Zwischen den Welten

bedachtmagazin

ISSN 2193–2255

Nr. 6 | Sommersemester 2014

Das christliche Hochschulmagazin von Studis für Studis

Zwischen

den Welten

Der „Fairtrade-Monat” +++ Kirche Alternativ

Auf der Suche nach der einen Wahrheit +++ Ich oder Er?

Endlich wieder Zeit +++ Mit Gottes Volk am Xingu


Der neue Nestle-Aland zusammen mit der

lateinischen Nova Vulgata

Wer den griechischen Text des Neuen Testaments mit seinem lateinischen Pendant,

der Nova Vulgata, vergleichen möchte, wird zu dieser zweisprachigen Ausgabe greifen.

Nestle-Aland

Novum Testamentum

Graece et Latine

Griechischer Text:

Nestle-Aland Novum Testamentum

Graece, 28., revidierte Auflage 2012

Herausgegeben vom Institut für

Neutestamentliche Textforschung,

Münster

Lateinischer Text:

Novum Testamentum Latine,

3., aktualisierte Auflage 2014

Herausgegeben von Kurt und

Barbara Aland

13,3 x 18,7 cm, 1728 Seiten

Leseband, Fadenheftung, Festeinband

ISBN 978-3-438-05163-9

€(D) 44,00 €(A) 45,20 CHF 60,90

Auch separat erhältlich:

Novum Testamentum Latine

Herausgegeben von Kurt und

Barbara Aland

3., aktualisierte Auflage 2014

Text der Nova Vulgata, Editio typica

altera 1986.

13,3 x 18,7 cm, 800 Seiten

Leseband, Fadenheftung,

Festeinband

ISBN 978-3-438-05301-5

€(D) 28,00 €(A) 28,80 CHF 41,50

Editorial

Liebe Mitstudierende,

mit dieser Ausgabe der BEDACHT feiern wir ein kleines Jubiläum. Denn wäre die

BEDACHT ein Student, würde sie wohl dieses Semester ihre Bachelorarbeit schreiben.

Im nun sechsten Semester erscheint das christliche Hochschulmagazin und uns freut

und ehrt es, dass wir euch schon so lange begleiten durften – und es macht uns auch

ein klein wenig stolz.

Bevor die BEDACHT aber ihren „Bachelor“ bekommt, möchten wir sie auf ein kleines

„Auslandssemester“ schicken. Für viele gehört die Reise in die weite Welt ja mittlerweile

zum festen Bestandteil des akademischen Reifeweges und deshalb wollen wir

auch mit der BEDACHT in diesem Semester unseren Blick weiten auf das globale Dorf,

in dem wir heute scheinbar selbstverständlich leben. Eine Situation, die besondere

Herausforderungen und Verantwortlichkeiten für unsere Generation mitbringt: Immer

wieder neu müssen wir uns die Frage stellen, wie wir mit unserer Verantwortung für die

Menschen umgehen, die in weit ärmeren Regionen für unseren Wohlstand arbeiten.

Auch ist es notwendig, dass wir eine ganz persönliche Antwort auf den schneller schlagenden

Takt einer sich immer rasanter drehenden Arbeitswelt finden.

Aber eine globalisierte Welt bringt nicht nur Herausforderungen, sondern auch Chancen

mit sich. Die Chance, voneinander zu lernen, gehört dazu. Christen aus aller Welt

können für uns wichtige Impulse geben, sei es durch ihr ganz persönliches Vorbild für

die Arbeit am Menschen oder durch ihre Gottesdienst- und Glaubenskultur, die manchmal

so ganz anders ist, als wir es aus unseren Breitengraden kennen.

Wir haben uns bemüht, aus christlicher Perspektive Chancen und Herausforderungen

der Globalisierung ein wenig zu beleuchten, und laden euch herzlich ein, uns auf unser

kleines Auslandssemester zu begleiten.

Impressum

Herausgeber:

Bedacht Magazin e.V.,

Vorstand: Christian Rabenda

Auflage: 3.500 Exemplare

Eure BEDACHT – Redaktion

Redaktion: Andreas Albrecht, Anne Bergmann, Eduard Franz, Anja Granitza, Mirjam

Heinzelmann, Lisa Kaps, Luise Kretschmar, Stephan Lange, Nadine Maier, Johanna

Oehler, Sarah Paasch, Corinna Plagge, Christian Rabenda, Friedrich Reichert, Lisa

Reichert, Nicolas Schetelig, Florian Schmidt, Henriette Schierholz, Alina Vogelmann,

Nadine Walter

V.i.S.d.P.: Christian Rabenda

Web: http://www.bedacht-magazin.de

Email: kontakt@bedacht-magazin.de

Bibelzitate:

Soweit nicht anders vermerkt, sind die Bibelzitate der Übersetzung Hoffnung für alle ®

entnommen. Copyright © 1983, 1996, 2002 by Biblica, Inc. TM. Verwendet mit freundlicher

Genehmigung des Brunnen Verlags.

Druck:

WIRmachenDRUCK GmbH, Mühlweg 25/2, 71711 Murr

4 | Der „Fairtrade-Monat”

6 | Ich oder Er?

9 | Kirche Alternativ

10 | Auf der Suche nach Wahrheit

15 | Freiheitliche Verantwortung

16 | Endlich wieder Zeit ...

20 | Gott nahe zu sein

22| Mit Gottes Volk am Xingu

23 | Am Ende ...

24 | Grüße aus der Ferne

26 | Von der Sorge Gottes

27 | Meine Wege, deine Wege

29 | ausgesucht

30| Kontakt gesucht

Dank:

Diese Ausgabe von BEDACHT wurde durch private Spenden und Werbeeinnahmen

finanziert. Wir danken herzlich unseren Spendern und unseren Werbepartnern für ihre

Unterstützung. Unser Dank gilt auch den Bildautoren für die freundliche Genehmigung

zur Nutzung ihrer Werke.

Deutsche

Bibelgesellschaft Balinger Straße 31 A 70567 Stuttgart www.dbg.de

Bibelkompetenz seit 1812

Gebührenfreie Bestell-Hotline 0800-242 3546 www.dbg.de

Bedacht, Nr. 6 | Seite 2

Layout: Nadine Maier, Nicolas Schetelig

Bildnachweis:

Titelbild: © Jag_cz – Fotolia.com, © freshidea – Fotolia.com; S. 4 : © mihi – Fotolia.

com; S. 5: © genotar1 – Fotolia.com; S. 6: © K.-U. Häßler – Fotolia.com; S. 7: © Monkey

Business – Fotolia.com; S. 8: © picsfive – Fotolia.de; S. 9: © DWP – Fotolia.com; S. 11:

© honzakrej – Fotolia.com; S. 12: © Yoav Dothan – wikimedia.commons; S. 15: © Nicolas

Schetelig; S. 16 – 17: © Sarah Paasch; S. 18: © Nadine Maier; S. 20: © Simone Hainz

– pixelio; S. 22: © Holger Motzkau – wikimedia.commons; S. 23: © jan37 – Fotolia.com;

S. 24 – 25: © Felix Pergande – Fotolia.com, © pico – Fotolia.com, © freshidea – Fotolia.

com; S. 26: © marilyn barbone – Fotolia.com; S. 27: © Lucy Cherniak – Fotolia.com;

S. 29 oben links: © Alexander Lukin – Fotolia.com; S. 29 oben rechts: © Films for Christs;

S. 29 mitte links: © AL!VE AG; S. 29 mitte rechts: © Botie – Fotolia.com; S. 29 unten

links: © Alexander Lukin – Fotolia.com; S. 29 unten rechts: © EMI 7 Music; S. 31:

© by-studio – Fotolia.com.

Bitte:

Wenn du dieses Projekt gut findest, kannst du uns durch eine Spende unterstützen:

Kontoinhaber: Bedacht-Magazin e.V.

Kontonummer: 804 428

BLZ: 520 604 10

Bank: Evangelische Kreditgenossenschaft Kassel

IBAN: DE43520604100000804428

BIC: GENODEF1 EK1

oder direkt auf unserer Website unter www.bedacht-magazin.de/spende

Wir freuen uns auch über immaterielle Unterstützung in Form von Meinungen zu unserer

Zeitschrift. Die Redaktion behält sich vor, Leserbriefe gekürzt zu veröffentlichen.


Der „Fairtrade-

„Wir” – das waren eine Handvoll Leute aus einer christlichen

Studentengruppe aus Hannover. Marten hatte die Idee, mal auszuprobieren,

ob es klappen kann, ausschließlich von fair gehandelten

und regionalen Produkten zu leben. Einen Monat radikal, so die

Idee, einen Monat unserer Verantwortung unseren Mitmenschen in

den Anbauländern gegenüber mal mehr als nur halbherzig Rechnung

tragen und mal sehen, was das mit uns macht.

Wir hatten uns darauf geeinigt, generell die Fairtrade-Variante

zu nehmen, ob von Schokoriegeln, Eis, Pudding, Tee, Kaffee, Reis

oder Chili. In Fällen, wo die Fairtrade-Variante nicht sinnvoll erschien,

wie z.B. bei Obst aus Übersee, wollten wir stattdessen auf

Regionales zurückgreifen. Auch einige Produkte, von denen es keine

Fairtrade-Variante gibt, waren auf unserer Liste. Brot wollten

wir z.B. beim regionalen Biobäcker kaufen. Sofern etwas nicht klar

zuzuordnen war, wie bei Essen im Restaurant, sollte darauf verzichtet

werden.

Entweder Fairtrade oder gar nix...

und was es sonst so „mit mir macht“

Erstaunlich fand ich, wie schnell Suchkriterien und Motivation,

Fairtrade-Produkte zu suchen, sich ändern, wenn die Vorgabe ist:

Fairtrade oder gar nicht; was ich aus „fairem Handel“ nicht finde,

das habe ich halt nicht. Aus dem „eigentlich sollte ich ja ...”, das

sich darauf beschränkt, Fairtrade dann zu kaufen, wenn es nicht

mit nennenswertem Mehraufwand verbunden ist, wird eine engagierte

Suche nach Verkaufsstellen. Plötzlich frage ich bei Freunden

herum: „Weißt du nicht, wo es das-und-das in Fairtrade gibt?”, und

bekomme, manchmal sogar unaufgefordert, Tipps zugemailt. Mir

Monat“

Pack ich den Schokoaufstrich gleich hier in den Wagen oder geh ich noch in einen anderen Laden, wo es

welchen aus „fairem Handel”gibt? Hab ich heute Zeit für einen Umweg oder ist es diesmal auch egal? Geb ich

den Eurozwanzig mehr aus oder bin ich gerad knapp bei Kasse und mach das ein anderes Mal? Für einen Monat

im Mai war die Antwort darauf geklärt: Umweg gehen, Mehrausgabe machen. Wir hatten uns auf ein Experiment

geeinigt: einen Monat lang nur „Fairtrade“ kaufen.

fällt auf, dass ich sonst viel zu schnell mit der Suche aufgegeben

habe und dass ich nur einen Rechercheschritt weiter schon fündig

geworden wäre. Ich steige in den Bus und fahre ans andere Ende

der Stadt und entdecke dort einen interessanten Laden mit schönen,

fair produzierten Klamotten, den ich sonst wahrscheinlich

nicht extra gesucht hätte. Ein T-Shirt kann ich mir in diesem Monat

entweder hier kaufen oder gar nicht; für vier Wochen existieren

etliche große Klamottenläden nicht. Nicht mal als „Nur-diesmal”–

Lösung. Genau genommen ist es ja auch so, kommt mir in den

Sinn, dass unter menschenunwürdigen Bedingungen hergestellte

Kleidung kein infrage kommendes Einkaufsangebot ist. Eigentlich

ist das so was wie Hehlerware, denke ich, Diebesgut, geklaut von

indischen Kindern. Nur dass wir für diese Art von Diebstahl keine

Strafanzeige bekommen und nicht von der Polizei belangt werden.

Ich beobachte an mir auch einen skurrilen Nebeneffekt der

Regeleinhaltung: Bereits in diesen wenigen Wochen schleicht sich

eine Art Regelversessenheit ein, die langsam beginnt ihren eigentlichen

Sinn aus den Augen zu verlieren. Sonst habe ich so was ungern

oder nicht gekauft, weil ich es direkt und unmittelbar schlecht

fand. Jetzt gehe ich nicht in solche Läden, weil ich es nicht darf

und bestimmte Vorgaben einzuhalten habe.

Resümierend...

Gut fand ich, durch Verzicht auf unwürdig produziertes Angebot

sich mit den Arbeitenden in den Anbau- und Produktionsländern

etwas zu solidarisieren und, statt ignorant die „Vorteile“ dieses Angebotes

zu nutzen, sich dessen Abwesenheit zu stellen.

Weil ich die Leute nicht sehe, weil sie nicht vor meiner Tür stehen

und mir sagen, dass es ihnen schlecht geht durch die Jeans,

die ich viel zu günstig kaufe, vergesse ich sie manchmal. Aber es

gibt sie und sie sitzen in einer dunklen Halle gefährlich nah an

den Maschinen und produzieren meine Shirts – gerade jetzt.

Interessant und Handlungsbedarf aufzeigend war auch zu sehen:

Wenn ich auf alles verzichte, was unter schlechten Bedingungen

entstanden ist, bleibt oft nicht viel übrig. Von vielen Dingen gibt

es (bislang) keine Fairtrade-Variante, wie z.B. im Elektronik-Bereich.

Das zeigt, dass es nicht nur an uns ist, vorhandene „faire“

Produkte zu kaufen, sondern dass es auch bedeutend ist, sich für

die Entwicklung neuer, bisher noch nicht vorhandener Produkte

einzusetzen.

Interessant war auch, die verschiedenen Siegel mal genauer zu

betrachten. Da gibt es neben Fairtrade ja auch noch andere Logos

und ich hatte mich jetzt mal damit zu beschäftigen, was eigentlich

der genaue Unterschied ist. Produkte mit dem Gepa-Siegel haben

z.B., wenn es sich um „Mischprodukte” handelt, einen wesentlich

höheren Anteil (60–80%) fair gehandelter Erzeugnisse als solche

mit dem Transfair-Siegel, bei denen bereits ein Anteil von 20%

genügt. Die Anteile sind meist auf der Verpackung ausgewiesen –

das macht einen zweiten Blick lohnend.

Und hat es denn geklappt?

Einerseits hat unser Experiment zu erstaunlich großen Teilen

funktioniert. Wenn man danach sucht, gibt es viel mehr „faire“

Produkte, als man ahnt. Und wenn man bewusst eine Weile darauf

achtet, wo das Obst beispielsweise herkommt, gibt es immer

wieder Überraschungen: Äpfel? Wieso kommen so viele aus Argentinien,

obwohl es doch um die Ecke welche gäbe?

