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Bergsteiger Über die Alpen (Vorschau)

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07 / Juli 2014

2013

PLUS 12 Tourenkarten zum Mitnehmen: Chiemgauer Alpen • Ötztaler Alpen • Albula-Alpen • Karwendel

| Bergwandern | Klettersteige ters

teig

| Alpinismus

Das Leservotum

Der Watzmann ist

der schönste Berg!

Bayerns

Zauberberg

Der Untersberg im Porträt

Dolomiten

Traumrunde in der Pala

Kletterlegende

Destivelle

im Interview

+

60 Tourentipps

Isarwinkel

Von Wilderern und Jagdherren:

Stille Routen für Entdecker

Großes Transalp-Special

Über die

Alpen

Vorarlberg

Sie kamen aus dem Wallis:

Wandern auf Walserwegen

IM TEST

▶ Chiemgau–Venetien

▶ Oberstdorf–Meran

▶ Tegernsee–Sterzing

Neue Serie

Mit dem Zug

ins Gebirge

Kärnten

Karibisch schön: Am Faaker

See sind Touren erfrischend

Was gute

Trekkingschuhe

ausmacht


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EDITORIAL

Wie sich

Raum und

Zeit auflösen

lassen

Die Tour war ein Coup. Eine strategisch-logistische

Großtat. Noch 2200 Jahre später kursiert der

Spruch »Hannibal ante portas«. Auch wenn der

karthagische Feldherr und Erzfeind Roms nie

direkt vor den Toren der Stadt stand: Verbürgt ist

seine Alpenüberquerung im Jahre 218 v. Chr., mit der er einem römischen Angriff

zuvorkommen wollte. Hannibals Route ist bis heute nicht exakt rekonstruiert. Historische

Quellen deuten darauf hin, dass er mit 50 000 Soldaten, 9 000 Reitern und

Dutzenden Kriegselefanten über das Rhonetal und das Tal der Isère in die Alpen zog.

16 Tage lang soll dem Geschichtsschreiber Titus Livius zufolge die Tortur gedauert

haben, vielen Soldaten kostete die »Transalp« das Leben (und nur ein Elefant überlebte).

Doch Hannibals Heer schaffte es siegreich bis ins Kernland des Gegners.

Noch heute übt die Geschichte eine ziemliche Faszination aus.

Das liegt wohl auch daran, dass jeder Bergwanderer irgendwann

einmal mit dem Gedanken spielt, seine ganz persönliche Alpenüberquerung

zu planen. Es ist der Reiz, sich für zwei, drei Wochen

frei zu machen von allen Verpflichtungen; in einer ziemlich

schnelllebigen Welt nur auf den eigenen Pulsschlag zu hören, sich

zu reduzieren auf Grundbedürfnisse, die sich schnell von selbst

einstellen: essen, trinken, schlafen, gehen. Wer das tagelang

macht, noch dazu mit dem lockenden Ziel des Südens vor Augen,

für den lösen sich irgendwann Raum und Zeit auf. Deshalb haben wir zum Beginn

des Sommers und der Urlaubssaison unsere Titelgeschichte (S. 20–31) ganz dem

Thema Transalp gewidmet. Mit vielen Varianten, Tipps und kuriosen Details.

Passend dazu stellen wir Ihnen auf den Seiten 92 bis 99 das richtige Schuhwerk dazu

vor und geben Ihnen Ratschläge, wie Sie sich am besten vor zu viel Sonne schützen.

Die Kaufberatung haben wir für Sie noch übersichtlicher und serviceorientierter

gestaltet. Wir hoffen, dass wir Ihre Vorfreude auf die Berge so noch steigern können.

Alpenüberquerung

E5 – Wanderung von

Oberstdorf nach Meran

□ Fantastische Rundblicke und bunte Blumenwiesen

□ Bekannteste Gebirgsdurchquerung der Alpen in

Kleingruppe

□ Unsere Bergwanderführer(innen) erklären Fauna

und Flora

□ Meist gute Wanderwege, wenige alpine Abschnitte

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A lgäu: Himmlische Touren im »Herrgottsbeton«

Michael Ruhland, Chefredakteur

PS: Ab sofort gibt es den BERGSTEIGER für alle Abonnenten auch

kostenlos digital (derzeit nur auf iOS). Mehr dazu auf S. 15.

07 / Juli 2014

2013

Traumrunde in der Pala

Kletterlegende

im Interview

+

Isarwinkel

| Bergwandern | Kle tersteige | Alpinismus

Das Leservotum

Der Watzmann ist

der schönste Berg!

Destivelle

Kärnten

Neue Serie

Von Wilderern und Jagdhe ren: Sie kamen aus dem Wallis: Karibisch schön: Am Faaker

Sti le Routen für Entdecker Wandern auf Walserwegen See sind Touren erfrischend

PLUS 12 Tourenkarten zum Mitnehmen: Chiemgauer Alpen • Ötztaler Alpen • Albula-Alpen • Karwendel

Bayerns

Zauberberg

Der Untersberg im Porträt

Dolomiten

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Großes Transalp-Special

Alpen

Über die

▶ Chiemgau–Venezien

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Mit dem Zug

ins Gebirge

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IM TEST

Hauser Exkursionen int. GmbH,

Spiegelstraße 9, 81241 München

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INHALT

20

Traum Transalp

Große Pläne für große Ferien: einmal zu Fuß

über die Alpen! Wie der Wunsch Wirklichkeit

wird, lesen Sie im großen Transalp-Special.

TITELTHEMA

20 Völlig losgelöst

Im großen Transalp-Special zeigen wir Wege,

Varianten und Wissenswertes zur Königsdisziplin

im Wandern: der Alpenüberquerung.

BERGSZENE

70

Die blauen Berge

Nirgendwo liegen Badespaß und

alpine Freuden so nah beieinander

wie an den Kärntner Seen.

12 Neues aus der Welt der Berge

12 BERGSZENE Lama, Auer und Ortner

brechen zur Ostwand des Masherbrum auf.

16 UMWELT Deutscher Alpenverein klagt gegen

den Ausbau des Skigebiets am Sudelfeld.

18 MEDIEN Aktuelle Bücher, Filme, Karten und

Webseiten zum Thema Berg

AUF TOUR

32 Neue Heimat

Schweizer in Österreich: Warum manche

Walser im Mittelalter nach Vorarlberg umsiedelten,

lässt sich heute wandernd erforschen.

38 Zickige Zacken

Unberechenbare Pala: In der südlichsten

Dolomitengruppe sind die Felszinnen mindestens

so spannend wie das launige Wetter.


38

Pala–Panorama

Auf Drei-Tage-Streifzug durch die

kühnen Dolomitenzinnen

44

Stiller Isarwinkel

Zwischen Jachenau und

Vorderriß locken uralte Jagdsteige.

TOURENKARTEN ZUM MITNEHMEN

12 Touren für den Juli

Trans Parc Ela

Breitenkopf und Zweipfennigberg

Hoher Zwiesler

Allerleigrubenspitze – Koatnerberg

Breiteggspitze

Daniel und Upsspitze

Äußerer Hahlkogel

Schnappen

Gamskarspitze

Hocheisspitze

54

Mitterberg – Gündlesscharte

Klettersteig Boèseekofel

92

Sohlen fürs Leben

Robuste Bergstiefel sind

treue Begleiter und meckern

nie – wenn sie passen. Die

neuen Modelle

im großen Test.

106

»Zufallspitze«

Wie Ines Papert eine

Erstbegehung gelang

Cover: Bernd Ritschel (im Zillertal); weitere Fotos: C. Hippe, F. Gerdl, visual impact / Th. Senf, M. Kostner, M. Pröttel, S. Garnweidner, Hersteller

44 Ein Fall für Jäger

Wer glaubt, im Isarwinkel gäbe es

nichts mehr zu entdecken, kennt die alten

Wildererpfade und Jagdsteige noch nicht.

64 Serie: Hüttenzauber

Exotische Küche, Reggaemusik und Hippiekuchen:

Das Schiestlhaus am Hochschwab

ist auf seine ganz eigene Art erfolgreich.

68 Der versteinerte Archipel

Der Höhenweg Nr. 5 durchquert gleich vier

Traumregionen der östlichen Dolomiten.

76 Der Zauberberg

Zeitlöcher, Schwarmbeben und magisches

Personal: Der Berchtesgadener Untersberg

birgt gleich mehrere Geheimnisse.

80 Serie: Mit dem Zug ins Gebirg‘

neu

Eine Bahnfahrt ist stressfrei, umweltfreundlich

und kostengünstig. Inzwischen auch

für Bergsteiger, etwa in den Allgäuer Alpen.

88 Serie: Aufs Dach der Alpen

Leichte bis mittelschwierige Klettersteige

sind ein gutes Ganzkörpertraining.

Teil 2 verrät, was man beachten muss.

SERVICE

86 Lockmittel

Die blühen am schönsten: Wir zeigen die

zehn Sieger des Fotowettbewerbs Frühling.

92 Lang-Läufer

Im Prinzip geht alles, aber ohne sie läuft

nichts: gute Bergstiefel. Die große Kaufberatung

erklärt, auf was man achten muss.

100 Brandschutz

Die Berg-Sonne ist eine oft unterschätzte

Gefahr. Wir zeigen, wie man sich schützt.

REPORTAGE

70 Kärtner Karibik

Die Synthese von Berg und Baden am

Faaker See ist verlockend. Einmalig wird er

aber erst als Eldorado für Wildpflanzen.

ALPINISMUS

106 Erste auf Umwegen

Eismangel, Frostbeulen, am Ende eine

Erstbegehung: Für Ines Papert lief es in Nepal

wieder mal ganz anders als geplant.

48 Das große

BERGSTEIGER-

Interview

Wie man Spitzenalpinismus

mit

jahrelangen Pokerund

Schoko-Exzessen

unter einen

Hut bringt, erzählt

Catherine

Destivelle

exklusiv im

BERGSTEIGER.

RUBRIKEN

Editorial 3

Bergbilder 6

TV-Programm 19

Davids Depeschen 52

Härtetest 102

Bergpredigt 112

Briefe/Impressum 113

Vorschau 114

07⁄14 Bergsteiger 5


LESERWAHL

Der schönste Berg

In der April-Ausgabe wollten wir von unseren Lesern wissen:

Welcher ist der schönste Berg der Welt? Sieger wurde ein

Bayer: der Watzmann. Mit etwa einem Drittel aller Stimmen lag

er klar vor den Drei Zinnen, die den 2. Platz belegen, und der

Ama Dablam, die ziemlich abgeschlagen auf Platz 3 landete.

Welcher Berg wie viele Stimmen erhielt, erfahren Sie auf Seite 11.

Foto: www.picture-alliance.de

6 Bergsteiger 07⁄14


der Welt

07⁄14 Bergsteiger 7


1. Platz: Watzmann

(2713 m), Berchtesgadener Land, Deutschland

Er ist König, Musical, Berg… und

nun auch der Schönste: der Watzmann.

Jedes Jahr besuchen ihn

Tausende von Touristen. Bei der

Schiffsfahrt auf dem Königssee

nach St. Bartholomä staunen sie ehrfürchtig,

wenn auf ihre Rufe hin zuverlässig eine

Antwort aus der Ostwand hallt.

So beliebt war der Watzmann nicht immer:

Einst verfluchte eine Bauersfrau den

grausamen König, so erzählt es die Legende.

Watzmann erstarrte zu Stein, mitsamt

Frau und Kindern, während sich ihr Blut in

einem See zu Füßen der Familie sammelte.

Ganz kann der König auch heute nicht von

seiner Macht lassen: Vor allem seine 1800

Meter hohe Ostwand zieht die Bergsteiger

in ihren Bann. Seit ihrer Erstdurchsteigung

1881 ließen darin gut 100 Kletterer ihr Leben.

Dabei liegen die Gefahren weniger im

technischen Bereich – die Schlüsselstelle

verlangt gerade mal den dritten Schwierigkeitsgrad–

als in der Orientierung und in

plötzlichen Wetterstürzen, deren Nahen

man in der Wand erst spät bemerkt.

Manchmal kann der Watzmann auch gar

nichts dafür, wenn Bergsteiger auf seinem

Rücken in eine Notsituation geraten: dann

nämlich, wenn letztere schlecht vorbereitet

sind oder sich falsch verhalten. Um

dem entgegen zu wirken, haben der Deutsche

Alpenverein, die Bergwacht Bayern,

der Nationalpark Berchtesgaden und der

Verband der deutschen Berg- und Skiführer

die Broschüre »Der Watzmann. Sicher

auf den König der Berchtesgadener Alpen«

herausgebracht. Infos unter www.alpenverein.de

> Bergsport > Sicherheit.

8 Bergsteiger 07⁄14


2. Platz: Drei Zinnen

(2999 m), Dolomiten, Italien

Der Favorit der BERGSTEIGER-Redaktion liegt

weder weit entrückt im Himalaya, noch glänzen

Gletscher an den Flanken. Schön anzusehen sind

sie trotzdem, die Drei Zinnen. Das bestätigten

auch die Leser, die sie auf Platz 2 wählten.

Fotos: Berchtesgadener Land Tourismus (li.), Dino Marsagno


3. Platz:

Ama Dablam

(6814 m), Himalaya, Nepal

Auf das »Matterhorn Nepals«

sind die Sherpa, die an dessen

Flanken leben, fast so stolz wie

auf den benachbarten Everest.

Die BERGSTEIGER-Leser

kürten die Ama Dablam zum

drittschönsten Berg.

Fotos: Ralf Dujmovits, Hauser Exkursionen (re.)

10 Bergsteiger 07⁄14


DIE GEWINNERIN

Bei ihren italienischen Wurzeln ist

es kein Wunder, dass sich Valentina

Basso nicht für den Watzmann,

sondern für die Drei Zinnen entschieden

hat. Wir gratulieren zum Gewinn,

dem Gokyo-Trekking mit Hauser !

Uralte Klöster, typische Sherpa-

Dörfer, die höchsten Gipfel der Erde:

Das Gokyo-Trekking ist ein Erlebnis.

Das 11-tägige Gokyo-Trekking im Oktober

führt Bergsteiger durch die Heimat der

Sherpa tief hinein ins Everest-Gebiet, wo

nach der hektischen Frühjahrssaison Ruhe

eingekehrt ist. In Tengpoche zeigen sich

Mount Everest, Lhotse und viele 6000 bis

7000 Meter hohe Eisriesen am Horizont.

Nach einem Besuch bei den Mönchen

des berühmten Klosters steht ein Ausflug

zum Ama-Dablam-Basislager auf dem

Programm und man kann den frisch zum

drittschönsten Berg der Erde gekürten Gipfel

aus allernächster Nähe bestaunen.

Bergsee inmitten von 8000ern: der Gokyo Lake in Nepal

Die Trekking-Teilnehmer verlassen das

Haupttal des Solu Khumbu und wandern

vorbei an typischen Sherpa-Dörfern bis

zum Ngozumpa-Gletscher, der vom Gipfel

des Cho Oyu herabfließt. Nach Überqueren

seiner Zunge erreichen sie Gokyo, das auf

knapp 4800 Metern am tief blauen Gokyo

Lake liegt. Anderntags besteigt die Gruppe

den Gokyo Peak, einen einfachen 5000er.

Der Gipfelblick auf die 8000er Cho Oyu,

Everest, Lhotse und Makalu, die zum Greifen

nah erscheinen, ist unvergesslich. ◀

STIMMENVERTEILUNG

Nicht auf die Höhe kommt es an…

Leserstimmen (insgesamt 1313)

30 %

K2

(8611 m)

Höhe

9000 m

8000 m

20 %

Ama Dablam

(6814 m)

Machapucharé

Shivling

(6997 m)

(6543 m)

7000 m

6000 m

5000 m

10 %

Watzmann

Drei Zinnen

(2713 m) (2999 m)

Cerro Torre

(3128 m)

Eiger Monviso

(3970 m) (3841 m)

Höfats

(2259 m)

4000 m

3000 m

2000 m

33,8%

25,6%

9,2%

8,8%

6,7%

5,5%

5,4%

2,2%

1,8%

1%

1000 m

07⁄14 Bergsteiger 11


Bergsteiger

07/14 BERGSZENE

Noch Platz für

Erstbegehungen

NEUE ROUTEN AN WILDGALL

UND KASTENWAND

Zwei anspruchsvolle Neutouren brachte

das Frühjahr in den vermeintlich vollends

erschlossenen Alpen: Den Südtirolern Johannes

Bachmann und Manuel Tinkhauser gelang

mit »Seltene Erden« (80°, M4+, V+, 350 m)

eine tolle Linie in der Nordostwand des

Wildgall (3150 m). Hansjörg Auer und Much

Mayr gelang in der legendär brüchigen

Kastenwand im Tiroler Pinnistal eine schwer

abzusicherende Neutour im 8. Grad. –te–

Traumziel: Durchkommen

LAMA, ORTNER UND AUER AM MASHERBRUM

»Wie eine Eiger-Nordwand, mit einem Cerro Torre obendrauf«

– so umreißen David Lama, Peter Ortner und Hansjörg Auer ihr

neues Ziel im Karakorumgebirge. Die 3000 Meter hohe, noch undurchstiegene

Nordostwand des Masherbrum (7821 m) haben Lama und

Ortner 2013 bereits einen Monat lang beobachtet und einen Plan entwickelt.

Nach der Akklimatisierung am benachbarten Broad Peak soll

die Wand im Juli ohne Bohrhaken und im Alpinstil angegangen werden.

»Schon das reine Durchkommen wäre das Ziel unserer Träume»,

sagte Lama vor dem Auf bruch – seit 1985 sind alle Besteigungsversuche

am Masherbrum gescheitert.

–te–

Steiler Bruch: Much Mayr

in der Kastenwand

Zitat des Monats

»Die Wand ist ein

See aus Granit,

und ich schwimme

hindurch.«

Alex Honnold (28), US-amerikanischer Kletterer

und Bigwall-Spezialist, beim Trento Film Festival

über seine Free Solos durch große Wände

Foto: Hansjörg Auer

Abschied des Alpen-Professors

»Es war Werner Bätzing, der mein Interesse, das lange Zeit auf Gipfel fokussiert

war, auf die Menschen in den Alpen gelenkt hat.« Reinhold Messner hat diesen

Satz über den Geographen und führenden Alpenforscher im deutschsprachigen

Raum gesagt. Logisch, dass Messner auch zum Festakt anlässlich des 65.

Geburtstags von Bätzing nach Innsbruck kam, um mit ihm auf dem Podium über

die Zukunft der Alpen zu sprechen. Am 11. Juli hält Bätzing seine Abschiedsvorlesung

an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. –dp–

Foto: Martin Hanslmayer / RedBullContentPool

12 Bergsteiger 07⁄14


Foto: privat

Fünf Fragen an …

Andreas Bachhuber aus Rottach-

Egern beobachtet und fotografiert

Wolkenstrukturen am

Himmel über dem Tegernsee.

… den Wolkenleser

3D Flex System:

bessere Kontrolle beim Antreten

Thermo Tech Injection:

perfekt wasserabweisend

Herr Bachhuber, was steht in den Wolken über dem Tegernsee?

Grob gesagt große Veränderungen. Ende Mai kam der dritte starke

Warmlufteinbruch in diesem Jahr, verbunden mit der Verfrachtung

von großen Mengen Saharastaub, darauffolgend ein Temperatursturz

um mehr als 15 Grad. Die vergangenen Jahre haben sehr deutlich

gemacht, dass unser Wettergeschehen wesentlich instabiler

geworden ist und sehr schnell kippen kann.

Kann man den Klimawandel auch aus den Wolken lesen?

Wolken machen Luftströmungen sichtbar. Die Warmluftschübe aus

dem Süden verdanken wir der Vereinigung von Polar- und Subtropenjet,

zwei Höhenwinden in der Atmosphäre. Da sich polare

Gebiete stärker erwärmt haben als andere, begann vor einigen

Jahren der Polarjet zu mäandrieren. Polare Kaltluftwinde dringen

seitdem bis weit in den Süden vor. Im Gegenzug werden wärmere

Luftmassen von Süden nach Norden gesaugt. Ein irreversibler

Rückkopplungseffekt ist in Gang gekommen.

Wie zeigt sich das am Himmel über dem Tegernsee?

Seit einigen Jahren kommt es vermehrt zu überdurchschnittlich heißen

Tagen und Hitzewellen. Unser Westwetter wird immer wieder von

längeren Phasen mit Süd-/Südwestströmung abgelöst. Diese oft

warmen Winde begünstigen zusammen mit Tiefdruckgebieten Extremwettergeschehnisse

mit Starkregen, Sturmböen, Blitz- und Hagelschlag.

Die Tage wolkenlosen blauen Himmels sind rar geworden.

Seit wann beobachten Sie die Wolken und das Wetter?

Im Sommer 2009 bemerkte ich, dass das Licht anders war – greller,

gleißender. Trotzdem fehlte mir der Sommer: Es gab keine konstante

Schönwetterphase. Am Himmel habe ich immer mehr ungewöhnliche

Wolkenformationen entdeckt: Mammatuswolken, die wie eine

warzige Haut aussehen. Oder Cirruswolken in Verbindung mit wattebauschigen

Cumuluswolken. Nach altem Schema passten diese

Strukturen einfach nicht zusammen, das hat mich alarmiert.

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Ihre Prognose für die Zukunft?

Uns erwartet wieder mal ein Jahr der Extreme, aber das vorherzusagen,

ist heute nicht mehr schwierig, da sehr wahrscheinlich.

Starkregen-Ereignisse sind dabei genauso zu erwarten wie Extremtemperaturen.

Zumindest ist die Nordatlantische Oszillation wieder

positiv, was uns wieder vermehrt die uns vertrauten Westwind-

Wetterlagen beschert.

Interview: Dagmar Steigenberger

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07⁄14 Bergsteiger 13


Bergsteiger

12/11 07/14 AKTUELL

BERGSZENE

Notizen

Megos, dem als Erstem eine

9a onsight gelang, im Riesendach

von »Action Directe«

Alpine Ausstellungen

Das Alpine Museum Bern widmet sich noch

bis zum 26. Juli mit der Ausstellung »Himalaya

Report. Bergsteigen im Medienzeitalter« der

Selbstvermarktung von Alpinisten. Im Naturmuseum

Olten zeigt der Geologe Bernhard Edmaier

noch bis zum 19. Oktober die spektakulären

Luftbilder seiner Serie »Kunstwerk Alpen«. –te–

Frühjahrssaison im Himalaya

Nach dem Lawinenunglück am Everest stand

im Süden alles still – bis auf die Chinesin Jing

Wang und die Amerikanerin Cleo Weidlich. Beide

ließen sich über den Khumbu-Eisfall ins Western

Cwm fl iegen, von wo sie Everest bzw. Lhotse

in fragwürdigem Stil bestiegen. Ralf Dujmovits

wollte von der Nordseite endlich seinen letzten

Achttausender ohne künstlichen Sauerstoff

besteigen, gab aber entkräftet auf. Dafür stand

mit Heidi Sand die erste Deutsche auf dem

Gipfel des benachbarten Makalu (8463 m). –te–

Erste Deutsche am Makalu: Heidi Sand

Megos knackt »Action Directe«

17. BEGEHUNG VON GÜLLICHS MEISTERWERK AN EINEM TAG

Lange war der Erlanger Alexander Megos unter dem Waldkopf im heimatlichen

Frankenjura umhergeschlichen. »Ich habe mich nicht reingetraut, wegen

der Berühmtheit der Route«, erzählte der 20-jährige. »Immer wenn die Leute

nach der ›Action‹ gefragt haben, musste ich passen. Irgendwann war der Druck

zu groß.« In den kalten Tagen zu Maibeginn passte dann alles. Eine 7b und

eine 8a+ zum Aufwärmen, ein paar youtube-Clips studieren, und los: Schon im

dritten Versuch konnte Megos die 9a mit dem charakteristischen Sprung ins

Dach durchziehen. »Ich hatte immer das Gefühl, dass die Route an einem Tag

möglich ist«, sagte Megos im Anschluss. Die weltweit erste Route im XI. Grad

wurde 1991 von Wolfgang Güllich erstbegangen, Megos schaffte die 17. Begehung

in weniger als zwei Stunden.

–te–

Fotos: Jorgos Megos (o.), Hanwag (u.), Heidi Sand (li.)

Kletterweltcup: Deutsche in Form

Erfolge für die deutschen Boulderer:

Jan Hojer und Juliane Wurm holten in dieser

Saison bereits drei Weltcupsiege. Schauplatz der

Boulder-WM im September ist München. Die

Videostreams der Kletter-Wettkämpfe sind nun

endlich auch in Deutschland verfügbar, zu sehen

auf www.ifsc-climbing.org

–te–

Neue Standards für Wanderführer

Für den Beruf des Bergwanderführers

gelten nun auch in Deutschland die internationalen

Standards. Der Verband Deutscher

Berg- und Skiführer (VDBS) erweiterte dazu sein

Ausbildungsprogramm, sodass sie nun den

Regeln der UIMLA entspricht. Ende März absolvierten

31 Aspiranten die erste Abschlussausbildung

in Garmisch-Partenkirchen. –dst–

Mitmachen

und

gewinnen!

Gesucht: Der Bergpostbote!

BERGSTEIGER und der Bergschuhspezialist Hanwag suchen

die »Bergpostboten«. Diese bringen die siebte Ausgabe

der Kundenzeitung »Bergpost« auf eine Hütte in den

Bayerischen Alpen. Als Belohnung spendiert Hanwag

den Postboten das passende Schuhwerk, eine

Outdoor-Jacke und die Hüttenübernachtung

inkl. Verpfl egung. Zur Teilnahme senden

Sie eine Postkarte oder eine Email mit dem

Betreff »Bergpost« an redaktion@bergsteiger.de

bzw. Redaktion BERGSTEIGER, Infanteriestraße 11a,

80797 München. Die drei Zweierteams werden ausgelost

und im nächsten Heft mit allen Details bekanntgegeben. –te–

14 Bergsteiger 07⁄14


Foto: Vivalpin Foto: Trento Film Festival

»Metamorphosen« gewinnt

62. TRENTO FILM FESTIVAL: JURY KÜRT SEBASTIAN MEZ‘ URAL-DOKU

Es ist ein Kontrapunkt zum Heroischen, das dem Bergfilm einst eigen war;

und es ist ein mutiges Bekenntnis der Jury zu einer Dokumentation, die den

nuklearen Wahnsinn aufzeigt. Der Film »Metamorphosen« des deutschen

Regisseurs Sebastian Mez hat beim Trento Film Festival 2014 den Großen Preis

der Stadt Trento gewonnen. Mez hat ein Gebiet besucht, das von der Weltöffentlichkeit

vergessen ist, aber noch heute extrem unter den Folgen eines

Atomunfalls leidet. Im Süden des Ural passierte 1957 der drittschlimmste Nuklearunfall

in der Menschheitsgeschichte – nach Tschernobyl und Fukushima.

Den Goldenen Enzian des Alpenclubs CAI gewann der Film »Sati« (Sanskrit

für »treue Gattin«) des polnischen Regisseurs Bartek Swiderski. Der Film ist eine

Hommage an den polnischen Ausnahme-Alpinisten Piotr Morawski. –mr–

Berg-Fundstück

Scharfe Munition auf der Jagd nach

Fotomotiven! Der PA-i5 Adapter von

Swarovski kombiniert iPhone und

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Kamera mit

Super Tele.

+++ OUTDOOR-NEWS +++

+++ Nach zahlreichen

erfolgreichen

Skitourenreisen

nach Norwegen

plant die Bergschule

Vivalpin

2014 ihre erste

Sommerreise dorthin: die »Pionier- &

Erkundungsreise Stryn & Nordfjord« führt

in beeindruckende Landschaften mit

gewaltigen Gletschern und Fjorden. Zum

Pionierpreis von 799 €, Termine und

weitere Infos unter www.vivalpin.com +++

+++ Das forum anders reisen hat

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Leben im

verstrahlten

Gebiet: Ehepaar

aus Majak

im Süd-Ural

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kürzlich an seine Spitze gewählt. Der Unternehmensverband

kleiner und mittelständischer

Reiseveranstalter strebt einen

Tourismus an, der langfristig ökologisch

tragbar, wirtschaftlich machbar sowie

ethisch und sozial gerecht ist. +++

+++ GPS-Spezialist Garmin

hat seine beliebte Vektorkarte der Ostalpen

neu aufgelegt. Die TransAlpin

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mit dem begehrten

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ePaper für Print-Abonnenten gratis

Ab sofort können BERGSTEIGER-Abonnenten

ihre Zeitschrift kostenlos auf iPhone und iPad

lesen. Alle Ausgaben seit Beginn Ihres Abos

liegen in der App für Sie bereit. Die Vorteile:

Sie haben alle Ausgaben des BERGSTEIGER

immer in der Tasche, können Weblinks, etwa

zu Hütten oder Produktherstellern direkt anwählen

oder das Magazin mit der schnellen

Volltextsuche durchstöbern. Die GPS-Daten

der Tourenblätter ab 01/2014 können Sie

direkt herunterladen. Das ePaper erscheint

derzeit für die iOS-Plattform, parallel zum gedruckten

Heft. Ein ePaper-Abo ohne Printheft

ist für 49,99 EUR (zwölf Ausgaben) bzw. 9,99

EUR (drei Ausgaben) erhältlich. Einzelne Hefte,

die seit Mitte 2010 erschienen sind, sind

zum Preis von je 4,49 EUR digital verfügbar.

Eine Kurzanleitung für die App lesen Sie

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»Queen’s Award« in der Kategorie Nachhaltige

Entwicklung ausgezeichnet. Nikwax

erhielt den Preis von Queen Elizabeth

II. für seine saubere Imprägniertechnologie

sowie für seine Bemühungen, die

Herstellung von nachhaltigen Produkten

zu fördern. +++

+++ Salewa hat ein neues Logo.

Der naturalistische Adler, der den Firmennamen

mehr als 30 Jahre lang begleitete,

wird durch ein abstraktes

Abbild ersetzt. Damit will sich

der Bergsport-Ausrüster aus

Bozen künftig einer jüngeren

Zielgruppe zuwenden. +++

07⁄14 Bergsteiger 15


Bergsteiger

12/11 AKTUELL

07/14 BERGSZENE

Umwelt und Nachhaltigkeit

Eilantrag gegen Ausbau

des Sudelfelds abgewiesen

BAUMASSNAHMEN HABEN BEREITS BEGONNEN

Im Kunstschnee sehen

die Betreiber des

Sudelfelds die Zukunft –

Umweltschützer protestieren

gegen den Ausbau.

Umwelt-Ticker

+++ Der Schweizer Bundesrat hat entschieden,

den Status der nationalen Gebirgslandeplätze nicht

weiter zu überprüfen. Zugleich wurde deren Zahl von

42 auf 40 reduziert –

die meisten in Europa.

Die Protestführer von

Mountain Wilderness

wurden im April für ihr

Engagement gegen

Heliskiing von der Fondation Yves Rocher mit der

Trophée des Femmes ausgezeichnet. +++

+++ Klimaneutrale Alpen: Ende Mai erklärten die

Pilotregionen des Projekts Alpstar in Ljubljana, wie

das Ziel CO 2

-neutraler Alpen erreicht werden kann.

Besonders energieeffi zientere Häuser wurden

thematisiert. www.alpstar-project.eu +++

+++ Trentino: Mit mehr als 53 kg Pestiziden pro

Hektar im Jahr übertreffen die Täler des Trentino den

italienischen Mittelwert von 10 kg/ha bei weitem,

so die Nachrichtenagentur ansa.it. Spitzenreiter sei

das Val di Non (Apfelanbau) mit 90 kg/ha. +++

Foto: Mountain Wilderness

Der Deutsche Alpenverein und der Bund Naturschutz

haben Mitte Mai wie angekündigt Klage gegen den Ausbau

des Skigebietes am Sudelfeld eingereicht. Einen sofortigen

Baustopp, den die Naturschützer per Eilantrag gefordert

hatten, lehnte das Bayerische Verwaltungsgericht allerdings

ab. Damit kann bis zur Zulassung der Klage weitergebaut

werden. Vor Ort lassen die Betreiber bereits ein Speicherbecken

für die Schneekanonen ausheben. Dennoch sieht

sich der DAV im Recht: Für den Ausbau waren bestehende

Landschaftsschutzverordnungen außer Kraft gesetzt worden;

»Grundlage dafür kann aber nur die Gefahrenabwehr

oder die Daseinsvorsorge sein«, sagt Rechtsanwalt Ulrich

Kaltenegger, der die Klage einreichte: »Wenn das durchgeht,

dann können wir den Naturschutz in Deutschland großflächig

vergessen«. DAV-Vizepräsident Philipp Sausmikat erklärte,

das Präsidium habe es sich mit der Klage nicht leicht

gemacht. »Wir sind nicht nur ein Naturschutz-, sondern

auch ein Sportverband.« Kritisch sei aber, dass der Staat den

Ausbau finanziell fördere, anstatt in die Entwicklung sanfter

Tourismusformen zu investieren.

–te–

»Eine Spur wilder«

Im Schwarzwald eröffnete Deutschlands 15. Nationalpark. Die Republik

wird »eine Spur wilder«: So verspricht es der Slogan des neuen Nationalparks im

Schwarzwald, der am Wochenende des 3. und 4. Mai in Baden-Württemberg

eröffnet wurde – auch wenn er formell bereits seit Anfang des Jahres besteht.

Die beiden Nationalpark-Areale, zusammen 100 Quadratkilometer groß, liegen

am Hauptkamm des Nordschwarzwalds zwischen Freudenstadt, Baden-Baden

und Offenburg, eingebettet in ein bereits bestehendes Schutzgebiet, den Naturpark

Schwarzwald Mitte/Nord. Die Natur in der Kernzone der beiden Bereiche

rund um den Ruhestein

und den Hohen

Ochsenkopf/Plättig wird

seit Anfang des Jahres

komplett sich selbst

überlassen; Besucher

des Nationalparks

Schwarzwald dürfen

jedoch auf ausgewiesenen

Pfaden ins Schutzgebiet

hinein. –dst–

Foto: Nationalpark Schwarzwald Fotos: Manfred Scheuermann / DAV, Mountain Wilderness

16 Bergsteiger 07⁄14


36 TEILNEHMER

4 ROUTEN

2 TAGE

1 GIPFEL

ZUGSPITZE, DEUTSCHLAND

N 47°25.264‘ E 10°59.101‘

14. — 17. SEPTEMBER 2014

NIMM TEIL AN DER HANWAG

ALPINE EXPERIENCE 2014

Bewirb dich jetzt und erklimme in

einem von vier Teams Deutschlands

höchsten Berg.

Weitere Informationen unter:

www.hanwag-alpine-experience.com

In Kooperation mit:

www.mountain-elements.com

www.blackdiamondequipment.com

www.realitymaps.de


Bergsteiger

12/11 AKTUELL

07/14 BERGSZENE

Medien

BergBücher …

Franz Hohler

»IMMER HÖHER«

mit einem Vorwort von Emil Zopfi ,

192 Seiten, 28 farbige Abbildungen,

13,5 × 21,5 cm, Hardcover mit

Schutzumschlag, AS Verlag, Zürich 2014,

22,90 €

Als Schweizer Schriftsteller schreibt man zwangsläufig

irgendwann etwas über die Berge. Da geht es Franz Hohler

nicht viel anders als Emil Zopfi, der das Vorwort zum neuesten

Geschichtenband des 71-Jährigen, mit vielen Preisen ausgezeichneten

Autors verfasste. In 28 poetischen, fast schon meditativen

Geschichten führt Hohler seine Leser vom 653 Meter hohen

Monte Rossola durch die Schweizer Bergwelt immer höher hinauf

bis zum Popocatépetl (5462 m) in Mexiko. Weder Todesszenarien

noch haarsträubende Heldentaten braucht er, um die Faszination

Bergsteigen zu beschreiben. Dafür reicht allein der Blick auf

besondere Details am Wegrand oder – als größtes Spektakel –

eine Sonnenfinsternis auf dem Gipfel des Weisshorns. –dst–

Markus Stadler

»KLETTERFÜHRER BAYERISCHE

ALPEN BAND 1: CHIEMGAU &

BERCHTESGADEN«

368 Seiten, 148 x 185 mm, Softcover,

komplett 4 Farbig, Panico

Alpinverlag, Köngen 2014, 29,80 €

Den vergriffenen Klassiker

»Out of Rosenheim« splittet

Panico in drei Einzelbände

auf. Teil 1 liefert in gewohnt

wertiger Aufmachung die

Sportklettereien von der Kampenwand

bis Berchtesgaden.

Das Gros der gut präsentierten

Routen liegt zwischen dem

6. und 8. Grad (UIAA), je nach

Gebiet mit Luft nach oben

und unten.

–te–

William E. Bowman

»DIE BESTEIGUNG DES RUM

DOODLE«, HÖRBUCH

Gelesen von Jürgen von der Lippe,

übersetzt von Michael Hein.

4 Audio-CDs, 295 Minuten,

Der Hörverlag 2013, 19,95 €

Die Briten haben sich den

Everest als erste einverleibt.

Und als erster nahm ein Brite

den heroischen Kampf um die

höchsten Gipfel auf die Schippe.

Die »Besteigung des Rum

Doodle« ist eine zeitlos geniale

Persiflage, schwarzer Humor

zum Kaputtlachen – 1956 erschienen,

erst seit kurzem ins

Deutsche übersetzt und nun

als Hörbuch zu haben. –mr–

BergApp … BergFilm … BergWeb …

Foto: Matti Bauer

»KOMPASS WANDERKARTEN«

Wofür? Navigations-Apps gibt es viele – aber

kaum eine hat wirklich gutes topographisches

Material als Kartenbasis. Kompass schon.

Wie? Selbstgewählte Kartenausschnitte per

In-App-Kauf auf das Smartphone laden und

offl ine benutzen, optional mit Trackaufzeichnung.

Warum? Kann ein Outdoor-GPS nahezu ersetzen.

Wieviel? Kostenlos für iOS und Android, Karten

von 0,89 EUR (Größe S) bis 2,69 EUR (L) –te–

»STILL«

Eine junge Frau verlässt den elterlichen

Hof und geht auf eine Alm. Einen Sommer

lang kann die selbstbewusste Sennerin

vergessen, dass die Zukunft des Hofes

ungeklärt ist. Doch im nächsten Winter

ist Uschi schwanger, der Freund weg

und der Almsommer in weite Ferne gerückt.

Über beinahe zehn Jahre hat der

Regisseur Matti Bauer die starke junge

Frau auf ihrem Hof und auf der Alm im

bayerischen Oberland begleitet. –sz–

Von: Matti Bauer

Aus: Deutschland

Mit: Uschi

Kinostart: 19. Juni

www.glacierporn.tumblr.com

Der Titel dieses Blogs mag dem einen

oder anderen Leser anrüchig erscheinen.

Das P-Wort im Internet, pfui. Aber wie

heißt es so schön: Never judge a book

by its cover. Zwar sind auf »glacier porn«

durchaus nackte Tatsachen zu sehen.

Allerdings als Kaskade ausnahmslos

überwältigender Gletscheraufnahmen.

Keine Werbung, keine Hotlines, keine

Abo-Falle – gefahrlos lässt sich hier der

Augenlust frönen. Bleibt die Frage, wer

eher dahinschmilzt: Die vergänglichen

Eisriesen oder hitzegeplagte Bürohelden

auf der Suche nach Abkühlung? –te–

18 Bergsteiger 07⁄14


TV-Programm Juni / Juli 2014

21.6. | 12.15 | Phoenix

Gipfel, Gletscher, Grasland

Chinas imposanter Westen

Dauer: 45 Min.

21.6. | 14.30 | 3sat

Reisewege: Island

Leben mit Feuer und Eis

Dauer: 45 Min.

J22.6. | 10.15 | MDR

Die Fränkische Schweiz

Dauer: 43 Min.

22.6. | 19.40 | Arte

Reiseporträts

Litauen – Der Berg der Kreuze

Dauer: 3 Min.

22.6. | 21.15 | BR

Bergauf-Bergab

Das Magazin für Bergsteiger

Dauer: 30 Min.

22.6. | 21.45 | alpha

Die Fernsehtruhe:

Luis Trenker erzählt

Filmarbeit in Fels und Eis

Dauer: 40 Min.

25.6. | 12.35 | Servus TV

Art Wolfe – Reisen an

die Grenzen der Erde

Der Südwesten der USA:

Zion und Canyon de Chelly

Dauer: 22 Min.

27.6. | 21.00 | WDR

Stratmann wandert

Vom Oberbergischen

ins Wildenburger Land

Dauer: 45 Min.

28.6. | 14.25 | Arte

Reiseporträts

Bergkarabach

Dauer: 3 Min.

29.6. | 9.30 | 3sat

Inn – Der grüne Fluss

aus den Alpen

Dauer: 45 Min.

J30.6. | 17.25 | Arte

Naturparadiese …

… in Lateinamerika

Dauer: 43 Min.

2.7. | 10.05 | BR

Schönes Mittelfranken

Seenland, Altmühlfranken

und Hesselberg

Dauer: 45 Min.

2.7. | 21.50 | ORF 2

Reisezeit – Kurztrip

Oberes Drautal, Kärnten

Dauer: 10 Min.

3.7. | 15.30 | 3sat

Sommer in den

Kitzbühler Alpen

Dauer: 10 Min.

6.7. | 10.15 | MDR

Mallorcas schroffe Gipfel

Dauer: 43 Min.

7.7. | 14.40 | BR

Unterwegs in den Alpen

St. Anton

Dauer: 20 Min.

8.7. | 16.00 | Arte

Ein Moped auf Reisen AH

Korsikas Berge

Dauer: 27 Min.

8.7. | 20.15 | WDR

Abenteuer Erde

Die Wupper – Amazonas

im Bergischen Land

Dauer: 45 Min.

9.7. | 21.15 | MDR

Biwak AH

Berge, Menschen, Abenteuer

Dauer: 30 Min.

10.7. | 14.30 | Phoenix

Transatlas

Eine Bike-Tour durch

die Bergwelt Marokkos

Dauer: 30 Min.

10.7. | 21.00 | N 3

Länder – Menschen –

Abenteuer

Britanniens Berge:

Snowdonia

Dauer: 45 Min.

14.7. | 16.20 | 3sat

La Haute Route – Von

Chamonix bis Zermatt

Dauer: 30 Min.

14.7. | 18.25 | Arte

Kamtschatka

Leben im Schatten

der Feuerberge

Dauer: 43 Min.

14.7. | 21.00 | alpha

Länder – Menschen –

Abenteuer

Australiens Nationalparks

Dauer: 45 Min.

15.7. | 13.15 | 3sat

Unter den Schwingen

des Adlers

Nationalpark Kalkalpen

Dauer: 15 Min.

16.7. | 13.15 | 3sat

Pielach – Im Garten

der Voralpen

Dauer: 45 Min.

16.7. | 14.00 | 3sat

Karnische Alpen – Ein

Gebirge voller Kostbarkeiten

Dauer: 45 Min.

16.7. | 15.00 | alpha

Planet Wissen

Extremklettern mit

den „Huberbuam”

Dauer: 60 Min.

16.7. | 15.30 | 3sat

Sonnenberge – Von der Rax

zur Buckligen Welt

Dauer: 45 Min.

25.6. | 21.15 | MDR

Biwak

Dauer: 30 Min.

