Würdigung - Institut für Sportwissenschaft - Leibniz Universität ...

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Würdigung - Institut für Sportwissenschaft - Leibniz Universität ...

„Fairplay –

das ethische

Potenzial des

Sports“

Eine Würdigung von

Professor Dr. Gunter A. Pilz

anläßlich der Verleihung

des DOSB­Ethikpreises


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Inhaltsverzeichnis

Einführung, Prof. Dr. Gudrun Doll-Tepper......................Seite 3

Editorial, Dr. Thomas Bach.............................................Seite 5

Grußwort, Wolfgang Niersbach.....................................Seite 9

Laudatio, Prof. Dr. Wolfgang Huber.............................Seite 11

Leitthema: Handlungsmoral im Wettkampf,

Prof. Dr. Gunter A. Pilz..............................................Seite 17

„Ist ein Foul manchmal fair?“,

Prof. Dr. Hans Lenk....................................................Seite 27

Gunter A. Pilz persönlich.............................................Seite 36

„Sozialwissenschaftler in der Kurve“,

Dr. h.c. Alfred Sengle................................................Seite 37

Lebenslauf...................................................................Seite 43

Die vorliegende Broschüre erscheint anlässlich der Verleihung des DOSB-Ethikpreises am

6. September 2012 in Hannover. Neben den Grußworten beinhaltet die Broschüre zwei

wissenschaftliche Texte der beiden bisherigen Preisträger.


Einführung

„Werte sind die Grundlagen

des Miteinanders“

Prof. Dr. Gudrun Doll-Tepper,

Vorsitzende des Kuratoriums zur

Verleihung des DOSB-Ethikpreises

Auch wenn der DOSB-Ethikpreis bislang

nur auf eine kurze eigene Geschichte

zurückblickt, setzt er dennoch eine lang

währende und bewährte Tradition fort. So

verleiht ihn der DOSB in Kontinuität zur

Ludwig-Wolker-Plakette des Deutschen

Sportbundes, die seit 1980 alle zwei Jahre

an Personen vergeben wurde, die sich in

hervorragender Weise für das Ethos und

die Menschenwürde eingesetzt haben.

Zugleich ist mit der Plakette an Ludwig-

Wolker, einen Mitbegründer des Deutschen

Sportbundes und bedeutenden

Vertreter der konfessionellen Sportbewegung,

erinnert worden.

Nach der Zusammenlegung des Nationalen

Olympischen Komitees für Deutschland

und des Deutschen Sportbundes im

Jahre 2006 hat der DOSB beschlossen,

seine Preislandschaft neu zu strukturieren.

Im Zuge dieser Neuordnung wurde die

Ludwig-Wolker-Plakette in DOSB-Ethikpreis

umbenannt.

Es sind Werte wie Fairness, Toleranz,

Chancengleichheit und Solidarität, die untrennbar

mit dem Sport, wie wir ihn heute

kennen, verbunden sind. Werte, deren

„Wahrung und Förderung“ der DOSB

aufgrund ihrer Bedeutung im Sport – und

darüber hinaus – als festen Bestandteil

in seine Satzung aufgenommen hat. Sie

bilden die Grundlage für ein funktionierendes

Miteinander in den über 91.000

Sportvereinen in Deutschland. Als größte

Bürgerbewegung mit mehr als 27,5

Millionen Mitgliedschaften leistet der organisierte

Sport einen wichtigen Beitrag

zum Zusammenhalt der Gesellschaft und

damit zum Gemeinwohl, indem er seinen

Mitgliedern diese zentralen Werte

im wahrsten Sinne des Wortes spielend

vermittelt. So bieten Sportvereine herausragende

Möglichkeiten zur sozialen Integration

und geben mit ihren vielfältigen Beteiligungsmöglichkeiten

vor allem Kindern

und Jugendlichen Orientierung.

Mit seinem Ethikpreis würdigt der DOSB

Menschen, die sich für die Förderung und

Erhaltung der Werte im Sport einsetzen.

Die Trophäe, die der Preisträger erhält,

symbolisiert Tradition und Zeitlosigkeit zugleich.

Es handelt sich um einen auf einem

Sockel präsentierten Stein, der ursprünglich

aus dem Brandenburger Tor stammt.

In diesen Stein ist in griechischer Schrift

das Wort „Ethos“ gemeißelt, welches bildungssprachlich

die sittliche Gesinnung

einer Person, einer Gemeinschaft oder

speziellen sozialen Gruppe bezeichnet.

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Editorial

„Exzellenz, Fairness,

Respekt und gegenseitige

Achtung“

Dr. Thomas Bach,

Präsident des Deutschen

Olympischen Sportbundes

„Der Sport“ – hat Willi Daume einmal

gesagt – „wird sein, was wir aus ihm

machen.“

Damit hat der langjährige Präsident des

Deutschen Sportbundes und des NOK für

Deutschland in der ihm eigenen prägnanten

Art auf die Verantwortung verwiesen,

die all diejenigen zu tragen haben,

die sich auf diese oder jene Weise

im Sport oder für den Sport engagieren.

Genau mit diesem Anliegen verleihen wir

heute zum zweiten Mal den Ethikpreis des

Deutschen Olympischen Sportbundes.

Und er liegt uns am Herzen – weil uns

das mit ihm verbundene Anliegen am

Herzen liegt.

„Ethik“ ist ein großes Wort. Es steht für

einen Anspruch und einen Auftrag, dem

sich jeder Einzelne und die Gesellschaft

als Ganzes zu stellen haben – eine Bezugsgröße,

an der unsere Haltung und

unser Handeln zu messen ist.

Natürlich sagt uns die Erfahrung, dass

wir uns stets im Spannungsfeld von Theorie

und Praxis, von Eigeninteresse und

Gemeinwohl, von richtig oder falsch bewegen.

Dies liegt wohl in der „menschlichen

Natur“.

Der schottische Philosoph und Historiker

David Hume hat in einem, eben dieser

„menschlichen Natur“ gewidmeten

Traktat das Dilemma wie folgt auf den

Punkt gebracht: „Es läuft der Vernunft

nicht zuwider, wenn ich lieber die Zerstörung

der ganzen Welt will, als einen

Ritz an meinem Finger.“

In dieser, hier pointiert zugespitzten Problematik

stellt sich uns immer wieder

aufs Neue die Kantsche Frage: „Was soll

ich tun?“ Oder mit Nietzsche: „Wohin

bewegen wir uns?“ Für den Sport und

seine Protagonisten mag gerade die zuletzt

zitierte Frage eine besondere Relevanz

aufweisen.

Immer wieder einmal sehen wir uns mit

der Frage konfrontiert, ob der Sport besser

sein kann oder sein muss, als die Gesellschaft,

die ihn hervorbringt. Und bisweilen

wird auf die Diskrepanz von Anspruch

und Wirklichkeit verwiesen.

Sofern dies als ein Vorwurf gemeint ist,

entgegnen wir ganz entschieden, dass

wir ohne Wenn und Aber zu dem hohen

ethischen Anspruch stehen, der sich

spätestens seit Pierre de Coubertin mit

dem Sport verbindet.

Dem Begründer der Olympischen Spiele

der Neuzeit war es bekanntlich nicht um

ein profanes Sportfest, sondern um die

„Jugend der Welt“ zu tun, der er zu

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einer neuen, weltweit wirksamen

Option für ihr Recht auf eine „gesunde“

Bildung von Körper, Geist und Charakter

verhelfen wollte.

Vor diesem Hintergrund versteht sich,

dass sich der Sport nicht nur durch ein

ebenso umfassendes wie überschaubares

Regelwerk, sondern auch durch

ebenso informelle wie verbindliche Werte

konstituiert und definiert – und damit

ein Beispiel gibt für die globale Utopie

einer friedlichen und besseren Welt, die

Pierre de Coubertin „Olympische Idee“

genannt hat und Hans Küng „Weltethos“

nennt.

Dieser Idee und diesem Ethos fühlt sich

der Deutsche Olympische Sportbund

verpflichtet. Mehr als anderes sind es die

Werte, die den Sport in seinen vielfältigen

Ausdrucksformen definieren und

legitimieren, die dessen „Einheit in Vielfalt“

gewährleisten und die in hohem

Maße auch seine gesellschaftliche Relevanz

und seinen Wert bestimmen.

Der Sport, so wie wir ihn verstehen und

vertreten, zielt nicht allein auf vordergründige

Effekte, also solche, die, etwa

im Sinne von Leistung und Gesundheit,

den Körper betreffen. Auch seine bemerkenswerte

Bedeutung als ein unterhaltsamer

Zeitvertreib oder sein außerordentliches

Potenzial, Menschen über

Grenzen hinweg zusammenzuführen,

vermögen die besondere Qualität des

Sports nicht hinreichend zu erfassen –

auch wenn damit schon ein beachtlicher

Mehrwert von Bewegung und Wettkampf

aufgezeigt ist.

In noch höherem Maße sind es die

Werte, wie Exzellenz und Fairness,

Respekt oder gegenseitige Achtung, die

ein persönliches und gesellschaftliches

Engagement im und für Sport sowie

Schutz und Förderung von Staats wegen

erklären und sinnvoll erscheinen lassen.

