Kärnten, März 2003 - Schule.at

schule.at

Kärnten, März 2003 - Schule.at

m:bwk J

Schu]qua]i tät

/ Gene/er

klains treaming

-

4 .— —

Ort:

Pädagogische Akademie

des Bundes

in Klagenfurt

Zeit: 6. März 2003

9:30 — 16:00 Uhr

Sponsored by:

ii


Ort:

Zeit:

Programm:

9.30 Uhr:

10.00-12.00:

Moderation:

12.00-13.30:

13.30-15.00:

15.10-16.00:

Pädagogische Akademie

des Bundes in Klagenfurt

Hubertusstraße 1

9023 Klagenfurt

6. März 2003

9.30 — 16.00 Uhr

Begrüßung

Dr. Heiner Zechmann,

Präs. des

Landesschuirates,

Vertreterinnen des

BMBWK, LSR

impuisreferate und

Podiumsdiskussion:

Gender Mainstreaming

& Schuiqualität

Mag. Jochen Bendele

Kleines Buffet

Workshops

Plenum

Büchertisch

Konta khd resse:

Mag. Renate Macher-Meyenburg

Landesschulrt für Kärnten

10. Oktobhr Straße 24

A 9020 Klagenfurt

Tel. 0043 (0)463 15812/415 Fax /105

e-mail: renate.macher- ieyenburg@lsr.ktn.gv.at

bm:bwk

schuiqualitat + gender mainstreaming

Eine

Herausforderung

für die Schule

der Zukunft.

6. März 2003

9.30 — 16.00 Uhr

Pädagogische Akademie

des Bundes in Klagenfurt

Hubertusstraße 1

9023 Klagenfurt

Eine Veranstaltung

des Landesschuirates

für Kärnten in

Zusammenarbeit

mit dem

Bundesministerium

für Bildung,

Wissenschaft

und Kultur,

dem Pädagogischen

• Institut und

der Pädagogischen

Akademie


.11 • •••!9.j. ..‚ ._._.‚_ —

Impuisreferate und Podiumsdiskussion

„Gender Mainstreaming und geschlechterbewusste Pädagogik

als Perspektive für Qualitätsentwicklung in den Schulen“

Moderation: Mag. Jochen Bendele

Univ. Prof. Dr. Ulrike Popp:

Die Relevanz der Ceschlechtszugehörigkeit

im schulischen Kontext

MR Dr. Doris Cuggenberger:

CM — ein Auftrag für die Schule

Worlcsh0Ps

Workshop 1

Bubengewalt und Mädchengewalt an Schulen — Perspektiven

geschlechterbewusster Gewaltprävention“

Leitung: Univ.Prof. Dr. Ulrike Popp

Workshop 2

Die Bedeutung der Bubenarbeit in der Schule

Leitung: Mag. Dr. Erich Lehner

Workshop 3

Gender Mainstreaming und Schuiqualität

Gestaltung & Verwaltung von Schule: Wo befinden sich Frauen

und Männer im System?

Leitung: Dir. Mag. Heidi Schrodt

CM —

Möglichkeiten

Dir. Mag. Heidi Schrodt:

der Förderung durch die Schulleitung

Mag. Dr. Erich Lehner:

Was können Männer zu einer geschlechtsbewussten

Schulentwicklung beitragen?

Vdir. Mag. Monika Icircher-Kohl:

Gender-Sensibilisierung — (k)ein Thema in der Wirtschaft?

Auswirkungen einer geschlechtssensiblen Lernkultur

in der Schule auf die Wirtschaft

Dr. Heiner Zechmann:

Schuiqualität — eine Herausforderung für die Bildungspolitik

Workshop 4

Geschlechtsspezifische Didaktik in den Naturwissenschaften und

neuen Technologien

Leitung: Mag. Gertraud Benke

Workshop 5

Geschlechtsspezifische Leistungs- & Interessensunterschiede —

Berufs- und Lebensplanung von Mädchen und Burschen

Leitung: Mag. Brigitte Janshoff, Mag. Hermann Wilhelmer

Workshop 6

Lehrer/innenaus- und -weiterbildung

Leitung: Dr. Hannelore Kenda, Dr. Hilde Fanra

Workshop 7

Mädchen- und Bubenarbeit in der Schule

Leitung: Brigitta Kolmitz, Harald Cronold PÄDAK


INHALTSVERZEICHNIS

1 Impulsreferate und Podiumsdiskussion 2

1.1 Dr.‘ Ulrike Popp 2

1.1.1 Biographie 2

1 .1 .2 Die Relevanz der Geschlechterzugehörigkeit im

schulischen Kontext 2

1.2 Dr.‘ Doris Guggenberger 3

1.2.1 Biographie 3

1.2.2 GM —

Ein

Auftrag für die Schule 3

1.3 Mag.a Heidi Schrodt 4

1.3.1 Biographie 4

1.3.2 GM —

Möglichkeiten

der Förderung durch die

Schulleitung 4

1.4 Dr. Erich Lehner 5

1.4.1 Biographie 5

1 .4.2 Was können Männer zu einer geschlechtsbewussten

Schulentwicklung beitragen“ 5

1.5. Mag.a Monika Kircher-Kohl 6

1.5.1 Biographie 6

1.5.2 Gender-Sensibilisierung 7

1.6 Dr. Heiner Zechmann 7

1.6.1 Biographie 7

1.6.2 Schulqualität 7

2 Ergebnisse aus den Workshops 8

2.1 Workshop 1 8

2.2 Workshop 2 9

2.3 Workshop 3 11

2.4 Workshop 4 12

2.5 Workshop 5 14

2.6 Workshop 6 16

2.7 Workshop 7 17

3 Anhang 19

Impressum:

Fl Prof.‘ Mag. R. Macher-Meyenburg, Mag.a E. Gall

Projektgruppe der HAK Villach, Jahrgang 3C

Erstellung des Tagungsberichtes: Lukic Jelena

1


IMPULSREFERATE UND PODIUMSDISKUSSION:

Univ. Prof.‘ Dr.‘ Ulrike Popp

Ulrike Popp Soziologie,

Psychologie

und Sozial- und Wirtschaftsgeschichte an der Universität Hamburg. 1990

sie ihr Studium als Diplom-Soziologin Zwischen 1990 und

1993 sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin in dem von

DFG

Forschungsprojekt “Bilinguale Kinder monolingualen

Schulen“ am

burg. Ihre Dissertation

quantitativen und qualitativen

von

und türkischen

schloss

arbeitete

studierte

geförderten

Untersuchung über Lebensentwürfe

ter

Erziehungswissenschaft,

ab.

an

der

Fachbereich Erziehungswissenschaft der Universität Ham

besteht aus einer

deutschen

Jugendlichen un

geschlechtstypischer Perspektive. Von April 1994 bis März 2001 war Ulrike Popp

wissenschaftliche Assistentin an der Fakultät für Pädagogik der Universität Bielefeld,

danach wissenschaftliche Oberassistentin.

Pädagogik

eingereichte

befasst

Ihre im Oktober 2000 an

der

Fakultät für

Habilitationsschrift sich mit

im Kon

text

und konflikthafter Interaktionen“. Die Arbeit ist

2002 unter dem Titel »Geschlechtersozialisation und

beim

als Buch

Seit Oktober 2002 ist Ulrike Popp bis zur

Ernennung zur Universitätsprofessorin für Schulpädagogik als Gastprofessorin am

Institut für

und Bildungsforschung tätig. Arbeits- und

Schulpädagogik,

schulischer Gewalthandlungen

Juventa-Verlag

Erziehungswissenschaft

schungsschwerpunkte:

erschienen.

“Geschlechtersozialisation

schulische Gewalthandlungen“

For

schulische Sozialisationsforschung, Ge

schlechtersozialisation, Lebensphase Jugend, Forschungsmethoden der Erzie

hungswissenschaft.

DIE RELEVANZ DER GEScHLEcHTSzUGEHÖRIGKEIT

KoNTExT.

IM SCHULISCHEN

Geschlecht

ist eine

Strukturkategorie. und damit

auch

Handeln erfolgt nicht durch

dern vor dem Hintergrund

Die Geschlechtszugehörigkeit

löst bestimmte Erwartungen und Zuschreibungen aus.