26.6. | 20.05 | Arte

Reiseporträts

Griechenland –

Der Berg Athos

Dauer: 3 Min.

27.6. | 6.55 | ZDF Neo

Terra X:

Gefahr aus den Bergen

Dauer: 45 Min.

27.6. | 10.50 | Arte

Entdeckungsreisen AH

ans Ende der Welt

Peru – Nationalpark Manú

Dauer: 23 Min.

3.7. | 16.55 | 3sat

Kailash –

Zum heiligsten Berg Tibets

Dauer: 45 Min.

4.7. | 9.45 | 3sat

Südtirol, die Sonnenseite AH

der Alpen

Dauer: 15 Min.

4.7. | 20.15 | SWR

Expedition in die Heimat

Unterwegs im

Pfälzer Bergland

Dauer: 45 Min.

5.7. | 9.40 | 3sat

Der Adlerweg –

Wandern in Tirol

Dauer: 20 Min.

J11.7. | 16.20 | Arte

Kreta – Berge im Meer

Dauer: 43 Min.

11.7. | 21.00 | alpha

Tasmanien – Teufelsinsel

oder Garten Eden?

Reportagereihe

Dauer: 45 Min.

12.7. | 14.30 | 3sat

Reisewege AH

Das Ockerland der Provence

Dauer: 45 Min.

13.7. | 12.00 | Arte

Home Swiss Home

Im Bann der Berge

Dauer: 52 Min.

J16.7. | 16.15 | 3sat

Wildes Wasser, blanker Fels

Nationalpark Gesäuse

Dauer: 45 Min.

16.7. | 17.00 | 3sat

Tirol – Leben im Bergland

Dauer: 45 Min.

Das tagesaktuelle

TV-Programm finden Sie

auf bergsteiger.de

07⁄14 Bergsteiger 19


TITELTHEMA

Zu Fuß über die Alpen – das große Transalp-Special

Völlig losgelöst


Irgendwann lösen sich Raum und Zeit auf. Es zählt

nur noch: essen, trinken, schlafen – und wandern.

Der Rucksack ist nicht mehr Last, sondern Kamerad.

Alpenüberquerungen haben ihre eigenen Gesetze.

Es gibt viele Varianten, wir stellen Ihnen die schönsten

und ungewöhnlichsten vor. Und geben Tipps.

Alle Fotos: Claudia Hippe und Christian Mayrhofer

Dolomiten-Glück:

Der höchste Gipfel des

Sorapismassivs

ist 3205 Meter hoch.

07⁄14 Bergsteiger 21


Wilder-Kaiser-Trilogie:

Predigtstuhl, Fleischbank,

Totenkirchl

Gletscherwasser:

der Gellbach im Naturpark

Rieserferner-Ahrn

22 Bergsteiger 07⁄14


Per »Direttissima« vom Chiemsee bis an die Adria: 1

Monika Hippe und Christian Mayerhofer haben

eine Alpenüberquerung abseits der gängigen Routen

mit kaum mehr als einer Zahnbürste und drei

Unterhosen unternommen. 12 000 Höhenmeter,

350 Kilometer Wegstrecke. Ein Erfahrungsbericht.

Drei Tage vor Abmarsch sind die

Rucksäcke endlich fertig gepackt.

Sie wiegen nur noch zehn und

13 Kilo. Das hat gedauert. Immer

wieder etwas aussortieren, neu

packen, noch einmal wiegen. Schließlich

ist nur das Allernötigste dabei: Schlafsack,

Wechselwäsche und Waschzeug sowie

Regenkleidung, Mütze, Handschuhe,

Trinkflasche, Brotdose, Fotoapparat und

das Erste-Hilfe-Set. Kein Handy, kein GPS.

Marschkompasszahl 30 – ab Haustür auf

einer erdachten Direttissima von Prien am

Chiemsee nach Jesolo an der Adria.

Spitz wie Kathedralen

Der erste Tag ist die Hölle. Die Strecke

von Prien zur Priener Hütte über Aschau

und die Dalsenalm dauert zwölf Stunden,

verteilt auf knapp 30 Kilometer und

1000 Höhenmeter. Am Abend sinken wir

gegen neun Uhr erschöpft in die Kissen.

Der Schlaf gleicht einer Bewusstlosigkeit.

Eins ist klar: Die nächsten Etappen müssen

kürzer werden! Am nächsten Tag ist

die Frage »Warum tun wir uns das an?«

wie weggeblasen. Die bleichen Felsen des

Wilden Kaisers thronen am Horizont. Die

Natur schuf hier Berge spitz wie Kathedralen,

verwinkelt wie Burgen. Ein leichter

Klettersteig leitet uns in einem Bandwurm

von Wanderern mit bunten Helmen hinauf

zum Ellmauer Tor. Zu beiden Seiten

der Steinernen Rinne ragen die senkrechten

Wände von Fleischbank (2178 m) und

Predigtstuhl (2116 m) in den Himmel. Meilensteine

der Klettergeschichte wurden

hier gesetzt. 1913 kletterte Hans Dülfer

durch die Fleischbank-Ostwand.

Über uns hallt das Echo der Kletterer durch

die Schlucht. Immer wieder mischt sich

das Pfeifen und Klackern von Steinschlag

in die rhythmische Geräuschkulisse unserer

Schritte.

Inzwischen wandern wir sechs bis acht

Stunden am Tag. Der Körper hat sich an das

Tragen des Rucksacks gewöhnt. Zwischen

Großem und Kleinem Rettenstein geht es

auf einem verwunschenen Pfad an Tümpeln

und Altwassergräben vorbei, wo bunte

Libellen Linien in die Luft malen. Wir

folgen dem Steig durch Blumenwiesen und

Weiden, auf und ab in Richtung Schöntaljoch.

Der Großvenediger grüßt in leuchtendem

Weiß und weist die weitere Richtung.

TIPP

Gute Ratschläge für

Alpenüberquerer

…von VDBS-Bergwanderführerin

Nina Hölmer

• Eine Alpenüberquerung

auf dem E5 sollte

man im Sommer nicht

samstags beginnen,

denn an diesem Tag

starten auch die meisten

geführten Touren.

Schlafplätze auf Hütten

unbedingt reservieren!

• Den Salat ohne Mais, dafür mit Thunfi sch

– und das Pesto bitte neben die Pasta?

Hütten sind keine Hotels, also bitte auf

komplizierte Bestellungen verzichten…

• Wer schon mal eine Nacht im vollen

Matratzenlager verbracht hat, wird nie mehr

ohne sie losziehen: Oropax.

• Wenn die Socken zumindest einen kleinen

Wollanteil haben, miefen sie weniger

schnell. Das freut die Mitwanderer!

• Hirschtalg beugt Blasen vor, Arnika-Öl

vertreibt Muskel-Beschwerden.

• Tüten für den Müll nicht vergessen – was

rauf kommt, muss auch wieder runter.

• Bergstiefel aus, Hüttenschuhe an: Letztere

stellen viele Hütten, ansonsten kann man

auch eigene leichte Pantoffeln oder dicke

Socken mitnehmen.

• Im Hochgebirge kann eine Kaltfront auch

im August für Winter sorgen, deshalb unbedingt

Handschuhe und Mütze einpacken!

Europas höchster Wasserfall

Eine willkommene Erfrischung wartet in

Krimml: Mit Gebrüll stürzen hier Wassermassen

aus 17 Gletscherbächen über

mehrere Stufen 390 Meter in die Tiefe. Der

Sprühnebel von Europas höchstem Wasserfall

duscht Mensch und Wald ringsum.

Schon früh am Morgen tummeln sich Besucher

am Eingang zum Naturschauspiel.

Manche schauen uns prüfend hinterher.

So bepackt läuft hier sonst kaum jemand

herum. Dabei stiefelten schon im Mittelalter

Händler mit ihren viel schwereren

Kraxn am Rücken auf dem Saumpfad über

die Krimmler Tauern in den Süden. Sie

lieferten Salz nach Italien und brachten

Wein mit zurück. Womöglich rasteten sie

im damaligen Tauernhaus, das seit mehr

als 600 Jahren existiert und über 100 Jahre

im Besitz der Familie Geisler ist. »Früher

lag hier in manchen Jahren schon im

September Schnee«, erzählt die Juniorwirtin,

während sie Kaiserschmarrn und

Apfelstrudel serviert. Dann zeigt sie auf

Schwarz-Weiß-Fotos an der Wand, die ihre

Vorfahren mit dem Vieh im Tiefschnee

zeigen. »Der Almabtrieb muss damals körperliche

Schwerstarbeit gewesen sein.«

Erleichtert, dass es noch nicht schneit,

machen wir uns auf den kürzesten Weg

nach Südtirol. Dem Kompass nach Süden

folgend, führt er durch das Windbachtal.

Hier kommt man sich vor wie ein Floh in

einer steinernen Badewanne, so steil ragen

die Wände rundherum empor. In der Mitte

gluckst ein Rinnsal, als hätte jemand den

Stöpsel gezogen. Geologisch gesehen gehört

dieser Teil der Alpen zum »Tauernfens-

07⁄14 Bergsteiger 23


Unterwegs von Alm zu

Alm – auch das ist

Teil einer Transalp-Tour.

Tobias Moretti

(»Kommissar Rex«)

spielte in dem

Fernsehfilm »Bergkristall

– Verirrt

im Schnee«, in dem

der Bilderbuchhüttenwirt

sogar eine

Nebenrolle hatte.

TIPP

Transalp in Gedanken

Von hilfreicher Führerliteratur über amüsante Erfahrungsberichte und traumhafte Bildbände

bis hin zu einem Roman: Alpenüberquerungen bieten Stoff genug für alle Sorten von Büchern.

Stefan Lenz, Eva-Maria Troidl,

Ludwig Graßler »Traumpfad

München – Venedig«,

Bruckmann Verlag 2010, 29,95

€. Wunderschöner Bildband

über die Graßler-Route vom

oberbayerischen Isartal bis in

die venezianische Tiefebene,

ergänzt durch lebendige Erinnerungen des

Wegerfi nders Ludwig Graßler.

Ludwig Graßler, Stefan Lenz,

Eva-Maria Troidl »Bruckmanns

Wanderführer: Traumpfad München

Venedig«, Bruckmann Verlag

2011, 12,95 €. Der Wanderführer

für die Originalroute, die Ludwig

Graßler 1974 zum ersten Mal

gegangen ist. Alle 28 Tagesetap-

pen sind mit Piktogrammen, Infoboxen und

Kartenskizzen genau beschrieben.

Robert Mayer »Fernwanderweg

E5

– vom Bodensee bis Venedig«,

Bruckmann Verlag 2012, 12,95 €.

Robert Mayer stellt in seinem Führer

den klassischen Fernwanderweg

E5 durch archaisch wilde Landschaften

und liebliche Täler, zu

einsamen Berghöfen und belebten

Kulturzentren vor, inklusive der Panoramaroute

durch die Ötztaler Alpen und den Gipfeln am

Wegesrand. Im handlichen Format, mit Karten

für jede Tagestour und vielen praktischen Tipps.

André Dückers »Alpenüberquerung Oberstdorf

– Meran. Eine siebentägige Alternativroute

zum Fernwanderweg E5«, Books on Demand

2013, 7,90 €. Ein handliches Buch zum

Mitnehmen auf Tour für alle, die keine Lust auf

gewöhnliche und damit eventuell überlaufene

Routen haben. Auf 76 Seiten mit Farbabbildungen,

Routenskizzen und Höhenprofi len erfährt

man alles, was man zum Nachwandern der

siebentägigen Tour abseits der gängigen Route

des E5 braucht.

Maria und Wolfgang Rosenwirth »Alpenüberquerung:

Zu Fuß von München zum Gardasee«,

Athesia Verlag 2013, 14,90 €. Schritt für

Schritt erkundet der Führer die Alpen und deren

Vorland. Die beschriebene Tour führt vorwiegend

über wunderschön gelegene Hütten, die die

Hektik und den Lärm des Alltags sehr schnell

vergessen lassen.

Matthias Bargel »Alpenüberquerung live!

Mit Angst und Hase auf einem Traumpfad«,

Eigenverlag 2014, 13,90 €. Die Heldenreise

eines bekennenden Angsthasen zu Fuß von

München über die Alpen zum Gardasee.

Axel N. Halbhuber »Ich geh dann mal heim«,

Amalthea Verlag 2010, 19,95 €. Eine Alpenüberquerung

von West nach Ost, von Bregenz

nach Wien. Der Wiener Journalist Axel N. Halbhuber

hielt seine Erlebnisse und Begegnungen

auf der 1000 Kilometer langen Strecke in

einem unterhaltsamen Buch fest.

ter«. Die Erdhebung und spätere Abtragung

legten uralte Gesteinschichten und Mineralien

frei. Deshalb ist in den Hohen Tauern

das »Stoasuacha« ein beliebtes – nicht immer

legales – Hobby. Inzwischen fühlt sich

der Mini-Hausstand auf dem Rücken so gut

an, dass sogar zwei Steinchen als Souvenir

hinzukommen dürfen; einer glänzt wie eine

Silbermünze, der andere hat das Muster

eines Marmorkuchens.

Hinter uns klackern die Hufe einer Ziegenherde.

Nur noch ein paar Höhenmeter in

bequemen, gut angelegten Serpentinen bis

Südtirol. Ein erhebendes Gefühl. Auf der

Passhöhe bei 2633 Metern – am Krimmler

Tauern – flattern Gebetsfahnen im Wind.

Zu unseren Füßen klammert sich das ehemalige

Zollhaus an den Hang. Vor der Gletscherkulisse

der Dreiherrenspitze (3499 m)

im westlichen Tauernhauptkamm wirkt es

wie ein Puppenhaus. Nach einem steilen

Abstieg übernachten wir in einer kleinen

Pension im Ort Kasern. Mal wieder duschen.

Duschgel und Zahnpasta verwenden

wir nur tröpfchenweise. Schließlich

sollen die Tuben drei Wochen reichen.

Kammerlander und der Bärenmensch

Am nächsten Tag geht es durch feuchten

Mischwald bergauf. An der Alprechalm

grasen Pustertaler Sprinzen, eine Kuhrasse,

von der es nur noch circa 350 Tiere in Südtirol

gibt. Die Alprechhütte wird von Alois

Walcher bewirtschaftet. »Ich hab schon als

Kind Tiere gehütet«, erzählt er mit leuch-

Gerald von Kapff »Mit zwei Elefanten über

die Alpen«, Reich Verlag Luzern 2009, 19,99

€. Ein interessantes Buch für Menschen, die mit

Kindern über die Alpen wandern wollen.

Monika Bittl »Die Expedition«, Droemer Verlag

2010, 18 €. Eine fi ktive Geschichte über fünf

Frauen in München, die 1903 ihren Traum von

einer Alpenüberquerung wahrmachen wollen.

24 Bergsteiger 07⁄14


Grandios gelegen:

die Locatelli-Hütte in den

Sextener Dolomiten

tenden Augen. Die Hütte hat er aus einer

Bretterbude selbst gebaut. »Früher kannte

man die Alm gar nicht, jetzt kommen viele

Leute aus dem Tal zum Essen herauf«, sagt

er. Dann helfen ihm seine Frau mit Tochter

und zwei Enkeln in der Küche. Besonders

lecker sind seine Kaspressknödel oder sein

Melchermus, ein kalorienreiches Essen mit

Mehl, Milch und Eiern. Manchmal hat er

prominenten Besuch. Tobias Moretti aus

»Kommissar Rex« drehte Szenen für den

ORF-Film »Bergkristall – Verirrt im Schnee«

hier oben und verpasste dem Hüttenwirt

sogar eine Nebenrolle. »Ich war der Bärenmensch.

Das hat viel Spaß gemacht«, sagt

Alois und lacht. Vor einiger Zeit verköstigte

er den Alpinisten Hans Kammerlander, der

mit seiner Gruppe auf der 36-Stunden-Wanderung

auf der Alprechalm Station machte.

Ein Wurzelpfad führt am Hang entlang

über duftende Wildblumenwiesen durchs

Hasental. Der Bach glänzt silbern in der

Sonne. Eine gefühlte Ewigkeit sind wir

keinem Wanderer mehr begegnet. Raum

und Zeit lösen sich langsam auf. Keine Ahnung

wie lange wir schon unterwegs sind.

Es gibt nur noch die Grundbedürfnisse: essen,

trinken, schlafen und laufen.

Der Aufstieg auf die »Weiße Wand« lässt

den Schweiß fließen. Schritt für Schritt

öffnet sich das Panorama der Dreitausender

des Naturparks Rieserferner-Ahrn. Der

Blick nach Süden zum Hochgall (3436 m)

und Schneebiger Nock (3358 m) zeigt, wie

es weiter geht. Eintrag ins Gipfelbuch und

steil hinab nach Rein in Taufers. Im Wald

verströmen die Nadeln der Zirben einen

würzigen Duft. Von Zeit zu Zeit klatschen

erfrischende Tropfen aus den Kronen herunter.

Irgendwo krächzt ein Tannenhäher.

Über mächtige Schieferplatten geht es hinauf

zur Rieserfernerhütte auf knapp 3000

Meter über dem Meer. Mancherorts wirkt

der Steig wie eine gewaltige Treppe,

07⁄14 Bergsteiger 25


Erfrischung am Fuße

des Torre dei Sabbioni

in der Sorapisgruppe

die geradewegs in den Himmel führt. Auf

dem Gemsbichl, nahe der Hütte, reihen

sich Steinmännchen wie an einer Schnur.

Normalerweise als Wegmarkierung gedacht,

haben Bergsteiger die knöchel- bis

mannshohen Stoamandl dort als kleine

Kunstwerke aufgeschichtet.

Wo liegt die Mumie?

Für Hüttenwirt Gottfried Leitgeb (57), der

seit seinem 19. Lebensjahr das Alpenvereinshaus

leitet, ist das Sammeln von Steinen

eine Leidenschaft. Obendrein besitzt er

einen ausgeprägten Sinn für Archäologie.

»Ich entdecke gern Dinge, die noch Rätsel

aufgeben«, sagt er. In der Gaststube zeigt

der drahtige Mann mit Bart seinen neuesten

Fund: ein Stück Knochen. »Stammt der von

einer früheren Hirschart?«, fragt er sich.

1991 fand der Hobbyforscher im Gletscher

Strümpfe, Beinkleider und gewebte Schuhe

von einem Menschen aus der Eisenzeit. Die

Teile gehören zu den wichtigsten Funden

des Landes und liegen nun im Südtiroler

Archäologiemuseum, eine Etage über Medienstar

Ötzi. Leitgeb ist überzeugt, dass

irgendwo noch die dazugehörige Mumie

unter dem Eis liegt. Am Abend grummelt

Donner. Gottfried zählt, ob alle Übernachtungsgäste

im Haus sind und schließt die

Tür ab. Seit er selbst einmal vom Blitz getroffen

wurde, ist er besonders vorsichtig.

Am nächsten Morgen sind die Gipfel wie

in Watte verpackt. Deshalb steigen wir

Richtung Antholz hinab – den Kopf gesenkt,

nach Steinchen oder Knöchelchen

suchend. Unsere Direttissima ist kein gemütlicher

Höhenweg. Täglich schlucken

wir mehr als 1000 Höhenmeter, bergauf

und oft auch wieder bergab.

Gottfried Leitgeb, Hüttenwirt der

Rieserfernerhütte, ist Hobbyarchäologe

Hütte mit Patissier

Einen Tagesmarsch später nähern wir uns

den Drei Zinnen. Bereits 1869 entdeckten

Kletterer die senkrechten Wände für sich.

Den ganzen Tag hat es geregnet. Kurz bevor

es anfängt zu hageln und schneien, erreichen

wir die Locatelli-Hütte. Aus dem Lokal

schwappt Gästegeplauder, die Cappuccino-

Tassen klappern. Ohne Anzeichen von

Stress flitzt die Kellnerin mit Tortentellern

zwischen den Tischen hin und her. Die Hütte

auf 2438 Metern hat einen eigenen Patissier!

Kurz vor Sonnenuntergang geschieht

das Wunderbare: Die Sonne bohrt ein Loch

in die Wolkendecke und zaubert ein weiches,

surreal schönes Licht auf die Felsen.

Linkerhand leuchtet die Südostflanke des

Paternkofels, rechterhand schimmert in

größerer Entfernung der Gipfel des Monte

Cristallo (3221 m). Allein für diesen Anblick

hat sich der Aufstieg im Regen gelohnt.

Zu den schönsten Etappen der Alpenüberquerung

zählt die Wanderung durch das

Tal von San Vito hinauf zum Fuße der

Sorapis-Gruppe. Zunächst führt ein verwinkelter

Steig durch alte Baumbestände,

dann steil und schattig durch einen

Wald, wie ihn die Gebrüder Grimm oft be-

26 Bergsteiger 07⁄14


Paternkofel und

Drei Zinnen bilden die

Grenze zu Belluno.

schrieben haben, über Geröll und tosende

Wasser hinauf in ein Hochtal. Bäume,

Wiesen, ein eiskalter Bergbach und mächtige,

quergeschichtete Felsbastionen: eine

Kulisse, wofür die Dolomiten berühmt

sind. Wir machen Brotzeit und erfrischen

die Füße im Wasser. Durch Latschen und

Almrausch geht es, gut gestuft zur Scharte

Forcella Grande. Dort steht der Torre dei

Sabbioni in der Form eines übergroßen

Phallus in der Landschaft. Bald erheben

sich die eindrucksvollen Kalkwände des

»Es schien, als

wären wir mit jedem

Schritt Richtung

Süden stärker geworden.

Und unsere

Rucksäcke – trotz

steinerner Souvenirs

– viel leichter.«

Sorapis. Der steile Abstieg durch splittrigen

Schotter zum Rifugio San Marco erfordert

noch mal Konzentration.

Die Unterkunft hat im Gegensatz zu vielen

Großbetrieben den Charme einer Schutzhütte

bewahrt. Die Dachkammer ist so

schmal, dass einer aufs Bett steigen muss,

wenn der andere hinaus will. Dafür ist

die Outdoor-Dusche kostenlos. Über dem

Geländer der Veranda trocknen Unterhosen,

Strümpfe und Hemden. Anfangs war

es nervig, nach dem langen Tagesmarsch

noch die getragene Unterwäsche waschen

zu müssen. Mittlerweile geht das ganz automatisch.

Am Abend kocht die Mamma

deftige Spaghetti Bolognese und Eier mit

Speck. Die Hütte liegt direkt zu Füßen des

Antelao. Ein verlockender Dreitausender.

Doch die Zeit wird knapp, deshalb entscheiden

wir uns für den Abstieg ins Cadore-Tal.

Konzentriert, aber gedankenfrei

Auf Asphaltserpentinen laufen wir hinab

ins Geisterdorf Perarolo am Piave. Dort rieselt

der Putz von den verlassenen Häusern.

Einst transportierten die Einheimischen auf

Flößen Holz über den Piavefluss nach Venedig.

Mit dem Bau der Eisenbahnlinie starb

die Flößerei, und die Einwohner suchten

Arbeit in Belluno. Zu beiden Seiten türmen

sich steile Berge auf. Am Ufer warnen Schilder

vor Flutwellen im Falle einer Öffnung

der Stauseeschleusen. Deshalb verwerfen

wir unseren Plan, dem Flusslauf bis an die

Adria zu folgen und nehmen stattdessen

den Schienenweg von Belluno nach Jesolo.

Am Strand begrüßt uns eine Armee von

freien Liegestühlen. Im September sind viele

Urlauber schon abgereist. Die Rucksäcke

in den Sand geworfen, Schuhe und Strümpfe

ausgezogen, kühlen wir die Füße im

Meer. Wir könnten noch ewig so weiterlaufen!

Trotz Anstrengung war die Alpenüberquerung

sehr erholsam. Das konzentrierte,

aber gedankenfreie Gehen, die Langsamkeit

des Steigens, das gleichmäßige Atmen, der

Schweiß und die Frische der Luft: Es schien,

als wären wir mit jedem Schritt gen Süden

stärker geworden. Und unsere Rucksäcke –

trotz Souvenirs – viel leichter.


Carbonstöcke sind leichter, steifer & korrosionsbeständiger als herkömmliche Aluminiumstöcke.

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07⁄14 Bergsteiger 27


TRANSALP-VARIANTEN

Im Laufschritt

Schnell mal übern Berg

4

3

1

2

7

6

5

Wer? Marie Meixner, Martin Matthis, Olaf Fidora und Fotograf Hans Herbig

Wann? Dreieinhalb Tage im August 2013

Welche Route? Von Garmisch-Partenkirchen über das Mieminger Plateau und

die Stubaier Alpen bis ins Passeiertal: 90 Kilometer, 6700 Höhenmeter 2

Es ist die ultimative Freiheit: auf dem

Rücken einen 20-Liter-Rucksack,

an den Füßen leichte Trailrunning-

Schuhe, im Herzen das große Ziel,

über die Alpen zu laufen. Anders sollte sie

sein, ihre Transalp. Das stand für Hans Herbig

schon bei der Planung daheim fest. »Wir

wollten eben nicht in Oberstdorf Richtung

Südtirol starten, sondern in Garmisch. Und

schnell wollten wir sein.« Das waren sie …

Doppelt so schnell wie die Wanderer

Von Garmisch-Partenkirchen ging es zunächst

hoch zur Knorrhütte. Am nächsten

Tag rannten die Freunde über Gatterl, Ehrwalder

Alm und Grünsteinscharte nach

Mieming. Ein kurzer Autotransfer brachte

sie nach Lüsens. Von dort starteten sie am

dritten Tag über die Franz-Senn-Hütte und

den Stubaier Höhenweg bis zur Regensburger

Hütte. Am letzten Tag nahm die

Seilbahn ihnen die ersten Höhenmeter bis

auf den Stubaier Gletscher ab, dann ging es

über Hildesheimer Hütte und Schneeberghütte

hinab zur Timmelsjoch-Straße. Trainierte

Wanderer schaffen die Tour in einer

Woche. Die Gruppe bewältigte sie in dreieinhalb

Tagen. Ob sie bei all der Rennerei

nicht die Schönheiten der Bergwelt schlicht

verpasst haben? Herbig verneint entschieden.

»Im Gegenteil, die Sinne sind beim

Trailrunning besonders wach. Und dadurch,

dass wir so flott waren, haben wir ja

viel mehr an jedem einzelnen Tag gesehen.

Ständig waren wir in anderen Regionen.«

Als die Gruppe an einer Wegkreuzung

im Stubai ausnahmsweise mal stillstand,

überlegten sie, noch den Höhenweg zum

Ring mitzunehmen. Das bedeutete: zwölf

Kilometer zusätzlich. Aber schließlich war

es erst früher Nachmittag, die Füße gut in

Schuss, die Motivation hoch – »Na klaro!«

Laufend neue Perspektiven

Überflüssigen Ballast hatten die Vier zuhause

gelassen. Im Rucksack steckten nur

Minimal-Verpflegung, Wetterschutz, der

Hüttenschlafsack, Wechselbekleidung.

»Wenn man mit so wenig Gepäck unterwegs

ist, gibt einem das nicht nur die Möglichkeit,

schneller und weiter zu laufen,

ganz ohne Rückenschmerzen, sondern

auch die Bergerfahrung ist eine andere«,

sagt Hans Herbig. »Irgendwie ist sie reiner

und intensiver, je weniger du mit dir

schleppst.« Für alle steht fest: Das nächste

»schnelle Projekt« wird folgen. Denn laufend

eröffnen sich auch in bekannten Bergen

neue Perspektiven. Nina Hölmer

Fotos: Hans Herbig, www.die-alpenueberquerung.de; Karte: Rolle Kartographie

28 Bergsteiger 07⁄14


Mit Komfort

Auf die sanfte Tour

Wer? Wegeplaner Georg Pawlata hofft auf viele Nachahmer.

Wann? Am 24. Juni 2014 wird die Route mit sieben Tagesetappen

eröffnet.

Welche Route? Vom Tegernsee zum Achensee und weiter über die

Zillertaler Alpen und das Pfitscher Joch nach Sterzing 3

Wer mitreden möchte, wenn das

Gespräch unter den Freunden

wieder mal auf Alpenüberquerungen

kommt, muss die

Sache wenigstens einmal erlebt haben. Mit

der neu eröffneten Route vom Tegernsee

über die Zillertaler Alpen nach Sterzing

sollte das möglich sein, denn verglichen

mit den Anstrengungen auf anderen Routen

ist dieser Weg schon fast ein Wellness-

Urlaub.

Bei den sieben Tagesetappen kommen die

Wanderer nie auf mehr als 900 Höhenmeter

und vier bis fünf Stunden Gehzeit,

gut ein Drittel der Strecke nehmen einem

die öffentlichen Verkehrsmittel ab.

Die Schlüsseletappe am zweiten Tag von

Wildbad Kreuth über die Blauberge nach

Achenkirch klingt auch für Flachlandtiroler

machbar: 17 Kilometer und 850 Höhenmeter.

»Wenn man die gepackt hat,

schafft man auch den Rest«, versichert Georg

Pawlata. Der Innsbrucker hat die Route

geplant und nennt sie ganz selbstbewusst

»Die Alpenüberquerung«.

Für Untrainierte oder für die Generation

60 plus könnte es tatsächlich die Route

schlechthin werden. Auf gut ausgebauten

Wanderwegen geht es an Gebirgsseen vorbei

und in den Zillertaler Alpen ganz nahe

an die Gletscher heran, bevor man übers

Pfitscher Joch ins Schlaraffenland der Südtiroler

Spezialitäten eintaucht. Auch bei

den Quartieren zählt der Komfort: Anstatt

in unbequemen Massenlagern auf Hütten

wird in Hotels im Tal übernachtet, wo man

sich nachmittags in der Sauna oder auch

bei einer gediegenen Einkehr erholen

kann. Nur laufen muss man die Strecke

dann doch noch selbst. Infos zur Route im

Internet unter www.die-alpenueberquerung.de

Dagmar Steigenberger

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minimalem Kontakt mit dem Rücken.

07⁄14 Bergsteiger 29


Mit Baby

Isabell on Board

Wer? Anita und Christoph Winter mit Baby Isabell (3 Monate)

Wann? 18 Tage im Mai 2011

Welche Route? Vom Münchner Marienplatz ging es über Mittenwald, Innsbruck und den

Brenner bis nach Sterzing und weiter zum Zielpunkt, dem Waltherplatz in Bozen 4

ein. Ihre Mission: Schuhsohlen besorgen.

Christoph war bisher ohne Innensohlen

unterwegs. Zwar hatte er sich gewundert,

da er die Schuhe deutlich angenehmer in

Erinnerung hatte. Woran dies lag, hatte er

aber erst kurz vor Kochel bemerkt.

Immerhin konnte er so noch rechtzeitig

für die erste größere Steigung nachrüsten

die alte Kesselbergstraße. Von dort gingen

sie nach Wallgau, Mittenwald, Innsbruck

und weiter via Patsch und Steinach

über den Brenner nach Sterzing und letztlich

Bozen. 18 Tage waren sie unterwegs,

inklusive zweier Ruhetage.

Stolz auf die Leistung

Auf den Beinen war die Familie meist von

zehn bis 17 Uhr, eine lange Mittagspause

und viele Still- und Wickelstopps inbegriffen.

Die Route, die in weiten Teilen dem

Goetheweg entsprach, hatten sie so gewählt,

dass sie nachts in Gasthöfen oder

Pensionen übernachten konnten und regelmäßig

an Ortschaften vorbeikamen, in

denen sie den Vorrat an Wickelutensilien

auffüllen konnten.

Inzwischen ist die Tour drei Jahre her, aber

immer noch präsenter als jeder andere Urlaub

davor oder danach. Zum einen erlebt

man die Landschaft zu Fuß nun mal viel

intensiver. Zum anderen passieren die

drei auf ihren Alltagswegen regelmäßig so

manchen Etappenpunkt, der in der unmittelbaren

Umgebung liegt. Mit den Erinnerungen

kommt jedes Mal der Stolz, es wirklich

in Angriff genommen und geschafft

zu haben – eine Alpenüberquerung mit

Baby.

Bettina Willmes

Schon lange hatten sich Anita und

Christoph Winter die Alpenüberquerung

vorgenommen. Aber immer

war etwas anderes dazwischen

gekommen – zuletzt die Geburt von Töchterchen

Isabell. »Dann eben irgendwann

mal, wenn die Kleine älter ist«, dachte sich

Anita. Nicht so ihr Mann: »Machen wir es

doch einfach jetzt – mit Baby.«

Im ersten Moment hielt Anita Winter ihren

Mann für verrückt. Im zweiten Moment

stellte sie sich bereits ihren Bedenken.

Essen fürs Baby? Brauchen wir nicht,

die Kleine wird noch voll gestillt. Windeln?

Kaufen wir unterwegs immer wieder nach.

Babybett? Sie schläft einfach zwischen

uns. Das zusätzliche Gewicht? Noch wiegt

Isabell nicht viel.

Schuhsohlen vergessen

Gut einen Monat später marschierte die

Familie am Münchner Marienplatz los. Isabell

war da drei Monate alt und wog fünf

Kilo. Christoph trug sie in der Bauchtrage.

An der Isar entlang ging es nach Schäftlarn

und von dort über Gelting und Bad Heilbrunn

nach Kochel. Anders als geplant

legten die drei hier ihren ersten Ruhetag

Die jüngste Transalpine: Isabell, drei Monate

30 Bergsteiger 07⁄14


Originelle Überquerungen

Mit Elefant und Boot

Die einen machen es, um Krieg zu führen, die anderen machen

Kunst oder gar ein Hilfsprojekt daraus. Und wieder andere

machen es schlichtweg, um es zu überleben. Die originellsten

Alpenüberquerungen aus den letzten 2300 Jahren:

Harmonielehre auf Hütten

Wer? Peter Stannecker, Saxophonist

und leidenschaftlicher Bergsteiger, mit

befreundeten Musikern

Wann? 3. bis 10. August 2014

Welche Route? Mindelheimer Hütte im

Allgäu bis Sesvenna-Hütte in Südtirol 6

Wie? Zu Fuß marschiert die Musikergruppe

von Hütte zu Hütte, um jeden Sonnenauf-

und Untergang mit den Klängen

ihrer Instrumente zu begleiten. Das Finale

bildet ein Open-Air-Konzert am 10. August

an der Sesvenna Hütte.

Warum? »Raum.Klang.Alpen« ist ein

Benefizprojekt, bei dem es weniger um

körperliche Herausforderungen geht als

darum, ein Stück Harmonie in die Welt

zu bringen. Die Spenden, die auf der Tour

gesammelt werden, gehen an ein Schulprojekt

von Nepal-Medical-Careflight e.V.,

Infos unter www.vuimera.com

Kür mit rotem Boot

Wer? Wolfgang Aichner und Thomas

Huber, zusammen das Künstlerduo GAEG

Wann? Drei Wochen im Mai/Juni 2011

Welche Route? Mit dem Auto ging es bis

zum Schlegeisspeicher (1880 m) in den

Zillertaler Alpen. Dort startete der

Fußmarsch über den Nevessattel (3029

m) bis zum Lago di Neves (1860 m) auf

italienischer Seite, wo das Auto bereit

stand zur Weiterfahrt nach Venedig. 5

Wie? Aichner und Huber kämpften sich

mit einem 180 Kilogramm schweren,

roten Boot über den Pass. Streckenweise

mussten sie das sperrige Gefährt abseilen.

Pünktlich zum Start der Biennale

schipperten sie damit in Venedig über den

Canale Grande.

Wozu? Mit ihrer Aktion »passage2011«

wollten die Münchner eigenen Angaben

zufolge ein Statement setzen zum Sieg

der westlichen Kultur über die Natur.

Das Elefanten-Projekt

Wer? Hannibal, karthagischer Heerführer

Wann? 218 vor Christus

Welche Route? Von der Rhone in die Po-

Ebene über einen Pass, den die Archäologen

bis heute nicht lokalisieren konnten

Wie? Hannibal war mit 37 Elefanten, 9000

Reitern und 50 000 Soldaten unterwegs.

Die 16-tägige Tort(o)ur kostete viele Soldaten

und fast alle Elefanten das Leben.

Wozu? Mit seinem Feldzug wollte Hannibal

den Römern zuvorkommen, die sich

bereits für einen Angriff auf Spanien und

Nordafrika rüsteten. Es war der Auftakt

eines mehrjährigen Krieges auf der italienischen

Halbinsel.

Überleben am E5

Wer? Ronny Schmidt, ehemaliger Fallschirmjäger, und Daniel Meier, Krankenpfleger

Wann? 30. Juli bis 3. August 2012

Welche Route? Auf der Weitwanderroute E5 von Oberstdorf über 115 Kilometer und

10 000 Höhenmeter bis ins italienische Vernag 7

Wie? Im Survival-Stil, das bedeutet: mit den Klamotten, die sie am Leib trugen, einer Flasche

Wasser, einem Messer und einem Firesteel, aber ohne Zelt, Schlafsack und Isomatte

und vor allem ohne Lebensmittel. Unterwegs aßen sie Kräuter, Wurzeln und Beeren.

Wozu? Reduktion aufs Nötigste: Nach ihrem Erfolg planten die beiden im Februar 2013

mit Survivaltrainer Sepp Fischer eine neue Herausforderung: eine autarke Alpenüberquerung

komplett zu Fuß im Winter. Dieses Experiment blieb bisher ohne Erfolg. ◀

07⁄14 Bergsteiger 31


AUF TOUR

Auf den Spuren der Walser in Vorarlberg

Neue

Vor rund 600 Jahren siedelten Menschen aus dem Wallis

nach Vorarlberg um. Heute erleben die Walser eine Renaissance.

Auch rund um Lech-Zürs ist ihnen ein Etappenweg gewidmet.

Von Christina Warta (Text und Fotos)

32 Bergsteiger 07⁄14


Die Idylle der Gaisbühelalpe

ist im Sommer ein Kontrast

zum einst harten Walserleben.

Die Kuh, die den Weg versperrt,

schaut unwillig nach oben.

Wieder wird sie dabei unterbrochen,

die schmackhaften Kräuter

am Wegrand abzuknabbern.

Wanderer wollen passieren, doch der Weg

ist schmal und das Rind steht mittendrauf.

Aber nicht mehr lange. Die Kuh findet es

dann doch eher ungemütlich, von den

Menschen so bedrängt zu werden. Sie

dreht sich um und steigt davon. Die Kräuter

sind später ja auch noch da.

Ohnehin hat sich an den sanft geschwungenen

Südhängen des Karhorns oberhalb von

Lech in Vorarlberg vermutlich seit Jahrhunderten

nicht allzu viel verändert. Man sieht

hinüber zu den Gipfeln von

Rüfikopf und Mittagsspitze,

aber auch hinab ins

Tal, wo kleine Höfe aussehen

wie Miniaturhäuschen aus

dem Spielzeugladen.

Eine erhabene Stelle am Berg, ein

schöner Platz zum Wohnen. Das

haben die Menschen schon vor langer Zeit

erkannt. In Bürstegg, auf 1716 Metern gelegen,

lebten schon vor rund 600 Jahren

Walser – Menschen, die aus dem oberen

Wallis ausgewandert waren und sich andernorts

eine neue Heimat gesucht hatten.

1453 wird erstmals eine Walsersiedlung

»am Bürstig« in einem Brief an Herzog Sigmund

von Tirol erwähnt. Damals waren

die verstreuten Gehöfte das höchstgelegene

Siedlungsgebiet des Landes. Heute liegt

das Ensemble einsam am Berg: drei Häuser

eng beieinander, eine kleine Kirche, einige

Hütten etwas weiter entfernt. Das Holz ist

verwittert, die Latten haben sich im Lauf

der Jahrhunderte gebogen – keine Frage,

Bürstegg atmet Geschichte.

Warum sich die Menschen

aus dem Wallis

im 14. Jahrhundert

überhaupt auf den

Weg gemacht haben,

ist bis heute nicht

ganz klar. »Man

KOMPAKT

Rund um Lech

Anreise: Mit der Bahn nach Langen oder

St. Anton, mit Bus oder Taxi weiter nach

Lech. Dort viele Wanderbus-Verbindungen

Informationen: www.lech-zuers.at, Informationsbüro

Lech, Tel. 00 43/55 83/

2 16 10, Informationsbüro Zürs, Tel. 00 43/

55 83/22 45, info@lech-zuers.at;

Karten: Wanderkarte Lech/Zürs, 1:35 000,

herausgegeben vom örtlichen Tourismusverband;

Leporello-Wanderkarte »Lechweg«,

1:25 000 von Publicpress; Kompasskarte

1:50 000, Nr. 33 »Arlberg – Nördliche

Verwallgruppe«

Literatur: Olaf Sailer »Auf den Spuren

der Walser am Tannberg«, Dornbirn 2010.

Daneben gibt es noch zahlreiche andere

Literatur über verschiedene Walserwege, die

durch andere Regionen der Alpen führen.

Schließlich waren die Walser auch, aber

nicht nur um Lech-Zürs ansässig.

Lech-Card: Mit der Lech-Card sind nicht

nur viele Seilbahn- und Wanderbustickets

gratis, sondern auch geführte Wanderungen

sowie Eintritte in Museen u.v.m. frei.

07⁄14 Bergsteiger 33


Eine Kirche, drei Häuser, einige Hütten:

die Walsersiedlung Bürstegg

vermutet Überbevölkerung, eine Klimaveränderung,

knappe Ressourcen«, sagt

Birgit Ortner, Gemeindearchivarin in Lech

und Expertin für das Thema Walser. In

Lech siedelten sie sich nicht nur im Tal

an, sondern auch am Tannberg, wie das

Areal genannt wurde, beispielsweise in

Bürstegg. »Heute weiß man, dass die Walser

aber nicht die ersten Siedler in dieser

Gegend waren«, sagt Birgit Ortner. Durch

Sedimentsproben konnte kürzlich nachgewiesen

werden, dass hier auch schon früher

Ackerbau betrieben worden war. Ob

die ersten Siedler aber noch in Lech lebten,

als die Walser hierherkamen, oder ob diese

ein leeres Tal vorfanden, kann heute nicht

mehr gesagt werden.

Üppige Wiesen, wilder Schnittlauch

Und es war ein karges, hartes Leben, das

die Familien hier oben führten. Wer heute

auf dem mit einem blauen Dreieck gekennzeichneten

Walser-Wanderweg durch

die üppigen Sommerwiesen unterwegs

ist, vermag sich das kaum vorzustellen.

Die Gaisbühelalpe und das Wang-Hus

liegen idyllisch am Hang. Und vor dem

historischen Bauernhaus auf der Alpe

Bürstegg summen die Bienen, der Besitzer

hat einen Stock aufgestellt. In manchen

Senken wächst sogar wilder Schnittlauch,

dessen Halme zwar härter sind als die im

Garten kultivierten, der aber aromatischer

schmeckt. Von der Bank an der kleinen

Kirche St. Martin, in dem die Bürsteg-

Es wurde täglich wohl

16 Stunden gearbeitet,

um in der recht kurzen

Sommerperiode die

Scheunen für Mensch

und Tier so gut

wie möglich zu füllen.

