Technik und Generationen - Technikgenerationen - Institut für ...

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Technik und Generationen - Technikgenerationen - Institut für ...

In die privaten Haushalte zieht neue

Technik ein. Nach Faxgerät, Anrufbeantworter

und Mobiltelefon steht die Verbreitung

von leistungs- und netzfähigen

Personalcomputern bevor. Gleichzeitig

wird das Angebot an neuen, multimedialen

Formen der Information und Unterhaltung

ausgeweitet. Der private Haushalt

wird vernetzt: innerhalb des Hausf

die zentrale Steuerung intelligenter

Haussysteme, nach außen die elektron

sehe Interaktion mit Anbietern verschie

denster Dienste. Die Beiträge dieses

Buches diskutieren die Chancen und

Risiken der neuen Technik aus der Sicht

der potentiellen Nutzer.

Sylvia Grabe (Hg.)

VERNETZTE

TECHNIK

FÜR PRIVATE

HAUSHALTE

Intelligente Haussysteme und

interaktive Dienste aus

Nutzersicht

Stiftung DER PRIVATE HAUSHALT

CAMPUS


Reihe Stiftung DER PRIVATE HAUSHALT

Band 27

Sylvia Grabe (Hg.)

Vernetzte Technik für

private Haushalte

Intelligente Haussysteme und

interaktive Dienste aus Nutzersicht

Dr. Sylvia Grabe, geb. 1954, ist Geschäftsführendes Vorstandsmitglied der

Stiftung DER PRIVATE HAUSHALT, Düsseldorf.

Campus Verlag

Frankfurt/New York


Die Deutsche Bibliothek - CIP-Einheitsaufnahme

Vernetzte Technik für private Haushalte: intelligente

Haussysteme und interaktive Dienste aus Nutzersicht / Sylvia Grabe

(Hg.)- - Frankfurt/Main; New York: Campus Verlag,

1996

(Reihe »Stiftung Der Private Haushalt«; Bd. 27)

ISBN 3-593-35629-5

NE: Grabe, Sylvia [Hrsg.]; Stiftung Der Private Haushalt: Reihe

»Stiftung Der ...

Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung

ist ohne Zustimmung des Verlags unzulässig. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen,

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Gedruckt auf säurefreiem und chlorfrei gebleichtem Papier.

Printed in Germany


Technik und Generationen - Technikgenerationen

Reinhold Sackmann

Jede technische Entwicklung spaltet die Gesellschaft in Teilhaber am technischen

Fortschritt und in Personen, die nicht an ihr teilhaben wollen oder

können. Bei der Untersuchung der Bedingungsfaktoren für die Verbreitung

von technischen Geräten in der Gesellschaft zeigten sich immer wieder

zwei Faktoren als entscheidend: das Geschlecht und das Alter von Nutzern

von technischen Geräten. Bei einer genaueren Betrachtung ist dabei der

Faktor "Alter" eine ungenaue Beschreibung eines Akzeptanzkriteriums von

Technik, da die physischen Grundlagen des Alternsprozesses weniger

wichtig sind als die damit verbundenen gesellschaftshistorischen Erfahrungen.

In einfachen Gesellschaften ist "Alter" eher ein Indikator für einen

reichen technischen Erfahrungsschatz und damit einhergehender hoher

technischer Kompetenz, während dagegen in modernen Gesellschaften das

technische Wissen durch die Geschwindigkeit des sozialen Wandlungsprozesses

gerade im technischen Bereich immer wieder veraltet, so daß davon

ausgegangen werden kann, daß ältere Menschen über ältere technische Erfahrungen

verfügen als jüngere. Die Rede von "Computergeneration" oder

von "Computerkids" zeigt, daß von einer Affinität von bestimmten Generationen

zu bestimmten technischen Innovationen ausgegangen werden

kann. Statt von "Alter" ist es deshalb exakter von Generationszugehörigkeit

zu sprechen, die eine Akzeptanz von bestimmten technischen Geräten

fördert oder behindert. Welche "Technikgenerationen" sich derzeitig in

der Bundesrepublik unterscheiden lassen, und welche Folgen die Zugehörigkeit

zu bestimmten Technikgenerationen für die Akzeptanz von technischen

Innovationen hat, steht im Mittelpunkt dieses Aufsatzes.

Generationsbildungen lassen sich in der Moderne in vielen Bereichen

feststellen: in der Politik (Kriegsgeneration, 68er-Generation, 89er-Gene-

15


ation), in der Wirtschaft (Wirtschaftswundergeneration, Wohlstandsgeneration,

Krisengeneration) usw. Eine Besonderheit bei der Analyse von

Technikgenerationen ist, daß hier im allgemeinen - mehr als bei anderen

Gegenstandsbereichen - von einer Eigendynamik der systemischen Entwicklung

ausgegangen wird. Man hat den Eindruck, daß die technische

Entwicklung ohne unser Zutun über uns kommt. In älteren Theorien (z.B.

