Aktuelles - Kindergarten und Schule in Südtirol

schule.suedtirol.it

Aktuelles - Kindergarten und Schule in Südtirol

Aktuelles

Veränderungen

4 Februar 2011


Spannende Übergänge

… gut vorbereitet gelingen sie

Übergänge von einer Bildungsstufe in

die nächste, von der Schul- und Hochschulwelt

in die Berufswelt, von einem

Lebensabschnitt in den nächsten: Jeder

Übergang bedeutet den Wechsel hin zu

etwas Neuem, bringt Veränderungen

mit sich und sorgt deshalb für Spannung,

für Neugier auf das, was uns erwartet.

Häufig sind mit Übergängen aber auch

Unsicherheit und Ängste verbunden,

vor allem dann, wenn eigene Entscheidungen

zu treffen sind, und man nicht

weiß, ob sie sich als richtig herausstellen.

Derzeit beschäftigen sich die Mittelschülerinnen

und Mittelschüler der dritten Klassen

und ihre Eltern mit Fragen zur Wahl der

Oberschule: Wofür sollen sie sich entscheiden?

Für eine Berufsfachschule, für ein Gymnasium

oder für eine Fachoberschule? Wird

die gewählte Oberschule die Erwartungen

erfüllen, der richtige Weg zum Traumberuf

sein? Was Südtirols Bildungswelt hierzu an

Unterstützung, Information, Beratung und

Orientierung bietet, beschreiben Rolanda

Tschugguel und Astrid Torggler Freienstein

in diesem INFO.

Der Mensch muss sich sein

Leben lang orientieren und

entscheiden

Sich in der bestehenden Vielfalt und Informationsflut

zu orientieren ist nicht immer

einfach, Orientierungs- und Entscheidungsfähigkeit

gehören zu jenen Kompetenzen,

die wir unser gesamtes Leben lang brauchen.

„Im Sinne des lebensbegleitenden

Lernens bietet die Oberschule Orientierung,

eröffnet den Lernenden autonome

und demokratische Entscheidungsmöglichkeiten

und unterstützt eigenverantwortliches

Lernen und Handeln“, so lautet in

den Rahmenrichtlinien ein allgemeines Bildungsziel

und die pädagogische Ausrichtung

der Oberschule.

Dabei geht es neben einer spezifischen

Berufs- oder Studienorientierung natürlich

auch um viele weitere Aspekte von

Orientierung: Orientierungen im Empfinden,

Denken, Glauben und Handeln,

geschichtliche und geografische Orientierung,

Orientierung und Sicherheit im

Sport, Geschichtserkenntnis als Hilfe für

die Orientierung in der Gegenwart und

für die Gestaltung der Zukunft und anderes

mehr. Es geht darum, Sach- und Sinnfragen

zu klären und dadurch Hilfen für

die eigene Orientierung im Denken und

Handeln zu gewinnen.

Was müssen Unterricht und Schule bieten,

damit die Schülerinnen und Schüler die im

Bildungsprofil geforderten überfachlichen

Kompetenzen in enger Verknüpfung mit

den jeweiligen Fachkompetenzen erwerben

können? Wie können junge Erwachsene

die Übernahme von Verantwortung, Mitbestimmung

und demokratisches Zusammenleben

in der Gesellschaft im schulischen

Kontext aktiv erleben? Eine vertiefte Auseinandersetzung

mit solchen Fragen wird

pädagogischen Teams, Fachgruppen, Klassenräten

und Kollegien Orientierung bieten

bei Entscheidungen zur curricularen Planung.

Auch diese stellt einen Übergang dar,

den Übergang von den Rahmenrichtlinien,

der rechtlichen Grundlage, zum konkreten

Unterricht über eine Planungstätigkeit, die

der Schulgemeinschaft die Möglichkeit gibt,

sowohl den organisatorischen Rahmenbedingungen

als auch den unterschiedlichen

und vielfältigen Bedürfnissen der Jugendlichen

Rechnung zu tragen.

