Zwischen Modernisierung und Re-Traditionalisierung - Institut für ...

soziologie.uni.halle.de

Zwischen Modernisierung und Re-Traditionalisierung - Institut für ...

© Verlag Leske + Budrich. Opladen. Zeitschritt für BevölkerungswissenschaR. Jg. 27. 1/2002. S. 87-114 Jann-Michael Dornseiff und Reinhold Sackmann Zwischen Modernisierung und Re-Traditionalisierung Die Transformation von Familienbildungsmustern im Lebenslauf ostdeutscher Frauen am Beispiel der Geburt des zweiten Kindes Between modernisation and re-traditionalisation The transformation of family formation patterns in the life courses of Eastern German women taking the birth of the second child äs an example Entre modernisation et re-traditionalisation La transformation des modeles de formation de famille dans la vie des femmes est-allemandes ä l'exemple de la naissance du deuxieme enfant Zusammenfassung Der Einbruch der Geburtenentwicklung in Ostdeutschland nach der „Wende" wirft die Frage auf, ob der ostdeutsche Transformationsprozess mit einem langfristigen Wandel der Bevölkerungsweise einhergeht. Bei der Geburt erster Kinder ist mittlerweile eine Annäherung an westdeutsche Familienbildungsmuster zu erkennen: In der Verzögerung der Erstgeburt im Lebenslauf und Anzeichen eines bis dahin in Ostdeutschland unbekannten Ausmaßes an Kinderlosigkeit lassen Tendenzen einer Polarisierung zwischen einen Familien- und einen Nicht-Familiensektor erkennen. In den Mittelpunkt des Interesses rücken nun die Prozesse der Familienerweiterung. Anhand einer Längsschnittanalyse, die vorwiegend mit den Daten der Berufsverlaufsstudie Ost durchgeführt wurde, soll untersucht werden, inwieweit die Form der Einbettung der Geburt zweiter Kinder in den Lebenslauf ostdeutscher Frauen Anzeichen einer traditionellen Re-Strukturierung des Familiensektors erkennen lässt, wie sie durch die gesamtdeutschen institutionellen Rahmenbedingungen impliziert wird. Inwieweit in Zukunft mit einer stärkeren Annäherung der Muster der Familienerweiterung in Ostdeutschland in diesem Sinne zu rechnen ist, wird aufgrund einer individualdatengestützten Mikrosimulation geschätzt. Dabei zeigt sich eine deutliche Persistenz spezifisch ostdeutscher Muster, die insbesondere in der Abstimmung von Familien- und Erwerbsphasen im Lebenslauf zum Ausdruck kommt. Die jüngeren Ausbildungskohorten lassen allerdings Tendenzen einer langfristigen Annäherung an westdeutsche Muster erkennen. 1. Einleitung Während Ostdeutschland bis zur .Wende" ein im Vergleich zu Westdeutschland höheres Geburtenniveau aufzuweisen hatte, erfolgte nach 1990 ein deutlicher Einbruch der Geburtenhäufigkeit. Erst ab 1995 lassen sich wieder Anzeichen eines Anstiegs erken- 87


nen, der jedoch bisher weder an das Niveau Ostdeutschlands vor der Wende noch an jenes in Westdeutschland heranreicht (Dorbritz; Gärtner 1998: 388; Dorbritz; Fleischhacker 1995: 172). So stellt sich die Frage, ob mit dieser Entwicklung ein langfristig wirksamer, grundlegender Wandel der Bevölkerungsweise in Ostdeutschland eingeleitet wurde und in welche Richtung dieser Wandel verläuft. Ob der Vereinigung der beiden deutschen Staaten auf institutioneller Ebene auch die vielbeschworene innere Vereinigung folgt, dies lässt sich auch daran erkennen, ob sich in zentralen Lebensbereichen wie der Familienbildung eine Annäherung west- und ostdeutscher Muster andeutet. Um dieser Frage nachzugehen, müssen zunächst einmal die zentralen Gesichtspunkte der Entwicklung der Familienbildung in Westdeutschland dargelegt werden. Die sich hier abzeichnende Pluralisierung familialer Lebensformen lässt einen Verbindlichkeitsverlust der Institution der Ehe erkennen. Diese Entwicklung beschränkt sich jedoch weitgehend auf die Lebensformen ohne Kinder, den Nichtfamiliensektor, und verdeckt dabei die stabile Bedeutung der Ehe innerhalb des Familiensektors, also der Lebensformen mit Kindern. Diese Polarisierung familialer Lebensformen ist auch und gerade dadurch gekennzeichnet, dass innerhalb des Familiensektors eine erhöhte Bereitschaft zur Geburt von mehreren Kindern besteht (Strohmeier 1993; Huinink 1995). Die mittlerweile auch in Ostdeutschland erkennbaren Anzeichen einer steigenden Kinderlosigkeit lassen nun auf ähnliche Polarisierungstendenzen im Sinne einer Spaltung in einen Familien- und einen Nichtfamiliensektor schließen.' Weitgehend unbeantwortet ist jedoch die Frage, wie sich innerhalb des Familiensektors die Bereitschaft zur Geburt von mehreren Kindern entwickelt. Hier stehen nicht mehr die Prozesse der Familiengründung, sondern die der Familienerweiterung im Vordergrund des Interesses. Angesichts der allgemein geringen Geburtenhäufigkeit ist dabei weniger dem dritten, sondern mehr dem zweiten Kind eine entscheidende Bedeutung für die Einschätzung der demographischen Entwicklung zuzumessen (Hüllen 1998: 105). Bislang allerdings wurde die Häufigkeit der Geburt zweiter Kinder in Ostdeutschland von der Forschung eher vernachlässigt und die wenigen Untersuchungen, die sich mehr oder weniger intensiv mit diesem Gegenstand befassten, weisen nur eine eingeschränkte Erklärungskraft auf (Klein et al. 1996; Hüllen 1998). Hier soll ein Beitrag dazu geleistet werden, diese Lücke zu schließen. Es gilt hier der Frage nachzugehen, inwieweit sich die Bereitschaft zur Geburt zweiter Kinder im Zuge des Transformationsprozesses verändert hat, welche Bedeutung dabei dem Wandel der institutionellen und familienpolitischen Rahmenbedingungen zukommt und welche Implikationen zur Strukturierung des Familiensektors von dieser Entwicklung ausgehen. 2. Die Familienbildung imTransfbrmationsprozess aus lebensverlaufstheoretischer Perspektive Familienbildung ist als ein in verschiedene Lebensbereiche und institutionalisierte Handlungsfelder eingebetteter Prozess zu verstehen, der im Kontext von Institutionenwandel und historischen Sonderbedingungen untersucht wird (Mayer 1990: 9). Der Übergang zwischen verschiedenen Handlungsfeldern und Lebensphasen wird dabei entlang institutioneller Vorgaben vorgenommen. Wo Fesseln wie auch Gewissheiten traditioneller sozialer Einbindungen ihre Bindungskraft verlieren, bildet der institutionalisierte Lebenslauf ein kontinuitätsstiftendes, zentrales Moment der Strukturierung des individuellen 88 Lebensverlaufs in weitgehend modernisierten Gesellschaften. Es spiegelt sich darin der „Übergang von einer vorwiegend situativ strukturierten zu einer stärker biographischen Lebensform" (Kohli 1986:190f.). Die im Rahmen institutioneller Vorgaben verbleibenden Handlungsspielräume stellen dabei hohe Anforderungen an die biografische Gestaltungskompetenz des Individuums, machen ihn zum „Demiurgen" seines Lebenslaufs (Weymann 1989). In diesem Sinne kann man den Zusammenbruch der DDR mitsamt ihrer institutionellen Ordnung in zugespitzter Weise als vorübergehenden kollektiven Orientierungsverlust und Kontinuitätsbruch betrachten. So kann der demographische Einbruch nach der Wende auch als „Schock'-Reaktion betrachtet werden: kritische Lebensereignisse, die im Einflussbereich des Einzelnen liegen, werden hinausgeschoben (Zapf; Mau 1994: 173). Diese Erklärung hebt jedoch einseitig den krisenhaften Charakter des Umbruchs hervor, ohne gleichfalls die Chancen zu berücksichtigen, die sich im Zuge der Wende in Ostdeutschland eröffneten. Dem Zusammenbruch der ostdeutschen Wirtschaft folgte ein voranschreitender Tertiarisierungsprozess (Geißler 2000: 25), der umfangreiche berufliche Mobilitätsprozesse auf individueller Ebene in Gang setzte (Windzio; Rasztar 2000: 110f). Folgt man der These des .Gelegenheitsfensters", so kulminierten sowohl Chancen als auch Risiken der Umstrukturierung des Arbeitsmarktes besonders in den ersten zwei bis drei Jahren nach der Wende (u.a. Diewald et al. 2000: 43f.).2 Erst mit dem Jahr 1994 erfolgte eine Stabilisierung des Arbeitsmarktes (Sackmann 2000a: 251). Es erscheint hier auch eine Erklärung von Fertilitätsentscheidungen im Rahmen einer nutzentheoretischen Argumentation angemessen, derzufolge langfristig bindende Entscheidungen wie etwa die zur Geburt eines Kindes gleichsam eine Einschränkung des zukünftigen Handlungsspielraums bedeuten. Es erfolgt dabei eine Antizipation des Ertrages, der dem Individuum angesichts der biografischen Restriktionen durch die langfristige Festlegung auf die Elternschaft möglicherweise entgeht. So ist anzunehmen, dass besonders in der Zeit des Umbaus der Gelegenheitsstrukturen „langfristige Festlegungen" wie etwa Geburtsentscheidungen in der Erwartung hoher biografischer Opportunitätskosten vermieden wurden (Birg et al. 1991:49f.; ZapM996: 320). Wenn man im Zusammenhang mit dem ostdeutschen Transformationsprozess von einer .nachholenden Modernisierung" spricht (u.a. Geißler 2000), so sollte diese Begrifflichkeit allerdings nicht auf den Übergang von der planwirtschaftlichen zur marktförmigen Allokation von Arbeitskräften reduziert werden, denn die Entwicklungsziele, die mit dem Modernisierungsbegriff einhergehen, sind mehrdimensional. Idealtypischerweise sollte im Zuge des Transformationsprozesses eine Entwicklung hin zu Demokratie, Wachstum, Massenkonsum und Wohlfahrt eingeläutet werden (Zapf 1994: 18ff.; Weymann 1998: 139; Weymann 2000: 25ff.). Auch wenn es sich hierbei in vielerlei Hinsicht um bislang uneingelöste Versprechungen handelt, so muss man doch unterstellen, dass die Erwartungshaltung und Präferenzstruktur der individuellen Akteure durch diese Zielvorstellungen geprägt ist. So ist im Vergleich zu der Zeit vor der Wende von einem breiteren Spektrum der Lebensoptionen, Wahlmöglichkeiten und Wahlzwänge auszugehen, das neben den erhöhten Anforderungen auf dem Arbeitsmarkt ebenfalls die gesteigerten Konsummöglichkeiten mit einschließt. Das in der DDR hohe Ausmaß an Familien- und Kindesorientierung hat im Verlauf des Transformationsprozesses starke Konkurrenz bekommen (Beck-Gernsheim 1997:64f.; Dorbritz 1997:253). 89


