und<br />

so den Verkehr blockieren. Schließlich muss<br />

sogar die Armee anrücken, um die Ordnung<br />

wieder herzustellen.<br />

Erlebnis auch für Pferdebahnfreunde<br />

Weil Anfang des 20. Jahrhunderts auch<br />

noch in vielen englischen Städten die Pferdebahn<br />

fuhr, ist während des „Edwardian<br />

Weekend“ in Crich auch ein Pferdebahnwagen<br />

im Einsatz – das einzige Mal im ganzen<br />

Jahr. Seit 1984 kommt in der Regel der<br />

1874 gebaute Pferdebahnwagen Nr. 15 aus<br />

Sheffield zum Einsatz. Lediglich von 1991<br />

bis 1995 fiel er aufgrund eines längeren<br />

Werkstattaufenthalts aus. Dieser Wagen<br />

war übrigens der erste, mit dem die Besucher<br />

bei Eröffnung des <strong>Straßenbahn</strong>museum<br />

in Crich 1963 fahren konnten. Triebwagen<br />

übernahmen erst nach Fertigstellung<br />

der elektrischen Anlage Mitte 1964 regulären<br />

Fahrbetrieb.<br />

Freilich war das Ende der Pferdebahn<br />

während der Regierungszeit von König Edward<br />

VII. bereits absehbar. So kommt es<br />

gegen Ende des Tages zu einer „Demonstration<br />

der Stalljungen“. Sie erfahren, dass<br />

ihre Pferdebahn stillgelegt werden soll und<br />

fürchten nun um ihre Arbeitsplätze. Nun<br />

tragen sie Transparente wie „Schützt die<br />

Pferdebahn“ oder „Schickt uns doch auch<br />

gleich zum Abdecker“. Auch warnen sie<br />

die Fahrgäste „Fahrt nicht mit der neuen<br />

Bahn, sie ist gefährlich“, denn man brauche<br />

nur die Oberleitung und die Schienen<br />

gleichzeitig berühren, um einen tödlichen<br />

Stromschlag zu erhalten … Schließlich<br />

kommt der Manager der Bahn in Frack<br />

und Zylinder und klärt die Situation, indem<br />

er den kompromissbereiten Arbeitern<br />

eine Beschäftigung bei der elektrischen<br />

Bahn verspricht. Nur der Stalljunge, der<br />

ihm respektlos den Zylinder vom Kopf<br />

schlug, wird sich wohl etwas anderes suchen<br />

müssen. NORBERT KUSCHINSKI<br />

Auf zur Zeitreise!<br />

Die Illusion einer Zeitreise ist allerdings nicht vollkommen,<br />

denn nicht alle Sinne werden gleichermaßen<br />

angesprochen. Die Straßen in den Städten waren<br />

damals noch durch zahlreiche Pferde (nicht nur<br />

die der <strong>Straßenbahn</strong>) geprägt. Die dadurch entstandenen<br />

Verunreinigungen und Gerüche können heute<br />

nicht nachvollzogen werden, was wohl auch besser<br />

ist. Was allenfalls indirekt darstellbar ist, sind<br />

Bildung, Wissen und Denken der Menschen zur damaligen<br />

Zeit. Und was natürlich am deutlichsten ist:<br />

Obwohl Besucher in historischer Kleidung ermäßigten<br />

Eintritt erhalten, laufen dennoch viele Besucher<br />

in heutiger Kleidung herum und benehmen sich auch<br />

sehr „heutig“, wodurch es mitunter zu ungewollt<br />

komischen Begegnungen kommt.<br />

Diese Aktionstage sind nicht nur ein attraktives<br />

Besucherspektakel und damit eine Attraktion des<br />

etwas abseits größerer Städte liegenden Museums,<br />

sondern auch ein Beitrag zur „lebenslangen<br />

Bildung“. Diese wird in Großbritannien staatlich<br />

gefördert, auch durch finanzielle Zuschüsse. Also:<br />

Auf zur nächsten Zeitreise!<br />

Die Stallburschen demonstrieren für den Erhalt „ihrer“ Pferdebahn, wie wir heute wissen –<br />

ohne Erfolg. Die Besucher des <strong>Straßenbahn</strong>museums klatschen trotzdem Beifall<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014<br />

67


Geschichte<br />

Auf Fotopirsch nach GT5<br />

Die Augsburger <strong>Straßenbahn</strong> vor 20 Jahren Im März 1994 dokumentierte ein Oldenburger<br />

Nahverkehrsfreund im Rahmen seiner Bayernreise auch den Trambetrieb der Fuggerstadt.<br />

Sein Hauptinteresse galt den legendären Fünfachsern in deren letzten Einsatzjehren<br />

Liniennetz Augsburg 1994<br />

1. . . . . . . . . . . . . . . . . Göggingen – Lechhausen<br />

2. . . . . . . . . . . . . . . . Stadtbergen – Kriegshaber<br />

4 . . . . . . . Haunstetten, ev. Kirche – Oberhausen<br />

Am Abend des 23. März traf ich in<br />

meinem Quartier in Stadtbergen bei<br />

Augsburg ein. Hatte ich morgens<br />

noch den Trambetrieb in Würzburg<br />

dokumentiert – siehe <strong>STRASSENBAHN</strong> MA-<br />

GAZIN 6/2014 – so folgt ein Bericht über<br />

meinen Zwischenstopp in Ulm im Anschluss<br />

an die Erlebnisse in Bayern.<br />

Das gewählte Quartier in Stadtbergen erwies<br />

sich als Glücksgriff: Vom Zimmerfenster<br />

hatte ich einen Panoramablick auf die Straße<br />

und die dort verlaufende <strong>Straßenbahn</strong>linie 2.<br />

Diese wurde obendrein noch komplett mit den<br />

fünfachsigen Gelenktriebwagen befahren, denen<br />

mein Hauptinteresse galt. „Toll – auch<br />

abends noch alle 15 Minuten mit Tatzlagersound<br />

in den Schlaf“, schrieb ich damals begeistert<br />

in mein Tagebuch. Augsburg war damals<br />

zweifellos die interessanteste Station meiner<br />

Reise. Das Streckennetz wurde von drei<br />

Linien befahren und war im Prinzip seit 1960<br />

unverändert – man hatte lediglich hin und<br />

wieder Linienäste getauscht. Eine erste Streckenverlängerung<br />

von Lechhausen zum Neuen<br />

Ostfriedhof war aber schon im Bau, weitere<br />

Neubaustrecken waren projektiert. Einige<br />

Jahre zuvor – im Jahre 1990 – hatten die<br />

Augsburger Verkehrsbetriebe einen „Coup“<br />

gelandet, indem alle <strong>Straßenbahn</strong>linien über<br />

die Woche ganztägig im Fünf-Minuten-Takt<br />

gefahren wurden. Zwar verzichtete man im<br />

Gegenzug auf Verstärkungsfahrten im Spitzenverkehr,<br />

aber dennoch hatte die Verkehrsgesellschaft<br />

die Attraktivität der Augsburger<br />

<strong>Straßenbahn</strong> sehr gesteigert.<br />

Mehr als GT5 – Betrieb prägt<br />

eine große Fahrzeugvielfalt<br />

Zur Bewältigung des Fahrgastzuwachses<br />

hatte man 1991 aus Stuttgart 20 ältere GT4-<br />

Gelenkwagen (= zehn Doppeltraktionen) ge-<br />

68 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014


Augsburg<br />

Ein Blick in die Werkstatt des Betriebshofes Baumgartnerstraße mit dem Tw 8012 vom Typ M8C und dem Tw 408, der<br />

ehemalige Stuttgarter GT4 Nr. 540. An letzteren wird letzte Hand vor seiner Inbetriebnahme in Augsburg angelegt<br />

Vor der heute<br />

von den Stadtwerken<br />

nicht mehr genutzten<br />

Wagenhalle<br />

in Lechhausen warteten<br />

am 23. März<br />

1994 der Fünfachs-<br />

Tw 541 und die aus<br />

den Wagen 403 und<br />

453 gebildete GT4-<br />

Doppeltraktion auf<br />

ihre Abfahrtszeit.<br />

Die Halle nutzen<br />

heute die Freunde<br />

der Augsburger<br />

<strong>Straßenbahn</strong> e.V.<br />

Wagenpark Augsburg 3/1994 (nur betriebsfähige Wagen des Personenverkehrs)<br />

Tw-Nr. Typ Bauart Hersteller Baujahr Bemerkungen<br />

401–410 GT4 4x-ER-Gel-Tw Esslingen 1959/60 1991 ex Stuttgart Tw 539/37,<br />

529/32/46/30/38/40/34/28;<br />

408/09 noch nicht im Einsatz<br />

451–460 GT4 4x-ER-Gel-Tw Esslingen 1960–1962 geführte Tw; 1991 ex Stuttgart<br />

Tw 580/79/35/45/81/36/73/41,<br />

542/74; 458/59 noch nicht i.E.<br />

511, 518 GT5 5x-ER-Gel-Tw MAN 1956 1968 Umbau aus 3x-1R-Tw<br />

522–525/530–534 GT5 5x-ER-Gel-Tw MAN 1964<br />

535–541 GT5 5x-ER-Gel-Tw MAN 1968<br />

542/44/45 GT5 5x-ER-Gel-Tw MAN 1956 1969 Umbau aus 3x-1R-Bw<br />

263/65/66<br />

601 GT6M 6x-ER-Gel-Tw Nfl MAN 1993 Prototyp<br />

801–812 GT8 8x-ER-Gel-Tw MAN/Düwag 1976 Typ „Mannheim“<br />

8001–8012 M8C 8x-ZR-Gel-Tw MAN/Düwag 1985<br />

(66 Tw)<br />

Gefolgt vom Niederflur-Prototyp<br />

601<br />

nähert sich der GT8<br />

Nr. 809 am 23. März<br />

1994 aus Haun stetten<br />

kommend der<br />

Haltestelle Rotes Tor.<br />

Den Tw 601 mustert<br />

der Verkehrsbetrieb<br />

nach knapp zweijährigem<br />

Einsatz 1995<br />

nach einem Unfall<br />

bereits aus und gibt<br />

ihn an MAN nach<br />

Nürnberg zurück<br />

ALLE FOTOS STEFAN HINDER<br />

69


Geschichte<br />

Auch in Kriegshaber wenden die Wagen im Gleisdreieck vor dem ehemaligen Depot. Am 23. März 1994 verbringt Tw 524 hier seine Pausenzeit;<br />

