Der Bayerwald - Bayerischer Wald Verein

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Der Bayerwald - Bayerischer Wald Verein

Ausgabe 3/2009 Der Bayerwald Seite 23

entstand ein umfassendes Werk; eine Quelle

von großem Wert, die auch eine hohe ästhetische

Qualität hat. Natürlich beschrieb er auch

das Bayerische Waldgebirge. Sie sehen einen

Auszug daraus, der unsere Gegend darstellt,

den von ihm so bezeichneten hinteren Bayerischen

Wald, vom Sauwald aus gesehen.

Beamen wir uns heran an die Gegenwart. Ein

rasanter wissenschaftlicher Fortschritt hat

stattgefunden. Revolutionäre Entde ckun gen,

wie bspw. die Radioaktivität, eröffneten neue

Untersuchungsmethoden und machten so

auch genauere Datierungen möglich. Das

Alter von Gesteinen kann nun mit einer nur

minimalen Fehlermarge bestimmt werden;

das Erdalter wird definiert: Der blaue Planet

ist 4,55 Milliarden Jahre alt. Das ist schon

eine enorme Abweichung von den Aussagen

des gerade zitierten englischen Wissenschaftlers

des 17. Jh., der sich allein auf biblische

Hinweise verlassen hatte.

Vollkommen neue technische Möglichkeiten

tun sich nun auf, um immer zuverlässigere

Antworten auf geologische Fragen zu bekommen.

Der Blick ins Erdinnere, wenn auch nur

in die obere Zone der Erdkruste, wird möglich.

Ein weltweit einmaliges Forschungsunternehmen

wird in unserem bayerischen

Grundgebirge positioniert: die kontinentale

Tiefbohrung nahe des oberpfälzischen Windischeschenbach.

Man dringt dabei über

9 Kilometer in das harte kristalline Gestein

ein, dann versagen die Werkzeuge ob der

Hitze und des Drucks. Aber es wurde dennoch

ein großer Erfolg.

Tausende von Bohrkernen wurden aus der

Erde gezogen und dokumentiert. Wohlsortiert

stehen sie heute im Bohrkernlager der

geowissenschaftlichen Forschung zur Verfügung.

Warum aber bohrte man gerade hier, am Rande

des harten, nordostbayerischen Grundgebirges?

Weil sich hier erdgeschichtliche Sensationen

bieten. Das geologische Blockbild

mit der eingezeichneten Bohrlokation gibt

erste Hinweise: ein kunterbuntes Durcheinander

von Gesteinen und Störungszonen.

Um das Wesentliche zu verstehen, muss man

auf eine die Geologie des 20. Jh. grundlegend

prägende Theorie verweisen: die Plattentektonik.

Die entscheidende Ideen dazu

hatte der geniale Alfred Wegener, der, wie

so oft, zunächst dafür belächelt wurde. Das

ist der Kern der revolutionären Theorie: Unsere

Erdoberfläche verändert sich laufend;

Kontinente wandern, Meere tun sich auf und

schließen sich wieder.

Was hat das aber mit dem ostbayerischen

Grundgebirge zu tun, in das man sich hineinbohrte?

Genau hier trafen vor etwa 350

Mio. Jahren zwei Superkontinente aufeinander,

im Süden Gondwana, im Norden Laurasia.

Die Gegend, die wir nun bewohnen, lag

zu dieser Zeit am Äquator. Die Kontinente

vereinigten sich zu einem neuen globalen

Superkontinent, den die Geologen Pangäa

nennen. Im weiteren Verlauf formten sich die

Erdteile, die wir heute kennen, langsam aus.

Vor „nur mehr“ 10 bis 20 Mio. Jahren bietet

sich das uns gewohnte Bild; nur Indien sitzt

noch nicht dort, wo wir es gewohnt sind. Der

Subkontinent wandert gerade zu auf seine

spätere asiatische Heimat und wird dort ein

riesiges Gebirge, den Himalaya, aufschieben,

der unsere heutige Erde prägt.

Aber gehen wir noch einmal zurück zur

Ausgangssituation, zu den Geburtswehen

des Bayerischen Waldes sozusagen, die sich

vor 350 Mio. Jahren ereigneten: Durch das

Aufeinandertreffen der Superkontinente

schiebt sich ein riesiges Gebirge auf; es

könnte einstmals höher gewesen sein als der

heutige Himalaya, vermuten Geologen. Und

jetzt verstehen wir auch die eingangs gezeigte

Karte mit den europäischen Grundgebirgen

besser. Dieses einstmals zusammenhängende

Variszische Gebirge verdankt seine Entstehung

dieser Kollision, die sich in ihrer Fortsetzung

bis hin zum heutigen Südamerika

verfolgen lässt.

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