Ogburn 1967) wurde deshalb eine Determiniertheit sozialen Wandels

durch die technische Entwicklung unterstellt, der die kulturelle Entwicklung

mit Verspätung zu folgen hat (sog. cultural lag). In neueren techniksoziologischen

Arbeiten wurde diese "technikdeterministische Sicht" kritisiert

und auf die unzureichende Berücksichtigung des gesellschaftlichen

Zusammenhangs beim Zustandekommen technischer Entwicklungen hingewiesen,

insbesondere auf die mangelnde Berücksichtigung des Beitrags

von Alltagsakteuren bei der Prozedierung technischen Wandels. Um den

Stellenwert des gesellschaftlichen Alltagshandelns - und damit auch den

Beitrag von Technikgenerationen - in diesem Prozeß darzustellen, ist dem

Aufsatz deshalb ein Modell der Dynamik technischer Entwicklung vorangestellt.

Grundausstattung des Menschen, wobei der Mensch, wie Gehlen (1986)

gezeigt hat, seine biologischen Mängel ausgleicht durch ein enormes

Lernpotential, durch Kooperationsfähigkeit, sowie die kreative Produktion

von technischen Geräten und dadurch seinen biologischen "Ausstattungsmangel"

in den Vorteil einer verwendungsvieldeutigen Nutzung seines Potentials

zur Lösung offener Probleme umkehren konnte.

Abbildung l: Ein dynamisches Modell der Erzeugung und Verarbeitung von

Technik

Technikgenese Technikprodukt Technikpraxis Technikfolgenabschätzung

Gesellschaft- . : .

liehe Kultur ITechnikkultur] | Technikdiskursel

Praxis

• iTechnikerfahrungl

l. Ein dynamisches Modell von Technik

Eine Bestimmung von "Technik" kann zuerst von der materiellen Gestalt

eines technischen Gerätes ausgehen. In Geräten wie Computern, Autos,

Werkzeugmaschinen usw. verdichtet sich das Spezifische des Gegenstandes.

Technische Artefakte sind der Kern jeder sozial wissenschaftlichen Beschäftigung

mit Technik (Abb. 1). Einige Autoren (Joerges 1979; Braun

1993) sehen in dieser Sachdimension das Wesen von Technik. In handlungstheoretischer

Perspektive ist dazu allerdings zu ergänzen, daß in diesen

Geräten komplexe Handlungsketten vergegenständlicht worden sind,

die vorher standardisiert wurden.

Eine Frage, die sehr eng mit der Gestalt dieser Geräte zusammenhängt,

ist die Frage, warum diese Geräte produziert werden. In der Regel handelt

es sich dabei um ökonomische Gründe der Produktivitätssteigerung, der

Arbeitsteilung und der Rationalisierung. Man kann bei der Antwort nach

den Produktionsgründen noch weiter zurückgehen zur anthropologischen

16

Gestaltschließung

Historische Untersuchungen zeigen, daß die Produktion technischer

Geräte zwar in allen Gesellschaften festzustellen ist, daß sie aber dennoch

erst in den modernen Gesellschaften jene systematische Gestalt gewonnen

hat, in der es kontinuierlich zu technischen Neuerungen kommt. Wie

schon Max Weber (1909, 1963) analysiert hat, sind hierfür kulturelle und

institutionelle Kontexte erforderlich, in denen sich rationale Kalkulation,

rationale Methode und produktionsfreundliche Grundinstitutionen zu einer

Sozialform vermengen, in der die Umgestaltung unserer Welt in hierfür

spezialisierten Entwicklungsstätten zum normativen Auftrag wurde. Traditionsbehafteter

Stillstand kann in dieser Gesellschaft schnell zu einem Modernitätsrückstand

werden. Technik wird in dieser Sicht nicht nur in Fabriken

produziert, sondern sie steht in einem sozialen Kontext, der vom

Bildungswesen zum Rechtswesen und vielen anderen kulturellen und institutionellen

Bedingungen reicht, die man allgemein unter dem Begriff

"Technikkultur" zusammenfassen kann.

17


Im letzten Jahrzehnt gab es eine ganze Reihe von Untersuchungen, in

denen die "Technikgenese", also die Entstehung technischer Güter unter

vielfältigsten Aspekten, also auch unter Einschluß der vielen Fehlversuche

und (im nachhinein) als Umwege erwiesenen Pfade analysiert worden ist

(Dierkes/ Knie 1989; Rammert 1994). Die Geradlinigkeit von Erfindungen

und Weiterentwicklungen, die manche Technikgeschichte unterstellt, erwies

sich in dieser Sicht als chaotische Vielfalt von Pfaden und Sackgassen,

deren Erfolg anfangs extrem unwahrscheinlich war.

