27.06.2014 Aufrufe

Zdirekt! 02-2014

Sie wollen auch ein ePaper? Erhöhen Sie die Reichweite Ihrer Titel.

YUMPU macht aus Druck-PDFs automatisch weboptimierte ePaper, die Google liebt.

FACHMAGAZIN ZEITARBEIT | AUSGABE 02 | 2014

GRENZENLOS GUT

Zeitarbeit in Europa

ALLGEMEIN ANERKANNT

Zwei Jahre Kontakt- und Schlichtungsstelle

VISIONEN ENTWICKELN

Neue iGZ-Projektgruppe "Zeitarbeit 2030"


Z direkt!

Editorial

Aus Europa für Deutschland lernen

Die Europawahl liegt hinter uns. Doch während die

Journalistenkarawane weiter zum nächsten Thema

zieht, bleibt Europa für uns dauerhaft relevant. Denn

die Zeitarbeitsbranche hat sich in den meisten unserer

Nachbarländer in den vergangenen Jahren – auch

unter dem Einfluss der Wirtschaftskrise – sehr deutlich

verändert. Auch wenn wir in Deutschland bislang von

dieser Entwicklung verschont geblieben sind: Es wäre

aus meiner Sicht geradezu fahrlässig, nicht dennoch

den aufmerksamen Blick über die Grenzen zu werfen!

Im Gegensatz zu vielen anderen europäischen Ländern

haben sich in Deutschland Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter

gemeinsam auf die wesentlichen

Rahmenbedingungen der Zeitarbeit geeinigt. Hier

gilt Tarif vor Gesetz. Das führt dazu, dass Mitarbeiter

der Zeitarbeit in Deutschland sozial so gut abgesichert

sind wie in keinem anderen europäischen Land.

Auch wenn wir bestrebt sind, dieses Prinzip weiter

festzuschreiben, sollten wir vorbereitet sein: Was kann

die Zeitarbeit in Deutschland von anderen Ländern

lernen? Auf welche Entwicklungen in unserer Branche

und unseren Unternehmen können wir uns schon

heute mit einem Blick über die Grenzen vorbereiten?

Mit diesen und anderen Fragen haben wir uns beim

iGZ-Landeskongress für Rheinland-Pfalz, Hessen und

das Saarland beschäftigt. Herausgekommen sind

dabei interessante Ergebnisse. So ist unter anderem

klar geworden: In einem Europa, in dem wir wirtschaftlich

immer enger zusammenrücken, werden die

Anforderungen an Flexibilität und Dynamik größer.

Dies betrifft einerseits die arbeitsorganisatorischen

Anforderungen beim Kunden, andererseits die Bereitschaft

der Mitarbeiter zur räumlichen Flexibilität.

Beides wird zunehmen.

Wenn wir den Wirtschaftsstandort Deutschland im

europäischen Zusammenhang weiter stärken wollen,

muss die Zeitarbeit als wesentlicher Dienstleister

für die betriebliche Flexibilität erhalten bleiben und

gestärkt werden. Das haben wir nicht nur für uns

erkannt, sondern es auch dringend und deutlich an

die Politik weitergegeben. Leider gehen die aktuellen

Ansätze der Großen Koalition in die falsche Richtung.

Darum müssen wir

bei der Umsetzung

der Vorgaben darauf

achten, dass der

Jobmotor nicht

abgewürgt wird und

die Tarifautonomie

unserer Branche

erhalten bleibt. Die

immer wieder geforderte

Rückführung der

Zeitarbeit auf ihre „Kernfunktion“ ist dabei schon ein

starkes Stück der Politik: Will sie den Unternehmen

nun vorschreiben, wann und wie sie ihre eigene

Flexibilität organisieren sollen? Jüngst hat sich Südwestmetall-Präsident

Dr. Stefan Wolf in diesem

Zusammenhang darüber beklagt, dass die Politik den

Unternehmen in den Rücken falle.

Unter strengeren Regeln für die Zeitarbeit würden

jedoch nicht nur die Einsatzbetriebe leiden, sondern

auch die vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter,

für die Zeitarbeit den Einstieg in den Arbeitsmarkt

bedeutet. Jahr für Jahr zeigt die Statistik der Bundesagentur

für Arbeit, dass zwei Drittel aller Mitarbeiter in

der Zeitarbeit zuvor ohne Job waren. Nicht nur das ist

übrigens im europäischen Vergleich ein Spitzenwert.

Auch bei der Nachhaltigkeit der Integrationsleistung

unserer Mitarbeiter am Arbeitsmarkt stehen wir

besonders gut da.

Die Herausforderungen, denen wir uns auch weiterhin

stellen müssen und auch stellen wollen, werden

auch in Zukunft nicht kleiner. Ich bin mir jedoch sicher,

dass wir mit dem iGZ als starkem Partner an unserer

Seite gut vorbereitet und aufgestellt sind, wenn es

darum geht, diesen Herausforderungen zu begegnen.

Ariane Durian

iGZ-Bundesvorsitzende

2


Inhalt

Z direkt!

Inhaltsverzeichnis

Editorial

Aus Europa für Deutschland lernen 2

Kurz berichtet

Interview

Zehn Fragen an den Vorsitzenden der IG BCE,

Michael Vassiliadis

Titelthema: Zeitarbeit in Europa

Wirtschaftskraft bestimmt Nachfrage nach Zeitarbeit

Zeitarbeitsbranche wartet auf das EUGH-Urteil

Blick auf Europa

Deutschland vermehrt auf Zuwanderung angewiesen

PDK-Azubis nutzen Auslandspraktika

Reportage

Eine Online-Suchseite für Unterkünfte

Interview

Zwei Jahre KuSS – Torsten Oelmann zieht Bilanz

Aktiv

iGZ-Projektgruppe "Zeitarbeit 2030"

Aus dem Verband

Unterwegs

iGZ-Bundeskongress in Karlsruhe

iGZ-Mitglieder wählten Bundesvorstand

Service

iGZ-Seminarprogramm - jetzt mit E-Learning

4

6 – 7

8 – 9

10 – 11

12 – 13

14 – 15

16 – 19

20 – 21

22 – 23

24 – 25

26 – 27

28 – 29

30 – 31

32 – 33

Gastbeitrag

Holger Schäfer 34– 35

3


Z direkt!

Kurz berichtet

VBG-Beitragssatz gesunken

Für über eine Million Unternehmen verringern sich

Beitragssatz und Mindestbeitrag zur gesetzlichen

Unfall versicherung VBG gegenüber dem Vorjahr. Der

VBG-Vorstand hat ent schieden: Der Beitragssatz der

Umlage für Pflicht- und freiwillig Versicherte sinkt

gegenüber dem Vorjahr auf 4,50 Euro (2012: 4,80

Euro). Die Änderung gesetzlicher Rahmenbedingungen

hat den Vorstand in die Lage versetzt, den Beitrag

zu senken. Erfreulich für die zahlreichen Kleinunternehmen:

Der Mindestbeitrag reduziert sich ebenfalls

auf 48 Euro (2012: 50 Euro). Der Beitragssatz für die

freiwillige Versicherung im Ehrenamt beträgt auch

für 2014 je Versicherungsverhältnis 2,73 Euro. Der

Lastenausgleich wird bis 2014 stufenweise durch ein

System der Lastenverteilung ersetzt.

Branchenzuschläge beschlossen

Die Verhandlungsgemeinschaft Zeitarbeit (VGZ), bestehend

aus dem iGZ und dem BAP, hat zwei weitere

Branchenzuschlags-Tarifverträge abgeschlossen. Ab

dem 1. Juli werden Zuschläge beim Einsatz im Kaliund

Steinsalzbergbau (TV BZ KS) sowie beim Einsatz

in der Papier erzeugenden Industrie (TV BZ PE – gewerblich)

fällig. Der TV BZ KS sieht Zuschläge von bis

zu 20 Prozent (EG 1 und 2), von bis zu 11 Prozent (EG

3 und 4) sowie von bis zu 10 Prozent (EG 5) vor. Für

die EG 6 bis 9 wird kein Zuschlag fällig. Der TV BZ PE –

gewerblich sieht Zuschläge von bis zu 20 Prozent (EG

1 bis 5) vor. Für die EG 6 bis 9 sind keine Zuschläge

vereinbart worden.

Annahmeverzugslohn: Revision zurückgewiesen

Zurückgewiesen hat der 5. Senat des Bundesarbeitsgerichts

(BAG) die Revision eines Zeitarbeitnehmers

gegen ein Urteil des Landesarbeitsgerichts Baden-

Württemberg – der Klagende hatte Annahmeverzugslohn

von je sieben Stunden („Garantie stunden“) für

drei bestimmte Arbeitstage eingefordert. Grund: Der

Disponent des Zeitarbeitsunternehmens konnte ihm

keinen Arbeitseinsatz vermitteln. In der fraglichen Zeit

wurde der Zeitarbeitnehmer jedoch über drei Wochen

hinweg für jeweils mindestens 35 Wochenstunden

beschäftigt. Das entspricht der im Arbeitsvertrag festgelegten

Mindestarbeitszeit.

Mindestlohn in Kraft

Am 26. März wurde die zweite Verordnung über eine

Lohnuntergrenze in der Arbeitnehmerüberlassung

im Bundesanzeiger veröffentlicht. Sie trat am 1. April

2014 in Kraft und am 31. Dezember 2016 außer

Kraft und gilt auch für ausländische Zeitarbeitsunternehmen.

Das Mindeststundenentgelt beträgt in den

Neuen Bundesländern vom 1. April 2014 bis zum 31.

März 2015 7,86 Euro, vom 1. April 2015 bis zum 31.

Mai 2016 8,20 Euro und vom 1. Juni 2016 bis zum

31. Dezember 2016 8,50 Euro. In den übrigen Bundesländern

beträgt es parallel 8,50 Euro, 8,80 Euro

und 9,00 Euro. Es gilt das Mindeststundenentgelt des

Arbeitsortes. Auswärtig beschäftigte Zeitarbeitnehmer

behalten den Anspruch auf das Entgelt ihres Einstellungsortes,

sofern dieses höher ist.

Sozialauswahl notwendig

Bei betriebsbedingten Kündigungen ist eine Sozialauswahl

notwendig. Auch ein Unternehmen, das Arbeitnehmer

an andere Unternehmen überlässt, hat diese

Pflicht. Es darf die Entscheidung, welcher Arbeitsplatz

wegfällt, nicht an die ausleihenden Unternehmen delegieren.

Schon vor Übersendung der Profile müsse

die Sozialauswahl erfolgen, entschied das Arbeitsgericht

Lübeck (Arbeitsgericht Lübeck am 4. September

2013 (AZ: 5 Ca 1244/13)).

Vergleichbarkeit von Arbeitnehmern

Erstmals wurde durch das Landesarbeitsgericht (LAG)

Schleswig-Holstein eine Entscheidung zum Merkmal

„vergleichbarer Arbeitnehmer“ bei der Zahlung von

Branchenzuschlagstarifen getroffen. Im vorliegenden

Fall gab es im Kundenunternehmen mehrere Mitarbeiter,

die eine mit dem Zeitarbeitnehmer vergleichbare

Tätigkeit ausübten bzw. auf einer ähnlichen Stelle

eingesetzt, aber unterschiedlich vergütet wurden.

Gefordert wurde das höchste vergleichbare Entgelt,

mindestens aber eine durchschnittliche Vergütung im

Vergleich zu den Stammkräften. Der Zeitarbeitnehmer,

so das LAG, müsse aber nur dann gleichbehandelt

werden, wenn er über die gleiche Qualifikation

der höher Bezahlten verfüge, was nicht der Fall war.

Wolfram Linke

4


ANZEIGE

Z direkt!

Impressum

Neue Tarifabschlüsse?

Mit LANDWEHR L1 sind Sie

auf der sicheren Seite!

