Der vollständige Bericht befindet sich hier - Schwestern Unserer ...

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»Ah, qu’il est bon le bon Dieu!»

Unter diesem Leitwort der hl. Julie Billiart nimmt unser Jubiläumsjahr für 125 Jahre von

Kloster und Schule in Mülhausen voll Dankbarkeit und Freude seinen Lauf.

Den Auftakt am 21. Januar hat Schwester M. Corda bereits sehr einfühlsam geschildert. Was

die Annalen über den Beginn in Mülhausen berichten, hat Schwester M. Benediktine anschaulich

zusammengefasst.

Der 21. März war wiederum ein sehr festlicher Höhepunkt des Jubeljahres. Bischof Dr. Heinrich

Mussinghoff, unsere Generaloberin, Schwester Mary Kristin, und die Provinzoberin,

Schwester M. Anneliese, sowie viele Gäste sind unserer Einladung gefolgt; es kamen Schwestern

aus unserer Ordensprovinz Coesfeld, aus Holland und aus Namur in Belgien, Lehrer, jetzige

und frühere, Vertreter der Eltern sowie Vertreter aus Kirche, aus Politik, Verwaltung und

Wirtschaft und viele Freunde.

Zum Auftakt des Tages feierte Bischof Mussinghoff mit Dechant Johannes Quadflieg aus

Grefrath und unserem Schulseelsorger Frank Rayans in der Kapelle des Klosters die hl. Messe,

die durch die Beiträge der neugegründeten Chorgemeinschaft aus Schülern und Schwestern

Begeisterung und Dank in den Tag hineinstrahlte.

Beim Festakt zum 125-jährigen Bestehen der Liebfrauenschule und des Mülhausener Klosters (v.l.):

Schwester Anneliese Steckmann, Bischof Heinrich Mussinghoff, Schulleiter Lothar Josten und Generaloberin

Kristin Battles.

Foto: wolfgang kaiser

Auch wenn Mülhausen am Nordzipfel des Bistums Aachen liegt, kam der Bischof in vertraute

Umgebung. Besuche bei seiner Tante, Schwester M. Adelgaria, und die Gastfreundschaft der

Schwestern hier vor Ort und auch in Rom sind lebendige Erinnerungen für ihn, mit denen er

uns zum Schmunzeln brachte.

Der Eucharistiefeier folgte der Festakt im Pädagogischen Zentrum mit einem Programm aus

Musikbeiträgen, Ansprachen und dem „Kleinen Welttheater“ das in 5 Akten, gewürzt mit

Beiträgen „aus Mülhausener Musik-Theater-Produktionen, den Weg des Menschen vom

Elend zur Erlösung“ zeigte.

Die Zeiten ändern sich,

es ändert sich aber nicht unser Ziel:

dass es gut stehe um den Acker Gottes.

Johannes Chrysostomus (344- 407 in Antiochia)

Man kann sagen, dass dieses Wort des Kirchenlehrers der Ostkirche aus dem 4. Jahrhundert

die Ausrichtung der Bildungs- und Erziehungsarbeit der Schwestern seit ihrer Gründung bestimmte.

Das wurde sehr deutlich in allen Würdigungen und Ansprachen zum Jubiläum.

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Von Frau Schavan hörten wir in ihrer Festrede am 21. Januar: „…auch heute, in einer Zeit

der großen Veränderungen, sei es wichtig, Mut zu zeigen. Die Liebfrauenschule müsse Veränderung

nicht fürchten, da sie neben einem vielfältigen Angebot einen roten Faden habe und

sich auf Tradition und Überzeugung berufen könne.“

In seiner Begrüßungsrede stellte der Schulleiter, Herr Lothar Josten, den spezifischen Auftrag

der Laienlehrkräfte an einer Schule heraus, die von Ordensfrauen gegründet wurde. Er fragt:

„Warum soll eine Schule in freier christlicher Ordensträgerschaft in der säkularisierten Welt

erhalten bleiben, wenn es doch kaum noch Ordensleute gibt, die die Schule mit ihrem Geist,

ihrer Spiritualität, ihrer Lebenshaltung prägen und in ihrem Dasein rechtfertigen können?

Kann denn ein Wesenskern, ein Proprium, lebendig und wirksam bleiben in einer christlichen

Schule, wenn fast nur noch Laien darin arbeiten? Kann und soll eine frühere Klosterschule

sich heute noch durch irgendetwas Besonderes von anderen staatlichen Schulen unterscheiden?“

Herr Josten gibt eine positive Antwort, indem er darauf hinweist, dass „noch ein anderer im

Mittelpunkt“ steht. „In einer christlichen Schule ist das Leben auf den Menschen als Geschöpf

Gottes bezogen. In einer christlichen Schule ist das Leben auf eine Mitte hin bezogen, in der

Gott steht.“

Er stellt sich der Herausforderung, mit Schülern, Eltern und Lehrern, unterstützt von der Gemeinschaft

der Schwestern, „einen kleinen Beitrag zum Werk der hl. Julie Billiart zu leisten,

die die Menschen die Güte Gottes erfahren lassen wollte.“ Er sprach seinen persönlichen

Dank allen aus, die dabei mitwirken.

