klm für pdf Leseprobe - Schott Music

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klm für pdf Leseprobe - Schott Music

Fünf Möglichkeiten sich einer Musikrichtung und seinen InterpretInnen

anzunähern – ab Klasse 7

Friedrich Neumann


klasse musik

Country entdecken

Durch die Verfilmung seiner

Lebensgeschichte ist der Country-

Star Johnny Cash ins Blickfeld

der Öffentlichkeit gerückt. Auf

mehreren methodischen

Ebenen begegnen SchülerInnen

einer in Deutschland weitgehend

unbekannten Musikrichtung

und ihrem bekanntesten

Interpreten.

Bild: Johnny Cash vor einem Auftritt

Country, die Musik des amerikanischen

Westens – weiß, christlich, sauber und

schon deshalb der natürliche Gegenpol

zum „obszönen“ Rock ’n’ Roll. So in etwa

könnte man die Klischeevorstellungen zu

diesem Musikstil zusammenfassen. Einer

der berühmtesten Stars des Genres war

(und ist immer noch) Johnny Cash. Seinen

Namen kennen auch Menschen, die

nie in ihrem Leben etwas mit Country zu

tun hatten.

Spätestens seit zu Beginn dieses Jahres

der Film Walk the Line über das Leben

von Johnny Cash in die Kinos kam, dürfte

der „Man in Black“ fast jedem bekannt

sein. Die beiden Hauptdarsteller Joaquin

Phoenix und Reese Witherspoon spielen

darin das Musikerpaar Johnny Cash und

June Carter schauspielerisch, musikalisch

und gestisch so überzeugend, dass

man glaubt, die realen Personen zu sehen.

Auch wer sich nie für Johnny Cash

interessiert oder ihn vielleicht sogar abgelehnt

hat (so wie der Autor dieses Beitrags),

ist hinterher gefesselt von einer

Lebensgeschichte, in der die Musik so

untrennbar und emotionsgeladen mit

der Biografie eines Menschen verbunden

ist. Ähnlich wie schon in der filmischen

Biografie zu Ray Charles zeigt auch dieser

Film, dass außergewöhnliche Musikerpersönlichkeiten

ihren Genius zum

großen Teil aus ihrer persönlichen Lebens-

und Leidensgeschichte beziehen,

was ihrer Musik letztlich die Glaubwürdigkeit

gibt. Es ist die Authentizität, die

uns als MusikhörerInnen wirklich berührt.

Country und seine Stars

Country-Musik handelt meistens vom

Land (John Denver: „Country Roads, Blue

Ridge Mountains“), dem Leben und der

Liebe auf dem Land (Kenny Rogers: „Ruby,

don’t take your love to town“) sowie

den amerikanischen Lebensverhältnissen.

Es ist die Musik der weißen Einwanderer

über das von ihnen in Anspruch genommene

Land. Deshalb gibt es auch

fast keine Country-Musik von Schwarzen,

denn viele Nachfahren der aus Afrika

verschleppten Sklaven haben bis heute

ein zwiespältiges Verhältnis zur USA.

Country wird oft in einem Atemzug mit

Rassismus und erzkonservativer Lebenseinstellung

genannt, denn unter den

Country-Fans sind viele Menschen, die

sich auf der vermeintlich richtigen Seite

der Moral glauben, denen Moral, Ordnung

und Sauberkeit über alles geht und

die alles Andersartige ablehnen – beispielsweise

eine andere Hautfarbe oder

die Liebe zum gleichen Geschlecht.

Viele Country-MusikerInnen entsprechen

diesen Idealen bestenfalls nach außen

hin. Hank Williams, einer der berühmtesten

Country-Sänger, war alkohol- und

drogensüchtig und wurde aufgrund seiner

Exzesse nur 30 Jahre alt. Willie Nelson

tritt sogar als Siebzigjähriger noch

mit langen Haaren auf und ist bekennender

Kiffer. Johnny Cash war nicht nur drogensüchtig,

sondern wetterte in seinen

Liedern oft gegen die amerikanische Gesellschaft

und ihre Doppelmoral. Aus

Protest gegen Menschen mit vermeintlich

„weißer Weste“ und die aufgesetzte

Fröhlichkeit vieler Amerikaner, die sich

z. B. in bunten Hemden ausdrückt, trat er

ausschließlich in Schwarz auf. Seine Verbundenheit

mit denjenigen, die am Rand

der Gesellschaft stehen, drückte er immer

wieder durch Konzerte in Hochsicherheitsgefängnissen

aus. Wahrscheinlich

lag es eher an seiner tiefen Bariton-

Stimme, die für Pop und Rock nicht zu

gebrauchen war sowie an der traditionell

akustischen Instrumentierung seiner

Songs, dass man ihn immer wieder mit

Country in Verbindung brachte. Offensichtlich

passte er einfach in keine andere

Schublade.

Ansonsten wissen wir hierzulande wenig

über die amerikanische Country-Musik.

Im Gegensatz zu unserer Schlager- und

Volksmusik sind die Texte beim Country

meist authentisch und ein Ausdruck individueller

Befindlichkeit. Sie sind ebenso

wichtig wie die Musik.

Methodik – fünf Zugänge

Zentrales Anliegen der folgenden Einheit

ist der Musikstil Country mit dem Fokus

auf Johnny Cash, einem seiner berühmtesten

Interpreten. Die Erarbeitung geschieht

auf mehreren Ebenen, für die eine

Reihe von Materialien zur Verfügung

stehen.


Lerntext: Country-Musik und ihre

Instrumente

Das Arbeitsblatt M 1 kann in einem „Klippert-Kreis“

textlich erarbeitet werden: In

einem Außenkreis und Innenkreis sitzen

sich jeweils zwei PartnerInnen gegenüber.