Herausgeber

iGZ – Interessenverband Deutscher

Zeitarbeitsunternehmen e.V.

iGZ-Bundesgeschäftsstelle

PortAL 10 | Albersloher Weg 10

48155 Münster

E-Mail presse@ig-zeitarbeit.de

www.ig-zeitarbeit.de

Verantwortlich

RA Werner Stolz,

iGZ-Hauptgeschäftsführer

Chefredaktion

Wolfram Linke

Redaktion

Maren Letterhaus, Andrea Resigkeit

Texte

Maren Letterhaus, Wolfram Linke,

Andrea Resigkeit, Dr. Jenny Rohlmann,

Marcel Speker, Stefan Sudmann

Fotos

Maren Letterhaus, Wolfram Linke,

www.istockphoto.com

Gestaltung, Layout und Satz

Medienhaus Münster GmbH

Schlebrüggenkamp 15

48159 Münster

www.medienhaus-muenster.de

Druck

IVD GmbH & Co. KG

Wilhelmstraße 240

49475 Ibbenbüren

www.ivd.de

LANDWEHR L1

Die Softwarelösung für

professionelle Personaldienstleister.

www.landwehr-L1.de

5


Z direkt!

Interview

Zehn Fragen an den Vorsitzenden der IG BCE, Michael Vassiliadis

"Qualitätsstandards einhalten"

Der Wirtschaftstrend 2014 für die Chemie- und

Energiebranche zeigt nach oben. Gute Vorzeichen

auch für die dort beschäftigten Arbeitnehmer

der Zeitarbeit. Bereits seit November 2012

werden hier Branchenzuschlagstarife gezahlt.

Doch die Große Koalition hat erste Gesetze vorgelegt,

die für Bergbau, Chemie und Energie

langfristige Änderungen bedeuten. Ob EEG-

Reform, Rentenpaket, Freihandelsabkommen

mit den USA oder Mindestlohn, die Industriegewerkschaft

Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE)

will diese Prozesse kritisch und konstruktiv begleiten,

so Vorsitzender Michael Vassiliadis. Wie

die Zukunft in diesen Industriebranchen aussieht

und welche Rolle die Zeitarbeit dabei spielt, das

fragte Andrea Resigkeit, Leiterin des iGZ-Hauptstadtbüros.

Michael Vassiliadis, Vorsitzender der Industriegewerkschaft

Bergbau, Chemie, Energie

Z direkt!: Welche Themen werden die Industrie in

naher Zukunft am meisten beschäftigen?

Michael Vassiliadis: Wir müssen aufpassen, dass

die Wertschöpfungskette nicht reißt. Die industrielle

Produktion ist die Basis für den Wohlstand in Deutschland.

Dazu müssen auch die Rahmenbedingungen

stimmen. Es wäre beispielsweise ganz falsch, die Energiewende

eindimensional ökologisch auszurichten.

Vielmehr kommt es darauf an, die Balance zu wahren

und ökonomische und soziale Erfordernisse nicht

aus den Augen zu verlieren. Ich bin sehr froh, dass

Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel den Neustart der

Energiewende eingeleitet hat.

Z direkt!: Welche Bedeutung hat Zeitarbeit für die

deutsche Wirtschaft?

Vassiliadis: Zeitarbeit wurde einmal eingeführt, um

Auftragsspitzen zu brechen oder unvorhersehbare Personalausfälle,

zum Beispiel bei Grippewellen, kompensieren

zu können. Das ist okay, hier wird die Zeitarbeit

ihren Stellenwert behalten.

Z direkt!: Erwarten Sie einen Rückgang der Zeitarbeit?

Vassiliadis: Die Zukunft der Zeitarbeit wird davon abhängen,

ob es durchgängig gelingt, Qualitätsstandards

zu entwickeln und einzuhalten, die den Ansprüchen

einer Hochleistungswirtschaft genügen. Gute Arbeit

muss gut bezahlt werden, dieses Prinzip muss auch für

die Zeitarbeitsunternehmen gelten – was leider noch

nicht überall der Fall ist. Unser Tarifvertrag mit dem iGZ

ist ein erster Schritt in die richtige Richtung.

Z direkt!: Sie sind auch Vorsitzender des europäischen

Dachverbands der Industriegewerkschaften.

Was brauchen Europas Arbeitnehmer?

Vassiliadis: Es waren ja gerade Europa-Wahlen, wir

haben uns in den Wahlkampf eingemischt, unsere Positionen

deutlich formuliert. Wir erwarten vom neuen

Parlament, dass es eine Politik für mehr Arbeitsplätze

unterstützt und Investitionen in eine industrielle Erneuerung

einfordert. Die EU braucht einen sozialen und

wirtschaftlichen Aufschwung, das nutzt uns auch in

Deutschland. Die Vorschläge unserer Gewerkschaftsföderation

'industriAll' liegen auf dem Tisch.

6


Interview

Z direkt!

Z direkt!: Einige Firmen haben bereits Arbeitnehmer

aus dem Ausland nach Deutschland geholt.

Vassiliadis: Im Personalmanagement muss ein Prozess

des Umdenkens forciert, eine neue Strategie

verfolgt werden. Das gilt generell, nicht allein für die

Personaldienstleister. Es kann nicht die Leitlinie sein,

Mitarbeiter im Ausland zu rekrutieren mit dem Ziel, die

nationalen Standards zu unterlaufen. Billig und prekär

– das bietet keine Perspektiven. Weder für die Menschen

noch für die Unternehmen. Die Akzeptanz von

Zeitarbeit hängt entscheidend davon ab, dass die Arbeitsbedingungen

fair und anständig gestaltet werden.

Z direkt!: Sollten wir die Ausbildungsstätte Europas

werden?

Vassiliadis: In der EU ist fast jeder Vierte zwischen

15 und 24 Jahren arbeitslos, in Spanien haben 54

Prozent der jungen Leute keinen Job, in Griechenland

sind es beinahe 60 Prozent. Viele Talente kommen zu

uns, suchen hier Zukunft und Perspektive. Im Übrigen

wird Deutschland vor dem Hintergrund der demografischen

Entwicklung auch künftig auf den Zuzug vor

allem junger Menschen angewiesen sein. Grundsätzlich

jedoch kann Migration eine vorausschauende Bildungs-

und Ausbildungspolitik in den Heimatländern

nicht ersetzen.

Z direkt!: Weiterbildung und Qualifizierung stoßen

manchmal auch an Grenzen, was ist zu tun?

Vassiliadis: Ich kenne Reiner Hoffman sehr gut, er

kommt aus meiner Gewerkschaft. Der neue DGB-Vorsitzende

will die „Megatrends der Arbeitswelt“ wie

die Digitalisierung von Arbeit, den demografischen

Wandel und die Europäisierung und Globalisierung

von Arbeit aufgreifen und deren Risiken begrenzen

sowie die Chancen für die Beschäftigten erhöhen. Ein

zweites Thema hat er mit der Ankündigung gesetzt,

eine Offensive für den Ausbau der Mitbestimmung –

in Deutschland und Europa – zu starten. Auf die Unterstützung

der IG BCE kann Reiner Hoffmann dabei

zählen.

Z direkt!: Wie wichtig ist die Tarifeinheit?

Vassiliadis: Die IG BCE steht zur Tarifeinheit, ohne

Wenn und Aber. Zugleich ist für uns jede Einschränkung

des Streikrechts völlig unakzeptabel. Die Bundesregierung

arbeitet im Augenblick an einem Gesetzentwurf,

wir werden das sehr genau verfolgen

und begleiten.

Z direkt!: Und noch eine persönliche Frage: Wer

gewinnt die Fußball-Weltmeisterschaft?

Vassiliadis: Natürlich drücke ich unserem Team die

Daumen, befürchte jedoch, dass es am Ende nicht

ganz reicht. Brasilien wird im eigenen Land nur schwer

zu besiegen sein.

Vassiliadis: Nicht so schnell. Ich sehe nicht, dass wir

die Potenziale tatsächlich ausschöpfen. In der chemischen

Industrie haben wir gemeinsam mit den Arbeitgebern

das Programm „Start in den Beruf“ aufgelegt.

Da werden junge Menschen gefördert, die nach klassischen

Vorstellungen nicht ausbildungsfähig sind.

Mehr als 80 Prozent schaffen am Ende dann doch

den Sprung in die Ausbildung. Dieses Beispiel zeigt,

was möglich ist. Es wäre gut, wenn solche Programme

auch in anderen Branchen auf den Weg gebracht

werden könnten.

Z direkt!: Der DGB hat jetzt einen neuen Mann an

der Spitze. Was erwarten Sie von Reiner Hoffmann?

"Unser Tarifvertrag mit dem iGZ ist ein erster Schritt in

die richtige Richtung."

7


Z direkt!

Titelthema

8


Titelthema

Z direkt!

Wirtschaftskraft bestimmt Nachfrage nach Zeitarbeit

Kein Massenphänomen

Zeitarbeit in Europa, Zeitarbeit in Deutschland: Der Flexibilitätsdienstleister Nummer 1 für die Wirtschaft

steht unter aufmerksamer Beobachtung der Öffentlichkeit. Doch über welche Größenordnungen

sprechen wir tatsächlich? In Deutschland sind 98 von 100 Jobs keine Zeitarbeitsverhältnisse.

Und auch in Europa bestätigt sich diese Verteilung: Zeitarbeit ist dort wichtig, wo es um betriebliche

Flexibilität geht. Von einem Massenphänomen jedoch ist sie weit entfernt.

Weltweit gibt es 36 Millionen Menschen, die als Mitarbeiter

in der Zeitarbeit ihr Geld verdienen. Rechnet

man das in Vollzeitstellen um, sprechen wir – weltweit

– von 11,5 Millionen Stellen. Von diesen 11,5

Millionen sogenannten Vollzeit-Äquivalenten sind

rund 4 Millionen in Europa. Das sind etwa 35 Prozent.

Europa ist also auch aus globaler Sicht ein wichtiger

Zeitarbeitsmarkt. Man erkennt aber auch: Angesichts

von insgesamt 222 Millionen Erwerbstätigen in der EU

sprechen wir über eine vergleichsweise kleine Gruppe

auf dem Arbeitsmarkt.

Nimmt man nun die vier Millionen Vollzeitstellen in

der europäischen Zeitarbeit und schaut, wie sich diese

auf die einzelnen Länder verteilen, so dürften zumindest

die ersten beiden Länder auf dieser Liste nicht

sonderlich überraschen: 18,6 Prozent aller Vollzeitstellen

in der europäischen Zeitarbeit sind in Deutschland

zu finden, 16,7 Prozent in Frankreich. Dass Platz 3 mit

10,2 Prozent an die Niederlande geht, mag angesichts

der Wirtschaftsgröße des Landes verwundern. Kennt

man die arbeitskulturelle Offenheit gegenüber den

„Aussende-Büros“, wie die Zeitarbeitsunternehmen

dort heißen, so ist diese Platzierung wiederum logisch.

Als nächstes kommt dann die drittgrößte Volkswirtschaft

der EU, Italien, mit 5,2 Prozent Anteil am

europäischen Zeitarbeitsmarkt.

Die Nachfrage nach Zeitarbeit richtet sich also zunächst

einmal nach der Wirtschaftskraft eines Landes,

mithin nach den Flexibilitätsnotwendigkeiten der

Unternehmen. Umso wichtiger ist, dass neben diesen

konjunkturellen Einflüssen keine weiteren politischen

Effekte hinzukommen!

Marcel Speker

Zeitarbeit in Europa (prozentuale Verteilung)

9


Z direkt!

Titelthema

Zeitarbeitsbranche wartet auf das EUGH-Urteil

Equal Pay und Überlassungsdauer –

Kippt Koalitionsvertrag?

"Zeitarbeit in Deutschland – Zeitarbeit in Europa“ hieß es beim Landeskongress der Bundesländer Rheinland-Pfalz,

Hessen und Saarland im Kurfürstlichen Schloss in Mainz. Im Mittelpunkt stand unter anderem

die EU-Richtlinie, die die Zeitarbeit international regelt. Was bedeutet diese Richtlinie konkret für die

Zeitarbeit in Deutschland?

Anzeige

Der Grad der Regulierung von Arbeitnehmerüberlassung

hat mittlerweile ein Niveau erreicht, das fast nur

noch von Spezialisten bewältigt werden kann. Neben

den Regeln in Deutschland gilt es bei der Überlassung

ins europäische Ausland zusätzlich zahlreiche

landestypische Normen zu beachten. Hinzu kommt

noch die EU-Richtlinie, die aufgestellt wurde, um „einen

diskriminierungsfreien, transparenten und verhältnismäßigen

Rahmen zum Schutz der Leiharbeitnehmer

festzulegen und gleichzeitig die Vielfalt der

Arbeitsmärkte und der Arbeitsbeziehungen zu wahren“,

wie es in der Richtlinie selbst heißt. Allerdings

gibt die Richtlinie den europäischen Mitgliedsstaaten

nur einen Rahmen vor. Es bleibt also ein Umsetzungsspielraum.

