Ihr Wille zählt

seniorenbeirat.roedermark.de

Ihr Wille zählt

Die richtige

Nachlassplanung

Ihr Wille zählt

Mit freundlicher Unterstützung der


Inhalt

Seite

| | Vorwort 3

|1| Ihre persönliche Vorsorge 4

|1.1| Selbstbestimmt – ein Leben lang 4

|1.2| Das Gespräch mit den Angehörigen suchen 5

|1.3| Eigene Wünsche formulieren 7

|1.4| Finanziell unabhängig bleiben 9

|2| Vermögen weitergeben 11

|2.1| Machen Sie ein Testament 11

|2.2| Die Erbfolge 11

|2.3| Die Testamentsarten 14

|2.4| Die richtige Form 18

|2.5| Das neue Erbrecht

und Erbschaftsteuerrecht 20

|3| Vermögen vorausschauend übertragen 23

|3.1| Steuern sparen durch Schenkungen 23

|3.2| Vermögen schenken 24

|3.3| Immobilien schenken 26

|3.4| Lebensversicherungen schenken 28

|4| Vorsorge-Checkliste 30

Hinweis: Der Inhalt ist nach bestem Wissen und Kenntnisstand erstellt

worden. Die Komplexität und der ständige Wandel der in ihm

behandelten Materie machen es jedoch erforderlich, Haftung und

Gewähr auszuschließen. Zu beachten sind dabei insbesondere die

geplanten Änderungen des Erbschaftsteuergesetzes. Bei Redaktionsschluss

(Juni 2008) stand noch nicht fest, wann und in welcher

Form die Erbschaftsteuerreform in Kraft treten wird. Die Erbrechtsreform

tritt voraussichtlich im Januar 2009 in Kraft.

| 2 | Ihr Wille zählt


Vorwort

Liebe Leserin, lieber Leser,

viele Menschen machen um das Thema Vermögensweitergabe

einen großen Bogen. Doch jeder von uns kann plötzlich und

unerwartet in eine Situation geraten, in der ihm das Heft des

Handelns aus der Hand genommen wird. Wie beruhigend ist es

dann zu wissen, dass unsere Lieben versorgt sind und in unserem

Sinne entscheiden.

Die richtige Nachlassplanung erfordert Fingerspitzengefühl im

Umgang mit den Angehörigen und umfassende Kenntnisse

über Erbrecht, Steuerfragen und Möglichkeiten der Geldanlage.

Schließlich geht es nicht nur darum, das Vermögen vorausschauend

weiterzugeben und in der Familie zu erhalten, sondern Vermögens-

und Lebensplanung so aufeinander abzustimmen, dass

Ihre Sicherheit und Unabhängigkeit gewährleistet bleiben.

Diese Broschüre informiert Sie über Aspekte Ihrer persönlichen

Vorsorge, gibt Ihnen als Erblasser wichtige Tipps und erläutert

die steuerlichen Vorteile von Schenkungen. Allein Ihr Wille zählt!

Wir wünschen Ihnen eine anregende Lektüre.

| Erhard Hackler | | Dirk Wellenberg |

Geschäftsführender Vorstand

der Deutschen Seniorenliga e.V.

Dresdner Bank AG

Kunden- und Marktmanagement

Leiter Zielgruppenmanagement

Ihr Wille zählt | 3 |


|1| Ihre persönliche Vorsorge

1.1 Selbstbestimmt – ein Leben lang

Abschied zu nehmen, gehört zu den schmerzvollsten Erfahrungen,

die wir in unserem Leben machen. Deshalb verdrängen

wir so gut es geht jeden Gedanken daran. Und doch ist es

wichtig, sich mit der eigenen Sterblichkeit auseinanderzusetzen.

Schließlich überlassen wir unser Leben auch nicht dem Zufall,

sondern gestalten es bewusst. Schule, Ausbildung, Karriere,

Familiengründung, Ruhestand – Schritt für Schritt verwirklichen

wir unsere Ziele und geben unserem Leben damit einen Sinn.

| Das Leben genießen |

Noch einmal richtig

durchstarten: Wer alles

geregelt hat, kann den

wohlverdienten Ruhestand

zum Beispiel

nutzen, um zu reisen

und seinen Interessen

nachzugehen.

Untersuchungen haben gezeigt, dass Menschen, die ihr Leben

aktiv in die Hand nehmen, zufriedener sind als andere. Und

gerade deshalb können sie auch ihrem Lebensende gelassener

entgegenblicken. Wer festhält, leidet – wer loslässt, befreit sich.

Seine Angelegenheiten zu ordnen und sich von unnötigem

Ballast zu trennen, bedeutet nicht, sich vom Leben zu verabschieden.

Im Gegenteil: Gerade dann eröffnen sich neue Spielräume

zur Verwirklichung langgehegter Träume. In der Gewissheit,

für die Zukunft alles geregelt zu haben, können Sie sich

beruhigt zurücklehnen und das Leben genießen.

| 4 | Ihr Wille zählt


|1| Ihre persönliche Vorsorge

1.2 Das Gespräch mit den Angehörigen suchen

Sich Gedanken über die richtige Nachlassplanung zu machen,

bedeutet nicht nur, ein Testament aufzusetzen. Es bedeutet

auch, frühzeitig mit den Angehörigen darüber zu reden. Gehen

Sie behutsam vor, ohne sich jedoch von Ihrem Vorhaben

abbringen zu lassen. Denn selbst wenn Ihre Familie lieber

nichts davon hören möchte, sind sie im Trauerfall dankbar,

wenn sie sicher sein können, in Ihrem Sinne zu handeln.

Informieren Sie Ihre nächsten Angehörigen zudem darüber, wo

Sie wichtige Dokumente aufbewahren und wem Sie warum

bestimmte Vermögenswerte und Erinnerungsstücke vermachen

möchten. Bei jedem vierten Nachlassfall kommt es zum Streit

unter den Erben. Dabei geht es meistens gar nicht ums Geld.

Viel häufiger sind verletzte Gefühle und Missverständnisse der

Grund für die Auseinandersetzung. Durch ein Gespräch vermeiden

Sie Konflikte. Vermögen bedeutet Verantwortung – die

richtige Nachlassplanung entlastet Ihre Angehörigen und gibt

Ihnen die Möglichkeit, materielle und ideelle Werte an die

nächste Generation weiterzugeben.

Eine Liste der wichtigsten Dokumente








Familienstammbuch oder Heiratsurkunde

Geburtsurkunde

Versicherungsverträge und Policen mit Beitragsbelegen

Testament

Vollmachten für Bank, Post etc.

