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IM EINSATZ 3/2014

Elbe Hochwasser Wasserrettung

Elbe Hochwasser
Wasserrettung

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EINSATZ

Z E I T S C H R I F T F Ü R H E L F E R U N D F Ü H R U N G S K R Ä F T E

3/2014 · Juni 2014 · 21. Jahrgang

Elbe-Hochwasser

Rettung/Sanität

Wasserrettungszug West goes East

Führung

Magdeburg mit mobiler Führungsunterstützung

Technik

Deichschutz – nichts für Dummies


www.volkswagen­nutzfahrzeuge.de/blaulichtfahrzeuge

Auf ihn können Sie zählen, wenn jede Sekunde zählt.

Der Transporter 1 als Einsatzfahrzeug.

Seine Zuverlässigkeit macht ihn seit 60 Jahren zur Nr. 1 bei den Einsatzfahrzeugen. Mit dem Transporter als

Einsatzfahrzeug sind Sie auch in Zukunft nahezu jeder Herausforderung gewachsen. Seine leistungsstarken

Motoren erfüllen die aktuell gültige Abgasnorm. Zudem ist optional für diverse Modelle ein zulässiges Gesamtgewicht

von 3,2 t bestellbar. Common­Rail­Technologie und das 7­Gang­Doppelkupplungsgetriebe DSG

machen den Transporter noch effzienter und wirtschaftlicher. Dank der einzigartigen Kombination aus 4MOTION

und Automatik hat der Fahrer die Möglichkeit, sich voll auf den Einsatz zu konzentrieren. Und mit den optio ­

nalen Fahrerassistenzsystemen wie Abbiegelicht und Spurwechselassistent kommen Sie nicht nur besonders

schnell ans Ziel, sondern auch besonders sicher.

1

KTW Transporter Kombi, Kraftstoffverbrauch in l/100 km: kombiniert von 10,3 bis 6,8 für Benzin und Diesel. CO 2­Emissionen in g/km: kombiniert

von 239 bis 179 für Benzin und Diesel. Abbildung zeigt exemplarische Aufbaulösungen gegen Mehrpreis.


Gemeinsame Grundlagen –

komplexe Hochwasserlagen

Ein Jahr ist es her, dass viele Landstriche

Deutschlands und seiner Nachbarländer von

einem außergewöhnlichen Hochwasser heimgesucht

wurden. Die örtlichen Einsatzkräfte

konnten der Situation nicht mehr alleine Herr

werden und forderten Unterstützung an. Aus

den verschiedensten Gegenden Deutschlands

waren Einheiten aller Organisationen in den

Hochwassergebieten im Einsatz. Spannende

Einsatzberichte beteiligter Kräfte in dieser

Ausgabe zeigen ein facettenreiches Bild des

Hochwassereinsatzes. Obgleich die über Ländergrenzen

hinweg entsendeten Einheiten

einen gewissen zeitlichen Vorlauf hatten und

nicht alle Einsatzkräfte pausenlos im Einsatz

waren, zeigten viele einzelne – zum Teil spektakuläre

– Situationen, wie sehr die aus großer

Entfernung angereisten Helferinnen und Helfer

gebraucht wurden.

Bei Einsätzen in der Größenordnung des Hochwassers

von 2013 reichen die ohnehin schon

strapazierten örtlichen Strukturen nicht aus,

um überörtlich angeforderte Einheiten zu führen.

Die Unterstützung durch überörtlich angeforderte

operativ-taktische Führung hat sich

daher bewährt und ist aufgrund einheitlicher

Grundlagen wie der DV 100 auch länderübergreifend

möglich. Der Einsatzbericht der Feuerwehr

Hannover stellt eine solche Aufgabe

anschaulich dar.

In der jüngeren Vergangenheit wurde immer

wieder die Motivation und Gewinnung engagierter

Helfer vor dem Hintergrund gesellschaftlicher

Veränderungen diskutiert. Der für

das Maß der Motivation wichtige Faktor „Zufriedenheit“

der an den Hochwassereinsätzen

beteiligten Einsatzkräfte wurde in einer aktuellen

Befragung näher untersucht.

Im Einsatz befanden sich jedoch nicht nur Helfer,

die fest in die Strukturen der etablierten

Organisationen eingebunden sind. Stellenweise

waren freiwillige Helfer anzutreffen, die sich

mehr oder weniger organisiert und eher spontan

zur Mithilfe entschlossen hatten. Auch sie

waren von weit her angereist. Durch die nahezu

überall verfügbaren Internetdienste wie Nachrichtenportale

und Soziale Plattformen entsteht

um solche Helfergruppen eine bisher weniger

bekannte Dynamik. Diese Helfer zielgerichtet

zu lenken und einzusetzen ist eine der künftigen

Herausforderungen.

Neben einem großen Helferansatz ist für erfolgreiche

Hochwassereinsätze auch die technische

Komponente entscheidend. So können

neue Systeme eine effiziente Alternative zum

klassischen Verbau mit händisch befüllten

Sandsäcken sein. Der Hochwassereinsatz im

vergangenen Jahr hat gezeigt, dass unsere hergebrachten

gemeinsamen Grundlagen (wie die

DV 100) über Verwaltungs- und Organisationsgrenzen

hinweg unabdingbar sind, um in komplexen

Lagen interoperabel zu arbeiten. Neue

Techniken und Verfahren wie Wasserbarrieren,

ein Funksystem in der Migrationsphase oder

auch die manchmal entbehrlich erscheinende

klassische Katastrophenschutzausbildung müssen

neben den alltäglichen Herausforderungen

aber auch auf Szenarien wie ein Hochwasser

2013 ausgerichtet sein. Dabei sollten wir neue

Entwicklungen als Chance begreifen und unserer

Sache zunutze machen.

Ihr

Simon Ludäscher

Simon

Ludäscher

M.Sc.

Ingenieur für

Rettungs wesen

Dortmund,

Redaktion

IM EINSATZ

21. Jahrgang · Juni 2014 · 107 IM EINSATZ 3


Hochwasser flächendeckend

Hilfe grenzenlos

Bei Einsätzen in der Größenordnung des Hochwassers von 2013 reichen die

ohnehin schon strapazierten örtlichen Strukturen oft nicht aus, um überörtlich

angeforderte Einheiten zu führen. Die Unterstützung durch überörtlich angeforderte

operativ-taktische Führung hat sich daher bewährt und ist aufgrund

einheitlicher Grundlagen auch länderübergreifend möglich. Einmal mehr zeigte

sich, dass diese Zusammenarbeit äußerst sinnvoll ist.

AKTUELLES

8 26

Ergebnisse einer Umfrage:

Wie zufrieden waren Einsatzkräfte

im Hochwasser 2013?

Um einen Überblick über die

persönliche Zufriedenheit von

ehrenamtlichen Einsatzkräften im

Hochwassereinsatz 2013 zu erhalten,

wurde von der FH Köln eine Online-

Umfrage durchgeführt.

C. Baumgarten, C. Bentler

RETTUNG/SANITÄT

Online-Plattform:

Team Bayern organisiert Laienhelfer

im Katastrophenfall

Freiwillige können sich auf einer

Online-Plattform registrieren, um bei

Katastrophen gezielt professionelle

Helfer zu unterstützen. Mit „Team

Bayern“ soll unkompliziert ungebundene

Hilfe angeboten werden.

G. Bücherl

RETTUNG/SANITÄT RETTUNG/SANITÄT

12

Hochwassereinsatz mit RTW:

Bewegende Bilder bleiben

Mit einem 24 Fahrzeuge umfassenden

Konvoi der Feuerwehrbereitschaft

des Kreises Pinneberg waren

Kräfte aus dem hohen Norden in die

Hochwassergebiete Sachsen-Anhalts

aufgebrochen. Der Einsatz hat Spuren

hinterlassen. Ein Erlebnisbericht.

S. Vasel

Überörtliche Hilfeleistung:

Verstärkter Wasserrettungszug

NRW in Magdeburg

K. Püttmann

„Gut Ding mit Weile“:

EU-Richtlinie zum Hochwasser-Risikomanagement

C. von Spiczak-Brzezinski

RETTUNG/SANITÄT RETTUNG/SANITÄT

30

17 35

22

First Responder 2.0:

Leitstellen-Alarmierung

per App

Die neuen Mobilen-Sanitäter-

Responder kommen in der gesamten

Steiermark zum Einsatz. Der hohe

Grad der Verfügbarkeit ergibt sich

aus der großen Anzahl eingebundener

Sanitäter.

P. Hansak

Erste-Hilfe-Schulung der besonderen

Art: Dekon-V beim

THW in Tönning

Die Erste-Hilfe-Leistung unter den

besonderen Einsatzoptionen eines

Technischen Zuges werden vom

THW-Ortsverband Tönning im Kreis

Nordfriesland seit zwei Jahren

angeboten.

R. Oldehus, A. M. Bernhardt

4

IM EINSATZ

21. Jahrgang · Juni 2014 · 108


Taktische Zeichen

in der Gefahrenabwehr

Größenordnungen,

hierarchische Zuord nungen

und Ordnungsprinzipien

Taktische Einheiten

Trupp

Staffel

Gruppe

Zug

Zugtrupp

Taktische Verbände

Bereitschaft (Verband I)

Abteilung (Verband II)

Großverband (Verband III)

Verwaltungsstufen

Gemeinde, kreisangehörige Stadt

Kreis / Landkreis, kreisfreie Stadt

Bezirk

Land / Freistaat

Bundesrepublik Deutschland

Europäische Union

Stärkeangaben von Einheiten

Anzahl Führer

• Führer von Verbänden

• Zugführer

• Ärzte

Anzahl Unterführer

• Gruppenführer

• Staffelführer

• Führer selbstständiger Trupps

Anzahl Einsatzkräfte

• Truppführer (nur bei Feuerwehr)

• Truppmänner

• Truppmänner mit Sonderaufgaben

Gesamtstärke takt. Formation

• taktische Einheit

oder

• taktischer Verband

1. Zahl 2. Zahl 3. Zahl 4. Zahl

2 / 6 / 22 / 30

Grundzeichen

Zeichen Bedeutung

Taktische Formation (taktische Einheit /

taktischer Verband), Dienststelle

Befehlsstelle, Führungsstelle (im Einsatz)

Stelle, Einrichtung

Person

Gebiet, Fläche

Flächenbrand

Überschwemmtes Gebiet

Dürregebiet

Einschränkungen / Ausfall der Versorgung

z. B. Stromausfall

Sonstige großflächige Schadensgebiete

Kontaminiertes Gebiet;

biologisch / chemisch;

z. B. Pandemie / Gefahrstoffe

drohende Gefahr (die Diagonalstreifen

sind in der Farbe der Gefahr, also z. B. Blau

bei drohendem Hochwasser)

KatS-Alarm, z. B. in einem Landkreis

Maßnahmen, allgemein

Anlass, Ereignis

Gefahr

ortsgebunden, ortsfest

Gebäude

Brandschutz, technische Hilfe, Gefahren abwehr

in Gegenwart gefährlicher Stoffe und Güter

und sonstige technische Einsatzaufgaben

(Verteiler)

Brandbekämpfung / Löscheinsatz,

einschl. Retten

(Drehleiter mit Korb)

retten aus Höhen und Tiefen

(Drehleiter mit Korb und Richtungspfeil)

Höhenrettung

(Drehleiter mit Korb und Richtungspfeil)

Retten aus Tiefe

(Verteiler / Wasser)

Wasserversorgung und -förderung

(Spreizer)

Technische Hilfeleistung, einschl. Retten

(Hebegerät)

Heben von Lasten

(Bergemulde / -wanne)

Bergen, Bergung

(Räumgerät)

Räumen, Beseitigung von Hindernissen

(Sprengkörper)

Entschärfung, Kampfmittelräumung

(Detonationskegel)

Sprengen

(Rad)

Transport

(Lampe)

Beleuchtung

(Propeller)

Einsatz von Luftfahrzeugen

(Boot auf dem Wasser)

Einsatz von Wasserfahrzeugen,

Fahren auf dem Wasser

(Hund)

Suchen und orten mit Rettungshunden

(Person im / auf dem Wasser)

Wasserrettung, einschl. Tauchen

(Schaufelrad)

Pumpen, Lenzen, Beseitigen von

Wasserschäden

(Deich / Wasser)

Abwehr von Wassergefahren,

Deichverteidigung

(Retorten)

Gefahrenabwehr bei gefährlichen Stoffen

und Gütern, ABC-Schutz / CBRN-Schutz

(Retorten / Erkundung)

Messen, Spüren

(Retorten mit Pfeilen)

Dekontamination

(Retorten / Wasser)

Beseitigen von Umweltschäden auf / in

Gewässern, Ölschadensbekämpfung

Rettungswesen, Sanitätswesen,

Gesundheitswesen

(Kreuz)

Rettungswesen, Sanitätswesen,

Gesundheitswesen

(Kreuz / ärztlicher Dienst)

Ärztliche Versorgung

(Berge)

Bergrettung

Betreuungswesen

(Dach / Obhut)

Betreuung

(Bett)

Unterbringung

(Bewegungspfeil, Sammeln mit Betreuungsdach)

Anlaufstelle (Sammelstelle für

Betroffene)

Versorgung und Logistik

(ohne Bezug)

Versorgung, Logistik

(angeschnittenes Brot)

Verpflegung

(Trichter)

Versorgung mit Verbrauchsgütern

und Betriebsstoffen

(Wasserhahn)

Versorgung mit Trinkwasser

(Wasser)

Versorgung mit Brauchwasser

(Elektrizität / Blitz)

Versorgung mit Elektrizität

(Maulschlüssel)

Instandhaltung, Instandsetzung,

materielle Infrastruktur

Veterinärwesen

(„V“ für Veterinär)

Veterinärwesen

(Beil)

Schlachten

Führung und Leitung

(ohne Bezug)

Führung, Leitung, Stab

(Elektrizität / Blitz)

Information und Kommunikation (IuK),

Fernmeldewesen

(ohne Bezug)

Erkundung

(Lautsprecher)

Warnen

Personen mit besonderen Funktionen

Führungskraft

Truppführer

Gruppenführer

Zugführer

Verbandsführer; Führer einer Bereitschaft

(Verband 1)

Person mit Sonderfunktion

z. B. Fachberater (in Verbindung mit einem

Zeichen, das die Aufgabe beschreibt)

Landgebundene Fahrzeuge

Fahrzeug, landgebunden

Kraftfahrzeug, landgebunden

Kraftfahrzeug, mehrspurig,

geländegängig oder geländefähig

Wechselladerfahrzeug

Abrollbehälter, Container

Anhänger

Schienenfahrzeug

Kettenfahrzeug

Kraftrad

Fahrrad

Räumgerät (Raupe, Radlader, etc.)

Hebegerät

Bagger

Wasserfahrzeuge

Wasserfahrzeug

Luftfahrzeuge

Flugzeug

Hubschrauber

Sonstige Einsatzmittel

Sirene

Lautsprecher

Sprengmittel, Sprengkörper, Blindgänger

Trinkwasser

Brauchwasser

Versorgung mit Betriebsstoffen und

Verbrauchsgütern

Verpflegung

Unterbringung / Unterkunft

Zelt

Geräte

Brücke

Richtungen, Bewegungen, Sammelpunkte,

Tendenzen, Aktivitäts- und Ausfallgrade

Richtung des Vortragens eines Einsatzes

Richtung, gerichtete Bewegung, Verbindung

Ausgangspunkt einer Bewegung

Endpunkt einer Bewegung

Bewegung in zwei Richtungen

(z. B. Sichten, Ordnen, Verteilen)

Sammeln

Tendenz steigend

Tendenz unverändert

Tendenz fallend

geringfügig erhöhte Aktivität /

bis 25 % Ausfall

moderat erhöhte Aktivität /

bis 50 % Ausfall

deutlich erhöhte Aktivität /

bis 75 % Ausfall

stark erhöhte Aktivität / Totalausfall

Informations- und Kommunikationsmittel

(über Draht) (über Funk)

Bildübertragung

Datenübertragung

Fax

Fernsprechen

Festbildübertragung

Relaisfunkbetrieb

Richtbetrieb

Kabelbau

Digitaler Sprechfunk

Handfunkgerät

HRT

(digitaler Sprechfunk)

Fahrzeugfunkgerät

MRT

(digitaler Sprechfunk)

Feststation

FRT

(digitaler Sprechfunk)

DMO-Betrieb

DMO

(digitaler Sprechfunk)

TMO-Betrieb

TMO

(digitaler Sprechfunk)

Funkgerät mit Gateway-

GW Funktion

(digitaler Sprechfunk)

Funkgerät mit Repeater-

RP Funktion

(digitaler Sprechfunk)

Basisstation

TMO

(digitaler Sprechfunk)

Allgemeine Maßnahmen

Sprengen

Räumen

Erkunden / Beobachten

Dekontaminieren

Transportieren

Brückenbau

Gefahren- und Schadensdarstellung

Person

verletzte Person

tote Person

vermisste Person

verschüttete Person

gerettete Person

zu transportierende Person

transportierte Person

verletztes Tier

totes Tier

angeschlagen, beschädigt

teilzerstört, teilweise zusammengebrochen

total zerstört, total zusammengebrochen

schwierig befahrbar / teilblockiert

nicht befahrbar / blockiert

überschwemmtes Gebiet

Entstehungsbrand

fortentwickelter Brand

Vollbrand

Hinweis auf vermutete Gefahr durch ...

Akute Gefahr durch ...

Gefahr durch Radioaktivität (A B C)

Gefahr durch elektrische Energie

Chlor GS Cl 266

gefährliche Stoffe, z. B. , oder 1017

Ö Gefahr durch Mineralöl

Gefahr durch Wassereinbruch

Gefahr durch explosionsfähige

Kampfmittel oder Explosivstoffe

Ex

Gefahr durch Explosion

Trennlinien und Grenzen von Einsatzräumen

EA

UEA

Sonstige Zeichen

Grenze des Einsatzraumes eines Zuges

Grenze eines Einsatzabschnittes

Grenze eines Untereinsatzabschnittes

Hinweis auf Vermutung

Hinweis auf akute Situation

Beispiele für die Kombination von

Grundzeichen, Zusatzzeichen und

ergänzenden Angaben

Brandschutz / Technische Hilfe / Gefahrenabwehr

bei gefährlichen Stoffen und Gütern

Löschzug einer Feuerwehr

Fachzug: Temporäre Zusammenstellung von

Einheiten auf Zugebene mit gleicher fachlicher

Ausrichtung im Zusammenhang mit

FZ-

Verbänden

Gefahrstoffzug / ABC-Zug / CBRN-Zug

einer Feuerwehr

ABC-Erkundungsgruppe einer Feuerwehr

Dekontaminationsgruppe – Personen

P einer Feuerwehr

Dekontaminationsgruppe – Gerät einer

G Feuerwehr

Analytische Task Force (ATF)

ATF

Höhenrettungsgruppe einer Feuerwehr

Tauchen

Tauchergruppe einer Feuerwehr

Schlauchwagen SW 2000 Tr,

SW 2000 TR geländegängig oder geländefähig

Rüstwagen 1,

RW geländegängig oder geländefähig

Drehleiter mit Korb 23/12,

DLK

23/12 geländegängig oder geländefähig

Löschgruppenfahrzeug 10

LF 10

ELW 1 Einsatzleitwagen 1

Bundesanstalt Technisches Hilfswerk (THW)

Technischer Zug

TZ-FGr

mit Fachgruppe allgemein

THW

Technischer Zug

TZ-Bel

mit Fachgruppe Beleuchtung

THW

FGr Fachgruppe allgemein

THW

B 1 Bergungsgruppe 1 allgemein

THW

Bel Fachgruppe Beleuchtung

THW

Kraftrad

THW

GKW I Gerätekraftwagen I,

THW geländegängig

LKW Lbw Lastkraftwagen mit Ladebordwand,

THW geländegängig

LKW Lkr Lastkraftwagen mit Ladekran,

THW geländegängig

Kran Kranwagen, geländegängig

THW

SAnh Sattelanhänger

THW

Hund

THW

FKH

THW

Küche

THW

FüLa

THW

Anhänger mit Hundetransport

Anhänger mit Feldkochherd

Anhänger mit Küche

Anhänger Führung / Lage

Rettungswesen / Sanitätswesen / Gesundheitswesen

/ Betreuung /Wasserrettung

Sanitätszug

des Arbeiter Samariter Bundes

ASB

Arztgruppe

Patiententransportgruppe

SEG Schnell-Einsatz-Gruppe Rettungs- /

Sanitätsdienst

MTF Medizinische Task Force (MTF)

MTF MTF Führungsgruppe

MTF

MTF Teileinheit Behandlung

MTF

MTF Patiententransportgruppe

MTF

MTF Teileinheit Logistik

MTF MTF Teileinheit Dekontamination

V für Verletzte

Einsatzeinheit (Kombination des Sanitätsund

Betreuungsdienstes in Zugstärke)

T&S Gruppe Technik und Sicherheit einer Einsatzeinheit

des Deutschen Roten Kreuzes

DRK

Wasserrettungszug der Deutschen

Lebens-Rettungs-Gesellschaft

DLRG

Boot Bootstrupp der Deutschen Lebens-

Rettungs-Gesellschaft

DLRG

Strömungsrettung Strömungsrettungstrupp der Deutschen

Lebens-Rettungs-Gesellschaft

DLRG

BTP-B

500 Betreuungsplatz-Bereitschaft 500 des

Deutschen Roten Kreuzes

DRK

Gruppe für Verpflegung

Gruppe für soziale Betreuung

Gruppe zur Herrichtung von Notunterkünften

Einheit Psychosoziale Notfallversorgung

PSNV

KTW

Krankentransportwagen

RTW

Rettungstransportwagen

NEF

Notarzteinsatzfahrzeug

NAW

Notarztwagen

Patientenablage

arztbesetzte Patientenablage

Behandlungsplatz

Halteplatz für Fahrzeuge zum Transport

von Verletzten / Erkrankten (Rettungsmittelhalteplatz)

Krankenhaus

Betreuungsstelle, ortsfest

Betreuungsplatz für 500 Betroffene

BTP 500

(Not)-Unterkunft für Betroffene

Unterkunft (allgemein)

Veterinärwesen

Veterinärzug

Tier-Dekon- und Transportgruppe

Schlacht- und Untersuchungsgruppe

Versorgung

Versorgungstrupp einer Feuerwehr

(Materialerhaltung)

Versorgungstrupp des Malteser Hilfsdienstes

(Verpflegung)

MHD

Versorgungstrupp einer Feuerwehr

(Verbrauchsgüter)

Einheiten / Einrichtungen der Führung

KatSL Katastrophenschutzleitung im Einsatz

TEL Technische Einsatzleitung im Einsatz

TEL Führungsgruppe TEL i.S. einer Stabsstelle

EL Einsatzleitung im Einsatz

EAL Einsatzabschnittsleitung im Einsatz

Stellen

Versorgungsstelle (Verpflegung)

Versorgungsstelle (Materialerhaltung)

Versorgungsstelle (Verbrauchsgüter)

Log Logistikstützpunkt

M Meldekopf

Bereitstellungsraum

Bereitstellungsraum mit Führungsstelle

M

Bereitstellungsraum mit Meldekopf

Hubschrauberlandeplatz

LtS Leitstelle

Führungskräfte / Führungsgehilfen /Personen

mit Sonderfunktionen

TEL Technischer Einsatzleiter

Einsatzleiter der Feuerwehr der

EL FW Gemeinde X-Dorf

X-Dorf

LNA Leitender Notarzt

OrgL Organisatorischer Leiter Rettungsdienst

EAL Einsatzabschnittsleiter

Zugführer der Feuerwehr

Zugführer eines Technischen Zuges des

TZ

Technischen Hilfswerks

THW

Zugführer eines Sanitätszuges des

Arbeiter-Samariter-Bundes

ASB

Zugführer eines Wasserrettungszuges der

Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft

DLRG

Zugführer einer Einsatzeinheit des

Deutschen Roten Kreuzes

DRK

Gruppenführer einer Schnell-Einsatz-

SEG

Gruppe der Johanniter-Unfall-Hilfe

JUH

THW Fachberater des Technischen Hilfswerks

Fachberater Betreuungsdienst des

Deutschen Roten Kreuzes

DRK

Information und Kommunikation (IuK)

IuK-Zug einer Feuerwehr (Information und

Kommunikation)

Fernsprechbau- und Betriebstrupp eines

IuK-Zuges einer Feuerwehr

Sprechfunkbetriebstrupp eines IuK-Zuges

einer Feuerwehr

Taktische Zeichen sind symbolische Darstellungen von

Behörden/Dienststellen, Einheiten/Einrichtungen, Personen,

Einsatzräumen, Führungslinien und Schäden. Sie dienen insbesondere

dazu, diese auf Lagekarten, Plänen oder Gliederungsbildern

einprägsam und unverwechselbar darzustellen.

Die verwendeten Taktischen Zeichen müssen in einem

zweckmäßigen Größenverhältnis zum Kartenbild und zum

Maßstab stehen. Sie sind in ihrer Größe oder auch ihrem Verhältnis

Länge/Breite nicht genormt. Bei der Erstellung wurde

Wert darauf gelegt, dass alle Taktischen Zeichen auch mit

wenigen Strichen mit einem Stift frei Hand gezeichnet werden

können. Komplizierte Bilder eignen sich nicht als Taktische

Zeichen.

Taktische Zeichen müssen

˘ logisch und eindeutig sein,

˘ einfach und möglichst selbsterklärend sein,

˘ mit einfachen Mitteln (z.B. einem Stift), darstellbar sein,

˘ grundsätzlich sowohl mit als auch ohne IT-Hilfs mittel

darstellbar sein,

˘ organisationsübergreifend, länderübergreifend und

möglichst auch international handhabbar sein,

˘ so gestaltet sein, dass sie der jeweiligen

Führungsorganisation anpassbar sind,

˘ so gestaltet sein, dass sie den jeweiligen gesetzlichen

Regelungen und verwaltungsmäßigen Strukturen

anpassbar sind,

˘ möglichst kompatibel handhabbar sein im

Gesamtsystem der Gefahrenabwehr (Polizei,

Bundeswehr und NATO),

˘ geeignet sein als Grundlage europäischer und

internationaler Normung.

Das System der Taktischen Zeichen ist ein offenes System. Es

können alle Zeichen sinnvoll miteinander kombiniert werden.

Weiterhin können auch neue Zeichen geschaffen werden.

© Copyright by Verlagsgesellschaft Stumpf und Kossendey

mbH, Edewecht 2013, Satz: Jens Pesch, Zülpich

ISBN 978 – 3 – 943174 – 21 – 2

www.skverlag.de

Überörtlicher KatS

Vom Pott an die Elbe

Bis zu 4.000 Rotkreuzler standen den Flutopfern in den Hochwassergebieten

der Elbe in Ostdeutschland täglich zur Seite, darunter insgesamt rund 900

Helferinnen und Helfer des DRK aus Nord rhein-Westfalen. Sie unterstützten

die Menschen bei der Deichverteidigung, evakuierten Betroffene aus ihren

Häusern, betreuten und versorgten Flutopfer sowie die vielen tausend Hilfskräfte

aus ganz Deutschland. S. 17

FÜHRUNG

38

Feuerwehr Hannover: Mobile

Führungsunterstützung beim

Elbe-Hochwasser 2013

Personal und Ausstattung von

Technischer Einsatzleitung sowie

Kreisfeuerwehrbereitschaft Hannover

waren zwölf Tage in die Katastrophenabwehr

in Sachsen-Anhalt mit

eingebunden.