In Deutschland wurde zur Umsetzung der

Richtlinie 2011 das Arbeitnehmerüberlassungsgesetz

(AÜG) geändert.

In den Fokus gerückt ist die EU-Richtlinie nun im Zusammenhang

mit der Koalitionsvereinbarung der Regierungsparteien

CDU/CSU und SPD. Die Große Koalition

plant die Einführung von Equal Pay nach neun

Monaten. Die Richtlinie fordert dagegen die Mitgliedsstaaten

zu einer Einhaltung der Tarifautonomie auf:

„Die vorliegende Richtlinie beeinträchtigt weder die

Autonomie der Sozialpartner, noch sollte sie die Beziehungen

zwischen den Sozialpartnern beeinträchtigen,

einschließlich des Rechts, Tarifverträge gemäß nationalem

Recht […] auszuhandeln und abzuschließen.“

Die Richtlinie sieht die Abweichung durch Tarifverträge

unter Beachtung des von der Richtlinie geforderten

Gesamtschutzes vor. Aus der EU-Richtlinie resultiert

folglich keine Verpflichtung zur Einführung einer

9-Monats-Regel für Equal Pay.

Lohnangleichung durch Tarif

Eine Angleichung des Entgelts der Zeitarbeitnehmerschaft

an das Gehalt des Stammpersonals haben die

Tarifpartner bereits durch die zeitlich gestaffelten

Branchenzuschlagstarifverträge geregelt, die für elf

Branchen gelten und damit weit über 50 Prozent der

Zeitarbeitnehmer betreffen. Die Zulässigkeit einer Beschränkung

der Überlassungsdauer auf 18 Monate

10


Z direkt!

iGZ-Geschäftsführer Dr. Martin Dreyer erläuterte

beim Landeskongress in Mainz mögliche juristische

Probleme bei der Umsetzung der Regierungspläne.

wird derzeit noch intensiv diskutiert und beschäftigt

auch die Gerichte. Denn die Richtlinie erlaubt „Verbote

oder Einschränkungen des Einsatzes von Leiharbeit

[…] nur aus Gründen des Allgemeininteresses […];

hierzu zählen vor allem der Schutz der Leiharbeitnehmer,

die Erfordernisse von Gesundheitsschutz und

Sicherheit am Arbeitsplatz oder die Notwendigkeit,

das reibungslose Funktionieren des Arbeitsmarktes

zu gewährleisten und eventuellen Missbrauch zu verhüten“

(Artikel 4 Absatz 1 der EU-Richtlinie). Daraus

resultiert keine Verpflichtung zur Einführung einer festen

Höchstüberlassungsdauer.

Fraglich bleibt deshalb die von der Politik formulierte

grundlose zeitliche Begrenzung der Überlassung.

Das Bundesarbeitsgericht (BAG) verwies in einer Entscheidung

zum Begriff „vorübergehend“ darauf, dass

mit Blick auf die zahlreichen möglichen Sanktionen

höchstens der Gesetzgeber tätig werden könne – und

nicht die Arbeitsgerichtsbarkeit. Das BAG sah aber offenbar

in der gegenwärtigen Regelung im AÜG ohne

feste Höchstüberlassungsdauer keinen Verstoß gegen

die Richtlinie.

Regulierungsbedarf oder Regulierungsschranken?

Nicht entschieden hat das BAG bisher, wie der Begriff

„vorübergehend“ inhaltlich zu füllen ist. In Deutschland

existieren unterschiedliche Auffassungen zur

dauerhaften Überlassung – die herrschende Meinung

hält die AÜG-Regelung für ein Verbotsgesetz: Dauerhafte

Überlassung ist verboten. Ähnliches Dilemma

wie beim Begriff „vorübergehend“ ist die Frage: „Was

ist dauerhaft“? Dazu gibt es derzeit drei Meinungen.

Die Definition erschließt sich aus dem Teilzeit- und Befristungsgesetz

(TzBfG, § 14, Abs. 1, Abs. 2.): „Die

Befristung eines Arbeitsvertrages ist zulässig, wenn

sie durch einen sachlichen Grund gerechtfertigt ist.“

und „Die kalendermäßige Befristung eines Arbeitsvertrages

ohne Vorliegen eines sachlichen Grundes ist

bis zur Dauer von zwei Jahren zulässig; bis zu dieser

Gesamtdauer von zwei Jahren ist auch die höchstens

dreimalige Verlängerung eines kalendermäßig

befristeten Arbeitsvertrages zulässig.“ Eine weitere

Meinung unterstellt Dauerhaftigkeit, wenn auf einen

Dauerarbeitsplatz überlassen wird. Und schließlich

herrscht noch die Auffassung, dass jedenfalls dann

keine dauerhafte Überlassung gegeben ist, wenn der

Mitarbeiter selbst nach längerer Überlassung jederzeit

vom Kunden abgemeldet werden könnte.

Voraussichtlich noch in diesem Jahr wird der Europäische

Gerichtshof (EUGH) darüber entscheiden, ob

es gegen die Richtlinie verstößt, wenn längerfristige

Überlassungen verboten sind. Ein finnisches Arbeitsgericht

hat diese Frage zur Vorabentscheidung dem

EUGH vorgelegt. Mit der Entscheidung des EUGH

könnte der Inhalt der Koalitionsvereinbarung zur Zeitarbeit

hinfällig sein.

Wolfram Linke

11


Z direkt!

§

Titelthema

§

iGZ-Jurist Stefan Sudmann richtet Blick auf Europa

Auslandseinsätze brauchen Vorlauf

§

Auf dem iGZ-Landeskongress am 15. Mai in Mainz richtete iGZ-Jurist Stefan Sudmann in seinem Vortrag

den „Blick nach Europa: Was ist bei grenzüberschreitender Arbeitnehmerüberlassung zu beachten?“

In puncto Auslandsentsendung kann zwischen „Profis“

und „Gelegenheitstätern“ unterschieden werden.

Es gibt einerseits Unternehmen, zum Beispiel im

Bereich der Montage, die ständig ins Ausland überlassen

und andererseits solche, bei denen das sporadisch

und oft kurzfristig geschieht,

wenn der Kunde einen

Auftrag im Ausland ausführen

muss. Die Kunden sollten sensibilisiert

werden, den Personaldienstleister

(PDL) so früh wie

möglich über den geplanten

Auslandseinsatz in Kenntnis zu

setzen, damit der PDL die nötigen

Vorbereitungen treffen kann. Denn der benötigte

Vorlauf für die Erledigung von Formalitäten

und die Prüfung der rechtlichen Rahmenbedingungen

wird häufig unterschätzt.

Bleibt nicht genügend Zeit, kann deswegen

unter Umständen der Auftrag scheitern. Da

nicht der Kunde, sondern der PDL als Arbeitgeber

letztverantwortlich ist, kann er

nicht das Risiko einer Entsendung eingehen,

wenn die rechtlichen Rahmenbedingungen

unklar sind. Staaten, in die

nicht überlassen werden darf, kann es

aufgrund der EU-Dienstleistungsfreiheit

nur außerhalb der EU geben.

Zu nennen ist hier die Schweiz.

Umgekehrt dürfen Schweizer

Unternehmen nicht in die EU

überlassen.

In der Praxis problematisch für deutsche PDL erweisen

sich hohe Hürden beim Marktzugang (Überlassungserlaubnis,

hohe Kaution, Nachweis von hohen

Stammkapitalbeträgen) in manchen EU-Mitgliedstaaten

(zum Beispiel Belgien oder Italien). Etwa 20 EU-

Länder kennen eine Erlaubnis- beziehungsweise Registrierungspflicht

für Zeitarbeitsunternehmen. Eine

Erlaubnis ist jedoch nur erforderlich, wenn der Überlassungsvertrag

mit einem im Ausland ansässigen

Kundenunternehmen geschlossen wird. Wird hingegen

an einen deutschen Kunden überlassen, der die

Zeitarbeitnehmer „mit über die Grenze nimmt“ (Huckepacküberlassung),

so ist grundsätzlich keine ausländische

Überlassungserlaubnis erforderlich.

In manchen Länder gibt es

sektorale Überlassungsverbote

(Beispiel: Bauhauptgewerbeverbot

in Deutschland)

oder Beschränkungen (keine

Zeitarbeit bei Streik oder gefährlichen

Arbeiten, Erfordernis eines

Einsatzgrundes, gepaart mit einer

Überlassungshöchstdauer).

Die Lohnsteuer ist grundsätzlich im

Falle von Entsendungen über 183 Tage

im Ausland abzuführen, im Rahmen von

Arbeitnehmerüberlassung

§

je nach Doppelbesteuerungsabkommen

aber auch

schon ab dem ersten Tag. Für Grenzgänger

im Grenzgebiet zu Österreich,

Frankreich und der

Schweiz greifen Sonderregeln,

die die dauerhafte

Besteuerung im Heimatstaat

sicherstellen. Soweit

deutsches Steuerrecht

greift, gelten für Reisekostenzuschüsse

die höheren Auslandsfreibeträge,

die das Bundesfinanzministerium festgelegt

hat. Der deutsche Sozialversicherungsschutz bleibt

auch bei Entsendungen über das EU-Formular A 1, das

bei den Krankenkassen zu beantragen ist, zunächst für

bis zu 24 Monate erhalten.

Im Falle von Auslandseinsätzen gilt weiter deutsches

Arbeitsrecht (iGZ-DGB-Tarifvertrag, Kündigungsschutzgesetz,

Entgeltfortzahlungsgesetz). Günstigere

12


Arbeitsbedingungen – dies betrifft die in der EU-Entsenderichtlinie

aufgelisteten Arbeitsbedingungen – im

ausländischen Einsatzstaat überlagern jedoch die Bedingungen

des deutschen Arbeitsvertrages. Insbesondere

kommt es vor, dass ein ausländischer gesetzlicher

oder allgemeinverbindlicher Mindestlohn, der den

iGZ-Tariflohn übersteigt, zu berücksichtigen ist. Für in

Deutschland angestellte ausländische Arbeitnehmer

aus Nicht-EU-Staaten gelten diese Grundsätze auch.

Für solche Arbeitnehmer ist im Übrigen gegenebenfalls

eine Arbeitserlaubnis für den Einsatzstaat zu beantragen.

Am 16. April 2014 hat das EU-Parlament mit der

Verabschiedung der Durchsetzungsrichtlinie zur EU-

Entsenderichtlinie die Anforderungen an die Weitergeltung

des Heimatrechts, also an Entsendungen,

verschärft. Das hat möglicherweise zur Folge, dass

künftig europaweit mehr Arbeitnehmer dem Arbeitsrecht

des Einsatzstaates unterliegen und die Zahl der

Entsendungen europaweit abnimmt. Die Durchsetzungsrichtlinie

legt fest, dass Unternehmen entsendefähig

sein müssen. Dazu gehört eine wesentliche

Geschäftstätigkeit im Sitzstaat. Außerdem muss der

Arbeitnehmer im wesentlichen Umfang einer Tätigkeit

am Sitz des Arbeitgebers nachgehen und darf

nicht dauerhaft im Ausland tätig sein, weil sonst keine

„vorübergehende“ Entsendung vorliegt.

§ §Titelthema Z direkt!

Anstellung der Mitarbeiter nach deutschem Arbeitsrecht

eine Lösung sein. Die Vereinbarung eines Arbeitsvertrages,

der ausländischem Arbeitsrecht unterliegt,

kommt für deutsche PDL in Betracht, wenn der

eingesetzte Mitarbeiter in dem Land wohnt, in dem

der Auftrag ausgeführt wird.

Die neue EU-Durchsetzungsrichtlinie bestimmt auch,

dass alle relevanten Rechtsinformationen bezüglich

Entsendungen künftig auf einer nationalen Internetseite

jedes EU-Landes nutzerfreundlich abrufbar sein

sollen. Manche EU-Staaten haben solche Infoseiten

§

schon eingerichtet. Überdies können Infos bei folgenden

Stellen abgerufen werden: Außenhandelskammern,

Wirtschaftskammern, Fachverbände, Kanzleien,

Steuerberater, Fiskalvertreter und – nicht zuletzt

– natürlich bei den Kunden. iGZ-Informationen zur

gesamten Thematik werden in iGZ-Seminaren, im

Rahmen von Auskünften seitens des iGZ-Rechtreferats

und in der Rechtsdatenbank für Mitglieder unter

der Rubrik Internationales/Entsendung angeboten.

