Verwendung von Nebenprodukten der ... - Schweizer Fleisch

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Verwendung von Nebenprodukten der ... - Schweizer Fleisch

1/2001

N

Fleisch Information

Verwendung von Nebenprodukten

der Lebensmittelindustrie

im Tierfutter:

ökologisch sinnvoll und gut

kontrolliert

Nebenprodukte der Lebensmittelherstellung sind

heute wichtige Komponenten im Futter landwirtschaftlicher

Nutztiere. Gesetze und Verordnungen

garantieren dabei die Einhaltung wichtiger

Rahmenbedinungen - zum Wohl der Tiere, zum

Schutz der Umwelt und für die Unbedenklichkeit

der daraus erzeugten Lebensmittel.

Futter für landwirtschaftliche Nutztiere enthält seit jeher veredelte

Stoffe, die der Mensch selber nicht konsumiert. Lange Zeit

war bei der Futterzusammenstellung die Ausschöpfung der genetischen

Veranlagung des Tiers primäres Ziel. Heute geht es

vermehrt darum, die Umwandlung pflanzlicher Nährstoffe in tierische

Produkte qualitativ hochstehend zu gestalten. Im Sinn

des Kreislaufgedankens und der Ressourcenschonung ist die

Nutzung von Nebenprodukten aus der Landwirtschaft und

Lebensmittelindustrie sinnvoll. Die Gründe:

> Für den Menschen besteht keine Nahrungsmittelkonkurrenz.

> Die Verwertungsformen sind ökologisch günstig.

> Die Produkte können nährstoffökonomisch günstig genutzt

werden.

> Die Produkte sind ökonomisch vorteilhaft.

Bedeutung und Vielfalt der Nebenprodukte haben sich in den

letzten Jahren parallel zur Lebensmittelindustrie entwickelt.

Entsprechend wichtig ist heute eine gründliche und objektive

Abklärung, ob sich die jeweiligen Produkte als Futtermittel

eignen. Erfüllt werden müssen unter anderem folgende Anforderungen:

> Der Nährstoff- und Energiebedarf der Tiere muss gedeckt

werden. Dafür sind genaue Kenntnisse des Nährstoffgehaltes

der Nebenprodukte nötig.

> Die Gesundheit der Tiere darf nicht beeinträchtigt werden.

> Die Qualität der tierischen Produkte darf durch den Einsatz

der Nebenprodukte nicht nachteilig beeinflusst werden.

> Der Einsatz der Nebenprodukte darf ökologisch keine unerwünschten

Folgen haben. Liegt der Nährstoffgehalt eines

Produkts über dem effektiven Bedarf, wird über die Ausscheidungen

des Tiers die Umwelt unnötig belastet.

> Nebenprodukte zur Herstellung von Mischfuttermitteln

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müssen trocken und lagerfähig sein. Werden sie frisch

verfüttert, ist auf einwandfreie Hygiene zu achten.

Welches Nebenprodukt wo

verfüttern?

Ob ein Nebenprodukt sich zur Verfütterung

an eine bestimmte Tierart eignet,

hängt von der äusseren Form, der Nährstoffzusammensetzung

und anderen

Faktoren ab. Die folgende Tabelle zeigt

die verschiedenen Nebenprodukte und

ihre Eignung im Detail:

Die Kontrolle ist gut

Für die Sicherstellung der Wirksamkeit und Unbedenklichkeit

von Futtermitteln und deren Zusatzstoffen ist die amtliche

Futtermittelkontrolle der eidgenössischen Forschungsanstalt

für Nutztiere in Posieux (RAP) zuständig. Sie kontrolliert in der

ganzen Schweiz Produkte und Betriebe und erteilt Bewilligungen

für neue Futtermittel und Zusatzstoffe. Gesetzliche Grundlage

sind das Landwirtschaftsgesetz, die Futtermittelverordnung

und die Futtermittelbuchverordnung mit 11 technischen

Anhängen. Die amtliche Futtermittelkontrolle verfolgt zwei

Ziele:

Gesundheitsschutz: Die Futtermittelkontrolle stellt sicher, dass

Futtermittel bei sachgerechtem Einsatz für Mensch, Tier und

Herkunft Nebenprodukt Eignung

Wiederkäuer Schwein Geflügel

Eiweissprodukte:

Milchverarbeitung Butter- und Magermilch + + -

getrocknete Produkte + + -

Begrenzende Faktoren: Volumen Volumen, Kosten

Schlachtneben- Fleischsuppe - + -

produkte

Begrenzende Faktoren:

ohne Wiederkäuermaterial

Gewinnung Sojaschrot + + +

pflanzlicher Öle Rapsschrot + 3 + +/-

/Fette Sonnenblumenschrot + + +

Maiskleber + - +

Begrenzende Faktoren:

Akzeptanz (Tier), Nährstoffgehalt

Fette:

Schlachtneben- Rinderfett + + +

produkte Schweinefett + + +

Begrenzende Faktoren:

nur Lebensmittelqualität erlaubt

Gewinnung Spaltfette + - +

pflanzlicher Öle /Fette

Begrenzende Faktoren

Fettmenge, Polyensäuregehalt

Kohlenhydrate:

Mehlmüllerei Mühlennachprodukte, Futtermehle, + + +/-

Kleie + + +

Bäckerei Brotabfälle - + -

Milchverarbeitung Schotte + + -

Konservierungsindustrie, Gemüseabfälle, Früchteabfälle, - - -

Fertigprodukte Kartoffelabfälle - + -

Obstsaftherstellung Frisch- und Trockentrester + +/- -

Rübenzucker- Pressschnitzel + +/- -

herstellung Trockenschnitzel + +/- -

Melasse + + +

Bierbrauerei „Malz“ trocken + + -

„Malz“ nass + - -

Begrenzende Faktoren

Nährstoffgehalt, Keimbesatz

Gastronomie Grossküchenabfälle sterilisiert - + -

Begrenzende Faktoren

Salzgehalt, Volumen

- = wird nicht eingesetzt, nicht geeignet + = gut geeignet +/- = mehr oder weniger geeignet

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Umwelt keine negativen Auswirkungen haben.

Täuschungsschutz: Käufer von Futtermitteln werden vor Missbräuchen,

Täuschungen und Irreführungen geschützt.

Sind Nebenprodukte nicht Bestandteile von Mischfuttern, wird deren

einwandfreie Verwendung im Rahmen des Qualitätsmanagements

vom Anwender selber kontrolliert. Grossküchenabfälle unterliegen der

Tierseuchenverordnung und werden vom Bundesamt für Veterinärwesen

(Bvet) kontrolliert.

Problematische Nebenprodukte

Punkto Lebensmittelqualität ist die Öffentlichkeit seit Jahren sensibilisiert.

Ein wesentlicher Grund dafür ist das Auftreten von BSE

und damit die Erkenntnis, dass zwischen verfütterten Produkten und

Krankheiten von Nutztieren ein Zusammenhang bestehen kann.

Verfütterung von Schlachtnebenprodukten

Seit im Jahr 1990 die ersten BSE-Fälle entdeckt worden sind, darf

kein Fleischmehl mehr an Wiederkäuer verfüttert werden. Finden die

Kontrolleure heute Fleischmehlspuren im Rindviehfutter (auch Importfutter),

kommt es zu einer Strafanzeige. Entsprechend dem Wissensstand

werden laufend zusätzliche Massnahmen zur Bekämpfung von

BSE getroffen.

Der Verfütterungsstopp von Nebenprodukten tierischer Herkunft an

Schweine und Geflügel ist seit Januar 2001 in Kraft. Dies ist eine

Reaktion der Behörden auf die immer noch auftretenden BSE-Fälle

bei Tieren, die nach dem Verfütterungsverbot geboren worden sind.

Es wird vermutet, dass sich die betroffenen Tiere durch falsches

Futter oder Verunreinigungen angesteckt haben. Ganz ausgeschlossen

werden können Verunreinigungen bei der Herstellung, beim

Transport oder bei der Fütterung erst, wenn absolut kein Fleischmehl

mehr zum Einsatz kommt. Dies jedoch hat zur Folge, dass grosse

Mengen tierisches Protein teuer vernichtet und entsprechende Nährstoffe

vorallem in Form von pflanzlichem Protein wieder beschafft

werden müssen.

Rückstände im Futter

Mögliche schädliche Rückstände in Futter- oder Lebensmitteln führen

immer wieder zu Diskussionen. Zu diesen Rückständen gehören

Landwirtschaftliche Produktion

Futtermittel

Futtermitteleintrag

Nebenprodukte

Der Futtermittelkreislauf

Konsum

Gastronomie

Gewerbliche

und industrielle

Verarbeitung der

Agrarprodukte

Dünger

Düngereintrag

Produktion Verarbeitung Verkauf

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Stoffe, die Tieren, Menschen oder der Umwelt auch bei korrekter

Anwendung der Futtermittel schaden können. Sind sie durch Anpassung

der technischen Abläufe nicht zu eliminieren, dürfen die Produkte,

in denen sie vorkommen, nicht mehr zur Ernährung von Tieren

eingesetzt werden.