Dieser Wandel von Institutionen und Handlungsspielräumen bildet den Kontext, in dem die Familienbildungsprozesse in Ostdeutschland zu untersuchen sind. Im Sinne der Lebensverlaufsforschung ist davon auszugehen, dass sich der soziale Wandel von Familienbildungsprozessen im Kohortenaustausch vollzieht: Je nachdem, unter welchen spezifischen historischen und institutionellen Rahmenbedingungen einzelne Kohorten für den Lebensverlauf entscheidende Statuspassagen durchlaufen, sollten unterschiedliche Muster der Familienbildung deutlich werden. Das Augenmerk richtet sich hier besonders auf Ausbildungsabsolventenkohorten, da gerade dem Übergang vom Ausbildungs- ins Erwerbssystem eine für den weiteren Lebensverlauf prägende Funktion zugeschrieben wird (Blossfeld 1990:126; Sackmann; Wingens 1996:19), die auch die Familienbildung nicht unberührt lassen wird. Für die Geburtsentscheidung ist laut Huinink die langfristige Sicherung von Ressourcen, die den Akteuren zur Verfügung stehen müssen, um den unterschiedlichen Anforderungen aus Familie und Beruf gerecht zu werden, von entscheidender Bedeutung. Gerade in der Phase der ökonomischen Verselbstständigung ist davon auszugehen, dass eine „situationale Dominanz" der beruflichen Orientierung herrscht, denn die individuellen Ressourcen zur Lösung der Vereinbarkeitsproblematik werden hier ein knappes Gut sein. Den institutionellen Rahmenbedingungen kommt eine entscheidende Bedeutung zu, denn diese repräsentieren die öffentlichen Güter, derer sich die Akteure „zur alltäglichen Gestaltung ihres Lebens oder in Notsituationen bedienen können" (Huinink 2000:384ff.). Von hier gehen entscheidende Impulse für das Ob und Wann von Geburtsentscheidungen im Lebenslauf aus. 3. Familienbildung und Lebenslaufpolitik in Ostdeutschland Der Lebenslauf war in der DDR in hohem Maße vorstrukturiert, vor allem was die Phase der Berufsausbildung und der Einmündung in das Berufsleben betraf (Wingens 2000: 182). Die Sicherheit des Übergangs in die berufliche Laufbahn stellte einen erheblichen Anreiz dar, die Geburt des ersten Kindes frühzeitig in der Zeit der Ausbildung anzusiedeln und nicht, wie in Westdeutschland, eher verzögert nach einer Phase der beruflichen Etablierung (Huinink; Wagner 1995:171). Zudem .lohnte" sich die Familienbildung, denn eine Heirat und die Geburt eines Kindes ermöglichten den Übergang in eine selbstständige Lebensführung, z.B. durch die Zuteilung von Wohnraum (Gramm 1998: 493ff.; Huinink 1997: 316ff.; Mayer 1996: 24f.). Wie hier deutlich wird, war die Geburt eines ersten Kindes auch mit einem erheblichen instrumentellen Nutzen verbunden.3 Entsprechend niedrig war das Ausmaß an Kinderlosigkeit in der DDR (Dorbritz; Fleischhacker 1995:171; Cromm 1998:545f.). So ist es wenig erstaunlich, dass die Familienstrukturen in der DDR ein vergleichsweise hohes Ausmaß an Einheitlichkeit aufwiesen und als Ergebnis einer Angebotsstruktur betrachtet werden können, die den Akteuren nur ein geringes Ausmaß an Mobilität zwischen den Lebensformen erlaubte, da die Ressourcenausstattung der Individuen eng an bestimmte Lebensformen gekoppelt war (Wagner; Franzmann 2000:154). Die Handlungsspielräume erwiesen sich so als eng, doch sie wurden genutzt. Die vergleichsweise breite Homogenität der Prozesse der Familienbildung in der DDR sollte so weniger im Sinne einer unreflektierten Befolgung von politischen Vorgaben und gesellschaftlichen Normen verstanden werden.4 Vielmehr zeitigte das politische Handeln, 90 obwohl es eine lenkende Funktion haben sollte, auch nichtintendierte Folgen die sich einzig aus der Perspektive des autonom handelnden und entscheidenden Individuums erklären lassen, welches selektiv auf politische, institutionelle und normative Vorgaben reagiert und den individuellen Nutzen durch ein „opportunistisches Verhaltensmuster rationaler Wahl" weitestgehend zu maximieren sucht (Sackmann 2000b: 154). Während die politischen Akteure mit familienpolitischen Maßnahmen die Zwei-bis-Drei-Kind- Familie zu etablieren suchten, waren die Familienstrukturen tatsächlich eher durch die Ein-Kind-Familie dominiert (Dorbritz; Fleischhacker 1995: 163; Dorbritz 1992: 182) Hier wird die hinsichtlich der Kinderzahl selektive Wirksamkeit der familienpolitischen Anreizstruktur deutlich, die mit „Mitnahmeeffekten" zwar die Geburt eines ersten'Kindes motivierte (Sackmann 2000a: 160), für die Geburt weiterer Kinder jedoch keine entscheidungsdeterminierenden Anreize bereit hielt. Der eher geringfügige Anreiz zur Geburt eines zweiten Kindes ist auch als Resultat des Zusammenspiels von Familien- und Arbeitsmarktpolitik zu betrachten, das letztendlich der Familienpolitik einen deutlich individualistischen Charakter verlieh: Durch eine Stärkung der „Unabhängigkeit von Mutter-Kind-Dyaden gegenüber Vätern" u.a. durch eigene Erwerbseinkommen der Frauen und staatliche Kinderbetreuung sowie die niedrigen Scheidungskosten wurde gleichsam die Stabilität und Verbindlichkeit der Institution Ehe infrage gestellt (Sackmann 2000b: 153). So wurde in der DDR ein erhebliches Maß an formaler Gleichheit und materieller Unabhängigkeit für die Frauen erreicht. Allerdings gelang es der politischen Führung nicht, oder vielmehr unternahm sie gar nicht erst den Versuch, dieses veränderte Geschlechterverhältnis auch in die Familie selbst hineinzutragen. Die Bemühungen des Staates beschränkten sich darauf, den Frauen, ob nun alleinstehend oder partnerschaftlich gebunden, ein hohes Maß an Unabhängigkeit und Unterstützung in Belangen der Kindsfürsorge und Kindsbetreuung zukommen zu lassen. Diese mütteradressierte Sozial- und Familienpolitik verfestigte somit die geschlechtsspezifische Rollen- und Arbeitsverteilung innerhalb der Familie (Cromm 1998: 362; Huinink; Wagner 1995: 150; Seirensen; Trappe 1995: 199; Geißler 2000: 25), führte zu einer Doppelbelastung der ostdeutschen Frauen aufgrund des Drucks, Familien- und Erwerbsarbeit im Lebenslauf synchronisieren zu müssen. Der Hausfrauenstatus als normatives Orientierungsmuster hatte in der DDR weitgehend ausgedient (Serensen; Trappe 1995:206), lediglich nach der Geburt eines Kindes gab es die Möglichkeit einer institutionell auf ein Jahr begrenzten .Babypause'. So ist davon auszugehen, dass die institutionellen und familienpolitischen Rahmenbedingungen aufgrund der einseitigen Belastung der Frauen bei der Entscheidung für die Geburt eines zweiten Kinds eher ungünstig waren. So. war in partnerschaftlichen Fertilitätsentscheidungen ein Konfliktpotential angelegt, das seine Entsprechung in einem Zielkonflikt von Arbeitsmarkt- und Familienpolitik hatte: Der Arbeitskräftebedarf in der DDR erforderte eine hohe weibliche Erwerbsbeteiligung, während im gleichen Zuge die Reproduktion der Bevölkerung gewährleistet werden sollte (Huinink; Wagner 1995: 148). Lebenslaufpolitik im Sinne eines die Lebensverläufe formenden Einflusses von Politik und Institutionen vermittelte in der DDR eindeutige Anreize für eine frühe Familiengründung und die Geburt eines ersten Kindes. Die Entscheidung für die Geburt eines zweiten Kindes jedoch fand vor dem Hintergrund widersprüchlicher Anforderungen und Anreize statt und wurde daher von institutioneller Seite nur unzureichend motiviert (Abb. 1). 91


Abb. 1: Familienbildung und Lebenslaufpolitik in der DDR Fig. 1: Family formation and life course policy in the GDR Familienpolitik Wohnraum für junge Familien und Alleinerziehende .Babyjahr1 Staatliche Kinderbetreuung Familienbildung Frühe Familiengrundung Geringe Kinderlosigkeit Hohe Erstheiratsneigung Hohe Scheidungsneigung Hausfrauenideal irrelevant Arbeitsmarktpolitik Beschäftigungssicherheil Vorhersehbare Berufsverläufe Hohe Frauenerwerbstatlgkeit Ökonomische Eigenständigkeit der Frauen Zielkonflikt von Arbeitsmarkt- und Familienpolitik Durchgehende weibliche Erwerbstätigkeit vs. Geburtensteigerung Mit der Übertragung der westdeutschen Institutionenordnung erfolgte eine für die Bewohner Ostdeutschlands neuartige Verknüpfung von Ausbildung, Beruf und Familienbildung im Lebenslauf. Erwerbs- und Berufsverläufe sind von einem deutlich höheren Ausmaß an Unsicherheit geprägt als einst in der DDR. Dies betrifft besonders den Übergang von der Ausbildung in den Beruf. Diese kritische Statuspassage impliziert ein verändertes Timing der Familienbildung im Lebenslauf. In Westdeutschland wird bereits seit längerer Zeit eine Verzögerung der Familienbildung im Lebenslauf aufgrund der Bildungsbeteiligung beobachtet (Biossfeld; Huinink 1989; Blossfeld; Jaenichen 1993). Die Wirksamkeit dieses „Institutioneneffekts" konnte ebenfalls für Ostdeutschland nachgewiesen werden: Die jüngeren Kohorten, die als erste den Übergang von der Ausbildung in den Beruf im Rahmen der gesamtdeutschen Institutionenordnung vollziehen mussten, weisen eine deutliche Anhebung des Alters bei der Geburt des ersten Kindes auf (Sackmann 2000a: 242; Kreyenfeld 2000: 177), dementsprechend eine insgesamt niedrigere Neigung zur Geburt eines ersten Kindes (Sackmann 2000a: 250; Klein et a/. 1996: 73). Im Bereich der Familiengründung zeichnen sich also dauerhafte Veränderungen der Fertilitätsmuster ab. Es kündigt sich auch in Ostdeutschland eine Spaltung in einen Familien- und einen Nichtfamiliensektor an. Die Annäherung an westdeutsche Muster der Familienbildung erfolgt kohortenförmig, so dass die entsprechende These hier gestützt wird. Wendet man sich nun den 'Prozessen der Familienerweiterung und somit der Entwicklung innerhalb des Familiensektors zu, so wäre zunächst anzunehmen, dass sich die Geburt zweiter Kinder ähnlich wie die erster Kinder im Lebenslauf verzögert und so eine Ausdehnung der gesamten Familienbildung im Lebenslauf ähnlich wie in Westdeutschland zu beobachten ist. Zudem müsste eine Steigerung der Zweitgeburten nach der Wende gegenüber dem eher niedrigen Niveau in der DDR zu erkennen sein, um von Polarisierungstendenzen familialer Lebensformen im eigentlichen Sinne der west- 92 deutschen Entwicklung sprechen zu können. Auch diese Annäherung an westdeutsche Muster müsste von jenen Absolventinnenkohorten getragen werden, die ihre Berufseinmündung während oder nach der Wende vollzogen haben. Nur wenige Untersuchungen haben sich bislang überhaupt mit dem Thema der Häufigkeit zweiter Geburten in Ostdeutschland beschäftigt. Die wenigen Ergebnisse lassen eine eingehende Überprüfung der vorgenommenen Annahmen nicht zu. Festhalten lässt sich lediglich ein zu beobachtender Rückgang auch bei den Zweitgeburten, womit sich allerdings schon andeutet, dass der Wandel des Verhaltensmusters „zweites Kind" in eine andere Richtung als erwartet zu verlaufen scheint.5 Hier bedarf es ergänzender theoretischer Bemühungen um den bislang skizzierten lebenslauftheoretischen Rahmen zu erweitern und diese Entwicklung zu erklären. Pfau-Effinger zufolge bilden sich in jeder Gesellschaft spezifische Vorstellungen über das Verhältnis der Geschlechter heraus. Diese Geschlechterkultur spiegelt sich als Geschlechterordnung auch in der institutionellen .Ordnung wieder (Pfau-Effinger 2000: 225ff.). Lebenslaufpolitik wird so auch immer die gesellschaftlich relevanten Vorstellungen einer Rollenverteilung der Geschlechter abbilden. In der Bundesrepublik hat sich ein phasenorientiertes weibliches Lebensverlaufsmuster etabliert, in dessen Rahmen sich Erwerbs- und Familienepisoden abwechseln (Lohkamp-Himmighofen 1999: 59f.). Diesem Lebenslaufsmodell entspricht ein familienzentriertes System der Kinderbetreuung, das die Frau phasenweise an den Haushalt zurückbindet und von eigenständiger Erwerbsarbeit entbindet. Die gesetzlichen Bestimmungen zum Erziehungsurlaub sollen dabei mit den Regelungen zum Kündigungsschutz und der Möglichkeit zur Teilzeiterwerbstätigkeit den Übergang zwischen diesen Phasen stützen (Budde 1998: 25ff.). Mit der Übertragung der westdeutschen institutionellen Ordnung wird somit die „nachholende Modernisierung" in Ostdeutschland auf der Ebene der Familie institutionell gebrochen, indem die quasi askriptiven Muster geschlechtsspezifischer Rollenverteilung lebensphasenspezifisch reproduziert werden.6 Es ist anzunehmen, dass diese Geschlechterordnung zur Geschlechterkultur in Ostdeutschland in Widerspruch steht. In der DDR hatte sich ein weibliches Rollenverständnis herausgebildet, das, vermittelt über die selbstverständliche und kontinuierliche weibliche Erwerbstätigkeit, eine Abkehr vom Hausfrauenmodell bedeutete. Die vielfach hervorgehobene, nach wie vor hohe Erwerbsneigung ostdeutscher Frauen stellt nun ein deutliches Indiz dar, dass diese Geschlechterkultur in Ostdeutschland weiterhin relevant ist (u.a. Beck-Gernsheim 1997: 65; Diewald et al. 1995: 315; BZgA 2000: 16; Geißler 2000: 28).7 Wenn schon in der DDR die Vereinbarkeit von Familien- und Erwerbsarbeit für Frauen mit zwei Kindern trotz umfangreicher staatlicher Unterstützung bei der Kinderbetreuung mit erheblichen Belastungen für die Frau verbunden war, so gilt dies für das vereinte Deutschland erst recht, da hier die Ganztagsbetreuung eher die Ausnahme als die Regel darstellt." Erste Untersuchungen stützen nun deutlich die Vermutung, dass die institutionellen Rahmenbedingungen des Erziehungsurlaubs für ostdeutsche Frauen nur einen geringfügigen Anreiz zur Geburt zweiter Kinder darstellen. Ostdeutsche Frauen nehmen den Erziehungsurlaub kürzer in Anspruch als westdeutsche Frauen und haben während des Erziehungsurlaubs im Vergleich zu westdeutschen Frauen eine deutlich geringere Neigung zur Geburt eines weiteren Kindes, also einer Blockung von Familienphasen (Falk; Schaeper 2001: 201 ff.). Eher zeigen ostdeutsche Frauen eine hohe Bereitschaft, nach dem Erziehungsurlaub wieder erwerbstätig zu werden (Engelbrech; Reinberg 1998: 58). So deutet vieles darauf hin, dass die Familienerweiterung 93