Es war, verglichen mit unseren vorherigen Erwartungen, gar

nicht so schwer, einen großen Teil, vielleicht zwei Drittel der Lebensmittel

und Kleidung, aus fairem Handel und von regionalen

Anbietern zu kaufen. 100% waren dagegen fast unmöglich zu erreichen,

denn viele Sachen gibt es nicht in Fairtrade. Zudem steckt

selbst in Produkten mit dem Fairtrade-Siegel oft nicht zu 100%

Fairtrade. Aber ein Großteil war zu finden. Eine meiner meistgenutzten

Websites zur Recherche während des Experiments war:

www.fairtrade-deutschland.de/produkte/produktdatenbank

Das Experiment hat in jedem Fall ein stärkeres Bewusstsein geschaffen

für die Herkunft verschiedener Produkte und ich kann

es (abgesehen von der Regelversessenheit) weiterempfehlen. Es

lohnt sich, es mal auszuprobieren.

Hilft Fairtrade-kaufen denn so viel?

Auch Fairtrade-Produkte sind natürlich nicht die Lösung aller

Probleme, was gerechte Verteilung und bessere Arbeitsbedingungen

betrifft. Aber sie sind ein Beitrag. Und dass Fairtrade-Produkte

nicht alles leisten können, ist für mich längst noch kein Grund,

stattdessen nur auf Nicht-Fairtrade-Produkte zurückzugreifen –

denn die leisten noch weniger.

Sarah Paasch – Hannover

[L] Jesus Christus stirbt am Kreuz – interessanterweise

ist man sich gar nicht sicher, ob diese Aussage stimmt,

jedenfalls nicht so, wie wir uns das vorstellen. Es kann

gut sein, dass Verbrecher zu Zeiten Jesu nicht an zwei

Balken, sondern an einen Pfahl genagelt wurden. Doch

unabhängig von seiner Erscheinungsform symbolisiert

das Kreuz den Tod und die Auferstehung des Christus

und somit die zentrale Botschaft der Bibel und des christlichen

Glaubens.

Im Unterschied zu anderen Religionen behauptet der

Gott der Bibel, dass es den Menschen gar nicht möglich

sei, zu ihm zu gelangen. Kein Opfer, keine menschliche

Anstrengung kann jemals gut genug sein, um dem Maßstab

Gottes gerecht zu werden. Ein Maßstab, der einfach

durch sein Wesen gesetzt wird – z. B. beschrieben als

die Liebe selbst. „Denn alle haben gesündigt und verfehlen

die Herrlichkeit, die sie vor Gott haben sollten“

(Römer 3, 23), so beschreibt es die Bibel.

Doch jetzt kommt der Knackpunkt: Gott liebt die

Menschheit. So abgegriffen wie es klingt, beinhaltet dieser

simple Satz schmerzliche Konsequenzen, jedenfalls

im Falle einer unüberwindlichen Trennung zwischen

den Liebenden. Daher kommt Gott zum Mensch – eine

revolutionäre Aussage. Und nicht nur das, er nimmt die

Konsequenzen der Rebellion auf sich, den Tod. „Mein

Gott, warum hast du mich verlassen?“ (Markus 15, 34) –

dieser Ausruf Jesu im Sterben beinhaltet all die Not, die

eigentlich dem Menschen, eigentlich mir bestimmt war.

In Leid und Blut verendet ein Freund, ein Lehrer, Gott

selbst, dort an eben diesem Kreuz. Die Bibel sagt, dass

Jesus alle Fehltritte der Menschheit aus jeder Zeit auf sich

nehmen konnte, weil er selbst vollkommen ist. Es bleibt

ein Geheimnis, wie das möglich ist, genauso wie die Sache

mit der Auferstehung,

die bald darauf folgt ... .

Der größte Liebesbeweis

– das ist für

mich das Kreuz. Ich

habe es nicht verdient,

aber ich habe

ein Leben voller Bestimmung

und Freiheit geschenkt

bekommen. Deswegen

liebe ich das Kreuz,

denn ich liebe den Freund,

der es mir zum Geschenk

machte.

Was bedeutet eigentlich ...

Das Kreuz

Bedacht, Nr. 6 | Seite 4

Bedacht, Nr. 6 | Seite 5


Ich oder Er?

Selbstverwirklichung, Selbstoptimierung, Selbstdarstellung...

Im „Höher, Schneller, Weiter” unserer Gesellschaft

nimmt das Selbst einen zentralen Platz ein. Das Streben

nach maximalem Erfolg, Ansehen und Gewinn scheint zum

Lustprinzip in der heutigen Zeit geworden zu sein. Doch

sind diese Ziele wirklich erstrebenswert?

Selbstverwirklichung und der Gott der Bibel scheinen sich unversöhnlich

gegenüberzustehen. Aber warum eigentlich? Hat Gott wirklich ein

Problem mit seinem Bodenpersonal – mit Christen, die sich selbst verwirklichen?

Um das herauszufinden, gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder

man fragt Gott persönlich – Christen nennen das Beten – oder

man liest in der Bibel nach. Aus christlicher Perspektive ist die Bibel

das geschriebene Wort Gottes – geschrieben von Menschen, die er in

besonderer Weise inspiriert hat. Wenn man wissen möchte, was Gott zu

einem bestimmten Thema denkt, ist man gut damit beraten, hier nachzuschlagen.

Und genau hier begegnet uns im Johannesevangelium ein

Satz, der nicht nur Aufschluss über die Frage „Ich oder Er?“ gibt.

Er erzählt uns die größte Geschichte von allen.

„Gott hat die Menschen so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn

für sie hergab. Jeder, der an ihn glaubt, wird nicht zugrunde gehen, sondern

das ewige Leben haben“ (Johannes 3, 16).

Dieser Satz von Jesus enthält die zentrale Botschaft des christlichen

Glaubens, die größte Geschichte von allen: Wir wurden in eine perfekte

Beziehung hineinerschaffen, in einen Tanz aus Liebe und Hingabe, von

einem Gott, der selbst Liebe und perfekte Beziehung ist. Voller Misstrauen

wandten wir uns von ihm ab und die Beziehung zerbrach. Um sie

wieder herzustellen, schickte Gott seinen eigenen Sohn, Jesus Christus,

als Mensch auf die Erde. Durch seinen stellvertretenden Tod steht unsere

Schuld nicht länger zwischen Gott und uns. Jeder, der dieses Geschenk

Gottes in Jesus Christus annimmt, hat das ewige Leben. Der Satz aus

dem Johannesevangelium zeigt deutlich, dass Selbstverwirklichung, im

Sinne einer möglichst weitgehenden Befriedigung der eigenen Bedürfnisse,

Ziele und Wünsche, das Gegenteil dessen ist, worum es Gott geht.

Schauen wir genauer hin:

Liebe

„Gott hat die Menschen so sehr geliebt, dass er seinen einzigen

Sohn für sie hergab. Jeder, der an ihn glaubt, wird nicht zugrunde

gehen, sondern das ewige Leben haben“ (Johannes 3, 16).

Wir lesen zuerst, dass Gott die Menschen liebte – so sehr, dass er sein

Kostbarstes für sie hingab. Ihm war das Wohlergehen der Menschen

wichtiger als sein eigenes Wohlergehen. Diese aufopfernde und selbstlose

Liebe ist für uns schwer zu begreifen. Sie steht unserem Denken im

Kern entgegen. Viel zu häufig investieren wir selbst in unsere verbindlichsten

Beziehungen nur dann, wenn sie uns unser Leben trotzdem in

vollen Zügen auskosten lassen, wenn wir „wir selbst“ bleiben können.

Scheidungsstatistiken und Umfragen zeigen deutlich, dass wir kaum

noch bereit sind, harte Arbeit zu leisten, um kaputte Ehen zu retten.

Wir wollen „größtmögliches Vergnügen bei geringstmöglichem Einsatz“

(Bill Hybels, 2010, Entfalte deinen Charakter, S. 122) und wir sind selten

bereit, über unsere Bequemlichkeit hinaus Opfer zu bringen. Solange es

uns gut geht, geht es dem anderen gut.

In der Welt Gottes liegen die Dinge genau andersherum. Nächstenliebe

bedeutet: Solange es dem anderen gut geht, geht es uns gut. Der

Fokus richtet sich nicht auf mich, sondern auf das Wohlergehen des

anderen. Im Markusevangelium lesen wir Jesu Gedanken hierzu: „Wer

unter euch groß sein will, soll den anderen dienen ... Denn auch der

Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern

um zu dienen und sein Leben als Lösegeld für viele hinzugeben“ (Markus

10, 43 und 45, Neue Genfer Übersetzung. Menschensohn war eine

der Bezeichnungen, mit der Jesus sich selbst beschrieb). Gottes Charakter,

sein Dienen, seine Liebe und seine bedingungslose Hingabe für uns

ist der Maßstab für alles christliche Handeln von uns. Dieser Gottescharakter

wird in Jesus Christus deutlich und er wird uns zum Vorbild,

indem Jesus sagt: „Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch”

(Johannes 20, 12). Ein wesentlicher Zug in Gottes Charakter ist seine

brennende Liebe zu den Menschen. Liebe bedeutet Hingabe an das Gegenüber,

zu dienen und Opfer zu bringen. Das ist das Gegenteil von

Selbstverwirklichung.

Selbstaufgabe

„Gott hat die Menschen so sehr geliebt, dass er seinen einzigen

Sohn für sie hergab. Jeder, der an ihn glaubt, wird nicht zugrunde

gehen, sondern das ewige Leben haben“ (Johannes 3, 16).

Viele Autoren der Bibel (z. B. 1. Johannes 3, 18; Jakobus 2, 8, 14;

1. Thessalonicher 1, 3; Galater 5, 6) betonen immer wieder den Zusammenhang

zwischen Liebe und Handeln. Teil des Selbstverwirklichungsplans

vieler Menschen ist eine gute Moral. Es gehört heutzutage

zum guten Ton, Fairtrade-Produkte zu loben und hingebungsvoll auf das

Elend in der Welt hinzuweisen. Daran ist nichts falsch. Aber es ist nicht

das, wovon Jesus hier spricht. Selbstaufgabe geht darüber hinaus. Es bedeutet,

sich – motiviert durch Liebe – selbst „zu verleugnen“, wie Jesus

(Markus 8, 34, Übersetzung: Luther 1984) es umschreibt – und die

Umsetzung in die Tat. Hierbei geht es sehr konkret um den Unterschied

zwischen echtem Glauben und Illusion. Jemand kann zwar glauben,

er könne fliegen, aber wenn sich dieser Glaube nicht in der Realität

bewährt, ist er nichts als Illusion.

Dass Glaube nicht tatenlos bleiben soll, heißt nicht, dass gute Taten einen

Menschen zum Christen machen. Christsein und – werden können

wir uns wie eine Adoption vorstellen: Gott adoptiert uns wie ein Vater

seine Kinder, weil er uns liebt (1. Johannes 3, 1). Gott regelt sozusagen

alle rechtlichen Dinge bezüglich der Adoption für uns. Wir müssen nur

zustimmen und in dem Bewusstsein leben, dass er uns angenommen

hat. Beides – die Annahme und das Bewusstsein der Adoption sind uns

durch Gottes Liebe geschenkt. Ein Mensch, der diese Adoption ablehnt,

kann nicht durch gute Taten zum Christ werden.

Darum ist die Vorstellung falsch, dass die Selbstaufgabe, von der Jesus

spricht, dasselbe ist wie blinde Selbstaufopferung oder das Helfen, das

ich tue, weil es mir selbst ein gutes Gefühl gibt. Konkret bedeutet das:

Ein Entwicklungshelfer, der mit Kindern auf einer indischen Müllhalde

lebt, ist möglicherweise genauso wenig christlich wie ein Manager, der

sich selbst bereichert. Es geht um Selbstaufgabe aufgrund von Glauben

und Liebe und dies ist das Gegenteil von Selbstverwirklichung.

Bedacht, Nr. 6 | Seite 6

Bedacht, Nr. 6 | Seite 7


Jesus

„Gott hat die Menschen so sehr geliebt, dass er seinen

einzigen Sohn für sie hergab. Jeder, der an ihn glaubt,

wird nicht zugrunde gehen, sondern das ewige Leben haben“

(Johannes 3, 16).

Oscar Wilde lässt seinen hedonistischen Charakter Lord Henry

triumphieren: „Ziel des Lebens ist Selbstverwirklichung. Das eigene

Wesen völlig zur Entfaltung bringen, das ist unsere Bestimmung!“

(Oscar Wilde, 1891, The Picture of Dorian Gray). Hierin

drückt sich ein wesentlicher Aspekt der Selbstverwirklichung aus:

Es geht um mich. Wir sehen Egozentrik nicht mehr als Problem,

sondern als Lösung. Der Mensch muss sich um sich selbst kümmern,

sich selbst integrieren und sich selbst entfalten, erzählen

uns Psychologen. Während wir das immer wiederkehrende Mantra

unserer Gesellschaft hören: „Sei ganz du selbst“ und „Werde

zu dem, der du wirklich bist“ – fordert uns Jesus dazu auf, jemand

komplett anderer zu werden – jemand, der ihm ähnlich ist. Kein

Mensch, so lesen wir in der Bibel (Römer 3, 9 ff.), ist von sich

aus gut. Allein die wirkliche Erfahrung der Liebe Gottes verändert

uns zum Guten. Wovon uns die Bibel erzählt, ist nicht ego-,

sondern christozentrisch. Es geht um Jesus und das Vertrauen in

ihn – nicht um mich. Christlicher Glaube ist das Gegenteil von

Selbstverwirklichung.

Bedeuten diese Dinge, dass Gott nicht an mir persönlich interessiert

ist und er unmenschliche Aufopferung von mir verlangt?

Die Antwort finden wir in der Bibel: „Seht doch, wie groß die Liebe

ist, die der Vater uns schenkt! Denn wir dürfen uns nicht nur

„Glaube im

Alltag” –

was bedeutet

das für dich?

seine Kinder nennen, sondern wir sind es wirklich“ (1. Johannes

3, 16). Gott sieht uns nicht als Sklaven, sondern als Beziehungsgegenüber,

als Kinder, die voller Vertrauen auf seine Güte hoffen

dürfen. Beziehungen sind wechselseitig, hier geschieht ein Austausch

und hier geschieht Veränderung. Aus dieser Beziehung heraus

ergibt sich, wer wir sind. Im Lichte dieser Beziehung dürfen

wir sein – mit all unseren Gedanken, Fehlern, Leiden, Talenten,

Begabungen, Freuden und Befürchtungen. Selbstverwirklichung

zielt darauf ab, jemand zu sein, der ich gern wäre. Auf einige

Dinge wie Geld oder Zeit haben wir dabei keinen Einfluss. Auf

andere Dinge scheinen wir Einfluss zu haben, weil sie unseren

Charakter und unsere Persönlichkeit betreffen, aber letztlich

scheitern wir an unserer Sehnsucht nach Perfektion und Annahme,

weil wir merken, dass wir es nicht aus eigener Kraft heraus

schaffen, jemand zu sein, der wir nicht sind. Wir wollen geliebt

werden für das, was wir sind, nicht für das, was wir darstellen

oder sein wollen. Liebe aber ist tatsächlich. Nur was wirklich ist,

kann geliebt werden.