Übergänge sind mehr oder weniger lang

andauernde Prozesse, die etwas gemeinsam

haben: Sie verändern uns. Je bewusster

wir mit Übergängen umgehen und die

Veränderungen mitgestalten, desto mehr

Chancen haben wir, dass sie gelingen.

Marta Herbst

Inspektorin, Marta.Herbst@schule.suedtirol.it

Februar 2011

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Südtirol macht Schule

Informationskampagne und Bildungsmesse

Welche Auswirkungen hat die Oberstufenreform

auf die Südtiroler Bildungslandschaft?

Was gibt es Neues? Wie

können sich Jugendliche und deren Eltern

im neuen Kontext orientieren? Eine

Kommunikationskampagne des Landes

gibt Antworten auf diese Fragen. Den

Höhepunkt der Kampagne bildet die

dritte Südtiroler Bildungsmesse FUTU-

RUM 2011 vom 17. bis 20. Februar 2011

in Bozen.

Vor allem die Schülerinnen und Schüler der

dritten Klasse Mittelschule und der ersten

Klasse Oberschule haben Fragen über Fragen,

was ihren weiteren Bildungsweg angeht.

Eine umfassende Kommunikationskampagne

des Landes soll ihnen die Entscheidung

erleichtern, sie soll informieren

und beraten. Organisiert wurde die Kampagne

von einer ressortübergreifenden

Arbeitsgruppe um Rolanda Tschugguel,

Direktorin im Amt für Ausbildungs- und

Berufsberatung. Die Arbeitsgruppe hat

den politischen Auftrag erhalten, die Bevölkerung

aller drei Sprachgruppen klar und

objektiv über die Reform zu informieren.

Unter dem Motto „Südtirol macht Schule

– “L’Alto Adige fa scuola” – “Südtirol fej

scola” wurden konkrete Informationsmaßnahmen

geplant: Dazu gehören Kinospots,

Anzeigen in den Medien, Buswerbung, Plakate

und Informationsbroschüren, die an

die Schulen verteilt werden.

Wer sich noch nicht im Klaren ist, welche

Schule er oder sie nach Abschluss

der Mittelschule besuchen möchte, findet

auf der Homepage zur Oberstufenreform

www.schulreform.bz.it

www.riformascolastica.bz.it

www.reformadlascola.it

alles Wissenswerte, Ziele und Inhalte sowie

wichtige Informationen zu den einzelnen

Ausbildungswegen. Beschrieben werden

Die zweite Ausgabe der Südtiroler Bildungsmesse im Jahr 2009

die drei Säulen der neuen Oberstufe: die

Gymnasien, Fachoberschulen und die Berufsbildung.

Ausbildungswege, Einschreibemodalitäten

und Rechtsquellen werden

aufgezeigt, Neuerungen verständlich gemacht.

Geplant sind außerdem verschiedene

Informationsveranstaltungen an den

Schulen. Die genauen Informationen dazu

sind ebenfalls auf genannter Homepage zur

Schulreform zu finden.

Bildungsmesse

FUTURUM 2011

Wann? Die dritte Südtiroler Bildungsmesse

FUTURUM 2011 findet vom 17. bis

20. Februar 2011 in der Messe Bozen jeweils

von 9.00 bis 18.00 Uhr statt. Sie wird

von der Abteilung Bildungsförderung, Universität

und Forschung in Zusammenarbeit

mit dem Deutschen, Italienischen und Ladinischen

Schulamt, den Pädagogischen

Instituten, den Abteilungen Deutsche und

ladinische Berufsbildung, Italienische Berufsbildung,

Land-, Forst- und Hauswirtschaftliche

Berufsbildung und der Messe

Bozen organisiert.