Abb. 2: Familienbildung und Lebenslaufpolitik in Ostdeutschland nach 1990 Fig. 2: Family formation and life course policy in Eastern Germany after 1990 Bildungspolitik Freigabe des Bildungsmarktes Riskanter Übergang in den Bnnif Familienpolitik Familienzentrierte Kinderbetreuung Rückbau staatlicher Kinderbetreuung .Phasenmodelr (Erziehungsurlaub) Verkopplung von Ehe und Elternschaft Familienbildung Verzögerte Familiengründung Steigende Kinderlosigkeit Sinkende Heiratsneigung Sinkende Scheidungsneigung Hohe Nichlehelichenquote Arbeitsmarktpolitik Gesunkene Erwerbschancen für Frauen Unsichere Erwerbs- und Berufsver laufe Hohe Frauenerwerbsorientierung Kürzerer Erziehungsurlaub rascher Wiedereinstieg eng an eine bedingte Re-Traditionalisierung des Geschlechterverhältnisses geknüpft ist. Dem scheinen sich die ostdeutschen Frauen weitgehend zu entziehen, was auch in der Entwicklung der familialen Lebensformen zum Ausdruck kommt. Die Heiratsneigung in Ostdeutschland hat sich nach der Wende auf einem im Vergleich zu Westdeutschland deutlich niedrigeren Niveau eingependelt (Dorbritz 1997:240; Councilof Europe 1999: 53). Hier wird deutlich, dass sich hinter den einstmals hohen Heiratsziffern in der DDR nicht unbedingt eine breite, im eigentlichen Sinne traditionelle familiale Orientierung verbarg. Vielmehr verliehen vielfältige instrumentelle Anreize der Ehe eine zusätzliche Attraktivität. Dass die Ehe bereits in der DDR eine wenig verbindliche Institution war, darauf deuten nicht nur die damals hohen Scheidungsziffern hin. Ebenfalls war die Verkopplung von Ehe und Elternschaft angesichts einer hohen Nichtehelichenquote bereits damals locker und ist es immer noch (Dorbritz 2000a: 252ff.). So weist vieles darauf hin, dass die Familie in Ostdeutschland eben nicht die kulturell traditionalere ist (Mayer 1996: 20), sondern sich stärker als in Westdeutschland im Umbruch befindet. Während in Westdeutschland mit der Geburt des ersten Kindes in der Regel die eher traditionelle Eltemehe als Lebensform gewählt wird (Strohmeier 1993), wird diese Option in Ostdeutschland bei Geburt des ersten Kindes in geringerem Ausmaß wahrgenommen.9 Es deutet also wenig daraufhin, dass in Ostdeutschland innerhalb des Familiensektors Tendenzen eines zunehmenden Rückgriffs auf traditionelle familiale Lebensformen zu erwarten sind, die in Westdeutschland als Grundlage von Familienerweiterungsprozessen zu betrachten sind. Daher ist zwar angesichts einer sich ankündigenden zunehmenden Kinderlosigkeit in Ostdeutschland ebenfalls mit einer Spaltung in einen Familien- und einen Nichtfamiliensektor zu rechnen. Diese Polarisierung wird jedoch weniger deutlich ausfallen, da auch innerhalb des Familiensektors ein höheres Ausmaß an Pluralisierung von Lebensformen zu erwarten ist. 94 Wo die Ehe innerhalb des Familiensektors nur eine Option bei der Wahl der Lebensform darstellt, reflektieren die bundesdeutschen familienpolitischen Rahmenbedingungen und Anreizstrukturen die soziale Realität der Familienbildungsprozesse in Ostdeutschland nur unzureichend und bieten so möglicherweise auch nur einen geringen Anreiz zur Familienerweiterung. Während die Zwei-Kind-Familie in der DDR deutlich weniger präsent war als in Westdeutschland, müssten jetzt eher Anzeichen einer im Vergleich zur Zeit vor der Wende gestiegenen Bereitschaft zur Geburt eines zweiten Kindes zu erkennen sein, um von einer Polarisierung familialer Lebensformen in Ostdeutschland sprechen zu können. Die Familienbildungsprozesse in Ostdeutschland seit 1990 sind so nicht nur im Lichte der verstärkten perspektivischen Unwägbarkeiten im Lebenslauf zu betrachten, sondern ebenfalls im Kontext eines Widerspruchs zwischen der institutionellen Ordnung, die eine Rückbindung der Frau an Ehe und Haushalt impliziert, und einem weiblichen Selbstverständnis, dem eine egalitäre Vorstellung der Rollenverteilung der Geschlechter zugrunde liegt (Abb. 2). Aus den vorangegangenen Erörterungen leiten sich nun eine Reihe von Hypothesen ab, die im Rahmen der folgenden empirischen Analysen geprüft werden sollen: 1. Angesichts der Relevanz eines „Institutioneneffektes", der im Zuge des Transformationsprozesses eine Verzögerung der Familiengründung im Lebenslauf ostdeutscher Frauen erkennen lässt (Sackmann 2000a), ist zu erwarten, dass sich auch der Prozess der Familienerweiterung zunehmend ins höhere Lebensalter ausdehnt. 2. Zu überprüfen ist die These eines kohortenförmig verlaufenden sozialen Wandels (Blossfeld 1990). Es ist anzunehmen, dass sich der historische Prozess der Wende in unterschiedlicher Weise auf das Zweitgeburtsverhalten der einzelnen Absolventinnenkohorten auswirkt. Es wird zu prüfen sein, ob besonders jene Absolventinnenkohorten, die den kritischen Übergang von der Ausbildung in den Beruf unter den Bedingungen des Umbruchs des ostdeutschen Institutionengefüges vollzogen haben, einen Rückgang der Zweitgeburtlichkeit gegenüber jenen Absolventinnenkohorten erkennen lassen, die ebenjene Statuspassage noch in der DDR vollzogen haben. 3. Weiterhin wird der Frage nachzugehen sein, ob und inwieweit die unterschiedlichen familienpolitischen Maßnahmen zur Regelung familienbedingter Unterbrechungen wie etwa das „Babyjahr" in der DDR und der Erziehungsurlaub im vereinten Deutschland für ostdeutsche Frauen einen Anreiz zur Familienerweiterung darstellen. Es ist dabei nicht zu erwarten, dass eine familienbedingte Unterbrechung nach der Wende in höherem Ausmaß als vor der Wende zur Geburt eines zweiten Kindes genutzt wird. 4. Da die familienpolitischen Rahmenbedingungen eine enge Verkopplung von Ehe und Elternschaft implizieren (Dorbritz; Fleischhacker 1995), haben verheiratete Frauen eine höhere Wahrscheinlichkeit der Geburt eines zweiten Kindes als nichtverheiratete Frauen. 4. Daten und Methode Die folgenden Analysen werden in erster Linie mit den Daten der Berufsverlaufsstudie Ostdeutschland durchgeführt, die im Rahmen des Projekts Transformation von Lebenslaufdynamiken des Sonderforschungsbereichs 186 Statuspassagen und Risikolagen im Lebensverlauf erhoben wurden. Im Zuge von drei Befragungswellen in den Jahren 1994, 1997 und 2000 wurden die Berufs- und Lebensverläufe von 3.783 Lehr- und 95