In der Gegenwart Gottes erkennen wir, dass sein Plan der beste

Plan dafür ist, uns wirklich zu machen. Wirklich sind wir so, wie

er uns meinte, nicht so, wie wir uns gern hätten oder wie wir am

besten in die Gesellschaft passen würden. Weil Gott ist, wer er

ist, dürfen wir sein, wer wir sind. Er geht mit Liebe und Gnade

auf uns zu und reicht uns seine Hand. Was für ein Plan, was für

ein Gott!

Zu Gott stehen

und offen mit dem

Glauben umgehen.

Anneke, 23

Anja Granitza – Greifswald

Ich finde, das kommt oft

in den Beziehungen mit

Menschen auf. Dass man

merkt, wie ein positiver

Einfluss durch den Glauben

gegeben wird – wenn

du den Glauben teilst.

Leoni, 19

Kirche Alternativ

Ein Besuch in der Hillsong Church New York City hat nicht viel mit einem „traditionellen“ Gottesdienst gemein.

An wechselnden Veranstaltungsorten werden hier jeden Sonntag fünf Gottesdienste abgehalten, um dem großen

Andrang gerecht zu werden. BEDACHT-Autorin Nadine schildert ihr Hillsong-Erlebnis.

Es ist dunkel wie in einem Nachtclub.

Der Countdown läuft... 10, 9, alle zählen

mit, 8, 7, 6, sie werden immer lauter, 5, 4,

Nebel steigt auf der Bühne auf, 3, 2, die

Spannung steigt, 1, 0, die Menschenmenge

jubelt. Uptempo-Musik setzt ein. Es ist

laut wie bei einem Konzert. Es ist ein Konzert?

Der Lead-Sänger fängt an zu singen

und er singt von... JESUS? Die Menschen

jubeln und singen aus voller Seele die Texte

mit, die an eine große Leinwand neben

der Bühne projiziert werden, dort wo vorher

auch der Countdown zu sehen war. Ich

sehe mich um. Die meisten sind wohl so

zwischen sechzehn und dreißig, allerdings

sehe ich auch hier und da ein paar Familien

mit Kindern und auch den einen oder anderen

Senior. Meiner Oma wäre hier sicher

das Hörgerät weggeflogen. Überall sieht

man in die Höhe gereckte Arme. Die meisten

Augen sind geschlossen und öffnen sich

nur hin und wieder, um die nächste Textzeile

aufzuschnappen. Gott sei Dank sind die

Melodien so eingänglich, dass ich selbst

unbekannte Lieder nach kürzester Zeit

mitsingen kann. Ich bin ganz seltsam berührt

– auf der einen Seite ist mir das alles

hier zu sehr wie bei einem Rock-Konzert

– das soll Kirche sein? – auf der anderen

Seite kann ich mich nicht der Stimmung

entziehen, die den ganzen Saal einnimmt.

Es ist wie nicht von dieser Welt – ist das der

Heilige Geist oder der Rausch der Musik?

Sie singen von Jesus. Ich bin mir nicht ganz

sicher, aber lasse mich einfach treiben und

schwebe einige Zeit in diesem Gefühl. Die

Band schlägt ruhigere Töne an und ich fühle

mich Gott ganz nah. Ja, ich singe das für

ihn. Aber auch sonst wäre es ein gutes Konzert

gewesen. Die letzten Töne verklingen

und ich werde ganz ruhig. Selig stehe ich

da und fühle mich sehr geliebt. Ich glaube,

die Leute hier ticken genauso wie ich.

Als Nächstes kommt ein Typ in Lederjacke

auf die Bühne, bärtig und mit Undercut.

Was ist das denn für ein Hipster? In der

einen Hand hält er einen Kaffeebecher, in

der anderen eine Bibel. Er begrüßt uns alle

und betet, bevor er lospredigt. Carl Lentz,

Pastor der Hillsong Church in New York

City, ist wirklich ein charismatischer Pastor.

Einer, der am Puls der Zeit lebt und weiß,

was seine Schäfchen – mehrere tausend

Schäfchen wohlgemerkt – umhertreibt. Er

spricht wie einer von uns, aber verliert das

Wichtigste nie aus dem Blick: Jesus. Alles

bringt er zurück auf fundierte Lehre aus der

Bibel. Aus der Menge hört man immer wieder:

„Amen!“ – „Preach it Pastor Carl!“ Was

treibt Menschen in die Hillsong Church?

Vielleicht ist es die tolle Lobpreismusik, die

Atmosphäre, die grellen Lichter, das hippe

Aussehen ihrer Anhänger. Was bekommen

sie da? Genau das – aber auch so viel mehr:

„Worauf es letzlich ankommt, ist Jesus“ – so

schließt Pastor Lentz seine Predigt. Er holt

vor allem junge Leute da ab, wo sie sind –

und möchte sie zu Jesus führen. Sieht so der

Gottesdienst des 21. Jahrhunderts aus? Zumindest

in den USA erfreut sich dieses Format

immer größerer Beliebtheit und auch

in Deutschland sind mittlerweile Ableger

der Hillsong-Church zu finden, in Konstanz

und Düsseldorf.

Nadine Walter – Göttingen

Neben allem, was sich

nicht planen lässt, was

mich verwirrt und mich

durcheinanderwirft,

Gott als Konstante wahrzunehmen.

Jeden Menschen als

Kind Gottes zu sehen

und seine besten Seiten

zu betrachten.

Claudia, 26

Niklas, 22

Bedacht, Nr. 6 | Seite 8

Bedacht, Nr. 6 | Seite 9


Auf der Suche

nach der einen Wahrheit

Das Pew Research Center veröffentlichte vor Kurzem eine

Studie, nach der von den im Jahr 2010 6,9 Milliarden Weltbewohnern

rund 32% Christen, 23% Moslems, 15% Hindus,

7% Buddhisten, 6% Anhänger von Naturreligionen,

0,2% Juden und weitere 0,8% Anhänger kleinerer Religionen

sind. Zoomen wir in nun bester Google-Maps-Manier

von der Welt- auf die Deutschlandkarte, sehen wir Ähnliches:

Auch hier ist die Mehrheit der Bevölkerung Christen

(ca. 62%), gefolgt von den Muslimen (5%). Alle anderen Religionsgemeinschaften

stellen in Deutschland ungefähr 1%

der Bevölkerung dar, davon 270.000 Buddhisten, 200.000

Juden, 100.000 Hindus, 10.000 Sikhs und 6.000 Baha’is

(Stand 2011).

wird. Die Identität der verschiedenen Religionen wird zum Opfer

menschlichen Toleranzbestrebens.

Gibt es überhaupt relevante Unterschiede? Nun, im Buddhismus

existiert zum Beispiel gar kein (ewiger und allmächtiger)

Gott, zu dem man gelangen könnte. Diese Vorstellung

ist für Buddhisten vollkommen fremd. Das sieht

aber wieder ganz anders aus, wenn wir uns etwa dem Islam

zuwenden. Muslime glauben an einen persönlichen, allmächtigen

und heiligen Gott, zu dem jeder kommt, der sich das durch

gutes und recht motiviertes Handeln verdient hat. Der christliche

Glaube sagt hier genau das Gegenteil: Zu Gott kommt man nicht,

indem man ein guter Mensch ist. Christen glauben ja gerade, dass

wir nicht durch unser Handeln vor Gott gerecht werden, sondern

durch das, was Jesus für jeden von uns getan hat. Wir sehen: Bereits

bei drei Religionen liegen uns drei unterschiedliche Wege zu

Gott vor. Und es ist logisch unmöglich, dass sie alle Recht haben

können.

Kernbotschaften

Schauen wir uns etwas noch Zentraleres an: ihre Kernbotschaften.

Bei Buddhisten finden wir den Hauptgedanken, dass das Leben

Leiden ist (Gott spielt hier wie gesagt keine Rolle). Dieses Leid

hat verschiedene Ursachen und kann durch Sittlichkeit, Weisheit

und Vertiefung beendet werden. Der Islam besagt hingegen, dass

es keinen Gott außer Allah gibt, keiner ihm gleich und Mohammed

sein Prophet ist. Christen glauben im Kern,

Wer sagt, dass alle

Recht haben, redet

sich in eine

logische Sackgasse.

dass Gott in Jesus Mensch wurde, am Kreuz für

unsere Sünden starb und nach drei Tagen wieder

auferstanden ist. Und nun kommt es: Die

engagierten Vertreter der jeweiligen Religionen

sagen selbst, dass ihre Kernbotschaften nicht

miteinander vereinbar sind. Frage gerne einmal nach.

Wer also sagt, dass alle Recht haben, redet sich in eine logische

Sackgasse. Zwei oder mehrere Dinge, die Unterschiedliches sagen,

können nun einmal nicht gleichzeitig wahr sein. Genau diese

unterschiedlichen Aussagen treffen die verschiedenen Religionen

aber; wer also darauf besteht, dass sie trotzdem alle Recht haben,

blendet ihre Kernelemente unberechtigterweise aus. Das sind meine

Gründe, warum mir diese Alternative zur einen Wahrheit nicht

sehr überzeugend erscheint. Und zudem: Wer sagt, dass alles irgendwie

wahr ist, der erhebt

ja auch einen absoluten

Wahrheitsanspruch,

der andere Ansprüche

dieser Art als falsch abstempelt.

Wer sagt, dass alles irgendwie

wahr ist, der erhebt auch einen

absoluten Wahrheitsanspruch, der

andere Ansprüche dieser Art als

falsch abstempelt.

Es ist unübersehbar: Religiöse Vielfalt betrifft uns, die Globalisierung

ist im vollen Gange. „Das bereichert unsere Gesellschaft“,

sagen manche. „Das behindert ein friedliches Zusammenleben“,

befürchten andere. Und gerade weil hinter der letzteren Aussage

eine ganz berechtigte Sorge steckt, möchte ich sie mir etwas genauer

anschauen. Sie lautet:

Ich bin der Meinung, dass es keine plausible

Alternative zur einen Wahrheit gibt.

Wenn jemand einen allgemeinen

Wahrheitsanspruch erhebt

und damit sagt, dass andere

Ansprüche dieser Art nicht greifen, ist das nicht automatisch intolerant

und arrogant?

Wahrheit und Toleranz

Der Begriff „Toleranz“ ist also sehr wichtig – in einer globalisierten

Welt mehr denn je. Aus diesem Grund kann es nicht schaden,

den Toleranzbegriff einmal näher zu beleuchten. Toleranz (lat.

tolerare, dt. erdulden) ist in seiner klassischen Sicht die folgende

Auffassung: Ich habe einen Standpunkt, den ich für überzeugend

halte, aber ich kann es aushalten, wenn jemand anderes einen anderen

Standpunkt hat. Ich teile die Sicht meines Gegenübers zwar

nicht und glaube sogar, dass er bei bestimmten Punkten nicht richtigliegt.

Ich werde ihm aber stets mit vollem Respekt und Wertschätzung

begegnen.

er seine Nachfolger heraus, jedem Menschen (selbst denen, die

einem nichts Gutes wollen) mit höchster Wertschätzung zu begegnen.

Aber nicht nur mit Toleranz, sondern mit Liebe. So und nicht

anders sollte ein Toleranzverständnis sein, für das Christen sich

stark machen. Solch eine Toleranz steht auch nicht im Widerspruch

zu einem Wahrheitsanspruch. Es ist sehr gut möglich,

auf diese Art und Weise tolerant zu sein und

zugleich einen Wahrheitsanspruch zu erheben.

Auf der Suche nach Wahrheit

An dieser Stelle möchte ich eine steile These formulieren: Ich bin

der Meinung, dass es keine plausible Alternative zur einen Wahrheit

gibt. Und ich sage das in vollem Bewusstsein und mit ganzem

Respekt vor den Zahlen und Fakten, die ich zu Beginn aufgeführt

habe. Natürlich leben wir in einer globalisierten Welt und hier treffen

verschiedene Glaubenskonzepte aufeinander. Und viele sagen:

„Könnten wir des Friedens willen nicht sagen, dass alle an den

gleichen Gott glauben?“ Natürlich könnte man das, aber es wäre

nicht überzeugend. Das möchte ich freilich begründen.

„Alle haben irgendwie Recht”

Diese Alternative zur Sicht, dass es nur eine Wahrheit gibt, ist

eine pluralistische: „Vielleicht ist ja alles irgendwie wahr.” Ich gebe

zu: Das klingt sehr sympathisch und vermeidet Streit. Allerdings

hat die Sache einen großen Haken: Wer so denkt, hört nicht darauf,

was die Religionen über

Ich halte diese Einstellung gerade für Christen aus einem einfachen

Grund für sehr zentral: Sie ist schlichtweg „bibel-kompatibel“.

Denn Jesus fordert genau das, er sagt: „Ich bin der Die Identität der verschiedenen sich selbst sagen – bügelt glasklare

Weg, ich bin die Wahrheit, und ich bin das Leben! Ohne Religionen wird zum Opfer

und identitätsstiftende

mich kann niemand zum Vater kommen“ (Johannes 14, 6).

Und genauso sagt er: „Liebt eure Feinde. Selbst die Menschen,

menschlichen Toleranzbestrebens. Unterschiede zwischen ihnen

einfach glatt. Vielleicht werden

die nicht für euch sind. Begegnet ihnen mit Liebe und tretet

für sie ein“ (frei nach Lukas 6, 27). Auf der einen Seite erhebt Jesus

also einen absoluten Wahrheitsanspruch, auf der anderen fordert

sie sogar wahrgenommen, aber es wird gesagt, dass sie nicht

wichtig sind. Das führt letztlich aber dazu, dass der Glaube der

verschiedenen Religionen an sich gar nicht mehr ernst genommen

Bedacht, Nr. 6 | Seite 10

Bedacht, Nr. 6 | Seite 11


Eine zweite Alternative

„Moment“, sagen nun einige. „Es gibt da

aber noch eine andere Alternative zur einen

Wahrheit, nämlich: Es gibt gar keine

Wahrheit. Nichts ist wahr.” Das Problem an

dieser Aussage ist nur, dass sie nicht funktioniert.

Denn der Satz: „Es gibt keine Wahrheit“,

der will doch als wahr verstanden

werden, oder? Aber wie will er wahr sein,

wenn es doch keine Wahrheit gibt. Ein Widerspruch

in sich, der auch diese Alternative

nicht sonderlich überzeugend macht.

Daher beinhaltet auch die relativistische

Behauptung, dass nichts wahr ist, ebenfalls

einen absoluten Wahrheitsanspruch. Folglich

tauscht man also auch bei dieser Alternative

lediglich einen absoluten Wahrheitsanspruch

mit einem anderen aus.

„Halt!“, sagen nun einige. „Natürlich ist

so etwas wie Glaube relativ. Warum? Weil

Glaube vom gesellschaftlichen Umfeld abhängt.

Wäre ein Christ nicht in Deutschland

geboren, sondern z.B. in Pakistan, dann

wäre er mit Sicherheit kein Christ – sondern

Moslem.“ Ich würde das nicht einmal verneinen.