Patienten- und Betreuungsverfügung, Vorsorgevollmacht

Liste mit Abonnements, Mitgliedschaften und Verträgen,

die zu kündigen sind

Ihr Wille zählt | 5 |


|1| Ihre persönliche Vorsorge

Unternehmensnachfolge rechtzeitig planen

Jedes Jahr stehen rund 70.000 deutsche Unternehmer

vor der Herausforderung, einen geeigneten Nachfolger

zu finden. Die meisten Betriebe sind jedoch nur schlecht

darauf vorbereitet. Wie eine Umfrage der Deutschen Seniorenliga

e.V., der Deutschen Stiftung für Vermögensund

Unternehmensnachfolge (DSVU) sowie des Marktforschungsinstituts

psychonomics AG zeigt, fehlt rund

der Hälfte aller befragten Unternehmer ein schlüssiges

Konzept für den Generationswechsel. Als Folge müssen

jährlich fast 6.000 Unternehmen schließen.

Leichter ist es, wenn das Geschäft in der Familie bleibt, da

Senior- und Juniorchef dieses zunächst gemeinsam führen

können. Die geplante Erbschaftsteuerreform sieht vor, dass

Firmenerben unter bestimmten Voraussetzungen 85 Prozent

des Betriebsvermögens steuerfrei erhalten. Dafür muss

der Betrieb u. a. mindestens zehn Jahre fortgeführt werden

und eine bestimmte Lohnsumme zahlen. Unabhängig

davon, ob die Nachfolge innerhalb oder außerhalb der Familie

geregelt wird, erfordert eine erfolgreiche Übergabe

durchschnittlich drei bis fünf Jahre. Wer rechtzeitig vorsorgt,

bewahrt sein Lebenswerk und sichert Arbeitsplätze.

i

Deutsche Stiftung für Vermögens- und

Unternehmensnachfolge, Schloßstraße 18,

50374 Erftstadt, www.dsvu.de

Deutscher Industrie- und Handelskammertag,

Breite Straße 29, 10178 Berlin, www.dihk.de

Beratung erhalten Sie auch bei Ihrer Bank.

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|1| Ihre persönliche Vorsorge

1.3 Eigene Wünsche formulieren

Der Tod eines geliebten Menschen ist für die Angehörigen

schwer zu verkraften. Zeit zum Trauern bleibt kaum, denn

jetzt wartet eine Flut organisatorischer Aufgaben und Entscheidungen

auf sie. Wer vorab entsprechende Vorkehrungen

| Vorsorge treffen |

Niemand weiß, was die Zukunft

bringt. Doch wer den

Mut hat, sich mit dem

Tabuthema Tod zu

beschäftigen und zu

Lebzeiten Abschied zu

nehmen, gibt den Angehörigen

im Trauerfall

Raum und Zeit zur Trauer.

trifft, entbindet seine Familie von allerlei Pflichten und gestaltet

gleichzeitig den Abschied nach seinen Vorstellungen.

Zu einer umfassenden Bestattungsvorsorge gehören zum

Beispiel die Wahl der Bestattungsart sowie die Gestaltung

von Trauerfeier, Grabmal und Grabpflege. Als Gedenkstätte

für die Lebenden geben diese Orte der Trauer einen Raum,

spenden Trost und bewahren die Erinnerung an den Verstorbenen.

Nicht zu unterschätzen sind die Kosten einer Beerdigung, die

mittlerweile zwischen 3.000 und 8.000 Euro liegen. Das gesetzliche

Sterbegeld wurde bereits 2004 gestrichen. Von

staatlicher Seite gibt es also keine finanzielle Unterstützung.

Ihr Wille zählt | 7 |


|1| Ihre persönliche Vorsorge

Unser Tipp: Legen Sie ein Konto für die Beerdigung an, das

die Kosten für die Bestattung, den Grabstein und eventuell

sogar die professionelle Grabpflege durch eine Friedhofsgärtnerei

deckt.

i

Sie haben Fragen zur Einrichtung eines Kontos?

Wenden Sie sich an einen Finanzberater Ihrer Bank.

Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht

Jeder Arzt ist verpflichtet, Leben zu erhalten. Doch was

tun, wenn das dem Willen des Patienten widerspricht?

Immer mehr Deutsche verfassen deshalb eine Patientenverfügung,

in der konkrete Behandlungsziele für künftige

Krankheiten, Pflegebedürftigkeit oder humanes Sterben

dokumentiert sind. Für den Fall, dass Sie nicht mehr in

der Lage sind, Ihre Angelegenheiten selbst zu regeln,

können Sie außerdem mit Vorsorgevollmacht und Betreuungsverfügung

eine Person Ihres Vertrauens benennen,

die Ihre Wünsche und Interessen durchsetzt.

i

Humanistischer Verband Deutschlands,

Wallstraße 61–65, 10179 Berlin, www.humanismus.de

Deutsche Hospizstiftung, Europaplatz 7,

44269 Dortmund, www.hospize.de

Vordrucke zur Vorsorgevollmacht und Betreuungsverfügung

erhalten Sie beim zuständigen Vormundschaftsgericht

oder im Internet auf den Seiten des

Bundesministeriums der Justiz. Dort finden Sie auch

die Formulierungshilfe für die Erstellung einer Patientenverfügung:

www.bmj.bund.de

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|1| Ihre persönliche Vorsorge

1.4 Finanziell unabhängig bleiben

Bevor Sie sich nun der Vermögensübertragung widmen, sollten

Sie eine Analyse Ihrer finanziellen Situation vornehmen. Erst

im Ruhestand haben viele Menschen Zeit, um zu reisen, ihren

Hobbys nachzugehen oder sich andere, langgehegte Wünsche

| Vermögens-Check |

Wenn Sie alle zwei Jahre eine Bestandsaufnahme

vornehmen und Ihre Anlagestrategie

den aktuellen Erfordernissen

anpassen, können Sie langfristig planen

und kurzfristig reagieren.

zu erfüllen. Das ist jedoch nur

dann möglich, wenn Vermögensund

Lebensplanung optimal aufeinander

abgestimmt sind.

Entsprechen die von Ihnen

getroffenen Vorsorgemaßnahmen

auch weiterhin Ihren persönlichen

Zielen und Bedürfnissen oder besteht Anpassungsbedarf? Das

gilt es zu prüfen, bevor Sie größere Anschaffungen tätigen,

Geld verschenken oder sonstige finanzielle Entscheidungen

treffen.