C. Lange

Deichverteidigung: Basics

TECHNIK

42

47

Im Einsatz mit dem Technischen

Fachberater des THW:

Deichverteidigung bei extremen

Hochwasserereignissen

C. von Spiczak-Brzezinski

Abrollbehälter für den Hochwassereinsatz:

Sandsackbefüllung

und Schlauchsystem

C. Lange

Der Artikel verschafft eine Übersicht über das

Thema Deichverteidigung. Er behandelt die

verschiedenen Deicharten und die unterschiedlichen

Maßnahmen der Deichverteidigung. Auch

die Allzweckwaffe „Sandsack“ wird gewürdigt,

ebenso die Aktivitäten des THW. S. 42

REDAKTIONELLES

6

49

50

News &

Kleinanzeigen

Leserbrief

Termine &

Impressum

SEGmente

Taktische Zeichen

Das Poster gibt Orientierung über die wichtigsten

taktischen Zeichen in der Gefahrenabwehr. Alle

Zeichen entsprechen den aktuellen Empfehlungen

des BBK. Wir schenken Ihnen das Poster, wenn Sie

ab sofort IM EINSATZ abonnieren. Rufen Sie uns

an unter 04405 9181-0 oder senden Sie eine Mail

an service@skverlag.de. Oder Sie erledigen das

Ganze auf www.skverlag.de.

21. Jahrgang · Juni 2014 · 109

IM EINSATZ 5


NEWS

„Arge Bevölkerungsschutz“ in Bayern

Mit der Gründung einer „Arbeitsgemeinschaft

Bevölkerungsschutz“ (Arge BvS)

haben die bayerischen Hilfsorganisationen

den Startschuss gegeben für eine engere

Zusammenarbeit im Bevölkerungsschutz.

Die Landesgeschäftsführer bzw. Vorstände

von Arbeiter-Samariter-Bund (ASB), dem

Bayerischen Roten Kreuz (BRK), der Deutschen

Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG),

Johanniter-Unfall-Hilfe (JUH) und dem Malteser

Hilfsdienst (MHD) haben in München

den Gründungsvertrag unterzeichnet. Der

Landesverband Bayern des Technischen Hilfswerkes

(THW) ist als assoziiertes Mitglied

ebenfalls Partner dieses Verbundes, weitere

Organisationen sollen folgen.

Mit der neuen Zusammenarbeit wollen die

Hilfsorganisationen ihr Engagement bündeln,

koordinieren und weiter entwickeln

– unter Wahrung ihrer organisatorischen

Eigenständigkeit, wie die Präambel zum

Kooperationsvertrag aussagt. „Katastrophenhilfe

und Bevölkerungsschutz werden

in Zukunft mehr denn je geprägt sein durch

engste Zusammenarbeit aller Akteure“, sagte

BRK-Landesgeschäftsführer Leonhard Stärk

(2.v.r.), gemeinsam mit (v.l.) Thomas Klüpel

(ASB), Dr. Fritz-Helge Voß (THW), Christoph

Friedrich (MHD), Alexander von Gneisenau

(JUH) und Bernd Hauke (DLRG) einer der Initiatoren

dieser Kooperation. Dies habe sich

im vergangenen Jahr bei der Bewältigung

des Hochwassers sehr deutlich gezeigt, bei

dem über Organisationsgrenzen hinweg

zusammengearbeitet wurde. Erfreulich sei

die Mitwirkung des THW in Bayern, auf das

Medizinische Hilfswerk (MHW) als weiteren

potenziellen Partner wolle man zugehen, bestätigen

die Gründer.

www.brk.de

Fahrzeugtausch in M’Gladbacher KatS

Im Jahr 2010 übergab die Stadt Mönchengladbach

die ersten Rettungswagen an die Hilfsorganisationen

ASB, DRK, JUH und MHD, um

dem Katastrophenschutzkonzept „Patiententransportzug

10 NRW“ (PTZ 10) gerecht zu

werden. Bei diesem nordrhein-westfälischen

Konzept handelt es sich um eine überörtlich

einsetzbare und schnell verfügbare Einheit

zum Transport von zehn Patienten. Sie besteht

aus vier KTW, vier RTW und zwei NEF

bzw. zwei RTW als NAW. Damals wurden vier

aus dem Regelrettungsdienst ausgesonderte

Vario-RTW übergeben.

Jetzt stand der erste Fahrzeugtausch in

Mönchengladbach an und damit das „Ende

einer Ära“. Die Hilfsorganisationen haben

nun einen Mercedes-Sprinter 616 mit

Fahrtec-Kofferaufbau und einem Gesamtgewicht

von knapp 6 t bei einer Breite von 2,34

m erhalten. Dazu waren in den jeweiligen

Fahrzeughallen der Hilfsorganisationen auch

Druckluftanschlüsse zu legen, da neben der

Ladeerhaltung über die RettBox-Air ® auch

die Druckluftversorgung sichergestellt werden

muss. Im vergangenen Jahr gab es für

den Mönchengladbacher PTZ drei Einsätze,

zwei davon aufgrund von Bombenfunden

mit der Evakuierung von Krankenhäusern

bzw. Seniorenheimen. Weitere denkbare

Einsatz szenarien sind der MANV oder die

Verstärkung des Regelrettungsdienstes bei

Großereignissen in Mönchengladbach. Die

Stadt beabsichtigt, analog vier PTZ-KTW an

die Hilfsorganisationen zu übergeben.

www.asb.de/moenchengladbach/

Power-Ranger für den KatS

Die JUH in München hat einen Ford Ranger

für den Katastrophenschutz umgerüstet.

Unterstützung kam dabei vom Zubehörspezialisten

für Geländewagen Delta 4x4.

Der Spezialausrüster aus Odelzhausen war

mit Fahrzeugzubehör und Arbeitsleistung

im Wert von 8.880 Euro an der Umrüstung

beteiligt. „Primär sollte der Pick-up als Zugfahrzeug

für ein knapp zwei Tonnen schweres

Notstromaggregat dienen“, erklärt Andreas

Pfeiffer, Bereitschaftsleiter der Münchner Johanniter.

„Doch schnell haben wir bemerkt,

dass in diesem Fahrzeug mehr steckt. Mit der

Unterstützung von Delta 4x4 konnten wir die

Einsatzfähigkeit deutlich erweitern.“

Der geländetaugliche Ford Ranger mit zuschaltbarem

Allradantrieb wurde mit einer

All-Terrain-Bereifung ausgestattet und eignet

sich hervorragend für überregionale Einsätze.

So waren die ehrenamtlichen Helfer der

Johanniter im Juni 2013 beim Hochwasser

in Deggendorf im Einsatz. Ein Szenario, für

das der Ranger hervorragend geeignet ist: Er

kann bis zu 80 cm tiefes Wasser durchqueren

und Steigungen über 60% erklimmen. Um in

der Dämmerung und nachts auch abseits von

beleuchteten Straßen gute Sicht zu haben,

hat Delta 4x4 zusätzliche Fernscheinwerfer

montiert. Ergänzt werden diese durch eine

Umfeldbeleuchtung und zusätzliche Warnblinkleuchten

im Blaulichtbalken des Einsatzfahrzeugs.

www.johanniter.de/muenchen

„Leben retten macht Schule“ in Wien

Mit dem Schulstart 2014/2015 führt die Stadt

Wien obligatorischen Reanimationsunterricht

in den Pflichtschulen ein. Dies ist nicht zuletzt

auch „Puls“ zu verdanken, einem Verein

zur Bekämpfung des plötzlichen Herztodes.

„Puls“ hatte sich unter dem Motto „Leben

retten macht Schule“ dafür eingesetzt, alle

Wiener Grundschüler in der dritten Klas-

6

IM EINSATZ 21. Jahrgang · Juni 2014 · 110


se zwei 50-minütige Unterrichtseinheiten

„Wiederbelebungsunterricht“ absolvieren

zu lassen. Den Schülern werden nun im Rahmen

des Lehrplanes die Notwendigkeit, das

Selbstbewusstsein und die Fertigkeiten zur

schnellen Hilfe im Falle eines Herz-Kreislaufstillstands

beigebracht. Bereits im Juni startet

die Pilotphase des Projektes.

Dies soll langfristig eine „Kultur des Helfens

und beherzten Handelns“ fördern, denn aus

geschulten Kindern werden einmal couragiert

handelnde Erwachsene. „Es ist nie zu

früh, mit dem Helfen anzufangen. Wir freuen

uns deshalb sehr, dass dieses Kernprojekt

des Vereins Puls nun endlich an den Start

geht“, so Dr. Mario Krammel, geschäftsführender

Präsident des Vereins. „Bereits in den

kommenden Tagen startet an ausgewählten

Schulstandorten eine Pilotphase mit insgesamt

mehr als 1.000 Grundschülerinnen und

Grundschülern. Ab dem kommenden Herbst

geht es dann mit Wiederbelebungs-Stunden

als Teil des Lehrplans richtig los.“ Die Aktion

des Vereins wird zudem über einen Zeitraum

von drei Jahren wissenschaftlich begleitet.

www.puls.or.at

Nothilfe-Ausstellung zum Anfassen

Mit einer Wanderausstellung macht die Hilfsorganisation

„Ärzte ohne Grenzen“ auf ihre

Aktivitäten im Bereich der internationalen

Not- und Katastrophenhilfe aufmerksam. Interessierte

können hier einen Blick hinter die

Kulissen werfen, gerade junge Leute sollen

für das Thema „humanitäre Hilfe“ sensibilisiert

werden. In der „Freilichtausstellung

mit Originalausstattung“, die sich derzeit auf

Tour befindet, soll nachempfunden werden

können, was diejenigen erleben, die Hilfe vor

Ort leisten, was „außer Engagement, Mut,

professionellem Wissen und kultureller Sensibilität“

gebraucht wird, um in Ausnahmesituationen

wie bei Naturkatastrophen und nach

Kriegen Nothilfe zu leisten.

Zu den Stationen in der Ausstellung gehören

u.a. Psychosoziale Hilfe, Cholerabehandlung,

Bereitstellung von Unterkunft und Hilfsgütern,

Impfkampagnen, Wasserversorgung,

medizinische Grundversorgung sowie Hilfe

bei Mangelernährung und vernachlässigte

Krankheiten. Nächste Ausstellungsorte sind

Krefeld (15. bis 18. Juni) und Freiburg (24 Juni

bis 7. Juli). Im Rahmen der Ausstellung wird

auch die Dokumentation „Living in Emergency“

gezeigt, in der drei Ärzte sowie eine Ärztin

auf ihren Katastropheneinsätzen für die

Hilfsorganisation in Liberia und in der Demokratischen

Republik Kongo begleitet werden.

Erfahrene Projektmitarbeiter führen durch

die Ausstellung und berichten von ihren Einsatzerfahrungen.

Die Ausstellung richtet sich

insbesondere an Schülerinnen und Schüler,

der Eintritt ist frei.

www.aerzte-ohne-grenzen.de

Neuer First Responder

in Quakenbrück

In Quakenbrück wurde ein First Responder

(FR) eingerichtet. Nach Gesprächen mit der

Regionalleitstelle Osnabrück wurde ein Konzept

erarbeitet, um den Rettungsdienst mit

einfachen Aufgaben und Hilfestellungen zu

unterstützen. Seit April 2014 ist das Fahrzeug

im Dienst und wird von der Leitstelle alarmiert.

Ein gebrauchter Opel Combo konnte

günstig erstanden und umgebaut werden.

Dieser führt nun eine Sondersignalanlage

auf dem Dach, gelbe Heckblitzer im Kofferraum

und Blitzer in der Frontscheibe. Im Laderaum

konnte ein gebrauchter ausziehbarer

Material tisch eines Notarztwagens eingebaut

werden. Neben Rettungsrucksack mit Sauerstoff,

elektrischer Absaugung und einem automatisierten

externem Defibrillator (AED)

fand auch Zubehör wie Werkzeug, Absperrmaterial

und Feuerlöscher Platz im Fahrzeug.

Der Leiter des Projektes Marcel Weißmüller

erklärt: „Nicht nur den Kollegen in der DLRG

ist an dieser Stelle zu danken. Alle, die mit

Zeit oder Material helfen, anderen Menschen

in einer Notlage beizustehen, haben meine

größte Anerkennung. Wir hoffen durch diesen

Dienst, der komplett durch Ehrenamtliche

durchgeführt wird und ausschließlich durch

Spenden getragen werden soll, den Rettungsdienst

tatkräftig unterstützen zu können.“

Zum Gründungsteam der Quakenbrücker First

Responder gehören: Dennis Koch und Christine

Lüers (hinten) sowie Ralf Vor der Wösten,

Christian Meinecke und Marcel Weißmüller

als Leiter der First Responder (vorne v.l.n.r).

http://quakenbrueck.dlrg.de/firstresponder

Kleinanzeigen

Suche ALS und BLS Reanimationsphantome.

Gebraucht, aber gut erhalten.

Chiffre: IE 14-06-01

NEWS

21. Jahrgang · Juni 2014 · 111

IM EINSATZ

7


Aktuelles

Ergebnisse einer Umfrage:

Wie zufrieden waren Einsatzkräfte

im Hochwasser 2013?

C. Baumgarten · C. Bentler

Im letzten Jahr ereignete sich in Deutschland und anderen Ländern in Europa

ein Hochwasser von außergewöhnlichen Ausmaßen. Um den notleidenden

Menschen zu helfen und Sachschäden zu verhindern oder zu beseitigen,

waren viele Helfer im Einsatz, davon alleine 105.800 ehrenamtliche Helfer

des Bevölkerungsschutzes (1). Die Dimension des Hochwassereinsatzes wird

durch die zeitliche (Mai bis Juli 2013) und räumliche Ausdehnung (u.a. Bayern,

Sachsen und Sachsen-Anhalt) deutlich. Für ehrenamtliche Helfer sind

Einsätze dieser Größe besondere Ereignisse, in den meisten Fällen sogar

einmalig. Daher ist es wahrscheinlich, dass solche Einsätze sich maßgeblich

auf das Verständnis ehrenamtlicher Arbeit auswirken. Aus diesem Grund

wurde an der Fachhochschule Köln eine Umfrage zur persönlichen Zufriedenheit

ehrenamtlicher Helfer im Hochwassereinsatz 2013 durch Masterstudierende

des Studiengangs „Rettungsingenieurwesen“ durchgeführt.

Zufriedenheit

Das deutsche Bevölkerungsschutzsystem basiert

auf einer Vielzahl von ehrenamtlichen Helfern.

Dank dieser motivierten und engagierten

Helfer ist es möglich, auf zahlreiche und wechselnde

Herausforderungen im Bevölkerungsschutz

erfolgreich zu reagieren. Dieses System

ist in Europa einmalig und ein weltweites Vorbild.

Die „Ehrenamtlichkeit“ beinhaltet jedoch eine

große Schwierigkeit: Ehrenamtliche Kräfte leisten

diese Tätigkeit neben ihrem Beruf, ihrer

Familie und weiteren Freizeitbeschäftigungen,

ohne persönlichen Profit dadurch zu erlangen.

Zwischen den Helfern und ihren Organisationen

bestehen keine vertraglichen Verpflichtungen.

Die Motivation zum Engagement

basiert somit lediglich auf persönlichen Gründen

und sozialen Bindungsverhältnissen.

Die persönliche Zufriedenheit des ehrenamtlichen

Helfers spielt demnach eine große Rolle.

Zufriedenheit beschreibt allgemein die Übereinstimmung

der Erwartungen einer Person

mit den tatsächlichen Erlebnissen. Befindet

sich dieses Verhältnis im Gleichgewicht und es

werden keine Änderungen gewünscht, ist die

Person (in diesem Fall der Helfer) zufrieden (2).

Abb. 1: Die persönliche

Zufriedenheit des ehrenamtlichen

Helfers spielt eine

große Rolle

8

IM EINSATZ 21. Jahrgang · Juni 2014 · 112


Verschiedene Gegebenheiten im Alltag einer

Hilfsorganisation oder im Einsatz können Einfluss

auf diese persönliche Zufriedenheit und

damit auf die Motivation nehmen. Im ungünstigsten

Fall können besondere Gegebenheiten

zu einer Niederlegung des Ehrenamts führen.

Solche Gegebenheiten können maßgeblich aus

Einsätzen wie dem Hochwassereinsatz 2013

resultieren.

13%

8%

2% 2%

13%

Aktuelles

Aus diesem Grund ist eine Betrachtung der

Helferzufriedenheit während des Hochwassereinsatzes

2013 sinnvoll und kann Einflüsse

und Auswirkungen auf die zukünftige Motivation

ehrenamtlicher Helfer erfassen. Besonders

für Führungskräfte können damit wertvolle

Erkenntnisse gewonnen werden, um die Einsatzorganisation

und das Personalmanagement

kontinuierlich zu verbessern.

Umfrage

Um die gestellten Ziele zu erreichen, war es

notwendig, möglichst viele Teilnehmer aus der

Zielgruppe eingesetzter Helfer von Behörden

und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben

im Hochwassereinsatz 2013 für die Umfrage

zu gewinnen. Daher wurde bei der Erstellung

einer Umfrage auf Basis eines Fragebogens darauf

geachtet, dass die Beantwortung möglichst

einfach, verständlich und mit geringem Zeitaufwand

durchführbar ist.

Der Fragebogen ermöglicht eine Differenzierung

zwischen verschiedenen statistischen

Merkmalen (Alter, Geschlecht) und einsatzbezogenen

Eigenschaften (ausgeübte Führungsfunktion

im Einsatz, Vorerfahrungen). Über

insgesamt 25 Auswahl- und Freitextfragen haben

die Teilnehmer die Möglichkeit, ihre eigene

Meinung sowie persönliche Auswirkungen auf

ihre Motivation wiederzugeben und neun konkrete

Kriterien zur Zufriedenheit in einer fünfstufigen

Skala von „sehr gut“ bis „sehr schlecht“

zu bewerten. Die Kriterien berücksichtigen dabei

die Einsatzvor- und Nachbereitung sowie

den Ablauf der Alarmierung und die vorhandenen

Vorinformationen im Hochwassereinsatz

2013. Neben persönlichen Bedürfnissen

und der eigenen psychischen Belastung im Einsatz

sind ebenfalls das Verhalten des Vorgesetzten

im Einsatz und die Zusammenarbeit unter

den Helfern relevant.

Mit dem Fragebogen sollen allgemeine Aussagen

über die Zufriedenheit der Helfer im gesamten

Hochwassereinsatz 2013 erfasst und generelle

sehr zufrieden

unzufrieden

62%

zufrieden

sehr unzufrieden

Optimierungsmöglichkeiten abgeleitet werden.

Daher wurde die Umfrage über zwei Wege

verbreitet. Neben offiziellen Ansprechpartnern

der nicht-polizeilichen Gefahrenabwehr wurde

die Umfrage in verschiedenen Sozialen Medien

beworben. Der Fragebogen wurde in Form

eines Onlinebogens auf der Plattform www.

hochwasserhelfer2013.de bereitgestellt und

konnte ohne Zugangsvoraussetzungen von Ende

November bis Anfang Januar erreicht werden.

Aufgrund dieser Verteilung und der nicht

durchgeführten Steuerung der Teilnehmer kann

die Umfrage jedoch nicht den Anspruch der Repräsentativität

erfüllen.

Tab. 1: Kriterien für die Zufriedenheit im Einsatz

• Alarmierung und Vorinformationen

• Einsatznachbereitung

• Einsatzvorbereitung

• Informationsfluss

• Persönliche Bedürfnisse

• Psychische Belastung

• Vereinbarkeit von Beruf und Ehrenamt

• Verhalten des Vorgesetzten

• Zusammenarbeit der Helfer

weder noch

keine Wertung

Abb. 2: Persönliche Zufriedenheit

von Einsatzkräften

im Hochwassereinsatz 2013

Christian Baumgarten,

B.Eng.

Christian Bentler,

B.Eng.

Wissenschaftliche Mitarbeiter

Fachhochschule Köln

Fakultät für Anlagen, Energieund

Maschinensysteme

Institut für Rettungsingenieurwesen

und Gefahrenabwehr

Betzdorfer Str. 2

50679 Köln

christian.baumgarten@

fh-koeln.de

christian.bentler@fh-koeln.de

21. Jahrgang · Juni 2014 · 113

IM EINSATZ

9


Aktuelles

100 %

80 %

60 %

40 %

20 %

0 %

Keine

sehr zufrieden

unzufrieden

Abb. 3: Zufriedenheit unterschiedlicher

Qualifikationen

zufrieden

sehr unzufrieden

weder noch

Truppenführer

Gruppenführer

Zugführer

Verbandsführer

oder

höher

keine Wertung

Sonstige

Ausbildung

Ergebnis

Im genannten Zeitraum von sechs Wochen

nahmen 5.489 Personen an der Umfrage teil.

Insgesamt liegen 3.377 vollständig ausgefüllte

Fragebögen von eingesetzten Helfern vor. Diese

Anzahl bildet die Grundlage für die folgende

Auswertung und Darstellung.

Um einen Überblick über die persönliche Zufriedenheit

von Einsatzkräften im Hochwassereinsatz

2013 zu bekommen, wurde die Frage

„Wie zufrieden sind Sie persönlich mit dem

gesamten Hochwassereinsatz 2013?“ gestellt.

Durch die Platzierung der Frage am Anfang des

Fragebogens kann gewährleistet werden, dass

die Beantwortung ohne Beeinflussung des weiteren

Verlaufs der Umfrage geschieht und damit

ein möglichst neutrales Bild erhoben werden

kann. Die Auswertung ergibt, dass 75% der eingesetzten

Helfer zufrieden oder sehr zufrieden

mit dem Hochwassereinsatz 2013 waren. Dem

gegenüber stehen nur 10% der Helfer, die unzufrieden

oder sehr unzufrieden waren. Dies ist

in Abb. 2 deutlich zu erkennen. Damit scheint

eine deutliche Mehrheit der Helfer mit dem

Hochwassereinsatz zufrieden gewesen zu sein.

Der zweite zentrale Untersuchungsaspekt

analysiert die Auswirkung der persönlichen

Zufriedenheit auf die Motivation für weiteres

ehrenamtliches Engagement. In der Umfrage

gaben über 50% der Umfrageteilnehmer an,

dass ihre Motivation durch den Hochwassereinsatz

gestiegen sei. Bei 5% der Teilnehmer sei

die Motivation gesunken und bei mehr als 40%

sei diese unverändert geblieben. Damit hat der

Hochwassereinsatz eine deutlich positive Wirkung

auf die Motivation der Helfer, zukünftig

weiter ehrenamtlich tätig zu werden. An dieser

Stelle soll in weiteren Auswertungen herausgearbeitet

werden, welche Ursachen für eine positive

oder negative Veränderung der Motivation

vorliegen können.

Ein mögliches Kriterium zur Beeinflussung

der Zufriedenheiten in einem Einsatz stellt

die persönliche Führungsqualifikation dar.

Unterschiedliche Ausbildungen der Helfer verursachen

einen ungleichen Wissens- und Erfahrungsschatz,

wodurch Einsätze differenziert

wahrgenommen werden und somit Auswirkungen

auf die persönliche Zufriedenheit haben

können. Das Ergebnis (Abb. 3) zeigt jedoch,

dass zwischen den verschiedenen Führungsqualifikationen

keine signifikanten Unterschiede

in der Zufriedenheit vorliegen. Daraus

lässt sich die Schlussfolgerung ableiten, dass

die persönliche Zufriedenheit weniger mit der

eigenen Ausbildung und Qualifikation, sondern

möglicherweise vielmehr auf persönliche und

individuelle Bedürfnisse zurückzuführen ist.

Diese Bedürfnisse wurden im zweiten Teil des

Fragebogens in Form der angesprochenen Krite-

Abb. 4: Auch die

Informations versorgung

beeinflusst die persönliche

Zufriedenheit der Helfer

10

IM EINSATZ 21. Jahrgang · Juni 2014 · 114


ien erhoben. Erste Auswertungen zeigen, dass

persönliche Bedürfnisse wie die Hygiene, Ruhemöglichkeiten

oder Verpflegung sehr wohl Auswirkungen

auf die Zufriedenheit haben. Auch

Einflüsse der psychischen Belastungen oder der

eigenen Informationsversorgung konnten ermittelt

werden.

Prinzipiell lässt sich feststellen, dass alle untersuchten

Kriterien die persönliche Zufriedenheit

eines Helfers im Hochwassereinsatz 2013

beeinflusst haben. Eine detaillierte Darstellung

dieser Ergebnisse erfolgt aufgrund des Umfangs

in einer eigenständigen Veröffentlichung.

Bereit für den Einsatz -

gereinigt, desinfiziert und

imprägniert!

Die Ergebnisse zeigen, dass die persönliche Zufriedenheit

eines Helfers von vielen Kriterien

abhängen kann. Um eine hohe Zufriedenheit

der Helfer zu erreichen, ist es wichtig, dass

Ursachen und deren Auswirkungen auf die

Zufriedenheit in einem Einsatz berücksichtigt

werden, um die Effektivität des Personalmanagements

und des Einsatzablaufs zu erhöhen.

Ausblick

Die Erkenntnisse der persönlichen Zufriedenheit

im Hochwassereinsatz 2013 können

zukünftig genutzt werden, um auf spezielle

Bedürfnisse und Empfinden von Helfern in

Einsätzen größere Dimensionen einzugehen.

Besonders für Organisationen und Verbände

des Ehrenamts in der Gefahrenabwehr kann

dies von besonderer Bedeutung sein, um in Zukunft

die Einsatzfähigkeit des Ehrenamtes gewährleisten

zu können. Dank der ermittelten

Ergebnisse kann durch Ausbildungen und Implementierung

von Verbesserungen in diesem

Bereich die persönliche Zufriedenheit weiter

gesteigert werden.

Da der aktuelle Trend in der Wirtschaft, die

Zufriedenheit der eigenen Mitarbeiter stärker

zu berücksichtigen, immer mehr in den Vordergrund

rückt, sollte auch in ehrenamtlichen Organisationen

überlegt werden, diese Ansätze zu

übernehmen. Das HRM sowie der Gesundheitsund

Arbeitsschutz sind gewiss übertragbar, wobei

zu jedem Zeitpunkt die Leistungsfähigkeit

der Organisationen gewährleistet sein muss.

Systemlösungen für die Aufbereitung der Schutzausrüstung

• Waschmaschinen und Trockner für Schutzbekleidung,

Chemikalienschutzanzüge, Rettungsdecken und Atemschutzmasken

• Reinigungsautomaten für Atemschutzmasken

• Reinigungs- und Desinfektionsautomaten für

Anästhesie-Instrumentarium

Literatur:

1. Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe

(2013) Bevölkerungsschutzmagazin 3: 40 ff.

2. Stangl W (2012). Zufriedenheit. Lexikon für Psychologie und

Pädagogik: http://lexikon.stangl.eu/6737/zufriedenheit/ (zuletzt

abgerufen am 20. Mai 2014)

Infos: 0800 22 44 644

www.miele-professional.de

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21. Jahrgang · Juni 2014 · 115 IM EINSATZ 11

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RETTUNG/SANITÄT

Hochwassereinsatz mit RTW:

Bewegende Bilder bleiben

S. Vasel

Die Bilder der Hochwasserkatastrophe in Sachsen-Anhalt sind auch nach

etlichen Monaten nicht zu vergessen. Sie sind jetzt nicht traumatisierend,

sie bleiben aber auf eine eigenwillige Art im Kopf, sie sind mahnend, sie

machen nachdenklich und sie sind nachhaltig. Wobei es die Bilder und Eindrücke

sind, die 14 Tage nach der Scheitelwelle – also 14 Tage nach der

medialen Verbreitung – entstanden sind. Ein Erlebnisbericht.

Viele Gedanken. Oder: Was packe ich ein?

Schon Tage vor der eigentlichen Anforderung

sind Gedanken aufgekommen zur Frage „Was

packe ich ein?“ Ein Rettungswagen verfügt

nicht über endlos viel Stauraum, er ist auf kurze

Einsatzabläufe ausgelegt. Man kann sich nur für

kurze Zeit mit solchen Fahrzeugen an Einsatzstellen

selbst versorgen, ohne ein Materiallager

als Background zu haben. In das Einsatzgebiet,

in das es gehen soll, liegt aufgrund von Straßensperrungen

und Überflutung das nächstmögliche

Krankenhaus ca. 160 km weit weg. Auf

welcher Grundlage kann man nun ausreichend

Material verstauen, damit für mindestens sieben

Tage eine autarke Versorgung stattfinden

kann? Hier haben die Erfahrung aus den Zeltlagern

der Jugendfeuerwehr, aber auch der pedantische

Sinn für Ordnung geholfen.