Auch in der spielen

und

eine

Rolle - man spricht von heimlichen

Lehrplan

In dem Impulsvortrag werden zentrale Be

funde der feministischen Schul- und

Dabei soll die Diskussion um reflexive Koedukation

und

und

bei

und Schülern

Unter

auch die

und

die Koedukation

und

an Schulen beurteilen.

an

Schulen vollzieht sich nicht nur im Unterrichts-

der Vortrag auch

Befunde beim Erwerb

ten, Kompetenzen und

auf, wie etwa

und die

der Leistungsfähigkeit. Der Beitrag

mit einer kurzen Vorstellung

dagogik

pädagogisches

zentrale gesellschaftliche

einer Person

Schule

lisationsprozesse

Soziales

„geschlechtslose“ Akteuren,

bestehender Geschlechterverhältnisse.

Geschlechterverhältnisse

bedeutsame

auch

son

geschlechtstypische Sozia

einem

der Geschlechtersozialisation.

erziehungswissenschaftlichen Geschlechterfor

schung zusammengefasst.

gesprochen

schiede

auf geschlechtstypische Fächerpräferenzen

Schülerinnen

Frage thematisiert, wie

das Geschlechterverhältnis

Selbstvertrauen

endet

geschlechtstypische

Schülerinnen

eingegangen werden.

persönlichkeitsrelevanter Überzeugungen

Einschätzung

eigenen

praktischer Konzepte

an

Leistungsunter

anderem wird

Schüler selbst

Geschlechtersozialisation

oder Leistungsbereich. Vielmehr greift

überfachlicher Fähigkei

geschlechtsbewusster Pä

2


MR‘ Dr.) Doris Guggenberqer

Seit 1978 im BMBWK tätig, seit 1989 als Abteilungsleiterin. 1993 - 1998

Mitglied der Bundes-Gleichbehandlungskommission.

Leiterin der Abteilung für geschlechtsspeziflsche Bildungsfragen und

Vorsitzende der Ressortarbeitsgruppe Gender Mainstreaming im

BMBWK.

GM —

EIN

AuFTRAG FÜR DIE SCHULE

Österreich hat sich auf Grund des Vertrages von Amsterdam (1998) zur Förderung

der Gleichstellung von Frauen und Männern verpflichtet. Die Verpflichtung besteht

auch darin, bei allen Tätigkeiten und Maßnahmen darauf hinzuwirken, Ungleichhei

ten zu beseitigen und die Gleichstellung von Männern und Frauen zu fördern. (Artikel

2 und 3 des EG-Vertrages).

Die Strategie des Gender Mainstreaming erfordert eine geschlechtsbezogene oder

geschlechtssensible Sichtweise auf allen Ebenen, in allen Konzepten, Entscheidun

gen und Maßnahmen (auch wenn diese auf den ersten Blick geschlechtsneutral er

scheinen).

Im Zuge der Umsetzung des GM in Österreich (Ministerratsbeschlüsse, interministe

rielle Arbeitsgruppe, Arbeitsgruppen innerhalb der einzelnen Ministerien, um den

Prozess der Umsetzung des Gender Mainstreaming zu begleiten und zu unterstüt

zen) setzt das Bildungsministerium Schwerpunkte in verschiedenen Bereichen (In

formation und Sensibilisierung, Pilotprojekte, sprachliche Gleichbehandlung, Leh

rer/Innenfortbildung).

Die Intention des Gender Mainstreaming hat sich in den Lehrplänen (Unterrichtsprin

zip „Erziehung zur Gleichstellung von Frauen und Männern“, didaktischer Grundsatz

„Bewusste Koedukation“) niedergeschlagen.

Es gibt im österreichischen Schulwesen verschiedene Facetten der Ungleichheit zwi

schen den Geschlechtern, die eine emste Herausforderung für die österreichische

Bildungspolitik darstellen: das geschlechtsspezifische Wahlverhalten in Bezug auf

Gegenstände und Schularten, der Schulerfolg, die Leistungen in verschiedenen Ge

genständen (vgl. z. B. die aktuellen Ergebnisse der PISA-Studie, wonach Österreich

von allen teilnehmenden Staaten die größten Geschlechterdifferenzen in Bezug auf

die Mathematikleistungen aufweist bzw. die deutlich schlechteren Leseleistungen der

Burschen), sind nur einige davon. Den einzelnen Schulen muss es ein Anliegen sein,

gleiche motivationale Lernbedingungen für Mädchen und Burschen zu schaffen und

damit bestehende Unterschiede abzubauen.

Eine Genderperspektive ist in allen Gegenständen und Schularten möglich und not

wendig. Aber auch in Bezug auf das Sozialverhalten ist eine Genderperspektive auf

schlussreich. Ein Ziel sollte es sein, dass die Schulen, von der Volksschule bis zur

HTL “sich selbst auf die Finger schauen“ und ihre Stärken und Schwächen in Bezug

auf die Umsetzung gleicher Chancen für beide Geschlechter überprüfen. Eine Schule

ist nur dann eine gute Schule, wenn sie auch den Genderaspekt berücksichtigt.

Schulbezogene Analysen sind eine wichtige Bedingung. Nach der Analyse geht es

darum, Pläne und Programme zu erarbeiten, um die konkrete Situation zu verändern.

Es geht auch darum sich Ziele zu setzen, in welchem Zeitraum was erreicht werden

soll. Jede einzelne Schule kann (zB im Rahmen pädagogischer Tage oder schulin

3


terner Fortbildungsaktivitäten) in ihrem Bereich Schwerpunkte setzen, eine Gendera

nalyse durchführen und Grundsätze festlegen.

Gender Mainstreaming ist ein Top-down-Ansatz, dies bedeutet: der Wille an der

Spitze einer Organisationseinheit ist unbedingte Voraussetzung. Es geht darum, Sig

nale zu setzen und Rahmenbedingungen zu schaffen, die es ermöglichen, dass Di

rektor/Innen und Lehrer/Innen an Schulen die Qualität ihrer Schule in Richtung „gen

der equality“ vorantreiben, sodass Mädchen und Burschen ihre Fähigkeiten unab

hängig von Rollenklischees entfalten können.

Dir.‘ Mag.a Heidi Schrodt

Seit 1992 Schulleiterin am Gymnasium Rahigasse in Wien; davor Lehre

rin in den Fächern Deutsch und Englisch sowie Schülerberaterin an ei

nem Wiener Gymnasium. Langjährige Tätigkeit in der Lehrer/Innenaus

und —fortbildung. Derzeitige Arbeitsschwerpunkte: Schulautonomie, Or

ganisationsentwicklung an Schulen sowie geschlechtergerechte Schule.

GM —

MÖGLICHKEITEN

DER FÖRDERUNG DURCH DIE SCHULLEITUNG

Schulentwicklungsprozesse laufen nie glatt und geradlinig ab, aber wenn Ge

schlechtsrollen Thema der Schulentwicklung sind, dann sind die Schwierigkeiten, die

einem in diesem Prozess begegnen, noch um ein Vielfaches komplizierter.

„Das explizite Hinschauen auf Frauen in einem nicht-traditionellen Sinn bewirkt im

besten Fall Aufregung, im schlechtesten Ablehnung und Befremden“ (Ilse Schrittes

ser, Lehrerin an der Rahlgasse, 1997). Das System Schule, die Systemsprache in

der Schule sind nach wie vor männlich, das heißt, auf allen Ebenen der Kommunika

tion erfolgt die Ausrichtung nach dem Männlichen als dem Normalen. Das Männliche

ist die — ungeschriebene — Norm. Eine bewusste Hinwendung zum Weiblichen ruft,

systemisch gesehen, auf jeden Fall Irritationen hervor. Es reicht in diesem Fall nicht,

sich als Lehrperson oder als Schulleiter/In zu einem Schulschwerpunkt zu positionie

ren, da es, wenn die Geschlechtsrollen Thema der Schulentwicklung sind, immer

auch um die Frage der jeweils eigenen Geschlechtsidentität geht. Die Abwehrhaltun

gen, die Teil jedes Organisationsentwicklungsprozesses sind, bekommen in diesem

Fall noch eine ganz andere, zusätzliche Dimension: Die Verweigerung, sich mit der

eigenen Identität als Mann oder Frau auseinanderzusetzen, aber auch die Angst vor

Auseinandersetzungen mit den Anteilen des jeweils anderen Geschlechts in einem

selbst. Diese Abwehrstrategien haben wir in unserem Schulentwicklungsprozess zu

spüren bekommen.