Diese neue Sicht von Technik, bei der Technik nicht mehr als fertiges

Gerät, sondern als dynamisches Produkt sozialer Handlungen angesehen

wird, erwies sich auch auf einem anderen in den letzten Jahrzehnten verfolgten

Pfad der Technikforschung, der "Technikanwendung" als äußerst

hilfreich. Traditionell wurde in einer technikdeterministischen Sicht bei

der Technikanwendung danach gefragt, wie verändert dieses (neue) Gerät

die Menschen, ihre Handlungen und Lebensweisen. In der neuen Sicht,

die manchmal kulturalistisch genannt wird, kommt dagegen der Technikanwender

als Akteur der Technikgestaltung in den Blick (Bijker u.a. 1987;

Rammert 1993). Erst bei der massenhaften Anwendung von technischen

Geräten werden diese Teil des Alltags, bekommen Sinn in der Technikpraxis

der Verwendung. Die Gestalt eines Gerätes schließt sich erst dann.

Bei der Einführung von neuen Geräten oder ihrer Bedeutungsänderung

wird am deutlichsten, was man unter "Gestaltschließung" versteht. Ein

Computer besteht nicht nur aus Modulen und Schrauben, er besitzt auch

eine Bedeutung. In den 50er und 60er Jahren hatte es sich eingebürgert,

dieses Gerät als "Großrechner" zu begreifen, der in Bereichen benötigt

wird, in denen mit vielen Zahlen hantiert wird. Mit dieser zugeschriebenen

Bedeutung sind Verwendungskontexte impliziert. Niemand kommt auf

die Idee, daß er einen "Großrechner" im Wohnzimmer benötigt. Erst als

sich Anfang der 80er Jahre der neue Bedeutungskern herauskristallisierte,

daß Computer (auch) Spielzeuge und komplexe "Schreibgeräte" sind, fand

eine massenhafte Verbreitung statt. Der Trend zum Kleincomputer war

nicht mehr aufzuhalten. Eine neue Gestaltschließung des Gerätes setzte

ein. Bei relativ neuen Geräten, wie etwa den Computernetzen, gibt es

noch eine Vielzahl von Bedeutungen, die sich noch nicht zu einer Gestalt

geschlossen haben. Erst bei einer massenhaften Verwendung des Gerätes

wird dessen Gestalt klar. Eine der Voraussetzungen einer breiten Verwen-

düng dieser Geräte ist, daß ihr Verwendungskontext klar konturiert wird

und anschlußfähig an die Bedürfnisse von Haushalten ist.

Bedeutungen von Geräten werden nicht individuell geschaffen, sie

werden meist in Diskursen ausgehandelt, die in den Medien verbreitet

werden (vgl. Noelle-Neumann/ Hansen 1991). Gerade bei Innovationen,

bei denen die Erfassung des Neuen im Vordergrund steht, spielen dabei

spekulative Bewertungen eine wichtige Rolle. Diskurse über die Chancen

und Risiken eines neuen Gerätes, die durchaus mit Übertreibungen zur positiven

oder negativen Seite hin verknüpft sind, ermöglichen es der Gesellschaft

sich darüber klarzuwerden, um was es sich bei diesem Gerät handelt.

Obwohl derartige diskursive Einschätzungen häufig falsch sind, erfüllen

sie die wichtige Funktion, sich ein Bild von den gesellschaftlichen

Auswirkungen eines neuen Gerätes zu machen.

In den letzten Jahrzehnten wurde versucht, diese diskursiven Spekulationen

rationaler vorzunehmen mit Hilfe des technology assessment, der

Technikfolgenabschätzung (Eichener u.a. 1991; Dierkes u.a. 1986; Ropohl

u.a. 1990). In Szenarien wird versucht, die Folgen der Verbreitung

eines neuen Gerätes zu prognostizieren, um sich möglichst früh mit den

Chancen und Risiken einer Innovation auseinandersetzen zu können.

Die wirkliche Technikfolgenabschätzung erfolgt allerdings erst, nachdem

ein Gerät massenhaft verwendet wird, wenn vielfältige Technikerfahrungen

vorliegen, die Euphorie und die Angst der ersten Anwendungen

verraucht sind, und sich die individuellen und kollektiven Technikerfahrungen

verdichten. Neben den positiven Folgen einer Technik werden

dann auch unerwünschte Nebenfolgen festgestellt, die unter Umständen

Herausforderungen für neue technische Lösungen darstellen.

Bei der prozeßhaften Entwicklung von Technik in der Gesellschaft ist

der Beitrag von Alltagsakteuren, insbesondere deren unterschiedliche Zugehörigkeit

zu Technikgenerationen, in drei Abschnitten von besonderem

Interesse: 1.) Die Bedeutungszuweisung von neuen Geräten und die damit

einhergehende "Gestaltschließung" korreliert mit der Zugehörigkeit zu

Technikgenerationen. 2.) Die realisierte Technikfolgenabschätzung aufgrund

von Technikerfahrungen ist entscheidend mit der Herausbildung von

Technikgenerationen verbunden. 3.) Die nach Innovationswellen stattfindende

"Ablagerung" von generationsspezifischen kollektiven Technikerfahrungen

geht ein in die Technikkultur einer Gesellschaft.