2013 wird er in Iasi (Rumänien) verschrottet. Die damals noch gewohnte Telefonzelle dürfte das gleiche Schicksal deutlich früher ereilt haben<br />

...<br />

kauft und sukzessive bis 1994 in Dienst gestellt.<br />

Überwiegend erfolgte ihre Aufarbeitung<br />

in der ZWM Mannheim, einige Fahrzeuge<br />

waren zum Zeitpunkt meines Besuches<br />

noch gar nicht fertiggestellt. Der Bestand an<br />

Fünfachsern war bis März 1994 auf genau<br />

die Hälfte geschrumpft: Es waren noch 21<br />

von ursprünglich 42 Exemplaren im Bestand.<br />

Außerdem gab es zwölf Einrichtungsachtachser<br />

vom Düwag-Typ „Mannheim“<br />

aus den 1970er- und zwölf Stadtbahnwagen<br />

M8C aus den 1980er-Jahren.<br />

Neueste Errungenschaft war ein im<br />

Vorjahr gelieferter Niederflur-Sechsachser<br />

des MAN/AEG-Typs GT6M, der als Prototyp<br />

einer geplanten Serie galt und Ende<br />

1995 nach einem schweren Unfall ausgemustert<br />

werden musste. Nicht für den regulären<br />

Personenverkehr, aber für Sonderfahrten<br />

standen auch noch drei<br />

Zweiachser vom KSW-Typ (Tw 501, 506<br />

Das Endstück der Linie 2 in Kriegshaber ist trotz Fünf-Minuten-Taktes nur eingleisig ausgeführt, und aufgrund der notwendigen Dreickwende an der<br />

Endstelle sind Tramaufläufe wie dieser an der Tagesordnung: Tw 538 fährt soeben Richtung Innenstadt ab, während im Hintergrund Tw 537 gerade<br />

die Endstation erreicht hat und Tw 542 zurückstößt (links). An der Ausweiche Heimgarten begegnen sich am 23. März 1994 die Tw 534 und 540 (rechts)<br />

70 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014


Augsburg<br />

Eigentlich ist das Augsburger <strong>Straßenbahn</strong>netz nicht sonderlich steigungsreich. Eine Ausnahme bildet das kurze, aber steile Streckenstück am Perlachberg<br />

im Zuge der Linie 1. Die in unterschiedlichen Straßenzügen liegenden eingleisigen Abschnitte werden im Richtungsbetrieb befahren<br />

sowie 507) zur Verfügung. Da ich all diese<br />

Fahrzeuge gerne sehen wollte, hatte ich<br />

vor der Reise schriftlich mit der Betriebsleitung<br />

einen Besichtigungstermin für den<br />

Betriebshof an der Baumgartnerstraße<br />

vereinbart.<br />

Einzelstück nur im Betriebshof<br />

So vielfältig der Fahrzeugpark, so vielfältig<br />

war auch der Fahrzeugeinsatz: Die Linie 2<br />

fuhr – wie erwähnt – ausschließlich mit GT5<br />

(17 Kurse!). Die Linie 1 war die Domäne der<br />

M8C-Wagen und der GT4-Doppeltraktionen,<br />

aber auch hier beobachtete ich zwei<br />

Kurse mit GT5. Die Linie 4 bedienten normalerweise<br />

die „Mannheim“-Achtachser.<br />

Außerdem verkehrte hier der Niederflur-<br />

Prototyp 601, aber als zusätzlicher, nicht<br />

fahrplanmäßiger Kurs. Ich konnte ihn daher<br />

zu meinem Erstaunen bei der Betriebshofbesichtigung<br />

antreffen, nachdem ich ihn unmittelbar<br />

zuvor noch im Einsatz auf der SL<br />

4 fotografiert hatte. „Der Fahrer macht jetzt<br />

Brotzeit“, erläuterte mir mein Begleiter.<br />

Was könnte sich ein <strong>Straßenbahn</strong>freund mehr<br />

wünschen, als dass der Blick aus dem Hotelzimmerfenster<br />

nach dem Aufstehen so aussieht:<br />

Tw 534 am 24. März 1994 in Stadtbergen<br />

Im Depot war übrigens neben den erwähnten<br />

Fahrzeugen auch noch der historische<br />

Tw 101 anzutreffen, ein Vierachser mit<br />

Maximum-Drehgestellen aus dem Jahre<br />

1913. Außerdem standen dort noch die<br />

GT5-Tw 526 und 529, deren HU-Fristen einige<br />

Wochen zuvor abgelaufen waren. Man<br />

versicherte mir allerdings, dass vorläufig<br />

keine weiteren GT5 abgestellt werden sollten.<br />

Der Tw 531 befand sich gerade in der<br />

HU, und es sollte tatsächlich auch noch sieben<br />

Jahre dauern, bis der letzte GT5 aus<br />

dem Straßenbild verschwand.<br />

Vom GT5 besonders angetan<br />

Von diesen einzigartigen Wagen war ich<br />

ziemlich angetan: Die Fahreigenschaften<br />

empfand ich als erstaunlich gut (besser als<br />

die der ex Stuttgarter GT4), und überrascht<br />

war ich auch über die zügige Anfahrbe-<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014<br />

71


Geschichte<br />

Der GT5 Nr. 531 steht am 23. März 1994 im Betriebshof Baumgartnerstraße.<br />

Die leichte Trennbarkeit der beiden Wagenteile war ein Grund<br />

für die Beschaffung dieser Wagentype 1964 von MAN<br />

Im Betriebshof befinden sich an diesem Tag auch mehrere Sonder -<br />

wagen: vorn der KSW Nr. 507, dahinter die gleichartigen Triebwagen<br />

506 und 501 sowie der vierachsige Triebwagen 101 von 1913<br />

schleunigung. Die für ein Fahrzeug dieser<br />

Größe schwache Motorisierung (2 x 60<br />

kW) ließ eigentlich anderes erwarten! Der<br />

Innenraum präsentierte sich mit gemütlicher,<br />

aber nicht zu dunkler Holzverkleidung.<br />

Die Sitze waren zwar aus Durofol,<br />

aber immerhin in Fahrtrichtung aufgestellt.<br />

Auf der Negativ-Seite blieben für meinen<br />

Geschmack lediglich das recht laute Motorgeräusch<br />

und der in Abständen lautstark<br />

losratternde Kompressor.<br />

Sehr schön fand ich auch die achtachsigen<br />

Tw 801 bis 812, zumal sie sich fast alle<br />

(Ausnahme: Tw 801) noch in der klassischen<br />

beigen Lackierung präsentierten.<br />

Beim Betreten der Wagen allerdings fühlte<br />

Der Tw 541 hat die Endstelle Lechhausen erreicht und wird gleich in das Wendedreieck vor der<br />

Wagenhalle zurückstoßen. Erste Arbeiten für die Verlängerung zum Neuen Ostfriedhof, die am<br />

10. September 1994 in Betrieb genommen werden wird, haben begonnen<br />

Fünfachs-Tw 537 hat am 23. März 1994 stadtauswärts fahrend die Haltestelle Senkelbach erreicht,<br />

während im Hintergrund ein gleichartiger Triebwagen in Richtung Fischertor fährt<br />

man sich mit einem Schlag in die 1970er-<br />

Jahre zurückversetzt: Das gesamte Gestühl<br />

präsentierte sich in der Modefarbe dieser<br />

Zeit – in einem schrillen Orange. „Fehlen<br />

nur noch die Abba-Poster und die Pril-Blumen“,<br />

notierte ich ironisch dazu. Alle anderen<br />

Wagen zeigten sich in der einige Jahre<br />

zuvor eingeführten weiß-grünen Farbgebung.<br />

Ganzreklamen gab es zu meiner Freude<br />

nicht.<br />

Reger Rangierbetrieb<br />

an Gleisdreiecken<br />

Neben der Betriebshofbesichtigung befuhr<br />

ich die Strecken nach Lechhausen, Oberhausen<br />

und Kriegshaber und lief das sehenswerte<br />

Stück der Linie 2 zwischen Rathaus<br />

und Fischertor ab. Durch den<br />

Fünf-Minuten-Takt musste man nie lange<br />

auf Fotomotive warten. An den Endstellen<br />

Lechhausen und Kriegshaber dienten als<br />

Wendemöglichkeit die Gleisdreiecke im<br />

Vorfeld von nicht mehr benötigten Wagenhallen,<br />

so dass angesichts der dichten Taktfolge<br />

ständig Betrieb mit mindestens zwei,<br />

oft auch drei rangierenden Wagen herrschte.<br />

Abgesehen vom Wetter, das sich überwiegend<br />

grau und wolkenverhangen zeigte,<br />

war ich daher mit der Ausbeute dieses Tages<br />

mehr als zufrieden. STEFAN HINDER<br />

Und 20 Jahre danach?<br />

Augsburg hat sein <strong>Straßenbahn</strong>netz zwischenzeitlich<br />

fast verdoppelt – es ist von knapp 26 im<br />

Jahr 1994 auf aktuell 45,4 Kilometer Länge gewachsen.<br />

Neben den Streckenverlängerungen<br />

zum Neuen Ostfriedhof, nach Augsburg-West<br />

und Augsburg-Nord entstanden die neuen <strong>Straßenbahn</strong>linien<br />

3 nach Haunstetten-West und 6<br />

nach Friedberg-West. Letztere ist größtenteils<br />

ein verlängerter Wiederaufbau der 1960 stillgelegten<br />

Linie 6 nach Hochzoll.<br />

Vom alten Wagenpark sind nur noch sieben<br />

der M8C-Wagen von 1985 im Einsatz (Tw 8002<br />

und 8004 bis 8009). Der Rest besteht aus 79<br />

Niederflurwagen mittlerweile dreier verschiedener<br />

Typen.<br />

72 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014


Fundstück des Monats<br />

FOLGE 17<br />

Hall in Tirol<br />

Unterer Stadtplatz<br />

Grau und unscheinbar, aber es steht noch: das Depot der ehemaligen Überlandstraßenbahn von Innsbruck in Hall in Tirol.<br />