Und es sind auch die durch den Sport

vertretenen und im Sport gelebten Werte,

die es erklären, warum sich hierzulande

wohl um die neun Millionen Menschen

in jährlich schätzungsweise einer

Milliarde Stunden ehrenamtlich im

Spiel- und Wettkampf betrieb betätigen.

Dies sind beeindruckende Zahlen, die

uns in unserem Engagement für die

„Ethik des Sports“ und eine „Ethik

im Sport“ bestärken – und die ein

Stück weit auch den Preis erklären, den

wir heute verleihen.

Dieser Preis bringt unsere Überzeugung

zum Ausdruck, dass der persönliche Einsatz

für einen wertvollen, für einen anständigen

und ehrlichen, also für einen

menschlichen Sport allemal verdienstvoll

und vor allem dann auch preiswürdig

ist, wenn dieser Einsatz Wirkung zeigt


und Früchte trägt – wenn er, mit anderen

Worten, vorbildlich ist.

Nichts ist – jenseits aller Konzepte und

Kampagnen – überzeugender und motivierender

als das gute Beispiel, dessen

unwiderstehliche Kraft sich gerade in

pädagogischer Weise, also im Blick auf

junge Menschen immer wieder beweist.

Insofern ist die herausragende öffentliche

Aufmerksamkeit, die der Sport zu

Recht und zum Glück genießt ein ebenso

wertvolles wie sensibles Qualitätsmerkmal,

das sein humanes Potenzial

ebenso potenziert wie immer wieder auf

den Prüfstand stellt.

Und nicht zuletzt vor diesem Hintergrund

wächst die Verantwortung für einen

hohen ethischen Standard – zumal

die Erfahrung vielfach belegt, dass gerade

seine mediale Dimension den Sport

als Projektionsfläche für außersportliche

Interessen prädestiniert erscheinen lässt.

Dass sich der Sport auch mit politischem

Missbrauch, mit Diskriminierung und

Gewalt konfrontiert sieht, hat auf herausragende

Weise auch der Träger des

diesjährigen Ethikpreises des Deutschen

Olympischen Sportbundes aufgezeigt.

In unzähligen Untersuchungen, Analysen,

Gutachten, Publikationen oder Vorträgen

hat Prof. Dr. Gunter A. Pilz den

Finger in die Wunde gelegt und Missstände

nicht nur „auf dem Platz“, sondern

auch außerhalb desselben in ihren

Ursachen und Auswirkungen wissenschaftlich

untersucht und sich zudem als

Berater und Begleiter von Verbänden

und Institutionen maßgeblich an der

schwierigen Suche nach Lösungsansätzen

beteiligt.

„Im Mittelpunkt des Sports“ – um noch

einmal Willi Daume zu zitieren – „steht

der Mensch.“ Diese Maxime ist und

bleibt eine Richtschnur unseres Handelns.

Und es ist auch eine Leitlinie für

das Wirken der Arbeit von Prof. Gunter

A. Pilz.

Dafür ganz herzlichen Dank und herzlichen

Glückwunsch.

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Grußwort

„Gunter Pilz prägt unser

gesellschaftliches Engagement“

Wolfgang Niersbach, Präsident des

Deutschen Fußball-Bundes

Es gibt nicht viele Menschen, die Zeit ihres

Lebens unbequem und auch gegen Widerstände

– dazu akribisch mit größter

Motivation und Ehrgeiz – daran arbeiten,

die Rahmenbedingungen des Sports

nach haltig zu verbessern. Dafür gibt es

nicht immer Applaus. Aber am Ende einen

Preis.

Ich gratuliere Gunter A. Pilz sehr herzlich

zu dieser Auszeichnung. Er hat sich wie

kaum ein anderer mit der Erziehung zu

Fairplay und werteorientiertem Sport auseinandergesetzt

und hat auf diesem Gebiet

in vielerlei Hinsicht Pionierarbeit geleistet.

Gunter A. Pilz habe ich während meiner

Zeit als Pressechef kennengelernt. Die Gewaltbereitschaft

von Fußballzuschauern

sorgte damals für viele negative Schlagzeilen

und Gunter A. Pilz hat den DFB heftig

kritisiert. Er vertrat die Auffassung,

dass der Verband zu wenig Präventivarbeit

leisten würde. Nicht zuletzt aufgrund

seiner Kritik wurde die Gründung der Fanprojekte

nach vorne getragen.

Es gebührt ihm große Anerkennung dafür,

dass er in seinem Engagement in einem

nicht einfachen Themenfeld nie

nachgelassen hat: Nicht, wenn es darum

geht, um Toleranz und Anerkennung und

gegen Rassismus und Diskriminierung zu

kämpfen. Und nicht, wenn es darum

geht, für Integration im Sport zu werben

und präventiv gegen Gewalt zu agieren.

Für seinen Einsatz, den ich persönlich bewundere,

bin ich ihm im Namen des DFB

sehr dankbar. In unseren Kommissionen

für Nachhaltigkeit, Integration sowie Prävention

und Sicherheit und insbesondere

in der AG „Für Toleranz und Anerkennung,

gegen Rassismus und Diskriminierung“

arbeitet Gunter A. Pilz mit der gleichen

Leidenschaft, mit der er seit über

20 Jahren das Fanverhalten erforscht. Er

prägt auf diese Weise maßgeblich das soziale

und gesellschaftliche Engagement

unseres Verbandes.

Dabei hebt er auch nach schlimmen Ausschreitungen

und schwersten Sanktionen

gleichzeitig immer mahnend den Finger,

und zwar zu Recht, für noch mehr Präventivarbeit,

noch mehr Sozialarbeit. Das

zeigt er konkret bei seinem Fanprojekt in

Hannover.

Der Fußball begeistert die Massen, und er

muss sich auch den Problemen der Massen

stellen. Es ist eine dauerhafte Aufgabe.

Und gerade die aktuelle Situation

zeigt, dass der Dialog mit unserem Publikum

nicht abbrechen darf. Dass es nur mit

Kooperation und Prävention gelingen

kann, der Gewalt in deutschen Fußballstadien

entgegenzutreten.

Gunter A. Pilz hat bei Spielern, Eltern,

Funktionären und nicht zuletzt bei vielen

Fans dafür gesorgt, Bewusstsein zu schaffen

für einen der wichtigsten Werte auf

und außerhalb des Fußballplatzes: Fairplay.

In diesem Sinne beglückwünsche ich Gunter

A. Pilz zu diesem besonderen Preis und

wünsche ihm weiterhin viel Kraft bei seiner

wichtigen Arbeit, für das friedliche

Miteinander im Fußball, das wir uns alle

wünschen.

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Laudatio

„Einsichten werden zu

Initiativen“

Prof. Dr. Wolfgang Huber,

Ratsvorsitzender der

Evangelischen Kirche a. D.

„Nicht mehr als eine peinliche Übung

wäre es, seine Moral (nämlich die Moral

des Sports) wie eine Monstranz durch die

Arena zu tragen, sich dabei möglichst zu

sputen, damit der Anpfiff zum Eigentlichen

nicht allzu lange auf sich warten

lässt.“ So hat Thomas Bach unlängst die

gefährliche Alibi-Funktion der Moral im

Sport beschrieben. Kann der Ethikpreis

des Deutschen Olympischen Sportbunds

dieser Gefahr vorbeugen? Eine Garantie

gibt es nicht; doch den Versuch ist

es wert. Mit der Auswahl der Preisträger

lässt sich jedenfalls ein deutliches

Zeichen setzen. Der Schritt vom ersten

Preisträger Hans Lenk zum zweiten Preisträger

Gunter A. Pilz ist dabei von großer

innerer Stimmigkeit: Zwei Menschen, für

die der Sport den Cantus Firmus einer

beeindruckenden Lebensleistung abgibt

– bei Hans Lenk in der beeindruckenden

Verbindung zwischen herausragenden

Erfolgen im Leistungssport mit dem eigenständigen

Zugang des Philosophen

zu den ethischen Fragen des Sports, bei

Gunter A. Pilz im starken Realitätsbezug

des Sozialwissenschaftlers, aber zugleich

mit einer staunenswerten Beharrlichkeit,

in der dieser Sozialwissenschaftler seinen

Themen ein Leben lang auf der Spur

bleibt. Die beiden Preisträger passen

auch deshalb sehr gut zusammen, weil

sie an wichtigen Stationen unmittelbar

zusammen gearbeitet und gemeinsam

publiziert haben. Das wichtigste Ergebnis

dieses Zusammenwirkens ist das gemeinsame

Buch über „Das Prinzip Fairness“

aus dem Jahr 1989.

Der Blick geht vierzig Jahre zurück. Die

Eishockey-Weltmeisterschaft 1972 in

der Tschechoslowakei und Rumänien

ist das erste Sportereignis, dem Gunter

A. Pilz eine empirische Untersuchung

gewidmet hat. Das Dominanzverhalten

im Eishockey war das Thema dieser frühen

Studie. Schon in diesen ersten Arbeiten

kündigen sich die Schwerpunkte

der sportwissenschaftlichen Arbeit von

Gunter A. Pilz an, die alle von unmittelbarer

ethischer Bedeutung, ja von großem

ethischem Gewicht sind. Fairness

im Sport, die Gewalt im Sport und um

den Sport sowie Rechtsextremismus im

Sport – das sind die drei großen Themen,

die immer wieder seine Aufmerksamkeit

fordern.