Es ist ja sehr gut denkbar: Glaube

ist sozial konstruiert. Das Problem dabei

ist nur: Warum sollten das nur theistische

Weltsichten sein? Warum nicht auch atheistische

oder agnostische? Wenn ein Atheist

in Pakistan geboren wäre, wäre er mit

Sicherheit auch kein Atheist. Warum sollte

man hier mit anderem Maß messen? Wir

sehen: Die Denkweise, dass Weltsichten

konstruiert sind, zieht

allen Weltsichten den

Boden unter den Füßen

weg – unerfreulicherweise

auch der

eigenen. Ist folglich doch alles relativ – gibt

es keine Wahrheit? Nun, wie wir gerade

oben gesehen haben, ist das schon rein logisch

nicht möglich. Auch diese Denkweise

führt uns also in eine Sackgasse.

Trotz allem hat die Frage der Wahrheit für

mich persönlich eine hohe Bedeutung. Warum?

Nun, ich habe nur dieses eine Leben

hier und das ist mir viel zu wertvoll und zu

kostbar, als dass ich mich mit weniger zufrieden

geben möchte als mit einer Wahrheit,

auf die ich mich verlassen kann. Ich

möchte mein Leben auf etwas aufbauen,

das mich objektiv wie subjektiv wirklich

überzeugt.

Die Denkweise, dass Weltsichten

konstruiert snd, zieht allen Weltsichten

den Boden unter den Füßen weg.

Was stimmt?

„Na ja”, denken nun manche, „vielleicht

ist da ja doch etwas an dieser einen Wahrheit

dran – aber: Wenn ich mich mal probeweise

auf diesen Gedanken einlasse,

wo soll ich denn meine Suche beginnen?

Etwa beim christlichen Glauben – und zwar

aus dem Grund, weil ich im christlichen

Deutschland aufgewachsen

bin?

Weil meine Eltern

Christen sind?

Weil mir Leute

mal ein Buch vor die Nase gelegt haben

und zu mir meinten: ‚Das ist die Bibel und

sie ist wahr, weil die Bibel nun einmal wahr

ist.‘” Wer diese Sorgen hat, den kann ich

nur allzu gut verstehen. Nun würde ich

auch niemals sagen, dass man dem christlichen

Glauben aufgrund von schlechten

oder windigen Gründen den Vorzug geben

sollte. Nein, das wäre töricht. Es sollte

schon gut begründet sein, warum man sich

für das eine und gegen das andere entscheidet.

Und ich rede hier auch nur davon, wo

man seine Suche nach Wahrheit beginnen

und starten kann. Von nichts Weiterem.

Aus meiner Sicht wäre es jetzt viel zu

einfach und zu naiv zu antworten: „Fange

bei dem Glauben an, der dir am nächsten

steht.” Das wäre aus meiner Sicht sogar

sehr fatal, eben deshalb, weil diese

Begründung eher einem Schuss ins Blaue

ähnelt als einer gut begründeten Entscheidung.

Aus diesem Grund möchte ich einmal

vier rationale Gründe nennen, warum

es Sinn ergibt, seine Suche nach Wahrheit

beim christlichen Glauben zumindest zu

beginnen.

Grund 1: So einen Gott

denkt man sich nicht aus

Die Philosophie und Religionskritik haben

im Laufe der Zeit viele starke Agumente dafür

vorgebracht, wie sehr wir Menschen uns

unsere Götter nach unserem Denken und

Willen schaffen. Allen voran ist hier sicherlich

Ludwig Feuerbach zu nennen, der den

Gottesglauben unter den umfassenden Verdacht

gestellt hat, Gott sei nur eine menschliche

Projektion. Er konnte sogar plausibel

machen, wie sehr unsere Vorstellungen von

Gott als einem allmächtigen, allweisen,

fehlerfreien, unsterblichen Wesen auf unseren

menschlichen Wünschen beruhen,

als gäbe es etwas, das eben nicht schwach,

nicht beschränkt, nicht irrend und nicht

sterblich ist. Gott – oder genauer – unser

Gottesbild ist also so ziemlich genau das

Gegenteil von dem, was wir sind. Das belegt

Feuerbach ziemlich einleuchtend.

Natürlich ist der

Hinweis darauf, dass

wir uns etwas sehr

wünschen, noch

kein Beweis dafür,

dass es das, was wir

uns wünschen, nicht gibt. Aber wer begriffen

hat, wie sehr unsere Vorstellungen von

Gott mit dem zusammenhängen, was wir

denken und uns wünschen, wird kaum anders

können, als alle Religion und Theologie

einem Generalverdacht zu unterziehen.

Alle, bis auf die eine, die sich genau diesem

Verdacht entzieht: Denn den Gott, an

den Christen glauben, den Gott am Kreuz,

den denkt man sich nicht aus: erniedrigt,

verhöhnt, leidend, gefoltert, sterblich, sterbend

und schließlich tot – den denkt man

sich nicht aus, weil man sich ihn nicht

wünscht. So plausibel Feuerbachs Religionskritik

ist, genauso plausibel ist es, dass

der gekreuzigte Gott, der im Zentrum des

christlichen Glaubens steht, kein Produkt

religiöser Einbildungskraft ist. Dieser – gekreuzigte

– Gott ist nur schwer durch Einbildung

zu erklären.

Der breite Mainstream der historischen

Forschung ist heutzutage der

Meinung, dass das Neue Testament als

historisch zuverlässig einzustufen ist.

Grund 2: Die historische Glaubwürdigkeit

der christlichen Botschaft

ist überprüfbar

Was meine ich damit? Nun, Christen

glauben in erster Linie ja nicht an ein Buch,

sondern an eine Person – die Person Jesus

Christus. Und über diesen finden wir viele

Aussagen: Aussagen über sein Leben, seine

Lehre, seinen Tod und seine

Auferstehung. Der springende

Punkt ist nun, dass es möglich

ist, diesen Jesus ernsthaft auf

seine historische Glaubwürdigkeit hin zu

prüfen. Hat er überhaupt gelebt? Sind die

Dinge, die über ihn geschrieben werden,

historisch glaubwürdig? Ist es in Wirklichkeit

nicht so, dass diese Texte im Laufe

der vielen Jahrhunderte verfälscht wurden

– absichtlich oder meinetwegen auch unabsichtlich?

Vielleicht überrascht es dich,

aber der breite Mainstream der historischen

Forschung ist heutzutage der Meinung, dass

das Neue Testament als historisch zuverlässig

einzustufen ist. Das ist kein Geheimnis

und kann in universitären Standardwerken

problemlos nachgelesen werden (z. B.

G. Theißen, Der historische Jesus, Ein Lehrbuch,

2011 oder J. Schröter, Jesus von Nazaret,

2006). Prüfe das gerne nach. Und

natürlich weiß ich es auch: An Anti-Jesus-

Literatur mangelt

es nicht. Diese Tatsache

ändert aber

nichts an der anderen

– bereits genannten

– Tatsache,

dass der gegenwärtige Stand historischer

Forschung mehrheitlich von der historischen

Integrität der Lebensbeschreibungen

Jesu ausgeht.

Grund 3: Das christliche Angebot

versteht sich als ein Geschenk

Und vielleicht überrascht es dich genauso:

Christen glauben, dass man sich Gottes

Angebot nicht erarbeiten oder verdienen

kann und muss – sie sagen sogar, dass man

das gar nicht kann. Viel zu oft begegnet mir

das Missverständnis, dass es beim Christsein

insbesondere um das Einhalten von

(den 10) Geboten und Regeln geht: falsch.

Christen glauben vielmehr, dass Gottes Liebe

ein freies Geschenk für jede/n ist. Die

christliche Botschaft lautet, dass wir nicht

durch unser Tun erlöst sind, sondern durch

das, was Christus für uns getan hat. Man

muss hierfür also nichts

Gott will uns das Ticket

in den Himmel schenken.

selbst leisten und keinerlei

Voraussetzungen

mitbringen.

Ganz häufig begegnet uns bei Religionen

folgendes Bild: Da wird ein großes Ziel vor

Augen gemalt. Etwas sehr Gutes: der Himmel,

das Nirwana, die Erkenntnis. Religionen

(und ich nehme die christliche Tradition

da gar nicht aus) sind nun zumeist sehr

gut darin, dieses Ziel in den goldensten Farben

zu malen und uns zu fragen: „Du willst

doch dahin, oder? Das schaffst du auch,

wir werden dir sagen, wie es geht. Folgende

Gebote musst du einhalten, folgende

Rituale vollziehen. Und wenn du dich nur

immer strebsam bemühst, dann kommst du

vielleicht zu diesem herrlichen Ziel.”

Religionen haben es stets gut hinbekommen,

diesen Weg aufzuzeigen. Der kann

manchmal sehr beschwerlich sein, manchmal

auch einfacher. Aber das „religiöse

Prinzip“ ist stets das Gleiche. Das Interessante

am christlichen Glauben ist, dass er

in seinem Kern genau das Gegenteil besagt,

nämlich: Nicht wir arbeiten uns zu Gott

vor, sondern Gott kommt zu uns herunter.

Gott sucht nach uns, er läuft uns hinterher,

um mit uns den Kontakt wieder aufzunehmen.

Jesus hat uns am Kreuz das Angebot

der Sündenvergebung gemacht. Gott will

uns, so sagen Christen, das Ticket in den

Himmel schenken, wir müssen es uns nicht

erarbeiten oder verdienen. Wir müssen es

nur annehmen.

Anzeige

Verantwortung für die Familie E. V.

Glückliche Kinder

sind kein Zufall

www.vfa-ev.de

Bedacht, Nr. 6 | Seite 12

Bedacht, Nr. 6 | Seite 13


Grund 4: Jesus fasziniert sie alle!

Wenn man sich die verschiedenen Religionen näher anschaut,

kommt man zu einer erstaunlichen Entdeckung: Jesus fasziniert sie

alle! In jeder von ihnen wurde er in ihr religiöses System integriert

– und das stets an sehr bedeutsamer Stelle. Das macht ihn einzigartig.

Kein anderer Religionsstifter kann das von sich behaupten.

Wir finden weder Buddha noch Mohammed noch sonst jemanden

in anderen Religionen wieder. Wie ist Jesus in den

anderen Glaubenssystemen verankert:

• Für viele gläubige Hindus ist Jesus einer der

zehn körperlichen Manifestationen Vishnus.

• Viele Buddhisten – darunter auch der aktuelle

Dalai Lama – sehen Jesus als Bodhisattva

an, ein Erleuchtungswesen, das nach allerhöchster

Erkenntnis und „Buddhaschaft“ strebt.

• Für Muslime ist Jesus ein großer Prophet, der (sogar im Gegensatz

zu Mohammed) von einer Jungfrau geboren wurde

und Wunder vollbracht hat.

• Und auch in vielen anderen Religionen (Baha‘i, Deisten,

Zeugen Jehovas, Mormonen, Sikhs, New-Age-Bewegung,

Unitarier, Religious-Science-Bewegung usw.) kommt Jesus

eine bedeutsame Rolle zu.

Jesus fasziniert sie also wirklich alle. Warum ist es aber so, dass

wir Jesus, die zentrale Figur des christlichen Glaubens, in so gut

wie allen anderen Glaubensrichtungen wiederfinden? Was begeistert

die anderen so an ihm? Ich denke, diese Faszination sollte

uns aufhorchen und fragen lassen: „Wer ist dieser Mensch? Wer ist

dieser Jesus, von dem irgendwie alle sprechen?“ Wie gesagt: Die

Lebensbeschreibungen Jesu, die vier Evangelien also, gelten in der

Warum ist es aber so, dass wir

Jesus, die zentrale Figur des christlichen

Glaubens, in so gut wie

allen anderen Glaubensrichtungen

wiederfinden?

einschlägigen Forschung als historisch zuverlässig.

Mein Vorschlag zur Güte daher:

Lies einmal selbst nach – und frage dich

beim Lesen: Wer ist dieser Jesus?

Kommen wir zum Ende und kehren zum

Anfang zurück: Glauben wir alle an den

gleichen Gott? Die Antwort ist einfach: nein. Das, was daraus folgert,

ist ungemein schwerer: Ist dieser Jesus wirklich der, der er

vorgab zu sein? Ich kann dich nur herzlich dazu einladen, dieser

Frage nachzugehen. Und das Schöne dabei: Es gibt nichts zu verlieren

und möglicherweise alles zu gewinnen.

Stephan Lange – Bielefeld

Anzeige

Freiheitliche

Verantwortung

„Aber da müssen wir doch etwas tun“, sagt ein Mädchen. Es ist ein Sommertag

im Osten Deutschlands. Wir sitzen mit ein paar Jugendlichen unter

Bäumen. Im Workshop reden wir über die Probleme im Allgemeinen

und über Bürgerkrieg, Tsunami und Hungerkatastrophe im Besonderen.

Die Welt ist so nah.

Das ist gerade in diesem Teil Deutschlands nichts Selbstverständliches.

Noch die Elterngeneration hatte nicht zu hoffen gewagt,

die südliche Seite der Alpen je mit eigenen Augen sehen zu können.

Ihre Kinder entscheiden sich nun für ein Schuljahr in Amerika.

Ein Gapyear in Japan. Ein Auslandssemester in Australien.

Freiheit. Die ganze Welt steht offen. Aber es ist eben die ganze

Welt, mit allen Möglichkeiten und allen Problemen. Dem Urlaub

am weißen Sandstrand und den Kindern im Auffanglager. Dem

teuren Schmuck vom anderen Ende der Welt und den Jugendlichen,

die als Soldaten dienen müssen. Dem leckeren Obst und

der Hungersnot, die zu lange dauert.

Jede Freiheit bedeutet auch Verantwortung. Verantwortung für

das eigene Leben und das meines Nächsten. Ich kann nicht ans

andere Ende der Welt reisen und mich über den billigen Urlaub

freuen, ohne das schlecht gekleidete Schulkind am Straßenrand zu

sehen. Das heißt, ich kann schon. Nur werde ich dadurch nicht zu

einem Menschen, dessen Spiegelbild ich morgens lieber vermeiden

möchte? Der lieber nur für sich selbst Verantwortung übernimmt,

weil alles andere zu anstrengend ist? Freiheit muss auch

bedeuten, die Möglichkeiten, die sich mir bieten, beim Schopf zu

packen. Für mich. Und für den Menschen mir gegenüber.

Kant nannte das im Zeitalter der Aufklärung den „kategorischen

Imperativ“: „Handle so, dass die Maxime deines Willens jederzeit

zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könne.“

Etwa 1700 Jahre zuvor beschrieb ein Mann mit Namen Jesus

diesen Auftrag so: „Liebe deinen Mitmenschen wie dich selbst!“

(Matthäus 22, 39). Damit griff er eine der ältesten jüdischen Traditionen

auf, die in diesem Gebot (3. Mose 19, 18b) den Auftrag

Gottes für das Zusammenleben der Menschen sieht. Jesus, der für

uns Christen Gottes Sohn ist, predigte diese Maxime der Nächstenliebe

nicht nur, er handelte auch danach. Für ihn war jeder

einzelne Mensch wichtig. Die Kinder aus dem nächsten Haus, die

Prostituierte aus der nächsten Stadt, der farbige Staatsbeamte aus

dem nächsten Land waren ihm wichtig. Nicht wegen oder trotz

ihrer Taten. Sondern weil sie Menschen waren, einzigartige Geschöpfe.