Bis 1974 verbrachten darin Trams die Nacht. Die Aufnahme entstand am 28. April 2014<br />

BERNHARD KUSSMAGK<br />

Vergessener Betriebshof<br />

Vor 40 Jahren endete der <strong>Straßenbahn</strong>verkehr von Innsbruck nach Hall in Tirol. Dort erinnert jedoch<br />

bis heute ein kleines Depot an diese knapp zwölf Kilometer lange Überlandstrecke mit 1.000<br />

Millimeter Spurweite. Doch welche <strong>Straßenbahn</strong>fahrzeuge übernachteten dort einst?<br />

Der Untere Stadtplatz in Hall in Tirol bietet eine prächtige mittelalterliche<br />

Kulisse. Schweift der Blick nach Westen, fällt ein unscheinbares<br />

Gebäude kaum auf. Für Nahverkehrsfreunde stellt es jedoch etwas<br />

Besonderes dar – beim näheren Hinsehen ist es rasch als ehemaliges Depot<br />

identifiziert. Bis zum Abend des 8. Juni 1974 endete die Überlandstraßenbahnlinie<br />

4, vom Innsbrucker Hauptbahnhof kommend, am<br />

Unteren Stadtplatz.<br />

Die 4 – genannt „der Haller“ – gehörte bereits ab dem 1. Juni 1891<br />

zum Stadtbild Halls, zunächst noch als Dampfstraßenbahn. In den<br />

Jahren 1909/10 elektrifizierte die Localbahn Innsbruck – Hall in<br />

Tirol (L.B.I.H.i.T.) die meterspurige Strecke in zwei Abschnitten.<br />

Gegen den Willen der Verkehrsbetriebe verfügte die Stadt Innsbruck<br />

die Stilllegung der 4, um einen vergleichsweise geringen Betrag im<br />

Zuge der Neuerrichtung einer Brücke während der Vorbereitungen<br />

auf die Olympischen Winterspiele 1976 zu sparen, bei der die <strong>Straßenbahn</strong><br />

„störte“. Das Ende des Hallers erfolgte unter großer Anteilnahme<br />

der Bevölkerung. Trotz Eingleisigkeit, sehr altem Wagenmaterial<br />

und dünnem Halbstundentakt war die Linie wegen ihrer<br />

Zuverlässigkeit äußerst beliebt. Gerade jener alte Wagenpark der<br />

Grazer Waggonfabrik war ein Fest für alle Verkehrsfreunde, zogen<br />

die schweren, hohen, vierachsigen, knapp zwölf Meter langen Triebwagen<br />

aus dem Jahr 1909 doch zwei bis vier leichte, niedrige, zweiachsige,<br />

knapp sechs Meter kurze Beiwagen aus der Dampfbahnära,<br />

die während der raschen Fahrt nett hin- und hertänzelten.<br />

1976 kauften die Innsbrucker Verkehrsbetriebe sechsachsige Zweirichtungswagen<br />

der Hagener <strong>Straßenbahn</strong>, die sich für eine Modernisierung<br />

der meist schnurgerade verlaufenden Linie 4 geeignet<br />

hätten. Durch eine zusätzliche Ausweiche wäre ein 15-Minuten-Takt<br />

möglich gewesen, zu spät ...<br />

Heute erinnert mit Ausnahme des kleinen Depots fast nichts mehr an<br />

den Haller. Im Zuge der geplanten Regionalbahn soll die Tram in moderner<br />

Form, wenn auch mit anderer Streckenführung, zumindest<br />

teilweise wieder aufleben, denn zumindest bis nach Rum (zwischen<br />

Innsbruck und Hal gelegen) wird die <strong>Straßenbahn</strong> in einigen Jahren<br />

wieder fahren.<br />

BERNHARD KUSSMAGK<br />

Mehr Erinnerungen an die Haller Lokalbahn:„Rendezvous mit<br />

Linie 4“ in <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 8/2010, Seiten 92 bis 95<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014<br />

73


■ Miniatur-Nahverkehr: Anlagen, Fahrzeuge, Tipps und Neuheiten<br />

m sm-modell@geramond.de<br />

11. Internationale Modellstraßenbahnausstellung<br />

Kleine Bahn...<br />

ganz groSS<br />

Plauener StraSSenbahn<br />

Tradition verbindet<br />

17.05.14 von 10 bis 18 Uhr & 18.05.14 von 12 bis 17 Uhr<br />

in der Veranstaltungsshalle „Möbel biller“ Plauen<br />

Minitram groß<br />

im Möbelhaus<br />

Kleine Bahn ganz groß ■ Schon zum elften<br />

Mal zeigten Hobbyfreunde einem breiten<br />

Publikum Fahrzeuge und Anlagen. Diesmal<br />

war ein Möbelkaufhaus in Plauen Treffpunkt<br />

der europäischen Modellstraßenbahnszene<br />

Im letzten Jahr berichteten wir<br />

vom Modelltramtreffen in Chemnitz,<br />

wo schon bei Öffnung der<br />

Ausstellung eine so große Menschenmenge<br />

in die Bushalle der Verkehrs-AG<br />

stürmte wie man es sonst<br />

nur von Kaufhäusern kennt, wenn die<br />

Meute danach über die Sonderangebote<br />

herfallen kann. Dieses Jahr fand<br />

„Kleine Bahn ganz groß“ (KBGG) nun<br />

tatsächlich in einem Kaufhaus statt.<br />

„Möbel Biller“ am Plauener Rosa-<br />

Luxemburg-Platz war Mitte Mai für<br />

ein Wochenende der Mittelpunkt der<br />

europäischen Modellstraßenbahnszene.<br />

In der angeschlossenen Veranstaltungshalle<br />

zeigten 43 Aussteller<br />

mit rund 180 Teilnehmern unter von<br />

der Decke baumelndem Weihnachtsschmuck<br />

ihre Modelle und Anlagen.<br />

Jedes dieser vier Spur-IIm-Trammodelle hat einen anderen Erbauer. Den<br />

ET57 der Gothaer <strong>Straßenbahn</strong> (o. l.) fertigte der Gothaer Thomas Pferner<br />

aus einem Bausatz von Yannick Schäffner. Den Hallenser Lindner-<br />

Zug (o. r.) bauten Jens Huschina und Joachim Piest aus Berlin. Der gelbe<br />

Oldtimer mit der Nummer 11 ist Thomas Pferners Umbau aus einem<br />

LGB-Modell. Der moderne Erfurter MGT6 (kl. Foto) ist ein Eigenbau von<br />

Andreas Lange aus Erfurt, den jetzt Frank Findeis aus Plauen sein Eigen<br />

nennt. Die Anlage gehört den Spur-II-Freunden um Jens Huschina<br />

74 strassenbahn magazin 7|2014


Kleine Bahn ganz gro<br />

Die „Modulfreunde Nürnberg“ sind wie der „Modulbau Nürnberg“ eine<br />

Interessengemeinschaft, die nach gleichen Normen baut und fährt<br />

Erwin Löw von den Modulfreunden nennt seine H0-Anlage „Löwenstein“.<br />

Die Stadt hat kein echtes Vorbild, soll nur gut zur Tram passen<br />

Auf der Anlage der Spur-II-Freunde zeigte Thomas Findeis aus Plauen (l.)<br />

seinen Niederflurwagens MGT6D, den Andreas Lange aus Erfurt baute<br />

Zur Braunschweiger IG Nahverkehr gehören auch Frauen. Tine Kasch<br />

(neben Mobaleiter Alex Schwieger) organisiert die Reisen des Vereins<br />

War die Chemnitzer Bushalle 2013<br />

schon wegen schlechter Lichtverhältnisse<br />

in die Kritik geraten, konnte der<br />

Möbelladen hier noch einen draufsetzen.<br />

Mit „dunkel wie in der U-Bahn“<br />

brachte es Götz Renker aus Leipzig<br />

auf den Punkt. Rund 2.100 zahlende<br />

Besucher hatten aber trotzdem ihre<br />

Freude an den 32 Anlagen. Dank des<br />

verkaufsoffenen Sonntags riss der<br />

Zuschauerzustrom am zweiten Tag<br />

nicht ab. Auch immer mehr Hersteller<br />

nutzten KBGG, um ihr Programm<br />

den Kunden näher zu bringen. Während<br />

es für die sächsischen Anbieter<br />

wieder ein Heimspiel war, hatte die<br />

Navemo AG aus Zürich die weiteste<br />

Anfahrt nach Plauen.<br />

Viel Aufmerksamkeit konnten die<br />

Spur-II-Freunde um Jens Huschina<br />

mit ihrer großen Gartentram auf sich<br />

ziehen. Noch größer war‘s nur beim<br />

Plauener Heiko Puchta mit seinen<br />

1:10-Fahrzeugen. Auch den noch<br />

unfertigen Zuwachs für seinen Fahrzeugpark,<br />

einen RT6 von Tatra in der<br />

Ausführung fürs böhmische Reichenberg<br />

(Liberec), hatte er dabei.<br />

Die Magdeburger <strong>Straßenbahn</strong>freunde sind mit ihrer Modulanlage, die<br />

vorwiegend heimatliche Gegebenheiten umsetzt, seit Jahren dabei<br />

Alle Magdeburger <strong>Straßenbahn</strong>freunde sind an ihren grünen T-Shirts zu<br />

erkennen, so auch Thorsten Löbl, der hier den Teil „Schönebeck“ bedient<br />

strassenbahn magazin 7|2014 75


aßenbahn im Modell<br />

Eine GT6N und eine Variobahn warten ihre Pausenzeiten auf Tobias Ruschels<br />

H0-Modul „Gustav-Adolf-Straße“ der „IG Modulbau Nürnberg“ ab<br />

Dieter Gropp lässt auf seiner H0-Anlage noch einmal die DDR-Gewerkschaft<br />

FDGB den „Kampftag der Arbeiterklasse“ auf der Straße feiern<br />

Von Johannes Keller-Harmsen stammen die 3-D-Modelle der Timis-II-<br />

Züge nach Vorbildern von Iasi (l.), Arad (r.) auf der Modulbau-Anlage<br />

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Bei uns finden Sie sowohl<br />