Eine entsprechende Bestandsaufnahme beinhaltet die Gegenüberstellung

von Vermögenswerten und Verbindlichkeiten.

Regelmäßige Einnahmen aus Rentenversicherungen oder der

Vermietung von Immobilien gehören ebenso zu den Einkünften

wie wegfallende Zahlungen, die Ihnen bisher durch

Unterhaltsverpflichtungen oder die Tilgung von Hypotheken

und Krediten entstanden sind. Bei einem solchen Kassensturz

Ihr Wille zählt | 9 |


|1| Ihre persönliche Vorsorge

lohnt auch ein Blick in die Zukunft: Erwarten Sie selbst eine

größere Erbschaft? Steht die Auszahlung einer Lebensversicherung

bevor? Und wenn ja, wollen Sie den unverhofften Geldsegen

verbrauchen, erhalten oder vermehren?

| Lebensqualität erhalten |

Jeder zweite Bundesbürger über

50 Jahre lebt nach dem Motto:

„Immer nur sparen? Nein danke!

Ich mache mir lieber ein schönes

Leben.“ Mit der richtigen Strategie

können Sie sich das leisten.

Auf der Kostenseite gilt es,

monatliche Belastungen wie

Miete, Hypothekenschulden, Krankenversicherung, Ratenzahlungen

und bevorstehende Ausgaben zum Beispiel für die Renovierung

des Hauses oder ein neues Auto zu berücksichtigen.

Um auf Nummer sicher zu gehen, sollten Sie auch die Inflation

und die gestiegene Lebenserwartung in die Rechnung einbeziehen,

denn Sicherheit und Unabhängigkeit haben oberste

Priorität.

All diese Faktoren haben Einfluss auf Ihre finanzielle Situation

in den kommenden Jahren. Auf Basis einer Vermögensanalyse

können Sie Ihre aktuelle Anlagestrategie von Finanzexperten

Ihrer Bank überprüfen und optimieren lassen. Damit schaffen

Sie die Grundlage für eine sorgfältig geplante Vermögensübertragung.

i

Professionelle Unterstützung bei der Ausarbeitung einer individuellen

Vermögensstrategie bekommen Sie bei Ihrer Bank.

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|2| Vermögen weitergeben

2.1 Machen Sie ein Testament

Was wird sein, wenn ich nicht mehr bin? Was wird dann aus

meinem Besitz und den Dingen, die mir wichtig sind? Diese

Fragen stellt sich wohl jeder Mensch einmal in seinem Leben.

Dennoch haben rund 70 Prozent der Deutschen kein Testament

aufgesetzt und vertrauen stattdessen auf die gesetzlich

geregelte Erbfolge. Doch die ist nicht immer im Sinne des

Erblassers. Wenn Sie sichergehen wollen, dass Ihr Vermögen

in die richtigen Hände kommt, sollten Sie rechtzeitig vorsorgen

und eine letztwillige Verfügung treffen.

2.2 Die Erbfolge

Ohne Testament oder Erbvertrag wird der Nachlass nach deutschem

Recht unter den Verwandten und dem Ehepartner aufgeteilt.

Je nach Verwandtschaftsverhältnis unterscheidet man

Erben erster, zweiter, dritter und vierter Ordnung.

Erben erster Ordnung und Ehepartner

Gesetzliche Erben sind in erster Linie die Kinder und der

Ehepartner des Erblassers. Enkel und Urenkel treten an die

Stelle verstorbener Kinder.

Erben zweiter Ordnung

Nur wenn es keine Kinder oder Enkelkinder gibt, erben die

Angehörigen zweiter Ordnung. Zu dieser Gruppe gehören

Eltern, Geschwister, Nichten und Neffen.

Erben dritter und vierter Ordnung

Leben keine Erben erster und zweiter Ordnung mehr, wird

das Erbe unter den Großeltern bzw. Urgroßeltern und deren

Kindern und Kindeskindern (Tante, Onkel, Cousin/-e) verteilt.

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|2| Vermögen weitergeben

Mit einem Testament bestimmen Sie, wer erben soll. Doch auch

wenn es sich um Ihren Letzten Willen handelt, können Sie Ihre

nächsten Angehörigen nicht vollständig von der Teilhabe an

Ihrem Vermögen im Erbfall ausschließen. Ihnen steht nämlich

ein Pflichtteil zu, den sie einklagen können, wenn sie im

Testament nicht bedacht wurden. Der Pflichtteil entspricht der

Hälfte des gesetzlichen Erbteils. Dieser richtet sich nach dem

Verwandtschaftsverhältnis, den weiteren gesetzlichen Erben und

bei Ehegatten nach dem jeweiligen Güterstand (Zugewinngemeinschaft,

Gütertrennung, Gütergemeinschaft).

| Probleme vermeiden |

Verteilen Sie Vermögenswerte nie

ohne Angaben zu den Quoten. Das

kann zu erheblichen Auslegungsschwierigkeiten

führen.

Erben mehrere Personen, bilden

sie eine Erbengemeinschaft.

Das bedeutet, dass sie

den gesamten Nachlass gemeinsam

verwalten und aufteilen

müssen. Da das deutsche

Recht eine Verteilung des Erbes in einzelne Nachlassgegenstände

nicht kennt, wird grundsätzlich nach Quoten* vererbt.

Steht beispielsweise fest, dass ein Erbe die Hälfte und zwei

andere je ein Viertel des Nachlasses erhalten sollen, lässt sich

die Regelung für Barvermögen problemlos umsetzen. Doch bei

Immobilien führt das häufig zum Streit unter den Erben.

* Angehörige, die von der Erbfolge ausgeschlossen wurden, erhalten

grundsätzlich als Pflichtteil die Hälfte der Quote, welche ihnen

im Rahmen einer gesetzlichen Erbfolge zugestanden hätte.

| 12 | Ihr Wille zählt


|2| Vermögen weitergeben

Teilungsanordnung

Mit einer Teilungsanordnung können Sie den Erben einzelne

Vermögenswerte und Gegenstände zusprechen. Für den Fall,

dass ein Erbe mehr erhält, als ihm laut Quote zusteht, muss er

die anderen ausbezahlen.