Fazit: Schulentwicklungsprozesse laufen anders ab, wenn das Thema dieses Pro

zesses Gleichstellung und Geschlechtergerechtigkeit ist. Zu der in jedem dieser Pro

zesse festzustellenden Angst vor Veränderung kommt die Angst, sich selbst als Per

son in Frage stellen zu müssen, genauer gesagt, als Mann oder Frau, als Ge

schlechtswesen.

Was bedeutet es darüber hinaus für die Schulentwicklung, wenn die Direktorin sich

nicht mit irgendeinem Schulschwerpunkt identifiziert, sondern wenn sie sich ausge

rechnet die geschlechterbewusste Koedukation zu ihrem ureigensten Anliegen

macht?

Es macht jedenfalls einen bedeutenden Unterschied, wenn ich als Schulleiterin einen

Medienschwerpunkt favorisiere und mich mit Lehrer/Innen an meiner Schule ausei

nandersetzen muss, die diesen Schwerpunkt ablehnen. Oder ob ich einen Schwer

punkt „bewusste Koedukation“ als Schulleiterin zu meinem zentralen Anliegen mache


und mit ablehnenden Lehrpersonen konfrontiert bin. Schließlich positioniere ich mich

im letzteren Fall als Schulleiterin auch als Frau, wenn ich eine Schule gestalte, die

feministischen Grundsätzen folgt. Es geht aber nicht nur um die Geschlechtsidentität

der Leiterin, eine solche Schwerpunktsetzung zwingt auch Mitarbeiter/Innen, sich

diesbezüglich zu positionieren.

Ich bin einerseits davon überzeugt, dass Programme für eine geschlechtergerechte

Schule nur dann wirkungsvoll umgesetzt werden können, wenn das auch für die

Schulleitung ein zentrales Anliegen ist. Andererseits bringt genau diese Positionie

rung eine Schulleiterin (einen Schulleiter?) in eine ganz besonders schwierige Rolle,

auf die wir nicht vorbereitet sind und über die sich meines Wissens auch noch nie

mand viele Gedanken gemacht hat.

Abschließend noch ein paar Gedanken zu den Gefahren und Tücken des Gender

Mainstreaming (das ich grundsätzlich als große Chance sehe):

Wir waren schon nach sehr kurzer Zeit zu der Erkenntnis gekommen, dass es ohne

bewusste Bubenarbeit keine bewusste Mädchenarbeit geben kann. Allerdings: Da

Schule

als

Reflex eines gesamtgesellschaftlichen Zustandes — männlichen Spiel

regeln folgt, besteht die Gefahr, dass bei bewusster Zuwendung zum Männlichen

das Weibliche aus dem Blickfeld gerät. Also: dass wir die Mädchen aus den Augen

verlieren, wenn wir den Blick auf die Buben richten. Genau diese Gefahr sehe ich

gerade jetzt an unserer Schule. Das heißt, Gender-Mainstreaming als Strategie in

der Schulentwicklung setzt voraus, dass die strukturelle Ungleichheit nicht nur be

wusst ist, sondern im Prozess immer mitgedacht werden muss. Regulative zu Guns

ten der Mädchen werden immer nötig sein.

-

1

A

F

Mag. Dr. Erich Lehner

Psychoanalytiker in freier Praxis,

Leitung im „Projekt zur Erforschung der Geschlechterverhältnisse“ am

Ludwig Boltzmann-lnstitut für Werteforschung,

Lehrbeauftragter am 1FF (Institut für interdisziplinäre Forschung und

Fortbildung der Universitäten Klagenfurt, Wien, Innsbruck, Graz) — Pallia

tive Care und Organisationsethik

WAS KÖNNEN MÄNNER ZU EINER GESCHLECHTSBEWUSSTEN

SCHuLENTwICKLuNG BEITRAGEN?

1991 stellte Ilse Brehmer aufgrund der festgestellten Rollenklischees, die in den

schulischen Inhalten und Lehrbüchern transportiert wurden, geschlechtsspeziflscher

lnteraktionsmuster und geschlechtsspezifischer Muster in der Schullaufbahn, der Fä

cherwahl und der anschließenden Berufswahl, in denen sich allesamt eine Privilegie

rung von Buben und eine Diskriminierung von Mädchen zeigte, die nahe liegende

Frage, ob nicht die „Schule im Patriarchat“ gleichzeitig auch als „Schulung fürs Patri

4 fungiert. Etwas mehr als ein Jahrzehnt später, können wir feststellen, dass

archat

zwar in den Lehrbüchern in Bezug auf Gender ausgewogener vorgegangen wird,

jedoch die geschlechtsspeziflschen Muster in der Schullaufbahn, der Fächerwahl und

der anschließenden Berufswahl nach wie vor bestehen. Möglicherweise gerade des

halb, weil die geschlechtsspeziflschen lnteraktionsmuster nach wie vor wirken, wie

die TIMS-Studie erst jüngst aufgezeigt hat. Diese Studie konnte zeigen, dass die

Leistungen von Buben und Mädchen in Mathematik fast gleich sind, jedoch das

5


Selbstvertrauen und das Interesse der Buben in Mathematik bedeutend größer ist.

Als wesentliche Ursache für diese Mathematik‘distanz“ von Mädchen hat sich dabei

die Lehrperson erwiesen. Die Stereotypisierung von Mathematik durch die Lehrper

son (ganz gleich, ob sie weiblich oder männlich ist) als männliche Domäne hat ent

scheidende Auswirkung auf die Selbsteinschätzung von Mädchen in Bezug auf Ma

thematik.

Vor dem Hintergrund dieser Ergebnisse wird der Beitrag von Männern zu einer ge

schlechtsbewussten Schule prioritär damit beginnen, dass sie ihre eigene Ge

schlechtsrolle reflektieren und sich genügend Wissen in Genderfragen aneignen. Zu

wünschen wäre eine professionell geplante und österreichweit durchgeführte Fortbil

dung, in der Direktoren und Lehrer in intensiven Personalentwicklungsprozessen in

bezug auf Genderfragen, strukturelle, interaktive und biographische Bedingungen

reflektieren lernen. Sie sollten angeleitet werden, sich selbst als Mann wahr zu neh

men, eigene Geschlechtsrollenstereotypen aufzuspüren, die Strukturen und Auswir

kungen des hierarchischen Geschlechterverhältnisses und die eigene Position in

diesem Geschlechterarrangement zu erkennen und zu bearbeiten.

Neben dieser Standortbestimmung müssen Lehrer selbstverständlich auch lernen, in

geschlechtsempathische Interaktionen mit Buben und Mädchen einzutreten. Sie soll

ten eigene Wahrnehmungs-, Deutungs- und lnteraktionsmuster gegenüber Schü

er/Innen kritisch hinterfragen, die Interaktionen von Buben und Mädchen unterein

ander und mit Erwachsenen geschlechtsempathisch wahrnehmen, sexistische, ho

mophone und gewalttätige Muster erkennen und sich vermittelnd, korrigierend,

schützend oder ermunternd einmischen lernen. Gerade für Buben ist es wichtig, dass

Männer ihr Verhalten thematisieren, bei negativem Verhalten mit ihnen auch klar die

Verantwortlichkeiten herausarbeiten, und es in einem länger dauernden partner

schaftlichen Beziehungsprozess bearbeiten.

Schlussendlich sollen Lehrer bei der Themenauswahl und Themengestaltung im Un

terrichtsgeschehen die unterschiedlichen Lebenswelten von Buben und Mädchen

bedenken und bei der Bearbeitung der Themen methodisch auf unterschiedliche Mi

tarbeits- und Lernformen Rücksicht nehmen.

Wenn genügend viele Männer, sich auf solche intensiven partnerschaftlichen Bezie

hungen mit Buben und Mädchen einlassen, dann hat dies auch einen positiven Effekt

auf die vorherrschenden Männlichkeitsbilder. Sie erfahren in ihrer Konstruktion eine

Erweiterung um die Elemente Fürsorglichkeit und Partnerschaftlichkeit.