1. „Erst kommt das Siegen, dann die

Moral“

Mit dieser Abwandlung des berühmten

Slogans von Bertolt Brecht über die Reihenfolge

von Essen und Moral – „erst

kommt das Fressen, dann kommt die

Moral“, heißt es in der „Dreigroschenoper“

– verdeutlicht Gunter A. Pilz die

Gefahren, die dem Fairness-Prinzip im

modernen Wettkampfsport drohen.

Die Einbindung des Sports in das Wettbewerbsprinzip

der modernen Leistungsgesellschaft

hat einschneidende

Auswirkungen für die sportethischen

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Prinzipien, an denen sich der Sport orientiert.

Fairness lässt sich leichter beachten,

so lange der Sport Zeitvertreib und

Spaß ist. So lange es auf das Ergebnis

nicht ankommt, sind Sportler sogar im

Stande, sich auch ohne Schiedsrichter

an die Regeln zu halten. Mit dem Wettkampfsport

kommt es zum Härtetest für

das Prinzip der Fairness. Hat die Achtung

für die Integrität des Gegners und die

gleichen Wettkampfbedingungen auf

beiden Seiten sowie die Bereitschaft,

die sportlichen Regeln einzuhalten und

die Entscheidung eines unabhängigen

Schieds richters zu achten, auch vor dem

unbedingten Willen zum Sieg Bestand?

Bleibt die formelle Fairness der Regelbeachtung

eingebettet in eine informelle

Fairness, die ohne äußeren Zwang dem

Gegner und dem Schiedsrichter mit Respekt

gegenübertritt?

Ein einfaches Ja zu diesen Fragen wird

gerade einem Freund des Sports nur

schwer über die Lippen kommen. Die

Verschiebungen zeigen sich anschaulich

daran, dass in den Mannschaftssportarten

das „taktische Foul“ selbstverständlicher

Trainingsbestandteil ist. Wenn dafür

auch der Begriff des „fairen Fouls“ Verwendung

findet, beginnt man zu ahnen,

wohin es mit dem Begriff der Fairness

kommen kann. Er wird aus einem sportethischen

Prinzip zu einer abhängigen

Variablen des sportlichen Erfolgsstrebens.

Der Gedanke, dass der Sport mit

dem Fairness-Prinzip vorbildhaft in die

Gesellschaft hinein wirken könnte, droht

zu versickern.

Die Weichen werden, wie in so vielen

Fällen, in der Jugend gestellt. Die innere

Einstellung zur Fairness wird durch Vorbilder

geprägt. Gunter A. Pilz hat das in

einer Reihe empirischer Untersuchungen

verdeutlicht. Sie konvergieren in einem

klaren Befund, der keinen Kundigen

überraschen wird. Bei Jugendlichen

hängt das innere Verhältnis zum Prinzip

der Fairness von der Haltung ab, die der

Trainer diesem Prinzip gegenüber entwickelt.

Je unwichtiger dieses Prinzip für

den Trainer ist, desto mehr verliert die

Fairness auch für den Sporttreibenden

an Bedeutung – zumal wenn sie dem

eigenen Erfolg im Wege steht. Wenn im

Fußballtraining nicht das Ziel im Zentrum

steht, den Gegner mit fairen Mitteln vom

Ball zu trennen, wird sich in den Köpfen

der Spieler die Überzeugung festsetzen,

dass das taktische Foul ein gleichwertiges

Mittel ist. Das ethische Prinzip des

Sports wird, um noch einmal an Thomas

Bach anzuknüpfen, zur Monstranz, die

man möglichst zügig durch die Arena

trägt, damit der Anpfiff zum Eigentlichen

nicht zu lange auf sich warten lässt.

Neben den Trainern sind es nach den

Feststellungen von Gunter A. Pilz vor allem

auch die Eltern, denen der sportliche

Erfolg ihrer Sprösslinge über alles geht.

Sie erschweren häufig einen sportlichen

Bildungsprozess, der den Respekt vor

dem Gegner und den besonnenen Umgang

mit dem eigenen Körper höher einordnet

als den Willen zum Sieg. Soll die

Fairness eine Zukunftschance behalten,

ist die sportethische Bildung von Trainern

und Eltern deshalb von herausragender


Bedeutung. Maßstäbe setzen aber vor

allem diejenigen Spitzensportler, die

Jugendliche sich zum Vorbild und vielleicht

sogar zum Idol wählen. Das

Erlebnis, dass Leistungssport auf höchster

Ebene in sportlichem Geist und mit fairen

Mitteln betrieben werden kann, ist durch

nichts zu ersetzen.

Orientiert man sich daran, hat übrigens

das Auftreten der deutschen Fußball-

Nationalmannschaft bei der EM in Polen

und der Ukraine bessere Noten verdient,

als ihr nach dem Ausscheiden im Halbfinale

erteilt wurden. Dabei lässt sich auch

die Frage nicht unterdrücken, welche

Beiträge die Sportpublizistik dazu leistet,

dass die Fairness eine gute Zukunft hat.

Denn wer in der Fairness ein Grundprinzip

des Sports sieht, sollte sich auch in

Berichterstattung und Kommentierung

um Fairness bemühen. Man kann nicht

einerseits erklären, die Leistungsdichte

unter den letzten vier Mannschaften

führe dazu, dass jeder jeden schlagen

kann, und dann ein Katastrophenszenario

entwerfen, wenn auch eintritt, was

man vorausgesagt hat.

2. „Ihr wollt nicht wissen, wer wir

sind; also wundert euch nicht, wie

wir sind“

Diese Äußerung eines Skinhead gehört

zu den markanten Zitaten, mit denen

Gunter A. Pilz die Hintergründe der sich

verändernden Fan-Szene, vor allem im

Fußball, charakterisiert. Wieder und wieder

plädiert er für Fan-Projekte, deren

Ausgangspunkt ein ernsthaftes Interesse

an der Lebenssituation, dem Sportverständnis

und den Verhaltensweisen von

Fans ist. Die Entwicklung der Ultras hat

er, auch im europäischen Vergleich, wie

kein anderer beobachtet und beschrieben.

Ein Ethikpreis gebührt ihm auch

deswegen, weil derjenige, der Entwicklungen

in der Fanszene öffentlich kommentiert,

sich gefallen lassen muss, dass

er auch selbst aus dieser Szene heraus

kommentiert wird. Verschiedene Ehrentitel

sind ihm in diesem Zusammenhang

zugeflogen, von denen mir persönlich

„Papa Oberschlumpf“ und natürlich

„Vader Abraham“ besonders gut gefallen.

Ich hoffe, lieber Herr Pilz, dass Ihnen

der Ethikpreis des Deutschen OIympischen

Sportbunds dabei hilft, solche

Ehrenbezeugungen aus der Ultra-Szene

auch in Zukunft mit Humor zu nehmen.

Das zu Grunde liegende Phänomen und

die sich abzeichnenden Entwicklungen

lassen sich freilich keineswegs mit Humor

abtun, sondern erfordern wache

Aufmerksamkeit und klare Reaktionen.

Zur Kultur der Ultras, so beschreibt Gunter

A. Pilz die Szene, gehört es, dass sie

sich nicht nur während des Spiels und

im Stadion, sondern auch während ihres

Alltags mit ihrer Ultra-Existenz und der

Vorbereitung der nächsten Inszenierung

beschäftigen. Damit verbindet sich eine

Gefahr, die der indische Nationalökonom

und Nobelpreisträger Amartya Sen

mit dem Begriff der „Identitätsfalle“

beschrieben hat. Wenn einzelne oder

Gruppen ihre Identität auf ein einziges

Identitätsmerkmal reduzieren oder von

anderen in ihrer Identität auf dieses eine

Merkmal reduziert werden, ist die Eska-

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lation von Konflikten nahezu unvermeidlich.

Der Gebrauch von Gewalt lauert um

die Ecke. Dem Sport nützt eine solche

Totalidentifikation nicht, ganz im Gegenteil

– sie gefährdet ihn. Sport ist, wie

ich in anderem Zusammenhang einmal

gesagt habe, „ein starkes Stück Leben“,

aber er ist eben nicht das ganze Leben.

Auch für die Fankultur ist es wichtig,

dass in ihr ein Element der Distanz bleibt

– der Distanz auch gegenüber der eigenen

Begeisterungsfähigkeit. Denn sonst

schlägt diese Begeisterungsfähigkeit allzu

leicht in Hass um. Dieser Hass richtet

sich am Ende nicht allein auf die gegnerische

Mannschaft und deren Fans,

sondern auch auf die eigene Mannschaft,

auf deren Trainer oder die Vereinsverantwortlichen.

Gewiss ist die Begeisterungsfähigkeit der

Fans für jeden Verein ein wichtiger wirtschaftlicher

Faktor. Doch von der wirtschaftlichen

Nützlichkeit der Fanszene

darf man sich nicht blenden lassen. Viele

Ultras setzen selbst an dieser Stelle ein

bedenkenswertes Gegengewicht, indem

sie gegen eine Über-Kommerzialisierung

des Sports Protest anmelden.

