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S Sparkasse

Zollernalb

Pressemitteilung

Bisingen, 16. Oktober 2013

Ansprechpartner:

Thorsten Straubinger

Leiter Vorstandssekretariat/Grundsatzfragen

Friedrichstraße 3

72336 Balingen

Telefon: 07433 13-7478 Fax: 07433 23647

E-Mail: Thorsten.Straubinger@spkza.de

Asiaten und Ostpreußen pflegen schwäbische

Landschaften.

Migranten der besonderen Art machen sich um hiesige Moore und Steuobstwiesen verdient: Asiatische

Wasserbüffel und ostpreußische Skuddenschafe halten traditionelle Kulturlandschaften frei, die sonst zuwachsen

würden. Die vierbeinigen Helfer unterstützen zwei der sechs Preisträger des Kulturlandschaftspreises 2013,

den der Schwäbische Heimatbund und der Sparkassenverband Baden-Württemberg vergeben haben.

Ausgezeichnet wurden vorrangig aber mehr als 200 Zweibeiner, die ehrenamtlich, teilweise schon seit

Jahrzehnten, die Schönheit und die biologische Vielfalt der Landschaft von Hohenlohe bis Oberschwaben

erhalten.

Wer auf schwierigem Grund arbeitet, muss erfinderisch

sein. Vor allem wenn es dabei um Flächen geht, die

heute von Menschenhand nur mit einem sehr hohen

Aufwand bewirtschaftet werden können. Das haben sich

auch die Arbeitsgemeinschaft Donaumoos e. V. und der

Bio-Landwirt Dietmar Klaiber gedacht, als es um die

Beweidung wiedervernässter ehemaliger Torfflächen im

Donauried bei Langenau ging. Um die ökologisch wertvollen

Wiesen freizuhalten, organisiert der Verein seit

35 Jahren bis zu 15 Pflegeeinsätze im Jahr, bei denen

mit viel Handarbeit Gras gemäht und Gebüsch zurückgedrängt

wird. Unterstützt werden die Ehrenamtlichen

von einer Herde asiatischer Wasserbüffel, die von

Dietmar Klaiber gehegt wird. Ihre auf feuchte

Untergründe ausgelegte Konstitution macht die

Einwanderer wie geschaffen für die Beweidung der teilweise

unter Wasser stehenden Flächen mit ihren widerspenstigen

Gräsern.

So viel Leidenschaft und Einfallsreichtum zollt auch die

Landesregierung Respekt: „Ich freue mich, dass es in

Baden-Württemberg seit Jahren erfolgreiche Projekte

zur Erhaltung und Offenhaltung der Kulturlandschaft

gibt. Allen ist gemeinsam, dass sie aus örtlichen und

regionalen Initiativen hervorgegangen und von Einzelpersonen

oder Gruppen mit viel Idealismus initiiert

worden sind“, würdigte Ministerialdirektor Wolfgang

Reimer vom Ministerium für Ländlichen Raum und

Verbraucherschutz das Engagement der Preisträger.

Anlass war die feierliche Verleihung der mit jeweils

1.500 Euro dotierten Preise in Bisingen, nahe

Hechingen. Insgesamt wurde in diesem Jahr ein

Preisgeld von 10.500 Euro vergeben, das die

Sparkassenstiftung Umweltschutz zur Verfügung stellt.

Schützen durch nützen

Ausgezeichnet hat die mit Naturschutzexperten besetzte

Jury auch vier Hobbyschäfer aus Mönsheim im

Enzkreis. Die Weidegemeinschaft Mönsheim setzt ostpreußische

Skudden ein, eine vom Aussterben bedrohte

Schafrasse. Beweidet werden magere Obstwiesen und

steile Gartengrundstücke, die in den vergangenen

Jahrzehnten nicht mehr genutzt wurden und völlig verbuscht

waren. Unter dem Motto „Wir fressen für den

Naturschutz“ werden das Fleisch und die Wolle der

Schafe erfolgreich vermarktet. Zudem freuen sich die

vier Schäfer über blühende Magerrasen und die vielfältige

Tierwelt auf den wieder bewirtschafteten Flächen,

die der Landschaft des Heckengäus ihren Reiz verleihen.

Diese Freude an der heimischen Landschaft treibt auch

die vier weiteren mit dem Kulturlandschaftspreis geehrten

Initiativen, von Mulfingen im Hohenlohekreis, wo

Weideochsen einer einst vom Aussterben bedrohten

Rasse und Ziegen die Hänge des Jagsttales freihalten

und hervorragendes Fleisch produzieren, bis nach

Biberach-Bergerhausen. Dort sanieren 60 geprüfte

Fachwarte für Obst- und Gartenbau vernachlässigte

Streuobstbestände, beraten Privatleute bei der

Neuanlage und bieten Fortbildungen an. Der

Rottenburger Edmund Holocher baute die mächtigen

Trockenmauern eines ehemaligen Weinbergs mit heimischem

Wendelsheimer Sandstein wieder auf. Und nicht

zuletzt pflegt der gastgebende Obst- und

Gartenbauverein Bisingen-Thanheim rund 200

Obstbäume auf gemeindeeigenen Flächen, veranstaltet

Schnittkurse für Obstbäume, presst aus den Äpfeln

einen schmackhaften Saft und hat einen ehemaligen

Schafsstall für Treffen und Veranstaltungen ausgebaut.

„Alle eingereichten Projekte sind Vorbilder für echten

Bürger- und Gemeinschaftssinn. Herzlichen Dank

allen, die sich für die Kulturlandschaft engagieren“,

gratulierte Peter Schneider, Präsident des

Sparkassenverbands Baden-Württemberg, den

Preisträgern bei der Festveranstaltung in der mit rund

230 Gästen vollbesetzten Bisinger Hohenzollernhalle.

„Der Schwäbische Heimatbund schätzt sich glücklich

und ist dankbar, mit dem Kulturlandschaftspreis und

durch die Unterstützung der Sparkassenstiftung Um-


Fakten zum Kulturlandschaftspreis 2013

Auslober:

Tradition:

Preisgeld 2013:

Teilnehmer:

Informationen:

E-Mail:

Schwäbischer Heimatbund und

Sparkassenverband Baden-Württemberg

Zum 23. Mal ausgeschrieben

10.500 Euro, gestiftet von der

Sparkassenstiftung Umweltschutz

45 Bewerber

www.kulturlandschaftspreis.de,

shb@kulturlandschaftspreis.de

weltschutz und des Sparkassenverbandes jedes Jahr

wieder aufs Neue solche gelungenen Beispiele hervorheben

zu können und auf die Bedeutung dieser weitgehend

selbstlosen Arbeit hinzuweisen“, betonte Fritz-

Eberhard Griesinger, Vorsitzender des Schwäbischen

Heimatbunds.

Sonderpreis für die Erhaltung kleiner Denkmale

Zwei Vereine und zwei Privatpersonen wurden mit dem

Sonderpreis Kleindenkmale und einem Preisgeld von

jeweils 500 Euro ausgezeichnet.

Die Stiftung Gedenkstätte Straßenkapelle in Külsheim

(Main-Tauber-Kreis), die Grenzsteingruppe Leinfelden-

Echterdingen (Kreis Esslingen) sowie Martin Häußler

und Gottfried Deckenbach aus Blaustein im Alb-Donau-

Kreis haben hunderte von „Zeitzeugen am Wegesrand“

vor dem Verschwinden bewahrt, indem sie Grenzsteine

und Wegekreuze sowie eine Kapelle restaurierten und

ihre Geschichte(n) in die Öffentlichkeit trugen.

Bankübergabe mit mehreren Vereinsmitgliedern des OGV Thanheim


Die Preisträger des Kulturlandschaftspreises

2013 (von Nord nach Süd)

Johannes und Dorothee Kruck, 74673 Mulfingen

(Hohenlohekreis)

Für ihren Milchviehbetrieb mit 90 Milchkühen über dem

Jagsttal bewirtschaftet Familie Kruck rund 160ha

Flächen, davon etwa 15ha Weide. Zur Beweidung wird

neben einer Ziegenherde auch eine Herde mit 15

Weideochsen der einst vom Aussterben bedrohten,

leichteren Rasse »Limburger Rind« eingesetzt, die an

den steilen Hängen geringere Trittschäden verursachen.

Nach der Schlachtung wird das wegen seiner hohen

Qualität geschätzte Fleisch in Eigenvermarktung an die

regionale Gastrono-mie verkauft. Die Ziegenherde sorgt

für die Freihaltung der Landschaft.

Durch die Mischbeweidung sorgt Familie Kruck für eine

sorgsame Pflege der Jagsttalhänge. Auf den Kalk- und

Magerrasen bleiben seltene Pflanzen erhalten. Zugleich

werden Wanderwege gepflegt, die über die Weiden führen.

Der Betrieb leistet mit seiner auch ökonomisch

tragfähigen Beweidung ei-nen unübersehbaren Beitrag

zum Erhalt regionaltypischer Landschaften in

Hohenlohe.

Schäfereigemeinschaft Mönsheim GbR, Frau Luise

Pachaly, 71299 Wimsheim (Enzkreis)

Die aus vier Hobby-Schäfern bestehende Gemeinschaft

beweidet mit ihrer aus rund 100 Tieren be-stehenden

Herde seit etwa zehn Jahren magere Obstwiesen, hängige

Gärten und ungenutzte Flä-chen, um sie vor der

Verbuschung zu bewahren. Mit den »Ostpreußischen

Skudden« besorgt eine vom Aussterben bedrohte

Schafrasse die Landschaftspflege. Neben der Erhaltung

alter Rassen för-dert die Gruppe mit der

Koppelschafbeweidung den Natur- und Artenschutz.

Das Fleisch aus den regelmäßigen Schlachtungen wird

von den Schäfern selbst genutzt oder verkauft. Die

Wolle wird gesponnen oder gefilzt. Mit verschiedenen

Aktionen macht die Schäfereigemeinschaft in der breiten

Öffentlichkeit auf die Nachhaltigkeit ihrer Arbeit

aufmerksam. Insbesonders werden Schulklassen an die

Bedeutung der Kulturlandschaftspflege herangeführt.

Edmund Holocher, 72108 Rottenburg-Wendelsheim

(Kreis Tübingen)

Vor rund vier Jahren begann Edmund Holocher, ein

ererbtes Waldstück zu roden und die Terrassen des ehemaligen

Weinbergs wieder mit intakten Mauern aus

dem heimischen Wendelsheimer Sand-stein aufzubauen.

Der Ausbau der alten Fundamente und der

Mauerbau erfolgten in traditioneller Handarbeit mit

Kreuzpickel und Schaufel. Heute ist aus dem Wald wieder

eine Streuobstwiese ge-worden.

Mit dem Freihalten des alten Weinbergs leistet Edmund

Holocher einen wichtigen Beitrag zur Erhal-tung der

Kulturlandschaft im oberen Neckarraum rund um

Rottenburg.

Dietmar Klaiber und die Arbeitsgemeinschaft

Donaumoos e.V., 89129 Langenau (Alb-Donau-Kreis)

Dietmar Klaiber und der gemeinnützige Verein engagieren

sich seit 35 Jahren für den Erhalt der ein-maligen

Lebensräume im württembergischen Donauried bei

Langenau. Dazu bedienen sie sich tradi-tioneller

Nutzungsformen, wie Herbstmahd von Streuwiesen und

Wiesen in kalkreichen Niedermooren, sowie extensiver

Beweidungskonzepte, und halten die Riedlandschaft

durch Zurück-drängen der Verbuschung und durch

Einleiten von Oberflächenwasser offen. Den Erhalt des

vielfälti-gen Vegetationsmosaiks unterstützt der Verein

durch rund 15 Biotop-Pflegeeinsätze im Jahr. Treibende

Kraft dabei ist der Bio-Landwirt Dietmar Klaiber.

Den Erfolg der Maßnahmen bei der Wiedervernässung

des ehemaligen Torfgebiets unterstützen einige Biber

sowie eine Wasserbüffelherde auf einer Weide mit botanischen

Besonderheiten. Zum Erfolg des ökonomischen

Konzepts trägt auch die Vermarktung der Produkte über

einen regionalen Hofladen bei.

Obst- und Gartenbauverein Thanheim e.V., 72406

Bisingen-Thanheim (Zollern-Alb-Kreis)

Um den Erhalt bedeutender Obstbaumbestände in

Thanheim hat sich der dortige Obst- und Garten-bauverein

verdient gemacht. Weil es zunehmend schwierig

geworden war, Pächter für die Streu-obstwiesen auf

Allmendgebiet zu finden, überließ die Gemeinde dem

Verein 2010 die Flächen zur Bewirtschaftung und

Pflege. Seither finden jedes Jahr Baumschnitte statt,

das Obst wird von einer lokalen Safterei verarbeitet.

Durch Pflanzaktionen werden die Bestände ergänzt. Auf

diese Weise erfüllen rund 200 Obstbäume wieder ihren

traditionellen Zweck. Zugleich wurde der funktionslos

gewordene angrenzende Schafstall instand gesetzt und

kann nun für Vereinszwecke genutzt werden.

Durch sein Engagement sichert der Obst- und

Gartenbauverein Thanheim das Fortbestehen eines

typischen Stücks Kulturlandschaft am Albrand.

Netzwerk Fachwarte, Frau Claudia Klausner, 88400

Biberach-Bergerhausen (Kreis Biberach)

Dem Netzwerk gehören mehr als 60 geprüfte Fachwarte

für Obst- und Gartenbau an. Ihr Ziel ist es, in ehrenamtlicher

Arbeit die Obstbaum- und Streuobstpflege im

Landkreis Biberach zu fördern und die Fachwarte weiterzubilden.

Darüber hinaus bieten sie Privatpersonen und

Kommunen Unterstüt-zung bei der Grundsanierung

ungepflegter und vernachlässigter Streuobstbestände,

beraten sie bei der Neuanlage von Obstwiesen und bieten

Fortbildungsmaßnahmen an.

Mit der ökologisch ausgerichteten, fachkundigen Pflege

von mehr als 450 Obstbäumen im Kreis sor-gen die

Fachwarte für den Erhalt bedeutender traditioneller

Kulturlandschaftselemente.


Sonderpreis

»Kleindenkmale« 2013

Stiftung Gedenkstätte Straßenkapelle, 97900

Külsheim (Main-Tauber-Kreis)

Die 2001 gegründete Stiftung setzte sich zum Ziel, die

am Rand des ehemaligen Standortübungs¬platzes

Külsheim gelegene Gedenkstätte als Ort der Besinnung

und Mahnung zu erhalten. Zusätzlich zur 2005 durchgeführten

Renovierung der schlichten Straßenkapelle von

1721 stellte der Verein in deren unmittelbarer

Umgebung vier barocke Kreuzwegstationen, ein Kruzifix

von 1646, zwei Bild-stöcke, einige vor dem Zerfall

gerettete Wegsteine sowie einen Gedenkstein des

Panzerbataillons 364 auf. Ergänzt wird die Gedenkstätte

durch ein Soldaten-Ehrenmal.

Grenzsteingruppe Leinfelden-Echterdingen, Gerhard

Staib, 70563 Stuttgart (Kreis Esslingen)

Mit der Erfassung und Dokumentation von mehr als 500

Grenzsteinen sowie 300 weiteren Klein-denkmalen

haben die 20 Mitglieder der Grenzsteingruppe nicht nur

diese besonderen Geschichts-zeugnisse, die unsere

Kulturlandschaft prägten und prägen, zu Tage befördert,

sondern auch viele längst vergessenen Geschichten

wieder ans Licht gebracht. Am Ende ihrer dreijährigen

Bemühungen stand 2012 eine große Ausstellung, in der

die Ergebnisse der Öffentlichkeit vorgestellt wurden.

Dar-unter waren manche Überraschungen, zum Beispiel

Grenzsteine aus Zeiten des frühen klösterlichen

Besitzes.

Martin Häußler und Gottfried Deckenbach, 89134

Blaustein (Alb-Donau-Kreis)

Rund 150 Marksteine im Raum Markbronn und

Ermingen haben Martin Häußler und Gottfried Dec-kenbach

aufgerichtet, stabilisiert, gesäubert und wieder

lesbar gemacht. Zusätzlich sicherten sie viele von ihnen

gegen neuerliche Beschädigungen oder Umdrücken.

Mit großem Einsatz bringen sie der Öffentlichkeit die

kulturhistorische Bedeutung der historischen

Grenzsteine wieder nahe.

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