Vdir.‘ Mag.a Monika Kircher-Kohl

Geboren am 08.Juli 1957 in Spittal/ Drau, österr. Staatsbürgerschaft,

verheiratet, 2 Kinder. 1980 Studium der Wirtschaftswissenschaften in

Wen und Mexico City, Abschluss Mag. 1981 Geschäftsführung der Re

gionalstelle Kärnten des ÖlE-Österreichischer Informationsdienst für Ent

wicklungspolitik. 1988 Freiberufliche Beraterin, Lehrbeauftragte an der

Universität Klagenfurt. 1991 Vizebürgermeisterin der Stadt Villach,

zuständig für Finanzen und Wirtschaft, Personal, Kultur, Schule, Jugend

und Frauen. 2001 Vorstandsmitglied lnfineon Technologies Austria AG.

Seit 04/2001 Finanzvorstand der Infineon Technologies Austria AG. Ab

6


10/2001 Sprecherin des Vorstandes und Finanzvorstand der Infineon

Technologies Austria AG

GENDER-SENSIBILI5IERuNG —

(K)EIN

THEMA IN DER WIRTSCHAFT?

AUSWIRKUNGEN EINER GESCHLECHTSSENSIBLEN LERNKULTUR IN DER

SCHULE AUF DIE WIRTSCHAFT

4 Allgemeines

4—

- Geschlecht

als soziale Kategorie

- Unterscheidung biologisches und soziales Geschlecht

- Ungleichheitsverhältnis

- Begriffsdefinition

Gender-Sensibilisierung - Warum?

4- Gender-Sensibilisierung - Ziele

4- Statistiken der IV

4 Notwendigkeit für die Wirtschaft

4- Möglichkeit zur Sensibilisierung

4 Praxisbeispiele

- bei

4 Fazit

Infineon in Osterreich

- FH-Dortmund

Dr. Heiner Zechmann

Heiner Zechmann, geb. 1947, studierte Chemie/Physik in Graz und pro

movierte 1975. Neben der Berufstätigkeit in Chemiefirmen legte er die

Lehramtsprüfung ab und wurde dann Gymnasiallehrer in Villach. Er war

Mitglied diverser Kommissionen des Bildungsministeriums (Lehrplan,

Schulbuch, Sicherheit u.a.)und war seit 1984 in der internationalen Che

mieolympiade in führender Position tätig. Er erhielt 1995 den Pädago

genpreis und 1999 das Silberne Ehrenzeichen für Verdienste um die Re

publik Österreich. Im März 2001 wurde er zum Amtsführenden Präsiden

ten des Landesschuirates für Kärnten ernannt.

SCHuLQUALITÄT — EINE HERAUSFoRDERuNG FÜR DIE BILDUNGSPOLITIK

Die Qualitätsentwicklung an den Schulen ist die zentrale Herausforderung für die eu

ropäischen Bildungssysteme. Absichtserklärungen auf höheren Ebenen sind nicht

zielführend solange sie nicht bis in die Wirklichkeit der einzelnen Schulen „durch

schlagen“- Der Landesschuirat für Kärnten befindet sich österreichweit in einer Vor

reiterrolle, was die konkreten Umsetzungen eines Qualitätsmanagements betriffl.

Hohe Schulqualität ist nur mit besonderem Augenmerk darauf zu erreichen, dass den

Heranwachsenden, egal welchen Geschlechtes, zumindest Chancengleichheit gege

ben wird (für die Lehrenden sollte dies ohnehin eine Selbstverständlichkeit sein). In

Defizitbereichen ist durch Information und geeignete Förderung



nicht Bevorteilung

darauf hin zu wirken, dass die Defizite nach Möglichkeit ausgeglichen werden.


Ergebnisse aus den Workshops (Berichte der

Workshopleiterlnnen im Plenum)

Workshop 1:

BUBENGEWALT UND MÄDCHENGEWALT AN SCHULEN —

PERSPEKTIVEN GESCHLECHTERBEWUSSTER

GEWALTPRAVENTION

Bericht von Univ.Prof. Dr. Ulrike Popp

ISTZUSTAND — ERGEBNISSE

WISSENSCHAFTLICHER STUDIEN:

In diesem Workshop habe ich zunächst wissenschaftliche Befunde über Gewalt an

Schulen präsentiert. Als Ergebnis dieser Studie lässt sich sagen,

4- dass die Buben eher zu körperlicher Gewalt neigen, aber dass bei

verbaler und sozialer Gewalt der Geschlechtsunterschied dagegen

nicht so groß ist. Also hier mischen Mädchen kräftig mit.

Wenn man sich dann ansieht, mit weichen Ausdrucksformen von Gewalt Mädchen

im Schulalltag handeln, dann lässt sich heute im allgemeinen sagen,

4- dass die Gewalthandlungen von Mädchen (natürlich gibt es nicht d i e

Mädchen und d i e Buben, es gibt z.B. Buben, die Handlungen auf

weisen, die eher typisch für Mädchen sind) eher verdeckt ablaufen, sie

sind durchdacht, geplant, eher verbaler Natur und auf „Dauer“ angelegt.

4 Mädchen tragen Konfliktsituationen über einen längeren Zeitraum

aus.

Weitere Ausdrucksformen von Mädchen sind,

4 dass sie zu Manipulation von Freundschaftsbeziehungen und „Ge

rüchte verbreiten“ neigen. Dies ist auch wieder eine Ausdrucksform

verbaler und sozial ausgrenzender Art.

4 Mädchen haben auch eher die Tendenz, sich in Gruppen zusammen

zu schließen, um andere gezielt zu attackieren oder sozial aus

zugrenzen.

Bei körperlichen Attacken, wenn also Buben und Mädchen einander angreifen, fällt

auf,

4 dass Buben die Fäuste einsetzen oder treten und gegen die Brust

schlagen,

4- während Mädchen ihren Kontra hentlnnen eher „das Gesicht ver

letzen“, wie z.B. das Gesicht zerkratzen oder die Harre ausreißen.

8


Ein weiterer Befund geht in die Richtung der unterschiedlichen Hemmschwelle.

4 In der Regel haben Mädchen eine weitaus höhere Hemmschwelle ge

rade bei körperlicher Gewalt als die Buben. Wenn allerdings die Hemm

schwelle der Mädchen überschritten wird, dann sind sie in der Austra

gung von körperlicher Gewalt zum Teil noch härter als die Buben.

HANDLUNGSBEDARF UND NÄCHSTE SCHRITTE:

4 Es wurde diskutiert, dass es wichtig ist, die Motive für Gewalthandlungen

zu ergründen und vor allem die Motive der Jungen, die

sich in Gewalthandlungen begeben, wenn sie weibliche Zuschauerin

nen haben. Es ist also nachzufragen, weshalb verhalten sich Jungen in

Anwesenheit von Mädchen so.

4 Weiters ist es wichtig, Konfliktantelle zu thematisieren, die Konflikte,

die sowohl Mädchen als auch Buben an einer Auseinandersetzung tra

gen, und wesentlich ist auch über die Gefühle der Kinder und Ju

gendlichen zu reden, darüber ins Gespräch zu treten und den Zugang

herzustellen.

4 Es bedarf weiters einer Weiterbildung für Lehrerinnen und Lehrer,

damit Lehrkräfte auch in Gesprächstechniken und Feedbacks einge

führt werden.

4- Es sollten an jeder Schule Möglichkeiten geschaffen werden, wo

Mädchen und Buben ihre Aggressionen abbauen können.

4 Eine ganz besonders wichtige Perspektive ist, in Kenntnis dessen, dass

Mädchen vor allem zu psychischer, verbaler und sozialer Gewalt nei

gen, dass man als LehrerIn darauf achtet, nicht immer nur die Buben in

den Blick zu nehmen, sondern dass man auch den Mädchen gegen

über verdeutlicht, dass ihr Verhalten - das Hetzen, Manipulation von

Freundschaften, Gerüchte verbreiten, andere schlecht machen — auch

Konsequenzen hat.