INFO

Lecher Höhenhalbmarathon

Normalerweise geht es auf den Wanderwegen

oberhalb von Lech eher gemütlich zu. Einmal

im Jahr aber wird auf Wegen und Pfaden das

Tempo deutlich erhöht, in diesem Jahr wieder

am Samstag, 16. August. Dann startet um

10 Uhr morgens der Lecher Höhenhalbmarathon.

Vom Sportplatz im Dorf geht es 21,9

Kilometer weit und über 1000 Höhenmeter

durch die Vorarlberger Gebirgslandschaft, vorbei

an den Gipfeln von Karhorn, Omeshorn

und Mohnenfl uh. Als besonderer Prüfstein gilt

dabei der Anstieg vom Gasthaus Bodenalpe

bei Lech hinauf zur einstigen Walsersiedlung

Bürstegg. Im vergangenen Jahr machten sich

rund 280 Läufer auf den Weg, schnellste

Frau war damals die Berglauf-Vizeweltmeisterin

Sabine Reiner aus Dornbirn in Österreich,

die die Strecke in 1:46:58,9 bewältigte, bei

den Männern gewann der Schweizer Bruno

Heuberger in 1:35:46,2. Beide stellten bei

perfekten Laufbedingungen mit ihren Zeiten

einen neuen Streckenrekord auf.

ger seit 1695 endlich auch Gottesdienste

am Berg abhalten konnten und die als

höchstgelegenes Kirchlein des Landes gilt,

hat man einen herrlichen Blick, und im

Haus gleich nebenan bekommen hungrige

Wanderer eine Brotzeit.

Nicht selten aber mussten die Menschen damals

hier oben hungern. Denn der Sommer

ist in dieser Höhe kurz, die Vegetationsperioden

ebenso. Nach der Schneeschmelze

befreiten die Bauern die Wiesen vom Geröll

und schickten das Vieh auf die Weide.

Weil nur eine Ernte pro Sommer möglich

war, mussten die Siedler das Gras in weitem

Umgriff um ihre Höfe mähen. Mit Schlitten

brachten sie das Heu zum Haus: eine oft gefährliche

Angelegenheit, schließlich lagerten

auf den Kufengefährten nicht selten 200

Kilo Viehfutter. Wo es für die »Schlitta« zu

steil wurde, ließ man das Heu sogar an Seilen

herunter. Sie müssen 16 Stunden und

mehr auf den Almwiesen gearbeitet haben,

um in der kurzen, warmen Sommerperiode

die Vorratslager für Mensch und Tier so gut

wie möglich zu füllen.

Denn dann kam der Winter und mit ihm

der Schnee, der manchmal schon im September

in Massen vom Himmel fiel, erst

den Weg ins Dorf unpassierbar machte

und schließlich auch die Verbindungswege

zwischen den einzelnen Höfen der

Walsersiedlungen kappte. In Vorarlberg

fallen enorme Mengen, der Schnee kann

meterhoch liegen. »In Schöneberg, einem

Gehöft etwas unterhalb von Bürstegg,

34 Bergsteiger 07⁄14


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TOUREN

Durch das Reich der Walser

Wer nicht den gesamten Walserweg um Lech-Zürs abgehen mag,

kann sich auch die folgenden Halbtagestouren vornehmen.

1 Auf den Spuren der Walser

▶ leicht 2½ Std.

300 Hm 560 Hm

Wenn im Winter ein

Familienmitglied starb,

wurde der Leichnam

bis zur Wetterbesserung

auf dem Dachboden

untergebracht.

Charakter: Kulturhistorisch hochinteressante

und abwechslungsreiche Wanderung

über den Tannberg

Ausgangspunkt: Lech am Arlberg (1444 m)

Endpunkt: Wanderbushaltestelle

Einkehr: Bürstegg, Restaurants Oberlech

Route: Lech – mit dem Bus nach Oberlech,

Station Schlössle – Aussichtspunkt

Tannegg – Gaisbühelalpe – Schnittlauchfelder

– Bürstegg – Wanghus

2 Naturschutzgebiet Gipslöcher

▶ leicht 3 Std.

120 Hm 470 Hm

Charakter: Familienwanderung durch

das Naturschutzgebiet Gipslöcher mit

bis zu 35 Meter tiefen Gipsdolinen. Im

Sommer blühen zudem zehn verschiedene

Orchideenarten.

Ausgangspunkt: Oberlech

Endpunkt: Lech (1444 m)

Einkehr: Gasthäuser in Lech, Oberlech

Route: Lech – Seilbahn zum Schlegelkopf

– Gipslöcher – Grubenalpe – Oberlech –

Burgwald – Rudalpe – Lech

3 Über den Tannberg

▶ leicht 2½ Std.

300 Hm 360 Hm

Charakter: über die Kulturlandschaft des

Tannbergs von Lech in Richtung Schröcken,

Abstecher zum Alpmuseum mit

historischer Sennerei

Immer dem blauen

Dreieck nach: Der Walserweg

ist gut markiert.

Ausgangspunkt: Oberlech, Wanderbushaltestelle

Schlössle

Endpunkt: Kalbelesee

Einkehr: Untere Auenfeldalpe, Batzenalpe,

Hotel Körbersee

Route: Schlössle, Oberlech – Tanneg

– Gaisbühelalpe – Untere Auenfeldalpe –

Alpmuseum – Körbersee – Kalbelesee

4 Auf die Mohnenfluh (2542 m)

▶ mittel 4 Std.

520 Hm 520 Hm

Charakter: Frühaufsteher werden belohnt:

die Gipfeltour auf die Mohnenfl uh ist besonders

morgens lohnend. Panoramablick

bis zum Bodensee inklusive

Ausgangspunkt: Oberlech, Bushaltestelle

Schlössle

Endpunkt: Bergstation Oberlech

Einkehr: Kriegeralpe

Route: Oberlech – Aussichtspunkt Tannegg

– Untere, obere Gaisbühelalpe – Mohnenfl

uhsattel – Mohnenfl uhgipfel – Kriegeralpe

– Oberlech

hat man einen unterirdischen

Gang zwischen dem Haupthaus

und dem Stall entdeckt«, sagt Birgit

Ortner. Und wenn im Winter ein

Familienmitglied starb, wurde der

Leichnam auf dem Dachboden untergebracht

– bis man ihn, wenn

das Wetter es erlaubte, ins Tal zum

Friedhof bringen konnte.

Gerade im 19. Jahrhundert, so die

Gemeidearchivarin, habe es viele

Hungerjahre gegeben. In manchem

Winter zerrieben die Walser

sogar Tannennadeln und mischten

sie unter das Mehl, um es zu

strecken. Nicht selten sandten Eltern

ihre Kinder mit gerade einmal

neun Jahren nach Schwaben, damit

sie sich dort den Sommer über

als Viehhirten verdingten – die

sogenannten »Schwabenkinder«

stammten nicht nur, aber auch

von den Walserfamilien ab.

Heute ist die Walseridentität in Orten wie

Lech wieder stärker ausgeprägt – »noch

viel mehr als vor einigen Jahren«, sagt

Birgit Ortner. Es gibt eine Walservereinigung,

Walsertreffen, ein Walsermuseum

im Ort – das Geschichtsbewusstsein hat

in dieser Hinsicht deutlich zugenommen.

Vor Hunderten von Jahren wurde die Zugehörigkeit

zu den Walsern über deren gemeinsamen

Rechtskreis als »freie«, nicht

an einen Lehnsherrn gebundene Bürger

definiert. Heute ist das anders: Nicht wenige

fahren in Lech mit einem entsprechenden

Aufkleber auf dem Auto herum, um

dem Stolz auf die Vergangenheit Ausdruck

zu verleihen. Und auch der Baustil neuer

Häuser lehnt sich an den Walserstil an, interpretiert

ihn aber modern. Sind all jene

also tatsächlich mit den Walsern von einst

verwandt? »Nein«, sagt Birgit Ortner und

lacht, das Bewusstsein habe sich in dieser

Hinsicht geändert. Heute gelte: »Ein Walser

ist, wer sich als Walser fühlt.« ◀

36 Bergsteiger 07⁄14


Piemonteoutdoor.it ist

eine Website für

Naturliebhaber mit

Informationen

zu den Sportarten

und allem

was man für einen

Aktivurlaub wissen muss

ABTEILUNG DER BERGE

PIEMONTEOUTDOOR.IT

LEIDENSCHAFT ALPEN


AUF TOUR

Zickige

Über die Pala-Hochebene im Trentino

Die Pala, grandioses

Bergmassiv in den

Dolomiten, hat einen

besonderen Ruf:

nicht nur wegen der

bizarren Felslandschaft,

sondern auch

wegen des oft unberechenbaren

Wetters,

das dort herrscht.

Von Michael Pröttel

(Text und Fotos)

»A

usgerechnet die Pala!« Wolfgangs

Rage ist nicht ganz

unbegründet. Schwarzgraue

Wolken versperren

am Passo di Rolle

den Blick zum Cimon della Pala, dem viel

bestaunten »Matterhorn der Dolomiten«.

Schließlich ist es kein Geheimnis: Als fast

südlichste Dolomiten-Gruppe fängt sich die

Pala quasi jedes Mittelmeer-Tiefdruckgebiet

ein. Selbst bei strahlendem Sonnenschein

muss man auf der Hut sein. Schwüle Luft

aus der Po-Ebene hat nahezu freie Bahn,

weshalb bei Südwind Gewitter nicht selten

schon am späten Vormittag donnern.

Allerdings ist für das gegenwärtige Sauwetter

nicht der Süden, sondern eine ausgeprägte

Nordwest-Wetterlage verantwortlich.

Entgegen den Prognosen beschert sie

dem Trentino keinen trockenen Nordföhn,

sondern schwappt mit Wind, Wolken und

Regen einfach über den Alpenhauptkamm.

Endlich bequemen sich ein paar

der dunkelgrauen Wolken dazu, den Blick

aufs Altipiano della Pala freizugeben.

Und schon folgt der nächste Schock: Die

riesige Hochfläche präsentiert sich nicht

wie sonst im Sommer als endlose Stein-,

sondern als Schneewüste. Trotz dieser

Widrigkeiten beginnen wir unseren Aufstieg

in Richtung Rifugio Mulaz. Auf dem

Weg dorthin werden wir an einer Almwirtschaft

ausgebremst: Die Wirtin erzählt

uns, dass ausgerechnet unsere Ziel-Hütte

noch geschlossen ist.

Nebelreißen um die Felstürme

»Lasst uns die Pala doch vom Val Canali her

angehen und schauen, ob wir nicht eine

Dreitagerunde weiter südlich hinbe-

38 Bergsteiger 07⁄14


Zacken

Nach zwei Tagen Wolkenmeer

genießen die Bergsteiger

das Sonnenbad an

der Forcella delle Mughe.


Versteckspiel hinter

Wolken: die Zacken

der Palagruppe

über dem Val Canali

Winter im Sommer:

Das Wetter in der

Pala ist immer für

Überraschungen gut.

40 Bergsteiger 07⁄14


Immer wieder gibt der

Nebel einen Ausschnitt

auf Nadeln und Felsflanken

frei – eine

unheimliche Stimmung.

kommen.« Silkes Alternativ-Vorschlag ist

das Einzige, was uns übrig bleibt, wenn

wir heute überhaupt noch irgendeine

Berghütte erreichen wollen.

Beim Zwischenstopp in Fiera di Primiero

schmilzt die eisige Stimmung dank leckerem

Gelato schnell wieder dahin. Von den

engen Gassen des hübschen Ortes geht es

zu Fuß hinein ins Val Canali, das mit seinen

wilden Wäldern, urigen Almen und

den darüber aufragenden Felswänden

zurecht als eines der beeindruckendsten

Dolomiten-Täler gilt.

Das Beste aber: An der Alm Malga Canali

bricht endlich die Sonne durch die Wolken.

Der schweißtreibende Anstieg zum

Rifugio Pradidali wird dennoch nicht mit

Abendsonne belohnt. Bald schon hüllen

die Wolken die Felstürme wieder in ein

zerfetztes Kleid. Immer wieder gibt der

Nebel einen Ausschnitt auf dünne Nadeln

und monströse Felsflanken frei. Als seien

die Kletter-Dorados Cima Canali, Cima

Pradidali und Cima Wilma nicht beeindruckend

genug, stürzt auch noch die mehr

als tausend Meter hohe Steilwand des Sass

Maor ins Val Canali ab – eine geradezu

unheimliche Stimmung.

Kurz vor dem Ziel tauchen erste Schneeflecken

auf. Der Plan für den nächsten Tag,

der Übergang zum Rifugio Treviso, scheint

ins Reich der Fantasie abzudriften. Zum

Abendessen bekommen wir jedoch einen

Hoffnungsschimmer serviert. »Zwar könnt

ihr den Weg über die Fradusta vergessen.

Aber wenn ich euch so anschaue, habt

ihr’s drauf, den Passo delle Lede auszuprobieren.«

Die Einschätzung der netten Hüttenwirtin

schmeckt beinahe noch besser

als die frisch aufgebratene Polenta. Und

der Rotwein trägt das Seine dazu bei, dass

sich die Stimmung wieder deutlich hebt.

Kaminfeuer im Sommer

Weiße Flocken und Temperaturen um die

Null-Grad-Grenze. Dick eingemummt folgen

wir dem von steilen Felswänden eingerahmten

Kar und verpassen fast die Abzweigung

zum Passo delle Lede. Verdammter

Nebel. Wo ist bloß der Klettersteig durch

die rechts aufragende Steilstufe?

Gerade noch rechtzeitig beißt sich die Sonne

durch die Wolken, reißt Nebelschwaden

hoch und lässt einen roten Punkt am

Fuß der Steilflanke auf blitzen. Ein Strahlen

geht über unsere Gesichter: Der Großteil

der Drahtseile liegt über dem Schnee.

Auch wenn am Passo delle Lede die Sicht

auf die gewaltigen Dreitausender der Pala

verborgen bleibt, wissen wir auf 2695 Metern

über Meeresniveau: Der Übergang ins

Val Canali ist so gut wie gebongt. Davon,

dass bald einer der dahinter aufragenden

Felszähne auf unserem Programm steht,

hat hingegen keiner eine Ahnung. Doch

wir meistern auch diese Schwierigkeit,

und endlich lösen saftige Blätter am Boden

die verschneiten Felsen ab.

Das Rifugio Treviso liegt noch unter der

Waldgrenze, grün wuchert es rechts und

links der Hütte. Hier angekommen, können

wir uns so etwas wie Sommer beinahe

vorstellen. Und doch erinnert uns die

Stimmung beim Betreten der alten Steinhütte

schon wieder an den Winter. Hinter

der Sichtscheibe des alten Holzofens lodert

und knistert das Feuer. Rundherum befindet

sich eine gemütliche Raumnische mit

umlaufender Sitzbank.

KOMPAKT

In die Trentiner

Dolomiten

Anfahrt: Über den Brenner und die A22

bis Ausfahrt Neumarkt/Auer (Egna/Ora).

Weiter nach Predazzo und hier rechts über

den Rollepass nach San Martino di Castrozza.

Weiter nach Tonadico und links der

SP347 folgen. An Gabelung wieder links

Richtung Camping Castelpietra. An diesem

sowie am Gasthaus Cant del Gal rechts

vorbei und an Parkbucht unterhalb der Almwirtschaft

Malga Canali parken.

Karte: Tabacco 1:25 000, Blatt 022

»Pale di San Martino«

Führer: L. Visentini »Pala Gruppe«,

Athesia Verlag, Bozen, 1991

Beste Jahreszeit: Je nach Schneelage

Ende Juni/Anfang Juli und September/

Oktober

Hütten: Rifugio Pradidali (2278 m),

geöffnet Mitte Juni bis Ende September,

Tel. 00 39/04 39/6 41 80,

www.rifugiopradidali.com;

Rifugio Treviso (1630m), geöffnet Ende Juni

bis Ende September sowie an Wochenenden

ab dem 1. Mai, Tel. 00 39/04 39/6 23 11,

www.caitreviso.it/rifugi/rifugio-treviso

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TOUREN

Drei Tage durch die Pala

Leicht macht es die Pala ihren Besuchern

nicht. Doch wer hartnäckig und flexibel

ist, findet immer einen Weg, sich den

Zacken rund ums Hochplateau zu nähern.

1.Tag: Malga Canali –

Rifugio Pradidali

▶ mittel 3 Std.

1000 Hm 20 Hm

Im Rifugio Treviso wärmen sich die Wanderer am knisternden Holzofen.

Charakter: Der Start zur Dreitagetour

durch die beeindruckende Landschaft in

der südlichen Palagruppe erfolgt durchs

wildromantische Val Canali mit dunklen

Wäldern und urigen Almen.

Ausgangspunkt: Almwirtschaft Malga

Canali (1302 m), geöffnet April bis

November und Weihnachtsfeiertage,

Montag Ruhetag

Hütte: Rifugio Pradidali (2278 m),

geöffnet Mitte Juni bis Ende September,

Tel. 00 39/04 39/6 41 80,

www.rifugiopradidali.com

Route: Malga Canali (1302 m) –

Val Pradidali – Rifugio Pradidali (2278 m)

2. Tag: Rifugio Pradidali –

Rifugio Treviso

▶ schwierig 4½ Std.

600 Hm 1300 Hm

Charakter: Am Aufstieg zum Passo delle

Lede sind leichte Klettersteigpassagen

zu überwinden. Bei günstigen Verhältnissen

ist alternativ die Gipfeltour auf die Fradusta

möglich (siehe Variante)

Hütte: Rifugio Treviso (1631 m),

geöffnet Ende Juni bis Ende September

sowie ab 1. Mai an Wochenenden,

Tel. 00 39/04 39/6 23 11,

www.caitreviso.it/rifugi/rifugio-treviso

Route: Rifugio Pradidali – Passo delle

Lede (2695 m) – Bivacco Minazio (2250 m)

– Val Canali – Rifugio Treviso (1631 m)

Alternative: Rifugio Pradidali – Passo

della Fradusta (2610) – Fradusta

(2939 m) – Forcella Alta del Ghiacciaio

(2727 m) – Passo Canali (2469 m) –

Rifugio Treviso

3. Tag: Rifugio Treviso –

Malga Canali

▶ schwierig 6 Std.

1000 Hm 1330 Hm

Charakter: Der Anstieg zum Sass d’Ortiga

ist teils etwas ausgesetzt und besitzt

(wenige) Kletterstellen zwischen II und IIInach

UIAA.

Hütte: Rifugio Treviso (1631 m)

Endpunkt: Malga Canali (1302 m)

Route: Rifugio Treviso – Forcella delle

Mughe (2244 m) – Sasso d’Ortiga (2634 m)

– Forcella delle Mughe – Rifugio Treviso –

Malga Canali

Der steile Felszahn

flößt uns beim

Aufstehen vor allem

eines ein: Respekt.

Eigentlich soll mit der Croda Granda morgen

die 2800-Meter-Marke überschritten

werden. Der Hüttenwirt hält das aufgrund

der Schneelage allerdings für keine gute

Idee. »Steigt lieber auf den Sasso d’Ortiga.

Seine Südostseite ist so gut wie schneefrei.

Für die wenigen Kletterstellen gebe ich euch

Helme und Seilzeug zum Abseilen mit.«

Respekt vor der Wand

Als »elegantesten Gipfel in der südlichen Pala-Kette«

bezeichnete der Pala-Experte Luca

Visentini den Sasso d’Ortiga. Uns flößt der

steile Felszahn beim Aufstehen vor allem

Respekt ein. Vorfreude und Anspannung

halten sich beim steilen Anstieg zur Forcella

delle Mughe die Waage. An der Scharte angelangt,

steigt mit der Sonne auch die Zuversicht.

Eine leicht ausgesetzte Querung, dann

baut sich die erste Felsstufe vor uns auf.

Schließlich lösen sich auch die letzten

Bedenken angesichts der Kletterpassagen

in Wohlgefallen auf. Selbst die kleinen

Schneefelder können uns nicht mehr

bremsen auf dem Weg zum Gipfel, um

den sich die steilen Türme von Cima della

Madonna und Sass Maor endlich bei perfektem

Kaiserwetter präsentieren.

Wie schrieb gleich wieder Visentini? »Die

Pala-Gruppe ist das mächtigste und bewegteste

Korallenriff der westlichen Dolomiten.«

Sehr viele Gipfel, so Visentini, »zeigen

sich als Einzelgestalt von gewaltiger

Unnahbarkeit.« Unnahbar? Uns jedenfalls

haben die zickigen Schönheiten an sich

rangelassen.


42 Bergsteiger 07⁄14


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AUF TOUR

Stille Routen im Isarwinkel und in der Jachenau

Ein Fall für Jäger

In früheren Zeiten wurden Gebirgspfade

aus ganz pragmatischen Gründen angelegt.

Davon profitieren heute die Bergwanderer.

Von Siegfried Garnweidner

Das Isartal bei

Vorderriß; im

Hintergrund die

Karwendelberge

über dem Rißtal

44 Bergsteiger 07⁄14


Fotos: Siegfried Garnweidner, Wikipedia

Wer brauchte früher schon

Bergwege? Freizeit ist ein Begriff

der Moderne, das ist eine

Binsenweisheit. Wer auf den

Berg gehen musste, hatte dafür

triftige Gründe, aber sicher nicht zum

Zeitvertreib. Holzknechte, Jäger, aufrechte

Bauersleute prägten über Jahrhunderte

den Isarwinkel und die Jachenau. Ein paar

bescheidene Felder im Tal und der Waldund

Wildreichtum sorgten für eine armselige

Lebensgrundlage, während das Kloster

Benediktbeuern den Zehnt einstrich.

Wildererpfade

Es gab aber auch andere Gesellen – Holzdiebe

und Wilderer, die dem Kloster keine

Abgaben leisteten und sich trotzdem im

Wald bedienten. Sie holten sich aber das

Holz und das Wild nicht aus Abenteuerlust,

sondern aus purer Not, denn sie

brauchten es zum Überleben. Geachtet

waren sie nicht. Die Wildschützen wurden

im Laufe der Zeit immer dreister und

machten viel Beute. Es lohnte sich, denn

sie hatten in der Lenggrieser Gesellschaft

einen lukrativen Abnehmerkreis

gefunden.

Der nächtliche Transport

des Wildbrets auf Schleichwegen

über die Berge wurde

mit der Zeit immer gefährlicher,

denn selbstverständlich

lauerte die Jägerschaft

im Unterholz. Die Wilderer

glaubten, besonders schlau

zu sein, indem sie den

reichlichen Beutetransport

auf die Isar verlagerten. In

aller Seelenruhe kamen sie

am helllichten Tag mit einem

Floß die damals wilde

Isar herunter. Das konnte

auf Dauer nicht gut gehen.

Die Jägerschaft »roch

den Braten« ziemlich bald

und wartete eines Tages

im Jahr 1868 bei Vorderriß

unter dem Ochsensitz auf

den Transport. Ohne Vorwarnung

eröffneten die Jägersknechte

das Feuer und

es kam zu einem wilden

Gefecht, bei dem der Hoißentoni

erschossen und der

Ludwig Thoma ist in

Vorderriß aufgewachsen.

Prinzregent Luitpold

ging gern auf die Jagd.

Hoißenblasi schwer verletzt wurde. Ihr

Floß strandete mitsamt der Beute bei Lenggries.

Der Hoißenblasi kam erst zwei Jahre

später auf dem Wilfetsberg (siehe Tour

Rautbergkopf und Zwölferköpfl) durch

einen Schuss in Notwehr des Königlichen

Forstgehilfen Hornberger zu Tode. Ludwig

Thoma (1867–1921) hat diese dramatischen

Ereignisse, die sich direkt vor seiner

Haustür abspielten, in seinen Wilderergeschichten

niedergeschrieben.

Jagdsteige

In Vorderriß richtete sich seinerzeit ein

bayerischer Adliger ein. Gleich hinter

dem Forsthaus ließ sich Prinzregent Luitpold

(1821–1912) ein kleines Felsenbad

erbauen, wo er sich nach der Jagd im eiskalten

Wasser entspannen konnte. Da es

dem Prinzregenten nicht zuzumuten war,

lange Wege auf der Gebirgsjagd zu Fuß zu

gehen, legten fleißige Arbeiter ein Netz

von Reitwegen an. So konnte der Jagdherr

einen großen Teil der Strecken hoch zu

Ross bewältigen. Viele dieser relativ flach

ansteigenden Wege sind noch erkennbar

und sogar auf manchen Karten

eingetragen.

Heute residiert in Vorderriß

die Vermögensverwaltung

Seiner Königlichen Hoheit

des Großherzogs von

Luxemburg. Zur Zeit der

Hirschbrunft sieht man dort

bisweilen viele Limousinen

und Geländefahrzeuge mit

gelben Nummernschildern.

Sie fahren im benachbarten

Karwendel auf Forstwegen

zur Jagd, die die Vermögensverwaltung

mit harten Bandagen

von Mountainbikern

frei zu halten versucht.

Almwege

Arbeitsbedingt leben in der

Sommerzeit viele Almleut’

oben in den Bergen. Intensiv

war die Almwirtschaft

im Revier rund um Isar und

Jachen aber nie, es gibt nur

ein paar verschwiegene Almen.

Einige davon haben

keinen Fahrweganschluss,

weswegen es nicht zu

07⁄14 Bergsteiger 45


TOUREN

Auf stillen Pfaden im Isarwinkel

Die folgenden Tourentipps sind für abenteuerlustige

Bergwanderer gedacht, die sich nicht scheuen,

auch hin und wieder durchs Unterholz zu kriechen.

1 Breitenkopf und Zweipfennigberg

(1347 m)

▶ leicht 3 Std.

454 Hm 454 Hm

Charakter: Ausgesprochen stille

und höchst selten durchgeführte

Rundtour, die überwiegend durch

Wald führt.

Anforderungen: Orientierungsgabe,

Trittsicherheit

Ausgangs-/Endpunkt: Feuerwehrhaus

in Glashütte (893 m)

Route: Glashütte – Steinbruch –

Rückewege – Breitenkopf – Zweipfennigberg

– Schlepperweg – Forststraße

– Steinbruch

– Glashütte

2 Hoher Zwiesler (1348 m)

▶ mittel 5½ Std.

608 Hm 608 Hm

Charakter: Sehr weite Rundwanderung,

die vor allem beim Aufstieg

durch dichten Wald führt. Landschaftlich

sehr schöner Rückweg durch

Röhrmoostal und Schronbachtal.

Anforderungen: Schmale Jägersteige

und wegloser Bergwald verlangen

gutes Orientierungsvermögen; etwas

Trittsicherheit, Schwindelfreiheit und

Ausdauer sind notwendig.

Ausgangs-/Endpunkt: Sylvenstein-

Kraftwerk (740 m)

Route: Parkplatz – Schronbachalm-

Diensthütte – schwer zu fi ndende Abzweigung

– Achselkopf – Punkt 1229

m – Hoher Zwiesler – Rehsteighütte

– Röhrmoostal – Auf den Köpfen –

Mähmoos – Wildengraben

– Schronbachtal –

Parkplatz

3 Rautbergkopf und

Zwölferköpfl (1437 m)

Tourenkarte 2

Heftmitte

Tourenkarte 3

Heftmitte

▶ leicht 4¾ Std.

647 Hm 647 Hm

Charakter: Lange Waldwanderung,

die bestes Orientierungsvermögen

verlangt.

Anforderungen: Der Wirrwarr von

Rückewegen auf dem Wilfetsberg

macht die Orientierung auf dieser

einsamen Wanderung schwierig.

Deshalb sollte man der Routenbeschreibung

exakt folgen (evtl.

GPS-Gerät).

Ausgangs-/Endpunkt: Jachenau

(790 m)

Einkehr: in Jachenau

Route: Jachenau – Luitpolder –

Wilfetsgraben – Rautbergkopf – Zwölferköpfl

– höchster Punkt – Wilfetsgraben

– Punkt 894 m – Fuchseneck

– Fleck – Point – Rechenplatz –

Jachenau

4 Rotwand (1104 m)

▶ leicht 3 Std.

360 Hm 360 Hm

Charakter: Verwegene Unterholztour

mit langer wegloser Etappe

Anforderungen: Die schwer zu

fi ndende Abstiegsroute führt teilweise

durch dichtes Unterholz und verlangt

ein hervorragendes Orientierungsvermögen.

Vorsicht auf den steilen,

weglosen Etappen in Gipfelnähe!

Ausgangs-/Endpunkt: Höfen (744 m)

Route: Höfen – Grabenalm – Rotwand-Aussicht

– Holzweg – Aussichtspunkt

– Rotwand – Schlepperweg –

Mähmoos – Auf den Köpfen – Höfen

5 Saurüsselkopf (1364 m)

▶ leicht 3¾ Std.

540 Hm 540 Hm

Charakter: Zuerst einmal lockt bei

diesem Berg sein »wunderbarer«

Name. Und hat man den so gut wie

unbekannten Gipfel bestiegen, wird

man überrascht sein, denn er bietet

Bei der Staffelgrabenrunde

passiert man diese

Sumpfwiese bei

der Luitpolder Alm.

sogar eine schöne Aussicht, mit

der man auf so einem Waldbuckel

eigentlich gar nicht rechnen kann.

Erstaunlich schön wird dann der

Abstieg über die Röhrlmoosalm.

Anforderungen: Im Prinzip ist diese

Wanderung leicht. Allerdings verlangt

der lange Gipfelanstieg eine gehörige

Portion Orientierungsvermögen.

Ausgangs-/Endpunkt: Glashütte

(893 m)

Hütten: Gasthaus Glashütte

Route: Glashütte – Steinbruch –

Scheitelstrecke der Forststraße –

Saurüsselkopf – Scheitelstrecke –

Röhrlmoos – Röhrlmoosalm – Schliffbachgraben

– B 307 – Glashütte

6 Staffelgraben (1217 m)

▶ mittel 7 Std.

645 Hm 645 Hm

Charakter: Rundwanderung auf

altem Almsteig; Bademöglichkeit in

prächtigen Gumpen; sehr lang und

mühsam.

Anforderungen: Gute Orientierungsgabe

und Trittsicherheit sowie

stellenweise etwas Schwindelfreiheit

sind erforderlich.

Ausgangs-/Endpunkt: Vorderriß

(780 m)

Route: Vorderriß – Rißsattel (evtl.

Abstecher auf den Rißer Hochkopf)

– Luitpolder Alm – Lainer Alm –

Staffelgraben – Forststraße – Isardamm

– Vorderriß

7 Waxenstein (1162 m)

▶ leicht 4½ Std.

510 Hm 510 Hm

Charakter: Nahezu unbekannte Bergwanderung

auf einen interessanten,

kleinen und erstaunlich aussichtsreichen

Waldgipfel.

Anforderungen: Der kurze, weglose

Gipfelanstieg ist anspruchsvoll. Er ist

sehr steil und führt zuletzt über einen

scharfen Waldgrat, der enorm abbricht.

Ausgangs-/Endpunkt: Parkplatz der

Kirchsteinhütte; Hochtannbergstub’n

(760 m)

Route: Hochtannbergstub’n – Probstbauernalm

– Brunnlocheralm –

Lexenalm – Braunköpfl alm – Melchersteffelalm

– Rückewege – Waxenstein

– Braunköpfl alm – Lettenbachgraben

– Hochtannbergstub’n

Spezielle Literatur für die hier

vorgestellten Touren gibt es nicht.

Das Gebiet wird aber von folgenden

Führern erfasst: Garnweidner

»Münchner Wanderberge«, Bergverlag

Rother und »Glanzlichter Bayerische

Hausberge«, Athesia Bozen sowie

Bauregger »Bayerische Hausberge«,

Bruckmann Verlag

46 Bergsteiger 07⁄14


steile und ungefährliche Almwege brauchte,

um das Vieh im Frühsommer hinauf

und im Herbst wieder hinab treiben zu

können. Auch diese lassen sich noch finden

und bieten dem Wanderer relativ bequeme

Auf- und Abstiege.

Eine Besonderheit bietet der Aufstieg zum

Staffel. Die Almen dort gehörten nicht zur

Jachenau, sondern zum Isarwinkel. Weil

das Gelände auf der Isarwinkler Seite für

das Vieh viel zu gefährlich war, musste

auf einem weiten Umweg aus der Jachenau

auf- und abgetrieben werden. Für

einen schnellen Auf- oder Abstieg zu Fuß

war diese Strecke viel zu lang. Also legten

die Almbauern in mühsamer Arbeit einen

abenteuerlichen Pfad aus dem Isarwinkel

Bei so einsamen

Touren, teilweise

durch Unterholz,

sollte sich der

Wanderer stets

ruhig verhalten,

um Wildtiere nicht

aufzuschrecken.

Also: stille Pfade,

stiller Mensch!

durch den Staffelgraben zu den Almen an

und mussten eine kurze Passage sogar mit

einer Steiganlage sichern. Es gibt diesen

Weg noch, auch wenn er leider immer

mehr verfällt.

Abenteuerlustige Bergwanderer und Individualisten

finden auf den alten Jägersteigen

und Wildererpfaden, Reit-, Alm- und

Rückewegen ein weites, einsames Revier.

Und wenn die Wege etappenweise nicht

mehr erkennbar sind, kriecht man ein

Stück durchs Unterholz. Auf Wegtafeln

und Markierungszeichen ist auf diesen

Routen nicht zu hoffen. Und falls der einsame

Wanderer auf Wildtiere stoßen sollte,

macht er dezent auf sich aufmerksam,

damit sie ohne Hetze abziehen können. ◀

KOMPAKT

Im Isarwinkel

Anreise: A95 bis Ausfahrt Penzberg,

dann B472 bis Bad Tölz und B13 bis

Lenggries-Wegscheid. Von dort über die

Bretonenbrücke zu den Ausgangspunkten

in der Jachenau. Nach Vorderriß auf der

B13 bis zum Sylvensteinsee. Dort rechts

haltend auf der B307 zum Ausgangspunkt

bei der Wirtschaft Vorderriß. Glashütte

wird ab der Anschlussstelle Holzkirchen

der A8 auf der B318 über Bad Wiessee –

Rottach-Egern, dann auf der B307 über

Kreuth erreicht.

Öffentliche Verkehrsmittel: Mit der

Oberlandbahn (BOB) bis Lenggries und

Bergsteigerbus bzw. Linienbus zu den

Ausgangspunkten im Isarwinkel und in der

Jachenau. Nach Glashütte: Bahn bis Tegernsee

und Linienbus zum Ausgangspunkt.

Informationen: Gäste-Information Lenggries,

Rathausplatz 2, D-83661 Lenggries,

Tel. 00 49/(0)80 42/5 00 88 00, www.

lenggries.de; Gästeinformation Jachenau,

Dorf 51½ , D-83676 Jachenau, Tel. 00 49/

(0)80 43/91 98 91, www.jachenau.de;

Tegernseer Tal Tourismus GmbH, Tourist-

Information Kreuth, Nördliche Hauptstr. 3,

D-83708 Kreuth, Tel. 00 49/(0)80 29/

9 97 90 80; www.kreuth.de

Karten: Kompass 1:50 000, Blatt 182

»Isarwinkel–Bad Tölz–Lenggries«;

Topgrafi sche Karten des Bayer. Landesamtes

für Vermessung und Geoinformation,

1:50 000, Blatt UK50-52 »Bad Tölz–Lenggries

und Umgebung« und Blatt UK50-53

»Mangfallgebirge–Tegernsee–Schliersee«;

Alpenvereinskarten 1:25 000, Blatt BY 11

»Isarwinkel–Benediktenwand«, Blatt BY 12

»Karwendelgebirge Nord, Schafreiter« und

Blatt 13 »Mangfallgebirge West, Tegernsee,

Hirschberg«

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INTERVIEW

48 Bergsteiger 07⁄14


Das große

Catherine Destivelle

-Interview

»Es nervt, sich doppelt

beweisen zu müssen«

In den 1980er-Jahren verblüffte Catherine Destivelle, 54, die Bergsteiger-Szene:

Sie durchstieg als Erste im Alleingang die Westwand der Dru und schrieb

mit ihren Solo-Winterbesteigungen der Eiger-Nordwand und des Walkerpfeilers

an den Grandes Jorasses Klettergeschichte. Mit dem BERGSTEIGER

sprach sie über Frauen am Berg, Pokern und ihren Liebesfilm. Von Sandra Zistl

Foto: Manfred Kostner

BERGSTEIGER: Frau Destivelle, sind Sie

eigentlich gerne eine Frau?

Catherine Destivelle: Äh, ja, ich kann mich

nicht beklagen… (blickt freundlich-verwundert

drein).

Hat es Ihnen als Alpinistin geholfen,

eine Frau zu sein?

Als ich anfing, gab es weniger Frauen im

Kletterzirkus. Wenn man einigermaßen gut

war, fiel das auf. Für mich war es anfangs

einfacher vom Klettern zu leben, als es zur

gleichen Zeit für einen gleich guten Typen

war. Ich glaube, heute ist das nicht mehr

ganz so. Es gibt mehr richtig gute Frauen.

Sie meinen, Sie hatten den Bonus des Zusatzes:

»Die erste Frau, die … gemacht hat«?

Voilà. Das hat mich echt gestört.

Weshalb?

Mir gefiel nicht, dass die Leute über meine

Leistungen sprachen, nur weil ich »die erste

Frau war, die…«. Mir wäre es lieber gewesen,

die Leute hätten gesagt: »Sie ist die

Erste.« Also habe ich mir Routen gesucht,

die ich erstbegehen konnte. Die Haupt-

motivation war tatsächlich diese. Ich wollte

die Erste sein, nicht »nur« die erste Frau,

die das schafft! Als Frau musst du wirklich

auf dein Touren-Portfolio achten. Du

kannst dir nicht alles erlauben.

Wie meinen Sie das?

Naja, genau so: dass man nur Sachen

macht, die man als erste Frau macht. Das

ist nämlich relativ einfach.

Dann ist es also schwieriger, als Frau im

Alpinismus Erfolg zu haben?

Man muss schon was reißen, um von den

Jungs akzeptiert zu werden. Mich hat das

zeitweise auch richtig genervt, dass ich

mich doppelt beweisen musste.

Es gibt Fotos von Ihnen, da könnte

man den Eindruck gewinnen, Sie hätten

die Frauenkarte bewusst gespielt.

Ah, ich weiß, was Sie meinen… (winkt ab).

Mein damaliger Freund war Mannequin.

Er sagte mir, welche Kleidung ich für Fotos

anziehen sollte. Er meinte, da müsste ich

bestimmte Klamotten tragen. So kamen

Bilder wie jenes zustande, auf dem ich ei-

nen rosafarbenen Body trage und darüber

einen Klettergurt. Aber im realen Leben

war ich überhaupt nicht so drauf! Das ist

wirklich lange her. Im Internet ist es natürlich

immer noch unterwegs.

Sie haben mit 45 Jahren bereits Ihre

Autobiografie geschrieben…

… jaja, da schreibe ich alle sechs Jahre

etwas Neues dazu (lacht). Journalisten fragen

oft ähnliche Sachen. Ich dachte, ich

schreibe das alles mal auf, dann können

die Journalisten das nachlesen (grinst herausfordernd).

Es hilft mir aber auch. Es tut

gut, die Dinge niederzuschreiben und

dann weiterzublättern.

Sie sind immer wieder Ihrem Instinkt

gefolgt und haben so eine recht ungewöhnliche

Alpinisten-Vita. Hat Ihr Instinkt Sie

jemals im Stich gelassen?

(überlegt) Nein. Ich habe Erfahrungen gesammelt.

Wie kam es dazu, dass die erfolgreichste

Kletterin der Welt plötzlich nur noch Poker

spielte?

07⁄14 Bergsteiger 49


Erfolg am Grand

Capucin: Destivelle

im Alleingang

Fotos: R. Robert, G. Kosciki, M. Ruhland (3)

Nix Spezielles. Ich war mit drei Kletterfreunden

unterwegs, und es war schlechtes

Wetter. Diese Kletterer waren Naturwissenschaftler.

Einer wollte ein Buch

über Statistik beim Pokern schreiben. Er

sagte, er wolle mit uns Poker spielen. Also

hat er es uns beigebracht. So ging es los.

Wir spielten jeden Abend. Und hörten auf

zu klettern. Das ging zwei Jahre lang so.

Alle vier gingen Sie weniger klettern,

um Poker zu spielen?

Nein, nein! Wir kletterten gar nicht mehr.

Da bleibt man natürlich nicht fit. Man wird

nervös. Also fingen wir an, zu rauchen.

Und wir aßen Unmengen Schokolade.

Wieso haben Sie genau so plötzlich wieder

aufgehört – mit Poker und Rauchen?

Für mich war das total in Ordnung, so lange

das Geld unter uns zirkulierte. Ich bin Kinesiologin,

habe richtig viel gearbeitet: von

sieben Uhr morgens bis neun Uhr abends.

Und danach bin ich sofort zu meiner Poker-

Runde gegangen. Als es dann losging, dass

andere Spieler eingeladen wurden, habe

ich Angst bekommen. Ich wollte mein Geld

nicht verzocken. Also hörte ich auf. Vorher

hat man mal verloren, mal gewonnen, aber

das Geld blieb unter uns. Unterm Strich habe

ich weder gewonnen noch verloren.

»Ein Wissenschaftler

brachte uns das

Pokern bei. Wir spielten

ständig und hörten

auf zu klettern.

Das ging zwei Jahre so.«

Mode der Achtziger: Catherine Destivelle

in der Verdon-Schlucht

Wie sieht es mit Angst am Fels aus?

Sie sind viele Routen free solo gegangen.

Da hatte ich nie Angst. Ich glaubte nicht,

dass ich es schaffen könnte, sondern ich

wusste, dass ich es gut schaffen würde. Ich

bin keine Hasardeurin. Ich mache nur, was

ich kann.

Was ist der Reiz des Free Solo?

Das ist ein bisschen komplizierter. Als ich

nach der Poker-Phase wieder in die Berge

ging, bin ich mit einem Freund in den Himalaya

gefahren. Als wir wieder zurück

waren, sprachen alle darüber, was er dort

gemacht hatte, im Vorstieg. Das hat mich

schon geärgert, denn es stimmte einfach

nicht. Ich wusste, dass ich es drauf hatte.

Ich beschloss, den Bonattipfeiler solo zu

gehen. So kam eins zum anderen. Es war

eine Frage des Stolzes. Es ist einfach ein tolles

Gefühl, wenn man ganz alleine unterwegs

ist und weiß, dass man es drauf hat.

Würden Sie sich als Masochistin

bezeichnen?

Für die Wettbewerbe habe ich schon sehr

hart und diszipliniert trainiert. Ich hatte

immer klare Ziele, auf die ich hingearbeitet

habe. Aber ich würde mich niemals als

Masochistin bezeichnen. Denn trotz allem

mag ich ja, was ich tue. Wenn etwas eine

50 Bergsteiger 07⁄14


Ein Tag,

der bleibt.

»Ich bin gerne Mutter.« Catherine Destivelle im Interview mit dem BERGSTEIGER

Passion ist, fällt es leichter. Aber es bedeutet

trotzdem Arbeit. Ich mag es nicht,

etwas nur halbherzig zu machen. Wenn,

dann richtig.

Wie konnten Sie diese Einstellung zum

Klettern mit der Tatsache vereinen, Mutter

zu werden?

Als ich ein Kind bekam, habe ich mich

voll um mein Kind gekümmert. Total. Ich

mag keine halben Sachen. Victor ist jetzt

16 Jahre alt, und ich klettere nach wie vor

sehr wenig, nur dreimal pro Woche. Man

kann nicht alles machen. Als Mutter orientiere

ich mich an meinen eigenen Eltern,

die ganz außergewöhnlich waren. Ich

möchte, dass mein Sohn auch so glücklich

ist mit seinen Eltern. Und, dass er eine gute

Ausbildung bekommt. Das ist vielleicht

auch ein bisschen egoistisch. Aber mir bereitet

es Freude, Mutter zu sein.