Stefan Sudmann

Viele ausländische – zum Beispiel osteuropäische –

Unternehmen respektive PDL erfüllen die neuen EU-

Entsendebedingungen nicht. Für diese PDL mag die

Gründung einer deutschen Niederlassung und der

www.ig-zeitarbeit.de/tarife-recht/

igz-rechtsinfos

Anzeige

TIME-JOB ®

Vorsprung durch innovative Software

§

©Squaredpixel Productions-istockphoto.com

Mit TIME-JOB erledigen Sie alle administrativen Aufgaben

der Personaldienstleistung zuverlässig und professionell.

Lernen Sie das Potenzial von TIME-JOB für die Optimierung

Ihrer Geschäftsprozesse kennen und verschaffen Sie sich den

nötigen Spielraum für Wachstum und Weiterentwicklung

Ihres Unternehmens.

30 JAHRE - GEDAT Gesellschaft für Datentechnik mbH

Kontaktieren Sie uns unter info@gedat.de oder

0 64 21 - 94 45-0. Wir beraten Sie gerne!

13


Z direkt!

Titelthema

Deutschland vermehrt auf Zuwanderung angewiesen

Viele ausländische Beschäftigte in der Zeitarbeit

Deutschland ist dringend auf Fachkräfte angewiesen. Immer mehr Zeitarbeitsfirmen übernehmen die

Aufgabe, fehlende Spezialisten aus dem Ausland zu rekrutieren. In den vergangenen zwei Jahren stieg

die Zahl ausländischer Zeitarbeitskräfte von 136.000 (2011) auf 159.000 Personen (2013).

Damit sind in der Zeitarbeit anteilig doppelt so viele

ausländische Beschäftigte tätig wie in der Gesamtwirtschaft

(2011: 15,57 Prozent zu 7,26 Prozent). Der

weitaus größte Teil derer ist in Westdeutschland beschäftigt

– geführt von Nordrhein-Westfalen (24,08

Prozent), Baden-Württemberg (19,93 Prozent) und

Bayern (18,74 Prozent). In den neuen Bundesländern

liegt der Anteil an ausländischen Beschäftigten in der

Zeitarbeitsbranche bei jeweils unter 2,5 Prozent.

Wirtschaftsstandorte entscheidend

Ein Blick auf die Branchen, in denen ausländische

Zeitarbeitskräfte verstärkt eingesetzt werden, lässt

die Ursache dafür vermuten: Im ersten Halbjahr 2013

waren laut Bundesagentur für Arbeit fast 40.000 Ausländer

in der Branche Verkehr/Logistik tätig, 28.500

arbeiteten in der Metallbranche, weitere 10.800 in

der Lebensmittelherstellung und -verarbeitung. Diese

Branchen sind besonders stark in Süddeutschland und

Nordrhein-Westfalen vertreten.

Hoher Zuwachs in der Land- und Forstwirtschaft

Es gibt Bereiche, in denen der Anteil ausländischer

Zeitarbeitskräfte besonders hoch ist. Spitzenreiter ist

die Lebensmittelherstellung – hier kommt mehr als

jeder dritte Zeitarbeitnehmer aus dem Ausland. Auch

der typische Erntehelfer bildet sich in der Statistik

ab: 32 Prozent der Zeitarbeitskräfte in der Land- und

Forstwirtschaft sind ausländischer Abstammung. Hier

verzeichnete sich seit 2011 (21 Prozent) der mit Abstand

höchste Zuwachs.

Vor allem Italiener und Polen

Gesamtwirtschaftlich gesehen stammen traditionell

die meisten Einwanderer aus Italien. Zwischen 2003

und 2012 lag die Anzahl der in Deutschland arbeitenden

Italiener laut eurostat nahezu unveränderlich

knapp unter der 300.000er-Marke. An zweiter Stelle

stehen seit 2009 die Polen. Ihre Anzahl hat sich zwischen

2003 (104.000 Personen) und 2012 (204.000

Personen) nahezu verdoppelt.

Immer mehr Osteuropäer

Am höchsten fällt der Zuwachs bei den osteuropäischen

Ländern aus, die erst 2005 der EU beitraten.

Spitzenreiter sind hier Bulgarien (+164 Prozent), die

Slowakische Republik (+117 Prozent) und Litauen

(+106 Prozent). Ebenso wächst der Anteil rumänischer

Zuwanderer stark (+128 Prozent, EU-Beitritt

2007). In der Liste der Anzahl Erwerbstätiger liegen all

diese Länder jedoch noch in der unteren Hälfte.

Dem demografischen Wandel gegensteuern

Ein Blick in die Statistik verrät, dass die Zuwanderer

Deutschland schon jetzt verjüngen. 52 Prozent der

in Deutschland sozialversicherungspflichtig beschäftigten

EU-Bürger waren im Juni 2013 unter 40 Jahre

alt. Unter den Deutschen liegt diese Quote bei nur

41 Prozent. Daher begrüßt die Bundesregierung die

Entwicklung. Infolge des demografischen Wandels

schrumpfe die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter

bis zum Jahr 2030 in Millionenhöhe. Zwar könne ein

Teil davon durch die gestiegene Erwerbsbeteiligung,

insbesondere von Frauen und Älteren, ausgeglichen

werden. „Deutschland ist jedoch mittel- und langfristig

auf Zuwanderung angewiesen, um den Fachkräftebedarf

zu decken“, betont die Bundesregierung.

Deutschland ist Spitzenreiter

Im Vergleich zu den übrigen EU-Ländern ist die Zahl

ausländischer Beschäftigter in Deutschland zwischen

2007 und 2012 unterdurchschnittlich stark gestiegen.

Mit einer Zuwanderung von rund 235.000 Erwerbstätigen

zwischen 15 und 64 Jahren (+17 Prozent) liegt

Deutschland weit hinter Ländern wie Italien (+127

Prozent) und Zypern (+103 Prozent). In absoluten

Zahlen ist Deutschland jedoch Spitzenreiter als Gastgeber

für ausländische Arbeitskräfte. 2012 zählte die

14


Titelthema

Z direkt!

Arbeitskräfteerhebung knapp 1,6 Millionen ausländische

Beschäftigte, gefolgt vom Vereinigten Königreich

mit 1,4 Millionen Personen.Die meisten EU-Länder

zählen jährlich mehr ausländische Arbeitskräfte.

Lediglich in Irland, Spanien, Ungarn und Portugal verringerte

sich deren Anzahl zwischen 2003 und 2012.

Für 2014 rechnet die Bundesagentur für Arbeit damit,

dass rund 300.000 Zuwanderer nach Deutschland

kommen werden.

Maren Letterhaus

Anzeige

Andere sagen – wir tun!

Software für Personaldienstleister

neu

mit SEPA +

E-Bilanz

Echte WEB-Branchenlösung

· Zeitarbeit

· Personalabrechnung

· Business Intelligence (BI)

· Rechnungswesen

www.es-software.de fi info@es-software.de fi Fon 0521.947170

E S

15

Softwarelösungen


Z direkt!

Titelthema

Catharina Lubowietzki schnupperte

in die Arbeit der Personalabteilung

eines Safariparks.

PDK-Azubis nutzen Auslandspraktika

Hinter dem Horizont geht´s weiter…

Ihren Horizont erweitert haben drei PDK-Azubis durch Auslandspraktika in England und Malta. Sie konnten

dabei nicht nur in die Personalarbeit anderer Länder schnuppern, sondern auch ihre Sprachkenntnisse

verbessern und interkulturelle Kompetenzen gewinnen.

Personaldienstleistungskaufleute (PDK) arbeiten mit

verschiedenen Arbeitsmarktakteuren zusammen, zu

denen Mitarbeiter, Kunden, Institutionen und Kollegen

gehören. Dahinter stecken Menschen mit kulturell

unterschiedlich geprägten Verhaltens- und Denkmustern

sowie unterschiedlichen Erwartungen. Und die

Branche wird internationaler: Grenzüberschreitende

Personaldienstleistungen gehören in vielen Unternehmen

zum Tagesgeschäft. Personaldienstleister haben

naturgemäß mit wesentlich mehr Menschen intensiv

zu tun als viele andere Berufsgruppen. Interkulturelle

Kompetenzen spielen dabei eine wichtige Rolle.

Das hat die Berufliche Schule für Büro- und Personalmanagement

in Hamburg-Bergedorf erkannt und

bietet seit 2011 Auslandspraktika für PDK an. Bisher

haben 30 Berufsschüler, die sich mindestens im

zweiten Ausbildungsjahr befanden, diese Chance ergriffen.

Ihre Motivation ist klar: Auslandserfahrungen

sammeln, Sprachkenntnisse optimieren und etwas für

die berufliche Entwicklung tun.

Auf Safari in England

Eine der ersten Praktikantinnen war Catharina Lubowietzki.

Sie ist vor drei Jahren für einen Monat nach

Bewdley in England gegangen. Dort hat sie im wahrsten

Sinne des Wortes einen der exotischsten Praktikumsplätze

gehabt. Sie arbeitete zwischen Elefanten,

Tigern und Giraffen in der HR-Abteilung des West

Midland Safari Parks und damit in einer der beliebtesten

Touristenattraktionen südwestlich von Birmingham.

16


Titelthema

Z direkt!

Dadurch, dass sie in der Familie des HR-Managers gewohnt

hat und täglich mit ihm ins Büro gefahren ist,

hat Lubowietzki ganz nebenbei schon viel über die

Arbeit im Safaripark erfahren. Sie wurde schnell in

die Personalabteilung integriert und hat vor allem die

Bereiche Azubi-Rekrutierung, Bewerberauswahl und

Zufriedenheitsanalyse kennengelernt. „Die Kollegen

haben mir viel zugetraut“, berichtet die PDK-Auszubildende.

Falls es sprachliche Probleme gab, wurde ihr

sofort geholfen.

Interessant war es für sie zu sehen, welche arbeitsrechtlichen

Unterschiede es gibt. So zum Beispiel erfuhr

sie, dass befristete Verträge in England weiter verbreitet

sind als in Deutschland und Stundenlöhne

abhängig vom Alter eines Arbeitnehmers. „Die

Arbeitsatmosphäre war locker und sehr freundlich.

Meine Kollegen hatten sogar ein offenes Ohr

für meine Ideen. Ich habe viele tolle persönliche

und berufliche Erfahrungen gesammelt“, fasst Lubowietzki

ihre Praktikumszeit zusammen. Auf

die Frage, was man bei einem Job in England

unbedingt beachten sollte, antwortet sie

lächelnd: „Man sollte Instant Coffee mögen.“

Heute arbeitet die 24-Jährige

als Vertriebsdisponentin beim

iGZ-Mitglied Stegmann

Aircraft Maintenance

GmbH in Hamburg.

Zwischen Buckingham Palace und Big Ben

Mitten in London City hat der 22-jährige Christian

Ahrens seinen Praktikumsplatz gefunden. Er assistierte

im Frühjahr 2014 in der Personalabteilung des

4-Sterne Hotels Marylebone. Ahrens pendelte täglich

40 Minuten nach London, um einen Monat lang Einblicke

in die Arbeit einer vierköpfigen Personalabteilung

zu bekommen.

Das Hotel hat 256 Zimmer und entsprechend viel Personal.

„Die Personalabteilung war häufig mit Einstellungs-

und Entlassungsverfahren beschäftigt, weil es

branchenbedingt scheinbar eine hohe

Fluktuation gibt“, erzählt Ahrens. Neben

seinen Routineaufgaben hat

Ahrens Videoaufnahmen von den

Verhaltenstrainings der Hotelmitarbeiter

gemacht, die zufällig zu

seiner Praktikumszeit stattfanden.

Dadurch hat er nicht

nur die Personalabteilung,

sondern alle Berufssparten

eines

Hotels kennengelernt. Auch

er beschreibt das englische Arbeitsklima

als sehr freundlich: „Der persönliche Kontakt wird

groß geschrieben. Das heißt, bevor man einem Kollegen

eine E-Mail schreibt, geht man lieber mal eben rüber.

Und immer wird man gefragt wie es einem geht:

Ein 'How are you?' gehört zum Höflichkeitsstandard.“

Als Besonderheit der Arbeitssituation nennt er die beengten

Verhältnisse: „Die Büros waren klein und unglaublich

voll – ich würde sagen, auch ziemlich unordentlich.