Doch es geht um mehr als nur um die

Frage nach dem Verhältnis von Sport

und Kommerz. Es geht um das Menschenbild;

es geht nämlich um die Frage,

ob Menschen sich auf ein einziges Identitätsmerkmal

reduzieren lassen. Auch der

Sport ist auf Menschen angewiesen, die

sich noch für anderes interessieren als

nur für den Sport. Auch Leistungssportler

oder Schiedsrichter können nur dann

zu Vorbildern heranwachsen, wenn ihr

Horizont über den Sport hinausreicht.

Jeder von uns wird solche Persönlichkeiten

im Sport vor Augen haben.

Die Bereitschaft zum Dialog ist die

wichtigste Voraussetzung dafür, dass

man Prozessen der Selbstregulierung

in der Fanszene auch in Zukunft etwas

zutrauen kann. Aber zu Recht weist

Gunter A. Pilz darauf hin, dass diese

Prozesse ergänzt werden müssen durch

Prävention und Repression, durch klare

vorbeugende Signale und unzweideutiges

Einschreiten gegen alle Formen der

Gewalt. Dass diese Gewalt sich derzeit

stärker außerhalb der Stadien als in ihnen

auswirkt, zeigt, dass die Prävention

in den Stadien durchaus erfolgreich ist.

Doch die Pyrotechnik in den Fankurven

wächst sich zur Gefährdung eines friedlichen

Sports aus. Klare Entscheidungen

und klare Signale erscheinen mir als

unausweichlich. Bengalos gehören nicht

in Fußballstadien.

3. „Der Fußball droht seine Seele zu

verlieren“

So heißt eine Überschrift in einer neueren

Arbeit von Gunter A. Pilz über

„Fangewalt, Rechtsextremismus und

Diskriminierung im Fußballsport“. Man

übertreibt nicht, wenn man in den gegenwärtigen

Entwicklungen einen Streit

um die Seele des Sports, insbesondere

des Fußballsports, sieht. Seine dramatisch

veränderten kommerziellen Mög-


lichkeiten müssen mit Zielstrebigkeit und

Augenmaß in den Dienst sportlicher Ziele

gestellt werden; und die Leidenschaft

für den Sport darf nicht in Gehässigkeit

umschlagen.

Nach wie vor sind jedoch menschenfeindliche

Abwertungen der gegnerischen

Mannschaften und ihrer Fans an

der Tagesordnung. Soweit dabei Rassismus

und Fremdenfeindlichkeit den Ton

angeben, ist die Aufmerksamkeit bei den

Verantwortlichen – auch im Bewusstsein

der Verbrechen, zu denen solche Haltungen

in der deutschen Geschichte geführt

haben – groß. Doch menschenverachtende

Gehässigkeit erschöpft sich in

Fußballstadien schon längst nicht mehr

in rassistischen und fremdenfeindlichen

Parolen. Für den weiteren Zusammenhang,

in dem diese Haltungen stehen,

hat der Bielefelder Sozialwissenschaftler

Wilhelm Heitmeyer den sperrigen Begriff

der „Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit“

geprägt. In seiner während

eines ganzen Jahrzehnts durchgeführten

Langzeitstudie über „Deutsche

Zustände“ spielt der Sport leider eine

ganz marginale Rolle; auch deshalb wissen

wir über solche Haltungen im Sport

noch längst nicht genug. Gunter A. Pilz

gehört zu den wenigen, die wenigstens

ansatzweise – in Gestalt eines „Exkurses“

beispielsweise – die Fragestellung

der Bielefelder Forscher auf den Sport

angewandt haben. Das Ergebnis ist eindeutig:

Im Sport hat man sich auf eine

„Hierarchie der Diskriminierungen“ verständigt.

Bestimmte Diskriminierungen –

vor allem homophober und sexistischer

Art – werden hingenommen, weil sie im

Männlichkeitskult des Sports als unvermeidbar

gelten; gegenüber Rassismus

und Fremdenfeindlichkeit dagegen wird

nachdrücklicher Position bezogen. Zum

bedrückenden Symbol dafür wurde ein

Sportgerichtsurteil, das den Ausdruck

„schwules Schwein“ für weniger gravierend

hielt als den Ausdruck „schwarzes

Schwein“. Der Versuch rechtsextremer

Gruppierungen und Parteien, in die

sportbezogene Fanszene einzudringen,

knüpft aber keineswegs nur an rassistische

und fremdenfeindliche Motive, sondern

ebenso an die weithin akzeptierten

homophoben und sexistischen Parolen

und Gesänge an. Wichtiger noch als

eine solche Überlegung ist die Einsicht,

dass eine Unterscheidung in Diskriminierte

erster und zweiter Klasse in sich

selbst diskriminierend ist. Auch der Sport

sollte ein glaubwürdiger Anwalt der unteilbaren

Menschenwürde sein.

Drei zentrale Themen im Werk und

Wirken von Gunter A. Pilz habe ich herausgegriffen,

um Ihnen zu zeigen, wie

plausibel die heutige Auszeichnung ist.

Werk und Wirken gehören in diesem Fall

auf besondere Weise zusammen. Unermüdlich

ist unser Preisträger unterwegs,

um Projekte zu fördern, in denen seine

Einsichten praktisch umgesetzt werden

können. Den Ethikpreis des Deutschen

Olympischen Sportbunds hat er gerade

deshalb verdient, weil er seine sportwissenschaftlichen

Einsichten unermüdlich

in sportethisch orientierte Initiativen

umsetzt. Dafür gebührt ihm unser aller

Dank.

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„Mythos oder reale

Handlungsmoral im

Wettkampf-Fußball“

Prof. Dr. Gunter A. Pilz

„Unter Fairness verstehe ich, dass man

nur bedingt foult, nicht mit Absicht, nur

im Interesse des Erfolgs“ (Mittelfeldspieler,

13 Jahre). „Fairness heißt, fair spielen

und, wenn es sein muss, foulen“ (Vorstopper,

14 Jahre). „Das ist reine Zeitverschwendung

und nicht die ideale Vorbereitung

auf einen ernsthaften Wettkampf,

wenn ich meinem Gegenspieler

die Hand drücken und ihm viel Glück

wünschen muss. Wir sind Profis, da ist

diese Friedensidee eine Heuchelei.“

Diese Reaktion des schottischen Abwehrspielers

Colin Hendry zum von der UEFA

vorgeschriebenen Begrüßungsritual vor

einem Spiel, wie auch die Aussagen der

C-Jugendspieler weisen auf die offenkundigen

Probleme hin, die der heutige

Wettkampfsport mit dem Fairplay hat. Ist

Fairplay oder noch genauer kann Fairplay

im heutigen Wettkampfsport überhaupt

noch eine reale Handlungsmoral sein?

Und falls ja, wie kann der Gedanke des

Fairplay im (Jugend-)Fußball mit Leben

gefüllt werden? Dieser Frage soll im Folgenden

anhand eines kleinen Exkurses

zur der Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte

des Fairplay und am Beispiel

von Erfahrungen mit Bemühungen um

Fairnesserziehung im Jugendfußball

nachgegangen werden.

Entwicklungsgeschichte des Fairplay

Um die Frage, ob das Fairplay im heutigen

Wettkampfsport überhaupt (noch)

eine reale Handlungsmoral sein kann,

sachgerecht zu beantworten, ist ein Blick

auf seine historischen Wurzeln hilfreich.

Das Fairplay erfuhr im viktorianischen

Zeitalter Englands seine eigentliche, heutige

inhaltliche Ausformung und Festlegung.

Die aristokratische englische „Freizeitschicht“

betrieb dabei den sportlichen

Wettkampf im Wesentlichen als

reinen Selbstzweck. Einem Aristokraten

war der Sieg gleichgültig, ja verdächtig.

In der Presse – außer den Hofblättern –

genannt und gerühmt zu werden, galt

als unfein. Das Ergebnis war weniger

wichtig als das Erlebnis, das gemeinsame

sportliche Handeln. Die englischen Soziologen

Dunning und Sheard fassen die

Prinzipien, die sich hinter diesem Amateurethos

verbergen, entsprechend wie

folgt zusammen:

Sport wird als „Selbstzweck“, einfach um

des Vergnügens willen, das damit verbunden

ist, betrieben. Damit korrespondiert

die Verachtung von Einstellungen, die den

Sieg um jeden Preis anstreben, Selbstbeherrschung

und vor allem die Zurückhaltung

von Gefühlsausbrüchen bei Sieg und

Niederlage. Die Vorstellung des Fairplay,

d. h. der Chancengleichheit zwischen den

am Wettkampf beteiligten Seiten verbun-

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den mit der freiwilligen Unterwerfung

unter die Regeln und einer ritterlichen Haltung,

der „freundschaftlichen Rivalität“

zwischen den Opponenten.

Fairplay bedeutet also mehr, als „nur“ die

Regeln einzuhalten. Gemäß diesem Ethos

folgt der Sport im Idealfall allein dem Ziel,

Spaß, Vergnügen und Freude zu

bereiten. Grundlegend für dieses Ethos

war die strenge Unterscheidung von

Arbeit und Muße. Professionalisierung,

so glaubte man, würde aus dem Spiel,

das Sport war, Arbeit machen und so

sein Wesen zerstören. So zeigt auch die

historische Entwicklung des Regelwerks

im Fußballsport, wie stark Regelvereinbarungen

und die Rigidität bzw. die

Offenheit der sozialen Kontrolle im Spiel

voneinander abhängen. Die Cambridge-

Rules, die Vorläufer unserer heutigen

Fußballregeln, waren auf die sozialen

Haltungen der Ober- und Mittelschicht

des viktorianischen Englands zugeschnitten.