WORKsHOP 2:

DIE BEDEUTUNG DER BUBENARBETT IN DER SCHULE

Bericht von Mag. Dr. Erich Lehner

SOLLZUSTAND:

In der Diskussion sind wir zu folgendem Ergebnis bezüglich des Sollzustandes ge

kommen:

4 Geschlechter befruchten sich gegenseitig und arbeiten konstruktiv

zusammen. Es zählt nicht nur das eine oder andere.


4- Es beginnt so etwas wie ein geschlechtsempathisches Agieren. So

wohl Buben als auch Mädchen werden aus ihrem geschlechtsspezifi

schen Hintergrund her verstanden. Es kommt zu einem wertschätzenden

Umgang, zu einem Umgang, der aggressionsärrner wird, d.h. dass

Aggressionen konstruktiv bearbeitet werden.

4 Die Entwicklungsphasen der einzelnen Geschlechter sollen be

dacht werden. Es soll darauf Rücksicht genommen werden,

in wel

cher Entwicklungsstufe der Bub oder das Mädchen sich befindet, so

dass bei allem Handeln, der soziale Kontext beachtet wird. Wichtig

dabei ist auch die Frage, aus welchem Umfeld heraus es zu diesem

Verhalten kommt.

WELCHE FAKTOREN STEHEN DEM SOLLZUSTAND ENTGEGEN?

PROBLEMANALYSE

4

In

gel.

der konkreten schulischen Situationen ist es zunächst der Zeitman

4- Es sind die Hierarchien, sowohl die Hierarchie unter den Lehrpersonen,

die informellen Hierarchien im Lehrkörper und die Hierar

chien zwischen Lehrpersonen und SchülerInnen.

4- Es sind Bilder von Männern und Frauen, die unabhängig von der

schulischen Situation in der Gesellschaft dominieren und Schule

kann darauf nur mehr reagieren.

4 Es fehlen Räume für Reflexionen. Es gibt zu wenig Möglichkeiten für

das Gespräch und der fachlichen Reflexion.

4- Es gibt das Problem der schwierigen Kommunikation, der sehr korres

pondiert mit dem nächsten Punkt.

4- Für viele Lehrerinnen und Lehrer ist es schwierig, unter der Kollegenschaft

zu sagen, ich habe ein Problem. D.h. offene Kommunikation

ist in Schule oft erschwert.

HANDLUNGSBEDARF UND NÄCHSTE SCHRI‘rfE

4- Eine Umgangskultur in jeder Klasse üben, damit bewusst gemacht

4-

werden kann, welche Mechanismen hier wirken.

In

der Schule müssen auch Räume geschaffen werden, wo Lehrer

innen und Lehrer auf einer professionellen Ebene miteinander re

flektieren. Dazu gehören auch schulinterne Fortbildungen, wie zB ein

Gendertraining (mit einem Mann und einer Frau).

4

In

einer Aktionsforschung wird der eigene Unterricht evaluiert werden,

um zu erkennen, welche Muster es hier gibt, wie die geschlechtsspezi

fischen Wahrnehmungen erkannt, benannt und evtl. verändert werden

10


können. Solche Bemühungen sollten auch von der Institution Schule

strukturell und finanziell unterstützt werden, z.B. Team-Teaching

(Mann & Frau)

W0RKsHOP 3:

GENDER MAINSTREAMING UND SCHULQUALITÄT

GESTALTUNG UND VERWALTUNG VON SCHULE: WO BEFINDEN

SICH FRAUEN UND MÄNNER IM SYSTEM?

Bericht von Dirr. Mag. Heidi Schrodt

SOLLZUSTAND:

Wohin wollen wir, wie schaut unser Sollzustand in lo Jahren aus?

In dieser Fragestellung gab es von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern einige

Schwerpunkte,

4 nämlich männliche und weibliche Kulturen sollten vorhanden sein.

Eine gute Gesprächskultur zwischen Männern — Frauen und Mädchen —

Burschen sollte eine Selbstverständlichkeit sein, männliche und weibli

che Formen in der Sprache sollten verwendet werden. Das wurde

mehrmals genannt. Dabei wird die Hauptgewohnheit der Geschlechter

im Lehrkörper betont.

4- In Pflichtschule und Kindergarten sollten mehr Männer arbeiten. In

der Schule sind auch andere Arbeitsbedingungen gefragt, die auch für

Männer attraktiver und für Frauen nicht nur der Zusammenhang mit der

Kombinierbarkeit Schutzfamilie gesehen werden.

4- Der Beruf des Lehrers/der Lehrerin sollte positiver besetzt sein. Das

wäre auch eine Herausforderung für unsere Schulpolitikerinnen und

Schulpolitiker.

4 Denn dritten Punkt hier könnte man als Vision betrachten, nämlich dass

der Sollzustand in 10 Jahren kein Thema mehr ist, sondern das, womit

wir uns heute beschäftigen, sollte zur Selbstverständlichkeit gewor

den sein.

HANDLUNGSSCHRITrE:

Die Beschäftigung mit den nächsten Schritten kam aus Zeitmangel zu kurz, weil sich

die Gruppe intensiver mit den vorhergehenden Punkten (Ist-Zustand, Soll-Zustand) in

Kleingruppen auseinander setzte. Es sind jedoch bereits konkrete nächste Schritte

an einzelnen Standorten geplant worden, nämlich

4- Unterrichtsprojekte zu initiieren,

11


4- in Fachgruppen tätig zu werden.

4 Sehr wichtig wurde auch von einer Schulaufsichtsbeamtin die Verbin

dung zum Ministerium genannt und der Bedarf geäußert,

4 dass es mehr Kontaktfrauen an Schulen gibt.

4 Es ist von allen Teilnehmerlnnen betont worden, dass Gender

Mainstreaming eine verpflichtende Maßnahme und keine „Spinntisie

rerei“ ist. Ich bin gebeten worden, dass dies hier noch einmal gesagt

wird, dass Schulleiterinnen dazu verpflichtet sind, das durchzuset

zen bzw. dass diese zumindest dem Gender Mainstreaming nicht ab

lehnend gegenüber sind.

Insgesamt war im Workshop eine sehr angenehme Atmosphäre und ich danke

nochmals den Teilnehmerinnen und Teilnehmern dieser Gruppe, die dazu beigetra

gen haben.

Bericht von Mag

W0RKSHOP 4:

ANALYSE VON INTERAKTIVEN PROZESSEN IM

NATURWISSENSCHAFTLICHEN UNTERRICHT

8. Gertraud Benke

ISTZUSTAN D

AUSWERTUNG VON VIDIOSEQUENZEN

In unserem Workshop haben wir uns per Videosequenzen genauer sehen, wie ge

mischt geschlechtliche Gruppen zusammen gearbeitet haben.

Die beiden Gruppen waren sehr unterschiedlich. In einer Gruppe hat sehr klar ein

Bub dominiert, in der anderen war die Diskussion sehr unterschiedlich, ob es Domi

nanzen gibt oder nicht. Es war zumindest nicht eindeutig. Aber es haben sich in bei

den Gruppen klare, ähnliche Ergebnisse gezeigt.

Bei der aktuellen Aufgabe haben

4 die Mädchen mehr analysiert,

4 der Junge hat Anregungen gegeben und Gedanken der Mädchen

aufgegriffen, diese ausgeformt und Modelle aufgestellt.

6 Die Mädchen haben eher gefragt, angeregt, entwickelt, sie haben

sozusagen zur Entwicklung beigetragen und

6 der Bub hat dann die Entwicklung abgeschlossen oder diese vorge

stellt.

4 Insgesamt hat der Junge in der Themensetzung dominiert, wobei die

Mädchen trotzdem sehr aktiv dabei waren.

12


Die Analyse hat ergeben, dass der Junge Erklärungen auf die Fragen der Mädchen

bringt, und fertige Modelle bzw. die Aufgabenstellung leitet. Die Mädchen stellen

Fragen, sie zeigen sich in ihrer Unwissenheit, sie entwickeln. Jetzt kann man sagen,

beides sind wertvolle Arten, an etwas heranzugehen, wenn sie Erklärungen bringen,

Modelle vorstellen oder wenn sie durch Fragen ihre Unwissenheit reflektieren. Durch

offene Fragestellungen, die es hier oft gibt, ergibt sich eine Reflexion darüber, was

das Ziel ist, was sie erreichen wollen. Sollen jetzt die Mädchen die Fertigkeit der Bu

ben bekommen, die Buben die Fertigkeit der Mädchen, sollen die Buben sich in ihrer

Unwissenheit zeigen oder die Mädchen in ihrem Selbstbewusstsein? Wir sind hier in

der Gruppe auf keinen „grünen Zweig“ gekommen, was wollen wir am Ende errei

chen

1 wie sollen sich die Buben/Mädchen im Detail verhalten und was für Interventi

onen sollen wir setzen? Diese Fragen konnten wir nicht mehr bearbeiten.