18

19


2. Der Generationsansatz in der Technikforschung

Nach diesen eher analytischen Bemerkungen zum Technikbegriff soll ein

methodisches Verfahren vorgestellt werden, mit dessen Hilfe einige

Aspekte der sozialen Konstitution von Technik in einer dynamischen Perspektive

untersucht werden können. Bei diesem Verfahren handelt es sich

um einen Generationsansatz. Beim Generationsansatz wird der scheinbar

lineare Prozeß des technischen Fortschritts zerlegt in die Erfahrungen von

einzelnen Generationen, deren aktuelles Verhalten als veränderliches Produkt

ihrer bisherigen Erfahrungen mit Technik analysiert wird.

Unter einer Generation verstehen wir eine Gruppe von Geburtsjahrgängen,

deren Erfahrungsräume und soziale Lagen durch gesellschaftlichen

Wandel bedingte Unterschiede aufweisen (vgl. Ryder 1965; Mannheim

1964; Becker 1989). Unter einer Generation werden hier also zeitgeschichtliche

Generationen, nicht Personen im Familienverband oder Altersgruppen,

verstanden. In der allgemeinen Generationstheorie wird davon

ausgegangen, daß durch die Geburt zu einer bestimmten gesellschaftlichen

Zeit ein Handlungsspielraum vorgegeben ist. Diese Generationslagerung

kann nicht verlassen werden, sie kann nur unterschiedlich ausgefüllt

werden. Wenn in der Gesellschaft einschneidende Veränderungen

eintreten, wie etwa die Wende und die Wiedervereinigung 1989/90, wird

aus einer bloßen Generationslagerung ein Generationszusammenhang (vgl.

Leggewie 1995). Menschen sind in der Jugend erfahrungsoffen und aufnahmefähig,

sie nehmen eine Gesellschaft in ihrer bestimmten historischen

Gestalt neu wahr. Dieser "erste" gesellschaftliche Eindruck setzt sich als

natürliches Weltbild in dieser Zeit fest und bleibt als Hintergrundfolie vorhanden.

Die darauf folgenden Erfahrungen werden vor dieser Hintergrundfolie

gemacht. Dies heißt nun nicht, daß Generationen für alle Zeit

an diese Jugenderfahrungen gebunden sind, auch danach finden Lernprozesse

statt; es heißt nur, daß die Erfahrungsaufschichtung bei diesen Eindrücken

beginnt, so daß spezifische Werte, Normen und Handlungsweisen

bei bestimmten Generationen zu finden sind, und in ihrer Differenz zu anderen

Generationen Bestand haben.

Der so umrissene Generationsansatz bietet zwei Möglichkeiten der Verfeinerung

sozialwissenschaftlicher Technikforschung: 1.) Der historische

Prozeß der Technikentwicklung und -Verbreitung, der normativ als technischer

Fortschritt bezeichnet wird, empirisch meist undifferenziert als "Ent-

20

wicklung" oder "Trend" beschrieben wird, verliert seine entpersonalisierte

Form und wird zerlegbar in Erfahrungen von Menschen in Generationen,

die Träger und Reflektierende dieses Prozesses sind. 2.) Die Wirkungen

des "Alters" auf die Akzeptanz von Technik und deren Verarbeitung werden

genauer beschreibbar, da nun nicht mehr angenommen wird, daß ein

bestimmtes Alter bestimmte Formen des Technikumgangs prädiziert, sondern

daß "Alter" in verschiedenen Gesellschaften und zu verschiedenen

Zeiten jeweils spezifische Wirkungen zur Folge hat, jeweils in Abhängigkeit

zur Zugehörigkeit zu bestimmten Geburtsjahrgängen.

Beide Möglichkeiten der Analyse kommen erst dann zur vollen Entfaltung,

wenn Längsschnittstudien vorhanden sind, mit deren Hilfe die

neuen Techniken der empirischen Sozialforschung wie Kohortenanalyse

(Mason/ Fienberg 1985) und Ereignisdatenanalyse (Biossfeld/ Rohwer

1995) angewandt werden können, so daß eine dynamische Modellierung

sozialer Prozesse vorgenommen werden kann.

