15.07.2014 Aufrufe

EasyLinux Videos und Musik - Aufnahmen schneiden (Vorschau)

Sie wollen auch ein ePaper? Erhöhen Sie die Reichweite Ihrer Titel.

YUMPU macht aus Druck-PDFs automatisch weboptimierte ePaper, die Google liebt.

easy LINUX !<br />

9 GByte auf<br />

3 DVD-Seiten<br />

Titel: <strong>Videos</strong> <strong>und</strong> <strong>Musik</strong><br />

DVD: Kubuntu 14.04, Mint 17<br />

03/2014<br />

Juli – September<br />

www.easylinux.de<br />

easy ! LINUX<br />

Kubuntu 14.04<br />

KDE 4.13 (64-Bit-Version)<br />

– KDE-Version von Ubuntu<br />

– LibreOffice 4.2.3<br />

– Linux-Kernel 3.13<br />

– Firefox 28 (nach Update: 29)<br />

– LTS-Version mit fünf Jahren<br />

Long Term Support<br />

Installationsanleitung: S. 29<br />

Ausführlicher Test: S. 110<br />

einfach – klar – benutzerfre<strong>und</strong>lich<br />

Linux Mint 17<br />

– klassischer Desktop: Mate<br />

(ähnlich Gnome 2)<br />

– 64-Bit-Version<br />

– basiert auf Ubuntu 14.04<br />

– verbesserte Tools für Update<strong>und</strong><br />

Paketverwaltung<br />

Service Kit 03/2014<br />

Updates für (K)Ubuntu 14.04<br />

<strong>und</strong> OpenSuse 13.1 (je 64 Bit)<br />

<strong>Videos</strong> <strong>und</strong> <strong>Musik</strong><br />

<strong>Aufnahmen</strong> <strong>schneiden</strong><br />

Audiodateien <strong>schneiden</strong> <strong>und</strong> für<br />

Podcasts vorbereiten S. 41<br />

<strong>Videos</strong> mit PiTiVi <strong>schneiden</strong> S. 46<br />

Kommandozeilen-Tools für<br />

Schnitt <strong>und</strong> Konvertierung S. 50<br />

Metadaten für MP3 <strong>und</strong> Ogg Vorbis S. 114<br />

Software im Test<br />

Kubuntu 14.04 mit Long Term Support S. 110<br />

Spiel: Baphomets Fluch, Teil 5 S. 107<br />

LaTeX: Profi-Textsatz<br />

Gr<strong>und</strong>lagen <strong>und</strong> erste Schritte mit dem<br />

Textsatzprogramm LaTeX S. 60<br />

LaTeX-Editor LyX: TeX ohne TeX-Befehle S. 68<br />

Praxis-Workshops<br />

Alle Mozilla-Programme: Firefox 30 S. 53<br />

Th<strong>und</strong>erbird & SeaMonkey S. 57<br />

Verzeichnisse in Writer-Dokumenten S. 72<br />

25 Seiten Tipps & Tricks<br />

KDE S. 78<br />

Gnome S. 82<br />

Gimp S. 96<br />

Shell S. 104<br />

LibreOffice S. 86<br />

Ubuntu/Mint S. 92<br />

Kurztests/DVD-Inhalt<br />

Fotoxx 14.05 (13), Kdenlive 0.9.8 (14), Phototonic<br />

0.99 (19), luckyBackup 0.4.8 (16), RawTherapee 4.1<br />

(18), Mythbuntu 14.04 (22), DVDStyler 2.7.2 (12) u. v. m.<br />

€ 9,80<br />

Österreich € 10,80<br />

Schweiz sfr 19,60<br />

BeNeLux € 11,25<br />

Italien € 12,75<br />

Spanien € 12,75<br />

4 196177 309803 03


easy LINUX!<br />

Editorial<br />

Hans-Georg Eßer<br />

Chefredakteur<br />

Ubuntu mit<br />

Long Term Support<br />

Liebe Leserinnen <strong>und</strong> Leser,<br />

haben Sie die WM gut überstanden? Egal,<br />

ob Sie begeistert alle Spiele verfolgt haben,<br />

ob Sie von dem ganzen Brimborium<br />

<strong>und</strong> den regelmäßigen Verschiebungen<br />

des Fernsehprogramms genervt waren<br />

oder sich irgendwo dazwischen befanden<br />

– kurz vor dem Finale ist die neue Easy­<br />

Linux-Ausgabe erschienen, in der es definitiv<br />

nicht um Fußball geht: so oder so<br />

eine gute Abwechslung. Für die Redaktion<br />

hat jedenfalls die Heftproduktion <strong>und</strong><br />

kein anderes Event den Juni dominiert,<br />

denn auch damit konnten wir lange<br />

Nächte abwechslungsreich gestalten.<br />

Ubuntu: LTS oder normal?<br />

In der Redaktion kam in den letzten Wochen<br />

die Frage auf, ob wir – wie bisher –<br />

die jeweils aktuellste Ubuntu-Version unterstützen<br />

(also diese Version in unseren<br />

Praxisartikeln berücksichtigen <strong>und</strong> dafür<br />

Pakete <strong>und</strong> Updates auf der DVD bereitstellen)<br />

sollen oder ob es besser wäre,<br />

stattdessen nur auf LTS-Versionen (Long<br />

Term Support) zu setzen.<br />

Der Vorteil der LTS-Versionen ist, dass<br />

Anwender nur alle zwei Jahre eine vollständige<br />

Aktualisierung des Systems<br />

durchführen müssen, aber trotzdem die<br />

ganze Laufzeit über mit Sicherheitsupdates<br />

<strong>und</strong> anderen Bugfixes versorgt werden.<br />

Andererseits landet durch Einspielen<br />

aller Zwischenversionen im Sechs-Monats-<br />

Rhythmus (also zwischen 12.04 LTS <strong>und</strong><br />

14.04 LTS, zusätzlich Versionen 12.10,<br />

13.04 <strong>und</strong> 13.10) regelmäßig die aktuellste<br />

Software auf dem Rechner.<br />

Auch in den LTS-Versionen lassen sich<br />

aktuellere Programme nachinstallieren,<br />

was aber erst nach dem Einrichten zusätzlicher<br />

Paketquellen gelingt. Über den<br />

besten Ansatz waren wir uns in der Redaktion<br />

nicht einig – wir haben darum<br />

zur Klärung dieser Frage eine Umfrage<br />

entwickelt <strong>und</strong> online gestellt, an der Sie<br />

sich beteiligen können, wenn Sie Ubuntu<br />

oder das Ubuntu-basierte Linux Mint benutzen<br />

[1] – dort fragen wir, was Ihnen<br />

lieber ist:<br />

l <strong>EasyLinux</strong> soll immer die jeweils letzte<br />

LTS-Version (Long Term Support)<br />

von Ubuntu unterstützen, die alle<br />

zwei Jahre ersetzt wird.<br />

l <strong>EasyLinux</strong> soll immer die jeweils<br />

aktuellste Version von Ubuntu unterstützen,<br />

die alle sechs Monate ersetzt<br />

wird.<br />

Außerdem haben wir noch eine Frage zu<br />

Ubuntu/​Linux Mint <strong>und</strong> ein Freitextfeld<br />

integriert, in das Sie Kommentare schreiben<br />

können. Antworten auf diese beiden<br />

Fragen sind aber optional. Wir würden<br />

uns über eine zahlreiche Teilnahme<br />

freuen, weil uns das hilft, die beste Entscheidung<br />

zu treffen. Mehr Informationen<br />

zu den LTS-Versionen finden Sie im Wiki<br />

von ubuntuusers.de [2].<br />

Ubuntu <strong>und</strong> Mint auf DVD<br />

Apropos Ubuntu: Die aktuelle Version<br />

14.04 von Ubuntu ist eine LTS-Version,<br />

<strong>und</strong> deren KDE-Variante (Kubuntu 14.04<br />

LTS) finden Sie auf der Heft-DVD. Die Installationsanleitung<br />

beginnt auf Seite 29,<br />

einen Test lesen Sie ab Seite 110. Alternativ<br />

können Sie auch das brandaktuelle Linux<br />

Mint 17 mit der Gnome-2-Weiterentwicklung<br />

Mate als Desktop einspielen,<br />

das wir ebenfalls getestet haben (Seite<br />

35). Es basiert auf Ubuntu 14.04.<br />

Wir wünschen viel Spaß beim Ausprobieren<br />

der aktuellen Linux-Versionen <strong>und</strong> bei<br />

der Lektüre unserer Artikel, die hoffentlich<br />

den richtigen Themenmix bieten. n<br />

Infos<br />

[1] <strong>EasyLinux</strong>-Umfrage zu Ubuntu LTS:<br />

https:// de. surveymonkey. com/ s/​<br />

C5TLRS8 (http:// ezlx. de/ e3u1)<br />

[2] Long Term Support:<br />

http:// wiki. ubuntuusers. de/ Long_Term_<br />

Support (http:// ezlx. de/ e3u2)<br />

<strong>EasyLinux</strong><br />

03/2014<br />

www.easylinux.de<br />

3


Überblick<br />

46<strong>Videos</strong> <strong>schneiden</strong> Sie<br />

komfortabel mit PiTiVi.<br />

Das Programm beherrscht<br />

viele Formate.<br />

ist einer der beliebtesten<br />

Browser –<br />

nicht nur unter Linux.<br />

53Firefox<br />

Aktuell ist Version 30.<br />

Aktuell<br />

Editorial...........................................................................................3<br />

DVD-Inhalt......................................................................................6<br />

Leserbriefe.....................................................................................7<br />

Nachrichten...................................................................................8<br />

Neue Software.............................................................................12<br />

Webseiten....................................................................................28<br />

Heft-DVD: Kubuntu 14.04............................................................29<br />

Im April ist Ubuntu 14.04 erschienen – <strong>und</strong> zeitgleich auch die<br />

KDE-Variante Kubuntu. Version 14.04 ist eine Long-Term-Support-Version<br />

(LTS): Die Entwickler werden sie mindestens fünf<br />

Jahre lang mit Updates versorgen.<br />

Heft-DVD: Mint 17 Mate.............................................................35<br />

Das Ubuntu-Derivat Linux Mint hat sich auf die Fahnen geschrieben,<br />

den Debian-Ableger Ubuntu noch einmal zu verfeinern.<br />

Die Distribution lindert mit ihrem Desktop Mate einige Kopfschmerzen,<br />

die Ubuntu mit der Unity-Oberfläche manchen Anwendern<br />

bereitet.<br />

Audio/Video<br />

Einleitung......................................................................................40<br />

Audio- <strong>und</strong> Videodateien können Sie unter Linux nicht nur in allen<br />

gängigen Formaten abspielen, sondern auch erstellen <strong>und</strong><br />

bearbeiten. Darum geht es im Titelthema dieser Ausgabe.<br />

Audioschnitt: Audacity...............................................................41<br />

Das Web 2.0 ist ein „Mitmachnetz“,<br />

<strong>und</strong> neben<br />

klassischen Blogs sind<br />

auch Podcasts eine beliebte<br />

Methode, um sich<br />

mitzuteilen. Mit Audacity<br />

erstellen <strong>und</strong> <strong>schneiden</strong><br />

Sie Ihre eigenen Podcasts<br />

<strong>und</strong> andere Audiodateien.<br />

Audio/Video<br />

<strong>Videos</strong>chnitt mit PiTiVi...............................................................46<br />

Im Multimediaumfeld ist der <strong>Videos</strong>chnitt die Königsdisziplin.<br />

Mit dem richtigen Werkzeug meistern Sie die Aufgabe auch unter<br />

Linux ohne Probleme – wir stellen Ihnen dazu PiTiVi vor.<br />

<strong>Videos</strong> auf der Shell umwandeln.............................................50<br />

Um ein Video in ein anderes Format zu konvertieren, müssen<br />

Sie keine grafische Anwendung bemühen: Mit „ffmpeg“ <strong>und</strong><br />

„mencoder“ gelingt das auch auf der Konsole.<br />

Workshop<br />

Firefox 30......................................................................................53<br />

Schon im Sommer 2011 geisterten Entwürfe der neuen Firefox-<br />

Oberfläche durchs Netz. Wegen technischer Schwierigkeiten<br />

erschien Version 29 allerdings erst im April 2014. Inzwischen<br />

ist Version 30 herausgekommen, die einige Sicherheitslücken<br />

schließt. Wir haben uns den schlauen Fuchs näher angesehen.<br />

Th<strong>und</strong>erbird <strong>und</strong> SeaMonkey...................................................57<br />

Das Mozilla-Team hat nicht nur den Browser Firefox, sondern<br />

auch den E-Mail-Client Th<strong>und</strong>erbird <strong>und</strong> das Kombiprogramm<br />

SeaMonkey im Angebot. Dort geht die Entwicklung aber nur<br />

langsam – oder gar nicht – voran.<br />

LaTeX: Wenn‘s perfekt sein muss.............................................60<br />

Briefe <strong>und</strong> andere kleinere Texte schreiben die meisten Linux-<br />

Anwender in LibreOffice Writer. Für größere (<strong>und</strong> wichtige) Dokumente<br />

ist das Officeprogramm aber nur bedingt geeignet – mit<br />

LaTeX steht eine Alternative zur Verfügung.<br />

LyX 2.1.0: TeX für Mausbenutzer...............................................68<br />

Wer LaTeX verwenden möchte, aber das Erlernen der Befehlssyntax<br />

scheut, sollte sich LyX ansehen: Das Programm arbeitet<br />

nach dem Prinzip „What you see is what you mean“ <strong>und</strong> bedient<br />

sich fast wie eine normale Textverarbeitung.<br />

4 www.easylinux.de<br />

<strong>EasyLinux</strong> 03/2014


72<br />

Längere<br />

Texte brauchen Inhalts-,<br />

Abbildungs- <strong>und</strong> weitere<br />

Verzeichnisse. In Writer<br />

sind sie schnell angelegt.<br />

76<br />

Das<br />

MP3-Format ist wegen<br />

des Patentschutzes oft Anlass<br />

zum Ärger. Weichen Sie einfach<br />

auf Ogg Vorbis aus.<br />

Workshop<br />

Verzeichnisse in Writer.............................................................72<br />

Wissenschaftliche Arbeiten, umfangreiche Artikel <strong>und</strong> Bücher<br />

profitieren von Inhalts- <strong>und</strong> Stichwortverzeichnissen. Leser können<br />

sich so besser im Dokument orientieren <strong>und</strong> gezielt zu einer<br />

Stelle springen, ohne lange suchen zu müssen. Der Workshop<br />

zeigt, wie Sie solche Verzeichnisse in Writer anlegen.<br />

Basics<br />

Ogg Vorbis: Die MP3-Alternative.............................................76<br />

KDE-Anwender können <strong>Musik</strong>-CDs mit Bordmitteln in komprimierte<br />

Audiodateien auf der Festplatte umwandeln – zum Beispiel<br />

ins freie Ogg-Vorbis-Format.<br />

Tipps & Tricks<br />

Tipps & Tricks zu KDE.................................................................78<br />

Gnome-Tipps................................................................................82<br />

Besser arbeiten mit LibreOffice...............................................86<br />

Knoppix, Ubuntu, Mint................................................................92<br />

Tipps & Tricks<br />

Effizienter arbeiten mit Gimp....................................................96<br />

Linux-Tipps.................................................................................100<br />

Know-how für die Kommandozeile........................................104<br />

Test<br />

Baphomets Fluch 5: Der Sündenfall.......................................107<br />

In seinem neuesten Adventure schickt Revolution Software zwei<br />

altbekannte Helden auf die Suche nach einem scheinbar unbedeutenden<br />

Gemälde <strong>und</strong> damit gleichzeitig in einen spannenden<br />

Kriminalfall. Den hätte es allerdings ohne seine Fans in diesem<br />

Umfang gar nicht gegeben.<br />

Kubuntu 14.04 LTS (Trusty Tahr)...............................................110<br />

Im Frühjahr sind Ubuntu <strong>und</strong> Kubuntu planmäßig in Version<br />

14.04 mit Langzeit-Unterstützung erschienen. Kubuntu vereint<br />

Ubuntus Einsteigerfre<strong>und</strong>lichkeit mit einem stabilen <strong>und</strong> ausgereiften<br />

KDE-Desktop, den viele Einsteiger Unity vorziehen. Mit<br />

fünf Jahren garantierter Softwarepflege drängt sich Kubuntu für<br />

Umsteiger <strong>und</strong> Profis gleichermaßen auf.<br />

Guru-Training<br />

68 dienung<br />

LaTeX ist nicht ganz<br />

leicht zu erlernen. Für<br />

Fre<strong>und</strong>e der Mausbegibt<br />

es LyX.<br />

MP3- <strong>und</strong> Ogg-Vorbis-Dateien taggen..................................114<br />

Die meisten Audioplayer präsentieren bei der Wiedergabe<br />

Künstler <strong>und</strong> Albumtitel, den Songnamen <strong>und</strong> vieles mehr. Die se<br />

Metadaten sind in den Dateien enthalten. Wie Sie die Informationen<br />

mit Shell-Kommandos auslesen, ändern <strong>und</strong> löschen,<br />

zeigen wir Ihnen im Guru-Training.<br />

Service<br />

Linux User Groups 117<br />

Impressum 120<br />

Hardware- <strong>und</strong> Bücherservice 121<br />

<strong>Vorschau</strong> 122<br />

<strong>EasyLinux</strong> 03/2014<br />

www.easylinux.de<br />

5


Heft-DVD<br />

Super Grub2 Disk 2.00<br />

Wie bekannt überschreibt Windows<br />

bei der Installation ohne<br />

Nachfrage bestehende Bootloader.<br />

Die Live-Distribution Super<br />

Grub2 Disk hilft Ihnen dabei,<br />

die parallel installierten Systeme<br />

wieder zu erreichen.<br />

Audacity<br />

Das beliebte <strong>Musik</strong>bearbeitungstool Audacity<br />

arbeitet mit mehreren Spuren <strong>und</strong> bietet<br />

reichhaltige Anpassungsmöglichkeiten.<br />

DVDStyler<br />

Dieses Programm erlaubt es Ihnen, Video<strong>und</strong><br />

Diashow-DVDs zu erstellen, die auf Ihrem<br />

normalen DVD-Player starten.<br />

Kdenlive<br />

Die handliche Benutzeroberfläche der Software<br />

erleichtert Ihnen den Einstieg in die<br />

semiprofessionelle Videobearbeitung.<br />

Ausserdem auf DVD:<br />

• Aftershot: RAW-Converter<br />

• Fotoxx: Bildbearbeitung<br />

• luckyBackup: Datensicherung<br />

LMMS<br />

Das Linux Multimedia Studio, kurz LMMS,<br />

bietet als Komplettpaket einen Sequenzer,<br />

Drumcomputer <strong>und</strong> Software-Synthesizer.<br />

Phototonic<br />

Bei diesem Programm handelt es sich um einen<br />

Bildbetrachter, den die Entwickler bewusst<br />

auf seine Kernfunktionen reduzieren.<br />

Pinta<br />

Die zu Teilen von Paint.NET abstammende<br />

Software eignet sich sowohl zum Zeichnen<br />

als auch zum Bearbeiten von Bildern.<br />

RawTherapee<br />

Der Platzhirsch unter den freien RAW-Convertern<br />

bietet viele sinnvolle Funktionen, um<br />

aus Ihren Bildern das Beste herauszuholen.<br />

Xfburn<br />

Das aus der Desktopumgebung Xfce stammende<br />

schlanke Brennprogramm verwendet<br />

als Unterbau die neue Bibliothek Libburnia.<br />

• Tor Browser: Sicher surfen<br />

• Firefox 30: Webbrowser<br />

• Th<strong>und</strong>erbird: E-Mail-Client<br />

Service Kit<br />

Das Service Kit enthält alle relevanten<br />

Sicherheits- <strong>und</strong> Programmaktualisierungen<br />

für OpenSuse 13.1 <strong>und</strong> Kubuntu<br />

14.04 (jeweils 64 Bit) seit dem Erscheinungstag<br />

der Distributionen. Ein Upgrade<br />

älterer Versionen (beispielsweise von<br />

OpenSuse 12.3 auf OpenSuse 13.1) ermöglicht<br />

das Service Kit nicht.<br />

Die auf dem Service Kit enthaltenen Pakete<br />

stammen aus den Original-Downloadquellen<br />

von Novell <strong>und</strong> Canonical.<br />

Damit ist die Aktualisierung über die Service-Kit-DVD<br />

identisch mit einem Onlineupdate.<br />

Durch die zeitliche Differenz zwischen<br />

dem Fertigstellen des Datenträgers<br />

<strong>und</strong> dem Erscheinen des Heftes können<br />

jedoch neue Updates auf den Servern der<br />

Distributoren bereitstehen.<br />

Kubuntu 14.04<br />

Wie üblich bietet Canonical alle zwei<br />

Jahre Releases mit so genanntem Long<br />

Term Support an. Das bedeutet, dass<br />

der Distributor Sie nicht nur neun Monate,<br />

sondern volle fünf Jahre mit Updates<br />

versorgt. Mit Version 14.04 war es<br />

wieder so weit. Sie finden die 64-Bit-Variante<br />

auf Seite A der zweiten Heft-DVD.<br />

Die Desktopumgebung stellt KDE in Version<br />

4.13.0 bereit; den Unterbau bildet<br />

der Kernel 3.13. LibreOffice 4.2.3 liefert<br />

die Office-Anwendungen, Firefox 28.0<br />

übernimmt das Surfen im Internet.<br />

Darüber hinaus<br />

hat Python in Version 3.4<br />

Einzug gehalten sowie<br />

Qemu 2.0 zum Virtualisieren<br />

anderer Systeme.<br />

Linux Mint 17<br />

Auf Seite B der zweiten Heft-DVD finden<br />

Sie die 64-Bit-Version des Ubuntu-Ablegers<br />

Linux Mint. Wie auch Kubuntu basiert<br />

diese auf der LTS-Version <strong>und</strong> bietet<br />

damit ebenfalls fünf Jahre Support.<br />

Der entscheidende Unterschied findet<br />

sich im Desktop. In der auf der DVD enthaltenen<br />

Ausgabe kommt Mate zum Einsatz.<br />

Dabei handelt es sich um einen Fork<br />

des nicht länger entwickelten Gnome 2,<br />

welches das alte <strong>und</strong> beliebte Bedienkonzept<br />

zurück auf den<br />

Rechner bringt. Zwar<br />

bietet Mint eigene Repositorys<br />

für das System<br />

an, in erster Linie<br />

speist es sich aber aus denen<br />

von Canonical. (Thomas<br />

Leichtenstern/tle) n<br />

6 www.easylinux.de<br />

<strong>EasyLinux</strong> 03/2014


Leserbriefe<br />

Aktuell<br />

Leserbriefe<br />

Linux-begeistert<br />

[Einfach besser, 02/​2014] Der Artikel hat<br />

mich dazu gebracht, meinen ersten Leserbrief<br />

zu schreiben – ich möchte damit<br />

meiner Begeisterung für Linux Ausdruck<br />

verleihen. Meine Windows-Erfahrungen<br />

reichen von MS-DOS (mancher kennt<br />

noch grüne Bildschirme) bis Windows 7.<br />

Mein betagter Acer-Laptop brauchte mit<br />

XP viereinhalb Minuten zum Start; ein<br />

Bericht über Linux auf älterer Hardware<br />

brachte mich dazu, Peppermint zu installieren,<br />

<strong>und</strong> ich war begeistert: Eine Minute<br />

Bootzeit, alles lief flüssiger! Dann<br />

wurde ich neugierig, probierte zig verschiedene<br />

Distributionen <strong>und</strong> bin letztendlich<br />

bei Kubuntu gelandet, das Windows<br />

7 von meinem Hauptrechner komplett<br />

verdrängt hat.<br />

Wie Sie beschreiben, hat das ewige Updatespielchen<br />

(ist auch alles auf den neuesten<br />

Stand, vor allem beim Onlinebanking?)<br />

manchmal mehr Zeit in Anspruch<br />

genommen als die eigentliche Tätigkeit<br />

<strong>und</strong> nervte auf Dauer. Und wehe, eine<br />

Windows-Neuin stallation stand an: einen<br />

Tag, bis alles wie gewohnt war! Und bei<br />

Linux? Das hätten Sie noch erwähnen<br />

müssen: /home auf eine eigene Partition,<br />

da freut man sich richtig, eine neue Version<br />

zu installieren.<br />

Der KDE-Desktop ist ein Traum, für<br />

Spiele, Office etc. eine Aktivität einrichten,<br />

da platzt jeder Windows-User vor<br />

Neid. Kein vollgestopfter Desktop mit<br />

Verknüpfungen. Herunterfahren bei KDE:<br />

irgendwo auf den Desktop klicken, rechte<br />

Maustaste <strong>und</strong> fertig.<br />

Kurzum, seit einem Jahr bin ich absoluter<br />

Linux-Freak <strong>und</strong> lese, was ich in die<br />

Finger bekomme, es ist eine Passion für<br />

mich geworden.<br />

In den Windows-Zeitschriften wiederholen<br />

sich immer die gleichen Themen: Wie<br />

mache ich Windows schneller, sicher,<br />

<strong>und</strong> wie kann man es personalisieren? Bei<br />

Linux-Magazinen wird einem gezeigt,<br />

was man eigentlich alles machen kann<br />

<strong>und</strong> könnte. Vielen Dank für die immer<br />

sehr interessanten Artikel, die mich immer<br />

wieder auf ein Neues begeistern!<br />

<br />

Harald Link<br />

<strong>EasyLinux</strong>: Vielen Dank für das Lob!<br />

Eine eigene Partition für /home zu verwenden<br />

(Abbildung 1), haben wir im<br />

Zusammenhang mit der Parallelinstallation<br />

von Windows <strong>und</strong> zwei Linux-Distributionen<br />

schon mal beschrieben [1].<br />

Mehrere Linux-Versionen können sich<br />

(bei richtiger Konfiguration) dann die<br />

Home-Verzeichnisse teilen. (hge) n<br />

Abb. 1: Wer häufiger die Linux-Distribution wechselt oder mehrere Linux-Systeme parallel<br />

nutzen will, sollte eine separate Partition für „/home” verwenden.<br />

Infos<br />

[1] Hans-Georg Eßer, „Multi-Boot“,<br />

<strong>EasyLinux</strong> 04/​2012, S. 62 ff.,<br />

http:// linux‐community. de/ 27171<br />

(http:// ezlx. de/ e3g1)<br />

<strong>EasyLinux</strong><br />

03/2014<br />

www.easylinux.de<br />

7


Aktuell<br />

News<br />

Nachrichten<br />

RemoteBox startet VirtualBox-VMs<br />

RemoteBox, eine freie GUI-Anwendung<br />

zum Verwalten von VirtualBox-Gastsystemen<br />

auf einem entfernten Server, ist<br />

in Version 1.8 mit neuen Features verfügbar<br />

[1].<br />

Mit einer neuen Option kann der Anwender<br />

Gastsysteme automatisch starten,<br />

wenn das Hostsystem bootet. Dabei kann<br />

er auch Verzögerungen konfigurieren, um<br />

die Gäste in einer bestimmten Reihenfolge<br />

zu starten. Vorher sind allerdings ein paar<br />

Handgriffe auf dem Server erforderlich.<br />

Daneben lässt sich auch einstellen, auf<br />

welche Weise die Gast-VMs beendet werden,<br />

wenn der Host herunterfährt. Weitere<br />

neue Features finden sich in der Release-Mitteilung<br />

des Projekts [2].<br />

RemoteBox läuft clientseitig unter Linux,<br />

OS X, Solaris <strong>und</strong> einigen BSD-<br />

Varianten. Fertige Pakete für einzelne<br />

Linux-Distributionen, darunter<br />

auch OpenSuse <strong>und</strong> Ubuntu, gibt es<br />

auf der Projektseite.<br />

(Mathias Huber/hge) <br />

n<br />

[1] http:// remotebox. knobgoblin. org. uk/<br />

(http:// ezlx. de/ e3k9)<br />

[2] http:// remotebox. knobgoblin. org. uk/ news. cgi<br />

(http:// ezlx. de/ e3k10)<br />

Allan Day<br />

Gnome: Neue Nachrichten-<strong>Vorschau</strong><br />

Der Designer Allan Day hat in seinem Blog<br />

vorgestellt, wie zukünftig Gnome-Benutzer<br />

neue Nachrichten zu Gesicht bekommen<br />

sollen. Demnach erscheinen sie übereinandergestapelt<br />

in einer Art Schublade.<br />

Derzeit zeigt Gnome 3 am unteren Bildschirmrand<br />

eine waagerechte Leiste an, die<br />

neue Benachrichtigungen als Symbole präsentiert.<br />

Nach den aktuellen Plänen soll sich<br />

das bereits mit dem kommenden Gnome<br />

3.14 ändern: Statt der Leiste gibt es künftig<br />

ein Message Tray. Diese virtuelle Schublade<br />

können Anwender mit einem Mausklick zur<br />

Bildschirmmitte hin aufziehen. Gnome 3<br />

zeigt darin dann alle Meldungen übereinandergestapelt<br />

an. Zudem bietet die Schublade<br />

zu jeder Meldung passende Aktionen an;<br />

der Wecker lässt sich z. B. anhalten. Die<br />

Nachrichten sortiert die Schublade in ihrer<br />

zeitlichen Reihenfolge.<br />

Standardmäßig ist die Schublade nicht zu<br />

sehen. Erst wenn der Anwender mit der<br />

Maus den unteren Rand berührt, erscheint<br />

eine Lasche, die gleichzeitig die Anzahl der<br />

Nachrichten anzeigt. Diese Lasche ist zudem<br />

in der Aktivitätenansicht immer sichtbar.<br />

Außerdem sollen die Nachrichten auch<br />

auf dem Sperrbildschirm erscheinen.<br />

Die Gnome-Entwickler testen<br />

derzeit das neue Design.<br />

Bis zur Veröffentlichung<br />

von Gnome 3.14<br />

könnte es sich noch einmal<br />

ändern. Den aktuellen<br />

bzw. geplanten Stand zeigt<br />

ein Video auf YouTube [1],<br />

weitere Bilder gibt es im<br />

Blog von Allan Day [2].<br />

(Tim Schürmann/hge) n<br />

[1] http:// www. youtube. com/ watch?​<br />

v=C4TzqY0Ct90 (http:// ezlx. de/ e3k1)<br />

[2] http:// afaikblog. wordpress. com/​<br />

2014/ 06/ 05/ notify‐me/ ( ezlx. de/ e3k2)<br />

Linus Torvalds erhält<br />

Computer Pioneer Award<br />

Die renommierte IEEE Computer Society<br />

hat Linus Torvalds mit dem 2014er Computer<br />

Pioneer Award ausgezeichnet. Seit<br />

1981 verleiht die Gesellschaft den Preis<br />

für herausragende Leistungen auf dem<br />

Gebiet der Informatik. Unter den Preisträgern<br />

befinden sich Informatikgrößen<br />

wie Dennis Ritchie, Ken Thompson (die<br />

Unix-Entwickler), Donald E. Knuth (der<br />

TeX-Erfinder) <strong>und</strong> Computerpionier Konrad<br />

Zuse [1].<br />

Jetzt darf sich der Finne für seine „herausragende<br />

Funktion hinter der Open-<br />

Source-Entwicklung des Linux-Kernels<br />

<strong>und</strong> des Linux-Betriebssystems“ in die<br />

lange Liste einreihen, meldet die IEEE<br />

Computer Society [2].<br />

Torvalds hatte 2012 schon den Millennium<br />

Technology Prize der Technology<br />

Academy Finnland erhalten.<br />

(Markus Feilner/hge) <br />

n<br />

[1] http:// de. wikipedia. org/ wiki/ Liste_der_Preisträger_<br />

des_Computer_Pioneer_Award<br />

(http:// ezlx. de/ e3k22)<br />

[2] http:// www. computer. org/ portal/ web/ pressroom/​<br />

Linus‐Torvalds‐Named‐Recipient‐of‐the‐2014‐IEEE‐<br />

Computer‐Society‐Computer‐Pioneer‐Award<br />

(http:// ezlx. de/ e3k23)<br />

8 www.easylinux.de<br />

<strong>EasyLinux</strong> 03/2014


News<br />

Aktuell<br />

Unreal Tournament 4 geplant: Gratis<br />

Epic hat einen neuen Teil seiner beliebten<br />

Unreal-Tournament-Reihe angekündigt<br />

[1] <strong>und</strong> überraschte dabei gleich dreifach:<br />

Das Actionspiel soll ausschließlich für<br />

PCs erscheinen, auch für Linux erhältlich<br />

<strong>und</strong> komplett kostenlos sein. Darüber<br />

hinaus möchte Epic den<br />

Ego-Shooter zusammen<br />

mit den<br />

Fans entwickeln.<br />

Geld verdienen<br />

will der Hersteller<br />

irgendwann mit einem Marktplatz. In<br />

ihm können Entwickler, Modder, Grafiker<br />

<strong>und</strong> Fans eigene Spielinhalte verkaufen.<br />

Von den Einnahmen geht die Hälfte an<br />

den Verkäufer, den Rest streicht Epic ein.<br />

Die Entwickler betonen, dass UT4 kein<br />

Free-to-play-Spiel wird, bei dem nur Teile<br />

des Spiels gratis verfügbar wären. (Freeto-play<br />

ist vor allem bei Smartphone-<br />

Spielen populär.)<br />

Spieler müssen sich jedoch noch etwas in<br />

Geduld üben: Die Entwicklung<br />

an UT4 hat gerade erst begonnen<br />

– darum gibt<br />

es auch noch<br />

keine Screenshots.<br />

Laut Epic<br />

soll es noch mehrere<br />

Monate dauern, bis eine erste spielbare<br />

Fassung erscheint. Die soll zudem<br />

nur den Spielmodus Deathmatch enthalten,<br />

danach möchte man dann das Spiel<br />

schrittweise erweitern. An der Programmierung<br />

beteiligt sei ein „kleines Team<br />

aus Unreal-Tournament-Veteranen“. Den<br />

Entwicklungsfortschritt sollen Interessenten<br />

in einem extra dafür eingerichteten<br />

Wiki verfolgen können. Verbesserungsvorschläge<br />

dürfen diese in einem Forum<br />

hinterlassen <strong>und</strong> mit diskutieren. Zudem<br />

wollen die Entwickler regelmäßig bei<br />

Twitch [2] in einem Live-Stream ihre Arbeit<br />

vorstellen.<br />

Weitere Informationen über das Projekt<br />

liefern die offizielle Ankündigung <strong>und</strong> ein<br />

Video auf YouTube mit den Entwicklern<br />

[3]. (Tim Schürmann/hge) n<br />

[1] https:// www. unrealengine. com/ blog/ the‐future‐ofunreal‐tournament‐begins‐today<br />

(http:// ezlx. de/ e3k6)<br />

[2] http:// www. twitch. tv/ (http:// ezlx. de/ e3k7)<br />

[3] http:// www. youtube. com/ watch? v=qyR6EIBN2Ac<br />

(http:// ezlx. de/ e3k8)<br />

Abbyy Finereader für Linux<br />

Abbyy hat Version 11 seiner Texterkennungssoftware<br />

(OCR) für Linux veröffentlicht<br />

[1]. Dabei handelt es sich allerdings<br />

nur um eine Kommandozeilenvariante<br />

<strong>und</strong> nicht um die unter Windows beliebte<br />

Anwendung. Das Abbyy FineReader<br />

Engine 11 CLI für Linux getaufte Programm<br />

sollen Nutzer in ihre Shell-<br />

Skripte integrieren (das Kürzel CLI steht<br />

für Command Line Interface), dort wandelt<br />

dann das Programm eingescannte<br />

<strong>und</strong> als Bilddatei vorliegende Dokumente<br />

in Textdateien um.<br />

Die neue Version 11 liegt als 64-Bit-Programm<br />

vor <strong>und</strong> soll vor allem bessere Ergebnisse<br />

als ihre Vorgängerinnen liefern.<br />

Dazu spannt sie jetzt alle vorhandenen<br />

Prozessorkerne ein. Des Weiteren verarbeitet<br />

sie erstmals auch arabische Texte.<br />

Auf Wunsch erzeugt das Tool jetzt auch<br />

Dokumente im LibreOffice-Format (*.odt)<br />

sowie ePub, FB2 <strong>und</strong> Alto XML.<br />

Im Gegensatz zur Windows-Version ist<br />

FineReader 11 CLI für Linux nur online erhältlich.<br />

Die günstigste Standardversion<br />

kostet 149 Euro <strong>und</strong> konvertiert 12 000<br />

Seiten pro Jahr – anschließend stellt sie<br />

bis zum 1. Januar den Dienst ein. Wer<br />

mehr Seiten verarbeiten muss oder<br />

möchte, muss tiefer in die Tasche greifen.<br />

Wer arabische, chinesische, japanische<br />

<strong>und</strong> koreanische Texte umwandeln<br />

lassen möchte, kauft die Extended Language<br />

Version, die ebenfalls teurer ist.<br />

Auf Anfrage bietet Abbyy auch Lizenzen<br />

ohne Seitenzählung <strong>und</strong> für den Einsatz<br />

auf Servern an. Das Programm muss in jedem<br />

Fall aktiviert werden, funkt aber laut<br />

Hersteller anschließend nicht mehr nach<br />

Hause. (Tim Schürmann/hge) n<br />

[1] http:// www. ocr4linux. com/ de:start (http:// ezlx. de/ e3k3)<br />

95-Dollar-PC mit Linux-Support<br />

In der EBOX 3100 [1] steckt ein x86-kompatibler<br />

Vortex86EX-Prozessor. Das komplette<br />

System kommt ohne Lüfter aus <strong>und</strong><br />

verbraucht im Betrieb nur 2,3 Watt. Allerdings<br />

verzichtet der Hersteller DMP auf<br />

einen VGA-Anschluss <strong>und</strong> sieht seinen<br />

Mini-PC damit vor allem als Embedded-<br />

System für die Industrie.<br />

Der Minirechner kostet 95 Dollar <strong>und</strong> unterstützt<br />

offiziell Linux als Betriebssystem.<br />

Der Prozessor arbeitet mit 400 MHz <strong>und</strong><br />

greift auf 512 MByte DDR3-Hauptspeicher<br />

zu. Am Gehäuse befinden sich zwei USB-<br />

2.0-Ports, Fast-Ethernet, eine serielle<br />

Schnittstelle (RS232), ein SD-Karten-Slot<br />

sowie ein Mikrofon- <strong>und</strong> Kopfhöreranschluss.<br />

Das Gehäuse misst 78 x 78 x 28<br />

Millimeter. Bestellen lässt sich die EBOX<br />

3100 bei WDL Systems [2] unter der Eigenmarke<br />

ICOP. (Tim Schürmann/hge) n<br />

[1] http:// www. compactpc. com. tw/ en/ product/​<br />

EBOX‐3100/ ebox‐3100_1. html (http:// ezlx. de/ e3k20)<br />

[2] http:// www. wdlsystems. com/ Box‐PC/ Light‐<br />

Industrial/ ICOP‐eBox‐3100‐with‐Vortex86EX‐SoC‐<br />

400MHz‐Standard‐Version. html (http:// ezlx. de/ e3k21)<br />

<strong>EasyLinux</strong><br />

03/2014<br />

www.easylinux.de<br />

9


Aktuell<br />

News<br />

<strong>EasyLinux</strong> am Google-Play-Kiosk<br />

Wer den Kiosk von Google Play verwendet,<br />

findet dort ab sofort auch digitale<br />

Ausgaben von <strong>EasyLinux</strong> [1]. Der Preis<br />

einer Ausgabe entspricht mit 9,80 Euro<br />

dem Preis, der auch in unserem Webshop<br />

anfällt. Damit kostet die digitale Fassung<br />

so viel wie das gedruckte Heft, was an der<br />

höheren Mehrwertsteuer (19 % statt 7 %)<br />

für digitale Zeitschriften liegt.<br />

Auch einige unserer Schwesterzeitschriften<br />

sind nun über Google Play erhältlich,<br />

darunter LinuxUser [2] <strong>und</strong> Linux-Magazin<br />

[3]. (Hans-Georg Eßer/hge) n<br />

[1] https:// play. google. com/ store/ newsstand/ details?​<br />

id=CAowlIGcBw (http:// ezlx. de/ e3k15)<br />

[2] https:// play. google. com/ store/ newsstand/ details?​<br />

id=CAowlYGcBw (http:// ezlx. de/ e3k16)<br />

[3] https:// play. google. com/ store/ magazines/ details?​<br />

id=CAowgPubBw (http:// ezlx. de/ e3k17)<br />

PGP für Google Mail<br />

Google hat mit End-to-End [1] die Codebasis<br />

für eine Chrome-Erweiterung veröffentlicht,<br />

die in Zukunft das Erzeugen von PGP-<br />

Schlüsseln sowie das Verschlüsseln <strong>und</strong><br />

Entschlüsseln von E-Mails über Google Mail<br />

erlauben soll. Noch aber gibt es einige Hürden<br />

zu nehmen – bis die Erweiterung im<br />

Play-Store auftaucht, wird es noch etwas<br />

dauern. Der Code wird zunächst der Community<br />

für Tests überlassen. Auf diese<br />

Weise will man sicherstellen, dass Journalisten,<br />

Vertreter von Menschenrechtsorganisationen<br />

<strong>und</strong> weitere Nutzer, für die sichere<br />

Verschlüsselung besonders wichtig ist, beim<br />

Einsatz der Software keine Risiken eingehen.<br />

Für den produktiven Gebrauch ist Endto-End<br />

also noch nicht geeignet.<br />

Laut der FAQ auf der Projektseite müssen<br />

Anwender den öffentlichen Schlüssel selbst<br />

exportieren. Zudem funktioniert die Verschlüsselung<br />

nur für den Text der E-Mail,<br />

nicht aber für angehängte Dateien, <strong>und</strong><br />

beim Signieren von Mails ist eine umständliche<br />

Prozedur nötig. Das lässt die Kombination<br />

von Th<strong>und</strong>erbird <strong>und</strong> Enigmail [2]<br />

nicht allzu schlecht dastehen.<br />

(Kristian Kißling/hge) <br />

n<br />

[1] https:// code. google. com/ p/ end‐to‐end/<br />

(http:// ezlx. de/ e3k13)<br />

[2] https:// www. enigmail. net/ (http:// ezlx. de/ e3k14)<br />

KDE 4.13 mit Chakra OS testen<br />

Wer sich das neue KDE 4.13 ansehen<br />

möchte, ist bei Chakra OS [1],<br />

das den Codenamen<br />

„Descartes“ trägt <strong>und</strong> auf<br />

Arch Linux basiert, an<br />

der richtigen Adresse.<br />

Interessierte können<br />

laut der Release-Ankündigung<br />

[2] z. B.<br />

Baloo ausprobieren,<br />

das Nepomuk ersetzen<br />

soll <strong>und</strong> das die<br />

Macher standardmäßig<br />

aktiviert haben. Wer das<br />

nicht möchte, kann Baloo jedoch<br />

deaktivieren. Ansonsten sieht<br />

das aktuelle Chakra OS etwas anders<br />

aus als die Vorgänger, weil ein<br />

neues Theme namens Sirius<br />

dabei ist, das sich auf<br />

den Boot- <strong>und</strong> den Loginmanager,<br />

den<br />

Splash-Screen <strong>und</strong><br />

die ausklappbare<br />

Shell Yakuake erstreckt.<br />

Die aktuelle Version<br />

bringt auch einige<br />

neue Anwendungen<br />

mit: Kup erstellt Backups<br />

auf rsync-Basis, Octopi ist ein<br />

GUI für den Paketmanager Pacman,<br />

der zudem mit kcm‐pacmanrepoeditor<br />

eine Repository-Verwaltung in<br />

den System Settings erhält. Mit KCalc ist<br />

auch ein Taschenrechner verfügbar. Um<br />

die wichtigsten GTK-basierten Anwendungen<br />

aus dem Extra-Repository zu installieren,<br />

muss man dieses über Octopi<br />

zunächst aktivieren, denn es ist standardmäßig<br />

abgeschaltet.<br />

Herunterladen können Chakra-Anwender<br />

die Distribution über den Downloadbereich.<br />

(Kristian Kißling/hge) n<br />

[1] http:// chakraos. org/ home/ (http:// ezlx. de/ e3k18)<br />

[2] http:// chakraos. org/ news/ index. php?/ archives/​<br />

127‐Chakra‐2014. 05‐Descartes‐released. html<br />

(http:// ezlx. de/ e3k19)<br />

10 www.easylinux.de<br />

<strong>EasyLinux</strong> 03/2014


News<br />

Aktuell<br />

Linux-Arbeitsmarkt im Aufwind<br />

Gute Nachrichten für alle, die Linux nicht<br />

nur privat verwenden, sondern als Administratoren<br />

oder Entwickler auch beruflich<br />

damit vorankommen möchten: Anfang<br />

Juni haben die Linux Fo<strong>und</strong>ation <strong>und</strong> die<br />

Firma Dice Holdings den „Linux Jobs Report<br />

2014“ [1] veröffentlicht, der erstmals<br />

separate Zahlen für den europäischen<br />

Markt ausweist. Aus der Studie ergibt sich,<br />

dass 87 % der befragten europäischen Personalverantwortlichen<br />

2014 mit hoher Priorität<br />

nach Linux-Experten suchen. 93 %<br />

berichten zudem, dass es schwierig sei, Experten<br />

zu finden, deren Linux-Know-how<br />

ihren Erwartungen entspricht.<br />

Von der Situation profitieren Linux-Experten,<br />

die neben höheren Gehältern auch<br />

bessere Arbeitsbedingungen durchsetzen<br />

können. Laut Jim Zemlin von der Linux<br />

Fo<strong>und</strong>ation gehören dazu etwa regelmäßige<br />

Weiterbildungen <strong>und</strong> Heimarbeit.<br />

Shawn Powers vom amerikanischen Linux<br />

Journal erklärt die besondere Nachfrage<br />

nach Linux-Profis wie folgt: Fast alle Linux-Administratoren<br />

sind es gewohnt, in<br />

heterogenen Umgebungen (Netzwerken<br />

mit Linux, Windows <strong>und</strong> anderen Betriebssystemen)<br />

zu arbeiten, weil Unternehmen,<br />

in denen nur Linux eingesetzt wird, selten<br />

sind. Darum sind sie gezwungen, die Arbeit<br />

mit verschiedenen Systemen zu beherrschen,<br />

<strong>und</strong> dadurch besonders qualifiziert.<br />

Das gilt nicht im gleichen Maße für<br />

Windows-Administratoren, die oft in reinen<br />

Windows-Umgebungen tätig sind <strong>und</strong><br />

entsprechend keine Kenntnisse außerhalb<br />

der Windows-Welt erwerben [2].<br />

Damit bestätigt die Studie, dass es sich (für<br />

Programmierer <strong>und</strong> Administratoren) auch<br />

beruflich lohnt, den Umgang mit Linux zu<br />

erlernen <strong>und</strong> sich damit von der Masse der<br />

Windows-Administratoren abzuheben.<br />

Selbst wer keinen Stellenwechsel plant,<br />

freut sich zu hören, dass seine Kenntnisse<br />

gefragt sind. (Hans-Georg Eßer/hge) n<br />

[1] http:// www. linuxfo<strong>und</strong>ation. org/ news‐media/​<br />

announcements/ 2014/ 06/ linux‐jobs‐report‐2014‐<br />

european‐figures‐released (http:// ezlx. de/ e3k11)<br />

[2] http:// opensource. com/ business/ 14/ 6/​<br />

linux‐professionals‐jobs (http:// ezlx. de/ e3k12)<br />

Kostenlose Schrift „Fira<br />

Sans“ von Mozilla<br />

Mozilla hat<br />

eine neue<br />

Version seiner<br />

kostenlosen<br />

Schriftart<br />

Fira Sans unter<br />

der SIL<br />

Open Font License<br />

veröffentlicht.<br />

Die vom bekannten Schriftendesigner<br />

Erik Spiekermann entworfene<br />

Schrift liegt jetzt in insgesamt 32 Schriftschnitten<br />

vor, darunter befinden sich verschieden<br />

fette Schnitte.<br />

Die Schriften gibt es u. a. in den Formaten<br />

TTF (TrueType) <strong>und</strong> OTF (Open-<br />

Type). Das komplette Paket lässt sich von<br />

dev.carrois.com herunterladen [1]. Dort<br />

erhält man auch eine <strong>Vorschau</strong> in verschiedenen<br />

Punktgrößen. Downloads einzelner<br />

Schnitte sind bei GitHub möglich<br />

[2]. (Tim Schürmann/hge) n<br />

[1] http:// dev. carrois. com/ fira‐3‐1/ (http:// ezlx. de/ e3k4)<br />

[2] https:// github. com/ mozilla/ Fira (http:// ezlx. de/ e3k5)


Aktuell<br />

Neue Software<br />

Neue Software<br />

Peter Kreußel<br />

Im Quartalsrhythmus erscheinen viele Programme<br />

in neuer Version. Eine Auswahl stellen wir regelmäßig<br />

vor. Auf der Heft-DVD finden Sie die passenden<br />

Pakete <strong>und</strong> Installationshinweise.<br />

DVDStyler 2.7.2: mächtiger Video-DVD-Editor<br />

DVDStyler erzeugt Video- <strong>und</strong> Diashow-<br />

DVDs, die auf gängigen Wohnzimmerplayern<br />

laufen. Dabei lassen sich Textelemente,<br />

Hintergr<strong>und</strong>musik <strong>und</strong> Diashows<br />

mit dem Videomaterial zu interaktiven<br />

Multimediashows zusammen<strong>schneiden</strong>.<br />

★ ★ ★ ★ ★<br />

<strong>Videos</strong> genießt man am entspanntesten<br />

am Fernseher auf der Wohnzimmercouch.<br />

Um <strong>Videos</strong> vom Computer dort<br />

abzuspielen, müssen Sie diese allerdings<br />

auf eine Video-DVD brennen. Damit das<br />

Abspielgerät in der guten Stube mit ihnen<br />

etwas anfangen kann, sollten diese dem<br />

Video-DVD-Standard entsprechen: Videodateien<br />

auf einer Daten-DVD können nur<br />

wenige Player verarbeiten.<br />

Zum Glück gibt es dazu seit vielen Jahren<br />

das DVD-Authoring-Programm DVDStyler<br />

(Abbildung 1) [1], das wir zuletzt in den<br />

Software-News 02/​2013 vorgestellt haben.<br />

Das Tool erzeugt mit wenigen Mausklicks<br />

Video-DVDs, mit denen fast alle<br />

Abspielgeräte klarkommen.<br />

Da das Programm auf der Allro<strong>und</strong>-<strong>Videos</strong>oftware<br />

Ffmpeg aufsetzt, kann es<br />

praktisch alle Videoformate verarbeiten:<br />

Dateien von der Kamera sollten ebenso<br />

funktionieren wie viele Clips aus dem Internet.<br />

Um die Aufbereitung nach dem<br />

DVD-Standard müssen Sie sich dabei<br />

nicht kümmern.<br />

Dreischritt<br />

Eine schlichte DVD mit einem Startmenü<br />

für mehrere <strong>Videos</strong>, zum Beispiel <strong>Aufnahmen</strong><br />

von bestimmten<br />

Urlaubstagen,<br />

erstellen Sie ganz einfach in<br />

drei Schritten:<br />

1Mit Datei / Neu erzeugen Sie ein<br />

DVD-Projekt (Abbildung 2). In der<br />

Regel müssen Sie sich hier nur beim Seitenverhältnis<br />

zwischen Breitformat<br />

(16:9) <strong>und</strong> konservativem 4:3-Format<br />

entscheiden. Achten Sie auch darauf,<br />

dass das in Deutschland übliche Videoformat<br />

PAL 720x576 ausgewählt ist; ansonsten<br />

sind die Standardeinstellungen<br />

eine gute Wahl.<br />

2Wenn Sie den Dialog mit OK beenden,<br />

bietet DVDStyler die Auswahl einer<br />

Projektvorlage an. Diese Vorlagen enthalten<br />

Menüs mit vorausgewähltem Hintergr<strong>und</strong>.<br />

Die meisten stellen dem Titelauswahlmenü<br />

einen Einleitungsschirm voran;<br />

eine der mitgelieferten Vorlagen startet<br />

nach Einlegen der DVD direkt mit der<br />

Titelwahl.<br />

3Nach der Auswahl der Vorlage erscheinen<br />

die Menüs in der Zeitleiste<br />

am unteren Fensterrand. Wählen Sie dort<br />

Die Redaktion meint<br />

Abb. 1: Vollautomatisch: Für eine DVD mit Kapitelmenü genügt es in der aktuellen Version<br />

von DVDStyler, Videodateien auf die vom „Neues Projekt“-Wizard erzeugten Buttons<br />

zu ziehen.<br />

Schade, dass es für DVDStyler immer<br />

noch kein umfassendes Handbuch gibt:<br />

Man braucht viel Zeit, um die inzwischen<br />

zahllosen Features durch Ausprobieren<br />

oder über eine Websuche zu verstehen.<br />

Wenigstens bleiben die Gr<strong>und</strong>funktionen<br />

unmittelbar verständlich: Eine DVD,<br />

die aus einem Gr<strong>und</strong>menü <strong>Videos</strong> (Kapitel)<br />

startet, gelingt auch ohne Dokumentation.<br />

12 www.easylinux.de<br />

<strong>EasyLinux</strong> 03/2014


Neue Software<br />

Aktuell<br />

das Titelmenü (rot markiert). In der aktuellen<br />

Version von DVDStyler genügt es,<br />

Videodateien auf die Startbuttons (die je<br />

nach Vorlage rechteckigen oder r<strong>und</strong>en<br />

Kästchen) zu ziehen. Ein Klick auf einen<br />

dieser Buttons spielt das zugehörige Video<br />

dann auf dem DVD-Player ab. Zur<br />

fertigen Silberscheibe fehlt dann nur noch<br />

ein Klick auf das orange-rote DVD-Symbol<br />

in der Buttonleiste des Programms. <br />

Sie können als Menühintergründe eigene<br />

Bilder wählen. Auch können die DVDs<br />

beliebig viele Menüs mit frei wählbaren<br />

Buttons oder Textelementen enthalten.<br />

Auf Wunsch beschneidet <strong>und</strong> skaliert das<br />

Programm die Videodateien oder versieht<br />

sei mit starker Videokompression.<br />

Bild, Ton, Text<br />

Eines der weniger bekannten Features von<br />

DVDStyler sind Diashows. Um sie zu erstellen,<br />

brauchen Sie nur in der Zeitleiste unten<br />

im Fenster per Rechtsklick einen Titelsatz<br />

hinzuzufügen <strong>und</strong> auf das Titelsatz-Symbol<br />

aus dem Dateimanager Bilder zu ziehen.<br />

Die aktuelle Programmversion beherrscht<br />

erstmals Übergangseffekte zwischen den<br />

Bildern <strong>und</strong> wiederholt einen Hintergr<strong>und</strong>-<br />