Beispiel: „Als meine Erben setze ich meine drei Kinder zu je

gleichen Teilen ein. Mein Vermögen soll im Wege der Teilungsanordnung

folgendermaßen verteilt werden: Mein Sohn

Markus erhält das Haus, meine Tochter Maria den Schmuck

und mein Sohn Peter die Wertpapiere. Der Wertunterschied ist

auszugleichen.“ Da der Wert des Einfamilienhauses seinen

Erbteil von einem Drittel übersteigt, muss Markus entsprechende

Ausgleichszahlungen an seine Geschwister leisten.

Vorausvermächtnis

Über den Erbteil hinausgehende Mehrwerte vermachen Sie am

besten als Vorausvermächtnis. In diesem Fall findet keine Anrechnung

auf den Erbteil bzw. Ausgleichung statt. Das unterscheidet

das Vorausvermächtnis von der Teilungsanordnung.

Beispiel: Möchten Sie Ihrem Sohn Markus das Haus über seinen

Erbteil hinaus zukommen lassen, und zwar ohne dass er

seine Geschwister entschädigen muss, können Sie dies durch

folgenden Zusatz regeln: „Falls ein Erbe mehr als seinen Erbteil

erhält, ist ihm das darüber Hinausgehende als Vorausvermächtnis

zugewendet.“

Vermächtnis

Mit einem Vermächtnis können Sie einer nahestehenden Person

einen beliebigen Vermögensteil vermachen, ohne sie als

Erben einzusetzen.

Ihr Wille zählt | 13 |


|2| Vermögen weitergeben

Beispiel: Alles bleibt so, wie in unseren obigen Beispielen geschildert,

nur wollen Sie zusätzlich Ihrer besten Freundin die

antike Kommode vermachen, für die sie immer so geschwärmt

hat. Im Testament könnte das folgendermaßen lauten: „Zudem

ordne ich folgendes Vermächtnis an: Meine Freundin Susanne

erhält die antike Kommode im Wohnzimmer.“

i

Wenn Sie zusätzlichen Rat und Hilfe brauchen, wenden Sie

sich am besten an einen Fachanwalt für Erbrecht oder einen

Notar.

2.3 Die Testamentsarten

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, seinen Letzten Willen zu

bekunden. Welche für Sie die richtige ist, hängt von Ihrer persönlichen

Situation ab. Bei komplizierten Verwandtschaftsverhältnissen

oder anderen erbrechtlichen Fragen empfiehlt es

sich, einen Anwalt oder einen Notar zu Rate zu ziehen.

Es ist grundsätzlich jederzeit möglich, ein Testament zu ändern,

wenn es nicht mehr den aktuellen Lebensumständen entspricht.

Ein neues Testament setzt in der Regel ein älteres außer Kraft.

Das eigenhändige Testament

Ein eigenhändiges bzw. privatschriftliches Testament muss

vollständig handschriftlich verfasst sowie mit Vor- und Zunamen

unterschrieben werden. Vergessen Sie Ort und Datum

nicht und überschreiben Sie das Dokument mit „Testament“

oder „Mein Letzter Wille“. Ein mit der Schreibmaschine oder

dem Computer geschriebenes Testament ist ungültig. Wenn

Sie das Testament selbst aufbewahren möchten, sollten Sie

einer Vertrauensperson mitteilen, wo es im Trauerfall zu fin-

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|2| Vermögen weitergeben

den ist. Sie können es aber auch beim Nachlassgericht hinterlegen

lassen.

Das öffentliche bzw. notarielle Testament

Wer sichergehen will, beim Verfassen des Testaments keinen Fehler

zu machen, sollte sich von einem Anwalt beraten lassen oder

ein öffentliches Testament errichten. Dabei wird der Letzte Wille

mündlich gegenüber einem Notar erklärt, der diesen schriftlich

festhält und das Testament zur Verwahrung dem Nachlassgericht

übergibt. Die Gebühren für ein notarielles Testament richten sich

nach dem Wert des Vermögens.

Kosten eines notariellen Testaments

Wert des Vermögens

5.000 e

20.000 e

50.000 e

100.000 e

200.000 e

Gebühr*

42 e

72 e

132 e

207 e

357 e

Die Gebühren verdoppeln sich, wenn ein Erbvertrag oder ein

gemeinschaftliches Testament beurkundet worden ist.

* Gebühren zzgl. 19 Prozent Mehrwertsteuer

Quelle: Bundesministerium der Justiz

Das gemeinschaftliche Testament

Ehepaare haben die Möglichkeit, ein gemeinschaftliches Testament

aufzusetzen – notariell oder selbst handschriftlich. In

letzterem Fall genügt es, wenn ein Partner den Text eigenhän-

Ihr Wille zählt | 15 |


|2| Vermögen weitergeben

Der Erbvertrag

Mit einem Erbvertrag, der zwischen dem Erblasser und seinen

Erben geschlossen wird, gehen i. d. R. beide Vertragsdig

niederschreibt und der andere nur mitunterschreibt. Nach

dem Tod eines Ehegatten ist der andere in der Regel an das

Testament gebunden und kann es nicht mehr ändern. Eine

besondere Form des gemeinschaftlichen Testaments unter

Eheleuten ist das Berliner Testament. Darin setzen sich die

Ehegatten gegenseitig als Erben ein und bestimmen gleichzeitig

den Schlusserben – in der Regel die gemeinsamen Kinder.

Der Nachteil besteht

darin, dass zweimal

Erbschaftssteuer

anfällt.

| Das lässt sich regeln |

Mit einem Testament

können Sie Erben bestimmen,

unter gewissen Voraussetzungen

jemanden enterben,

Vermächtnisse aussetzen,

Ersatzerben bestimmen

sowie Vor- und

Nacherbschaft anordnen.

Unser Tipp: Steuerlich geschickter ist es, die Kinder als Erben

einzusetzen und dem hinterbliebenen Ehegatten das Nießbrauchsrecht

am Nachlass – z. B. einem Haus – einzuräumen.

Auf diese Weise vererben Sie die Vermögenssubstanz an Ihre

Kinder und stellen gleichzeitig die Versorgung des überlebenden

Ehepartners sicher, indem dieser das wirtschaftliche Nutzungsrecht

am Nachlass behält.

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|2| Vermögen weitergeben

partner bereits zu Lebzeiten Verpflichtungen ein, an die sie

gebunden sind. Dieser Vertrag, der vor einem Notar geschlossen

werden muss, kann im Unterschied zum Testament

nicht einseitig geändert werden. Für die Erben bedeutet dies

eine erhöhte Planungssicherheit. Eine wichtige Rolle spielt

der Erbvertrag auch für nichteheliche Lebensgemeinschaften,

da sie kein gemeinschaftliches Testament aufsetzen können.

| Gemeinsame Verfügung |

Nur Ehegatten und eingetragene

gleichgeschlechtliche

Lebenspartner können ein

gemeinschaftliches Testament

aufsetzen. Ohne Trauschein

bleibt Lebenspartnern

nur die Form eines Erbvertrags,

um gemeinsame erbrechtliche

Verfügungen zu

treffen.