Hochschulabsolventen aus Leipzig und Rostock erhoben, die 1985, 1990 oder 1995 eine Berufsausbildung beendet haben. Es handelt sich hierbei um eine Zufallsstichprobe, deren Grundgesamtheit die Berufsabsolventen der entsprechenden Jahrgänge in Rostock und Leipzig sind. Inwieweit die hierbei gefundenen Ergebnisse für die Grundgesamtheit Ostdeutschlands verallgemeinerbar sind, bleibt Untersuchungen mit repräsentativen Datensätzen wie der entsprechenden Stichprobe des Familiensurveys überlassen (wobei erste von uns durchgeführte Vergleiche der beiden Datensätze nicht auf eine grundlegende Differenz zwischen dem Fertilitätsverhalten der Befragten der Berufsverlaufsstudie Ostdeutschland und des Familiensurveys hinweisen). Der Stichprobenzuschnitt der Berufsverlaufsstudie Ostdeutschland besitzt den Vorteil, aufgrund seines Kohortendesigns und seiner relativ hohen Fallzahlen in sozialstrukturell homogenen Gruppen (Lehr- und Hochschulabsolventen) die Mechanismen eines kohortenförmig verlaufenden sozialen Wandels darstellen zu können. Die Abschlusszeitpunkte der Absolventenkohorten sind dabei eng um den unmittelbaren Zeitraum vor, während und nach der Wende gruppiert: Die Absolventenkohorte 1985 hat Ausbildung und Berufseinstieg noch in der DDR vollzogen, die Absolventenkohorte 1990 hat ihre Ausbildung in der DDR begonnen, den Abschluss etwa zum Zeitpunkt der Wende gemacht und den Berufseinstieg in der kritischen Phase des strukturellen Umbruchs bewältigen müssen, während die Absolventenkohorte 1995 sowohl die Ausbildung als auch Abschluss und Berufseinstieg im Rahmen der gesamtdeutschen Institutionenordnung unter stabilisierten Rahmenbedingungen durchlaufen konnten. Es handelt sich hierum ein „quasi-experimentelles" Design: Der Einfluss des politischadministrativen Wandels auf die Formation von Lebensverläufen wird mittels kohortenvergleichender Analysen untersucht (Windzio 2000: 264ff.). Das den Analysen zugrunde liegende Sample umfasst jene 925 Frauen, die bereits mindestens ein Kind geboren haben. Für die Durchführung einer vergleichenden Analyse werden die im Auftrag des Deutschen Jugendinstituts (DJI) erhobenen Daten des Familiensurveys hinzugezogen.10 Vergleichbar der Struktur des Samples der Berufsverlaufsstudie Ost werden hier drei Absolventinnenkohorten aus Westdeutschland einbezogen, die ihre Ausbildung um die Jahre 1985, 1990 und 1995 abgeschlossen haben. Es werden hier jeweils fünf Jahrgänge zu einer Kohorte zusammengefasst, da andernfalls die Fallzahl zu gering ausfallen würde.11 In diese für Westdeutschland separat durchzuführende deskriptive Analyse mit dem Kaplan-Meier-Verfahren werden dadurch 571 Frauen aus Westdeutschland einbezogen, die mindestens ein Kind geboren haben (Abb. 5). Die methodische Umsetzung erfolgt hier mit den Mitteln der Ereignisanalyse. Der Übergang zur Geburt des zweiten Kindes wird zunächst deskriptiv mithilfe der Kaplan-Meier- Survivor-Funktion beschrieben. Für verschiedene Zeitpunkte, die sich innerhalb eines definierten Zeitintervalls befinden, wird der Anteil derjenigen geschätzt, die sich weiterhin in einem Ausgangszustand befinden, bzw. der Anteil derjenigen, bei denen zum jeweiligen Zeitpunkt bereits ein Ereignis stattgefunden hat (Biossfeld; Rohwer 1995:66ff.). Im nächsten Schritt werden einige multivariate Exponentialmodelle mit konstanter Übergangsrate geschätzt. Das Exponentialmodell impliziert zwar die Annahme einer im Zeitverlauf gleichbleibenden Wahrscheinlichkeit des Übergangs in einen Zielzustand, der Zeitabhängigkeit der Übergangswahrscheinlichkeit wird hier jedoch durch die Kontrolle des Einflusses zeitveränderlicher Kovariaten Rechnung getragen (Blossfeld; Rohwer Tab. 1: Variablendefinitionen Variable definitions Variable Ausprägung Bis 1986 Bis Ende 1986 (=1); Referenz: 1987-1989 (=0) 1990 Anfang 1990 bis Ende 1990 (=1); Referenz: 1987-1989 (=0) 1991/92 Anfang 1991 bis Ende 1992 (=1); Referenz: 1987-1989 (=0) 1993/94 Anfang 1993 bis Ende 1994 (=1); Referenz: 1987-1989 (=0) 1995/96 Anfang 1995 bis Ende 1996 (=1); Referenz: 1987-1989 (=0) 1997-1999 Anfang 1997 bis Ende 1999 (=1); Referenz: 1987-1989 (=0) Unverheiratet vor Frauen, die bei Geburt des ersten Kindes verheirate! waren (=1); oder bei Geburt Referenz: Frauen, die bei Geburt des ersten Kindes nicht verheiratet Kind 1 waren (=0) Dauer des Erziehungsurlaubs/der „Babypause" Zeitveränderliche Kovariate: Verbleibende Zeit innerhalb einer „Babypausen"- bzw. Erziehungsurlaubsphase bis zum Ablauf von 12 Monaten seit deren Beginn (in Monaten/ negative Werte) / Dauer einer „Babypausen"- bzw. Erziehungsurlaubsphase über den Zeitpunkt von 12 Monaten seit deren Beginn hinaus (in Monaten/ positive Werte) Verheiratet Familienstatus verheiratet (=1); Referenz: ledig (=0) Geschieden Familienstatus geschieden (=1); Referenz: ledig (=0) Hausfrau Frauen, die sich in einer Hausfrauenphase befinden (=1); Referenz: Frauen, die sich in einer Erwerbsphase befinden (=0) Arbeitslos Frauen, die sich in einer Arbeitslosigkeitsphase befinden (=1); Referenz: Frauen, die sich in einer Erwerbsphase befinden (=0) „Babypause" / Frauen, die sich in einer „Babypausen"- bzw. Erziehungsurlaub Erziehungsurlaubsphase befinden (=1); Referenz: Frauen, die sich in einer Erwerbsphase befinden (=0) Weitere Frauen, die sich in einer Ausbildungsphase nach der Ausbildung kohortendefinierenden Ausbildung befinden (=1); Referenz: Frauen, die sich in einer Erwerbsphase befinden (=0) Kohortendefinie- Frauen, die sich in jener Ausbildung befinden, deren rende Ausbildung Abschlussdatum die Kohortenzugehörigkeit definiert (=1); Referenz: Frauen, die sich in einer Erwerbsphase befinden (=0) 96 97


Tab. 1: Fortsetzung Continued Sonstiges Dauer der laufenden Erwerbstätigkeit Restkategorie von Frauen, deren Episoden kein Status zuzuordnen ist (=1); Referenz: Frauen, die sich in einer Erwerbsphase befinden (=0) Zeitveränderliche Kovariate: bisherige Dauer einer Erwerbsepisode in Monaten Absolventinnen- Frauen, die 1990 ihre Berufsausbildung absolviert haben (=1); kohorte 90 Referenz: Frauen, die 1985 ihre Ausbildung absolviert haben (=0) Absolventinnen- Frauen, die 1995 ihre Berufsausbildung absolviert haben (=1); kohorte 95 Referenz: Frauen, die 1985 ihre Ausbildung absolviert haben (=0) Jünger als 25 Zeitveränderliche Kovariate: Frauen im Alter bis zu 24 Jahren (=1); Jahre Referenz: Frauen im Alter von 25-29 Jahren (=0) 30 Jahre bis 34 • Zeitveränderliche Kovariate: Frauen im Alter von 30 bis 34 Jahren jähre (=1); Referenz: Frauen im Alter von 25-29 Jahren (=0) 35 Jahre und älter Zeitveränderliche Kovariate: Frauen im Alter von 35 Jahren und älter (=1); Referenz: Frauen im Alter von 25-29 Jahren (=0) Wohnort Westdeutschland Wohnort Ausland Zeitveränderliche Kovariate: ostdeutsche Frauen mit Wohnort in Westdeutschland (=1); Referenz: ostdeutsche Frauen mit Wohnort in Ostdeutschland Zeitveränderliche Kovariate: ostdeutsche Frauen mit Wohnort im Ausland (=1); Referenz: ostdeutsche Frauen mit Wohnort in Ostdeutschland Lehre Frauen, die eine Lehrausbildung absolviert haben (=1); Referenz: Universitätsabsolventinnen (=0) 1995: 120ff.). Die mit der Einbeziehung zeitveränderlicher Kovariablen verbundenen Kausalannahmen lassen es im Gegensatz zu dem rein deskriptiven Kap/an-Me/er-Verfahren angebracht erscheinen, den Ereigniszeitpunkt vorzuverlegen. Die Prozesszeit beginnt mit dem Zeitpunkt der Geburt des ersten Kindes und endet entweder zum Zeitpunkt neun Monate vor Geburt des zweiten Kindes oder aber zum Befragungszeitpunkt. Der Entscheidung für diese Definition liegt der Gedanke zu Grunde, dass weniger die zum Zeitpunkt der Geburt vorherrschenden Bedingungen als vielmehr jene Bedingungen, die zum anzunehmenden Zeitpunkt der Geburtsentscheidung bestehen, für die Übergangswahrscheinlichkeit zur Geburt des zweiten Kindes relevant sind.12 Mithilfe des Episodensplittings wird der Beobachtungszeitraum in Intervalle von sechs Monaten unterteilt. In diesen Halbjahres-Episoden sind nun als zeitveränderliche Variablen die Informationen zu den Merkmalen Alter, Erwerbsstatus, bisherige Dauer einer Erwerbstätigkeit, bisherige Dauer einer familienbedingten Unterbrechung, Familienstand, Wohnort, Kalenderzeit sowie als zeitkonstante Variablen die Kohortenzugehörigkeit und die Art des Ausbildungsabschlusses enthalten (Tab. 1). 98 In einem dritten Auswertungsschritt wird, wiederum mithilfe des deskriptiven Kaplan- Me/er-Verfahrens, der Versuch einer prospektiven Einschätzung des Zweitgeburtsverhaltens der drei Absolventinnenkohorten unternommen. Im Zuge der dritten Erhebungswelle der Berufsverlaufsstudie Ost wurde auch die Frage gestellt, ob und wann die Befragten ein (weiteres) Kind zu bekommen beabsichtigen. Mit Hilfe dieser Angaben wurde für diejenigen, die zwar noch keine zweiten Kinder bekommen hatten, dies in Zukunft jedoch beabsichtigen, ein den Angaben entsprechendes Geburtsdatum eines zukünftigen zweiten Kindes festgelegt. Diese Angaben wurden mit den Daten der bislang realisierten Zweitgeburten verknüpft, um so eine vorsichtige Einschätzung der künftigen Häufigkeit der Geburt zweiter Kinder vornehmen zu können (Abb. 7). Trotz aller angebrachten Vorsicht lassen Befunde von Liefbroer (1999) dieses Vorgehen gerechtfertigt erscheinen. Mithilfe von Paneldaten hat er einen engen Zusammenhang zwischen den von den Befragten geäußerten Absichten über das Timing von Geburtsentscheidungen und dem tatsächlichen Vollzug festgestellt. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Ereignis tatsächlich innerhalb des angegebenen Zeitraums stattfindet, sinkt dabei allerdings mit der Länge des von dem Befragten angegebenen Zeitintervalls (Liefbroer 1999:10). 5. Ergebnisse 5.1 Perioden-, Alters- und Kohortenbetrachtung Anhand einer Reihe von Kap/an-Me/er-Schätzungen sollen zunächst einmal einige zentrale Gesichtspunkte des Wandels der Fertilitätsentwicklung und des Übergangs zur Geburt des zweiten Kindes im Zuge des Transformationsprozesses veranschaulicht werden. Betrachtet man sich die Altersstrukturierung des Zweitgeburtsprozesses, so lassen sich keine signifikanten Unterschiede im Kohortenvergleich erkennen (Abb. 3). Der Graph der Absolventinnenkohorte 1985 zeigt, dass etwa 34% der Frauen mit einem Kind bereits vor dem 30. Lebensjahr ein zweites Kind bekommen. Danach erfolgen nur noch wenige Zweitgeburten. Die Verläufe der Graphen der Kohorten 1990 und 1995 sind mit dem Verlauf der Kohorte 1985 bis zum Alter von 30 bzw. 33 Jahren nahezu identisch. Die Anhebung des Erstgeburtsalters, wie sie an anderer Stelle bereits nachgewiesen wurde (u.a. Sackmann 2000a), lässt also nicht zwangsläufig auf eine Ausdehnung auch der Familienerweiterung im Lebenslauf schließen. Diese Persistenz von Lebensverlaufsmustern bei der Geburt von zweiten Kindern trotz eines deutlichen Wandels bei den Erstgeburten zeigt sich auch in den Abständen zwischen der Erstund der Zweitgeburt. Die beiden älteren Kohorten der Absolventinnen der Jahrgänge 1985 und 1990 weisen noch sehr große Abstände zwischen den Geburten auf: Fünf Jahre nach der Geburt des ersten Kindes haben etwa 37% der Mütter ein zweites Kind geboren. Kleinere Kohortenunterschiede zeigen sich fünf Jahre nach der Geburt des ersten Kindes, wo die Absolventinnen des Jahrgang 1990 eine größere Bereitschaft zur Familienerweiterung haben als die Absolventinnen von 1985 (Abb. 4). Bemerkenswert ist nun, dass die Frauen der Absolventinnenkohorte 1995, ähnlich wie die westdeutschen Frauen (Abb. 5), bereits etwa vier Jahre nach der Geburt des ersten Kindes zu einem Anteil von etwa 43% ein zweites Kind zur Welt gebracht haben. Hier ist also eine Annäherung an westdeutsche Familienbildungsmuster in dem Sinne zu erkennen, dass die Geburtsereignisse im Lebenslauf zusammenrücken. 99