Wer? Im Unterschied zu den ersten beiden

Ausgaben in den Jahren 2007 und

2009 wird die Bildungsmesse nicht das

gesamte Südtiroler Bildungsangebot, also

Kindergarten, Schule, Universitäten und

sonstige Bildungseinrichtungen vorstellen,

sondern sich aus aktuellem Anlass auf die

Oberstufe konzentrieren. Es präsentieren

sich auf der Messe ausschließlich die

verschiedenen Ober- und Berufsschulen

sowie die Ämter für Schulfürsorge und

Ausbildungs- und Berufsberatung. Letztere

werden den Besucherinnen und Besuchern

der Bildungsmesse einen einführenden

Überblick über die neue Oberstufe

geben. Die Lehrpersonen geben

Auskunft über die einzelnen Schultypen,

6 Februar 2011


Fachrichtungen, (Landes-)Schwerpunkte

sowie die Ausbildung in verschiedenen

Berufsfeldern.

Für wen? FUTURUM 2011 wendet sich in

erster Linie an Schülerinnen und Schüler

der Mittelschulen, der ersten Oberschulklassen

und deren Eltern.

Was? Die Bildungsmesse will einen objektiven

Überblick über die neue Bildungslandschaft

der Oberstufe geben und über die

von der Oberstufenreform eingeführten

neuen Schultypen informieren, über die

Standorte der einzelnen Schultypen, Profile,

Lernziele, Zugangsvoraussetzungen,

Aufbau, Dauer, inhaltliche Schwerpunkte,

Unterrichtsformen, Abschlüsse, weitere

Bildungswege nach dem Abschluss und

anderes mehr. Die Messe hat einen vorwiegend

informativen und orientierungsgebenden

Charakter und ersetzt nicht die

einzelnen Orientierungs- und Beratungsmaßnahmen

in den Bezirken und an den

einzelnen Schulen. Ziel ist es, einen Gesamtüberblick

über das Bildungsangebot

der Oberstufe in Südtirol zu geben.

Die drei Bildungssäulen

Auf dem Messeareal der FUTURUM 2011

werden die drei Bildungssäulen dargestellt.

Rund um diese werden die entsprechenden

Schultypen und Berufsfelder präsentiert.

Bei der Bildungssäule Gymnasium stellen

sich die verschiedenen neuen Formen des

Gymnasiums vor. Bei der Bildungssäule

Fachoberschule werden die neuen Schulen

für den wirtschaftlichen und jene für

den technologischen Bereich präsentiert.

Bei der Bildungssäule Berufsbildung wird

die Ausbildung in den verschiedenen Berufsfeldern

vorgestellt.

Im Rahmen der FUTURUM 2011, vom

17. bis 19. Februar, findet außerdem die

Landesmeisterschaft der Berufe 2011 statt,

Alle Details zur neuen Oberstufe gibts auf der eigenen Homepage.

wobei sich die beiden Veranstaltungen die

Große Messehalle teilen. Diese Landesmeisterschaft

ist Italiens größter Lehrlingswettbewerb,

bei dem zum einen eine Vorwahl

für die besten Kandidatinnen und Kandidaten

für die Berufsweltmeisterschaft vom 5.

bis 8. Oktober 2011 in London stattfindet,

zum anderen aber auch Gelegenheit geboten

wird, sich über die breite und bunte

Palette der Handwerksberufe näher zu

informieren.

Verena Girardi, Abteilung Bildungsförderung,

Universität und Forschung, Verena.Girardi@provinz.bz.it

Februar 2011

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Null Bock auf Schule

Vom Sinn des Lernwiderstands

Gleich vorweg: Wer sich daran erinnern kann, wie unangenehm

ihm selbst manchmal die Schule war, und wer diese Erinnerung

mit einem gewissen Augenzwinkern kommentieren

kann, der wird mit diesem Beitrag gut zurechtkommen. Wer

diese Voraussetzung nicht mitbringt, wird sich schwertun.

Trotzdem bitte ich Sie weiterzulesen.