Vielleicht hängt das mit der generell sehr

beengten Raumsituation in London zusammen.“

Ahrens bringt einen wichtigen Lerneffekt auf den

Punkt: „Durch das Praktikum weiß ich, dass ich mich

in einem fremdsprachigen Land – sogar im Arbeitsleben

mit seinem Fachvokabular – gut zurechtfinden

kann. Ich hätte auch kein Problem damit, in ein Land

zu gehen, dessen Sprache ich nicht beherrsche.“

17


Z direkt!

Titelthema

Aus beiden spricht hier das typisch deutsche Ordnungsdenken

– ein (Vor-)Urteil, das auch Christian

Ahrens mit einem Augenzwinkern entgegen gebracht

wurde.

Wo andere Urlaub machen

Immo Hacke absolvierte letztes Jahr sein Praktikum in

der Personalabteilung des Corinthia Palace Hotel and

Spa, einem luxuriösen Urlaubsdomizil in Attard, Malta.

Sein Einstieg wurde ihm durch eine maltesische

Organisation erleichtert, die ihn mit allen wichtigen

nationalen Informationen versorgte und ihm einen

WG-Platz zusammen mit anderen ausländischen Praktikanten

zur Verfügung stellte.

Christian Ahrens hospitierte in London.

Unterschiede

Die beiden England-Praktikanten haben aber auch

negative Seiten in der dortigen Personalarbeit entdeckt.

Beide empfanden die Arbeitsweise als eher

unstrukturiert, teilweise auch als zu

offen, wenn es um personelle Interna

ging.

„An meinem ersten Arbeitstag wurde mir zuerst das

gesamte Hotel gezeigt. Dann ging es in die Personalabteilung,

wo ich Bewerbungen gesichtet, Gehaltsabrechnungen

bearbeitet und zum Beispiel bei Bewerbungsgesprächen

hospitiert habe“, schildert Hacke

seine Praktikumsaufgaben. Die Bewerbungsgespräche

fanden anders als in Deutschland in der Hotellobby

statt. „Das war eine sehr entspannte Atmosphäre,

die aber auch die nötige Seriosität hatte“, so Hacke.

Seine Bilanz fällt durchweg positiv aus: „Ich würde

jedem raten ein Auslandpraktikum zu machen. Ich

habe viel Neues und sehr freundliche Menschen erlebt

und neben Einblicken in eine andere Kultur

auch Einblicke in die dortige

Berufswelt gewonnen.

Außerdem war es eine

gute Möglichkeit, den

fremdsprachlichen

Wortschatz zu festigen

und auszubauen.

Ich weiß jetzt, dass

ich mich im Ausland

unter ungewohnten

Bedingungen

zurecht

finden kann.“

18

18


Titelthema .... Z direkt!

Immo Hacke mit seinen

maltesischen Kolleginnen.

Positives Resümee

Alle Auszubildenden haben einerseits ihre Englischkenntnisse

verbessert, andererseits Erfahrungen in

der ausländischen Personalarbeit gesammelt und gelernt,

mit anderen Kulturen im Arbeitsleben zurecht

zu kommen. Letztlich haben damit alle erfolgreich an

ihrer Karriere gefeilt. Ihr Resümee fällt dementsprechend

positiv aus: Alle PDK möchten ihr Praktikum

nicht missen und sie würden jedem Azubi raten, für

eine Weile ins Ausland zu gehen.

PDK-Praktikumsprogramm der

Berufsschule Bergedorf

Projektkoordinatorin

Susanne Schulz

susanne.schulz@bsbp-bergedorf.org

Weitere Informationen unter

www.praktikumineuropa.de

Dr. Jenny Rohlmann

Anzeige

19


Z direkt!

Reportage

Zeitarbeitskräfte unterwegs: Eine Online-Suchseite für Unterkünfte

Zimmer frei!

Ein alltägliches Problem in der Personaldisposition: Schon morgen soll der Elektriker für drei Monate auf

Montage fern der Heimat, und irgendwo im Nirgendwo muss nun schnellstens eine Unterkunft gefunden

werden. Mit „mein-Monteurzimmer.de“ können Personaldisponenten seit September 2013 der oftmals

mühseligen Suche nach Zimmern und Wohnungen ein Schnippchen schlagen.

„Wir kommen selbst aus der Zeitarbeitsbranche und

wissen, wie zeitaufwendig sich die Suche nach Unterkünften

meist gestaltet“, erklärt Bastian Nitzschke,

der die Internetplattform gemeinsam mit seinem Bruder

Christopher ins Leben rief. Das ständige Recherchieren

nach günstigem Wohnraum zur Miete brachte

beide schließlich auf die Idee, einen Internetauftritt zu

gestalten, der Suchende und Anbietende zusammenbringt.

„Wir schaffen damit die Möglichkeit, ordentliche

Unterkünfte anzubieten, die nicht nur kurzfristig

verfügbar sind, sondern auch in den Verrechnungssatz

passen“, betont der 29-jährige Bastian Nitzschke.

Nerv getroffen

Damit trafen die beiden studierten Betriebswirtschaftler

offenbar einen Nerv und eine Marktlücke

der Branche. Die Nachfrage boomt, die Internetseite

fand und findet vor allem auch im Handwerk größte

Beachtung. Noch nicht einmal ein Jahr am Netz,

wurde die Internetseite bereits als „Handwerkerseite

des Jahres“ in ihrer Kategorie ausgezeichnet. „Unser

Angebot ist flächendeckend in Deutschland“, erläutert

der 25-jährige Christopher Nitzschke. Viele Unternehmen

– besonders auch Weltmarktführer – haben

ihre Standorte in ländlichen Regionen. „Wir haben in

unserer Datenbank nicht nur Hotels und Pensionen,

sondern auch Appartements und Ferienwohnungen.

Und das vor allem auch da, wo die Infrastruktur weniger

ausgeprägt ist“, unterstreichen beide dazu. Da

die Ansprüche an die Unterkünfte recht unterschiedlich

ausfallen, findet sich in den Angeboten stets eine

Palette an Icons, mit denen gekennzeichnet ist, was

die Unterkunft – von der eigenen Küche bis hin zum

Balkon – jeweils bietet.

Übersichtliche Suche

Das Procedere ist denkbar einfach. Wer eine Unterkunft

anbieten möchte, zahlt eine jährliche Pauschale

und kann sein Angebot dann auf der Plattform

bewerben. „Für Suchende ist die Nutzung gänzlich

20


Reportage

Z direkt!

kostenlos“, zeichnen die Brüder die Praxis nach. Auf

der Seite muss lediglich der gewünschte Standort

eingegeben werden, dann klappt eine Auswahl an

Unterkünften auf. Die Suche kann zudem über eine

Entfernungsangabe eingegrenzt werden. Wer fündig

wird, kann dann direkt mit dem Vermieter Kontakt

aufnehmen, die Örtlichkeit buchen und die Zahlungsmodalitäten

abwickeln. Die Zahl der Anbieter wächst

seit Marktstart täglich.

App programmiert

Und das macht sich bemerkbar: Im Januar stellten die

Unternehmer mit Felix Böhm eine zusätzliche Kraft

ein. Der 30-Jährige kümmert sich seitdem in erster

Linie um redaktionelle Inhalte und den Ausbau des

Netzwerkes. Langeweile ist ein Fremdwort in den

mein-Monteurzimmer-Büros: Nach dem Start wurde

zusätzlich eine kostenlose App für Android-Smartphones

und das iPhone entwickelt, die mittlerweile

ebenfalls eine Auszeichnung erhielt. Jetzt plant das

Unternehmen die Ausdehnung des Angebots auf

Österreich und die Schweiz. „Danach wollen wir uns

der Mehrsprachigkeit unseres Angebots annehmen“,

plant das Gespann bereits für Europa. Jetzt gelte es

aber erst einmal, den deutschsprachigen Raum abzudecken.

Steigende Zugriffszahlen

Dabei setzen sie auch auf die Nutzer ihrer Plattform:

„Wir bekommen viele Anregungen zum Beispiel für

die Suchfunktion. Die Änderungen pflegen wir kurzfristig

selbst ein“, erläutert Bastian Nitzschke. Die

Architektur der Seite wurde von den Brüdern selbst

konzipiert und spiegelt sich in der Benutzerfreundlichkeit

ihres Portals wider. Ihre Branchenerfahrung floss

bei allen Gestaltungsfragen des Portalauftritts mit

ein. Eine Strategie mit Erfolgsprinzip – die Zahl der

Seitenzugriffe steigt täglich, und das macht das Trio

zuversichtlich für die Zukunft: „Wir sind optimistische

Realisten“, schmunzelt Bastian Nitzschke.

Wolfram Linke

Christopher (l.) und Bastian Nitzschke bieten

eine Online-Suchseite für Unterkünfte an.

21


Z direkt!

Interview

Zwei Jahre KuSS – Torsten Oelmann zieht Bilanz

„Von allen Seiten

voll akzeptiert und respektiert“

Seit 2012 ist die unabhängige Kontakt- und Schlichtungsstelle (KuSS) aktiv. Grundlage ihrer Arbeit ist

der iGZ-Ethikkodex, in dem die iGZ-Mitglieder Regeln für ein faires Miteinander festgehalten haben.

Torsten Oelmann (48) ist die erste Anlaufstelle der KuSS. Er prüft die eingegangenen Anfragen und

bewertet, ob ein Verstoß gegen den iGZ-Ethikkodex vorliegen könnte. Wenn ja, bespricht er die Fälle

anschließend mit seinen KuSS-Kollegen Franz Josef Düwell und Holger Dahl. Im Interview mit iGZ-

Pressereferentin Maren Letterhaus zog er Bilanz.

Z direkt!: Herr Oelmann, Sie arbeiten nun seit

zwei Jahren für die Kontakt- und Schlichtungsstelle.

Hat sich die Art der Anfragen innerhalb dieser Zeit

verändert?

Torsten Oelmann: Die Art der Fragen hat sich eher

weniger verändert, wobei es immer aktuelle Themen

gibt, die vorübergehend stärker in den Vordergrund

treten, zum Beispiel Branchenzuschläge oder die

neue Regelung bezüglich der Entgeltfortzahlung bei

Urlaub und Krankheit. Verändert hat sich die Anzahl

der Anfragen, wobei jetzt ein relativ konstantes Level

erreicht scheint.

Z direkt!: Bietet der iGZ-Ethikkodex eine ausreichend

detaillierte Basis, um über ein faires und ethisch

korrektes Verhalten urteilen zu können?

Oelmann: Der iGZ-Ethikkodex ist eine gute Grundlage

für unsere Tätigkeit, eine punktuelle Weiterentwicklung

sollte jedoch nicht außer Acht gelassen

werden. Wichtig ist für uns, dass die Mitglieder verpflichtet

sind, mit uns zusammen zu arbeiten. Viele

Konflikte beziehen sich zudem auf den Arbeits- und

Tarifvertrag, andere Themen lassen sich auch mit einem

gesunden Menschenverstand erfolgreich lösen.

Z direkt!: In 97,7 Prozent der Fälle konnte die KuSS

bislang eine außergerichtliche Einigung erzielen. Wie

groß ist die Akzeptanz solcher Schlichtungen bei den

Streitparteien?

Oelmann: Die Akzeptanz ist in der Regel sehr hoch,

wenn man die Anfangszeit einmal unbeachtet lässt.

Tendenziell ist sie bei Arbeitnehmern allerdings noch

ein wenig höher als bei Arbeitgebern.

Z direkt!: Sieben Fälle mussten vor Gericht geklärt

werden. Warum?

Oelmann: Nicht jeder Fall lässt sich durch uns abschließend

beurteilen, manche Anfragen erreichen

uns auch erst, wenn bereits Rechtsanwälte involviert

sind. Eine betriebsbedingte Kündigung ist zum Beispiel

nicht grundsätzlich ein Verstoß gegen den Ethikkodex.

Inwieweit die Kündigung sozial gerechtfertigt

ist, lässt sich dann oft nur durch ein Arbeitsgericht

klären.

Z direkt!: Es gibt nur sehr wenige Mitgliedsunternehmen,

die öfter als ein Mal in Kontakt mit der KuSS

standen. Glauben Sie, dass die Arbeit der KuSS auch

eine im positiven Sinne abschreckende Wirkung hat?