So<strong>und</strong>track auf Wunsch endlos.<br />

Sie können mit DVDStyler<br />

also Bilder, Videoclips,<br />

Text <strong>und</strong> <strong>Musik</strong> zu einer<br />

eindrucksvollen, interaktiven<br />

Präsentation verschmelzen.<br />

Ausführlicher<br />

erläutert dies ein online<br />

verfügbarer <strong>EasyLinux</strong>-Artikel<br />

[2]. Diese Gr<strong>und</strong>lagen<br />

haben sich bis heute nicht<br />

verändert.<br />

Zusätzlich zu den bereits<br />

erwähnten Endlos-Audioschleifen<br />

sind noch weitere<br />

neue Funktionen hinzugekommen:<br />

Buttons lassen<br />

sich nun leichter<br />

rechts- oder linksbündig anordnen, was<br />

akkurate Layouts erleichtert. Auch Text<br />

in den Menüs darf nun rechts- oder linksbündig<br />

fließen. Wie bei vielen gekauften<br />

DVDs können Sie Menüs <strong>und</strong> Diashows<br />

mit sich endlos wiederholenden So<strong>und</strong>tracks<br />

hinterlegen.<br />

Leider gibt es bisher kein Handbuch, das<br />

die fortgeschrittenen Features erläutert.<br />

Allerdings kommt man oft durch bloßes<br />

Experimentieren weiter. Ausgangspunkt<br />

sind dabei die Einträge des Kontextme-<br />

Abb. 2: Um mit DVDStyler eine im Wohnzimmer abspielbare<br />

DVD zu erzeugen, wählen Sie das PAL-Videoformat<br />

<strong>und</strong> das Seitenverhältnis. Die Software kümmert<br />

sich dann ohne weiteres Zutun darum, dass die<br />

gebrannte Scheibe dem DVD-Standard entspricht.<br />

Alleinstellungsmerkmale<br />

Seine alten Tugenden hat das Programm<br />

behalten: Hervorzuheben sind die vornüs,<br />

die ein Rechtsklick auf praktisch alle<br />

Elemente <strong>und</strong> Symbole öffnet. n<br />

Infos<br />

[1] DVDStyler: http:// www. dvdstyler. org/ de/<br />

(http:// ezlx. de/ e3h1)<br />

[2] DVDStyler-Artikel: Daniel Kottmair,<br />

„Scheibenwelt“, <strong>EasyLinux</strong> 01/​2010,<br />

S. 64 ff., http:// linux‐community. de/​<br />

20183 (http:// ezlx. de/ e3h2)<br />

Software auf DVD: DVDStyler<br />

Fotoxx 14.05: unkonventionelle Foto-Retusche<br />

Mehr <strong>und</strong> mehr professionelle <strong>und</strong> Hobby-<br />

Fotografen entdecken das freie Betriebssystem<br />

<strong>und</strong> Programme wie RawTherapee,<br />

Lightzone oder Darktable als Alternativen<br />

für teure Adobe-Programme. Doch auch<br />

das unkonventionelle, weniger bekannte<br />

Fotoxx sollten sich Fotoliebhaber unbedingt<br />

ansehen.<br />

★ ★ ★ ★ ★<br />

In den Software-News 02/​2013 haben wir<br />

dem leichtgewichtigen Fotoxx mit Darktable<br />

einen Adobe-Lightroom-Clone gegenübergestellt.<br />

Wie es der Zufall will, treffen<br />

diesmal wieder zwei frische Fassungen<br />

von Bildbearbeitungsprogrammen aufeinander:<br />

Das unkonventionelle Fotoxx (Abbildung<br />

3) [1] tritt nun gegen den Boliden<br />

RawTherapee (siehe Seite 18) an. Bei Fotoxx<br />

hat sich einiges getan: Die Entwickler<br />

haben die eigenwillige Benutzeroberfläche<br />

optisch ansprechender gestaltet <strong>und</strong> vor<br />

allem die Menüs neu sortiert. Auch die Dokumentation<br />

(im Ordner /usr/​share/​<br />

fotoxx/​data oder über Hilfe / Benutzeranleitung<br />

im Menü) ist nach einer Gr<strong>und</strong>überholung<br />

verständlicher <strong>und</strong> detaillierter.<br />

Das Programm nutzt nun außerdem<br />

Mehrkernprozessoren besser aus; die Performance<br />

hat sich insgesamt verbessert.<br />

Allseits offen<br />

Die wichtigste Neuerung des GUIs fällt<br />

Anwendern, die nicht in den Release Notes<br />

nachgesehen haben, vermutlich nur<br />

durch Zufall auf: Es können nun mehrere<br />

Effekt- <strong>und</strong> Anpassungsdialogfelder<br />

gleichzeitig offen bleiben, deren Wirkung<br />

das Programm beim Verändern der Einstellung<br />

dann live auf das geöffnete Bild<br />

anwendet. Das ist eine interessante Variation<br />

des Palettenkonzepts in Programmen<br />

wie RawTherapee, das fast ganz auf sich<br />

öffnende <strong>und</strong> wieder schließende Dialogfelder<br />

verzichtet. Fotoxx schließt Dialoge<br />

nun nicht mal mehr beim Öffnen einer<br />

neuen Datei, so dass Sie einen einmal eingestellten<br />

Effekt leicht auf mehrere Bilder<br />

anwenden können.<br />

Wo es sinnvoll erschien, haben die Entwickler<br />

Funktionen in einen gemeinsamen<br />

Dialog zusammengelegt, zum Beispiel Helligkeit,<br />

Kontrast, Farbtönung, Gamma <strong>und</strong><br />

Weißabgleich oder die Ausschnittswahl<br />

<strong>und</strong> Rotation des ganzen Bildes.<br />

Etliche neue Funktionen sind hinzugekommen,<br />

z. B. das kontrastselektive Gestaffelte<br />

Verwischen oder der in der Abbildung<br />

bei D sichtbare Mosaikeffekt.<br />

Die Redaktion meint<br />

Fotoxx ist ein interessantes Programm,<br />

das oft von Konventionen abweicht <strong>und</strong><br />

dabei an manchen Stellen den Mainstream<br />

mit frischen Ideen überflügelt.<br />

Die vielen kleinen Überarbeitungen <strong>und</strong><br />

Bugfixes im letzten Jahr haben dem<br />

Programm gut getan: Es wirkt nun übersichtlicher<br />

<strong>und</strong> ist stabiler.<br />

<strong>EasyLinux</strong><br />

03/2014<br />

www.easylinux.de<br />

13


Aktuell<br />

Neue Software<br />

zügliche Bildbereichsauswahl mit eingebauter<br />

Kantenerkennung, mit der es<br />

binnen weniger Minuten gelingt, eine<br />

der Blüten in der Abbildung gelb zu färben.<br />

Auch die bereichsselektive Farb<strong>und</strong><br />

Helligkeitsanpassung, die mit wenig<br />

Aufwand die Blätter im Bereich A<br />

lila einfärbt, ohne die Blüten zu verunstalten,<br />

hilft sehr beim Aufhübschen<br />

nicht perfekt gelungener Schnappschüsse.<br />

Die ehemals orange Blüte unter<br />

C lässt sich nach einer makellos gelungenen<br />

Ausschnittsauswahl beliebig<br />

einfärben. Die zahlreichen Verzerren<strong>und</strong><br />

Biegenfunktionen lassen sich nicht<br />

nur zur Verzerrung, sondern vor allem<br />

auch zur Entzerrung in der Architekturfotografie<br />

nutzen.<br />

Zu den bewährten Fotoxx-Features gehören<br />

das Verarbeiten von RAW-Dateien,<br />

das Zusammenlegen von Mehrfachaufnahmen<br />

(um den Kontrastumfang zu steigern,<br />

Rauschen zu reduzieren oder Panoramen<br />

zu erzeugen) <strong>und</strong> die Smart-Löschen-Funktion,<br />

die störende Objekte<br />

durch Klonen des Hintergr<strong>und</strong>es aus dem<br />

Bild verbannt.<br />

n<br />

Abb. 3: Fotoxx bringt inzwischen einige spielerische Effekte mit, doch seine Hauptstärken<br />

liegen in der qualitativ hochwertigen Retusche.<br />

Infos<br />

[1] Fotoxx: http:// www. kornelix. com/ fotoxx.​<br />

html (http:// ezlx. de/ e3h3)<br />

Software auf DVD: Fotoxx<br />

Kdenlive 0.9.8: nichtlinearer Video-Editor<br />

Der einfach zu bedienende <strong>und</strong> dennoch<br />

leistungsfähige Videoeditor Kdenlive steuert<br />

auf Version 1.0 zu. Und tatsächlich<br />

wirkt das Programm, für das es unter Linux<br />

kaum gleichwertige Alternativen gibt,<br />

inzwischen schon recht ausgereift.<br />

★ ★ ★ ★ ★<br />

Kdenlive (Abbildung 4) [1] erleichtert mit<br />

seiner handlichen Benutzeroberfläche den<br />

Einstieg in die professionelle Videobearbeitung<br />

nach dem nichtlinearen Prinzip.<br />

Nichtlinear bedeutet: Die Software merkt<br />

die vom Benutzer gewählten Bearbeitungsschritte<br />

zunächst nur vor <strong>und</strong> wendet<br />

sie erst in einer abschließenden Rendering-Phase<br />

auf das Video an. Da bei der<br />

Videobearbeitung Rechenzeiten im St<strong>und</strong>enbereich<br />

an der Tagesordnung sind,<br />

braucht man dieses auf den ersten Blick<br />

umständlich wirkende nichtlineare Arbeitsprinzip,<br />

um ohne lange Wartezeiten<br />

mehrere Effekte oder Schnitte auf ein Video<br />

anzuwenden.<br />

Während der Arbeitsphase errechnet das<br />

Programm in Echtzeit eine <strong>Vorschau</strong>, deren<br />

geringere Qualität zum Begutachten<br />

der angewandten Effekte genügt. Beim<br />

endgültigen Rendern des <strong>Videos</strong> braucht<br />

der Anwender den Rechner dann nicht<br />

mehr zu beaufsichtigen.<br />

Als OpenSuse-Anwender müssen Sie<br />

beim ersten Programmstart den Pfad zu<br />

den MLT Profilen angeben. Ersetzen Sie<br />

im voreingestellten Pfad den Ordner mlt<br />

durch mlt-6. Damit Kdenlive die gängigen<br />

Videoformate versteht, sollten Sie außerdem<br />

das Paket ffmpeg aus dem PackMan-<br />

Repository [2] installieren.<br />

Feintuning<br />

Wer die aktuelle Version 0.9.8 mit der in<br />

den Software-News 03/​2012 vorgestellten<br />

Version 0.9.2 vergleicht, wird auf den ersten<br />

Blick keine Unterschiede erkennen.<br />

Dennoch gibt es Neuerungen, die es<br />

rechtfertigen, sich den in seiner Kombination<br />

von Leistung <strong>und</strong> übersichtlicher Bedienung<br />

unter Linux konkurrenzlosen Videoeditor<br />

neu anzusehen: Zuerst ist hier<br />

das inzwischen recht detaillierte Onlinehandbuch<br />

[3] zu nennen. Trotz einiger<br />

verbliebener Lücken bringt es nun Anwendern<br />

mit etwas Vorerfahrung bei der<br />

Videobearbeitung die teilweise komplexen<br />

Funktionen von Kdenlive nahe. Besonders<br />

der Abschnitt Effects ist mit vielen<br />

anschaulichen Beispielen angereichert.<br />

Leider liegt das Handbuch bisher<br />

nicht durchgängig auf Deutsch vor.<br />

Die zweite Verbesserung, die man nicht auf<br />

den ersten Blick sieht, sind die zahllosen<br />

Bugfixes, welche die Entwickler eingepflegt<br />

haben. War das Programm vor zwei Jahren<br />

gerade stabil genug, um damit konstruktiv<br />

zu arbeiten, so wirkt es inzwischen solide.<br />

Aufgestockt<br />

Auch einige nützliche Funktionen haben<br />

die Entwickler seit Version 0.9.2 hinzugefügt:<br />

Für Heimanwender wichtig ist der<br />

verbesserte DVD-Wizard. Anders als bei<br />

Die Redaktion meint<br />

Auf Version 0.9.8 dürfte bald Version<br />

1.0 folgen. Kdenlive erfüllt schon jetzt<br />

die meisten Ansprüche, die Anwender<br />

an ein r<strong>und</strong>es, ausgereiftes Programm<br />

stellen: Viele Bugs sind ausgebügelt,<br />

das Handbuch ist halbwegs fertig.<br />

Schön, dass es unter Linux einen handlichen<br />

Videoeditor gibt, der trotzdem so<br />

anspruchsvolle Aufgaben wie das Motion<br />

Tracking oder die Blue-Screen-Montage<br />

[4] beherrscht.<br />

14 www.easylinux.de<br />

<strong>EasyLinux</strong> 03/2014


Aktuell<br />

Neue Software<br />

wegungen. So lassen sich z. B. Gesichtsverpixelungen<br />

umsetzen: Der Verpixelungseffekt<br />

bleibt auf den gewünschten<br />

Bildausschnitt beschränkt, obwohl sich<br />

die Person bewegt. Das Handbuch erklärt<br />

auch, wie dank dieser Bewegungserkennung<br />

ein eigenständiges Objekt, zum Beispiel<br />

ein Textfeld, einem Gegenstand im<br />

Video folgen kann (Motion Tracking).<br />

Selbst so fantasievolle Effekte wie die<br />

Kopplung einer Helligkeit- oder Farbveränderung<br />

an die Auf- <strong>und</strong> Abwärtsbewegung<br />

der Hand einer gefilmten Person<br />

kann man damit realisieren.<br />

Endlich funktioniert die Screen-Capture-<br />

Funktion richtig, die Bildschirminhalte<br />

filmt. Das Programm kann nun mit mehrspurigen<br />

Videodateien umgehen. Sie können<br />

effektiver arbeiten, wenn Sie Kategorien<br />

anlegen <strong>und</strong> diesen Farben zuordnen;<br />

verwenden Sie dann Clip-Markierungen,<br />

um Textkommentare an die Videotracks<br />

zu heften, <strong>und</strong> geben Sie an, zu<br />

welcher Kategorie die Markierung gehört.<br />

Kdenlive zeigt dann die gewählte Farbe<br />

an, was für mehr Übersicht sorgt. n<br />

Abb. 4: Videobearbeitung am Computer ist ein komplexes Thema. Der Videoeditor<br />

Kdenlive hilft Einsteigern mit seiner griffigen Benutzeroberfläche.<br />

eigenständigen Videodateien muss man<br />

sich bei standardkonformen DVDs keine<br />

Sorgen machen, dass der Video-Codec<br />

auch auf anderen Rechnern installiert ist.<br />

Um mit Kdenlive DVDs zu erstellen, brauchen<br />

Sie die Pakete dvdauthor <strong>und</strong> xine<br />

auf Ihrem System.<br />

Für interessante Effekte sorgen die schon<br />

Anfang 2013 hinzugekommenen Clip-<br />

Analyse-Funktionen: Damit erkennt die<br />

Software im Video Formen <strong>und</strong> deren Be-<br />

Infos<br />

[1] Kdenlive: http:// www. kdenlive. org/<br />

(http:// ezlx. de/ e3h4)<br />

[2] Ffmpeg bei PackMan:<br />

http:// packman. links2linux. de/ search?&​<br />

q=ffmpeg (http:// ezlx. de/ e3h5)<br />

[3] Kdenlive-Handbuch:<br />

http:// userbase. kde. org/ Kdenlive/ Manual<br />

(http:// ezlx. de/ e3h6)<br />

[4] Blue-Screen-Montage:<br />

http:// userbase. kde. org/ Kdenlive/​<br />

Manual/ Effects/ Alpha_manipulation<br />

(http:// ezlx. de/ e3h7)<br />

Software auf DVD: Kdenlive<br />

luckyBackup 0.4.8: einfache Backup-Lösung<br />

Die eigentlich unverzichtbaren regelmäßigen<br />

Backups scheitern oft an der menschlichen<br />

Trägheit. Mit luckyBackup <strong>und</strong> einer<br />

externen Festplatte oder einem zweiten<br />

Rechner im Netz lösen wenige Mausklicks<br />

dieses Problem ein für allemal.<br />

★ ★ ★ ★ ★<br />

Murphy’s Law besagt: „Alles, was<br />

schiefgehen kann, wird irgendwann<br />

schiefgehen.“ Leider gilt dieser Satz auch<br />

für den Einsatz von Festplatten. Dabei<br />

muss man von einer Ausfallrate von bis<br />

zu einigen Prozent pro Jahr ausgehen<br />

[1]. Bei unwiederbringlichen Daten ist<br />

das einfach zu viel; man kommt nicht<br />

um Backups herum, zumal sich auch<br />

von der Konsole aus gelöschte Dateien<br />

(meist) nicht wiederherstellen lassen.<br />

Alle, die sich beim Thema Datensicherheit<br />

nicht auf pures Glück verlassen, finden<br />

in luckyBackup (Abbildung 5) eine<br />

GUI-basierte Software, die Backups von<br />

Verzeichnissen anlegt.<br />

Mit Profil<br />

luckyBackup bündelt die Backup-Einstellungen<br />

in Profilen. Der Ausführen-Button<br />

links oben im Programmfenster sichert<br />

alle in der Aufgabenliste für das aktive<br />

Profil festgelegten Ordner. Durch die Profile<br />

unterscheiden Sie Verzeichnisse, die<br />

ein tägliches Backup benötigen, <strong>und</strong> solche,<br />

die Sie seltener sichern möchten.<br />

Zu sichernde Ordner heißen in lucky-<br />

Backup Aufgaben. Klicken Sie auf Aufgabe<br />

/ Hinzufügen, wählen Sie im Dialog<br />

Aufgaben-Eigenschaften das zu sichernde<br />

Verzeichnis als Quelle, legen Sie mit der<br />

Einstellung Ziel fest, wohin die Software<br />

die Daten schreibt, <strong>und</strong> geben Sie der<br />

Aufgabe einen Namen.<br />

Ein Klick auf Ausführen kopiert nun alle<br />

Daten <strong>und</strong> Unterverzeichnisse in den Zielordner.<br />

Das klingt noch nicht so, als ob<br />

man dafür ein eigenes Programm benötigen<br />

würde. Doch luckyBackup nutzt dabei die<br />

leistungsfähige Kommandozeilen-Synchronisationssoftware<br />

Rsync [2], die Quelle <strong>und</strong><br />

Ziel vor dem Kopieren vergleicht.<br />

Nur beim ersten Backup muss die Software<br />

daher alle Dateien kopieren – später<br />

bloß die Dateien, die sich verändert haben,<br />

<strong>und</strong> auch diese werden nicht vollständig<br />

neu kopiert, denn rsync kann erkennen,<br />

welche Teile einer Datei sich geändert haben.<br />

Das verringert die Backupzeit um ein<br />

Die Redaktion meint<br />

Einfacher als bei luckyBackup kann<br />

man die so wichtige wie lästige Aufgabe<br />

der Datensicherung kaum gestalten.<br />

Ein Nachteil des Programms ist, dass<br />

es die Backupdaten nicht komprimiert.<br />

Doch dafür greifen Sie auf einzelne Dateien<br />

im Backup ohne zeitaufwändiges<br />

Entpacken zu.<br />

16 www.easylinux.de<br />

<strong>EasyLinux</strong> 03/2014


Neue Software<br />

Aktuell<br />

Vielfaches. Außerdem sorgt die Einstellung<br />

Zu behaltende Schnappschüsse dafür, dass<br />

das Programm eine bestimmte Zahl an<br />

Versionen einer Datei parallel vorhält. Auf<br />

diese Schnappschüsse greifen Sie über<br />

Aufgabe / Verwalte Sicherungen zu.<br />

Wohin mit dem Backup?<br />

Es bringt wenig, die Daten in ein Verzeichnis<br />

auf derselben Festplatte zu sichern,<br />

die auch die Quellen enthält. Wählen<br />

Sie als Ziel also ein Verzeichnis auf einem<br />

gesonderten Speichermedium, zum<br />

Beispiel einer USB-Festplatte. lucky-<br />

Backup überträgt die Backupdaten alternativ<br />

auch mit SSH oder Rsync auf einen<br />

Rechner im Netzwerk. Das ist noch verlässlicher<br />

als das Speichern auf einer<br />

zweiten Festplatte, denn so überlebt die<br />

Kopie auch, wenn ein Defekt im Netzteil<br />

die gesamte Elektronik eines Rechners<br />

grillt. Die Einstellungen dazu finden Sie<br />

im Dialog Aufgaben-Eigenschaften. Ein<br />

Klick auf Erweitert gibt unten im Fenster<br />

eine Reihe von Karteireitern mit Einstellungen<br />

frei, darunter den Reiter Entfernt.<br />

Die einfachste Variante ist die Datenübertragung<br />

per SSH. Damit Sie nicht bei jedem<br />

Backup das Loginpasswort eingeben<br />

müssen, empfiehlt es sich, eine Schlüsseldatei<br />

anzulegen, wie es das Kapitel Authentifizierung<br />

über Public-Keys eines<br />

Workshops im Netz erläutert [3].<br />

Ausschlusskriterien<br />

Nützlich in den erweiterten Einstellungen<br />

sind auch die Ausnahmen. Hier schließen<br />

sie per Mausklick auf ~ endende Backupdateien,<br />

den Mülleimer sowie einige andere<br />

verbreitete Platzfresser vom Backup aus.<br />

Ein Klick auf Benutzerdefiniert fügt der<br />

Ausnahmeliste weitere auszuschließende<br />

Dateinamensmuster hinzu. Dabei kommen<br />

reguläre Ausdrücke [4] zum Einsatz, wie<br />

sie Programmierer <strong>und</strong> Shell-Experten<br />

zum Filtern von Zeichenketten benutzen.<br />

Zum Glück gibt es aber einen grafischen<br />

Mustereditor, so dass man diese Funktion<br />

auch ohne vorherige Erfahrungen mit regulären<br />

Ausdrücken nutzen kann.<br />

Weil man Routineaufgaben nach dem bereits<br />

zitierten Murphy mit Sicherheit einmal<br />

vergisst, bringt luckyBackup einen<br />

Zeitplaner mit, der definierte Backupaufgaben<br />

in festgelegten Intervallen automatisch<br />

startet. Das Programm nutzt dafür<br />

den auf Linux-Systemen stets vorhandenen<br />

Systemdienst Cron [5], muss also<br />

nicht durchgehend laufen. <br />

n<br />

Abb. 5: luckyBackup erzeugt mit „rsync“ Snapshots ausgewählter Verzeichnisse. Dank<br />

des übersichtlichen GUIs bekommen Sie von den langen Shell-Befehlen, die das Programm<br />

im Hintergr<strong>und</strong> absetzt, nichts mit.<br />

Infos<br />

[1] Festplattenausfallrate unter hoher<br />

Belastung: http:// blog. backblaze. com/​<br />

2013/ 11/ 12/ how‐long‐do‐disk‐drives‐last/<br />

(http:// ezlx. de/ e3h8)<br />

[2] Rsync: http:// rsync. samba. org/<br />

(http:// ezlx. de/ e3h9)<br />

[3] SSH konfigurieren: http:// wiki. ubuntu<br />

users. de/ SSH (http:// ezlx. de/ e3h10)<br />

[4] Reguläre Ausdrücke:<br />

http:// de. wikipedia. org/ wiki/ Regulärer_<br />

Ausdruck (http:// ezlx. de/ e3h11)<br />

[5] Cron-Systemdienst: http:// wiki. ubuntu<br />

users. de/ Cron (http:// ezlx. de/ e3h12)<br />

Software auf DVD: luckyBackup


Aktuell<br />

Neue Software<br />

RawTherapee 4.1: professionelle Fotobearbeitung<br />

Zwar gibt es für Linux keinen 100-prozentigen<br />

Photoshop-Ersatz, doch bei der Fotoaufbereitung<br />

<strong>und</strong> RAW-Entwicklung ist die<br />

freie Softwarewelt u. a. dank RawTherapee<br />

4 auf Augenhöhe mit Adobe-Programmen.<br />

★ ★ ★ ★ ★<br />

Mit Photoshop hält Adobe unumstritten<br />

die Marktführerschaft bei der Bildbearbeitung<br />

am Computer. Allerdings taten sich<br />

Fotografen mit dem auf professionelle Grafiker<br />

zugeschnittenen Programm immer<br />

schwer. Deshalb hat Adobe für diese Zielgruppe<br />

2007 Lightroom [1] auf den Markt<br />

gebracht, bei dem oft ein einziger Schieberegler<br />

komplexe Kontrast- oder Farbkurvenanpassungen<br />

steuert. Auch mit<br />

Lightroom war Adobe erfolgreich, <strong>und</strong> das<br />

Programm hat Nachahmer in der Welt der<br />

freien Software gef<strong>und</strong>en: Lightzone [2],<br />

Darktable [3] <strong>und</strong> RawTherapee (Abbildung<br />

6) [4], auch wenn Letzteres mit seinem<br />

Namen nicht auf das Vorbild anspielt.<br />

RawTherapee ist nun in Version 4.1 erschienen,<br />

der ersten stabilen Fassung der<br />

4er-Serie, deren Neuerungen sein Initiator<br />

Gabor Horvath als „big deal“ bezeichnet.<br />

Profiniveau<br />

RawTherapee verarbeitet, wie sein Name<br />

andeutet, RAW-Dateien fast aller gebräuchlichen<br />

Spiegelreflexkameras [5],<br />

die mehr Farb- <strong>und</strong> Helligkeitsschattierungen<br />

festhalten als Monitore oder Drucker<br />

wiedergeben können. Wenn Sie Helligkeit<br />

oder Kontrast des Bildes bearbeiten,<br />

sorgen die zunächst unsichtbaren<br />

Abstufungen aber für mehr Tiefe, weswegen<br />

Profis <strong>und</strong> engagierte Amateure die<br />

RAW-Dateien schätzen.<br />

Die Software ist keine Allzweckbildbearbeitung<br />

wie Gimp oder Photoshop, sondern<br />

eine Fotoaufbereitungssoftware, die<br />

Farben, Helligkeits- <strong>und</strong> Kontrastverlauf,<br />

Schärfe <strong>und</strong> den Bildausschnitt der <strong>Aufnahmen</strong><br />

anpasst. Künstlerische oder ver-<br />

fremdende Effekte überlässt es anderen<br />

Anwendungen. Wer allerdings denkt, Raw-<br />

Therapee sei ein simples Programm,<br />

könnte sich nicht mehr irren: Abbildung 6<br />

zeigt eine der einfachsten Funktionen, die<br />

Belichtungskorrektur, die schon acht Schieberegler<br />

enthält. Allein in der Rubrik Belichtung<br />

stecken sechs weitere ähnlich umfangreiche<br />

Funktionen.<br />

Für professionelle Ergebnisse reicht es<br />

eben nicht, die ganze Aufnahme gleichmäßig<br />

aufzuhellen oder abzudunkeln. Die<br />

Belichtungskorrektur in RawTherapee<br />

verhindert zum Beispiel zusätzlich, dass<br />

beim Aufhellen dunklerer Bereiche die<br />

hellen Stellen im Bild in einheitlichem<br />

Weiß versinken. Der Umfang dieser Lichterwiederherstellung<br />

genannten Funktion<br />

lässt sich über die Regler Stärke <strong>und</strong><br />

Schwellwert einstellen.<br />

Übersicht trotz Fülle<br />

Die einzelnen Programmfunktionen lassen<br />

sich wie Unterordner im Dateimanager<br />

über die kleinen Dreiecks-Icons links<br />

im rechten Panel ein- <strong>und</strong> ausklappen.<br />

Die in Abbildung 6 mit 1–6 markierten<br />

Buttons schalten nach dem Karteireiterprinzip<br />

zwischen den Funktionskategorien<br />

um: 1 steht für Belichtung, 2 für<br />

Schärfe <strong>und</strong> Unschärfe, 3 beherbergt die<br />

Farbanpassungen, 4 verändert Ausschnitt<br />

<strong>und</strong> Größe, 5 schaltet zu den Spezialfunktionen<br />

für RAW-Dateien, <strong>und</strong> unter 6 ist<br />

ein Metadateneditor zu finden.<br />

Wer sich von dieser Funktionsfülle erschlagen<br />

fühlt, sollte bedenken: Alle Regler<br />

sind verständlich beschriftet, meist erfasst<br />

man ihre Funktionen schnell durch<br />

Ausprobieren. Überhaupt erleichtert die<br />

Benutzeroberfläche, die größtenteils auf<br />

Dialogfelder verzichtet, die Bedienung<br />

sehr. Es gibt auch ein verständliches <strong>und</strong><br />

umfassendes Onlinehandbuch [5], allerdings<br />

nicht in deutscher Sprache.<br />

Eine der wichtigsten Neuerungen, welche<br />

die Versionsserie 4.0 eingeführt hat, verbirgt<br />

sich im Reiter Belichtung unter dem<br />

letzten Punkt CIE Color Appearance Model<br />

2002. In diesem Farbwahrnehmungsmodell<br />

geht es, anders als in einfacheren Farbmodellen,<br />

nicht um physikalische Eigenschaften<br />

wie Lichtintensität oder Wellenlänge,<br />

sondern darum, wie hell, dunkel oder farbig<br />

das menschliche Auge Schattierungen<br />

in bestimmten Umgebungen wahrnimmt.<br />

Die Wirkungen der Schieberegler für empf<strong>und</strong>ene<br />

Farbigkeit, Buntheit oder relative<br />

Helligkeit lassen sich nach ein wenig Probieren<br />

intuitiv vorhersagen; das Auge<br />

nimmt sie als natürlich wahr.<br />

Wer trotzdem nicht mit dem CIE Color<br />

Appearance Model 2002 klarkommt, sollte<br />

die einfacheren Lab-Anpassungen ausprobieren,<br />

die ebenfalls auf der Wahrnehmung<br />

statt auf physikalischen Parametern<br />

basiert. (hge)<br />

n<br />

Infos<br />

[1] Lightroom: http:// www. adobe. com/ de/​<br />

products/ photoshop‐lightroom. html<br />

(http:// ezlx. de/ e3h15)<br />

[2] Lightzone: http:// lightzoneproject. org/<br />

(http:// ezlx. de/ e3h16)<br />

[3] Darktable: http:// www. darktable. org/<br />

(http:// ezlx. de/ e3h17)<br />

[4] RawTherapee: http:// rawtherapee. com/<br />

(http:// ezlx. de/ e3h18)<br />

[5] Dokumentation, Kapitel „Supported<br />

Cameras“: http:// rawpedia. rawtherapee.​<br />

com/ (http:// ezlx. de/ e3h19)<br />

[6] Farberscheinungsmodell CIECAM02:<br />

http:// de. wikipedia. org/ wiki/ CIECAM02<br />

(http:// ezlx. de/ e3h20)<br />

Software auf DVD: RawTherapee<br />

Die Redaktion meint<br />

Effekte <strong>und</strong> Retusche überlässt Raw-<br />

Therapee Gimp oder dem ebenfalls in<br />

dieser Ausgabe vorgestellten Fotoxx.<br />

Doch dafür bewegt sich das Programm<br />

bei der Farb- <strong>und</strong> Belichtungskorrektur<br />

sowie der RAW-Entwicklung durchgängig<br />

auf professionellem Niveau.<br />

Abb. 6: Das RawTherapee-GUI besteht aus sehr vielen Schiebereglern. Doch da die<br />

Funktionen sinnvoll gruppiert <strong>und</strong> nachvollziehbar beschriftet sind, lernen Anwender<br />

das komplexe Programm Schritt für Schritt durch Ausprobieren kennen.<br />

18 www.easylinux.de<br />

<strong>EasyLinux</strong> 03/2014


Neue Software<br />

Aktuell<br />

Phototonic 0.99: handlicher Bildbetrachter<br />

Manchmal kehren neue Besen wirklich<br />

gut: Der noch recht junge Bildbetrachter<br />

Phototonic begeistert mit seiner Beschränkung<br />

aufs Wesentliche, die aber nicht zu<br />

Lasten des Bedienkomforts geht.<br />

★ ★ ★ ★ ★<br />

Bei Programmen, die eine simple Aufgabe<br />

erfüllen, verfallen Entwickler manchmal<br />

dem Fehler, mehr <strong>und</strong> mehr nebensächliche<br />

Funktionen einzubauen. Beim noch<br />

recht jungen Bildbetrachter Phototonic<br />

(Abbildung 7) [1] ist das bisher nicht<br />

passiert – das Programm erfüllt seine<br />

Kernaufgabe, <strong>und</strong> das tut es gut.<br />

Nach dem Start zeigt Phototonic eine<br />

Liste aller Bilder für den links oben im<br />

Dateibrowser ausgewählten Ordner. Unterordner<br />

durchsucht Phototonic dabei<br />

nicht, was manche Anwender vielleicht<br />

als Nachteil empfinden. Auf jeden Fall ist<br />

es gut für die Arbeitsgeschwindigkeit.<br />

Quadratisch, praktisch, …<br />

Besonders gefallen hat der Redaktion der<br />

View-Modus Squarisch (Abbildung 7),<br />

der die Thumbnails auf ein quadratisches<br />

Format zurechtstutzt. Wer die Bilder lieber<br />

unbeschnitten sehen möchte, wählt<br />

im Menü View stattdessen Compact. Classic<br />

Thumbs blendet zusätzlich noch den<br />

Dateinamen ein. Unter dem Dateibrowser<br />

sind die von der Kamera eingebetteten<br />

Metadaten zu sehen, sobald Sie mit der<br />

Maus einen Thumbnail auswählen.<br />

Ein Doppelklick auf eine <strong>Vorschau</strong> öffnet<br />

das Bild fensterfüllend, [F] zeigt das Foto<br />

im Vollbildmodus. Im Kontextmenü der<br />

rechten Maustaste finden Sie die Funktion<br />

Open With, die ein Bild in einem externen<br />

Programm, z. B. Gimp, öffnet. Mit [Bild<br />

auf] <strong>und</strong> [Bild ab] blättern Sie durch die<br />

Dateien im aktuellen Ordner, [Esc] kehrt<br />

zur Übersicht zurück. [R] öffnet ein zufällig<br />

gewähltes Bild, [W] startet eine Diashow.<br />

Wie am Schnürchen<br />

Die Tastaturshortcuts lassen sich ganz unten<br />

im Preferences-Fenster anpassen, das Sie<br />

mit [P] oder Edit / Preferences öffnen. Dort<br />

passen Sie auch die Einzelbild-Anzeigedauer<br />

in der Diashow an <strong>und</strong> wählen, ob diese die<br />

Bilder in der unter View / Sort By gewählten<br />

Reihenfolge oder nach dem Zufallsprinzip<br />

abspielt. [Z] erhöht den Zoomfaktor, mit<br />

den Pfeiltasten wählen Sie den Bildausschnitt.<br />

[Umschalt-Z] verkleinert das Bild,<br />

[Alt-Z] zeigt es in Originalgröße, <strong>und</strong> [Strg-<br />

Z] passt es in das Programmfenster ein. Mit<br />

[Strg-Pfeil links] oder [Strg-Pfeil rechts]<br />

drehen Sie das Bild um 90 Grad im oder gegen<br />

den Uhrzeigersinn, [Strg-Umschalt-<br />

Pfeil rechts] <strong>und</strong> [Strg-Umschalt-Pfeil links]<br />

rotieren das Foto um ein Grad. [Strg-Pfeil<br />

hoch] <strong>und</strong> [Strg-Pfeil runter] spiegeln die<br />

Anzeige horizontal oder vertikal.<br />

Drehungen oder Spiegelungen können Sie<br />

auch dauerhaft speichern. Save überschreibt<br />

die Ausgangsdatei, Save as erstellt<br />

eine neue. Dabei konvertiert Phototonic auf<br />

Wunsch auch zwischen allen unterstützten<br />

Dateiformaten, welche die Homepage [1]<br />

unter der Rubrik Features auflistet. n<br />

Infos<br />

[1] Phototonic: http:// oferkv. github. io/​<br />

phototonic/ (http:// ezlx. de/ e3h13)<br />

[2] Gwenview: http:// gwenview.​<br />

sourceforge. net/ (http:// ezlx. de/ e3h14)<br />

Software auf DVD: Phototonic<br />

Die Redaktion meint<br />

Phototonic ist ein handlicher Bildbetrachter<br />

ohne unnützen Ballast. Die<br />

quadratische Thumbnail-<strong>Vorschau</strong> nutzt<br />

die Bildschirmfläche optimal (so dass<br />

man Bilder in Ordnern mit zahlreichen<br />

Dateien schnell findet) <strong>und</strong> sieht ansprechend<br />

aus.<br />

Fotoshows am Beamer wirken jedoch<br />

im umfangreicheren, aber immer noch<br />

übersichtlichen KDE-Programm Gwenview<br />

[2] dank seiner Überblendungsfunktion<br />

beim Bildwechsel ansprechender.<br />

Unter OpenSuse 12.3 lässt sich Phototonic<br />

leider nicht installieren, da dieser<br />

Distribution die erforderliche Version 5<br />

der Bibliothek Qt noch nicht beiliegt.<br />

Abb. 7: Wer einfach nur zügig seine Fotosammlung durchblättern möchte, findet in<br />

dem minimalistischen Programm Phototonic die richtige Anwendung.<br />

<strong>EasyLinux</strong><br />

03/2014<br />

www.easylinux.de<br />

19


Aktuell<br />

Neue Software<br />

LMMS 1.0.2: Loop-orientierter Sequenzer<br />

Das <strong>Musik</strong>programm Linux Multimedia<br />

Studio (LMMS) besticht vor allem als<br />

Komplettpaket aus Sequenzer, Drumcomputer<br />

<strong>und</strong> Software-Synthesizern. Im Easy-<br />

Linux-Test war auch von der früher oft beklagten<br />

Instabilität nichts mehr zu spüren.<br />

★ ★ ★ ★ ★<br />

Es gibt zwei Haupttypen von Audioprogrammen:<br />

Wave-Editoren, die digitalisierte<br />

Schallwellen weiterverarbeiten, <strong>und</strong><br />

Sequenzer, die Klänge auf der Basis von<br />

<strong>Musik</strong>noten erzeugen. Als Mischform sind<br />

die Loop-basierten Sequenzer zu nennen.<br />

Diese Programme wiederholen kurze Audioaufnahmen<br />

(Loops) immer wieder <strong>und</strong><br />

in unterschiedlicher Tonhöhe, während<br />

reine Sequenzer sich auf den Notensatz<br />

konzentrieren <strong>und</strong> das Abspielen der Noten<br />

oft externen Synthesizern (Hardware<br />

oder Software) überlassen.<br />

Bekannte proprietäre Vertreter dieses<br />

Mischtyps sind So<strong>und</strong> Forge [1], Cakewalk<br />

Sonar [2] oder FL Studio (früher<br />

Fruity Loops genannt) [3]. Mit LMMS<br />

(Abbildung 8) [4] gibt es auch eine freie<br />

Anwendung unter den sonst einige H<strong>und</strong>ert<br />

Euro teuren Programmen.<br />

Notenpult<br />

Das wichtigste Werkzeug in LMMS ist der<br />

Song Editor (Nummer 1 in Abbildung 8).<br />

Abbildung 9 zeigt ihn in Aktion. Die Zeilen<br />

im Song-Editor entsprechen den<br />

Abb. 8: LMMS startet mit vier Unterfenstern: Der „Song Editor“ (1) ist für die Melodie<br />

zuständig, der „Beat+Bassline Editor“ (2) für kürzere, sich wiederholende Bass- <strong>und</strong><br />

Drum-Patterns, der „FX-Mixer“ (3) regelt die Lautstärke <strong>und</strong> fügt Effekte hinzu, <strong>und</strong> die<br />

„Controller-Einheit“ (4) erzeugt Schwingungen, z. B. für ein Vibrato.<br />

Tracks eines Mehrspurtonbandgeräts.<br />

Neue Spuren entstehen durch Ziehen eines<br />

Instrument Plugin (1) in den Editor.<br />

Ein Klick auf den Instrumentennamen (2)<br />

öffnet seine Klangeinstellungen, ein Doppelklick<br />

in eines der die Takte des <strong>Musik</strong>stücks<br />

symbolisierenden Rechtecks (4)<br />

dagegen die Piano-Roll. Dort fügen Sie die<br />

Noten ein, die das der Spur zugeordnete<br />

Instrument spielen soll.<br />

Diese Noten zeigt LMMS als blaue Kästchen<br />

im Bereich (5) an. Ihre vertikale Position<br />

steht für die Tonhöhe, die sich an<br />

der kleinen Tastatur am linken Rand der<br />

Piano Roll ablesen lässt. Die vertikale<br />

Lage symbolisiert den Zeitraum, über den<br />

der Ton erklingt.<br />

Im Vergleich zu den bereits angesprochenen<br />

kostenpflichtigen Programmen fällt<br />

die Auswahl an Synthesizer-Plug-ins eher<br />

mager aus: Ein einziger Hauptentwickler<br />

kann eben nicht so leicht mit den bezahlten<br />

So<strong>und</strong>designern aus der Profibranche<br />

konkurrieren. Dennoch ist genug Potenzial<br />

vorhanden, mit dem auch Vollblutmusiker<br />

ihren Spaß haben: Das älteste<br />

<strong>und</strong> simpelste Plug-in ist der AudioFile-<br />

Processor, der schlicht eine zum Beispiel<br />

mit dem Mikrofon aufgenommene Klangdatei<br />

in wechselnder Tonhöhe abspielt.<br />

Dabei verändert sich mit der Tonhöhe<br />

auch die Abspielgeschwindigkeit. Naturinstrumente<br />

verlieren ihren Klangcharak-<br />

Die Redaktion meint<br />

Abb. 9: LMMS zeichnet sich durch die 15 eingebauten Software-Synthesizer (1) aus, die<br />

Sie auf eine Notenspur (4) ziehen, um deren Noten abzuspielen. Wie bei Hardware-Synthesizern<br />

lässt sich ihr Klang mit Drehreglern (3) einstellen.<br />

LMMS bietet Hobbymusikern ein Komplettpaket,<br />

das elektronische Klangerzeuger<br />

umfasst. Auch Drum-Loops beherrscht<br />

das Programm, dafür fehlt eine<br />

Notenanzeige wie in Rosegarden [6].<br />

Die Benutzeroberfläche ist für taktbasierte<br />

Techno-Samples optimiert, doch<br />

dank des Sf2-Plug-ins lassen sich<br />

LMMS auch klassische Klänge entlocken<br />

– die ursprüngliche Ausrichtung<br />

auf Loops <strong>und</strong> Samples stört dabei zumindest<br />

nicht.<br />

20 www.easylinux.de<br />

<strong>EasyLinux</strong> 03/2014


Aktuell<br />

Neue Software<br />

ter, wenn man die Tonhöhe um mehr als<br />

ein paar Ganztöne verschiebt.<br />

Instumentalklänge<br />

Diese Einschränkungen überwindet der<br />

Sf2-Player, dessen Klänge auf so genannten<br />

So<strong>und</strong>-Font-Dateien basieren. Das<br />

So<strong>und</strong>-Font-Format wurde Anfang der<br />

90er Jahre vom So<strong>und</strong>kartenhersteller<br />

Creative entwickelt. Es bündelt viele Samples<br />

<strong>und</strong> ordnet sie einem eng begrenzten<br />

Ausschnitt der Tonleiter zu (Wavetable-<br />

Synthese). Im Internet sind zahlreiche,<br />

teilweise sehr schöne So<strong>und</strong>font-2-Dateien<br />

zu finden, deren legaler Status allerdings<br />

nicht immer erkennbar ist.<br />

Die meisten LMMS-Plug-ins erzeugen ihre<br />

Klänge synthetisch ohne Rückgriff auf<br />

Audio-Samples. Manche machen keinen<br />

Hehl aus ihrem Vintage-Klangcharakter;<br />

andere, wie ZynxAddSubFX, bringen<br />

halbwegs respektable Annäherungen an<br />

„echte“ <strong>Musik</strong>instrumente zustande.<br />

Automation tracks zeichnen statt Noten<br />

Veränderungen der Regler in LMMS auf,<br />

egal, ob es sich dabei um Lautstärke, die<br />

Drehregler der eingebauten Synthesizer<br />

oder beliebige, unabhängig von LMMS<br />

auf dem System installierte Effekt-Plugins<br />

[5] handelt. Dieses sehr mächtige Feature<br />

(Effekt-Automation) ist unter den<br />

freien <strong>Musik</strong>programmen noch immer<br />

keine Selbstverständlichkeit. n<br />

Infos<br />

[1] So<strong>und</strong> Forge: http:// www. sonycreative<br />

software. com/ so<strong>und</strong>forgesoftware<br />

(http:// ezlx. de/ e3i1)<br />

[2] Cakewalk Sonar:<br />

http:// www. cakewalk. com/ Products/​<br />

SONAR (http:// ezlx. de/ e3i2)<br />

[3] FL Studio: http:// www. image‐line. com/​<br />

flstudio/ (http:// ezlx. de/ e3i3)<br />

[4] LMMS: http:// lmms. sourceforge. net/<br />

(http:// ezlx. de/ e3i4)<br />

[5] Effekt-Plug-ins für OpenSuse:<br />

http:// software. opensuse. org/ package/​<br />

ladspa (http:// ezlx. de/ e3i5); Ubuntu:<br />

http:// wiki. ubuntuusers. de/ Tonstudio#​<br />

Plugins (http:// ezlx. de/ e3i6)<br />

[6] Rosegarden: http:// www. rosegarden<br />

music. com/ (http:// ezlx. de/ e3i7)<br />

Software auf DVD: LMMS<br />

Mythbuntu 14.04 – leistungsfähiges Mediencenter<br />

Die Software fertiger Set-Top-Boxen taugt<br />

meist nicht allzu viel. MythTV bietet eine<br />

freie, viel leistungsfähigere Alternative.<br />

Das Ubuntu-Derivat Mythbuntu liefert das<br />

Mediacenter als Live-System aus.<br />

★ ★ ★ ★ ★<br />

Als Vorteil des gefühlten 50:50-Mix aus<br />

Spielfilm <strong>und</strong> Werbung mag mancher<br />

nach einem Fernsehabend das gespülte<br />

Geschirr oder die gesaugte Wohnung<br />

verbuchen. Doch Spaß am Fernsehen<br />

entwickelt sich wegen der heute üblichen<br />

Zwangspausendichte nur noch bei<br />

<strong>Aufnahmen</strong>, bei denen man vorspulen<br />

kann – <strong>und</strong> Entwickler freier Programme<br />

wie des Software-Videorekorders<br />

MythTV (Abbildung 10) [1] kämen nie<br />

auf die Idee, diese Funktion zu sperren.<br />

Das Ubuntu-Derivat Mythbuntu [2] präsentiert<br />

MythTV vorinstalliert auf einer<br />

Live-DVD.<br />

Stabile Derivate<br />

Aus der Tatsache, dass sich Mythbuntu<br />

wie jedes Ubuntu auf der Festplatte installieren<br />

oder auf einen USB-Stick kopieren<br />

lässt, ergeben sich zwei Einsatzmöglichkeiten:<br />

1. Sie installieren MythTV auf einem nur<br />

als Videorekorder genutzten Wohnzimmer-PC.<br />

Dieser Rechner bleibt entweder<br />

immer an, oder MythTV steuert das Herunterfahren<br />

<strong>und</strong> zeitgesteuerte Aufwachen<br />

des Rechners per BIOS-Wecker oder<br />

ACPI [3]. Ist eine HDMI-Buchse vorhanden,<br />

lässt sich der Rechner direkt an den<br />

Fernseher anschließen.<br />

2. Mit einem Mythbuntu-USB-Stick booten<br />

Sie auf Ihrem Laptop ohne Installation<br />

ein Mediacenter-System, um mit dem mobilen<br />

Gerät fernzusehen. Da Mythbuntu<br />

nach dem Client-Server-Prinzip aufgebaut<br />

ist, verbindet sich dabei ein MythTV-<br />

Client auf dem Notebook mit einem<br />

MythTV-Server, der per Fernsehkarte am<br />

Kabel oder der Satellitenschüssel hängt<br />

<strong>und</strong> auf dessen Festplatte auch die <strong>Aufnahmen</strong><br />

liegen. So kann man, wenn einen<br />

die Grippe ereilt hat, wenigstens spontan<br />

vom Bett aus fernsehen.<br />

Nützliche Wiederholungen<br />

MythTV zeichnet sich im Vergleich zur<br />

ebenfalls freien Alternative VDR [4] vor<br />

allem dadurch aus, dass die Software das<br />

Die Redaktion meint<br />

Abb. 10: MythTV ist ein leistungsfähiges Mediacenter, das Computer mit DVB-T, Kabeloder<br />

Satelliten-TV-Karten in komfortable Videorekorder verwandelt.<br />

Mythbuntu koppelt eine stabile Ubuntu-<br />

LTS-Installation als Unterbau mit aktuellen,<br />

fehlerbereinigten MythTV-Paketen –<br />

eine solide Basis für Fernsehspaß mit<br />

Features wie einer intelligenten, schlagwortbasierten<br />

Aufnahmefunktion <strong>und</strong> einem<br />

Webfrontend, die den Funktionsumfang<br />

üblicher Set-Top-Boxen übertreffen.<br />

22 www.easylinux.de<br />

<strong>EasyLinux</strong> 03/2014


Aktuell<br />

Neue Software<br />

TV-Programm nach Wiederholungen<br />

durchsucht <strong>und</strong> die <strong>Aufnahmen</strong> so platziert,<br />

dass mit den am Rechner angeschlossenen<br />

TV-Karten möglichst alle<br />

Aufnahmewünsche erfüllt werden können.<br />

Genau wie der digitale Videorekorder<br />

VDR scannt MythTV das Fernsehprogramm<br />

nach Schlagwörtern <strong>und</strong> nimmt<br />

dann Sendungen, die zu Ihren Interessen<br />

passen, automatisch auf. Das Kontrollzentrum<br />

von Mythbuntu richtet das System<br />

als MythTV-Mediacenter ein – entweder<br />

als Server, der mit den angeschlossenen<br />

Fernsehkarten aufnimmt <strong>und</strong> die<br />

<strong>Aufnahmen</strong> für Clients im Netz bereithält,<br />

oder als Client. Auch eine Installation von<br />

Server <strong>und</strong> Client auf einem Rechner ist<br />

pro blemlos möglich. <br />

n<br />

Infos<br />

[1] MythTV: http:// www. mythtv. org/<br />

(http:// ezlx. de/ e3i8)<br />

[2] Mythbuntu: http:// www. mythbuntu. org/<br />

(http:// ezlx. de/ e3i9)<br />

[3] ACPI: http:// www. acpi. info/ Advanced_<br />

Configuration_and_Power_Interface<br />

(http:// ezlx. de/ e3i10)<br />

[4] VDR: http:// www. tvdr. de/<br />

(http:// ezlx. de/ e3i11)<br />

[5] Mythbuntu-Repository: http:// www. myth<br />

buntu. org/ repos (http:// ezlx. de/ e3i12)<br />

Software auf DVD: Mythbuntu<br />

Super Grub2 Disk 2.00s2: Bootloader-Starthilfe<br />

Keine Panik, wenn Ihr Linux- oder Windows-System<br />

nicht mehr startet: Zumindest<br />

solange das Problem beim Bootloader<br />

liegt, hilft ein USB-Stick oder eine CD mit<br />

Super Grub2 Disk dem PC auf die Beine.<br />

★ ★ ★ ★ ★<br />

Ein bekannter Bug von Windows, an dessen<br />

Lösung Microsoft wohl nicht mit<br />

Hochdruck arbeitet, ist, dass Windows Linux<br />

schlicht ignoriert <strong>und</strong> bei der Installation<br />

dessen Bootloader überschreibt.<br />

Doch auch nach dem Einspielen einer<br />

weiteren Linux-Distributionen kann es<br />

passieren, dass sich bestehende Systeme<br />

nicht mehr starten lassen. Hier hilft das<br />

Mini-Live-System Super Grub2 Disk (Abbildung<br />

11) [1] aus der Bredouille: Es<br />

bootet von einer CD oder einem USB-<br />

Stick <strong>und</strong> scannt die Festplatte des Rechners<br />

nach installierten Betriebssystemen.<br />

Die Abbildung zeigt einen älteren Rechner<br />

mit BIOS, doch das Rettungssystem<br />

kommt auch mit neueren UEFI-basierten<br />

Computern klar.<br />

Gesucht, gef<strong>und</strong>en<br />

Das System hat im Test Windows Vista<br />

<strong>und</strong> eine Windows-Rettungsumgebung<br />

erkannt (Abbildung 11, obere Zeile, Operating<br />

Systems). In Wirklichkeit handelt<br />

es sich zwar um Windows 7, doch das<br />

Starten des Redmonder Systems funktionierte<br />

trotzdem problemlos. Das gilt auch<br />

für Windows 8 <strong>und</strong> 8.1.<br />

Normalerweise würde Super Grub2<br />

Disk auch das installierte Arch-Linux-<br />

System unter Operating Systems aufführen,<br />

doch dessen Dateisysteme sind auf<br />

dem Rechner im Foto verschlüsselt. Dafür<br />

hat das System die Einträge der<br />

beim normalen Booten genutzten Bootloader-Konfiguration<br />

erkannt (grub.cfg -<br />

Extract entries). Hier sind zwei Einträge<br />

für Arch Linux sowie ebenfalls die beiden<br />

Windows-Systeme zu erkennen.<br />

Diese Konfigurationsdatei übersteht<br />

übrigens auch das Überschreiben des<br />

Master-Boot-Records bei einer Windows-Installation<br />

auf BIOS-Rechnern.<br />

Zum Starten von Linux-Systemen sollten<br />

Sie, wenn vorhanden, immer die<br />

grub.cfg-Einträge nutzen, denn diese<br />

enthalten eventuell vom Installer hinzugefügte<br />

spezielle Kernel-Parameter,<br />

die bei Operating-Systems-Einträgen unter<br />

den Tisch fallen.<br />

Super Grub2 Disk scannt neben der normalen<br />

Grub-Konfiguration (grub.cfg)<br />

auch nach menu.lst-Dateien – ein Überbleibsel<br />

aus Zeiten von Grub 1 (zum Beispiel<br />

Ubuntu 9.04 oder älter), was aber<br />

nur interessant ist, wenn Sie eine ältere<br />

Linux-Distribution verwenden.<br />

Die Redaktion meint<br />

Abb. 11: Nach der Auswahl von „everything“ im ersten Dialog zeigt Super Grub2 Disk<br />

ein Grub-Startmenü mit Einträgen zu allen Betriebssystemen, die auf der Festplatte des<br />

Computers zu finden sind.<br />

Jedes Live-System kann den Linux-Bootloader<br />

Grub reparieren [2], doch dabei<br />

sind etliche für Laien unverständliche<br />

Konsolenbefehle auszuführen. Super<br />

Grub2 Disk bootet nicht mehr startende<br />

Systeme dagegen, ohne Expertenwissen<br />

vorauszusetzen. Das beruhigt<br />

erstmal die Nerven. Dann gelingt<br />

die Reinstallation des Bootloaders aus<br />

dem laufenden System heraus mit einem<br />

einzigen Shell-Kommando.<br />

24 www.easylinux.de<br />

<strong>EasyLinux</strong> 03/2014


Aktuell<br />

Neue Software<br />

Über Bande<br />

Interessant könnten dagegen Einträge in<br />

der Rubrik core.img sein: Hier listet Super<br />

Grub2 Disk Grub-Installationen, die das<br />

Rettungssystem auch dann noch booten<br />

kann, wenn der Master-Boot-Record des<br />

Systems beschädigt ist. Das kann passieren,<br />

wenn Sie eine Linux-Installation in<br />

einem frühen Stadium abbrechen. Ist wenigstens<br />

der Ordner /boot/​grub intakt,<br />

startet der ansonsten nicht mehr funk-<br />

tionsfähige ursprüngliche Bootloader <strong>und</strong><br />

lädt dort eingetragene Systeme.<br />

Super Grub2 Disk überbrückt zerschossene<br />

Bootloader, doch es repariert sie<br />

nicht. Das ist auch gut so, denn da das<br />

Tool die Festplatte nie verändert, ist sein<br />

Einsatz risikofrei. Wenn das Linux-System<br />

auf der Platte wieder startet, genügt es, auf<br />

der Konsole sudo grub‐install /dev/sda<br />

auszuführen, um Grub erneut auf der ersten<br />

Festplatte zu installieren. Für die<br />

zweite Platte ersetzen Sie sda durch sdb. n<br />

Infos<br />

[1] Super Grub2 Disk: http:// www. super<br />

grubdisk. org/ (http:// ezlx. de/ e3i13)<br />

[2] Grub von Live-CD aus reparieren:<br />

http:// wiki. ubuntuusers. de/ GRUB_2/​<br />

Reparatur# Reparatur‐mittels‐<br />

Desktop‐CD (http:// ezlx. de/ e3i14)<br />

Software auf DVD: Super Grub2 Disk<br />

Xfburn 0.5.2: schlichtes Brennprogramm<br />

KDE <strong>und</strong> Gnome, die von <strong>EasyLinux</strong> unterstützten<br />

Desktopumgebungen, bringen<br />

für viele Standardaufgaben eigene<br />

Werkzeuge mit. Doch auch Tools anderer<br />

Desktops funktionieren unter Gnome<br />

<strong>und</strong> KDE fast immer reibungslos. Ein<br />

Beispiel ist das schlanke Brennprogramm<br />

Xfburn.<br />

★ ★ ★ ★ ★<br />

Wem das an sich handliche KDE-Brennprogramm<br />

K3b schon den einen oder<br />

anderen nicht ganz billigen Blu-ray-<br />

Rohling ruiniert hat, der sucht vermutlich<br />

nach einer Alternative fürs Brennen<br />

der 20 GByte großen Silberscheiben, die<br />

den heutigen Speicherplatzanforderungen<br />

eher entsprechen als die längst zu<br />

kleinen DVDs.<br />

Das Brennprogramm Xfburn (Abbildung<br />

12) [1] der minimalistischen Desktopumgebung<br />

Xfce [2] ist einen Versuch wert,<br />

denn es setzt nicht auf die ursprünglich<br />

für CDs <strong>und</strong> DVDs entwickelten Tools<br />

cdrecord oder growisofs, sondern auf Libburnia<br />

[3], eine neuere Bibliothek zum<br />

Beschreiben optischer Medien. In der aktuellen<br />

Version des grafischen Frontends<br />

Xfburn findet sich nun endlich im Dropdown-Menü<br />

für die Mediengrößen die<br />

Einträge 22.5 GB BD (Single Layer Bluray<br />

Disc) <strong>und</strong> 46.5 GB BD (Double Layer<br />

Blu-ray Disc).<br />

Alles, was man braucht<br />

Passend zum Charakter von Xfce gibt<br />

sich das Programm simpel. Nach dem<br />

Start sind vier Buttons zu sehen: Abbild<br />

brennen brennt ein Medium aus einem<br />

ISO-Image, Daten-Zusammenstellung<br />

erstellt Daten-DVDs oder ‐Blu-rays, Medium<br />

löschen löscht wiederbeschreibbare<br />

Scheiben, <strong>und</strong> Audio-CD erzeugt<br />

<strong>Musik</strong>-CDs.<br />

Nach dem Klick auf Daten-Zusammenstellung<br />

oder Audio-CD brauchen Sie<br />

bloß noch Dateien aus dem Dateimanager<br />

auf die Liste im Programmfenster<br />

zu ziehen, die Mediengröße auszuwählen<br />

sowie im Fall eines Datenmediums<br />

eine Datenträgerbezeichnung einzugeben,<br />

dann erledigt Weiter zum Brennen<br />

den Rest.<br />

Alternativ lassen sich die Dateien zum<br />

Brennen auch über den Dialog auswählen,<br />

den Sie mit Hinzufügen öffnen. Wer<br />

mag, kann im Menü Ansicht Xfburn einen<br />

eigenen Dateibrowser hinzufügen. Die im<br />

selben Menü aktivierbare Werkzeugleiste<br />

erspart es Ihnen, für das Löschen eines<br />

Mediums oder zum Erzeugen eines neuen<br />

Projekts zum Willkommensbildschirm<br />

zurückzukehren.<br />

Beim Brennen großer Blu-ray-Medien ist<br />

noch zu beachten, dass der unter Einstellungen<br />

/ Temporäres Verzeichnis gewählte<br />

Ordner genügend Platz zum<br />

Zwischenspeichern der Daten bieten<br />

muss. (hge) <br />

n<br />

Infos<br />

[1] Xfburn: http:// goodies. xfce. org/ projects/​<br />

applications/ xfburn (http:// ezlx. de/ e3i15)<br />

[2] Xfce-Desktop: http:// www. xfce. org/<br />

(http:// ezlx. de/ e3i16)<br />

[3] Libburnia: http:// libburnia‐project. org/<br />

(http:// ezlx. de/ e3i17)<br />

Software auf DVD: Xfburn<br />

Die Redaktion meint<br />

Abb. 12: Die neueste Version des simplen Brennprogramms Xfburn unterstützt neben<br />