Für ihre Freiheit, die weit über die Grenzen dieser Welt

hinausgeht, gab er sein Leben.

Arbeitsfeld ist jedoch expandiert,

die Probleme

sind zu viele. Bürgerkrieg in

Syrien, Aids in Afrika, Rentner an

der Armutsgrenze im Nachbarhaus.

Würden wir die Verantwortung anerkennen

und annehmen, wer sagt dann, dass wir

nicht davon erdrückt würden? Lieber betrachten

wir die Probleme und hoffen, dass ein anderer

die Initiative ergreift. Wir loben das soziale Engagement.

Wir versichern unsere Hochachtung und begründen

unsere Tatenlosigkeit damit, nicht zu wissen, wo wir anfangen

sollten. Aber was, wenn wir mit unserem Zögern das größere der

beiden Übel gewählt haben?

In der Bibel, in der wir Christen das Wort Gottes sehen, steht unter

anderem: „Wenn aber jemand von euch an Weisheit mangelt,

so bitte er Gott, der allen willig gibt und keine Vorwürfe macht,

und sie wird ihm gegeben werden“ (Jakobus 1, 5). Eine Zusage

ohne Voraussetzung, Limit oder Haken. Ein Versprechen, das in

zögernder Ratlosigkeit helfen kann. So sieht eine junge Frau ihre

Nächste in der Mutter aus der Nachbarschaft. Die Studentin hat

kein Geld im Überfluss, aber Zeit und Phantasie und so verhilft

sie der zweifachen Mutter zu einem freien Abend Und so erkennt

ein junges Ehepaar seinen Auftrag als Entwicklungshelfer

im Kongo. Er verlässt den lukrativen Job als Statiker, sie die Arbeit

als Einzelhandelskauffrau. Sie haben gehört, dass sein Wissen den

Menschen in einem kleinen afrikanischen Dorf nachhaltig das Leben

erleichtern kann. Einen Auftrag, den das Ehepaar und die Studentin

in Freiheit wählen. Eine Verantwortung, die herausfordert.

Aber nicht überfordert.

Ein Sommertag in Osten Deutschlands. Wir reden mit Jugendlichen

über Gott und die Welt. „Aber wir müssen doch etwas tun“,

sagt ein Mädchen. Sie hat Recht.

Anne Bergmann – Dresden

Gott ist heute noch derselbe wie damals. Und auch der Auftrag,

seinen Nächsten zu lieben, besitzt die gleiche Gültigkeit. Das

Bedacht, Nr. 6 | Seite 14

Bedacht, Nr. 6 | Seite 15


Endlich wieder Zeit...

9 Uhr früh. Eine Hochschule in Hannover. Seit 24 Stunden ist Karolin wach. Sie schreibt an einer 20-seitigen

Hausarbeit, die sie innerhalb eines Tages abgeben muss. Ihre Hände zittern. Auf dem Weg zur Hochschule kommen

ihr immer wieder die Worte ihres Dozenten in den Sinn: „Gut. Nur so können wir die Berufswelt wirklich

simulieren. Pragmatismus ist gefragt. Sie wollen doch was werden?“ Sascha sitzt und kreuzt an. Keinen Bingoschein,

sondern wieder einmal einen Multiple-Choice-Test. „Wozu all diese Prüfungen?“, fragt er sich. Warum

werden Karolin und Sascha diesem Stress ausgesetzt, der manche Studierende sogar in die Depression treibt?

Beschleunigung und globalisierte Welt

Die Flut an Prüfungen nimmt ihren Anfang

in der Bolognareform. Das Ziel lautet:

Studiendauer verkürzen, Studieninhalte

internationalisieren, sich anpassen an die

beschleunigte und globalisierte Welt. Nach

dem Zeitsoziologen Hartmut Rosa befinden

wir uns im Zeitalter der Beschleunigung.

Die Mehrzahl unserer Zeitgenossen verweilen

nicht mehr das gesamte Leben in einem

Dorf, bauen keine Kartoffeln mehr an und

melken keine Kühe mehr. Dank verschiedener

Fortbewegungstechniken ziehen wir

nach Hannover, um dort zu studieren. Am

Wochenende fahren wir dann zu den Eltern

nach Eistrup. Wir eilen mit dem ICE für

ein Daft-Punk-Konzert von Göttingen nach

Hamburg und jetten mit dem Flugzeug

nach Brasilien, um dort die deutsche Fußballnationalmannschaft

zu sehen. Statt uns

in den Familienbetrieb einzugliedern, belegen

wir einen dualen Studiengang in BWL

oder bereiten uns für tausende Prüfungen

in Medizin vor. Gleichzeitig sind wir bei

Facebook, Youtube, Whatsapp online.

Nach getaner Arbeit folgt das durchorganisierte

Freizeitprogramm, das am Wochenende

mit ein paar Partys ausklingt, um uns

vom Leistungsdruck der Woche zu erholen.

Die globalisierte Wirtschaft des 20. und 21.

Jahrhunderts, die uns dazu ermutigt, ist ein

Teil dieser Beschleunigung. Sie hat sich von

politischen Gebilden wie Königreichen oder

Nationalstaaten emanzipiert. Weltweite

ökonomische Märkte haben sich gebildet.

Multinationale Unternehmen

agieren durch immer schneller

werdende Kommunikations-,

Logistik- und Produktionstechnologien

an verschiedenen Standorten

weltweit. Wir genießen

günstige Smartphones oder billige

Baumwollpullover, die bisher leider

ziemlich oft unter menschenunwürdigen

Arbeitsbedingungen in Entwicklungsländern

entstanden sind. Die Verlierer

sind meist die, die sich nicht wehren

können.

Die Folgen – Psychische Erkrankungen

und Vereisung des sozialen Klimas

Aber wir brauchen nicht erst in ferne

Länder blicken. Viele Zeitgenossen interpretieren

die Zunahme der psychischen

Erkrankungen in Deutschland als eine Konsequenz

der skizzierten Wandlungsprozesse.

Nach dem DAK-Gesundheitsreport

2014 gehen 14,6% des Krankenstandes im

Jahre 2013 auf psychische Leiden zurück.

Im Vergleich zum Vorjahr stiegen 2013

die Fehltage aufgrund psychischer Erkrankungen

weiter leicht an. Besonders in den

Jahren 2005 bis 2011 wuchsen die Zahlen

beträchtlich, so dass im Vergleich zu 1997

um 200% mehr Fehltage registriert werden

mussten. Die Gründe liegen wohl am

gestiegenen Zeitdruck und an der sich

verdichtenden Arbeit, die

mit anderen belastenden Phänomenen

einhergehen. Je nach konkreter Arbeitssituation

und -branche werden Verträge nur

befristet geschlossen. Grenzen zwischen

Arbeits- und Freizeit verschwimmen dank

permanenter Erreichbarkeit. Mehr Flexibilität

ist gefragt. Müssen wir uns wundern,

wenn dadurch das Betriebsklima leidet und

die Fehltage steigen? Der Gewaltforscher

Wilhelm Heitmeyer spricht sogar von einer

zunehmenden „Vereisung des sozialen

Klimas“ und einer „rohen Bürgerlichkeit“.

Menschen

mit höheren Einkommen

versuchen ihre ökonomischen

und gesellschaftlichen

Vorrechte zu wahren,

indem sie Arbeitslosen und

Migranten stärker feindlich

entgegentreten. Diese Abwehrhaltungen

überraschen

nicht wirklich. Denn nach

dem Ökonom Rochus Troger

produziert unsere beschleunigte

und globalisierte Welt

„Verlierertypen“ in allen Bevölkerungsgruppen.

Neuroenhancer als Lösung?

Wie kann ich mich für den

Wettkampf rüsten, ohne auf dem

Abstellgleis zu landen? Soll ich mir

einfach ein paar Psychodrogen einwerfen,

sogenannte „Neuroenhancer“? Zum

Beispiel duch Ritalin kann ich mich besser

konzentrieren, lasse mich weniger ablenken,

bin effizienter. Ritalin nimmt mir den

Schlaf, den Hunger und den Durst, wie Kokain.

Nur in geringer Konzentration, nicht

berauschend, sondern ernüchternd. Ritalin

lässt mich meine Umgebung vergessen.

Gemeinsames Kaffee- oder Biertrinken,

Filme schauen oder Fußballspielen können

gestrichen werden. Nur noch der Lernstoff

zählt. Dann schaffe auch ich Hausarbeiten

in 12 Stunden, und Multiple-Choice-Tests

werden zu meiner Lieblingsbeschäftigung.

Nur noch Leistung. Was für ein Traum.

Aber will ich wirklich diesen Preis zahlen?

Will ich auf Kreativität, Lust am Leben

und an anderen Menschen verzichten, die

durch einen anhaltenden Ritalin-Konsum

verloren gingen? Will ich nur noch funktionieren?

Till Eulenspiegel

Der Müßiggänger Till Eulenspiegel ist

einer von denen, die andere Wege empfehlen.

Dazu eine Anekdote: Eines Tages

spaziert Till von einer Stadt zur nächsten.

Ein Kutscher begegnet ihm und fragt hastig,

wie man denn am schnellsten in die nächste

Stadt käme. Till entgegnet: „Wenn Ihr

langsam fahrt, dauert es wohl eine halbe

Stunde. Fahrt Ihr schnell, so dauert es zwei

Stunden, mein Herr.“ Der Kutscher schenkt

ihm keinen Glauben und fährt eilig fort. Einige

Zeit später sieht Till ihn in einem Graben

liegen. Die Vorderachse des Wagens ist

dahin. Kennen wir nicht diese Augenblicke

oder Phasen in unserem Leben, wo wir uns

im Nachhinein wünschen, nicht so eilig

vorangeschritten zu sein?

Der Sabbat – Gebot und Geschenk

Nicht erst Till Eulenspiegel, sondern bereits

der Gott im Alten Testament der Bibel

sprach sich für Entschleunigung aus. Nach

sechs arbeitsintensiven Tagen voller Stress

und Müdigkeit sollten die Juden am siebten

Tag ruhen, wie es in den „10 Geboten“

überliefert wird. In folgenden Zeilen

wendet sich Gott an die Juden: „Gedenke

an den Sabbattag und heilige ihn! Sechs

Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke

tun; aber am siebten Tag ist der Sabbat

des Herrn, deines Gottes; da sollst du kein

Werk tun; weder du, noch dein Sohn, noch

deine Tochter, noch dein Knecht, noch

deine Magd, noch dein Vieh, noch dein

Fremdling, der innerhalb deiner Tore lebt.

Denn in sechs Tagen hat der Herr Himmel

und Erde gemacht und das Meer und alles,

was darin ist, und er ruhte am siebten Tag;

darum hat der Herr den Sabbattag gesegnet

und geheiligt“ (2. Mose 20, 8 ff). Der Begriff

„Sabbat“ leitet sich von dem althebräischen

Verb „ʃaˈbat“ ab, das im weiteren Sinne

auch mit „aufhören, enden, ins Stocken

geraten, ruhen von einer Tätigkeit“ und im

engeren Sinn als „ruhen, den Sabbat halten“

übersetzt werden kann. Der Sabbat als

Ruhetag soll an die Schöpfungsgeschichte

erinnern, in der Gott am siebten Tag ruhte,

nachdem er zuvor sechs Tage schöpferisch

arbeitete. Darüber hinaus sollen die Juden

an ihre Befreiung aus dem ägyptischen

Sklavendienst sowie an ihren spezifischen

Bund mit Gott erinnert werden.

Der Sabbat beschränkt sich aber nicht

nur auf die Entschleunigung. Das Ruhen

begrenzt sich nicht nur auf jeden

Bedacht, Nr. 6 | Seite 16

Bedacht, Nr. 6 | Seite 17


siebten Tag. In alttestamentlicher Zeit sollte jedes siebte Jahr auch

das Land ruhen, damit es sich erholen und die weiteren Jahre

wieder Nahrung bringen kann (3. Mose 25, 1 ff). Jedes 50. Jahr

sollte das komplette Jahr geruht und zusätzlich der Besitz an die

ursprünglichen Eigentümer zurückgeben werden, damit alle Juden

sehen, dass sie „Gäste“ im Land Gottes sind, der der eigentliche

Besitzer und Eigentümer ist (3. Mose 25, 8 ff).

Der Sabbat bezieht sich damit nicht nur auf die Ehrung Gottes

und die körperliche und seelische Erholung der Menschen,

sondern auch auf „Nachhaltigkeit“ und „Macht“. Das Land, die

Mägde und Knechte sowie die domestizierten Tiere durften nicht

einfach ausgebeutet werden, sondern hatten mehr oder weniger

die gleichen Rechte am Sabbat wie ihre Landbestzer. Die Abhängigkeitsverhältnisse

hatten ihre Grenzen darin, dass Gott der Herr

über alle war. Damit war die Würde der Einzelnen nicht abhängig

von der Willkür der menschlichen Eigentümer. Für Juden der

alttestamentlichen Zeit war der Sabbat eine Verpflichtung, die bei

Missachtung mit Todesstrafen und Zwangspausen einherging. Aus

unserer gegenwärtigen Perspektive mögen diese Strafen unverhältnismäßig

und brutal erscheinen. Jedoch kann behauptet werden,

dass Gott sich damit den „Schwachen“ zuwendete, die sich nicht

vor den „Starken“ schützen konnten. Die Landbesitzer bewegten

sich somit auf keinem „freien“ Markt. Der Sabbat zähmte sie.

Wir können hier nicht ausführlicher auf das Für und Wider des

Sabbats eingehen, jedoch können die Grundsätze, die durch den

Sabbat symbolisiert werden, uns helfen, ein „nachhaltiges Leben“

im vielschichtigen Sinne zu leben.

Sabbatical – unsere heutige Zeit

Über die religiösen Praktiken der heutigen Juden und Christen

hinaus lassen sich bereits in der Arbeitswelt Praktiken erkennen,

die mehr oder weniger in der Tradition des Sabbats stehen. In der

Arbeitswelt gewinnt das sogenannte „Sabbatical“ an Bedeutung.

Das Arbeitszeitmodell ermöglicht Langzeit- und Sonderurlaubszeiten,

die auf unterschiedliche Finanzierungsmodelle aufbauen

(Urlaubsansprüche, unbezahlter Urlaub, Ansparzeit). Das „Sabbatical“

bezieht sich auf die gesamte Persönlichkeit und nicht nur auf

die Arbeitskraft. „1. Januar 2014: Ich bin in meinem Sabbatical.

Für das Jahr 2014 habe ich keine öffentlichen Aktivitäten angenommen.

Mein Kalender ist nun für die kommenden zwölf Monate

tatsächlich leer. Keine Termine, keine Verpflichtungen, endlich

wieder Zeit für Forschung und Lehre, und vor allem zum Nachdenken...“

(Neurowissenschaftler Gerald Hüther, www.gerald-huether.

de/populaer/aktuelles/).