Entsprechend

übte die soziale Kontrolle

über das Verhalten

der Spieler einen wesentlichen

Einfluss auf das Standesethos der Gentlemen

und den Geist des Fairplay aus.

Bestimmungen über den Strafstoß, den

Schiedsrichter oder gar über den Platzverweis

fehlten völlig.

Der Schiedsrichter als externe Instanz der

Effektivierung der sozialen Kontrolle wurde

erst um 1870 nötig, als sich der Spielbetrieb

auf die unteren Sozialschichten

ausdehnte. Dies erforderte neue Mittel

der Kontrolle. Das Standesethos der

Gentlemen war eben nicht mehr für alle

in gleicher Weise verbindlich. Wird

sportlicher Wettkampf nicht mehr als

Selbstzweck betrieben, gilt etwa gar der

sportliche Erfolg als Mittel des Klassenkampfes,

als Weg zum sozialen oder

wirtschaftlichen Aufstieg, als Demonstration

der Überlegenheit eines politischen

Systems, dann, so lässt sich folgern,

erweist sich das klassische Verständnis

vom Fairplay als untauglich. Es verliert

seine soziale Basis, und der „Wille zum

Siegen gemäß vorgegebener Regeln,

eben des Fairplay, jene gleichsam

Glückwunsch Gunter

Gunter schätze ich sehr, weil …

… er durch sein persönliches Engagement und durch seine Forschungen

zahlreichen Menschen Wege zu einem toleranten, verantwortungsbewussten

und fairen Miteinander aufzeigt. Er stellt dabei Werte heraus,

die er selbst jederzeit vorlebt und die wesentliche verbindende Elemente

des Sports beschreiben: gegenseitige Achtung und Respekt vor der Leistung des anderen.

Florian Meyer, FIFA-Schiedsrichter


Glückwunsch Gunter

„Gunter A. Pilz ist ein kritischer Geist, der in den vielen Jahren, in denen er mit dem DFB

verbunden ist, nie seine Unabhängigkeit verloren hat. Er hat den DFB stets gefordert und dadurch

weiterentwickelt. Durch ihn sind viele Entwicklungen, besonders auch in der Fanszene

und Fanbetreuung angestoßen und umgesetzt worden. Wir alle wissen,

dass Gewalt in den Stadien eine Daueraufgabe des Fußballs sein wird

und deshalb wird Professor Pilz auch in Zukunft unverzichtbar für den

DFB sein. Ich gratuliere ihm herzlich zu dieser besonderen Auszeichnung

und wüsste niemanden, der sie mehr verdient hat als er.“

Dr. Theo Zwanziger, Vorsitzender DFB-Kulturstiftung

EQOS

ritterliche Einstellung“, macht einer

„vulgären Verbissenheit des Siegens um

jeden Preis“ Platz, wie der französische

Soziologe Pierre Bourdieu diesen Wandlungsprozess

pointiert skizziert.

Zwei weitere wichtige Einschnitte

verstärken diesen Trend: die gesellschaftliche

Aufwertung nicht nur sportlicher

Erfolge, sondern des Sports, der Sportlichkeit

schlechthin und die Inszenierung

sportlicher Ereignisse zum großen Medienereignis.

Hier schaukelt sich der Wirkungszwang

auf, führt zu weiterer Kommerzialisierung,

Professionalisierung und

Vermarktung des Sports, zu neuen Blüten

der Versportlichung von Nachfrage

und Leistungsdruck. Entsprechend können

wir folgern, dass in dem Moment, in

dem das Ergebnis sportlichen Handelns

wichtiger ist als der Weg dorthin und das

Ergebnis sportlichen Handelns über dem

des Erlebens steht, das Prinzip des Fairplay

Gefahr läuft, ausgehöhlt zu werden.

Fairplay

oder „faires Foul“ –

Ergebnisse aus

Untersuchungen im Jugendfußball

Aufgrund der oben dargelegten Erkenntnis

hat der niedersächsische Fußballverband

einen Fairplay-Cup eingeführt. Dieser

Cup ist an der spielerischen Praxis

orientiert und will dem Fairplay auch und

besonders im Jugendfußball durch

prozesshaftes Lernen zu mehr Beachtung

verhelfen. Dabei stehen ganz bewusst

die Erziehung zum Fairplay und die aktive

Mitgestaltung der Maßnahmen zu mehr

Fairness durch die Jugendlichen im Vordergrund.

Ziel ist, den Fairplay-Gedanken

– das kameradschaftliche und sportliche

Auftreten der Jugendlichen sowie ihrer

Trainer, Betreuer und Eltern – nachhaltig

und langfristig zu beeinflussen und eine

Bewusstseinsänderung in der Achtung

des sportlichen Gegners zu erreichen.

Die im Folgenden dargestellten und

diskutierten Ergebnisse basieren auf der

I 19


20 I

EQOS

Befragung von 2176 zwöf- bis 14-jährigen

und 2405 14- bis 16-jährigen

Bezirksligafußballspielern. Signifikanzen

wurden mit dem Chi-Quadrat-Test nach

Pearson ermittelt (>.05).

Bereits bei jugendlichen Fußballspielern

entfernt sich das Verständnis vom Fairplay

umso stärker vom klassischen Fairplay

und macht einer Moral des fairen

Fouls Platz, je leistungs- und erfolgsorientierter

sie sind. Die Differenzierung nach

Spielerposition, dem angestrebten sportlichen

Leistungsziel und der Fußballerfahrung

(Anzahl der Jahre, die der betreffende

Jugendliche aktiv im Verein Fußball

spielt) zeigt, dass für das eigene Fairnessverständnis,

die Einschätzung bestimmter

Spielsituationen und die Fairnessdefinitionen

weder die Spielerposition

noch das angestrebte

Leistungsziel von Bedeutung

sind, wohl

aber die Fußballerfahrung.

Jugendliche,

die schon länger als sechs, und erst recht

solche, die schon länger als neun Jahre

im Verein Fußball spielen, sind signifikant

häufiger der Meinung, dass man auf

dem Platz „unbedingt gewinnen muss,

notfalls auch mit Fouls“. Sie haben signifikant

häufiger ein Fairnessverständnis im

Sinn des fairen Fouls als Jugendliche, die

erst eine ein- bis sechsjährige Fußballerfahrung

haben. Die Tatsache, dass es sich

dabei um Jugendliche handelt, die alle

ein etwa gleich hohes Leistungsniveau

aufweisen (sie spielen alle in der für B-

Jugendliche höchsten Spielklasse) und

gleich alt sind (14–16 Jahre), zeigt, dass

ganz offensichtlich die vereins- bzw. leistungssportliche

Sozialisation Ursache für

die zunehmende Akzeptanz von Regelverletzungen

im Interesse des Erfolges

ist. Bereits spätestens in der B-Jugend

lernen Jugendliche im Verein, dass es im

Interesse des Erfolges wichtig und richtig

ist, Regeln zu verletzen. Oder – und auch

dies scheint durchaus eine gewisse

Plausibilität zu besitzen – es findet ein

Glückwunsch Gunter

Prof. Dr. Gunter A. Pilz ist für die Deutsche Sportjugend schon seit langer

Zeit ein wichtiger Begleiter und Ratgeber, vor allem in der Fanarbeit sowie

in den Problemfeldern Rechtsextremismus und Diskriminierung. Als

Wissenschaftler mit großer Praxisnähe fügt er die verschiedenen Perspektiven in wertegebundenen

Orientierungshilfen zusammen, und bringt es somit sprichwörtlich auf den Punkt,

um praxisnah zu handeln. Was ihn besonders auszeichnet, ist, dass er all dies mit Herz und

Verstand tut und sich mit großer Empathie in die verschiedenen Diskurse einbringt. Ich freue

mich für Gunter Pilz, er hat sich den Ethikpreis des DOSB redlich verdient.

Ingo Weiss, Vorsitzender der Deutschen Sportjugend


sportspezifischer Selektionsprozess statt,

bei dem aufgrund der Erfolgsorientierung

im Lauf der vereinssportlichen Karriere

Jugendliche mit einem informellen

Fairness-Verständnis zunehmend „auf

der Strecke“ bleiben. So beklagten auch

von uns befragte Jugendliche, dass mit

zunehmender Erfolgsorientierung der

Spaß beim Fußballspielen mehr und

mehr verloren gehe. Wundert dies, wenn

bereits sechs- bis zehnjährige Kinder auf

dem Fußballplatz während eines Fußballturniers

von ihren „besorgten“ Eltern u.

a. zu hören bekommen: „Blinder“, „jabbel

nicht, dreh dich um“, „schlimmer

geht es doch gar nicht“, „komischer Vogel“,

„Idiot“, diese blöden Kinder“, „ich

glaube, ich werde blind“, „Bewegungslegastheniker“,

„dahinten brauchen die

keinen, der in der Nase bohrt“, „schlafen

kannst du zu Hause“, „das war eine Zangengeburt

eben“, „spiel endlich richtig,

du Kackarschmongole“?