Das Vermächtnis

Wie bereits im letzten Kapitel erläutert, bedeutet ein Vermächtnis

auszusetzen, dass der Erblasser einer Person lediglich einzelne

Dinge aus seinem Vermögen hinterlässt, ohne sie oder

ihn zum Erben zu machen.

i

Bundesnotarkammer, Mohrenstr. 34, 10117 Berlin,

www.bnotk.de

Als Abteilungen in den Amtsgerichten bearbeiten Nachlassgerichte

die im Todesfall erforderlichen erbrechtlichen Vorgänge.

Möchten Sie Ihr Testament dort hinterlegen lassen,

wenden Sie sich an ein Amtsgericht in Ihrer Nähe.

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|2| Vermögen weitergeben

2.4. Die richtige Form

Viele eigenhändig verfasste Testamente sind wegen Formfehlern

unwirksam oder geben aufgrund unklarer Formulierungen

Anlass für kostspieligen Streit. Hier finden Sie ein Beispiel für

ein gültiges Berliner Testament.

1

2

3

4

5

6

7

8

| 18 | Ihr Wille zählt


|2| Vermögen weitergeben

1

2

3

4

5

6

7

8

Überschrift

Die Überschrift des Schreibens sollte deutlich machen, dass es

sich um ein Testament handelt, z. B. durch die Bezeichnung

„Testament“ oder „Mein Letzter Wille“.

Handschriftlich

Das Testament muss handgeschrieben sein. Ein mit der Schreibmaschine

oder dem Computer verfasstes Testament ist ungültig.

Überlebender Ehepartner als Vollerbe

Als Vollerbe ist der überlebende Ehepartner berechtigt, zu Lebzeiten

grundsätzlich frei über den Nachlass zu verfügen. Eine

einseitige Änderung des Testaments ist bei sogenannten wechselbezüglichen

Verfügungen nicht mehr möglich, es sei denn,

Sie nehmen eine Änderungsbefugnis zugunsten des überlebenden

Ehegatten in das Testament auf.

Schlusserben

Nach dem überlebenden Ehepartner erben die Kinder zu gleichen

Teilen den Nachlass des Längstlebenden.

Ersatzerbe

Stirbt eines der Kinder vor den Erblassern, erben die Enkel.

Pflichtteilsforderungen

Diese Passage empfiehlt sich, um Pflichtteilsforderungen zu

vermeiden und nicht die Versorgung des länger Lebenden zu

gefährden.

Ort und Datum

Vermerken Sie stets Ort und Datum im Testament. Das ist

auch zur zeitlichen Einordnung wichtig, denn ein neueres

Testament ersetzt in der Regel ein älteres.

Unterschrift

Am Ende des Testaments müssen beide Ehepartner mit ihrer

vollen Unterschrift unterzeichnen.

Ihr Wille zählt | 19 |


|2| Vermögen weitergeben

2.5. Das neue Erbrecht und Erbschaftsteuerrecht

Das seit mehr als 100 Jahren bestehende Erbrecht ist entrümpelt

und den veränderten gesellschaftlichen Gegebenheiten

angepasst worden. Die Reform des Erb- und Verjährungsrechts

tritt voraussichtlich am 1. Januar 2009 in Kraft. Das neue Gesetz

soll für mehr Flexibilität und Gerechtigkeit sorgen.

| Erbrechtsreform |

Mit dem neuen Recht

werden alle Personen

gestärkt, die dem Erblasser

ähnlich nahestehen wie

Ehegatten und Kinder, also

etwa auch Lebenspartner,

Pflege- und Stiefkinder.

Die wichtigsten Neuerungen auf einen Blick:

Jeder gesetzliche Erbe kann künftig einen Ausgleich für die

Pflege des Erblassers erhalten.

Die Gründe für die Entziehung des Pflichtteils werden vereinheitlicht

und mit der Neuregelung gleichermaßen auf

Kinder, Eltern, Ehegatten und Lebenspartner angewandt.

Gleichzeitig entfällt der Entziehungsgrund des „ehrlosen

und unsittlichen Lebenswandels“.

Eine für die künftige Praxis wichtige Neuregelung ist die

geplante Privilegierung von Schenkungen. Bisher konnten

Pflichtteilsberechtigte vom Zeitpunkt des Erbfalls zurückgerechnet

über einen Zeitraum von bis zu zehn Jahren verlangen,

dass das an einen Dritten verschenkte Vermögen vollständig

dem Nachlass zugerechnet wurde. Der Beschenkte

musste u. U. zur Vermeidung der Herausgabe des Geschenk-

| 20 | Ihr Wille zählt


|2| Vermögen weitergeben

ten die Differenz zum vollen Pflichtteil erstatten. Die Reform

sieht vor, dass die Schenkung bei der Berechnung des Anspruchs

Jahr für Jahr weniger berücksichtigt wird.

Von der geplanten Erbschaftsteuerreform würden vor allem nahe

Verwandte profitieren. Für Kinder, Enkel und Ehepartner sollen

die Freibeträge kräftig ansteigen. Alle übrigen Erbnehmer müssten

dafür tiefer in die Tasche greifen, wenn der Wert des Erbes

über ihrem persönlichen Freibetrag liegt, da die Steuersätze (Beispiele

s. Tabelle S. 27) in vielen Fällen erhöht werden sollen.

Steuerfreibeträge nach altem und neuem Recht*

Verwandtschaftsgrad

Steuerklasse

Freibeträge

alt

Freibeträge

neu

Ehegatten

Kinder

Enkel

Eltern**, Großeltern**

I

307.000 e

205.000 e

51.200 e

51.200 e

500.000 e

400.000 e

200.000 e

100.000 e

Geschwister,

Nichten, Neffen,

Schwiegerkinder

und -eltern,

gesch. Ehegatten

II

10.300 e

20.000 e

eingetr. Lebenspartner

Onkel, Tanten

Freunde, Lebensgefährten

III

5.200 e

5.200 e

5.200 e

500.000 e

20.000 e

20.000 e

Quelle: Bundesministerium der Finanzen, * Stand 12/2007, ** Diese Verwandten

sind nur bei Erbschaften in Steuerklasse I, bei Schenkungen in Steuerklasse II

Ihr Wille zählt | 21 |


|2| Vermögen weitergeben

Wichtig für Immobilienerben: Die bisherige Sonderregelung für

Immobilien wird entfallen. Nach altem Recht wurde der sogenannte

Ertragswert, der sich aus der durchschnittlichen Jahresmiete

ermittelte, für die Berechnung der Steuerpflicht herangezogen.