Fazit

Wir selbst können versuchen, uns

Zeiten der Auszeit zu nehmen, um

nicht nur auszuruhen, sondern auch

darüber nachzudenken, in welchen

Abhängigkeiten wir eigentlich stehen,

wo wir uns zu etwas zwingen, was

nicht sein müsste. Die Umstände unserer

Zeit lassen sich nicht grundsätzlich

ändern. Das eigene Leben kann

aber temporär entschleunigt werden

und muss sein Heil nicht in der Arbeitsgesellschaft

finden. Ich selbst

will die Droge Ritalin nicht nehmen.

Sie fördert kurzfristig meine Leistung,

hat aber längerfristig soziale Folgen,

die ich nicht tragen will. Stattdessen

denke ich über die Grundsätze des

Sabbats nach. So muss ich nicht als

umherwandelnder Zombie enden,

sondern kann mehr vom Leben –

und als Christ auch mehr von Gott –

erfahren.

Andreas Albrecht – Hannover

Neuauflage des Greek New Testament

Die weltweit am weitesten verbreitete Ausgabe des griechischen Neuen Testaments

liegt jetzt in grundlegend überarbeiteter Neuauflage vor.

Deutsche

Bibelgesellschaft Balinger Straße 31 A 70567 Stuttgart www.dbg.de

Bibelkompetenz seit 1812

Ausgabe mit griechisch-englischem

Wörterbuch, schwarz

1230 Seiten

Leseband, Fadenheftung,

Flexibler Einband

ISBN 978-3-438-05118-9

€(D) 40,00 €(A) 41,20 CHF 55,10

The Greek New Testament

Herausgegeben vom Institut für Neutestamentliche

Textforschung, Münster

5., revidierte Auflage

12,7 x 18,7 cm

Standardausgabe, rot

1000 Seiten

Leseband, Fadenheftung, Festeinband

ISBN 978-3-438-05116-5

€(D) 28,00 €(A) 28,80 CHF 41,50

Ausgabe mit griechisch-englischem

Wörterbuch, rot

1230 Seiten

Leseband, Fadenheftung, Festeinband

ISBN 978-3-438-05117-2

€(D) 32,00 €(A) 32,90 CHF 44,50

Bedacht, Nr. 6 | Seite 18

Gebührenfreie Bestell-Hotline 0800-242 3546 www.dbg.de


„Gott nahe zu sein

ist mein Glück”

Ich habe sieben Jahre lang eine meiner Meinung nach perfekte Beziehung geführt. Als wir uns kennengelernt

haben, war ich 15 und er 17 Jahre alt. Wir hatten eigentlich immer Spaß zusammen, haben kaum gestritten,

ziemlich viel zusammen erlebt und durchgestanden. Sieben Jahre lang waren wir Teil der Familie des Anderen

und haben Pläne für unsere eigene Familie gemacht. Uns war eigentlich immer klar, dass wir heiraten und Kinder

kriegen möchten. Oft haben wir darüber geredet, wie besonders es eigentlich ist, dass wir uns nach so langer

Zeit immer noch lieben und so glücklich zusammen sind.

Doch dann hat sich relativ plötzlich alles

geändert. In der Beziehung ist etwas zerbrochen,

das wir nicht mehr flicken konnten.

Es gab keine Möglichkeit zusammenzubleiben

und dabei ging nicht nur unsere

Beziehung zu Ende, sondern auch die gemeinsame

Zukunft, die wir uns ausgemalt

hatten. All das, was ich als Grundlage für

meine Zukunft gesehen hatte, war auf einmal

weg. Ich hatte das Gefühl, in der Luft

zu hängen, nicht mehr zu wissen, wie es

weitergehen soll.

Vielleicht ist euch auch

schon mal etwas

Ähnliches passiert.

Man hat etwas

für selbstverständlich

angesehen,

sein Leben

danach ausgerichtet

und

plötzlich ist

alles anders,

als man es erwartet

hat – die

Sicherheit ist weg.

Man hat das Gefühl,

keine Kontrolle mehr

über das eigene Leben zu haben,

und kann nicht verstehen, wie

es dazu kam.

An diesem Punkt ist es einfach, an der Ungerechtigkeit

der Situation zu verzweifeln.

Für mich als Christin kam noch dazu, dass

ich immer dachte, dass Gott unsere Beziehung

gut findet und dass wir mit seiner Hilfe

alles überstehen könnten. Ich habe mich

gefragt, warum nicht einfach alles wieder

so werden kann wie vorher. Aber so weh

die Erkenntnis auch tut, man kann nichts

tun, um das Alte zurückzubekommen und

es hilft nichts, sich daran festzuklammern.

Wahrscheinlich hatte ich in den vergangenen

Jahren ein zu festes Bild von meiner

Zukunft und auch von der Rolle, die

Gott in meinem

Leben spielt. Ich hatte erwartet, dass Gott

für mich da ist und mir hilft, im Leben das

zu erreichen, was ich will. Und das, was

ich wollte, waren ein sicherer Beruf, eine

glückliche Familie und einen Ehemann, der

mich liebt. Man könnte sagen, dass ich damit

den Anspruch der Gesellschaft an ein

glückliches Leben erfüllt hätte. Ob ich damit

dauerhaft glücklich geworden wäre, sei

dahingestellt.

Ich musste allerdings erkennen, dass dieser

Plan, den ich für die Zukunft hatte, nicht

unbedingt ausgereift war. Ich habe nicht

gemerkt, wie abhängig dieser von anderen

Personen und äußeren

Umständen war. Ich

hatte mir eingebildet, dass ich mein

Leben unter Kontrolle hatte. Aber unsere

Beziehung hatte ich nicht kontrollieren und

auch nicht retten können. Ich fühlte mich

wie eine Verliererin. Wie bei einem Gameboy-Spiel:

„Game over“ kurz vor dem Ziel

– entweder aufgeben oder von vorne anfangen.

Natürlich kann ich einfach wieder

von vorne anfangen und mir einen anderen

Mann für meine Zukunft suchen. Aber

ist es an diesem Punkt klug, wieder den-

selben Weg zu gehen? Möchte Gott mich

vielleicht mit dieser Situation herausfordern

und mir einen neuen Weg anbieten?

Wenn ich ehrlich bin, hatte ich schon immer

Angst davor, dass Gott mich eines Tages

herausfordert und ich mein bequemes und

glückliches Leben hinter mir lassen muss.

Die Bibel ist doch voll von Menschen, die

auf Gottes Plan gehört haben und dafür einen

ziemlich beschwerlichen Weg gegangen

sind. Nehmen wir zum Beispiel Maria,

die Mutter von Jesus. Sie war verlobt und

hatte sich bestimmt ein ruhiges Leben mit

ihrem Mann und Kindern gewünscht. Stattdessen

wird sie vor der Hochzeit schwanger

mit dem Sohn Gottes, muss sich auf den

weiten Weg nach Bethlehem machen und

ein Kind im Stall gebären. Danach wird

ihre Familie von Herodes verfolgt und muss

nach Ägypten fliehen. Zuletzt muss sie zusehen,

wie ihr Sohn unschuldig gekreuzigt

wird.

Ich möchte mich nicht mit Maria vergleichen

und glaube auch nicht, dass Gott für

mich einen ähnlich großen Plan hat. Was

ich damit aber zeigen will ist, dass Gott

manchmal Dinge mit uns vorhat, die uns

auf den ersten Blick schrecklich erscheinen,

die uns herausfordern und nicht in

unsere Lebensplanung passen. Ich denke

aber auch, dass Gott uns nie überfordern

würde. Die Personen in der Bibel verzweifeln

nicht an ihren Aufgaben und blicken

nicht sehnsüchtig auf ihr altes Leben zurück.

Sie folgen Gott freiwillig und gerne,

erleben dabei Dinge, die sie sich niemals

hätten vorstellen können. Gott bewahrt sie

auf ihrem Weg, ist für sie da und gibt ihnen

Kraft, wenn sie ihn brauchen.

Wenn ich das im Hinterkopf habe, denke

ich, dass ich die Herausforderung annehmen

sollte. Ich will darauf vertrauen, dass

Gott einen Weg für mich vorgesehen hat,

der bestimmt hundertmal aufregender und

durchdachter ist, als ich es mir hätte ausmalen

können. Weil Gott meine Zukunft

ist, kann ich positiv nach vorne schauen –

gespannt darauf, was er noch mit meinem

Leben vorhat. Gott ist dabei meine Sicherheit

dafür, dass ich glücklich sein werde.

Wie auch die Losung für dieses Jahr sagt:

„Gott nahe zu sein ist mein Glück!“ (Psalm

73, 28).

Marie Beckmann

„Glaube im Alltag” –

was bedeutet das für dich?

Zum einen in der Bibel zu lesen und zu

beten, aber auch im Gespräch stehen,

Austausch in Gruppen, nach Grundsätzen

leben, wie z.B. Nächstenliebe, beim

Reden aufpassen, was man sagt. Das ist

ungefähr das, was ich anstrebe.

Zeugnis sein.

Timon, 27

Ann-Katrin, 22

Ein Aspekt wäre, zu versuchen die Liebe,

von der uns in der Bibel durch Jesus berichtet

wird, Menschen im alltäglichen Umfeld

widerzuspiegeln.

Sein Leben mit Gott zu leben. Dass man

nicht seinen Glauben da hat und sein

Leben da, sondern eben beides zusammen.

Ich bete zum Beispiel immer beim

Zähneputzen.

Friedrich, 26

In dem Bewusstsein

leben zu dürfen, dass

man niemals allein sein

muss.

Corinna, 23

Das ist für mich eine Herausforderung. Manchmal ein Ansporn,

manchmal deprimierend, manchmal bereichernd – einfach bunt.

Gott einfach zu sehen, wenn man ihn nicht anguckt.

Sich in Gottes Hände fallenzulassen.

Nik, 26

Lotta, 21

Jana, 20

Bedacht, Nr. 6 | Seite 20

Bedacht, Nr. 6 | Seite 21


Mit Gottes Volk am Xingu

„Gottesliebe und Nächstenliebe sind untrennbar.“ Dieser Satz zieht sich durch das Leben und die Arbeit von

Dom Erwin Kräutler, dem Bischof in Xingu in Brasilien. Von seinen Gegnern diffamiert und mit dem Tod bedroht,

erhielt er am 6. Dezember 2010 den „Right Livelihood Award“, den Alternativen Nobelpreis.

„So Gott will, gibt es von denen in 20 Jahren

keinen Einzigen mehr.“ Dies waren die

Worte, die Erwin Kräutler hörte, als er 1965

wenige Monate nach seiner Priesterweihe

nach Belém, der Hauptstand des Bundesstaates

Para, kam. Es war nicht die Rede

von Schädlingen, sondern von den Indios,

den indigenen Einwohnern Brasiliens.

Seit seine Onkel, Brüder seiner Mutter,

1934 nach Brasilien ausgewandert waren

und von dem Leben und den Gebräuchen

der Indios berichteten, wusste er von ihren

großen Problemen und ihrer Unterdrückung.

Als Missionar wollte er sich für

ihre Anliegen engagieren, wie er in seinem

Buch „Kämpfen, glauben, hoffen“ schrieb.

Zu dieser Zeit hatten die Indios noch nicht

einmal volle Rechte als Staatsbürger, sondern

waren als Mündel dem Staat unterstellt,

in dessen Gesellschaft sie eingegliedert

werden sollten. Erst 1988 wurden ihre

Rechte, ihre Kultur, ihre Sprachen und ihr

Land anerkannt. Zumindest auf dem Papier.

Seit 1965 war Erwin Kräutler erst als Pastor

und dann ab dem 25. Januar 1981 bis

heute als Bischof mit seinem Volk am Xingu

unterwegs. Und viel unterwegs war er im

wörtlichen Sinn. In dem riesigen Bundesstaat

(368000 km 2 ) an und auf einem der

größten Nebenflüsse des Amazonas mit

über 2000 km Länge sind große Entfernungen

zu überbrücken. Mit dem Flugzeug,

Schiff, Auto oder zu Fuß reiste er zu den

Basisgemeinden, predigte, feierte die Eucharistie

und die Erstkommunion. Jedoch

beschränkte sich sein Dienst nicht auf die

Erfüllung von kirchlichen Pflichten. Wie

Jesus es vorgelebt hat, solidarisierte er sich

mit den Armen und häufig Unterdrückten:

den Indios, den Kleinbauern, den landlosen

Arbeitern und ihren Familien. Er teilte

ihr Leben mit ihnen und unterstützte sie in

ihrem Kampf um die tatsächliche Durchsetzung

ihrer verbrieften Rechte. Denn er

lebte konsequent seine Überzeugung, dass

die Kirche und ihre Mitarbeiter nicht fern

und unerreichbar für ihre Mitglieder sein,

sondern mit ihnen leben sollten. Und wenn

nötig, deren Schicksal in Solidarität und

Nächstenliebe bis zur letzten Konsequenz

teilen. Denn „es gibt keine größere Liebe,

als wenn einer sein Leben für seine Freunde

hingibt“ (Johannes 15, 13). Das war der

Ausdruck einer missionarischen Kirche, die

nicht die Kultur der Indios mit einer westlichen

Kultur zu überschreiben versuchte. Sie

integrierte sich in deren Kultur, akzeptierte

ihre Bräuche und demonstrierte den Glauben

durch eine bedingungslose Nächstenliebe.

Diese Nächstenliebe wurde viele

Male im Leben Dom Erwin Kräutlers, vieler

Pastoren, Laienmitarbeiter, Schwestern und

Brüder sichtbar. Das Leben der Indios und

vieler Bewohner Amazoniens war bis in die

Gegenwart von Armut, Krankheit und Gewalt

geprägt. Weil Großgrundbesitzer und

Firmen auf die Übernahme des Landes aus

waren, griffen sie zu allen Mitteln, um in

dessen Besitz zu kommen. 1965 ließ ein

Kautschukproduzent im Bundesstaat Mato

Grosso ein ganzes Indiodorf auslöschen

(„Massaker vom Breitengrad 11“). Am Xingu

wurden die Arara-Indios ermordet und

vertrieben, als durch ihr Gebiet eine Straße

zwischen Altamira und Santarém gebaut

werden sollte. Die Indios wurden erschossen,

starben durch Stromschläge an den

Zäunen neu errichteter Militärbaracken, als

sie versuchten, Kontakt mit den Söldnern

aufzunehmen, oder wurden mit Hunden

gejagt. Die Täter wurden nie belangt.

Die indigenen Bewohner Brasiliens wurden

nicht als vollwertige Staatsbürger anerkannt.

Ihre unmenschliche Behandlung

wurde daher von manchen Brasilianern,

die nicht zu den Indios gehörten, als legitim

erachtet. Von 1986 bis 1988 wurde

eine neue Verfassung erarbeitet. Dom Erwin

Kräutler setzte sich mit den Indios und

dem Indianermissionsrat für die Anerkennung

der Rechte der Indigenen ein. Er verhandelte

mit Senatoren, Abgeordneten und

anderen Entscheidungsträgern. Außerdem

steuerte er Vorschläge zur Ausarbeitung der

Rechte der Indios bei. Dieses Engagement

hatte seinen Preis. Wie er selbst schrieb,

teilte sich sein Leben in einen Teil vor und

nach dem 16. Oktober 1987 auf. Mit drei

Mitfahrern war er auf der Transamazonica

(Straßenbauprojekt, das einmal die Westund

Ostküste Südamerikas auf Höhe des

Äquators verbinden soll, noch nicht fertiggestellt)

unterwegs, als auf einer Anhöhe

Am Ende ...

ein entgegenkommendes Auto absichtlich

frontal in sein Auto gelenkt wurde. Einer

seiner Mitfahrer, Pater Tore, wurde getötet.