Alles, was wir tun, ist Ergebnis einer Entscheidung. Und jede

Entscheidung ist das Ergebnis einer Abwägung. In diesem Wort

steckt das Bild der Waage. Und tatsächlich: Dass Sie diesen Beitrag

lesen, bedeutet, dass Sie jetzt andere, durchaus sinnvolle

Dinge, nicht tun, dass also die Waagschale mit den Argumenten,

diesen Beitrag zu lesen, schwerer war. Ich bin natürlich froh darüber.

Trotzdem bin ich sicher, dass auch die Dinge, die Sie tun

könnten anstatt hier zu lesen, wichtig für Sie sind. Es ist nicht notwendig

zu sagen, alles andere ist unwichtig, das wäre engstirnig

und dumm. Unsere gängige Alltagsdenkweise fordert leider oft

ein anderes Verhalten: Vegetarierinnen und Vegetarier glauben,

Fleischesserinnen und Fleischesser abwerten zu müssen und umgekehrt,

und Menschen, die sich – mehr oder weniger freiwillig

– für eine Religion entschieden haben, sind häufig der Meinung,

diese Entscheidung bedeute, andere Religionen abwehren und

abwerten zu müssen.

Ehrlicher Respekt ist gefragt,

pseudoliberales Verständnis bringt nichts

Das alles hat viel mit Schule zu tun. Wagen Sie als Lehrerin oder

Lehrer einmal ein Experiment: Beginnen Sie eine Stunde, in der

Sie bei sich und vielen Schülerinnen und Schülern spüren, dass

die Motivation nicht besonders hoch ist (also eine ziemlich normale

Stunde) damit, dass Sie fragen: Was würdet ihr jetzt tun,

wenn ihr nicht hier sein müsstet? Falls es Ihnen gelingt, mindestens

sieben relativ ehrliche Antworten zu bekommen, und falls

es Ihnen auch gelingt, alle diese Antworten glaubwürdig zu respektieren,

dann werden Sie von dem Ergebnis überrascht sein:

Die Aufmerksamkeit in dieser Stunde wird – für eine gewisse Zeit –

spürbar höher sein als vorher. Dieses Experiment ist schon oft

gelungen, es hat nur den Nachteil, dass man es nicht oft wiederholen

kann, denn es lebt von der Überraschung. Sie können den

positiven Effekt noch steigern, indem Sie auch selbst mitteilen,

was Sie jetzt vielleicht gern täten, wenn Sie nicht unterrichten

müssten. Leider gibt es viele Pädagoginnen und Pädagogen, die

ein solches Denken oder Vorgehen nicht richtig verstehen. Sie

meinen, so etwas würde die Bedeutung, die die Schule für die

Schülerinnen und Schüler hat, noch mehr gefährden. Wenn ich

das eine will, dann dürfe ich das andere nicht respektieren oder

würdigen. Das ist natürlich psychologisch völlig falsch. Viele Pädagoginnen

und Pädagogen wissen das – ein bisschen – und verhalten

sich daher – ein bisschen – anders: „Ich verstehe ja, dass

ihr heute keine Lust habt, habe ich ja auch nicht immer, aber …“

Mit diesem „Aber“ haben Sie schon verloren. Mit einem solchen

pseudoliberalen Verständnis kommt man nicht weit.