Klettert Ihr Sohn gerne?

Nein. Er segelt. Und er macht ziemlich viel

Jazz-Musik. Er ist ganz schön gut.

Die Zeit zum Klettern rauben Ihnen vermutlich

auch Ihre diversen anderen

Tätigkeiten: das Schreiben, die Vorträge?

Es ist bereichernd, etwas anderes zu machen

als zu klettern.

Worüber sprechen Sie in Ihren Vorträgen?

Mein Thema ist: Wie gewinne ich Selbstvertrauen?

Und da ich, egal, was ich mache,

immer richtig gut darin sein will,

habe ich auch da ziemlich viel Arbeit hineingesteckt.

Wird wieder eine Zeit kommen, in der Sie

sich voll und ganz dem Alpinismus widmen?

Naja, ich habe ja einen Verlag gegründet.

Und ich mache jetzt Kino. Ich hatte die

Idee zu einem fiktionalen Film und er findet

Gefallen. Es gibt zwei Produktionsfirmen,

die mit mir arbeiten wollen und eine

bekannte Regisseurin. Also wieder eine

komplett andere Aufgabe.

Also keine Zeit zum Klettern?

Äh, nein, sehr wenig.

Verraten Sie, worum es in Ihrem Film geht?

Ich bin Französin, was denken Sie? Es ist

natürlich eine große Liebesgeschichte!

(lacht herzlich) Wir Franzosen sagen: »Une

putain histoire d’amour«, eine verflixt gute

Liebesgeschichte!


Mit dem

Bayern-Ticket

für nur 23 Euro

und 4 Euro

je Mitfahrer.

Ticket gilt auch in:

ZUR PERSON

Klettern, Karriere, Kino

Catherine Destivelle kommt am 24. Juli 1960

in Oran, Algerien, auf die Welt, wächst aber in

Paris auf. Ihre Kletterleidenschaft entfacht ihr

Vater, der sie als Kind nach Fontainebleau zum

Bouldern mitnimmt. Mit 14 Jahren beginnt sie

mit dem Sportklettern und sorgt bald für Furore.

Sie wird in den achtziger Jahren zur bestimmenden

Figur des Frauenalpinismus. Als erste Frau

der Welt klettert sie 1988 eine 8a+. Mit ihrem

Alleingang durch die Westwand der Dru sowie

ihre Solo-Winterbesteigungen der Eiger-Nordwand,

des Walkerpfeilers und der Bonatti-

Route am Matterhorn Anfang der 1990er-Jahre

untermauert sie ihre Ausnahmestellung und

schafft es als eine von wenigen Alpinisten ihrer

Zeit, vom Klettern zu leben. 1996 verunglückt

die studierte Physiotherapeutin in der Antarktis

schwer und entkommt nur knapp dem Tod.

Seit sie 1997 ihren Sohn Victor gebar, haben

sich ihre Lebensinhalte geändert. 2003 erscheint

ihre Autobiografi e, sie gründet selbst einen

kleinen Berg-Verlag und macht nun auch Filme.

Weitere Informationen,

Ausflugstipps und Kauf

unter bahn.de/bayern

Mit persönlicher Beratung für 2 Euro mehr.

Erhältlich für bis zu 5 Personen.

Die Bahn macht mobil.


KOLUMNE

Seit Jahren wird auf

der Turiner Hütte

gehämmert, betoniert

und gesprengt.

Public Blamage

Das Public Viewing ist gemeinhin ein gesellschaftliches

Ereignis, das normalerweise

auf großen Plätzen in Städten stattfindet.

Das hat den Vorteil, dass man meistens

unter seinesgleichen ist. Man leidet zusammen,

fiebert miteinander, schreit und

heult und tobt. Berge verbindet man hingegen

mit Einsamkeit und majestätischer

Ruhe. Manchmal mutiert der Berg aber zur

besten Public-Viewing-Location.

Regelmäßige Drei-Uhr-Explosion

Ich hatte das einprägsamste Fußball-Erlebnis

jedenfalls nicht an einem überfüllten

Platz vor einer Großleinwand, sondern

hoch oben auf 3375 Metern. An einem

Ort nah am höchsten Punkt der Alpen,

in einer zur Großbaustelle verdammten

alpinen Unterkunft, der Turiner Hütte,

hoch über Courmayeur auf der italienischen

Seite des Mont-Blanc-Massivs.

Was ist härter als ein

Fußballspiel gegen Italien

im EM-Halbfinale zu

verlieren? Es auch noch

auf einer Hütte am Mont

Blanc mit italienischen

Bauarbeitern ertragen zu

müssen. Eine gute Seite

hatte die Sache allerdings.

Von David Göttler

Es wird hier seit Jahren für die neue Liftstation

gehämmert, betoniert und gesprengt.

In den Jahren der Sprengarbeiten

wurde ich oft mitten in der Nacht durch

eine erschütternde Explosion geweckt,

die ganze Hütte wackelte. Man arbeitete

wegen der kurzen Sommer im Hochgebirge

nämlich in 24-Stunden-Schichten und

nahm deshalb keine Rücksicht auf schlafende

Alpinisten. Nach der regelmäßigen

Drei-Uhr-Explosion versuchte ich dann

verzweifelt, wenigstens noch eine Stunde

zu schlafen – bevor der Weckruf für die

anstehende Hochtour einen erneut aus

dem Tiefschlaf riss.

Es war der Sommer 2012.

Europameisterschaft.

Halbfinale Deutschland gegen Italien.

Und mittendrin: Auf der einen Seite der

deutsche Bergführer-Lehrgang, für den

ich als Ausbilder unterwegs war. Auf der

anderen Seite: die Meute der italienischen

Bauarbeiter. Was wünscht man sich mehr

für einen unvergesslichen Fußball-Abend?

Zunächst mussten wir erst einmal die Bauarbeiter

davon überzeugen, dass es keinen

Fotos: Thomas Ebert, David Göttler, dpa

52 Bergsteiger 07⁄14


Nachteil bedeutet, wenn Deutsche mit in

den Fernseher schauen. Wir waren ohnehin

nur zu zweit, denn außer mir wollte

sich genau ein weiterer Ausbilder mit in

die falsche Fankurve setzen. Die Turiner

Hütte ist nämlich eigentlich eine TV-freie

Zone. Nur die Bauarbeiter hatten einen

Fernseher in ihrem Raum. Das Problem

ließ sich mit einem Liter Hauswein schnell

klären. Der Preis für den Eintrittstrunk

war haupttribünenverdächtig,

die Qualität des Weines eher

nicht.

Anpfiff. Elf gegen elf im Fernseher,

15 Italiener und wir

zwei vor dem Fernseher.

Heimspiel sieht anders aus.

Wir schlichen ins Bett

Ich bin weder Fußballexperte

noch Fan, aber ich verstand:

Es entwickelte sich ein Spiel

der Extraklasse, jedenfalls für

die Italiener. Ich genoss die

Atmosphäre dort oben, und

die Italiener genossen unsere

Anwesenheit. 20. Minute,

Balotelli (siehe Bild), 1:0, die Stimmung

begann zu sieden, 36. Minute, Balotelli,

2:0, unsere Gastgeber flippten aus. Es wurde

getrunken und geraucht, obwohl das

große Schild direkt über dem Fernseher in

Großbuchstaben verkündete: »Auf dieser

Baustelle und an diesem Ort ist Trinken

und Rauchen per Gesetz verboten!« Man

konnte vor lauter Rauch das Schild fast

nicht mehr sehen!

Kurz vor Ende entdeckte ein den Fußballsport

verachtender Kollege der Italiener

die wundersame Wirkung

eines Bauarbeiterhelms über dem

Satellitenempfänger draußen in

der Kälte. Was zu einem abrupten

Bild- und Ton-Totalausfall führte.

Was zur Folge hatte, dass einer der

Gastgeber mit einem Hechtsprung

über den Tisch nach draußen stürmte

und den Übeltäter zu fangen versuchte.

Der war schon längst geflüchtet.

Es war nicht sein letzter Streich.

Das alles schaukelte sich zu einem

wahren Spektakel hoch, bis hin zum

irren Freudentaumel, nur leider nicht

auf unserer Seite. Jubelnde Bauarbei-

ter, erneutes Anstoßen auf diesen Sieg mit

uns beiden, Bildausfall, Hechtsprung über

den Tisch, VIVA ITALIA! Nach dem Abpfiff

war dann kein Halten mehr. Wir durften

trinken, was wir wollten, bekamen Trost

gespendet und sollten auch die kommenden

Tage immer mit einem sehr mitleidigen

Lächeln begrüßt werden.

An diesem Abend schlichen wir leise in

unser Lager. Die Gastgeber feierten laut

und ausgelassen bis spät in die Nacht mit

Tänzen um die Hütte. Eine Matratze baumelte

hoch über dem Abgrund und über

Courmayeur an einem Kran.

In dieser Nacht wurden wir durch keine

Explosionen geweckt.


David Göttler, Jahrgang 1978, teilte

sein Zelt an den Steilwänden und Achttausen

dern dieser Welt unter anderem

schon mit Gerlinde Kaltenbrunner,

Stefan Glowacz und Simone Moro.

Der staatlich geprüfte Berg- und Skiführer

sowie Trainer des DAV-Expedkaders

schreibt exklusiv für den BERGSTEIGER

über seine Erlebnisse auf Expedition.

www.kat-walk.at

Kitzbüheler Alpen Trail

Alpen

Der Weitwanderweg

durch

die

Kitzbüheler

• 104 km lang • 7.600 Höhenmeter • Höchster Punkt: 1.996 m

6 themenbezogene Etappen führen quer durch die sanfte Berg- und

Almenwelt im Herzen der Kitzbüheler Alpen. Hoher Erlebnisfaktor inklusive!

KAT Walk

Der Weitwanderweg durch die Kitzbüheler Alpen

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TIPP

12 Tourenkarten zum Mitnehmen

Die besten Touren aus Bergsteiger 07/14

Dolomiten, Ammergauer, Berchtesgadener,

Kitzbüheler, Stubaier Alpen

Abtrennen

Falten

Einstecken

6 Daniel, wenig

11 Gündlesscharte,

3 Hoher Zwiesler,

2 Breitenkopf,

8 Schnappen,

10 Hocheisspitze,

schwieriger Wanderklassiker

im Außerfern

lange Gratüberschreitung

der Nagelfluhkette

sehr lange, teils weglose

Rundwanderung

einsame, unschwierige

Waldwanderung

leichte Bergwanderung

mit Kaiser-Panorama

beschwerliche, teils weglose

Bergtour im Geröll

1 Trans Parc Ela,

7 Hahlkogel, konditionell

4 Allerleigrubenspitze,

9 Gamskarspitze,

12 Klettersteig Boèseekofel,

Drei-Pässe-Wanderung

für Trittsichere

fordernde Alpin-

tour, teils über Schrofen unschwierige

Wanderung auf Pfaden

anspruchsvolle,

unwegsame Bergtour rassig, mit

schweren Einzelstellen

5 Breiteggspitze,

leichte Höhenwanderung

mit toller Aussicht

GPS-Daten als Download unter www.bergsteiger.de, falls vorhanden

Tourenart

Schwierigkeit

Wandern Klettern Klettersteig Hochtour Skitour

Blau: leicht Rot: mittel Schwarz: schwierig


TIPP

Albula-Alpen Trans Parc Ela

1

Logenplatz über dem Reschensee

Durch den größten Naturpark der Schweiz und drei Pässe an einem

Tag: Die abwechslungsreiche Wanderung führt vom Albulatal über

die Furschela da Tschitta durch eine wilde Berglandschaft an den Fuß

des majestätischen Piz Ela und wieder hinunter ins Surses.

↑1330 ↓1907 Hm |

8¾ Std.

normale Bergwanderausrüstung;

Stöcke empfehlenswert

aus Bergsteiger 7/2014

Talort: Bergün (1367 m)

Ausgangspunkt: Preda (1789 m)

Koordinaten/Ausgangspunkt:

Breite N 9.776618 ° Länge E 46.58880°

Öffentliche Verkehrsmittel: Rhät. Bahn und Postauto

Entfernung: 22,1 km

Gehzeiten: Aufstieg 5 Std.; Abstieg 3¾ Std.

Beste Jahreszeit: Sommer und Herbst

Karte: Karte 1:50 000, »Parc Ela«, ISBN 978-3-905706-69-7

Informationen: Info- und Buchungsstelle Parc Ela, Stradung,

CH-7460 Savognin, Tel. 00 41/(0)81/6 59 16 18, info@parcela.ch,

www.parc-ela.ch. Die Wanderung kann auch mit Gepäcktransport,

Übernachtung und Graubünden-Pass gebucht werden.

Hütte: Chamonas d’Ela, Tel. 00 41/(0)78/ 8 78 98 41,

www.sac-davos.ch

Einkehr: in Preda und Savognin sowie Anita’s Alpstübli Plang

Begls, Tel. 00 41/ (0)79/5 37 31 33

Charakter/Schwierigkeiten: Der Aufstieg durch das Val

Mulix ist einfach, verlangt aber für den steilen Anstieg zur Fuorcla

da Tschitta eine gute Kondition. Der Abstieg vom Pass digls

Orgels erfolgt auf steilem und kiesigem Untergrund.

TIPP

Bayerische Voralpen Breitenkopf und Zweipfennigberg (1347 m)

2

Im einsamen Waldrevier am Hohenwiesner Berg

Über Breitenkopf und Zweipfennigberg führt eine ausgesprochen stille und höchst selten

durchgeführte, aber dadurch umso spannendere Rundtour, die überwiegend im Wald verläuft.

Nur hin und wieder gibt es freie Ausblicke.

aus Bergsteiger 7/2014 – Seite 44

450 Hm | 3 Std.

normale Bergwanderausrüstung;

evtl. GPS-Gerät

Talort: Kreuth (772 m)

Ausgangspunkt: Feuerwehrhaus in Glashütte (893 m)

Koordinaten/Ausgangspunkt:

Breite N 47.611030° Länge E 011.620171°

Öffentliche Verkehrsmittel: Bayerische Oberlandbahn

(BOB) bis Tegernsee, dann Busverbindung ab

Bahnhof Tegernsee

Entfernung: 8,16 km

Gehzeiten: Aufstieg 1¼ Std.; Abstieg 1¾ Std.

Beste Jahreszeit: Frühsommer bis später Herbst

Karte: Kompass-Wander- und Radtourenkarte1:50 000,

Blatt 8 »Tegernsee–Schliersee–Wendelstein«

Informationen: Kuramt Kreuth, Tel. 00 49/(0)80 29/18 19,

www.kreuth.de

Einkehr: Gasthaus Glashütte in der Nähe des Ausgangspunktes

Charakter/Schwierigkeiten: Wer diese Waldwanderung

unternimmt, muss über eine hervorragende Orientierungsgabe

verfügen, damit er sich nicht verirrt. Der Routenabschnitt zwischen

dem Ende des letzten Forstweges und dem Gipfel ist sehr steil

und weglos. Dort ist Trittsicherheit notwendig. Ansonsten gibt es

keine technischen Schwierigkeiten.

Hinweis: für Kinder nicht geeignet

TIPP

Bayerische Voralpen Hoher Zwiesler (1376 m)

3

Über den Rauchenberg durchs Unterholz

Sehr weite Rundwanderung, die vor allem beim Aufstieg durch dichten Wald führt und kaum

freie Blicke gewährt. Landschaftlich sehr schön ist allerdings der lange Rückweg besonders im

Röhrmoostal und im Schronbachtal.

aus Bergsteiger 7/2014– Seite 44

610 Hm | 5½ Std.

normale Wanderausrüstung,

feste Schuhe, evtl. GPS-Gerät

Talort: Lenggries (679 m)

Ausgangspunkt: Sylvenstein-Kraftwerk (740 m)

Koordinaten/Ausgangspunkt:

Breite N 47.590384° Länge E 011.521736°

Öffentliche Verkehrsmittel: keine

Entfernung: 16,95 km

Gehzeiten: Aufstieg 2½ Std.; Abstieg 3Std.

Beste Jahreszeit: Frühsommer bis später Herbst

Karte: Kompass-Wanderkarte 1:50 000,

Blatt 182 »Isarwinkel–Bad Tölz–Lenggries«; Alpenvereinskarte

1:25 000, Blatt BY 12 »Karwendelgebirge Nord, Schafreiter«

Informationen: Gemeinde Lenggries, Rathausplatz 1,

D-83661 Lenggries, Tel. 00 49/(0)80 42/50 08-800,

www.lenggries.de

Einkehr: keine Möglichkeit

Charakter/Schwierigkeiten: Ein sicheres Gespür für die

beste Routenfi ndung ist unabdingbar. Verirrungsgefahr im dichten

Bergwald! Die Route ist nicht markiert und nicht beschildert.

Sie verläuft auf schmalen Jägersteigen oder auch weglos. Beim

Gipfelabstieg braucht man etwas Trittsicherheit und Schwindelfreiheit.

Ausdauer notwendig; sehr langer Straßenhatscher beim

Abstieg. Schwierige Orientierung!

Hinweis: für Kinder nicht geeignet


TIPP

Albula-Alpen Trans Parc Ela

TIPP

Aufstieg: Vom Bahnhof Preda zur Maiensässsiedlung

Naz und weiter ins Val Mulix. Kurz nach den Häusern sieht

man die Informationstafel zum Jagdbanngebiet Piz Ela.

Dieses wurde bereits 1886 gegründet und legt sich rund

um den Piz Ela. Sein ursprüngliches Ziel war die Anhebung

der Huftierbestände (Steinböcke, Gämse, Hirsche, Rehe),

heute profi tieren auch andere Tierarten wie Birkhühner

von den Schutzbestimmungen. Auf einem alten Alpweg

geht es weiter durch einen Arven- und Lärchenwald ins

Val Tschitta mit einer weiten und blumenreichen Berglandschaft.

Die nächsten 300 Höhenmeter überwinden eine

steile Halde entlang des Bachs. Bis zur Fuorcla da Tschitta

(2831 m) wird die Umgebung immer steiniger: Dolomit

wechselt sich mit dunklem Tonschiefer ab. Beim ersten

Pass Fuorcla da Tschitta öffnet sich ein grandioser Weitblick

auf die umliegende Bergwelt und den Bergsee Lai

Grond. Die schroffen Formen der Bergüner Bergstöcke

Piz Ela, Corn da Tinizong und Piz Mitgel prägen das Landschaftsbild.

Am Fuß des Dolomitmassivs des Piz Ela

führt der Wanderweg rund 300 Höhenmeter hinab, dann

am Lai Morts vorbei und wieder hoch auf den Pass d’Ela

Bayerische Voralpen Breitenkopf und Zweipfennigberg (1347 m)

Aufstieg: Beim Feuerwehrhäuschen in Glashütte beginnt

ein Fahrweg, der anfangs gering nach Südwesten

ansteigt, hinter den Wohnhäusern scharf rechts abdreht

und gegen Nordosten ansteigt. Vor dem wilden Imbhäuselgraben

schwenkt die Kiesstraße nach links und führt nach

Norden durch den Wald hinauf. Nach einem Links-Rechtsknick

in einen Steinbruch hinein und durch ihn nach Norden

hinauf. Hinter dem Steinbruch auf der Schotterstraße

links ab, ziemlich steil hinauf und wieder fl acher. Am Ende

des fl achen Wegstücks kurz vor der Rechtskurve des

Fahrwegs auf etwa 1150 m nach links auf alte Wegtrasse.

Auf ihr in geringer Steigung nach Südwesten weiter. Bei

der folgenden Verzweigung auf ca. 1190 m Höhe rechts

halten und sehr steil auf einer breiten Wegschneise durch

den Wald aufsteigen. In diesem Steilaufschwung dreht die

Wegtrasse links ab und verzweigt sich wieder. Dort schräg

links weiter. Nach einem kräftigen Rechts-Aufschwung

endet die alte Fahrspur und man geht nach rechts über einen

steilen, steinigen Mischwaldhang ohne Weg mühsam

hinauf. Dann über einen gestuften, breiten Waldrücken bis

zum Gipfel des Breitenkopfs hinauf.

(2724 m), den zweiten Pass. Auf dem Bergrücken geht es dann

über kleinere Felsblöcke zum dritten Pass, dem Pass digls Orgels

(2699 m) mit seinen außergewöhnlichen Gesteinsformationen.

Abstieg: Vom Pass digls Orgels einem Trampelpfad im Geröll

folgen (Stöcke empfehlenswert). Nach rund 80 Höhenmetern

wird der Wanderweg wieder fl acher und einfach begehbar. Vorbei

am Lai Tigiel geht es über Alpwiesen nach Plang Begls, wo auf der

Alp bei Anita im Alpstübli eine schöne Einkehr wartet. Von dort abwechselnd

auf Wanderwegen und Forststraße zum Dorf Savognin,

wo stündlich Postauto-Kurse nach Tiefencastel verkehren.

Wanderung in zwei Tagen: Für eine zweitägige Wanderung

empfi ehlt sich eine Übernachtung in der Chamonas d’Ela. Die

Hütte ist jedoch nur teilweise bewartet. Manuela Kistler

Abstieg: In der gleichen Richtung, also nach Westen in eine

feuchte Senke hinab, in der eine alte Fahrwegtrasse erreicht wird.

Auf ihr nun in geringem Auf und Ab dahin. Die kurvige Wegtrasse

wird immer deutlicher und führt auf der Höhe von 1247 m in einer

Linkskurve an den Zweipfennigberg heran (aus der Kurve rund

30 m). Beim weiteren Abstieg fi ndet sich links der Wegspur in der

Kuhle »Auf dem Nieder« ein kleiner Tümpel, anschließend steigt

der Weg ein paar Meter an. Noch bevor er rechts abdreht, nach

links auf eine anfangs schwer zu erkennende Wegspur abzweigen.

Sie wird bald ziemlich deutlich und führt fast eben am Waldhang

entlang, verbreitert sich und stößt nach einer Linkskurve auf eine

Forststraße. Man kann die letzte Kurve abkürzen, indem man

kurz vor einer Steigungsstrecke schräg links auf einen alten Weg

abbiegt, der ebenfalls zur Forststraße abfällt. Auf der Forststraße

links ab und dem kurvigen Straßenverlauf nach Osten hinunter

folgen. Hinter der Breitenkopf-Arbeiterhütte, die etwas oberhalb

der Straße links im Wald steht, steigt der Fahrweg wieder lange an,

bis er endlich wieder abfällt und beim Steinbruch zum Aufstiegsweg

stößt, dem man bis zum Ausgangspunkt folgt.

Siegfried Garnweidner

Zwischen Pass d’Ela und Pass digls Orgels

Kircherl am Ausgangspunkt Glashütte

Foto: Siegfried Garnweidner Foto: Lorenz A. Fischer

TIPP

Bayerische Voralpen Hoher Zwiesler (1376 m)

Aufstieg: Von der Fahrwegabzweigung am Eingang ins

Schronbachtal auf asphaltiertem Sträßchen neben der

Isar relativ steil nach Norden hinauf, bis es nach der Linkskehre

deutlich abfl acht. Dann lange fast eben durch den

Wald nach Süden, in kaum merklichem Rechtsbogen in

freie Bergwiesen und an der Schronbachalm-Diensthütte

vorbei. Im weiteren Verlauf wieder in den Wald hinein, nach

rechts auf eine alte, kaum erkennbare Schlepperspur abzweigen

(GPS-Gerät oder genaue Geländekenntnis!). Gegen

Norden ansteigen, ein wenig rechts halten und auf

alte Pfadspur. Unter dem Brünstkopf nach Norden ansteigend

am Waldhang entlang und ein wenig nach rechts.

Etwa 150 m hinter ein paar Bachgräben auf Höhe von

1020 m nach links auf Trittspur und gegen Westen zu einem

Fahrweg hinauf, der in der Nähe einer baufälligen

Hütte erreicht wird. Den Fahrweg queren und weglos in der

gleichen Richtung weiter. Erst unmittelbar unter dem Achselkopf

rechts ab und zu dem unscheinbaren, 1118 m hohen

Gipfel. Von ihm nach Nordosten dem breiten Rücken

folgen. Mal auf alter Schlepperspur, mal auf Wegspur,

doch meistens ohne Weg durchs Unterholz. Ein paar Mal

auf und ab, bis zum dicht bewaldeten Gipfel des Hohen Zwieslers.

Abstieg: Vom Gipfel in gleicher Richtung weiter und schon bald

ziemlich steil weglos hinab. Nach einer fl acheren Etappe zwischen

zwei Felsenriegeln durch geeigneten Durchschlupf im Steilhang.

Dort Vorsicht bei Nässe! Schließlich zu fl acherem Gelände

und links der Bergschulter zu Rückeweg. Auf ihm sehr lange hinab,

bei allen Verzweigungen auf dem Hauptweg bleiben, an der Rehsteighütte

vorbei und schließlich auf Höhe von etwa 1000 m auf

gute und breite Forststraße. Ihr nach links folgen, also gegen Süden

und in enge Rechtskehre. Dort abkürzen, indem man in der

Kehre nach links auf eine Schlepperspur abbiegt, den Bach quert

und dahinter weglos durch den Wald nach Westen absteigt. Nochmals

ein Bächlein queren und gleich darauf auf Schlepperspur.

Auf ihr nach rechts und ins Röhrmoostal hinunter. Im Tal der breiten

Forststraße nach links folgen, am alten Grenzstein der Gerichtsgrenze

vorbei und durchs Röhrmoos, bis man »Bei den Köpfen«

eine Verzweigung erreicht. Dort scharf links halten, in längerem

Gegenanstieg zur Verzweigung auf der Scheitelstrecke hinauf

und geradeaus weiter. Auf dem Fahrweg durch den Wildengraben,

bei der Verzweigung links ins Schronbachtal hinein und unter dem

Brünstkopf zur Aufstiegsroute. Siegfried Garnweidner

Wegtafeln beim Abstieg im Wildengraben

Foto: Siegfried Garnweidner


TIPP

Stubaier Alpen Allerleigrubenspitze (2131 m) – Koatnerberg (2199 m)

4

Auf dem Obernberger Seeblickweg

Nicht immer bedeutet die unmittelbare Nähe zum Tiroler Alpenhauptkamm zünftiges Bergsteigen

in Eis und Fels. Über dem Obernberger Tal herrschen zum Teil sanfte Bergformen vor, die sich am

Seeblickweg über die Allerleigrubenspitze in beschaulicher Weise auskosten lassen.

aus Bergsteiger 7/2014

860 Hm | 5 Std.

normale

Bergwanderausrüstung

Talort: Obernberg (1394 m)

Ausgangspunkt: Parkplatz beim Gasthaus Waldesruh

(1439 m) im Obernberger Talschluss (gebührenpfl ichtig)

Öffentliche Verkehrsmittel: Busverbindung vom

Bahnhof Steinach nach Obernberg (Endhaltestelle

Waldesruh)

Gehzeiten: Aufstieg bis Allerleigrubenspitze 2¼ Std.,

Übergang zum Sandjöchl 1¼ Std., Abstieg 1½ Std.

Beste Jahreszeit: Juni bis Oktober

Karten/Führer: Alpenvereinskarte 1:50 000, Blatt 31/3

»Brennerberge«, Kompass 1:50 000, Blatt 36 »Innsbruck –

Brenner«; Mark Zahel »Wanderbuch Tirol – Oberinntal«, Bergverlag

Rother, 2011

Fremdenverkehrsamt: Tourismusverband Wipptal, Brennerstraße

67, A-6150 Steinach, Tel. 00 43/(0)52 72/62 70,

Fax 00 43/(0)52 72/21 10

Hütten: Einkehrmöglichkeit im Alpengasthof Obernberger See

(1593 m)

Charakter/Schwierigkeiten: Meist kleine, gut beschilderte

Pfade in Matten- und Zwergstrauchgelände, für halbwegs

Trittsichere ohne nennenswerte Hindernisse. Normale Tagestour.

TIPP

Kitzbüheler Alpen Breiteggspitze (1868 m)

5

Höhenwanderung in der Wildschönau

Ein langer Bergkamm zieht sich vom Feldalphorn nach Süden bis zum Siedeljoch. Ein Teilabschnitt

dieses Kamms lässt sich mit wenig Mühe überschreiten. Trotz des relativ geringen Aufwands

ist diese beschauliche Höhenwanderung ausgesprochen schön und vor allem aussichtsreich.

aus Bergsteiger 7/2014

919 Hm | 4½ Std.

normale Wanderausrüstung,

feste Schuhe, Stöcke

Talort: Wildschönau (800 m)

Ausgangspunkt: Wildschönau, Schönangeralm

(1173 m)

Koordinaten/Ausgangspunkt:

Breite N 47.362103° Länge E 012.057130°

Öffentliche Verkehrsmittel: Busverbindung

Entfernung: 10,51 km

Gehzeiten: Aufstieg 2 Std.; Abstieg 2½ Std.

Beste Jahreszeit: Sommer und Herbst (bis zum ersten

ergiebigen Schneefall)

Karte: Kompass-Wanderkarte1:50 000, Blatt 28 »Vorderes

Zillertal, Alpbach, Rofan, Wildschönau«

Informationen: Wildschönau Tourismus, Hauserweg,

Oberau 337, A-6311 Wildschönau, Tel. 00 43/(0)53 39/82 55,

www.wildschoenau.com

Einkehr: keine Möglichkeit

Schwierigkeiten: leichte Wanderung ohne Schwierigkeiten;

Hinweis: geeignet für Kinder ab 12 Jahren.

TIPP

Ammergauer Alpen Daniel (2340 m) und Upsspitze (2332 m)

6

Die höchsten Gipfel der Ammergauer Alpen

Der Daniel zählt zu den Wanderklassikern im Außerfern, nicht zuletzt aufgrund der Perspektive auf

das Zugspitz-Massiv. Der übliche Zugang von Süden besitzt den Vorzug einer langen Saison, wobei

die Kombination mit der Upsspitze ein Plus an Abwechslung bietet. Lauschig ist’s auf der Tuftlalm.

aus Bergsteiger 7/2014

1360 Hm | 6½ Std.

normale

Bergwanderausrüstung

Talort: Lermoos (994 m)

Ausgangspunkt: direkt in Lermoos

Öffentliche Verkehrsmittel: Lermoos ist Haltepunkt

der Außerfernbahn von Garmisch über Reutte nach

Kempten.

Gehzeiten: Aufstieg 3¾ Std., Abstieg 2¾ Std.

Beste Jahreszeit: Mitte Juni bis Ende Oktober

Karten: Alpenvereinskarte 1:25 000, Blatt 4/1 »Wetterstein-

und Mieminger Gebirge West«; Mark Zahel

»Tourenführer Wetterstein und Ammergauer Alpen«, Bruckmann

Verlag, 2007

Fremdenverkehrsamt: Tiroler Zugspitzarena, Tourismusbüro

Lermoos, Unterdorf 15, A-6631 Lermoos, Tel. 00 43/(0)56 73/

2 00 00-3 00, Fax 00 43/(0)56 73/2 00 00-3 10

Hütten: Einkehrmöglichkeit in der Tuftlalm (1496 m)

Charakter/Schwierigkeiten: Überwiegend wenig schwierige,

gut bezeichnete Steige, in den Gipfelschrofen etwas Trittsicherheit

erforderlich. Sonst vor allem Ausdauer vonnöten, speziell bei warmer

Witterung (Südseite!).


TIPP

Stubaier Alpen Allerleigrubenspitze (2131 m) – Koatnerberg (2199 m)

Route: Sowohl vom großen Parkplatz als auch vom

Obernberger Ortsteil Eben erhält man Zugang zum »Jubiläumsweg«,

der als Forststraße am nordseitigen Berghang

beginnt. Man achtet dabei nun stets auf die Beschilderung

»Seeblickweg«, die sich an mehreren Gabelungen

immer gut nachvollziehen lässt. Ab Koathütte (1790 m)

tritt man auf einen Steig über und damit vorübergehend

in einen dichteren Waldgürtel ein. Nochmals kurz eine

Almstraße tangierend, folgen wir oberhalb dem breiten,

stumpfen Kammrücken auf die wenig ausgeprägte Allerleigrubenspitze

(2131 m). Das auf einem Felsen gesetzte »Gipfelkreuz«

erreichen wir dabei erst nach einem mehr oder weniger

horizontalen Stück bis in Nähe jener Stelle, die in der Karte als

Hirschgrube bezeichnet wird. Durch die Senke weiter gen Süden,

wird anschließend bis zum etwas höheren Koatnerberg (2199 m)

angestiegen. Nach kurzem Bergab zum Sattele (2107 m) gabelt

sich die Route. Hier rechts haltend Richtung Sandjöchl (2165 m),

das aber nicht unbedingt betreten zu werden braucht (wer einen

Blick auf die Südtiroler Seite werfen möchte, tut es trotzdem).

Auf Weg Nr. 97 den Abstieg einleitend, wandern wir durch ein

sanftes Hochtal in reizvoller Wald- und Wiesenlandschaft bis

zur Einmündung in eine Forststraße, die uns zum buchtenreichen

Obernberger See (1590 m) bringt. Rechts daran vorbei

kommt man zum gleichnamigen Gasthaus, biegt hier nach

rechts auf den Wiesenweg ab und schließt damit den Kreis

Richtung Parkplatz.

Mark Zahel

TIPP

Kitzbüheler Alpen Breiteggspitze (1868 m)

Aufstieg: Von der Wirtschaft Schönangeralm erst

einmal zur Schaukäserei hinauf und nach rechts neben

dem Bach zum Waldrand, wo man links abbiegt und hinter

einem kurzen Waldabschnitt auf einen Wiesenhang

kommt. Über ihn nach Nordosten und allmählich wieder

in den Wald hinein. Der Weg knickt rechts ab, man steigt

nun nach Süden auf, verlässt den Wald und erreicht

hinter einem Bachgraben die Breiteggalm. Hinter der

Almhütte quert man einen Fahrweg, geht zum Waldrand

hinauf, dann im Wald und später wieder auf freien Hängen

zum Breiteggalm-Hochleger.

Nach dem Hochleger muss man eine nasse Wiese

queren, anschließend wird es etwas steiler, bis der Weg

rechts abdreht und zum markanten Gipfel der Breiteggspitze

ansteigt.

Abstieg: Vom Gipfel geht man in der gleichen Richtung

nach Süden weiter und über den langen Rücken gemütlich

abwärts. Allerdings geht es auf der Route bisweilen

sehr nass und morastig zu, bis man schließlich ins

Krummholz und später in einen schönen Lärchenwald

hineinkommt.

Der deutliche Bergpfad führt am Hengstkogel westlich vorbei

und dreht kurz vor dem Siedeljoch rechts ab. Dort verzweigt er

sich. Wir biegen rechts ab und gehen nach Westen weiter, bis

schon bald ein Güterweg erreicht ist. Auf ihm steigen wir bis zum

Ausgangspunkt ab.

Siegfried Garnweidner

Ein markantes Gipfelkreuz

ziert die Breiteggspitze

Nord

Foto: Siegfried Garnweidner Panorama: www.peakfinder.org

TIPP

Ammergauer Alpen Daniel (2340 m) und Upsspitze (2332 m)

Aufstieg: In Lermoos durch die Eisenbahnunterführung,

anschließend am Steilhang des Kohlbergs zuerst über

Wiesen, später durch Wald zur malerischen Tuftlalm (1496

m) hinauf. An der kleinen Kapelle vorbei über einen Bergrücken

weiter, wobei der lichte Wald nach einiger Zeit von

der Latschenzone abgelöst wird. Schließlich in die freie

Südfl anke des Massivs, wo es knapp links der gegen das

Kärle abbrechenden Kante weiter bergauf geht. Der Schrofensteig

gewinnt annähernd die Grathöhe unweit der Upsspitze und biegt

dort nach rechts zum Gipfel des Daniel (2340 m) ab.

Abstieg: Auf bzw. knapp neben dem Verbindungsgrat hinüber

zur Upsspitze (2332 m), die nachfolgend überschritten wird. Bei

der nächsten (etwas undeutlichen) Abzweigung wendet man sich

jedoch bereits vom Grat ab und steigt über splittriges Geschröf

auf die Südseite hinunter. Der steile Pfad steuert den Grünen

Ups (1852 m) an, wo der Querweg Tuftlalm – Bichlbacher

Alm vorbeizieht. Bei dem von einem Almkreuz geschmückten

Grassattel hält man sich links und steigt südostwärts mit einer

zwischenzeitlichen Doppelschleife schräg zur Tuftlalm ab. Von

dort zurück nach Lermoos.

Mark Zahel

Süd

Panorama: www.peakfinder.org


TIPP

Ötztaler Alpen Äußerer Hahlkogel (2655 m)

7

Logenplatz im mittleren Ötztal

Von der absoluten Höhe für Ötztaler Verhältnisse eher zweitrangig, macht die zum Längenfelder

Becken vorgeschobene Lage die beiden Hahlkögel zu auffälligen Kulissenbergen. Der Äußere kann

auf einer markierten Steiganlage erklommen werden.

aus Bergsteiger 7/2014

1470 Hm | 7¾ Std.

normale

Bergwanderausrüstung

Talort: Huben (1189 m) im Ötztal

Ausgangspunkt: Parkplätze beim Sportplatz oder beim

Funpark in Huben

Öffentliche Verkehrsmittel: Buslinie von Imst ins

Ötztal

Gehzeiten: Aufstieg 4¾ Std., Abstieg 3 Std.

Beste Jahreszeit: Ende Juni bis Ende September

Karten/Führer: Alpenvereinskarte 1:25 000,

Blatt 30/5 »Ötztaler Alpen – Geigenkamm«;

Mark Zahel »Wanderbuch Tirol – Oberinntal«,

Bergverlag Rother, 2011

Fremdenverkehrsamt: Ötztal Tourismus, Unterlängenfeld 81,

A-6444 Längenfeld, Tel. 00 43/(0)5 72 00-3 00, Fax 00 43/

(0)5 72 00-3 01

Hütten: Hahlkogelhaus (2042 m), privat, Mitte Juni bis Ende

September, Tel. 00 43/(0)6 64/1 13 07 54 oder 00 43/

(0)52 53/58 97

Charakter/Schwierigkeiten: Streckenweise steilere Steige,

abschnittsweise im Aufstieg zur Hütte sowie im schrofi gen

Gipfelbereich Trittsicherheit erforderlich, Abstiegsvariante etwas

leichter. Im Rahmen einer Tagestour gute Kondition angezeigt.

TIPP

Kaisergebirge Schnappen (1546 m)

8

Im Kaiserwinkl

Die Panoramablicke zum Wilden Kaiser machen hauptsächlich den Reiz dieser beliebten

Wanderung aus. Dem weit verzweigten Straßennetz kann man auf den beschilderten und

markierten Wanderwegen meistens gut entkommen.

aus Bergsteiger 7/2014

1110 Hm | 5 Std.

normale Wanderausrüstung ,

feste Schuhe, evtl. Stöcke

Talort: Schwendt (650 m)

Ausgangspunkt: Wiesenweg in Schwendt (659 m)

Koordinaten/Ausgangspunkt:

Breite N 47.604339° Länge E 012.385883°

Öffentliche Verkehrsmittel: Busverbindung ab St.

Johann bis Hohenkendl

Entfernung: 13,94 km

Gehzeiten: Aufstieg 2¾ Std.; Abstieg 2¼ Std.

Beste Jahreszeit: Ende Mai bis zum späten Herbst;

bei geringer Schneelage auch im Winter möglich

Karte: Kompass-Wanderkarte1:50 000, Blatt 9 »Kaisergebirge«

Informationen: Tourismusverband Kaiserwinkl, Postweg 6,

A-6345 Kössen, Tel. 00 43/(0)5 91/1 00, www.koessen.at

Einkehr: Einkehr in der Schnappenalm während der Almzeit

möglich

Schwierigkeiten: leichte Bergwanderung ohne Schwierigkeiten

Hinweis: für Kinder ab 10 Jahren

TIPP

Karwendelgebirge Gamskarspitze (2601 m)

9

Wenig besuchtes Ziel über dem Halleranger

Zu den Modebergen des Karwendels zählte die Gamskarspitze noch

nie: zu unwegsam, zu spärlich die Routenvorgabe. Dabei sind die

Anforderungen gar nicht mal so hoch gesteckt und die Perspektive

ins abgelegene Roßloch sollte allemal die Neugier beflügeln.

1400 Hm | 7¼ Std.

normale Wanderausrüstung;

evtl. Bike und Material für

Hüttennächtigung

aus Bergsteiger 7/2014

Talort: Scharnitz (964 m)

Ausgangspunkt: Gebührenpfl ichtige Parkplätze am

Eingang in die Karwendeltäler. Von Scharnitz aus Taxi-

Shuttle bis zum Kasten (1220 m) empfohlen, Infos unter

Tel. 00 43/(0)52 13/53 63 bzw. 55 41

Öffentliche Verkehrsmittel: Scharnitz liegt an der

Bahnstrecke München – Innsbruck

Gehzeiten: Zum Halleranger 1¾ Std. ab Kasten (zu Fuß + 3 Std.

von Scharnitz!), Gipfel 2½ Std., Rückweg zum Kasten 3 Std.

Beste Jahreszeit: Ende Juni bis Mitte Oktober

Karten/Führer: AV 1:25 000, Blatt 5/2 »Karwendelgeb. Mitte«;

Zahel »Alpine Bergtouren Wetterstein/Karwendel«, Bruckmann

Information: Tourismusbüro, Innsbrucker Str. 282,

A-6108 Scharnitz, Tel. 00 43/(0)5 08 80 40

Hütten: Hallerangerhaus (1768 m), DAV, Tel. 00 43/

(0)6 64/8 93 75 83; Hallerangeralm, privat, Tel. 00 43/

(0)6 64/1 05 59 55

Charakter/Schwierigkeiten: Tendenziell weglose Route

mit spärlichen Markierungen und Steigspuren, am brüchigen

Schlussgrat Stellen I. Trittsicherheit und Orientierungsvermögen

notwendig. Am besten mit Hüttenübernachtung.


TIPP

Ötztaler Alpen Äußerer Hahlkogel (2655 m)

TIPP

Aufstieg: Vom Sportplatz in Huben beginnt die Tour auf

dem Feuersteinweg, der bald auf einen Weg mit vielen

unterhaltsamen Sprüchetafeln verlassen wird. In steilem,

allmählich aufl ockerndem Wald gewinnt man zügig an

Höhe. Ab und zu sind Stufen und sogar einige Fixseile

installiert. Über die teils verfallenen Stadel von Hinterstallen

gelangt man auf das freie, ausgedehnte Plateau der Ebenalm,

orientiert sich hier nach rechts, passiert ein hübsches

kleines Hüttchen und trifft kurz darauf beim Hahlkogelhaus

(2042 m) ein.