Zum einen muss der Rettungswagen ein Rettungsmittel

bleiben, um den Einsatzkräften

und der Bevölkerung schnellstmöglich Hilfe

zukommen zu lassen, zum anderen muss das

Fahrzeug auch als eine mobile Sanitätsstation

dienen, in der Betreuung und Behandlung leichter

Blessuren durchgeführt werden können. Daher

musste die Packliste der RKiSH, die für ihre

Rettungswagen gilt, über den Haufen geworfen

werden. Es wurde Platz für Frischwasser,

Motorenöl, Stromversorgung, Faltstühle, aber

auch Salben, Tabletten und Verbände gefunden.

Ebenso wurde ein Kommunikationsbereich

eingerichtet. Im Führerhaus fanden Kleidung,

Schlafsäcke und Verpflegung ihren Platz.

Nur für die Gedanken fand sich wenig Platz,

aber was sollte uns denn schon erwarten? Die

Presse hatte keine Schlagzeilen mehr für dieses

Thema übrig. Über die „Big Five“ Passau, Dresden,

Magdeburg, Fischbek und Lauenburg, die

Lieblingsplätze der Reporter und Politiker, war

– aus Sicht der Medien – ausreichend berichtet

worden. Es gab Wichtigeres: Der US-amerikanische

Präsident war in Berlin, und die Türkei

hatte Probleme mit dem Taxim-Platz. Die Welt

Abb. 1: Vorbereitung für den

Einsatz der Hochleistungspumpen

12

IM EINSATZ 21. Jahrgang · Juni 2014 · 116


hatte schon nach vierzehn Tagen ihr Interesse

am Jahrhundert-Hochwasser in Deutschland

verloren.

Abfahrt

Die Abfahrt des 24 Fahrzeuge umfassenden

Konvois der Feuerwehrbereitschaft des Kreises

Pinneberg war um 4.00 Uhr morgens vom

Marktplatz in Pinneberg angesetzt. Nach

Einweisung in „Kolonnenfahrt“ sowie die

Bekanntgabe der Fahrroute und die Verabschiedung

durch den Kreisbrandmeister setzte sich

der Blaulicht-Wurm Richtung Perleberg in Sachsen-Anhalt

in Bewegung. Wir fuhren mit ca. 70

km/h in ein Katastrophengebiet, um zu helfen.

Die Aufgaben sollten Deichsicherung, Wasser

pumpen sowie die medizinische Versorgung

der Einsatzkräfte und der Bevölkerung sein.

Schon auf der Fahrt wurde klar: Es wird heiß.

Um 7.00 Uhr eine kurze Pause auf dem Rastplatz

Gudow, es waren bereits 26 °C, die Sonne

war aufgegangen und über uns ein strahlend

blauer Himmel. Mit Sonnencreme eingerieben

und Sonnenbrille auf der Nase fuhren wir weiter.

Und immer an den Einsatzbefehl denkend,

aber was soll da schon sein? Die paar Pfützen,

hier und da mal einen Keller auspumpen, das

ist doch mit links gemacht. Und die Deichsicherung?

Plattschaufel raus, etwas Sand drauf,

schön feststampfen und rüber mit der Gras-

Saat. Kann doch alles nicht so schlimm sein.

Wie gesagt, die Presse sprach schon seit Tagen

nicht mehr über das Jahrhundert-Hochwasser.

Um 9.00 Uhr zeigte das Thermometer bereits

29 °C. Die Stimmung war – wie das Wetter

– super und stieg mit der Temperatur um die

Wette. So fuhren wir geradewegs in unseren

Bereitstellungsraum.

Warten, warten und nochmal warten

Bei mittlerweile 36 °C war der Tross im Bereitstellungsraum

angekommen und zum ersten

Mal wurde der Auftrag mit der Realität abgeglichen

und gedanklich in Frage gestellt. Die

Natur um uns herum lechzte nach Schatten

und Wasser. Der Boden hatte seit Wochen keinen

Regen mehr gesehen, er war steinhart und

staubtrocken. Weit und breit keine Spur vom

Hochwasser.

Mit uns stand noch eine weitere Bereitschaft

im Raum und wartete. Das Schlimme war nur:

Die Jungs warteten schon seit drei Tagen auf

einen Einsatzauftrag, der sie dann in ein entsprechendes

Einsatzgebiet führen sollte. Und

während man so bei 39 °C zusammen wartete,

fragte man sich, was hier eigentlich los ist.

„Wo ist das Hochwasser? Wem kann man helfen?

Und wieso stehen hier Einsatzkräfte mit

Pumpen drei Tage lang nur herum?“ Nach einer

zweistündigen Wartezeit wurde die Einsatzleitung

zum 120 km weit entfernten Krisenstab

beordert, um dort den Einsatzabschnitt zu erfahren.

Auf die Gedanken und Umsetzungen einiger

Befehle möchte ich hier einmal gesondert eingehen:

• Es wurden motivierte Helfer in einen Bereitstellungsraum

geschickt und ließ sie

dann bei hoher Temperatur fast sechs Stunden

lang auf einem staubtrockenen Acker

warten.

• Die Einsatzleitung wurde zum Krisenstab

beordert, der ca. 120 km weit entfernt war,

damit sie dort den Einsatzraum zugewiesen

bekommt.

• Im Anschluss daran durfte die Einsatzleitung

wieder 120 km in den Bereitstellungsraum

zurückfahren, um erneut dann mit

dem ganzen Konvoi abermals diese 120 km

in das Einsatzgebiet zu fahren.

Im Einsatzgebiet

Bei unserer Ankunft am Einsatzort in Kamern

im Landkreis Stendal begrüßte uns die abzulösende

Feuerwehr freudig und erleichtert. Die

ersten Gedanken, die einem durch den Kopf

schossen: „Wie sehen die Kameraden denn aus?

Total verschwitzt, dreckig und von Mücken

zerstochen.“ Dazu hatten alle Augenringe, die

für jeden Pandabär eine Ehre gewesen wären.

Abb. 2: Vor dem Einsatz:

Warten auf einem staubtrockenen

Acker

Sven Vasel

Rettungsassistent,

Praxisanleiter, Stellv. Leiter

Rettungswache Pinneberg

Gehrstücken 3

25421 Pinneberg

RETTUNG/SANITÄT

21. Jahrgang · Juni 2014 · 117

IM EINSATZ

13


RETTUNG/SANITÄT

Abb. 3: Zu den Aufgaben

zählten Deichsicherung,

Wasser abpumpen und die

medizinische Versorgung

der Einsatzkräfte sowie der

Bevölkerung

Abb. 4: Oftmals hieß es auch

am medizinischen Versorgungspunkt:

„Warten!“

Abb. 5: Lagererkundung

durch den Kreisbereitschaftsführer

Es wurde die Übergabe des Einsatzabschnittes

organisiert, mit einer direkten Begehung und

Festsetzung von Einsatzschwerpunkten. Ebenso

erfolgte eine allgemeine Übergabe am Einsatzleitwagen.

Eine Lehre daraus: Es wird bei

diesen Übergaben auch über örtliche Gegebenheiten

gesprochen, z.B. welche Gebäude in Gefahr

sind, wenn dieser oder jener Deich bricht.

Und das kann auch mal das eigene Schlafquartier

betreffen. Ebenso wurde uns mitgeteilt,

dass Teile der Bevölkerung nicht gerade erfreut

über die Anwesenheit der Hilfskräfte seien und

dass niemand alleine einen Fuß in das Dorf setzen

sollte, da hier mit Aggressionen gerechnet

werden muss. „Aggressionen? Aber wir waren

doch zum Helfen da, nicht zur Freizeitgestaltung

im Aqua-Park.“

Durch ein Gespräch mit einigen Bewohnern aus

dem Ort wurde später nachvollziehbarer, warum

man den eintreffenden Helfern hier sehr

kritisch gegenüberstand. Dieses Dorf wurde geopfert,

hätte es keine Deichsprengung in Fischbek

gegeben, wäre die Ortschaft nicht betroffen

gewesen. Und um sich das Ausmaß vorstellen

zu können, muss man wissen, dass die Elbe hier

ca. 35 km weit vom Einsatzgebiet entfernt ist.

Schaute man während des Einsatzes über den

künstlichen Deich, war es eine riesige Wasserfläche

bis zur Elbe. Durch diese Sprengung hatte

man zwar Teile der „Big Five“ gerettet, aber

diese Ortschaft, diesem Dorf hatte man die gesamte

Grundlage zum Leben entzogen.

Hilfe! Wer rettet den Sani?

Nachdem alle Besprechungen, Erkundungen

und die Aufgabenverteilungen abgeschlossen

waren, wurde das Quartier bezogen. Es bestand

aus einer großen Sporthalle, die nun für 120 Kameraden

mit Feldbetten als Schlafquartier hergerichtet

wurde. Zu diesem Zeitpunkt war ich

bereits 38 Stunden inklusive vorangegangenem

Regeldienst und Packen des Rettungswagens

wach. Eine körperliche Erschöpfung machte

sich breit. Nach kurzer Besprechung mit der

Kollegin und dem Einsatzleiter zog ich mich

zusammen mit anderen freien Kräften und ca.

3,647 Mrd. mutierten Mücken zum Schlafen

zurück.

Das Ausmaß

Das Ausmaß der Überflutung ist kaum zu beschreiben.

Wo noch zwei Wochen vorher Rehe

durch den Wald rannten, schwammen Fische. Es

war schon etwas befremdlich, wenn man in ein

14

IM EINSATZ 21. Jahrgang · Juni 2014 · 118


RETTUNG/SANITÄT

Waldgebiet schaute und nichts als Bäume sah,

die bis zu 1,50 m tief im Wasser standen. Vieles

erinnerte an TV-Aufnahmen vom Regenwald

oder aus dem Amazonasgebiet. Basketballkörbe

auf einer Höhe mit der Wasserlinie, Häuser,

von denen nur noch das Obergeschoss zu

sehen war. Überall ölhaltiges Wasser und ein

modriger feuchter Gestank, der durch das ganze

Dorf zog. Und tatsächlich lebten in diesen

Häusern noch Menschen – ohne Wasser, ohne

Toiletten und ohne Hoffnung. Und trotzdem

wollten diese Menschen ihren Grund und Boden

nicht aufgeben. Sie wurden in der ganzen

Zeit durch die Dorfgemeinschaft mit Lebensmittelpaketen

versorgt. Es gab keine Infrastruktur

mehr. Bewohner, deren Häuser höher lagen,

mussten Arbeitswege von bis zu 180 km täglich

bewältigen.

Erschütternd war auch ein persönliches Gespräch

mit einem Landwirt, der seine Gerätschaften

zwar in Sicherheit bringen konnte, da

seine Scheune erhöht lag, aber sein Vieh nicht

mehr retten konnte, da das Wasser zu schnell gekommen

war. Dieser Landwirt fühlte sich zwar

nach eigenen Aussagen jetzt wie ein Hallig-

Bauer, doch fragte er im gleichen Atemzug, ob

ich seine Gerätschaften (riesige Traktoren und

anderes Gerät) haben wolle, da er nie wieder als

Landwirt arbeiten werde und könne. Sein Land

sei, auch wenn das Wasser irgendwann einmal

weg sein werde, total kontaminiert und nicht

mehr für den Bio-Anbau brauchbar.

Wathose löcherig geworden. Sohlen lösten sich

von den Gummistiefeln, weil das Wasser so

sehr mit Chemikalien kontaminiert war. Zu

diesem Zeitpunkt wusste man noch nicht, wie

man mit dieser Kontamination umgehen sollte,

da hier ein Abpumpen nur zu einer Kontaminationsverschleppung

geführt hätte. Aber auch

weitere Gespräche ließen uns nachdenklich

werden, z.B. mit einer älteren Dame, die Rat

bei uns suchte, weil sie keine Entwässerungstabletten

mehr hatte. Sie erklärte, dass sie zwar

fast zu ihrem Hausarzt schauen könne, aber

aufgrund der Sprengungen und der zerstörten

Straßen nun einen Umweg von 140 km fahren

müsse. Solche und ähnliche Fragen stellen einen

Rettungsdienst schnell vor Probleme, denn im

Normalfall würden solche Patienten zum Hausarzt

bzw. in ein Krankenhaus gebracht werden.

Deshalb sollte, wenn man sich in solche Einsätze

begibt, auf jeden Fall eine ausgiebige

Abb. 6: Ununterbrochener

Pumpeneinsatz, damit das

Wasser im Dorfkern nicht

weiter ansteigt

Abb. 7: Mit etlichen Pumpen

wurde das Wasser in die

angelegten Ablaufrinnen

gepumpt

Ich wusste, was er meinte. Einigen Einsatzkräften

ist bei der Arbeit in den Vorgärten die

21. Jahrgang · Juni 2014 · 119

IM EINSATZ

15


RETTUNG/SANITÄT

Wieder etwas Hoffnung

Durch ein deutliches Auftreten der Einsatzleitung

im Krisenstab und das weitere Anfordern

von Material konnte bereits nach 36 Stunden

ein erster kleiner Erfolg verbucht werden. Und

damit kehrte auch ein wenig Hoffnung in die

Gesichter der Bevölkerung zurück. Mit dieser

Hoffnung wichen auch die Skepsis und Abneigung

gegen uns. Mit jeder Maßnahme, die

eingeleitet wurde, stieg das Vertrauen. Die

Deichsicherung funktionierte, das Abpumpen

des Wassers durch Hochleistungspumpen lief,

die Frischwasserversorgung der eingeschlossenen

Menschen war sichergestellt. Aber die

bedeutenden Momente waren die freudigen

Gesichter der Menschen, denen man mit kleinen

Maßnahmen schon helfen konnte. Durch

das banale Aufstellen einer mobilen Toilette hat

man etlichen Menschen wieder zu Würde verholfen.

Die Dankbarkeit, die diese Menschen

uns von da an entgegenbrachten, ist schwer zu

beschreiben. Es wurde kurzerhand ein Helferfest

an der örtlichen Feuerwache organisiert.

Hier hatten Helfer und Betroffene für kurze

Zeit ein Gefühl der Normalität. Ein weiteres

Bild, das bei der Abfahrt entstanden ist, bleibt

in Erinnerung: Eine junge dreiköpfige Familie

stand im Türrahmen ihres Hauses, sie hielten

sich alle an ihren Händen fest, dabei weinten

sie vor Freude. Von den Augen und Lippen der

jungen Ehefrau konnte man das Wort „Danke!“

ablesen.

Im Nachhinein

Rückblickend betrachtet muss man sagen, dass

die Entscheidung des Bereitschaftsführers richtig

war, bei solchen Einsätzen ein Rettungsmittel

mitzuführen. Dafür sprechen schon die

örtlichen Gegebenheiten im Einsatzgebiet: Ein

Krankenhaus liegt über 100 km weit weg, der

örtliche Rettungsdienst benötigt bei einem Notfall

eineinhalb Stunden. Aber auch für die Moral

der Einsatzkräfte ist es wichtig, dass, wenn

ihnen was passiert, sie sofort Hilfe bekommen.

Abb. 8: Bei 37 °C wurden

auf einer Länge von 1,5 km

C-, D- und F-Schläuche unter

Schutzmaßnahmen wegen

des Eichen-Prozessionsspinners

gelegt

Abb. 9: Überflutete Grundstücke,

so weit man schaute

Eine ausführliche Dokumentation

dieses Einsatzes

finden Sie hier:

www.kfv-pinneberg.de/

uploads/media/Einsatzdokumentation-Kamern-neu.pdf

Vorbereitung stattfinden. Denn neben allen

rettungsdienstlichen Aufgaben ist solch ein

Rettungsmittel auch immer Anlauf- und Beratungsstelle

für hilfesuchende Bürger. Ebenso

ist ein gewisses Verständnis von der Arbeit der

Feuerwehr hilfreich, um für sich selbst die Gefahren

einschätzen und minimieren zu können.

48 Einsatzkräfte wurden bei diesem Einsatz

durch den Rettungsdienst versorgt, wobei allergische

Reaktionen durch den Kontakt mit dem

Eichen-Prozessionsspinner über 40-mal verbucht

wurden. Hinzu kamen durch die hohen

Temperaturen und die körperlich anstrengende

Arbeit Kreislaufprobleme und leichte knöcherne

Verletzungen. Ebenso wurden einige

Versorgungen und Beratungen der Bevölkerung

durchgeführt. Positiv ist aber, dass man sich

weiter auf Kreis- und Landesebene mit diesem

Einsatz nach wie vor im Dialog befindet und

ihn akribisch aufarbeitet und auswertet. Es finden

bereits erste Anschaffungen und Strukturveränderungen

statt.

Viele Hilfsaktionen sind im Ort Kamern angelaufen.

Hochrangige Politiker haben sich auch

Monate nach der Akutphase immer wieder

Bilder vom Ort und der Region gemacht. Kameraden,

die Monate danach noch mal in den

Ort gefahren sind, berichteten Ähnliches. Man

kann zwar noch nicht von Normalität sprechen,

aber es ist ein deutlicher Aufbau spürbar. Persönlich

bin ich froh, diesen Einsatz begleitet zu

haben, und dankbar für die vielen gesammelten

Eindrücke.


16

IM EINSATZ 21. Jahrgang · Juni 2014 · 120


Überörtliche Hilfeleistung:

Verstärkter Wasserrettungszug

NRW in Magdeburg

RETTUNG/SANITÄT

K. Püttmann

Anfang Juni 2013 kämpften im Osten und Süden

Deutschlands tausende Menschen gegen

die Fluten übertretender Flüsse. Bis zu 4.000

Rotkreuzler standen den Flutopfern in den

Hochwassergebieten täglich zur Seite, darunter

insgesamt rund 900 Helferinnen und Helfer des

DRK aus Nord rhein-Westfalen, die überwiegend

in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt eingesetzt

wurden. Sie unterstützten die Menschen bei

der Deichverteidigung, evakuierten Menschen

aus ihren Häusern, betreuten und versorgten

Betroffene sowie die vielen tausend Hilfskräfte

aus ganz Deutschland. Außerdem wurden technisches

Gerät sowie Lebensmittel, Zelte und

Feldbetten aus NRW in die betroffenen Regionen

gebracht.

Allein der deutlich verstärkte Wasserrettungszug

NRW (WR-Z) des DRK war mit insgesamt

107 Einsatzkräften aus den DRK-Kreisverbänden

Aachen, Bonn, Düsseldorf, Essen, Euskirchen,

Krefeld, Mülheim an der Ruhr, Neuss,

Niederrhein, Rhein-Sieg, Freckenhorst und der

DRK-Landesvorhaltung Nordrhein (LaVo Nordrhein)

vom 8. bis 14. Juni 2013 in Magdeburg im

Einsatz. Bereits am 7. Juni 2013 wurden im Einsatzstab

des DRK-Landesverbandes Nordrhein

die Optionen einer überörtlichen Hilfeleistung

erörtert. In der Folge konnte dem Ministerium

für Inneres und Kommunales (MIK) NRW ein

verstärkter WR-Z NRW des DRK angeboten

werden. Letzte Abstimmungen zu diesem Einsatz,

für den speziell die Hochwasserboote der

beiden WR-Z der DRK-Wasserwacht in Nordrhein

zusammengezogen wurden, konnten

noch in der Nacht zu Samstag mit den zuständigen

Behörden getroffen werden. Insbesondere

konnte so die Einbindung der Einsatzeinheit

(EE) NRW 02 des Kreises Wesel – um die Eigenversorgung,

Betreuung und sanitätsdienstliche

Eigensicherung des verstärkten WR-Z NRW

sicherzustellen – mit der Bezirksregierung Düsseldorf

vereinbart werden.

Alarmierung

Nach Bestätigung des Einsatzauftrages durch

das MIK NRW an den DRK-Landesverband

Nordrhein am frühen Samstagmorgen des

8. Juni 2013 wurde über den Einsatzstab die

Alarmierung des verstärkten WR-Z NRW nach

Magdeburg über das Alarmierungssystem

„GroupAlarm“ veranlasst. Nur kurze Zeit später

war der komplette Verband im Sammelraum

AK Duisburg/Wedau abmarschbereit.

Zur Einsatzformation gehörten:

• ein verstärkter WR-Z NRW der DRK-Wasserwacht

(Stärke 1/9/46/56) mit

– 9 speziellen Hochwasserbooten,

– 1 Rettungsboot in Reserve,

– Fließwasserrettern (Wasserretter) und

– verstärkter Führungskomponente in

Staffelgröße;

• ein Krad zur Erkundung;

• die EE 02 aus dem Kreis Wesel (Stärke

1/8/30/39);

• Spezialfahrzeuge und Ausrüstung der LaVo

Nordrhein (Stärke: 0/1/11/12)

Abb. 1: Der deutlich

verstärk te Wasserrettungszug

NRW des DRK war mit

insgesamt 107 Einsatzkräften

vom 8. bis 14. Juni 2013 in

Magdeburg im Einsatz

21. Jahrgang · Juni 2014 · 121

IM EINSATZ

17


RETTUNG/SANITÄT

allein in der technischen Unterstützung (Stromversorgung

am Einsatzort, Zeltbau usw.) des

WR-Z, sondern z.B. auch in vorhandener Qualifikation

und Erfahrung im Umgang mit Brennstoffen

als Reserve für die Bootstrupps sowie

der Verbesserung von Logistik und Transportsicherheit

bei Tauchflaschentransporten.

Abb. 2: Innerhalb des WR-Z

wurden erstmals Fließwasserretter

der DRK-Wasserwacht

in den Einsatz der

Bootstrupps eingebunden

Abb. 3: Bei überörtlichen

Hilfeleistungen wie dem

Hochwassereinsatz sollten

zukünftig weitgehend autarke

Einsatzbereitschaften

die Entlastung örtlicher Einsatzstrukturen

sicherstellen

Zugtrupp der Einsatzeinheit

als „Vorauskommando“.

Nach Aufstellung des Marschverbandes wurde

der Zugtrupp der EE als „Erkunder“ von Anfahrtswegen,

Umleitungen sowie Tank- und

Rastanlagen dem Verband vorausgeschickt.

Dessen Auftrag war es, ausreichende Aufstellflächen

für den Marschverband zu erkunden

und freizuhalten sowie Tankvorgänge zeitlich

zu optimieren und zu dokumentieren, um

die schnellstmögliche Verlegung des Marschverbandes

ins Einsatzgebiet zu sichern. Die einzelnen

Etappen wurden an dem Fahrzeug mit

der geringsten Reichweite bemessen. Dies ermöglichte

in Verbindung mit dem Vorauskommando

einen reibungslosen Ablauf der Hin- und

Rückfahrt.

Technik und Sicherheit im WR-Z

Die Einbeziehung der – nach Landeskonzept

NRW – optionalen Gruppe „Technik und Sicherheit“

hat sich für die internen Belange des

Wasserrettungszuges voll bewährt und sollte

als fester Bestandteil in das Konzept aufgenommen

werden. Der Mehrwert liegt dabei nicht

Unterstützung durch die EE NRW 02

Kreis Wesel

Die weitgehend autarke Versorgung des gesamten

WR-Z durch die mitgeführte EE war für den

Einsatzerfolg und -wert des spontan aufgestellten

Verbandes unverzichtbar. Da die zentrale

Versorgung tausender Einsatzkräfte im Raum

Magdeburg – überwiegend über zentrale Betreuungsplätze

– an ihre Grenzen stieß, war

dies nicht nur zum Erhalt der Motivation und

der körperlichen Einsatzfähigkeit der Einsatzkräfte

notwendig. Zwar zeigte die Bevölkerung

an vielen Orten ein hohes Engagement zur Unterstützung

der Versorgung der Einsatzkräfte,

jedoch lässt sich hier keine grundsätzliche Verlässlichkeit

dieser Hilfe ableiten.

Auch die Einrichtung und der mehrtägige Betrieb

eines Bereitstellungsraumes – inklusive

der notwendigen Aufenthalts- und Ruhe räume

– konnte durch die EE sichergestellt werden.

„Durch diese Eigenleistungen konnten die örtlichen

Strukturen erheblich entlastet werden“,

so Klaus Püttmann, Technischer Leiter der

Wasserwacht im DRK Landesverband Nordrhein

und Verbandsführer des verstärkten Wasserrettungszuges.

„Bei derartigen überörtlichen

Hilfeleistungen ist es meines Erachtens erforderlich,

zukünftig immer eine weitgehend autarke

Einsatzbereitschaft zur Entlastung örtlicher

Einsatzstrukturen sicherzustellen. Hier sollte

konzeptionell in Zukunft eine EE NRW vorgesehen

und regelmäßig mitgeführt werden.“

Sanitätsdienstliche Unterstützung

Primär zur sanitätsdienstlichen Versorgung der

eigenen Einsatzkräfte war die Sanitätsgruppe

der EE vorgesehen, auch um ggf. mehrere

Einsatzstellen bei Aufteilung des WR-Z abzusichern.

Hierzu standen die Krankentransportfahrzeuge

der EE und Zelte sowie Material des

mitgeführten GW San zur Verfügung. Da die

Wasserrettungs-, Boots- und Tauchkapazitäten

jedoch überwiegend geschlossen eingesetzt

wurden, konnte die Sanitätsgruppe der EE auch

die sanitätsdienstliche Betreuung von Sandsackfüllstationen

übernehmen.

18

IM EINSATZ 21. Jahrgang · Juni 2014 · 122


NOT

ARZT

An den Sandsackfüllstationen arbeiteten

Einsatzkräfte und Freiwillige aus der Zivilbevölkerung

Hand in Hand – oftmals bis zur Erschöpfung.

Blessuren an Händen, Unterarmen

und Erschöpfungszustände konnten hier durch

die Sanitätsgruppe der EE versorgt werden.

Darüber hinaus wurde wie geplant die Versorgung

der eigenen Einsatzkräfte sichergestellt,

so konnten kleinere Verletzungen und Wunden

jederzeit adäquat erstversorgt und in einzelnen

Fällen auch Transporte in eine weiterführende

Behandlungseinrichtung selbstständig durchgeführt

werden. Auch dies, so Klaus Püttmann,

spreche für die Einbindung einer vollständigen

EE bei überörtlichen Hilfeleistungen durch einen

verstärkten Wasserrettungszug oder Verbände

ähnlicher Größenordnung.

Führungstrupp 1/1/2/4

Kombi KdoW

Tauchgruppe 0/3/7/10

Kombi

Kombi

1. Bootsgruppe 0/3/7/10

Kombi

2. Bootsgruppe 0/3/7/10

Kombi

Kombi

Geräteanhänger (optional)

Motorrettungsboot

ZFü Stv. ZFü

FüHe FüHe / KF B

GrFü TrFü Taucher Signalmann KF BE

Geräteanhänger (optional) TrFü Taucher Signalmann KF BE Helfer

GrFü TrFü Bootsmann ReS KF BE

Kombi TrFü Bootsmann ReS KF BE Helfer

GrFü TrFü Bootsmann ReS KF BE

Motorrettungsboot TrFü Bootsmann ReS KF BE Helfer

3. Bootsgruppe 0/3/7/10

1/13/30/44

RETTUNG/SANITÄT

Kombi

GrFü TrFü Bootsmann ReS KF BE

Umfangreiche Logistik

Die DRK-Landesvorhaltung Nordrhein hatte

vorsorglich weitere – wie sich herausstellte äußerst

wertvolle – Materialien und Geräte mitgeführt.

Dazu zählten Zelte, Zeltheizungen,

Schlafsäcke, Feldbetten usw. Die Zelte konnten

als Wetterschutz und Aufenthaltszelte

an den Sandsackfüllstationen in den Einsatz

gebracht werden, zeitweise wurden sie auch

als Unterkünfte und Ruhebereich im primär

zugewiesenen Bereitstellungsraum benötigt.

Durch diese Vorhaltung konnten z.B. die Einsatzkräfte

und die Verpflegung vor der starken

Sonneneinstrahlung effektiv geschützt und die

Sandsackfüllstationen in ihrer notwendigen Arbeit

unterstützt werden.

Zudem konnte den örtlichen Einsatzleitungen

zusätzliche Transportkapazitäten angeboten

werden, nachdem die mitgeführten Lkw entladen

worden waren. Zwar war eine große

Anzahl von benötigten Rüst-, Pump- und Gerätewagen

sowie Wechselladerfahrzeugen im

Einsatzraum Magdeburg eingetroffen, Fahrzeuge

mit hoher Ladekapazität (etwa für den

Sandsacktransport) waren aber zusätzlich gefragt.