Verhalten sich iGZ-Mitglieder ethisch korrekter, seit sie

wissen, dass die KuSS genauer hinschaut?

Oelmann: Wir können natürlich nicht beurteilen,

ob sich einzelne Unternehmen vor und nach der Ein-

22


Interview

Z direkt!

führung des Ethikkodexes jeweils unterschiedlich verhalten

haben. Wir haben jedoch die Hoffnung, dass

betroffene Unternehmen Anfragen ernst nehmen

und eventuell daraus Konsequenzen für die interne

Abwicklung ableiten. Im Einzelfall haben uns auch

Arbeitnehmer davon berichtet, dass sie Meinungsverschiedenheiten

mit dem Arbeitgeber selber lösen

konnten, indem sie angekündigt hatten, ansonsten

die Schlichtungsstelle anzurufen.

Z direkt!: Die KuSS darf als unabhängiges Gremium

selbst keine Sanktionen gegen iGZ-Mitglieder verhängen,

sondern kann dem iGZ-Bundesvorstand lediglich

Vorschläge unterbreiten. Sehen Sie dieses Konstrukt

als Hindernis oder als Voraussetzung für Ihre unabhängige

Arbeit an?

Oelmann: Grundsätzlich finden wir es richtig und

wichtig, dass Mitglieder bei groben Verstößen gegen

den Ethikkodex mit Konsequenzen rechnen müssen.

Aus unserer Sicht ist es unproblematisch, wenn unsere

Empfehlung zum Ausschluss zudem noch von einer

weiteren iGZ-Einrichtung verbindlich überprüft wird.

Hilfreich könnte es sein, wenn es außer dem Ausschluss

noch weitere Sanktionsmöglichkeiten gäbe

oder wenn unsere Empfehlung bis zu dem Wert einer

gewissen Summe für die Mitgliedsunternehmen verbindlich

wäre.

Z direkt!: Trägt die Arbeit der KuSS dazu bei, das

Image der Zeitarbeit zu entskandalisieren?

Oelmann: Auch wenn wir pauschale Verurteilungen

immer nur auf den konkreten Einzelfall bezogen bewerten

können, hilft unsere Tätigkeit unserer Auffassung

nach sehr, Meinungsverschiedenheiten zu versachlichen

und einer konkreten Lösung zuzuführen

– dies hilft dem Image der Zeitarbeit sicher insgesamt.

Nach einer anfänglichen Skepsis, dass unsere Tätigkeit

nur eine gute „Marketing-Idee“ sei, wird unsere

Schlichtungstätigkeit mittlerweile von allen Seiten voll

akzeptiert und respektiert.

Torsten Oelmann ist die erste Anlaufstelle der KuSS.

Z direkt!: Die Zeitarbeitsbranche wird zunehmend

stärker reguliert, was den Arbeitsalltag der Personaldisponenten

erschwert. Was schätzen Sie, wie häufig

ist eine Unachtsamkeit Ursache für Konflikte, die

letztlich bei der KuSS landen?

Oelmann: Zwar führen wir diesbezüglich keine konkrete

Statistik; manche Ursachen sind auch nicht immer

abschließend zu nennen. Aber sicher sind zwei

Drittel aller Anfragen auf Unachtsamkeit oder auch

Unwissenheit zurückzuführen. Dies ist zum einen der

Komplexität der Zeitarbeitsbranche geschuldet, zum

anderen gibt es aber sicher auch weiteren Schulungsbedarf,

um die Mitarbeiter kompetent weiter zu entwickeln.

Auch in diesen Fällen können wir immer wieder

Aufklärungsarbeit leisten.

23


Z direkt!

Aktiv

Klaus-Dieter Scholz und Nicole Munk leiten die Projektgruppe "Zeitarbeit 2030".

Herausforderungen für die Zeitarbeit

Die Arbeitswelt 2030 im Blick

„Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen.“ Mit dieser Feststellung, die dem

Schriftsteller Mark Twain zugeschrieben wird, ist eine besondere Herausforderung der neuen iGZ-Projektgruppe

„Zeitarbeit 2030“ treffend beschrieben. Denn die Teilnehmer müssen sich zumindest in den

großen Entwicklungslinien des Arbeitsmarktes auf ein Szenario einigen, das sie für das Jahr 2030 für

wahrscheinlich halten.

Sie haben sich daher vorgenommen, Antworten auf

folgende Fragen zu finden: Wie entwickelt sich die Arbeitswelt

der Zukunft? Welche Trends in der Arbeitsorganisation

sind absehbar? Was bedeutet das für die

Zeitarbeit? Welche Schlussfolgerungen müssen Personaldienstleister

für sich daraus ziehen?

Die Antwort auf die erste Frage legt die Grundlage

dafür, alle weiteren überhaupt erst fundiert beantworten

zu können. Klar ist, dass sich die Zahl der zur

Verfügung stehenden Arbeitskräfte („Erwerbspersonenpotenzial“)

aufgrund der demografischen Entwicklung

deutlich verringern wird. Die Bundesagentur

für Arbeit geht bis 2025 von einem Rückgang um 6,5

Millionen Arbeitskräften aus (von 44,6 Millionen auf

38,1 Millionen). Bis 2050 wird sich dieser Wert noch

dramatischer entwickeln: Dann sieht die BA ein Erwerbspersonenpotenzial

von nur noch 27 Millionen.

Schätzungen für eine konkrete Fachkräftelücke gehen

von 2 Millionen (bis 2020 nach McKinsey) bis 5,2 Millionen

(bis 2030 nach Prognos) aus. Um es vorweg zu

nehmen: Sowohl Fachkräfte- als auch Erwerbspersonenlücke

lassen sich selbst mit größeren Maßnahmebündeln

vermutlich nicht vollständig schließen.

Wie können Unternehmen auf einen so ausgeprägten

Fachkräftemangel reagieren? Im Prinzip gibt es nur

zwei Möglichkeiten: den Verzicht auf Aufträge und

damit einhergehend den Rückgang von Investitionen,

oder die Verdichtung von Arbeit und zusätzliche Automatisierung.

Nur Letzteres würde wohl gleichzeitig

auch als Innovations- und Wachstumsbremse wirken.

Weitere Veränderungen sind in diesem Zusammenhang

denkbar. So ist es wahrscheinlich, dass sich die

Wertschöpfungskette in den Unternehmen weiter verändern

wird. Der Anteil der Wertschöpfung, die durch

24


Aktiv

Z direkt!

Zulieferer und ausgelagerte Dienstleistungen erbracht

wird, wird weiter steigen. Die Bedeutung des Projektgeschäfts

– und damit auch des Projektmanagements

in den Unternehmen – wird zunehmen.

Anteil der Unternehmen, die eine systematische

und langfristige Personalplanung durchführen

Neben den Veränderungen in den Anforderungen der

Einsatzunternehmen werden sich auch die Ansprüche

der Mitarbeiter verändern. Schon heute sprechen

die Gewerkschaften davon, dass Arbeitszeitflexibilität

ein wichtiges Thema für die Zukunft sein wird. Lebensphasenorientierte

Arbeitszeitgestaltung wird an

Bedeutung gewinnen. Je größer der Mangel an Arbeitskräften

wird, desto leichter können Mitarbeiter

in zukünftigen Verhandlungen maßgeschneiderte Arbeitsbedingungen

vereinbaren. Das Gehalt wäre dann

nur noch eine Stellschraube von mehreren.

Für die Einsatzunternehmen würde das einen gestiegenen

Flexibilisierungsbedarf mit Blick auf das Personal

nach sich ziehen. Schaut man auf die Ergebnisse

des IW-Personalpanels 2013, wonach eine langfristige

Personalplanung selbst bei großen Unternehmen nicht

die Regel ist, so ist klar, dass die personalwirtschaftliche

Kompetenz und Erfahrung von Zeitarbeitsunternehmen

in Zukunft ganz besonders gefragt sein dürfte.

Marcel Speker

45,2%

53,0%

5-49 Beschäftige

50-249 Beschäftige

ab 250 Beschäftige

Gesamt

27,1%

29,3%

Quelle: IW-Personalpanel

Die neue iGZ-Projektgruppe "Zeitarbeit 2030"

Die iGZ-Projektgruppe „Zeitarbeit 2030“ hat im Mai

ihre Arbeit aufgenommen. Ziel ist es, innerhalb eines

Jahres einen Abschlussbericht vorzulegen, der für die

Mitgliedsunternehmen im Verband als Handlungsleitfaden

für die Ausrichtung auf die strukturellen

Arbeitsmarktherausforderungen der Zukunft dienen

kann. Dabei steht die praktische Anwendbarkeit von

Maßnahmen im Vordergrund.

In die Arbeit der Projektgruppe wird nach Bedarf

externer Sachverstand eingebunden. So wurden

Expertisen des Instituts der deutschen Wirtschaft,

des Instituts für angewandte Arbeitswissenschaften

und verschiedener Untersuchungen der Bundesagentur

für Arbeit, der Hochschule für angewandte

Wissenschaften in München sowie der Robert

Bosch-Stiftung in die Arbeit der Projektgruppe mit

eingebunden. Zu einzelnen Themenbereichen wird

die Diskussion mit Wissenschaftlern und Praktikern

gesucht.

Die Mitglieder der Projektgruppe wählten Nicole

Munk (GMW Personaldienstleistungen GmbH) zu ihrer

Sprecherin. Als stellvertretenden Sprecher wählten

sie Klaus-Dieter Scholz (Blau und Scholz Consulting

Group). Aus dem iGZ-Hauptamt begleitet und

koordiniert iGZ-Kommunikationsleiter Marcel Speker

die Arbeit der Projektgruppe.

25


Z direkt!

Aktiv

Aus dem Verband

Neue Gesichter im iGZ

Hauptaufgabe des iGZ ist und bleibt die Interessenvertretung

der Branchenanliegen. Dabei kann der iGZ

glücklicherweise auf ein großes und engagiertes Team

aus ehrenamtlichen Funktionsträgern bauen. Dieses

ist jüngst gewachsen: Als Landesbeauftragte setzen

sich künftig Ralf Wagner (Saarland), Robert A. Schäfer

(Hessen) und Christian Baumann (Hamburg) ein.

Die neuen Regionalkreisleiter heißen Thomas Busche

(Ostwestfalen-Lippe), Michaela Gröninger (Hamburg),

Petra Hitzschke (Süd-Hessen) und Nadine Schiller

(Nord-Hessen).

Ein neues Gesicht gibt es auch in der Verhandlungsgemeinschaft

Zeitarbeit (VGZ). Nachdem Holger Piening

nach jahrelangem Engagement von sämtlichen iGZ-

Ämtern zurückgetreten ist, rückte Stefan Kempf in die

Rolle des stellvertretenden Verhandlungsführers. Sven

Kramer fungiert künftig als Verhandlungsführer.

Einen umfassenden Blick in die Zukunft wirft die

neue iGZ-Projektgruppe „Zeitarbeit 2030“. Während

ihres ersten Treffens im Münsteraner iGZ-Seminarraum

legte das zwanzigköpfige Gremium die inhaltliche

Basis und bestimmte iGZ-Regionalkreisleiterin

Nicole Munk sowie iGZ-Referent Klaus-Dieter Scholz

als Gruppenleiter.

Im Zeichen der Zeitarbeit stand Karlsruhe während

des iGZ-Bundeskongresses. Unter dem Motto „Gute

Zeitarbeit hat Zukunft“ beschäftigten sich rund 400

Kongressteilnehmer damit, welche Faktoren den Weg

der Zeitarbeit mitbestimmen könnten. Politische Forderungen,

aber auch neue Wege für die Personaldienstleister

standen im Mittelpunkt der Vorträge und

Diskussionen.

In Mainz rückte Europa ins Zentrum des Interesses.

Beim Landeskongress der Bundesländer Rheinland-

Pfalz, Hessen und Saarland gab es zahlreiche Fachinformationen

zur Auslandsüberlassung und zu den

jeweiligen spezifischen Regeln zur Zeitarbeit in den

Nachbarländern.

Einen ähnlichen Tenor hatte das iGZ-Mitgliedertreffen

in Kiel. Beraterin Birthe Nohrden gab den iGZlern

Tipps und Ideen, in welchen Bereichen Personal-

Stefan Kempf

Angelo Wehrli (l.) gab den hamburgischen iGZ-Staffelstab an Christian Baumann weiter.