Künftig sollen Immobilien, die vererbt oder zu Lebzeiten

verschenkt werden, mit dem Verkehrswert angesetzt werden. Dies

ist der Preis, den das Haus beim Verkauf erzielen könnte. Doch

durch die Erhöhung der Freibeträge bleibt das vererbte Eigenheim

für Ehegatten oder Kinder in der Regel weiterhin steuerfrei.

i

Im Internet finden Sie zahlreiche Erläuterungen zum

neuen Erbrecht und der Reform der Erbschaftsteuer.

Entsprechende Informationen gibt es z. B. beim Deutschen

Forum für Erbrecht e.V., Prannerstraße 6, 80333 München,

www.deutsches-forum-fuer-erbrecht.de

Vermögenspolice

Im Erbfall können kurzfristig hohe finanzielle Belastungen

auf Ihre Erben zukommen – sei es, weil Erbschaftsteuer

anfällt, Pflichtteilsansprüche geltend gemacht werden oder

ein Erbe die anderen auszahlen muss. Um Ihre Angehörigen

abzusichern und Ihr angespartes Vermögen möglichst

vollständig an die nächste Generation weiterzugeben,

empfiehlt sich eine Vermögenspolice. Dabei zahlen Sie

entweder in eine klassische Lebensversicherung oder eine

fondsgebundene Versicherung ein. Im Todesfall erhält der

Begünstige eine entsprechende Kapitalzahlung.

i

Erkundigen Sie sich bei Ihrer Bank nach der

Möglichkeit einer Vermögenspolice.

| 22 | Ihr Wille zählt


|3| Vermögen übertragen

3.1 Steuern sparen durch Schenkungen

Jedes Jahr kassiert der Staat rund vier Milliarden Euro an

Erbschaftsteuer. Mehr als die Hälfte könnten die Bundesbürger

sparen, wenn sie sich bereits zu Lebzeiten mit dem

| Freibeträge ausnutzen |

Bei Schenkungen können die Freibeträge

alle zehn Jahre in voller Höhe genutzt

werden. Vor einer Schenkung ist es ratsam,

sich mit einem Experten für Steuerrecht

oder Ihrer Bank in Verbindung zu

setzen.

Thema Vermögensübertragung

beschäftigen würden, so die

Deutsche Gesellschaft für Erbrechtskunde.

Wer die Freibeträge

geschickt nutzt, sichert sein Vermögen

zu annähernd gleichem

Wert in der Familie.

Reform des Rechtsberatungsgesetzes

Bislang war die Rechtsberatung ausschließlich Rechtsanwälten

vorbehalten. Das neue Rechtsdienstleistungsgesetz,

das am 1. Juli 2008 in Kraft tritt, erlaubt nun

auch bestimmten Berufsgruppen, juristische Nebenleistungen

zu erbringen, wenn sie zum jeweiligen Berufsbzw.

Tätigkeitsbild gehören. So dürfen Banken z. B.

Testamentsvollstreckungen durchführen und in diesem

Zusammenhang über durchführbare Gestaltungen zu

Vermögens- und Unternehmensnachfolge informieren.

Ihr Wille zählt | 23 |


|3| Vermögen übertragen

3.2 Vermögen schenken

Grundsätzlich werden Schenkungen und Erbschaften steuerlich

gleich behandelt. In beiden Fällen ist nur die Summe zu

versteuern, die oberhalb des jeweiligen persönlichen Freibetrags

liegt (siehe Tabelle Seite 21). Dieser richtet sich nach dem

Verwandtschaftsverhältnis zwischen Erblasser und Erbe bzw.

zwischen Schenkendem und Beschenktem. Der kleine, aber

feine Unterschied zwischen den beiden Möglichkeiten der Vermögensübertragung

besteht darin, dass die Freibeträge bei

Schenkungen alle zehn Jahre in voller Höhe genutzt werden

können. Dadurch ergeben sich interessante Sparpotenziale.

Beispiel: Ein Ehepaar möchte der gemeinsamen Tochter

einen Geldbetrag in Höhe von 600.000 Euro schenken.

Nach dem geplanten neuen Recht steht ihr ein persönlicher

Freibetrag in Höhe von 400.000 Euro zu. Würden

die Eltern ihr die komplette Summe übertragen bzw. zu

einem späteren Zeitpunkt vererben, müsste die Tochter

200.000 Euro versteuern. Bei einem Steuersatz von 11

Prozent kämen 22.000 Euro Schenkungsteuer auf sie zu.

Um diese zu sparen, gibt es zwei Möglichkeiten:

1. Die Eltern übertragen ihrer Tochter zwei Teilbeträge

z. B. zu je 300.000 Euro im Abstand von zehn Jahren.

2. Da jeder Elternteil einen Schenkungsfreibetrag in Höhe

von 400.000 Euro pro Kind zur Verfügung hat,

schenkt der Vater die eine Hälfte der Summe und die

Mutter die andere.

In beiden Fällen zahlt die Tochter keine Schenkungsteuer.

| 24 | Ihr Wille zählt


|3| Vermögen übertragen

Auch wenn die Schenkung von Bargeld, Schmuck oder Kunstgegenständen

bereits mit der Übergabe rechtskräftig ist, sollten

Sie die Vermögensübertragung schriftlich festhalten und sich den

Erhalt der Schenkung quittieren lassen. In einem solchen Schriftstück

können Sie auch vermerken, ob die Schenkung auf das

Erbe angerechnet oder zusätzlich gewährt werden soll. Das ist

vor allem bei mehreren Erben wichtig, da der Haussegen schnell

schief hängt, wenn ein Erbe mehr bekommt als die anderen.

| Generation überspringen |

Im Zuge der Erbschaftsteuerreform

soll der Freibetrag für

Enkelkinder auf 200.000 Euro

ansteigen. Wenn die Freibeträge

Ihrer Kinder bereits ausgeschöpft

sind, ist die Vermögensübertragung

auf die Enkel eine

Möglichkeit, Steuern zu sparen.