Somit stellte dieses Potential der DRK

LaVo Nordrhein einen weiteren bedeutsamen

Beitrag für den Erfolg des Einsatzes vor Ort dar.

Grafik und Produktion: jens@pesch.at, 01/2010

Kombi TrFü Bootsmann ReS KF BE Helfer

Luftrettung (optional) 0/1/2/3

Kombi

Hochwasser (optional) 0/3/7/10

Kombi

Kombi

Anhänger Hochwasser

SAR

GrFü Luftretter Luftretter

GrFü TrFü Bootsmann ReS KF BE

Anhänger Hochwasser TrFü Bootsmann ReS KF BE Helfer

Gruppe Technik und Sicherheit (optional) 0/1/3/4

Kombi Anhänger Technik

GrFü Technikhelfer Technikhelfer Technikhelfer

Ruhe- und Bereitstellungsräume

Nach der ersten Übernachtung in den mitgeführten

Zelten konnte der verstärkte WR-Z

NRW vom zunächst zugewiesenen Bereitstellungsraum

„Börde Park“ am Sonntag, dem 9. Juni

2013, problemlos an die Grundschule „Kannenstieg“

verlegt werden. Die Kräfte des verstärkten

Wasserrettungszuges begannen sofort mit

der Einrichtung der notwendigen Infrastruktur.

Letztlich wurde der Ruhe- und Bereitstellungsraum

„Kannenstieg“ für die Aufnahme und

Unterbringung von insgesamt ca. 250 Einsatzkräften,

neben dem WR-Z des DRK-Landesverbandes

Nordrhein auch für WR-Z der DLRG aus

Nordrhein-Westfalen, ertüchtigt und bis zum

Einsatzende betrieben.

Hierfür wurden u.a. Sanitär- und Duscheinrichtungen

in der Schule sowie der benachbarten

Sportanlage betrieben. Zur Betreuung und Versorgung

der 250 Einsatzkräfte wurden mehrere

Zelte errichtet und Feldkochherde betrieben.

Auf dem Parkplatz der benachbarten Altenund

Pflegeeinrichtung konnten nach Rücksprache

mit der Heimleitung die Großfahrzeuge des

WR-Z NRW abgestellt werden. Im Ergebnis war

so die Unterbringung und Einsatzbereitschaft

der am Kannenstieg stationierten WR-Z und

deren Einbindung in die Hilfeleistung in Magdeburg

jederzeit sichergestellt.

Abb. 4: Struktur der Wasserrettungszüge

im DRK-Landesverband

Nordrhein e.V.

Klaus Püttmann

Technischer Leiter

Wasserwacht

DRK Nordrhein

Auf`m Hennekamp 71

40 225 Düsseldorf

klaus.puettmann@wasserwacht-nordrhein.de

21. Jahrgang · Juni 2014 · 123

IM EINSATZ

19


RETTUNG/SANITÄT

Abb. 5: Die HgWR zeichnet

sich durch ihren speziellen

und hohen Einsatzwert aus

Führung und Verbindung

Vor Ort wurden zur Führung der operativen

Gefahrenabwehrkräfte u.a. zwei Technische

Einsatzleitungen (TEL) gebildet und eingesetzt

– für den Bereich westlich der Elbe die sog. „TEL

Köln“, östlich der Elbe die „TEL Hannover“. Zur

Koordination aller Wasserrettungskapazitäten

in Magdeburg war zudem ein „Meldekopf Wasserrettung“

eingerichtet, der überwiegend per

Mobiltelefon kontaktiert werden musste.

Wegen wechselnder Telefonnummern konnte

die ständige Erreichbarkeit des hier jeweils

Verantwortlichen leider nicht durchgehend sichergestellt

werden. Hier zeigte sich, dass die

adäquate kommunikationstechnische Anbindung

entsprechender (Führungs-)Stellen im

überörtlichen Einsatz im Detail verbesserungswürdig

ist.

„Auch grundsätzlich ist die Einrichtung einer

koordinierenden Stelle für die Wasserrettung

unterhalb einer TEL konzeptionell zu überdenken“,

so Klaus Püttmann. „Aus meiner Sicht

entstand hier – durch die teilweise unklare Führungsstruktur

und fehlende Informations- und

Kommunikationstechnik – ein vermeidbarer

zusätzlicher Koordinationsaufwand.“

Fließwasserretter

Innerhalb des WR-Z wurden erstmals Fließwasserretter

der DRK-Wasserwacht in den Einsatz

der Bootstrupps eingebunden. Durch ihre spezielle

Ausrüstung konnten sie nicht nur bei der

wasserseitigen Deichverteidigung eingesetzt

werden; sie stellen auch bei Evakuierungen und

der Wasserrettung in Hochwasserlagen wert-

volle Helfer in den Bootstrupps dar. „Die Ausbildung

weiterer Fließwasserretter und deren

Einbindung in die WR-Z sollte weiter verfolgt

und unterstützt werden“, so der Technische Leiter

der Wasserwacht, Klaus Püttmann.

Hoher Einsatzwert der Wasserrettungszüge

Dieser Einsatz hat verdeutlicht, dass die in

NRW landesweit einheitlich aufgestellten Wasserrettungszüge

einen hohen Einsatzwert bei

entsprechenden Hochwasserlagen haben. Der

hier eingesetzte und ad-hoc verstärkte Wasserrettungszug

des DRK war ein leistungsstarker,

auf Hochwasserlagen speziell zugeschnittener

und autarker Verband, der durch die Eigenversorgung

und zusätzliche Leistungen die örtlichen

Einsatzstrukturen spürbar und deutlich

unterstützen konnte.

Die gemachten Erfahrungen hinsichtlich der

Logistik, Versorgung, Eigensicherung der Einsatzkräfte,

Führung und die eingeschränkte

Schichtfähigkeit sollten in den entsprechenden

Konzepten – insbesondere für mehrtägige Einsätze

außerhalb Nordrhein-Westfalens – Berücksichtigung

finden. Etwa könnte für den

Einsatz mehrerer WR-Z eine Führungseinheit

vorgesehen werden – und dies nicht nur für

überregionale Hilfseinsätze –, sodass zwei bis

drei Wasserrettungszüge NRW (WR-Z NRW)

mit einer Logistik- und Versorgungskomponente

inklusive einer Einsatzeinheit NRW (EE

NRW) unter einheitlicher Führung zu einem

„Erweiterten WR-Z NRW“ zusammengefasst

werden könnten.

Weitere Leistungen

der DRK-Wasserwacht Nordrhein

Hubschraubergestützte Wasserrettung (HgWR)

Die HgWR zeichnet sich durch ihren speziellen

und hohen Einsatzwert aus. Diese speziell

geschulten Einsatzkräfte der Wasserrettung

– mit einer rettungsdienstlichen Qualifikation

und regelmäßigen Rezertifizierungen in Kooperation

mit den Standorten der Luftfahrtbetreiber

– konnten multifunktional in den Einsatz

eingebracht werden. Auch aus dem DRK-Landesverband

Nordrhein konnten sogenannte

AirRescueSpecialists (ARS) in diesem Einsatz

ihre Fähigkeiten unter Beweis stellen.

Das Anhängen von Lasten an Hubschrauber, die

Unterstützung bei Erkundungsflügen sowie die

Rettung und Evakuierung von Betroffenen aus

der Luft sind hier nur einige wenige spezielle

Einsatzmöglichkeiten. Der gemeinsam von der

20

IM EINSATZ 21. Jahrgang · Juni 2014 · 124


Wasserwacht des DRK, der DLRG und der Bundespolizei

betriebene Standorte der HgWR in

Hangelar sollte auch in Zeiten der sprichwörtlich

gewordenen „knappen Kassen“ erhalten

und ggf. gestärkt werden. Dies trifft sicherlich

auch auf weitere Standorte der HgWR bundesweit

zu.

Gemeinsame Ausbildung der Einsatzkräfte

Im Zuge dieses Einsatzes konnte festgestellt

werden, dass die Entscheidung für eine weitgehend

gemeinsame Helfergrundausbildung

und Führungskräftequalifikation der Gemeinschaften

Wasserwacht und Bereitschaften im

DRK-Landesverband Nordrhein sich bewährt

hat. Der gemeinschaftsübergreifend einheitliche

Sprachgebrauch an der Einsatzstelle, einheitliche

Begrifflichkeiten, Meldewesen und

Führungsstrukturen sind für die Einsatzkräfte

der DRK-Einsatzformationen regelmäßiger

Ausbildungsgegenstand – auch über die DV 100

hinaus – und erleichtert das „Leben in der Lage“

erheblich.

Die strikte Orientierung an den einschlägigen

bundesweit verbreiteten Glossars (z.B. des BBK

und der SKK) und Dienstvorschriften (z.B. die

DV 100) erweist sich dabei als unabdingbar. Nur

auf dieser Grundlage konnte auch die Einbindung

von Fachberatern der DRK-Wasserwacht

Nordrhein in die TEL Köln, über die hier tätige

„MoFüst Rheinland“ aus dem Regierungsbezirk

Köln, erfolgreich dargestellt werden.

Fazit

Die Motivation und das Engagement aller eingesetzten

Einsatzkräfte des DRK aus dem Landesverband

Nordrhein waren für Klaus Püttmann

enorm: „Als verantwortliche Führungskraft des

verstärkten Wasserrettungszuges möchte ich an

dieser Stelle ein herzliches Dankeschön allen

mitwirkenden DRK-Einsatzkräften, dem Ministerium

für Inneres und Kommunales NRW,

den Bezirksregierungen Köln und Düsseldorf,

dem DRK-Einsatzstab im Landesverband Nordrhein,

der DRK-Landesvorhaltung Nordrhein,

den vielen Arbeitgebern, meiner ausgezeichneten

Führungsmannschaft und nicht zuletzt

unseren Familien sagen, die uns wieder einmal

den Rücken für diesen Einsatz freigehalten und

gestärkt haben. Auch die große Solidarität der

Bevölkerung und die gute Zusammenarbeit mit

anderen Hilfsorganisationen werden mich lange

an diesen Hochwassereinsatz erinnern. Nur

gemeinsam konnten wir eine solche Situation

meistern.“


Wasserrettungszug Nordrhein-Westfalen

Beim „Wasserrettungszug Nordrhein-Westfalen“ handelt es sich um einen behördlich

per Erlass geregelte Einsatzformation. Ein entsprechendes Papier des NRW-Innenministeriums

beschreibt den Wasserrettungszug (WR-Z NRW) dabei als taktische Einheit des

Katastrophenschutzes. Sie soll zum Einsatz kommen, wenn Einsatzlagen wie z.B. Überschwemmungen

oder Hochwasser mit den örtlichen Vorhaltungen zur „alltäglichen“ Gefahrenabwehr

allein nicht mehr zu bewältigen sind. Zu den planerischen Aufgaben der WR-Z

NRW gehören neben der Rettung von Menschen und Tieren auch die Evakuierung oder

Versorgung der Bevölkerung überschwemmter Gebiete sowie Deichsicherung oder Unterstützung

bei der Bergung wassergefährdender Stoffe. Darüber hinaus kann ein WR-Z NRW

auch zur Unterstützung bei Einsätzen jeglicher Art eingesetzt werden.

Der Einsatz eines WR-Z NRW ist nicht auf eine örtliche Zuständigkeit begrenzt, sondern

konzeptionell in allen Landesteilen oder auch in anderen Ländern möglich. Der vorgesehene

Einsatzbereich liegt im, am und auf dem Wasser. Die erforderlichen Einheiten werden von

den Hilfsorganisationen im Rahmen Ihrer Mitwirkung gemäß nordrhein-westfälischer Gesetzeslage

(Gesetz über den Feuerschutz und die Hilfeleistung, FSHG, §18) eingesetzt. Das

Konzept sieht die Aufstellung von 20 WRZ in Nordrhein-Westfalen vor.

Bei einer Gesamtstärke von 44 Einsatzkräften (1/9/34/44) sind im WR-Z NRW ein Führungstrupp,

drei Bootsgruppen und eine Tauchgruppe vorgesehen. Zusätzlich ist noch ein Logistiktrupp

(0/1/3/4) möglich. Die vorgesehene Besetzung soll mindestens in doppelter Stärke

benannt sein. Die konkreten planerischen Leistungsmerkmale lauten gemäß Konzept:

• Evakuierungen von mindestens 50 Personen pro Stunde aus überschwemmten

innerstädtischen Wohngebieten.

• Evakuierung von mindestens 20 Personen oder 10 Großtieren pro Stunde aus

ländlichen Gebieten.

• Sicherung der Grundversorgung – von 500 Einwohnern im Schichtsystem

(unterstützt von zwei weiteren WR-Z NRW).

• Deichsicherung von Abschnitten bis zu 50 m Länge pro Tag bei Bereitstellung des

Materials und mit Unterstützung weiterer Helfer.

• Sicherung wassergefährdender Stoffe in überschwemmten Gebieten wie z.B.

Heizöltanks durch Unterstützung der Feuerwehr- oder THW-Kräfte im und am Wasser.

• Unterstützung bei Einsätzen, die nicht im Zusammenhang mit den originären Aufgaben

stehen soweit erforderlich.

Zur wirkungsvollen Erfüllung dieser Aufgaben ist für den WR-Z NRW (vereinfacht) folgende

Ausstattung und Mindestqualifikation vorgesehen:

Zur wirkungsvollen Erfüllung dieser Aufgaben ist für den WR-Z NRW (vereinfacht) folgende

Ausstattung und Mindestqualifikation vorgesehen:

Führungstrupp: Zugführer mit einem stellv. Zugführer und zwei Führungsgehilfen (je ein

Kraftfahrer und Sprechfunker) mit einem Kommandowagen oder einem ELW 1;

Tauchtrupp: Tauchgruppenführer (Gruppenführer und Einsatztaucher), Tauchtruppführer

(Truppführer und Einsatztaucher), zwei Einsatztaucher und ein Signalmann (Signalmannausbildung)

mit Leichttauchgeräten, Transport-/Gerätewagen und Zusatzausstattung;

Bootstrupp: Bootsgruppenführer (Gruppenführer) als Führer zweier Bootstrupps, ein

Bootsführer (Bootsführerschein), zwei Helfer und ein Kraftfahrer mit einem Motorrettungsboot

inklusive Zubehör sowie zugehörigem Bootsanhänger und Zugfahrzeug.

Konzeptionell ist eine nach Größe und Motorleistung sich unterscheidende Aufteilung der

Motorrettungsboote in Mehrzweckboote, Tauch-/Transportboote, Hochwasserboote und

Erkundungsboote vorgesehen. Die Ausbildung erfolgt dabei nach den Vorgaben der Hilfsorganisationen,

die im Detail die Erfüllung der Anforderungen nach dem Landeskonzept

regeln. Im Einsatzfall können die WR-Z NRW als geschlossener Verband in den Einsatzraum

verlegt werden. Dort kann der Verband auch den Einsatzanforderungen entsprechend

getrennt werden. Steht ein mehrtägiger Einsatz bevor, soll ein WRZ den standortnahen

Sammelraum nach sechs Stunden als Verband in Richtung Einsatzgebiet verlassen können.

Dort ist die Unterstellung an die anfordernde Einsatzleitung (TEL) vorgesehen. Anders als

bei den aufgestellten Einsatzeinheiten des Landes NRW (EE NRW), ist der WR-Z NRW komplett

aus organisationseigenen Finanzmitteln der Hilfsorganisationen aufgestellt und für

den Einsatzfall vorgehalten.

RETTUNG/SANITÄT

21. Jahrgang · Juni 2014 · 125

IM EINSATZ

21


RETTUNG/SANITÄT

„Gut Ding mit Weile“:

EU-Richtlinie zum

Hochwasser-Risikomanagement

C. von Spiczak-Brzezinski

Grundsätzlich stellt Hochwasser einen natürlichen Prozess dar. Erst durch

die Ansiedlung von Menschen entlang großer Flussläufe wurde aus dem natürlichen

Prozess eine Naturgefahr. Es wird bereits aus dem frühen Mittelalter

aus Köln (1095 und 1240) von verheerenden Hochwassern entlang des

Rheins berichtet, welche die Stadt schwer getroffen haben. Dies wurde in

den letzten zweihundert bis dreihundert Jahren häufiger, zum einen durch

die immer dichter werdende Besiedlung und Bebauung entlang der Flüsse,

zum anderen durch schwerwiegende Eingriffe in die Flussläufe (in Deutschland

ab 1817, z.B. Rheinbegradigung).

Weit vor der einsetzenden Industrialisierung

wurde der Hochwasserschutz entwickelt. Erste

Deichverbände gab es bereits ab dem 15. Jahrhundert,

doch erst mit der Industrialisierung

wurden Schutzprojekte im größeren Umfang

umgesetzt. Der historische Hochwasserschutz

beschränkte sich meist darauf, auf höher gelegenem

Gelände zu bauen. Heutzutage wird direkt

in Überschwemmungsgebieten gebaut und

versucht, diese Infrastrukturen durch Deiche

vor Hochwassern zu schützen. Durch die damit

einhergehende Einengung des Flussbettes wurde

und wird der Hochwassereffekt jedoch noch

verstärkt und wirkt sich vor allem auf die unterhalb

gelegenen Flussanlieger aus.

Seit den Hochwassern in den 90er Jahren an

Rhein (1993, 1995) und Oder (1997) reagierte

man in Deutschland – aber auch in anderen

Ländern – auf die zunehmende Gefahr von

extremen Hochwassern und leitete Gegenmaßnahmen

ein. Dominierte zunächst ein

Sicherheitsdenken, versucht man seit einigen

Jahren eine Risikokultur im Hochwasserschutz

zu etablieren. Das vorläufige Ziel dieser Bemühungen

stellt die EU-Hochwasser- Risikomanagement-Richtlinie

dar (EU-HWRM-RL).

Sicherheitsdenken

Beim Ansatz des Sicherheitsdenkens steht der

Schutzaspekt im Vordergrund. Es wurden statistisch

Hochwasserstände errechnet, die alle

100 bis 200 Jahre auftreten, und auf diese Höhe

wurden dann die technischen Hochwasserschutzvorrichtungen

(Deiche, Schutztore,

Schutzmauern, etc.) ausgelegt. Vereinfacht

kann man sagen: Man baute die Deiche so

hoch, wie das Wasser steigen konnte, stieg es

einmal höher, wurden im Anschluss die Deiche

erhöht. In den Maßnahmen des technischen

Abb. 1: Zukünftig gilt es zu

verhindern, dass Hochwasserereignisse

zu erheblichen

Schäden an wichtigen Infrastrukturen

führen

22

IM EINSATZ 21. Jahrgang · Juni 2014 · 126


Hochwasserschutzes sah man seinerzeit den

Goldstandard.

Risikokultur

Bei der Risikokultur hingegen wird ein anderer

Ansatz vertreten. Dabei wird nicht nur auf

der einen Seite versucht, eintretende Ereignisse

zu bewältigen, sondern weitere präventive

Maßnahmen zu ergreifen, um das Risiko zu

senken, dass ein solches Ereignis schwerwiegende

Auswirkungen hat. Übertragen auf den

Hochwasserschutz bedeutet dies, dass nicht

einfach nur Deiche erhöht werden, um einen

Ort vor Hochwassern zu schützen, sondern es

werden auch Maßnahmen ergriffen, um z.B.

den Pegelstand zu senken (Polder öffnen, neue

Überschwemmungsgebiete einrichten) oder

durch raumplanerische Maßnahmen (keine Bebauung

in überschwemmungsgefährdeten Gebieten)

die Auswirkungen eines Hochwasser

reduzieren. Erste Maßnahmen und Aktionspläne,

welche diesen Ansatz verfolgen, wurden

durch die Bund/Länder Arbeitsgemeinschaft

Wasser (LAWA) bereits 1995 verabschiedet,

nachdem es kurz hintereinander zu zwei extremen

Rheinhochwasser gekommen war. Diese

Maßnahmen wurden nach jedem Hochwasser

weiter ausgebaut und gipfeln nun in der Europäischen

Richtlinie zum Hochwasserrisikomanagement.

Hochwasserrisikomanagement

Seit einigen Jahren existiert bereits der Ansatz

des integrierten Hochwasserrisikomanagements.

In diesem Prozess werden alle Fachdisziplinen

beteiligt, die helfen können, das Risiko

zu minimieren, das von Hochwassern ausgeht.

Dabei setzt der Hochwasserschutz nicht erst

entlang der Flussläufe ein, sondern bereits viel

früher, in den Wäldern, auf Feldern und auch in

Wohngebieten. Hier wird durch Aufforstung,

besseres Wirtschaften und die Reduzierung

versiegelter Flächen erreicht, dass der Boden

mehr Wasser aufnehmen kann. Somit kommt

bei anhaltenden starken Niederschlägen z.B.

das Wasser nur in Teilen und dann auch nur

stark verzögert in die großen Flussläufe, was

ebenfalls hilft, Hochwasser zu reduzieren.

Das zweite große Element stellt, wo möglich

und umsetzbar, eine Renaturierung von Bachund

Flussläufen dar. Durch diese Maßnahmen

fließen Wassermassen langsamer ab bzw. sie

finden weite Flächen vor, um sich auszudehnen,

wodurch die Pegel ebenfalls stark zu senken

sind. Diese Maßnahmen lassen sich naturgemäß

nicht überall umsetzen, vor allem entlang

hiesiger großer Wasserstraßen muss ein

Kompromiss zwischen Transportwirtschaft

und Hochwasserschutz gefunden werden. Hier

bietet sich vor allem entlang von Flüssen wie

Rhein, Elbe und Donau an, Deiche zurückzuverlegen,

um dem Wasser mehr Raum zu geben.

Dabei sollen natürlich keine Siedlungen ins

Wasser gesetzt werden, aber in vielen Regionen

werden auch Felder und Wiesen durch Deiche

eingeschlossen, die als Überschwemmungsfläche

genutzt werden könnten. Hinzu kämen so

genannte Polder, Gebiete, die zwar hinter dem

Deich liegen, aber über Schleusen gefahrlos geflutet

werden können, ohne Wohn- oder Gewerbegebiete

zu überschwemmen.

Der letzte große Abschnitt des Hochwasserrisikomanagements

umfasst das Baurecht. Hier

werden nach genauen Vermessungen die Überschwemmungsgebiete

entlang der Flussläufe

neu ausgewiesen und für diese Gebiete das

Baurecht geändert. In vielen Fällen sind dann

Neubauten gänzlich verboten, ebenso An- und

Erweiterungsbauten bestehender Immobilien.

Hinzu kommen Auflagen, etwa der Verzicht

auf Anlagen, die wassergefährdende Stoffe enthalten

(z.B. Ölheizungen). Aber auch Tanklager

oder bestimmte chemische Betriebe dürfen sich

dort dann nicht mehr ansiedeln.

Abb. 2: Das Hochwasserrisikomanagement

ist in die

Katastrophenvorsorge als

vorbeugende Maßnahme

einzuordnen

RETTUNG/SANITÄT

21. Jahrgang · Juni 2014 · 127

IM EINSATZ

23


RETTUNG/SANITÄT

Abb. 3: Spezielle Maßnahmen

zum Schutz von gefährdeten

Gebäuden können

vorgeplant werden (Objektschutz)

Der Grundgedanke des integrierten Hochwasserrisikomanagements

ist der prozesshafte

Kreislauf. Dabei soll, ähnlich wie bei dem Führungskreislauf

nach DV 100, die bestehende

Situation analysiert werden, um Maßnahmen

zur Reduzierung des Hochwasserrisikos zu

planen und umzusetzen. Nach der Umsetzung

dieser Maßnahmen wird dann die neue Situation

bewertet. Ziel ist es, dieses Kreislaufschema

immer fortwährend zu durchlaufen und bei

jedem Durchgang das Hochwasserrisiko ein

wenig zu reduzieren. Durch diesen Prozess ist

von einem sich stetig verbessernden Hochwasserschutz

auszugehen. Durch die fortwährende

Auseinandersetzung mit dem Hochwasserrisiko

bleiben Hochwasserkarten und Einsatzpläne

immer auf dem aktuellen Stand und ermöglichen

so eine bessere Abwehr von Hochwassern.

Diese EU-Richtlinie setzt in großen Teilen die

Ansätze des integrierten Hochwasserrisikomanagements

um und macht dies zur Vorgabe

für alle EU-Mitgliedsländer, wie der Hochwasserschutz

auf nationaler Ebene zu organisieren

und zu planen ist. Neben dem besseren Ansatz

des Risikomanagements verspricht man

sich im vereinten Europa auch eine bessere

Abstimmung von Maßnahmen bei grenzüberschreitenden

Flussgebietseinheiten. Die großen

Flusssysteme, welche in den vergangenen 20

Jahren mit extremen Hochwassern aufgefallen

waren, führen dabei meist durch mehrere Länder.

So wurden bei den Hochwassern auf Rhein,

Elbe, Oder und Donau jeweils gleich mehrere

Länder durch Hochwasser in Mitleidenschaft

gezogen, sowohl am Oberlauf der Elbe (Tschechien)

und am Oberlauf der Oder (Polen) als

auch am Unterlauf der Donau (vor allem in Österreich,

Ungarn, Rumänien, Bulgarien).

Die Umsetzung der Richtlinie erfolgt(e) in drei

Schritten: Zunächst wurde von Anfang 2010 bis

Ende 2011 eine vorläufige Bewertung von Hochwasserrisiken

vorgenommen. Dabei wurde vor

allem Bezug auf bestehende Karten und Pläne

sowie Erfahrungswerte mit hohen Wasserständen

zurückgegriffen und spezielle Risikogebiete

ausgewiesen. Im zweiten Schritt wurden

von Anfang 2012 bis Ende 2013 einheitliche

Hochwassergefahrenkarten und Hochwasserrisikokarten

erstellt. Diese weisen zum einen die

Ausdehnung der Überschwemmung und dabei

entstehende Wassertiefen in Überschwemmungsgebieten

aus, zum anderen werden bestimmte

Risikoelemente betrachtet, die durch

die Überschwemmungen gefährdet sind. Dazu

gehören neben der Bevölkerung wichtige Infrastrukturen

wie Krankenhäuser, Elektrizitätswerke

und schützenswerte Kulturgüter. Dabei

wurden jeweils folgende Szenarien betrachtet

und in Kartenwerken dargestellt:

EU-Richtlinie

Am 23. Oktober 2007 verabschiedeten der Europäische

Rat und das Europäische Parlament

die Richtlinie über das Management von Hochwasserrisiken

(RICHTLINIE 2007/60/EG).

Die Vorgaben aus dieser Richtlinie wurden im

Rahmen der Neuordnung des Wasserhaushaltsgesetzes

(2010) in Deutschland rechtskräftig.

Aus den Vorgaben der Richtlinie entwickelte

die Bund/Länder Arbeitsgemeinschaft Wasser

(LAWA) Arbeitshilfen und Vorschriften, die für

Deutschland die Details zur Umsetzung der

EU-Richtlinie festschreiben.

• Hochwasser mit niedriger Eintrittswahrscheinlichkeit

(HQ extrem

),

• Hochwasser mit mittlerer Eintrittswahrscheinlichkeit

≥ 100 Jahre (HQ 100

) und

• Hochwasser mit hoher Eintrittswahrscheinlichkeit

(HQ häufig

).

Die Karten stehen inzwischen auf den Internetseiten

der zuständigen Landesmittelbehörden

zum Download bereit. Die Zuständigkeit

variiert dabei zwischen den Bundesländern, in

NRW sind z.B. die oberen Umweltschutzbehörden

zuständig, die bei den fünf Bezirksregierungen

ansässig sind.

24

IM EINSATZ 21. Jahrgang · Juni 2014 · 128


Seit Anfang des Jahres sind die zuständigen Behörden

auf allen Ebenen damit befasst, bis Ende

2015 Hochwasserrisikomanagementpläne zu

erstellen. Diese Pläne werden für jede Stadt und

jeden Landkreis aufgestellt und umfassen alle

Maßnahmen zum Management der Hochwasserrisiken,

die auf dem jeweiligen Stadtgebiet

umzusetzen sind. Die Herausforderung besteht

darin, dass in einem Plan für jeweils eine Stadt

viele verschiedene Maßnahmen verschiedener

Behörden auf kommunaler, Landes- und Bundesebene

zusammengefasst werden müssen.