26


Aktiv

Z direkt!

dienstleister ihr Angebot noch weiter ausbauen könnten.

Anschließend informierte Stefan Sudmann, Leiter

des iGZ-Rechtsreferates, über Veränderungen in der

Welt des Arbeits- und Tarifrechts.

In Hamburg verabschiedete sich Angelo Wehrli nach

sieben Jahren von seinem Amt als iGZ-Landesbeauftragter.

Er engagiert sich nun als Beisitzer im iGZ-

Bundesvorstand. Anschließend informierte Jürgen

Meereis, Osterberginstitut, über Mitarbeiterbindung

in der Zeitarbeit. iGZ-Jurist Olaf Dreßen erläuterte die

Auswirkungen der Koalitionsbeschlüsse zur Zeitarbeit.

Thomas Busche feierte in Bielefeld mit dem ersten

Regionalkreistreffen Ostwestfalen-Lippe unter seiner

Leitung Premiere. Nach seiner Begrüßung informierte

Dreßen die iGZler über die neuen Regelungen zur Vergütung

von Urlaub und Krankheit sowie zum TV LeiZ.

Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels ist es wichtig

auf potentielle neue Mitarbeiter aktiv zuzugehen.

Dafür eignen sich Jobbörsen hervorragend. Nicole

Munk, iGZ-Regionalkreisleiterin Baden, und Birgit

Brown, iGZ-Regionalkreisleiterin Rheinland-Pfalz Mitte,

präsentierten bei der Mannheimer Jobbörse der

Industrie- und Handelskammer Rhein-Neckar nicht

nur ihre eigenen Unternehmen, sondern auch den Interessenverband

Deutscher Zeitarbeitsunternehmen.

Denn der entwickelt sich für Arbeitsuchende immer

mehr zum Qualitätssiegel für „Gute Zeitarbeit“. Im

Norden vertrat Oliver Nazareth, iGZ-Landesbeauftragter

Schleswig-Holstein, die Interessen der rund 2.800

iGZ-Mitglieder bei der Mittelstandsmesse wirtschaft-

NORDGATE in Neumünster.

Bereits zum achten Mal fand in Wuppertal die Zeitarbeitsbörse

in der historischen Stadthalle statt. Radio

Wuppertal bat iGZ-Regionalkreisleiter Ralf Lemle vorab

zum Interview. Den direkten Draht zu den lokalen

Medienvertretern suchte auch iGZ-Bundesvorstandsmitglied

Armin Zeller. Gemeinsam mit der Handwerkskammer,

SüdwestMetall und dem BAP organisierte er

eine Pressekonferenz, in der sich die Journalisten über

den hohen Stellenwert der Zeitarbeit rund um Ulm informieren

konnten. Die Region zählt zu den stärksten

Zeitarbeitsgebieten in Deutschland.

Eine Vermittlerversammlung der Agentur für Arbeit in

Balingen besuchte Nicole Munk, iGZ-Regionalkreisleiterin

Baden. Sie nahm sich viel Zeit, um die 40 Vermittler

auf den aktuellen Stand der Branchensituation

zu bringen und ihre Fragen zu beantworten.

Maren Letterhaus

iGZ-Bundesvorsitzende Ariane Durian (4.v.l.) dankte den Funktionsträgern in Mainz.

Thomas Busche

27


Z direkt!

Unterwegs

iGZ-Bundeskongress in Karlsruhe

Zukunft der Zeitarbeit:

Chance statt Sackgasse

Gute Zeitarbeit hat Zukunft – und das auch außerhalb der eigenen Landesgrenzen. Daher warfen rund

400 Teilnehmer des iGZ-Bundeskongresses in Karlsruhe nicht nur einen Blick voraus, sondern schauten

auch auf ihre Nachbarländer.

Ute Welty moderierte die Podiumsdiskussion mit (v.l.) Werner Stolz, Dr. Ulrich Walwei und Dr. Hartmut Seifert.

Markus Bickar, Bezirksleiter Deutschland der Groupe

Crit, berichtete von der Zeitarbeitsbranche in Frankreich.

Die dortige Regierung hat einige Maßnahmen

gesetzlich angeordnet, die der iGZ auf verbandlicher

Ebene selbst geregelt hat. Französische Unternehmen

sind beispielsweise verpflichtet, einmal jährlich einen

Weiterbildungsplan zu erstellen. In Deutschland

haben sich die iGZ-Mitglieder in ihrem Ethik-Kodex

selbst auferlegt, die Weiterbildung ihrer Mitarbeiter

zu fördern. Diese fachlichen Weiterbildungen sowie

auch informelle Kompetenzen können Beschäftigte

von iGZ-Mitgliedern im Kompetenzpass sammeln.

Ihre französischen Kollegen haben auf eine solche Dokumentation

nicht nur einen verbandlichen, sondern

sogar einen gesetzlichen Anspruch.

Sozial- und Weiterbildungsfonds

Auch die österreichische Regierung hat sich etwas im

Kampf gegen den Fachkräftemangel einfallen lassen.

Im südlichen Nachbarland gibt es einen gesetzlichen

Sozial- und Weiterbildungsfonds, der Zeitarbeitskräfte

unterstützt, die sich weiterqualifizieren möchten.

Allerdings bekämen auch alle Arbeitnehmer, die von

einem Zeitarbeitsunternehmen in die Erwerbslosigkeit

wechseln, 200 Euro aus diesem Topf bar auf die Hand,

um sich damit fortzubilden, erläuterte Erich Pichorner,

Bundesvorsitzender der Personaldienstleister in der

Wirtschaftskammer Österreich. „Und das ist wirklich

absoluter Schwachsinn“, ärgerte er sich über diese

seiner Meinung nach fehlgeleitete Motivationspolitik.

28


....

Z direkt!

400 Zeitarbeitsinteressierte nahmen am iGZ-Bundeskongress in Karlsruhe teil.

Dr. Martin Dreyer analysierte den Regierungswechsel.

Werner Stolz dankte MdB Thomas Strobl für seinen Vortrag.

Für die Zukunft breit aufstellen

Neben dem Seitenblick über die Landesgrenzen schauten

die Teilnehmer des iGZ-Bundeskongresses vor allem

in die Zukunft. Prof. Dr. Markus-Oliver Schwaab

von der Hochschule Pforzheim zeichnete vor, wie sich

die Branche zu breit aufgestellten Personaldienstleistern

entwickeln wird. MdB Thomas Strobl, stellvertretender

CDU-Bundesvorsitzender, referierte zum Thema

„Arbeit der Zukunft – Zukunft der Arbeit“.

Kontroverse Ansichten

In einer Podiumsdiskussion tauschten sich Dr. Hartmut

Seifert, ehemaliger Leiter des Wirtschafts- und

So zialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-

Böckler-Stiftung, Dr. Ulrich Walwei, Vizedirektor des

Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB),

und Werner Stolz, Hauptgeschäftsführer des Interessenverbandes

Deutscher Zeitarbeitsunternehmen

(iGZ) aus. Sie diskutierten, ob die Zeitarbeit vor einer

neuen Chance oder einer Sackgasse stehe.

Regierungswechsel analysiert

Abschließend gab RA Dr. Martin Dreyer, iGZ-Geschäftsführer,

einen Ausblick darüber, was sich nach

dem Regierungswechsel für die Zeitarbeit ändern

könnte.

Maren Letterhaus

29


Z direkt!

Unterwegs

Der neue iGZ-Bundesvorstand (v.l.): Andreas Schmincke, Martin Gehrke, Bettina Schiller, Armin Zeller, Ariane Durian, Angelo Wehrli,

iGZ-Mitglieder wählten Bundesvorstand

Fundament für Zukunft von

Branche und Verband gefestigt

Ariane Durian ist und bleibt iGZ-Bundesvorsitzende: Im Vorfeld des iGZ-Bundeskongresses votierten die

Mitglieder des Interessenverbandes Deutscher Zeitarbeitsunternehmen für die Unternehmerin.

Im Rahmen der Mitgliederversammlung in der Karlsruher

Stadthalle sprachen sich die rund 250 Vertreter

der insgesamt 2.800 Mitgliedsunternehmen außerdem

für Sven Kramer und Martin Gehrke als stellvertretende

Bundesvorsitzende aus. Sven Kramer übernahm

zudem das Amt von Holger Piening als Leiter der Tarifkommission

und Verhandlungsführer des iGZ in der

Verhandlungsgemeinschaft Zeitarbeit (VGZ). Gehrke

ist seit Ende der 90-er Jahre Experte rund ums Thema

Prävention in der Zeitarbeit und engagiert sich auch

weiterhin für die Interessen und eine gerechte Prämierung

der Zeitarbeitsbranche in der VBG. Die Funktion

der Beisitzer haben Bettina Schiller, Angelo Wehrli,

Thorsten Rensing und Andreas Schmincke inne.

Bettina Schiller ist seit 2008 im iGZ-Bundesvorstand zuständig

für die Bereiche Marketing und Presse. Angelo

Wehrli war seit 2008 Landesbeauftragter des iGZ für

Hamburg und wurde 2010 zum Sprecher der Landesbeauftragten

im Bundesvorstand gewählt. Dieses Amt

hat aktuell Armin Zeller (Baden-Württemberg) inne,

der bereits am Vortag während der Funktionsträgersitzung

bestätigt wurde. Der neu in den Vorstand gewählte

Thorsten Rensing kümmert sich ab sofort um

den Bereich Weiterbildung. Als Schatzmeister wurde

der Finanzexperte Andreas Schmincke bestimmt, der

die Nachfolge von Carsten Tesch antritt. Tesch war seit

2009 als Beisitzer für das Referat Haushalt und Finanzen

zuständig.

30


Unterwegs

Z direkt!

Werner Stolz, Thorsten Rensing, Sven Kramer und Ehrenvorsitzender Dietmar Richter.

iGZ-Hauptgeschäftsführer Werner Stolz würdigte

Anne Rosner, Carsten Tesch und Holger Piening, die

nicht mehr für ein Vorstandsamt kandidierten, für ihre

verdienstvolle ehrenamtlichen Tätigkeiten. Holger Piening

war seit Dezember 2002 iGZ-Experte in allen

Tariffragen. Rosner engagierte sich im iGZ unter anderem

als langjährige Landesbeauftragte für Nordrhein-

Westfalen, seit 2011 als Sprecherin der Landesbeauftragten

und zuletzt ab 2013 als Beisitzerin für den

Bereich Bildung/Weiterbildung im Bundesvorstand.

Zum Auftakt der Versammlung gab Ariane Durian zunächst

ihren Rechenschaftsbericht ab, wobei sie unter

anderem auch scharfe Worte gegen die Koalitionsvereinbarung

fand. In ihrer Rede dankte die Vorsitzende

ganz besonders den ehrenamtlichen Funktionsträgern

des iGZ und dem Hauptamt in Münster für dessen

professionelle Arbeit.

Auch die anderen Mitglieder des Vorstands legten ihre

Bilanzen vor. Ergänzend dazu präsentierte der iGZ einen

56-seitigen Geschäftsbericht für die Jahre von

2011 bis 2014. Die Kassenprüfer Thomas Altmann

und Carsten Ahrens bescheinigten eine einwandfreie

Kassenführung. Als neue Kassenprüfer wurden Benjamin

Roos und Michael Heerspink einstimmig gewählt.

Der Antrag, den Sitz des iGZ nach Berlin zu verlegen,

wurde abgelehnt. Ein weiterer Antrag – „Die iGZ-

Mitgliedsunternehmen verpflichten sich, Mitarbeitern,

die im Rahmen von Werkverträgen eingesetzt

werden, mindestens die der Tätigkeit entsprechenden

Grundvergütungen in Höhe der tariflichen Eingangsstufen

aus dem am 17.09.2013 mit der DGB-Tarifgemeinschaft

abgeschlossenen iGZ-Entgelttarifvertrag

zu gewähren.“ – wurde angenommen.

Zudem votierten die Mitglieder dafür, dass sich die

vorstehende Verpflichtung auf die tariflichen Eingangsstufen

ohne Branchenzuschläge bezieht. Dem

Antrag, Tarifverträge wie ursprünglich wieder durch

die Mitgliederversammlung zu verabschieden, wurde

nicht stattgegeben.

Wolfram Linke

31


Z direkt!