Er selbst wurde schwer verletzt und war

sechs Wochen ans Krankenbett gefesselt.

Seinen Einsatz verhinderte diese Tat jedoch

nicht. Durch das Engagement der Indios

und ihrer Unterstützer wurden die Rechte

der Indios 1988 endlich in der Verfassung

verankert.

Die Solidarität und der Einsatz, den Dom

Erwin Kräutler für die Belange der Indios

und anderer armer Menschen in Amazonien

zeigte, wurde von diesen hoch

geschätzt. Die Kazike der Indios Kayapó

haben ihn ehrenhalber adoptiert. Der Empfang

in den kleinen Basisgemeinden war

äußerst herzlich, weil sie wussten, dass ihr

Bischof für sie kämpfte und nicht fern von

ihnen leben wollte, sondern bei ihnen.

Doch ein Ende der Gewalt bedeutete

nicht die verfassungsgemäße Anerkennung

ihrer Rechte. Auch heute noch kämpfen

die Indios um ihren Besitz. Von den 1023

indigenen Territorien waren 2009 nur 322

vollständig anerkannt. Und jeder juristische

Schritt wird durch Klagen von Großgrundbesitzern

und Unternehmen, die das

Land zum Ackerbau oder zur Viehzucht

oder Ausbeutung der natürlichen Ressourcen

nutzen wollen, behindert. Indios und

andere, die sich dagegen wehren, werden

eingeschüchtert, vertrieben, ermordet.

Dom Erwin Kräutler setzte sich mit den

Führern der betroffenen Indios für die Anerkennung

der Territorien ein. Besonders

sein Einsatz gegen den Bau des Staudamms

Belo Monte am Xingu war gefährlich. Seit

2006 lebt er nach dem Erhalt von Morddrohungen

unter ständigem Polizeischutz.

Immer wieder griff er den Bau scharf an

und verwies auf die dramatischen Folgen

für die Menschen und die Umwelt. Mehr

als 40000 Menschen würden umgesiedelt,

ohne dass die vorgeschriebenen Anhörungen

und Überprüfung der Auswirkungen

auf die Umwelt sorgfältig durchgeführt

wurden. Das Grundwasser in der Region

werde um 80% zurückgehen. Ein Gebiet

von 516 km 2 (die Größe des Bodensees)

werde überflutet. Auch wenn sein eigenes

Leben und das Leben der Menschen

gefährdet waren, ließ er nicht von seinem

Handeln ab. Wie er mit den Worten des

Apostels Paulus schrieb: „Wenn Gott für

uns ist, wer kann dann gegen uns sein? [...]

Weder Tod noch Leben, weder Engel noch

Dämonen, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges

[…] können uns von der Liebe

Gottes trennen, die er uns in Jesus Christus,

unserem Herrn, schenkt“ (Römer 8, 31-39).

Am 4. Februar 2014 wurde der letzte Prozess

gegen den Bau von Belomonte im Sinne

der Bauherren entschieden. Nun geht

der Kampf darum weiter, die Folgen für die

40000 Menschen, die zwangsumgesiedelt

werden, zu mildern. Es geht um den Bau

menschenwürdiger Unterkünfte und den

Bau einer Infrastruktur (Schulen, Krankenhäuser,

Straßen). Die seelischen Folgen für

die Menschen, die aus ihrer naturnahen

Lebensweise gerissen werden, sind nach

den Worten von Dom Erwin Kräutler nicht

abzusehen.

Alina Vogelmann – Göttingen

Und so habe ich entdeckt, dass es nicht mehr von unserer Vergebung oder

Güte abhängt, ob diese Welt geheilt wird, sondern von seiner . Wenn er uns

auffordert, unsere Feinde zu lieben, gibt er uns zusammen mit dem Gebot

auch die Liebe dazu .

Corrie ten Boom

Bedacht, Nr. 6 | Seite 22

Bedacht, Nr. 6 | Seite 23


Grüße aus der Ferne

Christen gibt es in allen Regionen dieser Erde und sie leben dort teilweise unter sehr anderen Bedingungen als

wir. Andere gesellschaftliche Strukturen, andere Traditionen und Mentalitäten führen zu ganz eigenen Stilen, mit

dem christlichen Glauben umzugehen. Wir waren neugierig, wie Christen aus der Ferne ihren Glauben leben

und was wir vielleicht von ihnen lernen können. Ricardo Bergen aus Paraguay und Karlīna Rozenfelde aus Lettland

haben uns einen kleinen Einblick in ihr Glaubensleben gewährt.

Sveiki!

¡Hola!

Ich lebe mit meinener Frau Leila im Paraguayanischen Chaco. Das ist eine wunderschöne

Gegend mit Trockenwäldern und Dornbuschsavannen. Seit wir uns 2012 in

der Mennonitengemeinde in der deutschen Kolonie Neuland haben taufen lassen,

besuchen wir den Gottesdienst in der kleinen Gemeinde „Nueva Jerusalem“. Der

Gottesdienst und der Umgang der Kirchenmitglieder untereinander sind sehr persönlich.

Der Gemeindeleiter geht sehr individuell auf jeden einzelnen Besucher ein.

Im Gegensatz zur deutschen Gemeinde ist unsere Musik meist laut und viel flotter

– auch wenn die Texte sich inhaltlich häufig ähneln. Ich glaube, das ist etwas, das

vielleicht auch andere von den Lateinparaguayanern lernen könnten: Als Gläubiger

mit mehr Freiheit und Lockerheit über den Glauben zu sprechen und zu diskutieren

– sei es mit Christen oder mit Nichtchristen, Bekannten, Freunden oder Fremden.

Aber jeder Christ lebt seinen Glauben anders aus und deshalb können wir alle

voneinander lernen. Doch aus meiner Sicht ist die Gemeinde besonders wichtig

für jeden einzelnen Christen, denn immer wieder sind wir auf die Hilfe der Glaubensgeschwister

angewiesen. Deshalb ist es gut, wenn jeder Christ sich wohlfühlt

in seiner Gemeinde und – bei aller Unterschiedlichkeit – sollten wir uns immer

bewusst machen, dass alle Gemeinden zu Gott gehören – unabhängig von ihren

unterschiedlichen Traditionen und Kulturen.

Im Alltag spielt die Beziehung zu Jesus für gläubige Lateinparaguayaner nach meiner

Erfahrung eine große Rolle. Man erkennt, dass sie es mit dem Glauben ernst

meinen und versuchen mithilfe des Heiligen Geistes die Anweisungen Gottes aus

der Bibel zu befolgen. Das merkt man im täglichen Umgang miteinander und in der

Zusammenarbeit, die meistens auch besser klappt. Wir versuchen uns gegenseitig

auch im Alltag ein Vorbild zu sein und uns so gegenseitig im gelebten und lebendigen

Glauben an Jesus Christus zu unterstützen.

¡Saludos desde Paraguay!

Wer Lettland, dem mittleren der drei baltischen Staaten, einen Besuch abstattet,

findet die bezauberndsten weißen Sandstrände Europas und ein Volk, das über

die Jahrhunderte hinweg sich seine Freiheit erkämpfen musste. Ein Volk, das tief

verwurzelt ist in keltischen und germanischen Mythen und Aberglauben. Christliche

Glaubensvorstellungen verblassten im Zuge der sowjetischen Okkupation und

heute bekennt sich nur noch eine kleine Minderheit zum christlichen Glauben.

Doch durch unser kleines Land geht eine Bewegung. Ein Aufbruch und eine Wiederentdeckung

des Christentums. An vielen Orten gründen sich kleine Gemeinden

und Hauskreise. Eine dieser Gruppen habe ich in Riga mitgegründet. Wir starteten

vor fünf Jahren als kleiner Kreis von vier Freundinnen, die zusammen Jesus kennenlernten.

Zu Beginn ähnelte unsere „Kirche“ eher einer Hausparty. Wir luden

einfach jeden ein, der Interesse an Gott zeigte, kochten und redeteten miteinander

und entdeckten unseren neuen Weg mit Gott. Unsere Gruppe wurde immer größer,

bis schließlich unsere Privaträume nicht mehr ausreichten. Doch wir erlebten auch

harte Zeiten und schwierige Phasen des Lernens: Einige Mitglieder mussten unser

Land verlassen, andere verloren ihren Job und eines unserer Mitglieder wurde fast

von ihrem Arbeitgeber gefeuert, weil sie Christin war.

In vielen Gebeten fragten wir Gott, weshalb wir mit diesen Schwierigkeiten zu

kämpfen hatten und verstanden schließlich: Jesus nachzufolgen, ist nicht immer

ein glücklicher und einfacher Weg. Beim Lesen der Bibel fiel uns auf, dass viele, die

für Gott arbeiten wollten, durch harte Zeiten gingen. Mose war 40 Jahre in der Wüste,

Josef verbrachte zwei Jahre im Gefängnis. Paulus erzählt von seinen schweren

Zeiten in einem seiner Briefe. Viele der ersten Apostel wurden getötet. Wir lernten,

dass ein Leben mit Jesus vielleicht häufig unsicher und hart ist, aber es geht immer

weiter. Wir wollen Gott vertrauen trotz aller Umstände und für den Auftrag leben,

für den wir hier sind.

Deshalb erinnern wir uns immer wieder an das Erste und Wichtigste, was wir

durch den Heiligen Geist gelernt haben: Liebt euch gegenseitig, wie Er euch liebt.

Liebt euch gegenseitig in schweren Zeiten!

Sveicieni no Latvijas!

Bedacht, Nr. 6 | Seite 24 Bedacht, Nr. 6 | Seite 25


Eine kleine Geschichte:

Von der Sorge Gottes

um das Verlorene

Auch zu Jesu Zeiten gab es angesagte und erfolgreiche Leute und solche Typen, mit denen man sich besser nicht

abgab. Doch Jesus umgab sich mit genau diesen Männern und Frauen mit schlechtem Ruf. Die Pharisäer und die

Schriftgelehrten waren darüber ungehalten und machten oft ihrem Ärger Luft: „Der gibt sich mit stadtbekannten

Sündern ab und isst sogar mit ihnen!“ Ihr Ärger veranlasste Jesus dazu, folgende Gleichnisse zu erzählen.

„Stellt euch vor, einer von euch hätte hundert Schafe und würde

plötzlich eines vermissen. Würde er nicht die neunundneunzig

in der Wüste zurücklassen und so lange dem verlorenen nachgehen,

bis er es gefunden hat? Und wenn er es gefunden hat, wird

er es dann nicht voller Freude auf seine Schultern nehmen und

nach Hause tragen? Sobald er dort angekommen ist, wird er mit

Sicherheit alle seine Freunde und Nachbarn zusammenrufen und

ihnen sagen: ‚Feiert mit mir, ich habe mein verlorenes Schaf wiedergefunden!‘

Ihr könnt euch darauf verlassen: Auch im Himmel

freut man sich mehr über einen Menschen, der sich von Gott finden

lässt, als über neunundneunzig tugendhafte Leute, die davon

überzeugt sind, dass sie nicht auf Gottes Erbarmen und seine Hilfe

angewiesen sind.

Oder stellt euch eine Frau vor, zu deren Hochzeitsschmuck einmal

zehn Münzen gehört haben und die nun feststellt, dass eine

davon fehlt. Wird sie nicht eine Lampe anzünden und das ganze

Haus auskehren, in jede Ecke und in jede Ritze schauen, um die

Münze wiederzufinden? Ihr könnt sicher sein: Wenn sie das wertvolle

Stück dann endlich gefunden hat, wird sie ihre Freundinnen

und Nachbarinnen zusammenrufen und sie einladen: ‚Feiert

mit mir! Ich habe meine verloren geglaubte Münze wiedergefunden.‘

Und solche Feste feiern die Engel Gottes jedes Mal, wenn

ein Mensch, der Gefahr lief, verloren zu gehen, zu seinem Gott

zurückfindet.“

Übertragung von: Lukas 15, 1-10

aus: Willkommen daheim. Eine Übertragung des Neuen Testaments, die den

Verstand überrascht und das Herz berührt, © 2009 Gerth Medien, Asslar

Meine Wege, deine Wege

„Lass mich am Morgen hören deine Gnade; denn ich hoffe auf dich. Tu mir kund den Weg, den ich gehen soll;

denn mich verlangt nach dir“ Psalm 143, 8 (Übersetzung: Luther 1984).

So lautete der Monatsspruch für den Januar

diesen Jahres. Diese Worte betet David in

Psalm 143. Sie sind mir in der letzten Zeit zu

einem Gebet geworden, das ich gerne aus

tiefstem Herzen mitspreche.

In meinem vollen Alltag erlebe ich es immer

wieder als eine Herausforderung, mir

meine Zeit so einzuteilen, dass weder die

Uni noch meine Beziehungen und Hobbys

zu kurz kommen. Gleichzeitig brauche ich

dabei auch noch genug Zeit für mich selbst,

für meine Beziehung zu Gott und einfach,

um mich zu erholen. Es sind die kleinen

alltäglichen Entscheidungen, vor denen ich

jedes Mal wieder stehe und nicht weiß, was

am besten ist. Es sind Fragen wie: „Soll ich

für morgen Abend zusagen und mit meinen

Kommilitonen ins Kino gehen? Ich würde

so gerne endlich mal wieder Zeit mit ihnen

außerhalb der Uni verbringen, aber andererseits

ist es mein einziger unverplanter Abend

diese Woche, den ich vielleicht auch einfach

brauche, um mal zur Ruhe zu kommen.“

In unserer heutigen Gesellschaft gibt es so

viele großartige Möglichkeiten, mein Leben

zu gestalten, die ich am liebsten alle wahrnehmen

möchte. Mich begeistern so viele

verschiedene Dinge, dass ich oft bedauere,

für vieles davon nicht mehr Zeit zu haben.

Gleichzeitig bin ich mit dem übermäßigen

Angebot und den vielen Entscheidungsmöglichkeiten

auch schnell überfordert. Oft passiert

es dann, dass ich mir zu viel vornehme

und unausgeglichen werde.

Da hilft mir in vieler Hinsicht dieser Vers

aus Psalm 143. Er erinnert mich daran, mir

jeden Tag neu Gottes Gnade bewusst zu machen.

In Bezug auf meinen Alltag und gerade

auf die Angst vor falschen Entscheidungen

erlebe ich es als Gottes Gnade, dass er mir

alles, was passiert, zum Besten dienen lässt.