Unsere Befragungen von jungen Sportlern

und Sportlerinnen im Rahmen der

Fairplay-Initiativen der Sportjugend von

Württemberg und Niedersachsen weisen

dabei zusätzlich auf ein nach Alter,

Geschlecht und vor allem Leistungs-/Erfolgsorientierung

unterschiedliches Fairnessverständnis

hin. Vornehmlich von

Kindern und Jugendlichen, die nicht oder

kaum leistungssportlich engagiert und

orientiert sind, wird Fairness mit dem ursprünglichen

informellen Fairplay und

mit dem Wert Gerechtigkeit in Verbindung

gebracht. „Fairness ist, wenn die

guten Spieler die schlechteren mit einbeziehen“,

„Fairness ist, dass alle gleich behandelt

werden; wenn jemand etwas

schlechter kann, dann soll man ihn nicht

als Versager abstempeln, denn er hat das

geleistet, was er kann“. Mit zunehmendem

Alter verschiebt sich die Balance

vom informellen Fairplay als leitender

Handlungsmoral zunehmend auf das

formelle Fairplay. Fairness heißt „nur

das tun, was man darf, und nichts anderes“.

Überall dort schließlich, wo der Erfolg

das Maß aller

Dinge ist, wo der

sportliche Erfolg

wichtiger ist als

das gemeinsame

Kämpfen im sportlichen

Wettstreit,

EQOS

Glückwunsch Gunter

Seit Beginn meiner Lehr- und Forschungstätigkeit in der Sportwissenschaft

beschäftige ich mich mit den Arbeiten von Gunter A. Pilz. Seine Veröffentlichungen zu

Themen von Gewalt und Gewaltprävention sowie Fairness im Sport haben mir und meinen

Studierenden immer wichtige Impulse gegeben.

Gudrun Doll-Tepper, Vorsitzende Kuratorium DOSB-Ethikpreis

I 21


22 I

EQOS

überwiegt ein Fairnessverständnis, das

Regel verletzungen bis zu einem gewissen

Grad noch toleriert, ja, nicht mehr als

„unfair“ bezeichnet. Der Inhalt des Fairplay

wird somit bestimmt durch die Bedeutung,

die Wertigkeit des Erfolges: Je

ausgeprägter die Erfolgsorientierung,

desto mehr degenerieren informelles und

formelles Fairplay zu einer fiktiven Handlungsmoral

des Leistungssports, desto

weniger werden diese eher altbacken

wirkenden Weisen des Fairnessverständnisses

der sportlichen Situation und vor

allem den faktischen Einstellungen der

Wettkämpfer gerecht.

Fairplay wird

eingeschränkt auf die

Absicht, „fair zu foulen“, sprich Verletzungen

des Gegenspielers mög lichst zu

vermeiden. Fairplay entwickelt sich von

einer Frage der Geisteshaltung zu einer

Frage der Opportunität, des Vergleichs

von Kosten und Nutzen: In welcher Situation

kann ich es mir (noch) erlauben, fair

zu sein? Der Sport hat sich so an die Normen

und Werte der ihn umgebenden

Leistungsgesellschaft, genauer der Erfolgsgesellschaft,

angepasst. Die Trainer

spielen dabei – neben den Eltern – eine

wichtige, ja ganz offensichtlich die zentrale

Rolle als Sozialisationsagenten

des Fairplay. Reaktionen von Trainern

auf Fairplay-Bemühungen, die auf den

fast unlösbaren Konflikt zwischen

Glückwunsch Gunter

Seit Jahrzehnten engagiert sich Prof. Dr. Gunter Pilz in vielfältiger Weise

für Fairplay im Sport und gegen jede Form von Gewalt und Intoleranz.

Seine Arbeit im Fanprojekt Hannover und seine zahlreichen wissenschaftlichen

Projekte haben bleibende Akzente in der Fanarbeit und der

Fanforschung gesetzt.

Prof. Dr. Pilz arbeitet eng mit der Niedersächsischen Landesregierung zusammen. Maßgeblich

war er an der Durchführung einer Zukunftswerkstatt zum Abbau von Feindbildern

zwischen Fans und Polizei beteiligt. Mit der Gründung eines Forschungszentrums für Fankultur

und soziale Arbeit an der Leibniz Universität Hannover unter seiner Leitung werden

neue Wege zur Weiterentwicklung der Präventionsarbeit im Sport beschritten.

Seine Mitarbeit in der Kommission Integration des Niedersächsischen Fußball-Verbandes und

die wissenschaftliche Begleitung des Fairplay-Cup für den fußballerischen Nachwuchs in

Niedersachsen unterstreichen sein eindrucksvolles Wirken für den Sport.

Ich beglückwünsche Herrn Prof. Dr. Pilz zu der Auszeichnung mit dem Ethikpreis des DOSB

und danke ihm ganz ausdrücklich für sein großartiges Engagement.

Uwe Schünemann, Niedersächsischer Minister für Inneres und Sport


erzieherischen und erfolgssportlichen

Verhaltensorientierungen hinweisen,

verdeutlichen dies. „Nun müssen wir

aber aufpassen, dass die Jungs nicht vor

lauter Fairness vergessen, erfolgreich zu

spielen.“ (Ein C-Jugendtrainer bei der

Einführung des Fairplay-Cups)

Anstatt Fairness zu lernen, wird vielen

Jugendlichen in den Vereinen oft das

Gegenteil vermittelt. Die Trainer fördern

den erfolgsportlichen Prozess der Erziehung

zur Unfairness. Diese Analyse

zeichnet ein düsteres, ja resignatives

Bild bezüglich der Möglichkeiten der

Erziehung zum Fairplay.

Erziehung zum Fairplay

Wenn es stimmt, dass das Einhalten des

Fairplay in erster Linie eine Frage des

Abwägens von Kosten und Nutzen ist,

dann müssen die Kosten für Unfairness

und/oder der Nutzen für Fairplay

so hochgefahren werden, dass es sich

nicht lohnt, unfair zu spielen. Also: Regelverstöße

konsequenter und strenger

bestrafen? Es reicht aber nicht aus, die

Regeln zu verschärfen oder Regelverstöße

konsequenter und strenger zu bestrafen,

es gilt auch und vor allem im Jugendbereich,

gezielt zur Einhaltung das

Fairplay zu erziehen, auf die Bedeutung

des Fairplay hinzuweisen. Dabei sind

auch kulturell unterschiedliche Betrachtungsweisen

zu berücksichtigen. Unsere

Untersuchungen weisen nicht nur auf die

Wandlungen des Fairplay im Erfolgssport

in Richtung des fairen Fouls hin, wir haben

bezüglich der Bewertung des Fairplay

bzw. der Unfairness auch kulturelle

Unterschiede festmachen können. So

betrachten deutsche Fußballspieler

Revanche fouls als erheblich unfairer als

französische Fußballspieler, umgekehrt

bezeichnen französische Fußballspieler

absichtliche Fouls zur Verhinderung eines

Tores als bedeutend

unfairer als deutsche

Spieler. Englische

Spieler schließlich

schätzen das Vortäuschen

von Fouls und

EQOS

Glückwunsch Gunter

Prof. Gunter A. Pilz ist eine bemerkenswerte, charismatische Persönlichkeit.

Er hat sich mit Leidenschaft und Sachverstand in die deutsche Fankultur eingebracht,

hat wichtige Diskussionen angestoßen sowie zielführende Prozesse eingeleitet und aktiv

begleitet. Schon 1985 war er in Hannover maßgeblich an der Gründung des Fanprojekts

beteiligt. Seine Expertise war für mich stets verlässlich und verbindlich.

Martin Kind, Präsident Hannover 96

I 23


24 I

EQOS

Verletzungen zur Beeinflussung des

Schiedsrichters als erheblich unfairer ein

als deutsche und französische Fußballspieler.

Hier wird deutlich: Fairplay

kommt nicht von allein, es ist kulturell,

gesellschaftlich geprägt und muss im

Spielbetrieb tagtäglich neu vermittelt,

eingefordert und gelebt werden.

Dass hier die großen Fußballstars als Vorbilder

für die Jugendlichen dienen, macht

dieses Bemühen nicht leichter. Dass hier

zudem auch kulturell unterschiedliche

Betrachtungsweisen des Fairplay greifen

und Gefahr laufen, Emotionen von Spielern

und Zuschauern zu verstärken,

macht die Fortsetzung und Verstärkung

der Bemühungen der nationalen sowie

internationalen Fußballverbände um eine

stärkere Beachtung des Fairplay bzw. um

eine entsprechende Sensibilisierung aber

umso wichtiger. So belegen unsere Erhebungen

im Rahmen des Fairplay-Cups des

niedersächsischen Fußballverbandes eindrucksvoll,

dass die Trainer vornehmlich

das Fairnessverständnis,

aber auch bis zu

einem gewissen Grade

das Fairnessverhalten der jungen Fußballspieler

positiv beeinflussen können.