Von dort südwärts in geringer Steigung über mitunter sumpfi

ge Hochböden und bei zwei Verzweigungen jeweils rechts

haltend aufwärts. Ein möglicher Abstecher zum Wartkogelsee

dauert nur etwa 15 Minuten. In der grasigen, später

auch felsig durchsetzten Südostfl anke nimmt die Neigung

allmählich zu. Wir peilen die Scharte zwischen beiden

Gipfeln an und wenden uns dort rechts. Während der Innere

Hahlkogel nämlich augenscheinlich schwieriger zu ersteigen

ist, führt beim Äußeren Hahlkogel (2655 m) ein Schrofensteig

bis zum höchsten Punkt. Einen großartigen Blick ins

1500 Meter tiefer gelegene Ötztal genießt man hier!

Kaisergebirge Schnappen (1546 m)

Aufsteig: Auf einem asphaltierten Fahrweg erst einmal

zum Putzenhof hinauf. Dann in einem Bogen zur Wasserfassung

am Waldrand, dort rechts haltend ziemlich steil

zu einem Weidezaun hinauf, bis es hinter einem Gatter

zu einer Fahrrampe weitergeht. Anschließen stößt man

auf ein Sträßchen. Es steigt nach links Richtung Putzenalm

und führt zu einem Bachgraben. Dort links auf dem

Hauptweg bleiben. Hinter der Putzenalm nach einem

Rechtsbogen in eine Linkskehre der Straße und dort

nach rechts einen Pfad abbiegen. Auf einer Kuppe am

Waldrand zweigt nach links der Weg zur Stegeralm ab.

Wir gehen geradeaus weiter, halten uns nach kurzem

Abstieg bei der folgenden Verzweigung rechts und erreichen

eine gefasste Quelle. Bei ihr in der gleichen Richtung

weiter und einer Fahrspur rechts herum ziemlich

steil hinauf folgen. Man verlässt den Wald und das Gelände

wird spürbar fl acher. Anschließend geht man

durch eine feuchte Mulde geradeaus weiter. Man kann

auch rechts davon einem Fahrweg zur Verzweigung kurz

vor der Stubenalm folgen. Beim Wegweiser hält man

sich links, Richtung Schnappenalm.

Abstieg: Das Bergab verläuft bis zum Hahlkogelhaus auf

der gleichen Route. Dort schwenken wir Richtung Nordwesten,

durchstreifen in längerer Abwärtstraverse dichte Alpenrosenhänge

(besonders im Frühsommer ein Augenschmaus!) und gelangen

mit einigen Kehren zu einer Alm- und Forststraße hinunter. Dieser

könnte man jetzt talwärts folgen, doch ist es meist vorteilhafter,

auf dem engeren Zickzackweg abzukürzen. Dabei kreuzt man

durch dichten Wald noch ein paarmal die breite Trasse und kommt

schließlich beim Funpark im Westen von Huben heraus. Gut 10 Min.

sind es von dort bis zum Sportplatz.

Mark Zahel

Vom Gipfel bietet sich ein einmaliger

Blick hinunter ins Ötztal

Etwa 100 m weiter zweigt auf der linken Seite ein bezeichneter

Bergweg ab und weitet sich zu einer Fahrspur, die sich über einen

freien, mäßig steilen Hang aufschwingt. Wieder stößt man

auf ein Sträßchen. Man geht auf ihm nach links zur Schnappenalm

und erreicht dahinter einen schwer zu fi ndenden Bergpfad,

der ein paar Straßenkehren abkürzt. Unmittelbar vor der

Oberen Schnappenalm vereinen sich die Routenvarianten wieder.

Anschließend folgt man einem Bergpfad, der am Rastplatz

beim Kreuz vorbeiführt und steigt unter dem unscheinbaren

Schnappengipfel nach rechts ca. 20 Höhenmeter ohne Weg

zum höchsten Punkt auf.

Abstieg: Vom Gipfel geht man auf schwer erkennbarer Wegspur

nach Norden über den Gipfelkamm und erreicht im weiteren

Verlauf wieder einen deutlichen Bergweg. Dieser führt zum

Schnappenstein mit seinem aussichtsreichen Rastplatz hinunter.Von

diesem schönen Fleckerl geht man zunächst auf der

Aufstiegsspur zurück, geht bei der Wegverzweigung ein wenig

rechts und stößt zur Aufstiegsroute unter dem Schnappen, der

man zur Stubenalm hinunter folgt. Von dort kann man, auf der

Straße bleibend, in vielen Kehren über die Wiesenalm ins Kohlental

absteigen.

Siegfried Garnweidner

Die Schnappenalm mit Blick zum Wilden Kaiser

Foto: Siegfried Garnweidner Foto: © Ötztal Tourismus/Ernst Lorenzi

TIPP

Karwendelgebirge Gamskarspitze (2601 m)

Hüttenzustieg: Den langen Weg von Scharnitz durchs

Hinterautal legt man entweder mit dem Taxi zurück oder

bedient sich eines Bergradls. Der motorisierte Zubringer

setzt seine Gäste am Kasten (1220 m) ab; mit dem Bike

kann man hingegen bis zur Hütte hinaufstrampeln. Wer die

ganze Strecke per pedes absolvieren möchte, muss indes

mit fast fünf Stunden reiner Gehzeit rechnen. Man kommt

im Hinterautal via Schönwieshof, Gleirschhöhe und Jagdhaus

Hubertus voran, passiert den Isar-Ursprung und

wendet sich beim Kasten nach rechts, um anschließend

die Steigung zum Lafatscher Niederleger (1577 m) und

das fi nale Stück zum Hallerangerhaus (1768 m) zu bewältigen.

Alternativ kann man auch die nahe Hallerangeralm

als Basislager wählen.

Gipfelaufstieg: Von dort folgt man ganz kurz dem markierten

Weg zum Überschalljoch, zweigt am besten schon

bei einem Brunnentrog scharf links ab und gelangt durch

einen Latschenschlag auf die freien Gras- und Schrofenhänge

oberhalb. Man hält auf einen seichten Geländerücken

zu, lässt sich von Steinmännchen und blassen roten

Punkten mehr nach rechts lotsen und gewinnt den Hauptgrat

zwischen den Hallerangerspitzen und der Gamskarspitze.

Nach rechts entlang der Schneide, an zerklüfteten Stellen auch

mal wenige Meter südlich ausweichend, mit einiger Kletterei über

den Vorgipfel (P. 2513) hinweg zum Gipfel. Die Fortsetzung Richtung

Brantlspitze ist merklich schwieriger.

Abstieg: Das Bergab erfolgt auf der gleichen Route.

Mark Zahel

Die Gamskarspitze (hinten) vom

Aufstieg zur Speckkarspitze

Foto: Siegfried Garnweidner


TIPP

Berchtesgadener Alpen Hocheisspitze (2521 m)

10

Abgelegener, widerspenstiger Brocken im Berchtesgadener Land

Als Skitour besitzt die Hocheisspitze einen guten Ruf, im Sommer offenbart sie hingegen ziemlich

beschwerliches Kargelände. Wer sich für ein bisschen Schinderei nicht zu schade ist, wird hier freilich

Eindrücke nach Hause tragen, wie man sie auf vielen Modetouren nur noch selten finden kann.

aus Bergsteiger 7/2014

1470 Hm | 6½ Std.

normale

Bergwanderausrüstung

Talort: Ramsau (670 m) bei Berchtesgaden

Ausgangspunkt: Haltestelle Bindalm (1056 m) des

Hirschbichl-Wanderbusses (erste Fahrt ab 8.15 Uhr);

Straße für Individualverkehr ab Hintersee gesperrt

Öffentliche Verkehrsmittel: Linienbusverbindung

von Berchtesgaden bis Hintersee, ab dort verkehrt in der

Saison ein spezieller Wanderbus Richtung Hirschbichl

Gehzeiten: Aufstieg 4 Std., Abstieg 2½ Std.

Beste Jahreszeit: Juli bis Anfang Oktober

Karten/Führer: Alpenvereinskarte 1:25 000, Blatt BY20

»Lattengebirge – Reiteralm« oder BY21 »Nationalpark Berchtesgaden«;

Mark Zahel »Tourenführer Berchtesgadener Alpen«,

Bruckmann Verlag, 2009

Fremdenverkehrsamt: Tourist-Information, Im Tal 2,

83486 Ramsau, Tel. 00 49/(0)86 57/98 89 20,

Fax 00 49/(0)86 57/7 72

Hütten: Keine am Weg, evtl. Bergheim Hirschbichl (1153 m),

privat, Mai bis Mitte Oktober, Tel. 00 43/(0)65 82/83 47

Charakter/Schwierigkeiten: Technisch nicht besonders

schwierige, aber wegen des widerspenstigen Gerölls im oberen

Teil sehr mühsame, weglose Bergtour mit kurzen Stellen I.

Kaum noch als Wandergelände anzusprechen und nur für erfahrene

Berggeher mit gediegener Trittsicherheit und Durchhaltevermögen

geeignet.

TIPP

Allgäuer Alpen Mitterberg – Gündlesscharte

11

Über sechs Gipfel der Nagelfluhkette

Diese Überschreitung gehört zu den Klassikern in den Allgäuer Alpen:

jede Menge Aussicht, viel Abwechslung am Gratweg und ein paar gesicherte

Passagen. Das gilt auch für eine Teilbegehung bis in die Gündlesscharte,

die sich bestens mit Bahn, Lift und Bus realisieren lässt.

↑ 660/↓ 1170 Hm |

7 Std.

normale Bergwanderausrüstung,

evtl. Stöcke

aus Bergsteiger 7/2014 – Seite 80

Talort: Immenstadt (728 m) im Allgäu

Ausgangspunkt: Bergstation der Sessellifte Immenstadt

– Mittagberg (1420 m)

Endpunkt: Gunzesrieder Säge (936 m)

Öffentliche Verkehrsmittel: Immenstadt und Sonthofen

sind Stationen an der Bahnlinie Kempten – Oberstdorf.

Bus bzw. Anruf-Sammeltaxi (AST-Zentr. Tel. 0 83 21/40 40)

von der Gunzesrieder Säge nach Sonthofen

Gehzeiten: Gratüberschreitung 5 Std., Abstieg 2 Std.

Beste Jahreszeit: Mitte Juni bis Mitte Oktober

Karte/Führer: Kompass 1:50 000, Blatt 3 »Allgäuer Alpen

Kleinwalsertal«. Eugen E. Hüsler »Maximiliansweg«, Bruckmann

Verlag, München

Fremdenverkehrsamt: Tourist-Info Sonthofen, Rathausplatz 1,

87527 Sonthofen, Tel. 0 83 21/6 15-2 91, www.sonthofen.de

Hütte: keine Einkehr unterwegs

Charakter/Schwierigkeiten: Technisch mäßig schwierige

Gratüberschreitung, die aber aufgrund ihrer Länge und einiger felsiger

Passagen (Drahtseile, eine Leiter) nicht unterschätzt werden

darf. Bei Nässe nicht ratsam – viel Steilgras! Markierte Zwischenabstiege

ins Gunzesrieder Tal (Wetterumschwung, Gewitter).

TIPP

Dolomiten Klettersteig Boèseekofel (2916 m)

12

Genussroute über dem Vallon-Kessel

Der Boèseekofel zeigt sich vom Hochabtei aus als mächtige Schräge, die westseitig über schroffe

Wände fast senkrecht ins Mittagstal (Val de Mesdì) abfällt. Steil, aber weit weniger hoch ist sein

Südabbruch. Durch diese Flanke verläuft ein rassiger, allerdings eher kurzer Klettersteig.

aus Bergsteiger 7/2014

↑ 420/↓ 740 Hm |

4 Std.

K3–4; komplette Klettersteigausrüstung,

Helm

Talort: Corvara (1555 m), Touristenort im Hochabtei

Ausgangspunkt: Bergstation des Vallon-Sessellifts

(2518 m), Anfahrt von Corvara mit der Boè-Gondelbahn

zur Umsteigestation Crep de Munt (2198 m)

Öffentliche Verkehrsmittel: Gute Busverbindungen

aus dem Pustertal und dem Grödner Tal nach Corvara

Gehzeiten: Zustieg 15 Min., Klettersteig 2 Std., Abstieg

1¾ Std.

Beste Jahreszeit: Mitte Juni bis Mitte Oktober

Karte/Führer: Tabacco 1:25 000, Blatt 07 »Alta Badia –

Arabba – Marmolada«. Eugen E. Hüsler/Manfred Kostner

»Top-Klettersteige Dolomiten«, Bruckmann Verlag, München

Fremdenverkehrsamt: Alta Badia Tourismus, I-39033

Corvara, Col-Alt-Straße 36, Tel. 00 39/04 71/83 61 76,

www.altabadia.org

Hütte: Franz-Kostner-Hütte (2536 m), Mitte Juni bis Anfang

Oktober, Tel. 3 38/8 75 98 38

Charakter/Schwierigkeiten: Ziemlich anspruchsvoller

Klettersteig mit einigen schwierigen Einzelstellen. Er wurde erst

jüngst total saniert. Spektakulär die beiden Leitern im obersten

Abschnitt samt leicht überhängendem (aber üppig gesichertem)

Ausstieg. Auch am Abstieg noch einige Sicherungen.


TIPP

Berchtesgadener Alpen Hocheisspitze (2523 m)

Aufstieg: Von der Bindalm zunächst auf breitem

Wirtschaftsweg in Richtung Mittereisalm aufwärts. Wer

indes vom Hirschbichl kommt, kann ein Stück abkürzen,

indem die Fahrstraße bei einem Bachgraben nach rechts

verlassen und steil zum Hauptweg aufgestiegen wird.

Wenige Schritte vor der großen Lichtung der Mittereisalm

(1325 m) zweigt links ein guter, aber nicht markierter

Jagdsteig ab. Er führt zur Hocheis-Jagdhütte. Dort dem

rechten Steig folgend weiterhin recht bequem durch lichte Lärchen-

und Latschenbestände Richtung Hintereiskar hinauf. Bald

über steindurchsetzte Rasenpolster zu einer Karschwelle, hinter

der linker Hand eine Geröllspur zu einem letzten begrünten Hang

hinüberleitet. Anschließend geht’s endgültig ins beschwerliche

Schuttterrain, den Gipfel hoch oben als Talabschluss im Visier.

Man hält sich an Steigspuren, die sich einem felsdurchsetzten

Riegel nähern. Auch wenn dieser schwieriger aussieht als der

Steilschutt links davon, sollte man den Vorteil der gegliederten

Schrofen nutzen. Nach Augenmaß aufwärts lavierend (ab und

zu steht ein Steinmandl) und oberhalb erneut in unerquickliches

Geröll. Steil bis in die Gratscharte rechts vom Gipfel

der Hocheisspitze (2523 m), der über leichte Felsen in Kürze

gewonnen ist.

Abstieg: Auf der gleichen Route.

Mark Zahel

Süd

TIPP

Panorama: www.peakfinder.org

Allgäuer Alpen Mitterberg – Gündlesscharte

Kammüberschreitung: Von der Liftstation auf einer

Sandstraße fast eben zum Grat, dann ansteigend zu dem

kleinen Sattel im Rücken des Bärenkopfs. Dahinter am

Kamm entlang abwärts zur Rutwiese, mit dem Steineberg

(1683 m) im Vorblick. Der Weg steigt am Grat an, biegt

dann nach links um und nähert sich den Gipfelfelsen. Eine

etwa zwölf Meter hohe Leiter vermittelt den luftig-direkten

Zustieg zum großen Kreuz, eine markierte Wegspur umgeht

die Felsstufe rechts.

Der Höhenweg folgt weiter dem Kamm, teilweise etwas

ausgesetzt und kurz auch gesichert. Hinter einem namenlosen

Buckel (1669 m) zweigt rechts der Weg zur

Gundalm (1502 m) ab, kurz danach ist links ein Abstieg

ins Gunzesrieder Tal signalisiert. Am Grat geht’s recht alpin

weiter, einige Passagen sind ziemlich ausgesetzt. Zuletzt

steigt man mit Hilfe solider Drahtseile hinauf zum markanten

Gipfel des Stuiben (1749 m), der ein herrliches

Panorama bietet.

Nun kurz abwärts, dann wahlweise um den Sedererstuiben

(1737 m) herum bzw. über ihn drüber. Dahinter verliert

der Kammweg zunächst etwa 150 Höhenmeter, dann

läuft er an der Abbruchkante der Oberen Sedererwände entlang.

Kurz sehr steil bergan und über den grasigen Rücken auf den

Buralpkopf (1772 m), der den höchsten Punkt des Tages markiert.

Mit leichtem Höhenverlust hinüber zum Gündleskopf (1748

m), dann steil und etwas heikel (Stöcke angenehm) hinunter in

die Gündlesscharte (1542 m).

Abstieg: Aus der Scharte vor dem Rindalphorn steigt man auf

markiertem Weg südseitig zur Rindalpe ab und folgt dann dem

steilen Fahrweg, der unter den Felsen der Roten Wand zur Aualpe

(1052 m) hinableitet. Abschließend auf Asphalt talauswärts zur

Gunzesrieder Säge.

Eugen E. Hüsler

Blick vom Gündleskopf zum Rindalphorn

Foto: Siegfried Garnweidner

TIPP

Dolomiten Klettersteig Boèseekofel (2916 m)

Zustieg: Von der Liftstation führt eine ausgetretene Spur

sanft abwärts zu einer Wegteilung (Tafeln). Hier hält man

sich links und steigt über Geröll (Spur) an zum Einstieg

(2570 m).

Boèseekofel-Klettersteig: Er befi ndet sich links des

bauchigen Wandvorbaus. Die Drahtseile leiten durch die

tiefe Felsrinne aufwärts; nach etwa zwanzig Metern ist eine

fast senkrechte, trittarme Felsstufe zu meistern. Anschließend

wechseln leichte Passagen mit kurzen, steilen Aufschwüngen.

Sind hier mehrere Partien unterwegs, besteht

erhebliche Steinschlaggefahr. Einen engen Spalt quert

man nach rechts, dann geht’s über eine glatte Platte am

Fixseil schräg aufwärts zu einem schönen Rastplatz (2650

m). Oberhalb des Vorbaus kommt man kurz in leichteres

Gelände, anschließend leiten die Drahtseile über einen

fast senkrechten Aufschwung. Man entsteigt ihm nach

links luftig auf ein felsiges Eck, folgt dann den Sicherungen

über gestufte Felsen auf den abgerundeten Rücken,

über dem die letzte Wandstufe ansetzt. Zwei Eisenleitern

entschärfen die Zwanzig-Meter-Vertikale; extrem luftig ist

dabei der leicht überhängende, aber bestens gesicherte

Ausstieg (2720 m). Hier kann man aufatmen: geschafft! Es folgen

zwar noch einige mit Drahtseilen gesicherte Passagen (Bänder),

allesamt harmlos, dann lehnt sich der Berg zurück. Eine deutliche

Spur leitet über Schrofen auf das fl ache Gipfeldach und zum

höchsten Punkt mit dem großen Eisenkreuz.

Abstieg: Eine markierte Spur (Vorsicht bei Nebel!) läuft an dem

breiten, geröllbedeckten Ostrücken des Boèseekofels abwärts zu

einem fast zehn Meter hohen, senkrechten Abbruch. Auf Trittbügeln

steigt man ab zu einer Verzweigung: scharf rechts (Hinweis »Franz-

Kostner-Hütte«) zurück zur Liftstation Vallon oder geradeaus, vorbei

an einer weiteren Weggabelung, Richtung Crep de Munt. Einige

kurze Passagen sind gesichert (Leiter, Drahtseile). An einer kleinen

Scharte öffnet sich ganz überraschend ein hübscher Tiefblick auf

den Boèsee. Danach leiten die Markierungen über gestufte Felsen

links abwärts. Unter den Felsen eines namenlosen Gratbuckels

wandert man schließlich zurück zur Seilbahnstation Crep de Munt

(2198 m). Eugen E. Hüsler

Am Boèseekofel-Klettersteig

Foto: Manfred Kostner


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AUF TOUR

SERIE: Hüttenzauber

TEIL 14: Das Schiestlhaus

HÜTTENZAUBER

Am Plateau unter dem Hochschwab

Soul Kitchen

im Schutzhaus

Das Rezept für den Erfolg des Schiestlhauses ist etwas anders,

als man es von alpinen Schutzhütten kennt: ein ökologisches

Pilotprojekt mit exotischer Spitzenküche, garniert mit Reggae-

Rhythmen und Jamsessions. Von Dagmar Steigenberger

64 Bergsteiger 07⁄14


Vom Massiv des Hochschwab

hat man fast die gesamte

Steiermark im Blick – und das

Schiestlhaus.

KOMPAKT

Hütteneinmaleins

Lage: Das Schiestlhaus gehört zu den Schutzhütten

des Österreichischen Touristenklubs

(ÖTK) und liegt auf 2156 Meter Höhe gut

100 Meter unter dem Gipfel des Hochschwab

(2277 m) in einem Joch am Hochplateau.

Zugänge: Am beliebtesten sind der Aufstieg

vom südlich gelegenen Gasthof Bodenbauer

(884 m; 4 Std.) und der Aufstieg von Seewiesen

(974 m) über die Voisthaler Hütte von

Osten (4½ Std.). Der Nord-Aufstieg führt von

Weichselboden (677 m) über den Edelboden

(5 Std.); siehe Touren

Kapazität: ein Zwei-, ein Drei-, ein Vier-,

ein Sechsbettenzimmer plus vier Elfbettenlager

(gesamt 59 Betten); Winterraum für sechs bis

acht Personen

Foto: Steiermark Tourismus/ikarus.cc

Öffnungszeiten: ganzjährig geöffnet,

bewirtschaftet von Ende Mai bis 26. Oktober

Adresse: Österreichischer Touristenklub,

Zentrale Wien, Bäckerstr. 16, A-1010 Wien

(Eigentümer); DI Christian Toth, Schiestlhaus

Betriebs GesmbR, A-8636 Seewiesen (Pächter)

E-Mail: toth@schiestlhaus.at

Internet: www.schiestlhaus.at

Telefon: 00 43/(0)6 99/10 81 21 99

(Voranmeldung bei Übernachtung nötig)

Strom- und Wasserversorgung: Strom

und Warmwasser werden über Solarkollektoren

erzeugt; da es keine nutzbare Quelle in der

Nähe gibt, wird das Regenwasser in einer

modernen Anlage aufbereitet. Abwasser-Entsorgung

nach modernsten Standards

Kennen Sie »Soul Kitchen«? Den

Film von Fatih Akin, in dem

eine heruntergekommene

Kneipe abseits der Hamburger

Partymeile einen märchenhaften

Aufstieg hinlegt? Dank eines neuen

DJs und eines messerwerfenden Sterne-

Kochs, der für normale Restaurants etwas

zu eigenwillig ist? Genau. Aber den meinen

wir nicht. Nur so etwas ähnliches.

Das Schiestlhaus liegt auf einem weiten,

hügeligen Hochplateau im Osten des Alpenhauptkammes.

Fast die gesamte Steiermark

hat man von dort oben im Blick

– vom Grazer Bergland über die Hohe

Veitsch zum Dachstein, dessen Gletscher

in der Ferne weiß leuchten, und weiter

bis zu den schroffen Zacken des Gesäuses.

Bergsteiger aus dem Westen verirren sich

selten hierher, gibt es doch weder einen

Gletscher zu bewundern noch ein heroisches

Gipfelziel jenseits der 3000er-Marke

zu erobern. Nur Einheimische und ein

paar Kletterbegeisterte aus Wien und Graz

wissen um die Schätze des Hochschwab-

Massivs: Erstens speist das Karstgebirge

mit seinen riesigen unterirdischen Wasserspeichern

die Trinkwasserquellen für die

Millionenstadt Wien. Zweitens bietet es

den Kletterern mit seinen bis zu 600 Meter

hohen Felswänden anspruchsvolle Alpin-

Touren und Sportkletterrouten in allen

Schwierigkeitsgraden. Und drittens gibt es

eben diese besondere Hütte etwas abseits

der Partymeile und doch so originell, dass

die Stammgäste den weiten Anmarsch gerne

in Kauf nehmen.

Ein modernes Gebäude mit Pultdach und

einer voll verglasten Südfront, davor blitzt

eine Reihe von Sonnenkollektoren. Auch

innen ist das Schiestlhaus alles andere

als konventionell: Einige der Sperrholzwände

heben sich in tiefem Dunkelblau

vom naturbelassenen Rest ab, an einem

Hirschgeweih in der Gaststube baumelt

eine Bart-Simpson-Lichterkette und Reggae-Rhythmen

erfüllen die Luft. Hinter

der Theke nickt ein kleiner Mann mit Che-

Guevara-Käppi den frisch eingetroffenen

Gästen zu, während er gekonnt mit den

Küchengeräten hantiert. Das entspricht

nicht unbedingt dem, was man sich von

einer Schutzhütte in den Alpen erwartet,

sondern eher einer hippen Kneipe im Kreativ-Viertel

der nahen Hauptstadt Wien.

07⁄14 Bergsteiger 65


Fotos: Dagmar Steigenberger (3), Steiermark Tourismus/ikarus.cc

INFO

Auch abseits der Hütte eine Attraktion: das Hochplateau des Hochschwab

»Habt’s an Durscht, braucht’s was zum

Aufwärmen? An Yogi-Tee vielleicht«, fragt

es freundlich von der Bar. Dort steht ein

Mann mit struppigem braunem Haar, das

er unter einer Strickmütze trägt. »Der mit

dem Käppi ist der Wolfgang. Der Küchenchef.

Und ich bin der Christian«, stellt er

sich vor. Logisch, dass der Hüttenwirt hier

kein strenger Almöhi mit Rauschebart ist.

Sondern eben der Christian.

Pilotprojekt Passivhaus in den Alpen

1995 hängte Christian Toth seinen Job

als Maschinenbauer an den Nagel und

übernahm das Schiestlhaus, bei dem damals

eine Komplettrenovierung anstand.

Aufgrund der maroden Bausubstanz beschloss

der Österreichische Touristenklub

(ÖTK) als Eigentümer dann allerdings, dass

ein Neubau langfristig günstiger kommen

würde. Mit dem Bau sollte ein Pilotprojekt

für nachhaltige, ökologische Technologie

und ein intelligentes Raumkonzept

geschaffen werden. So entstand 2005 das

neue Schiestlhaus, die erste Berghütte in

den Alpen mit Passivhausstandard. Eine

klassische Heizung braucht das Schiestlhaus

aufgrund seiner guten Wärmedämmung

nicht; im überwiegenden Teil der

Hütte reicht die Sonneneinstrahlung sowie

die Abwärme der Bewohner und der

technischen Geräte aus, um die Temperatur

angenehm warm zu halten. Weil in

der Nähe keine Wasserquelle verfügbar ist,

wird das Regenwasser auf dem Dach des

Hauses gesammelt und in einer modernen

Anlage auf bereitet; das Abwasser wird biologisch

gereinigt. Strom und Warmwasser

stammen ausschließlich aus erneuerbaren

Energien wie Sonne und Wind direkt vor

Ort. Christian ist vom Konzept überzeugt,

»nur um einiges mehr Schlafplätze hätte

ich mir gewünscht; die Hütte platzt mit ihren

56 Betten an schönen Wochenenden

einfach aus allen Nähten.«

Wolfgang kommt mit einer Karaffe voll

dampfendem himalayischem Gewürz-Tee

an den Tisch. Er serviert ihn mit Milch und

einem Gläschen braunem Rohrzucker, verziert

mit einer getrockneten Rosenblüte

und einer kandierten Ananas. Das macht

Lust auf mehr. »An Kuchen hätt’ ma noch

dazu – Guglhupf, Kranzkuchen, Espressokuchen

… der Hippiekuchen is leider scho

aus.« Schade, der hätte einen sicher noch

in ganz andere Sphären katapultiert.

Selbst den gewöhnlichen Guglhupf dekoriert

der Koch mit Pistazienstreuseln so

liebevoll, dass er wie aus dem Menü eines

Hauben-Restaurants aussieht. Wolfgang

Barak hat bei Karl Eschlböck, einem der

ersten Haubenköche Österreichs gelernt.

Anschließend zog es ihn hinaus in die

Welt, unter anderem nach Japan und Indonesien.

Doch in einem Restaurantbetrieb

zu arbeiten, das interessiert den kleinen

Mann mit dem grauen Dreitagebart

und dem Che Guevara-Käppi längst nicht

mehr. »Ich hab inzwischen ein Alter, wo

man frei sein will.« Diese Freiheit hat er

Hippies, frisch

vom Backblech

Weil der Hippiekuchen bei unserem

Besuch leider schon aus war, schickte uns

Wolfgang Barak das Rezept speziell für

die BERGSTEIGER-Leser hinterher. Das

Wichtigste beim Hippiekuchen: viele liebe

Gäste, die frische Früchte aus ihrem

Garten mitbringen. Der Rest ist ein einfacher

Rührteig aus

• 500 g Zucker

• 500 g Mehl (davon 10 % Hanfnussmehl)

• 250 g Öl

• 250 g Sodawasser

• 12 Eiern

Die Eier und den Zucker schaumig rühren.

Anschließend das Öl und das Sodawasser

dazu geben. Dann noch das Mehl unterheben,

fertig ist der Teig. Ein großes Backblech

befetten und mit gehackten Kürbiskernen

bestreuen. Barak gibt auch ein wenig

von den Kürbiskernen in die Teigmasse.

Nun kommen viele verschiedene entkernte,

geschnittene Früchte aufs Blech – Hauptsache

bunt ist’s! Schließlich noch den

Kuchenteig drauf und das Ganze bei 180

Grad 80 Minuten lang backen.

auf dem Schiestlhaus gefunden. Hüttenwirt

Christian redet ihm in der Küche nicht

drein: »Ich kann nicht kochen.«

Die Gäste bringen die Zutaten

Auf der Speisetafel über der Theke stehen

Gerichte wie Hühnercurry mit Basmati

und Ratatouille mit Rosmarinerdäpfel neben

den gewöhnlichen Hütten-Spaghetti.

»Alles, was rechts auf der Tafel steht, mach

ich halt, weil es die Gäste auf Hütten erwarten«,

sagt Wolfgang. »Das, was in der

Mitte steht, koche ich, weil ich Spaß dran

66 Bergsteiger 07⁄14


hab.« Möglich werden diese Gerichte aber

erst dank der Hüttenbesucher, die die Zutaten

dazu mitbringen. »Letztes Mal hat

einer einen exotischen Fisch mitgebracht,

da hat der Wolfgang dann eben was draus

gezaubert«, erzählt Christian. Die Stammgäste

wissen mittlerweile, dass kulinarische

Mitbringsel auf dem Schiestlhaus

ausdrücklich erwünscht sind. Sogar auf

der Homepage findet man eine charmante

Aufforderung dazu – mit dem Versprechen:

»Fürs Tragen gibt’s ein Schnapserl

und unsere grenzenlose Zuneigung« samt

einer Ermäßigung auf die Hüttenrechnung

in der Höhe des entsprechenden Warenwerts.

Die Treue der Stammgäste hört da aber

noch längst nicht auf. Immer wieder erhält

Christian Anfragen von begeisterten

Hüttenbesuchern, die mithelfen wollen.

Kein Problem für das zweiköpfige Stamm-

Team ... solange der Neuling eines erfüllt:

»Nur wer ein Instrument spielt, wird aufgenommen!«

Im (einigermaßen schalldichten) Keller

des Schiestlhauses finden regelmäßig private

Jamsessions mit dem Team und musikalischen

Ehrengästen statt. Christian

spielt Gitarre, und Wolfgang? Christian

lacht und klopft seinem Kompagnon auf

die Schulter: »Bei ihm reicht’s, dass er die

Küche perfekt beherrscht.«


Zwei kreative Aussteiger: Koch Wolfgang

Barak (o.) und Hüttenwirt Christian Toth

Die steile,

seilversicherte

Rinne namens

»G’hacktes«

(siehe Tour 1).

TOUREN

Vier Mal auf 2277 Meter

Viele Wege führen auf den Hochschwab und das Schiestlhaus.

Alle Aufstiege sind verhältnismäßig weit und verlangen

aufgrund der mehr als 1000 Höhenmeter eine gute

Kondition sowie Trittsicherheit im felsigen Gelände.

1 Hochschwab-Überschreitung

▶ mittel 8 Std.

1460 Hm Hm 1460

Charakter: Der kürzeste Anstieg auf

den Hochschwab lässt sich zu einer

schönen Rundtour über das lang

gestreckte Hochplateau südwestlich

des Gipfels ausdehnen.

Ausgangs-/Endpunkt: Parkplatz

beim Gasthof Bodenbauer (884 m)

Hütten: Schiestlhaus (2156 m),

Häuselalm (1526 m)

Route: Gasthof Bodenbauer –

Trawiestal – G’hacktes (steile, seilversicherte

Rinne mit Eisenstufen) –

Fleischer-Biwakschachtel – Hochschwab

(2277 m) – Schiestl-haus

– Fleischer-Biwakschachtel – Rauchtalsattel

(2120 m) – Hunds-böden

– Hirschgrube – Häuselalm – Gh.

Bodenbauer

2 Hochschwab von Osten

▶ mittel 4½ Std.

1375 Hm Hm 190

Charakter: Der schönste Anstieg

folgt dem Weg, den der Habsburger

Erzherzog Johann vor 200 Jahren

von Seewiesen aus über die Untere

und Obere Dullwitz genommen hat.

Abwechslungsreiche, lange Tour

durch Wald und auf felsigen Steigen;

der Graf-Meran-Steig ist nicht ganz

so steil wie das G’hackte (siehe

Tour 1), beinhaltet aber dennoch

kurze Kletterstellen. Kann mit Tour

4 zu einer (zweitägigen) Rundtour

kombiniert werden.

Ausgangspunkt: Wanderparkplatz

im Seetal (942 m) bei Seewiesen

Endpunkt: Schiestlhaus (2156 m)

Hütten: Florlhütte (1284 m),

Voisthalerhütte (1654 m)

Route: Seetal – Florlhütte –

Franzosenkreuz – Untere Dullwitz

– Voisthalerhütte – Obere Dullwitz

– Graf-Meran-Steig – Rotgangboden

– Hochschwab – Schiestlhaus

3 Hochschwab von Norden

▶ schwierig 6 Std.

1940 Hm Hm 470

Charakter: Der einsamste Anstieg

auf den Hochschwab verlangt mehr

Kondition als die beiden Haupt-

Varianten. Er ist nicht nur streckenmäßig,

sondern auch die Höhenmeter

betreffend um einiges weiter.

Ausgangspunkt: Weichselboden

(677 m)

Endpunkt: Schiestlhaus (2156 m)

Hütten: Edelbodenalm (1344 m)

Route: Weichselboden – Edelbodenalm

– Samstatt – Weihbrunnenkessel

– Rotgangboden – Schiestlhaus –

Hochschwab – Schiestlhaus

4 Hochschwab über

Aflenzer Staritzen

▶ schwierig 7 Std.

1550 Hm Hm 370

Charakter: Die einsame und wilde

Kammwanderung über die Afl enzer

Staritzen im Osten des Hochschwab-

Massivs verlangt gute Kondition,

Trittsicherheit und vor allem am Einstieg

gutes Orientierungsvermögen,

da schlecht markiert.

Ausgangspunkt: Seewiesen

(974 m) nördlich von Turnau

Endpunkt: Schiestlhaus (2156 m)

Route: Seewiesen – Seebergwald

– Gamssteig – Höllstein (1970 m)

– Niedere Scharte (1890 m) –

Rotlacken – Ringkarwand (2014 m) –

Ochsenreichkar (1850 m) – Rotgangboden

– Schiestlhaus – Hochschwab

– Schiestlhaus

07⁄14 Bergsteiger 67


AUF TOUR

»Via Tiziano«

Der steinerne

Ein Archipel – das klingt nach

Südseetraum, Korallenriff und

Kokosnuss. Jedenfalls nicht nach

Bergtour und Weitwanderziel.

Doch wer sich auf dem Dolomiten-Höhenweg

Nr. 5 durch die östlichen

Dolomiten schlängelt, könnte mit etwas

Fantasie genau diesen Eindruck erhalten:

Wie einsame Inseln wachsen Monte Pelmo,

Antelao, die Marmarolegruppe und

der Zwölferkofel aus den Almböden. Und

wenn man sich den Ursprung dieses Gebirges

vor Augen führt, liegt man mit dem Archipel

gar nicht mal so daneben: Vor 110

Millionen Jahren haben sich die Traumgipfel

aus dem Tethysmeer gehoben, haben so

fragile Formen gebildet, dass die UNESCO

das Gebiet 2009 zum Weltkulturerbe erklärt

hat.

Ganze Kapitel der Klettergeschichte sind

in diesen Bergen geschrieben worden.

Doch um die Berge um Cadore kennnenzulernen,

sind Wanderwege wohl der geeignetere

Einstieg. Am besten gelingt das

Rendezvous über »Alta Via 5«, gelegentlich

auch »Via Tiziano« genannt – denn aus

dem Zielort Pieve di Cadore stammt mit

Tizian einer der berühmtesten Maler der

Renaissance.

Doch der Reihe nach: Beginnend im beschaulichen

Sexten erwandern wir das

Fischleintal, passieren die Zsigmondy-

Comici-Hütte und steigen über den Passo

Giralba, die lotrechten Mauern des Zwölferkofels

bestauend, zur Carduccihütte.

Die übrigens wunderbar liegt, auch wenn

inmitten der Felskathedralen der Popera

noch die Narben des Gebirgskriegs zu se-

INFO

Wo anklopfen?

Der Zielort des Dolomiten-Höhenwegs

Nr. 5, Pieve di Cadore, ist der Hauptort des

Cadore und Geburtsstätte des berühmten

Renaissance-Malers Tizian. Natürlich stellt

sich der hübsche Ort am gleichnamigen See

mit entsprechendem Museum auf Kunstkenner

ein, ist mit seinen Lärchenwäldern aber

auch sonst einen Besuch wert. Das Tourismusbüro

liegt in Tai di Cadore an der Piazza

Venezia 20, Tel. 00 39/04 35/3 16 44

68 Bergsteiger 07⁄14


Felsinseln im Wolkenmeer: unterwegs in der Antelaogruppe

Der Zwölferkofel

(3094 m) markiert

den Beginn der

»Via Tiziano«.

Die Dolomiten-Höhenwege sind echte Klassiker

unter den Mehrtagetouren. Die stille Nummer

5 quert nicht weniger als vier große Gebirgsgruppen

der »bleichen Berge« und endet am

Geburtshaus Tizians. Von Thomas Ebert

Archipel

hen sind. Tags darauf erreichen wir um

die Mittagszeit Reane. So bleibt genügend

Zeit, um bei einem Abstecher nach Auronzo

den Blick zu den Drei Zinnen schweifen

zu lassen – wenn auch von der südlichen,

»falschen« Seite.

Zu Gast bei den »alten Schachteln«

Mit dem Val di Rin betreten wir auf der anderen

Talseite nun den spannendsten Teil

des Höhenweges. Fünf Tage lang geht es

auf und ab durch die nahezu menschenleere

Marmarolegruppe. Ab der Pian dei

Buoi verlangen Passagen im I. und II. Grad

beherztes Zupacken, zudem wird drei Tage

in Serie ausschließlich in Biwakschachteln

genächtigt. Deren Innenausstattung korrespondiert

vielleicht nicht immer mit den

klangvollen Namen »Tiziano«, »Musatti«

und »Voltolina« – die Marmaroledurchquerung

ist aber genau deshalb ein einmaliges

Erlebnis. Zweifellos ist die Tiziano die

schönste der drei »alten Schachteln«, die

allesamt im vorletzten Jahrhundert vom

CAI-Venedig errichtet wurden.

Unter dem mächtigen Antelaostock führt

schließlich das letzte Teilstück der Alta Via

5 vorbei. Von der gut angelegten Via ferrata

del Cadorin lässt sich der Antelaogletscher

beim Dahinschmelzen beobachten,

darüber erhebt sich die wuchtige Ostflanke

des zweithöchsten Dolomitenberges.

Mit dem Erreichen des Rifugio Antelao endet

der alpine Teil. Was tags darauf folgt,

ist ein gemütlicher Abschluss hinab nach

Pieve di Cadore, wo die »Via Tiziano« standesgemäß

vor dem Geburtshaus ihres Namenpatrons

endet.


Fotos: Archiv Evidenzia (2), wikipedia / Antonio De Lorenzo

KOMPAKT

Der Dolomiten-

Höhenweg Nr. 5

Durch vier Gruppen

der östlichen Dolomiten

Dauer: ca. 10 Tage

Länge: 100 km / 6200 Hm

Verlauf: Sexten/Dolomitenhof Fischleinboden

(1484 m) – Carduccihütte (2297 m)

– Rif. Monte Agudo (1570 m) – Rif. Baion

(1828 m) – Biv. Tiziano (2246 m) – Biv.

Musatti (2111 m) – Biv. Voltolina (2082 m)

– Rif. San Marco (1823 m) – Rif. Galassi

– Rif. Antelao (1796 m) – Pieve di Cadore

(880 m)

Charakter: Obwohl die Distanz zwischen

Start und Ziel nur 30 km Luftlinie beträgt,

windet man sich 10 Tage durch eine der

schönsten Ecken der Dolomiten. Dabei ist

der Höhenweg Nr. 5 auch einer der anspruchsvollsten:

Nach dem technisch einfachen

Auftakt durch die Sextener Dolomiten

verlangt die Marmarolegruppe mit ihren

hohen Graten und Karen, die im mühsamen

Auf und Ab traversiert werden wollen,

einiges ab. Zudem nächtigt man dort

ausschließlich in Biwakschachteln. Den

krönenden Abschluss bildet schließlich die

Durchquerung der Antelaogruppe mit der

»Via ferrata del Cadorin« und die Ankunft

in Pieve di Cadore, wo man im Fremdenverkehrsbüro

auf Vorlage der Hüttenstempel

ein Wanderabzeichen erhält.

Markierung: »5» in rotem Dreieck

Karten: Kompass Nr. 58 »Sextener Dolomiten«,

Nr. 55 »Cortina d’Ampezzo«,

je 1:50 000, oder Tabacco 1:25 000

Führer: Hauleitner »Dolomiten Höhenwege

4–7«, Bergverlag Rother, 5. Aufl age 2012

Rückreise: von Pieve di Cadore mit dem

Bus über Santo Stefano und den Kreuzbergpass,

oder über Cortina und Toblach

nach Sexten.

07⁄14 Bergsteiger 69


REPORTAGE

Juwel Faaker See: Wandernd Wildpflanzen erforschen

Kärntner Karibik

Der Blick vom Gipfel

auf türkis schimmerndes

Wasser verfehlt selten

seine Wirkung: Man möchte

da rein. Am Faaker See

lassen sich Touren herrlich

mit Baden verbinden.

Aber das ist längst nicht

alles. Von Viola Schenz

70 Bergsteiger 07⁄14


Verlockend: Der Faaker

See wirkt bei einer

Wanderung zum Mittagskogel

wie ein Magnet.

Da glaubt man, sich in Sachen

Natur einigermaßen auszukennen,

den Hahnenfuß von der

Dotterblume unterscheiden zu

können, die Fichte von der Lärche,

den Grün- vom Buchfink – und dann

trifft man auf Tatjana Gregoritsch. Die zierliche,

blonde Wienerin macht einem auf

charmante Art klar: Man weiß viel zu wenig

in Sachen Natur. Gregoritsch betreibt

im Hauptberuf eine Werbeagentur, im

Nebenberuf ist sie Wildpflanzenexpertin,

beackert einen kleinen Schaugarten und

bietet über die Sommermonate Wildpflanzenwanderungen

an den Berghängen rund

um den Faaker See an. Mit Gregoritsch unterwegs

zu sein heißt, für hundert Meter

Feldweg eine Stunde zu brauchen und sich

dabei keine Minute zu langweilen.