Eine Gruppe solcher Stoffe sind die Dioxine. Diese können als Kondensationsprodukte

bei technischen Prozessen auftreten. Dioxin ist

sehr giftig und ruft schwer heilende Hautausschläge hervor.

In den Jahren 1998 und 1999 wurden in der Schweiz zwei Vorfälle

mit Dioxin in Futtermitteln registriert: Der Import von mit Dioxinen

kontaminierten Zitruspellets aus Brasilien und die Einfuhr von Futtermitteln

aus Belgien, zu deren Herstellung dioxinhaltige Altöle verwendet

worden waren. Importe von verschiedenen tierischen Lebensmitteln

aus Belgien wurden gesperrt und damit eine Diskussion um

die Verwendung von gebrauchtem Pflanzenöl in der Tierernährung

angerissen. Die Beimischung von Pflanzenölen aus kommunalen

Sammelstellen ins Futter wurde verboten, weil zwischen diesen und

mineralischen Altölen in der Praxis nicht klar unterschiedenen

werden kann.

Für pflanzliche Altöle aus der Gastronomie wurde ein Höchstwert an

aliphatischen Kohlenwasserstoffen festgelegt. Diese Verbindungen

weisen auf mineralische Verunreinigungen im Pflanzenöl oder Tierfett

hin. Wer Speise-Altöl als Futtermittel verwendet, muss die Einhaltung

der Höchstwerte selber gewährleisten. Gastronomie-Öle sind hochwertige

Rohstoffe aus der Lebensmittelproduktion. Insbesondere gilt

es, auf jeder Stufe des Handels eine Verunreinigung mit Mineralölen

oder anderen toxischen oder unerwünschten Stoffen zu verhindern

Aliphatische Kohlenwasserstoffe liefern Hinweise auf Verunreinigungen

mit gesundheitsschädigenden Begleitstoffen. Verschiedene analytische

Probleme sind aber noch nicht zufriedenstellend gelöst, weil

medizinisches Weissöl (Paraffin) - als Zusatzstoff für die Tierernährung

zugelassen - ein vergleichbares Resultat ergibt. Verlässliche

Rückschlüsse können nur bei reinen Ausgangsprodukten wie pflanzlichen

oder tierischen Ölen und Fetten, nicht aber bei Mischfuttermitteln

oder Lebensmitteln gezogen werden. Deshalb wird der Ersatz

von Paraffinen im Lebensmittel- und Futtermittelbereich angestrebt.

Weitere verbotene Stoffe in Futtermitteln sind antimikrobielle Leistungsförderer

(AML). Bis 1999 wurden diese Zusatzstoffe eingesetzt,

um den Wirkungsgrad der Produktion zu verbessern und die

Anfälligkeit der Tiere auf gesundheitliche Störungen zu vermindern.

Da die AML mit der vermehrten Antibiotikaresistenz beim Menschen

in Zusammenhang gebracht worden sind, ist ihre Verwendung in

Futtermitteln seit 1999 verboten.

Patronat:

Proviande

Finkenhubelweg 11, Postfach 8162,

3001 Bern

Verantwortlich:

Fleisch Information, Frau Dr. Regula Kennel

Telefon 031 309 41 11

E-Mail: regula.kennel@proviande.ch

Die letzten Jahre haben gezeigt: Auch eine etablierte Futtermittelkontrolle

kann nicht alle Probleme mit Futtermitteln für Nutztiere vermeiden.

Weil die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für Landwirtschaft

und Futtermittelindustrie in Zukunft noch stärkere Einschränkungen

bringen werden, ist es wichtig, dass alle Beteiligten die Sorgfaltspflicht

wahrnehmen. Diese Pflicht zur Selbstkontrolle ist heute

schon Bestandteil vieler Qualitätssicherungssysteme. Sie soll in Zukunft

auch gesetzlich verankert werden. Durch gemeinsame Anstrengungen

der Industrie sowie der Futtermittel- und Lebensmittelkontrolle

muss es gelingen, das Vertrauen der Konsumentinnen und Konsumenten

in tierische Lebensmittel wieder aufzubauen.

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