3. Technikgenerationen

Da entsprechende Datensätze im Technikbereich noch nicht erstellt worden

sind, können momentan die Möglichkeiten dieser Forschungsrichtung noch

nicht voll ausgeschöpft werden. Zur Überprüfung von Thesen zur Bedeutung

von Technikgenerationen für die Prozedierung technischen Wandels

wurde am Institut für empirische und angewandte Soziologie der Universität

Bremen (EMPAS) eine empirische Studie1 durchgeführt (Sackmann/

Weymann 1994). Da es vorher keine Untersuchungen zu Technikgenerationen

gab, wurde mit Hilfe von qualitativen Interviews, Gruppendiskussionen,

einer Querschnittsuntersuchung und verschiedenen Sekundäranalysen

ein Analyserahmen für eine derartige Forschungsperspektive erstellt.

Dabei wurden 1992 2000 repräsentativ ausgewählte Personen in Ost- und

Westdeutschland befragt, 12 Gruppendiskussionen und 20 Tiefeninterviews

durchgeführt, sowie zur Erstellung von Zeitreihen Sekundäranalysen

mit Daten des Allbus 1986, der Siemens-Infrateststudien der Jahre 1980-

1989, der BIBB-Weiterbildungsstudien der Jahre 1979 und 1985, sowie

einer Kölner Studie zur Innovationsbereitschaft aus dem Jahr 1967 vorge-

21


nommen und mit der Primärerhebung des Jahres 1992 in Beziehung gesetzt.

Technikgenerationen bilden sich dann, wenn einschneidende historische

Entwicklungsbrüche zur Ausbildung neuer Generationen führen. Wenn

man unter diesem Blickwinkel die Technikgeschichte der letzten Jahrzehnte

überblickt, so stellt man fest, daß es in den letzten 50 Jahren zwei

Technikereignisse gab, die die Gestalt des Alltags entscheidend verändert

haben (Abb. 2): Die Haushaltsrevolution Ende der 50er und Anfang der

60er Jahre, mit der die für die Akteure äußerst bedeutsamen Geräte

Waschmaschine, Fernseher und Auto in den bundesdeutschen Haushalten

Einzug hielten (vgl. Meyer/ Schulze 1989). Die Technik verließ damit die

Fabriken und hielt in den vorher weitgehend technikfreien Räumen der

Privathaushalte Einzug (vgl. Popitz 1989). Anfang der 80er Jahre begann

mit der Einführung der Personalcomputer ein noch heute ablaufender Prozeß

der Digitalisierung des Alltags, der einen ähnlich epochenbildenden

Abbildung 2: Periodisierung der Geschichte der Alltagstechnik

(alte Bundesländer)

Zeitleiste:

1920 T

Epoche:

Frühtechnische Phase

der Haushaltstechnik

Wichtige

Innovationen:

Strom im Haushalt

Radio

Charakter aufweist. Mit der Digitalisierung verändert sich das Grundverständnis

von Technik, es werden neue Bedienungs- und Handlungsweisen

erforderlich, ein neues Bild dessen setzt sich fest, was man mit Technik

machen kann, ebenso wie neue Sprachelemente und Symbolisierungen

Verbreitung finden.

Bei der EMPAS-Befragung wurde festgestellt, daß diese Strukturbrüche

der Technikentwicklung auch im Selbstverständnis der Generationen

ihren Niederschlag gefunden haben: Die derzeit in der Bundesrepublik lebenden

Menschen ordnen sich vier Technikgenerationen zu (Abb. 3): Die

vor 1939 geborenen Geburtskohorten ordnen sich mehrheitlich einer frühtechnischen

Generation zu, die noch viel mit den Händen arbeiten mußte.

Die zwischen 1939 und 1949 geborenen Geburtskohorten sehen sich als

Generation der Haushaltsrevolution, die durch den Einzug von Auto,

Waschmaschine und Fernseher in den Haushalt geprägt wurde. Die zwischen

1949 und 1964 Geborenen gehören der Generation der zunehmenden

Haushaltstechnisierung an. In der formativen Phase dieser Generation gab

es keine einschneidenden Geräteinnovationen, so daß die volle Entfaltung

der Haushaltsrevolution im Mittelpunkt der sie beeindruckenden Technikerfahrung

stand. Die nach 1964 geborenen Kohorten sehen sich als Computergeneration

an, für die Computer zum Alltag gehören.

Abbildung 3: Generationslagerung und Generationsbewußtsein

Zeitleiste: Epoche: Geburtskohorte:

lazu -

Generation:

1959-

1961 •'

1982-

1992-

Haushaltsrevolution

(Ausbreitungsphase)

Digitalisierung

\Afeschmaschine

Auto

Fernseher

Personalcomputer

1959 .

1961 •

1982-

FriJhtechnische

Phase der Haushaltstechnik

Haushaltsrevolution

(Ausbreitungsphase)

Digitalisierung

der Alltagstechnik

1939 <

1948 •

1964 •

Frühtechnische

Generation >

Generation der

Haushaltsrevolution

Generation der zunehmenden

Haushaltstechnisierung

|Computergeneration

22

23


Auch wenn die Verbreitung technischer Geräte im Alltag in der ehemaligen

DDR langsamer verlief, unterscheidet sich die Grundstruktur der

Bildung von Technikgenerationen zwischen West- und Ostdeutschland nur

unwesentlich. Lediglich die Grenze zwischen Computergeneration und

Generation der zunehmenden Haushaltstechnisierung ist in Ostdeutschland

nach hinten verschoben, so daß sich in Ostdeutschland erst die nach 1968

Geborenen der Computergeneration zuordnen.