Die 50-Jährige knipst hier eine Blume ab

und erklärt die Dolde, zerreibt dort ein

Blatt und hält es einem unter die Nase.

Und zu allem liefert sie Wanderern neue

oder vergessene Erkenntnisse. Kirschen

zum Beispiel sind Rosengewächse, Marillen,

Birnen, Äpfel auch, ebenso Erdbeeren

oder Mandeln. »Allein mit Rosengewächsen

könnte man sich ein Leben lang beschäftigen,

eine hochinteressante Materie«,

sagt Gregoritsch und zupft Blätter von

einem Himbeerstrauch. »Mit jungen Erdbeer-

und Brombeerblättern fermentiert

ergeben sie einen wunderbaren Tee, der

schmeckt wie Darjeeling«, schwärmt sie.

Und dort: zartgrüne, butterweiche Fichtenspitzen.

»Die lassen sich wunderbar zu

Sirup oder Pesto verarbeiten«, sagt sie und

schiebt wohlklingende Ideen für selbstgerührten

Kräuterquark nach.

Ein Thron über dem See

All das Grünzeug und das Wissen um dessen

Eigenschaften ergänzen das, was eigentlich

hierher lockt: Wasser und Gipfel.

Das ist das Praktische am Kärntner Seenland,

man kann große und kleinere Ziele

auf kleinem Raum kombinieren: sich den

Großglockner als krönende Tour vornehmen,

den mit 3798 Metern höchsten Berg

Österreichs. Oder gemütlich einen Teil

des Alpe-Adria-Trails erwandern, der das

Dreiländereck Kärnten, Slowenien und

Fotos: Franz Gerdl, Region Villach Tourismus GmbH

07⁄14 Bergsteiger 71


Naturerlebnis oben

wie unten. Schön, dass

beides zu haben ist.

Mit Gregoritsch unterwegs

zu sein heißt,

für hundert Meter

Feldweg eine Stunde

zu brauchen und sich

dabei keine einzige

Minute zu langweilen.

Friaul-Julisch-Venetien auf 38 Etappen

verknüpft. Tatjana Gregoritsch hat es eine

Tour an der Nordflanke des Mittagskogel,

der über dem Faaker See thront, besonders

angetan. Vom See führt sie über Altfinkenstein

zum Baumgartnerhof. Dann geht es

über den Rotschitzabach auf dem Karawanken-Wanderweg

gen Osten, durch den

lichten Mischwald bis zum Martinihof im

Ort Untergreuth. Hinter Untergreuth führt

der Wanderweg über den Hof Samonig zurück

gen Westen zur Baumgartnerhöhe.

»An dem Blick über den Faaker See und das

Villacher Becken bis zu den Hohen Tauern

kann man sich gar nicht satt sehen«,

schwärmt sie. Den Gipfel des Mittagskogel

spart sie sich für das nächste Mal auf.

Kräuterparadies am Karnerhof

Lieber gleich zum Abkühlen ins Wasser!

1270 Seen und Teiche gibt es in Kärnten, davon

44 »kontrollierte Badeseen«; sie haben

Trinkwasserqualität und sind, im Sommer

zumindest, oft »bacherlwarm« und nicht

KOMPAKT

Rund um den Faaker See in Kärnten

Anreise: Mit der Bahn bis

Villach-Hbf, weiter per Regionalzug

bis Faak oder per Bus

bis Egg. Mit dem Auto auf der

Tauernautobahn durch den

Tauern- und den Katschbergtunnel

bis zur Abfahrt Villach/

Faaker See. Richtung Faaker

See durch die Ortschaften

Drobollach und Egg am See.

Kräuterwanderungen:

Infos: www.wildpfl anzen.org

Hütten/Gasthöfe: Baumgartnerhof,

Altfi nkenstein 6,

Latschach am See; Gasthof

Pension Kramer, Dorfstraße

26, Sattendorf; Bertahütte,

Untergreuth 16, Finkenstein

am See

Übernachtungstipp:

4-Sterne-Hotel Karnerhof,

200 Betten, bis auf Januar und

Februar ganzjährig geöffnet;

kostenlos Fahrräder, Ruderboote

und Tennisplätze

Infos unter www.karnerhof.com

Führer/Literatur: Spath/

Kreder »Bildatlas Kärnten«,

DuMont Reiseverlag 2014;

Wecker »Kärnten – 52 Touren

zwischen Hohen Tauern und

Karawanken«, Bergverlag

Rother 2012; Gregoritsch

»Wörtherseewanderungen –

55 Touren für jede Jahreszeit«,

Styria Regional 2013

Zupfen und zerreiben: Tatjana Gregoritsch

72 Bergsteiger 07⁄14


Foto: Franz Gerdl, Region Villach Tourismus GmbH, Viola Schenz

bibberkalt, wie die meisten Bergseen. Der

Faaker See ist mit seinen zwei Quadratkilometern

recht klein im Vergleich zu seinen

Kärntner Brüdern. Man hat ihn schnell

durchrudert und umradelt – und an seinen

Gestaden geht’s beschaulich zu. Direkt

am Ufer des Sees gedeihen auch Kräuter, allerdings

in Reih und Glied. Beeindruckende

500 Quadratmeter ist der Kräutergarten des

Karnerhofs groß, und schon frühmorgens

kann man Küchenchef Thomas Guggenberger

beim Salbei-, Lavendel- oder Rosmarinzupfen

antreffen. Auswahl und Menge an

Kräutern und Gewürzen sind so riesig, dass

das Grünzeug nicht nur in das Abendmenü

wandert, sondern auch in das hauseigene

»Spa«, wo sie zu Ringelblumencreme oder

Johanniskrautöl für die Massagen werden.

Naturnähe versteht sich im Karnerhof von

selbst, sie muss nicht eigens vermarktet

werden, vor allem kommt sie ohne das inflationäre

Attribut »Bio« aus.

Erst Mühsal, dann Glücksfall

1633 ist das Anwesen erstmals urkundlich

erwähnt – als Lehen der Herrschaft

Rosegg, groß zwar, aber von undankbarer

Hanglage: die Bewirtschaftung war für die

Besitzer, die Familie Karner, jahrhundertelang

eine Mühsal. Jedenfalls bis 1930, als

mit dem Einsetzen des Fremdenverkehrs

die eingeheiratete Familie Melcher neben

den Bauernhof einen bescheidenen Gasthof

baute. Die Hanglage am See erwies sich

im Nachhinein als Perle. Denn seit den Anfängen

erstreckt sich das Anwesen weit am

Ufer entlang, und so können sich die Gäste

auf 100 000 Quadratmetern ausbreiten.

Deswegen ist alles eine Nummer größer geraten,

nicht nur der Kräutergarten. Und da

man schon so viel Platz hat, kann man es

sich leisten, einvernehmlich mit der Natur

zu wirtschaften. So ist zum Beispiel das Hallenbad

um eine alte Esche herumgebaut.

Kalk aus den Karawanken

Der Star aber ist der Faaker See selber. »Der

Wörther See ist der größte«, urteilt Familienoberhaupt

Hans Melcher über die Kärntner

Seen, »der Millstätter ist der tiefste, der

Ossiacher der fischreichste, der Klopeiner

der wärmste, und der Faaker See ist der

schönste und sauberste.« Melcher lacht,

und man kann dem Hotelchef kaum widersprechen.

Der Blick auf das türkisfarbene

Wasser, das auch unter dunklen Wolken

seine helle Farbe behält, dahinter das Massiv

des Mittagskogels, das sich im Wasser

spiegelt – dieser Blick verdient den Namen

zauberhaft. Die Flüsse tragen reichlich

TIPP

Karnerhof-Chef Hans

Melcher empfiehlt:

Flusskrebs (10 Portionen) mit Estragon-

Bärlauch und Hanföl, geschmorter Radicchio

60 St. Flusskrebsschwänze

30 gr Estragon frisch

30 gr Bärlauch frisch

30 gr Limettensaft

15 gr Hanföl

10 gr Ursalz fein

10 Prisen Pfeffer gemahlen

2 Kopf Radicchio Trevisano

10 ml Balsamico-Essig dunkel

5 ml Olivenöl

50 ml Fischfond

150 gr Zupfkräuter

▶ Flusskrebse abkochen und schälen,

mit den fein gehackten Kräutern, Öl und

Limettensaft marinieren und 1 Stunde

ziehen lassen.

▶ Den Radicchio scharf in Olivenöl anbraten

und mit Balsamico ablöschen, zur Hälfte

reduzieren lassen und mit ein wenig Fischfond

ablöschen. Den Radicchio herausnehmen

und den Fond gut mit denselben Kräutern wie

bei den Flusskrebsen (und Salz und Pfeffer)

abschmecken, mit Stärke etwas einbinden.

▶ Flusskrebse scharf in Olivenöl anbraten,

den Radicchio auf dem Teller platzieren und

die Flusskrebse mittig anrichten. Mit dem

Balsamico-Kräuterfond und den Zupfkräutern

garnieren.

Kalkgestein aus den nahen Karawanken in

das kristallklare Wasser und schenken ihm

so sein Türkis. Jeden Morgen, zwischen

sechs und halb sieben, gehe er eine Runde

schwimmen, »bis 14 Grad«, schwärmt der

70 Jahre alte Hotelier. Melchers andere Leidenschaft

ist gutes Essen. Am Abend macht

er die hauseigenen Blattsalate mit 15 Jahre

altem Balsamico-Essig und gehackten

Walnüssen für jeden Gast an. »Da kommt

man viel unaufdringlicher ins Gespräch, als

wenn man von Tisch zu Tisch geht«, sagt

Melcher und strahlt dabei wie ein junger

Bursche nach dem ersten Rendezvous. ◀

Wanderhotel Lumbergerhof ****


7 Nächte Halbpension mit 5 Gang Wahlmenü, schöne


und tolle Gipfeltouren, Wanderkarte, Wellnessbereich mit

Saunen, Dampfbad und Panoramaruheraum, Schwimmbad

ab € 535,00 pro Person · buchbar 5.7. - 2.11.2014

A-6673 Grän im Tannheimertal - Tirol

T. +43 5675 6392

www.Lumbergerhof.at

Wander- und Familienhotel Jägeralpe****


7 ÜN inkl. Gourmetpension, 5 geführte Wanderungen,


1 Weinverkostung auf unserer Hütte Hochalp,

1 regionales Bergfrühstück

ab € 634,00 pro Person / Woche · buchbar 27.6. - 6.10.2014

A-6767 Warth - Arlberg

T. +43 5583 4250

www.jaegeralpe.at

Hotel Der Brandstetterhof ****

Wanderurlaub im Naturpark Karwendel

7 Nächte mit ¾ Verwöhnpension, 3 – 5 von einem

Familienmitglied geführte Bergwanderungen, Wanderkarte,

1 Sportmassage, Wellnessbereich mit Naturbadeteich, Saunen

und Dampfbad, Eintritt in die wildromantische Wolfsklamm

ab € 696,00 pro Person · buchbar 1.6. - 20.10.2014

A-6135 Stans - Tirol

T. +43 5242 63582

www.brandstetterhof.com

www.wanderhotels.com


TOUREN

Foto: Petr Blaha

Die schönsten Touren im Faaker Seenland

Ob wandernd oder mit dem Fahrrad: Rund um den Faaker See bieten sich eine Fülle

von lohnenswerten Unternehmungen. Wir haben fünf für Sie ausgesucht.

1 Mittagskogel (2145 m),

Rundwanderweg

▶ mittel 9 Std.

1300 Hm 1300 Hm

Charakter: Diese Wanderung gehört

schon deshalb ins Programm, weil

der Mittagskogel quasi der Hausberg

des Faaker Sees ist. Es gibt mehrere

Einkehrmöglichkeiten (Bertahütte,

Martinihof, Buschenschenke Ischnig,

Hotel Mittagskogel) mit Panoramablick

in die Alpe-Adria-Region.

Ausgangspunkt: Parkplatz Gasthof

Martinihof, Untergreuth (792 m)

Route: Aufstieg über Untergreuth –

Altfi nkenstein – Outschena – Greutherbach

– ehemalige Annahütte – kleiner

Mittagskogel – Gipfelkreuz Mittagskogel.

Abstieg über Hornerweg zur Bertahütte

– Kofl erbauer – Untergreuth.

2 Von Heiligengeist zum

Hundsmarhof

▶ leicht 2 Std.

270 Hm 6 km

Charakter: Hier, am nördlichen

Fuß der Villacher Alpe, Dobratsch

genannt, steht ein Bauernhaus, das

auch unter dem Namen Hundsmarhof

bekannt ist. Das Gehöft mit

seinen weiß getünchten Mauern steht

mitten im dunklen Tannenwald, hier

lässt sich gut und traditionell essen.

Ausgangspunkt: Parkplatz Heiligengeist

(916 m)

Route: Vom Parkplatz gut 100 m

bergauf (asphaltiert), breiter Schotterwanderweg

bis zum Hundsmarhof.

3 bzw. 6 km (einfach/hin und zurück)

3 Wanderung zu den

Finsterbachwasserfällen

▶ leicht 1½ Std.

210 Hm 4 km

Charakter: Ein feines und familientaugliches

Naturschauspiel mit

eindrucksvollem Panorama des

Ossiacher Sees. Den Schleierfall

umwölbt bei gutem Wetter ein

Regenbogen, das belohnt dann auch

wanderunwillige Kinder.

Ausgangspunkt: Gasthof zum

Wasserfall, Sattendorf (545 m)

Route: Der Beschilderung folgend

nach dem Gästehaus Schützenhof zum

»Finsterbachfall«. Weiter zum »Kesselfall«,

der kleinste der drei Wasserfälle.

Über zwei Brücken gelangt man zur

Finsterbachschlucht und zum dritten,

Wasserfall, dem »Schleierfall«.

4 Faakerseerunde mit dem Rad

▶ leicht 1–2 Std.

159 Hm 11 km

Charakter: Eine familiengerechte

Radtour für alle Altersstufen. Der Weg

läuft zwischendurch über die – je

nach Saison – stark befahrene Landesstraße.

Vorsicht also bei kleinen

Mitradlern.

Ausgangspunkt: Faak am See

(566 m)

Route: Vom Campingplatz auf die andere

Bachseite und am Kirchenweg

und auf der Landstraße aufwärts bis

zum Ortsende. Rechts in den Wald

ab, Waldweg zurück zur Landesstraße.

Es folgen ein Wiesenweg und eine

Asphaltstraße. Hinunter zum Strandbad

und den See entlang bis Egg.

Weiter zur Bundesstraße B 84, über

den Bach und durch das Schilfgebiet

zurück nach Faak am See. Natürlich

lässt sich diese Seeumrundung

auch von jedem anderen Punkt aus

beginnen.

5 Mountainbike-Tour auf

den Jepzasattel

▶ mittel 4–5 Std.

900 Hm 23 km

Charakter: Fordernde Tour auf den

Jepzasattel, in weiten Serpentinen

geht es den Hang nach oben, die

schönen Wiesen entlohnen die

Anstrengung. Der Jepzasattel ist der

höchste Punkt der Tour.

Ausgangspunkt: Untergreuth (792 m)

Route: Von Untergreuth auf der

asphaltierten Straße hinauf nach

Outschena, an der Wegkreuzung links

auf dem Schotterweg zum Waldrand.

Von dort aus ist die weitere

Strecke gut beschildert und führt in

Serpentinen auf einem Forstweg zum

Jepzasattel, dem höchsten Punkt der

Tour. Rückweg auf der gleichen Route.

74 Bergsteiger 07⁄14


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AUF TOUR

SERIE: Geheimnisvolle Alpen

Teil 8 (Ende): Der Untersberg bei Berchtesgaden

Der Zauberberg

Sonnenuhr und Zeitmaschine, Aufenthaltsort für Geister und Kaiser,

tektonisch sensible Zone oder gar das Herzchakra Europas: Was davon

ist der Untersberg wirklich? Für den letzten Teil unserer Serie hat sich

Isabel Meixner auf Spurensuche ins Berchtesgadener Land begeben.

Fotos: Berchtesgadener Land Tourismus, Wikipedia

76 Bergsteiger 07⁄14


Kaiser Barbarossa

wartet auf seine

Auferstehung: im

Untersberg ebenso

wie im Kyffhäuser

Ein idyllischer Ort, solange

die Wilde Jagd nicht um die

Gipfel pfeift: der Untersberg

von Maria Gern aus

Kaiser Karl soll dort an einem

Tisch sitzen und auf seine Wiederkehr

warten. Oder Kaiser

Friedrich Barbarossa. Oder ist

es sein Enkel Friedrich II., den

seine Zeitgenossen »stupor mundi«, das

Staunen der Welt nannten? Dann leben

dort noch die zwergenhaften Untersberger

Mandln, die den Kaiser umsorgen und nebenbei

ihre Schätze im Inneren des Bergmassivs

hüten. In weiterer Besetzung: drei

Wildfrauen, außerdem ein Riese, ein Drache

und die Wilde Jagd, die heulend um

die Gipfel saust. Viel magisches Personal

– zu viel für einen einzigen Berg, möchte

man meinen. Doch der 70 Quadratkilometer

große, 1973 Meter hohe Untersberg

zwischen Berchtesgaden und Salzburg bietet

in seinem Höhlenlabyrinth Platz genug

für diese Wesen. Auftauchen, verschwinden,

die Grenzen von Raum und Zeit mühelos

überwinden: All das soll dieser Berg

möglich machen.

Wenn der Kaiser aufersteht

Wer nicht aufpasst, verirrt sich in den

Geschichten und Sagen, Mythen und

Legenden über den Untersberg ebenso

wie in den mehr als 400 Höhlen, die den

Berg durchziehen. Eine davon ist die Riesending-Schachthöhle,

1148 Meter tief

und mit 19 Kilometern die längste Höhle

Deutschlands. Trotz ihrer Größe blieb sie

lange Zeit unentdeckt und wurde erst 1995

erforscht.

Den Kaiser Friedrich Barbarossa, der irgendwo

tief unten im Höhlensystem ruhen

soll, hat man dabei nicht gefunden.

Mit seinem ganzen Gefolge sitzt er an einem

Marmortisch, um den sein Bart schon

zweimal herumgewachsen ist, so erzählt

die Sage. Reicht der Bart dreimal herum,

sei das Ende der Welt da, der Krieg, der alle

Kriege beenden wird. Eine andere Legende

endet optimistischer; darin ist es Karl

KOMPAKT

Rund um

Berchtesgaden

Anreise: Über die Autobahn München–

Salzburg bis zur Ausfahrt Reichenhall und

weiter auf der B20 nach Bischofswiesen

und Berchtesgaden; oder Ausfahrt Salzburg

Süd und weiter auf der B305 Richtung

Marktschellenberg

Ausgangspunkte: Berchtesgaden,

Bischofswiesen oder St. Leonhard

Informationen: Berchtesgadener

Land Tourismus, Bahnhofplatz 4, 83471

Berchtesgaden, Tel. 0 86 52/6 56 50 50,

info@berchtesgadener-land.com;

Tourismusverband Grödig, Gartenauerstr. 8,

A-5083 Grödig-St.Leonhard, Tel. 00 43/

(0) 62 46/7 35 70, info@groedig.net

Infos zu Touren im Berchtesgadener

Land: Steve Auch, www.uptothetop.de

Karten: Freytag & Berndt 1:50 000,

Blatt WK 102 »Untersberg, Eisriesenwelt,

Königssee«, Kompass 1:25 000, WK 794

»Berchtesgadener Land«

Literatur: Dorothea Steinbacher

»Magisches Oberbayern«, AT-Verlag 2010;

Rainer Limpöck »Mythos Untersberg:

Kraftort – Heiligtum – Anderswelt«,

Pichler-Verlag 2011

der Große, der im Berg schlafend auf seine

Auferstehung wartet, die den Beginn eines

goldenen Zeitalters markieren würde.

Doch solange die Raben den Untersberg

umkreisen, dauert es noch bis dahin.

Historiker vermuten hinter diesen Geschichten

die Sehnsucht der Menschen

nach einem Helden, einem Erlöser. Karl

der Große schien dieser Rolle für die Menschen

im Mittelalter gerecht zu werden,

und wenn nicht er, dann eben Barbarossas

Enkel Friedrich II. Denn mit dem Tod

des letzten Stauferkaisers im Jahr 1250

endete die große Zeit der Kaisergestalten

des Hochmittelalters – auf Friedrich

07⁄14 Bergsteiger 77


Schön anspruchsvoll: über den Stöhrweg auf den Untersberg

Das Stöhrhaus unter dem Gipfel des Berchtesgadener Hochthrons

folgte das Interregnum, die schreckliche,

kaiserlose Zeit, wenn man den Überlieferungen

von Zeitzeugen Glauben schenkt.

Das Herzchakra Europas

Höhlen haben die Menschen zu allen Zeiten

magisch angezogen, sie fasziniert und

ihnen zugleich gruselige Schauder über

den Rücken gejagt. Seit der Altsteinzeit

vor mehr als 30 000 Jahren, als Menschen

mit Malereien tief im Inneren der Erde die

Götter um Jagdglück und Fruchtbarkeit baten,

sind Höhlen als Kultorte aufgesucht

worden.

Manche Höhlen ziehen die Menschen aber

auch einfach aufgrund ihrer Schönheit in

ihren Bann: beispielsweise die Schellenberger

Eishöhle im Untersberg mit ihren

faszinierenden Eisbildungen. Als »reinigend«

beschreiben Besucher den geführten

Rundgang durch die Höhle. Das mag

an der guten Luft liegen – trägt aber auch

zur Aura des geheimnisvollen Bergs bei,

den der Dalai Lama 1992 als »Herzchakra

Europas« bezeichnet hat.

Ist der mächtige Bergstock also ein »Berg

der Unteren«, der kraftvollen Wesen aus

mystischen Tiefen? Manche Hobbyforscher

hätten das gern. Doch wie so oft in

der Ortsnamenskunde ist die vermeintlich

naheliegende Deutung auch in diesem

Fall die falsche. Der Untersberg hieß im

14. Jahrhundert »Undarnsperch«. Und das,

so versichern Menschen, die sich damit

auskennen, bedeutet »Mittagsberg«. Von

Salzburg aus betrachtet – der historisch

wichtigsten Siedlung um den Gebirgsstock

– liegt der Untersberg tatsächlich im Süden

und markiert den Stand der Sonne

zur Mittagszeit. Noch heute liegt zwischen

den höchsten Einzelgipfeln des Massivs die

Mittagsscharte.

Verirrte Wanderer

kommen an völlig

anderen Stellen

wieder zum Vorschein

– in einer Nacht um

Jahrzehnte gealtert.

INFO

Steinreich

Schon die alten Römer nutzten den Untersberg.

Von Zeitreisen oder Beschwörungsritua

len hielten sie allerdings wenig. Lieber

hoben sie die real existierenden Schätze des

Berges: den berühmten Untersberger Marmor.

Wer vor der Fassade des Salzburger Doms

steht, blickt auf Kalkstein vom Untersberg.

Die prunkvollen Bauten aus der Barock- und

der Gründerzeit in Wien und in vielen anderen

Orten der einstigen k. und k. Monarchie

wären ohne Untersberger Marmor nicht denkbar.

Auch die Vorhalle des Münchner Justizpalasts

ist übrigens aus Marmor vom Untersberg.

Reichskanzler Otto von Bismarck ruht

in einem Sarkophag aus Untersberger Marmor.

In Fürstenbrunn, auf der österreichischen

Seite des Untersbergs, wird in einem Museum

die Geschichte des Bergs und des Kalksteinabbaus

erzählt. Außerdem kann eine histori

sche Kugelmühle besichtigt werden: Einst

dienten derartige Anlagen zur Produktion

von Kanonenkugeln. Zwei Steinbrüche sind

bis heute in Betrieb, in denen der Marmor

inzwischen auch unterirdisch abgebaut wird.

Dem Landschaftsbild tut das gut. Und die

Untersberger Mandln freuen sich bestimmt

sehr über die vielen neuen Höhlen und Gänge.

Ein Felsloch als Zeitmaschine

Das klingt profaner, als es vielen Esoterikern

lieb ist, die auf zahllosen Internetseiten

die Aura des heiligen, mysteriösen

Bergs preisen. Oder haben sie vielleicht

doch Recht? Eine Geschichte besagt, dass

es neben den real existierenden Löchern

im Fels am Untersberg offenbar auch massive

Löcher im Raum-Zeit-Kontinuum gibt.

Alljährlich am 15. August soll sich ein solches

Zeitloch auftun. Wanderer, die sich

am Berg verirren, kommen an völlig anderen

Stellen wieder zum Vorschein. Manchmal

sind sie in einer Nacht um Jahrzehnte

gealtert, manchmal passiert genau das Gegenteil.

Der Verirrte erlebt im Berg reihenweise

Abenteuer und taucht anschließend

– bisweilen nur Sekunden nach seinem

Verschwinden – wieder in der realen

Welt auf. Schon im Jahr 1523 soll so etwas

dem Reichenhaller Stadtschreiber Lazarus

Gitschner widerfahren sein, der sieben

Tage im Berg verbrachte und dabei unter

anderem den entrückten Kaiser Friedrich

gesehen haben will. Gitschner brachte

Kunde mit von der alles entscheidenden

letzten Schlacht am Ende der Zeiten.

Vielleicht hat dieser Glaube damit zu tun,

dass der Untersberg in einer tektonisch

und geologisch unruhigen Region liegt.

»Schwarmbeben« nennen die Wissenschaftler

die Erdbeben, die immer wieder

von dort ausgehen.

Wie so viele geheimnisvolle Orte im Alpenraum

strahlt der Untersberg eine ganz

eigene Faszination aus. Sie erschließt sich

nur dem, der zu Fuß auf bricht. Und der

dabei offen bleibt für die Geheimnisse,

die ihm in den Alpen auf Schritt und Tritt

begegnen. Es müssen ja nicht gleich die

Untersberger Mandln sein, die hinter dem

nächsten Felsen hervorlugen.


Fotos: Berchtesgadener Land Tourismus

78 Bergsteiger 07⁄14


TOUREN

Auf den Untersberg

Den Kaiser, der im Untersberg wohnen soll, wird man

vergeblich suchen. Dafür hat das Massiv über Salzburg

mehrere lohnende Gipfelziele und sogar eine Eishöhle.

1 Schellenberger

Eishöhle (1671 m)

▶ schwierig 6 Std.

1400 Hm 8 km

Charakter: Anspruchsvolle Wanderung

zu Deutschlands größter

Eishöhle. Der Thomas-Eder-Steig

erfordert Trittsicherheit und Schwindelfreiheit.

Warme Klamotten

für die Eishöhle nicht vergessen.

Die Führung durch die Eishöhle

dauert 40 Minuten.

Ausgangspunkt: Untersbergbahn

in St. Leonhard (456 m)

Einkehr: Toni-Lenz-Hütte (1450 m),

bis Ende Oktober täglich geöffnet,

Tel. 00 43/6 99/17 00 36 20;

Hochalm nahe Bergstation (1800 m),

Tel. 00 43/6 62/62 86 74

Route: Untersbergbahn – Bergstation

– Mittagsscharte – Thomas-

Eder-Steig – Schellenberger

Eishöhle – Toni-Lenz-Hütte – Wander -

parkplatz an der B305 – von

dort zu Fuß oder per Bus nach

St. Leonhard

2 Berchtesgadener

Hochthron (1972 m)

▶ mittel 6½ Std.

1300 Hm 16 km

Charakter: Anspruchsvoller, aber

sehr beliebter Anstieg auf das

Stöhrhaus, von dem aus der Gipfel

des Berchtesgadener Hochthron

nur noch eine Viertelstunde entfernt

ist. Abstieg über Scheibenkaser,

Ausdauer erforderlich

Ausgangspunkt: Wanderparkplatz

in Hintergern (790 m)

Hütte: Stöhrhütte (1900 m),

geöffnet bis Mitte Oktober,

Tel. 0 86 52/72 33

Route: Hintergern – Stöhrweg –

Stöhrhütte – Berchtesgadener

Hochthron – Stöhrhütte – Scheibenkaser

– Forstweg bis Abzweigung

Theresienklause/Hintergern –

Theresienklause – Hintergern

3 Rauher Kopf (1604 m)

▶ leicht 4 Std.

900 Hm 6 km

Charakter: Leichte, schattige Wanderung

mit kleiner Kletterpartie zum

Schluss. Vom Gipfel Überschreitung

zum Berchtesgadener Hochthron

und zum Stöhrhaus möglich,

hierfür aber absolute Trittsicherheit

erforderlich

Ausgangspunkt: Gasthaus Kastensteinerwand

(679 m), Bischofswiesen

Einkehr: Gasthaus Kastensteinerwand,

Tel. 0 86 52/71 68

Route: Gasthaus Kastensteinerwand

– über Bergsteig und Forststraße

an der Westseite des

Kleinen Rauhen Kopfes zum Gipfel

– Abstieg wie Aufstieg

4 Salzburger

Hochthron (1853 m)

▶ mittel 7 Std.

1400 Hm 10 km

Charakter: Wanderung mit Blick

auf Salzburg. Zahlreiche Stufen

führen über den Dopplersteig

aufwärts, im oberen Bereich ist

der Weg mit Drahtseil gesichert.

Kondition und Trittsicherheit erforderlich

Ausgangspunkt: Wanderparkplatz

(465 m) bei Glanegg

Einkehr: Zeppezauerhaus (1660 m),

bis Mitte Oktober geöffnet,

Tel. 00 43/6 62/62 98 62

Route: Parkplatz – Untere Rositten

– Dopplersteig – Zeppezauerhaus

– Bergstation Untersbergbahn

– Salzburger Hochthron – Zeppezauerhaus

– Steinerne Stiege –

Reitsteig – Parkplatz

Bruckmann Verlag GmbH, Infanteriestraße 11a, 80797 München

Hochgenuss.

Die Dolomiten gehören zu den beliebtesten Ferien- und

Tourengebieten der Alpen. Fast ein Viertel dieser Paradewanderregion

steht heute unter Naturschutz. Wer die »heile

Bergwelt« der Dolomiten genießen will, ist in ihren sieben

Naturparks – von Schlern-Rosengarten bis zu den Dolomiti

Bellunesi – goldrichtig. Der Dolomitenexperte Eugen E. Hüsler

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Auch als eBook erhältlich


AUF TOUR

NEUE SERIE: Mit dem Zug ins Gebirg’

Blick vom Buralpkopf

zu Gündleskopf

und Rindalphorn


EINE INITIATIVE VON

+

Teil 1: Über die Nagelfluhkette

Höhen-Zug

Dass es im Allgäu prächtige Tourenmöglichkeiten

gibt, weiß man auch in München. Wer in der bayerischen

Landeshauptstadt in den Zug steigt, kann schon zwei

Stunden später ganz entspannt seinen Rucksack schultern.

Von Eugen E. Hüsler

Arthurs Oldtimer, der Bertone,

schwächelt – irgendetwas mit

der Zündung. Deshalb steht er

zurzeit in der Garage. Was etwas

unpraktisch ist, weil Christian

und Arthur am Wochenende ins Allgäu

wollten, für eine besonders schöne Tour. Eine

ungewöhnliche dazu, mit einem halben

Dutzend Gipfeln und solidem »Naturbeton«

als Unterlage. Beton? Na ja, so ähnlich.

Die Nagelfluhkette im Allgäu jedenfalls ist

aus einem Konglomerat ganz unterschiedlicher

Gesteine aufgebaut, die während

der Gebirgsbildung abgetragen und an

den Rand der Alpen verfrachtet, hier dann

sozusagen zementiert wurden. Das sieht

zunächst lustig aus, ist für Geologen aber

ein weites (Arbeits-)Feld. Denn in dieser

Molasse stecken viele Informationen über

das Werden der Alpen.

Die Nagelfluhkette

Und weil der Bertone nicht über die Autobahn

rattern kann, fahren die beiden mit

der DB ins Land, wo die Milch in Strömen

fließt, der Käse löchrig ist und (fast) wie

richtiger Emmentaler schmeckt. Christian

hat – wie stets – Fahrpläne gecheckt

und Tickets besorgt, im Internet natürlich.

In Immenstadt heißt es dann umsteigen,

vom Zug in den Sessellift, der knapp

07⁄14 Bergsteiger 81


Entspannt unterwegs zum Ausgangspunkt:

DB-Regio-Zug bei Mariazell

unter dem Mittagberg endet. Hier beginnt

die lange, aber nie langweilige Überschreitung

der Nagelfluhkette. Christian

und Arthur sind durchaus fit, trotz einiger

Jahrringe mehr als zu Jugendzeiten;

eine Sieben-Stunden-Wanderung meistern

sie problemlos. Bloß eines ist nicht

so richtig nach Arthurs Geschmack: dass

es diesmal unterwegs keine Einkehr gibt.

Er verehrt Hüttenwirte und liebt einen

richtigen Schmarrn, den kaiserlichen, natürlich

auch die durstlöschende Wirkung

des Gerstensaftes. Heute bleibt’s wohl

beim Wasser: gesund, aber halt eher geschmacklos.

Gipfelparade am Horizont

Was soll’s. Die Sonne scheint, der Himmel

prunkt mit einem makellosen Blau,

und der Grat verspricht einiges Auf und

Ab, auch mit felsigen Passagen. Das motiviert,

lässt die beiden gleich etwas zügiger

ausschreiten. Der Steineberg rückt allmählich

näher, seine felsige Stirn auch.

An der klebt eine lange, steile Leiter, die

direkt am Rand der großen Gipfelwiese

endet. Da übt man sich schon fleißig im

Nicht nur dann, wenn das Auto seinen

Dienst versagt, sollte die Bahn eine

alternative Anfahrtsmöglichkeit sein.

Nagelfluhgestein beim Aufstieg zum Stuiben

Sonnenbaden oder guckt in die Ferne, wo

am Horizont Gipfel neben Gipfel steht.

Jemand hat sogar die passende App dabei

und kann deshalb Namen aufsagen:

Großer Daumen, Hochvogel, Nebelhorn,

Höfats, Krottenkopf, Mädelegabel, Hohes

Licht, Biberkopf. Was für ein Blödsinn,

denkt Christian, wer soll sich so etwas

merken, während Arthur sich die Sonne

aufs Haupt scheinen lässt, ganz relaxt.

Das leichte Hungergefühl verdrängt er,

weil ihm sein Spezl gesteckt hat, dass der

Stuiben eine noch schönere Aussicht bietet,

mit fein rasengepolsterten Hinflätzplätzen.

Zum Stuiben

Der Zwischenabstieg, die anschließende

Kammwanderung und vor allem der

Gegenanstieg ziehen sich etwas in die

Länge, Christian mag fotografieren, und

dann entdecken sie auch noch einen

Mauerläufer, der seinem Namen alle Ehre

Fotos: Siegfried Garnweidner (2), Josef Mauerer

82 Bergsteiger 07⁄14


macht. Ohne Flügel geht’s deutlich langsamer

bergan, doch schließlich ist der

Stuiben erreicht – und der überragt die

Turmspitzen der Münchner Frauenkirche

um immerhin rund 1130 Meter. Da sage

noch einer, beim Bergsteigen käme man

dem Himmel nicht ein ganz schönes

Stück näher…

Abschied vom Betongrat

Arthur hat ganz irdische Bedürfnisse, er

packt seine Brotzeit aus und macht es sich

an dem sanft gegen das prächtige Panorama

abfallenden Wiesenhang bequem.

»Schön hier«, sagt er zur Natur rundum,

die das Kompliment gelassen akzeptiert.

Dann gönnt er sich ein kleines Nickerchen.

Christian inspiziert die Panoramatafel,

sucht und findet am Horizont so

manchen bekannten Allgäuer Gipfel, entdeckt

fern im Osten sogar die Zugspitze.

»Zeit, weiterzugehen«, meint er schließlich

nach einem Blick auf sein Handgelenk. Arthur

ächzt, rappelt sich auf und verräumt

sein Zeugs. Dann geht’s weiter, erst hinüber

zum Nachbarn des großen Stuiben,

den Sedererstuiben, dann am Grat abwärts

und hinüber zum Buralpkopf. Der will erobert

sein: rund zweihundert, teilweise

sehr steile Höhenmeter.

An der Gündlesscharte heißt es schließlich

Abschied nehmen vom »Betongrat«

der Nafelfluhkette, was beiden angesichts

des sich vor ihnen auftürmenden Rindalphorns

nicht schwer fällt: hinunter statt

nochmals hinauf.

Beim Abstieg denkt Arthur, wie praktisch

doch jetzt so ein Mountainbike wäre. Dann

würde es keine zwei Stunden mehr dauern,

bis endlich die Gunzesrieder Säge auftaucht:

Endstation, Bushalt.

In Sonthofen ist praktischerweise noch

Zeit für eine Halbe, bevor der Zug einfährt.

Dann kann unser Bertone-Besitzer endlich

seine Hax’n ausstrecken. Verdient hat er’s

allemal.


INFO

Das Bayern-Ticket

Mit dem Bayern-Ticket fahren Sie und bis

zu vier weitere Personen bequem, umweltfreundlich

und schnell an Ihr Ausfl ugsziel.

Für 23 Euro kann man mit dem Ticket kreuz

und quer durch Bayern fahren. Beim Lösen

der Fahrkarte können bis zu vier weitere

Personen zu je 4 Euro auf ein Ticket hinzugebucht

werden.

Besonders interessant ist das Bayern-Ticket

für Eltern bzw. Großeltern. Eine Person zahlt

23 Euro und darf beliebig viele eigene

Kinder oder Enkel unter 15 Jahren kostenlos

mitnehmen. Zusätzlich kann dann noch

eine weitere Person für nur 4 Euro mitfahren.

Das Bayern-Ticket gilt bayernweit in allen

Nahverkehrszügen, Verbundverkehrsmitteln

(S-, U-, Straßenbahnen, Bussen) und fast

allen Linienbussen.

Von Montag bis Freitag gilt das Bayern-

Ticket von 9 Uhr bis 3 Uhr des Folgetages,

an Wochenenden und Feiertagen sowie am

15. August schon ab 0 Uhr.

Das Ticket ist nur gültig, soweit der

Geltungstag sowie Name und Vorname

aller reisenden Personen unauslöschlich

eingetragen ist.

Weitere Informationen, Ausfl ugstipps und

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3. Hohe Tauern Wandermarathon

24. August 2014 · Mittersill-Hollersbach-Stuhlfelden

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Foto: Mc Kinley

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TOUREN

Allgäuer Schmankerl mit der DB Regio

Wer ausgeruht am Ausgangspunkt seiner Tour ankommt, kann gleich beschwingt losgehen.

Wir stellen Ihnen sieben Allgäu-Touren vor, die gut mit dem Zug machbar sind.

1 Rund um den Rottachsee

(850 m)

▶ leicht 4 Std.

180 Hm 180 Hm

Charakter: Familienwanderung rund

um den größten Stausee des Oberallgäus.

Alternativ Streckenwanderung

nach Oberdorf bei Immenstadt

(Haltestelle) möglich (4½ Std.)

Ausgangs- und Endpunkt: Haltestelle

Zollhaus-Petersthal (899 m)

der DB Regio-Linie Kempten –

Außerfern

Route: Haltestelle – Rottachsee

(850 m) – Petersthal (872 m) – Staumauer

– Westuferweg – Haltestelle

Rückfahrt: Ab Zollhaus-Petersthal

stündlich um XX:07 Uhr mit Umsteigen

in Kempten

Einkehr: Petersthal, Moosbach

2 Über den Grünten (1738 m)

▶ mittel 6 Std.

940 Hm 990 Hm

Charakter: Einer der schönsten Aussichtsberge

vor dem Kranz der Allgäuer

Alpengipfel. Besonders lohnend

die Überschreitung von Nord nach

Süd mit Einkehr im Grüntenhaus

Ausgangspunkt: Rettenberg (807 m),

Bus von Immenstadt (Bahnhof).

Endpunkt: Burgberg (752 m),

Bus nach Sonthofen (Bahnhof)

Route: Burgberg – Kammereggalpe

(1130 m) – Grünten – Grüntenhaus

(1535 m) – Wustbach – Burgberg

Rückfahrt: Ab Sonthofen stündlich um

XX:01 Uhr mit Umsteigen in Kempten

bzw. Buchloe

Einkehr: Kammereggalpe, Grüntenhaus

Karl-Hüller-Hütte (1434 m) – Boaleskopf

– Tiefenbacher Eck (1525 m) –

Breiten (1062 m) – Unterried – Burgstalltobel

– Berghofen (775 m) –

Sonthofen

Rückfahrt: Ab Sonthofen stündlich

um XX:01 Uhr mit Umsteigen in

Kempten bzw. Buchloe

Einkehr: unterwegs keine

4 Jägersberg und Judenkirche

(1050 m)

▶ leicht 3 Std.

340 Hm 290 Hm

Charakter: Interessante, talnahe

Wanderung mit überraschenden Ausund

Tiefblicken, u. a. auf Oberstdorf

Sensationell: die »Judenkirche«

(verballhornt, eigentlich »in der

Kirche«), ein mächtiges Felsentor.

Für Familien: Eichhörnchen füttern

im Naturpark Weidach. Interessant:

das Skimuseum in Fischen (Di und

Do 15–17 Uhr).

Ausgangspunkt: Fischen im Allgäu

(761 m), Bahnhof

Endpunkt: Oberstdorf (813 m),

Bahnhof

Route: Fischen – Waldlehrpfad –

Langenwang (771 m) – Jägersberg –

Judenkirche (ca. 1050 m) – Tiefenbach

– Weidach (809 m) – Oberstdorf

Rückfahrt: Ab Oberstdorf stündlich

um XX:40 Uhr mit Umsteigen in

Kempten bzw. Buchloe

Einkehr: in den Weilern am Weg

5 Laufbacher Eck –

Prinz-Luitpold-Haus

▶ schwierig 11½ Std.

1360 Hm 2430 Hm

pold-Haus – »Jubiläumsweg« – Bockkarscharte

(2162 m) – Lahnerscharte

(1982 m) – Schrecksee (1813 m)

– Vordere Schafwanne (2057 m) –

Willersalpe – Hinterstein (7 Std.)

Rückfahrt: Ab Sonthofen stündlich

um XX:01 Uhr mit Umsteigen in

Kempten bzw. Buchloe

Einkehr: Prinz-Luitpold-Haus

(1846 m; Juni bis Mitte Oktober;

www.prinz-luitpoldhaus.de),

Willersalpe (1459 m)

6 Breitachklamm

▶ leicht 3¾ Std.

400 Hm 50 Hm

Charakter: Talwanderung an der

Breitach, mal lieblich, im Klammbereich

schlicht grandios. Nach dem

Hochwasser vom Sommer 2005

Klammsteig teilweise neu erbaut.

Zwischenausstieg zur Walserschanz

(991 m; Gh., Bus) möglich

Ausgangspunkt: Oberstdorf (813 m),

Bahnhof

Endpunkt: Riezlern (1086 m) im

Kleinwalsertal. Walserbus nach

Oberstdorf

Route: Oberstdorf – Reute (884 m)

– Weidach (809 m) – Gh. Breitachklamm

– Breitachklamm – Gh.

Waldhaus (ca. 940 m) – Riezlern

Rückfahrt: Ab Oberstdorf stündlich

um XX:40 Uhr mit Umsteigen in

Kempten bzw. Buchloe

Einkehr: Gh. Breitachklamm,

Gh. Waldhaus, in Riezlern

7 Fellhorn (2038 m) –

Oberstdorf

▶ mittel 4 Std.