Abb. 3: Zweitgeburten nach Absolventenkohorten (Frauen in Ostdeutschland) Fig. 3: Second births by graduate cohorts (women in Eastern Germany) Zweitgeburten in % der Frauen mit Erstgeburten 60 Abb. 5: Abstand zwischen Erst- und Zweitgeburten (Frauen in Westdeutschland) Fig. 5: Intervall between first and second births (women in Western Germany) Zweitgeburten in % der Frauen mit Erstgeburten 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 Alter in Jahren Datenquelle: Berufsverlaufsstudie Ostdeutschland, eigene Berechnungen Abb. 4: Abstand zwischen Erst- und Zweitgeburt (Frauen in Ostdeutschland) Fig. 4: Intervall between first and second births (women in Eastern Germany) 10 - _^^^K9= 0 12 24 Datenquelle: Familiensurvey, eigene Berechnungen 36 48 Dauer in Monaten Zweitgeburten in % der Frauen mit Erstgeburten 60 50 - 40 - 30 - 20 - 10 - 0 12 24 36 48 Dauer in Monaten Datenquelle: Berufsverlaufsstudie Ostdeutschland, eigene Berechnungen 100 Absolventenkohorte 1990 60 72 84 Um erste Schlussfolgerungen über den Einfluss der Wende auf das Verhalten zur Geburt zweiter Kinder der drei Absolventinnenkohorten zu gewinnen, bietet es sich an, die Häufigkeit zweiter Geburten im historischen Kontext zu analysieren und die bisherigen Ergebnisse in einen breiteren Rahmen einzubetten (Abb. 6).'3 Die beschriebene Ähnlichkeit der Abstände zwischen der Erst- und der Zweitgeburt bei den Absolventinnenkohorten 1985 und 1990 erscheint hier in einem neuen Licht (Abb. 4). Die Geburt zweiter Kinder der Absolventinnenkohorte 1985 setzt kurz vor der Wende ein. Es ist davon auszugehen, dass der Prozess im unmittelbaren weiteren Verlauf durch den Umbruch mitbestimmt ist. Zu dieser Vermutung gibt der flache Verlauf des Graphen der Absolventinnenkohorte 1985 Anlass. Hier kann man eine Verzögerung und auch eine Vermeidung von Zweitgeburten angesichts der Verwerfungen im Zuge des Systemwechsels unterstellen. Obwohl der Abstand zwischen Erst- und Zweitgeburt der Absolventinnenkohorte 1990 dem der Absolventinnenkohorte 1985 ähnlich ist (Abb. 4), soll dieses Ergebnis doch differenziert bewertet werden. Die Absolventinnenkohorte 1990 musste als erste ihre Berufseinmündung unter gesamtdeutschen Rahmenbedingungen vornehmen und zwar zu Beginn der Phase, die als Umbruch bezeichnet wird und die von erheblichen Verunsicherungen geprägt war. Das vorliegende Ergebnis legt nun den Schluss nahe, dass der späte Beginn der Familienerweiterung bei der Absolventinnenkohorte 1990 eben diesen Verunsicherungen geschuldet ist, denn erst ab etwa Ende 1993, also dem Zeitpunkt, an dem von einer Stabilisierung der Rahmenbedingungen 101


l Abb. 6: Zweitgeburten nach Absolventenkohorten (Frauen in Ostdeutschland) Fig. 6: Second births by graduate cohorts (women in Eastern Germany) Zweitgeburten in % der Erstgeburten 45 40 Tab. 2: Bestimmungsfaktoren der Zweitgeburtswahrscheinlichkeit ostdeutscher Frauen (Exponentialmodell) Determining factors in the second-birth probability of Eastern German women (exponential model) Übergangsrate/Konstante Modell 1 -4,5623 •" Modell 2 -4,2835 — Modell 3 -4,2331 "" 35 30 25 Erwerbstätig Hausfrau Arbeitslos Babypause/Erziehungsurlaub Weitere Ausbildung Kohortendefinierende Ausbildung Sonstiges Referenz 6,27% n.s. -45,16%" -61.17% — 1,61 %n.s. -58.70 % — 1,18% n.s. Referenz 21 .32% n.s. -40,41 % • -62,25 % "• 11, 76% n.s. -58,34 % — -10,65 % n.s. Referenz 16,92% n.s. -30,21 % n.s. -68,23 % — 25.11 %n.s. -66.51 % — -1.60% n.s. 20 15 10 1985 1987 1989 1991 1993 Kalenderjahre Datenquelle: Benjfsverlaufsstudie Ostdeutschland, eigene Berechnungen Absolventenkohorte 1995 1995 1997 1999 auszugehen ist, bekommen diese Frauen ihr zweites Kind. Bei der Absolventinnenkohorte 1995 steigt die Wahrscheinlichkeit der Geburt zweiter Kinder im Vergleich zu den anderen Absolventinnenkohorten deutlich rascher an. Allerdings lässt sich diese Entwicklung noch nicht abschließend beurteilen, da die Angehörigen der Absolventinnenkohorte 1995 mit einem Durchschnittsalter von 28 Jahren zum Zeitpunkt der Befragung im Jahre 2000 noch vergleichsweise jung sind. Die Absolventinnenkohorte 1990 hat hingegen ein Durchschnittsalter von 30 Jahren, die Absolventinnenkohorte 1985 von 35 Jahren. In der Absolventinnenkohorte 1995 wird eine größere Anzahl von Zweitgeburten möglicherweise erst noch erfolgen. 5.2 Multivariate Analysen Im Rahmen der multivariaten Analyse werden drei Exponentialmodelle geschätzt. Der Beobachtungszeitraum beginnt mit der Geburt des ersten Kindes und endet entweder zum Zeitpunkt neun Monate vor Geburt des zweiten Kindes oder aber zum Befragungszeitpunkt (siehe 4.). Modell 2 unterscheidet sich von Modell 1 durch die zusätzliche Kontrolle der Periodeneinflüsse. So kann einerseits der Einfluss des Transformationsprozesses auf das Zweitgeburtsverhalten erfasst werden, andererseits wird so auch geprüft, inwieweit sich die Effekte in Modell 1 als robust erweisen. Da es bei der in Modell 2 angewandten Modellierung als unwahrscheinlich zu erachten ist, dass die Absolventinnen des Jahrgangs 1995 bei den Dummy-Variablen, die den Zeitraum bis 102 Dauer der laufenden Erwerbstätigkeit Dauer des Erziehungsurlaubs/der „Babypause" Unverheiratet vor oder bei Geburt Kind 1 Verheiratet vor oder bei Geburt Kind 1 Ledig Verheiratet Geschieden Studium Lehre Wohnort Ostdeutschland Wohnort Westdeutschland Wohnort Ausland Absolventinnenkohorte 1985 Absolventinnenkohorte 1990 Absolventinnenkohorte 1995 Jünger als 25 Jahre 25 Jahre bis 29 Jahre 30 Jahre bis 34 Jahre 35 Jahre und älter Bis 1986 1987-1989 1990 1991/92 1993/94 1995/96 1997-1999 Log-Likelihood Anzahl der Episoden Anzahl der Ereignisse (ungewichtet) Anzahl der Ereignisse (gewichlet) Anzahl der Personen n.s. = nicht signifikant • = signifikant auf 1 0 %-Niveau "" = signifikant auf 5 %-Niveau *" = signifikant auf 1 %-Niveau -1,29% — 7,63 % — Referenz -13,20% n.s. Referenz 72,74 % — -35,05 % n.s. Referenz -50,92 % •" Referenz 78,37 % — 41,10% n.s. Referenz -5,84 % n.s. -35,21 % n.s. 26,99 % ' Referenz -36,35 % " -67,92 % n.s. -1783,86 9418 391 296 925 -1.23%'" 5,73 % *" Referenz -17,68% n.s. Referenz 100,77 % — -31,24% n.s. Referenz -44.32 %— Referenz 70,72 % — 44,81 % n.s. Referenz 4,81 % n.s. 45.94 % n.s. 4.59 % n.s. Referenz -38,39 % " -65,70 % n.s. -22,42 % n.s. Referenz -18,49 % n.s. -56,52 % "' -45,20 % " -22,24 % n.s. -40,84 % ' -1733.37 10394 391 296 925 Datenquelle: Sonderforschungsbereich 186, Berufsvertaufsstudie Ostdeutschland; eigene Berechnungen 4,16 % • -1,04 % " Referenz -9,12 % n.s. Referenz 88,69 % — -77,42 % ' Referenz -50,72 % — Referenz 109,37% — 239,22 n.s. Referenz 12.90 % n.s. 6,56 % n.s. Referenz -41,45 % ' -57,65 % n.s. -12,39 % n.s. Referenz -14,93 % n.s. -57,54 % '" -45,74 % " -28.62 % n.s. -59,19%" -1395,49 8898 339 238 721 103


1994 erfassen, die Ausprägung eins erhalten, werden diese Frauen in Modell 3 aus der Analyse ausgeschlossen. Mögliche Verzerrungen der Modellierung können so eingegrenzt und offen gelegt werden (Tab. 2). Bei der Betrachtung der Ergebnisse sollen zunächst die Muster der Abstimmung von Familien- und Erwerbsphasen in den Mittelpunkt gerückt werden. Die in Modell 1 im Vergleich zur Erwerbstätigkeit auf vielen Statuspositionen niedrigere Bereitschaft zur Geburt zweiter Kinder lässt erkennen, dass die Entscheidung zur Geburt eines zweiten Kindes bislang noch am ehesten innerhalb von Erwerbsphasen getroffen wird. Die Bereitschaft zur Geburt eines zweiten Kindes nimmt jedoch mit der zunehmenden Dauer einer Erwerbstätigkeit ab. Hier ist ein Anstieg der Kosten eines Ausstiegs aus einer länger währenden Erwerbs- bzw. Berufstätigkeit zu vermuten. Besonders während einer „Babypause" oder eines Erziehungsurlaubs herrscht im Vergleich zu einer Erwerbstätigkeitsphase eine zwischen etwa 61% und 68% niedrigere Bereitschaft zur Geburt eines zweiten Kindes. Allerdings zeigt in den Modellen 1 und 2 der Effekt der Dauer einer „Babypause" bzw. eines Erziehungsurlaubs, dass mit der zunehmenden Dauer einer institutionell legitimierten Erwerbsunterbrechung über den Zeitraum von 12 Monaten hinaus eine mit jedem weiteren Monat um bis zu etwa 8 % steigende Bereitschaft zur Geburt von zweiten Kindern verbunden ist. Eine institutionell legitimierte Erwerbsunterbrechung, die deutlich über 12 Monate hinausgeht, wurde erst mit der Verlängerung des Erziehungsurlaubes auf 36 Monate im Jahre 1992 möglich. Es wird hier also deutlich, dass auch ostdeutsche Frauen mittlerweile längere Erwerbsunterbrechungen vornehmen und diese zur Geburt zweiter Kinder nutzen (Falk; Schaeper 2001). Allerdings ist davon auszugehen, dass diese Entwicklung in erster Linie die Absolventinnenkohorte 1995 betrifft. Schließt man nämlich diese wie in Modell 3 aus der Analyse aus, so erkennt man nur noch einen schwächer ausgeprägten Effekt in umgekehrter Richtung. Die Bedeutung der Ehe für die Familienbildung im Allgemeinen und die Geburt zweiter Kinder im Besonderen lässt sich anhand der beiden Variablen zum Familienstand beurteilen. Der Familienstatus vor oder bei Geburt des ersten Kindes kann als Indikator dafür betrachtet werden, welche Bedeutung die Ehe bei der Wahl der Lebensform mit Kindern hat. Dieser Effekt ist erstaunlicherweise in allen Modellen eher schwach ausgeprägt und nicht signifikant, seine - negative - Richtung deutet an, dass der Eheschließung vor der Geburt des ersten Kindes in Ostdeutschland eine geringe Bedeutung beikommt. Die Geburt zweiter Kinder ist jedoch eng an die Ehe geknüpft: Verheiratete ostdeutsche Frauen haben eine zwischen 73% und 101% höhere Wahrscheinlichkeit der Geburt eines zweiten Kindes als ledige ostdeutsche Frauen. Die hier beschriebenen Effekte erweisen sich über die verschiedenen Modellierungen hinweg als stabil. Die zusätzliche Kontrolle der Periodeneinflüsse in den Modellen 2 und 3 bestätigt die Ergebnisse des ersten Modells weitestgehend. In Modell 2 lassen die Periodeneffekte eine signifikant niedrigere Neigung zur Familienerweiterung von etwa 57% bzw. 45% in den Jahren 1991 bis 1994 gegenüber dem Zeitraum zwischen 1987 und 1989 erkennen. Darüber hinaus ist lediglich noch ein schwach signifikanter negativer Effekt für die Jahre 1997-1999 zu identifizieren. Dieser Effekt ist allerdings in Modell 3, in dem die 104 Absolventinnenkohorte 1995 ausgeschlossen wurde, stärker ausgeprägt. Der Vergleich der Modelle 2 und 3 lässt vermuten, dass es ab 1997 in erster Linie die Frauen des Abschlussjahrgangs 1995 sind, die zur Geburt eines zweiten Kindes bereit sind. Nicht unerwähnt bleiben sollte, dass die Prozesse der Familienerweiterung auch durch sozialstrukturelle Faktoren mitbestimmt erscheinen. Die Höhe des Ausbildungsniveaus übt einen deutlichen Einfluss auf die Bereitschaft zur Geburt eines zweiten Kindes aus Lehrabsolventinnen weisen eine zwischen etwa 44% bzw. 51% niedrigere Zweitgeburtsneigung gegenüber Hochschulabsolventinnen auf. Zudem erweist es sich als notwendig, den Einfluss des Wohnortes zu kontrollieren denn jene ostdeutschen Frauen, die ihren Lebensmittelpunkt nach Westdeutschland verlegt haben, weisen im Gegensatz zu jenen Frauen, die in Ostdeutschland verblieben sind, eine bis zu 109% höhere Zweitgeburtsneigung auf. 5.3 Projektion Anhand des Geburtenrückgangs in Ostdeutschland im Zuge der Wende lässt sich beispielhaft zeigen, wie anfällig die Einschätzung einer demographischen Entwicklung ist, wenn diese lediglich auf der Grundlage von Aggregatdaten vorgenommen wird. Im Rahmen eines raschen sozialen Wandels sind zentrale demographische Maßzahlen wie etwa die zusammengefassten Geburtenziffern, die ja auch eine Prognose der künftigen Fertilitätsentwicklung implizieren, ungeeignet, den sich abzeichnenden Wandel von Familienbildungsprozessen adäquat zu erfassen.14 Vielversprechender erscheint dahingegen eine Projektion auf der Grundlage zeitabhängiger Individualdaten. Grundlage der folgenden Projektion sind daher die Angaben der Frauen über das Ob und Wann beabsichtigter (weiterer) Geburten. In Abbildung 7 werden die Geburtenkurven der drei Absolventinnenkohorten entsprechend der Annahme dargestellt, dass die Frauen ihre beabsichtigten Geburten tatsächlich realisieren. Es bietet sich an, das vorliegende Ergebnis der Kap/an-Me/er-Schätzung des Übergangs zur Geburt des zweiten Kindes in Abhängigkeit vom Alter mit der entsprechenden Analyse aufgrund der bislang tatsächlich vollzogenen Zweitgeburten zu vergleichen (siehe Abb. 3). Es zeigt sich, dass sich der Verlauf der Graphen der Absolventinnenkohorte 1985 gegenüber der ursprünglichen Analyse nicht verändert hat. Die Familienbildung dieser Absolventinnenkohorte ist somit als beendet zu betrachten. Die Absolventinnenkohorte 1990 hingegen wird dieser Analyse zufolge noch eine Reihe zweiter Kinder bekommen. Auch deutet sich hier eine Steigerung des Zweitgeburtsniveaus gegenüber der Absolventinnenkohorte 1985 an. Die deutlichsten Veränderungen weisen die Absolventinnen des Jahrgangs 1995 auf. Wie bereits die Absolventinnenkohorte 1990 auch über das 30. Lebensjahr hinaus eine hohe Bereitschaft zur Geburt zweiter Kinder erkennen lässt, so kündigt sich auch hier, entgegen der bisherigen Einschätzung, eine Ausdehnung des gesamten Familienbildungsprozesses im Lebensverlauf an. Zudem ist hier eine weitere deutliche Steigerung des Zweitgeburtsniveaus wahrscheinlich. Die Abbildung 7 zugrunde liegenden Daten sind mit großer Vorsicht zu betrachten. Es ist hier hervorzuheben, dass sich in der vorliegenden Analyse lediglich eine (allerdings beachtenswerte) Neigung zu einem Handeln erkennen lässt, nicht ein Handeln selbst. So geht mit diesem Verfahren normalerweise eine gewisse Überschätzung der Geburten- 105