Welchem Erbe sich heute die große Zahl der Lehrer und Erzieher an der Liebfrauenschule gegenübergestellt

sieht, kam in den Ansprachen von Schwester M. Kristin und Schwester M.

Anneliese zum Ausdruck.

Schwester M. Kristin lenkte den Blick zurück auf die Gründungsgeschichte der Kongregation

der Schwestern Unserer Lieben Frau, um „das geheimnisvolle Wirken der Gnade Gottes besser

erkennen und würdigen“ zu können.

Die Gründung der Kongregation der Schwestern Unserer Lieben Frau 1850 in Coesfeld, in

der Diözese Münster, entsprang dem Verlangen der beiden Coesfelder Lehrerinnen, Hilligonde

Wolbring, und ihrer Freundin, Elisabeth Kühling, notleidenden Kindern Schutz und Hilfe

zu geben. Ihre Zukunft vertrauten sie dem Wirken des Heiligen Geistes an und dem Bemühen

ihres geistlichen Begleiters, Kaplan Theodor Elting, sowie des Bischofs Müller von Münster.

Durch Schwestern Unserer Lieben Frau von Amersfoort wurde den jungen Mitgliedern der

neuen Gemeinschaft die Regel und die Spiritualität der hl. Julie Billiart, der Gründerin der

Schwestern Unserer Lieben Frau von Namur, vermittelt.

Schwester M. Kristin fasste die weitere Entwicklung der jungen Gründung so zusammen:

„Die Gemeinschaft wuchs schnell und 25 Jahre nach der Gründung waren über 200 Schwestern

in Schulen im Münsterland und am Niederrhein tätig. Die schülerzentrierten Unterrichtsmethoden

unserer Schwestern waren zu der Zeit revolutionär. Sie gründeten auf der Pädagogik

von Bernard Overberg, dem großen Reformer und „Lehrer der Lehrer“.

Diese erfolgreichen Anfänge fanden ein jähes Ende als die Gesetze des sog. Kulturkampfes

den Schwestern 1874 nicht mehr erlaubten, im damaligen Preußen zu unterrichten. Doch ähnlich

wie bei der Kongregation, die Julie Billiart 1804 in Namur gegründet hatte, wurden auch

für die Coesfelder Schwestern Widerstände und Schwierigkeiten stets wegweisend für ihre

apostolische Sendung.

„Aufgrund dieser Einschränkung siedelte fast die ganze Kongregation nach Amerika über.

Unter den Ausreisenden waren auch die Generaloberin, Schwester M. Chrysostoma und die

Gründerin, Schwester M.Aloysia. ….

In den Vereinigten Staaten nahmen unsere Schwestern Stellenangebote als Lehrerinnen in

deutschsprachigen Gemeinden an und errichteten viele Schulen.“

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„Als die politische Situation sich änderte und unsere Schwestern 1888 nach Deutschland zurückkehren

konnten, zogen sie nach Mülhausen und eröffneten mit 18 Schülerinnen hier innerhalb

von drei Monaten die Liebfrauenschule und ein Internat für Mädchen. Sie können

sich vorstellen,“ sagt Schwester M. Kristin. „was für ein Zeichen der Hoffnung diese Schule

für unsere Schwestern war, die sich danach sehnten, in ihre Heimat zurückzukehren.“

„Die Zeiten ändern sich, es ändert sich aber nicht unser Ziel…“

„Tiefgreifende Veränderungen“ gab es auf allen Ebenen.

Schwester Kristin verweist auf „Schüler“, „Lehrerschaft“, „Familien“, „Kirche“, auch auf die

Schwestern Unserer Lieben Frau“, auf „Deutschland“ und die „Welt“. - „Heute, im Jahr

2013, ist wenig so, wie es 1888 oder 1900 oder 1950 oder sogar noch im Jahr 2000 war. Es

gibt allerdings einen Aspekt, der sich nicht geändert hat und der Liebfrauenschule ihren besonderen

Charakter verleiht - die Werte, auf die diese Schule gebaut ist und die bis heute den