Dabei zeichnet jede Verwaltungsebene für andere

Maßnahmen verantwortlich. So sind für

den technischen Hochwasserschutz entlang

der Bundeswasserstraßen die Landesbehörden

zuständig. Maßnahmen und Alarmpläne

für den Katastrophenschutz fallen dabei in die

kommunale Zuständigkeit. Hier müssen nicht

nur Alarmpläne für die Deichverteidigung erarbeitet,

sondern auch alle anderen Maßnahmen

durch die Stadtverwaltung (wie Stromabschaltungen,

Umleitung des ÖPNV, Evakuierungen,

usw.) erstellt werden.

Die EU-Richtlinie schreibt zudem vor, dass dieser

Prozess von nun an alle sechs Jahre durchlaufen

werden soll – analog zum bisherigen

Ablauf. Ende 2015 wird der Kreislauf des Hochwasserrisikomanagements

zum ersten Mal

durchlaufen sein und es sollten dann flächendeckend

Pläne zum Hochwasserrisikomanagement

bestehen. Damit wäre der größte Teil der

Arbeit geschafft und der iterative Prozess des

Risikomanagements für den Hochwasserschutz

in der EU etabliert. Von da an werden die Pläne

fortlaufend gepflegt und ergänzt, neue Karten

erstellt und – bei planmäßigem Verlauf – das

Hochwasserrisiko stetig vermindert.

Zusammenfassung

Die Einführung weiter Teile des integrierten

Hochwasserrisikomanagements als verbindliche

Vorgabe im Hochwasserschutz für die

EU schreibt den bereits vor geraumer Zeit

eingeleiteten Paradigmenwechsel im Hochwasserschutz

fest. Dadurch erhält das Risikomanagement

nun auch in diesem Bereich

flächendeckend Einzug, nachdem bereits in

vielen anderen Feldern bereits auf Basis von Risikoanalysen

gearbeitet wird (z.B. Störfallrecht,

Finanzwirtschaft).

Inkrafttreten der Richtlinie

am 26. November 2007

Vorläufige Bewertung

des Hochwasserrisikos

Erstellung von Hochwassergefahrenund

-risikokarten

Erstellung von Hochwasserrisikomanagementplänen

Überprüfung der vorläufigen Bewertung,

Aktualisierung alle 6 Jahre

Überprüfung der Hochwassergefahren- und

-risikokarten, Aktualisierung alle 6 Jahre

Überprüfung der Hochwasserrisikomanagemtpläne,

Aktualisierung alle 6 Jahre

22.12.

2011

22.12.

2013

Grundsätzlich stellt das Konzept des Risikomanagements

an sich keine großartige Neuerung

dar, es ist in vielen Bereichen seit langem etabliert.

Nun erhält es auch im Hochwasserschutz

Einzug und strukturiert das Vorgehen aller EU-

Mitgliedsländer auf die gleiche Weise. Wesentliche

Erfolge und eine signifikante Verringerung

des Hochwasserrisikos werden sich jedoch erst

in einigen Jahren ergeben, wenn die Maßnahmen

weitestgehend umgesetzt wurden. Hier

spielt auch die Langfristigkeit der Maßnahmen

eine wichtige Rolle. Durch die aufwändigen

Planungs- und Genehmigungsverfahren sowie

lange Bauzeiten bei großen Bauprojekten können

sich Maßnahmen wie die Rückverlegung

von Deichen auch 15 bis 20 Jahre hinziehen.

Dies sieht man z.B. sehr gut entlang der Elbe,

wo man nach dem Hochwasser im Jahr 2002

umfangreiche Maßnahmen zur Verbesserung

des Hochwasserschutzes eingeleitet hat. Bis

heute wurden zwar schon etliche Maßnahmen

abgeschlossen, der Großteil der Bauprojekte

befindet sich jedoch noch in der Planung oder

Umsetzung. Daher waren die Auswirkungen

der Hochwasser von 2013 in vielen Bereichen

ähnlich gravierend wie im Jahr 2002. An etlichen

anderen Stellen waren wiederum die Verbesserungen

des Hochwasserschutzes bereits

deutlich spürbar. Dies betrifft Deichbaumaßnahmen

und die Schaffung von Poldern sowie

zusätzlichen Überschwemmungsflächen gleichermaßen.

Wichtig ist auch, dass die EU-HWRM-RL viele

Maßnahmen aus allen Teilen des Rahmen-

Kreislaufes für das Katastrophenmanagement

aufgreift und somit einen ganzheitlichen Ansatz

verfolgt. Zwar ist erkennbar, dass der

Schwerpunkt der Richtlinie auf die Hochwasservorsorge

ausgerichtet ist, aber auch die Maßnahmen

der Gefahrenabwehr während und zur

Regeneration nach Hochwasserereignissen finden

darin Aufnahme.


22.12.

2015

22.12.

2018

22.12.

2019

22.12.

2021

Abb. 4: Zeitlicher Ablauf des

EU-Risikomanagements für

(zukünftige) Hochwasserereignisse

Christian von

Spiczak-Brzezinski

Ingenieur für Rettungswesen

Student Katastrophenvorsorge/Katastrophenmanagement

ChristianSB@gmx.de

Weitere Informationen:

www.flussgebiete.nrw.de

(Hochwasserrisikomanagement

NRW)

www.lawa.de

RETTUNG/SANITÄT

21. Jahrgang · Juni 2014 · 129

IM EINSATZ

25


RETTUNG/SANITÄT

Online-Plattform ohne Bindung an Hilfsorganisation:

Team Bayern organisiert

Laienhelfer im Katastrophenfall

G. Bücherl

„Team Bayern“ ist eine Kooperation des Bayerischen Roten Kreuzes mit dem

Bayerischen Rundfunk. Freiwillige können sich auf einer Online-Plattform

registrieren, um bei Katastrophen und anderen Notfällen gezielt professionelle

Helfer zu unterstützen. Vorbild sind „Team Österreich“ und „Team

Mecklenburg-Vorpommern“. Mit „Team Bayern“ soll eine Plattform geboten

werden, um dauerhaft die Daten und konkreten Fähigkeiten von Freiwilligen

zu sammeln, die sich nicht an eine Hilfsorganisation binden wollen, aber

mit anpacken, wenn Hilfe dringend gebraucht wird. Freiwillige registrieren

sich dazu in einer Datenbank und werden im Bedarfsfall per SMS alarmiert.

Als im Sommer 2013 in Süddeutschland das

Hochwasser die Schlagzeilen dominierte, waren

Tausende Helferinnen und Helfer im Einsatz.

Professionelle Helfer der Feuerwehren und

Hilfs organisationen, viele von ihnen ehrenamtlich.

Dazu kam eine große Zahl von Freiwilligen,

die keiner Organisation angehörten

und weder über Uniform noch Training im

Hochwassereinsatz verfügten. Wie schon beim

Elbe-Hochwasser im Jahr 2002 war die spontane

Hilfsbereitschaft der Bevölkerung groß.

Ob Sandsäcke füllen, Schlamm schaufeln oder

Hilfsgüter sortieren: Viele packten wie selbst-

verständlich mit an. Anders als 2002 organisierten

sich die Freiwilligen vielfach spontan

über Gruppen in sozialen Netzwerken wie Facebook.

So wurden Hilfe bedarf und Hilfsangebote

koordiniert.

Auch das BRK und der Bayerische Rundfunk

boten mit ihrer gemeinsamen Initiative „Bayern

packt an“ eine solche Koordinationsplattform.

„Das war eine ganz spontane Kooperationsidee

ohne große Vorbereitung“, sagt Raimund Heiny

selbstkritisch. Der 57-jährige Diplom-Biologe

ist ehrenamtlicher Bezirksbereitschaftsleiter

des Roten Kreuzes in Unterfranken. „Wir erhielten

mehr als 3.000 Hilfsangebote und konnten

auch alle Hilfsgesuche bedienen, aber die

Erfassung der unterschiedlichen Angebote war

schon sehr mühsam.“

Übergeordnete Koordinationsplattform

Aus der Zusammenarbeit beim Hochwasser

lernten der BR und Rotes Kreuz zudem, dass

die vielen spontanen Gruppen in den sozialen

Abb. 1: Das Stapeln von

Sandsäcken ist eines der

Betätigungsfelder für die

Freiwilligen

26

IM EINSATZ 21. Jahrgang · Juni 2014 · 130


Netzwerken zwar sehr schnell und effizient arbeiteten,

eine übergeordnete Koordination aber

nicht stattfand. Außerdem konnten viele Einsatzleitungen

mit den Hilfsangeboten wenig

anfangen, die Integration in die traditionellen

Einsatzstrukturen im Katastrophenschutz

war eine Herausforderung. Und nicht zuletzt

zeigte sich, dass Hilfe auch über einen längeren

Zeitraum nach der eigentlichen Katastrophe

notwendig ist und dass es sehr hilfreich wäre,

Freiwillige gezielt und nach bestimmten Kriterien

zum Einsatz zu bringen.

RETTUNG/SANITÄT

Diese Erfahrungen spornten Heiny und seine

Kollegen an, „Team Bayern“ zu forcieren, das

sie bereits seit zwei Jahren vorbereitet hatten.

Es soll eine Plattform bieten, um dauerhaft die

Daten und konkreten Fähigkeiten von Freiwilligen

zu sammeln, die sich nicht an eine Hilfsorganisation

binden wollen, aber mit anpacken,

wenn Hilfe dringend gebraucht wird. „Unser

Ziel und die Vision dieses Projektes ist, dass wir

Bayerns größtes Hilfswerk installieren, damit

wir große Katastrophen bewältigen können“,

sagte Christa Prinzessin von Thurn und Taxis,

die damalige BRK-Präsidentin, zum Projektstart.

„Wir mussten das Rad nicht neu erfinden“,

ergänzt Heiny. „Das Team Österreich besteht

seit 2007, das Team Mecklenburg-Vorpommern

seit 2011.“

Beide Projekte sind eine Kooperation zwischen

Rotem Kreuz und regionalen Medienpartnern.

Sie funktionieren nach demselben Prinzip:

Freiwillige registrieren sich in einer Datenbank

und werden im Bedarfsfall per SMS alarmiert.

Sie können in jedem Einzelfall entscheiden, ob

sie für den konkreten Einsatz zur Verfügung

stehen oder nicht. Sie erhalten nach ihrer Anmeldung

eine vierstündige Einweisung, gehen

aber ansonsten keinerlei Verpflichtungen ein.

Im Einsatzfall sind sie über das Rote Kreuz versichert.

Eine Kontaktaufnahme erfolgt jedoch

nur im Einsatzfall und keinesfalls zu Werbeoder

Marketingzwecken. „Uns ist sehr wichtig,

die Daten der Freiwilligen nicht zu missbrauchen

und sie auch nicht mit lästigen Mailings

abzuschrecken“, so Heiny.

Mitmachen kann jeder, der in Bayern oder angrenzenden

Regionen wohnt und über eine

deutsche Mobiltelefonnummer und Zugang

zu einer aktiven E-Mail-Adresse verfügt. Wer

sich online registriert, gibt zunächst die persönlichen

Daten und Informationen zu seiner

Erreichbarkeit ein. Anschließend muss sich

der Freiwillige entscheiden, für welche Art von

Aufgaben er zur Verfügung steht. Zur Auswahl

stehen so unterschiedliche Bereiche wie administrative

Tätigkeiten, Versorgung der Bevölkerung

mit Informationen, Betreuung von

Unverletzten oder Logistikaufgaben. Zudem

kann man angeben, ob man auch unabhängig

von Katastrophen für Nachbarschaftshilfe, Einmal-Aufgaben,

Projekte oder Veranstaltungen

zur Verfügung steht.

Es folgen Fragen zu Kleidergröße, Dauer eines

möglichen Einsatzes, dem gewünschten Einsatzradius

und eigenen Ressourcen, die der

Freiwillige zum Einsatz mitbringen kann. „Das

können Autos sein, aber auch spezielles Werkzeug

oder Pumpen“, so Heiny. Auch Einschränkungen

der Einsatzfähigkeit oder Allergien

sollten die Freiwilligen angeben, ebenso wie

eine mögliche Zugehörigkeit zu einer Hilfsorganisation.

Außerdem werden vorhandene

Qualifikationen wie Sprachkenntnisse, Führerscheine

und Berufsausbildungen abgefragt.

„Den sehr detaillierten Fragebogen haben wir

im Wesentlichen von unseren österreichischen

Kollegen übernommen“, sagt Heiny. „Das hat

uns Arbeit erspart und stellt außerdem sicher,

dass wir bei künftigen Hilfeersuchen an das

Team Bayern gezielt die geeignetsten Freiwilligen

per SMS informieren können. Denn die

alarmierten Helfer sollen ja auch tatsächlich

sinnvoll zum Einsatz kommen.“ Etwa 3.600

Freiwillige haben sich seit Anfang November

2013 beim „Team Bayern“ registriert.

Wichtig ist den Initiatoren, dass das „Team

Bayern“ nicht in Konkurrenz zu etablierten

Hilfsorganisationen tritt. „Wir wollen die organisierten

Helfer ergänzen, entlasten und unterstützen“,

betont Heiny und ergänzt: „Team

Bayern ist kein exklusiver Ressourcenpool des

Abb. 2: Über die Website

geben die Freiwilligen eine

Reihe von Daten ein, die der

gezielten Alarmierung im

Einsatzfall dienen

Gabriel Bücherl, M.A.

Fachjournalist

gabriel@denkkommune.de

21. Jahrgang · Juni 2014 · 131

IM EINSATZ

27


RETTUNG/SANITÄT

so Heiny. „Schließlich soll das Team Bayern

nicht als Vermittler billiger Arbeitskräfte missbraucht

werden oder die Helfer gefährden.“

Kommt es dann zu einem Einsatz des Teams,

werden in der Datenbank die geeigneten Freiwilligen

ausgewählt und per SMS alarmiert. Sie

antworten per SMS mit „Ja“ oder „Nein“. Wer

für den Einsatz zur Verfügung steht, erhält detaillierte

Informationen per E-Mail und erfährt

außerdem Zeit- und Treffpunkt für eine Einsatzbesprechung.

Abb. 3: Unter Beachtung

der Hygiene ist auch ein

Einsatz von Freiwilligen bei

bestimmten Verpflegungsaufgaben

denkbar

Weitere Informationen:

www.teambayern.info

www.team-mv.info

www.team-mitteldeutschland.de

www.teamoesterreich.at

Roten Kreuzes, sondern kann von jedermann

und jeder Organisation angefordert werden.“

Einsatzvoraussetzungen

Die Voraussetzungen für einen „Team Bayern“-

Einsatz sind ein öffentliches Interesse, eine

durchgehende Betreuung und Begleitung der

eingesetzten Freiwilligen und ein Einsatzumfeld,

das die Freiwilligen weder gefährdet noch

psychisch oder physisch überfordert. „Jede Anforderung

des Teams, die beim Bezirksverband

Unterfranken des Roten Kreuzes eingeht, wird

deshalb von uns auf diese Kriterien überprüft“,

Mögliche Aufgaben für die Freiwilligen

des „Team Bayern“:

• bei Katastrophen und Großschadenslagen:

– administrative Unterstützung (z.B. Registrierung

Betroffener)

– Unterstützung bei der Betreuung (z.B. Essensausgabe)

– Unterstützung durch manuelle Arbeitskraft,

– Unterstützung bei Aufräumarbeiten (z.B. nach

Sturmschäden)

– Unterstützung bei der Logistik (z.B. Kraftfahrerdienste)

– Unterstützung durch spezielle Qualifikationen

(z.B. Dolmetscher)

• bei anderen Einsätzen:

– Unterstützung beim Umzug eines Heimes

– nachbarschaftliche Unterstützung bei Krankheit

oder Behinderung

– Hilfe bei Behindertenschifffahrten

– Dolmetschertätigkeiten

– Unterstützung sozialer Projekte

– Hilfe bei der Arbeit sozialer Einrichtungen

Genaues Profil der Freiwilligen

„Die Freiwilligen des Team Bayern müssen vor

Ort gezielt eingesetzt und begleitet werden“,

sagt Heiny. Denn im Unterschied zu den Helfern

der Hilfsorganisationen sind sie weder für den

Katastropheneinsatz ausgebildet, noch sind sie

es gewohnt, sich in Einsatzstrukturen einzugliedern

oder in Katastrophengebieten zu arbeiten.

Auch die Abläufe und Zusammenhänge sind

ihnen in der Regel nicht bekannt. „Das werden

wir mit den kurzen Einweisungsveranstaltungen

im Vorfeld nur zum Teil kompensieren können“,

sagt Heiny. „Deshalb müssen wir vor Ort genau

darauf achten, die Freiwilligen nur für solche

Aufgaben einzusetzen, denen sie gewachsen

sind. Alles andere übernehmen die dafür ausgebildeten

Helfer der Hilfsorganisationen“.

Das Bedürfnis, „mit anzupacken“

Dass das gut funktionieren kann, hat sich bereits

beim Sommer-Hochwasser 2013 gezeigt.

„Die Integration von Freiwilligen in unsere

klassische Einsatzstruktur war ungewohnt,

aber sehr bereichernd“, berichtet Thomas Wagmüller

vom Münchner Roten Kreuz, der mit

einer SEG „Verpflegung“ gemeinsam mit der

Bundeswehr in Passau Helfer und Einsatzkräfte

verpflegte. „Das waren überwiegend Passauer

Studenten, aber auch ein Verein von Hobbyköchen

und diverse Gastronomieprofis, die uns

da spontan unterstützt haben. Die haben dann

gemeinsam mit unseren Helfern das Lager organisiert,

Semmeln geschmiert oder Obstsalat

geschnitten. Die Unterstützung und die spontane

Hilfsbereitschaft waren wirklich beeindruckend!“

„Wir haben gesehen, dass Menschen in Katastrophen

das Bedürfnis haben, mit anzu packen“,

fasst Raimund Heiny zusammen. „Und wir haben

gesehen, dass sie sich vor allem über soziale

Netzwerke selbst organisieren. Wenn wir nun

etwas Struktur in diese Hilfe bringen wollen

28

IM EINSATZ 21. Jahrgang · Juni 2014 · 132


und zudem eine Verbindung zu den professionellen

Hilfsorganisationen herstellen wollen,

können Initiativen wie das Team Bayern oder

unsere Vorbilder in Österreich und Mecklenburg-Vorpommern

das unterstützen. Wenn wir

zudem davon ausgehen, dass der demografische

Wandel und die veränderten Anforderungen an

ehrenamtliches Engagement die organisierte

Selbsthilfe der Bevölkerung immer wichtiger

werden lassen, sollten wir es unbedingt versuchen.

Ich bin gespannt, welche Erfahrungen wir

damit machen.“

RETTUNG/SANITÄT

Vorbildliche Schwester-Teams

Die Erfahrungen der „Schwester-Teams“ geben

Heiny recht: Rund 35.000 Freiwillige sind

beim „Team Österreich“ registriert. Bei den

bisherigen Einsätzen beseitigten die Helfer u.a.

Hochwasser- und Sturmschäden, besetzten ein

Spendentelefon für die Flut in Pakistan, suchten

Vermisste oder schaufelten Schnee. Zudem

engagiert sich ein fester Stamm der Mitglieder

von „Team Österreich“ in einem eigenen Tafel-Projekt,

das an 80 Ausgabestellen in ganz

Öster reich Hilfsbedürftige mit Lebensmitteln

versorgt. 513 registrierte Freiwillige zählt das

„Team MV“ in Mecklenburg-Vorpommern.

Neben einem Einsatz zur Deichsicherung 2013

waren die Helfer auch bei etlichen Übungen

des Roten Kreuzes beteiligt. So unterstützten

sie z.B. eine Betreuungseinheit beim Einrichten

und Betreiben einer Notunterkunft.

Bei allen drei bestehenden Teams ist die Kooperation

mit Medienpartnern wesentlich. So

ist gewährleistet, dass einerseits professionell

für ein Engagement in den Freiwilligenteams

geworben wird. Andererseits können die Medienpartner

im Einsatzfall auch über den Einsatz

der Freiwilligen berichten und zudem etwa

Sach- und Ressourcenspenden passend zum

Einsatzauftrag der Freiwilligen akquirieren.

Das sorgt wiederum für eine Anerkennung des

Freiwilligen-Engagements.

Ob sich bei künftigen Katastrophen Freiwillige

in den Teams engagieren oder doch lieber

weiterhin ihre eigenen Initiativen über soziale

Netzwerke gründen und organisieren, bleibt

abzuwarten. Ebenso wird sich zeigen, ob die

Teams auf einzelne Bundesländer beschränkt

bleiben oder ob es gelingt (wie in Österreich),

bundesweit ähnliche oder gar einheitliche

Strukturen zu schaffen. Schließlich halten

sich Schadensereignisse selten an politische

Grenzen. Das gerade gegründete „Team Mitteldeutschland“

– eine Kooperation zwischen

dem Malteser Hilfsdienst, dem THW, dem Mitteldeutschem

Rundfunk und weiteren Partnern

– scheint die Entwicklung hin zu ähnlichen

Modellen zu bestätigen.


Abb. 4: Beim Hochwassereinsatz

2013 unterstützten

Passauer Studenten, aber

auch ein Verein von Hobbyköchen

und diverse

Gastronomie profis die SEG

Verpflegung u.a. beim Semmeln

schmieren

Röder HTS Höcker GmbH

Hinter der Schlagmühle 1

63699 Kefenrod

Telefon: +49 (0)6049 95 10-0

E-Mail: verkauf@roeder-hts.de

Internet: www.roeder-hts.de

Zelt-Typ Länge x Breite

in Meter

Seitenhöhe

in Meter

Preis in Euro

zzgl. MwSt.

P10 5,00 x 4,75 m 1,70 m 990,00 €

P11 4,00 x 5,90 m 1,90 m 1.030,00 €

P12 6,00 x 5,65 m 1,70 m 1.200,00 €

P13 6,00 x 5,90 m 1,90 m 1.240,00 €

P16 8,00 x 5,65 m 1,70 m 1.465,00 €

P17 8,00 x 5,90 m 1,90 m 1.520,00 €

P20 10,00 x 5,65 m 1,70 m 1.645,00 €

P21 10,00 x 5,90 m 1,90 m 1.735,00 €

P22 12,00 x 5,90 m 1,90 m 1.975,00 €

Weitere Ausstattungen

auf Anfrage.

21. Jahrgang · Juni 2014 · 133

IM EINSATZ

29


RETTUNG/SANITÄT

First Responder 2.0:

Leitstellen-Alarmierung per App

P. Hansak

Das „klassische“ First-Responder-Konzept des Steirischen Roten Kreuzes

wird seit Jahren erfolgreich umgesetzt und wurde mit zurzeit 265 Respondern

bereits in den Regelbetrieb des Rettungsdienstes überführt. Derzeit

können sowohl Rettungssanitäter sowie speziell ausgebildete Laien als First

Responder zu Einsätzen entsandt werden. Die Alarmierung erfolgt über

die Landesleitstelle Steiermark (LLS), in deren Einsatzleitsystem First Responder

im Einsatzmittelvorschlag berücksichtigt werden. Dabei wird im

Einsatzfall an alle für den entsprechenden Einsatzbereich gemeldeten First

Responder eine SMS versandt und einsatzbereite First Responder melden

sich telefonisch zur Einsatzübernahme bei der Leitstelle. Der Leitstelle ist

jedoch bis zu diesem Zeitpunkt unbekannt, ob, wo genau und wie viele Responder

zur Verfügung stehen. Aufbauend auf einer eigenen Applikation

für Smartphones wurde nun ein völlig neues First-Responder-System entwickelt.

Das Zeitfenster zwischen Auftreten eines Notfalls

und Eintreffen des ersten Rettungsmittels

oder sogar eines „klassischen“ First Responders

soll durch diese Initiative noch besser überbrückt

werden. Im Unterschied zu den bisherigen Systemen,

die Responder nur in einer definierten

Region einsetzen, kommen die neuen Mobilen-

Sanitäter-Responder (MobSanR) überall in der

Steiermark, unabhängig von ihrem Lebens-

mittelpunkt, am aktuellen Aufenthaltsort zum

Einsatz und sind von ihrem Ausbildungsstand

zumindest aktive Rettungssanitäter. Der hohe

Grad der Verfügbarkeit ergibt sich letztlich

durch die Anzahl der eingebundenen Sanitäter

in das System. Mit rund 5.500 solcher potenzieller,

professioneller Ersthelfer (ausgebildete

Sanitäter im Roten Kreuz) bietet dieses System

einen großen Mehrwert für die Versorgungssicherheit

der Bevölkerung. Finanziert wird das

Projekt durch das Land Steiermark, dass auch

die Langzeitfinanzierung sichergestellt hat.

Zur Integration der MobSanR in das Einsatzleitsystem

wurde durch das Steirische Rote Kreuz

in Kooperation mit einer Fachhochschule eine

eigene Smartphone-Applikation zur Einsatzführung

für diese Responder entwickelt. Die

Applikation kommuniziert über eine Schnittstelle

direkt mit der Software der LLS analog

zur Software der Daten-Terminals auf den Einsatzfahrzeugen,

auch die Statusmeldungen entsprechen

denen der Fahrzeuge. Der MobSanR

kann sich über die Applikation an jedem Ort im

Abb. 1: Die neuen Mobilen-

Sanitäter-Responder

(MobSanR) kommen überall

in der Steiermark am aktuellen

Aufenthaltsort zum

Einsatz

30

IM EINSATZ 21. Jahrgang · Juni 2014 · 134


Bundesland Steiermark und für jeden beliebigen

Zeitraum selbst in Dienst stellen und in Folge

als First Responder durch die LLS eingesetzt

werden. Im Gegensatz zum bisherigen System

wird er ab der Meldung „Einsatzbereit“ auch

von der Leitstellen-Software als verfügbar erfasst.

Gleichzeitig sendet das Mobiltelefon seine

Standortdaten an die Leitstelle. Diese werden

aber nicht punktgenau und ständig übertragen,

um den Akku des Handys nicht zu sehr zu belasten.

Als Grundlage für weitere, automatische

Positionsmeldungen wurde die Standortänderung

über einem bestimmten Radius hinaus

programmiert. So soll auch die Privatsphäre

des Responders, solange er nicht in den Einsatz

geht, gewahrt bleiben. Erst mit der Alarmierung

wird die standortgenaue Ortung aktiviert und

der Routenplaner für die Navigation zum Einsatzort

gestartet.

Die Dauer der Dienstbereitschaft ist nicht festgelegt,

sie erfolgt individuell durch den Mitarbeiter

selbst. Mit der Abmeldung über die

Applikation wird auch die Verfügbarkeit im

Leitstellensystem wieder aufgehoben. Meldet

sich der Responder im System an, scheint er

wie ein im Dienst befindliches Einsatzfahrzeug

in der Einsatzmittelliste des Disponenten auf

und wird auch im Einsatzmittelvorschlag berücksichtigt.

Die Disposition erfolgt gleich wie

bei jedem anderen Rettungsmittel. Der Einsatz

wird auf das Mobiltelefon des Benutzers übermittelt.

Die Weitergabe von Statusmeldungen

(bestätigt, auf Anfahrt, eingetroffen usw.) und

Einsatzinformationen erfolgt über die Applikation.

Projektphase

In der Projektphase steht die Applikation nur

für das Betriebssystem Android zur Verfügung

und wird von 30 Sanitätern getestet.

Tab. 1: Arten von „First Respondern“ im Steirischen Roten Kreuz

First Responder Mitarbeiter mit Ausbildung zum First Responder und Ausrüstung lt.