Die hier in einer repräsentativen Erhebung gefundenen Ergebnisse dekken

sich weitgehend mit den in der Generationstheorie vermuteten Zusammenhängen,

daß sich Generationen in einem Zusammenspiel zwischen

formativer Jugendphase und gesellschaftlichen Strukturbrüchen während

dieser Phase formieren. Eine weitergehende Prüfung ergab, daß die

Selbstzuordnungen zu Generationen weitgehend parallel verlaufen zur

Nennung von technischen Geräten, die jeweils in der Kindheit und Jugend

dieser Personen bedeutsam waren (vgl. Sackmann/ Weymann 1994:

43ff.).

Eine Beschäftigung mit Technikgenerationen bliebe lediglich von sozialhistorischem

Interesse, wenn nicht zusätzlich gezeigt werden könnte, daß

die Formierung eines natürlichen Weltbildes in der Jugend und die ihnen

zugrundeliegenden Technikerfahrungen Einfluß auf die Normen, Werte

und Handlungsweisen dieser Personen in der Gegenwart haben würden.

Zur Überprüfung dieser These wurden in der EMPAS-Untersuchung eine

ganze Reihe von entsprechenden Kultur- und Handlungsbereichen angesehen,

wie Technikeinstellungen, Kaufverhalten, Bedienungskompetenz,

Diskurspositionen, Technikwahrnehmung, Weiterbildungsbereitschaft und

vieles andere mehr. Der erwartete Zusammenhang zeigte sich in vielen

Bereichen. Da die Verbreitung vernetzter Systeme in Haushalten abhängig

ist von der Verbreitung von Computern in Privathaushalten, soll hier im

folgenden nur auf die Ergebnisse in diesem Bereich eingegangen werden.

Die Wahrnehmung einer neuen Technik, die einleitend mit "Gestaltschließung"

bezeichnet wurde, geht in Teilaspekten einer Technikanwendung

und einer damit einhergehenden Technikerfahrung voraus (vgl.

Sackmann 1993). Die Technikwahrnehmung wird geleitet von den bisherigen

Technikerfahrungen und von dem vorgestellten Verwendungskontext.

Eine entscheidende Brücke zwischen bisherigen Technikerfahrungen und

dem Nutzenaspekt einer neuen Technik ist dabei die Frage, ob die neue

Technik als "anschlußfähig" zu bisherigen Technikerfahrungen erlebt

24

wird. Ein Ergebnis des EMP AS-Projektes, das sich sowohl aus den qualitativen

Studien als auch bei den quantitativen Befragungen ergab, war, daß

diese Anschlußfähigkeit zwischen den bisherigen Technikerfahrungen und

dem Computer bei der frühtechnischen Generation und bei der Generation

der Haushaltsrevolution nicht gegeben ist. Es dominiert in diesen Generationen

die Aussage, der "Computer ist mir fremd" (Abb. 4).

Während die jüngeren Generationen, insbesondere die Computergeneration

(Durchschnittswert 4,1), diese Aussage für sich ablehnen, finden

die älteren Generationen sich in dieser Aussage wieder. Schon auf der

Wahrnehmungsebene ist also ein Misfit zwischen bisheriger Technikerfahrung

und neuer Technik festzustellen. Die "Fremdheit" des Computers ergibt

sich bei den älteren Generationen aus der Neuheit der technischen

Abläufe eines Computers, den komplexen Bedienungsabläufen, der geringeren

Sprachkenntnis der im Computerbereich dominierenden englischen

Sprache, sowie der geringen Kenntnis des möglichen persönlichen Nutzens

eines derartigen Gerätes.

Abbildung 4: "Der Computer ist mir fremd" nach Generation, neuen und alten

Bundesländern

Durchschnittswerte neue Bundesländer alte Bundesländer

Frühtechnische Generation

Generation der

Haushaltsrevolution

Generation der zunehmenden

Haushaltstechnisierung

Computergeneration

Gesamt 3,4

Quelle: EMPAS 1992.

Die \Aterte der Tabelle beziehen sich auf eine Skala von 1 (= vollkommene Zustimmung) bis 6

(vollkommene Ablehnung), die den Grad der Übereinstimmung mit der Aussage "Der Computer

ist mir fremd" mißt.

2,5

3,3

3,8

4,1

2,6

3,4

3,8

4,1

25


Derartige Wahrnehmungsunterschiede wirken sich auf das reale Verhalten

aus: Die älteren Geburtskohorten kaufen seltener Computer (Abb.