skandinavische wie auch viele<br />

deutsche Trammodelle – alte<br />

und moderne Fahrzeuge aus<br />

Bremen, Nürnberg, Köln, Bonn,<br />

Essen, Kassel oder Stuttgart.<br />

Unsere H0- und 0-Modelle gibt<br />

es fertig oder als Bausatz. Sie<br />

sind mit allen Details ausgerüstet<br />

und verfügen über perfekt<br />

wirkende Fahrwerke.<br />

Auch Modelltram-Urgestein Alfred<br />

Spühr war unter den Besuchern. Bis<br />

vor einigen Jahren hatte der 80-Jährige<br />

noch selbst als Aussteller an KBGG<br />

teilgenommen. Besonders die auch in<br />

Plauen wieder gezeigte kleine H0-Anlage<br />

von Werner Jurkowski hatte es ihm<br />

angetan. „Da kann ich ewig zuschauen,<br />

denn der Betrieb mit den Selbstbaumodellen<br />

aus Messing läuft problemlos“,<br />

freut sich der Osnabrücker.<br />

Die vorbildentsprechende Geschwindigkeit<br />

(oder besser Langsamkeit) der<br />

vom Berliner Jurkowski gefahrenen<br />

Modelle gefiel Spühr. In den <strong>Straßenbahn</strong>en<br />

manch anderer Anlage möchte<br />

er besser kein Fahrgast sein. „Zu hohes<br />

Tempo mit teils sehr schlechter Gleisla-<br />

45 Minuten Arbeitsaufwand<br />

Arbeitaufwand 90 Minuten<br />

Tramfreunde<br />

aufgepasst!<br />

Fax +4 6317111223<br />

oder +4631211200<br />

Bitte besuchen Sie<br />

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B<br />

Unter Holger Otts H0-Anlage fährt eine Unterpflasterstraßenbahn. Dank<br />

des Dreischienengleises kann er auch Meterspur-Triebwagen einsetzen<br />

ge sowie häufigen Unterbrechern und<br />

Entgleisungen“ weckten in ihm nur<br />

gedämpfte Begeisterung.<br />

Hohe Kosten, wenig Zeit<br />

Es gab aber auch viel Lob für den<br />

Einsatz der Teilnehmer. Thomas<br />

Hildebrand aus Erfurt zeigte sich<br />

begeistert, dass „sie alle ihre Reise-<br />

und Hotelkosten selber tragen und<br />

trotzdem so zahlreich bei der Veranstaltung<br />

dabei sind“. Er bedauerte<br />

nur, als Teilnehmer selbst kaum Zeit<br />

zum ausführlichen Besuch der anderen<br />

Aussteller zu haben. Götz Renker<br />

nannte KBGG in Plauen „eine recht<br />

schöne Veranstaltung, die wie immer<br />

gut durchorganisiert war“.<br />

Neue <strong>Straßenbahn</strong>-Modelle<br />

NGT8<br />

2412<br />

TS: T t<br />

Krakau<br />

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Kopenhagen 165 €<br />

Standmodell 215 €<br />

Motorisiert<br />

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B<br />

76 strassenbahn magazin 7|2014


Kleine Bahn ganz gro<br />

Schon jetzt stehen auch die nächsten<br />

beiden Veranstaltungsorte für<br />

„Kleine Bahn ganz groß“ fest: 2015<br />

in Schwerin und 2016 mit Hamburg<br />

endlich auch mal wieder in den alten<br />

Bundesländern. Der Termin im April<br />

2015 in Schwerin stößt aber nicht auf<br />

einhellige Zustimmung. SM-Autor<br />

Guido Mandorf weiß: „Die Veranstaltung<br />

soll in einem ungeheizten Lokschuppen<br />

stattfinden, sodass schon<br />

viele ihre Teilnahme abgesagt haben,<br />

um ihre Anlagen zu schonen.“ Alfred<br />

Spühr meint dazu wenig prophetisch,<br />

dass „wir uns da alle wohl sehr warm<br />

anziehen müssen“.<br />

JOG<br />

Von Ingbert Neumeister stammt dieser H0-Eigenbau eines GT8-70D/N. Das Vorbild des Messing-Ätzmodells hat<br />

Siemens für die Verkehrsbetriebe Karlsruhe gebaut. Die Modellteile wurden in einem Metallätzwerk gefertigt<br />

L. BÄR, R. FELGENTREU, H. GIERAMM (2), TH. HILDEBRAND (5), H. OTT (2), G. RENKER (2), S. SCHÄFER (2)<br />

Dieter Gropp aus Gera zeigte auf seiner H0-Anlage einen Kriegseinheitsobus,<br />

der vorbildgerecht unter Oberleitung die Modellstraßen befuhr<br />

Der japanische Typ 60 Biwako Go kommt als N-Modell von Modemo<br />

Die meisten Bilder dieses Berichts wurden mit Langzeitbelichtung aufgenommen.<br />

Wie dunkel es wirklich im Plauener Möbelhaus war, zeigt diese<br />

Aufnahme, die an der Anlage der „Modulfreunde Nürnberg“ entstand<br />

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B<br />

Neu im Lieferprogramm 2014<br />

Ur-KSW<br />

H0 5201<br />

der SSB H0m 5202<br />

KVB-Güterlok<br />

H0 5402<br />

Nr. 6108 H0m 5403<br />

Hummel<br />

Oustra<strong>Straßenbahn</strong>en<br />

H<br />

u. a. ehemalige Spieth-Modelle<br />

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B. DIETRICH-VANDONINCK (3)<br />

Rivarossi zeigte diesen Dortmunder Rewe-Stadtbahnwagen für H0<br />

Nürnberger Messe-Nachwehen<br />

■ Auch gut fünf Monate nach der<br />

Nürnberger Spielwarenmesse gibt<br />

es noch einige Neuheiten und Korrekturen<br />

zu vermelden.<br />

Paul Sassen von Skiptram, der<br />

selbst nicht auf der Messe war,<br />

wollte uns durch einen Mittelsmann<br />

einen Tauschantrieb für Limas H0-<br />

Sechsachser vorstellen. Da dies<br />

nicht geklappt hat, reichen wir das<br />

Teil hier jetzt nach.<br />

Das im letzten Teil des Messeberichts<br />

der Firma NPE als Neuheit<br />

zugeschriebene Rillengleissystem<br />

für N und Nm und die Modelle der<br />

Sóllertram und des Baseler Triebwagen<br />

Ce 2/2 stammen tatsächlich<br />

vom Hersteller N-Tram.<br />

Wie wir es voraus gesehen haben,<br />

ziehen sich immer mehr Tramhersteller<br />

von der Spielwarenmesse<br />

zurück. Jetzt hat auch Bernhard<br />

Eng von Navemo mitgeteilt, dass<br />

man 2015 nicht mehr in Nürnberg<br />

ausstellen werde. Offenbar hat die<br />

Messegesellschaft den Trend erkannt.<br />

Seit Ende Mai versucht man<br />

nun unter „Bahn frei für Kleinserienhersteller“<br />

den Abgang mit neuen<br />

Angeboten aufzuhalten. JOG<br />

Skiptrams Tauschantrieb soll Limas H0-Sechsachser ertüchtigen<br />

strassenbahn magazin 7|2014 77


Ihre Seiten: Ergänzungen, Anmerkungen, Kritik und Anregung<br />

<br />

ö<br />

:<br />

*<br />

89 – 13 06 99-720<br />

0 89 – 13 06 99-700<br />

redaktion@geramond.de<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong><br />

Postfach 40 02 09 · 80702 München<br />

Zu „Erfurts Tw 121“<br />

(SM 6/2014)<br />

Wagen stand länger<br />

im Spreewald<br />

Leider hat sich in den Artikel doch<br />

noch ein Fehler eingeschlichen, den ich<br />

aber selbst verursacht habe. Die Umsetzung<br />

vom Flugplatzmuseum Cottbus<br />

zum Museum nach Burg erfolgte nicht<br />

erst am 15. Januar 2010, sondern bereits<br />

am 15. Januar 2009. Leider bin ich erst<br />

nach Druckbeginn auf meinen Schreibfehler<br />

gestoßen.<br />

Ulrich Thomsch, Cottbus<br />

Zu „Einst & Jetzt“ (SM 5/2014)<br />

Beiwagen genau<br />

bestimmbar<br />

Der Autor des Textes war sich nicht<br />

ganz sicher, mit welchen Beiwagen die<br />

beiden Züge behangen sind. Ich kann<br />

helfen: Von den äußerlich erkennbaren<br />

größeren Unterscheiden<br />

zwischen den<br />

Beiwagentypen<br />

B24 und<br />

dem Foto nur die Trittstufen zu sehen.<br />

Der Typ B24 hat Trittkästen mit einer Stufe<br />

und der Typ B25 solche mit zwei Stufen.<br />

So ist der Zug der Linie 60 mit dem<br />

Typ B25 behangen und der von der Linie<br />

75/76 mit dem Typ B24.<br />

Manfred Keste, Berlin<br />

Zu „Triebwageneinsätze in<br />

Doppeltraktion“ (SM 4/2014)<br />

Teils auch andere Doppelpacks<br />

unterwegs<br />

Nach meinen Beobachtungen sind<br />

die in der Tabelle auf Seite 20 angegebenen<br />

Daten zu Karlsruhe so nicht ganz<br />

richtig: Im Bereich der <strong>Straßenbahn</strong><br />

konnte ich Doppeltraktionen bisher nur<br />

auf der Linie 1 sowie S2 – und dann lediglich<br />

aus zwei GT6-70-D/N gebildet –<br />

ausmachen. Die achtachsigen Wagen<br />

waren immer nur solo anzutreffen. Dass<br />

bei der Gleichstrom-Stadtbahn S1/11<br />

nie zwei GT8-80C zusammen unterwegs<br />

sind, stimmt so auch<br />

nicht – siehe Bild. Vermutlich<br />

wird verwendet, was<br />

gerade verfügbar ist.<br />

Hannover: An der Haltestelle Auestraße traf Achim Uhlenhut am 8. März<br />

2014 diesen außerregulären Langzug an, den Tw 6202 führte<br />

In Richtung Norden, auf der Hardtbahn,<br />

sind Doppeltraktionen mindestens<br />

bis Leopoldshafen zu beobachten. Dort<br />

werden die Züge getrennt, wobei der<br />

erste Wagen nach Hochstetten weiterfährt<br />

und der zweite zum KIT Campus<br />

Nord (Forschungszentrum) abzweigt<br />

(Mitfahrt nur für Berechtigte). In Richtung<br />

Süden, auf der Albtalbahn, werden<br />

die meisten Doppeltraktionen in Ettlingen<br />

getrennt. Der erste Wagen fährt<br />

nach Bad Herrenalb bzw. Ittersbach weiter,<br />

der zweite wendet in der Schleife am<br />

Ettlinger Albgaubad, um nach Karlsruhe<br />

Gerd Jänsch fotografierte auf der Karlsruher Gleichstrom-Stadtbahn S1/11 im<br />

Juni 2010 diese beiden GT6-70D in Doppeltraktion an der Europahalle<br />

B25 sind auf<br />

78<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014


Preisträger des großen Gewinnspiels<br />

Im <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 3/2014 luden wir alle Leser zu einem großen Gewinnspiel gemeinsam mit BAHN EXTRA und LOK <strong>MAGAZIN</strong> ein. Aus der Vielzahl der Einsendungen mit<br />

dem richtigen Lösungswort „Gotha“ wurden folgende 50 Preisträger ausgelost. Die ausgeschriebenen Preise wurden an die Gewinner bereits verschickt.<br />

Vorname Name Ort<br />

Gabriele Beckmann Bad Deynhausen 1. Platz<br />

Helmut Vogeley Laubach 2. Platz<br />

Peter Salomson Stockholm (S) 3. Platz<br />

Hans J. Schubert Erfurt 4. Platz<br />

Maik Schüßler Berlin 5. Platz<br />

Morten Nielsen Fredericia (DK) 6. Platz<br />

Werner Rupp Heilbronn 7. Platz<br />

Marko Hahn Naumburg 8. Platz<br />

Hans-Joachim Herbel Stuttgart 9. Platz<br />

Rolf Gebigke Renchen 10. Platz<br />

Peter Dütsch Hückeswagen 11. Platz<br />

Christoph Koch Mittenaar 12. Platz<br />

Roland Söder Helsa 13. Platz<br />

Berthold Krebs Bergtheim 14. Platz<br />

Dirk Bachmann Cuxhaven 15. Platz<br />

Klaus Illmer Stuttgart 16. Platz<br />

Rainer Fischer Arnsberg 17. Platz<br />

Vorname Name Ort<br />

Michael Frei Würenlos (CH) 18. Platz<br />

Arnd Bagusat Monheim 19. Platz<br />

Till Schüler Leipzig 20. Platz<br />

Horst Sternberg Berlin 21. Platz<br />

Ludger Müller Gelsenkirchen 22. Platz<br />

Uwe Schlüter Hildesheim 23. Platz<br />

Hubert Müller München 24. Platz<br />

Klaus Lindner Berlin 25. Platz<br />

Barbara Heinrich Niederdorfelden 26. Platz<br />

Hans-Joachim Porep Perleberg 27. Platz<br />

Marcel Templin Berlin 28. Platz<br />

Marc Kessler Hamburg 29. Platz<br />

Ludwig Dünbier Freiburg im Breisgau 30. Platz<br />

Bertram Juelich Oberwinter 31. Platz<br />

Martin Müller Rossdorf 32. Platz<br />

Gunther Ottens Hemmoor 33. Platz<br />

Rolf Bäumler Nackenheim 34. Platz<br />

Vorname Name Ort<br />

Hannelore Schlüter Hildesheim 35. Platz<br />

Joe Schmitz Rotterdamm (NL) 36. Platz<br />

Hans Wesner Berlin 37. Platz<br />

Sebastiaan Eshuis Auderghem (B) 38. Platz<br />

Stefan Schäfer Schöffengrund 39. Platz<br />

Alex de Montigny Ettelbruck (L) 40. Platz<br />

Helmut Mayer Ingolstadt 41. Platz<br />

Ulrich Schüz Karlsruhe 42. Platz<br />

Ulrich Schweers Brühl 43. Platz<br />

Holger Biermann Merzig 44. Platz<br />

Ullrich Taube Krandenburg 45. Platz<br />

Carsten Drescher Magdeburg 46. Platz<br />

Ulrich Betten Iserlohn 47. Platz<br />

Günther Klebes Erlangen 48. Platz<br />

Matthias Gey Bannewitz 49. Platz<br />

Bernhard Senft Schliengen 50. Platz<br />

verkehrende Züge wieder zu verstärken<br />

oder im „Bw“ abgestellt zu werden. In<br />

den Verkehrsspitzen unterbleibt vereinzelt<br />

die Zugteilung in Ettlingen, wodurch<br />

dann auch im Bereich Ettlingen-Bad Herrenalb/Ittersbach<br />

Doppeltraktionen anzutreffen<br />

sind. Gerd Jänsch, Leipzig<br />

Doppeltraktion für<br />

Fußballfreunde<br />

Auf der Linie 17 kommen in Hannover<br />

regulär nur Solo-Triebwagen zum Einsatz.<br />

Anlässlich von gutbesuchten Fußballspielen<br />

verkehren jedoch auch hier<br />

„Langzüge“, wie in Hannover Stadtbahn-Doppeltraktionen<br />

genannt werden.<br />

Anbei finden Sie eine Aufnahme, die einen<br />

solchen Zug an der Haltestelle Auestraße<br />

zeigt.<br />

Achim Uhlenhut, Hannover<br />

Zweifel an Plänen für<br />

Frankfurts Linie 11<br />

Im Artikel steht auf Seite 22 zur Linie<br />

11 in Frankfurt am Main, dass es geplant<br />

sei, diese auf lange Sicht in Doppeltraktion<br />

verkehren zu lassen. Das ist falsch.<br />

Weder sind die dafür nötigen Fahrzeuge<br />

bestellt, noch sind die umgebauten Haltestellen<br />

auf der Hanauer Landstraße dafür<br />

geeignet. Richtig ist, dass im Jahr<br />

2013 neun S-Wagen nachgeliefert wurden.<br />

Diese werden aber zur Aufstockung<br />

des zu knappen Wagenparks benötigt.<br />

Auch wurde aus Kostengründen die<br />

Nachbestellung von ursprünglich zehn<br />

auf neun Wagen gekürzt. Um die Linie<br />

11 in Doppeltraktion fahren lassen zu<br />

können, wären aber mindestens 20 Wagen<br />

nötig, da in der Hauptverkehrszeit<br />

(7,5-Minuten-Takt) 19 Kurse auf der Linie<br />

11 unterwegs sind. Beim 10-Minuten-<br />

Takt sind es immer noch 14 Kurse. Auch<br />

die barrierefrei umgebauten Haltestellen<br />

Daimlerstraße, Dieselstraße, Hugo-Junkers-Straße<br />

und Arthur-von-Weinberg-<br />

Steg (bis Dezember 2013 Fechenheim<br />

Post) sind nach wie vor nur einfache Haltestellen<br />

mit 30-Meter-Bahnsteigen und<br />

somit nicht für Doppeltraktionen geeignet.<br />

Lediglich die Haltestelle Daimlerstraße<br />

in Richtung Fechenheim hat (wie auch<br />

schon vor dem Umbau) einen 60-Meter-<br />

Bahnsteig, weil sie als Doppelhaltestelle<br />

dem Umstieg der Fahrgäste aus der Linie<br />

12 von Bornheim kommend in die Linie<br />

11 dient.<br />

Bertram Barten, Frankfurt am Main<br />

Reise durch ein anderes Duisburg<br />

Zwei <strong>Straßenbahn</strong>linien und eine<br />

Stadtbahnlinie: Wer sich heute das<br />

Duisburger Schienennetz anschaut, der<br />

ahnt nicht, wie weit verzweigt und<br />

vielfältig die <strong>Straßenbahn</strong> in Duisburg<br />

noch in den 1950er- und 1960er-Jahren<br />

daher kam. Seit Anfang des 20.<br />

Jahrhunderts hatten sich mehrere <strong>Straßenbahn</strong>betriebe<br />

in der Stahlstadt gegründet<br />

und jedes Jahr Millionen Fahrgäste<br />

zu den Thyssen-Werken, den<br />

Zechen oder an den Rhein gebracht.<br />

Neben den heute noch existierenden<br />

Normalspurstrecken gab es auch viele<br />

Meterspurlinien, die bis in die linksseitigen<br />

Duisburger Vororte reichten.<br />

Der Bildband „Die Duisburger <strong>Straßenbahn</strong>“<br />

der Zeitzeugenbörse Duisburg<br />

greift die Entwicklung der Duisburger<br />

<strong>Straßenbahn</strong> von den Anfängen bis<br />

zur Eröffnung des Innenstadttunnels<br />

1992 anschaulich und gut gegliedert auf.<br />

So sind die Bildstrecken nach den verschiedenen<br />

<strong>Straßenbahn</strong>betrieben eingeteilt,<br />

es gibt zum Beispiel eine eigene Rubrik<br />

für die früher eigenständige<br />

Hamborner <strong>Straßenbahn</strong><br />

Die Autoren greifen dabei sowohl auf<br />

Fotografien als auch auf historische Ansichtskarten<br />

zurück. Der Schwerpunkt<br />

liegt auf der Zeit vor 1970, Aufnahmen<br />

von den zahlreichen Umbau-Gelenkwagen<br />

finden sich kaum. Unter dem Strich<br />

zeigt der Bildband aber viele spannende<br />

und selten gezeigte Motive, wie die <strong>Straßenbahn</strong><br />

vor dem alten Hauptbahnhof,<br />

in Neuenkamp oder Alsum. Die Bildtexte<br />

machen es oft leicht, selbst stark veränderte<br />

Orte wiederzuerkennen. Die Qualität<br />

der Aufnahmen ist nicht immer gleich<br />

gut, einige ältere Fotografien sind leider<br />

sehr unscharf und man hat den Eindruck,<br />

dass sie zu stark vergrößert worden sind<br />

– oder dass mit moderner Bildbearbeitung<br />

mehr drin gewesen wäre. Zudem<br />

findet der eingefleischte Nahverkehrsfreund<br />

ein paar inhaltliche Fehler: So<br />

wird ein Lizenzbau in Graz als ex Duisburger<br />

„Typ Mannheimer“ bezeichnet.<br />

Trotzdem: Wer sich für die Duisburger<br />

<strong>Straßenbahn</strong> und die Stadtgeschichte interessiert,<br />

der wird beim Stöbern in diesem<br />

Buch viel Freude haben.<br />

CHRISTIAN LÜCKER<br />

Zeitzeugenbörse Duisburg e.V.:<br />

Die Duisburger <strong>Straßenbahn</strong>,<br />

128 Seiten 23,5 x 17,0 cm, ca. 200<br />

SW-Fotos, Sutton-Verlag, Erfurt<br />

2014, ISBN 978-3-95400-361-7,<br />

Preis: 19,99 Euro<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014<br />

79


Forum<br />

80<br />

Termine<br />

21. Juni, Halle (Saale): Die Hallesche<br />

<strong>Straßenbahn</strong>freunde e.V. laden von 11 bis<br />

17 Uhr ins Historische <strong>Straßenbahn</strong>depot<br />

auf die Seebener Straße 191 ein<br />

22. Juni, Berlin: Themenfahrten mit historischen<br />

<strong>Straßenbahn</strong>en in Berlin; Beginn<br />

der 2,5-stündigen Rundfahrten jeweils 11<br />

und 14 Uhr; Fahrpreise: Erwachsene 6,–<br />

Euro, Kinder die Hälfte, Fahrscheine in den<br />

Wagen erhältlich, keine Platzreservierung;<br />

Informationen ca. zwei Wochen vor der<br />

Fahrt unter www.dvn-berlin.de oder<br />

030/256 33 880<br />

28. Juni, Magdeburg: Ausflug in die<br />

Sommerfrische – eine Reise in die Anfangszeit<br />

der elektrischen <strong>Straßenbahn</strong>,<br />

Abfahrten 14 und 16 Uhr von der Hartstraße<br />

(neben dem Rathaus). Das Zeitreise-Ticket<br />

kostet 12 Euro – im Vorverkauf<br />

beim Verein Feuerwache am Ambrosiusplatz<br />

erhältlich, Kartentelefon 0391/60 28<br />

09<br />

22. Juni, München: Öffnungstag des<br />

MVG-Museums in der Ständlerstraße 20<br />

von 11 bis 17 Uhr<br />

5. Juli, Augsburg: Rundfahrten von avg<br />

und „Freunden der Augsburger <strong>Straßenbahn</strong><br />

e.V.“ (F.d.A.S.) mit KSW Nr. 506, bei<br />

technischen Defekten GT 8; Abfahrt Königsplatz,<br />

B2: 14.05, 15.05 und 16.05<br />

Uhr, Fahrscheine beim Schaffner im Wagen,<br />

Erwachsene 3 Euro, Kinder 1, 50<br />

Euro (Mitglieder von <strong>Straßenbahn</strong>vereinen<br />

frei)<br />

5. Juli, Bochum: Nostalgischer <strong>Straßenbahn</strong>verkehr<br />

Gelsenkirchen Hbf – Essen<br />

Hbf; sieben mal stündlich ab 11.17 Uhr<br />

Ob Tag der offenen Tür, Sonderfahrt oder Sym posium:<br />

Veröffentlichen Sie Ihren Termin hier kostenlos.<br />

Fax (0 89) 13 06 99-700 · E-Mail: redaktion@geramond.de<br />

bzw. von Essen Hbf ab 11.04 Uhr bis nach<br />

18 Uhr<br />

5. Juli, Döbeln: Öffentliche Fahrtage der<br />

Pferdestraßenbahn, jeweils 10 bis 12.30<br />

und 14 bis 17 Uhr. Die Fahrten beginnen<br />

am Pferdebahnmuseum, Niederwerder 6.<br />

Das Museum ist Dienstag bis Freitag 10 bis<br />

17 Uhr und sonnabends 9.30 bis 12.30 Uhr<br />

geöffnet (an den o. g. Fahrtagen bis 17 Uhr)<br />

5. Juli Freiburg: die Oldtimerlinie 7 verkehrt<br />

aufgrund von Bauarbeiten 2014 auf<br />

der Route Haid/Munzinger Straße – Weingarten<br />

– Technisches Rathaus – Hauptfriedhof<br />

– Hornusstraße – Zähringen/Gundelfinger<br />

Straße; die Mitfahrt ist kostenfrei, es<br />

werden aber limitierte Spenden-Sonderfahrscheine<br />

zum Erhalt der Wagen angeboten,<br />

Betriebszeit 9.26 bis 17.19 Uhr<br />

5., 12. und 19. Juli, Halle (Saale): Die Hallesche<br />

<strong>Straßenbahn</strong>freunde e.V. laden von 11<br />

bis 17 Uhr ins Historische <strong>Straßenbahn</strong>depot<br />

auf die Seebener Straße 191 ein; am 12. Juli<br />

Sonderthema: „50 Jahre Halle-Neustadt“<br />

5./6. Juli, Stuttgart: Doppeljubiläum „75<br />

Jahre Killesbergbahn und 25 Jahre <strong>Straßenbahn</strong>museum“.<br />

Öffnungszeiten der <strong>Straßenbahn</strong>welt<br />

10 bis 17 Uhr. Fahrbetrieb mit<br />

der Oldtimerlinie 21 und der Oldtimer-Buslinie<br />

23E. Am So zusätzlich Rundfahrten auf<br />

der Depotschleife. Dampflokfest und Mehrzugbetrieb<br />

auf der Liliputbahn im Höhenpark<br />

Killesberg. Oldtimer-Busshuttle zwischen<br />

Killesberg und <strong>Straßenbahn</strong>welt.<br />

Weitere Besuchstage der <strong>Straßenbahn</strong>welt<br />

mit Fahrbetrieb sind der 13., 20. und 27.<br />

Juli. Nähere Informationen www.strassenbahnwelt.com<br />

bzw. www.shb-ev.info<br />

In diesen Fachgeschäften erhalten Sie das <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong><br />

Postleitzahlgebiet 0<br />

Thalia-Buchhandlung, 02625 Bautzen,<br />

Kornmarkt 7 · Fachbuchhandlung<br />

Hermann Sack, 04107 Leipzig,<br />

Harkortstr. 7<br />

Postleitzahlgebiet 1<br />

Schweitzer Sortiment, 10117 Berlin,<br />

Französische Str. 13/14 · Loko Motive<br />

Fachbuchhandlung, 10777 Berlin,<br />

Regensburger Str. 25 · Modellbahnen<br />

& Spielwaren Michael Turberg, 10789<br />

Berlin, Lietzenburger Str. 51 · Buchhandlung<br />

Flügelrad, 10963 Berlin,<br />

Stresemannstr. 107 · Modellbahn-<br />

Pietsch, 12105 Berlin, Prühßstr. 34<br />

Postleitzahlgebiet 2<br />

Roland Modellbahnstudio,<br />

28217 Bremen, Wartburgstr. 59<br />

Postleitzahlgebiet 3<br />

Buchhandlung Decius, 30159 Hannover,<br />

Marktstr. 52 · Train & Play, 30159<br />

Hannover, Breite Str. 7 · Pfankuch<br />

Buch, 38023 Braunschweig, Postfach<br />

3360 · Pfankuch Buch, Kleine Burg<br />

10, 38100 Braunschweig<br />

Postleitzahlgebiet 4<br />

Menzels Lokschuppen, 40217 Düsseldorf,<br />

Friedrichstr. 6 · Goethe-Buchhandlung,<br />

40549 Düsseldorf, Will -<br />

stätterstr. 15 · Modellbahnladen Hilden,<br />

Hofstr. 12, 40723 Hilden · Fach -<br />

buchhandlung Jürgen Donat, 47058<br />

Duis burg, Ottilienplatz 6<br />

Postleitzahlgebiet 5<br />

Technische Spielwaren Karin Lindenberg,<br />

50676 Köln, Blaubach 6-8 ·<br />

Modellbahn-Center Hünerbein, 52062<br />

Aachen, Augustinergasse 14 · Mayersche<br />

Buchhandlung, 52064 Aachen,<br />

Matthiashofstr. 28-30 · Buchhandlung<br />

Karl Kersting, 58095 Hagen, Berg -<br />

str. 78<br />

Postleitzahlgebiet 6<br />

Kerst & Schweitzer, 60486 Frankfurt,<br />

Solmsstr. 75<br />

Postleitzahlgebiet 7<br />

Stuttgarter Eisenbahn-u.Verkehrsparadies,<br />

70176 Stuttgart, Leuschnerstr.<br />

35 · Buch hand lung Wilhelm Messerschmidt,<br />

70193 Stuttgart, Schwabstr.<br />

96 · Buchhandlung Albert Müller,<br />

70597 Stutt gart, Epplestr. 19C · Eisen -<br />

bahn-Treffpunkt Schweickhardt,<br />

71334 Waiblingen, Biegelwiesenstr.<br />

31 · Osiandersche Buch handlung,<br />

72072 Tübingen, Unter dem Holz 25 ·<br />

Buch verkauf Alfred Junginger, 73312<br />

Geis lingen, Karlstr. 14 · Service rund<br />

ums Buch Uwe Mumm, 75180 Pforzheim,<br />

Hirsauer Str. 122 · Modellbahnen<br />

Mössner, 79261 Gutach, Landstr.<br />

16 A<br />

Postleitzahlgebiet 8<br />

Fachbuchzentrum & Antiquariat Stiletto,<br />

80634 München, Schulstr. 19 ·<br />

Augsburger Lok schuppen, 86199<br />

Augsburg, Gögginger Str. 110 · Verlag<br />

Benedikt Bickel, 86529 Schroben -<br />

hausen, Ingolstädter Str. 54<br />

Postleitzahlgebiet 9<br />

Buchhandlung Jakob, 90402 Nürnberg,<br />

Hefners platz 8 · Modellbahnvertrieb<br />

Gisela Scholz, 90451 Nürnberg,<br />

Nördlinger Str. 13 · Modell spielwaren<br />

Helmut Sigmund, 90478 Nürnberg,<br />

Schweiggerstr. 5 · Buchhandlung<br />

Rupprecht, 92648 Vohenstrauß, Zum<br />

Beckenkeller 2 · Fried rich Pustet & .,<br />

94032 Passau, Nibe lun gen platz 1 ·<br />

Schöningh Buchhandlung & ., 97070<br />

Würz burg, Franziskanerplatz 4<br />

Österreich<br />

Buchhandlung Herder, 1010 Wien,<br />

Wollzeile 33 · Modellbau Pospischil,<br />

1020 Wien, Novaragasse 47 · Technische<br />

Fachbuch handlung, 1040 Wien,<br />

5./6. Juli, Nürnberg: Öffnungstag im<br />

Historischen <strong>Straßenbahn</strong>depot St. Peter<br />

von 10 bis 17.30 Uhr (17 Uhr letzter Einlass),<br />

während der Öffnungszeiten fährt<br />

die historische Burgringlinie 15 entlang<br />

der Nürnberger Altstadt<br />

6. Juli, Bochum: „Glückauf-Tour“ –<br />

Bergbau-Geschichte und -Geschichten<br />

der Verkehrshistorische Arbeitsgemeinschaft<br />

BOGESTRA e.V., Treffpunkt 11 Uhr<br />

am Btf. Engelsburg, Essener Str. 125; Erwachsene<br />

49,– Euro, Kinder/Jugendliche<br />

35,– Euro pro Person, ca. sechs Stunden,<br />

Fahrscheine über die Stadt- und Touristinfo<br />

Gelsenkirchen im Hans-Sachs-Haus,<br />

Tel. 02 09/169 3968<br />

12. Juli, Dresden: Das <strong>Straßenbahn</strong>museum<br />

Dresden öffnet anlässlich der Museumssommernacht<br />

von 17 bis 1 Uhr, siehe<br />

www.strassenbahnmuseum-dresden.de<br />

13. und 27. Juli, München: Öffnungstag<br />

des MVG-Museums in der Ständlerstraße<br />

20 von 11 bis 17 Uhr<br />

20. Juli, Bochum: „MuseumsExpress“<br />

Bochum Hbf – Bf Dahlhausen (S); fünf<br />

Abfahrten in Bochum zwischen 11.02<br />

und 17.02 Uhr sowie von Dahlhausen<br />

zwischen 11.51 und 17.51 Uhr<br />

20. Juli, Leipzig: Der „Historische <strong>Straßenbahn</strong>hof<br />

Leipzig-Möckern“ hat von<br />

10 bis 17 Uhr geöffnet. Stündlich pendelt<br />

im Zubringerverkehr die Linie 29E mit historischen<br />

Wagen zwischen dem Museum<br />

und der Innenstand und es finden Sonderfahrten<br />

mit historischen Wagen statt.<br />

Weitere Informationen unter: www.strassenbahnmuseum.de<br />

Wiedner Hauptstr. 13 · Leporello – die<br />

Buchhandlung, 1090 Wien, Liechtensteinstr.<br />

17 · Buchhandlung Morawa,<br />

1140 Wien, Hackinger Str. 52 · Buchhandlung<br />

J. Heyn, 9020 Klagenfurt,<br />

Kramergasse 2-4<br />

Belgien<br />

Musée du Transport Urbain Bruxellois,<br />

1090 Brüssel, Boulevard de Smet de<br />

Naeyer 423/1<br />

Tschechien<br />

Rezek Pragomodel, 110 00 Praha 1<br />

Klimentska 32<br />

Dänemark<br />

Peter Andersens Forlag, 2640 Hede -<br />

husene, Brandvaenget 60<br />

Spanien<br />

Librimport, 8027 Barcelona, Ciudad<br />

de Elche 5<br />

Großbritannien<br />

ABOUT, GU46 6LJ, Yateley,<br />

4 Borderside<br />

Niederlande<br />

van Stockum Boekverkopers, 2512<br />

GV, Den Haag, Westeinde 57 · Norsk<br />

Modell jernbane AS, 6815 ES, Arnheim,<br />

Kluizeweg 474<br />

Nummer 297 • 7/2014 • Juli • 45. Jahrgang<br />

Betriebe<br />

Fahrzeuge<br />

Geschichte<br />

www.strassenbahn-magazin.de<br />

Redaktionsanschrift:<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong><br />

Postfach 40 02 09 · D-80702 München<br />

Tel. + 49 (0) 89.13 06 99.720<br />

Fax + 49 (0) 89.13 06 99.700<br />

redaktion@strassenbahn-magazin.de<br />

Verantw. Redakteur:<br />

André Marks, andre.marks@geramond.de<br />

Redaktion:<br />

Michael Krische (Chefredakteur),<br />

Thomas Hanna-Daoud, Martin Weltner<br />

Redaktion <strong>Straßenbahn</strong> im Modell:<br />

Jens-Olaf Griese-Bande low,<br />

jobandelow@geramond.de<br />

Redaktionsteam:<br />

Berthold Dietrich-Vandoninck, Wolfgang Kaiser,<br />

Michael Kochems, Bernhard Kuß magk,<br />

Ronald Glembotzky, Hans Immer,<br />

Dr. Martin Pabst, Axel Reuther, Robert Schrempf,<br />

Michael Sperl, Guido Mandorf<br />

Redaktionsassistenz: Brigitte Stuiber<br />

ABO –HOTLINE<br />

Leserservice, GeraMond-Programm<br />

Tel. 0180 – 532 16 17 (14 ct/min.)<br />

Fax 0180 – 532 16 20 (14 ct/min.)<br />

leserservice@strassenbahn-magazin.de<br />

Gesamtanzeigenleitung:<br />

Rudolf Gruber<br />

Tel. + 49 (0) 89.13 06 99.527<br />

rudolf.gruber@verlagshaus.de<br />

Anz.-leitung <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong>:<br />

Helmut Gassner<br />

Tel. + 49 (0) 89.13 06 99.520<br />

helmut.gassner@verlagshaus.de<br />

Anzeigendispo <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong>:<br />

Tel. + 49 (0) 89.13 06 99.130<br />

anzeigen@verlagshaus.de<br />

www.verlagshaus-media.de<br />

Es gilt Anzeigenpreisliste Nr. 24 vom 1.1.2014<br />

Layout: Karin Vierheller<br />

Litho: Cromika, Verona<br />

Druck: Stürtz GmbH, Würzburg<br />

Verlag:<br />

GeraMond Verlag GmbH,<br />

Infanteriestraße 11a, 80797 München<br />

Geschäftsführung:<br />

Clemens Hahn<br />

Herstellungsleitung:<br />

Sandra Kho<br />

Leitung Marketing und Sales Zeitschriften:<br />

Andreas Thorey<br />

Vertriebsleitung:<br />

Dr. Regine Hahn<br />

Vertrieb/Auslieferung Handel:<br />

MZV, Unterschleißheim<br />

Im selben Verlag erscheinen außerdem:<br />

AUTO CLASSIC TRAKTOR CLASSIC SCHIFF CLASSIC<br />

FLUGMODELL MODELLFAN MILITÄR & GESCHICHTE<br />

FLUGZEUG CLASSIC SCHIFFSMODELL CLAUSEWITZ<br />

Preise: Einzelheft Euro 8,50 (D), Euro 9,50 (A),<br />

sFr. 15,90 (CH), bei Einzelversand zzgl. Porto;<br />

Jahresabopreis (12 Hefte) Euro 91,80 (incl. MwSt.,<br />

im Ausland zzgl. Versandkosten)<br />

Die Abogebühren werden unter der Gläubiger-Identifikationsnummer<br />

DE63ZZZ00000314764 des Gera -<br />

Nova Bruckmann Verlagshauses eingezogen. Der<br />

Einzug erfolgt jeweils zum Erscheinungstermin der<br />

Ausgabe, der mit der Vorausgabe ankündigt wird. Den<br />

aktuellen Abopreis findet der Abonnent immer hier im<br />

Impressum. Die Mandatsreferenznummer ist die auf<br />

dem Adressetikett eingedruckte Kundennummer.<br />

Erscheinen und Bezug: <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong><br />

erscheint monatlich. Sie erhalten die Reihe in Deutsch -<br />

land, in Österreich und in der Schweiz im Bahnhofs buch -<br />

handel, an gut sortierten Zeitschriftenki os ken, im Fachbuchhandel<br />

sowie direkt beim Verlag.<br />

© 2013 by GeraMond Verlag. Die Zeitschrift und alle ihre<br />

enthaltenen Beiträge und Abbildungen sind urheberrechtlich<br />

geschützt. Durch Annahme eines Manu skripts erwirbt<br />

der Verlag das aus schließ liche Recht zur Ver öffentlichung.<br />

Für unverlangt ein gesandte Fotos wird keine Haftung<br />

übernommen. Gerichtsstand ist München.<br />

Ver antwortlich für den redaktionellen Inhalt: André Marks;<br />

verantwortlich für Anzeigen: Rudolf Gruber, beide Infanteriestr.<br />

11a, 80797 München.<br />

ISSN 0340-7071 • 10815<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 7 | 2014<br />

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das Abo nach dem ersten Bezugsjahr jederzeit kündigen.<br />

Bitte informieren Sie mich künftig gern per E-Mail, Telefon oder Post über interessante<br />

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Bankname<br />

Ich ermächtige die GeraNova Bruckmann Verlagshaus GmbH, wiederkehrende Zahlungen von meinem<br />

Konto mittels Lastschrift einzuziehen. Zugleich weise ich mein Kreditinstitut an, die von<br />

GeraNova Bruckmann Verlagshaus GmbH auf mein Konto gezogenen Lastschriften einzulösen. Die<br />

Mandatsreferenz wird mir separat mitgeteilt. Hinweis: Ich kann innerhalb von acht Wochen, beginnend<br />

mit dem Belastungsdatum, die Erstattung des belasteten Betrages verlangen. Es gelten dabei<br />

die mit meinem Kreditinstitut vereinbarten Bedingungen.<br />

✗<br />

Bankleitzahl<br />

Datum/Unterschrift<br />

Bitte ausfüllen, ausschneiden oder kopieren und gleich senden an:<br />

<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> Leserservice, Postfach 1280, 82197 Gilching oder per<br />

Fax an 0180-532 16 20 (14 ct/min.), E-Mail: leserservice@strassenbahnmagazin.de<br />

www.strassenbahn-magazin.de/abo<br />

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** Solange Vorrat reicht, sonst gleichwertige Prämie<br />

*** SEPA ID DE63ZZZ00000314764


<strong>Vorschau</strong><br />

WOLFGANG MEIER<br />

Liebe Leser,<br />

Sie haben<br />

Freunde, die<br />

sich ebenso<br />

für die<br />

<strong>Straßenbahn</strong><br />

mit all Ihren<br />

Facetten begeistern<br />

wie Sie? Dann empfehlen<br />

Sie uns doch weiter! Ich freue mich<br />

über jeden neuen Leser<br />

Juwelenjagd in Esslingen – das war die END<br />

Ihr Nimbus ist ungebrochen: Die am 28. Februar 1978 eingestellte <strong>Straßenbahn</strong> Esslingen – Nellingen – Denkendorf lebt<br />

auch mehr als 35 Jahre nach ihrem Ende in den Herzen aller weiter, die sie jemals im Betrieb kennengelernt haben.<br />

Aber auch viele andere und jüngere <strong>Straßenbahn</strong>freunde fasziniert die 1926 eröffnete Überlandstraßenbahn, die von Esslingen<br />

am Neckar nach Nellingen und von dort auf zwei getrennten Ästen weiter nach Denkendorf und Neuhausen führte<br />

60 Jahre Großraumwagen<br />

in Mülheim an der Ruhr<br />

Weitere Themen der kommenden Ausgabe<br />

Am 19. Februar 1954 ging der erste vierachsige Großraum -<br />

wagen in Mülheim an der Ruhr in Dienst. Elf dieser Trieb- und<br />

13 ebenso neue Beiwagen leiteten die dringend notwendige<br />

Modernisierung des Mülheimer Wagenparks ein. 40 Jahre<br />

waren sie auf den Meterspurgleisen im Ruhrgebiet als Linienwagen<br />

unterwegs – ein Porträt.<br />

120 Jahre <strong>Straßenbahn</strong> in Plauen<br />

Am 17. November 1894 eröffnete die Allgemeinen Local- und<br />

<strong>Straßenbahn</strong>gesellschaft im sächsischen Plauen die erste Teilstrecke<br />

der elektrischen <strong>Straßenbahn</strong>. Ab Ende Mai 1895 führten<br />

sächsische Gesellschaften den Betrieb, ab 1951 der VEB<br />

Verkehrsbetrieb der Stadt Plauen, seit 1990 die Plauener<br />

<strong>Straßenbahn</strong> GmbH. Ein Überblick über die Entwicklung.<br />

DANIEL MÖSCHKE<br />

Nur 28 Tage in Dienst –<br />

die Tram in Cuxhaven<br />

SLG. ANDREAS MAUSOLF<br />

Im letzten Friedensmonat 1914 verkehrte in Cuxhaven<br />

ganze 28 Tage lang eine <strong>Straßenbahn</strong>. Das neue Verkehrsmittel<br />

sollte die Nahverkehrsströme lenken. Dabei lief in<br />

Cuxhaven letztendlich alles anders – so auch ohne Strom:<br />

Der Betrieb erwarb einen Benzoltriebwagen von der<br />

Schmöckwitz-Grünauer Uferbahn bei Berlin …<br />

Vor 20 Jahren in München<br />

1994 befand sich die Münchner <strong>Straßenbahn</strong> auf ihrem<br />

historischen Tiefpunkt: Noch wenige Monate zuvor hatte es<br />

Streckenstilllegungen gegeben. Vor 20 Jahren besuchte<br />

Stefan Hinder aus Oldenburg im Rahmen seiner Bayerntour<br />

die bayerische Landeshauptstadt und dokumentierte die<br />

Besonderheiten des damaligen Betriebes.<br />

André Marks,<br />

Verantwortlicher Redakteur<br />

Ende gut …?<br />

„Traktionsausfall“<br />

bei Pferdebahn<br />

Am 12. Mai 2014 startete die Pferdebahn<br />

in Douglas auf der Isle of Man in die neue<br />

Saison. Am Folgetag geschah etwas, was<br />

nach Einschätzung des seit 41 Jahren zuständigen<br />

Abteilungsleiters Michael Crellin<br />

noch nie passiert ist: Ein Zugpferd<br />

brach vor einem Pferdebahnwagen zusammen<br />

und war auf der Stelle tot.<br />

Der 17 Jahre alte Albert hatte vorher<br />

keine Symptome einer Erkrankung gezeigt<br />

und dürfte an einem Herzschlag<br />

gestorben sein, so die lokale Presse.<br />

Die Pferdebahn in Douglas fährt in diesem<br />

Jahr bis zum 14. September und ist<br />

täglich von 9 bis 18 Uhr im Einsatz.<br />

Die seit 2007 wieder verkehrende Döbelner<br />

Pferdebahn in Deutschland hofft,<br />

solche Erfahrungen wie die Kollegen auf<br />

der Isle of Man nie sammeln zu müssen.<br />

Sie verkehrt auch in diesem Jahr von Mai<br />

bis Oktober jeden ersten Sonnabend jeweils<br />

von 10 bis 12:30 Uhr sowie von 14<br />

bis 17 Uhr. Das Pferdebahnmuseum in<br />

Döbeln öffnet hingegen von Dienstag bis<br />

Freitag zwischen 10 und 17 Uhr sowie<br />

samstags von 9:30 bis 12:30 Uhr. Weitere<br />

Termine können vereinbart werden.<br />

Indes hatten die Döbelner vor einem<br />

Jahr mit einem ganz anderen „Traktionsausfall“<br />

zu kämpfen: Das Juni-Hochwasser<br />

2013 hatte die Gleisanlagen in<br />

der Innenstadt überschwemmt und<br />

auch das Pferdebahnmuseum stand im<br />

Nassen. Bis Ende 2013 war fast alles<br />

wieder repariert. Aber ob es am Ende<br />

auch gut geworden ist, davon muss sich<br />

jeder selbst überzeugen … AMA/AM<br />

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Das besondere Bild<br />

Das besondere Bild<br />

Als am 23. Juni 1912 die <strong>Straßenbahn</strong><br />

in Brandenburg an der Havel<br />

ihr Liniennetz von der Artilleriestraße<br />

(heute Fouquéstraße)<br />

zur damaligen „Landesirrenanstalt“ erweiterte,<br />

entstand nahe des Bahnhofes Görden<br />

eine niveaugleiche Kreuzung mit der Brandenburgische<br />

Städtebahn.<br />

Nach dem Zweiten Weltkrieg errichtete<br />

die Deutsche Reichsbahn an diesem<br />

Punkt eine Schrankenanlage. Am 14. März<br />

1984 wartete der 1973 aus Halle (Saale)<br />

übernommene Tw 165, ein 1989 verschrotteter<br />

T2D von 1968, auf die Durchfahrt<br />

eines Zuges, um dann die Fahrt auf<br />

der damals Georgi-Dimitroff-Allee genannten<br />

Gördenalle nach Kirchmöser-<br />

West fortzusetzen.<br />

Als 2003 der letzte für den Reiseverkehr<br />

verbliebene ehemalige Städtebahnabschnitt<br />

Brandenburg – Rathenow zur Sanierung<br />

anstand, erhielt die Kreuzung neue Sicherungstechnik.<br />

Ihr Befahren durch einen <strong>Straßenbahn</strong>zug<br />

erfassen seitdem Gleismeldekreise,<br />

so dass in diesem Moment das<br />

Eisenbahngleis nicht freigeblockt werden<br />

kann. Zusätzlich sind Gefahrenraumfreimeldeanlagen<br />

installiert. Andererseits bleibt<br />

das <strong>Straßenbahn</strong>signal in Gesperrt-Stellung,<br />

wenn der Bahnübergang bzw. der zugehörige<br />

Blockabschnitt für eine Zugfahrt freigegeben<br />

ist.<br />

Die Verkehrsbetriebe Brandenburg an<br />

der Havel betreiben hier die <strong>Straßenbahn</strong>linie<br />

1 vom Hauptbahnhof seit Ende<br />

September 2002 nur noch bis zur Anton-<br />

Saefkow-Allee. Gleiskreuzungen mit Eisenbahngleisen<br />

bestehen in Brandenburg<br />

außerdem noch mit Anschlussgleisen in<br />

Görden (zum Flugplatz Brieske, außer Betrieb<br />

und gleismäßig abgetrennt) und in<br />

der August-Bebel-Straße (Hafenbahn).<br />

Nicht mehr vorhanden sind schienengleiche<br />

Kreuzungen mit der Städtebahn in der<br />

Wilhelmsdorfer Landstraße (Strecke 1965<br />

stillgelegt) und am Bahnhof Altstadt<br />

(1969 ersetzt durch eine Brücke).<br />

Da schienengleiche Kreuzungen zwischen<br />

Eisen- und <strong>Straßenbahn</strong> auf freier<br />

Strecke schon seit längerem als Neubau<br />

nicht mehr zulässig sind und nach Möglichkeit<br />

durch Über- und Unterführungen<br />

ersetzt werden, stellen sie heute eine Seltenheit<br />

dar und beschränken sich meist auf<br />

Kreuzungen mit Industrie- und Anschlussbahnen.<br />

Kreuzungen mit öffentlichen<br />

Eisenbahnstrecken bestehen außer in<br />

Brandenburg an der Havel nur noch bei<br />

den <strong>Straßenbahn</strong>betrieben in Dortmund,<br />

Das besondere Bild<br />

Dresden, Gelsenkirchen, Halberstadt und<br />

Leipzig.<br />

TEXT: IVO KÖHLER/AM<br />

FOTO: WOLFGANG MEIER


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