Vorschrift (Einsatzrucksack), Einsatz im Umkreis des Wohnortes

First Responder wie First Responder, zusätzlich aktiv als Sanitäter im Rettungsdienst

(Sanitäter) tätig

First Responder Sanitäter, der bereit ist, im Bereich seines aktuellen Aufenthaltsortes

(MobSanR) als First Responder tätig zu werden, minimale Basisausrüstung

• Qualifizierte Rückmeldung an die Landesleitstelle

zur Optimierung der Einsatzkoordination

• Durchführung qualifizierter sanitätsdienstlicher

Basismaßnahmen auf Basis

ABCDE-SAMPLE

• Minimierung des therapiefreien Intervalls

• Einbindung und Anleitung von beteiligten

bzw. unbeteiligten Personen in den Versorgungsablauf

• Erhöhung der Anzahl der primär erfolgreichen

Wiederbelebungen

• Optimierung des Einsatzablaufes

• Psychosoziale Betreuung – durch ihren Einsatz

kann Patienten und Betroffenen das

Gefühl von Sicherheit vermittelt werden,

die Phase der Hilflosigkeit verringert und

die subjektiv gefühlte Wartezeit verkürzt

werden

• Hohe Präsenz in der Öffentlichkeit

Nicht-Ziele

• Die Entsendung von Sanitätern als

MobSanR ersetzt nicht den Einsatz von im

Dienst befindlichen Einsatzmitteln oder re-

Abb. 2: Startbildschirm der

Applikation

RETTUNG/SANITÄT

Projektziele

• Rekrutierung der höchstmöglichen Anzahl

an Sanitätern aus dem Rettungsdienst als

First Responder

• Abdeckung eines ganzen Bundeslandes

durch die hohe Anzahl an Respondern

• Reduzierung des Zeitintervalls zwischen

Auftreten des Notfalls und dem Beginn von

lebensrettenden Sofortmaßnahmen

• Überbrückung der Eintreffzeit des entsendeten

Rettungsmittels

• Professioneller Aufbau von Strukturen vor

Ort

21. Jahrgang · Juni 2014 · 135

IM EINSATZ

31


RETTUNG/SANITÄT

Mag. Dr. Peter Hansak

Landesrettungskommandant

für Steiermark

Leiter Bildungsund

Einsatzzentrum

Laubegg

ÖRK-Landesverband

Steiermark

Abb. 3: Basisausrüstung und

Lehrbehelf

Tab. 2: Infrage kommende Einsatzstichwörter der

LLS im Einsatzleitsystem (Intergraph)

Chir

TRAUMA_NA

Chir

VERBR_NA

Intern

ALLERGIE_NA

Intern

ATEM_NA

Intern

BEWUSST_NA

Intern

HERZ_NA

Intern

STILL

Intern

VERGIFTUNG_NA

Neuro

INSULT_NA

Neuro

KRAMPF_NA

gional gebundenen First Respondern.

• Keine Verzögerung für die Disposition der

notwendigen Rettungsmittel

• Keine Selbstüberschätzung. Die Gewährleistung

der persönlichen Sicherheit hat für

den MobSanR immer Vorrang, d.h. keine

Entsendung bei unklarer Gefahrenlage.

• Verlagerung der Ersten Hilfe von Laien-

Ersthelfern zu professionellen Ersthelfern

• Reduzierung der Fremdhilfeaktivitäten

durch Schaffung eines subjektiven Sicherheitsgefühls

durch Omnipräsenz

• Förderung der Selbstüberschätzung von

Mitarbeitern in First-Responder-Systemen

Die Projektphase wird genau evaluiert. Neben

dem Einsatzprotokoll muss jeder MobSanR

einen eigenen Erhebungsbogen ausfüllen, den

Einsatzverlauf aus seiner Sicht bewerten und

ebenso die Reaktion der Betroffenen, von Einsatzkräften

und Zivilpersonen an der Einsatzstelle.

Jeder Einsatz wird zusätzlich mit dem

Bezirksrettungskommandanten nachbesprochen.

Bei diesem Gespräch geht es um das

Empfinden des Mitarbeiters im Einsatz und

Verbesserungsvorschläge für die geplante Ausrollung

nach der Projektphase.

Einsatzindikationen und Einsatzablauf

Die Einsatzindikationen für MobSanR beschränken

sich auf Einsätze, bei denen von einer

akuten vitalen Bedrohung eines Patienten

auszugehen und bei denen die umgehende Einleitung

lebensrettender Sofortmaßnahmen notwendig

ist.

Der Einsatzort muss in unmittelbarer Nähe

zum Standort des Helfers liegen bzw. soll die

Eintreffzeit des MobSanR deutlich unter der

Eintreffzeit des nächstgelegenen geeigneten

Rettungsmittels liegen. Die Eintreffzeit des

MobSanR soll unter 5 Minuten und zumindest

10 Minuten vor dem alarmierten Rettungsmittel

liegen. Die Erreichbarkeit des Einsatzortes

muss für den MobSanR leicht und zügig, ohne

Selbst- und Fremdgefährdung bzw. ohne Übertretung

der StVO (keine Sonderrechte) möglich

sein.

Grundsätzlich werden weder First Responder

noch MobSanR zu Einsätzen mit potenziellen

Gefahrenzonen wie Verkehrsunfällen auf

Schnellstraßen oder Autobahnen, vorsätzlicher

Körperverletzung, Lawinenabgängen, Explosionen

und dergleichen entsandt. Bei Großunfällen

werden vorläufig keine MobSanR

alarmiert, da davon auszugehen ist, dass

diese in ihrer Funktion als Sanitäter in

weiterer Folge zur Aufrechterhaltung

des Dienstbetriebes benötigt werden

bzw. über die regulären Alarmierungs-

systeme des Rettungsdienstes in Dienst

gestellt werden.

Die Entscheidung, ob ein Einsatz von „mobilen

Sanitätern“ sinnvoll und notwendig ist,

obliegt letztlich dem Disponenten der Landesleitstelle.

Bei allen Einsatzstichwörtern, die den

genannten Kriterien entsprechen (akute vitale

Bedrohung – lebensrettende Sofortmaßnahmen

notwendig), ist im Einsatzmittelvorschlag die

Alarmierung von MobSanR hinterlegt. Nach

Möglichkeit sollte die den Notruf abgebende

Person über die Entsendung eines MobSanR in-

32

IM EINSATZ 21. Jahrgang · Juni 2014 · 136


formiert werden, um hierdurch die Personen vor

Ort auf dessen Eintreffen vorzubereiten und die

Akzeptanz seiner Aktivitäten zu erhöhen – dies

insbesondere, da der MobSanR nicht immer eine

Funktionswarnweste mitführt und sich nur

mit seinem Dienstausweis legitimieren kann

(Schwimmbad, Skipiste usw.). In jedem Fall soll

sich der MobSanR bei Eintreffen am Einsatzort

bei den Betroffenen nicht nur legitimieren, sondern

ausdrücklich auf seine Entsendung durch

die Landesleitstelle des Roten Kreuzes hinweisen

sowie auf die zusätzlich alarmierten und in

Kürze eintreffenden Rettungsmittel.

Tab. 3: Aufgaben vor Ort in der korrekten Reihenfolge

• Lageerfassung

• Maßnahmen der Absicherung von Unfallstellen und Rettung von Menschenleben

• ABCDE-SAMPLE

• Rückmeldung an die Landesleitstelle

• Betreuung von Opfern und Betroffenen im niederschwelligen psychosozialen Bereich

entsprechend dem Vorgehen im organisierten Rettungsdienst auf Basis der persönlichen

Kompetenz

• Übergabe des Patienten an die Sanitäter des zum Einsatz entsandten Rettungsmittels

• Einsatzdokumentation mit dem Einsatzprotokoll für First Responder

Alle Maßnahmen sollen unter Einbindung von Anwesenden als potenzielle Laienhelfer erfolgen.

RETTUNG/SANITÄT

Nach Möglichkeit werden immer zwei

MobSanR parallel bzw. ein MobSanR mit

einem „klassischem“ First Responder alarmiert.

Ausschlusskriterien für einen Einsatz stellen

alle Arten von großräumigen bzw. schwer

abschätzbaren Gefahrenbereichen und jede

unklare Lagemeldung dar. Hierzu gehören insbesondere:

• Autobahneinsätze,

• Brände,

• Gefahrgutunfälle,

• Gewalttaten,

• Drogennotfälle,

• Explosionen,

• alle Arten von Einsätzen, für die Spezialkräfte

erforderlich sind (Bergrettung, Höhlenrettung,

Höhenrettung, Gas-Dienst etc.),

• zusätzlich sind vorläufig auch geburtshilfliche

Notfälle ausgenommen.

Tab. 4: Ausrüstung

Basisausrüstung (immer mitzuführen) • 2 Einmalhandschuhe

1 Notfallbeatmungstuch

Erweiterungsausrüstung (nach Möglichkeit

mitzuführen)

• Verbandszeug entsprechend ÖNorm

für einspurige Kraftfahrzeuge

Durch die Aktivierung der Software und der

damit verbundenen Anzeige der Einsatzbereitschaft

akzeptiert der Mitarbeiter die Übertragung

seiner Standortdaten an das Rote Kreuz

und deren Verwendung durch die Landesleitstelle.

Seitens des Roten Kreuzes wird im Gegenzug

garantiert, dass die Bewegungs- und

Positionsdaten ausschließlich für den Einsatz

verwendet und gegenüber Dritten vertraulich

behandelt werden. Die Auswertung der Daten

erfolgt anonymisiert, ausschließlich zur Qualitätssicherung.

Die Sicherheit des Mitarbeiters geht vor. Die

Verantwortung über die Einsatzfähigkeit des

MobSanR liegt bei ihm selbst. Es gelten die

Bestimmungen gemäß Sanitätergesetz (SanG)

sowie der Dienstvorschrift für den Rettungsdienst

des Roten Kreuzes. Um den Versicherungsschutz

des Responders zu gewährleisten

und in keinen Konflikt mit dem SanG zu geraten,

gilt jeder MobSanR mit Annahme der Alarmierung

als in Dienst gestellt und unterliegt den

einschlägigen Vorschriften und gesetzlichen

Bestimmungen. Die Kenntlichmachung erfolgt

nach Möglichkeit durch Verwendung einer

Funktionswarnweste, wie sie alle First Responder

verwenden. In der Öffentlichkeit soll nicht

zwischen First Respondern und MobSanR unterschieden

werden. Die Unterscheidung ist eine

rein interne zur leichteren Datenauswertung

und Disposition der Responder. Der Einsatz

eines MobSanR endet wie bei seinen Kollegen

mit der Übergabe des Patienten an die Mannschaft

des Rettungsdienstfahrzeuges.

Ausrüstung und Versicherungsschutz

Jeder Mitarbeiter, der als professioneller Ersthelfer

(MobSanR) zugelassen wird, erhält eine

Erste-Hilfe-Grundausstattung. Grundsätzlich

Abb. 4: Bestätigung der

Einsatzübernahme im Privat-

Pkw

21. Jahrgang · Juni 2014 · 137

IM EINSATZ

33


RETTUNG/SANITÄT

Abb. 5: Übergabe des Patienten

an den Notarzt

ist der MobSanR angehalten, mit den in seinem

Umfeld verfügbaren Sanitätsmaterialien zu arbeiten

(Kfz-Verbandskästen, Einrichtung von Sanitätsräumen,

öffentlichen Defibrillatoren usw.).

satz für beschädigte Kleidungsstücke wird im

Einzelfall geklärt, eine Erweiterung des Versicherungsschutzes

würde zu teuer werden.

Zukunft

Als wichtigste Frage vor einer flächendeckenden

Umsetzung für das ganze Bundesland gilt es infolge,

die Darstellungsform der einsatzbereiten

MobSanR in der LLS zu klären, da es mit dem

weiteren Ausbau des Projektes zu einer Informationsüberfrachtung

in der Darstellung für den

Leitstellendisponenten kommen könnte (5.500

potenzielle MobSanR). Nach Abschluss der

Evaluierungsphase und einer positiven Bewertung

durch alle beteiligten Gruppen innerhalb

des Roten Kreuzes sowie der Bevölkerung kann

das Projekt steiermarkweit ausgerollt sowie als

fester Bestandteil des Rettungsdienstes für alle

Arten von First Respondern und alle Sanitäter

implementiert werden. Des Weiteren wird die

Applikation dann auch für die Betriebssysteme

Windows Phone und iOS programmiert.

Die Einsatzprotokolle sind zumindest im Privatfahrzeug

des MobSanR mitzuführen und

spätestens mit Einsatzende auszufüllen. Auf

ein Händedesinfektionsmittel wird verzichtet,

da der MobSanR die Desinfektionsmittel aus

dem Rettungsdienstfahrzeug verwenden kann.

In weiterer Folge wird die Ausrüstung um Einmaldesinfektionstücher

erweitert.

Zusätzlich erhält jeder MobSanR einen Pin mit

Logo, eine First-Responder-Warnweste sowie

eine Hülle für den Dienstausweis aus Hartplastik

und ein Band mit Rotkreuz-Logo für

das Tragen des Ausweises um den Hals. Der

Dienstausweis ist bei jedem Einsatz offen am

Band zu tragen, die Funktionswarnweste nach

Möglichkeit.

Durch die automatische Indienststellung des

MobSanR mit Übernahme des Einsatzes in

Folge der Alarmierung durch die Landesleitstelle

des Roten Kreuzes tritt der Versicherungsschutz

des Roten Kreuzes für seine Mitarbeiter

im Rettungsdienst in Kraft, da der Einsatz als

Teil des organisierten Rettungsdienstes erfolgt.

Für First Responder besteht zusätzlich bei der

Verwendung eines privaten ein- oder mehrspurigen

Kraftfahrzeuges für dieses eine eigene

Kaskoversicherung im Rahmen des Einsatzes.

Für die Kosten einer professionellen Reinigung

von Kleidungsstücken, die im Rahmen eines

Einsatzes verschmutzt oder kontaminiert werden,

kommt das Rote Kreuz auf. Ein Kostener-

Vor der Ausrollung im Bundesland wird das

Konzept über die Medien entsprechend bekanntgemacht,

u.a. um die Akzeptanz von nicht

uniformierten Sanitätern in der Bevölkerung

zu erhöhen. Aus arbeitsrechtlichen Gründen

können angestellte Sanitäter auch in Zukunft

nicht als First Responder bzw. MobSanR eingesetzt

werden. Die Meldung zur Mitwirkung am

MobSanR-System wird dann auf dem Dienstweg

an den Bezirksrettungskommandanten

erfolgen. Dieser entscheidet über die Eignung

der Kandidaten. Hierbei geht es primär nicht

nur um die rein fachliche, sondern insbesondere

auch um die sozialen Kompetenzen. In einer

entscheidenden Phase ist für einen Notfallpatienten

eine große Verantwortung zu übernehmen

und in einer ausgeprägten Stresssituation

das Rote Kreuz gegenüber den Betroffenen und

einer sensibilisierten Öffentlichkeit mit hoher

Erwartungshaltung zu repräsentieren. Nach

Meldung des Kandidaten wird er als Einsatzmittel

in der Landesleitstelle angelegt und kann

sich die Applikation auf sein Smartphone laden.

Der Einsatz als MobSanR kann von den verantwortlichen

Kommandanten und vom Mitarbeiter

selbst jederzeit widerrufen und er aus dem

Einsatzleitsystem gelöscht werden.

Sollten sich Pilotprojekt und das Konzept insgesamt

im größeren Umfang bewähren, könnten

auch die Mitarbeiter der Krisenintervention

und in einem weiteren Schritt Ärzte in das System

eingebunden werden.


34

IM EINSATZ 21. Jahrgang · Juni 2014 · 138


Erste-Hilfe-Schulung der besonderen Art:

Dekon-V beim THW in Tönning

R. Oldehus · A. M. Bernhardt

RETTUNG/SANITÄT

Die Einsatzanforderungen an Helfer in den

Technischen Zügen des THW sind hoch. In den

Stresssituationen eines Einsatzgeschehens gilt

es, umfangreiche und vielfach komplexe Technik

sicher zu beherrschen und der betroffenen

Bevölkerung zuverlässig Hilfe zu leisten. Diese

Anforderungen wirken im Gesamtsystem der

schweren Rettung und der unterstützenden

Fachgruppen. Einen wesentlichen Aspekt hierbei

stellt die Erste-Hilfe-Leistung unter den besonderen

Einsatzoptionen eines Technischen Zuges

dar. Diese Einsatzoptionen beinhalten neben

dem Einsatz in Bergungssituationen auch die

Hilfe in Kontaminationslagen. Der THW-Ortsverband

Tönning im Kreis Nordfriesland (Schleswig-

Holstein) führt seit zwei Jahren erfolgreich eine

solche besondere ergänzende Schulung für seine

und zunehmend auch für Helferinnen und Helfer

anderer Ortsverbände durch. Erstmals wurde in

diesem Zusammenhang auch das Verfahren der

Verletztendekontamination dargestellt.

Seit dem Jahr 2011 führt der THW-Ortsverband

(OV) Tönning Schulungen zur Ersten Hilfe unter

den besonderen Einsatzoptionen des Technischen

Zuges durch. Entstanden sind diese

Lehrgänge aus dem Bedarf heraus, Themen wie

die Selbst- und Kameradenhilfe noch weiter

zu vertiefen. Besonders sind hier die Versorgungsmöglichkeiten

bei Verletzungen durch

Schuss- und Explosivstoffe sowie unter Kontaminationslagen

zu nennen. Auch gilt es, die besonderen

Verletzungsmuster bei Verschüttungslagen

(u.a. „Crush-Syndrom“) zu thematisieren. Da

Prüfungen zum THW-Alltag dazugehören,

schließt jeder Lehrgang mit einer Einsatzübung

im Rahmen einer Lernerfolgskontrolle ab, in der

sich die Helfer bewähren müssen.

Die Lehrgangskonzeption

Neben der Aktualisierung der lebensrettenden

Sofortmaßnahmen werden diese im stetigen

Abgleich zu den besonderen Anforderungen

eines Einsatzes betrachtet. So gehen alle Maßnahmen

von der Grundsituation der Hilfeleistung

ohne zusätzliche Hilfsmittel aus.

Rettung und Transport von Verletzten ohne

spezielle Verbandmittel oder Tragen bilden hier

stets die Ausgangssituation.

Der Lageentwicklung folgend werden diese

Grundannahmen dann immer weiter ergänzt

Weitere Informationen:

http://ov-toenning.ov-cms.

thw.de

www.facebook.com/thwov.

tonning

Abb. 1: Erstmals wurde

eine Verfahrensübung zur

Darstellung der Dekon-V als

Ergänzung der bisherigen

Lehrgänge in Zusammenarbeit

mit dem Löschzug

Gefahrgut und der 2. Sanitätsgruppe

des Katastrophenschutzes

des Kreises

Nordfriesland durchgeführt

21. Jahrgang · Juni 2014 · 139

IM EINSATZ

35


RETTUNG/SANITÄT

Abb. 2: Erste Hilfe und

Versorgungsmöglichkeiten

bei Verletzungen durch

Schuss- und Explosivstoffe

sowie unter Kontaminationslagen

sind Bestandteil der

Lehr gänge

Ralf Oldehus

Ortsbeauftragter

THW-OV Tönning

und spezifiziert. Die Einweisung in die Sanitätsausstattung

eines Technischen Zuges, die

unterschiedlichen Anwendungsmöglichkeiten

und Übungen der Personenrettung und des

Transports mittels Schleifkorb- und Krankentrage

sowie Bergeschleppe erweitern die Inhalte.

In unwegsamem Gelände werden die

Lageerkundung und die Sofortversorgung von

Verletzten geübt. Besondere Beachtung erfährt

hier die Situation während der Erkundung – und

hier speziell die psychische Belastung, nicht allen

Verletzten sofort helfen zu können.

Eine weitere Stufe stellt das Kennenlernen der

regionalen Partner in der kommunalen Gefahrenabwehr

dar. Einheiten des THW sind im

Rahmen eines Katastropheneinsatzes auf die

Zusammenarbeit mit diesen Fachdienstkomponenten

angewiesen. Regelmäßig werden die

THW-Helfer in die Krankentransportfahrzeuge

der Sanitätsdiensteinheiten wie den KTW 4 und

den neuen KTW 2 des Bundes eingewiesen und

führen mit den Helfern des Sanitätsdienstes das

Be- und Entladen eines KTW sowie die Versorgung

Verletzter während der Fahrt durch.

Weiterhin gilt es, die Zusammenarbeit im

Rahmen von Herrichtung und Betrieb von Patientenablagen

einzuüben. Hierbei kommt

der situativen Bildung von gemischten Helferteams

aus dem Sanitätsdienst und Helfern des

Technischen Zuges eine besondere Bedeutung

zu. Die Teilnehmer erfahren viel über die Einsatzmöglichkeiten

der Sanitätskomponenten,

die Grenzen, die ihnen durch die eigene Fachdienstausstattung

gesetzt sind, und die Möglichkeiten

der gegenseitigen Unterstützung.

Vielfach stellt das „Tellerranddenken“ hier

große Hürden zu Beginn des Lehrgangs auf.

Gerade dann ist es wichtig, bei allen Teilnehmenden

einen Paradigmenwechsel hin zur Fähigkeit

zur Zusammenarbeit einzuleiten. Im

Rahmen der gemeinsamen Lageabarbeitung

erkennen die Teilnehmenden dann sehr schnell

den Einsatzwert des jeweiligen „Gegenübers“

der Gefahrenabwehr.

Die besonderen Maßnahmen zur Bekämpfung

von Entstehungsbränden und von Brandwirkungen

an Personen setzen die Themenfolge

fort. Der Umgang mit unterschiedlichen Feuerlöschern

und die Versorgung von Brandverletzten

stehen hier im Mittelpunkt. Dieser Lehrgangsteil

ergänzt die im Rahmen der Basisausbildung

durchzuführende Brandschutzeinweisung im

Hinblick auf die besonderen Belange der Hilfeleistung

bei Brandverletzungen.

Andres Michael Bernhardt

Ausbilder für Selbstschutzthemen

THW-OV Tönning

Dithmarscher Str. 13

25832 Tönning

ov-toenning@thw.de

Abb. 3: Besondere Maßnahmen

zur Bekämpfung von

Entstehungsbränden und von

Brandwirkungen an Personen

waren ebenfalls Teil

der Schulung

Möglichkeiten der Hilfeleistung bei Schadwirkung

durch CBRN-Gefahrstoffe stellen

die letzte Stufe der theoretisch/praktischen

Einweisungen dar. Auch hier entwickeln sich

die Hilfsmaßnahmen vom eigentlichen Selbstschutz

bis hin zur Frage der Realisierung einer

sogenannten Notdekontamination und bereiten

die Helfer so auf die weitergehende Ausbildung

als Helfer im CBRN-Bereich vor. Wie bereits für

die gemeinsame Lagebearbeitung mit den Sanitätskomponenten

ausgeführt, erleben die Helfer

auch in diesem Lehrgangsteil die Möglichkeiten

der Zusammenarbeit mit einem Löschzug „Gefahrgut“.

Die Einweisung in die persönlichen

Selbsthilfepraktiken und in die persönliche

CBRN-Schutzausstattung des Bundes ergänzen

mit entsprechenden Übungsphasen diesen

36

IM EINSATZ 21. Jahrgang · Juni 2014 · 140


Abschnitt der Ausbildung. Als Ergänzung des

Lehrgangs und als Fortbildung im Bereich Erste

Hilfe dient eine gemeinsame Verfahrensübung

zur Umsetzung der Abläufe bei der Dekontamination

Verletzter (Dekon-V).

Taktische Herausforderung:

Kontamination

Sicherheit durch Raumordnung

und Ablaufsteuerung

Übung Dekon-V

In Zusammenarbeit mit dem Löschzug Gefahrgut

und der 2. Sanitätsgruppe des Katastrophenschutzes

des Kreises Nordfriesland wurde hier

erstmals eine Verfahrensübung zur Darstellung

der Verletztendekontamination (Dekon-V) als

Ergänzung der bisherigen Lehrgänge durchgeführt.

Hier erhielten die Lehrgangsteilnehmer

des THW die Gelegenheit, die einzelnen Phasen

in einem solchen Einsatz zu beobachten –

und direkt auch Fragen stellen zu können.

So begann die Übung mit der Bereitstellung der

für die Aufgabe der Verletztendekontamination

vorgesehenen Einheiten beim Bauhof der Stadt

Tönning, der als Unfallort mit besonderen

Darstellungsmitteln am frühen Vormittag des

27. April 2013 hergerichtet wurde. Im Zuge der

Alarmierung nach Meldung des Unfallgeschehens

bei der Leitstelle kamen die Teileinheiten

„Erkundung/Rettung“, „Dekon“ und „Patientenablage“

nacheinander zum Einsatz. Diese Staffelung

nutzten die Beobachter der Übung, um

unter Moderation des Lehrgangsleiters sowie

des Zugführers LZG Fragen zu den einzelnen

Stationen dieser Einsatzstellen zu stellen. Umfangreiches

Begleitmaterial des Bundesamtes

für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe

wurde an die Teilnehmer mit dem Ziel der

diesbezüglichen Sensibilisierung in den teilnehmenden

Ortsverbänden ausgegeben.

Fazit

Bei der Nachbesprechung wurde deutlich,

dass die Zuweisung von Zuständigkeiten bei

der sogenannten Spot-Dekontamination regional

verbindlich und einheitlich zu regeln ist.

Dieses Vorgehen diente der Verinnerlichung

der Lehrinhalte, dem direkten Theorie-Praxis-

Abgleich und der Herstellung einer größtmöglichen

Nachhaltigkeit, um die erforderlichen

Kenntnisse im Einsatz parat zu haben. In diesem

Zusammenhang erhielten die Helfer des

Technischen Hilfswerkes auch einen Überblick

über die in dieser Lage eingesetzten weiteren

Einheiten der Organisationen der Gefahrenabwehr

und ihre diesbezügliche Position im

Gesamtgefüge des deutschen Bevölkerungsschutzes.


21. Jahrgang · Juni 2014 · 141

• gezielte Eigensicherung

• schnelle Dekontamination

• sachgerechte Versorgung

Die Freisetzung von chemischen, biologischen, radiologischen oder

nuklearen Gefahrstoffen stellt Einsatzkräfte vor die Herausforderung,

während der medizinischen Versorgung von Verletzten die Eigengefährdung

zu minimieren und eine Kontaminationsverschleppung zu

vermeiden. SEGmente 6 bereitet Einsatz- und Führungskräfte auf die

Versorgung kontaminierter Verletzter vor, indem es grundsätzliche taktische

Aussagen zur Raumordnung an der Einsatzstelle, zum Aufgabenprofil

des Personals und zum Ablauf eines CBRN-Einsatzes trifft.

Der sachgemäße Einsatz von Schutzausrüstung wird ebenfalls dargestellt.

Checklisten und Ausstattungshinweise dienen als praktikable

Vorgaben. Damit gelingt die bestmögliche Versorgung bei risikogerechter

Eigensicherung!

SEGmente Band 6

MANV mit CBRN-kontaminierten Verletzten

von J. Schreiber

- 2. Aufl. 2011

- 72 Seiten

- 25 Abbildungen und 3 Tabellen

- Softcover

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FÜHRUNG

Feuerwehr Hannover:

Mobile Führungsunterstützung

beim Elbe-Hochwasser 2013

C. Lange

Im Mai und Juni 2013 führten großflächige und äußerst ergiebige Regenfälle

im Süden sowie Osten und Nordosten Deutschlands zu massiven

Überschwemmungen. Besonders im Einzugsbereich der Elbe und ihrer Nebenflüsse

kam es zu Rekordpegelständen, die noch weit über den Werten

des Jahrhunderthochwassers im Jahr 2002 lagen. Damit einhergehend mussten

für die Bewältigung einer solch extremen Hochwasserlage auch Einsatzkräfte

aus dem gesamten Bundesgebiet herangeführt werden. Personal

sowie Ausstattung von Technischer Einsatzleitung Hannover (TEL Hannover)

sowie Kreisfeuerwehrbereitschaft der Landeshauptstadt Hannover (KFB

LHH) waren zwölf Tage in die Katastrophenabwehr der Landeshauptstadt

Magdeburg in Sachsen-Anhalt mit eingebunden.