Vorsicht: Verschenken Sie zu Lebzeiten auf keinen Fall so viel,

dass Sie selbst in Not geraten. Nach geltendem Recht kann

man Schenkungen jedoch zurückfordern, wenn man seinen

eigenen Unterhalt und/oder den für seinen Ehepartner nicht

mehr aufbringen kann. Auch bei einer schweren Verfehlung

des Beschenkten gegen den Schenker oder einen nahen Angehörigen

des Schenkers kann die Schenkung wegen grobem

Undank innerhalb eines Jahres widerrufen werden.

i

Umfassende Informationen erhalten Sie bei Ihrer Bank. Um

alle rechtlichen und steuerlichen Aspekte einer Schenkung

oder Erbschaft zu berücksichtigen, wenden Sie sich am

besten an einen Rechtsanwalt und einen Steuerberater.

Ihr Wille zählt | 25 |


|3| Vermögen übertragen

3.3 Immobilien schenken

Bisher war es günstiger, ein Haus zu vererben als Bargeld

oder Aktien. Damit ist nun Schluss. Das Bundesverfassungsgericht

hat der unterschiedlichen Besteuerung von Kapital

und Grundbesitz einen Riegel vorgeschoben (siehe auch Seite

22). Ob und in welcher Höhe jedoch Schenkungs- bzw. Erbschaftsteuern

anfallen, hängt vom Wert der Immobilie und

dem Verwandtschaftsgrad zum Erblasser ab. Für die Besitzer

und Erben kleiner Einfamilienhäuser

soll sich nichts

ändern. Damit nämlich das

| Notar |

Bei Immobilien muss ein Notar die

Schenkung beurkunden, damit sie

wirksam ist.

Eigenheim weiterhin steuerfrei

bleibt, will die Bundesregierung

die Freibeträge für

nahe Verwandte kräftig erhöhen.

Viele Eltern schrecken vor der Schenkung ihres Immobilienbesitzes

zurück, weil sie Angst haben, von ihren Kindern eines

Tages vor die Tür gesetzt zu werden. Oder weil sie fürchten, in

einer Notlage plötzlich ohne finanzielle Absicherung dazustehen.

Dafür gibt es jedoch Sicherungsklauseln.

Eine Möglichkeit besteht darin, in einem Übergabevertrag zu

vereinbaren, dass das Haus wieder an Sie zurückgeht, falls

Tochter oder Sohn in die Insolvenz geraten. Wenn Sie in dem

| 26 | Ihr Wille zählt


|3| Vermögen übertragen

Immobilien schenken oder vererben

an Kinder

nach altem Recht

nach neuem Recht*

Wert der Immobilie

steuerliche Bemessungsgrundlage

Freibetrag

zu versteuernde Summe

Steuersatz

tatsächliche Steuerlast

500.000 e

300.000 e

(rund 60 % des

Verkehrswerts)

205.000 e

95.000 e

11 % (Steuerklasse I)

10.450 e

500.000 e

500.000 e

400.000 e

100.000 e

11 % (Steuerklasse I)

11.000 e

an Nichten und Neffen

nach altem Recht

nach neuem Recht*

Wert der Immobilie

steuerliche Bemessungsgrundlage

Freibetrag

zu versteuernde Summe

Steuersatz

tatsächliche Steuerlast

500.000 e

300.000 e

(rund 60 % des

Verkehrswerts)

10.300 e

289.700 e

22 % (Steuerklasse II)

63.734 e

500.000 e

500.000 e

20.000 e

480.000 e

30 % (Steuerklasse II)

144.000 e

* Stand 12/2007

Haus wohnen bleiben möchten, behalten Sie sich den Nießbrauch

einer Immobilie oder zumindest ein lebenslanges

Wohnrecht vor. Nießbrauch und Wohnrecht können im

Grundbuch eingetragen werden.

i

Lassen Sie sich beraten, bevor Sie Ihr Haus den künftigen

Erben vermachen. Vereinbaren Sie dazu einen Termin bei

einem Anwalt oder Notar, dem Steuerberater und Ihrer Bank.

Ihr Wille zählt | 27 |


|3| Vermögen übertragen

3.4 Lebensversicherungen schenken

Wer in der Vergangenheit laufende Lebensversicherungspolicen

verschenkte, sicherte den Beschenkten steuerliche Vorteile.

In diesem Fall brauchte der Begünstigte lediglich zwei Drittel

der eingezahlten Prämie oder den Rückkaufswert der Police zu

versteuern. Das war deutlich günstiger, als später den Auszah-

| Lebensversicherung |

Für Lebensversicherungen gilt das

Gleiche wie für die Weitergabe von

Bargeld oder Immobilien: Nahe Angehörige

profitieren von der Erbschaftsteuerreform,

entferntere

Verwandte zahlen drauf.

lungsbetrag zu verschenken

oder zu vererben. Mit der Erbschaftsteuerreform

soll das

Privileg der günstigeren Zweidrittelbewertung

entfallen. Künftig werden die Ansprüche aus

einer laufenden Lebensversicherung bei einer Schenkung ausschließlich

mit dem höheren Rückkaufswert anzusetzen sein.

Dennoch lohnt sich die Übertragung einer Lebensversicherung

auch in Zukunft. Zumindest dann, wenn Sie diese Ihrem Ehepartner,

Kindern oder Enkeln vermachen möchten. Die nach

derzeitiger Planung hohen Freibeträge gewährleisten die steuerfreie

Schenkung einer Lebensversicherung bis zu einer Höhe

von 500.000 Euro für die Gattin oder den Gatten, 400.000

Euro für Kinder und 200.000 Euro für Enkel. Die Freibeträge

können alle zehn Jahre in voller Höhe genutzt werden.

| 28 | Ihr Wille zählt


|3| Vermögen übertragen

Stiftungen und Stiften

Eine Stiftung bietet die Möglichkeit, einen nachhaltigen

Beitrag zum Gemeinwohl zu leisten und diesen den eigenen

Vorstellungen entsprechend zu gestalten. Stiftungen

können zu Lebzeiten oder auf testamentarischem Weg errichtet

werden. Der Königsweg ist sicher eine Kombination

aus beiden Modellen: Wenn Sie die Arbeit der Stiftung

mitverfolgen möchten, rufen Sie die Stiftung am besten

frühzeitig ins Leben. Investieren Sie jedoch nur einen Teilbetrag,

um Ihren finanziellen Spielraum zu erhalten. Erst

im Todesfall fließt dann der Rest Ihres Vermögens als Zustiftung

in die eigene oder eine bestehende Stiftung. Für

diese Form des Vererbens fällt keine Erbschaftsteuer an.