CDs <strong>und</strong> DVDs auch die modernen Blu-ray-Medien.<br />

Vier Gr<strong>und</strong>aktionen im Willkommenbildschirm,<br />

eine Dateiliste <strong>und</strong> ein Brennen-Button:<br />

Mehr gibt es in Xfburn nicht<br />

zu sehen. Doch mehr braucht man auch<br />

nicht, um CDs, DVD <strong>und</strong> Blu-rays zu<br />

brennen.<br />

Weil Xfburn ein anderes Backend zur Interaktion<br />

mit der Hardware benutzt als<br />

K3b, empfiehlt es sich als Alternative<br />

für Anwender, deren Brenner mit dem<br />

Standard-KDE-Programm nicht zuverlässig<br />

zusammenarbeitet.<br />

26 www.easylinux.de<br />

<strong>EasyLinux</strong> 03/2014


Aktuell<br />

Webseiten<br />

Angeklickt<br />

©Feng Yu, 123RF<br />

Im Internet gibt es mehrere Milliarden Webseiten – auch Suchmaschinen helfen<br />

nur bedingt, die berühmte Nadel im Heuhaufen zu finden. <strong>EasyLinux</strong> stellt in jeder<br />

Ausgabe eine Sammlung besonders interessanter Websites vor. Sollten Sie<br />

auch eine dieser Perlen kennen, schicken Sie uns eine Mail an redaktion@easylinux.de<br />

mit dem Betreff „Angeklickt“ <strong>und</strong> einer kurzen Beschreibung der Seite.<br />

Bei Veröffentlichung Ihres Vorschlags erhalten Sie kostenlos ein Mini-Abo eines<br />

Magazins aus unserem Verlag. (Thomas Leichtenstern/tle/​hge)<br />

Linux: schnell gef<strong>und</strong>en<br />

In herkömmlichen Suchmaschinen wie<br />

Google oder Yahoo! nach Linux-relevanten<br />

Themen zu suchen, fördert nicht selten<br />

viele irrelevante Webseiten zutage,<br />

weil Suchmaschinen-Spammer <strong>und</strong> Preisvergleichsseiten<br />

die ersten Treffer belegen.<br />

So empfand es auch Christoph Langner,<br />

dessen Blog linux<strong>und</strong>ich.de wir bereits<br />

vorstellten.<br />

Er hat jetzt über 150 Seiten mit Linux-Bezug<br />

ausgewählt <strong>und</strong> bietet unter tuxsucht.<br />

de benutzerdefinierte Google-Suchen an,<br />

die nur auf diesen Seiten suchen. Das Unterteilen<br />

in Kategorien, etwa Blogs oder<br />

Foren, erhöht die Trefferquote zusätzlich.<br />

Sollten Sie eine Seite betreiben, die thematisch<br />

zur Suchmaschine passt, melden<br />

Sie sich beim Webmaster; er nimmt sie<br />

dann gerne mit in die Liste auf.<br />

<strong>EasyLinux</strong> meint:<br />

Wer ohne Spam <strong>und</strong> Werbung schnell<br />

qualifizierte Treffer zum Thema Linux erhalten<br />

möchte, der ist bei tuxsucht.de genau<br />

an der richtigen Adresse. n<br />

Infos<br />

Webseite: http:// tuxsucht. de/<br />

Sprache: Deutsch<br />

Thema:<br />

(http:// ezlx. de/ e3b1)<br />

Linux-bezogene Suche<br />

Sh(n)ell erklärt<br />

Viele Linux-Einsteiger tun sich mit der<br />

verwirrenden Vielfalt an Befehlen <strong>und</strong><br />

Optionen in der Shell schwer. Auch der<br />

Blick in die häufig umfangreiche Manpage<br />

hilft da nicht immer weiter.<br />

Wer ohne große Umstände sehen möchte,<br />

was sich z. B. hinter dem Befehl iptables<br />

‐A INPUT ‐i eth0 ‐s ip‐to‐block ‐j DROP verbirgt,<br />

gibt ihn beiSeite explainshell.com<br />

ein. Die Webanwendung hält Hilfeseiten<br />

für viele Shell-Programme vor <strong>und</strong> bereitet<br />

sie grafisch auf, indem sie nur die relevanten<br />

bzw. angeforderten Abschnitte<br />

anzeigt. Da die Seite unter der GPL steht,<br />

können Profis den Code auch von GitHub<br />

herunterladen <strong>und</strong> auf einem eigenen Server<br />

aufsetzen. Derzeit bietet explainshell.<br />

com allerdings nur englische Versionen<br />

der Manpages an.<br />

<strong>EasyLinux</strong> meint:<br />

Durch das Reduzieren der Manpage-Inhalte<br />

auf die relevanten Informationen<br />

eignet sich die Webseite für die schnelle<br />

Recherche zu Shell-Befehlen. n<br />

Infos<br />

Webseite: http:// explainshell. com/<br />

Sprache: Englisch<br />

Thema:<br />

(http:// ezlx. de/ e3b2)<br />

Shell-Befehle nachschlagen<br />

Zeitschaltung<br />

Cron dient dazu, regelmäßig auszuführende<br />

Aktivitäten zu automatisieren. Für<br />

die Verwaltung müssen Sie dabei die kryptische<br />

Cron-Tabelle (Crontab) bearbeiten.<br />

Hier hilft das crontab-generator-Projekt.<br />

Eine übersichtliche Oberfläche erlaubt Ihnen<br />

die Auswahl der Zeit <strong>und</strong> die Eingabe<br />

des auszuführenden Befehls. Ein Klick<br />

auf Generate Crontab Line erzeugt danach<br />

den passenden String, etwa 0 */12 * * 1‐5<br />

/bin/bash >/dev/null 2>&1.<br />

Ob das Intervall Ihren Vorstellungen entspricht,<br />

zeigt darunter eine <strong>Vorschau</strong> mit<br />

den ersten fünf Schaltzeiten. Um die Zeile<br />

ins System zu integrieren, öffnen Sie ein<br />

Terminalfenster <strong>und</strong> bearbeiten Ihre individuelle<br />

Crontab mit dem Kommando<br />

crontab ‐e. Im startenden Editor fügen Sie<br />

dann den generierten Eintrag ein.<br />

<strong>EasyLinux</strong> meint:<br />

Wer mit den kryptischen Zeilen der<br />

Crontab-Datei Probleme hat, findet im<br />

crontab-generator einen tollen Helfer, um<br />

die Syntaxklippen zu umschiffen. n<br />

Infos<br />

Webseite: http:// www. crontab‐generator. org/<br />

Sprache: Englisch<br />

Thema:<br />

(http:// ezlx. de/ e3b3)<br />

Cronjobs einfach einrichten<br />

28 www.easylinux.de<br />

<strong>EasyLinux</strong> 03/2014


Heft-DVD: Kubuntu 14.04<br />

Aktuell<br />

Kubuntu 14.04 von der Heft-DVD installieren<br />

Kubuntu 14.04 LTS<br />

Hans-Georg Eßer, Im April ist Ubuntu 14.04 erschienen – <strong>und</strong> zeitgleich auch die<br />

Kristian Kißling 14.04<br />

KDE-Variante Kubuntu. Version 14.04 ist eine Long-Term-Support-Version<br />

(LTS): Die Entwickler werden sie mindestens fünf<br />

Jahre lang mit Updates versorgen.<br />

LTS-Versionen (Long Term Support)<br />

von Ubuntu <strong>und</strong> Kubuntu erscheinen<br />

alle zwei Jahre. Sie sind besonders<br />

für Anwender interessant, die nicht<br />

alle paar Monate ihr Linux-System vollständig<br />

durch eine neuere Version ersetzen<br />

möchten. Ubuntu ist eine der populärsten<br />

Linux-Distributionen <strong>und</strong> belegt in<br />

der DistroWatch-Rangliste [1] Platz 2<br />

(hinter Linux Mint). Version 14.04 trägt<br />

den Codenamen „Trusty Tahr“, auf der<br />

Heft-DVD dieser Ausgabe finden Sie die<br />

64-Bit-Variante von Kubuntu 14.04 <strong>und</strong> in<br />

diesem Artikel die passende Installationsbeschreibung.<br />

Damit können Sie neu installieren<br />

oder ein älteres System aktualisieren:<br />

wahlweise den direkten Vorgänger<br />

(Kubuntu 13.10) oder die letzte LTS-Version<br />

(Kubuntu 12.04).<br />

Die Version auf der DVD ist sowohl für<br />

klassische PCs mit BIOS als auch für die<br />

neuen UEFI-Rechner mit Windows 8 geeignet.<br />

Falls Sie einen älteren Rechner<br />

verwenden, der nicht mit 64-bittigen Linux-Versionen<br />

kompatibel ist, laden Sie<br />

ein 32-Bit-Installations-Image herunter;<br />

mehr dazu weiter unten.<br />

Schritt für Schritt<br />

Kubuntu zu installieren, ist nicht schwer.<br />

Am einfachsten ist ein Upgrade von Kubuntu<br />

13.10 auf die neue Version (siehe<br />

Kasten Kubuntu aktualisieren), aber auch<br />

für eine Neuinstallation genügen ein paar<br />

Mausklicks, falls Sie ausschließlich Kubuntu<br />

auf den Rechner spielen wollen.<br />

Das geht zwar auch völlig ohne Vorwissen,<br />

doch gerade Einsteiger sollten diesen<br />

Artikel lesen, um die Schritte der Installation<br />

besser zu verstehen – vor allem,<br />

wenn es um komplexere Installationsszenarien<br />

geht.<br />

Zunächst beschreiben wir die fünf Schritte,<br />

die vor Ihnen liegen, in einer kurzen Übersicht.<br />

Die Schritte 1 <strong>und</strong> 2 fallen weg,<br />

wenn Sie unsere Heft-DVD verwenden,<br />

den Schritt 3 brauchen Sie nur, wenn Sie<br />

Windows parallel verwenden wollen.<br />

1Sie laden ein Kubuntu-Image als ISO-<br />

Datei für Ihre Rechnerarchitektur herunter<br />

(oder verwenden die Heft-DVD).<br />

Der Download ist vor allem dann nötig,<br />

wenn Sie eine 32-Bit-Version von Kubuntu<br />

benötigen: Die Heft-DVD setzt eine<br />

64-Bit-CPU voraus.<br />

2Sie installieren die ISO-Datei auf einen<br />

USB-Stick oder brennen das<br />

Image auf eine DVD.<br />

3Wollen Sie Kubuntu neben Windows<br />

installieren, booten Sie Windows <strong>und</strong><br />

bereiten eine Partition für Kubuntu vor.<br />

Dieser Schritt fällt weg, wenn Ihr Rechner<br />

bereits eine freie Partition hat oder Sie<br />

Kubuntu als einziges Betriebssystem installieren<br />

wollen.<br />

4Sie booten den Kubuntu-Live-Desktop<br />

von der Kubuntu-DVD oder dem USB-<br />

Stick <strong>und</strong> testen ihn zunächst, ohne etwas<br />

am vorhandenen System zu verändern.<br />

5Gefällt Ihnen der Desktop, <strong>und</strong> unterstützt<br />

er Ihre Hardware (z. B.: korrekte<br />

Grafik, WLAN), installieren Sie Kubuntu<br />

über einen Doppelklick auf das Installationssymbol<br />

auf dem Desktop. Ein<br />

grafischer Installer begleitet Sie dann<br />

durch den Prozess, <strong>und</strong> am Ende starten<br />

Sie den Rechner neu.<br />

Hardware<br />

Wir empfehlen Kubuntu für Systeme ab<br />

1 GByte RAM, <strong>und</strong> Sie sollten mindestens<br />

8 GByte Plattenplatz einkalkulieren, denn<br />

Kubuntu aktualisieren<br />

Nutzen Sie bereits Kubuntu 13.10 oder<br />

die letzte LTS-Version 12.04, müssen Sie<br />

die Version 14.04 nicht neu installieren,<br />

sondern können aktualisieren. Das klappt<br />

gewöhnlich problemlos, dennoch sollten<br />

Sie für den Fall der Fälle Ihre wichtigsten<br />

Daten im Vorfeld sichern. (Ein Upgrade<br />

von einer älteren Kubuntu-Version als<br />

13.10 oder einer älteren LTS-Version als<br />

12.04 ist theoretisch auch möglich, wir<br />

raten aber davon ab, das zu versuchen.)<br />

Stellen Sie außerdem sicher, dass Ihr<br />

Rechner am Stromnetz hängt <strong>und</strong> ins Internet<br />

kommt, da Kubuntu beim Aktualisieren<br />

Daten aus dem Internet lädt.<br />

Öffnen Sie dann das K-Menü, geben Sie<br />

als Suchbegriff muon ein <strong>und</strong> rufen Sie<br />

den Treffer Muon-Aktualisierungsverwaltung<br />

auf. Hier spielen Sie zunächst über<br />

Aktualisierungen installieren <strong>und</strong> Eingabe<br />

Ihres Passworts alle verfügbaren Updates<br />

für Kubuntu 13.10 (bzw. 12.04 LTS)<br />

ein – das ist noch nicht der Upgradeschritt,<br />

sondern nur eine Vorbereitung.<br />

Wenn diese Arbeit abgeschlossen ist (<strong>und</strong><br />

das Programm anzeigt, dass alle Pakete<br />

aktuell sind), starten Sie den Rechner<br />

neu <strong>und</strong> rufen ein zweites Mal die Aktualisierungsverwaltung<br />

auf. Oben sehen Sie<br />

im Programmfenster den Hinweis Eine<br />

neue Version von Kubuntu ist verfügbar.<br />

Klicken Sie rechts davon auf die Schaltfläche<br />

Aktualisieren. Nach Eingabe des<br />

Passworts beginnt der Upgradeprozess,<br />

der abhängig von der Internetanbindung<br />

relativ viel Zeit benötigt.<br />

<strong>EasyLinux</strong><br />

03/2014<br />

www.easylinux.de<br />

29


Aktuell<br />

Heft-DVD: Kubuntu 14.04<br />

Sie wollen ja auch mit dem System arbeiten<br />

<strong>und</strong> regelmäßig Updates <strong>und</strong> verschiedene<br />

Software installieren.<br />

Nutzen Sie einen älteren Rechner, sollten<br />

Sie sich Lubuntu 14.04 anschauen,<br />

das beim Installieren fast genau dieselben<br />

Schritte erfordert wie Kubuntu<br />

14.04, aber auch auf älteren Rechnern<br />

mit weniger Speicher <strong>und</strong> einer langsamen<br />

CPU gut läuft. Für moderne Maschinen<br />

ist aber KDE die erste Wahl: Es<br />

bringt den hübscheren Desktop sowie<br />

zahlreiche nette <strong>und</strong> praktische Spielereien<br />

mit.<br />

Abb. 2: Das Windows-Tool LiLi sieht<br />

schräg aus, ist aber praktisch, um ISO-<br />

Dateien auf USB-Sticks zu schreiben.<br />

Abb. 1: Unter Windows brennen Sie ein<br />

ISO-Image direkt aus dem Explorer heraus<br />

auf eine DVD.<br />

Schritte 1 <strong>und</strong> 2: Image-Frage<br />

Das 1 017 MByte große Kubuntu-Image<br />

(für 64-Bit-CPUs) enthält alle Pakete sowie<br />

die Installationsroutine. Im Image<br />

verpackt schlummert unter anderem das<br />

Dateisystem, das der Installer dann auf<br />

eine leere Partition entpackt.<br />

Da das aktuelle Kubuntu-Image nicht<br />

mehr auf eine CD passt, Sie allerdings ein<br />

Installationsmedium benötigen, bleiben<br />

als die zwei naheliegenden Alternativen<br />

DVDs <strong>und</strong> USB-Sticks übrig. Hat Ihr Rechner<br />

ein DVD-Laufwerk, können Sie Kubuntu<br />

14.04 von unserer Heft-DVD installieren.<br />

Bei einigen älteren Rechnern ist<br />

das sogar ein Muss, da diese nicht von<br />

USB-Sticks booten – das können Sie im<br />

BIOS überprüfen. Wir beschreiben zunächst<br />

die Medienerstellung für Windows-7-Anwender.<br />

Wollen oder können Sie die Heft-DVD<br />

nicht nutzen, laden Sie ein ISO-Image<br />

vom Kubuntu-Server [2] herunter. Um es<br />

auf eine DVD zu schreiben, rufen Sie den<br />

Windows-Explorer auf <strong>und</strong> navigieren in<br />

den Ordner mit der Abbilddatei. Klicken<br />

Sie diese mit der rechten Maustaste an<br />

<strong>und</strong> wählen Sie Datenträgerabbild brennen,<br />

wobei Sie zuvor eine beschreibbare<br />

DVD in den DVD-Brenner legen sollten.<br />

Ein kleines Fenster (Abbildung 1) zeigt<br />

nun den DVD-Brenner in einem Aufklappmenü<br />

an, den Sie auswechseln, falls<br />

es sich um das falsche Laufwerk handelt.<br />

Über einen Klick auf Brennen starten Sie<br />

den kompletten Vorgang; per Kreuzchen<br />

können Sie zudem den Datenträger nach<br />

dem Brennen überprüfen. Wenn Sie bereits<br />

mit Linux arbeiten, können Sie auch<br />

dort das Image auf eine DVD brennen<br />

(siehe nächster Abschnitt).<br />

Wollen Sie Kubuntu hingegen auf einen<br />

USB-Stick spielen, laden Sie unter Windows<br />

den Linux Live USB<br />

Creator (LiLi) herunter [3]<br />

– aktuell ist die Version<br />

2.8.25. Sie stecken einen<br />

USB-Stick an den Rechner,<br />

der mindestens 4 GByte<br />

Speicherplatz mitbringen<br />

sollte, <strong>und</strong> klicken dann<br />

doppelt auf die exe-Datei<br />

von LiLi. Wählen Sie eine<br />

passende Sprache <strong>und</strong> installieren<br />

Sie das Programm.<br />

Nach dem Start<br />

stoßen Sie auf eine halbtransparente<br />

Oberfläche<br />

(Abbildung 2): Ganz oben<br />

(Schritt 1) wählen Sie den<br />

USB-Stick aus, in Schritt 2<br />

das ISO-Image von Kubuntu, in Schritt 3<br />

lassen Sie noch etwas Speicherplatz für<br />

das Live-System (was bei der Kubuntu-<br />

Installation aber nicht funktionierte).<br />

Wählen Sie in Schritt 4 die Möglichkeit,<br />

den Stick mit FAT32 zu formatieren,<br />

löscht das die Daten auf dem Stick,<br />

macht diesen aber auch für Windows-<br />

Rechner beschreibbar. Ein Klick auf das<br />

Blitzsymbol startet den Schreibvorgang.<br />

ISO-Datei unter Kubuntu<br />

Nutzen Sie bereits Kubuntu oder Ubuntu<br />

13.10 oder eine ältere Version, rufen Sie<br />

das Programm Startmedienersteller auf,<br />

das ähnlich wie LiLi funktioniert: Im oberen<br />

Bereich suchen Sie das ISO-Image<br />

aus, im unteren formatieren Sie den Datenträger,<br />

was alle vorherigen Daten vom<br />

USB-Stick löscht. Über Startmedium erstellen<br />

schreiben Sie das Abbild auf den<br />

USB-Stick.<br />

Um unter Linux eine DVD zu beschreiben,<br />

verwenden Sie hingegen das vorinstallierte<br />

Brennprogramm K3b. Sie legen<br />

eine leere DVD in das Laufwerk, halten<br />

das ISO-Image bereit <strong>und</strong> starten den<br />

Brennvorgang dann über Extras / ISO-Abbild<br />

brennen – der restliche Ablauf ist<br />

selbsterklärend. Egal, ob Sie Kubuntu,<br />

Windows oder ein anderes Betriebssystem<br />

verwenden: Am Ende sollte sich ein bootbares<br />

Image von Kubuntu 14.04 auf Ihrem<br />

USB-Stick oder auf der DVD befinden. Damit<br />

haben Sie bereits die ersten zwei der<br />

insgesamt fünf Schritte bewältigt.<br />

Schritt 3: Windows neben Kubuntu<br />

Schritt Nummer 3 muss Sie nur dann interessieren,<br />

wenn Sie Kubuntu neben einem<br />

vorhandenen Windows-System in-<br />

Abb. 3: Bootet Ihr Rechner wie gewünscht von DVD<br />

oder USB-Stick, sollte dieses Bootmenü erscheinen –<br />

oder Kubuntu direkt starten.<br />

30 www.easylinux.de<br />

<strong>EasyLinux</strong> 03/2014


Heft-DVD: Kubuntu 14.04<br />

Aktuell<br />

Abb. 4: Über „Start Kubuntu“ im Bootmenü gelangen Sie zu diesem Fenster, in dem Sie<br />

die Sprache auswählen <strong>und</strong> probeweise den KDE-Desktop im Live-Modus starten.<br />

stallieren wollen – das zeigen wir wieder<br />

am Beispiel von Windows 7. Sie brauchen<br />

den Schritt nicht zu gehen, wenn Sie<br />

l Kubuntu 14.04 komplett auf eine (leere<br />

oder volle) Festplatte installieren<br />

<strong>und</strong> alle bisher darauf gespeicherten<br />

Daten löschen möchten,<br />

l bereits über eine leere Partition verfügen,<br />

l Windows gerade frisch installiert<br />

haben oder<br />

l Kubuntu nur testen wollen, ohne es<br />

zu installieren.<br />

Generell raten wir übrigens davon ab, Kubuntu<br />

vor Windows zu installieren, da es<br />

schwierig ist, Windows nachträglich auf<br />

die Festplatte zu hieven. Einen Artikel zur<br />

Parallelinstallation von Windows <strong>und</strong><br />

zwei Linux-Distributionen (z. B. Kubuntu<br />

<strong>und</strong> OpenSuse) finden Sie in der Ausgabe<br />

04/​2012 [4], <strong>und</strong> die Installation auf<br />

UEFI-Rechnern mit Windows 8 haben wir<br />

in Ausgabe 02/​2013 beschrieben; der Artikel<br />

ist online [5], <strong>und</strong> Sie sollten ihn ergänzend<br />

lesen, wenn Sie einen UEFI-PC<br />

mit Windows 8 haben. (Für „klassische“<br />

PCs mit BIOS, auf denen Sie Windows 8<br />

z. B. als Update über ein Windows 7 installiert<br />

haben, ist das nicht nötig – UEFI<br />

ist die entscheidende Komponente.)<br />

Da Windows seine Dateien gern über die<br />

gesamte Festplatte verteilt, booten Sie es<br />

<strong>und</strong> defragmentieren zunächst die Platte.<br />

Dieser Vorgang versammelt zerstreute<br />

Dateifragmente in einem zusammenhängenden<br />

Bereich <strong>und</strong> macht die hinteren<br />

Teile der Partition frei. Dadurch können<br />

Sie einen Teil der Windows-Partition für<br />

andere Zwecke nutzen.<br />

l Sie defragmentieren unter Windows<br />

7, indem Sie das Startmenü aufrufen,<br />

in die Zeile Programme/​Dateien<br />

durchsuchen den Begriff defrag eingeben<br />

<strong>und</strong> dann auf Defragmentierung<br />

klicken.<br />

l Windows-8-Anwender finden das Defragmentierungsprogramm,<br />

indem sie<br />

die Maus nach rechts oben bewegen,<br />

auf Suchen klicken, als Suchbereich<br />

die Einstellungen auswählen <strong>und</strong><br />

dann in die Suchmaske defrag eingeben<br />

– unter den Treffern ist Laufwerke<br />

defragmentieren <strong>und</strong> optimieren<br />

die richtige Wahl. Es öffnet sich<br />

dann ein neues Programmfenster, in<br />

dem Sie die Systempartition (meist<br />

Laufwerk C:) auswählen <strong>und</strong> auf<br />

Optimieren klicken.<br />

l Unter Windows XP <strong>und</strong> Vista funktioniert<br />

das analog oder indem Sie im<br />

Startmenü Start / Alle Programme /<br />

Zubehör / Systemprogramme / Defragmentierung<br />

wählen.<br />

Nach diesem Vorgang, der oft eine Weile<br />

dauert, booten Sie Windows neu. Beim<br />

Hochfahren startet das Programm Chkdsk<br />

(check disk). Das überprüft die Partition<br />

aufgr<strong>und</strong> der Verkleinerung routinemäßig<br />

auf Schäden <strong>und</strong> bootet den Rechner<br />

dann neu – erst jetzt fährt Windows wie<br />

gewohnt hoch.<br />

Schritt 4: Test mit Live-System<br />

Vor der Kubuntu-Installation ist es sinnvoll,<br />

die Linux-Version zunächst als Live-<br />

System zu testen: Sie sehen dann, ob Kubuntu<br />

die Hardware komplett unterstützt;<br />

achten Sie hier u. a. auf die Grafikdarstellung<br />

<strong>und</strong> den Internetzugang, etwa via<br />

WLAN. Kubuntu schreibt beim Live-Betrieb<br />

keine Daten auf die Festplatte, weshalb<br />

Ihr Rechner nach dem Ausschalten<br />

so funktioniert wie zuvor.<br />

Um den Live-Modus zu starten, legen Sie<br />

die DVD ein oder stecken den USB-Stick<br />

an einen passenden Port. Dann schalten<br />

Sie den Rechner aus <strong>und</strong> wieder ein <strong>und</strong><br />

warten, ob das Bootmenü von Kubuntu<br />

auftaucht (Abbildung 3) – im Test erschien<br />

es nur, wenn wir beim Booten<br />

[Esc] gedrückt hielten; andernfalls bootete<br />

Kubuntu direkt von der DVD, was<br />

auch in Ordnung ist.<br />

Startet trotz Kubuntu-DVD oder ‐Stick direkt<br />

das auf Platte installierte Windows,<br />

müssen Sie im BIOS (oder in den UEFI-<br />

Einstellungen) die Bootreihenfolge korrigieren.<br />

Dazu drücken Sie direkt nach dem<br />

Einschalten des Rechners einmal oder<br />

mehrmals eine spezielle Taste – häufig<br />

[Esc], [Entf], [F2], [F9] oder [F12]. Hilft<br />

das nicht weiter, blättern Sie im Handbuch<br />

zum Rechner nach oder suchen online<br />

nach einem PDF-Handbuch, das zu<br />

Ihrem PC passt. Für UEFI-Rechner gibt es<br />

eine spezielle Tastenkombination, über<br />

die Sie eine Auswahl bootfähiger Systeme<br />

erhalten.<br />

Einmal im BIOS oder UEFI-Setup, suchen<br />

Sie nach den Optionen, über die Sie die<br />

Reihenfolge der Bootmedien ändern.<br />

Abb. 5: Die Standardsituation: Windows belegt die ganze Platte; dann schlägt der Kubuntu-Installer<br />

vor, diesen Platz aufzuteilen.<br />

<strong>EasyLinux</strong><br />

03/2014<br />

www.easylinux.de<br />

31


Aktuell<br />

Heft-DVD: Kubuntu 14.04<br />

Meist zeigt das BIOS auch die Tasten an,<br />

über die Sie Optionen auswählen <strong>und</strong> verändern.<br />

Stoßen Sie auf die Liste der Bootmedien,<br />

schieben Sie das DVD-Laufwerk<br />

oder den USB-Stick an die oberste Stelle<br />

<strong>und</strong> verlassen das BIOS, wobei Sie die<br />

Einstellungen speichern.<br />

Im Bootmenü warten nun mehrere Optionen<br />

auf Sie: Üblicherweise wählen Sie<br />

Start Kubuntu, um die Distribution erstmal<br />

zu testen, bevor Sie zur Installation<br />

schreiten. In diesem Fall landen Sie bei<br />

einer Abfrage (Abbildung 4), über die Sie<br />

die Sprache Deutsch für Kubuntu einstellen,<br />

um die Distribution dann auszuprobieren<br />

oder zu installieren. Wählen Sie<br />

ersteres, erscheint nach kurzer Ladezeit<br />

der KDE-Desktop, <strong>und</strong> Sie haben nun die<br />

Möglichkeit, sich diesen in aller Ruhe anzuschauen<br />

<strong>und</strong> seine Features zu testen.<br />

Beachten Sie, dass KDE im Live-Modus<br />

träger reagiert als die installierte Version.<br />

Gefällt Ihnen, was Sie sehen, stellen Sie<br />

per Kabel oder WLAN eine Internetverbindung<br />

her <strong>und</strong> installieren Kubuntu<br />

14.04 über einen Mausklick auf das Desktop-Icon<br />

Install Kubuntu 14.04.<br />

Schritt 5: Finale<br />

Der grafische Installer lässt Sie erst eine<br />

Sprache auswählen <strong>und</strong> prüft im nächsten<br />

Schritt, ob Ihr Rechner am Internet<br />

hängt, mit Strom versorgt wird <strong>und</strong> genügend<br />

freien Platz für die Installation mitbringt.<br />

Zusätzlich können Sie noch zwei<br />

Kreuzchen bei Software von Drittanbietern<br />

installieren <strong>und</strong> Aktualisierungen<br />

während der Installation herunterladen<br />

setzen. Ersteres sorgt dafür, dass Kubuntu<br />

auch einige gr<strong>und</strong>legende Multimedia-Codecs<br />

installiert, die es Ihnen erlauben,<br />

Filme zu schauen (auch im Flash-<br />

Format), MP3-Dateien abzuspielen <strong>und</strong><br />

Audio-CDs zu brennen. Die zweite Option<br />

lädt während der Installation automatisch<br />

die Updates herunter, ohne sie<br />

aber zu installieren – das legen Sie in einem<br />

Extraschritt fest.<br />

Lassen Sie sich nicht davon irritieren,<br />

dass Kubuntu während der Installation<br />

einen Sprachmix aus Deutsch <strong>und</strong> Englisch<br />

präsentiert; anders als bei älteren<br />

Versionen sind hier viele Dialoge nicht<br />

übersetzt worden.<br />

Es folgt der spannendste Teil der Installation<br />

– das Partitionieren. Die angebotenen<br />

LVM-Optionen können Sie ignorieren <strong>und</strong><br />

stoßen dann meist auf eines der folgenden<br />

Szenarien:<br />

l Läuft bereits ein Windows-System auf<br />

dem Rechner, dessen Festplatte Sie,<br />

wie im Abschnitt Schritt 3: Windows<br />

Abb. 7: Nach dem Partitionieren hat die Platte drei neue Linux-Partitionen.<br />

Abb. 6: Beim Anlegen einer neuen Partition wählen Sie Größe, Dateisystem <strong>und</strong> Mount<br />

Point aus. Sie brauchen für Linux mindestens eine Daten- <strong>und</strong> eine Swap-Partition.<br />

neben Kubuntu beschrieben, vorbereitet<br />

haben, können Sie in der Regel die<br />

Vorgabe Partition verkleinern <strong>und</strong> den<br />

freigewordenen Platz zur Installation<br />

nutzen übernehmen. Abbildung 5<br />

zeigt, dass der Installer auch grafisch<br />

anzeigt, wie sich die Partitionierung<br />

ändern wird. Die Grenze zwischen<br />

Windows- <strong>und</strong> Linux-Bereich können<br />

Sie auch verschieben, um einem<br />

der beiden Systeme deutlich mehr<br />

Plattenplatz zu überlassen. Wenn Sie<br />

diese Option nutzen, klicken Sie auf<br />

Jetzt installieren, <strong>und</strong> es geht los.<br />

l Haben Sie Windows noch nicht defragmentiert,<br />

schlägt der Installer lediglich<br />

vor, Windows durch Kubuntu<br />

zu ersetzen. Möchten Sie das nicht,<br />

müssen Sie die Windows-Platte, wie<br />

in Schritt 3 beschrieben, vorbereiten.<br />

l Läuft bereits ein anderes Linux-System<br />

auf dem Gerät, möchte Kubuntu<br />

eher etwas von dessen Ressourcen<br />

abknapsen <strong>und</strong> schlägt vor, die<br />

Linux-Partition zu verkleinern. Ein<br />

schwarzer Schieberegler hilft Ihnen<br />

dabei, das zu erledigen.<br />

l Brauchen Sie hingegen kein weiteres<br />

System auf der Festplatte, wählen<br />

Sie die Option Geführt – vollständige<br />

Festplatte verwenden <strong>und</strong> weisen<br />

Kubuntu so den kompletten Platz zu;<br />

das ist die einfachste Lösung.<br />

Fortgeschrittene Anwender können auch<br />

selbst über die Aufteilung der Platte entscheiden,<br />

wählen Manuell <strong>und</strong> klicken<br />

dann auf Weiter. Im neuen Fenster taucht<br />

nun neben ein oder zwei Windows-Partitionen<br />

auch eventuell vorhandener freier<br />

32 www.easylinux.de<br />

<strong>EasyLinux</strong> 03/2014


Heft-DVD: Kubuntu 14.04<br />

Aktuell<br />

Speicherplatz auf. Gibt es keinen, wählen<br />

Sie zunächst die Windows-Partition aus,<br />

klicken auf Change <strong>und</strong> geben ihr eine<br />

neue (kleinere) Größe.<br />

Klicken Sie auf einen freien Bereich, erscheint<br />

ein kleines Fenster, über das Sie<br />

eine neue Partition anlegen können. Die<br />

Unterschiede zwischen logischen <strong>und</strong> primären<br />

Partitionen erklärt der Kasten Festplattenschemata.<br />

Sie brauchen mindestens eine Root-Partition<br />

(Mount Point ist /), auf der Kubuntu<br />

sämtliche Verzeichnisse, Programme, Bibliotheken<br />

<strong>und</strong> Logdateien ablegt. Wir<br />

spendieren dieser Partition im Beispiel<br />

10 000 MByte (Abbildung 6), verwenden<br />

Ext4 als Dateisystem (Use as Ext4-<br />

Journaling-Dateisystem) <strong>und</strong> setzen den<br />

Mount Point auf das oberste Wurzelverzeichnis<br />

(/). Ein Klick auf OK richtet die<br />

Partition ein. Auf den Swap-Bereich <strong>und</strong><br />

die separate Home-Partition (Abbildung<br />

7) können Sie im Prinzip auch verzichten<br />

– beide bringen jedoch Vorteile<br />

mit: Läuft der Arbeitsspeicher über,<br />

springt die Swap-Partition in die Bresche,<br />

was das System jedoch langsamer<br />

Abb. 8: Nach der erfolgreichen Installation von Kubuntu<br />

14.04 neben Windows sollte der Bootloader Einträge für<br />

beide Systeme anzeigen.<br />

macht. Um den Swap-Bereich<br />

einzurichten, erzeugen<br />

Sie wieder eine neue<br />

Partition <strong>und</strong> weisen bei<br />

New partition size Platz<br />

von der Größe Ihres Arbeitsspeichers<br />

zu. Als<br />

Dateisystem (Use as) nehmen<br />

Sie Auslagerungsspeicher<br />

(Swap).<br />

Die Home-Partition hängt<br />

Kubuntu nach dem Start<br />

in das Verzeichnis /home<br />

ein. Sie enthält die Nutzerdaten<br />

sämtlicher Anwender<br />

(meist gibt es ja nur<br />

einen Benutzer), etwa <strong>Musik</strong>,<br />

Filme, Fotos <strong>und</strong> Dokumente.<br />

Der Vorteil: Wechseln Sie einmal<br />

das Linux-System oder fährt Linux<br />

nicht mehr hoch, installieren Sie eine<br />

neue Linux-Version in die Root-Partition<br />

(/) <strong>und</strong> hängen dann die alte Home-Partition<br />

in das neue Verzeichnis /home ein<br />

– mitsamt allen bisherigen Benutzerdaten.<br />

Nutzen Sie für die Home-Partition<br />

einfach den restlichen Speicherplatz, legen<br />

Sie als Dateisystem das Ext4-Journaling-Dateisystem<br />

fest, <strong>und</strong> tragen Sie als<br />

Mount Point den Verzeichnisnamen<br />

/home ein. Nach einem Klick auf OK<br />

kontrollieren Sie Ihre getroffenen Entscheidungen<br />

noch einmal <strong>und</strong> schauen<br />

im unteren Bereich, ob Kubuntus Installer<br />

den Bootloader für Linux (<strong>und</strong> eventuell<br />

Windows) auf die richtige Fest-


Aktuell<br />

Heft-DVD: Kubuntu 14.04<br />

Abb. 9: Ergebnis der Anstrengungen: Kubuntu hat den KDE-Desktop gestartet, jetzt können Sie loslegen.<br />

Festplattenschemata<br />

Linux benennt Festplatten nach einem<br />

festen Schema: /dev/​sda adressiert<br />

die erste erkannte Festplatte, /dev/​<br />

sda1 bis /dev/​sda4 bei „klassischen“<br />

Partitionstabellen die vier primären Partitionen<br />

darauf. Bei /dev/​sda5 handelt<br />

es sich um die erste logische Partition,<br />

die sich innerhalb einer erweiterten Partition<br />

befindet. Windows belegt meist<br />

die erste <strong>und</strong> zweite primäre Partition,<br />

also /dev/​sda1 <strong>und</strong> /dev/​sda2. Stecken<br />

Sie nun einen USB-Stick oder eine<br />

externe Festplatte in den USB-Slot, erhalten<br />

diese Geräte die Bezeichnung<br />

/dev/​sdb, ansonsten folgt alles dem<br />

obigen Schema. Über den Kommandozeilenbefehl<br />

sudo fdisk ‐l erhalten Sie<br />

platte schreiben will – meist /dev/​sda.<br />

Über Jetzt installieren beginnen Sie mit<br />

der Installation.<br />

Während der Installer nun im Hintergr<strong>und</strong><br />

beginnt, das Kubuntu-System auf<br />

die Platte zu kopieren, möchte er noch<br />

ein paar Sachen von Ihnen wissen. Sie geben<br />

die Zeitzone <strong>und</strong> Region an, in der<br />

Sie leben, wählen das deutsche Tastaturlayout<br />

aus <strong>und</strong> geben dann Informationen<br />

zu einem Benutzer an, den Kubuntu als<br />

Standardanwender einrichtet.<br />

Um die Sicherheit für Ihr System zu erhöhen,<br />

können Sie das Home-Verzeichnis<br />

verschlüsseln (Meine persönlichen Dateien<br />

verschlüsseln). Melden Sie sich dann<br />

später von einer Desktopsitzung ab, können<br />

unbefugte Dritte nicht auf die Daten<br />

in Ihrem Home-Verzeichnis zugreifen.<br />

Brauchen Sie all das nicht, wählen Sie<br />

Automatische Anmeldung.<br />

Die Dateien auf Platte zu kopieren, dauert<br />

eine Weile. In der Zwischenzeit präsentiert<br />

Kubuntu in einer Diashow seine<br />

Highlights. Am Ende starten Sie den<br />

Rechner neu. Bei einer Parallelinstallation<br />

mit Windows sollte das Bootmenü Einträge<br />

für beide Betriebssysteme anzeigen<br />

(Abbildung 8), wobei es Kubuntu als<br />

Ubuntu bezeichnet.<br />

eine Übersicht der verfügbaren Festplatten<br />

<strong>und</strong> USB-Speicher sowie der darauf<br />

befindlichen Partitionen <strong>und</strong> Dateisysteme.<br />

UEFI-Rechner verwenden ein alternatives,<br />

GPT (GUID Partition Table) genanntes<br />

Partitionierungsschema, bei dem es<br />

keine erweiterten <strong>und</strong> logischen Partitionen<br />

gibt. Dort wird einfach durchnummeriert<br />

(sda1, sda2 usw.). Um die Partitionstabelle<br />

der Platte sda anzuzeigen,<br />

verwenden Sie hier das Kommando<br />

sudo gdisk ‐l /dev/sda.<br />

Unabhängig von der Art der Partitionstabelle<br />

funktioniert immer der Aufruf cat<br />

/proc/partitions, der allerdings eine weniger<br />

informative Ausgabe produziert.<br />

Zeit für Updates<br />

Landen Sie nun auf dem neuen Desktop<br />

(Abbildung 9), empfehlen wir, zunächst<br />

alle Aktualisierungen <strong>und</strong> Patches einzuspielen.<br />

Rufen Sie dazu über Anwendungen<br />

/ System / Aktualisierungsverwaltung<br />

die Muon-Aktualisierungsverwaltung<br />

auf <strong>und</strong> spielen Sie die neuesten<br />

Updates ein. Wenn Sie keinen Internetzugang<br />

haben, können Sie dazu auch<br />

das <strong>EasyLinux</strong> Service Kit auf unserer<br />

Heft-DVD nutzen. (hge)<br />

n<br />

Infos<br />

[1] DistroWatch-Rangliste:<br />

http:// distrowatch. com/ dwres. php?​<br />

resource=popularity<br />

(http:// ezlx. de/ e3m1)<br />

[2] Kubuntu-Download:<br />

http:// www. kubuntu. org/ getkubuntu<br />

(http:// ezlx. de/ e3m2)<br />

[3] LiLi für Windows:<br />

http:// www. linuxliveusb. com/ download<br />

(http:// ezlx. de/ e3m3)<br />

[4] Parallelinstallation von Windows <strong>und</strong> 2x<br />

Linux: Hans-Georg Eßer, „Multi-Boot“,<br />

<strong>EasyLinux</strong> 04/​2012, S. 62 ff.<br />

[5] Installation auf UEFI-PCs: Hans-Georg<br />

Eßer, „Dual-Boot mit Windows 8“,<br />

<strong>EasyLinux</strong> 02/​2013, S. 34 ff.,<br />

http:// linux‐community. de/ artikel/ 28392<br />

(http:// ezlx. de/ e3m4)<br />

Software auf DVD: Kubuntu 14.04 (64 Bit),<br />

Mythbuntu 14.04 (64 Bit)<br />

34 www.easylinux.de<br />

<strong>EasyLinux</strong> 03/2014


Heft-DVD: Mint 17 Mate<br />

Aktuell<br />

Linux Mint 17 Mate auf der Heft-DVD<br />

Doppelt<br />

destilliert<br />

Peter Kreußel<br />

Das Ubuntu-Derivat Linux Mint hat sich auf die Fahnen<br />

geschrieben, den Debian-Ableger Ubuntu noch einmal<br />

zu verfeinern. Die Distribution lindert mit ihrem Desktop<br />

Mate einige Kopfschmerzen, die Ubuntu mit der Unity-<br />

Oberfläche manchen Anwendern bereitet.<br />

Noch vor ein paar Jahren rieten erfahrene<br />

Anwender Linux-Umsteigern<br />

fast einstimmig: „Versucht<br />

es mit Ubuntu!“ Inzwischen kennt die Beliebtheitsrangliste<br />

auf DistroWatch einen<br />

neuen Star: Linux Mint [1] hat Ubuntu<br />

den ersten Rang abgejagt [2]. Mint ist ein<br />

inoffizielles Ubuntu-Derivat, das den bewährten<br />

Ubuntu-Unterbau mit alternativen,<br />

leichter zu bedienenden Desktopumgebungen<br />

kombiniert.<br />

Die Mint-Entwickler reagieren damit auf<br />

die Kritik, der sich Ubuntu zunehmend<br />

ausgesetzt sieht: Sein Desktop Unity [3]<br />

stößt Umsteiger von Windows <strong>und</strong> von<br />

anderen Linux-Distributionen gleichermaßen<br />

vor den Kopf. In der Standardeinstellung<br />

zeigt er neben installierten Programmen<br />

ungefragt Produkte von Amazon.<br />

Auf älterer Hardware läuft Unity schleppend<br />

oder gar nur in einem eingeschränkten<br />

Modus.<br />

Die aktuelle Release Linux Mint 17 kombiniert<br />

das noch frische Ubuntu 14.04 mit<br />

den Desktopumgebungen Mate (Abbildung<br />

1) [4] <strong>und</strong> Cinnamon [5]. Beide setzen<br />

auf die altbewährte Taskleiste <strong>und</strong><br />

ein konventionelles Startmenü. Unsere<br />

Heft-DVD enthält die Mate-Variante.<br />

Wir haben Linux Mint Mate [6] für Sie getestet.<br />

Der Mate-Desktop ist eine von einem<br />

neuen Team betreute Fassung von<br />

Gnome 2, deren Entwicklung das ursprüngliche<br />

Gnome-Team 2010 eingestellt<br />

hat – obwohl viele Anwender zufrieden<br />

waren <strong>und</strong> sich kein neues Bedienkonzept<br />

gewünscht haben. Außerdem ist die<br />

alte, doch weiter gepflegte Desktopumgebung<br />

wie geschaffen für in die Jahre gekommene<br />

Computer.<br />

©serezniy, 123RF<br />

Vorauswahl<br />

Schon ein Klick auf das Startmenü<br />

(Abbildung 2) offenbart, warum<br />

Linux-Mint-Umsteiger im Handstreich<br />

für sich einnimmt: In<br />

zwei Spalten mit großen<br />

Icons finden Anwender<br />

acht wichtige Anwendungen,<br />

darunter Browser,<br />

Mailprogramm, Taschenrechner, ein <strong>Musik</strong>programm<br />

<strong>und</strong> einen Texteditor. Eine<br />

Trennlinie teilt die Anwendungen übersichtlich<br />

in Vierergruppen.<br />

Ganz unten liegen die Einstellungen für<br />

die Auflösung <strong>und</strong> die Anordnung des<br />

Desktops auf mehreren Bildschirmen, die<br />

häufig direkt nach der Installation gefragt<br />

sind. Zudem ist noch die Systemüberwachung<br />

zu finden, mit der Sie blockierende<br />

Programm beenden oder herausfinden,<br />

welche Anwendungen übermäßig viel Arbeitsspeicher<br />

belegen.<br />

Die ganze linke Spalte enthält Lesezeichen<br />

zu häufig gebrauchten Ordnern. In<br />

der Rubrik System finden Sie eine Paketverwaltung.<br />

Hinzu kommen Einträge zum<br />

Sperren des Bildschirms, Abmelden <strong>und</strong><br />

Ausschalten des Rechners. Dank der Favoriten<br />

im Startmenü finden Einsteiger<br />

gleich nach dem ersten Start die wichtigsten<br />

Programme <strong>und</strong> Einstellungen.<br />

Der F<strong>und</strong>us der vorinstallierten Anwendungen<br />

erschöpft sich nicht in den zehn<br />

Favoriten: Ein Klick auf Alle Anwendungen<br />

bringt Sie zu einem nach Kategorien<br />

geordneten, konventionellen Startmenü<br />

(Abbildung 3). Um Programme von dort<br />

aus den Favoriten hinzuzufügen, klicken<br />

Sie rechts auf einen Menüeintrag <strong>und</strong><br />

wählen In meinen Favoriten anzeigen. Sie<br />

entfernen Favoriten ebenfalls per Rechtsklick<br />

<strong>und</strong> Auswahl der Option Aus den<br />

Favoriten entfernen.<br />

Das Mint-Startmenü bietet außerdem<br />

im Gegensatz zum ursprünglichen<br />

Gnome-2-Menü eine Suchfunktion,<br />

mit der Sie Programme schnell<br />

durch Eintippen der ersten zwei<br />

bis drei Buchstaben des Programmnamens<br />

finden.<br />

Hängen <strong>und</strong> Würgen<br />

Selbst wenn Sie vorher<br />

freien Platz geschaffen<br />

haben, hängen leider<br />

vom Anwender hinzugefügte<br />

neue Favoriten<br />

zunächst<br />

halb verdeckt unter<br />

dem Suchen-<br />

Eingabefeld (Abbildung<br />

4). Solange<br />

Sie nicht<br />

mehr als die<br />

vorgesehenen<br />

zehn Favoriten<br />

benötigen,<br />

lässt sich<br />

<strong>EasyLinux</strong><br />

03/2014<br />

www.easylinux.de<br />

35


Aktuell<br />

Heft-DVD: Mint 17 Mate<br />

oder Sie aktivieren die Option Bildlaufleiste<br />

erlauben (Abbildung 5). Daraufhin<br />

können Sie im Eingabefeld darunter eine<br />

fixe Höhe für das Startmenü in Bildpunkten<br />

eingeben.<br />

Abb. 1: Früher war vieles besser: Wie auf dem alten Gnome-2-Desktop lassen sich auf<br />

der Mate-Arbeitsfläche Ordner <strong>und</strong> Programmstarter ablegen. Der Dateimanager kennt<br />

eine Zweispaltenansicht. Das primitive Gnome-2-Startmenü haben die Mint-Entwickler<br />

dagegen nach dem KDE-Vorbild modernisiert.<br />

dieses Problem durch Ziehen mit der<br />

Maus lösen. Allerdings dürfen Sie das<br />

Icon nicht wie erwartet an die gewünschte<br />

Leerstelle verschieben. Sie<br />

müssen es vielmehr auf ein bestehendes<br />

Icon ziehen, das dann eine Spalte nach<br />

rechts rückt.<br />

Noch unausgereifter gibt sich das Mint-<br />

Startmenü, wenn es mehr als die zehn<br />

voreingestellten Favoriten aufnehmen<br />

soll: Seine Größe lässt sich nicht wie in<br />

KDE mit der Maus verändern. Dafür öffnet<br />

ein Rechtsklick auf das Startmenü-<br />

Symbol die Menüeinstellungen: Im Reiter<br />

Favoriten können Sie die Spaltenzahl erhöhen<br />

<strong>und</strong> die Größe der Favoriten-Icons<br />

(Symbolgröße) verringern.<br />

Die Höhe des Startmenüs lässt sich nur<br />

mit einem Umweg über den Reiter Orte in<br />

den Menüeinstellungen verändern: Entweder<br />

Sie fügen über den Button Neu<br />

weitere benutzerdefinierte Orte hinzu,<br />

Versöhnliches<br />

Das Verwalten der Favoriten im Mint-<br />

Startmenü ist etwas mühsam. Doch hat<br />

man es einmal wie gewünscht konfiguriert,<br />

wirkt es dank mehrerer Spalten <strong>und</strong><br />

der Trennlinien sogar übersichtlicher als<br />

das KDE-4- oder Windows-7-Startmenü<br />

(Abbildung 6). Ein Rechtsklick auf einen<br />

Menüeintrag genügt, um nicht mehr benötige<br />

Programme zu deinstallieren.<br />

Ebenfalls per Rechtsklick heften Sie<br />

Schnellstarter an die Taskleiste oder legen<br />

sie auf dem Desktop ab.<br />

Auch der Dateimanager kann mehr als<br />

seine aktuelle Gnome-3-Entsprechung:<br />

[F3] öffnet eine praktische Zweispaltenansicht<br />

(Abbildung 1), welche die Anwender<br />

den Gnome-Entwicklern nach<br />

Jahren aus den Rippen geleiert hatten<br />

<strong>und</strong> die beim aktuellen Gnome-Desktop<br />

leider ohne guten Gr<strong>und</strong> wieder verschw<strong>und</strong>en<br />

ist.<br />

Extrapaket<br />

Der aktuelle Gnome-Desktop hat nach<br />

Meinung vieler Anwender auch zu wenig<br />

Einstellmöglichkeiten. Im Mint-Kontrollzentrum,<br />

das ein Menüeintrag in der linken<br />

Spalte des Startmenüs öffnet, kontrollieren<br />

Sie dagegen alle Aspekte Ihres Systems<br />

– vom Erscheinungsbild des Desktops<br />

über die Netzwerkverbindungen bis hin<br />

zur Software- <strong>und</strong> Benutzerverwaltung.<br />

Abb. 2: Manchmal erleichtern Kleinigkeiten das Leben spürbar.<br />

So sorgt das Mint-Startmenü mit zweispaltigen, durch Trennlinien<br />

optisch gruppierten Favoriten für entspanntes Arbeiten <strong>und</strong><br />

kurze Mauswege.<br />

Abb. 3: Mit dem rot markierten Button schalten Sie zwischen Favoritenansicht<br />

<strong>und</strong> der Anzeige aller Programme um. Der Cursor<br />

steht von Anfang an im „Suchen“-Feld. Sie brauchen nur ein<br />

paar Buchstaben zu tippen, um ein Programm zu finden.<br />

36 www.easylinux.de<br />

<strong>EasyLinux</strong> 03/2014


Heft-DVD: Mint 17 Mate<br />

Aktuell<br />

Abb. 4: Beim Bearbeiten der Favoriten zeigt das optisch hübsch<br />

gestaltete Mint-Startmenü Schwächen: Es wächst nicht mit der<br />

Zahl der Favoriten. Sie dürfen Icons auch nicht direkt auf einen<br />

leeren Bereich ziehen, sondern nur auf andere Icons, die dann<br />

nach rechts wandern.<br />

Abb. 5: Normalerweise richtet sich die Höhe des Mint-Startmenüs<br />

nur nach der linken Spalte. Überzählige Favoriten (große<br />

Symbole) schneidet es einfach ab – es sei denn, Sie aktivieren in<br />

den Einstellungen die etwas irreführend benannte Option „Bildlaufleiste<br />

erlauben“ <strong>und</strong> geben eine feste Höhe ein.<br />

Besondere Mühe haben sich die Mint-<br />

Entwickler bei der Software- <strong>und</strong> Updateverwaltung<br />

gegeben. Die Aktualisierungsverwaltung<br />

meldet bereitliegende<br />

Sicherheitsfixes mit einem blauen Ausrufezeichensymbol<br />

in der Taskleiste. Ein<br />

Klick darauf öffnet die Aktualisierungsverwaltung,<br />

die, anders als unter<br />

Ubuntu, die Fixes farbig klassifiziert<br />

(Abbildung 7): Ein rotes Ausrufezeichen<br />

hebt sicherheitskritische Updates hervor,<br />

die Sie sofort installieren sollten (unten<br />

in der Abbildung). Vorsichtige Naturen<br />

ziehen es dagegen vor, auf reine Fehlerkorrekturen<br />

(blaues Symbol) zu verzichten,<br />

solange sie beim Arbeiten nicht auf<br />

Probleme stoßen.<br />

Die größte Besonderheit in der Mint-Updateverwaltung<br />

ist jedoch die Einteilung<br />

der Updates in fünf Ebenen (Abbildung<br />

7, oben): Die Mint-Entwickler bewerten<br />

mit ihnen die Wahrscheinlichkeit, mit der<br />

es beim Update zu ernsthaften Problemen<br />

kommen könnte. Die langjährige Erfahrung<br />

zeigt, dass die Ubuntu-Entwickler<br />

beim Testen ihrer Fehlerkorrekturen tatsächlich<br />

nicht immer genug Sorgfalt an<br />

den Tag legen. Mint spielt darum in der<br />

Standardeinstellung nur Fixes ein, die das<br />

Mint-Team entweder gesondert geprüft<br />

hat oder generell als unkritisch einstuft.<br />

welche die Aktualisierungsverwaltung<br />

nur nach manueller Auswahl einspielt:<br />

Fehler am Kernel reißen oft gefährliche<br />

Lücken im System auf. Darum widmet die<br />

Mint-Updateverwaltung dem Kernel eine<br />

Sonderbehandlung (Abbildung 8), auf<br />

die Sie mit Anzeigen / Linux-Kernel zugreifen.<br />

Sie listet drei aktuell verfügbare<br />

Varianten des Linux-Kernels auf, die Sie<br />

über die Installieren-Buttons unten in der<br />

Spalte aktualisieren.<br />

Einen ganz besonderen Service bieten die<br />

blauen Links: Ein Klick auf sie öffnet Beschreibungen<br />

der eingepflegten Fehlerkorrekturen<br />

<strong>und</strong> Meldungen von Rückschritten,<br />

also in Zusammenhang mit dem<br />

Update auftretenden neuen Problemen.<br />

Tatsächlich haben Anwender für den Kernel<br />

3.13.0-27 (Abbildung 8, Mitte) gemeldet,<br />

dass sich ihr Rechner nach dem Einspielen<br />

nicht mehr starten ließ.<br />

Welche Alternative wählt man, wenn beiden<br />

ein schwer kalkulierbares Restrisiko<br />

anhaftet? Die Mint-Entwickler setzen die<br />

Voreinstellung nach Meinung der Redaktion<br />

sinnvoll: Einsteiger wissen nicht, wie<br />

man am Bootmenü mit [Esc] die vorherige<br />

Kernel-Version wählt. Für unerfahrene<br />

Anwender ist das Sicherheitsproblem<br />

wohl das kleinere Übel, solange Angreifer<br />

Lücken in Linux noch nicht wie<br />

bei Windows im großen Stil ausnutzen.<br />

Des Linux’ Kern<br />

Kritik hat es den Mint-Entwicklern jedoch<br />

eingebracht, dass sie Aktualisierungen<br />

des Linux-Kernels gr<strong>und</strong>sätzlich in die<br />

Ebene 5 (Gefährliche Pakete) einordnen,<br />

Abb. 6: Nur zum Vergleich: Die optisch unstrukturierte Kolonne aus Einträgen in konventionellen<br />

