Entstehungsgeschichte Museum - Kindergarten und Schule in Südtirol

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Entstehungsgeschichte Museum - Kindergarten und Schule in Südtirol

Das MuseumPasseier-Andreas Hofer

Entstehungsgeschichte und Schwerpunkte des Museums

Das MuseumPasseier-Andreas Hofer ist im ehemaligen Wirtschaftsgebäude des Sandhofs in

St. Leonhard in Passeier untergebracht, wo Andreas Hofer seine Pferde fütterte und wo in

der Schlussphase der Tiroler Aufstände auch Franzosen eingesperrt wurden. Ende der

1960er Jahre wurde hier ein Andreas-Hofer-Gedenkraum eingerichtet, nachdem der Platz im

angrenzenden Gasthaus, dem Sandwirt, für die Ausstellung der Relikte des Freiheitshelden

zu klein geworden war. Über 20 Jahre lang wurden hier Besucher aus aller Herren Länder

sowie Schulklassen in patriotischer Weise über die Tiroler Aufstände informiert. Schließlich

entsprachen die engen und modrigen Räumlichkeiten sowie die Art der Präsentation nicht

mehr den Anforderungen der Zeit und zu Beginn der 90er Jahre reifte in den Köpfen der

Gemeindeverantwortlichen und der Besitzer - der Tiroler Matrikelstiftung - die Idee eines

neuen, vollkommen anders konzipierten Museums. Den Schwerpunkt sollte natürlich

weiterhin Andreas Hofer und die Erhebung von 1809 bilden. Diesen Themen wurde dann

auch der wesentlich erweiterte ebenerdige Bereich, das heißt der ehemalige Stall des

Sandhofs, gewidmet.

In einem Zwischengeschoss ist ein kleiner „Hörraum“ mit Musik, Sagen und literarischen

Besonderheiten aus dem Passeier- und dem angrenzenden Ötztal untergebracht und im

Obergeschoss widmet das Museum der Volkskunde des Tales breiten Raum. Exponate zu

Kunstgeschichte, Tracht, Textilverarbeitung, Volksmedizin, Urgeschichte und zu

verschiedenen „aussterbenden“ und ausgestorbenen Handwerksberufen werden hier

präsentiert und an wöchentlichen Aktionstagen dem Besucher auch lebendig vor Augen

geführt. Den Schulklassen bietet das Museum in einem Arbeitsraum die Möglichkeit, die

verschiedenen Bereiche mittels didaktischer Unterlagen zu erkunden und zu „begreifen“.

Viel Lob von Seiten der Gäste erntet der liebevoll gestaltete Freilichtbereich.

In den letzten Jahren wurde hier ein typischer Passeirer „Haufenhof“ wieder errichtet, wobei

man Baulichkeiten aus verschiedenen Orten des Tales her versetzt und originalgetreu

wieder aufgebaut hat. So ist ein Selbstversorgerhof entstanden, wie er noch vor 50 Jahren

hundertfach an den Hängen des Tales zu finden war, das Landschaftsbild prägte und den

Menschen ein von Einfachheit und Kargheit geprägtes Überleben ermöglichte.

Dazu gehören ein Bauernhaus und ein Wirtschaftsgebäude mit angrenzendem Acker und

Bauerngarten, eine Schmiede mit Schnapsbrennerei, eine Mühle, ein Korn- und

Wohnkasten, ein Backofen, eine Lodenwalke, ein alter Bienenstand sowie eine historische

Kegelbahn. Zu den neuesten Beständen zählt ein weiteres Wirtschaftsgebäude, in dem

ebenerdig Sonderausstellungen zu volkskundlichen bzw. talbezogenen Themen gezeigt

werden. Im Stadel darüber werden landwirtschaftliche Geräte ausgestellt und in einem

Filmraum können sich Besucher anhand mehrerer Kurzfilme über teilweise in Vergessenheit

geratene bäuerliche und handwerkliche Tätigkeiten informieren.

Im Ausgangsbereich runden eine neuromanische Herz-Jesu-Gedächtniskapelle (1899) sowie

eine vom Urgroßvater Andreas Hofers erbaute Heilig-Grab-Kapelle (1691) den

Museumsrundgang ab.

Eine Besonderheit des Museums sind die Außenstellen in der Umgebung, welche teilweise

vom Museum aus betreut werden bzw. in das Museumserlebnis mittels Führungen eingebaut

werden. Bereits im Parkbereich vor dem Museum weisen mehrere schwarze Silhouetten auf

die Talgeschichte und auf die Konzeption des Museums als kulturelles Zentrum des Tales

hin. Der Besucher hat von hier aus die Möglichkeit, neben der Pfandleralm – dem Ort der

Gefangennahme Andreas Hofers -, zum Franzosenfriedhof am südlichen Ortsende von St.