Abb. 7: Alter bei Geburt des zweiten Kindes (realisierte und beabsichtigte Geburten) Fig. 7: Age at birth of second child (actual and intended births) Zweitgeburten in % der Erstgeburten 80 70 60 50 40 30 20 10 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 Alter in Jahren Datenquelle: Berufsverlaulsstudie Ostdeutschland, eigene Berechnungen entwicklung einher. Entsprechenden Untersuchungen zufolge nimmt die Wahrscheinlichkeit, dass eine Geburt tatsächlich „pünktlich" zu dem von den Befragten angegebenen Zeitpunkt stattfindet, mit der Größe des angegebenen Zeitintervalls bis zur beabsichtigten Geburt ab. Der Anteil derjenigen, die zum beabsichtigten Zeitpunkt oder früher ein erstes Kind zur Welt bringen, bewegt sich z.B. zwischen etwa 67% bei einem Intervall von einem Jahr und etwa 40% bei einem Intervall von vier Jahren (Liefbroer 1999:19ff.). 6. Resümee und Ausblick Mildem Begriff der Transformation wird ein rascher sozialer Wandel beschrieben, derauf individueller Ebene eine „Neuaneignung von Kultur unter entfremdeter Perspektive" zur Folge hat (Weymann 2000: 37). So erscheint es auch angemessen, die Geburtenentwicklung in Ostdeutschland nach der Wende als Folge eines „Schocks" zu beschreiben (Zapf; Mau 1994), denn die ostdeutsche Bevölkerung war angesichts des Zusammenbruchs der DDR und der mit ihr verbundenen Institutionen zu einer Neuorientierung bei der Verknüpfung zentraler Lebensphasen und Lebensbereiche gezwungen. Der Geburtenrückgang nach der Wende ist nicht allein der rückläufigen und verzögerten Erstgeburtsneigung geschuldet. Auch im Bereich der Familienerweiterung wurde mit Zurückhaltung reagiert. Der Einbruch bei den Zweitgeburten nach der Wende, wie ihn 106 auch Klein (1996) und Hüllen (1998) festgestellt haben, ist allerdings nur in der Zeit zwischen November 1991 und etwa 1994, also jener historische Umbruchsphase die m als „Fenster der Gelegenheiten" bezeichnet, besonders ausgeprägt. Hier waren'die Gele genheitsstrukturen einem grundlegenden Wandel unterworfen (Windzio; Rasztar 2000- Diewald et al. 2000). Dabei ist ein Zusammenwirken von Perioden- und Kohorteneffekte zu beobachten. Der Systemwechsel beeinflusste entgegen der ursprünglichen Annahme in erster Linie die Familienerweiterung sowohl jener Frauen, die ihre Berufseinmündunq noch in der DDR vollzogen haben, als auch derer, die inmitten des krisenhaften Umbruchs dieser Statuspassage gegenüberstanden. Hier wurden langfristig bindende Entscheidun gen wie die für die Geburt eines zweiten Kindes vermieden oder aufgeschoben (6/ra 1991; Klein et al. 1996). Während die Absolventinnen des Jahrgangs 1985 sich jedoch auch langfristig zurückhaltend verhielten, nahmen die Frauen des Abschlussjahrgangs 1990 ab 1994 ihre Familienbildung wieder auf und setzen sie im Gegensatz zur Absolventinnenkohorte 1985 bis heute fort. Die Jüngeren werden wohl ein höheres Geburtenniveau erreichen als die Älteren. Deutlicher noch wird dies voraussichtlich bei den Absolventinnen des Jahrgangs 1995, die in kürzerem Abstand nach Ende der Ausbildung im Vergleich zu den vorangegangenen Kohorten mit der Geburt zweiter Kinder begannen. Ein Bedeutungszuwachs der Zwei-Kind-Familie in Ostdeutschland im Sinne der Polarisierungsthese wäre so absehbar. Damit würde die demographische Entwicklung in Ostdeutschland Anzeichen einer Annäherung an westdeutsche Familienbildungsmuster erkennen lassen. Allerdings dürfen zu einer eingehenden Beurteilung dieses sozialen Wandels weitere wesentliche Aspekte der Einbettung von Zweitgeburten in den Lebensverlauf nicht außer Acht gelassen werden. Hier steht die Abstimmung von Erwerbs- und Familienphasen im Vordergrund, die Auskunft darüber geben soll, inwieweit ostdeutsche Frauen bereit sind, ihre Familienbildung entlang einer eher traditionellen Geschlechterordnung, wie sie den familienpolitischen Regelungen etwa des Erziehungsurlaubs innewohnt, auszurichten. Augenfällig ist zunächst einmal, dass der Erziehungsurlaub nur einen geringfügigen Anreiz zur Geburt eines zweiten Kindes darstellt. Die Entscheidung zur Geburt eines zweiten Kindes wird am ehesten in Erwerbsphasen getroffen. Damit ließen sich auch die im Vergleich zu westdeutschen Frauen größeren Abstände zwischen der Geburt des ersten und zweiten Kindes erklären. Durch den Einschub von Erwerbsphasen vergrößert sich der Zeitraum zwischen den Geburtsereignissen. Einer langfristigen Anbindung an den Haushalt entziehen sich ostdeutsche Frauen also noch weitgehend, so dass man bislang nur von einer beschränkten Re-Traditionalisierung des Familiensektors sprechen kann. Lediglich bei der Absolventinnenkohorte 1995 deutet sich eine Verkürzung des Abstandes zwischen Erst- und Zweitgeburt an. Langfristige Veränderungen bei der Abstimmung von Erwerbs- und Familienphasen wären somit denkbar, denn es zeigt sich auch, dass bei einer länger andauernden Erziehungsurlaubsphase mit einer steigenden Bereitschaft zur Geburt eines zweiten Kindes zu rechnen ist. Wie auch hier deutlich wird, geht der soziale Wandel auf den verschiedenen Ebenen gesellschaftlichen Handelns in unterschiedlichem Tempo voran. Dem raschen Wandel der institutionellen Rahmenbedingungen auf der Makroebene folgt der Wandel von Lebensverläufen auf individueller Ebene mit deutlicher Verzögerung. Wo die den „formellen Institutionen inhärenten kulturellen Konstruktionen mit den informellen, kulturellen Institutionen" nicht im Einklang stehen, ist von einem längerfristig wirksamen 107