SOLLZUSTAND:

Konkret wurde in diesem Zusammenhang genannt, dass es wichtig ist,

4- Mädchen und Jungen Raum zu geben, ohne ihnen das Gefühl zu ge

ben benachteiligt zu sein.

4- Wichtig ist auch, das Bewusstsein über die unterschiedliche Formu

lierung und Sprechweise von Mädchen und Buben zu erhöhen, weil

dies dazu führt, dass diese, wenn sie sich so verhalten, anders wahr

genommen werden.

PROBLEMANALYSE:

4 Es sind Fragen aufgetaucht z.B. Wie dämmt man Jungen in der

Gruppe ein ohne sie zu demotivieren, indem man mehr auf die Mäd

chen eingeht?

4- Mädchen formulieren eher unsicherer. Daraus ergibt sich die Frage,

ob hier wirklich Unsicherheit und Mangel an Kompetenz dahinter steckt.

4- Weiters ist aufgefallen, dass Jungen lauter und selbstbewusster

sprechen, kommen also anders an.

4 Es ist auch bemerkt worden, dass störendes Machoverhalten von Bu

ben häufig nicht zurückgewiesen wird.

Man sieht also, es gibt eine Reihe von Details, was in der Gruppe passiert und dar

aus resultieren offene Fragen, wie man damit umgeht.

HANDLUNGSBEDARF UND NÄCHSTE SCHRITTE:

4- Es sollte mehr von Frauen geschriebene Schulbücher geben.

4- Sehr viele Einstellungen, Verhaltensweisen sind vom Elternhaus her

geprägt. Lehrer und Lehrerinnen spüren diesbezüglich in der Schule

13


dann eine gewisse Ohnmacht. Was lässt sich hier machen? Die Beein

flussung bei der Schulwahl dürfte hier stark zum Tragen kommen.

4 Es ist wichtig, die Stärken der Mädchen im naturwissenschaftlichen

Unterricht zu fördern.

4 Es sollte auch auf der Ebene der Eltern etwas passieren, z. B. Infor

mationsabende für Eltern.

WORKsH0P 5:

GESCHLECHTSSPEZIFISCHE LEISTUNGS- &

INTERESSENSUNTERSCHIEDE — BERUFS- UND LEBENSPLANUNG

VON MÄDCHEN UND BURSCHEN

Bericht von Maga. Brigitte Janshof und Mag. Hermann Wilhelmer

ISTZUSTAND:

Diese Arbeitsgruppe war relativ groß. Wir haben festgestellt, dass sich

4 Mädchen weniger zutrauen. Auf der anderen Seite sind Mädchen

leistungsfähiger.

4 Burschen gelingt es jedoch viel mehr, die Aufmerksamkeit auf sich

zu ziehen. Dies könnte auch daran liegen, dass Burschen bewegungs

orientierter sind. Es wäre vielleicht auch gut, wenn sie sich mehr bewe

gen könnten.

4 Weiters braucht es stärkeren Informations- und Beratungsbedarf.

Wenn ich das richtig interpretiert habe, gibt es da für Lehrerinnen und

Lehrer zu wenig Unterstützung.

4 Das Herausarbeiten von Fähigkeiten und Stärken der einzelnen

Schülerinnen und Schüler ist defizitär. In der Regel will jede/r die

Matura schaffen, aber wo die Fähigkeiten und Stärken des Einzelnen

oder der Einzelnen sind, geht dabei nicht auf. Die Jugendlichen wissen

oft gar nicht, wo ihre Fähigkeiten liegen und was sie gut können oder

nicht so gut können.

4 Wenn man nun von Hauptschülern und Hauptschülerinnen ausgeht, so

sind sie oft motiviert, aber es gibt oft keine Lehrstellen.

SOLLZUSTAND:

4 Ein großes Anliegen ist eine Professionalisierung der Eltern- und

Schülerlnnenberatung. Die Entwicklung des Beratungsteils ist hier

ein wesentliches Kriterium und Stützungsinstrument.

14


4 Die Verbindung zu außerschulischen Institutionen bzw. Personen

soll eine Selbstverständlichkeit sein. Es gibt hier ausgezeichnete Ange

bote. In Klagenfurt haben wir z.B. das Mädchenzentrum als Möglichkeit

zur Zusammenarbeit.

4 Ein weiterer wichtiger Aspekt ist Persönlichkeitsbildung, dies wird ja

auch von der Wirtschaft immer mehr eingefordert. Sie sollte Standard in

einer guten Schule sein.

4 Lehrplätze und Berufsmöglichkeiten für Mädchen und Burschen

sind vorhanden.

4 Von den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen her wollen wir auf

keinen Fall vergessen, dass wir als offene Gesellschaft uns sehen,

nicht nur im schulischen Bereich, sondern darüber hinaus im gesell

schaftlichen Bereich, uns von hierarchischen Vorstellungen und Struk

turen hin zum Prinzip Partnerschaft entwickeln. Dies wirkt dann auf Un

terrichtsführung und Schule insgesamt zurück.

4 Welche Vorbildwirkung begegnet uns von Seiten der öffentlichen Hand?

Wie gehen die vorgesetzten Behörden mit uns um? Wie ist unser Staat

organisiert? Wie kommunizieren wir in der Gesellschaft untereinander?

Was wird auch wertgeschätzt an gesellschaftlicher Arbeit? Das ist ein

wesentlicher Punkt. Man kann z.B. nicht verlangen, dass Männer in den

Kindergarten, in die Volksschule gehen, wenn die Arbeitsbedingungen

und auch die Bedingungen des Einkommens nicht stimmen.

HANDLUNGSBEDARF UND NÄCHSTE SCHRITTE:

Da gibt es jetzt konkrete Vorstellungen, wie wir morgen beginnen können. Eine Idee,

die von mehreren Kolleginnen und Kollegen gefordert wird, ist

4. den SGA mit diesem Thema zu befassen.

4 Es soll mit Lehrer und Lehrerinnen an der Schule in Form von

Workshops zum Thema Gender Mainstreaming gearbeitet werden.

4 Sowohl in den Hauptschulen, also auch Gymnasien soll die Berufsbe

ratung, die Studienberatung und auch die Beratung in Richtung

Persönlichkeitsentwicklung und —stärkung ausgebaut werden.Dies

ist natürlich auch kostenaufwendig. Es gilt daher, einzelne zukunftswei

sende Projekte finanziell abzusichern. Dies braucht natürlich auch

Menschen, die das umsetzen.

4. Wichtig ist auch eine begleitende wissenschaftliche Forschung und

Sicherung der Ergebnisse.

4 Stark in der Vordergrund gestellt wurde auch ein Erfahrungsaus

tausch, wie z.B. heute: die Fortbildung für Lehrer und Lehrerinnen aber

auch Vernetzung, Gruppengespräche, gedacht als Stützung und Stär

15


kung, sollen starker forciert werden.

4- Es ist immer wieder auch betont worden, dass dies alles nicht nur an

Lehrerinnen und Lehrern liegen kann, auch die Eltern haben einen

starken Anteil. Sie haben einerseits Vorbildwirkung, sie transportieren

Muster. Elternarbelt ist ein wesentlicher Punkt, um auch die Schulqua

lität zu verbessern. Sie muss daher stärker in die Arbeit in der Schule

integriert werden.

WORKsH0P 6:

LEHRER/INNENAUS- UND —WEITERBILDUNG

SOLLZUSTAND:

4- In der Lehrerlnnenausbildung ist esso, dass wir den Frauenförder

rungsplan seit 1994 im Leitbild verankert haben. Dies ist auch eine

Anregung, weil wir uns nun bezüglich der Aspekte des Gender

Mainstreamings immer auch auf unser Leitbild berufen können.

4- Wir haben Gender-Beauftragte, einen Kollegen und eine Kollegin, je

weils aus dem Bereich Hauptschule und Volksschule.

4- Wir haben im Vorjahr einen Gendertag abgehalten, wo alle Kolleginnen

und Kollegen aufgerufen wurden, sich in Fachgruppen Gedanken zu

machen, wie sie die Thematik in ihren Fachbereichen integrieren kön

nen. Die Gender-Beauftragten haben die Aufgabe darauf zu achten,

dass diese Absprachen auch eingehalten werden.

4 In der Lehrerlnnenfort- und —weiterbildung haben wir noch keine di

rekten Angebote zum Thema Gender Mainstreaming. In diversen

Lehrveranstaltungen haben wir allerdings sensibilisierten Lehrbeauf

tragten dieses Thema als Strategie implementiert.

PROBLEMANALYSE:

Hier sind wir zu folgenden Aussagen gekommen:

4- GM ist ein Top-to-down-Prinzlp. Wenn dies von der Führungsebene

keine Wertschmzung erhalt, passiert nichts.

HANDLUNGSBEDARF UND NÄCHSTE SCHRI17E:

4- Direkte Angebote zum Thema sind am Pl in Planung. Die erste Zeitfrage

der Realisierung könnte schon bei den pädagogischen Wochen

sein.

16


6 Eine Sensibilisierung durch Direkt- und Doppelstrategie soll ange

strebt werden: Direktstrategie meint, ‚das Kind auch beim Namen zu

nennen“. Die Doppelstrategie hat zum Ziel, dieses Thema in allen

Fachbereichen einfließen zu lassen.

W0RKSH0P 7:

MÄDCHEN- UND BUBENARBEIT IN DER SCHULE

Unsere Zielgruppe waren die 6— l4jährigen Schülerinnen und Schüler und wir haben

eine sehr interessante Workshopgruppe gehabt mit Vertreterinnen aus dem Bereich

Universität, Studierende, Vertreter aus dem Pflichtschulbereich, AHS und BHS. Die

Diskussion ist also, was die Schultypen betrifft, überschreitend gewesen.

SOLLZUSTAND:

4 Es geht uns primär darum, das Selbstwertgefühl der Mädchen und

Buben zu steigern. Und in dem Bereich geht es um das leidige Prob

lem der sogenannten Mitläufer, d.h. Buben, die sich eigentlich gar nicht

mit gewaittätigen Inhalten identifizieren aber sehr wohl mit den Rädels

führern. D.h. hier müsste der Selbstwert erhöht werden, damit diese

sich nicht hinter diese Rädelsführer stellen müssen.

6 Um hier effektiv arbeiten zu können, müsste die Klassenschülerzahl

gesenkt werden, denn mit einer Gruppe von 30 SchülerInnen ist es

sehr schwierig, in diesem Bereich zu arbeiten.

4 Schulbücher sollen in Richtung von Partnerschaftllchkeit überprüft

werden. Es geht jedoch nicht damm, die Rollen unzudrehen.

PROBLEMANALYSE:

4 Es soll einerseits Wissen vermittelt werden und gleichzeitig aber

auch auf sozialer Ebene gearbeitet werden. Problematisch ist, dass

bei einer Unterrichtsstunde bis zu 50 % der Zeit Disziplinierungsmaß

nahmen oder ähnliche soziale Interaktionen getätigt werden.

4- An Volksschulen unterrichten z.B. größtenteils nur Frauen.

4- Rollenbilder sind sozial konstruiert, d. h. Konstruktionen können

auch jederzeit wieder umgebaut werden.

17


HANDLUNGSBEDARF UND NÄCHSTE SCHRITTE:

6 Klassenvorstands/vorständinnenstunde, Unterricht „Soziales Ler

nen“ sind wichtig. Dem gegenüber steht das leidige Problem der Stun

denkürzung —2 Wochenstunden werden gestrichen. Genau bei diesem

Punkt haben wir angesetzt und gesagt, wenn wir also ein Wohlfühlen in

der Klasse schaffen können, dann werden wir auch in den Unterrichtsgegenständen

uns weniger um soziale Belange kümmern müssen, son

dern intensiv mit den Schülerinnen und Schülern arbeiten.

4 Um soziale Kompetenz eines Schülers, einer Schülerin weiter zu ge

ben, muss natürlich auch entsprechende soziale Kompetenz Inner

halb des Kollegiums vorhanden sein. Auch das wurde bereits ange

sprochen im Bereich der Aus- und Weiterbildung.

4 Investitionen im sozialen Bereich haben Auswirkungen auf ein po

sitives Lernkllma und damit auch auf bessere Leistungen.

18


Anhang

Gender Mainstreaming

Gender Malnstrearnlng besteht Inder (Re-) Organisation, Verbesserung, Entwicklung und Evaiu

lerung politischer Prozesse mit dem ZIel, eine geschlechterbezogene Sichtweise In alle politischen

Konzepte auf allen Ebenen und In allen Phasen durch alle an politischen Entscheidungen beteilig

ten Akteure und Aicteurinr,en einzubeziehen‘ (Europarat)

Gern. ArtIkel 2 des Vedrages zur Gn3r,dung der Europäischen Gemeinschaft

Ist die Atrderung der Gleichstellung von Männern und Freuen eine der Aufgaben dar Europäischen Union.

‚Bei allen Tätigkeiten wirkt die Gemeinschaft daraufhin, Ungleichhelten zu beseitigen

und die GleIchstellung von Männern und Frauen zu fördern. (Ast. 3 des EG-Vertrags)

Die Veranstaltung des Landesschuirats für Kärnten zum Thema „Schulquali

tät & Gender Mainstreaming — eine Herausforderung für die Schule der Zu

kunft“ bildet den Auftakt einer Veranstaltungsreihe, welche bis Ende 2003 in

jedem Landesschulrat (SSR für Wien) in Kooperation mit dem Bundesminis

teriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur stattfinden wird.

Die Veranstaltungen sind Teil einer Gesamtstrategie des BMBWK zur Um

setzung des Gender Mainstreaming im Schulbereich.

Kontext und Stationen der Einführung von GM in Österreich:

4 1998: Ratifikation des Amsterdamer Vertrags

4 Juli 2000: 1. Ministerratsbeschluss der Bundesregierung zum CM

4- 2001: Einrichtung einer interministeriellen Arbeitsgruppe für CM mit dem

Ziel, den Prozess des CM in allen Ressorts und auf allen politischen Ebe

nen zu unterstützen und zu begleiten

4- Einrichtung einer Arbeitsgruppe zum CM im BMBWK

4- Mai 2002: Persönliches Schreiben von Frau Bundesministerin E. Gehrer an

die Präsidenten der LSR / Präsidentin des SSR f. Wien

Aktuelle Schwerpunkte und Maßnahmen des BMBWK im Bereich des GM:

4 Allgemeine Informationsarbeit im BMBWK und den nachgeordneten

Dienststellen

4- Handlungsorientiertes Forschungsprojekt mit 6 Pilotschulen zum Thema

Gender Mainstreaming & Schuientwicklung“

4- CM im Rahmen der Vollrechtsfähigkeit der Universitäten

4- CM im Bereich der Forschungsförderung

4- CM im Bereich der AstG-Akademien

4- CM im Bereich der Lehrer/innenfortbildung

19


„Schuiqualität & Gender Mainstreaming“

Veranstaltung des Landesschulrates für Kärnten

6.März 2003

Ziele der Veranstaltung

4- Relevanz und Dimension des Geschlechterthemas im Bereich Schule deutlich

machen

4 Sensibilisierung für die Bedeutung der Kategorie Geschlecht im schulischen Leh

ren und Lernen — Impulse zur Reflexion

4 Sichtbarmachen, was mehr Gender — Sensibilisierung für beide Geschlechter und

für die Gesellschaft insgesamt bringen kann

4 Den Begriff „Gender Mainstreaming“ bekannt machen und Diskussionsprozesse

dahingehend anregen, was GM im Bereich Schule (in Bezug auf „Schulqualität‘)

bedeuten kann

4- Verantwortliche Personen aus Schulverwaltung und Steuerung sollen angeregt

werden, GM und Gender —

Aspekte

in zukünftige Planungen einzubeziehen.

4- Einblick ermöglichen in einschlägige Projekte, Erfahrungen und in aktuelle Debat

ten (im Bereich Pädagogik, Schulentwicklung)

4 In Konzepte geschlechterbewusster Pädagogik an Schulen einführen und Per

spektiven für die Schulentwicklung aufzeigen

4 Experte/innen, die für Projekte und Train-the-Trainer Maßnahmen infrage kom

men, vorstellen bzw. bekannt machen

4 Vernetzung anstreben

1

20


Reihe des BMBWK

“Schuiqualität und geschlechtssensible Lernkultur - Pro

jektberichte zur Reflexion und

Weiterentwicklung der Koedukation“

Bernd Hackl, Karoline Iber, Gerhard Pataner, Christin Perner, Christa

Twaroch:

Geschiechtshomogefl geteilter Unterricht (Teil 1)

(Realgymflasium SchopenhauerstriWien XVIII, hrsg. 1997)

Roswitha Tschenett, mit Beiträgen von Christa Twaroch und Ilse Wolfram:

Geschlechtshomogen geteilter Unterricht (Teil 11)

(RealgymflasiUm SchopenhauerstriWien XVIII, hrsg. 1997)

Brigitte Parnigoni, Ilse Schrittesser:

Geschlechtsdifferenzierender Unterricht und 1(0edukation

(Gymnasium Rahigasse/Wien VI. hrsg. 1997)

Irene Besenbäck, Claudia Schneider, Egon Urban:

Geschlechissensible Keedukation (1 und II)

(Schulverbund Mittelschule Anton Kriegergasse/Wien XXIII, hrsg. 1997

und 1999)

Gerda Sengstbratl

Die Mäcichen-KO-KO-KO-Stuflden

(BRG Wien XXI, Schulschiff “Bertha von Suttner“, hrsg. 1999)

Claudia Schneider, Siegfried Kaltenecker:

Partnerschaftliches Arbeiten in der Institution Schule

(Hauptschule Johann-Hoffmanfl-PlatZiWiefl XII, hrsg. 2001)

Bestellungen bei:

AMEDIA, Sturzgasse IA, 1141 Wien; Tel. und FAX: 011982 1322, E-Mail: arne

dia@cso.CO.at

bm:bwk

Bundesministellum für Bildung, Wissenschaft und Kultur, Abteilung für geschlechtsspezifische

Bildungsfragen

Minoritenplatz 5, 1014 Wien, Tel.: 01153120-2820, Fax: 01153120-2829;

http://www.bmbwk.gv.at/gleichstellung4chule

21


m:bwk

Aus dem Vorwort von Bundesministerin Elisabeth Gehrer

zur Reihe »Schulqualität und geschlechtssensible Lernkultur°:

Ein wichtiges Merkmal einer “guten Schule“ ist es, beiden Ge

schlechtern dieselben Möglichkeiten zu bieten sich einzubringen, die

Stimme zu erheben und Raum einzunehmen, sowie ihre Interessen

und Fähigkeiten unabhängig von geschlechtsspezifischen Rollenvor

stellungen zu entwickeln. Eine Schule, die den Anspruch hat, Mäd

chen und Buben dieselben Chancen zur Entfaltung ihrer Fähigkeiten,

Interessen und Lebensperspektiven zu gewähren, sollte dies auch an

der Realität überprüfen und entsprechende Maßnahmen setzen. Dies

bedeutet eine bewusste Auseinandersetzung mit Geschlechterdiffe

renzen, ihre Berücksichtigung und ihre Thematisierung im Unterricht,

so wie dies im Rahmen des Projekts “Neue Lernkultur“ unter der Be

zeichnung “Bewusste Koedukation“ festgeschrieben wurde und durch

das Unterrichtsprinzip “Erziehung zur Gleichstellung von Frauen und

Männern“ eingefordert wird. Das bedeutet, als Lehrperson sensibel zu

werden für die alltäglichen Umgangsformen von Mädchen und Buben

in der Schule, sensibel zu werden für den eigenen Umgang mit Schü

lerinnen und Schülern. “Bewusste Koedukation“ heißt daher auch zu

überlegen, wie der Unterricht methodisch und inhaltlich so gestaltet

werden kann, dass er Mädchen und Burschen positiv anspricht und

zur Mitarbeit motiviert. Damit verbunden ist die Suche nach neuen

Formen der Koedukation...

22


BeM

ChancengLeichheit von Frauen und Männern

Was heißt Gender Mainstreaming?

Gender

.SozlaIes Geachiecj,t

Mainstreamlng

= ‚in den Hauptrom brIngen‘

Das Engisctrn unterscheidet sprachlich

zwischen ‚sex‘, dem biologischen

Geschlecht. Lind ‚gendof. dem sozialen

Geschlecht. Mit Gender sind die gesell

schaftlichen Geschlechteyrvllen gemeint

die Verstellungen und Erwartungen. wie

Frauen und Mnner sind bzw. sein sollen.

Die Geschledlierroiien können sich

Lauf der Zelt andern und ahd innerhalb

und zwischen den Kulturen unter

scniediicn.

i

Melnskeoming heißt dass ein bestimmtes

Denken und Handeln in den ‚Malnstreom

in Politik und Verwaltung, Progfamme

und MaBnahmen Obernonmen und zu

einem seibstverstSndlichen handlungs.

muster wir« dass ein Sonderthema zu

einem Hauptthema wird. Mainetreaming

heißt, den .M&nstzeam‘ zu durchdringen

und zu verAndern.

Gendar Mainstreaming heißt, soziale Ungieichheiten zwischen Frauen und

Männern In eilen Becekhen und bei ehen Pienungs- und Entscheidungssctritten

immer bewusst wahrzunehmen und zu berflcksichtigeri. Alle Vorhaben werden so

gestaltet, dass sie euch einen Beitrag zur F&rdening der Gleichstellung von Frauen

und Männern leisten.

3ei allen Planunge- und Entscheidungsachritten werden die Fragen gestellt:




Wie sieht in dem betreffenden Bereich das Gaschlechterverhailnis aus?

Wie wirkt sich des geplante Vorhaben auf die Situation von Freuen

und Mnnem aus?

Wie Keim eIn Beitrag zur Fdrderung der Glelchstelbing geleistet werden?

GoM4(oardlnaftongstoile für Gender Malnatraaming Im ESE — www.gem.or.at — Wien 2001

23


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24


http://www.imag- Die IMAG GM wurde auf der Grundlage eines Minister

qendermainstreaming.at ratsbeschlusses eingerichtet und hat die Aufgabe, die

GM-Strategie in allen Bundesministerien umzusetzen. Die

Homepage der lntermi- IMAG-Website bietet Information über:

nisteriellen Arbeits- Theorie (Begriffe, Rechtsgrundlagen, Methoden, Tools

gruppe Gender Praxis (GM-Pilotprojekte auf Bundes- und Länderebene

Mainstreaming ‘ Tipps (Expertinnen und Experten, Publikations- und

Linkliste)

http://www.qem.or.at/de/i Die GeM-Koordinationsstelle im ESF wurde vom Bun

ndex.htm desministerium für Wirtschaft und Arbeit eingerichtet und

bietet

Homepage der Gender ‘ Information (Neuigkeiten und Veranstaltungshinweise,

Mainstreaming Koordi- Materialien)

1

nationsstelle im ESE Vernetzung (Links zu österreichischen und internatio

(Europäischer Sozial- nalen Organisationen und Initiativen, Veranstaltung von

fonds‘

Roundtables)

Beratung (zB. Leitfaden zur Verankerung von GM in

Institutionen und zur Entwicklung und Überprüfung von

Projekten)

http://www.bmbwk.gv.at/ Website des BMBWK/Geschlechtsspezifische Bildungs

pleichstellung-schule fragen

http://8ung.atlqender Für Lehrerinnen und Lehrer. Informationen zu Gender

Mainstreaming, Veranstaltungen, Links, etc.

In dieser Homepage besteht die Möglichkeit Unterrichtsmaterialien

zu diesem Thema herunter zu laden bzw. hin

ein zu stellen. Reger Austausch an Materialien ist er

wünscht.

http://imst.uni-klu.ac.at Website von der Universität in Klagenfurt

25

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