Einer (z. B. im Außenkreis) trägt

den Text mit eigenen Worten seinem Gegenüber

im Innenkreis vor. Dann rücken

alle Innenkreisler einen Stuhl weiter und

tragen ihr neu erworbenes Wissen nun

einem anderen Außenkreisler vor. Dieser

besitzt ebenfalls ein Materialblatt, ist also

„Experte“ und kann gegebenenfalls

korrigieren.

Lückentext: Johnny Cash

Damit die Verhältnisse ausgeglichen

sind, bekommen in der nächsten Runde

die im Innenkreis Sitzenden ein Materialblatt,

das sie nun ihrerseits dem Partner

gegenüber vermitteln (M 2).

Die Lücken im Text werden vorher durch

die unten auf der Seite stehenden Begriffe

und Daten aufgefüllt. Für die Lösung

ist kein Vorwissen erforderlich, denn sie

ergibt sich aus dem Zusammenhang.

Sinn dieser Methode ist die Notwendigkeit,

den Textsinn vollständig zu erfassen

und zu verinnerlichen, denn nur so

können die Lücken gefüllt werden.

Ein Rätsel: die Country-Band

Ein weiteres Arbeitsblatt (M 3) dient dazu,

das neu erworbene Wissen zu überprüfen

und zu festigen. Hier werden –

wenn möglich – Musikausschnitte gehört

und auf die verwendeten Instrumente

untersucht (HB 14-19). Wer die vorangegangenen

Texte verstanden hat, kann

das Arbeitsblatt problemlos ausfüllen.

Country – Musik, MusikerInnen und

Publikum

Etwas mehr noch als im vorangegangenen

Arbeitsblatt, sollen mit dem Arbeitsblatt

M 4 die Musik, ihre InterpretInnen

und ihre Zielgruppe reflektiert werden.

Das Materialblatt dient nicht nur dem

Ausfüllen, sondern auch als Anregung

für ein Unterrichtsgespräch.

„Ring Of Fire“ – spielen und singen

Natürlich sollte auch ein Country-Stück

gespielt werden. Ring Of Fire (HB 12 und

M 5-6) ist das bekannteste Stück des

Country-Stars Johnny Cash – genauso

wie der Star selbst unterläuft es viele Klischees

dieser Musik: In der Originalaufnahme

spielen Trompeten das zentrale

und immer wiederkehrende Instrumentalmotiv.

Blasinstrumente haben jedoch

im Country eigentlich nichts verloren.

Außerdem wechselt der Takt ununterbrochen

zwischen Dreiviertel und Vierviertel.

Ein normaler Country-Song steht

aber entweder ganz im Viervierteltakt

oder ist komplett ein Walzer. Seltsamerweise

hört man dem Stück die vielen

Taktwechsel nicht an (M 6).

Wer sich das umständliche Mitlesen der

Noten mit den verwirrenden Taktwechseln

ersparen will, kann Ring Of Fire auch

im durchgehenden Vierviertel-Takt spielen.

Dazu muss nur bei den Passagen mit

dem Bläsermotiv der letzte Ton ein Viertel

länger ausgehalten werden. Viele

Bands spielen das Stück unbeabsichtigt

so.

Am besten ist es, das Stück auswendig

und nach Gehör zu spielen. Da die einzelnen

Instrumentalfiguren sehr einfach

sind und sich ständig wiederholen, ist

das nicht schwer. Sobald jeder seine Figur

für die drei Hamonien (bzw. seinen

Rhythmus) beherrscht, prägt man sich

den Ablauf ein und verfolgt nur noch die

Melodie.

Hier ein kleiner Tipp, um nicht aus dem

Takt zu kommen: Immer, wenn das Bläsermotiv

erklingt, muss man aufpassen

und beim letzten Ton des Motivs bis vier

zählen: „Dam da dam da dam dam dam 1

– 2 – 3 – 4 .“

Bis auf diese Unregelmäßigkeit ist Ring

Of Fire ein sehr leichtes Stück, denn der

Bass und auch die anderen Instrumente

betonen immer nur im Viertel-Beat die

Grundtöne. Darüber hinaus ist es sehr

eingängig.

Wem das Musizieren zu aufwändig erscheint,

kann es beim Singen belassen.

Es gibt dazu ein Playback auf der Begleit-

CD zum Heft (HB 13, M 5).

Hier eine kleine und unvollständige

Liste der bedeutendsten Country-

InterpretInnen:

■ Jimmie Rodgers (1897-1933),

■ die Carter Family (Mutter Maybelle

und ihre Töchter June und Anita),

■ Hank Williams (1923-1953),

■ Hank Williams jr. (*1949),

■ Johnny Cash (1932-2003),

■ Willie Nelson (*1933),

■ Kenny Rogers (*1938),

■ The Statler Brothers (*1938/39),

■ Dolly Parton (*1946),

■ Emmylou Harris (*1947),

■ Garth Brooks (*1962).

Audio-Teil

Spielen und Singen

HB 12: Johnny Cash: Ring Of Fire

HB 13: Ring Of Fire – Playback

Hörbeispiele

HB 14: Johnny Cash: I Walk The Line

– Ausschnitt

Anfänge des Country:

HB 15: Jimmie Rodgers: Kisses

Sweeter Than Wine – Ausschnitt

Beispiel für Pedal Steel Gitarre:

HB 16: Hank Williams Jr.: Why Do

You Drink – Ausschnitt

Nashville Sound:

HB 17: Statler Brothers: Loving You –

Ausschnitt

HB 18: Dolly Parton: Jolene – Ausschnitt

Moderner Country:

HB 19: Garth Brooks: Rodeo – Ausschnitt

mehr erfahren Sie

in Heft 2/2006 …

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