Die Trainer sind also gefordert, durch ihr

Vorbild, durch ihre Maßnahmen das Fairplay

mit Leben zu füllen. Die im Fußball,

im Sport ganz allgemein angelegten

positiven sozialen, kulturellen Werte

müssen tagtäglich in der Vereinsarbeit

durch entsprechende erzieherische Maßnahmen

zur Geltung gebracht werden.

Dabei kann es nicht nur darum gehen,

durch Sanktionen und Belehrungen

junge Menschen auf den Pfad der

Tugend zu führen, sondern es gilt, die

jugendlichen Spieler aktiv an diesem

Prozess zu beteiligen. Erziehung zum

Fairplay ist also keine Utopie, sondern

durchaus ein lohnendes Handlungsziel.

Wie wichtig es ist, dass vor allem junge

Menschen lernen, Verantwortung für ihr

Verhalten zu übernehmen, belegt die

Tatsache, dass die Anwesenheit eines

Schiedsrichters bei vielen Spielern

bewirkt, dass sie die Verantwortung für

ihr Verhalten auf dem Platz quasi in der

Kabine lassen bzw. der Trillerpfeife des

Schiedsrichters überantworten. Frei nach

dem Motto: „wenn der Schiedsrichter

Glückwunsch Gunter

Herzlichen Glückwunsch, lieber Gunter, zu dieser höchsten nationalen

Auszeichnung! Der Ethikpreis des DOSB wird Dir verliehen für Dein jahrzehntelanges

Schaffen. Ich bin sicher, Du wirst ihn auch als Herausforderung

ansehen für Deine weitere Arbeit – allen voran bei unserem

gemeinsamen KoFaS-Projekt, für das Du dankenswerterweise in den

nächsten Jahren als Leiter zur Verfügung stehst.

Prof. Dr. Detlef Kuhlmann, Sportwissenschaftler, Leibniz Universität Hannover


Glückwunsch Gunter

Gunter Pilz hat sich um die praktische Anwendung sportethischer Konzepte und Ideen verdient

gemacht. Insbesondere hat er die Fan-Kultur in Niedersachsen und später weit darüber

hinaus studiert und auch praktisch begleitet mit empirischen Projekten

der Forschung, aber auch der Leitung und Anwendung. Dies alles mit

einem beachtlichen Erfolg, sodass die Verleihung eines Ethikpreises an

ihn vollauf berechtigt ist.

EQOS

Herzlichen Glückwunsch zum Ethikpreis des DOSB, lieber Gunter Pilz!

Prof. Dr. Hans Lenk

das Handspiel nicht gesehen hat, dann

war es halt auch kein Handspiel“, oder –

um das schlechte Beispiel Maradonnas

zu zitieren – „die Hand Gottes“! Es wäre

deshalb auch zu überlegen, in den jüngsten

Altersklassen bewusst ohne Schiedsrichter

zu spielen, damit die jungen Spieler

lernen, Verantwortung für die Regelbeachtung

zu übernehmen. Die Übernahme

der Verantwortung für die Regeleinhaltung

könnte dann in höheren

Altersklassen durch Selbstverpflichtungen

stabilisiert werden.

Fassen wir zusammen: Der Sport kann

seine präventiven Funktionen dann am

besten entfalten, wenn das Ergebnis

weniger wichtig ist als das Erlebnis, das

gemeinsame sportliche Handeln, wenn

er also nicht unter dem Primat des Erfolgs

und der Erfolgsorientierung betrieben

wird. Ob Fairplay-Bemühungen darüber

hinaus ein langfristiger Erfolg beschieden

sein wird, wird in hohem Maß davon

abhängen, inwieweit es gelingt, auch

die Bedingungen für mehr Fairness zu

schaffen. Unter diesem Gesichtspunkt

bekommt die Aussage

von Lenk ein zusätzliches

Gewicht:

Bei ihm heißt es,

dass „die Gesellschaft (damit sind im

Jugendfußball vor allem die Eltern und

Trainer/Betreuer gemeint) ihre Überbewertung

des Sieges, die Singulärsiegerorientierung,

herabmildern muss und

zwar auf greifbare und kontrollierbare

Weise, die absolute Erfolgsmoral moderieren

muss, um der Fairness wieder eine

Chance zu geben“.

Die Fairplay-Diskussion ist – vor allem

angesichts der heute dominanten Ellbogenmentalität

und „utilitaristisch-kalkulativen

Perspektive“, wie der Soziologe

Blinkert das von einer reinen Kosten-

Nutzen-Rechnung abhängende Verhalten

der Menschen moderner Industrienati

onen bezeichnet – ohne Wertediskussion

nicht effektiv zu führen, d. h.

wir müssen uns im Sport und in der

Gesellschaft unserer Werte und Wertorientierungen

bewusst sein.

I 25


26 I

EQOS


Ist ein Foul manchmal

„fair“? – Lässt sich fair

foulen?

Prof. Dr. Hans Lenk

„Fair is foul and foul is fair“

(Hexen in Macbeth)

„Fair is foul and foul is fair“, so orakelte

einst Shakespeare durch den Fratzenmund

seiner Hexen, ohne zu ahnen, dass

er Jahrhunderte später Recht bekommen

würde – im modernen Leistungssport.

„Fair oder erfolgreich?“ Ist das die Hamlet-Frage

des modernen Hochleistungssports?

Oder: „to dope or not to dope

and remain a nice and not successful

guy“? Denn: „Nice guys finish last“ (US-

Athleten-Weisheit). Fair guys, too? Bedrängende

Fragen für Athleten, Trainer,

Betreuer, Ärzte und viele Andere …

Dabei ist doch Fairness ursprünglich eine

Tochter des Sports. Sie gilt ideell (freilich

oft nicht real!) nicht nur im Sport oder bei

Gesellschaftsspielen, sondern bei allen

geregelten Auseinandersetzungen. Fairness

ist als Wert aus dem Sport übernommen,

hat sich aber als Idee und Norm viel

weiter verbreitet. Sie ist zu einer Art Leittugend

geregelter Konkurrenzen geworden:

Ursprünglich geboren als Wettkampffairness,

wirkt die Idee sich als

„Konkurrenzfairness“ auch in und für

Konkurrenzen aus, die sich nicht in direkten

Wettkämpfen darstellen, z. B. in ökonomischen

oder politischen.

Allerdings schleichen sich in der Praxis –

wie im Sport – in allen strikt erfolgs-

orientierten Leistungssystemen fast

zwangsläufig rücksichtslose und betrügerische

Strategien ein. Oft führt das zu

einer Spaltung der Moralen in eine zum

Teil „heimliche Erfolgsmoral“ und eine

„öffentliche Gesichtswahrungsmoral“

bei Akteuren, Organisatoren, Managern,

Betreuern.

Dabei scheint es wichtig, das so genannte

„Elfte Gebot“, die geradezu heimliche

Obernorm: „Du sollst dich nicht erwischen

lassen“, nach außen hin zu wahren.

Hiermit gehen Verwischungs- und

Abschiebungsstrategien, Alibi- und Ablenkungstaktiken,

auch bezüglich der

Verantwortlichkeiten, einher.

Verhärtung und Rücksichtslosigkeit sowie

nicht selten auch Betrug scheinen

das Rezept zum siegreichen Bestehen in

wirtschaftlichen, politischen und zumal

sportlichen Auseinandersetzungen zu

sein. Der zunehmende Konkurrenzdruck

in allen Bereichen symbolischer und realer

Wettkämpfe könnte nur durch bessere

Beachtung der Regeln der Auseinandersetzung,

durch Verschärfung der Kontrollen

und durch eine Verbreitung echter

Fairnessgesinnung aufgefangen werden.

Doch hieran mangelt es überall. Ist gar

die Druckverschärfung in das System eingebaut,

ist der Erfolg allzu gewichtig, ja

geradezu für die „Existenz“ entscheidend,

ist gar der Sieg zur Hauptsache

geworden, so wirken Vereinbarungen

und Appelle kaum noch, solange Umgehungsmöglichkeiten,

verdeckte Manipulationen

der Erfolgsbedingungen, unentdeckte

Tricks, taktische Vorteilsnutzungen,

verheimlichte Regelverletzungen

möglich sind. Regeln und Verträge

werden immer wieder missachtet und

EQOS

I 27


28 I

EQOS

verletzt – selbst von denen, die sie lautstark

propagieren. Wie lange hielt man

sich an so genannte Fairnessabsprachen

in politischen Parlamenten und bei Wahlkämpfen?

Führen bloße Appelle in solchen

Hochleistungs- oder Konkurrenzsystemen

wie dem Politik- oder Medienbusiness

bzw. im (Hochleistungs-)Sport

nicht generell zu einer Aushöhlung des

Fairnessdenkens in unserer Ellenbogengesellschaft?

Das Herunterschrauben des

ökonomischen Drucks wäre ein wichtiger

Teilaspekt, kann aber allein das Problem

nicht lösen.

Das „Elfte Gebot“ dominiert offensichtlich

gerade auch im Spitzensport, besonders

beim Dopingproblem, wo dieser oft

zum „Spritzensport“ zu verkommen

droht: Wie auf der Autobahn und jüngst

bei betrügerischen Finanzjongleuren in

der Wirtschaft. gelten dort Verletzungen

der traditionellen Regeln allenfalls noch

als Kavaliersdelikte. Wer nimmt die Regeln

wirklich noch ernst? Geradezu treuherzig-naiv

bekannte ein österreichischer

Wintersportler, er hätte eben geglaubt,

nicht erwischt zu werden.