Wir brauchen Erfahrung von Eigenwillen

und Selbstwirksamkeit

Worum geht es wirklich? Die gleichen Waagschalen, die darüber

entschieden haben, ob Sie diesen Beitrag lesen oder

nicht, sind bei Ihren Schülerinnen und Schülern wirksam. Was

spricht dafür, gern in die Schule zu gehen beziehungsweise

mich mit Interesse am Unterricht zu beteiligen, und was

spricht dagegen? Nach dem Berner Entwicklungspsychologen

August Flammer braucht ein Mensch für seine gesunde

Entwicklung die Erfahrung von Eigenwillen und Selbstwirksamkeit,

und wenn bei seinen jeweiligen Waagschalen nur

die eine Schale von außen befüllt wird („Sieh doch ein, dass

die Schule für dich wichtig ist!“), dann wird von innen her

die andere Waagschale mit „Null-Bock-Stimmung“ befüllt

(außer bei überangepassten Kindern, da tauchen dann später

andere Probleme auf). Wenn Schüler prinzipiell in ihrem

Lernwiderstand respektiert werden („Ja, die Schule ist oft

öd! Vieles ist ganz uninteressant!“), dann wird die andere

Waagschale („Letztlich will ich natürlich die Schule gut abschließen.“)

wieder lebendig, ganz von selbst und von innen

her! Denn jeder Schüler und jede Schülerin weiß im Inneren

selbst, dass der Schulerfolg wichtig ist, dafür braucht es

wirklich keine Belehrungen.

8 Februar 2011


Im Null Bock schlummern Einsatz

und Ausdauer

Diese Haltung des ehrlichen Respekts vor der Null-Bock-Stimmung

ist keine graue Theorie, sondern auch eine bewährte

Praxis. Sie hat natürlich dort Grenzen, wo andere gravierende

Probleme der Schullust entgegenstehen, zum Beispiel bei kognitiver

Überforderung oder bei akuten seelischen Belastungen im

Elternhaus. Da genügt der Respekt vor der Schulunlust alleine

nicht, aber das sind auch keine Probleme, die sich im Unterricht

behandeln lassen. Dort, wo keine gröberen Probleme dem Lerninteresse

im Weg stehen, könnten wir sogar noch einen Schritt

weitergehen. Wir könnten dem Bild „Null Bock“ folgen und dabei

erkennen, dass der Widerstand des „Bockes“ eine Kraft ist.

Wenn die erkannt und gewürdigt wird – statt zu versuchen sie

zu brechen – dann kann sie sich manchmal in kreative Energie

verwandeln. Das erleben viele Lehrende bei Projekten, wenn

plötzlich durchaus „bockige“ Schülerinnen und Schüler einen beachtlichen

Einsatz und Ausdauer zeigen. Mit anderen Worten:

Im „Null Bock“ schlummert eine besondere Leistungsfähigkeit.

Respekt kann sie manchmal wecken.

René Reichel, Psychotherapeut, Supervisor, Fachbereichsleiter für Beratung,

Supervision und Psychotherapie im Department für Psychosoziale Medizin und

Psychotherapie an der Donau-Universität Krems, rene@reichel-reichel.at

Seminar 14.14

Lernberatung in der Oberschule –

Motivationskrisen durchstehen und Selbstverantwortung fördern

am 24./25. Februar 2011 in Nals, Bildungshaus Lichtenburg

Referent: René Reichel

Februar 2011

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Die Feste feiern, wie sie fallen

Interkultureller Kalender in Kindergarten und Schule

Seit 15 Jahren gibt es den Interkulturellen Kalender des

Berliner Integrationsbeauftragten. Der Kalender listet die

wichtigsten Feste der großen Religionen Christentum, Islam,

Judentum, Buddhismus, Hinduismus und Baha’i auf und berücksichtigt

dabei auch Feste einzelner Kulturkreise und internationale

Gedenktage.

Zwar weiß ich, dass Religionen und Kulturen zu verschiedenen

Zeiten Neujahr feiern und unterschiedliche Kulturen unterschiedliche

Feste feiern, aber schwarz auf weiß zu sehen, dass es fast

monatlich ein Neujahrsfest gibt und dass die (orange eingefärbten)

christlichen Feiertage, die meinen Jahresablauf so klar strukturieren,

nur einen kleinen Teil der Feste übers Jahr ausmachen,

bringt mein christlich-europa-zentriertes Welt-Bild dennoch in

Bewegung. Dabei ist diese Welt ja nicht abstrakt irgendwo weit

weg, sondern kommt als Menschen zu uns, in die Wohnung nebenan,

ins Restaurant um die Ecke und in meine Schulklasse.