Geist dieser Schule prägen.“

„Wenn wir die Bedeutung dieser Schule für Schwestern, Lehrer, Eltern und Schüler bedenken,

die Jahre ihres Lebens auf diesem Gelände verbracht haben, können wir nur zustimmend anerkennen,

dass dieser Ort für Tausende von Menschen heiliger Boden war. Diese Schule war

und ist ein Ort, an dem Leben miteinander geteilt wird, wo Liebe spürbar wird und wo Hoffnung

entsteht. Sie ist eine Quelle des Segens.“

„Als Schwestern Unserer Lieben Frau danken wir Gott für das Privileg, an seinem schöpferischen

Wirken hier an der Liebfrauenschule teilzuhaben. Wir danken allen Laienlehrkräften

für ihre Zusammenarbeit mit uns in all diesen Jahren, denn ohne ihre Hilfe könnte dieses große

Werk nicht bestehen. Wir danken allen Müttern und Vätern, die uns ihre Kinder anvertraut

haben, damit wir sie in ihrer Verantwortung als Eltern unterstützen. Wir danken den Schülerinnen

und Schülern, die unsere Freude und unser Stolz sind.“

Schwester Kristin dankte der Schule auch herzlich für ihre finanziellen Hilfen zur Unterstützung

der Arbeit in den Missionsgebieten der Schwestern, vor allem in Indien und Mozambique.

Schwester M. Anneliese ging in ihrer Ansprache aus vom Gedanken der Lebensqualität, der

Lebensfülle, die uns durch Jesus verheißen und durch Gottes Heiligen Geist geschenkt werden.

Dazu braucht es „Menschen, die gemeinsam Orte und Zentren schaffen, an denen man

miteinander leben und glauben und - Leben weitergeben kann, so dass es wächst, reift und zur

Fülle kommt.“

Heute 125 Jahre nach dem Einzug der aus den USA zurückgekehrten Schwestern in die Villa

Bongartz erfüllt uns Staunen und große Dankbarkeit für das, was aus den kleinen, armseligen

Anfängen hier in Mülhausen entstanden ist.

Unzähligen jungen Menschen hat diese Schule „das Rüstzeug für ein verantwortungsbewusstes,

selbstbestimmtes christliches Leben mitgegeben.“

Möglich wurde es, weil „die Schwestern sich in ihrem Einsatz gegenseitig ermutigten und ergänzten.“

Harte Zumutungen durch Krankheit, Hunger und andere Nöte vor, in und nach den Weltkriegen

blieben Kloster und Schule nicht erspart.

Doch „Die Lebenskraft des Klosters Mülhausen überstand Diskriminierungen, Berufsverbote,

Verleumdungen, gravierende Ortswechsel, materielle Verluste, ebenso den gewaltsamen Abschied

von Schwestern durch Krieg, Krankheit, erzwungenen Austritt und Verhaftung. Selbst

die Beschlagnahme durch die Nationalsozialisten konnte diesem Lebensort und auch der

Schule nicht nachhaltig schaden.“

„Zusammen mit ihren Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen haben die Schwestern heranwachsendes

Leben geformt und geschützt, krankes Leben gepflegt und altes Leben betreut. Manche

haben dabei das eigene Leben hintan gestellt oder auch geopfert.“

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Schwester M. Anneliese stellte abschließend fest, dass wir natürlich nicht wissen, „wie die

Zukunft unserer Gemeinschaft und damit auch die unserer zentralen Lebensorte aussehen

wird. Mit etlichen tiefgreifenden Veränderungen und Abschieden mussten wir uns bereits

auseinandersetzen. Das können und wollen wir nicht verdrängen.

Dennoch haben wir allen Grund, Gottes lebenspendende Güte zu feiern und uns dankbar alles

dessen zu erinnern, was er uns in Generationen – besonders hier im Kloster Mülhausen geschenkt

hat.“

Am Ende des offiziellen Festaktes wurde die eigens für das Jubiläumsjahr gestaltete Schulhymne

als begeisterte Antwort von der großen Versammlung gesungen, geleitet vom Musikexperten

Herrn Stauder und begleitet vom Schulchor und den Instrumentalisten. Hier die erste

Strophe:

Jetzt ist die Zeit, in der wir uns begegnen, jetzt ist die Zeit, in der wir uns verstehn.

Glaube, Hoffnung, Herz und Verstand so halte Gott uns fest in seiner Hand.

Ah, qu’il est bon le bon Dieu! Ah, qu’il est bon le bon Dieu!

T.+M.: J.Stauber/GK-Musik I l/13

Fröhlich ging es dann weiter zu den Tischen mit erquickenden Getränken und den köstlichen,

einfallsreichen und kunstvoll angerichteten Speisen aus der Klosterküche, was die festliche

Stimmung weiter erhöhte.

«Ah, qu’il est bon le bon Dieu!»

sagen wir mit Mutter Julie.

Schwester M. Mechtilde Kotterik

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