Umsetzung der überörtlichen Hilfe

Am 4. Juni 2013 um 6.00 Uhr löste der Magdeburger

Oberbürgermeister in seiner Funktion

als Hauptverwaltungsbeamter Katastrophenalarm

aus. Damit war u.a. eine rechtzeitige

Anforderung überörtlicher Kräfte zur Unterstützung

möglich. Auf Basis der Einsatzabschätzung

des Stabes für besondere Ereignisse

der Landeshauptstadt Magdeburg erfolgte am

Abend des 3. Juni 2013 zunächst eine telefonische

Abstimmung der Entsendung von überörtlichen

Kräften der Landeshauptstadt bzw.

der Region Hannover. Es sollten möglichst am

darauffolgenden Vormittag eine Führungskomponente

(Technische Einsatzleitung Hannover

sowie Kräfte und Mittel zur Hochwasserabwehr

(Kreisfeuerwehrwehrbereitschaft der

Landeshauptstadt Hannover) in Magdeburg

zum Einsatz kommen. Gleichzeitig lief eine

offizielle Anforderung der Unterstützung aus

Hannover über das Landesverwaltungsamt

Sachsen-Anhalt, das Ministerium für Inneres

und Sport des Landes Sachsen-Anhalt, das

Ministerium für Inneres und Sport des Landes

Niedersachsen und die Polizeidirektion Hannover.

Diese ordnete zunächst befristet bis zum

7. Juni 2013 den Katastrophenschutzeinsatz

der angeforderten Komponenten als überörtliche

Hilfe an. Eine Verlängerung erfolgte am

6. Juni 2013 bis zum 14. Juni 2013, außerdem

mussten weitere Einsatzkräfte und Materialien

zum Pumpen großer Wassermengen (WLF mit

Abrollbehälter Großpumpe) nach Magdeburg

in Marsch gesetzt werden. Die Zusammenstellung

der personellen sowie materiellen

Ressourcen wurde lageangepasst wie folgt vorgenommen:

Abb. 1: Die Fahrzeuge der

Kreisfeuerwehrbereitschaft

der Landeshauptstadt Hannover

im Bereitstellungsraum

38

IM EINSATZ 21. Jahrgang · Juni 2014 · 142


Oberbürgermeister

(Hauptverwaltungsbeamter)

Leiter Katastrophenschutzstab

Beigeordneter für Kommunales,

Umwelt und Allgemenine Verwaltung

– Landesverwaltungsamt

– Polizei

– Bundeswehr

– THW

– DLRG

– Wasserschutzpolizei

– Ordnungsamt

– Hafen

– Stadtwerke Magdeburg

FÜHRUNG

Fernmeldezentrale

Ämter der Stadtverwaltung

andere Behörden, Fachberater

und Verbindungsbeamte

S 1

S 2/6

S 3

S 4

S 5

SB 1

Einsatztagebuch

SB 4

(Personal)

(Lage)

(Einsatz)

(Versorgung)

(Presse)

Technische Einsatzleitungen

(TEL)

TEL 1

(Köln)

westelbisch

TEL 2

(Hannover)

ostelbisch

TEL EVU

Evakuierung/Verpflegung/Unterkunft

(Magdeburg)

TEL Hannover

Einsatzauftrag Bereitstellung einer Technische

Einsatzleitung für die Landeshauptstadt

Magdeburg; Führung von Kräften auf Anordnung

des Katastrophenschutzstabes der Landeshauptstadt

Magdeburg.

Einsatzkräfte 36 Mitglieder der TEL von Region

sowie Landeshauptstadt Hannover aus den

Feuerwehren, dem THW und dem DRK.

Fahrzeuge KdoW, ELW 1, 2 MTW, Führungs-

und Lagebus, Fernmeldebus, Verpflegungseinheit,

Material-LKW, Anhänger-

Stromerzeugung, 2 GW-Fernmelde, 2 Erkundungsfahrzeuge

und 2 Kräder.

Sammelplatz THW-Unterkunft Lehrte.

Abmarsch 4. Juni 2013 um 6.00 Uhr;

Bereitstellungsraum Parkplatz Messegelände

Magdeburg am 4. Juni 2013 um 9.00 Uhr.

Kreisfeuerwehrbereitschaft Hannover

(1. KFB LHH)

Einsatzauftrag Hochwasserschutz, Errichtung

von Sandsackwällen, Einrichtung sowie

Betrieb einer Sandsackfüllstation, Sandsacklogistik,

Sicherung sowie Verstärkung von Deichen

und Deichverteidigung.

Einsatzkräfte 96 ehrenamtliche sowie

hauptberufliche Mitglieder der Feuerwehr Hannover.

Fahrzeuge Führungsgruppe mit ELW 1, ELW

2, 2 MTW und RTW; 2. Zug mit MTW/ELW 1,

LF 20-KatS mit FwA-MZB, LF 16-TS, GW-L 2;

3. Zug mit MTW/ELW 1, LF 20-KatS, LF 16-TS,

GW-L 2; 5. Zug mit MTW/ELW 1, 2 LF 20-KatS,

RW mit FwA-Generator 125 kVA, WLF mit AB-

Hochwasserschutz und Tiefladeanhänger mit

Mulde, WLF mit AB-Sandsack und Tiefladeanhänger

mit Radlader und GW-L 2.

Sammelplatz Feuer- und Rettungswache 4

in Hannover.

Abmarsch 4. Juni 2013, 6.20 Uhr;

Technischer Halt BAB 2, Rasthof Zweidorfer

Holz, Fahrtrichtung Berlin.

Bereitstellungsraum Parkplatz Messegelände

Magdeburg am 4. Juni 2013 um 10.30 Uhr.

Die Einsatzkräfte wurden noch am Abend des

3. Juni 2013 über einen länger andauernden

Hochwassereinsatz in Magdeburg informiert

und voralarmiert – ein Vorauskommando (zwei

Führungskräfte mit einem Kommandowagen)

setzte sich bereits am Morgen des 4. Juni

Abb. 2: Stabsstruktur der

Landeshauptstadt Magdeburg

Dipl.-Chem. Claus Lange

Direktor

Feuerwehr Hannover

21. Jahrgang · Juni 2014 · 143

IM EINSATZ

39


FÜHRUNG

TEL

Hannover

2

Log-VG

Logistik (VG)

(Berliner Fw.)

M

Personal

(TEL Han.)

Verpflegung (DRK) Halle 1, 2, 3

1 2 3 4 5

EAL EAL EAL EAL EAL

Sandsacklogistik Süd Herrenkrug

Deichverteidigung

Deichverteidigung

Sandsacklogistik Nord

(Fw. Hannover)

(Berliner Fw.)

(Fw. Braunschweig) (Fw. Wolfsburg)

(Bundeswehr)

Abb. 3: Struktur der TEL Hannover

im Hochwassereinsatz

2013 in Magdeburg

2013 um 6.15 Uhr in Marsch und traf gegen

7.45 Uhr am Standort der Feuerwache Nord

in Magdeburg ein. So konnten noch rechtzeitig

vor Erreichen der beiden Marschkolonnen

in Magdeburg erste wichtige Abstimmungen

zum Einsatzauftrag und dem Bereitstellungsraum

„Messegelände“ erfolgen sowie eine

umfangreiche Lageeinweisung stattfinden. Besonders

hervorgehoben werden muss hier die

Zurverfügungstellung einer Beamtin des gehobenen

feuerwehrtechnischen Dienstes der Berufsfeuerwehr

Magdeburg, die über profunde

Fachkenntnis im Hochwasserschutz verfügte

und für die gesamte Einsatzdauer als Verbindungsperson

für die TEL Hannover zum Katastrophenschutzstab

der Landeshauptstadt

Magdeburg fungierte.

In zwei getrennten Marschgruppen, jeweils als

geschlossener Verband, startete am Morgen des

4. Juni 2013 um 6 Uhr die TEL Hannover vom

Sammelpunkt THW-Unterkunft Lehrte; die

1.KFB der LHH setzte sich um 6.20 Uhr von

der Feuer- und Rettungswache 4 in Hannover

über die Bundesstraßen 3 und 65 sowie die

Bundesautobahnen 7 und 2 nach Magdeburg in

Bewegung. Die Fahrzeugkolonne „Technische

Einsatzleitung Hannover“ konnte direkt von der

Bundesautobahn (BAB) 2 über das Kreuz Magdeburg

und die BAB 14 an der Anschlussstelle

MD-Stadtfeld die Schnellstraße verlassen und

erreichte mit Hilfe eines Lotsendienstes über die

Bundesstraße 1 (B 1) den Bereitstellungsraum

Messegelände. Die zweite Marschformation

„1. KFB LHH“ mit ihren 28 Fahrzeugen nutzte

zunächst die ca. 30 km vor der sachsen-anhaltinischen

Landeshauptstadt an der BAB 2 in

Fahrtrichtung Berlin gelegene Raststätte „Börde“

als Warteposition und wurde dann ebenfalls

über die BAB 14 und die Abfahrt MD-Stadtfeld

und die B1 als geschlossener Verband durch das

Stadtgebiet zum Messegelände gelotst.

Das Messegelände Magdeburg bot als Bereitstellungsraum

für eine Vielzahl von Einsatzkräften

gute Bedingungen. Die notwendige Infrastruktur

(möglichst zentrale Lage, gut erreichbar über

Hauptverkehrsstraßen, ausgedehnte befestigte

Flächen für das Abstellen von schweren Fahrzeugen,

Betrieb einer Sandsacklogistik, Möglichkeit

zum Aufenthalt und Unterbringung sowie

Verpflegung vieler Einsatzkräfte, Wasser- und

Stromanschluss) stand auf den Außenflächen

und in drei großen Messehallen, die nicht belegt

waren, zur Verfügung. So positionierte sich die

TEL Hannover direkt im Eingangsbereich des

Messegeländes und richtete einen Meldekopf im

Zufahrtsbereich ein.

Einsatzmaßnahmen

Die Einsatzbereitschaft der TEL Hannover

war gegen Mittag des 4. Juni 2013 hergestellt.

Der Leiter des Stabes sowie die Besetzung der

Stabsfunktionen S 1 (Personal), S 2 (Lage), S 3

(Einsatz) und S 4 (Versorgung) sowie S 6 (Informations-

und Kommunikationswesen) waren

auf einen rund um die Uhr notwendigen

Schichtbetrieb ausgelegt. Der Leiter der TEL

Hannover nahm erstmals an einer Lagebesprechung

des um 15 Uhr in den Räumlichkeiten der

Feuerwache Nord der Berufsfeuerwehr Magdeburg

eingerichteten Katastrophenschutzstabes

der Landeshauptstadt Magdeburg teil. In den

Folgetagen fanden diese Sitzungen jeweils am

Morgen sowie gegen Nachmittag statt. Vom

40

IM EINSATZ 21. Jahrgang · Juni 2014 · 144


Katastrophenschutzstab wurden der TEL Hannover

lagebedingt Einsatzräume und -objekte

zugeordnet und auf Basis von Lagebeurteilungen

die erforderlichen Gefahrenabwehrmaßnahmen

festgelegt. Zeitweilig waren der TEL

Hannover annähernd 3.000 Einsatzkräfte von

Feuerwehren (u.a. Feuerwehrbereitschaften aus

Berlin, Braunschweig, Goslar, Helmstedt, Hannover,

Wolfsburg sowie Einsatzkontingente aus

Saarbrücken, Schleswig-Holstein, Salzwedel

und Düsseldorf), Bundespolizei, Bundeswehr,

THW, DRK und DLRG zugeordnet. Bedingt

durch die Aufhebung des Katastrophenalarms

am 15. Juni 2013 übergab dann die TEL Hannover

die Zuständigkeit des ostelbischen Einsatzbereichs

an die Landeshauptstadt Magdeburg.

Fast zwei Wochen leistete man im Rahmen der

Katastrophenabwehr in der Landeshauptstadt

Magdeburg Unterstützung.

Insgesamt musste das Personal der TEL Hannover

in einem Turnus von drei bis vier Tagen

ausgetauscht werden. Dafür plante in Hannover

das Sachgebiet Personal des Bereichs Abwehrender

Brandschutz und Rettungsdienst der

Feuerwehr zwei komplette Personalwechsel.

Die Einsatzkräfte mussten informiert, die Arbeitgeber

in Kenntnis gesetzt und der Transport

nach Magdeburg sichergestellt werden. Dafür

standen MTW sowie zwei Großeinsatzwagen

der Feuerwehr (Busse mit Sitzplatzkapazität

52 Personen bzw. 20 Personen) und ein GW-L2

zum Transport der persönlichen Ausrüstung

zur Verfügung. Die vor Ort befindliche Mannschaft

konnte so nach entsprechender Übergabe

wieder in die niedersächsische Landeshauptstadt

zurückkehren.

Erkenntnisse

Der bisher längste und personal- sowie materialintensivste

Einsatz der Feuerwehr Hannover

musste im Juni 2013 im Rahmen des

Hochwasserschutzes in Magdeburg verrichtet

werden. Ehrenamtliches sowie hauptberufliches

Personal kam in den Tätigkeitsbereichen

Führung, Sandsacklogistik, Deichbau- sowie

Überwachung und Pumparbeiten zum Einsatz.

Die gute Zusammenarbeit mit der Region Hannover

in Bezug auf die Technische Einsatzleitung

kann ebenso hervorgehoben werden wie

die reibungslose Integration in das System der

Katastrophenabwehr der Landeshauptstadt

Magdeburg. Besonders bewährt hat sich die

Einbindung einer ortskundigen Führungskraft

der Berufsfeuerwehr Magdeburg, die der TEL

Hannover fast rund um die Uhr zur Verfügung

stand. So konnten schnell Maßnahmen abgestimmt

und Besonderheiten der Einsatzbewältigung

aufgrund geografischer Gegebenheiten

berücksichtigt werden.

Im Laufe des Einsatzes wuchs die Zahl der Einsatzabschnitte

und der damit unterstellten Einsatzkräfte

rapide an. Eine Korrelation mit dem

steigenden Pegelstand der Elbe war gegeben. Die

Helfer waren zum Teil bis an ihre Belastungsgrenze

gefordert. Regelmäßige Ruhepausen

sowie rechtzeitige Ablösung des eingesetzten

Personals waren unabdingbar, setzten aber

ein genügend großes Helferpotential voraus.

Demgegenüber war in der Anfangsphase des

Einsatzes zu beobachten, dass es besonders Feuerwehreinheiten

schwer fällt, nach alarmmäßiger

Anfahrt zunächst im Bereitstellungsraum

abzuwarten und dann auf Anordnung der TEL

gezielt ins Einsatzgeschehen einzugreifen –

für einen Hochwassereinsatz, gerade in dieser

Dimension, eine altbekannte Regel. Daher ist

ein disziplinierteres Verhalten bei manchen

Führungskräften zukünftig wünschenswert.

Anzumerken bleibt die Notwendigkeit der Zusammenarbeit

von Kräften unterschiedlicher

Behörden und Organisationen bei vorgegebener

Führungsstruktur. Die Feuerwehr-Dienstvorschrift

100 „Führung und Leitung im Einsatz“

ist eine gute Grundlage. Es gilt, diese Vorschrift

bundesweit als Richtschnur zu nutzen und bei

den unterschiedlichen Organisationen in deren

Aus- und Fortbildung des Führungspersonals zu

implementieren.

Abschließend seien die äußerst herzliche Aufnahme

und der Dank der Magdeburger Bevölkerung

herausgestellt. Jederzeit war zu spüren,

dass die geleistete Hilfe hoch willkommen und

besonders anerkannt wurde.


Literatur:

Lange R (1994) Eine KatS-Einheit im Wandel der Zeit. BRAND-

Schutz Deutsche Feuerwehrzeitung 6: 361-363.

Grigat HJ, Strerath V (1999) Nach der Katastrophe zur Übung.

BRANDSchutz Deutsche Feuerwehrzeitung 6: 496-500.

Lange C, Bahlmann C, Rohrberg D, Kunze R (2013) Kreisfeuerwehrbereitschaften

in Niedersachsen. BRANDSchutz Deutsche

Feuerwehrzeitung 4: 258-267

Plattner HJ (2006) Führen im Einsatz. Kohlhammer, Stuttgart.

Landeshauptstadt Magdeburg (2013) Hochwasser 2013 – Rückblick,

Bilanz und erste Analyse: www.magdeburg.de/Bürger

und Stadt/Hochwasser 2013 (abegrufen am: 30. Mai 2014).

Lange C, Rohrberg D, Bahlmann C, Feichtenschlager J (2013)

Feuerwehr Hannover: Hochwassereinsatz in Magdeburg im

Juni 2013. BRANDSchutz Deutsche Feuerwehrzeitung 8:

587-595.

FÜHRUNG

21. Jahrgang · Juni 2014 · 145

IM EINSATZ

41


TECHNIK

Im Einsatz mit dem Technischen Fachberater des THW:

Deichverteidigung bei extremen

Hochwasserereignissen

C. von Spiczak-Brzezinski

Jedem sind die Bilder der vergangenen Jahre bekannt: Eine Vielzahl von Einsatzkräften

auf und an Hochwasserschutzdeichen versucht, den Fluten Einhalt

zu gebieten. In den vergangenen zwei Jahrzehnten war dies vor allem

entlang der großen Flüsse in Deutschland notwendig, so z.B. am Rhein (1993

und 1995), an der Oder (1997) und an der Elbe (2002 und 2013). Leider waren

diese Maßnahmen an manchen Deichabschnitten auch vergebens. Dieser

Artikel verschafft eine Übersicht über das Thema Deichverteidigung und

berücksichtigt dabei die Aktivitäten beim Technischen Hilfswerk (THW).

Hochwassereinsätze, besonders bei den genannten

Hochwasserereignissen – die oftmals

und teilweise vorschnell von den Medien und

der Bevölkerung als „Jahrhundertflut“ bezeichnet

werden –, sind äußerst personalintensiv. Das

Füllen und der Verbau von Sandsäcken, die heute

noch das Standardeinsatzmittel bei solchen

Katastrophen sind, fordern einen großzügigen

Personaleinsatz. Neben den Einsatzkräften,

die idealerweise in der Deichverteidigung ausgebildet

sind, benötigt man vor allem speziell

qualifizierte Fachleute, die befähigt sind,

Deichschäden rechtzeitig zu erkennen und zu

bewerten sowie entsprechende Gegenmaßnahmen

(Deichverteidigung) einzuleiten. Beim

THW haben diese Fachleute den Status eines

Technischen Beraters/Fachberaters (TeBe/FaBe

Deichverteidigung). Sie kommen immer dort

zum Einsatz, wo die Deichverbände oder zuständige

Behörden aufgrund der katastrophalen

Ausmaße an die Grenzen ihrer personellen Kapazitäten

stoßen.

Verschiedene Deicharten

Auch wenn alle auf dem gleichen Grundprinzip

basieren, gibt es doch unterschiedliche Arten

von Hochwasserschutzdeichen in Deutschland.

Das hängt zum einen mit den diversen

Anforderungen an Deiche an unterschiedlichen

Flusssys temen zusammen, zum anderen auch

mit der historischen Entwicklung. So verlief

die Entwicklung des Deichbaus während

des Kalten Krieges im geteilten Deutschland

sehr unterschiedlich, der Nachholbedarf ist

Abb. 1: Das Füllen und der

Verbau von Sandsäcken

– heute noch das Standardeinsatzmittel

– fordern einen

großzügigen Personaleinsatz

42

IM EINSATZ 21. Jahrgang · Juni 2014 · 146


in den neuen Bundesländern bei Hochwassermaßnahmen

bis heute deutlich spürbar. Bei

der historischen Entwicklung spielt auch die

Lebensdauer der Deiche eine Rolle. Im Durchschnitt

beträgt diese ca. 100 Jahre. Jedoch haben

sich seit Beginn des 20. Jahrhunderts die Anforderungen

an Bauweise sowie Höhe des Deiches

mehrfach verändert.

TECHNIK

Grundsätzlich sind die meisten Deiche in

Deutschland nach dem gleichen Prinzip konstruiert

worden. Aber es gibt auch Unterschiede,

je nach Baujahr und Lage des Deiches.

So sind z.B. die Deiche an den Küsten weitaus

großzügiger und höher ausgelegt, was durch

die starken Witterungseinflüsse an den Küsten

bedingt ist. Die Kraft des Wassers wirkt

dort bei Sturmfluten bedeutend stärker als an

einem Fluss im Binnenland. Auch von der Größe

und Eigenschaft des Flusses ist die Art des

Deiches abhängig. So sind entlang des Rheins

die Deiche weitaus mächtiger als entlang der

Elbe. Vergleicht man die Abflussmengen (Maßeinheit

für Hochwasser in der Wasserwirtschaft)

miteinander, sieht man den Unterschied

deutlich. So führte die Elbe bei Dresden beim

Jahrhunderthochwasser 2002 in der Spitze bis

zu 4.500m³/s, beim letzten großen Rheinhochwasser

von 1995 wurden 11.300 m³/s gemessen,

wobei die Rheindeiche bis ca. 14.000 m³/s

ausgelegt sind, also mehr als das Vierfache des

Höchststandes der Elbe.

Das hat den Nachteil, dass Maßnahmen der

Deichverteidigung – wie sie etwa an der Elbe

durchgeführt wurden – entlang des Rheins

nicht so ohne Weiteres umzusetzen sind. Kleine

Defekte an Deichen lassen sich provisorisch

flicken, doch „nachhaltig“ aufgeweichte Deiche

vor einem Bruch zu bewahren oder gar Deichbrüche

zu verschließen, stellt sich als äußerst

schwierige Herausforderung dar – alleine aufgrund

der Dimension der Deiche und der dahinter

fließenden Wassermassen. So haben die

Deiche in Duisburg teilweise eine Höhe von

etwa 10 m.

Deichschäden und Vorschädigungen

Extreme Hochwasserereignisse stellen auch

für moderne Hochwasserschutzanlagen eine

enorme Belastungsprobe dar. Daher kommt es

bei Hochwassern oft zu Schäden an Deichen,

diese reichen von leichten Beschädigungen bis

hin zum Totalversagen eines Deiches – dem

Deichbruch. Betroffen sind zumeist jedoch

ältere Deiche. Zum einen „setzen“ sich Deiche

im Laufe der Jahrzehnte ihres Bestehens

etwas, das bedeutet, sie verlieren an Höhe und

mitunter auch an Stabilität. Hinzu kommen

bestimmte Vorschädigungen, z.B. durch Höhlen

von Nagetieren, die ihren Bau in den Deich

graben. Aber auch Wurzeln von Bäumen oder

Buschwerk können Deiche schwächen. Solche

Vorschädigungen lassen sich meist durch regelmäßige

Begehungen der Deiche erkennen und

kurzfristig beheben.

In Gebieten wie dem Ruhrgebiet in Rheinnähe,

in denen intensiver Bergbau betrieben

wird oder wurde, kommen Gefahren durch

Berg senkungen hinzu. Dabei senkt sich durch

die unterirdischen Abbauarbeiten die Geländeoberfläche

ab, was die Deiche ebenfalls absinken

lässt. Zudem können bei ungleichmäßigen

Bergsenkungen Risse in Hochwasserschutzanlagen

auftreten, die an dieser Stelle einen

Deichbruch auch schon bei geringer Belastung

durch Hochwasser ermöglichen.

Die Mehrzahl der schwerwiegenden Schäden

treten während eines Hochwassers auf. Durch

den enormen Wasserdruck, der auf einen Deich

einwirkt, teils noch durch direkte und starke

Strömung auf den Deich begünstigt, dringt oftmals

Wasser in den Deich ein oder drückt durch

den Deich bzw. den Untergrund hindurch. Entscheidend

ist hierbei die Menge des auf der Binnenseite

austretenden Wassers. Dieses Wasser

schwemmt Sedimente aus dem Deich heraus,

weshalb mit dem Fortschreiten des Wasserflusses

durch den Deich dieser immer instabiler

wird. Werden hier keine Gegenmaßnahmen

ergriffen, droht früher oder später der gesamte

Deich aufzuweichen, bis es zum Bruch des Deiches

kommt. Der Grundsatz bei der Deichver-

Abb. 2: Auch Hochleistungspumpen

gehören

zur Ausrüstung des THW, die

bei Hochwasser eingesetzt

werden

21. Jahrgang · Juni 2014 · 147

IM EINSATZ

43


TECHNIK

den Schäden, die ggf. an Deichen entstehen

können. Im einfachsten Fall droht die Gefahr,

dass der Wasserspiegel über die Bemessungshöhe

des Deiches steigt und damit eine sogenannte

Überströmung des Deiches stattfindet. Dann

wird versucht, den Deich zu erhöhen, um den

steigenden Wasserspiegel zurückhalten zu können.

Häufig wird dies durch Sandsackdämme

auf der Deichkrone umgesetzt. Alternativ zu

den Sandsäcken können andere Systeme zum

Einsatz kommen, etwa mit Wasser gefüllte

Schläuche oder mobile Schutzdeiche. In diesen

Fällen spricht man von einer sogenannten Aufkadung

(vom niederdeutschen Wort „Kade“ für

Damm, Deich).

Ab. 3: Sandsackfüllstation:

Grundsätzlich sollte ein

Sandsack immer etwa 20 kg

wiegen und zu 2/3 gefüllt

sein

Abb. 4: Tritt am Deich an

einer Stelle punktuell Wasser

aus, wird eine sogenannte

Quellkade errichtet

teidigung sollte daher lauten: „Sedimente im

Deich behalten und das vorhandene Wasser aus

dem Deich herausholen!“ Auch schweres Treibgut

(große Baumstämme, Seecontainer usw.),

das auf bereits stark beanspruchte Deiche trifft,

kann diese nachhaltig beschädigen und sogar

Deichbrüche verursachen.

Maßnahmen der Deichverteidigung

Bei der Verteidigung von Deichen gibt es verschiedene

Grundprinzipien. Diese basieren auf

Häufig reicht die Höhe der Deiche jedoch aus,

aber durch eine Vorschädigung, z.B. durch Setzungen

im Deich, kann es dazu kommen, dass

Wasser durch den Deich hindurch dringt. Die

Wassermasse ist weniger gefährlich, jedoch

werden durch dieses Wasser Sedimente aus

dem Deich ausgewaschen, der so immer instabiler

wird. Daher müssen auch kleine Rinnsale,

die aus dem Deich herauslaufen, umgehend und

wirkungsvoll bekämpft werden.

Dazu gibt es verschiedene Verfahren, je nachdem,

an welcher Stelle das Wasser aus dem

Deich austritt. Tritt an einer Stelle punktuell

Wasser aus, wird eine sogenannte Quellkade

errichtet. Diese basiert auf einem einfachen

Prinzip: Es wird um die undichte Stelle herum

ein halbkreisförmiger Wall aus Sandsäcken errichtet,

der das austretende Wasser aufstaut, bis

es in etwa die gleiche Höhe erreicht hat, wie der

Wasserstand auf der Wasserseite des Deiches.

Dadurch herrscht auf beiden Seiten gleichhoher

Wasserdruck und das Wasser strömt nicht weiter

nach.

Dringt aufgrund starker Strömung oder eines

generell hohen Wasserdruckes wegen hoher

Wasserstände viel Wasser in den Deich hinein,

kann dieser zusätzlich von außen (Wasserseite)

abgedichtet werden, um das weitere Eindringen

von Wasser zu verhindern oder wenigstens zu

reduzieren. Zudem kann auf der Binnenseite

des Deiches eine sogenannte Auflast aufgebracht

werden. Dabei wird der Deichfuß, in

einigen Fällen auch die gesamte binnenseitige

Böschung des Deiches, mit Fließen abgedeckt,

die dann mit Sandsäcken beschwert werden.

Dies gibt dem Deich zusätzlichen Halt.

Deiche, die aufzuweichen drohen, werden in

manchen Fällen von der Wasserseite her zusätz-

44

IM EINSATZ 21. Jahrgang · Juni 2014 · 148


lich mit Planen gegen eindringendes Wasser geschützt.

Dabei werden wasserdichte Planen auf

der wasserseitigen Böschung des Deiches ausgerollt

und mit Sandsäcken beschwert. Da zu diesem

Zeitpunkt das Wasser meist schon bis an

den Deich heran steht, ist hier der Einsatz von

Helfern im Wasser, teilweise sogar unter Wasser

nötig. Hierbei kommen oft Rettungs- und Bergungstaucher

von Feuerwehren, DLRG, Bundeswehr

und Bundespolizei sowie dem THW

zum Einsatz.