Feste transkulturell feiern

Feste sind gekennzeichnet von Ritualen und Symbolen und fußen

auf Werten, die für eine Kultur grundlegend sind, sind also

zutiefst kulturell geprägt und umgekehrt Ausdruck von Kultur.

Feste trans-kulturell zu feiern (ich bevorzuge den Begriff transkulturell

– durch die Kulturen –, weil er mehr als der übliche

Begriff inter-kulturell – zwischen den Kulturen – das Miteinander

ausdrückt), heißt nicht aus einer falsch verstandenen Political

Correctness heraus Festen alles irgendwie kulturell und

religiös Geprägte zu nehmen und sie dadurch sinn-los zu machen.

Es heißt viel mehr Bewusstsein dafür zu schaffen, dass

einerseits verschiedene Menschen verschiedene Feste oder

dieselben Feste anders feiern, und dass andererseits alle Feste

einen religiösen und sozialen Hintergrund, sozusagen einen

tieferen Sinn haben.

Eine Möglichkeit der Bewusstmachung ist es, den Festen aller

Kinder und Jugendlichen in unseren Gruppen und Klassen einen

Platz zu geben. Je nach Altersstufe können wir über Kinder

und Jugendliche selbst, ihre Eltern oder interkulturelle Mediatorinnen

und Mediatoren zu den religiösen, kulturellen oder

historischen Hintergründen und zu Ritualen und Bräuchen Informationen

erhalten. Vielleicht nehmen wir uns auch die Zeit,

das eine oder andere Fest in der Gruppe oder Klasse festlich

zu begehen, mit einer Geschichte, einem Lied, einer Kleinigkeit

zu trinken und zu essen.

Durch die Kulturen hindurch

In Kindergärten und Schulen ist es uns – auch als Gegenpol zu

einer den Konsum antreibenden Außenwelt – ein Anliegen, beim

Feiern der Feste die dahinterstehenden Werte in den Mittelpunkt

zu rücken.

Bei unseren Winterfesten St. Martin, St. Nikolaus und Weihnachten

steht etwa das Teilen im Mittelpunkt. Werte wie Gerechtigkeit,

Gleichheit oder auch Würde werden dabei direkt oder indirekt

thematisiert. Hier lässt sich sehr gut ein Bogen etwa zum Islam

spannen, wo das Teilen eine der religiösen und sozialen Säulen

darstellt. Über die Arbeit an Legenden und Sufigeschichten, über

Bibel- und Koran-Stellen, durch ein Treffen mit Vertretern der

anderen Religionsgemeinschaft wird hier Werte- und (trans)kulturelle

Bildung geleistet, die für einheimische Kinder und Jugendliche

ebenso bewusstseinsbildend und wert-voll ist wie für ihre

Kolleginnen und Kollegen aus anderen Kulturkreisen.

Interkulturelle Kompetenzen können sich ohne Neugier und

Offenheit nicht entwickeln. Sie bleiben aber diffus und belanglos,

wenn sie nicht an eigene kulturelle Grundlagen und Werte

rückgebunden werden.

Unsere Aufgabe als Bildungsinstitutionen ist es, Feste von Glitzerverpackungen

und Folkloretand zu befreien, damit wir mit den

Kindern und Jugendlichen den Wert, den sie für unser Zusammen-Leben

haben, auch tatsächlich (er)leben lernen. Der interkulturelle

Kalender kann uns helfen, hier einen Schritt zu machen.