Überhaupt kann das Engagement für einen guten Zweck

mit enormen Steuervorteilen verbunden sein. So können

Sie Spenden an eine gemeinnützige Stiftung (sog. Vermögensstockspende

bzw. Zustiftung) bis zu einer Million Euro

als Sonderausgabe steuerlich absetzen.

i

Ob Sie nun selbst eine Stiftung gründen oder das

Kapital einer bestehenden Stiftung erhöhen möchten

– lassen Sie sich beraten: beim Finanzamt, den für

die Genehmigung von Stiftungen zuständigen Behörden

(Bezirksregierungen oder Innenministerien),

einem Anwalt, Ihrer Bank und einem Steuerberater.

Bundesverband Deutscher Stiftungen,

Mauerstraße 93, 10117 Berlin, www.stiftungen.org

DVS – Deutsche Verwaltungstreuhand für

Stiftungen GmbH, Schloss Lechenich, 50374

Erftstadt-Lechenich, www.verwaltungstreuhand.de

Ihr Wille zählt | 29 |


|4| Vorsorge-Checkliste

1 Ihr Finanzbedarf

Ermitteln Sie Ihren monatlichen Finanzbedarf: Wie hoch sind Ihre

Lebenshaltungskosten? Welche Versicherungsbeiträge zahlen Sie?

Fallen Steuern oder Zinszahlungen an? Berücksichtigen Sie auch

außerplanmäßige Ausgaben für Reisen, ein neues Auto oder Reparaturen,

Gesundheits- und Pflegekosten sowie die Inflationsrate und

die steigende Lebenserwartung.

2 Ihre monatlichen Einnahmen

Zu den regelmäßigen Einnahmen zählen Gehalt oder Rente sowie

Miet- und Zinseinnahmen. Beachten Sie, dass die Einkünfte aus

Kapitalvermögen steuerpflichtig sind, wenn sie den Freibetrag übersteigen.

Dieser liegt derzeit bei 750 Euro für Ledige und 1.500 Euro

für Verheiratete. e

3 Ihre Vermögenswerte

Listen Sie Ihre Vermögenswerte möglichst vollständig auf und berücksichtigen

Sie sämtliche Bankguthaben, Wertpapiere, Einmalzahlungen

aus einer ablaufenden Lebensversicherung, Immobilien

sowie sonstiges Vermögen (Schmuck, Kunst etc.).

Liegen Ihre monatlichen Einnahmen über Ihrem Finanzbedarf,

brauchen Sie Ihr Vermögen nicht anzutasten. Übersteigen die

Ausgaben jedoch die Einnahmen, ergibt sich eine Versorgungslücke.

Das bedeutet, dass Sie Ihr Vermögen entweder nach und

nach verbrauchen oder neu strukturieren müssen. Legen Sie

gemeinsam mit Experten Ihrer Bank Ihre Finanzstrategie fest

und optimieren Sie Ihre Geldanlage.

4 Vermögen zu Lebzeiten weitergeben

Ist Ihr Finanzbedarf auch in Zukunft gesichert, haben Sie die Möglichkeit,

Ihre Kinder mit einer Schenkung zu bedenken. So nutzen Sie

die steuerlichen Vorteile der Freibeträge und machen Ihren Angehörigen

eine Freude. Lassen Sie sich rechtzeitig von einem Fachanwalt

für Erbrecht und einem Notar beraten.

| 30 | Ihr Wille zählt


Ihre Spende

hilft uns

helfen

Als Interessenvertretung der 50plus-Generation stellen wir

jedem Interessierten umfangreiches Informationsmaterial zu

altersrelevanten Themen durch Broschüren und Presseveröffentlichungen

kostenfrei zur Verfügung.

Da wir keine staatlichen Mittel beanspruchen, sind wir jedoch

auf die Unterstützung von Mitgliedern und Spendern

angewiesen, um auch weiterhin Ratsuchenden helfen zu

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Kontoverbindung

Deutsche Seniorenliga e.V.

Bank für Sozialwirtschaft

BLZ 37020500

Konto 8268800

Stichwort: Spende

Ihr Wille zählt | 31 |


Deutsche Seniorenliga e.V.

Heilsbachstraße 32

53123 Bonn

E-Mail: info@deutsche-seniorenliga.de

Internet: www.deutsche-seniorenliga.de

Impressum

Herausgeber und V. i. S. d. P.:

RA Erhard Hackler

Geschäftsführender Vorstand

Deutsche Seniorenliga e.V.

Konzeption und Realisierung:

MedCom International GmbH

René-Schickele-Straße 10

53123 Bonn

Text: Claudia Vonstein

Fachberatung: Heinrich Ico Prinz

Reuß, Rechtsanwalt, Tätigkeitsschwerpunkte:

Erb- und Stiftungsrecht,

Erftstadt, Tel.: 02235/956092

Ausgabe 2008

Bildnachweis:

Fotolia/Katrin Figge

Seite 26

Fotolia/Matttilda

Seiten 1 und 32

Photodisc/Life after 40:

Seite 12

Digital Vision/Prime Time:

Seiten 10, 31

Fancy/Family Bonds:

Seiten 20, 23, 25

Imagesource/The Golden Years I:

Seiten 9, 16

Imagesource/The Golden Years II:

Seiten 1, 4

Bananastock/Golden Years:

Seiten 1, 17, 28

Comstock/Lifestyles at Home:

Seite 7

Verbreitung, Übersetzung und jegliche

Wiedergabe auch von Teilen dieser

Broschüre nur mit Genehmigung des

Herausgebers


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Ich unterstütze die Arbeit der Deutschen Seniorenliga e.V. durch meine Fördermitgliedschaft.

Senden Sie mir bitte eine Aufnahmebestätigung und die Mitgliederzeitschrift „aktiv“.

Zutreffendes bitte ankreuzen:

❑ Meinen Jahresbeitrag in Höhe von 30,00 überweise ich auf das unten genannte Konto.

❑ Ich ermächtige die Deutsche Seniorenliga e.V. widerruflich zum Einzug meines Jahresbeitrags in Höhe

von 30,00 von meinem Konto Nr.: _____________________________ BLZ: _____________________________

bei der ____________________________________________________________.

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in Höhe von _________. ❑ Ich bitte um Zusendung einer Spendenbescheinigung.*

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