Der Bayerwald - Bayerischer Wald Verein

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Der Bayerwald - Bayerischer Wald Verein

Ausgabe 3/2009 Der Bayerwald Seite 27

Ein herausragendes Beispiel für alte Steinmetzkunst

im Bayerischen Wald ist die

Klosterkirche in Windberg. Der romanische

Kirchenbau ist weitgehend in Granit ausgeführt,

was auch den guten Erhaltungszustand

erklärt; das harte kristalline Gestein

trotzt den Unbilden der Witterung natürlich

weitaus besser als der weichere Sand- oder

Kalkstein.

Überhaupt kommt es seit dem hohen Mittelalter

im Bayerischen Wald verstärkt zum

Bau steinerner Gotteshäuser. Das lässt sich

Rachelgipfel.

nicht zuletzt auf die Bestrebungen des Passauer

Bischofs Altmann zurückführen, der

im 11. Jh. Steinbauten fordert und auch veranlasst.

Der eifrige Reformbischof, der auch

das Kloster St. Nikola vor den Toren Passaus

gründet, bringt dafür eine für ihn naheliegende

Analogie ins Spiel. Die Vita Altmanni legt

dem nachmaligen Heiligen folgende Worte in

den Mund: „Fast alle Kirchen jenes Bistums

waren aus Holz und schmucklos. Allerdings

waren auch deren Priester, wenn ich so sagen

darf, hölzern, weil sie, in Ehen und weltliche

Geschäfte verstrickt, des Gottesdienstes völ-

Blockmeer am Lusengipfel.

lig unkundig waren. Jetzt aber sind die Kirchen

durch meinen Eifer fast alle aus Stein,

und, was das Wichtigste ist, mit sittenstrengen

und gebildeten Männern besetzt.“

Großartige Denkmäler der Steinmetzkunst

kennen wir auch aus dem bäuerlich-bürgerlichen

Bereich. Auch hier soll ein herausragendes

Beispiel genügen: das granitene Türgewände

der Ettlmühle bei Eberhardsreuth.

Ein einheimischer Steinmetzmeister hat diese

prächtig ornamentierte Rokoko-Arbeit für

den Müller Ignaz Piebl geschaffen und eine

Steinbank, eine Eckfigur und die passenden

Fenstereinfassungen gleich mit dazu.

Ja, das Steinmetzhandwerk im Bayerischen

Wald steht spätestens seit dem späten Mittelalter

in Blüte. Arbeit gibt es, im Süden vor

allem auch durch die Nähe der fürstbischöflichen

Stadt Passau, durchaus genug. Was

einen bei der Betrachtung der alten Stein-

Laternensäule auf einem Härtlingsfelsen bei

Schlägl im Mühlviertel. Foto: Winfried Helm

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