Startmenüs wird schnell unübersichtlich, während Doppelspalten <strong>und</strong><br />

Trennlinien in Mint dem Anwender die Orientierung erleichtern.<br />

<strong>EasyLinux</strong><br />

03/2014<br />

www.easylinux.de<br />

37


Aktuell<br />

Heft-DVD: Mint 17 Mate<br />

Abb. 7: Selten, aber nicht selten genug zerstören Ubuntu-Updates<br />

das laufende System. Linux Mint spielt daher in der Standardeinstellung<br />

nicht alle Aktualisierungen ein. Die Einteilung in<br />

verschiedene Updatekategorien hilft bei der Auswahl.<br />

Abb. 8: Kernel-Updates behandelt Linux Mint mit besonderer<br />

Sorgfalt: Anhand von Links auf die Ubuntu-Bugreports können<br />

Sie vor dem Einspielen prüfen, welche Probleme bei anderen Anwendern<br />

aufgetreten sind.<br />

Alte Hasen aktivieren dagegen in den Einstellungen<br />

(Bearbeiten / Einstellungen)<br />

die Option Sicherheitsaktualisierungen<br />

immer auswählen <strong>und</strong> vertrauen oder<br />

markieren Aktualisierungen der Ebene 4<br />

<strong>und</strong> 5 als sicher. Letzteres installiert alle<br />

bereitliegenden Fixes der Ubuntu- <strong>und</strong><br />

Mint-Teams, die generell weit mehr Probleme<br />

lösen als sie neue hervorrufen.<br />

Präsentierteller<br />

Das Startmenü enthält Einträge<br />

für die Anwendungsverwaltung<br />

(Abbildung 9, oben)<br />

<strong>und</strong> eine Paketverwaltung<br />

(Abbildung 9, unten), was<br />

zunächst verwirrt: Beide Programme<br />

verwalten offensichtlich<br />

Softwarepakete. Doch in<br />

der Bedienung unterscheiden<br />

sie sich stark: Die Anwendungsverwaltung<br />

präsentiert<br />

bloß eigenständige Programme.<br />

In der Paketverwaltung<br />

sind dagegen auch die Bibliotheken<br />

<strong>und</strong> Hilfsprogramme<br />

sichtbar, auf welchen<br />

die Anwendungen aufsetzen.<br />

Die meisten Anwender brauchen<br />

fast nur die viel übersichtlichere<br />

Anwendungsverwaltung:<br />

Sie installiert die<br />

benötigten Bibliotheken stillschweigend<br />

im Hintergr<strong>und</strong>.<br />

Abb. 9: Zweimal Paketverwaltung: Die Anwendungsverwaltung<br />

(oben) zeigt nur Programme <strong>und</strong> hält Ihnen Bibliotheken mit<br />

kryptischen Namen vom Hals. Nur selten müssen Sie eine von<br />

ihnen mit der Paketverwaltung (unten) von Hand installieren.<br />

Die Paketverwaltung ist nur gefragt,<br />

wenn Sie zum Beispiel ein <strong>EasyLinux</strong>-<br />

Artikel auffordert: „Installieren Sie das<br />

Paket xyz“.<br />

Auch unter Ubuntu gibt es eine vergleichbare<br />

Anwendungsverwaltung,<br />

doch die arbeitet auf alten Computern<br />

quälend langsam. Viele Open-Source-Anhänger<br />

stört es auch, dass sie freie Programme<br />

mit kostenpflichtigen aus dem<br />

Ubuntu-App-Store mischt. Beide Kritikpunkte<br />

beseitigt Mint mit seinem alternativen<br />

Programm.<br />

Weil Linux Mint 17 auf einer LTS-Version<br />

(Long Term Support) von Ubuntu aufsetzt,<br />

stehen bis 2019 Fehlerkorrekturen<br />

bereit. Die Mint-Entwickler widmen in<br />

den nächsten zwei Jahren ihre ganze Zeit<br />

weiteren Verbesserungen an<br />

dieser Version. Sie stellen<br />

diese als Updates bereit, die<br />

sich ohne Neuinstallation der<br />

ganzen Distribution einspielen<br />

lassen.<br />

Boxenstart<br />

Bei der Installation selbst unterscheiden<br />

sich Linux Mint<br />

<strong>und</strong> Ubuntu nur in einem<br />

Punkt: Ubuntu bietet nach<br />

dem Einlegen des Installationsmediums<br />

gleich die Optionen<br />

Ubuntu ausprobieren<br />

<strong>und</strong> Ubuntu installieren an;<br />

Mint startet dagegen ungefragt<br />

das Live-System. Auf<br />

dessen Desktop liegt ein Icon<br />

Install Linux Mint, welches<br />

das bis auf die Optik unveränderte<br />

Ubuntu-Installationsprogramm<br />

aufruft. Dieses<br />

kommt problemlos mit parallel<br />

installierten Windows-<br />

38 www.easylinux.de<br />

<strong>EasyLinux</strong> 03/2014


Heft-DVD: Mint 17 Mate<br />

Aktuell<br />

oder Linux-Installationen zurecht (Abbildung<br />

10, oben). Es bringt auch ein<br />

einfach zu bedienendes grafisches Werkzeug<br />

mit (Abbildung 10, unten), mit<br />

dem Sie bei Bedarf die Festplattenpartitionen<br />

anderer Systeme verkleinern. Für<br />

eine detaillierte Anleitung zur Installation<br />

lesen Sie darum den Artikel zur<br />

Ubuntu-Installation ab Seite 29.<br />

Allerdings lassen sich Ubuntu <strong>und</strong> Linux<br />

Mint im Moment nicht nebeneinander auf<br />

aktuellen Rechnern installieren, auf denen<br />

UEFI [7] das gute alte BIOS ersetzt.<br />

Computer mit vorinstalliertem Windows<br />

8 gehören in diese Kategorie. Hier installiert<br />

Linux Mint seinen Bootloader unter<br />

dem Namen Ubuntu, <strong>und</strong> echte Ubuntu-<br />

Systeme lassen sich danach nicht mehr<br />

starten. Diesen Fehler erbt Linux Mint 17<br />

aus Version 16, als welche der Installer<br />

die neue Version auch noch fälschlicherweise<br />

ankündigt.<br />

Der Mint-Installer spielt bei der Installation<br />

mehr Programme ein als sein Ubuntu-<br />

Pendant: Mint-Systeme kommen out of<br />

the box mit MP3-Dateien <strong>und</strong> Flash-<strong>Videos</strong><br />

zurecht. Auch das beliebte Grafikprogramm<br />

Gimp, das Ubuntu aus Platzgründen<br />

vom Installationsmedium verbannt<br />

hat, ist gleich mit an Bord. Das gilt<br />

ebenso für den auch unter Windows beliebten<br />

Video- <strong>und</strong> <strong>Musik</strong>player VLC [8].<br />

Linux Mint punktet bei Umsteigern außerdem<br />

mit einem praktischen Willkommensbildschirm<br />

(Abbildung 11), der<br />

viele Informationen bereithält, nach denen<br />

man unter Ubuntu erst einmal suchen<br />

muss: das offizielle Handbuch (aktuell<br />

allerdings nur englisch) <strong>und</strong> die<br />

(auch englischen) Release Notes. Auch<br />

Links auf das Mint-Forum <strong>und</strong> zum Mint-<br />

Chatroom stehen bereit.<br />

Fazit<br />

KDE 4, Gnome 3, der Ubuntu-<br />

Desktop Unity <strong>und</strong> Windows<br />

8 haben eines gemeinsam:<br />

Sie brechen mit so vielen<br />

über lange Jahre selbstverständlichen<br />

Konventionen,<br />

dass Proteste der Anwender<br />

zu erwarten waren. Linux<br />

Mint trägt dem Rechnung, indem<br />

es den verbreiteten <strong>und</strong><br />

bewährten Ubuntu-Unterbau<br />

mit einem klassischen Desktop<br />

kombiniert.<br />

Der in diesem Artikel vorgestellte<br />

Mate-Desktop kommt<br />

Abb. 10: Genau wie Ubuntu lässt sich Linux Mint parallel zu Windows oder anderen<br />

Distributionen installieren, wenn noch Platz auf der Platte frei ist. Andernfalls schafft<br />

der leicht zu bedienende grafische Patitionierer (unten) Luft.<br />

Umsteigern von Window 95 bis Windows<br />

7 entgegen. Die Mint-Entwickler haben<br />

ihm ein übersichtliches Startmenü spendiert,<br />

so dass der Desktop nicht angestaubt<br />

wirkt, obwohl er seit 2010 nur<br />

noch sparsame Neuerungen erfahren hat.<br />

Darüber hinaus haben die Mint-Entwickler<br />

gr<strong>und</strong>legende Werkzeuge wie die<br />

Software- <strong>und</strong> Updateverwaltung einsteigertauglicher<br />

zugeschnitten, ohne<br />

dabei erfahrene Linux-Anwender einzuschränken.<br />

Linux Mint Mate kommt<br />

auch besser mit alter Hardware zurecht<br />

als Distributionen, die auf KDE 4 oder<br />

Gnome 3 setzen.<br />

Alles in allem wird Mint also seinem Ruf,<br />

Ecken <strong>und</strong> Kanten von Ubuntu zu glätten,<br />

auch in Version 17 mit Langzeit-Support<br />

gerecht. Auch die Optik der Distribution<br />

kann sich sehen lassen. (hge) n<br />

Infos<br />

Abb. 11: Mehr als nur eine nette Geste: Der Willkommensbildschirm<br />

in Linux Mint führt Einsteiger gleich beim ersten Start zu<br />

wichtigen Informationen wie dem offiziellen Handbuch.<br />

[1] Linux Mint: http:// www. linuxmint. com/<br />

(http:// ezlx. de/ e3t1)<br />

[2] DistroWatch Distributionen-Ranking:<br />

http:// distrowatch. com/ dwres. php?​<br />

resource=popularity (http:// ezlx. de/ e3t2)<br />

[3] Unity-Desktop: https:// unity. ubuntu. com/<br />

(http:// ezlx. de/ e3t3)<br />

[4] Mate-Desktop: http:// mate‐desktop. org/<br />

(http:// ezlx. de/ e3t4)<br />

[5] Cinnamon-Desktop:<br />

http:// cinnamon. linuxmint.​<br />

com/ (http:// ezlx. de/ e3t5)<br />

[6] Linux Mint Mate:<br />

http:// www. linuxmint. com/​<br />

rel_qiana_mate. php<br />

(http:// ezlx. de/ e3t6)<br />

[7] UEFI (BIOS-Nachfolger):<br />

http:// de. wikipedia. org/ wiki/​<br />

Unified_Extensible_<br />

Firmware_Interface<br />

(http:// ezlx. de/ e3t7)<br />

[8] VLC: http:// www. videolan.​<br />

org/ vlc/ (http:// ezlx. de/ e3t8)<br />

Software auf DVD:<br />

Linux Mint 17 (Mate; 64 Bit)<br />

<strong>EasyLinux</strong><br />

03/2014<br />

www.easylinux.de<br />

39


Titel<br />

Audio <strong>und</strong> Video<br />

Audio- <strong>und</strong> Video-Tools für Linux<br />

Hören <strong>und</strong> Sehen<br />

Hans-Georg Eßer<br />

Linux <strong>und</strong> Multimedia gehen nicht zusammen? Ganz falsch. Audio- <strong>und</strong> <strong>Videos</strong>chnitt, das<br />

Konvertieren von Multimediadateien <strong>und</strong> nachträgliches Taggen von MP3s <strong>und</strong> Ogg-Vorbis-<br />

Dateien besprechen wir in dieser Ausgabe.<br />

Linux hat viele Stärken: Seine Robustheit<br />

<strong>und</strong> der quelloffene Code, den<br />

tausende Augen auf Fehler hin untersucht<br />

haben, machen das freie Betriebssystem<br />

zu einer guten Alternative zu Windows.<br />

Dazu gesellt sich eine riesige Auswahl<br />

von meist kostenlosen <strong>und</strong> leistungsfähigen<br />

Anwendungen. Doch es gibt zwei<br />

Bereiche, über die Außenstehende oft sagen:<br />

„Da muss es doch Windows sein.“<br />

Gemeint sind einmal die Computerspiele<br />

(obwohl sich dort sehr viel getan hat –<br />

nicht zuletzt, seit Steam für Linux verfügbar<br />

ist), <strong>und</strong> zum anderen ist es der ganze<br />

Multimediabereich.<br />

Wir bringen in diesem Heft mehrere Artikel<br />

zu Multimediathemen, die mit den<br />

Vorurteilen aufräumen: In den ersten<br />

beiden Workshops (ab der folgenden<br />

Seite bzw. ab Seite 46) geht es ums<br />

Schneiden von Audio- <strong>und</strong> Videodateien<br />

– zuerst stellen wir Ihnen das Programm<br />

Audacity vor <strong>und</strong> zeigen am Beispiel eines<br />

Podcasts, wie Sie damit unter Linux<br />

Tonaufnahmen erstellen, bearbeiten <strong>und</strong><br />

in ein geeignetes Format exportieren<br />

können. Danach geht es um das Programm<br />

PiTiVi, das entsprechende Aufgaben<br />

für <strong>Videos</strong> übernimmt.<br />

Im Anschluss an die beiden grafischen<br />

Anwendungen folgt für die Experten ein<br />

Beitrag über Shell-Tools, die beim<br />

Schneiden <strong>und</strong> Konvertieren von Audio<strong>und</strong><br />

Videodateien helfen: Mit ffmpeg,<br />

mencoder <strong>und</strong> sox erledigen Sie viele<br />

Aufgaben auf der Kommandozeile – mit<br />

genauso guten Ergebnissen wie im GUI-<br />

Programm, aber teils deutlich schneller,<br />

schon weil Sie nicht erst ein komplexes<br />

Programm starten <strong>und</strong> sich durch die<br />

Dialoge Datei öffnen <strong>und</strong> Datei exportieren<br />

hangeln müssen.<br />

Mehr Multimedia<br />

Der Schwerpunkt besteht aus den bereits<br />

erwähnten drei Artikeln, aber es gibt<br />

noch mehr Multimediales im Heft:<br />

l In der Basics-Rubrik stellen wir ab<br />

Seite 76 das Ogg-Vorbis-Audioformat<br />

vor: Das ist eine Alternative<br />

zum dominierenden MP3-Format.<br />

Über Unterschiede in der Klangqualität,<br />

die auf normalen Geräten nicht<br />

wahrnehmbar sind, streiten sich<br />

vielleicht die Experten, aber klar ist:<br />

MP3 ist durch Patente geschützt,<br />

was in der Welt der freien Software<br />

regelmäßig für Ärger sorgt. Ogg Vorbis<br />

hat dieses Problem nicht, wurde<br />

es doch explizit als freies Format<br />

erschaffen.<br />

l Für Kommandozeilenfre<strong>und</strong>e gibt<br />

es am Ende des Hefts (ab Seite 114)<br />

noch einen zweiten Artikel: Im<br />

Guru-Training zeigen wir Ihnen, wie<br />

Sie mit lame <strong>und</strong> oggenc MP3- <strong>und</strong><br />

Ogg-Vorbis-Dateien erzeugen <strong>und</strong> mit<br />

id3v2 <strong>und</strong> vorbiscomment nachträglich<br />

Metadaten (Interpret, Songtitel<br />

etc.) ergänzen.<br />

LaTeX <strong>und</strong> LyX<br />

Zu den Medien zählen auch das gute alte<br />

Buch <strong>und</strong> andere Druck-Erzeugnisse –<br />

hier gibt es in der Unix- <strong>und</strong> Linux-Welt<br />

einen Klassiker, an dem niemand vorbeikommt,<br />

der wirklich professionelle Textdokumente<br />

erstellen will. Gemeint ist La-<br />

TeX, ein 30 Jahre altes Textsatzprogramm.<br />

In zwei Artikeln ab Seite 60 bzw.<br />

68 stellen wir LaTeX-Gr<strong>und</strong>lagen <strong>und</strong> einen<br />

benutzerfre<strong>und</strong>lichen LaTeX-Editor<br />

namens LyX vor.<br />

Insgesamt finden Sie damit in der aktuellen<br />

Ausgabe eine bunte Mischung von<br />

Texten r<strong>und</strong> ums Erstellen <strong>und</strong> Bearbeiten<br />

von Ton, Bild <strong>und</strong> Schrift. (hge) n<br />

©Natalia Lukiyanova, 123RF<br />

40 www.easylinux.de<br />

<strong>EasyLinux</strong> 03/2014


Audioschnitt: Audacity<br />

Titel<br />

© Deardone, Fotolia<br />

Podcasts mit Audacity aufnehmen <strong>und</strong> <strong>schneiden</strong><br />

Achtung, Aufnahme!<br />

Martin Loschwitz<br />

Das Web 2.0 ist ein „Mitmachnetz“, <strong>und</strong> neben klassischen Blogs sind auch Podcasts<br />

eine beliebte Methode, um sich mitzuteilen. Mit Audacity erstellen <strong>und</strong> <strong>schneiden</strong> Sie<br />

Ihre eigenen Podcasts <strong>und</strong> andere Audiodateien.<br />

Audiobearbeitung war unter Linux<br />

lange eine komplizierte Angelegenheit;<br />

ein kleines Werkzeug namens<br />

Audacity hat das Problem vor einigen<br />

Jahren behoben <strong>und</strong> ist seitdem ein<br />

beliebtes Tool, das unter Linux <strong>und</strong> sogar<br />

unter Windows <strong>und</strong> OS X läuft. Dabei hat<br />

Audacity durchaus den Anspruch, mehr<br />

als ein simples Schnittwerkzeug zu sein;<br />

das Programm beherrscht den Mehrkanalschnitt<br />

genauso wie Import <strong>und</strong> Export<br />

verschiedener Audioformate <strong>und</strong> ist überdies<br />

in den letzten Jahren sehr stabil geworden.<br />

Als Sahnehäubchen kommt<br />

hinzu, dass die Benutzeroberfläche von<br />

Audacity nicht unnötig kompliziert gestaltet<br />

ist – eine gewisse Komplexität haben<br />

Profitools zwar immer, aber Audacity<br />

schlägt sich an dieser Stelle sehr wacker<br />

<strong>und</strong> ist auch dann gut erlernbar, wenn Sie<br />

kein Toningenieur sind.<br />

Audioschnitt ist für viele Anwender interessant.<br />

Ein gutes Beispiel sind Podcasts:<br />

Wer statt eines schriftlichen Blogs sein<br />

Publikum lieber mit gesprochenen Episoden<br />

aus dem eigenen Leben unterhalten<br />

möchte, muss dafür mehrere Arbeitsschritte<br />

kombinieren.<br />

l Schritt 1 umfasst das Aufnehmen der<br />

Sprachinhalte,<br />

l Schritt 2 den passenden Schnitt,<br />

l <strong>und</strong> Schritt 3 kann zusätzliche<br />

Schmankerl wie das Unterlegen mit<br />

<strong>Musik</strong> oder fließende Übergänge einschließen.<br />

Für all diese Aufgaben eignet sich Audacity.<br />

Wir erläutern im Folgenden, wie Sie<br />

mit Audacity zu Ihrem ersten eigenen<br />

Podcast kommen. Praktisch: Weil Audacity<br />

auch aufzeichnen kann, benötigen<br />

Sie keine zusätzliche Software.<br />

Audacity installieren<br />

Vor der Arbeit mit Audacity steht die Programminstallation.<br />

Audacity liegt allen<br />

<strong>EasyLinux</strong><br />

03/2014<br />

www.easylinux.de<br />

41


Titel<br />

Audioschnitt: Audacity<br />

von <strong>EasyLinux</strong> unterstützten Distributionen<br />

(OpenSuse 12.3/​13.1 <strong>und</strong> Kubuntu<br />

14.04) bei, das zu installierende Paket<br />

heißt jeweils audacity.<br />

Unter Kubuntu können Sie direkt loslegen<br />

<strong>und</strong> audacity wie gewohnt über die Paketverwaltung<br />

einspielen.<br />

OpenSuse-Anwender sollten erst prüfen,<br />

ob das PackMan-Repository als Paketquelle<br />

eingerichtet ist, denn die mit Open-<br />

Suse ausgelieferte Version kann keine<br />

MP3-Dateien lesen oder schreiben. Fügen<br />

Sie über die Paketverwaltung von YaST<br />

das PackMan-Verzeichnis als Paketquelle<br />

hinzu. In den deutschen Fragen <strong>und</strong> Antworten<br />

des PackMan-Projekts [1] findet<br />

sich hierzu eine detaillierte Anleitung. Installieren<br />

Sie danach das Paket audacity;<br />

es landet automatisch die PackMan-Version<br />

mit MP3-Support auf der Platte.<br />

Nach der Installation findet sich im KDE-<br />

Menü ein neuer Eintrag, über den Sie das<br />

Programm starten. Lassen Sie sich vom<br />

Erscheinungsbild beim ersten Start nicht<br />

irritieren (Abbildung 1); wie erklären<br />

gleich, was die einzelnen Bildschirmelemente<br />

von Audacity bedeuten.<br />

Abb. 1: Audacity präsentiert sich zunächst mit einer großen Graufläche – es ist bereits<br />

ein Projekt geöffnet, das aber noch keine Tonspuren hat.<br />

Der erste Eindruck<br />

Das Audacity-Fenster gliedert sich in vier<br />

Bereiche. Abgesehen von der normalen<br />

Dateileiste am oberen Fensterrand finden<br />

Sie direkt unter dieser die Leiste für den<br />

Schnellzugriff auf die wichtigsten Funktionen<br />

von Audacity. In ihrem linken<br />

Teil befindet sich ein vollständiges Panel<br />

für die Steuerung von Aufnahme <strong>und</strong><br />

Wiedergabe. Die Icons hier sind den Piktogrammen<br />

klassischer Audiogeräte<br />

nachempf<strong>und</strong>en, so dass diese intuitiv<br />

zu bedienen sind.<br />

Rechts daneben befinden sich sechs<br />

Icons, mit denen Sie schnellen Zugriff auf<br />

die wichtigsten Werkzeuge beim Arbeiten<br />

mit der Zeitleiste erhalten. Ein Monitor<br />

für Ein- <strong>und</strong> Ausgabe, Regler für die Signalstärke<br />

<strong>und</strong> schließlich eine klassische<br />

Leiste mit Icons zum Auswählen, Kopieren<br />

<strong>und</strong> Einfügen r<strong>und</strong>en die Leiste ab.<br />

Wichtig sind auch die Drop-down-Menüs,<br />

die Ihnen die Auswahl der Audiokanäle<br />

für Ein- <strong>und</strong> Ausgabe ermöglichen. Den<br />

weitaus größten Teil des Audacity-Fensters<br />

füllt der Bereich, in dem Sie später<br />

die Zeitleisten finden – nach dem ersten<br />

Programmstart ist der Teil leer. Ganz unten<br />

finden Sie schließlich eine Informationsleiste,<br />

die Details über die gerade aktuelle<br />

Position der digitalen Nadel auf der<br />

Projektzeitleiste verrät. Dort finden Sie<br />

erst dann Werte, wenn Sie Material bearbeiten:<br />

Damit geht es nun weiter, doch<br />

vorher bietet sich eine gute Gelegenheit<br />

für ein kurzes Nachdenken über geeignete<br />

Hardware.<br />

Eine Frage der Qualität<br />

Selbst aufgenommenes Material steht<br />

<strong>und</strong> fällt mit der verwendeten Audiohardware.<br />

Schlechter Ton ist schlimmer<br />

als schwache Bildqualität: Bei Filmen<br />

mit eher niedriger Auflösung sind die<br />

handelnden Personen meist trotzdem<br />

gut zu erkennen, doch eine verrauschte<br />

Audioaufnahme ist im schlimmsten Fall<br />

unbrauchbar. Wenn Sie also selbst gesprochene<br />

Texte aufnehmen möchten,<br />

um sie am PC weiterzuverarbeiten,<br />

schließen Sie ein hochwertiges Mikrofon<br />

an. Das schließt die meisten eingebauten<br />

Mikros aus: Bei Laptops liegen<br />

sie oft direkt neben Bauteilen wie dem<br />

Lüfter <strong>und</strong> erzeugen ein unschönes<br />

Rauschen im Hintergr<strong>und</strong>. Weil Sie an<br />

die Mikrofonöffnung zudem oft nicht<br />

nah genug heran kommen, ist die Aufnahmequalität<br />

ungeeignet.<br />

Einen großen Teil dieser Probleme erschlagen<br />

Sie mit einem einfachen <strong>und</strong><br />

günstigen Headset. Achten Sie allerdings<br />

darauf, dass das gekaufte Gerät über einen<br />

Stecker verfügt, der zu den Anschlüssen<br />

an Ihrem Computer passt.<br />

Während reguläre Desktop-PCs fast immer<br />

3,5-mm-Line-in-Anschlüsse haben,<br />

sind diese bei Notebooks mittlerweile<br />

unüblich. Sollte Ihr Computer keinen<br />

Klinkeneingang mehr haben, bleibt nur<br />

der Griff zu USB-Headsets. Bei diesen ist<br />

die Qualitätsstreuung allerdings traditionell<br />

hoch; gerade bei den günstigeren<br />

Modellen ist der Linux-Support gelegentlich<br />

etwas wacklig. Mit Geräten der namhaften<br />

Hersteller, zum Beispiel von Logitech,<br />

sind Sie allerdings fast immer auf<br />

der sicheren Seite.<br />

Alternativ funktionieren auch Bluetooth-<br />

Headsets – diese sind zwar in aller Regel<br />

am bequemsten, doch gelten für sie die<br />

gleichen Hardwareanmerkungen wie für<br />

USB-Geräte. Hier hat Plantronics sich in<br />

der Vergangenheit einen guten Ruf erworben.<br />

Die Liste der Maßnahmen zur Tonoptimierung<br />

ließe sich an dieser Stelle fast endlos<br />

fortführen, doch sind viele davon kaum<br />

praktikabel – in den eigenen vier Wänden<br />

ist es z. B. meist unmöglich, einen schallgeschützten<br />

Raum zu bauen. Ein gutes Mikrofon<br />

vorausgesetzt, ist das aber auch gar<br />

nicht nötig. Studioqualität werden Ihre<br />

Abb. 2: Über die Drop-down-Menüs legen Sie fest, welche Audiokanäle für die Ein- <strong>und</strong> Ausgabe zum Einsatz kommen.<br />

42 www.easylinux.de<br />

<strong>EasyLinux</strong> 03/2014


Audioschnitt: Audacity<br />

Titel<br />

<strong>Aufnahmen</strong> zwar nicht erreichen, aber im<br />

Verhältnis zu den aufgewandten Mitteln<br />

ist ein guter Klang trotzdem möglich.<br />

Die erste Aufnahme<br />

Los geht es mit der ersten Aufnahme in<br />

Audacity. Damit das klappt, stellen Sie<br />

zunächst sicher, dass der richtige Kanal<br />

zum Aufnehmen ausgewählt ist. Das erledigen<br />

Sie über den Schnellauswähler für<br />

Audiokanäle, den Sie rechts neben der<br />

Steuerleiste oben finden (Abbildung 2).<br />

Links legen Sie den Kanal für die Tonausgabe<br />

fest, rechts den für die Eingabe.<br />

Pulse für die Ausgabe <strong>und</strong> Pulse: Line 0<br />

sind üblicherweise gute Einstellungen,<br />

denn damit wählen Sie den PulseAudio-<br />

Treiber, der sowohl bei OpenSuse als<br />

auch bei Kubuntu zum Einsatz kommt.<br />

Klicken Sie danach auf den Button mit<br />

dem r<strong>und</strong>en Kreis oben links – aber stellen<br />

Sie sicher, dass Sie Ihr Headset bereits<br />

aufhaben, denn die Aufnahme startet sofort.<br />

In der Zeitleiste finden Sie eine neue<br />

Tonspur <strong>und</strong> darin eine Frequenzkurve.<br />

Wenn Sie ins Mikrofon sprechen, sehen<br />

Sie, dass die Kurve ausschlägt. Sie können<br />

die Aufnahme jederzeit durch Klick auf<br />

den Button mit dem gelben Quadrat stoppen.<br />

Um eine Tonspur zu löschen, klicken<br />

Sie einfach auf die x-Schaltfläche, die in<br />

der Tonspur oben links zu finden ist.<br />

Urheberrechte<br />

Die aktuellen Charts können Sie nicht<br />

einfach in Ihre Podcasts einbauen,<br />

selbst wenn Sie die CD oder MP3-Versionen<br />

der Titel gekauft haben. Für Podcasts<br />

gelten ähnliche Regelungen wie für<br />

Radiosender: Wenn Sie dort <strong>Musik</strong> spielen,<br />

ist das eine „Aufführung“, <strong>und</strong> dafür<br />

möchte die GEMA (die für <strong>Musik</strong> zuständige<br />

Verwertungsgesellschaft) Gebühren<br />

kassieren (die sie dann an die Urheber<br />

bzw. an die Plattenstudios weiterreicht).<br />

Das bedeutet aber nicht, dass Ihre Podcasts<br />

musikfrei bleiben müssen: Es gibt<br />

auch lizenzfreie <strong>Musik</strong>, die Sie kostenlos<br />

herunterladen <strong>und</strong> für Ihre eigenen<br />

Kreationen verwenden dürfen [2, 3].<br />

Doch auch hier gibt es das Risiko, sich<br />

eventuell mit der GEMA auseinandersetzen<br />

zu müssen. Sie können solche Probleme<br />

umschiffen, indem Sie für pauschal<br />

5 bis 30 Euro im Monat bei der<br />

Tonspuren nachbearbeiten<br />

Selten wird es Ihnen gelingen, die Aufnahme<br />

gleich beim ersten Anlauf wie gewünscht<br />

hinzukriegen. Es ist aber auch<br />

mühsam, jedesmal die komplette Aufnahme<br />

neu zu beginnen. Mit Audacity ist<br />

das auch gar nicht nötig, denn sollten Sie<br />

sich einmal versprechen, ist das Malheur<br />

über die Bearbeitungsfunktionen von Audacity<br />

ganz leicht aus der Welt zu schaffen.<br />

Das geht so:<br />

1Markieren Sie die aufgenommene<br />

Tonspur per Mausklick zur Bearbeitung<br />

<strong>und</strong> klicken Sie dann auf den Button<br />

mit dem grünen Wiedergabepfeil. Im ersten<br />

Schritt identifizieren Sie lediglich die<br />

Stelle in der Tonspur, die Sie im nächsten<br />

Schritt entfernen möchten.<br />

2Drücken Sie nun so lange [Strg-1]<br />

für den Vergrößerungsmodus, bis<br />

Sie den zu entfernenden Teil genau vor<br />

sich sehen.<br />

3Klicken Sie bei gedrückter Umschalttaste<br />

auf den Anfang der Sequenz, die<br />

verschwinden soll. Halten Sie [Umschalt]<br />

gedrückt <strong>und</strong> klicken Sie danach auf die<br />

Stelle, an der das zu entfernende Stück<br />

endet. Damit ist nun der zu löschende Bereich<br />

markiert.<br />

4Per Klick auf das Icon mit der Schere<br />

(oben rechts) löschen Sie das betroffene<br />

Stück der Tonspur. Das wiederholen<br />

Sie für alle Stellen, die Sie aus Ihrer Aufnahme<br />

entfernen wollen. <br />

<strong>Aufnahmen</strong> spalten<br />

Ein Tipp: Wenn Sie einen längeren Podcast<br />

planen, sprechen Sie am besten einzelne<br />

Abschnitte des Textes in separaten<br />

GEMA eine Lizenz erwerben [4]. Das ist<br />

aber ein stolzer Preis, <strong>und</strong> Podcasts,<br />

die eine solche Lizenz nutzen, dürfen<br />

nicht kommerziell sein <strong>und</strong> (z. B. über<br />

Banner) weniger als 300 Euro Umsatz<br />

pro Monat generieren.<br />

Für reine Hobby-Podcasts ist dieses Angebot<br />

zu teuer. Insgesamt raten wir davon<br />

ab, <strong>Musik</strong> in dieser Form zu integrieren,<br />

wenn Sie das Ergebnis anschließend<br />

frei verfügbar ins Netz stellen wollen.<br />

Sollen nur Fre<strong>und</strong>e <strong>und</strong> Familie in<br />

den Genuss Ihres Podcasts kommen,<br />

lassen Sie ihnen Ihre Kreation auf eine<br />

Weise zukommen, bei der die Datei<br />

nicht für jedermann erreichbar im Internet<br />

steht; das geht z. B. über einen<br />

Dropbox-Account, bei dem Sie individuelle<br />

Zugriffslinks für einzelne Dateien erstellen<br />

<strong>und</strong> an den ausgewählten Hörerkreis<br />

verteilen können.<br />

Aufnahmesessions. Dann ist es deutlich<br />

leichter, zusätzliche Elemente wie Übergänge<br />

einzupflegen. Sollten Sie das einmal<br />

vergessen, können Sie eine vorhandene<br />

Tonspur aber jederzeit auch nachträglich<br />

aufteilen.<br />

1Setzen Sie dafür mit der Maustaste an<br />

der Stelle der Tonspur an, wo der<br />

Schnitt erfolgen soll, <strong>und</strong> drücken Sie<br />

[Strg-I].<br />

2Klicken Sie danach doppelt auf den<br />

Teil der Tonspur, den Sie in eine neue<br />

Spur verschieben möchten, <strong>und</strong> drücken<br />

Sie [Strg-D].<br />

3Wählen Sie das gleiche Stück auf der<br />

alten Tonspur noch einmal aus <strong>und</strong><br />

drücken Sie [Entf], um die Sequenz dort<br />

zu löschen. <br />

Mit <strong>Musik</strong> arbeiten<br />

Auch vorhandene <strong>Musik</strong>dateien können<br />

Sie mit Audacity <strong>schneiden</strong>. Steht Ihnen<br />

ein passendes Stück z. B. als MP3-Datei<br />

zur Verfügung, können Sie es in Audacity<br />

importieren <strong>und</strong> dann über eine eigene<br />

Zeitleiste mit den anderen Stücken Ihres<br />

Projektes verweben. So geht’s:<br />

1Rufen Sie in Audacity den Menüpunkt<br />

Datei / Importieren / Audio auf <strong>und</strong><br />

wählen Sie die Datei aus, die Sie in Audacity<br />

importieren möchten.<br />

2Sobald der Vorgang abgeschlossen ist,<br />

sehen Sie in der Zeitleiste eine neue<br />

Tonspur, die das importierte Lied enthält.<br />

Dieses bearbeiten Sie nun wieder nach<br />

Belieben, wie Sie es mit der gesprochenen<br />

Tonspur zuvor schon getan haben.<br />

3Binden Sie auf die gleiche Art <strong>und</strong><br />

Weise weitere <strong>Musik</strong>stücke ein, die Sie<br />

in Ihrem Podcast verwenden möchten. <br />

Ein Warnhinweis an dieser Stelle darf<br />

nicht fehlen: Beachten Sie unbedingt,<br />

dass Sie nicht einfach beliebige MP3-Dateien<br />

im Rahmen eines Podcasts verwenden<br />

dürfen, den Sie anschließend online –<br />

zum Beispiel über Ihre Webseite – zum<br />

Download verfügbar machen, denn damit<br />

würden Sie in der Regel die Urheberrechte<br />

der <strong>Musik</strong>er verletzen (siehe Kasten<br />

Urheberrechte).<br />

Sprache <strong>und</strong> Ton vereinen<br />

Wenn der gesprochene Text zusammen<br />

mit allen gewünschten Liedern seinen<br />

Weg in die Audacity-Zeitleiste gef<strong>und</strong>en<br />

hat, besteht der nächste Schritt darin,<br />

beide Elemente zu vereinen. So sorgen<br />

Sie dafür, dass einem Textabschnitt unmittelbar<br />

ein <strong>Musik</strong>block folgt:<br />

<strong>EasyLinux</strong><br />

03/2014<br />

www.easylinux.de<br />

43


Titel<br />

Audioschnitt: Audacity<br />

1Klicken Sie auf die Tonspur der Zeitleiste,<br />

deren Position Sie verändern<br />

möchten. Ein Doppelklick sorgt dafür,<br />

dass der gesamte Inhalt der Leiste auf einmal<br />

ausgewählt ist.<br />

2Klicken Sie auf das Werkzeug zum<br />

Verschieben, das Sie im Shortcut-<br />

Menü für Werkzeuge unten in der Mitte<br />

finden (beidseitiger Pfeil in der Abbildung).<br />

3Klicken Sie in die Tonspur mit den<br />

markierten Tönen <strong>und</strong> ziehen Sie<br />

diese in die Nähe des Anfangs einer anderen<br />

Tonspur.<br />

4In der Standardkonfiguration rastet<br />

die Verschiebeaktion automatisch ein,<br />

so dass die beiden Tonspuren direkt nebeneinander<br />

liegen – zudem zeigt Audacity<br />

dann eine senkrechte gelbe Linie an.<br />

5Wiederholen Sie die Schritte mit den<br />

übrigen Tonspuren in Ihrer Zeitleiste,<br />

bis alle Tonspuren passend ausgerichtet<br />

sind. <br />

Abb. 3: Über die „Normalisieren“-<br />

Funktion lässt sich eine Spur, die zu<br />

einem Lied gehört, auf eine gleichmäßige<br />

Lautstärke festnageln.<br />

Den Klang optimieren<br />

Verschiedene Lieder liegen eventuell in<br />

unterschiedlichen Lautstärken vor, auch<br />

wird die Lautstärke Ihrer eigenen Audioaufnahme<br />

anders sein als die der fertigen<br />

<strong>Musik</strong>stücke. Und dann sind da noch die<br />

Übergänge zwischen Ihren Tonspuren:<br />

Momentan sind das einfach harte Schnitte<br />

– die eine Spur hört auf, die andere fängt<br />

an. Übergänge wären besser, <strong>und</strong> sie sind<br />

in Audacity ganz leicht zu realisieren. Vor<br />

dem Einfügen von Übergängen steht allerdings<br />

erst das Normalisieren des Tonniveaus<br />

an. Dazu bietet Audacity mehrere<br />

Optionen.<br />

Die Variante 1 ist die<br />

Option, die Audacity<br />

selbst Normalisieren<br />

nennt (Abbildung<br />

3). Dabei wird eine<br />

einzelne Tonspur<br />

ausgehend von der<br />

Nulllinie so verändert,<br />

dass ihr Lautstärkeniveau<br />

zumindest<br />

annähernd konstant<br />

bleibt. Sie finden die<br />

Option im Menu Effekt /<br />

Normalisieren. Mit Sprache<br />

kommt der Filter gut zurecht,<br />

aber fertige <strong>Musik</strong> ist<br />

meist schon normalisiert,<br />

so dass diese Aktion überflüssig<br />

ist.<br />

Stattdessen werden Sie<br />

häufig in die Verlegenheit<br />

kommen, dass verschiedene<br />

Lieder unterschiedliche<br />

Gr<strong>und</strong>pegel verwenden.<br />

Das korrigieren Sie<br />

mit dem Verstärken-Filter,<br />

den Sie über Effekt / Verstärken aufrufen.<br />

Das Eingabefeld akzeptiert auch negative<br />

Werte; Sie können ein Lied also über den<br />

Filter lauter oder leiser machen. Orientieren<br />

Sie sich an den Ausschlägen, die die<br />

Tonspuren anzeigen, um ein gleichmäßiges<br />

Niveau der Songs zu erhalten.<br />

Abb. 4: Der markierte Teil der Tonkurve wurde über die<br />

„Ausblenden“-Funktion angepasst.<br />

Übergänge einbauen<br />

Jetzt geht es an die Übergänge. Das Menü<br />

Effekte hält auch hier mehrere Möglichkeiten<br />

bereit; der klassische Effekt wäre das<br />

Ausblenden des alten <strong>und</strong> das Einblenden<br />

des neuen Stückes. So gehen Sie vor:<br />

1Wählen Sie die Tonspur aus, die zum<br />

Ende hin langsam auszublenden ist.<br />

Sie sollten auf der Tonspur dabei einen<br />

spezifischen Bereich markieren, denn<br />

sonst wird die Aufnahme über ihre gesamte<br />

Laufzeit hinweg immer leiser.<br />

2Wählen Sie Effekt / Ausblenden, um<br />

den Ausblendeffekt auf die Aufnahme<br />

anzuwenden. Sie sehen im Anschluss, wie<br />

sich die Tonkurve ändert (Abbildung 4).<br />

3Wählen Sie den Bereich der folgenden<br />

Tonspur aus, die einzublenden ist,<br />

<strong>und</strong> wiederholen Sie den Vorgang, wählen<br />

diesmal aber Effekte / Einblenden.<br />

4Jetzt fadet das alte Stück langsam in<br />

den Hintergr<strong>und</strong>, während das neue<br />

Stück immer lauter wird. Wenn Sie wollen,<br />

dass beide Tonspuren sich über eine<br />

gewisse Zeit überlagern, dass also zum<br />

Beispiel Spur 1 langsam<br />

leiser wird <strong>und</strong><br />

Spur 2 einsetzt, während<br />

Spur 1 noch<br />

läuft, so ist auch das<br />

möglich. Lassen Sie<br />

einfach den Einblendeffekt<br />

für Spur<br />

2 weg <strong>und</strong> verschieben<br />

Sie stattdessen<br />

die folgende Tonspur<br />

so, dass sie kurzzeitig simultan zur<br />

Spur 1 liegt. <br />

Das fertige Stück exportieren<br />

Wenn Ihr Podcast fertig ist, sollten Sie ihn<br />

noch in ein Format bringen, das Sie auf<br />

Ihrer Website zum Download anbieten<br />

können. Das MP3-Format ist weit verbreitet<br />

aber lizenzrechtlich fragwürdig; Ogg<br />

Vorbis verursacht sicher keine Lizenzprobleme,<br />

aber nicht jeder hat einen passenden<br />

Player zur Hand. Welches Format für<br />

Sie in Frage kommt, müssen Sie daher<br />

selbst entscheiden. Der Exportvorgang<br />

funktioniert in Audacity für beide Szenarien<br />

fast gleich.<br />

1Rufen Sie den Menüpunkt Datei / Exportieren<br />

auf. Geben Sie dann einen<br />

Namen für die Exportdatei an <strong>und</strong> wählen<br />

Sie über das Drop-down-Menü rechts unten<br />

ein passendes Format.<br />

2Klicken Sie auf Speichern. Haben Sie<br />

<strong>Musik</strong>stücke verwendet, die selbst so<br />

genannte ID3-Tags hatten (siehe Artikel<br />

ab Seite 114), zeigt Audacity Ihnen nun<br />

einen Editordialog für diese an. Sie können<br />

hier Tags eingeben oder den Dialog<br />

überspringen.<br />

3Dann folgt der Export: Sobald Audacity<br />

fertig ist, gelangen Sie zurück<br />

zum Hauptfenster – <strong>und</strong> finden am angegebenen<br />

Ort Ihre Podcast-Datei, die Sie<br />

nun verteilen können. (hge) n<br />

Infos<br />

[1] PackMan-Liste: http:// wiki. links2linux. de/​<br />

packman:faq_de (http:// ezlx. de/ e3f1)<br />

[2] Free Music Archive:<br />

http:// freemusicarchive. org/<br />

(http:// ezlx. de/ e3f2)<br />

[3] Creative-Commons-<strong>Musik</strong>: http:// dig.​<br />

ccmixter. org/ (http:// ezlx. de/ e3f3)<br />

[4] GEMA-Shop: https:// online. gema. de/​<br />

lipo/ portal (http:// ezlx. de/ e3f4)<br />

44 www.easylinux.de<br />

<strong>EasyLinux</strong> 03/2014


Titel<br />

PiTiVi<br />

© server, 123RF<br />

<strong>Videos</strong>chnitt für Heimanwender mit PiTiVi<br />

Dünn geschnitten<br />

In Multimediaumfeld ist der <strong>Videos</strong>chnitt die Königsdisziplin. Mit dem richtigen Werkzeug meistern Sie die<br />

Aufgabe auch unter Linux ohne Probleme – wir stellen Ihnen dazu PiTiVi vor.<br />

Martin Loschwitz<br />

Die Zeiten, in denen die Videoproduktion<br />

ausschließlich Profis vorbehalten<br />

war, sind lange vorbei:<br />

YouTube hat das Onlinestellen eigener<br />

<strong>Videos</strong> zum Massenhobby gemacht. Nutzer<br />

laden <strong>Videos</strong> aus unterschiedlichen<br />

Gründen ins Netz, entsprechend haben<br />

die Zuschauer auch ganz unterschiedliche<br />

Erwartungen an die Videoqualität. Ein Video,<br />

das mit der Handykamera aufgezeichnet<br />

<strong>und</strong> noch von unterwegs aus ins<br />

Netz gestellt wird, darf unscharf <strong>und</strong> wackelig<br />

sein oder verrauschten Ton haben.<br />

Wer hingegen einen Kurzfilm der eigenen<br />

Hochzeit als Danksagung an die Verwandtschaft<br />

verteilen möchte, wird das<br />

vermeiden wollen.<br />

Für qualitativ ansprechende <strong>Videos</strong><br />

braucht man eine gute Kamera, <strong>und</strong><br />

ohne Nacharbeiten geht dann auch<br />

nichts. Geeignete Kameras finden sich<br />

schnell. Bis vor ein paar Jahren war der<br />

kniffligere Schritt die Nachbearbeitung,<br />

zumindest für Linux-Anwender: Während<br />

es für Windows zahlreiche Videoeditoren<br />

gab, fehlten passende Linux-<br />

Tools. Das ist heute anders: Mit PiTiVi<br />

[1] <strong>und</strong> Kdenlive [2] stehen gleich zwei<br />

leistungsfähige Tools zur Verfügung, die<br />

für weit mehr zu gebrauchen sind als<br />

bloßes Basteln. Im Folgenden erfahren<br />

Sie, wie Sie mit PiTiVi aus den Filmen einer<br />

Kompaktkamera der Mittelklasse<br />

(PowerShot SX280HS) einen ansprechenden<br />

Film erstellen.<br />

Ein Wort zur Hardware<br />

Auch für das beste Schnittprogramm<br />

gilt stets, dass das fertige Video immer<br />

nur so gut wie das Ausgangsmaterial<br />

sein kann. Wer sich mit Videobearbeitung<br />

beschäftigt, sollte darum ein paar<br />

einfache Hinweise in die Planung mit<br />

einbeziehen, die schöne <strong>Videos</strong> möglich<br />

machen.<br />

Schritt 1 ist die Auswahl der Kamera.<br />

Camcorder eignen sich für Videoaufnahmen<br />

noch immer am besten, aber wer<br />

keinen Camcorder hat, muss nicht zwingend<br />

einen kaufen: Die meisten Konsumerkameras<br />

bringen mittlerweile ansehnliche<br />

Videofunktionalität mit; viele sind<br />

sogar in der Lage, <strong>Videos</strong> im Full-HD-Format<br />

aufzuzeichnen. Weil auch Full-HD-<br />

Fernseher immer weitere Verbreitung finden,<br />

ist das ein nicht zu vernachlässigender<br />

Faktor: <strong>Videos</strong> in Standardauflösung<br />

(SD) auf HD-Mattscheiben sehen fast<br />

zwangsläufig matschig aus.<br />

Die schon erwähnte Canon SX820HS ist<br />

ein guter Mittelweg zwischen Funktionalität<br />

<strong>und</strong> Preis; ein vergleichbarer Leistungsumfang<br />

ist zu ähnlichen Preisen<br />

auch bei Nikon & Co. erhältlich. Die richtige<br />

Kamera allein macht allerdings noch<br />

keinen Hitchcock. Mindestens so wichtig<br />

46 www.easylinux.de<br />

<strong>EasyLinux</strong> 03/2014


PiTiVi<br />

Titel<br />

wie gute Hardware ist der richtige Umgang<br />

damit. Kameras, die in der Hand geführt<br />

werden, verwackeln fast automatisch,<br />

<strong>und</strong> wacklige <strong>Aufnahmen</strong> lassen<br />

sich in der Nachbearbeitung kaum noch<br />

in einen besseren Zustand versetzen.<br />

Auch bei Videoaufnahmen mit den genannten<br />

Kompaktkameras empfiehlt sich<br />

deshalb der Einsatz eines Stativs. Es muss<br />

kein teures sein; günstigere Stative sind<br />

mit weniger Zusatzfunktionen ausgerüstet,<br />

aber trotzdem gut geeignet.<br />

Schließlich darf man das Thema Ton<br />

nicht vergessen: Die Mikros, die in vielen<br />

Kameras verbaut sind, sind qualitativ<br />

nicht viel besser als jene in Mobiltelefonen.<br />

Wer mit Kameras aus höherpreisigen<br />

Segmenten werkelt, kann an diese oft externe<br />

Mikrofone anschließen; ein Blick<br />

ins Handbuch verrät im Zweifelsfall<br />

mehr. Lässt sich jedoch kein externes Mikro<br />

an die Kamera anschließen, ist eine<br />

Tonverbesserung höchstens durch digitale<br />

Nachbearbeitung zu erreichen. Auch<br />

hier gilt: Schlechter Originalton wird keinen<br />

kristallklaren Klang im fertigen Produkt<br />

erlauben.<br />

Filme <strong>und</strong> Kassetten<br />

Bevor wir in die PiTiVi-Bedienung einsteigen,<br />

noch ein Hinweis: Die folgenden Beispiele<br />

gehen davon aus, dass das Videomaterial<br />

bereits in Form von Dateien vorliegt.<br />

Gemeint sind also zum Beispiel<br />

Containerformate wie AVI oder MKV.<br />

Praktisch alle Kameras, die für normale<br />

Benutzer gedacht sind, nehmen Filme digital<br />

auf – im Gegensatz zu älteren Camcordern,<br />

die häufig noch auf Kassetten<br />

setzen. Um einen Film von diesen Kassetten<br />

auf die Festplatte zu bringen, benötigen<br />

Sie spezielle Werkzeuge, auf die wir<br />

in diesem Artikel nicht eingehen.<br />

Wenn Ihre Kamera digitale Filme aufzeichnen<br />

kann, gibt es in der Regel mehrere<br />

Methoden, um das Video von der Kamera<br />

auf die Platte zu übertragen. Die<br />

meisten Kameras haben einen eigenen<br />

USB-Port, über den sie via PTP oder MTP<br />

den Zugriff auf alle Dateien des Kamera-<br />

Speichermediums freigeben.<br />

Sie können die Speicherkarte der Kamera<br />

auch direkt auf dem Computer auslesen,<br />

wenn Sie einen passenden Cardreader haben.<br />

Das gängige Format für Speicherkarten<br />

ist mittlerweile SDHC, <strong>und</strong> viele Standard-PCs<br />

<strong>und</strong> auch Notebooks sind ab<br />

Werk mit einem Kartenschacht ausgerüstet.<br />

Alternativ finden Sie im Zubehörhandel<br />

passende Cardreader<br />

für kleines Geld; diese<br />

schließen Sie dann an den<br />

USB-Port an.<br />

PiTiVi installieren<br />

Um PiTiVi auf den von <strong>EasyLinux</strong><br />

unterstützten Distributionen<br />

zu verwenden,<br />

genügt es, das Paket pitivi<br />

über die Paketverwaltung<br />

zu installieren. Sowohl<br />

OpenSuse als auch<br />

(K)Ubuntu liegt PiTiVi in<br />

einer aktuellen Version bei.<br />

Nach der Installation finden<br />

Sie im KDE-Menü unter<br />

Multimedia den Eintrag PiTiVi, über<br />

den Sie das Programm starten.<br />

Wegen eines Fehlers in den Abhängigkeitsbeschreibungen<br />

ist es auf Ubuntu-<br />

Systemen notwendig, zusätzlich zum Paket<br />

pitivi auch das Paket python-gi-cairo<br />

manuell zur Installation auszuwählen.<br />

Wer AVI-<strong>Videos</strong> verarbeiten möchte,<br />

sollte unter Ubuntu außerdem das Paket<br />

gstreamer1.0-libav einspielen.<br />

Ein Projekt einrichten<br />

Nach dem Programmstart fordert PiTiVi<br />

Sie auf, ein Videoprojekt einzurichten.<br />

Für PiTiVi geht es immer um Projekte,<br />

nicht um einzelne Dateien, denn mehrere<br />

<strong>Videos</strong> können Teil eines Projektes<br />

sein. Die Projekteinrichtung bedeutet im<br />

Wesentlichen, dass Sie die bestimmenden<br />

Parameter des fertigen <strong>Videos</strong> festlegen.<br />

Soll es sich beim fertigen Produkt<br />

also um ein Full-HD-Video in 1080p handeln,<br />

geben Sie das hier an.<br />

Der Dialog, den PiTiVi für diese Aufgabe<br />

vorsieht, macht es Ihnen aber leicht: Auf<br />

der linken Seite finden sich definierte<br />

Voreinstellungen, aus denen Sie wählen<br />

können; diese beschränken sich auf HD-<br />

Formate (720p oder 1080p mit jeweils<br />

unterschiedlichen Bildraten). Bildrate<br />

meint dabei die Zahl der Bilder pro Sek<strong>und</strong>e,<br />

die ebenfalls ein Kriterium für die<br />

Videoqualität ist. Das folgende Beispiel<br />

zielt auf ein Endprodukt im Format<br />

1080p24 ab (Abbildung 1).<br />

Die Programmoberfläche verstehen<br />

Nun ist es Zeit, sich mit der Oberfläche des<br />

Programms vertraut zu machen. Sie gliedert<br />

sich im Wesentlichen in zwei getrennte<br />

Bereiche. Oben haben Sie eine sehr<br />

übersichtliche Dateileiste <strong>und</strong> eine Leiste<br />

Abb. 1: Schon beim Anlegen eines neuen Projektes bestimmen<br />

Sie dessen wesentliche Einstellungen, die Auflösung<br />

<strong>und</strong> Bildrate.<br />

für den Schnellzugriff, die allerdings außer<br />

Icons für Rückgängig/​Wiederholen, Speichern<br />

<strong>und</strong> Erstellen leer ist. Im Bereich darunter<br />

finden Sie die Medienbibliothek <strong>und</strong><br />

eine Bibliothek mit Effekten. PiTiVi kommt<br />

ab Werk mit einer beachten Anzahl von<br />

Effekten, die später noch Gegenstand dieses<br />

Artikels sein werden.<br />

Rechts davon finden Sie einen Übersichtsbereich<br />

mit den Reitern Clip, Transition<br />

<strong>und</strong> Title. Hier legen Sie später<br />

fest, welche Übergänge <strong>und</strong> Effekte Ihr<br />

Video erhält, <strong>und</strong> zwar pro Clip innerhalb<br />

der Zeitleiste. Das Wiedergabefenster<br />

bietet Ihnen eine direkte <strong>Vorschau</strong><br />

auf das, was Sie in der Zeitleiste bearbeitet<br />

haben.<br />

Im unteren Bereich des <strong>Videos</strong> schließlich<br />

finden Sie die Zeitleiste. PiTiVi gehört damit<br />

zur Kategorie der Programme, die mit<br />

einer Zeitleiste arbeiten, <strong>und</strong> zwar ganz<br />

einfach deshalb, weil sich <strong>Videos</strong> am<br />

sinnvollsten damit bearbeiten lassen. Insgesamt<br />

wirkt PiTivi sehr aufgeräumt.<br />

<strong>Videos</strong> importieren<br />

Damit Sie ein Video verarbeiten können,<br />

importieren Sie es in die Medienbibliothek.<br />

Aktuelle PiTiVi-Versionen haben einen<br />

kleinen Fehler: Dieser sorgt dafür,<br />

dass alle Icons in der Leiste der Medienbibliothek<br />

das gleiche Symbol darstellen.<br />

Lassen Sie sich davon aber nicht irritieren,<br />

denn die Schaltfläche, über die Sie<br />

Glossar<br />

PTP: Das Picture Transfer Protocol ist der<br />

Standard für den Zugriff auf Kameras.<br />

MTP: Das Media Transfer Protocol erweitert<br />

PTP, unterstützt u. a. MP3-Player <strong>und</strong><br />

die heute nicht mehr üblichen PDAs.<br />

<strong>EasyLinux</strong><br />

03/2014<br />

www.easylinux.de<br />

47


Titel<br />

PiTiVi<br />

<strong>Videos</strong> in die Zeitleiste importieren, ist<br />

mit Importieren betitelt.<br />

Klicken Sie im Feld Medienbibliothek auf<br />

den Button Importieren <strong>und</strong> wählen Sie<br />

im Dateidialog anschließend das Video,<br />

das Sie verarbeiten wollen. Der Clip erscheint<br />

als eigenständiges Icon in der Medienbibliothek.<br />

Wiederholen Sie den Vorgang<br />

für jedes weitere Video, das Bestandteil<br />

des Endproduktes sein soll. Um<br />

beispielsweise mehrere Einzelvideos zu<br />

einem großen Clip zusammenzubauen,<br />

importieren Sie alle Einzelvideos.<br />

Die Arbeit mit der Zeitleiste<br />

Das zentrale Werkzeug in PiTiVi ist die<br />

bereits erwähnte Zeitleiste am unteren<br />

Rand des PiTiVi-Fensters. Nach dem Anlegen<br />

eines Projektes ist sie leer, doch nachdem<br />

Sie <strong>Videos</strong> in Ihre Medienbibliothek<br />

geholt haben, können Sie das ändern. Klicken<br />

Sie auf ein Video der Medienbibliothek<br />

<strong>und</strong> halten Sie dabei die Maustaste<br />

gedrückt; dann ziehen Sie das Video<br />

per Drag & Drop in die Zeitleiste. Wiederholen<br />

Sie das für die übrigen <strong>Videos</strong> in<br />

der Medienbibliothek.<br />

Beim Ablegen eines <strong>Videos</strong> können Sie<br />

übrigens direkt über die gewünschte Position<br />

entscheiden – die Clips müssen<br />

nicht direkt aneinander grenzen, sondern<br />

es sind auch Abstände zwischen<br />

einzelnen Clips erlaubt. Soll also Platz<br />

bleiben, um später mit einem Effekt zwischen<br />

zwei Clips einen Übergang zu<br />

schaffen, so bietet es sich an, das bereits<br />

beim Ablegen in der Zeitleiste zu berücksichtigen.<br />

Abb. 2: Effekte en masse: Fischaugen- <strong>und</strong> Vertigo-Effekte können Sie in PiTiVi ebenso<br />

nutzen wie solche Effekte, die den Klang verändern.<br />

Wenn die ersten Clips in der Zeitleiste gelandet<br />

sind, wird deren Funktion klar: Jedes<br />

Video besteht aus zwei Ebenen für<br />

Bild (oben) <strong>und</strong> Ton (unten). Haben Sie<br />

schon mit anderen Videoeditoren gearbeitet,<br />

ist Ihnen die Bezeichnung Spur<br />

vermutlich geläufiger. Bei fertig importieren<br />

Clips gehören Ton- <strong>und</strong> Bildspur in<br />

der Regel zusammen, weil sie synchron<br />

sein sollten.<br />

Bereits beim Verschieben von Clips in die<br />

Zeitleiste können Sie übrigens auch festlegen,<br />

ob neue Clips eigene Ebenen erhalten<br />

oder in eine schon vorhandene Ebene<br />

integriert werden – ziehen Sie die Clips<br />

dazu entweder so in die Zeitleiste, dass<br />

sie unter vorhandenen Ebenen landen,<br />

oder so, dass sie rechts neben einem anderen<br />

Clip liegen.<br />

Oben links finden Sie einen Schieberegler,<br />

über den Sie die Ansicht vergrößern<br />

oder verkleinern. Die Funktion ist hilfreich,<br />

wenn Sie lange Clips in der Zeitleiste<br />

haben, aus denen Sie größere Teile<br />

heraus<strong>schneiden</strong> möchten. Am rechten<br />

äußeren Rand der Zeitleiste gibt es Icons,<br />

über die Sie Arbeiten in der Zeitleiste<br />

durchführen. Im Folgenden zeigen wir,<br />

wie Sie eine unerwünschte Sequenz aus<br />

einem Clip entfernen.<br />

Sequenzen entfernen<br />

1Klicken Sie in der Zeiteinteilung oberhalb<br />

der Zeitleiste zunächst mit der<br />

linken Maustaste an den Anfang des zu<br />

entfernenden Teils.<br />

2Das erste Symbol rechts neben der<br />

Zeitleiste zeigt einen Film mit Schere.<br />

Klicken Sie auf dieses Symbol, um den<br />

Clip an der markierten Position in zwei<br />

Teile zu teilen.<br />

3Wiederholen Sie die Prozedur am<br />

Ende der zu entfernenden Stelle, so<br />

dass Sie schließlich den unerwünschten<br />

Teil als separaten Clip in der Zeitleiste<br />

sehen.<br />

Abb. 3: Einen Übergang zwischen zwei <strong>Videos</strong> erreichen Sie, indem Sie die Enden der Clips übereinander legen.<br />

48 www.easylinux.de<br />

<strong>EasyLinux</strong> 03/2014


PiTiVi<br />

Titel<br />

4Wählen Sie diesen Clip aus <strong>und</strong> klicken<br />

Sie aus das Symbol mit dem großen<br />

roten Kreuz rechts neben der Zeitleiste.<br />

Der Clip verschwindet.<br />

5Ziehen Sie dann den<br />

Teil rechts vom gelöschten<br />

Clip so weit nach links,<br />

dass er direkt an den ersten<br />

Filmteil anknüpft. Sie können<br />

auch einen kleinen Abstand<br />

lassen, um später einen<br />

Effekt einzubauen. Damit<br />

können Sie den harten<br />

Schnitt vermeiden.<br />

Die Tonspur eines Clips<br />

austauschen<br />

Vielleicht möchten Sie die<br />

Eingangssequenz eines <strong>Videos</strong><br />

mit einer <strong>Musik</strong> unterlegen.<br />

Die Ouvertüre zu<br />

„Also sprach Zarathustra“<br />

von Richard Strauss sichert<br />

Ihnen die Aufmerksamkeit<br />

der Zuhörer.<br />

Gr<strong>und</strong>sätzlich ist das in Pi-<br />

TiVi kein Problem: Sie benötigen lediglich<br />

das <strong>Musik</strong>stück in einem unterstützten<br />

Format, also z. B. als MP3-Datei,<br />

<strong>und</strong> Sie müssen es vorab in die Medienbibliothek<br />

importieren.<br />

1Wählen Sie den Clip, den Sie mit <strong>Musik</strong><br />

unterlegen möchten. Klicken Sie<br />

in der Zeitleiste darauf <strong>und</strong> verwenden<br />

Sie dann rechts das vierte Symbol von<br />

oben, um die Gruppierung von Bild- <strong>und</strong><br />

Tonebene zu lösen.<br />

2Klicken Sie in der Zeitleiste mit der<br />

rechten Maustaste links auf den Titel<br />

der Tonebene <strong>und</strong> löschen Sie diesen.<br />

3Ziehen Sie das Audiostück aus der<br />

Medienbibliothek nun in die Zeitleiste<br />

an die Position, an der es anfangen<br />

soll.<br />

4Wählen Sie die Bild- <strong>und</strong> die neue<br />

Tonspur aus, indem Sie beim Klicken<br />

[Umschalt] gedrückt halten; klicken Sie<br />

dann in der Zeitleiste rechts auf das dritte<br />

Symbol von oben, um die Clips wieder<br />

miteinander zu verketten. Dieser Schritt<br />

ist optional.<br />

Abb. 4: Die „Transition“-Bibliothek<br />

stellt<br />

eine Reihe von Übergängen<br />

zur Verfügung.<br />

für die Audio- als auch für die Videokomponenten.<br />

Eine Übersicht über die verfügbaren Effekte<br />

erhalten Sie, indem Sie den Reiter Effekt-Bibliothek<br />

anklicken,<br />

den Sie direkt rechts neben<br />

der Medienbibliothek finden.<br />

Über ein Drop-down-Menü<br />

wechseln Sie zwischen Video-<br />

<strong>und</strong> Audioeffekten.<br />

Zwar sind die Effekte alle beschrieben,<br />

allerdings leider<br />

nur in englischer Sprache<br />

(Abbildung 2).<br />

Effekte verwenden Sie, indem<br />

Sie einen Clip in der<br />

Zeitleiste auswählen <strong>und</strong><br />

dann auf einen der Effekte<br />

doppelklicken; der Effekt erscheint<br />

dann sofort im Clip-<br />

Reiter rechts neben der Zeitleiste.<br />

Hier haben Sie auch<br />

die Möglichkeit, den Effekt<br />

wieder zu deaktivieren.<br />

Weil Übergänge ein zentrales<br />

Mittel der Videobearbeitung<br />

sind, genießen diese in PiTiVi einen<br />

Sonderstatus: Für sie gibt es einen eigenen<br />

Reiter namens Transition. So fügen<br />

Sie einen Übergang zwischen den Clips<br />

Ihrer Zeitleiste ein:<br />

1Wählen Sie den Clip, in den der<br />

Übergang führen soll, in der Zeitleiste<br />

aus <strong>und</strong> halten Sie die linke Maustaste<br />

gedrückt.<br />

2Ziehen Sie den Clip so weit nach<br />

links, dass er ein wenig mit dem vorangehenden<br />

Clip überlappt (Abbildung<br />

3). Die Überlappungszone ist danach blau<br />

in der Zeitleiste gekennzeichnet.<br />

3Ziehen Sie die Statusnadel in der Zeitleiste<br />

in die Überlappungszone. Eventuell<br />

ist es hilfreich, über den Schieberegler<br />

links näher an die zu bearbeitende<br />

Stelle zu zoomen, um diesen Bereich besser<br />

zu erkennen.<br />

4Klicken Sie nun im Transition-Reiter<br />

auf einen der Übergänge, um ihn genauer<br />

zu konfigurieren (Abbildung 4).<br />

Der Effekt wird automatisch auf die Überlappungszone<br />

angewendet. Wenn Sie damit<br />

fertig sind, ist es auch der Übergang.<br />

Das fertige Produkt exportieren<br />

Wenn die Schnittarbeiten abgeschlossen<br />

sind, ist der letzte Schritt das Exportieren.<br />

Nur so können Sie den Film z. B.<br />

auf YouTube hochladen oder an Bekannte<br />

weitergeben.<br />

1Klicken Sie auf die Schaltfläche Erstellen<br />

oberhalb der Medienbibliothek.<br />

2Wählen Sie im folgenden Fenster (Abbildung<br />

5) einen Dateinamen aus <strong>und</strong><br />

wählen Sie im darunter liegenden Dropdown-Menü<br />

das Containerformat, das Sie<br />

nutzen möchten. Im Beispiel haben wir<br />

MP4 verwendet, ein Format für hochauflösende<br />

<strong>Videos</strong> – wenn Sie ein HD-Video<br />

produzieren, sollten Sie hier ein HD-taugliches<br />

Format auswählen.<br />

3Klicken Sie auf Erstellen <strong>und</strong> warten<br />

Sie, bis das Wartefenster mit dem Statusbalken<br />

verschwindet. Danach ist das<br />

Video fertig. (hge) n<br />

Infos<br />

[1] PiTiVi: http:// www. pitivi. org/<br />

(http:// ezlx. de/ e3r1)<br />

[2] Kdenlive: http:// www. kdenlive. org/<br />

(http:// ezlx. de/ e3r2)<br />

Mit Effekten arbeiten<br />

<strong>Videos</strong> leben auch von den integrierten<br />

Effekten – harte Schnitte sind zwar<br />

auch ein Stilmittel, doch oft sind sanfte<br />

Übergänge besser. PiTiVi kommt ab<br />

Werk mit einer umfassenden Bibliothek<br />

vorbereiteter Effekte, <strong>und</strong> zwar sowohl<br />

Abb. 5: Über die „Erstellen“-Funktion wird aus Ihrer Zeitleiste eine fertige Datei zur<br />

Weitergabe. Achten Sie beim Export darauf, ein HD-taugliches Format zu wählen.<br />

<strong>EasyLinux</strong><br />

03/2014<br />

www.easylinux.de<br />

49


Titel<br />

Schneiden in der Shell<br />

<strong>Videos</strong> mit Shell-Befehlen <strong>schneiden</strong> <strong>und</strong> konvertieren<br />

Schneller<br />

Shell-Schnitt<br />

Hans-Georg Eßer<br />

Die Fernsehaufzeichnung startete<br />

genau 45 Sek<strong>und</strong>en zu früh – das<br />

haben Sie beim Abspielen im<br />

Videoplayer gesehen. Diese Extrasek<strong>und</strong>en<br />

würden Sie gern loswerden, aber<br />

ohne Import, Schneiden <strong>und</strong> Export in einer<br />

grafischen Anwendung. Das müsste<br />

doch schneller gehen?<br />

Es geht schneller, wenn Sie eines der Konsolentools<br />

mencoder [1] <strong>und</strong> ffmpeg [2]<br />

verwenden. Aufgaben wie das Entfernen<br />

überflüssiger Teile aus einer Aufnahme<br />

<strong>und</strong> auch das Konvertieren in andere Video-<br />

oder Audioformate erledigen Sie mit<br />

diesen Programmen über einen einzeiligen<br />

Shell-Befehl. Nebeneffekt: Sie<br />

können diese Korrekturen<br />

auch automatisiert für mehrere<br />

Videodateien erledigen.<br />

Am Ende des Artikels stellen<br />

wir außerdem noch den Audiokonverter<br />

SoX [3] vor.<br />

Zur Motivation vorab<br />

Um die Eleganz der Shell-<br />

Tools zu demonstrieren, gibt<br />

es gleich am Anfang eine Lösung<br />

für das 45-Sek<strong>und</strong>en-<br />

Problem. Wenn die oben erwähnte<br />

Fernsehaufnahme<br />

den Dateinamen fernseh.avi<br />

trägt <strong>und</strong> in Ihrem Home-<br />

Verzeichnis liegt, werden<br />

Sie die ersten 45<br />

Sek<strong>und</strong>en mit folgendem<br />

Kommando los:<br />

Um ein Video in ein anderes Format zu konvertieren<br />

oder einfache Schnittarbeiten zu erledigen,<br />

müssen Sie keine grafische Anwendung bemühen:<br />

Mit „ffmpeg“ <strong>und</strong> „mencoder“ gelingt das auch<br />

auf der Konsole.<br />

ffmpeg ‐i fernseh.avi ‐ss 45 ‐acodec copyU<br />

‐vcodec copy fernseh2.avi<br />

Das erzeugt aus fernseh.avi eine neue Videodatei<br />

fernseh2.avi, in der die ersten 45<br />

Sek<strong>und</strong>en fehlen. Die Optionen ‐acodec<br />

copy <strong>und</strong> ‐vcodec copy fordern ffmpeg nur<br />

auf, die ursprünglichen Kodierungen (im<br />

Audio- <strong>und</strong> Video-Stream der Datei) nicht<br />

zu verändern, <strong>und</strong> der 45-Sek<strong>und</strong>en-<br />

Schnitt ergibt sich aus ‐ss 45.<br />

Installation<br />

Die Werkzeuge, die wir Ihnen vorstellen,<br />

sind in der Regel nicht vorinstalliert. Darum<br />

starten wir mit kurzen Hinweisen<br />

zur Einrichtung der benötigten Pakete.<br />

Als OpenSuse-Anwender richten Sie zunächst<br />

das PackMan-Repository ein, falls<br />

Sie dies nicht bereits früher erledigt haben:<br />

Bei PackMan gibt es zahlreiche Multimedia-Anwendungen<br />

– teilweise finden<br />

sich hier auch Pakete, die durchaus zur<br />

regulären Ausstattung von OpenSuse zählen,<br />

deren PackMan-Varianten aber besser<br />

sind, weil sie z. B. mehr Audio- <strong>und</strong><br />

Videoformate (Codecs) unterstützen.<br />

1Starten Sie YaST (was die Eingabe des<br />

Root-Passworts erfordert), wählen Sie<br />

das Modul Software-Repositories <strong>und</strong> klicken<br />

Sie auf Hinzufügen.<br />

2Aktivieren Sie die Checkbox Community/​Gemeinschafts-Repositories<br />

<strong>und</strong><br />

klicken Sie auf Weiter.<br />

3Setzen Sie ein Häkchen beim Eintrag<br />

PackMan Repository <strong>und</strong> klicken Sie<br />

rechts unten auf OK. Die Frage, ob Sie einen<br />

nicht verbürgten GnuPG-Schlüssel<br />

importieren wollen, beantworten Sie mit<br />

einem Klick auf Vertrauen. <br />

Über die Paketverwaltung können Sie nun<br />

die Pakete ffmpeg <strong>und</strong> mplayer einspielen –<br />

ob Sie beide benötigen, entscheiden Sie<br />

vielleicht erst, nachdem Sie den Artikel zu<br />

Ende gelesen haben. Es gibt mit HandBrake<br />

[4] noch ein drittes interessantes Tool, auf<br />

das wir im Rahmen dieses Artikels aber<br />

nicht eingehen.<br />

Unter Ubuntu <strong>und</strong> Kubuntu spielen Sie die<br />

Programme am schnellsten im Terminalfenster<br />

ein; für ffmpeg ist dazu ein Personal<br />

Package Archive (PPA) zu ergänzen.<br />

Um ffmpeg einzurichten, verwenden Sie<br />

die folgenden Kommandos:<br />

sudo add‐apt‐repository ppa:joU<br />

n‐severinsson/ffmpeg<br />

sudo apt‐get update<br />

sudo apt‐get install ffmpeg<br />

Das Programm mencoder<br />

kommt mit<br />

sudo apt‐get install mencoder<br />

auf die Platte. Hinweise zur<br />

Einrichtung von SoX folgen separat<br />

am Schluss des Artikels.<br />

<strong>Videos</strong> konvertieren<br />

<strong>Videos</strong> liegen oft in einem<br />

unerwünschten Format<br />

vor. Haben Sie z. B. eines<br />

der YouTube-<br />

Download-Plug-ins in<br />

Firefox installiert, er-<br />

50 www.easylinux.de<br />

<strong>EasyLinux</strong> 03/2014


Schneiden in der Shell<br />

Titel<br />

Abb. 1: Die Liste der von „ffmpeg“ unterstützten Codecs<br />

ist sehr lang; Sie erhalten sie über „-encoders“.<br />

halten Sie beim Speichern Dateien im<br />

Flash-Videoformat mit Dateiendung .flv.<br />

Zwar kommen z. B. MPlayer <strong>und</strong> VLC<br />

problemlos mit dem Format zurecht, aber<br />

nicht jeder Videoplayer mag die Flash-<br />

Clips. In eine gängigere Standarddatei im<br />

AVI-Format wandeln Sie das Video wie<br />

folgt mit mencoder um:<br />

mencoder video.flv ‐oac mp3lame ‐ovc lavc U<br />

‐o video.avi<br />

Die Optionen ‐oac <strong>und</strong> ‐ovc setzen den<br />

output audio codec <strong>und</strong> den output video<br />

codec auf mp3lame <strong>und</strong> lavc. Der Ton<br />

wird also in der Zieldatei im MP3-Format<br />

vorliegen, während lavc nicht direkt den<br />

Codec festlegt, sondern nur verlangt, dass<br />

die Bibliothek libavcodec verwendet wird.<br />

Wollen Sie den Video-Codec genauer festlegen,<br />

nutzen Sie ‐lavcopts; z. B. erzeugt<br />

folgendes Kommando eine Datei, deren<br />

Video-Stream das Format Windows Media<br />

Video 8 (WMV2) verwendet:<br />

<strong>und</strong> die Ausgabedatei mit<br />

‐o (output) angeben, ist es<br />

bei ffmpeg genau umgekehrt:<br />

Dort brauchen Sie<br />

für die Eingabedatei die<br />

Option ‐i (input), während<br />

Sie den Namen der Ausgabedatei<br />

ohne Option am<br />

Ende angeben. Außerdem<br />

nutzen Sie ‐acodec, um den<br />

Audio-Codec festzulegen<br />

(er heißt hier libmp3lame),<br />

<strong>und</strong> ‐vcodec für den Video-<br />

Codec, wobei Sie direkt<br />

wmv2 als Codec angeben.<br />

Eine Liste der von ffmpeg<br />

unterstützten Codecs erhalten<br />

Sie mit ffmpeg ‐encoders<br />

(Abbildung 1); die<br />

entsprechende Liste für<br />

mencoder ist online [6].<br />

Auflösung ändern<br />

Wollen Sie die Auflösung eines <strong>Videos</strong><br />

verringern, z. B., weil Sie es auf einem<br />

Mobilgerät mit niedrig auflösendem Display<br />

anschauen wollen, dann können Sie<br />

bei mencoder die Option ‐vf scale=X:Y<br />

verwenden. Das Kommando<br />

mencoder video.avi ‐oac mp3lame ‐ovc lavc U<br />

‐vf scale=160:120 ‐o video2.avi<br />

nimmt z. B. das Video (im Beispiel hat es<br />

die geringe Auflösung 320 x 240) <strong>und</strong> halbiert<br />

diese in Breite <strong>und</strong> Höhe auf<br />

160 x 120, wie der anschließende Aufruf<br />

von file bestätigt:<br />

$ file video.avi video2.avi<br />

video.avi: RIFF (little‐endian) data, AVIU<br />

, 320 x 240, ~30 fps, video: FFMpeg MPEG‐4U<br />

, audio: MPEG‐1 Layer 3 (stereo, 22050 Hz)<br />

video2.avi: RIFF (little‐endian) data, AVIU<br />

, 160 x 120, ~30 fps, video: FFMpeg MPEG‐4U<br />

, audio: MPEG‐1 Layer 3 (stereo, 22050 Hz)<br />

Die unterschiedliche Qualität, die sich aus<br />

verschiedenen Auflösungen ergibt, sehen<br />

Sie auf Anhieb, wenn Sie zwei Versionen<br />

gleichzeitig abspielen <strong>und</strong> dabei die Wiedergabefenster<br />

auf gleiche Größe ziehen<br />

(Abbildung 2); der gewählte Codec spielt<br />

bei der Qualität im Vergleich zur Größe<br />

nur eine untergeordnete Rolle.<br />

<strong>Musik</strong> extrahieren<br />

Viele <strong>Musik</strong>er stellen über ihre Webseite<br />

(oder über das Plattenlabel) <strong>Videos</strong> aktueller<br />

Titel zur Verfügung. Zwar ist es<br />

schön, nicht nur den Ton zu hören, sondern<br />

auch das <strong>Musik</strong>video anzuschauen,<br />

aber für tragbare MP3-Player ist eine<br />

reine Audiodatei besser geeignet, zumal<br />

solchen Playern häufig die Unterstützung<br />

für Videoformate fehlt.<br />

Mit ffmpeg können Sie Dateien schnell ins<br />

MP3-Format umwandeln (<strong>und</strong> dabei die<br />

<strong>Videos</strong>pur entfernen):<br />

ffmpeg ‐i video.flv ‐acodec libmp3lame ‐arU<br />

44100 ‐ab 160k audio.mp3<br />

Der Befehl erzeugt eine MP3-Datei mit<br />

160 kBit/​s. Das funktioniert so nur, wenn<br />

die Videodatei genau einen Audio-Stream<br />

enthält. Sind mehrere vorhanden, experimentieren<br />

Sie mit Parametern der Form<br />

‐map 0:0, ‐map 0:1, ‐map 0:2 usw., bis Sie<br />

den richtigen Stream erwischt haben.<br />

<strong>Videos</strong>chnitt<br />

In der Einleitung des Artikels haben wir<br />

bereits den Befehl vorgestellt, mit dem Sie<br />

mencoder video.flv ‐oac mp3lame ‐ovc lavc U<br />

‐lavcopts vcodec=wmv2 ‐o video.avi<br />

(Ja, das Kürzel hat die Versionsnummer<br />

2, während die Langform Versionsnummer<br />

8 verwendet [5].) Die gleiche Arbeit<br />

kann auch ffmpeg erledigen, erwartet dabei<br />

aber andere Aufrufoptionen:<br />

ffmpeg ‐i video.flv ‐acodec libmp3lame ‐vcU<br />

odec wmv2 video.avi<br />

Während Sie bei mencoder die Eingabedatei<br />

als erstes Argument (ohne Option)<br />

Abb. 2: Verschiedene Formate, verschiedene Auflösungen – die deutlichste Verringerung<br />

der Qualität verursacht eine Reduzierung der Auflösung.<br />

<strong>EasyLinux</strong><br />

03/2014<br />

www.easylinux.de<br />

51


Titel<br />

Schneiden in der Shell<br />

die ersten Sek<strong>und</strong>en eines<br />

Videoclips entfernen können.<br />

Häufiger wollen Sie<br />

gezielt bestimmte Bereiche<br />

in separaten Videodateien<br />

speichern, etwa den<br />

Ausschnitt von 00:05:15<br />

bis 00:06:35 (mit Angaben<br />

im Format St<strong>und</strong>e:Minute:Sek<strong>und</strong>e).<br />

Das erreichen<br />

Sie mit ffmpeg, indem<br />

Sie neben der Startzeit<br />

(‐ss) auch die Endzeit<br />

(mit ‐to) angeben:<br />

ffmpeg ‐i video.avi ‐ss 00U<br />

:05:15 ‐to 00:06:35 ‐acodeU<br />

c copy ‐vcodec copy clip.avi<br />

Alternativ zur absoluten Angabe der Endzeit<br />

können Sie auch die Dauer des zu extrahierenden<br />

Clips nennen; die entsprechende<br />

Option ist ‐t (statt ‐to) <strong>und</strong> erwartet<br />

ebenfalls eine Zeitangabe im obigen<br />

Format, interpretiert dieses aber als Längenangabe.<br />

Neben der St<strong>und</strong>en-Minuten-Sek<strong>und</strong>en-<br />

Schreibweise ist es bei allen Optionen<br />

(‐ss, ‐to <strong>und</strong> ‐t) auch möglich, einen Sek<strong>und</strong>enwert<br />

zu nennen. Das obige Beispiel<br />

ließe sich also auch so schreiben:<br />

ffmpeg ‐i video.avi ‐ss 315 ‐to 395 ‐acodeU<br />

c copy ‐vcodec copy clip.avi<br />

Audio-Konvertierung<br />

Ein praktisches Tool fürs Konvertieren<br />

zwischen verschiedenen Audioformaten<br />

ist SoX [3]. Damit können Sie z. B. eine<br />

Sammlung von Ogg-Vorbis-<strong>Musik</strong>dateien<br />

komfortabel in MP3-Dateien umwandeln,<br />

falls Ihr mobiler Player das Ogg-<br />

Vorbis-Format nicht beherrscht – auch<br />

wenn es sinnvoller wäre, die Original-<br />

CDs neu zu rippen, denn Umwandlungen<br />

zwischen komprimierenden Dateiformaten<br />

bedeuten immer auch abnehmende<br />

Qualität.<br />

Unter OpenSuse installieren Sie die Pack-<br />

Man-Version der Pakete sox <strong>und</strong> libsox2<br />

– falls diese bereits installiert (aber nicht<br />

von PackMan) sind, tauschen Sie die<br />

Standardpakete gegen die Packman-Varianten<br />

aus. Dazu suchen Sie in der Paketverwaltung<br />

von YaST nach sox. Für<br />

beide Pakete (sox <strong>und</strong> libsox2) markieren<br />

Sie die Trefferzeile, setzen dort ein<br />

Häkchen (oder belassen es, wenn es<br />

schon gesetzt ist) <strong>und</strong> aktivieren dann<br />

im unteren Bereich den Reiter Versionen,<br />

Abb. 3: Sowohl „sox“ als auch „libsox2“ müssen unter Open-<br />

Suse aus dem PackMan-Repository kommen, damit das Tool das<br />

MP3-Format unterstützt.<br />

wo Sie sich jeweils für die Variante aus<br />

dem PackMan-Repository entscheiden<br />

(Abbildung 3).<br />

Ubuntu-/​Kubuntu-Anwender müssen neben<br />

sox nur das Paket libsox-fmt-all nachinstallieren,<br />

das im universe-Bereich der<br />

regulären Ubuntu-Pakete steckt.<br />

Dateien konvertieren Sie auf der Kommandozeile<br />

mit einem simplen sox-Aufruf;<br />

das Zielformat bestimmt das Programm<br />

aus der Dateiendung. Für Umwandlungen<br />

von Ogg Vorbis nach MP3<br />

oder umgekehrt sind darum Befehle der<br />

folgenden Form ausreichend:<br />

sox datei.ogg datei.mp3<br />

sox datei.mp3 datei.ogg<br />

Erhalten Sie die Fehlermeldung<br />

sox FAIL formats: no handler for file extU<br />

ension `mp3'<br />

dann ist noch die nicht-MP3-kompatible<br />

Variante von sox oder libsox2 installiert<br />

(siehe oben).<br />

Bei längeren <strong>Musik</strong>stücken ist es sinnvoll,<br />

sich den Fortschritt der Konvertierungsarbeit<br />

anzeigen zu lassen; dafür<br />

können Sie die Option ‐S verwenden.<br />

Außerdem steht noch die Option ‐V bereit,<br />

die Informationen über die Kodierungseigenschaften<br />

von Ein- <strong>und</strong> Ausgabedatei<br />

anzeigt.<br />

Statt sox können Sie auch ffmpeg verwenden;<br />

das Kommando für eine Konvertierung<br />

von Ogg Vorbis ins MP3-Format lautet so:<br />

ffmpeg ‐i datei.ogg ‐vn ‐acodec libmp3lameU<br />

datei.mp3<br />

Doch auch hier gilt: Solche Konvertierungen<br />

verursachen immer einen geringen<br />

Qualitätsverlust – unabhängig vom eingesetzten<br />

Konverter.<br />

Welches Tool nehmen?<br />

Die vorgestellten Programme haben<br />

ähnliche Features; Sie können mit<br />

ihnen ein wenig experimentieren<br />

<strong>und</strong> dabei u. a. auf die Geschwindigkeit<br />

(beim Konvertieren) sowie Qualität<br />

<strong>und</strong> Größe der erzeugten Dateien<br />

achten. Diese lassen sich im<br />

Übrigen noch durch weitere Parameter<br />

beeinflussen.<br />

Das hier nicht beschriebene Programm<br />

HandBrake hat eine komfortable<br />

grafische Oberfläche, die<br />

ein Artikel unserer Schwesterzeitschrift<br />

LinuxUser ausführlich vorgestellt<br />

hat [7]; es besitzt mit Hand-<br />

Brake‐CLI aber auch ein Kommandozeilen-Interface,<br />

das auf der Projektseite<br />

gut dokumentiert ist [8, 9]. Mit mencoder<br />

landet auch der MPlayer [1] auf der Platte,<br />

der eine gute Alternative zum beliebten<br />

Multimediaplayer VLC [10] ist.<br />

Insgesamt lässt sich mit Kommandozeilentools<br />

mehr erreichen, als man auf den<br />

ersten Blick erwarten würde. Wenn Sie<br />

die Programme in selbst geschriebene<br />

Skripte einbinden, konvertieren <strong>und</strong><br />

<strong>schneiden</strong> Sie damit deutlich schneller als<br />

mit entsprechenden grafischen Anwendungen.<br />

(hge)<br />

n<br />

Infos<br />

[1] MPlayer <strong>und</strong> mencoder: http:// www.​<br />

mplayerhq. hu/ (http:// ezlx. de/ e3y1)<br />

[2] ffmpeg: https:// www. ffmpeg. org/<br />

(http:// ezlx. de/ e3y2)<br />

[3] SoX: http:// sox. sourceforge. net/<br />

(http:// ezlx. de/ e3y3)<br />

[4] HandBrake: http:// handbrake. fr/<br />

(http:// ezlx. de/ e3y4)<br />

[5] Wikipedia zu Windows-Media-Video-<br />

Versionen: http:// en. wikipedia. org/ wiki/​<br />

Windows_Media_Video# Versions<br />

(http:// ezlx. de/ e3y5)<br />

[6] mencoder-Codecs: http:// www. mplayer<br />

hq. hu/ DOCS/ HTML/ en/ menc‐feat‐enc‐<br />

libavcodec. html (http:// ezlx. de/ e3y6)<br />

[7] HandBrake-Artikel: Erik Bärwaldt,<br />

„Im Fokus“, LinuxUser 12/​2012, S. 48 ff.,<br />

http:// linux‐community. de/ 27056<br />

(http:// ezlx. de/ e3y7)<br />

[8] HandBrake-CLI-Forum:<br />

https:// forum. handbrake. fr/ viewforum.​<br />

php? f=10 (http:// ezlx. de/ e3y8)<br />

[9] HandBrake-CLI-Anleitung:<br />

https:// trac. handbrake. fr/ wiki/ CLIGuide<br />

(http:// ezlx. de/ e3y9)<br />

[10] VLC: http:// www. videolan. org/ vlc/<br />

(http:// ezlx. de/ e3y10)<br />

52 www.easylinux.de<br />

<strong>EasyLinux</strong> 03/2014


© Viktor Cap, 123RF<br />

Neues im Webbrowser Mozilla Firefox<br />

Alter Fuchs im neuen Kleid<br />

Schon im Sommer 2011 geisterten Entwürfe der neuen Firefox-Oberfläche durchs Netz. Wegen technischer<br />

Schwierigkeiten erschien Version 29 allerdings erst im April 2014. Inzwischen ist Version 30 herausgekommen,<br />

die einige Sicherheitslücken schließt. Wir haben uns den schlauen Fuchs näher angesehen.<br />

Heike Jurzik<br />

Den freien Webbrowser Mozilla<br />

Firefox [1] hat das Mozilla-Projekt<br />

erstmals im September 2002<br />

unter dem Namen Phoenix 0.1 veröffentlicht.<br />

2004 erschien Version 0.8, <strong>und</strong> seitdem<br />

heißt das Programm auch Mozilla<br />

Firefox. R<strong>und</strong> zwölf Jahre nach der ersten<br />

Release gehört der Feuerfuchs zu den<br />

drei beliebtesten Browsern in Deutschland<br />

[2]. Alle paar Wochen versorgen die<br />

Entwickler die Nutzergemeinde mit<br />

neuen Versionen, die meist kleine Fehlerkorrekturen<br />

für mehr Sicherheit <strong>und</strong> Stabilität<br />

enthalten. Ab <strong>und</strong> zu macht das<br />

Programm jedoch einen größeren Satz,<br />

so auch im April diesen Jahres: Version<br />

29 glänzt nicht nur mit dem neuen Australis-Design,<br />

auch unter der Haube hat<br />

sich einiges getan.<br />

Die auffälligsten Neuerungen sind sicher<br />

die umgestalteten Tabs <strong>und</strong> das neue<br />

Menü, die auf den ersten Blick an den<br />

Google-Browser Chrome erinnern. Viele<br />

sichtbare Steuerelemente <strong>und</strong> auch die<br />

alte Add-ons-Leiste haben die Entwickler<br />

geopfert, um mehr Übersichtlichkeit <strong>und</strong><br />

Platz zu schaffen. Die Icons für die Erweiterungen<br />

finden Sie nun in der allgemeinen<br />

Symbolleiste bzw. im neuen<br />

Menü. Die Funktion zum Abgleichen der<br />

Daten <strong>und</strong> Einstellungen heißt nach wie<br />

vor Firefox-Sync; der Dienst hat allerdings<br />

eine Generalüberholung erfahren<br />

<strong>und</strong> ist leichter einzurichten. Alle neuen<br />

Features stellt eine geführte Tour vor [3],<br />

die Sie bequem im Browser betrachten<br />

können (Abbildung 1). Dazu klicken Sie<br />

einfach auf Los geht’s <strong>und</strong> folgen der<br />

Slideshow.<br />

Da kurz vor Ende der Heftproduktion ein<br />

weiteres Update auf Version 30 stattfand,<br />

haben wir diese neue Variante unter die<br />

Abb. 1: Was ist neu bei Firefox? Die Entwickler stellen Ihnen in dieser Präsentation die<br />

wichtigsten Änderungen vor.<br />

<strong>EasyLinux</strong><br />

03/2014<br />

www.easylinux.de<br />

53


Workshop<br />

Firefox 30<br />

Abb. 2: Über das Repository „openSUSE BuildService“ gelangt die neue Firefox-Version<br />

30 auf den OpenSuse-Rechner (hier unter 13.1).<br />

Lupe genommen. Mozilla schließt mit<br />

dem Nachfolger direkt sieben Sicherheitslücken,<br />

fünf davon waren als kritisch eingestuft.<br />

Dieser Workshop zeigt zunächst,<br />

wie Sie Firefox 30 unter Ubuntu 14.04<br />

<strong>und</strong> OpenSuse 12.3 oder 13.1 installieren.<br />

Danach widmen wir uns ausführlich den<br />

neuen Features.<br />

Fuchsbau<br />

Eine stabile <strong>und</strong> aktuelle Version des<br />

Browsers finden Sie für gewöhnlich in<br />

den Paketquellen Ihrer Distribution; die<br />

Installation von Hand aus den Quellen ist<br />

nicht erforderlich. Ein weiterer Gr<strong>und</strong>, die<br />

von den Ubuntu- bzw. OpenSuse-Entwicklern<br />

paketierte Variante zu nutzen,<br />

sind die Anpassungen an die jeweilige<br />

Distribution <strong>und</strong> den Standarddesktop.<br />

Ubuntu liefert dazu die Pakete xul-extubufox<br />

(Ubuntu-spezifische Veränderungen,<br />

u. a. Add-ons-Suche über den Paketmanager,<br />

eigene Ubuntu-Startseite) <strong>und</strong><br />

xul-ext-unity (Erweiterung, die WebApps<br />

in die Unity-Arbeitsumgebung integriert)<br />

aus. OpenSuse passt den Browser mit<br />

dem Paket MozillaFirefoxbranding-openSUSE<br />

ans eigene<br />

System an.<br />

Ubuntu 14.04 enthält auf den<br />

Installationsdatenträgern Version<br />

28.0, aktualisiert den<br />

Browser aber dank der Repositorys<br />

trusty-updates (empfohlene<br />

Updates) <strong>und</strong> trusty-security<br />

(wichtige Sicherheitsaktualisierungen)<br />

automatisch. Die<br />

aktuelle Firefox-Variante 30<br />

erhalten Sie unaufgefordert, wenn Sie die<br />

angebotenen Software-Aktualisierungen<br />

aus dem Internet einspielen.<br />

Als Anwender von OpenSuse 12.3 oder<br />

13.1 finden Sie in der Voreinstellung<br />

ebenfalls ältere Browserversionen auf<br />

dem System. Mit den Standard-Distributionsupdates<br />

gelangen Sie irgendwann<br />

zur neuen Version 30. Wenn Sie nicht solange<br />

warten <strong>und</strong> jetzt schon in den Genuss<br />

der neuen Variante kommen wollen,<br />

binden Sie das Mozilla-Repository aus<br />

dem OpenSuse-BuildService ein. Um die<br />

Paketquelle freizuschalten <strong>und</strong> Firefox 30<br />

einzuspielen, gehen Sie wie folgt vor:<br />

1Öffnen Sie YaST <strong>und</strong> geben Sie auf<br />

Aufforderung das Kennwort des<br />

Administrators ein.<br />

2Wählen Sie aus dem YaST-Hauptfenster<br />

das Modul Software-Repositories<br />

<strong>und</strong> klicken Sie unten im Dialogfenster<br />

auf Hinzufügen.<br />

3Aktivieren Sie die zweite Checkbox<br />

von oben namens Community/​Gemeinschafts-Repositories<br />

<strong>und</strong> bestätigen<br />

Sie über Weiter.<br />

Abb. 3: Der Dialog „Über Firefox“ verrät, welche Browserversion<br />

auf Ihrem System installiert ist (hier 30.0 unter OpenSuse 13.1).<br />

4Blättern Sie bis zum Eintrag openSUSE<br />

BuildService - Mozilla, aktivieren Sie<br />

diesen <strong>und</strong> klicken Sie auf OK.<br />

5Bestätigen Sie, dass Sie einen nicht<br />

verbürgten GnuPG-Schlüssel importieren<br />

möchten, indem Sie auf Vertrauen<br />

klicken.<br />

6Danach schließen Sie die Paketquellenverwaltung<br />

<strong>und</strong> wenden sich im<br />

YaST-Hauptfenster dem Punkt Software<br />

installieren oder löschen zu.<br />

7Suchen Sie auf dem gleichnamigen<br />

Reiter nach firefox. Das Paket MozillaFirefox<br />

ist in der Liste auf der rechten<br />

Seite mit einem kleinen Pfeil gekennzeichnet;<br />

das heißt, es gibt aktuellere<br />

Versionen.<br />

8Klicken Sie den Eintrag an <strong>und</strong> wählen<br />

Sie im unteren Bereich den Reiter<br />

Versionen aus. Dort setzen Sie ein Häkchen<br />

beim Eintrag, der mit 30.0-3.1 beginnt<br />

(Abbildung 2).<br />

9Sobald Sie die Auswahl über Akzeptieren<br />

bestätigt haben, schaut der Paketmanager<br />

nach, ob ungelöste Abhängigkeiten<br />

zu anderen Komponenten bestehen<br />

<strong>und</strong> ob er für diese eine Lösung<br />

hat – ggf. in Zusammenarbeit mit weiteren<br />

Repositorys.<br />

Eine Bestätigung, dass alles geklappt hat<br />

(Abbildung 3), erhalten Sie über das<br />

neue Menü. Sollte der Browser nach der<br />

Aktualisierung nur noch Englisch sprechen,<br />

überprüfen Sie zunächst, ob das<br />

Paket MozillaFirefox-translations-common<br />

installiert ist. Erscheint Firefox in<br />

englischer Sprache, obwohl das Paket<br />

vorhanden ist, öffnen Sie den Add-ons-<br />

Manager <strong>und</strong> richten neue Sprachen<br />

über die Erweiterung Language Pack Install<br />

Helper ein.<br />

Australisches Habitat<br />

Nach dem Start fällt direkt der neue<br />

Look ins Auge. Das Australis-Design<br />

präsentiert sich mit umgestalteten <strong>und</strong><br />

abger<strong>und</strong>eten Tabs. Die Reiter sind darüber<br />

hinaus weiter oben platziert,<br />

damit mehr Platz für<br />

die Webseiten zur Verfügung<br />

steht. Ein neues Menü befindet<br />

sich hinter dem Icon mit<br />

den drei Strichen, in der rechten<br />

Ecke <strong>und</strong> direkt unter der<br />

Tableiste (Abbildung 4). Es<br />

versammelt die wichtigsten<br />

Funktionen an einem Ort, so<br />

dass der umständliche Weg<br />

über die Menüleiste am obe-<br />

54 www.easylinux.de<br />

<strong>EasyLinux</strong> 03/2014


Firefox 30<br />

Workshop<br />

Abb. 4: Das neue Firefox-Menü versammelt<br />

alle Bedienelemente an einem Ort.<br />

ren Rand entfällt. Um in Erfahrung zu<br />

bringen, welche Version Sie gerade nutzen,<br />

klicken Sie im Menü auf das Symbol<br />

mit dem Fragezeichen (ganz unten)<br />

<strong>und</strong> wählen dann den Eintrag Über<br />

Firefox aus.<br />

Aufgeräumt wirkt auch die Symbolleiste<br />

am oberen Rand. Links vom Adressfeld<br />

sind die beiden Navigationspfeile, <strong>und</strong><br />

rechts tummeln sich die Lesezeichenverwaltung,<br />

der Downloadmanager, ein<br />

Knopf für die Startseite <strong>und</strong> das Hauptmenü.<br />

Wer mag, blendet über das Menü<br />

Ansicht darunter die Lesezeichen-Symbolleiste<br />

oder die Sidebar mit Chronik<br />

<strong>und</strong> Bookmarks ein. Weitere Funktionen<br />

ziehen Sie jederzeit per Drag & Drop in<br />

die Leiste hinein. Dazu öffnen Sie das<br />

Menü <strong>und</strong> klicken auf Anpassen (siehe<br />

Abschnitt Fellpflege).<br />

Kurz nach der Veröffentlichung hagelte es<br />

in den Benutzerforen harsche Kritik am<br />

neuen Design. Die meisten bemängeln,<br />

dass Australis zu sehr nach Google<br />

Chrome aussieht. Geht es Ihnen genauso?<br />

Das Add-on Classic Theme Restorer [4]<br />

bietet einen Ausweg. Sie spielen es über<br />

den Add-ons-Manager ein <strong>und</strong> starten<br />

den Browser danach neu. Über den Button<br />

Einstellungen passen Sie den Look an<br />

Ihre eigenen Wünsche an <strong>und</strong> entscheiden,<br />

wie die Tabs, Schaltflächen <strong>und</strong><br />

Icons aussehen. Praktisch: Die Erweiterung<br />

kann auch große Symbole anzeigen,<br />

wenn Ihnen die kleinen Icons zu fummelig<br />

sind (Abbildung 5).<br />

Fellpflege<br />

Das neue Menü auf der rechten Seite sowie<br />

die Symbolleiste konfigurieren Sie,<br />

indem Sie das Menü aufklappen <strong>und</strong> unten<br />

links auf Anpassen klicken. Firefox<br />

zeigt nun einen neuen Tab an, <strong>und</strong> Sie<br />

ziehen mit der linken Maustaste die<br />

Icons zurecht (Abbildung 6). So schieben<br />

Sie beispielsweise Elemente aus<br />

dem linken Bereich (Weitere Werkzeuge<br />

<strong>und</strong> Funktionen) nach rechts ins Menü.<br />

Dort legen Sie per Drag & Drop die Reihenfolge<br />

der Icons fest. Schließlich fügen<br />

Sie auf diese Weise neue Funktionen<br />

zur Symbolleiste hinzu oder ändern<br />

die Anordnung der Buttons. Um einen<br />

Eintrag aus dem Menü bzw. der Leiste<br />

zu entfernen, ziehen Sie ihn einfach in<br />

den Bereich mit den Werkzeugen. Wollen<br />

Sie die Einrichtung beenden, klicken<br />

Sie auf den grünen Knopf Anpassungen<br />

abschließen. Alternativ führt Standard<br />

wiederherstellen zurück zur Ausgangskonfiguration.<br />

Tipp: Viele Add-ons bringen ebenfalls<br />

kleine Symbole oder Schaltflächen mit,<br />

die Firefox ins Menü oder in die Leiste<br />

integriert. Auch diese Icons ziehen Sie<br />

bei Bedarf per Drag & Drop an einen<br />

neuen Ort. Das ist vor allem dann praktisch,<br />

wenn Sie viele Add-ons installiert<br />

haben <strong>und</strong> die Icons sich alle in der Symbolleiste<br />

einnisten – mit jedem neuen<br />

Button verringert sich die Größe des<br />

Adressfelds.<br />

Die allgemeinen Programmeinstellungen<br />

haben sich nicht geändert. Sie erreichen<br />

den Konfigurationsdialog über das Zahnradsymbol<br />

im neuen Menü oder über Bearbeiten<br />

/ Einstellungen. Wie gewohnt<br />

befinden sich am oberen Rand die Abteilungen<br />

Allgemein, Tabs, Inhalt usw., <strong>und</strong><br />

je nach Kategorie sehen Sie im unteren<br />

Bereich einen oder mehrere Reiter. Geblieben<br />

sind auch die Zugriffsmöglichkeiten<br />

auf die Browserinterna, die Sie erreichen,<br />

indem Sie about:config in die<br />

Adressleiste eingeben.<br />

Auch Firefox 30 unterstützt Personas <strong>und</strong><br />

Themes, die das Aussehen des Browsers<br />

verändern. Während Erstere lediglich das<br />

Farbschema <strong>und</strong> das Hintergr<strong>und</strong>bild der<br />

Symbolleiste beeinflussen, sind komplette<br />

Abb. 5: Aktueller Browser im klassischen Look: Mit Classic<br />

Theme Restorer kehren Sie zum gewohnten Aussehen zurück.<br />

Abb. 6: Die Symbole ziehen Sie bequem mit der Maus an einen<br />

neuen Ort. Währenddessen ist das Icon transparent.<br />

<strong>EasyLinux</strong><br />

03/2014<br />

www.easylinux.de<br />

55


Workshop<br />

Firefox 30<br />

Themes umfangreicher <strong>und</strong><br />

passen auch die Schaltflächen<br />

oder die ganze Programmoberfläche<br />

an. Um Firefox ein<br />

neues Fell zu schenken, öffnen<br />

Sie wie gewohnt die Personas-<br />

<strong>und</strong> Themes-Seite [5].<br />

Wenn Sie mit der Maus über<br />

einen Eintrag fahren, sehen<br />

Sie in einer <strong>Vorschau</strong>, wie sich<br />

die Änderungen auswirken,<br />

<strong>und</strong> über Hinzufügen aktivieren<br />

Sie den Look (Abbildung<br />

7). Am oberen Rand finden Sie<br />

die Schaltflächen Rückgängig<br />

<strong>und</strong> Verwalten. Letztere öffnet<br />

den Tab Erscheinungsbild im<br />

Add-ons-Manager. Hier entfernen<br />

oder deaktivieren Sie Personas<br />

<strong>und</strong> Themes per Mausklick.<br />

Viele kleine Füchse<br />

Wie erwähnt haben die Entwickler die<br />

Funktion zum Abgleichen der Daten<br />

<strong>und</strong> Einstellungen (z. B. Lesezeichen,<br />

Chronik, Passwörter, geöffnete Tabs<br />

<strong>und</strong> installierte Erweiterungen) auf<br />

mehreren Rechnern erneuert. Das angepasste<br />

Firefox-Sync setzt eine neue<br />

Browserversion voraus, daher sollten<br />

Sie auf allen verb<strong>und</strong>enen Geräten das<br />

Programm aktualisieren. Nutzen Sie die<br />

Funktion zum ersten Mal, öffnen Sie<br />

das Menü auf der rechten Seite <strong>und</strong><br />

wählen Bei Sync anmelden; den Einrichtungsdialog<br />

für neue Accounts erreichen<br />

Sie über Anmelden. Hatten Sie den<br />

Dienst schon in früheren Browserversionen<br />

in Betrieb, klicken Sie hingegen<br />

auf Verwenden Sie eine ältere Version<br />

von Sync?, <strong>und</strong> Sie landen auf der Mozilla-Supportseite<br />

[6], die Schritt für<br />

Schritt erklärt, wie Sie zur neuen Sync-<br />

Variante wechseln. Im Wesentlichen<br />

geht es darum, alle Geräte von der<br />

Firefox-Cloud zu trennen, die jeweilige<br />

Browserversion zu aktualisieren <strong>und</strong><br />

sich dann neu anzumelden.<br />

Die Entwickler haben das neue Anmeldeprozedere<br />

vereinfacht. Vorbei sind<br />

die Zeiten, in denen Sie komplizierte<br />

Codes mit den anderen Geräten austauschen<br />

mussten. Stattdessen tragen Sie<br />

für einen neuen Account eine gültige<br />

Mailadresse <strong>und</strong> ein mindestens achtstelliges<br />

Kennwort ein. Aus dem Dropdown-Menü<br />

wählen Sie außerdem Ihr<br />

Geburtsjahr aus. Bevor Sie auf Weiter<br />

Abb. 7: Wenn Sie den Mauszeiger über eines der Bilder bewegen,<br />

sehen Sie als <strong>Vorschau</strong>, wie der Browser im neuen Fellkleid<br />

wirken würde.<br />

klicken, sollten Sie die Checkbox Auswählen,<br />

was synchronisiert werden soll<br />

markieren. Den Bestätigungslink, den<br />

Sie per Mail erhalten, öffnen Sie danach<br />

im Browser – fertig. Haben Sie die<br />

Checkbox zur gezielten Auswahl vorhin<br />

aktiviert, öffnet sich nun ein Dialog, in<br />

dem Sie per Mausklick entscheiden,<br />

was zu den Mozilla-Servern <strong>und</strong> dann<br />

zu anderen Geräten wandert: Tabs, Lesezeichen,<br />

Passwörter, Chronik, Addons<br />

<strong>und</strong> Einstellungen. Sicherheitsbewusste<br />

Anwender speichern Passwörter<br />

nicht in der Cloud <strong>und</strong> auch nicht im<br />

Browser selbst. Die Sync-Konfiguration<br />

erreichen Sie auch jederzeit über den<br />

gleichnamigen Reiter in den Programmeinstellungen.<br />

Weitere Geräte verbinden Sie mit dem<br />

Service, indem Sie im Menü Bei Sync anmelden<br />

auswählen <strong>und</strong> im nächsten Dialog<br />

den Link Haben Sie schon ein Konto?<br />

Melden Sie sich an. öffnen. Geben Sie<br />

dieselbe Mailadresse <strong>und</strong> das zugehörige<br />

Passwort ein. Firefox-Sync gleicht nun<br />

Ihre Daten zwischen den verb<strong>und</strong>enen<br />

Geräten ab. Die Synchronisierung findet<br />

in regelmäßigen Abständen automatisch<br />

statt. Von Hand stoßen Sie den Vorgang<br />

über den Menüpunkt Synchronisieren an.<br />

Während Firefox Daten überträgt, ist das<br />

Icon blau statt grau <strong>und</strong> bewegt sich im<br />

Kreis. Um ein Gerät zu trennen, klicken<br />

Sie auf die gleichnamige Schaltfläche in<br />

den Programmeinstellungen auf dem<br />

Reiter Sync.<br />

Tipp: Die geöffneten Tabs von<br />

anderen Browsern erreichen<br />

Sie über das Menü Chronik<br />

oder durch Eingabe von<br />

about:sync‐tabs in die Adresszeile.<br />

Sind mehrere Geräte<br />

miteinander verb<strong>und</strong>en, listet<br />

Firefox diese <strong>und</strong> die geöffneten<br />

Reiter untereinander auf.<br />

Gute Nacht, Fuchs <strong>und</strong> Hase<br />

Die neue Firefox-Version<br />

kann sich sehen lassen: Alte,<br />

liebgewonnene Funktionen<br />

sind nach wie vor dabei, <strong>und</strong><br />

neue praktische Features machen<br />

die Arbeit mit dem<br />

Browser angenehm. Das verbesserte<br />

Firefox-Sync ist kinderleicht<br />

zu bedienen. Das<br />

neue Menü an der rechten<br />

Seite ist wirklich ein Gewinn,<br />

nicht nur, weil es zusammen<br />

mit der Symbolleiste so bequem zu konfigurieren<br />

ist. Dass die Entwickler dort<br />

nun auch Add-ons platzieren <strong>und</strong> diese<br />

nicht länger in einer eigenen Leiste unterbringen,<br />

spart Platz <strong>und</strong> ist übersichtlich.<br />

Die neue Australis-Oberfläche<br />

wirkt schick <strong>und</strong> modern, doch wenn<br />

Sie sich nicht daran gewöhnen können,<br />

ist das kein Gr<strong>und</strong>, an einer alten (<strong>und</strong><br />

damit potenziell fehleranfälligen oder<br />

unsicheren) Version festzuhalten: Das<br />

Add-on Classic Theme Restorer bringt<br />

den alten Look zurück. (hge) n<br />

Infos<br />

[1] Mozilla Firefox: http:// www. mozilla. org/​<br />

de/ firefox (http:// ezlx. de/ e3v1)<br />

[2] Aktuelle Browserstatistik:<br />

http:// www. browser‐statistik. de/<br />

(http:// ezlx. de/ e3v2)<br />

[3] Geführte Firefox-Tour:<br />

https:// www. mozilla. org/ de/ firefox/ 30. 0/​<br />

tour/ (http:// ezlx. de/ e3v3)<br />

[4] Classic Theme Restorer:<br />

https:// addons. mozilla. org/ de/ firefox/​<br />

addon/ classicthemerestorer/<br />

(http:// ezlx. de/ e3v4)<br />

[5] Personas <strong>und</strong> Themes für Firefox:<br />

https:// addons. mozilla. org/ De/ firefox/​<br />

themes/ (http:// ezlx. de/ e3v5)<br />

[6] Altes <strong>und</strong> neues Firefox-Sync:<br />

https:// support. mozilla. org/ de/ kb/ wie‐sie<br />

‐auf‐die‐neue‐version‐von‐syncaktualisiere<br />

(http:// ezlx. de/ e3v6)<br />

Software auf DVD: Firefox 30<br />

56 www.easylinux.de<br />

<strong>EasyLinux</strong> 03/2014


Th<strong>und</strong>erbird & SeaMonkey<br />

Workshop<br />

Neues von Th<strong>und</strong>erbird <strong>und</strong> SeaMonkey<br />

Mozilla:<br />

die anderen<br />

Martin Loschwitz<br />

Das Mozilla-Team hat nicht nur den Browser Firefox, sondern auch den E-Mail-Client<br />

Th<strong>und</strong>erbird <strong>und</strong> das Kombiprogramm SeaMonkey im Angebot. Dort geht die Entwicklung<br />

aber nur langsam – oder gar nicht – voran.<br />

Letztes Jahr sorgte eine Ankündigung<br />

der Mozilla Fo<strong>und</strong>ation für Schweißperlen<br />

auf der Stirn vieler Anwender:<br />

Kurzerhand erklärte die Organisation<br />

nämlich Firefox zum Hauptprodukt <strong>und</strong><br />

verkündete dabei im Nebensatz, die Th<strong>und</strong>erbird-Entwicklung<br />

praktisch einzustellen<br />

[1]. Der bei vielen Nutzern sehr beliebte<br />

Mailclient (Abbildung 1) stand damit<br />

von einem auf den anderen Tag vor<br />

dem Aus: Nichtmal mehr Löcher mit kritischen<br />

Auswirkungen auf die Sicherheit<br />

des Programms wollte das Team der Fo<strong>und</strong>ation<br />

noch stopfen.<br />

Die Nutzer reagierten entsetzt, denn viele<br />

Anwender sehen Th<strong>und</strong>erbird als einzige<br />

echte Alternative zu Browserdiensten wie<br />

Gmail <strong>und</strong> GMX. Außerdem ist nur Th<strong>und</strong>erbird<br />

in ähnlicher Form für Windows,<br />

OS X <strong>und</strong> Linux verfügbar. Eiligst stellten<br />

einige Communitymitglieder dann auch<br />

fest, dass die Headline „Mozilla Fo<strong>und</strong>ation<br />

stellt Th<strong>und</strong>erbird ein“ eine Falschmeldung<br />

sei – lediglich die finanzielle Förderung<br />

des Programms würde eingestellt,<br />

doch wenn Th<strong>und</strong>erbird auf Communitybasis<br />

weiterentwickelt würde, sei auch in<br />

Zukunft mit dem Tool zu rechnen.<br />

der Behebung vieler lästiger Bugs, welche<br />

die Arbeit im Alltag negativ beeinflussten<br />

[2]. Die Versionsnummer sprang direkt auf<br />

24, weil die Fo<strong>und</strong>ation für Firefox ein<br />

neues Versionsschema eingeführt hatte<br />

<strong>und</strong> Th<strong>und</strong>erbird nachzog. Wichtige Neuerungen<br />

gab es in der Version aber definitiv<br />

nicht. Und doch bewirkte Th<strong>und</strong>erbird 24,<br />

dass das Überleben des Mailprogramms für<br />

viele als gesichert galt.<br />

Einige Monate später stellt sich das offenbar<br />

als Trugschluss heraus: Zwar hat es für<br />

Th<strong>und</strong>erbird 24 seit September 2013 verschiedene<br />

Wartungsversionen gegeben,<br />

doch behoben auch diese nur Sicherheitsbugs<br />

oder lästige Fehler. Neue Features hat<br />

es seit der offiziellen Abkündigung von<br />

Th<strong>und</strong>erbird durch die Mozilla Fo<strong>und</strong>ation<br />

nicht mehr gegeben; zwar werden auf einer<br />

Mailingliste eventuell gewollte Features<br />

diskutiert, doch es tut sich nichts.<br />

Ensemble ist dafür ein gutes Beispiel: Das<br />

Projekt mit dem klangvollen Namen sollte<br />

das neue Adressbuch in Th<strong>und</strong>erbird<br />

werden, mit dem Anwender nicht länger<br />

auf Add-ons angewiesen wären. Seit Februar<br />

2013 ist allerdings auch die Ensemble-Entwicklung<br />

eingeschlafen, <strong>und</strong> bis<br />

Redaktionsschluss war nicht zu erkennen,<br />

dass sich das in absehbarer Zeit ändert.<br />

Die Betaversion von Th<strong>und</strong>erbird<br />

31, die auf der Mozilla-Timeline angekündigt<br />

ist, wird im Wesentlichen wohl ein<br />

alter Th<strong>und</strong>erbird sein, der auf einer neueren<br />

Version von Mozillas Gecko-Engine<br />

basiert; Gecko ist dafür zuständig, HTML-<br />

Große Community<br />

Nun sollte man annehmen, dass ein millionenfach<br />

benutztes Mailprogramm eine entsprechend<br />

große Community hat, die eine<br />

Weiterentwicklung zu diesen Bedingungen<br />

gewährleisten kann. Durch kleine Schritte<br />

wollten diverse Mitglieder nach Th<strong>und</strong>erbird<br />

13 unter Beweis stellen, dass das Programm<br />

auch ohne Geld von Mozilla überlebensfähig<br />

ist: Th<strong>und</strong>erbird 24 bestand zum<br />

größten Teil aus Sicherheitspatches <strong>und</strong><br />

Abb. 1: Th<strong>und</strong>erbird hat viele Fans in der FLOSS-Gemeinschaft, doch ist die Zukunft des<br />

Programms alles andere als gewiss.<br />

<strong>EasyLinux</strong><br />

03/2014<br />

www.easylinux.de<br />

57


Workshop<br />

Th<strong>und</strong>erbird & SeaMonkey<br />

SeaMonkey 2.26<br />

Vor einigen Wochen erblickte SeaMonkey<br />

2.26 das Licht der Welt; die Version basiert<br />

auf der Gecko-Engine von Firefox 29<br />

<strong>und</strong> entspricht damit dem aktuellen Stand<br />

der Technik (Abbildung 2). Die Anzahl<br />

wirklich neuer Funktionen ist in dieser<br />

Version überschaubar: Wird eine Adresse<br />

in der Adresszeile nicht komplett angezeigt,<br />

so sieht der Nutzer die vollständige<br />

URL, indem er mit dem Mauszeiger über<br />

die Zeile fährt. Außerdem kann SeaMonkey<br />

2.26 automatisch neue Suchmaschinen<br />

in die Suchleiste aufnehmen, sofern<br />

die sich eindeutig als Suchmaschinen<br />

identifizieren.<br />

Die wirklich wichtigen Neuerungen in<br />

SeaMonkey 2.26 sind allerdings die Fehlerkorrekturen.<br />

Dazu gehören viele Verbesserungen<br />

von Elementen der grafischen<br />

Oberfläche <strong>und</strong> beim Empfangen<br />

<strong>und</strong> Senden von Mails über den SeaMonkey-Mailclient.<br />

Weit mehr als 30 Bugs behoben<br />

die SeaMonkey-Entwickler während<br />

des Releasezyklus, was angesichts<br />

der eher geringen Größe des Projektes<br />

durchaus bemerkenswert ist.<br />

Abb. 2: SeaMonkey hat es nach dem Ende der Förderung durch die Mozilla Fo<strong>und</strong>ation<br />

geschafft, als Communityprojekt zu überleben.<br />

Inhalte zu parsen, also auch HTML-basierte<br />

Mails. Damit sieht es zumindest im<br />

Augenblick so aus, als ob Th<strong>und</strong>erbird<br />

tatsächlich im Tiefschlaf ist.<br />

Neuerungen bei den Add-ons<br />

Deutlich besser sieht es in Sachen Th<strong>und</strong>erbird-Add-ons<br />

aus. Eine der großen<br />

Th<strong>und</strong>erbird-Stärken ist, dass man den<br />

Mailclient sehr leicht durch Add-ons erweitern<br />

kann. Weil sich Th<strong>und</strong>erbird im<br />

Augenblick praktisch nicht verändert, ändert<br />

sich auch die Schnittstelle zu jenen<br />

Add-ons nicht, was für Stabilität sorgt. Die<br />

Programmierer vieler Add-ons hält der<br />

ausbleibende Fortschritt beim Mailclient<br />

jedenfalls nicht davon ab, ihre eigenen Miniwerkzeuge<br />

weiter zu entwickeln. So gab<br />

es z. B. von der überaus beliebten Kalenderapplikation<br />

Lightning [3] in den letzten<br />

Wochen gleich mehrere neue Versionen,<br />

die Programmierfehler <strong>und</strong> Performancebeeinträchtigungen<br />

beheben.<br />

Ähnliches gilt für andere populäre Erweiterungen<br />

wie Enigmail (das den Mailclient<br />

um Unterstützung für die Verschlüsselungstechnik<br />

GnuPG/​PGP erweitert).<br />

Zu erwähnen ist schließlich auch<br />

AdBlock Plus: Das Add-on ist zwar in erster<br />

Linie eine Erweiterung für Firefox,<br />

funktioniert aber unter Th<strong>und</strong>erbird genauso<br />

<strong>und</strong> filtert dort aus E-Mails im<br />

HTML-Format unerwünschte Werbung.<br />

SeaMonkey ist aktiver<br />

Während die meisten Anwender die Mozilla<br />

Fo<strong>und</strong>ation vorrangig mit den Zugpferden<br />

Firefox <strong>und</strong> Th<strong>und</strong>erbird in Verbindung<br />

bringen, gibt es mit SeaMonkey<br />

[4] noch ein drittes Projekt, das mit den<br />

beiden verwandt ist. Vielleicht erinnern<br />

Sie sich noch an die Mozilla-Suite (noch<br />

früher: Netscape Communicator), wie sie<br />

vor einigen Jahren zu haben war: Browser,<br />

Mailclient <strong>und</strong> Chatprogramm waren<br />

in einem einzelnen Programm eng miteinander<br />

verwoben. Aus diesem alten Code<br />

sind im weiteren Verlauf Firefox <strong>und</strong><br />

Th<strong>und</strong>erbird hervorgegangen.<br />

Als das Mozilla-Projekt die Spaltung beschloss,<br />

waren nicht alle Nutzer <strong>und</strong> Entwickler<br />

damit einverstanden: Zu attraktiv<br />

schien die Idee, unter einem Dach die<br />

wichtigsten Onlinefunktionen zu vereinen.<br />

Bald darauf nahm das SeaMonkey-Projekt<br />

die Arbeit auf: In der Community wollte<br />

man die umfassende Suite pflegen <strong>und</strong> mit<br />

Updates versorgen, die man quasi im Rückwärtsgang<br />

aus Firefox <strong>und</strong> Th<strong>und</strong>erbird<br />

portieren wollte. Anders als bei Th<strong>und</strong>erbird<br />

hat sich bei SeaMonkey die Arbeit der<br />

Community erfolgreich entwickelt: Heute<br />

hat das Programm eine Fangemeinde, zu<br />

der auch Entwickler gehören, die immer<br />

wieder neue Features hinzufügen.<br />

Licht <strong>und</strong> Schatten<br />

Auch wenn SeaMonkey etwas altbacken<br />

wirkt, hat das Programm viele Anhänger.<br />

Ein Ende der Entwicklung scheint hier für<br />

die nahe Zukunft nicht zu drohen. Th<strong>und</strong>erbird<br />

bereitet in der Hinsicht mehr Sorgen:<br />

Den Erklärungen der Community,<br />

auch ohne das Geld der Mozilla Fo<strong>und</strong>ation<br />

auszukommen, sind bis dato keine<br />

Taten gefolgt. Die Vergangenheit hat bei<br />

anderen Projekten gezeigt, dass für die<br />

Umstellung von bezahlter auf freiwillige<br />

Arbeit nicht ewig Zeit bleibt, denn die<br />

FLOSS-Szene ist schnelllebig, <strong>und</strong> zu fast<br />

jedem Programm gibt es mehrere Alternativen.<br />

Das ist bei Th<strong>und</strong>erbird ganz ähnlich:<br />

KMail <strong>und</strong> Evolution stehen unter Linux<br />

als Mailprogramme bereit, <strong>und</strong> wegen<br />

der immer besser werdenden Webinterfaces<br />

von Maildiensten verlassen sich<br />

viele Anwender gleich darauf <strong>und</strong> verzichten<br />

auf die Installation eines klassischen<br />

Mailprogramms.<br />

Wer sich einmal auf ein anderes Programm<br />

umgestellt hat, lässt sich meist<br />

nicht einfach zurückgewinnen. So entsteht<br />

im schlimmsten Falle ein Kreislauf<br />

aus sinkenden Nutzerzahlen <strong>und</strong> abnehmender<br />

Entwicklungsarbeit. Dass das<br />

nicht zwangsläufig so kommt, stellt<br />

SeaMonkey unter Beweis. Im Sinne des<br />

Open-Source-Gedankens ist es Th<strong>und</strong>erbird<br />

jedenfalls zu wünschen, dass die<br />

Entwicklung wieder Fahrt aufnimmt. Die<br />

langjährigen Anwender des freien Mailprogramms<br />

würden sich freuen. (hge) n<br />

Infos<br />

[1] Bericht zu Th<strong>und</strong>erbird-Einstellung<br />

(2012): http:// derstandard. at/​<br />

1341526814918/ (http:// ezlx. de/ e3w1)<br />

[2] Bericht zu Th<strong>und</strong>erbird 24 bei heise.de:<br />

http:// heise. de/ ‐1960224<br />

(http:// ezlx. de/ e3w2)<br />

[3] Lightning: http:// www. mozilla. org/​<br />

en‐US/ projects/ calendar/<br />

(http:// ezlx. de/ e3w3)<br />

[4] SeaMonkey: http:// www. seamonkey‐<br />

project. org/ (http:// ezlx. de/ e3w4)<br />

Software auf DVD: Th<strong>und</strong>erbird 24.5 <strong>und</strong> 24.6<br />

58 www.easylinux.de<br />

<strong>EasyLinux</strong> 03/2014


Workshop<br />

LaTeX-Einführung<br />

Mit LaTeX professionelle Texte gestalten<br />

Wenn’s perfekt<br />

sein muss<br />

Hans-Georg Eßer<br />

Briefe <strong>und</strong> andere kleinere Texte schreiben die meisten<br />

Linux-Anwender in LibreOffice Writer. Für größere<br />

(<strong>und</strong> wichtige) Dokumente ist das Officeprogramm<br />

aber nur bedingt geeignet – mit LaTeX steht eine<br />

Alternative zur Verfügung.<br />

Wenn Sie bisher Ihre Texte mit<br />

einem Programm wie LibreOffice<br />

Writer oder Microsoft<br />

Word geschrieben haben, könnte Ihnen<br />

der Umgang mit der Alternative LaTeX<br />

(gesprochen: Latech, nicht Latex) zunächst<br />

sehr merkwürdig vorkommen,<br />

denn dort gibt es keine Buttons für kursiv<br />

<strong>und</strong> fett, zentrierte Absätze oder Blocksatz.<br />

Stattdessen müssen Sie Kommandos<br />

für die Auszeichnung direkt in den Text<br />

schreiben, etwa \textbf{wichtig} für das<br />

fett geschriebene Wort „wichtig“. Wer<br />

das zum ersten Mal macht, sucht zunächst<br />

nach den passenden Tastenkombinationen,<br />

die den Backslash \ <strong>und</strong> die geschweiften<br />

Klammern {} erzeugen.<br />

Das klingt nach Aufwand – sowohl für<br />

die Einarbeitung als auch für die regelmäßige<br />

Arbeit mit dieser Software. Warum<br />

sollten Sie sich das antun? In diesem Artikel<br />

verraten wir Ihnen, welche Vorteile<br />

LaTeX [1] gegenüber klassischen Textverarbeitungen<br />

bietet, <strong>und</strong> wir helfen bei den<br />

ersten Schritten.<br />

Kleine Werbekampagne<br />

Die kurze Zusammenfassung lautet:<br />

„Wenn Sie es ordentlich machen wollen,<br />

nehmen Sie LaTeX.“ Dokumente nach allen<br />

Regeln der Kunst zu gestalten, ist<br />

eine komplexe Aufgabe. Häufig ist Perfektion<br />

gar nicht nötig; wenn Sie also einen<br />

kurzen Brief ans Finanzamt schreiben<br />

wollen, reicht eine klassische Textverarbeitung<br />

dafür völlig aus – schließlich<br />

würde die Behörde auch einen von<br />

Hand geschriebenen Brief akzeptieren.<br />

Auch für eine schnelle Notizensammlung,<br />

in der Sie etwa wichtige Begriffe<br />

fett hervorheben oder eine Aufzählung<br />

mit Punkten einfügen wollen, ist LibreOffice<br />

Writer ein gutes Tool.<br />

Doch manchmal muss es mehr sein.<br />

Wenn Sie ein Buch, eine wissenschaftliche<br />

Abschlussarbeit oder ein anderes<br />

umfangreiches Dokument erstellen wollen,<br />

das auch andere Personen lesen werden,<br />

dann sollte nicht nur der Inhalt,<br />

sondern auch die Form stimmen. Und<br />

hier kann LaTeX punkten: Es berücksichtigt<br />

alle wichtigen Regeln des professionellen<br />

Textsatzes <strong>und</strong> lässt sich nur mit<br />

Mühe dazu zwingen, hässliche Dokumente<br />

zu erstellen.<br />

Ein klassischer „Fehler“, der vielen Anwendern<br />

von Writer, Word & Co. unterläuft,<br />

ist der Einsatz von zu vielen verschiedenen<br />

Schriften, Schriftgrößen <strong>und</strong><br />

Auszeichnungen (fett, kursiv, beides,<br />

unterstrichen, Schrift mit Schatten <strong>und</strong><br />

so weiter). Abbildung 1 zeigt ein Meisterwerk<br />

dieser Kategorie. An öffentlichen<br />

Pinnwänden in Supermärkten kann man<br />

gelegentlich Verkaufsangebote bew<strong>und</strong>ern,<br />

die ähnlich geschmackvoll sind,<br />

<strong>und</strong> auch so manche Einladung zur Betriebsfeier<br />

hat Ähnlichkeit mit unserem<br />

Entwurf.<br />

Textprogramme geben den Anwendern<br />

die Freiheit, mit wenigen Klicks alle nur<br />

Abb. 1: Viel ist manchmal zu viel, etwa dann, wenn es um die Zahl der Schiftarten in einem<br />

Dokument geht. LaTeX verhindert solche Kompositionen.<br />

60 www.easylinux.de<br />

<strong>EasyLinux</strong> 03/2014


LaTeX-Einführung<br />

Workshop<br />

denkbaren Texteigenschaften<br />

zu ändern. Doch haben<br />

nur die wenigsten Anwender<br />

die nicht mehr angebotene<br />

dreijährige Ausbildung<br />

zum Schriftsetzer (oder zu<br />

dessen modernem Nachfolger,<br />

dem Mediengestalter)<br />

absolviert. Eine Gr<strong>und</strong>regel<br />

ist: „Weniger ist mehr.“<br />

LaTeX bündelt einen Großteil<br />

des theoretischen Wissens,<br />

das Schriftsetzer früher<br />

erwerben mussten. So<br />

weiß LaTeX z. B., wie es<br />

den Zeilenabstand anpassen<br />

muss, wenn sich die<br />

Schriftgröße ändert, <strong>und</strong> es<br />

hat vernünftige Voreinstellungen<br />

für die Größe von<br />

Überschriften.<br />

Abb. 2: Blocksatz ohne Silbentrennung (LibreOffice)<br />

sieht selten gut aus.<br />

Abb. 3: Mit Silbentrennung wird es besser (LibreOffice).<br />

Abb. 4: LaTeX setzt Absätze so, dass die Wortabstände<br />

möglichst einheitlich sind.<br />

Textsatz<br />

In Textverarbeitungsprogrammen<br />

ist nie vom Textsatz<br />

die Rede – worum geht<br />

es da überhaupt? Seit der<br />

Buchdruck mit Bleilettern<br />

erf<strong>und</strong>en wurde, haben<br />

sich Textsetzer bemüht, Buchstaben in<br />

besonders gelungener Weise zu Worten<br />

zusammenzusetzen, diese dann zu Zeilen<br />

in einer Textspalte (bzw. auf der Buchseite)<br />

<strong>und</strong> schließlich die Zeilen zu ganzen<br />

Absätzen. Das klingt einfach, denn<br />

schließlich macht das jedes Textprogramm<br />

automatisch, aber das liegt daran,<br />

dass Programme wie Writer <strong>und</strong> Word<br />

nicht alle Regeln der Kunst beherrschen.<br />

Dazu ein paar Beispiele:<br />

Viele Texte verwenden den so genannten<br />

Blocksatz, dabei ordnet das Textprogramm<br />

– im Gegensatz zum Flattersatz –<br />

die Worte in allen Zeilen so an, dass die<br />

Zeilen gleichzeitig links- <strong>und</strong> rechtsbündig<br />

sind; es entsteht der optische Eindruck<br />

eines (Text-)Blocks. LibreOffice<br />

produziert dabei in der Standardeinstellung<br />

teilweise unbrauchbare Ergebnisse<br />

(Abbildung 2), weil es lange Worte nicht<br />

trennt, sondern in die nächste Zeile zieht,<br />

wenn sie nicht mehr in die aktuelle passen.<br />

Die Optik wird sofort deutlich besser,<br />

wenn Sie die Silbentrennung einschalten:<br />

Dann umbricht Writer lange Worte an geeigneten<br />

Stellen, fügt also einen Bindestrich<br />

ein <strong>und</strong> setzt das Wort in der<br />

nächsten Zeile fort. Abbildung 3 zeigt<br />

denselben Text mit aktivierter Silbentrennung,<br />

aber auch hier fallen noch unterschiedlich<br />

große Wortabstände auf, besonders<br />

stark in der dritten Zeile (in der<br />

die Abstände deutlich größer als in den<br />

übrigen Zeilen sind).<br />

Ein professioneller Textsetzer wird sich<br />

bemühen, durch Silbentrennungen an<br />

den richtigen Stellen ein einheitliches<br />

Textbild zu erzeugen – zumindest für jeden<br />

Absatz. Das war früher Handarbeit,<br />

doch heute können leistungsfähige Textsatzprogramme<br />

(wie LaTeX) das mit ausgeklügelten<br />

Algorithmen automatisch erledigen.<br />

Abbildung 4 zeigt, wie LaTeX<br />

mit dem Beispieltext umgeht. Der Unterschied<br />

ist auf den ersten Blick vielleicht<br />

schwer zu erkennen, aber geringfügige<br />

Abweichungen bei den Trennentscheidungen<br />

sorgen dafür, dass das Erscheinungsbild<br />

des Absatzes einheitlicher ist.<br />

Ligaturen<br />

Eine typografische Feinheit, die viele Anwender<br />

nicht kennen, sind die so genannten<br />

Ligaturen: Das sind zusammengezogene<br />

Buchstabenpaare (oder sogar Kombinationen<br />

aus drei Buchstaben); typische<br />

Vertreter sind „fl“ <strong>und</strong> „ff“. Abbildung 5<br />

zeigt am Beispiel der Schriftarten Times<br />

New Roman <strong>und</strong> Minion Pro, wie LibreOffice<br />

Writer (links) <strong>und</strong> LaTeX (rechts) damit<br />

umgehen. Das Minion-Pro-Beispiel<br />

macht deutlich, dass LibreOffice durchaus<br />

mit Ligaturen umgehen kann, aber ausgerechnet<br />

in der von vielen Anwendern verwendeten<br />

Standardschrift Times New Roman<br />

fehlen diese in der Fontdatei – deswegen<br />

erscheinen „ff“, „fl“, „fi“ usw. in dieser<br />

Schrift nicht als Ligaturen, sondern als<br />

separate Zeichen, bei denen sich z. B. der<br />

obere Bogen des „f“ <strong>und</strong> der „i“-Punkt unangenehm<br />

nahe kommen. LaTeX behandelt<br />

Ligaturen korrekt.<br />

Ein weiteres Problem, das LibreOffice mit<br />

der Schriftdarstellung hat, wird in der je-<br />

Abb. 5: Bei Ligaturen werden einzelne Buchstaben leicht verändert, so dass sich schönere<br />

Kombinationen von Paaren wie „ff“ <strong>und</strong> „fl“ bilden.<br />

<strong>EasyLinux</strong><br />

03/2014<br />

www.easylinux.de<br />

61


Workshop<br />

LaTeX-Einführung<br />

weils untersten Zeile der<br />

Beispieltexte in der Buchstabenkombination<br />

„yfb“ deutlich:<br />

Das „f“ in der Mitte ist<br />

kursiv gesetzt, wodurch der<br />

obere Bogen des „f“ weit<br />

nach rechts reicht – LibreOffice<br />

setzt die Zeichen jeweils<br />

so, dass „f“ <strong>und</strong> „b“ verschmelzen,<br />

was nicht erlaubt<br />

ist. LaTeX hingegen<br />

korrigiert die Zeichenabstände,<br />

so dass sich ein<br />

schönes Gesamtbild ergibt.<br />

Nun ist das Kursivsetzen<br />

einzelner Buchstaben nicht<br />

üblich, aber in abgeschwächter<br />

Form tritt das<br />

Problem auch bei kursiv gesetzten<br />

Worten auf: Je nachdem,<br />

mit welchem Buchstaben<br />

ein solches Wort endet, sind die Abstände<br />

vor <strong>und</strong> nach dem Wort unterschiedlich<br />

groß. Solche Details werden<br />

den meisten Lesern nicht auffallen, aber<br />

wer es 100-prozentig korrekt haben will,<br />

greift (auch) deswegen zu LaTeX.<br />

Name<br />

book, scrbook<br />

article, scrartcl<br />

report, scrreprt<br />

slides<br />

scrlttr2<br />

Abb. 6: Erst in der PDF-Datei erkennen Sie, wie das Dokument<br />

aussieht. Bei Änderungswünschen setzen Sie dann die Bearbeitung<br />

der TeX-Datei fort.<br />

Dokumentklassen<br />

Eigenschaften<br />

LaTeX mit UTF-8 <strong>und</strong> TrueType-Fonts<br />

Viele Anwender verwenden statt des<br />

klassischen LaTeX eine neuere Variante<br />

namens XeLaTeX [2]. Die gr<strong>und</strong>sätzliche<br />

Bedienung unterscheidet sich nicht,<br />

<strong>und</strong> wenn Sie unter Linux die LaTeX-<br />

Pakete installieren, landen beide Varianten<br />

auf dem Rechner. Der große Vorteil<br />

von XeLaTeX ist, dass Sie in dieser<br />

Programmversion einfacher die unter<br />

Linux installierten Schriften verwenden<br />

können. Darum setzen wir in dieser Beschreibung<br />

auch auf XeLaTeX. Sollten<br />

Sie eine ältere Linux-Distribution einsetzen,<br />

für die XeLaTeX nicht verfügbar<br />

ist, können Sie aber trotzdem den Großteil<br />

der Informationen aus diesem Artikel<br />

sinnvoll nutzen.<br />

XeLaTeX setzt standardmäßig auf die<br />

UTF-8-Textkodierung, so dass Sie in Ihren<br />

Texten nicht nur westeuropäische Sonderzeichen,<br />

sondern auch kyrillische <strong>und</strong> einige<br />

andere Schriften verwenden können.<br />

Installation von LaTeX<br />

Die LaTeX-Installation ist unter Open-<br />

Suse <strong>und</strong> Kubuntu sehr leicht, denn in<br />

beiden Fällen wählen Sie über die Paketverwaltung<br />

ein einzelnes Paket zur Installation<br />

aus: texlive-latex (OpenSuse)<br />

bzw. texlive-full (Kubuntu). Es handelt<br />

sich dabei jeweils um ein Metapaket, das<br />

eine sehr große Anzahl an weiteren Paketen<br />

als Abhängigkeiten mitinstalliert:<br />

LaTeX ist komplexe Software <strong>und</strong> benötigt<br />

einiges an Speicherplatz auf der Festplatte;<br />

bei einer langsamen Internetverbindung<br />

könnte die Installation also einen<br />

Moment dauern.<br />

Für Bücher; neben section, subsection usw. gibt es noch die höheren<br />

Gliederungsebenen chapter (Kapitel) <strong>und</strong> part (Teil). Die<br />

Klasse scrbook gehört zum Paket KOMA-Script <strong>und</strong> ist eine modernere<br />

Variante.<br />

Für kürzere Beiträge, z. B. Artikel für wissenschaftliche Fachzeitschriften;<br />

die Klasse scrartcl gehört zum Paket KOMA-Script.<br />

Ähnlich wie article, aber auch mit chapter-Gliederungsebene; die<br />

Klasse scrreprt gehört zum Paket KOMA-Script.<br />

Zum Erstellen von Vortragsfolien (im PDF-Format).<br />

KOMA-Script-Klasse für Briefe, die auch DIN-Briefe erstellt.<br />

Für die ersten Schritte mit LaTeX<br />

reicht ein normaler Texteditor<br />

aus, der aber in der Lage sein<br />

muss, UTF-8-kodierte Textdateien<br />

zu speichern. Sie können<br />

z. B. den KDE-Editor Kate dafür<br />

verwenden, der bereits vorinstalliert<br />

ist. Kate zeigt auch die<br />

LaTeX-Befehle mit Syntaxhervorhebung<br />

an.<br />

Wenn Sie sich später entscheiden,<br />

regelmäßig mit LaTeX zu<br />

arbeiten, ist eventuell der Umstieg<br />

auf ein anderes Tool sinnvoll,<br />

das speziell für den Einsatz<br />

mit LaTeX geschaffen<br />

wurde; mehr dazu lesen Sie im<br />

Kasten Editoren für LaTeX am<br />

Ende des Artikels.<br />

Die ersten Schritte<br />

Ein minimales LaTeX-Dokument, das<br />

nur einen Satz enthält, sieht folgendermaßen<br />

aus:<br />

\documentclass{article}<br />

\begin{document}<br />

Das ist der Inhalt.<br />

\end{document}<br />

Der eigentliche Textinhalt besteht hier<br />

nur aus der Zeile Das ist der Inhalt, während<br />

die restlichen Zeilen LaTeX-Kommandos<br />

enthalten:<br />

l Das erste, \documentclass, legt die<br />

so genannte Dokumentklasse fest,<br />

welche das Dokument verwendet,<br />

im Beispiel ist es article, alternativ<br />

könnte hier z. B. book stehen. (Eine<br />

Übersicht der wichtigsten Klassen<br />

finden Sie in der Tabelle Dokumentklassen.<br />

Von vielen Standardklassen<br />

gibt es eine modernere Variante aus<br />

dem empfehlenswerten KOMA-Script-<br />

Paket; die Namen der KOMA-Klassen<br />

fangen mit scr an, z. B. scrbook statt<br />

book.) Das Wort article ist dabei ein<br />

Argument des Kommandos \documentclass<br />

<strong>und</strong> steht in geschweiften<br />

Klammern {} – so sehen viele LaTeX-<br />

Kommandos aus.<br />

l In der zweiten <strong>und</strong> vierten Zeile<br />

stehen zwei spezielle LaTeX-Kommandos:<br />

\begin <strong>und</strong> \end starten <strong>und</strong><br />

beenden eine LaTeX-Umgebung. In<br />

diesem Fall (Argument: document)<br />

geht es um das gesamte Dokument.<br />

Alles, was Sie am Ende in der PDF-<br />

Datei in Textform sehen möchten,<br />

muss zwischen diesen beiden Kom-<br />

62 www.easylinux.de<br />

<strong>EasyLinux</strong> 03/2014


LaTeX-Einführung<br />

Workshop<br />

mandos stehen. Den Teil oberhalb<br />

von \begin{document} nennt man<br />

auch den Dokumentenheader. Im<br />

Header können Sie noch viele weitere<br />

Kommandos unterbringen, die Einstellungen<br />

des Dokuments festlegen<br />

oder dafür sorgen, dass zusätzliche<br />

Features zur Verfügung stehen, indem<br />

LaTeX ein Extrapaket integriert.<br />

Weiter unten im Artikel folgen einige<br />

Beispiele für solche Pakete, die Sie<br />

mit dem Befehl \usepackage einbinden<br />

können.<br />

In dieser einfachsten Form eines LaTeX-<br />

Dokuments gelten verschiedene Einschränkungen,<br />

die es loszuwerden gilt:<br />

Zum Beispiel ist es noch nicht möglich,<br />

deutsche Umlaute oder andere Zeichen zu<br />

nutzen, die nicht zum amerikanischen<br />

ASCII-Zeichensatz gehören. Wenn Sie im<br />

Texteditor das obige Dokument mit der<br />

veränderten Inhaltszeile Das ist ein schönes<br />

Dokument eingeben, entsteht eine<br />

PDF-Datei, in der diese Zeichen einfach<br />

fehlen. Das wird aber nicht so bleiben;<br />

wir kommen gleich (im Abschnitt Textkodierungen)<br />

darauf zurück. Ein anderes<br />

Problem ist die Formatierung von Absätzen,<br />

die sich standardmäßig ebenfalls an<br />

amerikanischen Gewohnheiten orientiert;<br />

zwischen Absätzen gibt es keinen Abstand;<br />

stattdessen hat die erste Zeile jedes<br />

neuen Absatzes einen kleinen Einzug.<br />

Das heißt: Der Text in der ersten Zeile beginnt<br />

erst nach ca. einem Zentimeter<br />

Leerraum. Im deutschsprachigen Raum<br />

gestaltet man Dokumente anders, <strong>und</strong><br />

auch das lässt sich umstellen (siehe Abschnitt<br />

Deutsche Konventionen).<br />

Textkodierungen<br />

Sie können LaTeX auf den Einsatz deutscher<br />

Sonderzeichen (Umlaute <strong>und</strong> das<br />

scharfe S: äöüÄÖÜß) vorbereiten, indem<br />

Sie vor der \begin{document}-Zeile diesen<br />

Befehl einfügen:<br />

\usepackage[ngerman]{babel}<br />

Das hat zudem den (erwünschten) Nebeneffekt,<br />

dass Sie damit die Silbentrennung<br />

nach neuer deutscher Rechtschreibung<br />

aktivieren <strong>und</strong> die Namen verschiedener<br />

Verzeichnisse auf Deutsch umstellen,<br />

so dass es dann später z. B. „Inhaltsverzeichnis“<br />

<strong>und</strong> nicht „Table of Contents“<br />

heißt. Nach diesem Kommando<br />

könnten Sie Umlaute als "a, "o, "ü, "A,<br />

"O, "U (für „ä“, „ö“, „ü“, „Ä“, „Ö“, „Ü“)<br />

<strong>und</strong> das scharfe s als "s eingeben, was<br />

aber umständlich ist. Komfortabler wird<br />

es, wenn Sie auch noch den Befehl<br />

\usepackage[utf8]{inputenc}<br />

ergänzen, denn dann können Sie die Umlaute<br />

wie gewohnt direkt eingeben. (Sollten<br />

Sie noch ein älteres Linux-System verwenden,<br />

das mit der alten ISO-Latin1-Kodierung<br />

arbeitet, schreiben Sie in dem<br />

Kommando latin1 statt utf8.) Neben den<br />

deutschen Zeichen können Sie auch viele<br />

weitere Sonderzeichen verwenden, z. B.<br />

die französischen Akzentbuchstaben oder<br />

das spanische „ñ“.<br />

Erste Tests<br />

Legen Sie im Ordner Dokumente in Ihrem<br />

Home-Verzeichnis einen neuen Ordner<br />

tex an <strong>und</strong> speichern Sie dort eine kleine<br />

Beispieldatei als test.tex. Öffnen Sie dann<br />

ein Kommandozeilenfenster ([Alt-F2] <strong>und</strong><br />

Eingabe von konsole ins Schnellstartfens-<br />

<strong>EasyLinux</strong><br />

03/2014<br />

www.easylinux.de<br />

63


Workshop<br />

LaTeX-Einführung<br />

Abb. 7: Wie umfangreich das Inhaltsverzeichnis wird, legen Sie über den Zähler „tocdepth“<br />

fest, während „secnumdepth“ angibt, bis zu welcher Stufe LaTeX nummeriert.<br />

ter). In der Shell wechseln Sie dann mit<br />

cd Dokumente/tex/ in den neuen Ordner<br />

<strong>und</strong> geben Folgendes ein:<br />

xelatex test<br />

(Alternativ können Sie auch den vollen<br />

Dateinamen, also test.tex als Argument<br />

verwenden, das Programm ergänzt die<br />

Dateiendung aber automatisch, wenn Sie<br />

.tex weglassen.)<br />

Es erscheinen nun einige Zeilen mit Ausgaben,<br />

die Sie bei den ersten Schritten ignorieren<br />

können – sofern keine Fehlermeldung<br />

darunter ist. Wenn Sie schon<br />

einmal mit einem Compiler Software aus<br />

den Quellen in ausführbare Programme<br />

übersetzt haben, kennen Sie die Vorgehensweise:<br />

xelatex übersetzt auch hier<br />

den Quellcode (die tex-Datei), nur ist das<br />

Ergebnis kein Programm, sondern die<br />

PDF-Datei test.tex, die Sie nun in einem<br />

PDF-Betrachter anzeigen können (Abbildung<br />

6 auf S. 62).<br />

\subsection{}, \subsubsection{}, \paragraph{}<br />

<strong>und</strong> \subparagraph{} verwenden<br />

– in die geschweiften Klammern gehört<br />

dabei jeweils die Überschrift für<br />

den Abschnitt, den Sie damit beginnen<br />

wollen. Das erzeugt auch automatisch<br />

eine Nummerierung. Einige Dokumentarten<br />

(wie etwa Bücher) erlauben zusätzlich,<br />

mit Kapiteln (\chapter{}) zu<br />

arbeiten. Die Tabelle Kapitelnummerierung<br />

zeigt, wie LaTeX die Nummernvergabe<br />

umsetzt. Bei den tieferen Gliederungsstufen<br />

ist die Nummerierung oft<br />

unerwünscht; darum können Sie in La-<br />

TeX einstellen, bis zu welcher Tiefe der<br />

Hierarchie das Programm solche Nummern<br />

vergibt.<br />

Wenn Sie von LibreOffice Writer oder<br />

Word schon die Methode kennen, Überschriften<br />

mit Absatzformatvorlagen wie<br />

Überschrift 1, Überschrift 2 usw. auszuzeichnen<br />

(siehe auch unseren Writer-<br />

Workshop ab Seite 72), dann wird Ihnen<br />

dieses Konzept vertraut vorkommen,<br />

denn auch die klassischen Textverarbeitungen<br />

können automatisch Kapitelnummern<br />

vergeben.<br />

Inhaltsverzeichnis<br />

Ein Dokument mit einer komplexen<br />

Struktur braucht auch ein Inhaltsverzeichnis.<br />

Bei LaTeX erstellen Sie das automatisch,<br />

indem Sie an der gewünschten<br />

Stelle im Dokument den Befehl<br />

\tableofcontents<br />

einfügen. Wie ausführlich dieses Inhaltsverzeichnis<br />

ist, können Sie auch festlegen:<br />

Eventuell wollen Sie zwar Überschriften<br />

bis zur vierten oder fünften<br />

Ebene nutzen, diese aber nicht alle im Inhalt<br />

sehen. Für diesen Zweck können Sie<br />

die maximale Tiefe festlegen.<br />

\setcounter{tocdepth}{3}<br />

stellt z. B. ein, dass alle Überschriften, die<br />

in einer tieferen Ebene als subsection angesiedelt<br />

sind (also die Subsubsections,<br />

Paragraphs <strong>und</strong> Subparagraphs), beim Erzeugen<br />

des Inhalts ignoriert werden. Um<br />

schon die subsection-Einträge zu entfernen,<br />

geben Sie im Kommando 2 statt 3<br />

an. Setzen Sie den Wert hingegen auf 4,<br />

erscheinen auch paragraph-Überschriften.<br />

Der Wert 0 würde ein leeres Inhaltsverzeichnis<br />

produzieren.<br />

Analog können Sie angeben, bis zu welcher<br />

Tiefe überhaupt Kapitelnummern<br />

angezeigt werden. Das erledigen Sie mit<br />

diesem Kommando:<br />

\setcounter{secnumdepth}{3}<br />

Kapitelnummerierung<br />

Befehl Buch Artikel<br />

Der Wert 3 ist auch jeweils die Vorgabe;<br />

für Änderungen könnten Sie also z. B.<br />

\chapter{Kapitel} 1. Kapitel (nicht verfügbar)<br />

\section{Abschnitt} 1.1 Abschnitt 1. Abschnitt<br />

Das Dokument gliedern<br />

LaTeX-Dokumente können Sie in Abschnitte,<br />

Unterabschnitte, Unterunterabschnitte<br />

<strong>und</strong> noch weiter untergliedern,<br />

indem Sie die Befehle \section{},<br />

\subsection{Unterabschnitt} 1.1.1 Unterabschnitt 1.1 Unterabschnitt<br />

\subsubsection{Titel} 1.1.1.1 Titel 1.1.1 Titel<br />

\paragraph{Titel} 1.1.1.1.1 Titel 1.1.1.1 Titel<br />

\subparagraph{Titel} 1.1.1.1.1.1 Titel 1.1.1.1.1 Titel<br />

64 www.easylinux.de<br />

<strong>EasyLinux</strong> 03/2014


LaTeX-Einführung<br />

Workshop<br />

\setcounter{tocdepth}{4}<br />

\setcounter{secnumdepth}{5}<br />

schreiben <strong>und</strong> damit ein Ergebnis wie in<br />

Abbildung 7 erhalten. Die Befehle ergänzen<br />

Sie vor oder nach \begin{document}<br />

– in jedem Fall aber vor dem \tableofcontents-Befehl,<br />

der den Inhalt erzeugt; ansonsten<br />

gelten die Standardeinstellungen.<br />

Bei Büchern (Dokumentklasse book) beginnt<br />

die Überschriftenhierarchie bereits<br />

mit chapter, <strong>und</strong> diese Kapitel verwenden<br />

die Hierarchiestufe 0. Um in Büchern die<br />

Nummerierung abzuschalten, setzen Sie<br />

secnumdepth auf ‐1. Gerade in Romanen<br />

ist es unüblich, Kapitel zu nummerieren.<br />

In wissenschaftlichen Arbeiten finden<br />

sich hingegen oft absurd tief gehende<br />

Nummerierungen: Bei Büchern können<br />

Sie also mit subparagraph Nummern der<br />

Form 1.2.3.4.5.6 erzeugen.<br />

Bezug auf Kapitel nehmen<br />

Kapitelnummern sind vor allem dann<br />

sinnvoll, wenn Sie diese verwenden, um<br />

auf Stellen im Buch zu verweisen. Häufig<br />

liest man etwa Sätze der Form „Wie Sie in<br />

Kapitel 1.2.19 gesehen haben, …“. Diesen<br />

Effekt erreichen Sie in LaTeX ganz leicht,<br />

indem Sie mit \label direkt nach der Kapitelüberschrift<br />

ein Label setzen, z. B. in<br />

dieser Form:<br />

\chapter{Zusammenfassung}<br />

\label{kapitel:zusammenfassung}<br />

Dann können Sie an anderer Stelle im<br />

Text über den \ref-Befehl darauf Bezug<br />

nehmen:<br />

Wie Sie in Kapitel \ref{kapitel:zusammenfaU<br />

ssung} gesehen haben, ...<br />

Oft will man statt auf die Kapitelnummer<br />

direkt auf die Startseite des Kapitels verweisen.<br />

Dafür können Sie statt \ref den<br />

\pageref-Befehl verwenden:<br />

Die Zusammenfassung beginnt auf Seite \pagU<br />

eref{kapitel:zusammenfassung}.<br />

Die \label-Befehle können Sie nicht nur<br />

hinter Kapitelüberschriften, sondern auch<br />

hinter allen anderen (\section, \subsection<br />

usw.) nutzen. Es ist üblich, diese dann in<br />

der Beschreibung auch als „Kapitel“ zu<br />

bezeichnen, also „in Kapitel 1.2.3“ statt<br />

„in Unterabschnitt 1.2.3“.<br />

Fett, kursiv & Co.<br />

Bisher haben Sie nur gesehen, wie Sie<br />

normalen Fließtext <strong>und</strong> Überschriften erzeugen<br />

können. Oft ist es aber nötig,<br />

Textstellen hervorzuheben, etwa mit kursiver<br />

oder fetter Schrift. LaTeX bietet dafür<br />

u. a. die Befehle \textbf („bold face“:<br />

fett), \textit („italics“: kursiv), \texttt (Maschinenschrift),<br />

\textsc („small caps“: Kapitälchen),<br />

\textsf („sans-serif“: Schrift<br />

ohne Serifen), \textsl („slanted face“:<br />

schräggestellt, nicht kursiv) <strong>und</strong> \<strong>und</strong>erline<br />

(unterstrichen), wobei Sie jeweils<br />

den auszuzeichnenden Text dahinter in<br />

geschweifte Klammern setzen, also z. B.<br />

\textbf{fett} für fette Darstellung des<br />

Wortes „fett“. Welche Ergebnisse Sie damit<br />

erzielen, zeigt Abbildung 8. Die letzten<br />

sechs Beispiele zeigen weitere Auszeichnungsmöglichkeiten,<br />

die aber nur<br />

verfügbar sind, wenn Sie am Anfang des<br />

Dokuments die Zeile<br />

\usepackage[normalem]{ulem}<br />

ergänzen.<br />

Deutsche Konventionen<br />

LaTeX trennt Absätze voneinander, indem<br />

es am Anfang jedes Absatzes einen<br />

kleinen Einzug einbaut – so ist es im englischsprachigen<br />

Raum üblich. Wer lieber<br />

die hier übliche Methode (kein Einzug,<br />

dafür Abstand zwischen den Absätzen)<br />

verwendet, ergänzt die folgenden zwei<br />

Zeilen am Anfang des Dokuments (vor<br />

\begin{document}):<br />

\setlength{\parindent}{0cm}<br />

\setlength{\parskip}{0.2cm}<br />

Das sorgt dafür, dass der Einzug der ersten<br />

Zeile (\parindent: paragraph indentation)<br />

auf 0 <strong>und</strong> der Abstand zwischen<br />

zwei Absätzen (\parskip: paragraph skip)<br />

auf 0,2 cm gesetzt werden. Als Nebeneffekt<br />

wird dadurch auch der Abstand zwischen<br />

Überschrift <strong>und</strong> erster Zeile etwas<br />

größer, wie Abbildung 9 zeigt.<br />

Mathematische Formeln<br />

Eine besondere Stärke von LaTeX ist das<br />

Setzen mathematischer Formeln. Wenn Sie<br />

komplexe Summen, Integrale oder andere<br />

mathematische Ausdrücke in Ihre Arbeiten<br />

einbinden wollen, bietet LaTeX eine<br />

schnell erlernbare Syntax, in der Sie diese<br />

formulieren können. So erzeugen Sie mit<br />

\[ \int_0^\infty \frac{f(x)+g(x)}{f(x)‐g(xU<br />

)}\textrm{d}x = \big( \varphi(z) \big) \biU<br />

g|_{z=0} + \lim_{n \rightarrow \infty} \frU<br />

ac{2^n}{n!} \Delta_n^{i_n} \]<br />

Abb. 8: LaTeX bietet verschiedene Möglichkeiten, um Text auszuzeichnen. Die letzten<br />

sechs Varianten stehen nur zur Verfügung, wenn Sie das „ulem”-Paket nutzen.<br />

<strong>EasyLinux</strong><br />

03/2014<br />

www.easylinux.de<br />

65


Workshop<br />

LaTeX-Einführung<br />

Abb. 9: Es gibt verschiedene Konventionen dafür, wie man Absätze voneinander trennt – links die englische Variante (Standard bei La-<br />

TeX), rechts die deutsche mit Absatzabstand ohne Einzug.<br />

die komplexe (wenn auch sinnfreie) Formel<br />

aus Abbildung 10. Dabei leitet \[ die<br />

Formel ein, <strong>und</strong> \] zeigt ihr Ende an.<br />

Diese Auszeichnung sorgt dafür, dass die<br />

Formel zentriert in einem separaten Absatz<br />

erscheint. Für die kurze Formel zwischendurch<br />

(die sich in den normalen<br />

Fließtext integriert) verwenden Sie jeweils<br />

ein Dollarzeichen am Anfang <strong>und</strong><br />

Ende der Formel. Dann sehen einige Zeichen<br />

anders (meist kleiner) aus, weil La-<br />

TeX sich bemüht, die Formel schön in die<br />

Zeile bzw. den Absatz zu integrieren. Allgemein<br />

gilt: Je komplexer die Formel ist,<br />

desto eher sollten Sie diese in einen separaten<br />

Absatz packen.<br />

Schreiben Sie eine Arbeit mit vielen Formeln,<br />

sollten Sie ein Buch über LaTeX-<br />

Formelsatz lesen, denn es gibt hier erstaunlich<br />

viele Möglichkeiten, etwa zum<br />

Setzen von Matrizen oder zum Anordnen<br />

komplexer, mehrzeiliger Formeln. Nur<br />

kurz zu den hier verwendeten Befehlen:<br />

l \int erzeugt ein Integralzeichen (das<br />

Summensymbol, ein griechisches Sigma,<br />

würden Sie mit \sum erhalten).<br />

l Die Intervallgrenzen des Integrals<br />

werden mit _ (für die untere Grenze)<br />

<strong>und</strong> ^ (für die obere Grenze) angegeben.<br />

Sollen diese komplexer als hier<br />

sein (also aus mehreren Buchstaben<br />

bestehen), setzen Sie die Werte in<br />

geschweifte Klammern, zum Beispiel<br />

\int_{start}^{end}.<br />

l \infty erzeugt das Unendlich-Symbol<br />

(engl. infinity).<br />

l Mit \frac zeichnen Sie Brüche (engl.<br />

fractions) aus. Der Befehl erwartet<br />

zwei Argumente, die jeweils in geschweiften<br />

Klammern stehen, also<br />

\frac{Zähler}{Nenner}.<br />

l Im Integral soll bei dx das „d“ nicht<br />

kursiv geschrieben werden, darum<br />

steht es innerhalb von \textrm{}, was<br />

auf normale Schrift umschaltet (text<br />

roman).<br />

l Mit \big vor einer Klammer oder<br />

einem ähnlichen Zeichen (im Beispiel<br />

gibt es auch einen senkrechten<br />

Strich, „|“) können Sie ein solches<br />

Zeichen minimal vergrößern. Darum<br />

unterscheiden sich die inneren <strong>und</strong><br />

äußeren Klammern hinter dem „z“<br />

leicht.<br />

l \varphi erzeugt das kleine griechische<br />

Phi, \Delta das große Delta <strong>und</strong> \lim<br />

das Limes-Symbol („lim“), bei dem<br />

ein Index unter das Wort geschrieben<br />

wird.<br />

l \rightarrow ist der Befehl für den<br />

nach rechts gerichteten Pfeil.<br />

l Das Zeichen ^ kann man außerdem<br />

verwenden, um Potenzen zu schreiben,<br />

wie im Beispiel 2^n.<br />

TrueType-Fonts nutzen<br />

Als Abschluss dieser Einführung erklären<br />

wir noch, wie Sie die Standardschriften<br />

von LaTeX durch auf dem System installierte<br />

(TrueType-)Schriften ersetzen können.<br />

Das setzt zwingend voraus, dass Sie<br />

mit XeLaTeX (<strong>und</strong> nicht mit Standard-La-<br />

TeX) arbeiten.<br />

Prinzipiell ist die Vorgehensweise die folgende:<br />

Sie können die Standard-Serifenschrift<br />

(zu der Familie gehört Times), die<br />

Standard-Sans-Serif-Schrift (ohne Serifen,<br />

z. B. Arial) <strong>und</strong> die Standard-Monospaced-Schrift<br />

(etwa Courier) für das<br />

ganze Dokument mit drei Kommandos<br />

verändern:<br />

\setmainfont[Mapping=tex‐text]{Liberation U<br />

Serif}<br />

\setsansfont[Mapping=tex‐text]{Linux BioliU<br />

num O}<br />

\setmonofont{Menlo}<br />

Welche Schriften es gibt, können Sie<br />

z. B. in LibreOffice herausfinden. Es<br />

kommt auf die exakte Schreibweise an.<br />

Die Option [Mapping=tex‐text] sorgt dafür,<br />

dass Sie Standard-LaTeX-Schreibweisen<br />

wie ‐‐ (erzeugt einen Gedankenstrich)<br />

verwenden können; ohne die Option<br />

erscheinen zwei kleine Minuszeichen.<br />

(Beim Einsatz von XeLaTeX könnte<br />

man prinzipiell auf diese Ersetzungen<br />

Abb. 10: Der Formelsatz von LaTeX ist ungeschlagen <strong>und</strong> der schönste von allen Anwendungen, die ein solches Feature besitzen.<br />

66 www.easylinux.de<br />

<strong>EasyLinux</strong> 03/2014


LaTeX-Einführung<br />

Workshop<br />

verzichten, weil zum Beispiel der Gedankenstrich<br />

auch als eigenes UTF-8-Zeichen<br />

zur Verfügung steht, das Sie direkt im<br />

Editor eingeben können.)<br />

Literatur<br />

LaTeX ist ein so komplexes Programm<br />

<strong>und</strong> bietet so viele Erweiterungen, dass es<br />

zahlreiche Bücher dazu gibt, die sich auf<br />

unterschiedlichem Niveau damit beschäftigen.<br />

Für Einsteiger empfiehlt sich unter<br />

anderem der „LaTeX-Begleiter“ (Mittelbach<br />

<strong>und</strong> Goossens, 2010, 1 168 Seiten,<br />

39,95 Euro, ISBN: 386894088X), ein Klassiker,<br />

der alle wichtigen Aspekte nachvollziehbar<br />

behandelt. Fortgeschrittene<br />

Anwender finden in „LaTeX Hacks: Tipps<br />

<strong>und</strong> Techniken für professionellen Textsatz“<br />

(Lingnau, 2012, 416 Seiten, 29,90<br />

Euro, ISBN: 3897214776) zahlreiche<br />

Tipps für weniger übliche Aufgaben.<br />

Wer zunächst kein Geld ausgeben mag,<br />

sollte auf seinem Rechner (oder im Internet)<br />

nach der Datei l2kurz.pdf suchen [3],<br />

die auf 50 Seiten einen Überblick über die<br />

wichtigsten Gr<strong>und</strong>lagen gibt. Auch viele<br />

Fragen zu konkreten LaTeX-Befehlen lassen<br />

sich über eine schnelle Google-Recherche<br />

oder eine Suche auf der englischsprachigen<br />

LaTeX-Community [4] klären,<br />

<strong>und</strong> schließlich gibt es noch eine eingebaute<br />

Hilfe: Wenn Sie Informationen über<br />

ein mit \usepackage{} verwendbares Paket<br />

benötigen, hilft oft das Kommando<br />

texdoc Paketname in der Shell weiter,<br />

denn die meisten dieser Pakete enthalten<br />

eine Dokumentation im PDF-Format. Für<br />

die KOMA-Script-Klassen gibt es zudem<br />

eine 370 Seiten lange Dokumentation<br />

(scrguide.pdf), die Sie über texdoc koma<br />

aufrufen können. (Unter OpenSuse müssen<br />

Sie dafür die Pakete texlive-komascript-doc<br />

<strong>und</strong> texlive-collection-documentation-german<br />

nachinstallieren.)<br />

Wenn Sie nun neugierig auf LaTeX geworden<br />

sind, aber doch die Einarbeitung<br />

in die nötigen Befehle vermeiden möchten,<br />

ist vielleicht LyX eine interessante Alternative<br />

für Sie: Das Programm ähnelt einer<br />

Textverarbeitung, setzt aber für die<br />

Anfertigung des endgültigen Dokuments<br />

auf LaTeX, ohne entsprechende Kenntnisse<br />

zu erwarten. Wir stellen es im folgenden<br />

Artikel vor. (hge)<br />

n<br />

Infos<br />

[1] LaTeX: http:// latex‐project. org/<br />

(http:// ezlx. de/ e3n1)<br />

[2] XeLaTeX: http:// wiki. xelatex. org/ doku.​<br />

php (http:// ezlx. de/ e3n2)<br />

[3] LaTeX-2e-Kurzbeschreibung:<br />

ftp:// ftp. dante. de/ pub/ tex/ info/ lshort/​<br />

german/ l2kurz. pdf (http:// ezlx. de/ e3n3)<br />

[4] Tipps <strong>und</strong> Tricks: http:// latex‐community.​<br />

org/ (http:// ezlx. de/ e3n4)<br />

[5] Kile: http:// kile. sourceforge. net/<br />

(http:// ezlx. de/ e3n5)<br />

[6] TeXStudio: http:// texstudio. sourceforge.​<br />

net/ (http:// ezlx. de/ e3n6)<br />

Editoren für LaTeX<br />

Spezielle LaTeX-Editoren sind mit Software-Entwicklungsumgebungen<br />

vergleichbar:<br />

Sie sind vor allem dann hilfreich,<br />

wenn man größere LaTeX-Projekte bearbeitet,<br />

die aus mehreren Dateien bestehen.<br />

Auch das Syntax-Highlighting, also<br />

die Hervorhebung von LaTeX-Befehlen ist<br />

ein angenehmes Feature, das allerdings<br />

auch normale Editoren (wie Kate) bereits<br />

anbieten. Hinzu gesellt sich hier aber<br />

eine Befehlsvervollständigung – wenn<br />

Sie anfangen, \text zu tippen, erscheinen<br />

automatisch Vorschläge<br />

wie \textbf{}<br />

oder \textsf{}. Außerdem<br />

gibt es hier eine<br />

Integration der LaTeX-<br />

Tools, so dass z. B.<br />

das Erstellen der PDF-<br />

Datei über eine Tastenkombination<br />

ausgelöst<br />

werden kann.<br />

Für Linux sind vor allem<br />

die beiden Programme<br />

Kile [5] <strong>und</strong><br />

TeXStudio [6] interessant,<br />

die wir hier<br />

beide nur kurz erwähnen.<br />

Wenn Sie zum regelmäßigen<br />

LaTeX-Anwender<br />

werden, sollten<br />

Sie diese Programme<br />

einmal ausprobieren<br />

<strong>und</strong> entscheiden, ob Sie damit<br />

besser zurechtkommen als mit einem<br />

einfachen Editor.<br />

TeXStudio ist nicht in den OpenSuse-Repositorys<br />

eingetragen, Sie können aber<br />

von der Projektwebseite ein RPM-Paket<br />

herunterladen <strong>und</strong> mit apper installieren.<br />

Im Programm öffnen Sie wie gewohnt<br />

eine LaTeX-Datei <strong>und</strong> drücken dann [F1],<br />

um sie zu übersetzen; die PDF-Ansicht erscheint<br />

in einem Teilfenster (Abbildung<br />

11). Das Programm beherrscht auch ein<br />

Abb. 11: TeXStudio bietet LaTeX-Anwendern viel Komfort.<br />

sehr nützliches Feature: Wenn Sie im<br />

Quelldokument oder in der PDF-Ansicht<br />

auf einen Textbereich mit rechts klicken<br />

<strong>und</strong> aus dem Kontextmenü Gehe zu PDF<br />

bzw. Gehe zum Quelltext wählen, springt<br />

das Programm in der jeweils anderen Ansicht<br />

zur selben Stelle. Gerade in größeren<br />

Dokumenten hilft das sehr.<br />

Beide Programme arbeiten standardmäßig<br />

mit LaTeX (genauer: pdflatex), lassen<br />

sich aber so umkonfigurieren, dass sie<br />

XeLaTeX nutzen.<br />

<strong>EasyLinux</strong><br />

03/2014<br />

www.easylinux.de<br />

67


Workshop<br />

LyX 2.1.0<br />

LyX 2.1.0 erzeugt Dokumente in LaTeX-Qualität<br />

TeX für Mausbenutzer<br />

Hans-Georg Eßer<br />

Wer LaTeX verwenden möchte, aber das Erlernen der Befehlssyntax scheut, sollte sich LyX<br />

ansehen: Das Programm arbeitet nach dem Prinzip „What you see is what you mean“ <strong>und</strong><br />

bedient sich fast wie eine normale Textverarbeitung.<br />

Im vorherigen Artikel haben wir LaTeX<br />

vorgestellt. Wenn Sie nach den ersten<br />

Seiten die Lektüre abgebrochen haben,<br />

weil Ihnen die TeX-Befehle zu kryptisch<br />

erschienen, sind Sie hier richtig: LyX [1]<br />

ist eine Textverarbeitung, die sich ganz<br />

ähnlich wie Writer & Co. bedienen lässt,<br />

das endgültige Dokument aber mit Hilfe<br />

von LaTeX erzeugt. Im Ergebnis erhalten<br />

Sie also die von LaTeX gelieferte Qualität,<br />

ohne sich in die Syntax der Auszeichnungssprache<br />

einarbeiten zu müssen. Der<br />

Preis dafür ist, dass Sie an manchen Stellen<br />

auf die Flexibilität von LaTeX verzichten<br />

müssen, weil LyX nicht alle Features<br />

anbieten kann. Die Gr<strong>und</strong>funktionen sind<br />

aber alle vorhanden, <strong>und</strong> so können Sie<br />

auch mit LyX umfangreiche <strong>und</strong> perfekt<br />

gesetzte Texte erstellen.<br />

LyX 2.1.0 ist im April 2014 erschienen,<br />

nachdem das Entwicklerteam drei Jahre<br />

Arbeit in die neue Version gesteckt hat [2].<br />

WYSIWYG vs. WYSIWYM<br />

Die Textverarbeitungen der üblichen Officepakete<br />

wie LibreOffice (Writer) oder<br />

Microsoft Office (Word) funktionieren alle<br />

nach dem WYSIWYG-Prinzip (What you<br />

see is what you get, deutsch: Du bekommst,<br />

was Du siehst) – das heißt, dass<br />

Sie bereits bei der Texteingabe am Bildschirm<br />

das endgültige<br />

Layout sehen, wie es<br />

später auf dem Drucker<br />

ausgegeben wird.<br />

Alle Zeilenumbrüche,<br />

Silbentrennungen, Bild<strong>und</strong><br />

Tabellenplatzierungen<br />

prüfen Sie also bereits,<br />

während Sie den<br />

Text eingeben.<br />

Dem setzt LyX das<br />

WYSIWYM-Prinzip<br />

(What you see is what<br />

©sitakarl nakpun, 123RF<br />

you mean, deutsch: Was Du siehst, ist,<br />

was Du meinst) entgegen. Im LyX-Fenster<br />

können Sie Texte wie in einem normalen<br />

Textprogramm eingeben, Teile markieren<br />

<strong>und</strong> fett oder kursiv formatieren. Sie verwenden<br />

Absatzformate für Überschriften<br />

verschiedener Hierarchien <strong>und</strong> Zitate <strong>und</strong><br />

fügen Tabellen <strong>und</strong> Formeln in den Text<br />

ein. Die Darstellung entspricht dabei aber<br />

nicht 1:1 der späteren Druckausgabe. So<br />

werden etwa Zeilenumbrüche abhängig<br />

von der Größe des Eingabefensters durchgeführt<br />

– die später im Ausdruck vorhandenen<br />

Umbrüche werden erst beim Aufruf<br />

der Voransicht bzw. beim tatsächlichen<br />

Ausdruck sichtbar. Da dies aber letzten<br />

Endes unwesentliche Detailinformationen<br />

sind, bedeutet diese Form der Darstellung<br />

keinen großen Nachteil.<br />

Das WYSIWYM-Prinzip passt auch gut zur<br />

LaTeX-Philosophie, den Inhalt <strong>und</strong> die<br />

Struktur eines Dokuments zu beschreiben<br />

<strong>und</strong> die letztendliche Formatierung LaTeX<br />

selbst zu überlassen. Das Textsatzprogramm<br />

kennt sich bestens mit allen Satzregeln<br />

aus, wie sie von professionellen<br />

Textsetzern beachtet werden. Die<br />

Möglichkeiten der gängigen Textverarbeitungsprogramme<br />

haben dazu<br />

geführt, dass die Regeln zum<br />

Satz von Dokumenten heute<br />

häufig ignoriert werden, was in der Konsequenz<br />

zu „unschönen“ Layouts führt –<br />

etwa durch die Verwendung zu vieler<br />

Schriftarten <strong>und</strong> ‐größen in einem Text,<br />

siehe auch den vorherigen Artikel.<br />

Mit diesem Konzept ist ein gewisser Verlust<br />

an Kontrolle über das Dokument verb<strong>und</strong>en.<br />

So lassen sich etwa die Schriftgrößen<br />

für die verschiedenen Überschriften<br />

nicht von Hand verändern, sondern werden<br />

durch LaTeX bzw. LyX vorgegeben.<br />

Als Preis erhalten Sie aber ein einheitlich<br />

gesetztes <strong>und</strong> an Standards orientiertes<br />

Druckbild, das mit üblicher Standardsoftware<br />

nur durch erhebliche, individuelle<br />

Anpassungen zu erreichen wäre. LaTeX-<br />

Ausdrucke sind tatsächlich druckreif.<br />

LyX installieren<br />

Falls LyX noch nicht installiert ist, richten<br />

Sie es über die Paketverwaltung ein. Sowohl<br />

unter (K)Ubuntu als auch auf einem<br />

OpenSuse-System müssen Sie dazu eine<br />

neue Paketquelle ergänzen, um die aktuelle<br />

Version 2.1.0 zu erhalten. Wenn Sie<br />

diesen Schritt auslassen, landet eine ältere<br />

Version auf dem PC.<br />

Ubuntu-Anwender ergänzen das Personal<br />

Package Archive (PPA) lyx-devel <strong>und</strong> installieren<br />

LyX mit den folgenden drei Be-<br />

68 <strong>EasyLinux</strong> 03/2014


LyX 2.1.0<br />

Workshop<br />

fehlen, die sie in ein Terminalfenster eingeben:<br />

sudo add‐apt‐repository ppa:lyx‐devel/releU<br />

ase<br />

sudo apt‐get update<br />

sudo apt‐get install lyx<br />

Sie können die Befehle auch von der<br />

LyX-Dokumentationsseite zu Ubuntu [3]<br />

kopieren.<br />

OpenSuse-Anwender installieren LyX am<br />

leichtesten über eine One-Click-Datei; in<br />

der Linkliste am Ende des Artikels finden<br />

Sie Links zu zwei One-Click-Dateien im<br />

YMP-Format für OpenSuse 12.3 [4] <strong>und</strong><br />

13.1 [5] – verwenden Sie am besten die <strong>EasyLinux</strong>-Kurz-URLs<br />

(ezlx.de/​…), um eine<br />

fehlerhafte Eingabe der langen Adressen zu<br />

vermeiden. Durch das Öffnen der Datei mit<br />

YaST 1-Klick-Installation fügen Sie ein<br />

neues Repository zur Paketdatenbank<br />

hinzu <strong>und</strong> starten die LyX-Installation.<br />

Neben LyX werden auch die LaTeX-Pakete<br />

benötigt <strong>und</strong> installiert, falls Sie dies<br />

nicht bereits im Rahmen der LaTeX-Artikel-Lektüre<br />

erledigt haben.<br />

Mit dem neuen Menüpunkt Anwendungen<br />

/ Büroprogramme / Textverarbeitung<br />

/ Textverarbeitung (LyX) (OpenSuse)<br />

bzw. Anwendungen / Büroprogramme /<br />

Document Processor (LyX Document Processor)<br />

(Kubuntu) können Sie LyX nun<br />

starten. Alternativ geben Sie in der Shell<br />

oder in einem mit [Alt-F2] geöffneten<br />

Schnellstartfenster den Befehl lyx ein.<br />

Abb. 1: LyX bearbeitet Dokumente nach dem eher unbekannten WYSIWYM-Prinzip<br />

(What you see is what you mean): Links sehen Sie die Datei im LyX-Editor, rechts die<br />

vom Programm erstellte PDF-Datei.<br />

Ein Beispieldokument<br />

Nun können Sie ein erstes Dokument mit<br />

LyX erstellen. Wählen Sie den Menüpunkt<br />

Datei / Neu oder drücken Sie [Strg-N], um<br />

ein leeres Dokument zu erzeugen. Geben<br />

Sie dann einige Zeilen Text ein, ohne diesen<br />

mit der Eingabetaste zu umbrechen.<br />

Drücken Sie schließlich nach einigen Zeilen<br />

die Eingabetaste, um einen neuen Absatz<br />

zu beginnen. Wie Sie erkennen, ist<br />

LyX so voreingestellt, dass zwischen den<br />

Absätzen kein Abstand <strong>und</strong> ein neuer Absatz<br />

durch einen kleinen Einschub gekennzeichnet<br />

ist. Navigieren Sie mit den<br />

Cursortasten im Text, um sich davon zu<br />

überzeugen, dass dies wie in üblichen<br />

Textprogrammen funktioniert. Auch mit<br />

der Maus können Sie die Position des Eingabecursors<br />

ändern.<br />

Markieren Sie nun einen Bereich mit der<br />

Maus oder mit den Cursortasten bei gedrückter<br />

Umschalttaste: Mit [Strg-B]<br />

(bold) können Sie diesen fett markieren –<br />

je nach Bildschirmauflösung ist die Änderung<br />

eventuell nur schwer zu erkennen.<br />

Mit [Strg-E] (emphasize) können Sie den<br />

Bereich hervorheben (kursiv setzen), <strong>und</strong><br />

die etwas merkwürdige Tastenkombination<br />

[Alt-Z], [K] (in älteren Versionen:<br />

[Strg-K]) schaltet auf die Schriftform Kapitälchen<br />

um, bei der Kleinbuchstaben als<br />

verkleinerte Großbuchstaben erscheinen.<br />

Verwenden Sie dieselbe Tastenkombination<br />

ein zweites Mal, wird die vorherige<br />

Änderung rückgängig gemacht. Für Hervorhebungen<br />

<strong>und</strong> Kapitälchen können Sie<br />

auch die beiden Icons in Form eines Ausrufezeichens<br />

<strong>und</strong> einer aufrecht stehenden<br />

Person verwenden, die sich in der Symbolleiste<br />

unter der Menüleiste befinden.<br />

Wollen Sie vor dem Ausdruck sehen, welche<br />

Resultate LyX liefern wird, erzeugen<br />

Sie eine PDF-Datei <strong>und</strong> öffnen diese im<br />

passenden Dateibetrachter (Abbildung 1):<br />

Dazu rufen Sie den Menüpunkt Dokument<br />

/ Ansehen [PDF (pdflatex)] auf oder drücken<br />

[Strg-R]. Ist das PDF-Viewer-Fenster<br />

bereits geöffnet, müssen Sie es nicht<br />

schließen <strong>und</strong> erneut öffnen, um Änderungen<br />

zu sehen – wenn Sie im LyX-Editor<br />

den Text überarbeitet haben, können Sie<br />

[Strg-Umschalt-R] drücken, um die Ansicht<br />

im PDF-Betrachter zu aktualisieren.<br />

Formeln in LyX<br />

Eine der Stärken von LyX (<strong>und</strong> LaTeX) ist<br />

der perfekte Formelsatz. Sie haben bei der<br />

Abb. 2: Beim ersten Start gibt es oben zwei Symbolleisten; bei Bedarf können Sie aber zahlreiche weitere Leisten ergänzen, etwa für<br />

mathematische Formeln oder für die Gestaltung von Tabellen. Die Zusatzleisten landen am unteren Rand.<br />

<strong>EasyLinux</strong><br />

03/2014<br />

www.easylinux.de<br />

69


Workshop<br />

LyX 2.1.0<br />

Erstellung dieser Formeln<br />

die Wahl zwischen<br />

der Verwendung<br />

eines Formeleditors <strong>und</strong><br />

der manuellen Eingabe<br />

mit einigen Steuerzeichen.<br />

Per Klick auf das<br />

blaue griechische Sigma<br />

(das Summensymbol in<br />

der Mathematik) in der<br />

obersten Symbolleiste<br />

aktivieren Sie eine weitere<br />

Symbolleiste speziell<br />

für den Formelmodus,<br />

die am unteren<br />

Rand angezeigt wird.<br />

Sie enthält ganz rechts<br />

ein blaues Pi, mit dem<br />

Sie noch eine zweite<br />

Formel-Symbolleiste<br />

anzeigen lassen (Abbildung<br />

2).<br />

Die Formeleingabe<br />

können Sie starten, indem Sie in der<br />

neuen Symbolleiste auf das ganz links<br />

stehende Icon klicken. Dann erscheint an<br />

der aktuellen Cursorposition ein kleines<br />

blaues Kästchen mit noch kleineren roten<br />

Begrenzungsecken: Hier erstellen Sie nun<br />

eine Formel, wodurch die blaue Box während<br />

der Eingabe größer wird. Formeln<br />

können Sie wahlweise direkt im Fließtext<br />

oder abgesetzt (als separaten, zentrierten<br />

Absatz) eingeben; jeder Klick auf das Icon<br />

links unten wechselt zwischen den beiden<br />

Formaten hin <strong>und</strong> her.<br />

Die am unteren Rand eingeblendete Formel-Symbolleiste<br />

enthält alles, was für die<br />

Formeleingabe notwendig ist: Von links<br />

nach rechts finden Sie (nach dem Icon,<br />

das in den Formelmodus schaltet) Indizes,<br />

Potenzen, Wurzeln, Brüche, Summen,<br />

Integrale, Produkte, dreierlei Klammern<br />

<strong>und</strong> Trennzeichen. Danach folgen<br />

noch einige Icons für Matrizen <strong>und</strong> ähnliche<br />

Objekte. Ist auch die zweite Leiste<br />

eingeblendet, erreichen Sie darüber u. a.<br />

verschiedene mathematische Sonderzeichen,<br />

wie z. B. durchgestrichene Kleineroder-gleich-Zeichen<br />

– klicken Sie eines<br />

der Icons an, um die Liste der dahinter<br />

verborgenen mathematischen Sonderzeichen<br />

anzuzeigen (Abbildung 3).<br />

Wenn Sie nun z. B. ein Summenzeichen<br />

in den Text eingefügt haben, geben Sie<br />

anschließend ^ oder _ ein, um die obere<br />

oder untere Summengrenze einzutragen –<br />

der Cursor erscheint dann entsprechend<br />

höher oder niedriger neben dem Symbol.<br />

Abb. 3: Mathematiker mögen<br />

Exaktheit, darum gibt es sehr<br />

viele Vergleichszeichen.<br />

Sie können auch die<br />

Cursortasten verwenden,<br />

um zwischen den<br />

verschiedenen Eingabepositionen<br />

hin <strong>und</strong><br />

her zu wechseln. Sobald<br />

Sie ein Leerzeichen<br />

eingeben, kommen<br />

Sie wieder auf die<br />

normale Höhe zurück.<br />

Wenn Sie eine Summengrenze<br />

nachträglich<br />

ändern wollen, klicken<br />

Sie mit der Maus<br />

dorthin. Der Cursor<br />

wird dann wieder entsprechend<br />

positioniert,<br />

<strong>und</strong> Sie können die<br />

Grenze korrigieren.<br />

Formeln eingeben<br />

Schneller geht das über<br />

die Tastatur: Mit [Strg-<br />

M] schalten Sie in den Formelmodus um<br />

<strong>und</strong> können dann direkt mit der Eingabe<br />

beginnen. Den Satz des Pythagoras geben<br />

Sie etwa über die Zeichenkombination<br />

a^2 +b^2 =c^2 ein – wichtig sind dabei<br />

die Leerzeichen hinter den Exponenten,<br />

auch hinter dem letzten (was Sie hier<br />

nicht sehen können). An einem Leerzeichen<br />

erkennt LyX, dass die Hochstellung<br />

beendet wird. Entsprechend erreichen Sie<br />

Tiefstellung über das Zeichen _.<br />

Wenn Sie die LaTeX-Befehle für verschiedene<br />

Konstruktionen wie Integrale <strong>und</strong><br />

Summen kennen, können Sie diese auch<br />

bei der Formeleingabe nutzen: Tippen Sie<br />

dazu \int (Integral) oder \sum (Summe).<br />

LyX ersetzt diese Befehle dann sofort durch<br />

das entsprechende Formelsymbol. Das<br />

funktioniert mit fast allen LaTeX-Kommandos,<br />

die ein Formelzeichen erzeugen.<br />

Abb. 4: Tabellen sind schnell eingefügt –<br />

in aktuellen LyX-Versionen kann man<br />

Spalten- <strong>und</strong> Zeilenzahl besonders komfortabel<br />

einstellen.<br />

Tabellen<br />

Auch Tabellen können Sie problemlos<br />

einfügen: Klicken Sie dazu auf das Tabellen-Icon<br />

mit der Kurzhilfe Tabelle einfügen<br />

(das vierte Icon von rechts in der<br />

obersten Symbolleiste; es gibt ganz rechts<br />

noch ein ähnliches Icon, das eine zusätzliche<br />

Tabellen-Symbolleiste an den unteren<br />

Fensterrand zaubert). Sie sehen dann<br />

ein Miniatur-Tabellenraster, das Sie durch<br />

Mausbewegung vergrößern können. Abhängig<br />

von der aktuellen Mausposition ist<br />

eine bestimmte Tabellengröße (z. B. 5x6:<br />

fünf Zeilen mit sechs Spalten) blau markiert.<br />

Wenn Sie die richtigen Dimensionen<br />

ausgewählt haben, klicken Sie – dann<br />

fügt LyX eine Tabelle mit diesen Abmessungen<br />

(<strong>und</strong> lauter leeren Zellen) ein<br />

(Abbildung 4).<br />

Springen Sie nun mit der Maus in eines<br />

der Tabellenfelder, <strong>und</strong> geben Sie dort<br />

Text ein. Die Spaltenbreite passt sich automatisch<br />

Ihren Eingaben an. Über die<br />

spezielle Tabellen-Symbolleiste am unteren<br />

Rand können Sie jederzeit zusätzliche<br />

Zeilen oder Spalten einfügen bzw. überflüssige<br />

entfernen <strong>und</strong> Umrandungen<br />

festlegen – ganz ähnlich, wie Sie das aus<br />

Officepaketen kennen.<br />

LaTeX-Befehle einbetten<br />

LyX verwendet LaTeX, um eine PDF-Datei<br />

zu erstellen, deswegen lassen sich im<br />

Ergebnis „echte“ LaTeX-Dokumente nicht<br />

von LyX-Dokumenten unterscheiden. Einige<br />

LaTeX-Funktionen sind unter LyX<br />

nicht direkt verfügbar, z. B. weil sie ein<br />

Zusatzpaket verwenden, das die LyX-Entwickler<br />

nicht kennen. Das stellt aber kein<br />

größeres Problem dar. Wenn Sie die La-<br />

TeX-Befehle kennen, die für solche Funktionen<br />

benötigt werden, können Sie diese<br />

einfach in LyX eingeben: Drücken Sie<br />

dazu [Strg-L] <strong>und</strong> geben Sie das Kommando<br />

(einschließlich einleitendem Backslash)<br />

ein. Es erscheint in roter Farbe mit<br />

roter Umrandung (Abbildung 5). Alternativ<br />

können Sie auch erst den Befehl<br />

schreiben, ihn markieren <strong>und</strong> dann auf<br />

das rote TeX-Icon in der zweiten oberen<br />

Symbolleiste klicken. Beim Erzeugen der<br />

PDF-Datei gibt LyX diese markierten Befehle<br />

dann unverändert an LaTeX weiter.<br />

Dokumente nach LaTeX exportieren<br />

Über einen der Menüpunkte Datei / Exportieren<br />

/ LaTeX (…) können Sie das aktive<br />

Dokument im LaTeX-Format speichern,<br />

um es beispielsweise an andere<br />

Anwender weiterzugeben, die zwar La-<br />

TeX, aber keine LyX-Version installiert<br />

haben. LyX verwendet dann automatisch<br />

70 www.easylinux.de<br />

<strong>EasyLinux</strong> 03/2014


LyX 2.1.0<br />

Workshop<br />

den aktuellen Dateinamen (Neues_Dokument1,<br />

falls Sie noch nicht gespeichert<br />

haben) <strong>und</strong> hängt die typische Endung<br />

.tex von LaTeX-Dateien an diesen Namen<br />

an. Interessant sind hier vor allem die Varianten<br />

LaTeX (XeTeX) <strong>und</strong> LaTeX (pdflatex)<br />

– das sind die beiden Formate, die<br />

auch der vorherige Einführungsartikel zu<br />

LaTeX bespricht.<br />

Beachten Sie, dass beim Exportieren die<br />

LyX-eigenen Informationen verloren gehen.<br />

Ein LaTeX-Dokument kann zwar<br />

wieder in LyX reimportiert werden, das<br />

ist aber nicht empfehlenswert. Für die<br />

weitere Bearbeitung mit LyX speichern<br />

Sie Texte daher besser im LyX-eigenen<br />

Dateiformat mit der Dateiendung .lyx.<br />

LaTeX-Dokumente, die Sie über diese Exportfunktion<br />

erzeugt haben, können Sie<br />

mit einem normalen Editor genauso bearbeiten,<br />

wie dies auch für nicht mit LyX erzeugte<br />

LaTeX-Dokumente gilt. Sie können<br />

in diesen Dokumenten weiteren Text ergänzen<br />

<strong>und</strong> zusätzliche LaTeX-Befehle<br />

einfügen. Danach übersetzen Sie diese<br />

Dokumente von Hand mit einem Befehl<br />

der Form pdflatex dokument.tex bzw.<br />

xelatex dokument.tex.<br />

LyX als LaTeX-Lehrer<br />

Ein praktisches Feature von LyX ist die<br />

Quelltextvorschau. Sie aktivieren diese<br />

über den Menüpunkt Ansicht / Quelltext-<br />

Panel <strong>und</strong> müssen dann den unteren Bereich<br />

des Fensters, in dem eine Zeile La-<br />

TeX-Quelle erscheint, ein wenig (nach<br />

oben) aufziehen. Im nun geteilten Fenster<br />

sehen Sie unten den LaTeX-Quellcode, den<br />

LyX aus Ihrem Dokument erzeugt. Standardmäßig<br />

erscheint dort unten immer nur<br />

der Code für den aktuellen Absatz, Sie<br />

können aber im Editorbereich mehrere Absätze<br />

markieren, um deren Quellcode<br />

gleichzeitig zu sehen (Abbildung 6).<br />

In diesem Modus können Sie nun beliebige<br />

Dokumentelemente untersuchen: Bauen<br />

Sie z. B. über den grafischen Formeleditor<br />

komplexe Formeln zusammen oder erstellen<br />

Sie Tabellen – die Codevorschau zeigt<br />

an, welche LaTeX-Befehle dafür verwendet<br />

werden. Wenn Sie das regelmäßig tun,<br />

erlernen Sie auf diese Weise die wichtigsten<br />

LaTeX-Kommandos <strong>und</strong> können später<br />

auch ohne die LyX-Unterstützung LaTeX-<br />

Dokumente erstellen.<br />

Eingebaute Hilfe<br />

Über das Hilfe-Menü erreichen Sie eine regelrechte<br />

F<strong>und</strong>grube an Hilfestellungen. Für<br />

den Start sind die ersten drei Punkte Einführung,<br />

Tutorium <strong>und</strong> Benutzerhandbuch<br />

sicher die ersten Anlaufstellen; die restlichen<br />

Einträge werden erst relevant, wenn<br />

Sie sich schon ein wenig mit LyX vertraut<br />

gemacht haben. Besonders schön: Alle Hilfedokumente<br />

sind LyX-Dokumente, aus denen<br />

Sie sich auch so manche Technik für<br />

eigene Arbeiten abschauen können.<br />

Möchten Sie lieber eine gedruckte Version<br />

eines dieser Handbücher verwenden, wissen<br />

Sie ja bereits, wie das gelingt: Einfach<br />

Abb. 6: Die Quellcode-<strong>Vorschau</strong> können Sie als LaTeX-Lehrer zweckentfremden.<br />

Abb. 5: Wer in LyX normale LaTeX-Befehle nutzen möchte, drückt [Strg-L].<br />

[Strg-R] drücken, <strong>und</strong> nach kurzer Zeit<br />

erscheint die PDF-<strong>Vorschau</strong>, aus der Sie<br />

auch direkt drucken können.<br />

Fazit<br />

LyX hat sich über die Jahre zu einer sehr<br />

komfortabel nutzbaren Anwendung entwickelt,<br />

die (als Qt-basiertes Programm)<br />

auf einem KDE-Desktop sehr gut aussieht.<br />

Die Bedienung ist für Umsteiger von klassischen<br />

Officepaketen recht schnell erlernbar<br />

– jedenfalls bedeutend schneller<br />

als die Syntax von LaTeX. Die zahlreichen<br />

Features, die LyX bietet, sind in der mitgelieferten<br />

Dokumentation beschrieben.<br />

Wenn wir mit diesem Artikel Ihr Interesse<br />

an LyX geweckt haben, sind die Hilfedokumente<br />

eine gute erste Anlaufstelle für<br />

tiefergehende Informationen.<br />

Ob Sie nun klassisches LaTeX mit einem<br />

Texteditor oder die einsteigerfre<strong>und</strong>lichere<br />

Variante mit LyX bevorzugen: In beiden<br />

Fällen können Sie Dokumente mit perfektem<br />

Textsatz erstellen <strong>und</strong> damit – nach<br />

ein wenig Einarbeitung – die Anwender<br />

klassischer Textverarbeitungen übertrumpfen.<br />

Dabei viel Vergnügen. (hge) n<br />

Infos<br />

[1] LyX: http:// www. lyx. org/<br />

(http:// ezlx. de/ e3q1)<br />

[2] Neues in Version 2.1.0: http:// wiki. lyx. org/​<br />

LyX/ NewInLyX21 (http:// ezlx. de/ e3q2)<br />

[3] LyX unter Ubuntu einrichten:<br />

http:// wiki. lyx. org/ LyX/ LyXOnUbuntu<br />

(http:// ezlx. de/ e3q3)<br />

[4] One-Click-Installation für OpenSuse<br />

12.3: http:// software. opensuse. org/ ymp/​<br />

Publishing/ openSUSE_12. 3/ lyx. ymp?​<br />

base=openSUSE%3A12. 3& query=lyx<br />

(http:// ezlx. de/ e3q4)<br />

[5] One-Click-Installation für OpenSuse<br />

13.1: http:// software. opensuse. org/ ymp/​<br />

Publishing/ openSUSE_13. 1/ lyx. ymp?​<br />

base=openSUSE%3A13. 1& query=lyx<br />

(http:// ezlx. de/ e3q5)<br />

<strong>EasyLinux</strong><br />

03/2014<br />

www.easylinux.de<br />

71


©skvoor, 123RF<br />

Verzeichnisse in LibreOffice Writer<br />

Super strukturiert<br />

Franz Böhm<br />

Wissenschaftliche Arbeiten, umfangreiche Artikel <strong>und</strong> Bücher profitieren von Inhalts- <strong>und</strong> Stichwortverzeichnissen.<br />

Leser können sich so besser im Dokument orientieren <strong>und</strong> gezielt zu einer<br />

Stelle springen, ohne lange suchen zu müssen. Der Workshop zeigt, wie Sie solche Verzeichnisse<br />

in Writer anlegen – der Schlüssel liegt im richtigen Einsatz von Absatzformatvorlagen.<br />

LibreOffice Writer unterstützt Sie<br />

dabei, Ihre Schriftstücke übersichtlicher<br />

zu gestalten, <strong>und</strong> erzeugt automatisch<br />

Verzeichnisse. Damit das<br />

klappt, zeichnen Sie die Texte richtig<br />

aus. Bei einem Inhaltsverzeichnis achten<br />

Sie beispielsweise darauf, die Überschriften<br />

der Kapitel <strong>und</strong> Absätze mit den<br />

richtigen Absatzvorlagen zu versehen.<br />

Nur so ist garantiert, dass das Verzeichnis<br />

alle Überschriften <strong>und</strong> die zugehörigen<br />

Seitenzahlen richtig auflistet. Dazu<br />

wählen Sie entweder eine Vorlage aus<br />

dem Drop-down-Menü der Werkzeugleiste<br />

aus (Überschrift 1, Überschrift<br />

2 usw.) oder arbeiten mit dem Dialog,<br />

den Sie über Format / Formatvorlagen<br />

einblenden. Um ein Stichwortverzeichnis<br />

anzulegen, markieren Sie die Begriffe im<br />

Dokument entsprechend. Unser Workshop<br />

zeigt zunächst, wie Sie Inhaltsverzeichnisse<br />

einfügen, <strong>und</strong> wendet sich<br />

dann den Stichwörtern zu.<br />

Einfache Inhaltsverzeichnisse<br />

Sobald Sie allen Überschriften eine Vorlage<br />

zugewiesen haben (z. B. Überschrift<br />

1, Überschrift 2 usw.), können Sie das Inhaltsverzeichnis<br />

anlegen. Dazu klicken<br />

Sie zuerst an die Stelle, wo Sie das Verzeichnis<br />

einfügen möchten. In der Regel<br />

ist das ganz am Anfang des Dokuments,<br />

aber auch das Ende oder ein beliebiger<br />

anderer Ort ist möglich. Wählen Sie dann<br />

aus dem Menü Einfügen / Verzeichnisse /<br />

Verzeichnisse <strong>und</strong> wechseln Sie im folgenden<br />

Dialog auf den Reiter Verzeichnis<br />

(Abbildung 1).<br />

Ins Feld Titel tragen Sie die Überschrift<br />

für das Inhaltsverzeichnis selbst ein.<br />

Unter Typ wählen Sie den Eintrag Inhaltsverzeichnis<br />

aus <strong>und</strong> darunter Gesamtes<br />

Dokument. Direkt neben dem<br />

Drop-down-Menü definieren Sie, bis zu<br />

welcher Ebene die Überschriften erscheinen<br />

sollen. Die Voreinstellung ist 2,<br />

das heißt Writer zeigt im Verzeichnis<br />

alle als Überschrift 1 <strong>und</strong> Überschrift 2<br />

ausgezeichneten Einträge. Setzen Sie ein<br />

Häkchen unten rechts bei <strong>Vorschau</strong>, <strong>und</strong><br />

Sie sehen links im Dialog, wie das fertige<br />

Verzeichnis aussehen wird. Die restlichen<br />

Einstellungen können Sie per<br />

Klick auf OK übernehmen, <strong>und</strong> Wirter<br />

erzeugt das Verzeichnis nach Ihren Vorgaben<br />

(Abbildung 2).<br />

Inhaltsverzeichnis mit Pfiff<br />

Das auf diese Weise erstellte Inhaltsverzeichnis<br />

genügt zwar für gedruckte Dokumente<br />

vollauf, für ein elektronisch publiziertes<br />

Werk oder als PDF ist es aber noch<br />

nicht optimal. Es fehlen unter anderem<br />

Hyperlinks, über die Leser Kapitel <strong>und</strong><br />

Unterkapitel direkt aus dem Verzeichnis<br />

heraus erreichen können. Auch die Darstellung<br />

ist noch recht einfach. Die folgende<br />

Anleitung zeigt, wie Sie ein zweispaltiges<br />

Inhaltsverzeichnis mit einer Hintergr<strong>und</strong>grafik<br />

<strong>und</strong> mit Hyperlinks für die<br />

Seitenzahlen erzeugen. Alle Funktionen<br />

finden Sie im Dialog Verzeichnis einfügen,<br />

den Sie über Einfügen / Verzeichnisse /<br />

Element<br />

LS<br />

Bedeutung<br />

Anfang des Hyperlinks<br />

E# Kapitelnummer<br />

E<br />

T<br />

Eintrag (Text der Überschrift)<br />

Tabulator<br />

# Seitennummer<br />

LE<br />

Inhaltsverzeichnis<br />

Ende des Hyperlinks<br />

72 www.easylinux.de<br />

<strong>EasyLinux</strong> 03/2014


Verzeichnisse in Writer<br />

Workshop<br />

Verzeichnisse erreichen. Um ein bestehendes<br />

Verzeichnis nachträglich zu bearbeiten,<br />

klicken Sie mit der rechten Maustaste<br />

darauf <strong>und</strong> wählen aus dem Kontextmenü<br />

Verzeichnis bearbeiten. Und so geht’s:<br />

1Zunächst wechseln Sie zum Reiter<br />

Spalten. Wählen Sie im Bereich Vorgaben<br />

das zweispaltige Layout aus. Im Abschnitt<br />

Breite <strong>und</strong> Abstand setzen Sie ein<br />

Häkchen bei Automatische Breite, damit<br />

beide Spalten gleich breit werden. Als Abstand<br />

tragen Sie 1 cm ein. Die Vorgaben<br />

im Bereich Trennlinie übernehmen Sie.<br />

2Wenden Sie sich nun dem Reiter Hintergr<strong>und</strong><br />

zu. Im Drop-down-Menü<br />

entscheiden Sie sich für Grafik <strong>und</strong> öffnen<br />

dann über Auswählen einen Dateiauswahldialog.<br />

Legen Sie außerdem im Bereich<br />

Art fest, ob die Grafik in Originalgröße<br />

(Position), skaliert (Fläche) oder als<br />

Kachel erscheint.<br />

3Wechseln Sie zum Reiter Einträge<br />

(Abbildung 3). Links wählen Sie eine<br />

Überschriftenebene aus, <strong>und</strong> in der Zeile<br />

Struktur finden Sie die Elemente eines<br />

Verzeichniseintrags wie in einer Art Baukasten<br />

angeordnet (siehe Tabelle Inhaltsverzeichnis).<br />

Zwischen den Platzhaltern<br />

stehen Felder, in die Sie eigenen Text eintragen<br />

dürfen. Über die Buttons unterhalb<br />

der Zeile fügen Sie eigene Elemente ein.<br />

Im Bereich darunter finden Sie je nach<br />

Element einige Formatierungsoptionen.<br />

4Um die Seitenzahlen in Hyperlinks<br />

umzuwandeln, klicken Sie links auf<br />

eine Überschriftenebene, dann in der<br />

Zeile Struktur auf das weiße Feld links<br />

vom Platzhalter für die Seitennummer (#)<br />

<strong>und</strong> dann darunter auf die Schaltfläche<br />

Hyperlink. Das Element LS erscheint. Klicken<br />

Sie nun ins Feld rechts von der<br />

Nummer <strong>und</strong> wieder Hyperlink,<br />

um LE einzufügen.<br />

5Haben Sie sich irgendwo<br />

vertan, klicken Sie auf einen<br />

Platzhalter <strong>und</strong> drücken [Entf],<br />

um ihn zu löschen. Ein Klick auf<br />

OK beendet die Einrichtung.<br />

Klicken Sie mit der rechten<br />

Maustaste auf das Inhaltsverzeichnis<br />

<strong>und</strong> wählen aus dem<br />

Kontextmenü Verzeichnis aktualisieren<br />

aus. Writer zeigt die Seitenzahlen<br />

nun in blauer Farbe<br />

<strong>und</strong> unterstrichen an. Wenn Sie<br />

bei gedrückter Strg-Taste mit<br />

dem Mauszeiger über eine Seitenzahl<br />

fahren, verändert sich<br />

der Zeiger zu einer Hand. Klicken<br />

Abb. 1: Über das Menü „Einfügen“ erreichen Sie den Dialog zum Einbinden beliebiger<br />

Verzeichnisse in LibreOffice Writer.<br />

Sie die Nummer<br />

an, um zum verlinkten<br />

Abschnitt<br />

zu springen.<br />

Abb. 3: Auf dem Reiter „Einträge“ beeinflussen Sie die<br />

Struktur des Inhaltsverzeichnisses.<br />

Abb. 2: Ein einfaches Inhaltsverzeichnis erzeugen Sie mit wenigen<br />

Klicks, wenn die Überschriften die richtigen Vorlagen nutzen.<br />

Schrift <strong>und</strong><br />

Nummerierung<br />

Möchten Sie die<br />

Fonts oder die<br />

Farbe des Inhaltsverzeichnisses<br />

verändern, so ist<br />

das nur über die dazugehörigen Absatzvorlagen<br />

möglich. Im Dialog Verzeichnis<br />

einfügen erreichen Sie diese über den<br />

Reiter Vorlagen (Abbildung 4). In der<br />

linken Liste (Stufen) sehen Sie alle Ebenen<br />

des Inhaltsverzeichnisses mit den<br />

jeweils zugewiesenen Absatzvorlagen in<br />

eckigen Klammern. Das Feld Absatzvorlagen<br />

enthält die vorhandenen Absatzvorlagen.<br />

Um das Schriftbild einer<br />

Ebene zu ändern, bearbeiten Sie zunächst<br />

die entsprechende Formatvorlage,<br />

indem Sie diese im rechten Bereich<br />

markieren <strong>und</strong> auf die Schaltfläche Bearbeiten<br />

klicken. Im folgenden Dialog passen<br />

Sie die Vorlage über die einzelnen<br />

Reiter an Ihre Wünsche an <strong>und</strong> modifizieren<br />

die Einzüge <strong>und</strong> Abstände, den<br />

Textfluss, den Font <strong>und</strong> die Größe usw.<br />

Danach klicken Sie auf OK.<br />

Anschließend verknüpfen Sie die veränderte<br />

Formatvorlage mit der betreffenden<br />

Überschriftenebene. Dazu markieren Sie<br />

unter Stufen die Ebene, der Sie die geänderte<br />

Vorlage zuweisen möchten.<br />

Rechts klicken Sie die Vorlage<br />

an. Danach verknüpfen Sie<br />

beide per Klick auf das Icon mit<br />

dem nach links gerichteten<br />

Pfeil. Achten Sie darauf, dass<br />

Sie die Absatzvorlagen des Inhaltsverzeichnisses<br />

bearbeiten<br />

<strong>und</strong> nicht die Überschriften des<br />

Dokuments.<br />

Um dem Inhaltsverzeichnis Kapitelnummern<br />

hinzuzufügen,<br />

bearbeiten Sie die dazugehörige<br />

Überschriftenvorlage <strong>und</strong> fügen<br />

dieser eine Ziffer hinzu. Dazu<br />

wählen Sie aus dem Menü Extras<br />

/ Kapitelnummerierung <strong>und</strong><br />

sehen den Dialog aus Abbil-<br />

<strong>EasyLinux</strong><br />

03/2014<br />

www.easylinux.de<br />

73


Workshop<br />

Verzeichnisse in Writer<br />

Abb. 4: Über diesen Dialog erreichen Sie die Formatvorlagen der<br />

Ebenen aus dem Inhaltsverzeichnis, um sie zu bearbeiten.<br />

Abb. 5: Über diesen Dialog beeinflussen Sie die Nummerierung<br />

der Überschriften im Inhaltsverzeichnis.<br />

dung 5. Auf dem ersten Reiter namens<br />

Nummerierung wählen Sie aus dem Dropdown-Menü<br />

Absatzvorlage eine Vorlage<br />

zur Bearbeitung aus, hier Überschrift 1.<br />

Im Menü Nummer suchen Sie ein Nummerierungsschema<br />

aus. Im Bereich<br />

Trennzeichen tragen Sie in die Felder ein,<br />

was vor <strong>und</strong> hinter der Ziffer stehen soll.<br />

Wenn Sie davor Kap. eintragen, achten<br />

Sie darauf, auch das Leerzeichen hinter<br />

dem Punkt einzugeben, weil sonst die<br />

Zahl direkt ohne Leerschritt folgt.<br />

Im Feld Beginn bei bestimmen Sie, mit<br />

welcher Ziffer das Inhaltsverzeichnis startet.<br />

Die Voreinstellung ist 1, Sie dürfen<br />

hier aber auch eine andere Zahl eintragen.<br />

Ein Klick auf OK weist den Überschriften<br />

im Dokument die Nummerierung<br />

zu <strong>und</strong> schließt die Dialogbox. Entspricht<br />

die Position der Kapitelnummern<br />

nicht Ihren Vorstellungen, so wechseln<br />

Sie zum Reiter Position. Hier stellen Sie<br />

für jede Überschriftenebene den Abstand<br />

zwischen Überschrift <strong>und</strong> Nummerierung<br />

millimetergenau ein. Das wirkt sich allerdings<br />

nur auf die Überschriften im Dokument<br />

aus <strong>und</strong> haben keinen Einfluss auf<br />

die Darstellung im Inhaltsverzeichnis.<br />

Wenn Sie den Abstand zwischen Kapitelnummer<br />

<strong>und</strong> Text im Inhaltsverzeichnis<br />

verändern möchten, so ändern Sie die<br />

Struktur des Inhaltsverzeichnisses, setzen<br />

also beispielsweise einen Tabulator.<br />

Gutes Ende: Stichwortverzeichnis<br />

Ein Register mit Begriffen, die auf die dazugehörigen<br />

Textstellen im Dokument<br />

verweisen, erzeugen Sie in Writer ebenso<br />

schnell. Markieren Sie dazu das Wort, das<br />

Sie ins Stichwortverzeichnis eintragen<br />

möchten, <strong>und</strong> rufen aus dem Menü Einfügen<br />

/ Verzeichnisse / Eintrag auf. Im<br />

Konkordanzdatei<br />

Wenn Sie mehrere Dokumente bzw. eine<br />

ganze Serie zu einem bestimmten Thema<br />

schreiben, können Sie beim Stichwortverzeichnis<br />

auch auf eine externe Datei setzen.<br />

Eine Konkordanz ist eine alphabetisch<br />

sortierte Liste von Wörtern. Machen<br />

Sie Writer mit einer solchen Datei bekannt,<br />

vergleicht das Programm die Begriffe<br />

mit dem Text <strong>und</strong> erstellt aus den<br />

Übereinstimmungen das Stichwortverzeichnis.<br />

Um eine Konkordanz einzubinden,<br />

öffnen Sie Einfügen / Verzeichnisse<br />

/ Verzeichnisse,<br />

wählen wieder das Stichwortverzeichnis<br />

aus <strong>und</strong> aktivieren<br />

die Checkbox Konkordanzdatei.<br />

Über das Drop-down-Menü<br />

Datei fügen Sie eine vorhandene<br />

Datei ein, bearbeiten<br />

diese oder legen eine neue an.<br />

Im Dialog Konkordanzdatei bearbeiten<br />

(Abbildung 6) fügen<br />

Sie neue Einträge hinzu oder<br />

bearbeiten bestehende. Unter Suchbegriff<br />

steht der Verzeichniseintrag, den Writer<br />

im Dokument markiert. Die Spalte Alternativeintrag<br />

enthält den Begriff, der im<br />

Stichwortverzeichnis erscheint. 1. Schlüssel<br />

<strong>und</strong> 2. Schlüssel nehmen die übergeordneten<br />

Einträge auf. Zusätzlich bestimmen<br />

Sie per Mausklick, ob Suchbegriffe<br />

als ganze Wörter vorkommen müssen<br />

<strong>und</strong> ob Writer Groß- <strong>und</strong> Kleinschreibung<br />

unterscheidet.<br />

Abb. 6: In diesem Dialogfenster erstellen Sie neue <strong>und</strong> bearbeiten<br />

vorhandene Konkordanzen für die Stichwortverzeichnisse.<br />

Konkordanzdateien tragen die Endung .<br />

sdi. Sie können diese nicht nur über den<br />

Writer-Dialog bearbeiten, sondern auch in<br />

einem gewöhnlichen Texteditor wie Kate<br />

oder GEdit. Jeder Begriff steht in einer eigenen<br />

Zeile; die einzelnen Felder sind<br />

durch Semikolons voneinander getrennt,<br />

Kommentare erkennen Sie am vorangestellten<br />

Rautezeichen, z. B:<br />

# ein Kommentar<br />

öffnen;;Datei;;0;0<br />

speichern;;Datei;;0;0<br />

Die letzten beiden Felder repräsentieren<br />

die Checkboxen<br />

Exakt <strong>und</strong> Ganze Wörter. Eine<br />

1 entspricht einer aktivierten<br />

Option, eine 0 einer deaktivierten.<br />

Da Writer jeden Begriff<br />

aus einer solchen Datei ohne<br />

weitere Prüfung in die Stichwortverzeichnisse<br />

übernimmt,<br />

sollten Sie den Inhalt immer<br />

genau prüfen.<br />

74 www.easylinux.de<br />

<strong>EasyLinux</strong> 03/2014


Verzeichnisse in Writer<br />

Workshop<br />

Abb. 7: In diesem Dialog sammeln Sie Begriffe im<br />

Dokument für das Stichwortverzeichnis.<br />

Drop-down-Menü Verzeichnis übernehmen<br />

Sie die Voreinstellung Stichwortverzeichnis.<br />

Im Feld Eintrag sehen Sie bereits<br />

den markierten Begriff, den Sie gegebenenfalls<br />

anpassen. Optional erstellen Sie<br />

das Verzeichnis mit Hilfe einer so genannten<br />

Konkordanzdatei (siehe Kasten<br />

Konkordanzdatei), die eine Liste aller Begriffe<br />

enthält.<br />

Um ein einfaches einstufiges Verzeichnis<br />

anzulegen, klicken Sie auf Einfügen <strong>und</strong><br />

danach auf Schließen. Soll es hingegen ein<br />

mehrstufiges Stichwortverzeichnis sein,<br />

tragen Sie ins Feld 1. Schlüssel den Oberbegriff<br />

ein. So könnte hier beispielsweise<br />

Datei stehen, <strong>und</strong> das Stichwort könnte<br />

öffnen sein (Abbildung 7). Ein weiteres<br />

Stichwort, das in die Kategorie passt, ist<br />

schließen. Im Verzeichnis sehen Sie diese<br />

Einträge dann entsprechend geschachtelt.<br />

Writer erlaubt drei Stufen in Stichwortverzeichnissen<br />

<strong>und</strong> als weitere Abstufung<br />

das Feld 2. Schlüssel.<br />

Nachdem Sie alle Wörter im Dokument<br />

ausgezeichnet haben, erzeugen Sie das<br />

Stichwortverzeichnis selbst über Einfügen<br />

/ Verzeichnisse / Verzeichnisse. Writer<br />

fügt es an der Stelle ein, wo die Schreibmarke<br />

ist. Im folgenden Dialog wechseln<br />

Sie zum Reiter Verzeichnis, vergeben wieder<br />

einen Titel <strong>und</strong> entscheiden sich im<br />

Drop-down-Menü Typ für Stichwortverzeichnis.<br />

Im Bereich Zusätze sorgen Sie<br />

u. a. dafür, dass Writer doppelte Einträge<br />

zusammenfasst <strong>und</strong> die Seitenzahlen entsprechend<br />

listet, dass das Programm<br />

Groß- <strong>und</strong> Kleinschreibung beachtet <strong>und</strong><br />

Einträge automatisch groß schreibt.<br />

Stichwortverzeichnis gestalten<br />

Das Verzeichnis der Stichwörter ist fertig,<br />

<strong>und</strong> für ein einfaches Dokument reicht es<br />

völlig aus. Darf es etwas peppiger sein,<br />

zeigt die nächste Schritt-für-Schritt-Anleitung,<br />

wie Sie ein zweispaltiges Stichwortverzeichnis<br />

mit einem Hintergr<strong>und</strong>bild,<br />

mehreren Stufen<br />

<strong>und</strong> einem Buchstabenindex<br />

anfertigen (Abbildung 8):<br />

1<br />

Erzeugen Sie, wie im vorigen<br />

Abschnitt gezeigt,<br />

ein Stichwortverzeichnis<br />

oder klicken Sie mit der rechten<br />

Maustaste auf ein bestehendes,<br />

um es zu bearbeiten.<br />

Sie landen im Dialog Verzeichnis<br />

einfügen.<br />

2Gehen Sie zum Reiter<br />

Spalten <strong>und</strong> wählen Sie<br />

das zweispaltige Layout. Im Bereich<br />

Breite <strong>und</strong> Abstand stellen<br />

Sie einen Abstand von<br />

1 cm zwischen den beiden<br />

Spalten ein <strong>und</strong> aktivieren<br />

die Checkbox Automatische<br />

Breite.<br />

3Wechseln Sie zum Reiter<br />

Hintergr<strong>und</strong> <strong>und</strong> suchen<br />

Sie eine Farbe oder<br />

ein Bild als Hintergr<strong>und</strong>grafik<br />

aus. Dabei gehen Sie<br />

genauso vor, wie in Schritt<br />

2 der Anleitung zum Inhaltsverzeichnis.<br />

4Die eigentliche Gliederung<br />

mit den Ebenen<br />

<strong>und</strong> den hervorgehobenen<br />

Buchstaben erfolgt auf dem<br />

Reiter Einträge. Die Trenner<br />

für den Index erhalten Sie,<br />

wenn Sie ein Häkchen bei<br />

der Option Alphabetisches Trennzeichen<br />

setzen. Wie bei der Einrichtung des Inhaltsverzeichnisses<br />

bearbeiten Sie jede<br />

Ebene getrennt <strong>und</strong> definieren deren Struktur<br />

über die Schaltflächen (siehe Tabelle<br />

Inhaltsverzeichnis). In der Ebenenliste links<br />

finden Sie je nach Konfiguration die Stufen<br />

1 bis 3 sowie das Trennzeichen (T).<br />

Zum Schluss weisen Sie der Überschrift<br />

<strong>und</strong> den Buchstaben für den Index optional<br />

eine Schriftart oder ‐farbe zu. Dazu<br />

bearbeiten Sie wieder, wie im Abschnitt<br />

Schrift <strong>und</strong> Nummerierung erklärt, die<br />

entsprechenden Absatzvorlagen <strong>und</strong> verknüpfen<br />

diese mit den Stufen. (hej) n<br />

Abb. 8: Ein Stichwortverzeichnis können Sie in Writer<br />

auch peppiger gestalten, indem Sie verschiedene Farben<br />

<strong>und</strong> Fonts, Buchstabentrenner verwenden <strong>und</strong> ein<br />

Hintergr<strong>und</strong>bild einbauen.<br />

Weitere Verzeichnistypen<br />

Im Dialog Verzeichnis einfügen finden<br />

Sie auf dem Reiter Verzeichnis im Dropdown-Menü<br />

Typ weitere Einträge, mit denen<br />

Sie unter anderem Abbildungs-, Tabellen-<br />

<strong>und</strong> Literaturverzeichnisse erstellen.<br />

Das funktioniert genauso wie<br />

bei Inhalts- <strong>und</strong> Stichwortverzeichnissen:<br />

Im Dokument weisen Sie zunächst<br />

die korrekten Formatvorlagen zu, <strong>und</strong><br />

danach erledigt Writer den Rest.<br />

Für Abbildungsverzeichnisse fügen Sie<br />

zunächst über Einfügen / Bild eine Grafik<br />

hinzu. Danach klicken Sie mit der<br />

rechten Maustaste auf das Bild <strong>und</strong><br />

wählen Beschriftung. Im folgenden Dialog<br />

tragen Sie die Bildunterschrift ein,<br />

entscheiden sich für ein Nummerierungsschema,<br />

ein Trennzeichen <strong>und</strong> die<br />

Position. Ähnlich funktioniert das Ganze<br />

für Tabellen: Klicken Sie mit der rechten<br />

Maustaste auf die Tabelle <strong>und</strong> öffnen<br />

wieder den Dialog Beschriftung.<br />

Literaturdaten speichert die Bürosuite<br />

entweder in seiner eigenen externen<br />

Literaturdatenbank (Extras / Literaturdatenbank)<br />

oder im jeweiligen Dokument<br />

selbst (Einfügen / Verzeichnisse<br />

/ Literaturverzeichniseintrag). In beiden<br />

Fällen geben Sie die Daten in einen<br />

entsprechenden Dialog ein <strong>und</strong><br />

hinterlegen Angaben zum Autor, Werk,<br />

Verlag usw.<br />

Wenn Sie das Verzeichnis dann erstellen,<br />

stehen Ihnen ähnliche Konfigurationsmöglichkeiten<br />

zur Verfügung wie bei<br />

den Inhalts- <strong>und</strong> Stichwortverzeichnissen.<br />

Über die einzelnen Reiter definieren<br />

Sie die Struktur, das Aussehen <strong>und</strong><br />

erreichen auch die zugr<strong>und</strong>eliegenden<br />

Formatvorlagen. (Heike Jurzik/hej)<br />

<strong>EasyLinux</strong><br />

03/2014<br />

www.easylinux.de<br />

75


Basics<br />

Ogg Vorbis<br />

Ogg Vorbis komprimiert Audiodateien<br />

Die MP3-<br />

Alternative<br />

KDE-Anwender können <strong>Musik</strong>-CDs mit Bordmitteln<br />

in komprimierte Audiodateien auf der Festplatte<br />

umwandeln – zum Beispiel ins freie Ogg-<br />

Vorbis-Format.<br />

© WalC1, photocase<br />

Marcel Hilzinger,<br />

Hans-Georg Eßer<br />

Über die Jahre kommt bei <strong>Musik</strong>fre<strong>und</strong>en<br />

eine beachtliche CD-<br />

Sammlung zustande, wenn sie<br />

denn noch auf die gepressten Scheiben<br />

setzen <strong>und</strong> im Onlineshop nicht direkt<br />

zum MP3-Download greifen. Damit Sie<br />

die gekaufte <strong>Musik</strong> auch am Computer<br />

bequem abspielen können, bietet es sich<br />

an, alle CDs zu „rippen“, also auszulesen<br />

<strong>und</strong> als Audiodateien auf dem PC zu<br />

speichern.<br />

Glossar<br />

Virtuelles Verzeichnis: Ordner, der in<br />

dieser Form auf der CD/​Festplatte nicht<br />

existiert. Auf der CD befinden sich nur<br />

<strong>Musik</strong>stücke. Konqueror zeigt aber Ordner<br />

an, in denen sich bereits <strong>Musik</strong>stücke<br />

in komprimierter Form befinden. Da<br />

es diese auf der CD nicht gibt, spricht<br />

man von virtuellen Verzeichnissen.<br />

Rippen mit KDE<br />

Das gelingt unter Linux problemlos <strong>und</strong><br />

ohne, dass separate Software nötig wäre.<br />

Nach dem Einlegen der CD erscheint eine<br />

Benachrichtigung zum neuen Datenträger<br />

(Abbildung 1), in der Sie auf Mit Dateimanager<br />

öffnen klicken können; nach<br />

kurzer Wartezeit zeigt der KDE-Dateimanager<br />

Dolphin den Inhalt der CD an (Abbildung<br />

2). Zuoberst sehen Sie einige<br />

virtuelle Verzeichnisse, unten die einzelnen<br />

Songs als Dateien im WAV-Format.<br />

Möchten Sie einen Track auf den PC<br />

kopieren, ziehen Sie einfach die WAV-<br />

Datei per Drag & Drop auf Ihren Rechner.<br />

Im Ordner Informationen finden Sie die<br />

Textdatei CDDB-Informationen.txt, die<br />

Details zur eingelegten CD liefert. Diese<br />

Datei lädt Dolphin automatisch aus dem<br />

Internet herunter, falls eine aktive Verbindung<br />

besteht. Der<br />

Dateimanager zeigt<br />

dann auch die einzelnen<br />

Stücke nicht als<br />

Titel 01.wav usw. an,<br />

sondern mit dem richtigen<br />

Namen des<br />

Stücks.<br />

Klappen Sie den Ordner<br />

Ogg Vorbis auf,<br />

finden Sie dort erneut<br />

alle Titel der CD –<br />

diesmal aber im Ogg-<br />

Vorbis-Format. Eine<br />

kurze Erklärung zu<br />

den übrigen Formaten<br />

finden Sie in der Tabelle<br />

Audioformate. Benachrichtigung.<br />

Welche virtuellen<br />

Verzeichnisse Konqueror anzeigt, hängt<br />

von der benutzten Distribution <strong>und</strong> den<br />

installierten Paketen ab. Bei OpenSuse<br />

(ohne nachgerüsteten MP3-Support) gibt<br />

es zum Beispiel keinen Ordner MP3.<br />

Verlustfrei oder mit Verlust<br />

Eine ganze CD belegt r<strong>und</strong> 650 MByte.<br />

Noch vor zehn Jahren hätten damit<br />

höchstens zwei bis drei Alben auf eine<br />

Abb. 1: Legen Sie eine Audio-CD<br />

ein, reagiert KDE darauf mit einer<br />

Festplatte gepasst. Clevere Entwickler haben<br />

deshalb nach einem Format gesucht,<br />

mit dem sich Tondateien komprimieren<br />

lassen. Dazu existieren zwei Verfahren:<br />

Bei der verlustfreien Komprimierung<br />

(engl. lossless) verkleinert ein Programm<br />

Tondateien so, dass daraus jederzeit wieder<br />

die Ursprungsdatei hergestellt werden<br />

kann. Das ist vergleichbar mit einer ZIP-<br />

Datei, aus der Sie wieder<br />

das Original herstellen<br />

können.<br />

Beim zweiten Verfahren<br />

ist die Verkleinerung<br />

mit Verlust behaftet<br />

(engl. lossy).<br />

Das ist vergleichbar<br />

mit einem Foto, das<br />

Sie verkleinern.<br />

Möchten Sie es nachher<br />

wieder vergrößern,<br />

sieht es pixelig<br />

aus. Die Größenunterschiede<br />

zwischen verlustfrei<br />

<strong>und</strong> verlustbehaftet<br />

komprimierten<br />

Tondaten sind ziemlich<br />

groß: Während<br />

z. B. der FLAC-Code die Originaldatei lediglich<br />

auf zwei Drittel der ursprünglichen<br />

Größe verkleinert, erreichen MP3<br />

<strong>und</strong> Ogg Vorbis Faktoren von einem<br />

Zehntel <strong>und</strong> weniger.<br />

Ogg Vorbis<br />

In der Linux-Welt hat sich Ogg Vorbis als<br />

Standard-Audioformat durchgesetzt. Dies<br />

hängt damit zusammen, dass es bei glei-<br />

76 www.easylinux.de<br />

<strong>EasyLinux</strong> 03/2014


Ogg Vorbis<br />

Basics<br />

cher Qualität besser komprimiert<br />

als MP3 <strong>und</strong> zudem frei<br />

von Patentansprüchen ist.<br />

Unter Linux können Sie Ogg-<br />

Vorbis-Dateien mit quasi jedem<br />

Player abspielen. Auch<br />

unter Windows unterstützen<br />

immer mehr Programme dieses<br />

Format, <strong>und</strong> viele Windows-Spiele<br />

<strong>und</strong> einige Internet-Radiosender<br />

setzen auf<br />

das Format.<br />

Beim Umwandeln einer unkomprimierten<br />

WAV-Datei<br />

ins Ogg-Vorbis-Format<br />

schneidet der Encoder unter<br />

anderem sehr hohe <strong>und</strong> sehr<br />

tiefe Frequenzen ab, die das<br />

menschliche Ohr nicht hört.<br />

Weiter kombiniert der Encoder Töne, die<br />

so schnell hintereinander folgen, dass die<br />

meisten Menschen nur einen Ton hören,<br />

zu einem Ton. Dabei reduziert der Encoder<br />

die Bitrate der Audiodatei. Ogg-Vorbis-Dateien<br />

verwenden darüber hinaus<br />

keine feste, sondern eine variable Bitrate.<br />

So ist es z. B. möglich, leise Stellen oder<br />

Stille mit einer kleineren Bitrate abzuspielen,<br />

um diese dann für laute Stellen wieder<br />

zu erhöhen. Die Qualität des Encoders<br />

können Sie in Stufen zwischen ‐1<br />

<strong>und</strong> 10 einstellen. Dazu geben Sie im<br />

Audioformate<br />

Abb. 2: Unter der Adresse „audiocd:/​“ zeigt Dolphin in virtuellen<br />

Ordnern die Titel auf der CD an.<br />

Format Eigenschaften<br />

AAC Advanced Audio Codec: ein vom MPEG-Konsortium entwickeltes, verlustbehaftetes<br />

Verfahren zur Audio-Komprimierung mit Mehrkanalton- <strong>und</strong> Kopierschutz-Unterstützung.<br />

Das Format ist vor allem bei Apple sehr beliebt.<br />

FLAC Free Lossless Audio Codec: freies Format zum Speichern von verlustfrei komprimierten<br />

Tondaten. Es bietet sehr gute Qualität bei r<strong>und</strong> 30 Prozent geringerem<br />

Platzverbrauch.<br />

OGG Containerformat zum Speichern komprimierter Ton- <strong>und</strong> Videodaten: Obwohl<br />

eine Ogg-Datei verschiedene Codecs beinhalten kann, sind die Tondaten in der<br />

Regel mit dem verlustbehafteten Vorbis-Codec kodiert, weshalb man von Ogg-<br />

Vorbis-Dateien spricht. Videodateien benutzen den Codec Theora.<br />

MP3 Verlustbehaftet komprimiertes Audioformat. MP3 ist zurzeit der De-facto-Standard<br />

unter den komprimierten Audiodateien. Das Format ist allerdings nicht frei<br />

von Patenten (zumindest ist die Rechtslage umstritten), weshalb die meisten aktuellen<br />

Linux-Distributionen es nicht mehr unterstützen.<br />

WAV Containerformat zum Speichern digitaler Tondaten: In der Regel beinhaltet eine<br />

WAV-Datei die Tondaten in unkomprimierter Form, in der Windows-Welt sind jedoch<br />

manchmal auch komprimierte WAV-Dateien anzutreffen. Typische Beispiele<br />

für WAV-Dateien sind die Systemklänge in Windows-Betriebssystemen. Die meisten<br />

Linux-Distributionen benutzen dafür seit mehr als zwei Jahren das platzsparende<br />

Ogg-Vorbis-Format.<br />

WMA Von Microsoft entwickelter Audio-Codec (Windows Media Audio), der ähnlich wie<br />

MP3 funktioniert, dazu jedoch nicht kompatibel ist. Es gibt sowohl eine verlustbehaftete<br />

Variante als auch eine verlustfreie. WMA-Daten sind oft im Containerformat<br />

ASF eingebettet.<br />

Suchfeld des Startmenüs ogg ein, wählen<br />

unter den Treffern den Eintrag Audio-<br />

CDs, wechseln im sich öffnenden Einstellungsfenster<br />

zum Reiter Ogg Vorbis-Kodierer<br />

<strong>und</strong> verstellen unten den Schieberegler<br />

Einstellungen zur Vorbis-Qualität; mit<br />

Stufe 6 erzeugen Sie bessere (aber auch<br />

etwas größere) Dateien als mit der Voreinstellung<br />

(3).<br />

Zum Kopieren der Ogg-Vorbis-Dateien<br />

markieren Sie einfach alle Einträge im virtuellen<br />

Unterordner Ogg Vorbis, ziehen<br />

diese per Drag & Drop in einen <strong>Musik</strong>ordner<br />

auf der Platte <strong>und</strong> wählen<br />

An diese Stelle kopieren.<br />

Vor- <strong>und</strong> Nachteile<br />

Der größte Nachteil von Ogg<br />

Vorbis ist, dass es auf tragbaren<br />

Audioplayern <strong>und</strong> CD-<br />

Playern noch nicht weit verbreitet<br />

ist. Möchten Sie also<br />

Ihre <strong>Musik</strong>sammlung umwandelt,<br />

um z. B. über ein Autoradio<br />

mit USB-Anschluss <strong>Musik</strong><br />

zu hören, fahren Sie mit<br />

dem MP3-Format besser.<br />

Auch günstige tragbare Abspielgeräte<br />

unter 100 Euro<br />

unterstützen meistens nur<br />

das MP3-Format, weswegen<br />

man sie allgemein als MP3-<br />

Player bezeichnet. In letzter Zeit häufen<br />

sich aber die Player mit Unterstützung für<br />

das Ogg-Vorbis-Format.<br />

Möchten Sie Ihre CDs hingegen in erster<br />

Linie auf dem PC anhören, hat Ogg Vorbis<br />

nur Vorteile. Das Format ist frei verfügbar,<br />

<strong>und</strong> Sie können Ihre <strong>Musik</strong>dateien<br />

unter jeder aktuellen Linux-Distribution<br />

sofort abspielen, ohne zuerst zahlreiche<br />

Pakete nachinstallieren zu müssen. Auch<br />

bei der Qualität hat Ogg Vorbis die Nase<br />

vorn: Bei gleicher Speichergröße produziert<br />

es bessere Qualität als MP3 oder<br />

WMA. Kaufen Sie später doch einen tragbare<br />

Audioplayer, müssen Sie nach einem<br />

Gerät mit Ogg-Vorbis-Support Ausschau<br />

halten.<br />

Verzichten sollten Sie nur auf ein späteres<br />

Umkodieren: Wenn Sie CDs zunächst<br />

im Ogg-Vorbis-Format auf dem<br />

PC speichern <strong>und</strong> diese Dateien dann<br />

später ins MP3-Format umwandeln, liefert<br />

das ein schlechteres Ergebnis als<br />

das direkte Kodieren der CD-Tracks im<br />

MP3-Format; andersrum (von CD zu<br />

MP3 <strong>und</strong> dann von MP3 zu Ogg Vorbis)<br />

gilt es genauso.<br />

Wer bei Amazon CDs kauft, dem nimmt<br />

der große Onlinehändler die Entscheidung<br />

zwischen Ogg Vorbis <strong>und</strong> MP3 ab:<br />

Nach dem Kauf können Sie fertige MP3-<br />

Daten herunterladen <strong>und</strong> sich damit das<br />

manuelle Rippen ersparen. (hge) n<br />

Glossar<br />

Encoder: Programm, das ein bestehendes<br />

Format in ein anderes umkodiert.<br />

Hier erzeugt z. B. ein Ogg-Vorbis-Encoder<br />

aus WAV-Dateien Ogg-Vorbis-Dateien.<br />

<strong>EasyLinux</strong><br />

03/2014<br />

www.easylinux.de<br />

77


Tipps & Tricks<br />

KDE-Tipps<br />

KDE-Tipps<br />

Besser arbeiten mit KDE<br />

Thomas Drilling<br />

KDE ist der Standarddesktop von Kubuntu <strong>und</strong> OpenSuse. Auch <strong>EasyLinux</strong> empfiehlt daher<br />

KDE als bevorzugten Desktop für Einsteiger. In unseren Tipps stellen wir Ihnen in jeder<br />

Ausgabe einige interessante Features des Desktops <strong>und</strong> seiner Anwendungen vor.<br />

Okular: Mehre PDF-<br />

01 Dokumente in Tabs<br />

Verwenden Sie zum Betrachten oder Bearbeiten<br />

von PDF-Dokumenten das KDE-<br />

Werkzeug Okular, können Sie seit der<br />

Version 0.19 mehrere PDF-Dokumente im<br />

selben Fenster öffnen. Standardmäßig erscheint<br />

jedes weitere PDF-Dokument in<br />

einem eigenen Fenster.<br />

Bevorzugen Sie die Tabdarstellung, wie<br />

sie auch der Adobe Reader nutzt, öffnen<br />

Sie das Menü Einstellungen / Betrachter<br />

einrichten <strong>und</strong> aktivieren im Modul Allgemein<br />

im Bereich Programmfunktionen die<br />

Option Neue Dateien in Unterfenstern öffnen.<br />

Übernehmen Sie die Einstellung mit<br />

Anwenden. Ein Neustart von Okular ist<br />

nicht erforderlich.<br />

Okular: Lupe <strong>und</strong><br />

02 Zoom verwenden<br />

Okular besitzt einen sehr präzise anwendbaren<br />

Zoom- <strong>und</strong> einen ebenso komfortablen<br />

Lupenmodus. Normalerweise erscheint<br />

im <strong>Vorschau</strong>bereich links ein<br />

graues Rechteck. Fahren Sie mit der Maus<br />

darüber, verwandelt sich der Zeiger in einen<br />

Anfasser, <strong>und</strong> Sie können den gewünschten<br />

Ausschnitt präzise positionieren.<br />

Mit den Schaltflächen Verkleinern<br />

oder Vergrößern in der Werkzeugleiste erhöhen<br />

oder verringern Sie den Zoomfaktor<br />

in Stufen oder geben ihn im Eingabefeld<br />

links davon direkt an.<br />

Darüber hinaus gibt es in Okular eine<br />

Bildschirmlupe. Etwas verwirrend ist,<br />

dass das Menü Extras mit [Strg-2] oder<br />

[Strg-6] gleich zweimal die Funktion Lupe<br />

zur Verfügung zu stellen scheint. Mit<br />

[Strg-2] können Sie im Dokumentenfenster<br />

mit der linken Maustaste via<br />

Drag & Drop direkt den gewünschten Ausschnitt<br />

wählen. Ein mehrmaliges Klicken<br />

mit rechts verkleinert ihn wieder stufenweise<br />

zurück bis 100 Prozent.<br />

Die mit [Strg-6] aktivierbare Funktion<br />

hingegen stellt eine echte Lupe zur Verfügung.<br />

Hier können Sie mit gedrückter linker<br />

Maustaste im Dokumentenfenster<br />

z. B. in der 100-Prozent-Darstellung ein<br />

Rechteck über das Dokument fahren <strong>und</strong><br />

dabei durch eine Lupe schauen (Abbildung<br />

1). Neu an Okular 0.19 ist nebenbei<br />

bemerkt auch, dass die aktuell eingestellte<br />

Bildschirmauflösung für das<br />

PDF-Rendering verwendet<br />

wird, was Dokumente noch brillanter<br />

aussehen lässt.<br />

Werbeblocker für<br />

03 HTML-Mails in KMail<br />

Nutzen Sie den KDE-eigenen Mailclient<br />

KMail, können Sie seit Version 4.12 einen<br />

Ad-Blocker für HTML-Mails aktivieren.<br />

Rufen Sie dazu das Menü Einstellungen /<br />

KMail einrichten auf, navigieren Sie zum<br />

Modul Sicherheit <strong>und</strong> aktivieren Sie den<br />

ganz rechten Tab Werbefilter. Setzen Sie<br />

dann zunächst das Häkchen bei Werbefilter<br />

aktivieren. Ist das geschehen, können<br />

Sie im Tab Automatische Filter mit einem<br />

Klick auf die zuvor ausgegraute Schaltfläche<br />

Filter-Abonnements hinzufügen eine<br />

der angebotenen Sperrlisten abonnieren,<br />

z. B. AdBlockList.org (Abbildung 2).<br />

04 Multi-Monitor-Zaubereien<br />

mit KScreen<br />

KDE verfügt seit Version 4.11 über ein<br />

neues Tool zum Anpassen der Monitoreinstellungen<br />

mit der Bezeichnung<br />

KScreen, das Sie sehr komfortabel mit<br />

der Maus bedienen können. Das Tool ist<br />

besonders nützlich, wenn Sie mehr als<br />

einen Monitor betreiben, häufiger die<br />

Auflösung ändern oder z. B. die<br />

Ausrichtung eines Bildschirms<br />

ändern möchten. Ein um 90<br />

Grad gedrehtes Bild <strong>und</strong> ein<br />

senkrecht positionierter Wide-Screen-<br />

Monitor sind z. B. für ein Textverarbeitungsprogramm<br />

sehr nützlich. Klicken<br />

Sie dazu in den KDE-Systemeinstellungen<br />

im Bereich Hardware auf Anzeige<br />

einrichten.<br />

Seit einigen Jahren funktioniert die<br />

Konfiguration der Monitoreinstellungen<br />

bei allen Linux-Distributionen<br />

automatisch, so dass die erkannten<br />

Bildschirme mit den jeweiligen Stan-<br />

78 www.easylinux.de<br />

<strong>EasyLinux</strong> 03/2014


KDE-Tipps<br />

Tipps & Tricks<br />

dardauflösungen hier in Form von <strong>Vorschau</strong>rechtecken<br />

angezeigt werden. Jedes<br />

trägt den Namen der Schnittstelle,<br />

wie z. B. VGA-0 oder HDMI-0, sowie<br />

eventuell den Namen des Herstellers,<br />

sofern Linux den Bildschirm korrekt<br />

identifizieren konnte. Dazu gibt es in jedem<br />

Monitorbereich je drei Symbole von<br />

links nach rechts zum Drehen der Bildschirmausrichtung,<br />

Wechseln des<br />

Hauptbildschirms (bei mehr als einem<br />

Monitor) <strong>und</strong> zum Wählen der Auflösungen.<br />

Der Hauptbildschirm ist der,<br />

der beim Booten angezeigt wird <strong>und</strong> der<br />

das erste KDE-Panel anzeigt.<br />

Haben Sie mehr als einen Bildschirm,<br />

können Sie die Bildschirme mit der Maus<br />

nach Belieben via Drag & Drop anordnen.<br />

Das Wählen der Auflösung geschieht<br />

ebenfalls mit der Maus. Ein Klick auf das<br />

zugehörige Symbol zeigt alle verfügbaren<br />

Auflösungen in einer Liste. Per Klick auf<br />

das Rotierensymbol drehen Sie das jeweilige<br />

Gerät um 90 Grad im oder gegen den<br />

Uhrzeigersinn.<br />

05 Webshortcuts<br />

im Konqueror<br />

Auch wenn Firefox seit der aktuellen<br />

KDE-Version 4.13 der Standardbrowser<br />

unter KDE ist, spricht nach wie vor auch<br />

einiges für den KDE-Browser Konqueror.<br />

Unter dessen Komfortfunktionen stechen<br />

besonders die Web-Shortcuts hervor. Bei<br />

diesen Webkürzeln handelt es sich um<br />

Pseudo-URLs, die Sie selbst als Abkürzung<br />

definieren <strong>und</strong> zum komfortablen<br />

Befragen von Suchmaschinen benutzen<br />

können.<br />

Eine Reihe von Suchmaschinen-Einträgen<br />

sind automatisch eingerichtet. Welche<br />

das sind, finden Sie heraus, indem<br />

Sie im Menü Einstellungen / Konqueror<br />

einrichten im Bereich Surfen im Internet<br />

auf Web-Kürzel klicken. Hier haben Sie<br />

die Möglichkeit, Webkürzel mit der<br />

gleichnamigen Option zu aktivieren. Darunter<br />

finden Sie die Liste der vorkonfigurierten<br />

Webkürzel, <strong>und</strong> mit einem<br />

Klick auf Neu können Sie eigene einrichten<br />

(Abbildung 3).<br />

Seit KDE 4.11 finden sich unter den vordefinierten<br />

Webkürzeln wann immer<br />

möglich solche mit verschlüsselter Verbindung,<br />

etwa für Wikipedia, Google<br />

oder DuckDuckGo. Mit nahezu jeder<br />

KDE-Version kommen auch neue Webshortcuts<br />

für Suchmaschinen hinzu, ersetzen<br />

alte oder reparieren kaputte<br />

URLs. Relativ neu sind beispielsweise<br />

freecode (fc), Google Shopping (ggs) <strong>und</strong><br />

KDE Projects (kp).<br />

Webshortcuts sind auf verschiedene Art<br />

<strong>und</strong> Weise verwendbar. So können Sie<br />

etwa unten bei Standard-Web-Kürzel aus<br />

der angebotenen Liste Ihre bevorzugte<br />

Suchmaschine einstellen, z. B. Duck-<br />

DuckGo (dd). Fortan können Sie in der<br />

URL-Eingabezeile von Konqueror bei Bedarf<br />

dd:Suchbegriff eingeben <strong>und</strong> landen<br />

dann direkt in der Trefferliste. Alternativ<br />

Abb. 2: KMail bringt seit der Version 4.12 einen eigenen Werbefilter mit.<br />

Abb. 1: Okular bietet eine sehr komfortable Bildschirmlupe.<br />

können Sie mit der gleichnamigen Option<br />

auch nur bevorzugte Webkürzel verwenden.<br />

Konqueror spricht dann nur auf jene<br />

Shurtcuts an, die Sie in der dritten Spalte<br />

bei Bevorzugt explizit mit einem Häkchen<br />

markiert haben.<br />

Sie müssen Konqueror übrigens nicht<br />

einmal von Hand starten, um die Webkürzel<br />

zu nutzen: Drücken Sie [Alt-F2]<br />

<strong>und</strong> geben Sie das gewünschte Webkürzel<br />

ins Schnellstartfenster ein, öffnet<br />

sich ein Konqueror-Fenster mit den Ergebnissen.<br />

Webshortcuts für<br />

06 Fortgeschrittene<br />

Kombinationen der Form Webkürzel:<br />

Suchbegriff stellen nur die simpelste Art<br />

zur Befragung von Suchmaschinen mit<br />

Webshortcuts dar. Mit dem Symbol<br />

rechts neben dem Eingabefeld eines<br />

Webkürzels können Sie bequem den<br />

Platzhalter \{@} einfügen. Diese Zeichenfolge<br />

wird dann durch die Eingabe<br />

ersetzt, die bei einer Suchanfrage mit der<br />

jeweiligen Suchmaschine hinter dem<br />

Doppelpunkt steht. Die Zeichenfolge, die<br />

Sie hinter dem Doppelpunkt eingeben,<br />

ersetzt dann den Text \{@}. Darüber hinaus<br />

können Sie Webkürzel auch einfach<br />

nur als Abkürzungsinstrument ohne<br />

Parameter verwenden. So lässt sich etwa<br />

das Aufrufen von www.easylinux.de<br />

durch Definieren eines neuen Webkürzels<br />

el erleichtern, so dass Sie in Konqueror<br />

dann nur noch el: eingeben <strong>und</strong><br />

[Eingabe] drücken, um unsere Homepage<br />

aufzurufen.<br />

<strong>EasyLinux</strong><br />

03/2014<br />

www.easylinux.de<br />

79


Tipps & Tricks<br />

KDE-Tipps<br />

Abb. 3: Webshortcuts erlauben das komfortable Befragen von Suchmaschinen.<br />

Webkürzel helfen auch, wenn Sie Konqueror<br />

als Dateimanager benutzen. So<br />

können Sie sich z. B. das Eingeben häufig<br />

benötigter Pfade wie file:/​$HOME/​Dokumente/​LibreOffice/​Texte/​Buero/​Rechnungen<br />

durch Webkürzel (ohne Parameter)<br />

erleichtern.<br />

Komfortable Konsole:<br />

07 Dateinamen via Drag & Drop<br />

Auch Linux-Einsteiger greifen<br />

gelegentlich zur Kommandozeile,<br />

weil viele Aufgaben mit<br />

Shell-Befehlen einfach schneller<br />

zu erledigen sind. Wussten<br />

Sie schon, dass Sie das Eingeben<br />

langer Pfadnamen auf der<br />

Kommandozeile durch eine<br />

geschickte Kombination von<br />

Dateimanager (Dolphin) <strong>und</strong><br />

Terminal extrem vereinfachen<br />

können? Starten Sie dazu das<br />

Programm Konsole aus dem<br />

KickOff-Menü <strong>und</strong> ziehen Sie<br />

dann einfach einen beliebigen<br />

Ordner aus dem Dateimanager<br />

Dolphin in das Konsole-Fenster.<br />

Beim Loslassen der Maus<br />

öffnet sich dann ein Kontextmenü<br />

mit verschiedenen Optionen.<br />

Für das skizzierte Szenario<br />

ist Ordner wechseln zu<br />

die richtige Wahl (Abbildung<br />

4). Mit anderen Menüeinträgen<br />

können Sie Dateien aus<br />

dem in Dolphin angezeigten<br />

Ordner an den in der Konsole<br />

eingestellten Zielpfad kopieren<br />

oder verschieben.<br />

Konsole <strong>und</strong> KDE-<br />

08 Zwischenablage<br />

Nützlich ist auch die Kombination von<br />

Konsole <strong>und</strong> Zwischenablage, wenn Sie<br />

z. B. Befehlszeilen aus einer als Textdatei<br />

oder PDF-Dokument vorliegenden Anleitung<br />

in die Konsole übernehmen möchten.<br />

Markieren Sie dazu den gewünschten<br />

Textteil <strong>und</strong> wählen Sie den Menüeintrag<br />

Bearbeiten / Kopieren oder benutzen die<br />

Abb. 4: Lange Pfade von Hand einzutippen, können Sie sich sparen,<br />

indem Sie einen Ordner aus dem Konqueror ins Konsole-<br />

Fenster ziehen.<br />

Tastenkombination [Strg-C]. Wechseln<br />

Sie dann ins Konsole-Fenster <strong>und</strong> wählen<br />

Sie dort den Menüeintrag Bearbeiten /<br />

Einfügen oder drücken [Strg-Umschalt-V].<br />

Erweiterte Skripte<br />

09 im Editor Kate<br />

Der KDE-eigene Texteditor Kate ist sehr<br />

mächtig <strong>und</strong> bringt zahlreiche Anzeige<strong>und</strong><br />

Bearbeitungsoptionen mit, so dass<br />

vor allem Softwareentwickler die Arbeit<br />

mit Kate schätzen. Auch wenn Sie nicht<br />

programmieren, sind einige der Kate-<br />

Funktionen, die Sie über das Menü Extras<br />

/ Skripte erreichen, nützlich. So können<br />

Sie unter anderem mit Extras /<br />

Skripte / Bearbeitung / Markierten Text<br />

sortieren Textzeilen auf einfache <strong>und</strong><br />

schnelle Weise sortieren, etwa wenn Sie<br />

eine CSV-Datei mit einer Adressliste bearbeiten.<br />

Gruppierungen in KDE-<br />

10 Fensterleiste im Griff<br />

Eines der wichtigsten Applets – unter<br />

KDE Plasmoiden genannt – für das KDE-<br />

Panel ist die Fensterleiste. Die bietet Ihnen<br />

insbesondere bei sehr vielen geöffneten<br />

Fenstern aus unterschiedlichen Anwendungen<br />

eine einfache Möglichkeit,<br />

schnell zum gewünschten<br />

Fenster zu wechseln.<br />

Die Fensterleiste sollte eigentlich<br />

bei jeder Linux-Distribution<br />

automatisch eingerichtet<br />

sein. Sie können sie aber jederzeit<br />

(auch mehrfach, wenn<br />

Sie etwa mit mehreren Panels<br />

arbeiten wollen) als Miniprogramm<br />

Fenster-Leiste hinzufügen.<br />

Störend ist nur, dass die<br />

einzelnen Fenster willkürlich<br />

sortiert werden <strong>und</strong> das gesuchte<br />

Firefox-Fenster mal<br />

weiter links <strong>und</strong> mal mittig zu<br />

finden ist.<br />

Die Willkür ist nur eine scheinbare:<br />

KDE sortiert geöffnete<br />

Fenster zunächst von links<br />

nach rechts nach dem Programmnamen,<br />

nicht nach dem<br />

Fenstertitel. Programm <strong>und</strong><br />

Fenster haben oft denselben<br />

Namen, aber nicht immer.<br />

Beim in den Tipps 07 <strong>und</strong> 08<br />

erwähnten Terminal ist der<br />

Programmname Konsole, der<br />

Fenstertitel lautet aber<br />

Benutzer name: bash – Konsole.<br />

80 www.easylinux.de<br />

<strong>EasyLinux</strong> 03/2014


KDE-Tipps<br />

Tipps & Tricks<br />

Zudem gruppiert das Applet<br />

mehrere Fenster der gleichen<br />

Anwendung ab einer gewissen<br />

Anzahl von Einträgen, um<br />

Platz zu schaffen. Wenn Sie<br />

das stört, können Sie dieses<br />

Standardverhalten KDE-typisch<br />

jederzeit abstellen. Sie finden<br />

die zugehörige Option im Kontextmenü<br />

(Rechtsklick) der<br />

Fensterleiste Einstellungen für<br />

Fensterleiste (Abbildung 5).<br />

Wählen Sie hier im Modul Allgemein<br />

im Bereich Gruppieren<br />

<strong>und</strong> Sortieren bei Gruppieren<br />

den Eintrag Nicht gruppieren<br />

<strong>und</strong> bei Sortieren je nach Vorliebe Nicht<br />

sortieren oder Manuell. In letzterem Fall<br />

können Sie die gewünschten Fenstereinträge<br />

nach Belieben mit der Maus via<br />

Drag & Drop umsortieren. Das Gruppieren<br />

sollten Sie eingeschaltet lassen, wenn Sie<br />

mit mehreren Firefox- oder LibreOffice-<br />

Fenstern arbeiten, weil sonst der Platzverbrauch<br />

zu groß ist.<br />

Ruckelfreie HD-<strong>Videos</strong><br />

11 mit Kaffeine<br />

Unter KDE stehen zahlreiche Videoplayer<br />

zur Verfügung. Neben KDEs Standardprogramm<br />

Dragon Player können Sie auch<br />

mit den Allro<strong>und</strong>-Mediaplayern KPlayer,<br />

KMPlayer <strong>und</strong> Kaffeine Videodateien abspielen.<br />

Letzterer gehört zu den beliebtesten<br />

Mediaplayern unter Linux, denn er ist<br />

neben Xine/​MPlayer, VLC <strong>und</strong> Banshee<br />

einer der leistungsfähigsten.<br />

Kaffeine wird bei fast allen Linux-Distributionen<br />

automatisch installiert. Falls<br />

nicht, holen Sie das nach:<br />

l Bei Kubuntu verwenden Sie Muon<br />

Discover oder auf der Kommandozeile<br />

sudo apt‐get install kaffeine.<br />

Abb. 5: Über die Einstellungen der Fensterleiste gewöhnen Sie<br />

KDE das automatische Sortieren von Fenstern ab.<br />

l OpenSuse-Anwender nutzen YaST<br />

oder tippen sudo zypper in kaffeine.<br />

Die aktuelle Version ist 1.2.2. Möchten<br />

Sie mit Kaffeine auch HD-<strong>Videos</strong> ruckelfrei<br />

abspielen, müssen Sie allerdings der<br />

Standardkonfiguration etwas auf die<br />

Sprünge helfen.<br />

Interessant: Obwohl Kaffeine ausdrücklich<br />

ein KDE-Programm ist, verwendet es<br />

unmittelbar die Xine-Engine <strong>und</strong> greift<br />

nicht auf das KDE-eigene Phonon-Framework<br />

zurück. Kaffeine nutzt nämlich für<br />

hardwarebeschleunigtes HDTV ein Modul<br />

namens vdpau, wozu es die vollständige<br />

Kontrolle über Xine benötigt. vdpau (Video<br />

Decode and Presentation API for<br />

Unix) ist eine offene Programmierschnittstelle<br />

für Grafikkarten zum Dekodieren<br />

von <strong>Videos</strong>trömen. Sie benötigen daher<br />

auf Ihrem System eine möglichst aktuelle<br />

Xine-Version. Ob die installierte Variante<br />

ausreicht, finden Sie über folgenden Befehl<br />

auf der Kommandozeile heraus:<br />

xine ‐‐help | grep vdpau<br />

Je nach Distribution müssen Sie erst das<br />

Paket xine-ui installieren, um xine ‐‐help<br />

eingeben zu können. Im Rahmen<br />

der Kaffeine-Installation<br />

gelangt automatisch die Bibliothek<br />

libxine2 auf die Festplatte.<br />

Bei der Kubuntu-Version<br />

auf unserer Heft-DVD<br />

steht – eine unterstützte 3-D-<br />

Grafikkarte vorausgesetzt –<br />

vdpau zur Verfügung.<br />

Andernfalls benötigen Sie<br />

eine aktuellere Version des<br />

Pakets xine-lib. Die können<br />

Sie zum Beispiel von der Projektseite<br />

[1] herunterladen.<br />

Zum Abspielen ruckelfreier<br />

HD-<strong>Videos</strong> in Kaffeine müssen<br />

Sie nun mit kate oder einem anderem<br />

Editor Einstellungen in der Kaffeine-<br />

Konfigurationsdatei $HOME/​.kde/​share/​<br />

apps/​kaffeine/​xine-config vornehmen.<br />

($HOME steht für Ihr Home-Verzeichnis.)<br />

Um das Unterverzeichnis .KDE in<br />

Dolphin sichtbar zu machen, müssen Sie<br />

eventuell erst das Anzeigen unsichtbarer<br />

Dateien erlauben. Damit im Editor Kate<br />

die erforderlichen Rechte zum Speichern<br />

dieser Datei zur Verfügung stehen, müssen<br />

Sie sich entweder als Administrator<br />

root am KDE-Desktop anmelden oder<br />

Kate mit sudo kate von der Kommandozeile<br />

aus starten. Verifizieren oder ändern<br />

Sie jetzt die folgenden beiden Einträge,<br />

indem Sie<br />

audio.driver:pulseaudio<br />

audio.synchronization.av_sync_method:resamU<br />

ple metronom feedback<br />

eingeben. (hge) <br />

Infos<br />

[1] Bibliothek xine-lib herunterladen:<br />

http:// www. xine‐project. org/ releases<br />

(http:// ezlx. de/ e3j1)<br />

n<br />

NEU!<br />

ab jetzt am Kiosk<br />

Jetzt bestellen!<br />

www.medialinx-shop.de/raspberry-pi-geek<br />

Basics. Projekte.<br />

Ideen. Know-how.<br />

erscheint alle 2 Monate<br />

nur 9,80 €


Tipps & Tricks<br />

Gnome-Tipps<br />

Tipps <strong>und</strong> Tricks zu Gnome<br />

Gnome-Tipps<br />

Heike Jurzik<br />

Gnome ist neben KDE die zweite große Desktopumgebung<br />

für Linux. In den Gnome-Tipps stellen wir regelmäßig<br />

Nützliches <strong>und</strong> Praktisches für die alternative<br />

grafische Oberfläche vor.<br />

Galerie erzeugen<br />

01 mit gThumb<br />

Der Gnome-Bildbetrachter gThumb punktet<br />

mit einer übersichtlichen <strong>und</strong> klar<br />

strukturierten Oberfläche. Sie können mit<br />

dem Programm Ihre Fotos anschauen, sie<br />

organisieren <strong>und</strong> sogar bearbeiten. Als<br />

nettes Extra haben die Entwickler der Anwendung<br />

eine Funktion zum Erstellen<br />

von HTML-Galerien spendiert. Die nutzen<br />

Sie wie folgt:<br />

1Wechseln Sie ins Verzeichnis mit den<br />

Fotos, aus denen Sie das Album erstellen<br />

möchten.<br />

2Klicken Sie in der Werkzeugleiste auf<br />

das Drop-down-Menü Freigeben <strong>und</strong><br />

wählen Sie den Eintrag Web-Album.<br />

3Im folgenden Dialogfenster tragen<br />

Sie zunächst auf dem Reiter Allgemein<br />

einen Titel für das Album ins Feld<br />

Kopfzeile ein. gThumb wählt automatisch<br />

den Namen des Bilderverzeichnisses.<br />

Optional geben Sie einen Text für<br />

die Fußzeile ein.<br />

4Darunter entscheiden Sie sich für<br />

den Speicherort. In der Voreinstellung<br />

landet die spätere index.html-Datei<br />

in Ihrem Home-Verzeichnis. Wenn Sie<br />

ein Häkchen bei Originale an den Zielort<br />

kopieren setzen, legt gThumb eine<br />

Kopie der Fotos zusammen mit der<br />

HTML-Datei ab.<br />

5Darunter zeigt eine kleine <strong>Vorschau</strong><br />

die verfügbaren Themes an. Entscheiden<br />

Sie sich per Mausklick, ob Sie<br />

die Galerie im Classic-, ClassicClips-,<br />

NeatRo<strong>und</strong>- oder Wiki-Look gestalten<br />

möchten.<br />

6Wenden Sie sich dem Reiter Indexseite<br />

zu. Hier definieren Sie die Anzahl<br />

der Bilder pro Seite <strong>und</strong> ob alle in einer<br />

einzigen Seite landen sollen. Auch die<br />

Menge der Spalten können Sie einrichten.<br />

Wenn Sie sich da nicht festlegen wollen,<br />

bleiben Sie mit der Option An die Fensterbreite<br />

anpassen flexibel.<br />

7Im Drop-down-Menü Sortieren nach<br />

stellen Sie ein, nach welchen Kriterien<br />

gThumb die Schnappschüsse anordnet.<br />

Voreingestellt ist der Zeitpunkt der letzten<br />

Änderung; alternativ sortiert das Programm<br />

nach dem Zeitpunkt der Aufnahme,<br />

nach Namen, Abmessungen oder<br />

der Dateigröße.<br />

8Wenn Sie die <strong>Vorschau</strong>bilder in der<br />

Galerie beschriften möchten, setzen<br />

Sie ein Häkchen in der entsprechenden<br />

Checkbox. Darunter wählen Sie aus einer<br />

Liste aus, welche Angaben gThumb dazu<br />

einbinden soll (Datum, Bildgröße, Dateiname<br />

usw.).<br />

9Auf dem letzten Reiter namens Bildseite<br />

wählen Sie aus, wie die Fotos in<br />

der Galerie beschriftet sein sollen.<br />

gThumb kreuzt in der Voreinstellung<br />

schon eine ganze Reihe von Optionen an.<br />

Weiter unten in der Liste finden Sie Kästchen,<br />

um die Exif-Informationen (siehe<br />

nächster Tipp) oder sogar Audio- <strong>und</strong> Video-Codecs<br />

für multimediale Ausstellungsstücke<br />

auszuwerten.<br />

Nach dem abschließenden Klick auf Speichern<br />

erzeugt gThumb die Galerie <strong>und</strong><br />

zeigt dabei einen Fortschrittsbalken an.<br />

Danach bietet ein Dialogfenster an, die<br />

Galerie direkt im Browser zu öffnen (Abbildung<br />

1).<br />

Über die Schaltfläche Ziel betrachten<br />

öffnen Sie hingegen ein Dateimanagerfenster.


Gnome-Tipps<br />

Tipps & Tricks<br />

die Anzeige zwischen häufig benutzten<br />

<strong>und</strong> allen Applikationen um.<br />

Abb. 1: Mit dem Bildbetrachter gThumb erstellen Sie ansprechende HTML-Galerien Ihrer<br />

Bildersammlungen. Bei den Alben handelt es sich um statische Dateien, die CSS-<br />

Stylesheets für das Layout nutzen.<br />

gThumb: Exif-Daten<br />

02 der Fotos anzeigen<br />

Dank des Exchangeable Image File Formats,<br />

kurz Exif, erfahren Sie über Ihre<br />

Fotos allerhand Hintergr<strong>und</strong>informationen.<br />

Dazu gehören neben Datum <strong>und</strong><br />

Uhrzeit beispielsweise die Bildgröße,<br />

Bilddrehung (90°, 180° <strong>und</strong> 270°),<br />

Brennweite, Belichtungszeit <strong>und</strong> Blendeneinstellung,<br />

der Kamerahersteller<br />

<strong>und</strong> das Modell sowie – falls die Kamera<br />

dies unterstützt – sogar GPS-Koordinaten.<br />

Die Exif-Daten stehen im Header<br />

der Bilddatei, also im Anfangsbereich<br />

<strong>und</strong> noch vor den eigentlichen Bildinformationen.<br />

Bildbearbeitungs- <strong>und</strong> auch viele Betrachterprograme<br />

können die Daten ausgeben<br />

<strong>und</strong> auswerten, so auch gThumb.<br />

Wenn Sie sich für die Exif-Daten interessieren,<br />

markieren Sie im rechten Bereich<br />

ein Bild <strong>und</strong> stellen dann links das Dropdown-Menü<br />

auf Eigenschaften. Mit dem<br />

Mauszeiger ziehen Sie den Bereich so<br />

zurecht, dass Sie möglichst viele Informationen<br />

auf einen Blick erhaschen können<br />

(Abbildung 2).<br />

Aktivitäten: Installierte<br />

03 Anwendungen auflisten<br />

Wenn Sie unter Gnome 3 [Windows-S]<br />

drücken oder den Mauszeiger nach<br />

links oben auf Aktivitäten bewegen, gelangen<br />

Sie in den Übersichtsmodus des<br />

Desktops. Der Hintergr<strong>und</strong> erscheint<br />

abgedunkelt, Sie sehen alle vorhandenen<br />

Arbeitsflächen neben- <strong>und</strong> untereinander,<br />

die geöffneten Programmfenster<br />

<strong>und</strong> am linken Rand das Dash, über das<br />

Sie Programme starten <strong>und</strong> neue Fenster<br />

von laufenden Applikationen öffnen<br />

können. Klicken Sie ganz unten im<br />

Dash auf das Symbol mit dem Gitter,<br />

um alle Anwendungen anzuzeigen. Ein<br />

erneuter Klick bringt Sie zur Übersicht<br />

zurück. Die installierten Programme listen<br />

Sie auf, indem Sie [Windows-A]<br />

drücken. Am unteren Rand schalten Sie<br />

Menü der aktiven<br />

04 Anwendung per Shortcut<br />

Im oberen Panel zeigt der Gnome-Desktop<br />

für viele, aber nicht alle, Anwendungen<br />

neben den Aktivitäten ein globales<br />

Menü an. Die Entwickler verlagern also<br />

die Menüleiste aus den Applikationen heraus<br />

ins Panel <strong>und</strong> geben den Anwendungen<br />

so mehr Platz. Was einige Benutzer<br />

als praktisch empfinden, stört andere<br />

sehr, denn die Wege zum Menü sind nun<br />

länger – gerade bei großen Bildschirmen<br />

müssen Sie so recht lange Strecken mit<br />

der Maus zurücklegen. Als Abkürzung<br />

spendieren die Gnome-Macher einen Tastaturshortcut,<br />

der das globale Menü der<br />

aktiven Anwendung öffnet. Drücken Sie<br />

[Windows-F10], um es aufzuklappen. Mit<br />

den Pfeiltasten wandern Sie nun hoch<br />

<strong>und</strong> runter, <strong>und</strong> [Esc] schließt es.<br />

Passwort für den eigenen<br />

05 Account ändern<br />

Kennwörter sollten Sie in regelmäßigen<br />

Abständen erneuern. Als Gnome-Benutzer<br />

verwenden Sie dazu ganz bequem<br />

die Systemeinstellungen. Sie erreichen<br />

das Konfigurationszentrum des Desktops<br />

entweder über das Dash auf der linken<br />

Seite oder per Klick auf den Ausschalter<br />

Abb. 2: Der Gnome-Bildbetrachter gThumb blendet unten links unter „Eigenschaften“<br />

die Exif-Daten eines ausgewählten Bildes ein.<br />

<strong>EasyLinux</strong><br />

03/2014<br />

www.easylinux.de<br />

83


Tipps & Tricks<br />

Gnome-Tipps<br />

Abb. 3: Mit einem Klick auf das Zahnradsymbol im Feld „Neues Passwort“ fordern Sie<br />

Unterstützung beim Kennwortfinden an. Weitere Hilfe gibt die Dokumentation des<br />

Desktops, die Sie über „Erzeugen eines starken Passworts“ öffnen.<br />

rechts oben im Panel <strong>und</strong> das Symbol<br />

mit dem Schraubenschlüssel. Alternativ<br />

öffnen Sie die Aktivitäten <strong>und</strong> geben sy<br />

ein – das reicht schon, der Name ist eindeutig,<br />

<strong>und</strong> Gnome bietet als ersten Treffer<br />

die Systemeinstellungen an. Wechseln<br />

Sie ganz unten in die Abteilung Benutzer,<br />

klicken Sie rechts oben auf Entsperren<br />

<strong>und</strong> geben Sie auf Aufforderung<br />

Ihr Passwort ein. Danach klicken Sie neben<br />

Passwort auf die Punkte, die das<br />

Kennwort symbolisieren.<br />

Im oberen Feld geben Sie zunächst das<br />

alte Passwort ein. Haben Sie sich vertippt,<br />

erscheint eine entsprechende<br />

Warnung. Erst wenn das Kennwort<br />

stimmt, dürfen Sie ein neues eintragen.<br />

Im Feld darunter wiederholen Sie es,<br />

um Vertipper auszuschließen. Haben<br />

Sie sich vertan, warnt Gnome Sie, dass<br />

die beiden Kennwörter nicht übereinstimmen,<br />

<strong>und</strong> die Schaltfläche Ändern<br />

bleibt ausgegraut. Benötigen Sie Hilfe<br />

dabei, ein sicheres Passwort zu finden?<br />

Dann klicken Sie einfach auf den Link<br />

Erzeugen eines starken Passworts, <strong>und</strong><br />

der Gnome-Hilfebrowser öffnet sich mit<br />

Erklärungen <strong>und</strong> Tipps.<br />

Alternativ beauftragen Sie das System damit,<br />

ein Kennwort für Sie einzurichten.<br />

Klicken Sie dazu im Feld Neues Passwort<br />

rechts auf das Icon mit den Zahnrädern –<br />

Gnome wählt dann selbst etwas aus. Damit<br />

Sie sich das Kennwort merken <strong>und</strong><br />

auch bei Passwort bestätigen eintragen<br />

können, machen Sie es über ein Häkchen<br />

in der Checkbox Passwort zeigen sichtbar<br />

(Abbildung 3). Übrigens zeigt ein Balken<br />

unter dem Feld Neues Passwort, wie stark<br />

dieses ist (also: wie gut es gegen Wörterbuchattacken<br />

schützt).<br />

Neues Tastaturlayout<br />

06 installieren<br />

Sie lernen eine neue Sprache wie etwa<br />

Russisch oder Arabisch, die ein völlig anderes<br />

Tastaturlayout benötigt? Dann fügen<br />

Sie ganz einfach per Mausklick ein<br />

neues Tastenlayout hinzu. Öffnen Sie<br />

dazu, wie im vorigen Tipp gezeigt, die<br />

Systemeinstellungen <strong>und</strong> wechseln Sie in<br />

der ersten Abteilung zu Region <strong>und</strong> Sprache.<br />

Gehen Sie zum Reiter Eingabequellen.<br />

In der Voreinstellung enthält die Liste<br />

normalerweise Einträge für Deutsch <strong>und</strong><br />

Englisch (USA). Klicken Sie auf das kleine<br />

Pluszeichen unterhalb des Feldes <strong>und</strong> suchen<br />

Sie im folgenden Dialog eine neue<br />

Eingabequelle aus. Das Suchfeld hilft dabei,<br />

das Passende in der wirklich umfangreichen<br />

Sammlung zu finden. Nach einem<br />

Klick auf Hinzufügen landet das Layout in<br />

der eigenen Liste. Dort sortieren Sie alle<br />

Belegungen mit den Pfeiltasten <strong>und</strong> legen<br />

die Priorität fest.<br />

Aktuelle Tastaturbelegung<br />

07 im Panel anzeigen<br />

Im Gnome-Panel am oberen Bildschirmrand<br />

finden Sie neben dem Symbol mit<br />

dem Ausschalter einen Hinweis auf die<br />

aktuelle Tastaturbelegung. Haben Sie die<br />

deutschen Sprachpakete installiert, sollte<br />

hier ein de stehen. Wenn Sie mit der<br />

Maus darauf klicken, öffnet sich ein kleines<br />

Menü, in dem ggf. weitere Einträge<br />

auftauchen.<br />

Falls Sie, wie im vorigen Tipps gezeigt, alternative<br />

Tastaturlayouts hinzugefügt haben,<br />

schalten Sie über den Button im Panel<br />

bequem zu einer anderen Sprache<br />

<strong>und</strong> später auch wieder zur deutschen<br />

Belegung um. Um eine <strong>Vorschau</strong> der Tastatur<br />

einzublenden, klicken Sie ebenfalls<br />

auf den Umschalter <strong>und</strong> wählen Show<br />

Keyboard Layout („zeige das Tastaturlayout“).<br />

So sehen Sie, welche Taste welches<br />

Zeichen hervorbringt <strong>und</strong> wie die Sondertasten<br />

angeordnet sind (Abbildung 4).<br />

Grafische Programme<br />

08 mit Aufrufoptionen<br />

Viele Gnome-Anwendungen bieten Parameter,<br />

mit denen Sie die Applikation<br />

Abb. 4: Wenn Sie eine neue Sprache lernen <strong>und</strong> dazu neue Zeichen brauchen, finden Sie<br />

ein passendes Layout vielleicht in der langen Liste der Belegungen. Über den kleinen<br />

Umschalter im Panel blenden Sie das Layout ein <strong>und</strong> wechseln die Sprache.<br />

84 www.easylinux.de<br />

<strong>EasyLinux</strong> 03/2014


Gnome-Tipps<br />

Tipps & Tricks<br />

Abb. 5: Viele Gnome-Programme verraten Ihnen zusätzliche Optionen für den Start,<br />

wenn Sie in einer Shell den Parameter „--help“ an den Befehl anhängen.<br />

schon beim Start steuern. Diese Aufrufoptionen<br />

verwenden Sie, wenn Sie<br />

das Programm aus dem Schnellstarter<br />

([Alt-F2]) oder einem Terminal heraus<br />

aufrufen. So erreichen Sie beispielsweise<br />

mit gnome‐terminal ‐‐full‐screen, dass<br />

das Gnome-Terminal direkt im Vollbildmodus<br />

startet. Das Kommando gedit<br />

‐‐new‐window bewirkt, dass der Texteditor<br />

GEdit ein neues Fenster öffnet. Mit<br />

einem einfachen Trick finden Sie heraus,<br />

welche Optionen Sie einer Anwendung<br />

beim Start mit auf den Weg geben können.<br />

Öffnen Sie dazu ein Terminalfenster<br />

(Eingabe von gnome‐terminal in den<br />

Schnellstarter), tippen Sie den Namen<br />

der Anwendung <strong>und</strong> hängen Sie dahinter<br />

die Option ‐‐help.<br />

Die Ausgabe verrät oft, dass es noch<br />

weitere Abfragemöglichkeiten gibt.<br />

Diese erscheinen in der Ausgabe im<br />

Terminal relativ weit oben hinter dem<br />

Hinweis Hilfeoptionen. Im Beispiel aus<br />

Abbildung 5 sehen Sie, dass Sie für<br />

GEdit weitere Informationen über gedit<br />

‐‐help‐all bzw. gedit ‐‐help‐gtk erhalten.<br />

Direkt darunter listet der Bereich Anwendungsoptionen<br />

ein paar interessante<br />

Schalter auf. So erfahren Sie beispielsweise<br />

über ‐‐list‐encodings, welche<br />

Textkodierungen das Programm kennt<br />

(zweiter Befehl in Abbildung 5). Eine<br />

solche können Sie an den Parameter<br />

‐‐encoding= weiterreichen, um den Editor<br />

mit einer bestimmten Textkodierung<br />

zu starten.<br />

Nautilus: <strong>Vorschau</strong>funktion<br />

09 für Dateien<br />

Der Dateimanager des Gnome-Desktops<br />

zeigt Ihnen für viele Dateitypen einen<br />

kleinen Thumbnail an, der einen Rückschluss<br />

auf den Inhalt erlaubt. So sehen<br />

Sie für Bilder, PDF- <strong>und</strong> PostScript-Dateien<br />

direkt, welcher Schnappschuss<br />

bzw. welches Dokument sich dahinter<br />

verbirgt. In der Voreinstellung zeigt Nautilus<br />

die Thumbnails nur für Dateien an,<br />

die kleiner als 5 MByte sind.<br />

Bewahren Sie in einem Verzeichnis<br />

hochauflösende Bilddateien auf, präsentiert<br />

der Dateimanager nur das Standardsymbol<br />

für den Dateityp, <strong>und</strong> Sie<br />

dürfen raten. Um auch von großen Dateien<br />

Icons zu sehen, öffnen Sie aus<br />

dem globalen Menü die Einstellungen<br />

<strong>und</strong> wechseln zum Reiter <strong>Vorschau</strong>.<br />

Wählen Sie im Drop-down-Menü Nur<br />

für Dateien kleiner als eine andere<br />

Größe aus. Hier dürfen Sie auf bis zu<br />

4 GByte erhöhen.<br />

Nautilus: Erweiterte<br />

10 <strong>Vorschau</strong> dank Sushi<br />

Eine Gnome-Shell-Extension namens Sushi<br />

ergänzt die <strong>Vorschau</strong>funktion <strong>und</strong><br />

schließt auch Audio- <strong>und</strong> Videodateien<br />

mit ein. So erfahren Sie schon im Dateimanager<br />

mehr über die Dateien, ohne sie<br />

mit einem Programm öffnen zu müssen.<br />

Sushi ist in der Voreinstellung nicht installiert,<br />

befindet sich aber in den Repositorys<br />

der von <strong>EasyLinux</strong> unterstützten<br />

Distributionen. Anwender von OpenSuse<br />

installieren das Paket sushi, Ubuntu-Benutzer<br />

suchen im Paketmanager nach<br />

gnome-sushi. Ein Neustart von Nautilus<br />

ist nicht erforderlich, um die Extension zu<br />

aktivieren.<br />

Markieren Sie nun einfach die gewünschte<br />

Datei mit einem einfachen<br />

Klick <strong>und</strong> drücken Sie dann die Leertaste.<br />

Ein kleines Fenster geht auf. Bilder,<br />

HTML-Dokumente <strong>und</strong> Ähnliches zeigt<br />

Sushi einfach an; für Multimediales erscheinen<br />

zusätzlich kleine Symbole, mit<br />

denen Sie die Wiedergabe steuern (Abbildung<br />

6). (hge) <br />

n<br />

Abb. 6: Sushi ist eine praktische Erweiterung für die Gnome-Shell, die eine <strong>Vorschau</strong><br />

auf multimediale Inhalte in Nautilus ermöglicht.<br />

<strong>EasyLinux</strong><br />

03/2014<br />

www.easylinux.de<br />

85


Tipps & Tricks<br />

LibreOffice<br />

LibreOffice-Tipps<br />

Besser arbeiten<br />

mit LibreOffice<br />

Franz Böhm,<br />

Heike Jurzik<br />

Die LibreOffice-Tipps verraten in dieser Ausgabe unter anderem, wie Sie langen Text in Tabellenzellen<br />

bearbeiten, neue Folien in Impress <strong>und</strong> Draw hinzufügen, Präsentations-Hintergründe<br />

gestalten <strong>und</strong> die Dateigröße von Präsentationen verringern. Außerdem zeigen wir,<br />

wie Sie Aushänge mit Abreißzetteln erstellen.<br />

Calc: Markieren bis zum Ende<br />

01 der Zeile oder Spalte<br />

Eine typische Situation bei der Arbeit mit<br />

Calc: Sie möchten mehrere Zellen in einer<br />

Zeile oder Spalte markieren, um beispielsweise<br />

Zeilen- oder Spaltenbeschriftungen<br />

zu formatieren. Calc bietet zu diesem<br />

Zweck eine nützliche <strong>und</strong> komfortable<br />

Tastenkombinationen an. Drücken Sie<br />

einfach [Umschalt-Strg] in Verbindung<br />

mit einer der vier Cursortasten, um die<br />

Markierung von der aktuellen Zelle bis<br />

zum Ende der ausgefüllten Zeile/​Spalte<br />

nach oben/​unten bzw. rechts/​links zu erweitern.<br />

Haben Sie in Ihrer<br />

Tabelle beispielsweise einige<br />

Zahlen in die Zellen B2 bis<br />

B12 eingegeben, wählen Sie<br />

die Zelle B2 aus <strong>und</strong> verwenden<br />

die Tastenkombination<br />

[Umschalt-Strg-Pfeil runter].<br />

Calc markiert jetzt den ganzen<br />

Bereich B2 bis B12.<br />

Calc: Langen Text in<br />

02 eine Zelle einfügen<br />

Wenn Sie ein längeres Writer-<br />

Dokument mit mehreren Absätzen<br />

in eine Tabellenzelle einer<br />

Calc-Arbeitsmappe kopieren<br />

möchten, landet dieses<br />

häufig in mehreren Zellen.<br />

Calc ordnet jeden Absatz einer<br />

eigenen Zelle zu. Oft führen<br />

Tabstopps sogar dazu, dass<br />

die Tabellenkalkulation den<br />

Text sogar auf mehrere Spalten<br />

verteilt. Damit der gesamte<br />

Abb. 1: In diesem Dialog weisen Sie unbelegten Tasten(kombinationen)<br />

eine Funktion aus den Menüs zu.<br />

kopierte Text in einer einzigen Zelle steht,<br />

ist ein kleiner Zusatzschritt nötig.<br />

Markieren Sie zunächst den gewünschten<br />

Abschnitt im Writer-Dokument <strong>und</strong> fügen<br />

ihn mit [Strg-C] in die Zwischenablage.<br />

Wechseln Sie in der Calc-Arbeitsmappe in<br />

die Zelle, wo Sie das Ganze einfügen<br />

möchten. Anstelle jetzt sofort [Strg-V] zu<br />

drücken, klicken Sie einmal mit der linken<br />

Maustaste in die Bearbeitungszeile<br />

über dem Tabellenblatt, so dass der Cursor<br />

in der Bearbeitungszeile blinkt. Erst<br />

jetzt betätigen Sie die Tastenkombination<br />

<strong>und</strong> schließen alles mit [Eingabe] ab. Passen<br />

Sie bei Bedarf die Spaltenbreite <strong>und</strong><br />

Zeilenhöhe an.<br />

Calc: Zahlen als<br />

03 Tausender darstellen<br />

Arbeiten Sie in Ihren Tabellen mit großen<br />

Zahlen, ist es nicht immer notwendig, alle<br />

Stellen anzuzeigen. Kalkulationen, Berichte<br />

<strong>und</strong> Ähnliches werden übersichtlicher,<br />

wenn Sie in Ihrer Tabelle nur noch<br />

die Anzahl der Tausender darstellen. Die<br />

Zahl 20 000 erscheint dann beispielsweise<br />

als 20, 10 000 als 10 usw. Ihre Daten<br />

müssen Sie deswegen nicht neu eingeben.<br />

Stattdessen verwenden Sie<br />

einfach ein benutzerdefiniertes<br />

Zahlenformat. Markieren<br />

Sie dazu die Zellen, die das<br />

neue Format erhalten sollen.<br />

Drücken Sie [Strg-1] oder<br />

wählen Sie aus dem Menü Format<br />

/ Zellen <strong>und</strong> wechseln Sie<br />

im folgenden Dialog auf den<br />

Reiter Zahlen.<br />

Wählen Sie links unter Kategorie<br />

den Eintrag Benutzerdefiniert.<br />

Dann tippen Sie unten<br />

ins Feld Format-Code die folgende<br />

Zeichenkette ein:<br />

#.###.<br />

Optional hängen Sie dahinter<br />

die Angabe "Tsd." (die Abkürzung<br />

für Tausend), die dann<br />

als Zusatz in der Zelle erscheint.<br />

Nach einem Klick auf<br />

OK zeigt Calc in den entsprechenden<br />

Zellen nur noch die<br />

86 www.easylinux.de<br />

<strong>EasyLinux</strong> 03/2014


LibreOffice<br />

Tipps & Tricks<br />

Anzahl der Tausender an, also beispielsweise<br />

20 oder 20 Tsd. – je nachdem, welches<br />

Format Sie eingegeben haben.<br />

Impress <strong>und</strong> Draw: Neue<br />

04 Folie hinzufügen<br />

In der Voreinstellung gibt es keine Tastenkombination,<br />

die im Präsentationsoder<br />

Zeichenmodul von LibreOffice eine<br />

neue Folie hinzufügt. Um eine Folie oder<br />