„cultural lag" auszugehen (Falk; Schaeper 2001: 186). So sind auch im Bereich, der Familienerweiterung lediglich Tendenzen einer Veränderung der Bevölkerungsweise in Ostdeutschland zu beobachten, die eine tatsächliche Annäherung an westdeutsche Familienbildungsmuster nur auf längere Sicht hin wahrscheinlich erscheinen lassen. Berücksichtigt man allerdings jüngste Forschungen, so wird deutlich,, dass auch Annäherungstendenzen in umgekehrter Richtung zu beobachten sind, wie etwa bei der Abstimmung von Erwerbs- und Familienarbeit. So bestätigen Analysen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, dass sich die Erwerbsneigung westdeutscher Frauen in den vergangenen Jahren deutlich erhöht hat. Sowohl bei ost- als auch bei westdeutschen Frauen wird eine zunehmende Präferenz für ein Modell festgestellt, innerhalb dessen ein Partner vollzeitlich, der andere teilzeitlich arbeitet (Engelbrech; Jungkunst 2001). Zudem unterliegt die institutionelle Ordnung einem Wandel, der in nicht unerheblicher Weise auch auf spezifisch ostdeutsche Präferenzen und Orientierungen rekurriert. Die ab dem Jahre 2001 gültige Erziehungsurlaubsregelung honoriert einen raschen Wiedereinstieg in die Erwerbstätigkeit und verringert mit der Etablierung des Rechtsanspruchs auf Arbeitszeitreduzierung das Gewicht der Option Nicht-Erwerbstätigkeit nach dem Erziehungsurlaub (Koch 2000). Damit wird in Ostdeutschland weiterhin relevanten und in Westdeutschland zunehmend an Bedeutung gewinnenden Vorstellungen auch institutionell Rechnung getragen. Welche Auswirkungen diese institutionellen Veränderungen auf ost- und westdeutsche Familienerweiterungsprozesse haben werden, dies stellt eine offene Forschungsfrage dar. Anmerkungen ' Dabei handelt es sich allerdings um eine Einschätzung der zukünftigen Entwicklung, die Dorbritz aus den gewandelten Einstellungen und Verhaltensdispositionen der jüngeren Geburtsjahrgänge herleitet. Eine gültige Aussage über die tatsächliche Kinderlosigkeit in diesen Kohorten lässt sich anhand der demographischen Daten bislang nicht treffen, da diese das Ende ihrer Fertilitätsphase noch nicht erreicht haben (Dorbritz 1997). 2 Die krisenhaften Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt brachten besonders für Frauen ein bis dahin unbekanntes Ausmatt an Benachteiligung mit sich (Diewald et al. 1995:15f.; Sackmann; Wingens 1996: 20f; Ge/ß/er2000: 28; Kreyenfeld 2000:173; Sackmann 2000: 249f.). 3 Damit soll allerdings nicht gesagt sein, dass der nicht-instrumentelle, psychische Nutzen von Kindern und Familie für die Menschen in der DDR einen geringen Stellenwert hatte. Eher im Gegenteil bildete die Familie einen zentralen Bezugspunkt im Leben, an dem eine Vielzahl anderer Entscheidungen im Lebenslauf ausgerichtet wurden (Huinink; Wagner 1995: 151; Wingens 2000:194). * Während Cromm diese homogene Verteilung der Kinderzahl in der DDR jedoch als eine gesellschaftliche Norm bezeichnet (Cromm 1998: 546), wird hier mit Mayer eine Erklärung im Sinne der Lebensverlaufsforschung angestrebt, die sozialstrukturelle Erscheinungsformen als .Ergebnis des Handelns von sozial definierten Gruppen von Akteuren unter angebbaren, sich verändernden gesellschaftlichen Rahmenbedingungen" begreift (Mayer1990:10), womit gleichsam die Perspektive des „methodologischen Individualismus" wiedergegeben wird, auf dessen Grundlage die Theorien rationaler Wahl aufbauen (u.a. Opp 1983). 5 Verwiesen sei hier auf die Untersuchungen von Klein et al. (1996) und Hüllen (1998). Hüllen wies für ostdeutsche Frauen eine niedrigere Zweitgeburtswahrscheinlichkeit nach, ohne diesen Effekt jedoch schlüssig erklären zu können. Hinzu kommt, dass seine Untersuchung lediglich ein sehr kurzes Beobachtungsfenster für die Zeit nach der Wende aufweist. Ähnliches gilt für die Untersuchung von Klein et al.. Die Autoren erkennen bei den Zweitgeburten eine noch stärkere Reduktion als bei den Erstgeburten. Als ursächlich für diese Entwicklung betrachten die Autoren die allgemeinen Verunsicherungen im Zuge der Wende. Wie bei Hüllen gilt auch hier, 108 dass die Analyse nur ein sehr kleines Beobachtungsfenster für die Zeit nach der Wende aufweist, nämlich jene Jahre bis 1994. Die Phase der Stabilisierung, die erst ab 1994 einzusetzen begann (Sackmann 2000a), ist in beide genannten Untersuchungen nicht einbezogen. 6 Die Regelungen des Erziehungsurlaubs sehen zwar die Möglichkeit vor, dass auch Männer den Erziehungsurlaub wahrnehmen können. In der Regel jedoch sind es weiterhin die Frauen, die ihn tatsächlich nehmen. So waren 1998 von 416.070 abhängig Beschäftigten (Ost- und Westdeutschland) im Erziehungsurlaub nur 7.730, also 1,86%, männlich (Statistisches Bundesamt 2000:460). 7 Dass die hohe Erwerbsorientierung ostdeutscher Frauen nicht allein ökonomischer Notwendigkeit geschuldet ist. sondern als Indiz für eine egalitäre Geschlechterkultur aufgefasst werden kann, dafür sprechen Ergebnisse der Untersuchung von Falk und Schaeper (2001). Hier tritt die im Vergleich zu westdeutschen Frauen signifikant größere Bedeutung der Berufstätigkeit für das Selbstverständnis ostdeutscher Frauen deutlich zu Tage. 8 Dies betrifft Ostdeutschland allerdings in geringerem Ausmatt, da dort weiterhin ein höheres Ausmatt entsprechender Kapazitäten vorgehalten wird (Kreyenfeld; Hank 2000:321). 9 Wagner und Franzmann stellen bei den Haushalten mit Kindern in Ostdeutschland für das Jahr 1996 eine starke Verbreitung nichtehelicher Lebensgemeinschaften fest, während in Westdeutschland deutlich mehr Ehepaare mit Kindern zu finden sind (Wagner; Franzmann 2000:162). 10 Um eine bessere Vergleichbarkeit zwischen den Daten der Berufsverläufsstudie Ostdeutschland und dem Familiensurvey zu erreichen (und damit auch einen ersten Beitrag zur Frage der Verallgemeinerbarkeit der gefundenen Einflussfaktoren zu leisten), wurde das (.experimentelle") Gleichgewicht von Lehr- und Hochschulabsolventinnen der Berufsverlaufsstudie Ostdeutschland, das sich aufgrund einer höheren Response-Rate zusätzlich zugunsten der Hochschulabsolventinnen verschoben hat, bei allen deskriptiven und multivariaten Berechnungen dieses Aufsatzes mit Gewichten versehen. Entsprechend dem relativen Anteil von Lehr- im Vergleich zu Hochschulabsolventinnen in der Grundgesamtheit der Berufsabschlussabsolventen aus Rostock und Leipzig der Jahrgänge 1985. 1990 und 1995 wurden alle Antworten von Lehrabsolventinnen mit dem Faktor 2,9222 hochgewichtet, die Antworten der Hochschulabsolventinnen wurden mit dem Faktor 0.3490 versehen. Ein Vergleich von gewichteten und ungewichteten Datenberechnungen zeigt bei den multivariaten Analysen keine entscheidenden Differenzen, was auf relativ robuste Schätzungen hinweist. Für eine ausführliche Beschreibung des Datensatzes der Berufsverlaufsstudie Ost und der Grundgesamtheit siehe Rasztar; Windzio (2000). 11 Ein ähnlicher Kohortenzuschnitt wurde beim Vergleich des Berufseinstiegs von ost- und westdeutschen Berufsausbildungskohorten gewählt. Datengrundlage waren hier ebenfalls die Berufsverlaufsstudie Ost sowie die Daten des sozio-ökonomischen Panels (SOEP) (Falk; Sackmann 2000: 97f.). 12 Mit dieser Entscheidung ist allerdings auch verbunden, dass die tatsächliche Bereitschaft zur Geburt eines zweiten Kindes möglicherweise unterschätzt wird, da z.B. keine Informationen über Fehlgeburten vorliegen. 13 Die im Vergleich zu den vorangegangenen Analysen niedrigeren Geburtenniveaus besonders der beiden jüngeren Kohorten sind den rechtszensierten Episoden geschuldet. Bei den vorangegangenen Analysen nimmt die Risikogruppe kontinuierlich über den Beobachtungszeitraum hin ab, da sich die Rechtszensierungen aufgrund der Definition der Zeitachsen (Alter bei Geburt des zweiten Kindes bzw. Dauer seit Geburt des ersten Kindes) heterogener verteilen. Aufgrund des kalenderzeitlichen Zuschnitts dieser Analyse tritt nun eine Häufung der Rechtszensierungen am Ende 'des Beobachtungsfensters auf, da dort die Befragungszeitpunkte kalenderzeitlich eng beieinander liegen. Die Gruppe derjenigen, die weiterhin dem .Risiko" eines Ereignisses (Geburt eines zweiten Kindes) ausgesetzt sind, bleibt daher bis zum Ende des Beobachtungsfensters groß. Durch die genauere Erfassung der Rechtszensierungszeitpunkte ist davon auszugehen, dass das Geburtenniveau hier angemessener erfasst wird. 14 Die zusammengefassten Geburtenziffern stellen eine Einschätzung der künftigen Geburtenentwicklung auf Grundlage der Geburtenentwicklung des vorangegangenen Jahres dar. Daher erwies sich dieses Maß auch als ungeeignet, den Geburtenrückgang im Zuge der Wende vorherzusagen (Dorbritz; Gärtner 1998: 388). 109


Summary The fall in fertility in Eastern Germany after reunification gives rise to the question of whether the transformation process in Eastern Germany relates to a long-term change in the demographic mode. When first children are born, a similarity can now be recognised with Western German family formation patterns: Trends towards Polarisation into a family and a non-family sector can be observed in that people are postponing the first birth to a later point in their lifecourse, and given indications ofa degree of childlessness äs yet unknown in Eastern Germany. Interest now focuses on the processes of family extension. Using a longitudinal analysis which was largely implemented using the data of the Professional Career Study East, the Intention is to examine the degree to which the manner of entrenching the birth of two children into the careers of Eastern German women permits one to recognise indications of a traditional restructuring of the family sector, äs implied by the pan-German institutional framework. To what degree one must expect greater approximation of the patterns of family extension in Eastern Germany in this sense in future is estimated on the basis ofa microsimulation based on individual data. One sees here a clear persistence of specifically Eastern German patterns which is especially expressed in coordination between family and employment phases during a lifecourse. The younger training cohorts however permit one to identify trends towards long-term approximation towards Western German patterns. Resume L'effondrement de la fecondite en Allemagne de l'est apres la reunification a souleve la question de savoir si le processus de transformation va de pair avec un changement ä long terme du regime demographique. En ce qui concerne la naissance du premier enfant un rapprochement des modeles ouest-allemands de constitution de familles peut maintenant etre observe dans l'est: Le retard de la premiere naissance dans le cours de la vie et les signes d'infecondite (volontaire) dans une mesure jusqu'ici inconnue dans l'Allemagne de l'est revelent des tendances d'une Polarisation entre un secteur familial et un secteur non-familial. Les processus d'elargissements de familles se trouvent maintenant au centre de l'interet. Par moyen d'une analyse longitudinale, realisee avec les donnees de l' « etude de la carriere professionnelle est », il doit etre etudie jusqu'ä quel point le placement de la naissance du deuxieme enfant dans le cours de la vie de femmes est-allemandes est le signe d'une re-structuration du secteur familial, teile quelle est impliquee dans les conditions cadres institutionnelles dans l'Allemagne entiere. La mesure dans laquelle il faut s'attendre ä un rapprochement renforce des modeles ouest-allemands d'elargissements de familles dans l'Allemagne de l'est en ce sens sera estimee par une microsimulation reposant sur des donnees individuelles. Ä ce point une nette persistance de modeles specifiquement est-allemands peut etre observee, notamment quand il s'agit d'aligner des phases familiales et actives pendant le cours de la vie. Par contre les cohortes de formation jeunes montrent une tendance de rapprochement ä long terme des modeles ouest-allemands. 110 Literaturverzeichnis Beck-Gernsheim, Elisabeth, 1997: Geburtenrückgang und Kinderwunsch - die Erfahrung in Ostdeutschland. In: Zeitschrift für Bevölkerungswissenschaft 22, 1: 59-71 Birg, Herwig; Flöthmann, E.-Jürgen; Reiter, Iris ,1991: Biographische Theorie der demographischen Reproduktion. Frankfurt/M.: Campus Biossfeld, Hans-Peter, 1990: Berufsverläufe und Arbeitsmarktprozesse. In: Mayer, Karl- Ulrich (Hrsg.): Lebensverläufe und sozialer Wandel. Sonderheft 31 der Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie. Opladen: Westdeutscher Verlag, 118-145 Biossfeld, Hans-Peter; Huinink, Johannes, 1989: Die Verbesserung der Bildungs- und Berufschancen von Frauen und ihr Einfluss auf den Prozess der Familienbildung. In: Zeitschrift für Bevölkerungswissenschaft 15, 4: 383-404 Blossfeld, Hans-Peter; Jaenichen, Ursula, 1993: Bildungsexpansion und Familienbildung. In: Diekmann, Andreas; Weick, Stefan (Hrsg.): Der Familienzyklus als sozialer Prozess. Berlin: DunckerÄ Humblot, 165-193 Blossfeld, Hans-Peter; Rohwer, Götz, 1995:Techniques of Event History Modeling. New Approaches of Causal Analysis. New Jersey: Lawrence Erlbaum Budde, Andrea, 1998: Die Rechtslage. Vom achtwöchigen Mutterschutz zum dreijährigen Erziehungsurlaub. In: Gesellschaft für Informationstechnologie und Pädagogik am IMBSE (Hrsg.): Beschäftigungsrisiko Erziehungsurlaub. Opladen: Westdeutscher Verlag, 23-38 Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), 2000: Frauen leben. Eine Studie zu Lebensläufen und Familienplanung. Köln Council of Europe, 1999: Recent demographic developments in Europe. Straßburg: Counci! of Europe Publishing Gramm, Jürgen, 1998: Familienbildung in Deutschland. Soziodemographische Prozesse, Theorie, Recht und Politik unter besonderer Berücksichtigung der DDR. Opladen: Westdeutscher Verlag Diewald, Martin; Huinink, Johannes; Solga, Heike; S0rensen, Annemette, 1995: Umbrüche und Diskontinuitäten - Lebensverläufe und die Veränderungen von Lebensbedingungen seit 1989. In: Huinink, Johannes; Mayer, Karl-Ulrich; Diewald, Martin; Solga, Heike; Sorensen, Annemette; Trappe, Heike (Hrsg.): Kollektiv und Eigensinn. Lebensverläufe in der DDR und danach. Berlin: Akademie-Verlag, 307-348 Diewald, Martin; Goedicke, Anne; Solga, Heike, 2000: Arbeitsmarktkompetenzen in Ostdeutschland - nicht vorhanden oder nicht gefragt. In: Aus Politik und Zeitgeschichte, B40: 39-46 Dorbritz, Jürgen, 1992: Nuptialität, Fertilität und familiale Lebensformen in der sozialen Transformation - Übergang zu einer neuen Bevölkerungsweise in Ostdeutschland? In: Zeitschrift für Bevölkerungswissenschaft 18, 2:167-196 Dorbritz, Jürgen; Fleischhacker, Jochen, 1995: Der Übergang von der Bevölkerungszur Familienpolitik in den neuen Bundesländern - ein Beitrag zum familienpolitischen Diskurs in Deutschland. In: Zeitschrift für Bevölkerungswissenschaft 20, 2: 159-185 Dorbritz, Jürgen, 1997: Der demographische Wandel in Ostdeutschland - Verlauf und Erklärungsansätze. In: Zeitschrift für Bevölkerungswissenschaft 22, 2/3:239-268 Dorbritz, Jürgen, 2000a: Europäische Fertilitätsmuster. In: Zeitschrift für Bevölkerungswissenschaft 25, 2: 235-266 111