160 Hm 1320 Hm

Charakter: Eine Wanderung für Genießer:

viel Aussicht, aber nur wenig

Anstrengung und im Frühsommer

eine artenreiche Flora. Sehenswert:

der waldumsäumte Freibergsee

Ausgangspunkt: Bergstation der

Fellhornbahn (1967 m). Bus von

Oberstdorf (Bahnhof) zur Talstation

Faistenoy (920 m)

Endpunkt: Oberstdorf (813 m),

Bahnhof

Route: Seilbahnstation – Fellhorn

(2038 m) – Schlappoltkopf (1968 m)

– Söllereck (1706 m) – Sattelkopf

(1422 m) – Freibergsee (931 m) – Unterer

Renksteig (826 m) – Oberstdorf

Rückfahrt: Ab Oberstdorf stündlich

um XX:40 Uhr mit Umsteigen in

Kempten bzw. Buchloe

Einkehr: Mehrere Einkehrmöglichkeiten

zwischen Söllereck und Oberstdorf

Anfahrt (gültig für alle Touren)

Abfahrt ab München-Hbf stündlich

um XX:53 Uhr mit Umsteigen in

Kempten bzw. Buchloe

Tipp: Bei Nutzung des Zuges um 8:53

Uhr ein MVV-Ticket bis München-Pasing

lösen. Ab Pasing dann mit dem

Bayern-Ticket fahren, da das Bayern-

Ticket erst ab 9:00 Uhr gilt. Abfahrt

des Zuges in Pasing ist 9:00 Uhr.

3 Hirschberg (1500 m) und

Boaleskopf (1569 m)

▶ mittel 5¼ Std.

840 Hm 920 Hm

Charakter: Abwechslungsreiche

Drei-Gipfel-Tour, teilweise allerdings

auf Asphalt. Finales Highlight:

der romantische Burgstalltobel.

Ausgangspunkt: Bad Hindelang

(820 m), Bus ab Sonthofen (Bahnhof).

Endpunkt: Sonthofen (743 m)

Route: Bad Hindelang – Steinköpfl e

(1076 m) – Hirschberg (1500 m) –

Charakter: Zweitägige Höhenwanderung

am Allgäuer Hauptkamm. Trittsicherheit

und Ausdauer unerlässlich.

Markierte Zwischenabstiege von der

Hütte und vom Schrecksee

Ausgangspunkt: Station Höfatsblick

(1932 m) der Nebelhornbahn,

Talstation beim Eissportzentrum

in Oberstdorf (knapp 10 Min. vom

Bahnhof).

Endpunkt: Hinterstein (866 m),

Bus nach Sonthofen (Bahnhof)

Route: Höfatsblick – Laufbacher Eck

(2178 m) – Prinz-Luitpold-Haus

(4½ Std., Übernachtung). Prinz-Luit-

84 Bergsteiger 07⁄14


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BERGBILDER

Fotowettbewerb: Frühling in den Bergen

Lockmittel

Für viele ist es die schönste Jahreszeit in den Bergen

– allein schon wegen der Farbkontraste. In der

März-Ausgabe hatten wir Sie um Ihre schönsten

Frühlingsbilder gebeten. Hier sind die Gewinner

unseres Foto-Wettbewerbs. Von Heinz Zak beurteilt

Heinz Zak:

Bergfotograf,

Extremkletterer

und Autor

»Die Auswahl der Bilder hat uns ziemlich gefordert.

›So viele gute Bilder‹ war mein erster

Gedanke. Mein zweiter: ›Das ein oder andere Bild

hätte ich auch gerne gemacht.‹ Die Reihenfolge

der Bewertung war noch schwieriger als sonst.

Auswahlkriterien wie Bildaufbau sind bei den

unterschiedlichen Interpretationmöglichkeiten

des (Makro-)Themas nicht so klar bestimmbar.«

Der Gewinner darf eine Woche im »Alpenhotel

Tirol« Galtür logieren, der 2. Sieger erhält einen

Schlafsack »Helium 400«, der 3. ein »Jetboil Coffee

Flask Set« (beide von Mountain Equipment).

1

PLATZ 1: Peter Federspiel (Italien)

Das Bild signalisiert auf Anhieb das

Motto dieses Fotowettbewerbes. Blumen

am Berghang, darüber noch Schnee.

Die Schneerosen sind gekonnt seitlich im

Bild platziert. Der Bildaufbau ist dadurch

spannend und die Linie der Blumen führt

den Betrachter noch angenehm hinauf

Richtung Schnee.

2

PLATZ 2: Gerd Dähne (Hof)

Die Krokuswiese ist richtig stimmungsvoll

fotografi ert. Luftig weich durch das Spiel

von Schärfe und Unschärfe. Die Schärfe

liegt am richtigen Punkt.

3

86 Bergsteiger 07⁄14

PLATZ 3: Andrea Sämisch (Lüneburger

Heide) Die Wiese mit Silberwurz

wurde fotografi sch gut umgesetzt. Der

tiefe Standpunkt verdichtet die Anzahl

der Blumen, die Unschärfe macht das

Bild weich und duftig. Die Schärfe

liegt am richtigen Punkt, die Diagonale

bringt zusätzlich Spannung ins Bild.

4


4Walter

Kuprian (Italien) Ein schönes Motiv, das auf jeden Fall

das Potenzial für ein Siegerbild hätte. Leider wirkt das Bild durch

den mittigen Bildaufbau nicht besonders dynamisch. Auch den

Stadel rechts im Bild hätte man lieber weglassen sollen.

5

7

Rudolf Lahnsteiner

(Österreich)

Ein tolles Motiv, im

richtigen Augenblick

belichtet

6

tem

PLATZ 6: Sarah Gekeler (Pfullingen)

Schöne Makroaufname mit gut gewähl-

Standpunkt

8

PLATZ 7: Michael Metz

(Forbach) Ein schönes Motiv

mit klassischem Bildaufbau

von Vordergrund und Hintergrund

9

PLATZ 8: Frank Krautschick

(Dresden) Ebenfalls ein »klassischer«

Bildaufbau. Durch das

Weitwinkelobjektiv sind Vorder- und

Hintergrund deutlich erkennbar.

PLATZ 9: Agi Egger

Ein witziges Bild, das einen zum

Schmunzeln bringt

10

PLATZ 10: Elmar Krenkel

(Österreich) Ein Schnappschuss,

der gut ins Bild gesetzt ist

07⁄14 Bergsteiger 87


AUF TOUR

SERIE:

Von Null aufs Dach der Alpen

Klettersteige machen

mit Steighilfen

schwierige Wände

zugänglich – sind aber

kein Freifahrtschein.

Ran an

Teil 1 – Gehschule

Teil 2 – Leichter Klettersteigettersteig

Teil 3 – Berglauf! Berglauf!

Teil 4 – Erste leichte leichte Hochtour

Teil 5 – Erster »Zweier«

Teil 6 – Ausrüstung

Teil 7 – Ernährung

Teil 8 – Schneeschuh

Schneeschuhtour

ur

Teil 9 – Erst Halle, dann dann dann Fels Fels

Teil 10 – Hochtourentechnik

technik

Teil 11 – Wetterkundde

e

Teil 12 – Hochtourentaktik

88 Bergsteiger 07⁄14


EINE INITIATIVE VON

+

die Eisen!

Auf dem Weg zum Mont Blanc kommt

man zwar kaum mit Klettersteigen

in Berührung. Doch Eisenwege machen

Spaß und sind eine gute Schule für

Koordination und Schwindelfreiheit –

vorausgesetzt, man geht sie richtig an.

Von Moritz Baumstieger

Sich in die Seile zu hängen kostet

Überwindung, spart aber Kraft.

Ran an die Eisen. Die Tage sind

endlich wieder lang, die Temperaturen

perfekt, die letzten

Schneefelder geschmolzen. Die

ersten Frühjahrstouren haben

für Grundfitness gesorgt – Klettersteige

sind nun ideal, um die alpinistische Erfahrung

vor den großen Sommertouren

zu steigern. Und im Prinzip sind sie für

jeden machbar, sagt Eugen Hüsler, der

Via-Ferrata-Freak und Buchautor, der

in der Szene auch unter dem Ehrentitel

»Klettersteig-Papst« geführt wird. »Wer

mit offenen Augen und wachem Verstand

unterwegs ist, wer Wetter, den Berg, seinen

Partner und sich selbst kritisch

beobachtet, dem kann

eigentlich nichts

passieren.«

Probleme mit der Höhe sollte man allerdings

nicht haben. »Doch auch Schwindelfreiheit

lässt sich trainieren«, muntert

Hüsler jene auf, bei denen tiefe Abgründe

bisher eher ein Schaudern als Begeisterung

hervorrufen, »zum Beispiel im Hochseilgarten«.

Ausrüstung braucht es nicht viel: Sitzund

Brustgurt, einen Helm und ein

Klettersteig-Set (siehe Kasten) sollte aber

jeder dabei haben, der sich an einen mit

Stahlseilen abgesicherten Weg durch Felswände

und über Grate wagt. »Trotzdem

sollte man sich bewusst sein, dass das

Klettersteigset keine Totalversicherung

gegen Schäden ist, sondern nur eine Absicherung

für den Notfall«, sagt Hüsler.

»Stürze sind immer gefährlich und Klettersteige

keine Sportkletterrouten, bei denen

man immer be-

quem ins Seil springen kann, wenn man

an sein Limit kommt.«

Anfängern empfiehlt Hüsler deshalb, es

eher sachte anzugehen: Klettersteige der

Kategorie B oder C sollten für den Einstieg

reichen. Zumal oft vergessen wird, dass

auch der Zustieg zum Steig Kraft kostet,

die dann in den Schlüsselstellen fehlen

könnte.

▶ 50 neue Klettersteige pro Jahr

In Relation zu dem Bergerlebnis, das Klettersteige

bieten, ist die Sicherungstechnik

ziemlich einfach – das macht ihren Reiz

aus und erklärt den Boom, den der Sport

in den letzten Jahren erfahren hat: Etwa

50 neue Klettersteige entstehen derzeit

jedes Jahr, circa 1500 Eisenwege gibt es

allein in Deutschland, Österreich, Italien

und der Schweiz.

Beide Arme des Klettersteigsets werden in

das Stahlseil eingeklinkt und in Steilstellen

mit einer Hand mit nach oben geführt.

Bei der nächsten Zwischensicherung wird

erst der eine Karabiner umgehängt,

Fotos: Robert Bösch / Archiv Mammut (2)

07⁄14 Bergsteiger 89


TRAININGSPLAN

1 Klinken lernen

Ziel: Den Umgang mit dem Klettersteigset

optimieren

Umsetzung: Ein paar Meter auf Brusthöhe

zwischen Bäumen gespanntes Seil oder

eine ruhige Stelle am Einstieg eines leichten

Klettersteiges sind das Übungsterrain. Zuerst

soll das Umhängen zwischen den Fixpunkten

automatisiert werden: Hängen Sie Ihre Sicherung

immer wieder um – und versuchen

Sie dabei, die Karabiner so zu greifen, dass

Sie die Verschluss-Automatik gleich und

mit einem Handgriff öffnen können. Klappt?

Hervorragend, nun bitte mit der anderen Hand.

Besonders beachten: Während der eine

Sicherungsarm des Klettersteigsets in das

neue Seilstück geklinkt wird, bleibt der andere

Sicherungsarm im alten.

2 Vertrauen fassen

Ziel: Wissen, was die Ausrüstung kann.

Umsetzung: Hängen Sie die Karabiner in das

Seil, setzen Sie sich langsam in Ihren Gurt.

Sehen Sie? Es hält! Nun nehmen Sie die

Hände vom Seil – und heben dann auch noch

die Füße an. Wiederholen Sie das Ganze

nun etwas schneller, bis Sie ihrer Ausrüstung

wirklich vertrauen.

Besonders beachten: Auch hier: Beide Arme

des Klettersteigsets sind eingehängt. Und bitte

keine zu hohen Probestürze – sonst müssen

Sie in ein neues Klettersteigset investieren.

3 Haushalten lernen

Ziel: Kraft sparen

Umsetzung: Der natürliche Instinkt lässt einen

den Körperschwerpunkt möglichst nahe an die

Wand verlagern, wenn der Nervenkitzel etwas

größer wird. Auch wenn es sich sicherer anfühlt,

kostet es Kraft: Versuchen Sie deshalb, die

Karabiner mit gestrecktem Arm umzuhängen,

anstatt sich mit der Brust ans Seil zu ziehen.

Besonders beachten: Sie haben es schon

erraten: Während Sie den einen Karabiner

ausklinken, ist der andere natürlich weiter

eingehängt.

COUPON 1

COUPON 2

Wer das Klinken fleißig geübt hat, kommt im steilen Gelände nicht ins Schwitzen.

dann der andere. Niemals aber beide

gleichzeitig, weil man so einen Augenblick

lang ungesichert wäre – vielleicht

im falschen Augenblick. Hüsler rät dem

Anfänger hier zur Ruhe: »Auch, wenn hinter

einem erfahrene Berggeher drängeln,

beim Umhängen sollte man sich nie stressen

lassen. Wenn es jemandem zu langsam

geht, dann soll er eben überholen

– der Einsteiger sollte sich aber alle Zeit

der Welt nehmen, einen guten Stand zu

finden und seine Sicherung dann richtig

zu platzieren.« Damit man im Falle eines

Falles nicht noch einen Partner mitreißt

(und damit das Sicherungsseil dann nicht

doppelt belastet wird), sollte zudem immer

nur ein Bergsteiger zwischen zwei Sicherungspunkten

eingehängt sein – also

auch hier bitte nicht drängeln.

▶ Kleine Tritte sparen Kraft

Den Weg nach oben langsam und mit

Übersicht zu suchen, empfiehlt Hüsler

generell. Schon allein deshalb, weil es

Kraft spart. Drei kleinere und sorgfältig

gewählte Tritte sind ökonomischer als ein

großer. Und anstatt sich hektisch am Seil

nach oben zu hangeln, wenn es steil und

spannend wird, sollte sich der Anfänger

daran erinnern, warum es »Klettersteig«

heißt und nicht »Kletterzug«: »Jeder Beinmuskel

ist stärker als der trainierteste Bizeps.

Deshalb: Mit den Füßen steigen und

so den Körper nach oben drücken!«

Fotos: Robert Bösch / Archiv Mammut (2), Mammut (2)

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allen 12 Coupons eine Besteigung

des Mont Blanc mit der Mammut

Alpine School gewinnen.


AUSRÜSTUNG

Schuhe: Der ideale Schuh für den Klettersteig

ist stabil, aber nicht zu schwer – Einsteiger greifen

am besten zu weichen Trekkingstiefeln.

Helm: Ein Muss, denn manchmal kommen

Steine von oben. Neue Modelle wie der

Mammut Rock Rider bringen nur 250 Gramm

auf die Waage.

Gurt: Wer nur einen Hüftgurt trägt, droht bei

einem Sturz nach hinten zu kippen, wer nur

einen Brustgurt trägt, riskiert Verletzungen der

Wirbelsäule. Deshalb: Entweder beides tragen

– oder einen Kombigurt, besonders wenn der

Rucksack schwer wiegt.

Klettersteigset: Das Herz der Sicherheits-

Ausrüstung – und wegen seiner smarten

Bauweise gleichzeitig auch so etwas wie das

Hirn. Die Karabiner an den beiden Sicherungsarmen

sind mit einer Verschlussautomatik

ausgestattet, die den Bügel verriegelt, sobald

er ins Seil eingehängt ist. Weil bei einem Sturz

starke Kräfte auftreten, die den Körper stauchen

können, muss das Klettersteigset den

Fangstoß dämpfen. Hier gibt es einerseits Systeme

mit Seilbremsen, in letzter Zeit werden

aber Bandfalldämpfer immer beliebter: Ein

Schlauchband ist in mehreren Lagen übereinandergelegt

und vernäht. Ab einem Sturz mit

einem Fangstoß von mehr als 1,2 kN spricht

das Klettersteigset an: Die Nähte reißen auf

und dämpfen den Fall. Danach muss man

sich ein neues Set zulegen, was nach einem

solchen Sturz aber die geringere Sorge sein

dürfte. Weil bei einigen Klettersteigsets in der

Vergangenheit Probleme auftraten, starteten

die Hersteller eine Rückrufaktion. Die betroffenen

Produkte fi nden sich hier:

www.alpenverein.de/Bergsport/Sicherheit/

Rueckruf-Klettersteigsets/

Die Basisausrüstung für jeden

Klettersteig: Helm, Klettergurt

und ein Klettersteig-Set mit

Bandfalldämpfer

Auch Zu- und Abstieg gehören beim

Klettersteiggehen in die Tourenplanung.

Den Armen kommt beim Klettersteig eher

die Aufgabe zu, den Körper an der Wand

zu halten. Und auch hier lässt sich viel

Kraft sparen. »Selbst, wenn es am Anfang

etwas Überwindung kostet: Man sollte das

Seil bei Querungen mit gestreckten Armen

greifen, sich also ein wenig nach hinten

lehnen«, rät Hüsler. »Wenn man sich

nah an die Wand klammert, ermüden die

Arme schnell.« Wer seinen Körperschwerpunkt

ein Stück weit von der Wand weg

einpendelt, bringt zudem mehr Druck auf

die Füße, die ja die Hauptlast des Körpers

tragen sollen.

▶ Blockaden vermeiden

Manchmal sind es aber weniger die Anforderungen

an Kraft und Klettertechnik,

die den Anfänger an seine Grenzen stoßen

lassen. Sondern die Psyche, wenn es zu

ausgesetzt und luftig wird. Im schlimmsten

Fall droht die »Blockade« – dann

kommt man weder vor noch zurück und

ist oft auf Rettung angewiesen. Hüsler rät

daher zum Rückzug, wenn man merkt,

dass man sich übernommen hat. »Wenn

das nicht möglich ist, hilft immer ein Gespräch

mit dem Partner – das beruhigt,

wenn sich Panik breitmacht.« Klettersteige

sollte man (vor allem als Anfänger)

nicht alleine begehen. Aber das wäre sowieso

Unsinn: Wenn die Länge der Tage

und die Temperaturen wieder im idealen

Bereich für Touren sind und die Berge

tolle Erlebnisse versprechen – dann will

man die ja sowieso mit jemanden teilen.

Also: Ran an die Eisen, am besten mit

Freunden.


TOUR

TOURENTIPP zum Nachgehen

Isidor-Klettersteig,

Berchtesgadener Alpen

▶ mittel 5 Std.

700 Hm 700 Hm

Charakter: Moderner, südseitiger

Klettersteig direkt über dem Königssee,

mit steilen Passagen (C) und Varianten

auf den aussichtsreichen Grünstein

(1304 m)

Anfahrt: Von München über die A8

nach Bad Reichenhall und weiter

über die B20 nach Berchtesgaden,

in Schönau am Königssee parken.

Oder mit dem Zug in 2:40 Std.

von München nach Berchtesgaden

und per Bus zum Königssee

Einkehr: Grünsteinhütte (1220 m)

am Abstieg

Zustieg: Vom Parkplatz am Königssee

entlang der Bob- und Rodelbahn

in Richtung Grünstein aufwärts.

Auf steilem Steig durch den Wald, dem

Forstweg (AV 443) über drei Kehren

zur Infotafel (am Klettersteigbeginn)

aufwärts folgen (ca. 1 Std.)

Route: Über eine steile B/C-Passage

empor zum »Beppopfeiler« und über

das leichtere Wernerwandl ins erste

Gehgelände, wo die »Variante« mündet

und man den Blick zum Königssee

genießen kann. Es folgt der »Sulzberg

Überhang« und mit dem »Quittenbaumeck«

die letzte B/C-Passage.

Direkt dahinter das Wandbuch. Nun in

leichtem Gelände (A) und zum Gipfel

des Grünsteins

Abstieg: Vom Gipfel in 10–15 Min. zur

bewirtschafteten Grünsteinhütte hinab.

Von der Hütte auf dem markierten Weg

445 zum Königssee absteigen (ca. 1 Std.)

Karte: AV-Karte BY 22 »Berchtesgaden,

Untersberg«, Infos auch unter

www.klettersteig-gruenstein.de/

07⁄14 Bergsteiger 91


KAUFBERATUNG

Robuste Trekkingschuhe im Test

Lang-Läufer

Es hilft alles nichts, wenn

der Schuh nicht passt.

Gerade bei mehrtägigen

Wanderungen können

Blasen oder Druckstellen

einem die ganze Tour

vermasseln. Genauso

wichtig ist es aber, dass

die Stiefel zum Gelände

passen, in dem man

unterwegs ist.

Von Christian Schneeweiß

ROBUST

Das Obermaterial sollte aus

zähem und wasserabweisendem,

glattem Leder bestehen

und mit Rundum-Gummierung

über der Sohle verstärkt sein,

das strapazierfähige Futter

eine Membran besitzen.

Des Wanderers wichtigstes Sportgerät

sind die Bergschuhe. Sie

entscheiden darüber, wie weit

die Füße einen tragen, ohne

dass sie schmerzen. Und nicht

nur das: Robust müssen sie sein, sollen Hitze

und Kälte, Nässe und Staub standhalten.

Und das oft über mehrere Wochen hinweg

ohne ausgiebige Pflege.

Welcher Bergschuh für den Kauf in Frage

kommt, darüber entscheidet zunächst einmal

der Einsatzzweck. Die einen brauchen

die Trekkingstiefel für Weitwanderungen

durch weitgehend flaches Wiesen- und

Waldgelände, die anderen wollen damit

über Stock und Stein und zahlreiche Höhenmeter

hinauf bis in die felsigen Gebirgsregionen.

Die von uns getesteten, robusten Trekkingschuhe

entsprechen am ehesten den klassischen

Bergschuhen: Mit ihnen lassen sich

mehrtägige Touren mit schwerem Rucksack

gehen, ohne dass die Füße überlastet

werden oder nennenswerte Verschleißerscheinungen

am Schuh auftreten. Außerdem

vermitteln die Schuhe nicht nur auf

schlechten Wegen, sondern auch an steilen

Hängen, auf grobem Schutt oder im

angetauten Firnfeld Trittsicherheit. Preislich

liegen die getesteten Modelle mit

92 Bergsteiger 07⁄14


DIE ZWÖLF TESTMODELLE

IM ÜBERBLICK

AKU Superalp GTX W’s

BOREAL Zanskar

DACHSTEIN Dolomiti

GARMONT Ferrata GTX

HANWAG Alverstone GTX Lady

LA SPORTIVA Karakorum Trek GTX

LOWA Lavena GTX W’s

MAMMUT Alto High GTX

MILLET Heaven Peak GTX

SCARPA Revo Pro GTX

THE NORTH FACE W Verbera Light Packer

ZAMBERLAN Vioz Plus GTX

STABIL

GRIFFIG

Egal ob auf schlammigen

Wegen, auf Wiesen oder

Waldboden: Das Profil sollte

sich gut in den weicheren Untergrund

eingraben, um in

jeder Situation sicheren

Halt zu bieten.

Der Schuh sollte mittels

effizienter Schnürung den Fuß

beim Gehen rundum fest, aber

ohne Druckstellen umschließen,

der Schaft den Knöchel vor

Umknicken und Verletzungen

schützen.

TIPP

Die richtige Schuhpflege

• Um das Leder geschmeidig zu halten und

seine Lebensdauer zu verlängern, sollte

man es regelmäßig mit einer Handcreme

einreiben. Lederschuhe mit oder ohne

Membran sollten zudem gelegentlich an

den Nähten gewachst und vor nassen

Touren imprägniert werden.

• Gerade ein fester, robuster Schuh sollte

beim Anprobieren rundum bequem sein,

denn etwaige Druckstellen passen sich

beim Einlaufen kaum noch dem Fuß an.

• Tiefzughaken zwischen Vorfuß und Schaft

pressen die Ferse gegen den Absatz.

Fixieren sie gleichzeitig die Schnürung oder

gibt es einen extra Fixierhaken, lassen sich

Vorfuß und Schaft unterschiedlich fest

schnüren.

• An den Sohlen pappender Schnee, weniger

dagegen Dreck lässt sich besonders bei

dreckabweisendem Profi l abschlagen,

indem man mit einem Schuh seitlich oder

von hinten gegen den anderen Schuh klopft.

Foto: Robert Bösch, www.robertboesch.ch

07⁄14 Bergsteiger 93


Unter Verschluss: Diese raffinierte Schnürung

hält die Spannung per Fixierhaken,

drückt die Ferse per Tiefzughaken an den

Absatz und verschließt den Schaft mit den

üblichen Haken (Mammut).

Balanceakt: Die Seitenstabilität lässt sich

grob durch Stehen auf einer Kante beurteilen.

Dieser Alpinschuh mit steigeisenfester

Sohle und steifem Schaft kantet optimal

im Hang (und auf Schnee) ein (La Sportiva).

Bodenkontakt: Das Profil sorgt für Griffigkeit.

Dazu sollten die Stollen mindestens

5 mm tief sein, aber zur Dreckabweisung

weiter auseinander stehen. Diese Stollen

sind sogar abgeschrägt (The North Face).

Fotos: Christian Schneeweiß (3), privat, Hersteller

Kosten zwischen 200 und 260 Euro etwas

über dem, was man durchschnittlich für

einen normalen Wanderschuh bezahlt.

▶ Das Material

Robuste Trekkingschuhe bestehen fast

durchwegs aus zähem Leder (bei The North

Face Leder vorn, Grobtextil hinten). Für

gewöhnlich saugt dies weniger Nässe als

Texilmaterial, doch über Schwachstellen

wie Nähte kann Wasser auch durch Leder

leichter nach innen dringen. Dauerhaft

wasserdicht werden die Stiefel durch eine

Membran (bei den meisten Stiefeln

von Gore-Tex) im Textilfutter, welches am

Schaft im Knöchelbereich über weichen

Schaumstoff gezogen ist. Beim Modell

von La Sportiva mit Memory Foam passt

▶ So testet der Bergsteiger

Für den Funktionstest wurde beim Anziehen der

Schuhe auf Art, Schnelligkeit und Effi zienz der

Schnürung geachtet. Der resultierende Sitz am

Fuß ging in die Bewertung ein (etwaige Lockerungen

der Schnürung beim Gehen wurden nur

registriert).

Für die Bewertung des Abrollens über den Ballen,

aber auch über die Ferse reichte das Gehen

in der Ebene (wie einem Sportgeschäft) nicht

aus. Steiler Aufstieg mit maximaler Dehnung der

Vorfuß-Sohle und harter Abstieg (Fahrweg) auch

zur Ermittlung der Dämpfung (Abweichungen

vom relativ harten Standard wurden registriert),

v. a. an der Ferse waren hierfür erforderlich.

Bei seitlichem Auf- und Abstieg und Querungen

sich der Schuh sogar dauerhaft der individuellen

Fußform des Trägers an. Robuste

Trekkingschuhe besitzen ebenso wie

Alpinschuhe einen rundum laufenden

Gummischutz, der meist im Zehen- und

Fersenbereich hochgezogen ist. Er schützt

das Leder vor Verletzungen durch scharfkantige

Steine und macht den Schuh somit

langlebiger.

▶ Schnürung und Schaft

Die Schnürung entscheidet über den Halt

des Fußes im Schuh. Ist er zu fest, schnürt

es die Blutzirkulation ab; ist er zu locker,

bietet er nicht genügend Stabilität, um

Lasten bis zu 25 Kilogramm über holprige

Wege, bergauf und bergab zu tragen. Am

besten funktionieren zweigeteilte Schnür-

im steilen Gelände (Wald und Wiese) wurde die

Einkantfähigkeit ermittelt, die zusammen mit

dem Sitz am Fuß sowie Schaft- und Verwindungssteifi

gkeit die Seitenstabilität bestimmte.

Diese ist eher für die Bergtauglichkeit als für die

Wanderfunktion der Schuhe wichtig. Der Kantenhalt

wurde zusätzlich an einem Treppenabsatz

geprüft.

Ebenfalls im Auf- und Abstieg wurde der

Profilgriff getestet, und zwar auf Wald- und

Wiesenboden sowie auf erdigen oder schlammigen

Wegen. Die Dreckabweisung, also das

Haftenbleiben oder Abfallen von Erde oder

Schlamm am Profi l, fi el sozusagen als Abfall an.

An Felsen wurde die Reibung getestet.

systeme: Zwischen den Ösen oder Schlaufen

am Vorfuß und den Haken am Schaft

sollte sich ein Spezialhaken zum Fixieren

der Schnürsenkel befinden. Hanwag und

Lowa ermöglichen das schnelle Festziehen

in diesem unteren Bereich in einem Zug.

Um dem Lockern der Schnürung auch im

oberen Bereich vorzubeugen, bindet man

einfach eine Doppelschleife.

Ein hoher, relativ steifer Schaft reduziert

bei schwerer Last oder schwierigem Gelände

das Risiko umzuknicken. So werden

nicht nur Schäden am Knöchel verhindert,

sondern auch ein sicheres Gehen am

Hang mit präzisem Einkanten ermöglicht,

ohne seitlich abzurutschen. Aku und The

North Face mit weicheren und kürzeren

Schäften passen sich dagegen eher dem

Gelände an, was sie optimal auf felsigem

Untergrund, aber weniger geeignet für

Schnee macht.

Die individuelle Fußform spielt ebenso

wie der Einsatzzweck eine entscheidende

Rolle bei der Wahl des Schuhmodells. Je

enger die Schuhe sitzen, desto besseren

Halt geben sie beispielsweise in felsigem

Gelände. Breitere Passformen sind bequem

und eignen sich eher für sanfte Touren

durch Wiesen- und Waldregionen. Wichtig

ist allerdings besonders im Aufstieg

ein guter Fersenhalt, der natürlich auch

von der individuellen Fußform und den

Socken (Dicke und Verrutschen) abhängt.

Eine Zugschlaufe als Einstiegshilfe am relativ

hohen Schaft ist immer praktisch.

▶ Griffige Grundlage

Robuste Trekkingschuhe für schwere

Lasten und anspruchsvolle Wege soll-

94 Bergsteiger 07⁄14


▶ Rat vom Experten

Sportwissenschaftler und Bewegungsanalytiker

Marco Krückemeier ist Chef

der »go 3 KG« in Köln (www.go-drei.de).

Tipp 1 Aufgrund der Festigkeit eines

robusten Trekkingschuhs muss besonders Wert

auf eine ideale Passform gelegt werden.

Die Fußlänge, Risthöhe, Vorfußbreite sowie

die Fersendicke sollten bei der Wahl beachtet

werden, um den Schuh optimal an den Fuß

anzupassen. Der Zweck der Schuhe – von Wande -

rungen, Trekking bis hin zu Alpin – entscheidet

über den jeweiligen Sohlenaufbau. Auch die Wahl

der Socken ist nicht zu unterschätzen, da man

so gut die Zwischenräume ausfüllen kann.

Bei allen Einsätzen steht der Tragekomfort im

Vordergrund. Nur ein perfekter Sitz im Schuh

sorgt für beschwerdefreies Gehen, ob im

Gelände, bei Schnee oder bei warmen Temperaturen.

Bei zusätzlich schwerer Last sollte

vor allem auf eine anatomisch korrekte Stellung

der Füße im Schuh geachtet werden. Auch

ein robuster Schuh kann sehr bequem und

komfortabel sitzen.

Tipp 2 Ungewohnte und kontinuierliche

Fehlbelastungen können in einem robusten

Schuh zu unangenehmen und schmerzhaften

Druckstellen führen. Nicht selten treten bei

anatomischen Knick- oder Senkfußstellungen

Druckstellen am Innenknöchel auf.

Die Fersensprengung (Höhendifferenz zwischen

Ferse und Vorfuß) zwingt den Fuß zu einer

erhöhten Vorfußbelastung und kann zu schmerzhaftem

Sohlenbrennen führen. Gleichzeitig führt

die Absatzhöhe zu ungewohnten Belastungen

der Achillessehne und kann auch hier Reizungen

zur Folge haben. Durch eine orthopädisch angepasste

Einlage wird die Fußstellung korrigiert

und scheuernde Druckstellen am Knöchel

vermieden. Unangenehmes Sohlenbrennen wird

durch ein unterstützendes Element namens

Pelotte im Vorfußbereich behoben. Diese Korrektur

sollte – wie bei Reizungen der Achillessehne

– auch mit einer Reduzierung der Absatzhöhe

einhergehen.

▶ Die Schuhe im Vergleich …

AKU

Superalp GTX W’s

Info: www.aku.it

Preis: 210 €

Gewicht/Paar: 1750 g

Komfort: Der vorne breitere Schuh mit

weicherer Sohle ist äußerst komfortabel und

rollt harmonisch und gut gedämpft ab.

Halt: Weicher Schaft, lockerer Fußhalt u.

wenig seitensteife Sohle vermindern den

Kantenhalt im Gelände.

Sohle: Das abgerundete Profi l passt sich

Boden und Fels gut an, ist aber bis auf den

Absatz nicht sehr griffi g.

ABROLLEN

SITZ AM FUSS

SEITENSTABILITÄT

PROFILGRIFF

DRECKABWEISUNG

BOREAL

Zanskar

Info: www.e-boreal.com

Preis: 199,95 ,- €

Gewicht/Paar: 1760 g (Gr. 46)

Komfort: Der vorn etwas schmalere, bequeme

Schuh mit gut gepolsterter Einlage passt sich

perfekt dem Fuß an.

Halt: Der Schuh lässt sich durch Kombination

von steiferer Sohle, Bodengefühl und

steiferem Schaft exakt setzen und einkanten.

Sohle: Im weiten Profi l bleibt zwar wenig Dreck

hängen, aber es reduziert auch die Tauglichkeit

für Gelände oder auf rutschigen Wegen.

ABROLLEN

SITZ AM FUSS

SEITENSTABILITÄT

PROFILGRIFF

DRECKABWEISUNG

DACHSTEIN

Dolomiti D-Tex

Info: www.dachsteinoutdoorgear.com

Preis: 199,95 €

Gewicht/Paar: 1760 g (Gr. 46,5)

Komfort: Der bequeme Schuh mit beweglichem

Schaft und leichtgängiger Schnürung besitzt

vorne eine fl exibel-ergonomische Sohle.

Halt: Der mittelbreite Schnitt und die

effi ziente Schnürung ergeben einen guten

Halt ohne Komfort-Verlust.

Sohle: Die dünne Dämpfung passt zum

Alpinprofi l mit Reibungsfl äche von der Spitze

bis zum Innenballen, aber der Griff ist reduziert.

ABROLLEN

SITZ AM FUSS

SEITENSTABILITÄT

PROFILGRIFF

DRECKABWEISUNG

▶ FAZIT: Gefühlvoller Komfortstiefel

Eine weite Zehenbox und gefühlvolle Untergrundanpassung

stehen im Kontrast zu wenig

Fußstützung, Fersenhalt und Kantenstabilität.

Auf steinigem Boden ist der Halt nicht

optimal. Der rundum bequeme Schuh eignet

sich ideal für unproblematische Weitwanderungen

ohne schwere Last.

▶ FAZIT: Felstauglicher Allrounder

Der klein ausfallende Schuh mit gutem

Fußhalt und dampfdurchlässiger Einlegesohle

für wärmere Temperaturen verbindet Komfort

mit Funktion. Der seitenstabile Schuh ist ein

Allrounder, der mangels gutem Profi l eher bei

Hüttenwanderungen oder auf Touren mit viel

Felskontakt punktet.

▶ FAZIT: Hochalpiner Hausschuh

Der bequeme Alpinstiefel mit optimaler

Reibungsfl äche ist geeignet für felsigen

Untergrund oder Klettersteigpassagen. Trotz

festerer Sohle rollt er rund ab, kann aber bei

steilem oder schmierigem Aufstieg wegrutschen.

Der komfortable Alpinschuh ist ideal

für Dolomiten-Treks mit wenig Gepäck.

07⁄14 Bergsteiger 95


SCHUTZ VOR

UMKNICKEN

Der höhere Schaft sollte bis

zum Knöchel relativ steif sein.

Über dem Knöchel sorgt ein

weicher Schaftabschluss für

mehr Beweglichkeit, ein steifer

Abschluss für mehr

Stabilität.

TIPP

Allround

TIPP

Komfort

TIPP

Robust

Foto: Hanwag / Moritz Attenberger

TIPP

Robust

GARMONT

Ferrata GTX

Info: www.garmont.com

Preis: 199,95 €

Gewicht/Paar: 1690 g (Gr. 45)

Komfort: Der schmale Schuh mit guter

Dämpfung und ausgeprägter Ferse umschließt

den Fuß rundum angenehm und doch fest.

Halt: Steife Sohle und fester Sitz am Fuß

ergeben einen sicherem Seit- und Frontstand,

der dennoch am Schaft beweglich ist.

Sohle: Die für Kombisteigeisen und Klettern

geeignete Sohle biegt sich vorne nur bei

Volllast. Das Profi l ist griffi g, der Absatz niedrig.

ABROLLEN

■ SITZ AM FUSS

■ SEITENSTABILITÄT

PROFILGRIFF

DRECKABWEISUNG

▶ FAZIT: Alpiner Allroundschuh

Funktionell und doch bequem, steif und doch

überm Knöchel weich, mit ausgeprägtem

Profi l und doch gut im Fels: der steigeisentaugliche

Allrounder fürs Hochgebirge. Im

Profi l stollt der Dreck, deshalb ungeeignet für

schlammige Wege. Die dicke Lastdämpfung

beeinträchtigt den Halt am Fels.

HANWAG

Alverstone GTX W’s

Info: www.hanwag.de

Preis: 249,95 €

Gewicht/Paar: 1980 g (Gr. 46)

Komfort: Der Schuh umschließt den Fuß

perfekt und rollt gut über den Ballen ab, die

Ferse jedoch hat weniger Halt.

Halt: Trotz schmalem Schnitt und langem,

recht steifem Schaft mäßiger Kantenhalt

aufgrund der wenig torsionssteifen Sohle

Sohle: Das aggressive Trekkingprofi l (6-7 mm

tief) mit markantem Absatz gräbt sich in jeden

nachgiebigen Boden ein.

ABROLLEN

■ SITZ AM FUSS

■ SEITENSTABILITÄT

PROFILGRIFF

DRECKABWEISUNG

▶ FAZIT: Sanfter Wanderfreund

Der hohe Schuh mit effi zienter Schnellschnürung

ist durch sein tiefes Profi l sehr griffi g,

stabilisiert aber den Fuß nicht optimal. Der

Absatz behindert beim Abstieg und der Vorfuß

ist wenig verwindungssteif. Der Komfortschuh

für Trekkingtouren v. a. in feuchten Regionen

ist weniger bergtauglich, als er scheint.

LA SPORTIVA

Karakorum Trek GTX

Info: www.lasportiva.com

Preis: 259,95 €

Gewicht/Paar: 1820 g (Gr. 46)

Komfort: Rollt trotz steifer Sohle ergonomisch

ab und passt sich dem Fuß gut an

Halt: Die Kombination aus guter Passform,

hohem Schaft und verwindungssteifer Sohle

bietet perfekten Seitenhalt an Hängen.

Sohle: Das wechseltiefe Profi l (6-4 mm) ist

sehr griffi g, dreckabweisend und frisst sich in

steile Pfade oder Hänge, ist aber ungünstig im

felsigen Gelände.

ABROLLEN

SITZ AM FUSS

SEITENSTABILITÄT

PROFILGRIFF

DRECKABWEISUNG

▶ FAZIT: Sicherer Schwerlast-Träger

Das robuste Modell führt auch mit viel

Gepäck sicher über steile Hänge und eignet

sich ideal für Korbsteigeisen. Es bietet kaum

Untergrund-Gefühl und ist sehr steif, aber

komfortabel. Zu grob für einfache Wanderungen,

verspricht der Schuh Sicherheit auf

anspruchsvollen Bergtouren außer im Fels.

96 Bergsteiger 07⁄14


Je steifer die Sohle, desto

unbeholfener das Gehen und

umso häufiger das Ausrutschen.

ten eine relativ steife Sohle besitzen, die

unter den Ballen entweder ergonomisch

gerundet ist (beispielsweise bei den steigeisenfesten

Modellen von La Sportiva und

Zamberlan), zusätzlich am Vorderfuß flexibel

abrollt oder eine Knickstelle unter

den Ballen besitzt (wie das Modell von The

North Face). Für eine optimale Kantenstabilität

des Schuhs ist zusätzlich zum Sitz

des Fußes im Schuh eine hohe seitliche

Verwindungssteifigkeit der Sohle erforderlich.

Allerdings gilt tendenziell: Je

steifer die Sohle des Schuhs, desto unbeholfener

das Gehen auf holprigen Wegen

und umso häufiger das Ausrutschen auf

Wurzeln. Hinzu kommt ein reduziertes

Gefühl für den Untergrund, auf dem man

sich bewegt. Auch die Dämpfung der Sohle

ist für schwere Lasten und einen exakten

Antritt allgemein härter. Dafür ist der Fuß

vor Schäden geschützt, wie sie infolge von

Überlastung auftreten können.

Dreckabweisendes Profil

Die grobstolligen, kantigen Profile sind

mindestens fünf Millimeter tief (bei

▶ Resümee

Wie im gesamten Outdoorbereich ist auch

bei Trekkingschuhen für schwere Mehrtageund

anspruchsvolle Bergtouren Robustheit

nicht mehr gleichbedeutend mit hohem

Gewicht und mangelndem Komfort: Gut

1700 Gramm wiegt heute ein typisches

Paar Schuhe für unwegsames Gelände. An

der Sohle zeigt sich die Spezialisierung:

Ist die Seitenverwindung groß, passen

sich die Schuhe dem Weg besser an und

rollen leicht ab, was in sanftem Gelände

komfortabel ist. Für Trekker, die hoch hinaus

wollen, eignen sich hingegen Sohlen mit

geringer Seitenverwindung. Damit hat man

im steilen Gelände mehr Halt. Beim Profi l

der Schuhe zählt inzwischen nicht nur wie

gehabt die Griffi gkeit, sondern immer öfter

auch, dass sich möglichst wenig Schlamm

und Erde darin festsetzen.

TIPP

Allround

LOWA

Lavena GTX W’s

Info: www.lowa.de

Preis: 239,95 €

Gewicht/Paar: 1600 g (Gr. 42)

Komfort: Der bequeme Schuh mit leichtgängiger

Schnürung umschließt den Fuß rundum

optimal, rollt aber weniger gut ab.

Halt: Durch knappen Schnitt und raffi nierte

Schnürung mit Schlupf- und Zungenfi xierung

sitzt der Schuh perfekt.

Sohle: Die relativ steife Sohle mit dreckabweisendem

Profi l ermöglicht ein sicheres Gehen

bei sehr gutem Kantenstand.

ABROLLEN

■ SITZ AM FUSS

■ SEITENSTABILITÄT

PROFILGRIFF

DRECKABWEISUNG

MAMMUT

Alto High GTX M

Info: www.mammut.ch

Preis: 200,- €

Gewicht/Paar: 1500 g (Gr. 46)

Komfort: Der knapp ausfallende Leichtschuh

ist ganz auf Robustheit und Funktion ausgelegt

und umschließt den Fuß perfekt.

Halt: Extrem effi ziente Schnürung und schmale

Passform (vor allem vorn) sowie steifer Schaft

ergeben einen sehr guten Kanthalt am Hang.