5), wobei sich die Unterschiede zwischen den Generationen bezüglich des

Computerbesitzes in den letzten Jahren noch verstärkt haben. Während der

Besitz von Computern in Haushalten mit jüngeren Generationsmitgliedern

trotz der relativ hohen Anschaffungskosten zwischen 1986 und 1992 von

10% auf 30% angestiegen ist, nahm die Zahl der computerbesitzenden

Haushalte bei der älteren Generation nicht zu und blieb bei unter 10%.

Computer haben sich in der Arbeitswelt schneller verbreitet als in privaten

Haushalten. Daten zum Privatbesitz von Computern geben deshalb

den Stand der Digitalisierung einer Gesellschaft nur unzureichend wieder,

zumal ein Unterschied zwischen der Generationszugehörigkeit von Haushaltsmitgliedern

eines computerbesitzenden Haushalts und der Generationszugehörigkeit

der eigentlichen Nutzer des Gerätes vorhanden sein

kann. Man erhält mehr Aufschluß über den Zusammenhang von Generation

szugehörigkeit und Grad der Digitalisierung der Gesellschaft, wenn man

nach den individuellen Kompetenzen zur Bedienung eines Computers fragt

(Abb. 6). Man sieht in der Abbildung, daß sehr viel mehr Personen einen

Computer bedienen können als es Personen gibt, in deren Privathaushalt

ein Computer vorhanden ist. Deutlicher noch als bei den Zahlen zur Computerverbreitung

in privaten Haushalten zeigt Abbildung 6, daß die Fertigkeit,

einen Computer bedienen zu können, nicht gleichmäßig über die Generationen

verteilt ist. Die Kohorten, die vor 1938 geboren worden sind,

können sehr viel seltener einen Computer bedienen als jüngere Kohorten.

Im Vergleich zwischen der Befragung 1986 und der Untersuchung 1992

sieht man zudem, daß das Kompetenzgefälle zwischen den Generationen

mit der zunehmenden Verbreitung von Computerkenntnissen nicht abgenommen,

sondern zugenommen hat. Die Zahl der vor 1938 geborenen

Personen, die einen Computer bedienen können, ist zwischen 1986 und

1992 konstant geblieben, während in den jüngeren Generationen ein deutlicher

Anstieg zu verzeichnen war.

Damit soll nun nicht behauptet werden, daß älteren Technikgenerationen

generell der Zugang zur digitalen Welt verschlossen bleibt. Neben den

Unterschieden zwischen Generationen gibt es auch innerhalb der Generationen

Unterschiede derart, daß auch ältere Computerfreaks und jüngere

Computermuffel vorkommen, sie stellen allerdings nicht die Regel dar.

Die Zugehörigkeit zu einer Technikgeneration ist nur ein - wenn auch sehr

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wichtiger - Faktor unter anderen,2 der über den Grad der Akzeptanz von

neuen technischen Geräten entscheidet.

Bei der Verbreitung von technischen Geräten und der von ihnen mit

verursachten Generationsdifferenzierungen ist zu beachten, daß sie eingebettet

ist in die institutionellen Bearbeitungsformen von technischem Wandel,

die in einer bestimmten Gesellschaft zu einem bestimmten Zeitpunkt

entwickelt worden sind. Hierzu gehört auch, daß traditionell die Adressaten

des Bildungswesens in Kindern und Jugendlichen gesehen wurden. Seit

den 70er Jahren kann man allerdings ein rapides Wachstum von "tertiärer

Bildung" im Weiterbildungsbereich feststellen (Weymann/ Weymann

1993), die sich an Erwachsene richtet. Die Anforderungen zur Bewältigung

des Innovationsschubs der Digitalisierung der Gesellschaft trugen in

den 80er Jahren mit zu einem Weiterbildungsboom bei. Obwohl die meist

von Betrieben finanzierten Fortbildungsmaßnahmen traditionellerweise

primär jüngere und mittelalte Erwerbstätige ansprechen, zeigen Datenanalysen

(Sackmann/ Weymann 1994:129ff.), daß auch bei älteren Arbeitnehmern

die Zahl der Weiterbildungsteilnehmer deutlich angestiegen ist.

Die Bereitschaft zum Besuch von Weiterbildungsmaßnahmen hat also bei

allen Generationen zugenommen. Das Potential von generationsspezifischen

Bildungsangeboten zur Überbrückung von Generationsdifferenzen

bei Innovationsschüben scheint noch nicht voll ausgeschöpft zu sein.

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4. Generationsprobleme in der Altersgesellschaft

Unsere Gesellschaft befindet sich demographisch im Übergang von einer

Jugendgesellschaft zu einer Altersgesellschaft. Die Auswirkungen, Probleme

und Chancen dieser Entwicklung zeichnen sich bis jetzt erst in Ansätzen

ab. In Jugendgesellschaften sind die oben angesprochenen Ergebnisse

zur Wahrnehmung und Nutzung von Computern von älteren Personen

weitgehend irrelevant. Ähnliche Generationsmuster, die der EMPAS-

Untersuchung zufolge bei der Verbreitung von Autos in der Gesellschaft in

den 60er und 70er Jahren anzutreffen waren, wurden kaum wahrgenommen

und diskutiert. Der soziale Wandel in Form von technischen Innovationen

erfolgte in dieser Zeit weitgehend über den Generationsaustausch.

Bei der Etablierung neuer Märkte reichte es aus, seine Marktstrategie an

28 29


jüngeren "Innovatoren" auszurichten; ebenso wie beruflicher Wandel in

bedeutendem Umfang durch die Ausbildung von Berufseinsteigern vollzogen

werden konnte. Probleme ergaben sich hierbei nur, wenn Sozialisationsprozesse

junger Generationen als nicht kompatibel mit den Anforderungen

einer modernen Gesellschaft angesehen wurden. Die Diskussion

Anfang der 80er Jahre über die "Technikfeindlichkeit" der Jugend war

vielleicht ein letztes Beispiel dieses Problemtypus (vgl. Jaufmann/ Kistler

1988). Wenn der Generationsaustausch zu langsam verlief, wie dies am

Arbeitsmarkt manchmal der Fall war, konnte er durch ein früheres Ausscheiden

von älteren Arbeitnehmern aus dem Erwerbsleben mittels des Instruments

der Frühverrentung beschleunigt werden. Diese Lösungsstrategie

wurde zuletzt massenhaft in Ostdeutschland als Bewältigungsstrategie

des Transformationsprozesses angewandt.

In einer Altersgesellschaft, der wir uns jetzt nähern, wird eine Gewährleistung

sozialen Wandels mittels der Nutzung des Generationsaustausches

nicht mehr möglich sein, will man nicht enorme Kosten und eine

Verlangsamung des sozialen Wandels in Kauf nehmen. Die Zahl der

Frühverrentungen ist in Westdeutschland während der Arbeitsmarktkrise

Mitte der neunziger Jahre deutlich angestiegen, die daraus resultierende

Kostenbelastung für die Rentenversicherungen führte zu Diskussionen, wie

die schon in der Rentenreform 1992 angestrebte Verlängerung der Lebensarbeitszeit

erreicht werden kann. Allein die demographischen Veränderungen

üben einen großen Druck darauf aus, daß Ältere länger im Erwerbsleben

verbleiben müssen. Diese Kohorten werden sehr viel mehr als heute

Träger sozialen Wandels sein müssen. Sowohl an dem wachsenden Potential

des Konsumentenmarktes Älterer als auch an dem hier vorhandenen

Arbeitskräftepotential werden Politik und Wirtschaft auf Dauer nicht

vorbeigehen können.

Die Untersuchung zur generationsspezifischen Akzeptanz von technischen

Innovationen hat gezeigt, daß bei technischen Innovationswellen ältere

Technikgenerationen langsamer technische Neuerungen aufnehmen.

Es besteht die Gefahr, daß sich mit einer Zunahme der Anzahl älterer Generationen

(auch im Erwerbsleben) auch die Geschwindigkeit des in einer

Gesellschaft zu erreichenden technischen Wandels verlangsamt. Es stellt

eine Aufgabe für die Zukunft dar, verstärkt zu überprüfen, wie die "Anschlußfähigkeit"

zwischen neuem technischem Wissen und den in den

jeweiligen Technikgenerationen aufgeschichteten Technikerfahrungen erhöht

werden kann. Ältere Technikgenerationen stellen in dieser Perspektive

nicht eine besonders innovationsresistente Bevölkerungspopulation

dar, sondern eine Gruppe, die schon über reiche Technikerfahrungen verfügt,

die in der Regel mit einer hohen allgemeinen Technikakzeptanz einhergeht.

Diese Ressource kann sowohl bei Weiterbildungsveranstaltungen

als auch bei Werbestrategien genutzt werden, um die Akzeptanz neuer

Techniken zu erhöhen.

Literatur

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11-28.

Anmerkungen

1 Die von Prof. Dr. Ansgar Weymann geleitete Untersuchung "Technik und

Forschung als Thema der Generationen" wurde vom Bundesministerium für

Forschung und Technologie finanziert und zusammen mit Bernd Hüttner

durchgeführt. Neben der Monographie wurden Teilergebnisse veröffentlicht

(Sackmann 1993; Weymann/ Sackmann 1993; Sackmann 1995).

2 Multivariate Analysen (Sackmann/ Weymann 1994) ergeben, daß die Zugehörigkeit

zu bestimmten Technikgenerationen in den meisten Fällen von Geräteverbreitung

einen größeren Teil der Varianz erklärt als die Geschlechtszugehörigkeit,

das Bildungsniveau oder das Einkommen der Befragten.

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