Dorbritz, Jürgen; Gärtner, Kar/a, 1998: Bericht 1998 über die demographische Lage in Deutschland mit dem Teil B „Ehescheidungen - Trends in Deutschland und im internationalen Vergleich". In: Zeitschrift für Bevölkerungswissenschaft 23, 4: 373-458 Engelbrech, Gerhard; Reinberg, Alex, 1998: Erwerbsorientierung und Beschäftigungsmöglichkeiten von Frauen in den neunziger Jahren. Wirtschaftliche Umstrukturierung und frauentypische Arbeitsmarktrisiken in Ost- und Westdeutschland. In: Gesellschaft für Informationstechnologie und Pädagogik am IMBSE (Hrsg.): Beschäftigungsrisiko Erziehungsurlaub. Opladen: Westdeutscher Verlag, 39-92 Engelbrech, Gerhard; Jungkunst, Maria, 2001: Erwerbsbeteiligung von Frauen. Wie bringt man Beruf und Kinder unter einen Hut? lAB-Kurzbericht Nr.7. Nürnberg: IAB Falk, Susanne; Sackmann, Reinhold, 2000: Risikoreiche Berufseinstiege in Ostdeutschland? Ein Ost-West-Vergleich. In: Heinz, Walter R. (Hrsg.): Übergänge. Individualisierung, Flexibilisierung und Institutionalisierung des Lebenslaufs. Weinheim: Juventa, 91-108 Falk, Susanne; Schaeper, Hilde, 2001: Erwerbsverläufe von ost- und westdeutschen Müttern im Vergleich: ein Land - ein Muster? In: Born, Claudia; Krüger, Helga (Hrsg.): Individualisierung und Verflechtung. Weinheim: Juventa, 181-210 Geißler, Rainer, 2000: Nachholende Modernisierung mit Widersprüchen. In: Aus Politik und Zeitgeschichte, B40:22-29 Huinink, Johannes, 1989: Sind wir auf dem Weg zur Ein-Kind-Familie? In: Zeitschrift für Soziologie 18:192-207 Huinink, Johannes, 1995: Warum noch Familie? Zur Attraktivität von Partnerschaft und Elternschaft in unserer Gesellschaft. Frankfurt/New York: Campus Huinink, Johannes, 1997: Vergleichende Familienforschung: Ehe und Familie in der ehemaligen DDR und der Bundesrepublik Deutschland. In: Vaskovics, Lazio A. (Hrsg.): Familienleitbilder und Familienrealitäten. Opladen: Leske & Budrich, 308-325 Huinink, Johannes; Wagner, Michael, 1995: Partnerschaft, Ehe und Familie in der DDR. In: Huinink, Johannes; Mayer, Karl-Ulrich; Diewald, Martin; Solga, Heike; S0rensen, Annemette; Trappe, Heike (Hrsg.): Kollektiv und Eigensinn. Lebensverläufe in der DDR und danach. Berlin: Akademie-Verlag, 145-188 Huinink, Johannes, 2000: Soziologische Ansätze zur Bevölkerungsentwicklung. In: Mueller, Ulrich; Nauck, Bernhard; Diekmann, Andreas (Hrsg.): Handbuch der Demographie 1. Berlin u.a.: Springer, 339-386 Hüllen, Gert, 1998: Lebensverläufe in West- und Ostdeutschland. Längsschnittanalysen des deutschen Family and Fertility Surveys. Opladen: Leske & Budrich Klein, Thomas; Niephaus, Yasemin; Diefenbach, Heike; Kopp, Johannes, 1996: Entwicklungsperspektiven von Elternschaft und eheliche Stabilität in den neuen Bundesländern seit 1989. In: Bien, Walter (Hrsg.): Familie an der Schwelle zum neuen Jahrtausend: Wandel und Entwicklung familialer Lebensformen. Opladen: Leske & Budrich, 60-112 Koch, Angelika, 2000: Vereinbarkeit von Familie und Beruf für beide Geschlechter? In: Blätter für deutsche und internationale Politik 45, 5: 590-599 Kohli, Martin, 1986: Der Lebenslauf im Strukturwandel der Moderne. In: Berger, Johannes (Hrsg.): Die Moderne - Kontinuitäten und Zäsuren. Göttingen: Otto Schwartz, 183-208 Kreyenfeld, Michaela, 2000: Changes in the Timing of First Birth in East Germany after Re-unification. In: Schmollers Jahrbuch. Zeitschrift für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften 120,2:169-186 112 Kreyenfeld, Michaela; Hank, Karsten, 2000: Does the availibility of child care influence the employment of mothers? Findings from western Germany. In: Population Research and Policy Review 19:317-337 Liefbroer, Aart C., 1999: Life-Planning during young adulthood: Do intentions about the timing of family-life events come true? Arbeitspapier. Den Haag Lohkamp-Himmighofen, Marlene, 1999: Familienpolitische Maßnahmen bei Mutterschaft und der Erziehung von Kleinkindern in den Mitgliedsstaaten der EU, Norwegen und der Schweiz. In: Zeitschrift für Bevölkerungswissenschaft 24, 1 :47-64 Mayer, Karl-Ulrich, 1990: Lebensverläufe und sozialer Wandel. Anmerkungen zu einem Forschungsprogramm. In: ders. (Hrsg.): Lebensverläufe und sozialer Wandel. Sonderheft 31 der Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie. Opladen: Westdeutscher Verlag, 7-21 Mayer, Karl Ulrich, 1996: Familie im Wandel in Ost und West am Beispiel Deutschlands. In: Edelstein, Wolfgang; Kreppner, Kurt; Sturzbecher, Dietmar (Hrsg.): Familie und Kindheit im Wandel. Potsdam: Verlag für Berlin und Brandenburg, 13-29 Meyer, Thomas, 1996: Familienformen im Wandel. In: Geißler, Rainer. Die Sozialstruktur Deutschlands. Opladen: Westdeutscher Verlag, 306 - 332 Opp, Karl-Dieter, 1983: Die Entstehung sozialer Normen. Tübingen: J.C.B. Mohr Pfau-Effinger, Birgit, 2000: Gender cultures, gender arrangements and social change in the European context. In: Duncan, Simon; Pfau-Effinger, Birgit (Hrsg.): Gender, Economy and Culture in the European Union. London/New York: Routledge, 262-276 Rasztar, Matthias; Windzio, Michael, 2000: Berufsverlaufsstudie Ostdeutschland: Feldbericht und Stichprobenevaluation der 1. und 2. Panelwelle. Arbeitspapier Nr. 67 des Sfb 186 der Universität Bremen. Bremen Sackmann, Reinhold, 2000a: Fertilität im Transformationsprozess. In: Sackmann, Reinhold; Weymann, Ansgar; Wingens, Matthias (Hrsg.): Die Generation der Wende. Opladen: Westdeutscher Verlag, 231-256 Sackmann, Reinhold, 2000b: Geburtenentscheidungen und Lebenslaufpolitik im ostdeutschen Transformationsprozess. In: Heinz, Walter R. (Hrsg.): Übergänge. Individualisierung, Flexibilisierung und Institutionalisierung des Lebenslaufs. Weinheim: Juventa, 146-163 Sackmann, Reinhold; Wingens, Matthias, 1996: Berufsverläufe im Transformationsprozeß. In: Diewald, Martin; Mayer, Karl-Ulrich (Hrsg.): Zwischenbilanz der Wiedervereinigung. Opladen: Leske & Budrich, 11-31 S0rensen, Annemette; Trappe, Heike, 1995: Frauen und Männer: Gleichberechtigung - Gleichstellung - Gleichheit. In: Huinink, Johannes; Mayer, Karl-Ulrich; Diewald, Martin; Solga, Heike; Serensen, Annemette; Trappe, Heike (Hrsg.): Kollektiv und Eigensinn. Lebensverläufe in der DDR und danach. Berlin: Akademie-Verlag, 189-222 Statistisches Bundesamt, 2000: Statistisches Jahrbuch 2000 Strohmeier, Klaus-Peter, 1993: Pluralisierung und Polarisierung der Lebensformen in Deutschland. In: Aus Politik und Zeitgeschichte, B17:11-29 Wagner, Michael; Franzmann. Gabriele, 2000: Die Pluralisierung der Lebensformen. In: Zeitschrift für Bevölkerungswissenschaft 25, 1:151-173 Weymann, Ansgar, 1989: Handlungsspielräume im Lebenslauf. In: ders. (Hrsg.): Handlungsspielräume. Untersuchungen zur Individualisierung und Institutionalisierung von Lebensläufen in der Moderne. Stuttgart: Ferdinand Enke, 1-39 Weymann, Ansgar, 1998: Sozialer Wandel. Theorien zur Dynamik der modernen Gesellschaft. Weinheim: Juventa 113


Weymann, Ansgar, 2000: Sozialer Wandel, Modernisierung und Generationen. In: Sackmann, Reinhold; Weymann, Ansgar; Wingens, Matthias (Hrsg.): Die Generation der Wende. Opladen: Westdeutscher Verlag, 17-40 Vindzio, Michael, 2000: Transformation als Experiment sozialen Wandels. Die Beobachtung von Lebensverläufen. In: Sackmann, Reinhold; Weymann, Ansgar; Wingens, Matthias (Hrsg.): Die Generation der Wende. Opladen: Westdeutscher Verlag, 257-274 /Vindzio, Michael; Rasztar, Matthias, 2000: Gelegenheitsstrukturen beruflicher Mobilität. In: Sackmann, Reinhold; Weymann, Ansgar; Wingens, Matthias (Hrsg.): Die Generation der Wende. Opladen: Westdeutscher Verlag, 89 -112 Wingens, Matthias, 2000: Der .gelernte" DDR-Bürger: planwirtschaftliche Semantik, Gesellschaftsstruktur und Biographie. In: Sackmann, Reinhold; Weymann, Ansgar; Wingens, Matthias (Hrsg.): Die Generation der Wende. Opladen: Westdeutscher Verlag, 171-196 Zapf, Wolfgang, 1994: Eine demographische Revolution in Ostdeutschland. In: ders.: Modernisierung, Wohlfahrtsentwicklung und Transformation. Berlin: Edition Sigma, 167-174 Zapf, Wolfgang, 1996: Zwei Geschwindigkeiten in Ost- und Westdeutschland. In: D/ewald, Martin; Mayer, Karl-Ulrich (Hrsg.): Zwischenbilanz der Wiedervereinigung. Opladen: Leske & Budrich, 317-328 (Anschrift d. Verf.: Jann-Michael Dornseiff, Sfb 186, Universität Bremen, Postfach 330440, 28334 Bremen, E-Mail: jdorn@sfb186.uni-bremen.de; Dr. Reinhold Sackmann, Universität Bremen, Institut für empirische und angewandte Soziologie, Postfach 33 04 40, 28334 Bremen, E-Mail: r.sackmann@rz.uni-sb.de)

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine