Der Bayerwald - Bayerischer Wald Verein

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Der Bayerwald - Bayerischer Wald Verein

Ausgabe 3/2009 Der Bayerwald Seite 19

Festvortrag zum Bayerwaldtag 2009

Der Bayerische Wald ist steinreich …

Steinreich: Dieses Wort schillert im Deutschen

so schön. Schon das Eigenschaftswort

ist mehrdeutig. Daneben kann man den Begriff

aber auch als Hauptwort auffassen – und

treffend ist es allemal, den Bayerischen Wald

als ein Stein-Reich zu bezeichnen.

Diesem Reich aus Steinen wollen wir uns unter

zwei Blickwinkeln nähern: Zunächst einmal

wollen wir wissen, was wir da eigentlich

vor uns haben und wie es entstanden ist. Zum

anderen geht es darum, wie der Mensch mit

diesen natürlichen Gegebenheiten umgeht,

konkret: wie er den Stein nutzt.

Schauen wir uns den Gipfel des Lusen an, mit

seinem Blockmeer aus Granit. Sagen ranken

sich um seine Entstehung, aber die heutige

Zeit braucht keine solchen Erklärungen mehr;

sie macht sich einen wissenschaftlichen Reim

darauf. Jedenfalls aber ist es ein typisches

Bild für unseren Landstrich, und wären die

Hügel und Täler des Bayerischen Waldes

nicht so üppig mit Vegetation bedeckt, dann

käme das steinerne Reich allenthalben zum

Vorschein.

Es ist dies das Wesen des Bayerischen Waldes.

Die Geologen sagen Grundgebirge dazu.

Auf der geologischen Karte von Bayern hebt

sich diese Region im Nordosten deutlich von

allen anderen ab. Dieses kristalline Grundgebirge

ist das Fundament, das unsere Erdoberfläche

bildet. Es setzt sich in erster Linie aus

Graniten und sogenannten metamorphen oder

Umwandlungsgesteinen zusammen und reicht

etwa 30 bis 40 Kilometer in die Tiefe.

Und auf welchem Fundament gründet das

restliche Bayern?

Auf dem gleichen, nur taucht es halt dort ab

und ist überlagert von vielfältigen Sedimenten.

Im Fränkischen reichen diese Überlagerungen

1 bis 2 Kilometer in die Tiefe. Im Alpenvorland,

in der sogenannten Molasseregi-

Dr. Winfried Helm (Passau) hielt die Festrede zum

Bayerwaldtag mit dem Titel „Der Bayerische Wald

ist steinreich …“

on, liegt das Grundgebirge sogar bis zu mehr

als 5 Kilometer unter der Erdoberfläche.

Blicken wir hinüber zu unseren Nachbarn im

Osten. Das Grundgebirge zieht sich hier weit

hinein ins Böhmische und Österreichische.

Stein kennt keine Grenzen, ist man verführt

zu sagen. Dieses kompakte Gebilde kristalliner

Substanz hat einen schönen Namen:

Moldanubikum hat man es getauft; die im

Süden verlaufende Donau und die im Herzen

mäandernde Moldau waren die Paten.

Treten wir noch einen Schritt weiter zurück

und nehmen Europa in den Blick. Hier zeigt

sich eine zusammenhängende kristalline

Grundgebirgszone. Sie reicht vom Moldanubikum

im Osten über den Südwesten

Deutschlands, das französische Zentralmassiv

und die Bretagne bis in den Nordwesten

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