Inge Niederfriniger

Kompetenzzentrum für die Integration von Kindern und Jugendlichen mit

Migrationshintergrund, Inge-Elisabeth.Niederfriniger@schule.suedtirol.it

Der interkulturelle Kalender 2011

kann unter folgender Adresse bestellt oder heruntergeladen werden:

www.berlin.de/lb/intmig/publikationen/kalender/index.html

10 Februar 2011


Interkultureller Kalender 2011

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Neujahr

Hl. 3 Könige

Orthodoxes

Weihnachtsfest

nach julian. Kal.

Pongalfest

der Tamilen

Gedenktag f. d.

Op fer d. Nationalsozialismus

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Neujahrsfest

Vietnam, China

St. Valentin

Muhammads

Geburtstag

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Internationaler

Frauentag,

Fastnacht

Christl. Fastenzeit

9.3. bis 23.4.

St. Patrick

Holifest

Purimfest

Neujahrsfest

Iraner 1390

Afghanen 1390

Newroz 2623

Baha’i 168 u. a.

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Tamil. Nj. 2042

Sikh Neujahr

Baisakhi 312

Palmsonntag

Pessachfest

bis 26.4.

Roter Mittwoch

der Yeziden

Ridvanfest der

Baha’i bis 2.5.

Karfreitag

Türkisches

Kinderfest

Osterfest

Ev., Kath., Orth.

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Tag der Arbeit,

Shoah-

Gedenktag

St. Georgsfest

der Roma

Muttertag,

Ende des

2. Welt kriegs in

Europa

Buddh. Neujahr

Wesak 2555

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Christi

Himmelfahrt

Schawuot

Karneval der

Kulturen Berlin,

Pfingstfest

Weltflüchtlingstag

UNO

Fronleichnam

St. Johannis

Christopher

Street Day

örtl. untersch.

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Französischen

Revolution

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Beginn des

Ramadan

Hiroshima-

Gedenktag

Verstorbenen-

Gedenktag

Mariä Himmelf.,

Bonfest Japan

Ramadanfest

3 Tage

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Antikriegstag,

Ganeshafest

Mondfest,

Kopt./Äth.-Orth.

Neujahr

Weltkindertag

Rosh Haschana

Neujahr 5772

Tag des

Flüchtlings

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Erntedankfest

Tag der Deutschen

Einheit

Dussehrafest

Jom Kippur

Sukkot

bis 19.10.

Divalifest

Reformationstag,

Halloween

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Allerheiligen

Allerseelen

Opferfest

Pogromnacht

1938, Fall d. Berliner

Mauer 1989

Guru Nanaks

Geb. Sikh

St. Martin

Volkstrauertag

Buß- u. Bettag

Totensonntag

Thanksgiving

USA

Islamisches

Neujahr 1433

1. Advent

Beginn des

Kirchenjahres

Muharrem-

Fasten Alevit.

26.11. bis 7.12.

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2. Advent

Aschuratag

St. Nikolaus

Aschure der

Aleviten

Erklärung der

Menschenrechte

3. Advent

Fest der Lucia

Schweden

4. Advent

Chanukkafest

bis 28.12.

Heiligabend

Weihnachtsfest

Ev., Kath., Orth.

n. gregorian. Kal.

Silvester

Christlich Islamisch Jüdisch Buddhistisch Hinduistisch Baha’i

Daten können um 1–2 Tage differieren.

Die Helltönung von Daten bezeichnet nicht unbedingt eine Religion, sondern den Kulturkreis, zu dem sie gehören.

Hrsg: Beauftragter des Senats von Berlin für Integration und Migration E-Mail: Integrationsbeauftragter@intmig.berlin.de

ISBN:

Satz: Satzinform, Berlin

© Gertrud Wagemann, Berlin, Tel. 030 / 774 85 57, Informationen zu den Festtagen in:

Potsdamer Straße 65, 10785 Berlin, Tel. 030 / 90 17-23 57 Internet: www.integrationsbeauftragter.berlin.de

978-3-938352-49-6

Druck: MercedesDruck, Berlin

„Feste der Religionen – Begegnung der Kulturen“, Kösel Verlag, München

Februar 2011

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