Leonhard zu wandern, in einer mehrstündigen Wanderung ein kleines Almmuseum im

Seitental Pfistrad zu besuchen oder sich im Turm der Jaufenburg über die jahrhundertelange

Herrschaft der Herren von Passeier und der Grafen Fuchs von Fuchsberg über das

Passeiertal zu informieren. Im Jahr 2008 ist die Eröffnung eines „Bunkermuseums“ im


Hinterpasseirer Hauptort Moos geplant, in dem neben einem Informationszentrum des

Naturparks Texelgruppe und einem Steinbockgehege vor allem die Präsentation der

Zeitgeschichte breiten Raum einnimmt.

Somit liegt der Schwerpunkt des MuseumPasseier einerseits bei Andreas Hofer, der wohl

bekanntesten Persönlichkeit aus der Tiroler Geschichte, es bezieht aber andererseits die

gesamte Geschichte des Tales wie ein großes Netzwerk mit ein und bietet dem

kulturinteressierten Gast die Möglichkeit, sich umfassend und in einer zeitgemäßen,

lebendigen Form zu informieren.

Museumserweiterung 2009: ein neuer Blick auf Andreas Hofer

Anlässlich des Gedenkjahres 2009 wird der Andreas-Hofer-Bereich im Museum mit

finanzieller Unterstützung der Südtiroler Landesregierung wesentlich erweitert. Dabei wagt

sich das Museum an eine neue Interpretation der Persönlichkeit Andreas Hofers: Es zeigt die

Ereignisse vor 200 Jahren nicht nur aus dem engen Blickwinkel der Tiroler, sondern bezieht

auch die Sicht von außen auf das Tirol zu Hofers Zeiten mit ein und geht auch auf Themen

ein, die in der bisherigen Geschichtsschreibung zu kurz gekommen sind.

Was hat die Bayern bewogen, in ihrem neuen Tiroler Landesteil jene tiefgreifenden

Reformen einzuführen, die dann den Aufstand weiter Kreise der Bevölkerung auslösten? Wie

haben die Bayern und die auf ihrer Seite stehenden Franzosen das „heilige“ Land Tirol

gesehen? Und was hielt eigentlich das liberale, aufgeklärte Bürgertum in Städten von dem

Kreuzzug ihrer Landsleute gegen die angeblich gottlose Aufklärung? Ebenso sollen die

Rollen des Österreichischen Herrscherhauses, jene der Sachsen und der Italiener hinterfragt

werden, um dann über die Rolle der Passeirer und einiger Mitstreiter und Widersacher immer

näher an Andreas Hofer und sein Umfeld heranzukommen. Gegen Ende des

Museumsparcours kommt die Zeit nach der Erschießung in Mantua zur Sprache: die

damalige Sicht und Vermarktung ebenso wie die „Pilgerstätte Sandhof“. Ein bunt gemischtes

Team von Historikern hat die Grundlagen dafür erarbeitet und dabei auch Neues zutage

gefördert.

Mit einer lebendigen Inszenierung werden die Ereignisse zwischen dem Aufstieg Napoleons

zum Beherrscher Europas und seinem Ende in Waterloo anschaulich und leicht verständlich

erzählt. Tirol ist in den Strategien der Großmächte nur ein Spielball und die Rebellion ein

Muster für auch viele heutige Konflikte. Im Rahmen dieses europäischen Kontextes wird es

möglich, auch die Rolle von Andreas Hofer und seiner Mitkämpfer distanzierter zu sehen und

sich von der eingeschränkten Sicht, die nur gute Tiroler und böse Feinde kennt, zu lösen.

Das Handeln beider Seiten wird verständlicher. Zudem wird den Besuchern bewusst, wie

vergänglich doch häufig die Ursachen sind, die zu Kriegen führen.

In dieser veränderten Optik wird Hofer etwas zurecht gerückt und von übertriebenem

Patriotismus und blinder Heldenverehrung befreit. Die neue Ausstellung lässt ihm jene Rolle,

welche die Geschichte ihm gegeben hat, zeigt aber die Mechanismen auf, die aus einem

Menschen „wie du und ich“ mit der Zeit einen Helden machen. Ein Schwerpunkt der neuen

Dauerausstellung ist dem Heldentum in Vergangenheit und Gegenwart gewidmet.

Insgesamt möchte der neu gestaltete Museumsbereich ein modernes Geschichtsbild

vermitteln und richtet sich nicht nur an die Tiroler. Auch die Besucher aus jenen Gebieten,

sie selbst zu Napoleons Reich gehörten, werden im MuseumPasseier einen Ausschnitt ihrer

Geschichte wiederfinden.

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