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Abschlussfilm für 517,32 Euro

Erfolg ohne Drehbuch

Text: Timo Landsiedel

Fotos: Sehr gute Filme Produktion/Tobias Buddensieg

In einer Branche, in der alles vorherbestimmt und kalkuliert ist, dreht Axel Ranisch improvisierte

Spielfilme – ohne Drehbuch. Der Erfolg seines Abschlussfilms Dicke Mädchen gibt ihm Recht.

zoom erzählte der Absolvent der HFF Konrad Wolf, wie er arbeitet.

Verhielten sich wie Dicke Mädchen:

Die beiden Hauptdarsteller Peter

Trabner (links) und Heiko Pinkowski

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Abschlussfilm für 517,32 Euro

Es ist Morgen in einem Berliner Plattenbauviertel. Mitten im Wohnzimmer

einer kitschig eingerichteten Zwei-Zimmer-Wohnung steht

ein nackter Mann. Er ist Mitte vierzig und hat sicher ein paar Kilo

Übergewicht. Mit fast rituellen Bewegungen legt er Musik auf: Ravels

Bolero. Langsam beginnt er, sich zu den Klängen der Musik zu

wiegen, er hat die Augen geschlossen.

Mit der anwachsenden Musik wird

auch aus seinem Wiegen ein rhythmisches

Trippeln. Die Musik wird

leidenschaftlicher, seine Bewegungen

werden ausufernder, bis er schließlich

zum Crescendo erschöpft zu Boden

sinkt. So absurd diese Szene in der

Beschreibung klingt, an ihrem Ort

in Axel Ranischs Diplomfilm Dicke

Mädchen wirkt sie in keiner Weise komisch,

sondern berührt. Das Besondere

ist zudem, dass sie improvisiert

ist. So, wie der ganze Film. Es gab nur

eine kurze Anweisung des Regisseurs,

den Rest hat Schauspieler Heiko Pinkowski

aus sich heraus gestaltet.

„Ich sagte: Stopp, ich muss

mal wieder einen Film machen,

sonst vergesse ich,

dass ich Regisseur bin!“

Sein Ding machen

Keine einfache Szene für einen Darsteller.

Wenn man Axel Ranisch erlebt,

versteht man schnell, wie er

Schauspieler motivieren kann, solch

fordernde Dinge zu spielen. Er ist mit seiner ganzen Leidenschaft

dabei. Sein Kontakt zum Medium kam zum Ende der Schulzeit. In

der Jugend interessierte sich der Berliner eher fürs Schreiben, Theaterspielen

und klassische Musik. Mit 18 Jahren kam er bei einem

Sommercamp nicht in den Theaterworkshop und schwenkte auf das

Videoseminar um. Drei Wochen lang drehte er seine ersten Kurzfilme.

„Damit war ich verloren“, erinnert sich Ranisch. Er machte eine

Ausbildung in Theater- und Medienpädagogik und gab zahlreiche

Filmseminare für Kinder und Jugendliche. Dabei entstanden etwa

40 Filme. Danach wusste er, Film ist sein Leben. Seine Eltern legten

dem damals 20-Jährigen nahe, den Beruf zu professionalisieren. So

bewarb er sich an der HFF Konrad Wolf in Potsdam und wurde auf

Anhieb genommen.

Schon an der Hochschule probierte er viel aus und setzte sich

nicht selten über die Hinweise seiner Dozenten hinweg. „Ich saß da

und nickte, machte aber hinterher trotzdem mein Ding“, lacht Ranisch.

In dieser Zeit experimentierte er

mit Improvisation, stand selbst vor der

Kamera und drehte auch mit großem

Team auf 16-mm-Filmmaterial. Aber

er merkte schnell, dass ihm das nicht

lag und auch weniger Spaß machte. Im

zweiten Studienjahr lernte er den Schauspieler

Heiko Pinkowski kennen, den

er heute sein „Alter Ego“ nennt. Zehn

Filme haben die beiden seit dieser Zeit

zusammen gemacht. Mit Pinkowski und

Dennis Pauls gründete Ranisch vor kurzem

auch das Label „Sehr gute Filme“.

Schauspielern zugucken

Der Anstoß zu Dicke Mädchen kam eigentlich

aus Frustration. Ranisch hatte

drei Jahre lang an einem Drehbuch geschrieben,

das sein Diplomfilm werden

sollte. Das Kleine Fernsehspiel vom

ZDF und die Produktionsfirma Kordes

& Kordes waren mit im Boot. Trotz guter

Zusammenarbeit konnte man sich

auch nach elf Fassungen nicht einigen. Im Frühjahr 2011 zog Axel

Ranisch die Notbremse: „Ich sagte: Stopp, ich muss mal wieder einen

Film machen, sonst vergesse ich, dass ich Regisseur bin!“ Also

nahm er seinen alten MiniDV-Camcorder und drehte mit Pinkowski,

Schauspieler Peter Trabner und seiner Großmutter Ruth Bickelhaupt

in deren Wohnung Dicke Mädchen. Die vier waren das komplette

Team, das Budget betrug 517,32 Euro. Der Film sollte einfach

Spaß machen, weshalb auf alles Unnötige bewusst verzichtet wurde.

„Es stand gar nicht zur Debatte, dass der irgendwie ausgewertet

wird“, erzählt Ranisch. Geplant waren zunächst 30 Minuten. Der

Regisseur hatte eine grobe Skizze des Ablaufs auf ein paar Din-A4-

Leichtfüßig und mit überraschender Tiefe erzählt Axel Ranisch die ungewöhnliche Dreiecksgeschichte zwischen Edeltraut, ihrem Sohn Sven und dessen Freund Daniel

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