Service

Das iGZ-Seminar "Arbeits- und Tarifrecht" gibt es jetzt auch online als E-Learning-Angebot.

iGZ-Seminarprogramm geht in die 11. Runde – jetzt auch mit „E-Learning“

Fundiertes Wissen

rund ums Thema Zeitarbeit

Das iGZ-Seminarprogramm ist stets am Puls der Zeit: Vor elf Jahren begann der iGZ, Seminare zu aktuellen

und relevanten Themen anzubieten. Die Tinte unter den ersten iGZ-DGB-Tarifverträgen war noch nicht

trocken, schon fingen die Verbandsjuristen an, den iGZ-Mitgliedsunternehmen die Inhalte zu vermitteln.

Mittlerweile ist daraus ein umfangreiches halbjährliches Seminarprogramm geworden, das gerade wieder

fürs zweite Halbjahr 2014 veröffentlicht wurde.

In den Unterrichtseinheiten werden inzwischen alle Inhalte

vermittelt, die zur täglichen Routine von Personaldisponenten

gehören – und das mit professioneller

Qualität: Der iGZ-Weiterbildungsbereich wurde kürzlich

erneut nach DIN EN ISO 9001:2008 zertifiziert,

was den hohen Standard der Abteilung dokumentiert.

Sommerkursus

Auch in der zweiten Jahreshälfte warten die Referenten

wieder mit ebenso interessanten wie abwechslungsreichen

Inhalten auf. An erster Stelle ist hier

neben den Arbeits- und Tarifrechtseminaren die Weiterbildung

für Existenzgründer zu nennen. In sechs

Modulen werden optimale Starthilfen für junge Unternehmen

gegeben. Nicht minder spannend dürfte

der iGZ-Basislehrgang für Personaldisponenten werden,

der diesmal auch komprimiert als Sommerkursus

angeboten wird.

„E-Learning“ mit dem iGZ

Daneben können Interessierte auf das umfangreiche

bewährte Angebot zurückgreifen – iGZ-Praxistage für

Azubis stehen wie gewohnt ebenso auf der Agenda

wie Vertriebsseminare, professionelle Telefonarbeit,

32


Gastbeitrag

Z direkt!

Kundengespräche und -gewinnung sowie das Bewerbermanagement.

Auch bei seinem Seminarprogramm

setzt der iGZ auf neue Medien: Erstmalig veranstaltet

der Interessenverband Deutscher Zeitarbeitsunternehmen

das Seminar „Der iGZ-Tarifvertrag in der Praxis“

in der Form von E-Learning mit einem anschließenden

Webinar. Die Vorteile liegen auf der Hand: Langwierige

Anreisewege entfallen, Disponenten können quasi

von überall aus daran teilnehmen.

Maßgeschneidertes Programm

Auch im zweiten Halbjahr ist das Programm maßgeschneidert

auf die jeweiligen Funktionen der Teilnehmer

in ihren Unternehmen. Neben den Seminaren für

Einsteiger und PDK-Auszubildende gibt es wieder spezielle

Weiterbildungsmöglichkeiten für Mitarbeiter,

Personaldisponenten und leitende Mitarbeiter sowie

für die Geschäftsführungen. Als Specials sind neben

dem Seminar für Existenzgründer die Kurse „Einführung

in die metallverarbeitenden Berufe inklusive der

modernen Zerspanungstechnik“, „Praxis und Theorie

für Facharbeiter-Disponenten“ sowie das E-Learning-

Seminar zum Tarifvertrag zu nennen.

Linie über das Internet: Wer sich für ein bestimmtes

Angebot interessiert, muss online lediglich den Termin

seiner Wahl anklicken, das Anmeldeformular abschicken

– fertig. Die Bestätigung kommt dann per Mail.

Besonderes Angebot des iGZ: PDK-Auszubildende

und Berufsschullehrer erhalten für alle Angebote Sonderkonditionen,

die für das Jahr 2014 nochmals optimiert

wurden.

Online-Blätterkatalog

Nicht nur das Anmeldeverfahren ist online – auch der

Seminarkatalog hat komplett den Weg ins Internet

gefunden. Auf der Startseite der iGZ-Website stehen

die aktuellsten Termine, den Gesamtüberblick gibt es

als PDF zum Download oder als Online-Blätterkatalog.

Wolfram Linke

Bewährtes Referententeam

Dabei greift der iGZ auf sein bewährtes Referententeam

zurück – neben 17 externen Seminarleitern

sind auch neun Mitarbeiter des iGZ-Hauptamtes aktiv.

Dadurch kann der iGZ die wichtigsten Bildungsthemen

zur Zeitarbeit als Seminare realisieren – geboten

werden moderne Unternehmensführung, Recht, Personalentwicklung,

Bewerbermanagement, Vertrieb,

Öffentlichkeitsarbeit und Qualitätsmanagement.

Auf der Internetseite anmelden

Das Anmeldeverfahren zu den einzelnen Terminen ist

denkbar einfach, denn es läuft mittlerweile in erster

Stefan Sudmann, Leiter des iGZ-Rechtsreferates, wird auch im

kommenden Halbjahr Seminare geben.

Anzeige

Anzeige

Anzeige

33


Z direkt!

Gastbeitrag

Holger Schäfer:

Stärkere Regulierung

schadet dem Arbeitsmarkt

Die Zeitarbeit steht nicht erst seit gestern unter der besonderen Beobachtung von Politik und Medien. Die

altbekannte Grundthese lautet, dass Zeitarbeit Stammbelegschaften verdränge und somit für Arbeitnehmer

Nachteile hinsichtlich des Lohns, der Arbeitsbedingungen und der Mitbestimmung mit sich bringe.

Zeitarbeit ist ein Regulativ für schwankende Arbeitskräftenachfrage

und dient mithin auch der Stabilisierung

von Stammbelegschaften. Dabei wird – das

ist der Unterschied zu anderen Flexibilisierungsinstrumenten

wie Befristungen – die Flexibilisierungslast

nicht von den Zeitarbeitnehmern getragen, sondern

von den Zeitarbeitsunternehmen. Diese übernehmen

sämtliche Arbeitgeberpflichten für ihre in der Regel

unbefristet beschäftigten Arbeitnehmer. Die Beschäftigungssicherheit

der Stammkräfte kann sich durch den

Einsatz von Zeitarbeit sogar erhöhen, wenn dadurch

die Wettbewerbsfähigkeit des Kundenbetriebes gestärkt

wird.

Kein Regulierungsbedarf erkennbar

Vor diesem Hintergrund ist kein zusätzlicher Regulierungsbedarf

durch den Gesetzgeber erkennbar. In

ihrem Koalitionsvertrag haben die Regierungsparteien

dessen ungeachtet zwei neue Regulierungsschritte in

Aussicht gestellt.

Begrenzung nicht erforderlich

Erstens beabsichtigt die Große Koalition, die 2003

aus gutem Grund abgeschaffte Begrenzung der

Höchstüberlassungsdauer wieder einzuführen und

bei 18 Monaten zu fixieren. Eine solche Regelung fiele

sogar noch hinter den Stand zurück, der vor den

Hartz-Reformen galt. Seinerzeit waren Überlassungen

von bis zu 24 Monaten zulässig. Die Begrenzung war

abgeschafft worden, weil sie aufgrund des neu eingeführten

Equal Pay-Grundsatzes als nicht mehr erforderlich

angesehen wurde. Es ist nicht ersichtlich,

warum sich an dieser Bewertung etwas geändert haben

sollte.

Langfristige Projekte

Zuweilen wird angeführt, dass lange Überlassungen

dem Daseinszweck der Zeitarbeit widersprechen

würden, die in dem intertemporalen Ausgleich einer

schwankenden Arbeitskräftenachfrage bestehe. Diese

Sichtweise verkennt die Vielfalt der personalwirtschaftlichen

Dienstleistungen, die auf dem Wege der

Arbeitnehmerüberlassung von der Zeitarbeitsbranche

heutzutage erbracht werden. So nehmen Überlassungen

von hochqualifizierten Teams für fest definierte

Projekte an Bedeutung zu. Solche Projekte

dauern aber oft länger als die vom

Gesetzgeber willkürlich festgelegten

18 Monate.

34

Holger Schäfer, Senior Economist, Institut der deutschen Wirtschaft


Gastbeitrag

Z direkt!

Zuschlagstarife werden ausgehebelt

Darüber hinaus ergeben sich aus der Begrenzung

handfeste Nachteile für Arbeitsmarkt und Arbeitnehmer.

Auf der einen Seite kann die Begrenzung der

Höchstüberlassungsdauer nicht verhindern, dass eine

betriebliche Funktion auf Dauer durch Zeitarbeitnehmer

ausgefüllt wird. Auf der anderen Seite erschwert

die Höchstüberlassungsdauer aber, dass Zeitarbeit

auch verstärkt für hochqualifizierte Fu nk tionen genutzt

werden kann, was angesichts des Fachkräftemangels

zu einer wichtigen Effizienzreserve des

Arbeitsmarktes werden könnte. Vor allem aber verhindert

sie, dass Zeitarbeitnehmer über einen längeren

Zeitraum von den Zuschlagstarifen profitieren, die

nach Überlassungsdauer gestaffelt sind.

Gegensatz zur Stärkung der Tarifautonomie

Der zweite Regulierungsschritt besteht in der Absicht,

Zeitarbeitnehmer künftig nach neun Monaten hinsichtlich

der Entlohnung den Mitarbeitern des Einsatzbetriebes

gleichzustellen. Eine solche Gleichstellung

ist keineswegs immer sachgerecht. Denn Stammbelegschaften

und Zeitarbeitnehmer sind nicht beliebig

gegeneinander austauschbar. Stammarbeitskräfte

übernehmen in höherem Maße Verantwortung für

betriebliche Prozesse, sodass eine höhere Entlohnung

gerechtfertigt sein kann. Erst nach längerer Einsatzdauer

gleicht sich die Produktivität an. An dieser Stelle

greifen die Zuschlagstarife, die dafür sorgen, dass sich

auch die Entlohnung im Laufe des Einsatzes angleicht.

Eine gesetzliche Equal Pay-Regelung torpediert diese

tariflichen Vereinbarungen und steht im Gegensatz

zum erklärten Ziel der Stärkung der Tarifautonomie.

Anzeige

Schritt für Schritt in eine

sichere Zukunft investieren.

prosoft

Sicherheit

Effizienz

Service

Innovation

Mit AÜOffice® von prosoft bearbeiten Sie alles,

was in der Zeitarbeit anfällt und haben Service

und Updates inklusive. So sind Sie immer auf

dem neuesten Stand, egal ob Lohnabrechnungen,

Zeiterfassung oder Tarifdschungel. Sie wollen es

genau wissen? Wir zeigen Ihnen persönlich und

unverbindlich, wie AÜOffice® auch Ihr Unternehmen

effizient und zukunftssicher macht.

www.prosoft.net

>> Mail support@prosoft.net

Jetzt kostenfrei informieren unter

0 800 - 930 09 10 15

35


Z direkt!

iGZ-Bundesgeschäftsstelle

V.i.S.d.P.: RA Werner Stolz, Hauptgeschäftsführer

PortAL 10 | Albersloher Weg 10 | 48155 Münster

Telefon: 0251 32262-0 | Fax: 0251 32262-100

iGZ-Hauptstadtbüro

Schumannstraße 17 | 10117 Berlin

Telefon: 030 280459-88 | Fax: 030 280459 - 90

info@ig-zeitarbeit.de | www.ig-zeitarbeit.de

Jetzt vormerken

Jetzt vormerken

iGZ-KONGRESS-HIGHLIGHTS

iGZ-KONGRESS-HIGHLIGHTS

3. Potsdamer Rechtsforum zur Zeitarbeit

23. September 2014 in Potsdam

3. Potsdamer Landeskongress Rechtsforum Bayernzur Zeitarbeit

23. September 7. Oktober 2014 2014 in in Potsdam Würzburg

Landeskongress Weiterbildungskongress

Bayern

21. Oktober 2014 in Karlsruhe

7. Oktober 2014 in Würzburg

Landeskongress Nord

Weiterbildungskongress

26. November 2014 in Bremen

21. Oktober 2014 in Karlsruhe

Landeskongress Nord

26. November 2014 in Bremen

www.ig-zeitarbeit.de/veranstaltungen

www.ig-zeitarbeit.de/veranstaltungen

36

Hurra! Ihre Datei wurde hochgeladen und ist bereit für die Veröffentlichung.

Erfolgreich gespeichert!

Leider ist etwas schief gelaufen!