TECHNIK

Aufgrund der starken Strömung stellt dieses

Verfahren jedoch eine erhöhte Gefahr für die

Einsatzkräfte dar und sollte nur in Notfällen

unter größter Vorsicht und Sicherungsmaßnahmen

vorgenommen werden. Wenn ein

Deich versagt und es zum Bruch eines Deiches

kommt, ist höchste Vorsicht geboten. Nicht

nur unmittelbar an der Bruchstelle, sondern

teils auch weit im Deichhinterland kann es

zu schnell ansteigenden Wasserständen kommen.

Solchen Deichbrüchen ist nur sehr schwer bis

gar nicht Herr zu werden. Es sind bestimmt jedem

Helfer noch die Bilder aus dem vergangenen

Jahr bekannt, bei dem versucht wurde, mit abgeworfenen

„BigBags“ sowie gesprengten und

versenkten Lastkähnen einen Deichbruch bei

Fischbeck (Sachsen-Anhalt) zu verschließen.

Sollten solche Optionen nicht möglich sein,

besteht noch die Chance, eine zweite Verteidigungslinie

im Deichhinterland zu errichten.

Hierbei werden dann Sandsackdeiche aufgebaut,

um Ortschaften zu schützen, die Wassermassen

in eine bestimmte Richtung zu lenken

oder um einen zusätzlichen Polder zu schaffen.

Teilweise kann hier auf ehemalige Deiche, die

nicht abgetragen wurden (Schlafdeiche), zurückgegriffen

werden, die unter Umständen nur

etwas erhöht werden müssen.

Sandsäcke –

die Standardallzweckwaffe

Seit Jahrzehnten ist der Sandsack das unangefochtene

Mittel der Wahl zur Deichverteidigung.

In den vergangenen Jahren kamen zwar

immer mehr Systeme zum Hochwasserschutz

auf den Markt, diese werden jedoch vorfabriziert

und dienen meist zum Schutz bestimmter

Gebäude oder Abschnitte. Dabei sind die Systeme

mit Dammbalken aus Aluminium sowie

gefüllte Wasserschläuche unterschiedlicher

Größen am weitesten verbreitet. Für einen

Einsatz zur Deichverteidigung kommen diese

jedoch nur bedingt in Betracht, vielmehr sind

solche Systeme oft schon Bestandteil der regulären

Deichlinie, um Lücken an Stellen zu

schließen, an denen man aus optischen Gründen

keine Deiche bauen will (z.B. Uferpromenaden).

Der Vorteil des Sandsacks ist die Flexibilität

beim Einsatz. Er ist leicht zu transportieren

und zu tragen, flexibel zu verbauen und somit

an alle örtlichen Gegebenheiten anzupassen,

günstig in der Anschaffung und bei Bedarf

auch in großen Stückzahlen verfügbar – und

das weltweit. Grundsätzlich unterscheidet

man Sand säcke in zwei Varianten, Säcke aus

Jute und Säcke aus Kunststoff (PP/PE). Grundlegend

muss beim Verbau hinsichtlich der Unterschiede

eigentlich nichts beachtet werden. Ein

Helfer kann etwa 40 bis 60 Sandsäcke pro Stunde

schaffen, beim Befüllen wie beim Transport

in einer Kette. Dies kann aufgrund von Witterungsbedingungen

stark schwanken.

Grundsätzlich sollte ein Sandsack etwa 20 kg

wiegen und zu 2/3 gefüllt sein. Wichtig ist, dass

der Sack verschlossen wird, und zwar am oberen

Ende, sodass das obere Drittel des Sacks leer

bleibt. Nur so bleibt der Sandsack ausreichend

flexibel für den Verbau. Bei den Verschlüssen

gibt es verschiedene Möglichkeiten. Häufig

werden die Säcke mit einem Rödeldraht verschlossen.

Bei größeren Füllmaschinen werden

oft kleine Nähgeräte verwendet, mit deren Hilfe

die Säcke am oberen Ende vernäht werden.

Abb. 5: An der Bundesschule

in Hoya verfügt man über

eine spezielle Übungs anlage,

ein sogenannter nasser

Deich, an der Deichverteidigung

trainiert werden kann

Christian von

Spiczak-Brzezinski

Ingenieur für Rettungswesen

Student Katastrophenvorsorge/Katastrophenmanagement

ChristianSB@gmx.de

21. Jahrgang · Juni 2014 · 149

IM EINSATZ

45


TECHNIK

Die Sandsacklogistik entscheidend mit über

den Einsatzerfolg. Normalerweise werden an

zentralen Stellen die Sandsäcke befüllt und von

dort an die Einsatzstellen geliefert. Das spart

oftmals Ressourcen. Bei den Hochwassern an

der Elbe wurden meist Sand- und Kiesgruben

dafür verwendet, da hier der Rohstoff Sand

in Hülle und Fülle verfügbar war. So entfielen

zusätzliche Transporte. Gefüllte Sandsäcke

werden dann auf Paletten gestapelt, zu je

etwa 50 bis 70 Stück. Eine Europalette ist meist

mit etwas mehr als 1.000 kg belastbar, daher

sollten es nicht mehr sein. Zudem lässt sich so

der Sandsacktransport leichter koordinieren

und planen, wenn die Paletten etwa alle gleich

viel wiegen. Die Verladung/Entladung kann

dann mithilfe von Radladern/Gabelstaplern erfolgen.

Dies verkürzt die Standzeiten der Lkw

enorm.

Beim Verbau der Sandsäcke sollte immer ausreichend

fachkundiges Personal (Fachberater

Deichverteidigung/geschulte Einsatzkräfte) vor

Ort sein, um ein optimales Verlegen und Verbauen

der Sandsäcke zu ermöglichen. Wichtig

ist hierbei ein schematisches Verbauen und

strukturiertes Vorgehen.

Genauere Informationen dazu finden sich unter

dem unten genannten Link zur Deichverteidigung

sowie im Download-Bereich der

THW-Bundeschule Neuhausen, die auch eine

Taschenkarte zur Deichverteidigung zum

Herun terladen anbietet. Zu beachten ist immer:

Der Sandsack sollte mit dem Boden (geschlossene

Seite) zum Wasser/zur Strömung zeigen,

das bietet dem Wasser weniger Angriffsfläche

und der Deich wird so stabiler.

Ausbildung Deichverteidigung beim THW

Die Bundesanstalt THW bildet in großem

Umfang Einsatzkräfte wie Fachberater für die

Deichverteidigung aus. Schwerpunkt dabei

bildet die Ausbildung an der Bundesschule in

Hoya an der Weser (Niedersachsen). Dort verfügt

man über eine spezielle Übungsanlage, an

der Deichverteidigung trainiert werden kann.

Dabei handelt es sich um einen sogenannten

nassen Deich, einen nachgebauten Deich, in

dem Wasserleitungen verlegt sind, sodass der

Austritt an verschiedenen schadhaften Stellen

am Deich simuliert und die entsprechenden

Gegenmaßnahmen am Deich geübt werden

können. Ähnliche Anlagen gibt es in etwas

kompakterer Form auch auf Übungsgeländen in

verschiedenen THW-Landesverbänden.

Das THW im Hochwassereinsatz

Das THW verfügt mit seinen bundesweit aufgestellten

technischen Zügen und Fachgruppen (FGr) über vielfältige

Einsatzmöglichkeiten bei Hochwassereinsätzen.

Neben der verfügbaren Manpower aus den Bergungsgruppen

für die Deichverteidigung kommen dort vor

allem die Fachgruppen des THW mit ihrem speziellen

Gerät zum Einsatz. Für beinahe jede Fachgruppe gibt es

entsprechende Einsatzoptionen bei Hochwasserlagen.

Dabei bringen die verschiedenen Fachgruppen vor allem

schweres Gerät und spezielle Ausstattung zum Einsatz.

Dazu gehören u.a.:

• Transportkapazitäten für Sandsäcke/Sand (verschiedene

FGr)

• Bergeräumgeräte (Radlader, Bagger) für verschiedene

Aufgaben (FGr Räumen)

• Hochleistungspumpen, Tauchpumpen (Fachgruppe

Wasserschaden/Pumpen)

• verschiedene Wasserfahrzeuge wie Boote, Arbeitsplattformen

(FGr Wassergefahren)

• Stromerzeuger bei Stromausfall, für elektr. Tauchpumpen

(FGr Elektroversorgung)

• Ausleuchtung von Einsatzstellen für nächtliche Einsätze

(FGr Beleuchtung)

• provisorischer Ersatz von weggeschwemmten

Brücken (FGr Brückenbau)

• Unterstützung bei Führungsaufgaben, Führung von

Bereitstellungsräumen (FGr Führung & Kommunikation)

• Trinkwasseraufbereitung bei Zusammenbruch der

Wasserversorgung (FGr Trinkwasseraufbereitung)

• Sprengung von Deichen zur Entlastung anderer Deichabschnitte

(FGr Sprengen)

• Verpflegung von Einsatzkräften, Nachschuborganisation,

Werkstätten (FGr Logistik)

• Wiederherstellen von Strom- und Wasseranschlüssen

(FGr Infrastruktur)

• Auffangen von ausgelaufenen Treibstoffen und Heizöl

(FGr Ölschaden)

• Einsatz mobiler Pegel (FGr Wasserschaden/Pumpen)

• Einsatzüberwachungssystem, Statiküberwachung

Deiche (Bergungsgruppen)

Zudem sind bei Hochwasserlagen unzählige Fachberater

THW und Fachberater Deichverteidigung im Einsatz, um

bei dem Schutz bedrohter Ortschaften fachkundige Unterstützung

zu geben sowie um allgemein über Einsatzmöglichkeiten

des THW zu informieren.

Weitere Informationen:

www.deichverteidigung.de

www.thw-bundeschule.de

In der Bundesschule Hoya werden jährlich in

mehreren Lehrgängen THW-Einsatzkräfte aus

ganz Deutschand in der Deichverteidigung

ausgebildet. Hinzu kommen zusätzliche Lehrgänge

für externe Behörden und Stellen wie

Feuerwehren, Deichverbände usw. Darüber

hinaus steht die Übungsanlage – wie auch die

weiteren im Bundesgebiet – sämtlichen Einheiten

des THW sowie den Einheiten anderer

Organisationen zur Verfügung.


46

IM EINSATZ 21. Jahrgang · Juni 2014 · 150


Abrollbehälter für den Hochwassereinsatz:

Sandsackbefüllung

und Schlauchsystem

Technik

C. Lange

Hochwassersituationen wie zuletzt im Mai und

Juni 2013 in den Bundesländern Sachsen, Sachsen-Anhalt,

Niedersachsen und Schleswig-Holstein

führten zu großflächigen sowie massiven

Überschwemmungen. Deshalb sind wirkungsvolle

Vorbereitungen für einen Hochwassereinsatz

der Feuerwehr mit den Schwerpunkten

Einsatzführung, Sandsacklogistik, Errichtung

von Sandsackwällen, Sicherung sowie Verstärkung

der Deiche und Deichverteidigung zu

treffen. Neben den personellen und organisatorischen

Maßnahmen spielt die adäquate technische

Ausstattung eine wichtige Rolle.

Abrollbehälter Hochwasserschutz (AB-HWS)

Zur Sicherstellung feuerwehrtechnischer

Maßnahmen im Rahmen von Einsätzen zum

Hochwasserschutz wurde im Jahr 2012 ein

Abrollbehälter mit spezieller Ausstattung für

diese Einsatzaufgabe in Dienst gestellt. Mit

wasserbefüllbaren Kissen- und Doppelkammerschlauchsystemen

kann auf einer Länge

von bis zu 500 m und einer Höhe von ca. 30 cm

aufgestaut werden. Hierdurch ist ein schneller

Schutz von hochwassergefährdeten Bereichen

möglich, für den vergleichbar etwa 25.000

Sandsäcke erforderlich wären. Der Aufbau der

Systeme kann von mindestens 11 Einsatzkräften

innerhalb von etwa zwei Stunden erfolgen.

Besondere Schutzausrüstung wie Wathosen

usw. ermöglicht dem Personal, sich gegen die

Gefahren durch Schmutz- bzw. Hochwasser

und in fließenden Gewässern zu schützen.

Die beiden wasserbefüllbaren Doppelkammerschlauchsysteme

können im Rahmen der

Brandbekämpfung auch zur Löschwasserrückhaltung

eingesetzt werden. Daneben stehen

umfangreiche zusätzliche Materialien zur Verfügung,

so u.a. Beleuchtungsgeräte, Verkehrssicherungsausstattung,

Schaufeln, Spaten sowie

Handwerkzeug und ein Aluminiumboot.

Der Einsatz des AB-HWS erfolgt lageabhängig

im Rahmen des Hochwasserschutzkonzepts

der Feuerwehr Hannover durch Personal der

Feuer- und Rettungswache 4 mit Wechselladerfahrzeug

in Verbindung mit mindestens

Dipl.-Chem. Claus Lange

Direktor der Feuerwehr

Hannover

Feuerwehrstr. 1

30169 Hannover

claus.lange@

hannover-stadt.de

Abb. 1: Blick auf die

Sandsacklogistik im

Rahmen des Hochwassereinsatzes

in Magdeburg 2013

21. Jahrgang · Juni 2014 · 151

IM EINSATZ

47


Technik

Tab. 1: Technische Daten des Abrollbehälters Hochwasserschutz

Hersteller

GSF Sonderfahrzeugbau GmbH, Twist

Maße Abrollbehälter 2.500 × 2.500 × 6.400 mm (H x B x L)

Masse Abrollbehälter ca. 7.800 kg

Baujahr 2012

Ausstattung u.a. • Eigenstromversorgung über Batterien mit Ladeerhaltung (230 V)

• Umfeld- und Geräteraumbeleuchtung

• pneumatischer Lichtmast mit Xenonscheinwerfern

• drei speziell ausgestattete Rollwagen

Beladung u.a. • 300 m Doppelkammerschlauch (Fa. Beaver):

Stücke zu 5 m und 10 m

• 150 m Doppelkammer-Folienschlauch (Fa. Optimal)

• 25 Kissen (Fa. Floodbag): ca. 2x 1 x 0,5 m, stapelbar

• 3 Rollwagen mit Doppelkammerschläuchen und Zubehör

• Aluminiumboot (ca. 2,50 x 1,25 m) zum Rudern oder Schieben

• Ganzkörperschutzanzüge und Rettungswesten

• (Fischerei-)Ölhemden und Latzhosen

• Wathosen, Gummistiefel, wasserdichte Handschuhe

• Plattformwagen

• Paketkarre

• Motorkettensäge

• Schaufeln, Spaten, Handwerkzeug

• Material zur Verkehrssicherung

• 8-kVA-Stromerzeuger, tragbar

• 2× 1.000-W-Halogenstrahler

• 1 Beleuchtungsballon („Powermoon“)

einem Löschgruppenfahrzeug sowie Gerätewagen-Logistik

und Mannschaft der Fachgruppe

„Hochwasserschutz“ der Ortsfeuerwehren

Wettbergen, Ricklingen und Bornum.

Abrollbehälter Sandsackbefüllung (AB-Sand)

Für Einsätze im Rahmen des Hochwasserschutzes

hat die Feuerwehr Hannover ebenfalls

im Jahr 2012 einen Abrollbehälter Sandsackbefüllung

(AB-Sand) in Dienst gestellt, auf dem

Materialien und Geräte für eine Sandsackfüllstation

verlastet sind. Damit kann eine schnelle,

witterungsunabhängige Betriebsbereitschaft

zur Füllung von Sandsäcken ermöglicht werden.

Für den effizienten Betrieb sind mindestens

14 Einsatzkräfte sowie ein Rad- oder Teleskoplader

mit Sandschaufel und Palettengabel erforderlich.

So können ca. 1.800 Sandsäcke pro

Stunde bei einer möglichst eingespielten Bedienungsmannschaft

(600 Stück als vergleichbare

Leistung bei Befüllung per Hand) gefüllt,

verschlossen (zugenäht) und abholbereit verladen

werden. Durch die besondere Anordnung

der Füllmaschine sowie der Näh- und Verladestation

kann das eingesetzte Personal weitgehend

ergonomisch und witterungsgeschützt

arbeiten. Durch das verschiebbare Dach ist von

oben mittels Radlader die Anlage mit Sand zu

befüllen.

Tab. 2: Technische Daten des Abrollbehälters Sandsackbefüllung

Hersteller

Paul Stolle Karosserie- und Fahrzeugbau GmbH, Hannover

Maße Abrollbehälter 2.465 × 2500 × 6.000 mm (H x B x L)

Masse Abrollbehälter ca. 6.000 kg

Baujahr: 2012

Ausstattung u.a. • Eigenstromversorgung über Batterien mit Ladeerhaltung (230 V)

• Geräteraum- und Arbeitsplatzbeleuchtung

• verschiebbares Aufbaudach

• Wetterschutzplanen

• Überfahrbordwand am Heck (Entnahme Klappgitterboxen)

• Sandsackfüllmaschine (Fa. Saquick, Ausführung Titan 2.400)

• 2 Nähtische, klappbar

Beladung u.a. • 12.000 Sandsäcke, leer, in Ballen

• 4x Nähmaschinen für Sandsäcke

• Nähgarn, Kabelbinder, Bindedraht

• 8× Transport-Kunststoff-Faltgitterbox

• 1× Gabelhubwagen

• 2× Schubkarre

• 1× Plattformwagen

• Schaufeln, Spaten, Handwerkzeug

• Material zur Verkehrssicherung

• 13-kVA-Stromerzeuger, tragbar

Der Einsatz des AB-Sand soll möglichst auf

befestigtem Untergrund mit einer Grundfläche

von mindestens 35 × 40 m erfolgen. Das

Gelände muss von Fahrzeugen mit einer Gesamtmasse

von 26.000 kg befahrbar sein. Der

AB-Sand ist so ausgestattet, dass der Betrieb

zur Sandsackbefüllung nach etwa 30 Minuten

Aufbauzeit über acht Stunden (ca. 12.000

Sandsäcke) möglich ist, bevor weiteres Material

erforderlich wird. Hierbei ist jedoch Sand in

ausreichender Menge und eine entsprechende

Logistik für den Abtransport der gefüllten

Sandsäcke notwendig.

Der Einsatz des AB-Sand erfolgt lageabhängig

im Rahmen des Hochwasserschutzkonzepts

der Feuerwehr Hannover durch Personal der

Feuer- und Rettungswache 4 mit Wechselladerfahrzeug,

AB-Mulde sowie Tiefladeanhänger,

auf dem auch der Radlader transportiert wird.

Mindestens ein Löschgruppenfahrzeug sowie

Gerätewagen-Logistik und Mannschaft der

Fachgruppe „Hochwasserschutz“ der Ortsfeuerwehren

Wettbergen, Ricklingen und Bornum

sind erforderlich.

48

IM EINSATZ 21. Jahrgang · Juni 2014 · 152


Technik

Fazit

Gerade das Material der Kreisfeuerwehrbereitschaft

der Landeshauptstadt Hannover

Hannover zur Hochwasserbekämpfung, das

im Jahr 2012 komplettiert und erweitert werden

konnte, hat sich beim Hochwassereinsatz

in Magdeburg im Juni 2013 sehr bewährt. Der

Abrollbehälter Hochwasserschutz mit seiner

umfangreichen Ausstattung war ebenso nützlich

wie der Abrollbehälter Sandsackfüllung.

Mit dieser vom hannoverschen Karosseriebauer

Stolle mit Unterstützung der Feuerwehr Hannover

entwickelten Maschine konnten mehr als

400.000 Sandsäcke gefüllt und auf Paletten verlastet

zum Einsatz gebracht werden. Der systematische

Arbeitsablauf von der Füllung bis hin

zum Verschließen der Sandsäcke erwies sich als

sehr leistungsfähig. Auch war aufgrund der in

den letzten Jahren für die Freiwillige Feuerwehr

Hannover beschafften einheitlichen Löschfahrzeuge

Katastrophenschutz eine Ablösung der

Bedienungsmannschaft unkompliziert.

Literatur:

1. Lange C, Bahlmann C, Rohrberg D, Kunze R (2013) Kreisfeuerwehrbereitschaften

in Niedersachsen. Brandschutz/

Deutsche Feuerwehr-Zeitung 67: 258-267

2. Lange C, Rohrberg D, Bahlmann C, Feichtenschlager J (2013)

Feuerwehr Hannover: Hochwassereinsatz in Magdeburg im

Juni 2013. Brandschutz/Deutsche Feuerwehr-Zeitung 67:

587-595

3. Feuerwehr Hannover (2012) Dienstanordnung 5.1 – 046 Abrollbehälter

Sandsackbefüllung (AB-Sand)

4. Feuerwehr Hannover (2012) Dienstanordnung 5.1 – 047 Abrollbehälter

Hochwasserschutzsysteme (AB-HWS)

Abb. 2: Abrollbehälter

Sandsackbefüllung in einsatzbereitem

Zustand

Abb. 3: Beladung des

AB Hochwasserschutz

Leserbrief

Sehr geehrter Herr Roeber,

herzlichen Dank für Ihren sehr gelungenen und im

wahrsten Sinn „not-wendigen“ Artikel zum Thema

„alte Weisheiten“ (IE 2/2014). In der Tat ist dieses

Thema hochaktuell. Alle Hilfeleistungsorganisationen

beklagen zu Recht den Helferschwund und

die Tatsache, dass zunehmend weniger Menschen

für die Idee des Bevölkerungsschutzes begeistert

werden können. Der demografische Wandel verstärkt

hier die Situation zunehmend. Diese Probleme

sind jedoch zumindest ein stückweit auch

hausgemacht. Aus eigener Erfahrung kann ich bestätigen,

dass es einem Bewerber – immerhin mit

zwei vollständigen Fachausbildungen im Sanitätsund

Betreuungsdienst des ehem. erweiterten

KatS sowie vollständig durchlaufener Führungsausbildung

einschließlich Stabsausbildung an der

AKNZ, Sprechfunk- und ABC- Schutzausbildung

inkl. Ausbilder für Selbstschutzthemen unter den

gesetzlichen Ausbildungsregelungen des KatS-

Schulwesens ausgestattet – nicht gelingt, als

„Quereinsteiger“ das Engagement in irgendeiner

Organisation fortzusetzen. Einzelne Organisationen

erkennen die seinerzeit vorgeschriebenen

Aus- und Fortbildungen ganz einfach nicht bzw.

nicht mehr für vergleichbare Funktionen an. Hier

sprechen wir immerhin von Lehrgängen an staatlichen

Schulen!

Immer wieder folgt auf eine erste Willkommensgeste

und auf die Versicherung, dass man

froh sei über den neuen Bewerber, sehr schnell

der deutliche Hinweis, dass man ja zunächst

einmal die Grundlagenschulung und dann noch

weitere wichtige Lehrgänge besuchen müsse,

um überhaupt eingesetzt werden zu können. Auf

Nachfrage, ob denn bereits erbrachte und durch

Fortbildung sowie Einsatzpraxis erworbene Qualifikationen

nicht etwa gewertet werden, erntet

man oft Unverständnis bis hin zu großem Erstaunen,

da eben diese Schulungsmaßnahmen ja nicht

mehr aktuell seien.

Ein solches Verhalten demotiviert natürlich

und dokumentiert sehr deutlich, dass es mit der

Förderung von Motivation und Würdigung auch

der beruflich erbrachten Kenntnisse und Qualifikationen

doch noch nicht so weit gediehen ist.

Und es ist festzustellen, dass es eben nicht klar zu

sein scheint, dass z.B. die bei der einen Bundeseinrichtung

durchlaufene Ausbildung auch bei der

anderen überhaupt anerkannt wird, respektive

überhaupt bekannt ist.

Aber genau hier setzt häufig das Problem an:

Freizeit ist nun mal rar geworden, der Beruf nimmt

einen anderen Stellenwert ein als vor 25 bis 30

Jahren, die Bedeutung, die Familie und Freundschaften

beigemessen wird, hat eher zugenommen

– und Ehrenamt im Bevölkerungsschutz muss

sich dort gewissermaßen einfädeln und zugleich

hohe Einsatzfähigkeit bewahren.

Das geht in der heutigen Zeit überwiegend nur

unter Verfolgung von Doppel- bzw. Mehrfachnutzen

und dabei muss das Engagement sinn- und

auch spaßgebend sein! Dienst- und Ausbildungsveranstaltungen

müssen einen echten Gewinn für

die Ehrenamtler darstellen. Es kann nicht sein,

dass Bewerbern immer wieder ganz eindeutig gesagt

wird, dass sie ja in keiner Weise einsetzbar

sind – und somit auch seine mitgebrachten Fähigkeiten

trotz bestehender Notwendigkeit in der

einen oder anderen Einheit – auch unter Inkaufnahme

der erheblichen Einschränkung der aktuellen

Einsatzfähigkeit dieser nicht genutzt werden

dürfen. Eine solche Haltung darf in heutiger Zeit in

sich als „modern“ bezeichnenden Organisationen

keinen Platz haben. Organisationen und Betriebe

sind auf Flexibilität und angemessene Dynamik

angewiesen, damit sie marktfähig bleiben können.

Mittlerweile habe ich mein Engagement im Bevölkerungsschutz

vor dem Hintergrund der oben

beschriebenen Hemmnis- und Demotivationsfaktoren

vollständig eingestellt und bin zumindest in

unserer Region hier oben leider kein Einzelfall.

Aus meiner Sicht ist es dringend geboten, dass

die administrative Ebene eine Kehrtwende vollzieht.

Es kann nicht angehen, dass man sich als

ausgebildeter Helfer bei Neu- bzw. Wiedereintritt

in eine Organisation für seinen Ausbildungsstand

rechtfertigen und dann auch noch Zeit-Stoffpläne

der damaligen Lehrgänge bei Vorliegen der amtlichen

Teilnahmebescheinigungen beibringen

muss!

A. Bernhardt,

Organisationsberater im Gesundheitswesen


TERMINE

Wasserrettung +

Notfallmedizin

23. August 2014

Xanten

www.lano-drk.de

4. Twistringer BOS-Tag

12. Juli 2014

Twistringen

www.kfv-diepholz.de

Übungsplanung

16. und 17. August 2014

Mannheim

www.eh-enterprises.de

Zugführer

Rettungsdienst/OrgL

Düsseldorf

www.drk-duesseldorf.de

5. bis 13. Juli 2014

7. Internationaler

Erste-Hilfe-Wettbewerb

1. bis 3. August 2014

Pfinztal-Söllingen

www.drk-soellingen.de

21. Juni 2014

Regensburg

www.rescu.de

Z E I T S C H R I F T F Ü R H E L F E R U N D F Ü H R U N G S K R Ä F T E

21. Jahrgang

Schriftleitung:

Dipl.-Ing. Klaus Maurer, Hamburg (verantwortlich für den

Inhalt) · Thomas Mitschke, Grafschaft Birresdorf · Dipl.-Päd.

Hanno Peter, Grafschaft Ringen (†)

Redaktionsleitung:

Tobias Bader, M.A. · Klaus von Frieling, M.A., Edewecht

Tel. 04405 9181-21 · Fax: 04405 9181-33

E-mail: frieling@skverlag.de

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Christoph Lippay, Freiburg · Simon Ludäscher, Dortmund

· Manfred Müller, Hünstetten · Jörg Oberkinkhaus, Kreis

Bergstraße · Volker Roeber, Duisburg · Jürgen Schreiber,

Bremen · Mirko Temmler, Hannover

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L. Kossendey (Anschrift des Verlages)

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Media-Print Informationstechnologie GmbH,

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Namentlich gezeichnete Artikel geben nicht in jedem Falle

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ISSN 1617-4283

Abbildungsnachweise: THW (Titelseite, S. 22, 24, 42, 43,

44); THW/P.Graser (S. 8, 10); Kreisfeuerwehrverband Pinneberg

(S. 12-16); DRK Nordrhein (S. 17, 18, 20); DRK LV

Brandenburg (S. 26); G. Bücherl (S. 28, 29); Rotes Kreuz

Feldach (S. 30, 32, 33, 34); R. Hammer (S. 31); THW OV

Tönning (S. 35, 36); Feuerwehr Hannover (S. 38, 47, 49)

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IM EINSATZ 21. Jahrgang · Juni 2014 · 154


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