Sohle: Das kantige, aber relativ fl ache

Querprofi l (nur 4 mm) auf der ziemlich steifen

Sohle greift im Gelände sehr gut.

ABROLLEN

■ SITZ AM FUSS

■ SEITENSTABILITÄT

PROFILGRIFF

DRECKABWEISUNG

MILLET

Heaven Peak GTX

Info: www.millet.fr

Preis: 259,90 €

Gewicht/Paar: 1590 g (Gr. 45)

Komfort: Der groß ausfallende, bis auf die

Zehen schmal geschnittene Schuh mit

raffi nierter Schnürung sitzt sehr bequem.

Halt: Der fest umschlossene Fuß ermöglicht

zusammen mit der recht steifen Sohle eine

hohe Kantstabilität.

Sohle: Die nur vorne fl exible, abgerundete

Sohle lässt den Fuß ergonomisch abrollen und

greift gut, sofern sie nicht verdreckt.

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■ SITZ AM FUSS

■ SEITENSTABILITÄT

PROFILGRIFF

DRECKABWEISUNG

▶ FAZIT: Zuverlässiger Trekkingbegleiter

Das Modell kombiniert bequemen Schnitt mit

perfekter Fixierung im Schuh, optimale

Fußstützung mit hoher Stabilität. Der

Damenschuh ist ein Allrounder für schwere

Lasten und holprige Wege, einzig auf

rutschigem Untergrund büßt er minimal an

Griffi gkeit ein.

▶ FAZIT: Alpintaugliches Leichtgewicht

Egal ob in Gras, Geröll oder Firn – der Schuh

ermöglicht effektives Steigen und Einkanten.

Die raffi nierte Schnürung verschmilzt Fuß und

Schuh geradezu. Trotz Leichtbauweise ist der

Alto High mit selbstreinigendem Trailprofi l ein

Berg- und Trekkingschuh für den hochalpinen

Bereich.

▶ FAZIT: Bequemer Allrounder

Der Volllederschuh mit Textilfutter, guter

Dämpfung und großfl ächigem Zehenschutz

gibt sicheren Halt, doch sein klassisches

Profi l ist anfällig für Verdreckung. Der

erstaunlich gut abrollende, steifere Komfortschuh

ist ein optimaler Allrounder auf

mehrtägigen Wanderungen.

07⁄14 Bergsteiger 97


Funktion ohne

NASERÜMPFEN:

Shirts aus Merino

stinken nicht, robuste

Hosen mit Stretchanteil

machen.

Funktion ohne

NASERÜMPFEN:

Shirts aus Merino

stinken nicht, robuste

Hosen mit Stretchanteil

machen.

HALT IN JEDEM

GELÄNDE

Die steife Sohle sollte unterm

Vorfuß ergonomisch gerundet

sein, sehr griffig und doch dreckabweisend.

Eine hohe Torsionssteifigkeit

ermöglicht

effektives Einkanten an

Hängen.

TIPP

Komfort

SCARPA

R-Evo Pro GTX

THE NORTH FACE

W Verbera Light Packer GTX

ZAMBERLAN

Vioz Plus GTX RR

Info: www.scarpa-schuhe.de

Preis: 259,- €

Gewicht/Paar: 1625 g (Größe 46)

Komfort: Obwohl breit geschnitten, umschließt

der bequeme Schuh den Fuß gut und passt

sich per Stretchzunge der Risthöhe an.

Halt: Vor allem bei breiten Füßen gewährleistet

er optimalen Halt und Kantenstabilität

trotz weichem Schaft.

Sohle: Die relativ harte, aber weniger

verwindungssteife Sohle kombiniert ein kantiges

Profi l mit einer durchbrochenen Reibungsfl äche.

Info: www.thenorthface.eu

Preis: 200,- €

Gewicht/Paar: 1500 g (Gr. 42)

Komfort: Der bei Frauen groß ausfallende

Schuh mit fester Schnürung rollt über Ballen

und Ferse sehr gut ab.

Halt: Trotz perfektem Sitz und mittelsteifem

Schaft passt sich der Schuh eher Pfad oder

Fels an als einzukanten.

Sohle: Das weitständige, abgeschrägte Profi l

der relativ steifen Sohle beeinträchtigt den

Einsatz im Gelände oder auf rutschigen Wegen.

Info: www.zamberlan.com

Preis: 239,95 €

Gewicht/Paar: 2100 g (Gr. 46)

Komfort: Der weit geschnittene Schuh mit tiefer

Fersenhöhlung ist bequem und rollt sehr

ergonomisch über den Ballen ab.

Halt: Der Fuß hat viel Platz und daher

mäßigen Seiten- und Fersenhalt, den der

relativ niedrige Schaft kaum ausgleichen kann.

Sohle: Die steigeisenfeste Sohle wird durch ein

sehr griffi ges Profi l samt Absatz ergänzt, die

auch bei Schnee super halten.

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■ SITZ AM FUSS

■ SEITENSTABILITÄT

PROFILGRIFF

DRECKABWEISUNG

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■ SITZ AM FUSS

■ SEITENSTABILITÄT

PROFILGRIFF

DRECKABWEISUNG

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■ SITZ AM FUSS

■ SEITENSTABILITÄT

PROFILGRIFF

DRECKABWEISUNG

Foto: Hanwag / Moritz Attenberger

▶ FAZIT: Felsaffiner Allrounder

Der felstaugliche Schuh mit voluminösem

Schnitt ist steigeisentauglich und damit ein

Allrounder. Trotz harter Sohle bietet er ein

relativ gutes Bodengefühl und taugt damit

mehr für Kletterpassagen als für steile

Querungen.

▶ FAZIT: Gemütlicher Komfortschuh

Komfortfaktor, Dreckabweisung und Halt sind

bei der Variante Light Packer des Verbera

optimal, solange man sich auf Wanderwegen

bewegt. Ein Umknicken ist kaum möglich.

Weniger geeignet ist er für steiles Gelände

aller Art.

▶ FAZIT: Komfortabler Alpinpartner

Der robuste Schuh kombiniert ein optimal

kantiges Profi l mit perfekter Dreck- und

Schneeabweisung. Trotz steigeisenfester Sohle

rollt er beim Gehen recht gut ab, fällt

allerdings relativ weit aus. Der schwere Schuh

ist ideal für hochalpine Touren und Trekking

mit Schneefeldern geeignet.

98 Bergsteiger 07⁄14


Hanwag 7-6 mm; Wechselprofil bei La Sportiva

6-4 mm; Trailprofil bei Mammut 4 mm)

und besitzen einen ausgeprägten Absatz

(8-12 mm) für besseren Halt auf feuchtem

Boden und um Rutschpartien im Abstieg

zu vermeiden. Modelle, die sich auch für

leichte Kletterstellen eignen, haben nicht

nur eine profillose Reibungsfläche an den

Zehen, sondern auch niedrige Profilabsätze

(6-7 mm).

Ein Fortschritt sind Profile mit größerem

Stollenabstand, an denen weniger Dreck

hängen bleibt. Die zusätzliche Stollenabschrägung

reduziert allerdings den Profilgriff.

Die harte Gummimischung der Profilsohlen

von robusten Trekkingschuhen sorgt

für geringeren Verschleiß, verspricht aber

auch weniger Reibung und Bodenanpassung

als bei weicheren Gummisohlen. Alle

Modelle mit Profilsohlen von Vibram sind

wiederbesohlbar. Bei Schuhen, die ein Leben

lang halten sollen, ist das durchaus ein

Kaufkriterium.


Foto: Andreas Strauß

Im nächsten Heft: Wanderstöcke

Wer seine Trekkingstöcke nur zum Wandern verwendet oder ein

Gewichtsfetischist ist, braucht keine extrem robusten Modelle.

Zur Leichtigkeit des Wanderns passen eher Stöcke aus immer

stabilerem Karbon oder hochfestem Leichtaluminium.


SERVICE

UV-Strahlung im Gebirge

Brandschutz

Eine Sonnencreme

fürs Hochgebirge

braucht mindestens

Lichtschutzfaktor 30.

Ein herrlicher Sommertag im Hochgebirge kann auch nach der Rückkehr noch

böse enden: mit roter Haut, schmerzenden Augen oder einem Sonnenstich.

Wir sagen Ihnen, wie Sie sich am besten schützen. Von Christian Schneeweiß

TIPP

Nichts ist schöner als bei Sonne

auf den Berg zu steigen, sich bis

aufs Unterhemd zu entblättern

und die farbenprächtige Berglandschaft

zu genießen. Aber

nicht für lange. Denn zu viel Lichtintensität,

Ultraviolett-Strahlung und Hitze schaden

dem Körper.

Die Lichtintensität steigt mit der Höhe wegen

der dünner werdenden Luftschicht pro

1000 Meter um zwölf Prozent an und ist

im Hochgebirge besonders auf Gletschern

so stark, dass man selbst bei Wolken oder

Nebel kompletten Sonnenschutz braucht.

Die Schäden, die UV-Strahlung anrichten

kann, reichen vom Sonnenbrand bis hin

zum erhöhten Hautkrebsrisiko. Die Intensität

dieser Strahlung schwankt entsprechend

dem etwa elfjährigen Sonnenfleckenzyklus

um einige Prozent. Deutlich

mehr schwankt sie in den Alpen entsprechend

der Jahreszeit, so dass man etwa von

Mitte November bis Januar in moderater

Höhe keinen Sonnenschutz, im Hochsommer

dagegen vollen Schutz benötigt.

Schneeblindheit und Hitzschlag

Längeres Sonnenbaden führt ungeschützt

nicht nur zu Sonnenbrand, sondern auch

zu Augenschäden, die insbesondere im

Gebirge und am Meer von Bindehautentzündung

bis zur Trübung der Hornhaut

(Katarakt) führen können. Besonders

schmerzhaft ist die Schneeblindheit, die

vor allem im Hochgebirge auftritt, wo

Schnee und Eis die Sonnenstrahlung reflektieren

und damit verstärken. Die Augen

brennen dann wie mit Sand bestreut

und können tatsächlich einige Tage lang

blind bleiben. Als Therapie helfen nur

kühle Augenumschläge, ein Arztbesuch

und Bettruhe. Am besten aber beugt man

mit einer guten Sonnenbrille vor.

Ebenfalls bei jeder Temperatur kann ein

Sonnenstich vorkommen, der sich mit

Kopfweh und hochrotem Kopf bis zu Verwirrung

und Bewusstlosigkeit äußert. Ein

Hitzschlag wird durch Wärmestau – etwa

wegen zu dicker Bekleidung – ausgelöst

und führt zu Erschöpfung, Übelkeit, heißer

Haut und rotem Gesicht.

Was bewirken

UV-Strahlen?

UVA-Strahlen (Wellenlänge 315–380 Nanometer)

dringen bis zur Lederhaut ein und

tragen kaum zu einem Sonnenbrand bei.

Daher wurden ihre negativen Effekte lange

unterschätzt: Sie lassen die Haut vorzeitig

altern und erhöhen das Risiko eines Melanoms,

der wegen starker Metastasenbildung

lebensgefährlichen Form des Hautkrebses.

Die kürzerwelligen UVB-Strahlen dringen

nur an die Hautoberfl äche. Durch sie bildet

die Haut den körpereigenen Lichtschutzfi lter

Melanin und wird braun. Sie sind aber auch

die Hauptursache für Sonnenbrand. Wird

die Haut der UVB-Strahlung ungeschützt ausgesetzt,

kann sie Basalzellkarzinome (weißer

Hautkrebs) bilden, der selten lebensgefährlich

ist, aber oft schwer zu entdecken.

Die UVC-Strahlen werden fast vollständig

absorbiert. Weil die meisten Lebewesen

deshalb gegen diese aggressiven kurzwelligen

Strahlen keinen Schutz entwickelt

haben, sind sie ein beliebtes Desinfi zierungsmittel

für Wasser.

Fotos: Andreas Strauß, Hersteller

100 Bergsteiger 07⁄14


UVC

UVB UVA

Neben viel Trinken ist der beste Hitzeschutz

das Vermeiden von Hitze, sprich der

frühe Start mit Umkehr spätestens um die

Mittagszeit, verbunden mit der passenden

Hangausrichtung (Aufstieg vormittags von

Westen oder Norden). Dadurch vermeidet

man auch das übermäßige Einatmen des

sich um die Mittagszeit bildenden, bodennahen

Ozons, das die Lunge belastet und

den Körper ermüdet. Bei längeren Touren

sollte man mittags an einem schattigen

Plätzchen rasten.

Kleidung schützt nur mit Nanoschicht

Ungeschützte Hautflächen reibt man großzügig

mit Sonnencreme ein, die auch vor

UVA schützt: Der UVA-Schutzfaktor (UPF)

sollte mindestens ein Drittel des Lichtschutzfaktors

(LSF) betragen. Multipliziert

man die Eigenschutzzeit der Haut mit dem

Wert des Lichtschutzfaktors, erhält man

die Zeit, in der man sich damit der Sonne

gefahrlos aussetzen kann. Während für eine

Bergtour LSF 15–25 ausreicht, ist für

eine Hochtour mindestens 30 (UPF 10) angesagt.

Sunblocker sind nur Lichtempfindlichen

zu empfehlen, da sie eine Bräunung

und damit den Auf bau des Eigenschutzes

der Haut verhindern.

Dünne Bekleidung schützt zwar vor Sonnenbrand,

aber nur dicht gewebte oder

mit einer Nanoschicht versehene Stoffe

halten zuverlässig UVA-Strahlung ab. Ein

UPF-Wert von 20 bietet bereits 95 % UV-

Schutz, ein Stoff mit UPF 40 (entspricht 98 %

UVB-Strahlen verursachen Sonnenbrand,

UVA-Strahlen sind noch gefährlicher.

UV-Schutz) oder mehr gilt als UV-dicht.

Diese Werte gelten auch für Kopf bedeckungen.

Weniger UV-Schutz, aber mehr

Dampfdurchlass und optionalen Windschutz

bieten die vielseitig einsetzbaren

Schlauchbänder. Der Nachteil: Aufgrund

des fehlenden Schirmes sind die Augen

ungeschützt.

Dagegen hilft eine Sportsonnenbrille mit

Lichtschutzklasse 3. Gletschertaugliche

Brillen müssen um die Augen ganz abgeschlossen

sein, trotzdem Luft durchlassen

und über Gläser (Licht-Filter) der Klasse 4

verfügen (nicht fürs Autofahren geeignet!).

Bei schlechtem Wetter verstärken orangerosafarbene

Filter die Kontraste, bei strahlendem

Sonnenschein schützen blau-rauchige

Gläser vor grellem Licht. Genial sind

Filter, die sich bei Schatten aufhellen. ◀

Vier Dinge, die vor Sonnenbrand, Sonnenstich und Schneeblindheit schützen:

Oberhaut

Basalzellschicht

Lederhaut

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Hier berichtet die Redaktion,

was sie im Einsatz hatte und wie

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▶ Das sagt der Hersteller: Pure

Funktionalität trifft auf natürlichen Klimakomfort.

Die Mischung aus Schurwolle (Merino) auf der

Körperinnenseite und Polyester außen ergibt ein

widerstandsfähiges und enorm atmungsaktives

Produkt, das sich für extrem sportliche sowie

gemütliche Aktivitäten eignet.

Gewicht: 450 g Material: 69 % PES, 27 %

Merino, 4 % EL Farben: rot, blau, schwarz, grün

Preis: 149,95 € Info: www.ortovox.de

▶ Das sagen wir: Es gibt Kleidungsstücke,

aus denen man gar nicht mehr rausmöchte.

Die Merino Fleecejacke von Ortovox ist so eines.

Dünn, leicht, und trotzdem wird einem warm ums

Herz – vor allem dann, wenn das gute Stück auch

der Begleiterin gefällt. Aber darum geht es uns

Funktionsfetischisten natürlich niemals, oder?

Design ■■■■■■

Funktion ■■■■■■

Preis/Leistung ■■

Dominik, 37

Tagesrucksack mit Trinkblase

Camelbak Fourteener 24

Klettergurt

Black Diamond Ozone

Bergstiefel

La Sportiva Trango Cube GTX

Fotos: Hersteller, Dagmar Steigenbeger, privat (4)

▶ Das sagt der Hersteller: Gewicht, Komfort und

Belüftung sind beim Fourteener 24 perfekt ausbalanciert.

Die Rückenplatte sorgt dank der Belüftungskanäle

für volle Ventilation und sitzt passgenau

am Rücken. Separates Fach mit Drei-Liter-

Trinkblase, Stretch-Front- und zwei Seitentaschen,

fl eecegefütterte Brillentasche, Kompressionsriemen

und diverse Befestigungspunkte für Ausrüstung.

Volumen: 22+3 Liter Gewicht: 1090 g

Farben: olive, charcoal Rückenlänge: 48 cm

Preis: 149,95 € Info: www.camelbak.com

▶ Das sagen wir: Dank der Stretch-Außenfächer

und Kompressionsriemen fi ndet darin richtig viel

Platz, selbst eine Komplett-Ausrüstung für Klettersteige

und Mountainbike-Touren. Die Trinkblase ist

im Extrafach immer leicht zu verstauen. Insgesamt

sind 150 € aber doch recht teuer für ein Daypack.

Design ■■■■

Funktion ■■■■■■

Preis/Leistung ■

Dagmar, 37

▶ Das sagt der Hersteller: Der Ozone wurde

zum leistungsorientierten Sportklettern optimiert.

Er besitzt ein leichtes und sehr atmungsaktives

Design. Die Kinetic Core Construction verteilt das

Gewicht über dünne Stränge besonders gleichmäßig

auf den gesamten Gurt.

Gewicht: 300 g (M) Farbe: sulfur Größen: S–XL

Preis: 89,90 € Info: www.blackdiamond.eu

▶ Das sagen wir: Der Ozone ist ein Gurt, der sich

auf das Wesentliche konzentriert. Vier Materialschlaufen,

eine vorgefädelte Gurtschnalle, die

nerviges Fummeln erspart, abgenähte Beinschlaufen

– voilà. Die Materialien sind wertig, der Gurt

sitzt, hält und ist trotz spartanischer Polsterung

bequem; auch auf Hoch- oder Skitour. Schade nur,

dass durchdachter Minimalismus so teuer ist.

Auch als Damenversion »Aura« erhältlich.

Tragekomfort ■■■■

Design ■■■■■

Preis/Leistung ■■■

Thomas, 26

▶ Das sagt der Hersteller: Ultraleichter

Bergschuh für technischen Alpinismus und

Exkursionen auf Klettersteigen. Bietet einen neuen

Standard in Hinsicht Gewicht und Tragekomfort,

dank des Schaftes ohne Nähte und dank eines

Schnürsystems, bei dem die Haken und Ösen ins

thermoplastische Strukturmaterial getaucht sind.

Gewicht: 1350 g (Paar Größe 42) Futter:

Gore-Tex Sohle: La Sportiva Cube by Vibram,

Noppen an der Ferse, Kletterzone an der Spitze

Preis: 299 Euro Info: www.lasportiva.com

▶ Das sagen wir: Selten, dass ein Schuh beim

ersten Einsatz schon Spaß macht. Dieser hat mich

am Fels wie auch im Geröll überzeugt, auch nach

acht Stunden waren meine Füße noch fi t

geblieben. Kein Vergleich zu früher, als bleischwere

Schuhe irgendwann zur Qual wurden.

Tragekomfort ■■■■■

Funktion ■■■■■

Preis/Leistung ■■■■

Michael, 49

102 Bergsteiger 07⁄14


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07⁄14 Bergsteiger 105


ALPINISMUS

Wieder ein weißer Fleck weniger

Erste

auf Umwegen

Als Ines Papert im

November 2013 alleine

den Gipfel des 6719 Meter

hohen Likhu Chuli I in

Nepal erreicht, betritt die

40-jährige Profialpinistin

Neuland im Himalaya.

Der ursprüngliche Plan

war jedoch ein anderer

gewesen. Und zu Hause

wartet noch eine dicke

Überraschung auf die

Bergsteigerin. Aus dem

Tagebuch von Ines Papert

Die Nacht von 11. auf 12. November

2013 gehört in die Kategorie

»brauch’ ich nicht noch einmal«.

Thomas Senf sitzt – oder

nennen wir es besser – hängt

in äußerst unbequemer Stellung neben

mir in der Dunkelheit im Biwaksack. Seit

vier Uhr sind wir auf den Beinen gewesen.

Immerhin: 1800 Höhenmeter konnten wir

in der Nordwand des Likhu Chuli I klettern,

die Hälfte sogar seilfrei. Eigentlich

sind wir fix und fertig. An Entspannung,

geschweige denn Schlaf, ist auf dem win-

zigen Schneeband in der 70 Grad steilen

Wand nicht zu denken. Die kommenden

Stunden werden bitterkalt, extrem ungemütlich,

kurzum: richtig grausig.

Thomas stellt irgendwann sogar seinen Job

als Bergfotograf in Frage und träumt laut

von einem Shooting mit einem Surfer irgendwo

in der Karibik. Ich schweige und

zähle die Minuten. Meine Finger sind kalt.

Die Zehen taub. Unkontrolliert schlottern

wir nebeneinander zusammengekauert in

der Kälte. Als sich nach einer schier endlosen

Nacht die ersten Sonnenstrahlen

Foto: visualimpact.ch / Thomas Senf

106 Bergsteiger 07⁄14


Ziel im Visier: Ines Papert mit

dem Gipfel und der Nordwand des

Likhu Chuli I im Hintergrund

07⁄14 Bergsteiger 107


Es gibt gemütlichere

Orte für ein

Biwak am Berg.

Auf Akklimatisationstour

am

Pharchamo Peak

über die Bergriesen um das Khumbu-Tal

schieben, kehrt Leben in unsere erstarrten

Körper, ein Hauch von Zuversicht in unsere

Seelen zurück.

Im Tageslicht finden wir schließlich einen

Ausstieg aus der Nordwand. Eine gewaltige

Schneewechte hatte uns tags zuvor in der

Dunkelheit regelrecht den Weg versperrt

und uns stundenlang vergeblich durch

Pulverschnee wühlen lassen. Jetzt entdecken

wir unter der Regie von Kameramann

Hans Hornberger, der unser Vorhaben

vom Wandfuß aus filmisch dokumentiert,

einen verhältnismäßig sicheren Ausweg.

Wenig später stehen wir erleichtert auf

dem 6660 Meter hohen Vorgipfel des Likhu

Chuli I. Unterhalb des abschließenden

Gipfelgrates finden wir einen geeigneten

Zeltplatz und gönnen unseren müden,

ausgekühlten Körpern endlich Ruhe.

Wenig Eis am Tengkangpoche

Dass wir überhaupt hier und nicht wie geplant

auf einer neuen Route in der Nordwand

des 6500 Meter hohen Tengkangpoche

unterwegs sind, ist der Tatsache

geschuldet, dass es bisher im Khumbu Valley

kaum Niederschläge gab. Bereits nach

unserer Ankunft mussten wir feststellen,

dass sich in unserer geplanten Linie am

Tengkangpoche viel zu wenig Eis gebildet

hatte. Es braucht schon durchgängig Eis,

um die kniffligen Passagen – und davon

hat es reichlich – möglichst rasch überwinden

zu können. Auch das Ausweichen

auf eine alternative Linie erschien uns zu

gefährlich. Bedrohlich der Blick durchs

Fernglas: Im Gipfelbereich lauerten massive

Hängeseracs. Dazu die schreckliche

Erinnerung: Vor gut einem Jahr fand man

die leblosen Körper zweier russischer Bergsteiger

am Wandfuß. Eisschlag hatte sie

aus der Wand gerissen.

Man wirft mir ja gelegentlich Sturheit vor.

Zugegeben, ich bin beharrlich und habe

dieser Eigenschaft auch einiges in meinem

Leben zu verdanken. Dennoch: Manchmal

ist Flexibilität gefragt. Auf einer Akklimatisationstour

nahe des Tengkangpoche

besteigen wir den 6178 Meter hohen Pharchamo

Peak. Ständig blicken wir während

des Aufstiegs auf den Likhu Chuli I. Schön

sieht er aus, dieser Berg. Faszinierend seine

Silhouette. Im Tal erzählt uns Mingma

Sherpa – sie betreibt die Pharchamo View

Lodge, in der wir schlafen – dass der Gipfel

unbestiegen sei.

Ein unbestiegener Himalayagipfel? Musik

in meinen Ohren. Ist es nicht der Traum

eines jeden Alpinisten, einmal Neuland zu

betreten?

Wir starten sofort eine Internetrecherche.

Ergebnis: Tatsächlich, auf dem Gipfel des

Likhu Chuli I stand noch nie ein Mensch.

Vergessen der Frust über das fehlende Eis

am Tengkangpoche! Neues Ziel, neues

Glück, neues Projekt – mehr oder weniger

um die Ecke.

Zwei Tage und zwei Nächte liegen nun am

Likhu Chuli I bereits hinter uns, vor uns

nur noch der abschließende Gipfelgrat.

Das Wetter ist – wie von Charly Gabl aus

Innsbruck prognostiziert – stabil. Zwar

windig und nach wie vor bitterkalt, aber

trocken. Am Morgen staunen wir nicht

schlecht. Der Gipfelgrat ist nicht kletterbar.

Zu viel Neuschnee! Thomas und ich

beschließen daher, durch die Nordwand

zur Westflanke zu traversieren.

Erste Erfrierungserscheinungen

Nach ein paar Stunden müssen wir wieder

Schutz im Zelt suchen, zum dritten Mal.

Kälte und Wind machen uns mittlerweile

richtig fertig. Bei Thomas zeichnen sich

erste Erfrierungserscheinungen an den

Zehen ab. Er beschließt an dieser Stelle

INFO

Der Weg zur

Erstbesteigung

Die Lage: Der Likhu Chuli I liegt westlich

von Namche Bazar im nepalesischen

Rolwaling Himal unweit des Tengkangpoche

(2008 gelang Ueli Steck und Simon Anthamatten

die Erstbegehung der Nordwand

durch deren Route »Schachmatt«).

Anreise: Flug von Kathmandu nach Lukla.

Von dort in einem dreitägigen Fußmarsch

über Namche Bazar und Thame zum Tashi

Lapcha Pass.

DAS PROGRAMM IN KÜRZE

Base Camp 02.11. 4300 m

ABC 07.11. 4850 m

Camp 1 10.11. 6580 m

Camp 2 11.11. 6620 m

Camp 3 12.11. 6580 m

Gipfel 13.11. 6719 m

Ines Papert, 14 Uhr

Fotos: visualimpact.ch / Thomas Senf

108 Bergsteiger 07⁄14


Meine erste größere

Tour war 1996

die Überschreitung

des Watzmanns.

17 Jahre ist das her.

Und jetzt stehe

ich als erster Mensch

auf diesem Gipfel –

als Mutter eines

14-jährigen Sohnes.

(6580 m) auf den Gipfel, der bereits zum

Greifen nahe ist, zu verzichten. Am späten

Vormittag des dritten Tages mache ich

mich bei stürmischem Wind, aber sonst

guten Bedingungen solo auf den Weg. Der

Bergschrund ist auch im Alleingang zu

überwinden, die Kletterei über die 50 bis

70 Grad steile Westflanke relativ problemlos

seilfrei zu bewältigen. Gegen 14 Uhr

stehe ich auf dem Gipfel.

Mit meiner kleinen Kamera mache ich viele

Fotos, ein kurzes Video – man braucht

ja stichhaltige Beweise – und genieße

kurz die überwältigende Aussicht: Mount

Everest und Lhotse, Makalu, Cho Oyu und

Ama Dablam! Und ich mittendrin. Wie

gerne würde ich den Gipfelmoment jetzt

mit Senfi teilen, ihn kurz umarmen. Ich

vermisse ihn. Ganz offensichtlich: Ich bin

kein Typ für Solos.

Etwas später wird mir bewusst: Ich habe

eine Erstbesteigung realisiert! Erst nach

Abschluss meiner Ausbildung zur Physiotherapeutin

zog ich aus dem Osten der Republik

nach Berchtesgaden und entdeckte

dort relativ spät meine Leidenschaft für die

Berge. Meine erste größere Tour damals

war 1996 die Watzmann-Überschreitung.

17 Jahre ist das her. Und jetzt stehe ich als

erster Mensch auf diesem Gipfel. Als Mutter

eines 14-jährigen Sohnes bin ich auf

meinen Expeditionen natürlich zeitlich

limitiert. Ein wochenlanges »Belagern«

eines Berges, das Warten auf passende

Bedingungen scheidet bei mir aus. Heute

ist alles perfekt! Was für ein Glück! Dafür

bin ich dankbar.

Nur knapp zehn Minuten verbringe ich

am Gipfel. Es ist schrecklich kalt. Ich muss

runter, wieder ins Zelt, wo Thomas

Ein Blick durchs Fernglas zeigt:

Es liegt zu wenig Eis in der

Nordwand des Tengkangpoche.

07⁄14 Bergsteiger 109


auf mich wartet und sich richtig für mich

freut. Nach einer weiteren Nacht am Berg

steigen wir gemeinsam über die Westflanke

ab und erreichen am 14. November

2013 das vorgezogene Basislager (ABC).

Hatte ich mich zu früh gefreut?

Tage später lande ich wohlbehalten am

Münchner Flughafen. Über Facebook hatte

ich meinen Erfolg schon kurz verlauten

lassen. Kaum mache ich mein Mobiltelefon

an, trudeln auch schon die ersten

Kurznachrichten ein. Dann ruft mich eine

Journalistin an. Meine Erstbesteigung sei

gar keine. Wie bitte?! 1960 habe ein französisches

Team bereits am Gipfel gestanden?

Ich bin sprachlos. Warum war dieser

Erfolg in keiner Datenbank vermerkt? Hatte

ich mich wirklich zu früh gefreut?

Am Schreibtisch angekommen nehme ich

Kontakt zu Billi Bierling auf. Die gebürtige

Garmischerin arbeitet für die Himalaya-

Chronistin Elizabeth Hawley in Kathmandu.

Ich schildere ihr den Fall, leite

alle Details zur Route und sämtliche Fotos

per E-Mail weiter. Daraufhin startet Billi

eine ziemlich aufwändige Recherche und

kommt zum eindeutigen Ergebnis: Ein

französisches Team unter der Leitung von

Robert Sandoz hatte zwar am 21. Oktober

1960 einen Erfolg am Likhu Chuli I vermeldet.

Jedoch konnte über den Abgleich

der Bilder und der vorliegenden Routenbeschreibungen

eindeutig bewiesen werden,

dass das französische Team am Likhu

Chuli II stand.

Jetzt ist es amtlich: Meine (erste) Erstbesteigung

wird offiziell anerkannt. Ein Erfolg,

der mir persönlich sehr viel bedeutet. Dieser

Gipfel war ja, wie so vieles in meinem

Leben, nicht geplant. Er war eigentlich nur

die Notlösung.


Nur klettern ist schöner:

Flug von einem Akklimatisationsgipfel

ins Basislager

Nach der Rückkehr

nach Deutschland ruft

eine Journalistin an

und behauptet, meine

Erstbesteigung sei

gar keine. 1960 habe

ein französisches

Team bereits am Gipfel

gestanden. Hatte ich

mich zu früh gefreut?

110 Bergsteiger 07⁄14


ZUR PERSON

Physiotherapeutin, Alpinistin, Mutter

Direkt am Gletschersee

Omizo Lake liegt das

vorgezogene Basecamp (ABC).

Ines Papert wird im April 1974 in Wittenberg

geboren und wächst in der nordsächsischen

Kleinstadt Düben auf. Nach dem Mauerfall

zieht es die gelernte Physiotherapeutin nach

Berchtesgaden, wo sie ihre Begeisterung für die

Berge und das Klettern entdeckt. 1999 nimmt

sich die ambitionierte Bergsteigerin ein Jahr

Auszeit, um sich – so der Plan – ausschließlich

ihrer Leidenschaft zu widmen. Wie so oft in

Paperts Leben kommt alles anders: Papert wird

schwanger. Sohn Emanuel kommt im August

2000 zur Welt. Nach seiner Geburt scheiden

lange Expeditionen aus. Papert nimmt ab 2000

an diversen Eiskletter-Wettbewerben teil und

dominiert diesen Sport bis zum Jahr 2006. Sie

gewinnt 13 Einzelweltcups, dreimal den

Gesamtweltcup, holt viermal den Weltmeistertitel.

Als Papert 2006 beim Ouray Eisfestival

in Kanada sogar alle Männer deklassiert, ist

dies der Höhepunkt ihrer Wettkampfkarriere

und zugleich auch ihr Ende. Papert will sich nicht

weiter über Wettkämpfe defi nieren und geht

dahin zurück, wo alles begann: in die Berge.

Die 40-Jährige gehört heute zu den stärksten

Allrounderinnen im Bergsport und Alpinismus.

Sie klettert im Eis wie im Fels in höchsten

Schwierigkeitsgraden.

Ines Papert lebt mir ihrem Sohn Emanuel in

Bayerisch Gmain.

Mehr Informationen unter www.ines-papert.de

Der kleine Tensing überreicht Ines Papert

nach erfolgreicher Expedition einen Schal.

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KOLUMNE

Lausiger Lappen

Mag die Idee auch nur als netter Werbegag gelten:

Ein Führerschein für Klettersteige wie in der Region

Dachstein führt ins abseitige Gelände. Berge sind

ein Risikoraum – und genau das macht sie so spannend.

Foto: privat; Illustration: Max Baitinger

Eugen E. Hüsler

ist seit 50 Jahren in den Alpen

unterwegs und hat mehr als

hundert Bücher und Führer

verfasst. Der 69-Jährige schreibt

im Wechsel mit Sandra Zistl,

Axel Klemmer und Caroline

Fink über das aktuelle

Geschehen in den Bergen.

Sie haben einen Führerschein? Klar,

hierzulande hat fast jede/r einen.

Wenn nicht, dann ist er ein Öko-

Freak oder mit der Straßenverkehrsordnung

in Konflikt geraten. Hier

geht’s aber weniger um den »Lappen« als

vielmehr um den Erfindungsreichtum von

Tourismusleuten, wie denen am Dachstein.

Dass sich am höchsten Berg der Steiermark

während der warmen Jahreszeit viele sportliche

Menschen beiderlei Geschlechts einfinden,

hat damit zu tun, dass in den Felsen

über Ramsau mittlerweile mehr Drahtseile

hängen als es in den Wirtschaften vor Ort

Bierkrüge gibt.

Doch damit nicht genug! Die heimliche

Hauptstadt des Klettersteiggehens, die alljährlich

das Bergfestival »Via ferrata Dachstein«

veranstaltet, kreierte vor ein paar

Jahren den ersten eisernen Wettbewerb:

»Race the Skywalk« – Speed-Klettersteiggehen.

Bestzeit 2013, aufgestellt von dem Ex-

Skilangläufer Christian Hoffmann: schwer

fassbare 11 Minuten und 8,55 Sekunden

für 140 extrem steile Höhenmeter.

Klettern auf Schein?

Und dann im April 2014: der Klettersteig-

Führerschein. Kein Scherz! Aber ein raffinierter

Werbegag, der den Klettersteig-Hype

weiter befeuert. Natürlich muss niemand

(den Schein machen), darf jeder (die Steige

begehen), beruhigt man vor Ort. Es geht um

Sicherheit am Klettersteig, Risiken im Steilfels

sollen durch den Erwerb des Scheins

minimiert werden. Gut so!

Doch das Papier möchten wir trotzdem

nicht. Weil uns eine böse Ahnung umtreibt,

weil wir fürchten, das harmlose Beispiel

könnte Schule machen und irgendwann

ein Monster hervorbringen: wandern, klettern

nur noch auf Schein. Oder: Wer ihn

nicht hat, bezahlt einen Risikoaufschlag.

Wir schreiben auf unsere Fahnen: Freiheit

statt Bevormundung! Der Berg gehört uns!

Chronischen Stubenhockern und Nerds mögen

Berge unheimlich sein, gefährlich vorkommen.

Und genau so sind sie auch, wunderbar

unfassbar, mit keiner DIN-Norm zu

zähmen. Das macht ihre Seele aus, deshalb

lieben wir sie als Gegenentwurf zu unserem

durchorganisierten (Arbeits-)Alltag, zur

Excel-Datei und all dem digitalen Wahnsinn.

Der Berg als ein Fenster zur Freiheit

– Abenteuer, Unwägsames versprechend.

Berg birgt Risiko

Ein Bergerlebnis ohne jedes Risiko gibt es

nicht, und das ist gut so. Wie der Steinzeitmensch

ständig auf der Hut sein musste vor

seinen Fressfeinden, führt der Weg in die

Berge von einem Risikoraum in den nächsten,

von der Straße ins Absturzgelände. Die

Pflicht zum Erwerb eines Führerscheins

bewahrt uns auf der Reise ins Abenteuerland

halbwegs verlässlich vor einem Unfall.

Hinter dem Parkplatz, am Weg und in der

Wand sind wir auf uns selbst gestellt, müssen

wir uns bewähren, wollen wir das auch.

Er soll in der Schublade bleiben, der trügerische

(Führer-)Schein. Oder noch besser:

wieder verschwinden.


112 Bergsteiger 07⁄14


LESERBRIEFE/IMPRESSUM

BERGSTEIGER unter der Lupe: Leserbrief des Monats

07/14 | 81. Jahrgang

Fotos: Rob Bendall, privat (2)

BERGSTEIGER 05/2014

Mit dem Zug ins Gebirg´

Betrifft: Bergsteiger Kompakt

Sehr geehrte Redaktion,

mit Interesse habe ich in Heft

05/14 das Interview mit Herrn

Siegrist gelesen und kann ihm

bzw. den Aufgaben und Zielen

der Cipra nur zustimmen.

Natürlich habe ich das Heft

auch zu Ende gelesen, u. a.

»Auf Tour«. Auf Seite 70 steht

dort unter »Bergsteiger Kompakt«

zum Hinweis zur Ötztaler

Hochtourenrunde doch

fettgedruckt: »Anreise mit dem

Auto«. Die Hinweise »Anreise

mit dem Auto« finde ich in allen

Ausgaben des BERGSTEI-

GERS. Widerspricht das nicht

den Zielen der Cipra, u. a. das

Autofahren bis zum letzten

Winkel in den Bergen einzuschränken?

Genüge hier vielleicht

auch der Hinweis auf die

Anreise zum Hauptort mit

Weiterfahrt öffentl. Verkehrsmittel

oder könnte die Anreise

per Auto generell unterbleiben?

Soll sich der Bergler doch

selbst um die Autostrecke

kümmern. Vielleicht könnte

der BERGSTEIGER auch so seinen

Beitrag zur Cipra leisten.

Hartwig Brugger, per E-Mail

Lieber Herr Brugger, vielen Dank

für Ihren berechtigten Hinweis. In

der vorliegenden Ausgabe haben

wir diesen Gedanken bereits umgesetzt

und die sechsteilige Serie »Mit

dem Zug ins Gebirg´« gestartet.

Ihr Michael Ruhland

Sagen Sie uns Ihre Meinung zum BERGSTEIGER, wir freuen uns über jede Zuschrift!

Je kürzer ein Leserbrief, desto größer die Chance auf Veröffentlichung. Alle Zuschriften bitte an

BERGSTEIGER, Postfach 40 02 09, D-80702 München oder E-Mail: bergsteiger@bruckmann.de

Wir weisen ausdrücklich darauf hin, dass die abgedruckten Leserbriefe nicht die Meinung der Redaktion,

sondern die der Unterzeichnenden wiedergeben. Wir behalten uns vor, Briefe vor Abdruck zu kürzen.



MITARBEITERIN DES MONATS

AUFSTEIGER DES MONATS

ABSTEIGER DES MONATS

Ene, mene, muh

Mit das Schönste am Wandern ist der Kontakt zur Natur. Autorin Tina Warta

hatte schon immer ein Herz für Rinder. Die scheinen diese Zuneigung gespürt zu

haben, denn sie verfolgten Tina bei der Recherche zu den Walserwegen in Vorarlberg

auf Schritt und Tritt: verbarrikadierten Wanderwege, beleckten Brotzeit und

wichen nicht von ihrer Seite. Fast wurde es Tina zu viel – aber sie blieb tapfer.

Ersthelfer am Everest

Eigentlich wollte Matthias Baumann Sherpas am Everest in der Erstversorgung

Schwerverletzter ausbilden. Aus dem Training wurde Ernst. Nach der Lawine am

Khumbu-Eisfall bargen die Sherpas die Verunglückten, Baumann versorgte Überlebende.

Nun gründete der Arzt die »Everest Sherpa Lawinenopfer Hilfe«, um den

Familien der 16 Todesopfer langfristig zu helfen. Infos: www.faszination-everest.de

Earl Hugh Lowther

Der 868 Meter hohe Blencathra ist jetzt offi ziell ein Objekt des schnöden Kommerzes.

Sein Besitzer Hugh Lowther, Earl von Lonsdale, will den »Berg« in Nordengland

wegen Steuerschulden für 1,75 Millionen Pfund (ca. 2,2 Mio. Euro)

verkaufen. Der Käufer darf zudem den Titel »Lord des Guts von Threlkeld« führen

und erhält Weiderechte für 5417 Schafe, 732 Jungschafe und 200 Lämmer.

Internet: www.bergsteiger.de

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07⁄14 Bergsteiger 113


VORSCHAU AUGUST 2014

KAUFBERATUNG

AUF TOUR

Viertausender zum Sammeln

Der Monte Rosa, zweithöchstes Massiv

der Alpen, bietet neun Viertausender.

Autorin Caroline Fink hat auf ihrer

großen Traverse von Gressoney nach

Zermatt einige aneinandergereiht.

&

AUF

Mythos Mont Blanc

Seine Besteigung vor 228 Jahren

gebar den modernen Alpinismus.

Bis heute blieb der weiße Riese

über Chamonix Fixpunkt für

Bergsteiger, doch der Zahn der

Zeit nagt auch an ihm.

REPORTAGE

Krieg und Frieden

Wo einst Geschützdonner die Berge

erzittern ließ, lassen sich heute auf

grandiosen Klettersteigen die Dolomitengipfel

genießen. Norbert Eisele-Hein

hat sich auf eine Spurensuche begeben.

TOUR Großarltal – das Tal der Almen im Salzburger Land

ALPINISMUS Angstmacher: 60 Jahre Erstbesteigung K2

PORTRÄT Schweizer Nationalpark feiert 100. Geburtstag

Der nächste Bergsteiger erscheint am 19. Juli 2014

Wanderstöcke

Wer seine Stöcke vor allem zum

Wandern braucht, kann bei der

Robustheit Abstriche machen –

zugunsten des Gewichts. Lesen

Sie, worauf es beim Kauf leichter

Wanderstöcke ankommt.

SERVICE

Huckepack in die Berge

Kleinkinder haben’s gut. Sie werden

auf den Gipfel getragen. Wir

haben getestet, mit welcher Trage

es dabei auch den Eltern gut geht.

SERIE

Dach der Alpen: Berglauf

Teil 3 der Serie »Von Null aufs Dach

der Alpen« erklärt, wie man sich

mit Bergläufen in der Heimat die

richtige Kondition für die Strapazen

in großer Höhe holt.

Fotos: Robert Bösch / Archiv Mammut, Ralf Gantzhorn, Komperdell

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Foto: Andreas Strauß


ATHLET: RENAN OZTURK

FOTO: JIMMY CHIN

BUGABOOS, BRITISH COLUMBIA, KANADA

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