Ich darf also auch „falsche“ Entscheidungen

treffen. Denn ich glaube, wie Søren Kierkegaard

schon formuliert hat, dass Gott in

seiner Gnade aus einer „falschen“ Entscheidung

etwas noch Besseres entstehen lassen

kann als das, was das Ergebnis der richtigen

Entscheidung gewesen wäre. Das gibt mir

Gelassenheit. Besonders gut tut es, wenn

ich diese Gnade spüren und durch Erlebnisse

erfahren kann. Darum bete ich: „Lass

mich am Morgen hören deine Gnade.“ Ich

bin überzeugt, dass Gott, mein gnädiger Vater

im Himmel, es über alle Maßen gut mit

mir meint und möchte, dass mein Leben gelingt.

Deshalb kann ich voll Zuversicht sagen:

„Ich hoffe auf dich.“ NUR auf ihn will

ich hoffen. Ich glaube, dass er den besseren

Überblick über mein Leben hat und mich

besser kennt als ich mich selbst. Darum

weiß er auch besser, was mir guttut, was ich

brauche, und will es mir geben. Was kann

ich da Besseres tun, als ihm zu vertrauen

und zu beten, dass er mir seinen wunderbaren

Weg für mein Leben zeigt? Bei den vielen

Entscheidungen, vor die ich im Alltag

gestellt bin, brauche ich zuallererst Gottes

Wegweisung und spreche mit David: „Tu

mir kund den Weg, den ich gehen soll!“

Der letzte Teil „denn mich verlangt nach

dir“ drückt die Sehnsucht nach der Nähe

Gottes aus, die ich auch so oft verspüre.

Schon oft habe ich gemerkt, wie wohltuend

sie ist und dass mich niemand und nichts so

sehr ausfüllen kann wie Gott. Es sind meistens

Momente, während ich Lieder für Gott

singe, bete, in der Bibel lese, eine ansprechende

Predigt höre oder einfach Zeit mit

ihm verbringe, in denen ich Gott begegne

und merke, wie er mir nahe ist. Das erfüllt

mich mit einer großen Freude und einem

tiefen Frieden, den ich gar nicht richtig in

Worte fassen kann. Es ist ein viel tieferer

Frieden als ich ihn im Aktionismus, in Beziehungen

und beim Wahrnehmen der unzähligen

Angebote erlebe.

In Gottes Nähe kann ich mein Leben ein

bisschen mehr mit seinen Augen sehen und

meine Alltagssorgen und Entscheidungsprobleme

nehmen ein viel geringeres Ausmaß

an. Darum möchte ich seine Nähe immer

wieder suchen. Dabei helfen mir Davids

Worte aus Psalm 143, 8.

Mirjam Heinzelmann – Göttingen

Bedacht, Nr. 6 | Seite 26

Bedacht, Nr. 6 | Seite 27


www.kirche-in-not.de

ausgesucht

Auch diesmal haben wir uns auf die Suche nach interessanten Medien gemacht. Wir sind fündig geworden und

stellen euch lohnende Leckerbissen aus Internet, Literatur und Film vor.

Christiananswers.net/

spotlight

[F] Das große Filmangebot der heutigen

Zeit führt auch zu immer mehr Filmrezensionsseiten

im Internet. Die englischsprachige

Seite www.christiananswers.net/

spotlight beleuchtet neben den allgemeinen

Aspekten, wie Unterhaltungsgrad

und künstlerische Expertise, auch die moralische

Seite des Films. Die Hauptseite

christiananswers.net gehört zu einer weltweiten,

evangelistischen, unkonfessionellen,

christlichen Bewegung, die versucht,

Fragen der Gegenwart mithilfe der Bibel

zu beantworten. Die Bewertung der Filme

geschieht zum einen qualitativ, indem die

Aussagen von Szenen im Einzelnen und

in ihrer Gesamtheit am Maßstab der Bibel

geprüft werden. Zum anderen zählt der Autor

die im Film vorkommenden anstößigen

Szenen, d.h. die Anzahl der Fluchwörter

und die sexuell aufgeladenen Szenen. Bei

einer allein auf Realismus und Tabubruch

basierenden Ästhetik, ohne zum besseren

Handeln motivierende und sinnstiftende

Botschaft, geht dem Film auch etwas Wertvolles

verloren. Und nicht selten motiviert

das, was man sieht, zum Nachmachen.

Trotz dieser moralischen Strenge ist die abschließende

Empfehlung zu den jeweiligen

Filmen überraschend differenziert.

Exodus im

Nahen Osten

Christen in Syrien und im

Libanon brauchen Ihre Hilfe.

KIRCHE IN NOT

Lorenzonistr. 62

81545 München

Tel.: 089 - 64 24 888-0

Fax: 089 - 64 24 888-50

„Die Christen

und alle anderen

Nicht-Muslime

sind in diesen

Regionen heute

Bürger zweiter

Klasse.“

P. Simon Faddoul,

Libanon.

Spendenkonto:

LIGA Bank München

Konto-Nr.: 215 2002, BLZ: 750 903 00

IBAN: DE63 7509 0300 0002 1520 02

BIC: GENODEF1M05 ... damit der Glaube lebt!

97 Minuten | 10,49 EUR

Das gezeichnete Ich

[L] Über den jungen Liedermacher „Das

gezeichnete Ich“, der das Zitat eines Gedichtes

von Gottfried Benn zu seinem

Künstlernamen gemacht hat, ist nicht viel

bekannt. Wenn man mehr von ihm wissen

will, muss man seine Musik hören.

Man erkennt die Leidenschaft zur Sprache

und Musik in seinen Liedern. Er will seine

Kunst über sich selbst stellen: Konzentriere

dich auf die Töne, die Instrumente und die

Stimmung; eben mehr auf die Musik als auf

den Schaffer. Denn das ist wichtig! Der Inhalt

des Albums „Das gezeichnete Ich“ ist

das Leben. Er versucht den verschiedenen

Der Mann ohne

Vergangenheit

[J] Mitten in der Nacht wird ein Mann

von brutalen Schlägern ausgeraubt und so

schwer verprügelt, dass er sein Gedächtnis

verliert. Von den Ärzten aufgegeben und

von den Behörden abgewiesen, nimmt ihn

eine in einem Schrottcontainer lebende Familie

bei sich auf und pflegt ihn gesund.

Gemeinsam mit der schüchternen Heilsarmistin

Irma hilft sie ihm, eine neue Existenz

aufzubauen und neuen Lebensmut

zu schöpfen. Nun ist es der namenlose

M., der den Arbeitslosen, Alkoholikern

und Außenseitern auf dem Schrottplatz

Ansprüchen des Seins, aber vor allem auch

der Liebe, musikalisch gerecht zu werden,

was ihm beeindruckend gelingt. Die Musik

ist lebensbejahend (z.B.: „Halleluja“), verarbeitend

und nachdenklich. Er packt das

Leben mit seiner Musik sanft, aufgeweckt

und differenziert an. Aber vor allem ist die

Musik ehrlich. Er ist ein Musiker, der beweist,

dass nicht nur die englische Sprache

einen Zauber um die Liebe in ihren Facetten

legen kann, sondern fast das Gegenteil:

Die deutsche Sprache darf sich mit der

gleichen Berechtigung an diese Kunst heranwagen.

Fazit: Hörenswert für jeden, der

auf die große künstliche Show verzichten

und sich in pure Klänge hingeben möchte.

Bedacht, Nr. 6 | Seite 29

zu neuem Selbstbewusstsein verhilft und

frischen Wind in die verkrusteten Strukturen

der Heilsarmee bringt, deren betuliche

Kapelle unter seiner Anleitung zu neuen

musikalischen Höhenflügen gelangt. Da

kann M. überraschend identifiziert werden

und bekommt die Möglichkeit, in sein altes

Leben zurückzukehren. Mit leisem Humor

erzählt der finnische Regisseur Ari Kaurismäki

eine poetische Parabel von der Angst

vor dem Absturz und der Nächstenliebe,

doch vor allem davon, wie ein Mensch

sein Leben noch einmal neu beginnt.

Für seinen stillen und tiefgründigen Film

wurde Kaurismäki 2002 mit zahlreichen

internationalen Preisen ausgezeichnet.

42 Minuten | 5,99 EUR (als Download)


Kontakt gesucht?

Du suchst – ob als Christ oder Nichtchrist – Kontakt zu christlichen Studierenden? An fast jeder Universität

gibt es einige christliche Hochschulgruppen und Hochschulgemeinden. Um dich bei der Suche ein wenig zu

unterstützen, haben wir SMD-Gruppen aus einigen Städten, in denen die BEDACHT erscheint, zusammengetragen.

Hier findest du Themen, Highlights und Treffpunkte der unterschiedlichen Gruppen.

Highlights

SMD Leipzig

Semesterthema: „You Only Live Once”

23.04. – LebensSinn

21.05. – LebensSpuren

04.06. – LebensWert

18.06. – LebensWende

26.06. – Fußball-WM-BBQ

Alle 2 Wochen Großgruppenabende

Mittwochs, 19.00 Uhr, Bernhard-Göring-Straße 18-20

weitere Termine findet ihr unter: www.smd-leipzig.de

Highlights

SMD Münster

09.04. – Gottesdienst Clubschiene

05.05. – ScienceSlam

06.05. – 08.05 – Themenwoche: Vorträge zu Hawking,

Nietzsche, Singer

26.05. – Casino-Abend

05.07. – Beachvolleyballtunier

14-tägig, montags, 20.00 Uhr, Antoniusstr. 36, Matthäusgemeinde

weitere Termine findet ihr unter: www.smdmuenster.de

SMD Bayreuth

SMD Bielefeld

Highlights

16.04. – Ostern für Dummies

23.04. – Lobpreisabend

14.05. – Hörsaalvortrag: „Wunder – Wahrheit – Wissenschaft?”

18.06. – Hörsaalvortrag: „Menschenhandel in Deutschland”

25.06. – Gottesdienst im Grünen (mit ESG, CVJM) im ÖBG

wöchentlich, mittwochs, 20.00 Uhr

Hohenzollernring 7, in den Räumen der EFG (unten)

weitere Termine findet ihr unter: http://hochschul-smd.org/bayreuth

Highlights

12.05. – 15.05. – Hochschultage mit Ulrich Parzany

02.07. – Lebensgeschichten-Abend

weitere Termine findet ihr unter:

www.smd-bielefeld.de

Highlights

SMD Osnabrück

– Bibelgespräche in Hauskreisen

– Projekte und Aktionen an der Uni

– Gebetstreffen

– Gemeinschafts- und Freizeitaktionen

Interesse? Komm doch zu unserem Infoabend am 24.4. um 20 Uhr

Donnerstags, 20.00 Uhr, jede Woche Hauskreise,

abwechselnd zu Hause oder in der Rolandstr.9 (CVJM)

weitere Termine findet ihr unter: www.smd.uos.de

Deine Stadt ist nicht dabei oder du suchst eine

andere Hochschulgruppe?

Auf unserer Website haben wir für alle Städte,

in denen die BEDACHT erscheint,

die Kontaktdaten der christlichen Gruppen gesammelt.

Also klick dich rein:

www.bedacht-magazin.de

SMD Dresden

Semesterthema: „Mutentbrannt”

SMD Freiberg

Highlights

22.04. – „kronloyal” – Großgruppenabend mit Prof. Dr. Aßmann

06.05. – „fremdartig”

02.05. – 04.05. – SAFT – SemesterAnfangsFreitzeit

02.06. – 06.06. – Hochschultage mit Dr. Matthias Clausen

(auf dem Campus)

im Juli – „unerhört” – Hörsaalvortrag mit Raik Harder

Highlights

28.04. – Ich glaube schon an irgendwas, aber warum an Jesus?

21.05. – Studententage 2014 – Meet & Greet mit der SMD

26.05. – Hörsaalvortrag (GEL-0001)

23.06. – Warum Christ werden?

03.07. – Hörsaalvortrag – Wie zuverlässig ist die Überlieferung des

Neuen Testaments? (GEL-0001)

Highlights

Alle 2 Wochen Großgruppenabende im Wechsel mit Hauskreisen

Dienstags, 19.30 Uhr, George-Bähr-Straße, Zeunerbau (ZEU) 250

weitere Termine findet ihr unter: www.smd-dresden.org

SMD Göttingen

Semesterthema: Die Bergpredigt

06.05. – Semesteranfangsandacht (Albanikirche)

21.05. – Mehr sein als Schein

15.05. – Hörsaalvortrag: „Der gute Tod” – Fragen zum Lebensende

mit PD Dr. Bernd Alt-Epping

11.06. – Er stürzt die Mächtigen vom Thron. Wann denn bitte?

25.06. – Geheimnis des Gebets

Highlights

20.00 Uhr, Tee-Ei, Untermarkt 5

weitere Termine findet ihr unter: www.smd-freiberg.de

SMD Greifswald

15.04. – Morgen, morgen, nur nicht heute

06.05. – Was muss ich tun, um verloren zu gehen?

20.05. – Missionarsabend

03.06. – Die Bibel – Gottes Wort oder Menschenwort?

08.07. – Semesterabschluss – Grillen in Eldena

Immer wieder innehalten

und in Gedanken bewusst

Gott die Kontrolle übergeben

und ihn bitten, durch

mich zu wirken.

Luise, 20

„Glaube im

Alltag” –

was bedeutet

das für dich?

Alle 2 Wochen Großgruppenabende im Wechsel mit Hauskreisen

Mittwochs, 19.30 Uhr, Baptistengemeinde, Bürgerstr. 14

weitere Termine findet ihr unter: www.smd-goettingen.de

SMD Hamburg

wöchentlich, dienstags, 19.30 Uhr, Brüggstr.5, Baptistengemeinde

weitere Termine findet ihr unter: www.smd-greifswald.de

SMD Hannover

Semesterthema: „I’ve been looking for ...“

Die Liebe Gottes

weitergeben.

Hannah, 20

Die Möglichkeit, ständig zu

beten, mit Gott in Kontakt

zu kommen und mich anderen

gegenüber christlich

zu verhalten.

Nicht blind in jede Entscheidung

zu laufen…

Jörn, 21

Highlights

Wir treffen uns abwechselnd zu Gruppenabenden im Café „Quo

Vadis“ und zu Hauskreisen bei Leuten zu Hause. Nebenbei

verabreden wir uns unter Anderem zum gemeinsamen Frühstück,

zum Grillen im Park oder auch zu Spieleabenden. Auf unserer

Website oder Facebookseite erfährst du immer, was gerade ansteht.

Also komm vorbei und lerne uns kennen!

Highlights

10.04. – Willkommens-Abend

24.04. – I’ve been looking for ... Adrenalin

08.05. – I’ve been looking for ... Heimat

22.05. – I’ve been looking for ... Nähe

17.07. – Sommerfest

Wiebke, 19

Café „Quo Vadis“, Grundelallee 95

www.hochschul-smd.org/hamburg

www.facebook.com/SmdHamburg

Alle 2 Wochen Großgruppenabend, dazwischen Hauskreise

Donnerstags, 18.30 Uhr, Waldstr. 47 / ViWa (oberstes Stockwerk)

weitere Termine findet ihr unter: www.smd-hannover.de

Bedacht, Nr. 6 | Seite 31

Ähnliche Magazine