Verlangt man nun nicht das Unmögliche,

wenn man gleichzeitig rücksichtsvolle

Fairness einfordert und den Ernst der

Konkurrenz zu existenziell ernst der Verschärfung

unterwirft und die Konkurrenz

selber eskaliert (transitiv wie intransitiv

verstanden). Insbesondere, wo es um viel

Ehre und – vor allem – viel Geld geht,

scheint der verbissene Ernst-Sportler

kaum noch an einer echten, „fairen“

Chancengleichheit des gegnerischen

Konkurrenten interessiert, sondern nur

noch am Sieg – und sei es um nahezu

jeden Preis.

Ein Fußballprofi meinte: „Wir tragen unseren

Existenzkampf mit allen Mitteln

aus; jeder muss versuchen den Anderen

fertig zu machen!“ Ist „Foulen also

rechtmäßig, solange es der Schiedsrichter

nicht sieht“? Entspricht das versteckte

Foul der „neuen Erfolgsmoral“ des sich

Durchsetzens um (fast) jeden Preis?

Es scheint gar, als hätten sich so genannte

„faire Fouls“ und „Schwalben“ im verbissenen

Ernstsport durchgesetzt. Selbst

internationale Spitzenfußballer entblöden

sich nicht (mehr), der „Schwalben“-

Moral zu folgen – möglichst spektakulär

im oder in den Strafraum zu fallen. Neulich

lobte man einen Spitzenfußballer, es

sei „moralisch hoch anzuerkennen“,

dass er sich im Strafraum nicht fallen

ließ! So weit sind wir also schon! Das Gefoultwerden

nicht vorzutäuschen, zählt

geradezu als ethische Großtat, die viele

als völlig unverständlich ansehen; oder –

wie z. B. ein taktisches Notbremsen-Foul,

das häufig als unverzeihlich oder gar als

„notwendig“ gilt – und oft vom Publikum

lautstark gefordert wird!

Ein Ex-Nationalspieler forderte sogar, den

jugendlichen Spielern das „faire Foulen“

beizubringen. Und wirklich: Das so genannte

„faire“ oder taktische Foul wird

bei jungen Fußballern bereits geübt! Andere

Beispiele gibt es zuhauf. – Selbst als

fair oder elegant geltende Fußballheroen

wie Uwe Seeler und Franz Beckenbauer

stellten fest, ein „normales Foul“ sei für

sie „nicht unfair“.

Es ist natürlich letztlich etwas Absurdes,

wenn man paradoxerweise ein „faires

Foul“ zulässt, ja, überhaupt nur davon

spricht. Das mag zwar faktisch-praktisch

vermutlich gar nicht zu umgehen sein,


aber es hat, ethisch gesehen, durchaus

etwas Widersprüchliches oder Unsinniges

an sich. Zumindest sollte man bei den

strukturellen Zwängen zum unfairen Verhalten,

sei es beim „taktischen Foul“

oder generell, wenn man das schon nicht

abändern kann, die Bedingungen und

die Kontrollen stufenweise handhabbarer

machen. Im Fußball ist man dem ja

schon in gewisser Weise näher gekommen,

indem Schiedsrichter heute schneller

die „gelb-rote“ Karte ziehen sollen.

Im Hochleistungssport bzw. in verwandten

Konkurrenzsystemen müssten nun

eigentlich die entsprechenden Kontrollen

oder institutionellen Verfahren dazu führen,

dass die Doppelmoral der öffentlichen

Fairness-Beschwörung nach außen

und der insgeheim unfairen Manipulation

oder Regelübertretung außer Funktion

gesetzt wird. Man kann zur Illustration

treffend von der „Wasserballermoral“

sprechen: „Nach oben hin lächeln, nach

unten hin treten!“ (Hier ist das Foul ja am

wenigsten zu sehen und zu kontrollieren.)

Auch dieser Trick ist allgemein üblich, gerade

auch in beruflichen und wirtschaftlichen

Bereichen. Und noch ein weiterer:

Der Volksmund spricht auch von einer

„Radfahrermoral“: „Nach oben buckeln,

sich krümmen, nach unten treten!“

„Mobbing“ ist weit verbreitet.

Die Frage ist, ob wir nicht vielfach in unserer

Gesellschaft auch in anderen Bereichen

der Auseinandersetzung nach einer

Art von solcher „Radfahrer-“, „Mobbing-“

oder „Durchsetzungsmoral“ agieren

und reagieren.

Ideelle Beschwörungen, Appelle, Moralpredigten

usw. helfen natürlich recht wenig,

wie Marketing- und Werbeaktionen

zugunsten der Fairplay-Idee oder so

genannte Ethikseminare zeigten. „Worte

sind schön, doch Hühner legen Eier“,

heißt ein afrikanisches Sprichwort. Und

das gilt nicht nur im positiven, sondern

auch im negativen Sinne. Man muss operative

Kontrollen haben, man sollte über

handhabbare Verfahren verfügen,

EQOS

Glückwunsch Gunter

Auf dem Gebiet der Gewalt und- Konfliktforschung gehört Gunter A.

Pilz zu den herausragenden Wissenschaftlern in Deutschland. Dem Fußball

und seinem Publikum ist er immer wieder auf der Spur. Oftmals war

er dabei seiner Zeit voraus. Wie 1985 mit dem von ihm in Hannover

gegründeten Fanprojekt, das für viele zum Vorbild wurde. Seine Stimme

zählt bis heute zu den wichtigsten, wenn es um die Bereiche Fankultur,

Prävention und Anti-Diskriminierung geht. Eng verbunden ist sein Name

auch mit dem des NFV. 1988 konzipierte er den Fairplay-Cup Niedersachsen,

in dem das oftmals praktizierte Zählen von Verwarnungen keine

Rolle spielt. Vielmehr steht das prozesshafte Lernen der teilnehmenden C- und B-Junioren

im Vordergrund. In diesem Jahr durften wir das 25. Jubiläum feiern. Gunter A. Pilz hat dem

Kampf gegen Gewalt im Sport und dem Ringen um Fairplay ein Gesicht gegeben.

Karl Rothmund, DFB-Vizepräsident

I 29


30 I

EQOS

damit die „bloße“ Wirkung der Appelle

nicht verpufft. Es bedarf also ver fahrensge

schützter Kontrollen, eventuell

insti tutio neller Absicherungen und

Abänderungen.

In der Fairness- wie in der Dopingdiskussion

sollte man freilich genauer nachfragen:

Kann weiterhin nur der jeweilige

Einzelne – der Athlet, der Trainer, der Offizielle,

der Journalist, der Vorsitzende –

allein verantwortlich gemacht werden?

Oder gibt es übergreifende institutionelle

Verantwortlichkeiten der Verbände für

systemhafte Zusammenhänge und institutionelle

Handlungen, die weit über die

Möglichkeiten des Einzelakteurs hinausgehen,

ja, unter Umständen diesen in

eine paradoxe Konfliktsituation zwingen?

Die Doppelmoral des öffentlich verurteilten,

insgeheim geförderten Dopings

zeigt dies – wie auch jene des vom Publikum,

sogar von der Presse geforderten,

von Trainern insgeheim gelehrten, aber

nach außen scheinheilig abgelehnten

„taktischen Fouls“, der Notbremsenmoral,

im Fußball und Handball.

Befinden sich Hochleistungsathleten im

Sport, Entscheidungshandelnde in Institutionen

allgemein notorisch in solchen

Zwangssituationen zwischen unterschiedlichen

moralischen Fronten? Kann

man dem Einzelakteur nach wie vor alle

Verantwortlichkeit zuschieben, wenn

strukturelle Bedingungen ihn in das erwähnte

Dilemma gebracht haben? Kann

man mit der Entwicklung einer Doppelmoral

des öffentlichen lippendienstlichen

Wohlverhaltens und der heimlichen konsequenten

Erfolgsmaximierung wirklich

und wirksam solchen Dilemmasituationen

entgehen? Wenn jeder von der

heimlichen Verletzung einer sinnvollen

allgemeinen Norm wie der Fairnessregel

zu profitieren versuchte, löste sich die

Gültigkeit dieser Norm auf: Regel(ungs)-

wirksamkeit und Moral verfallen. Die

Dynamik des Dilemmas führt zum Verfall.

Insbesondere, wo es um viel Ehre und –

vor allem – viel Geld geht, scheint der

verbissene Ernst-Sportler kaum noch an

einer echten, »fairen« Chancengleichheit

des gegnerischen Konkurrenten interessiert,

sondern nur noch am Sieg – und sei

es um nahezu jeden Preis.

Ferner: je mehr strukturelle oder systemische

Bedingungen und soziale Konstellationen

sowie zum Teil eine geradezu existenzielle

Ernsthaftigkeit an Bedeutung

gewinnen, desto mehr wird die ethische

Diskussion über die Verantwortung von

Verbänden und anderen Institutionen

gefordert sein. Dies bedeutet nicht, dass

der einzelne Handelnde in gewisser

Weise – auch wenn er als Rollenträger

agiert – etwas von seiner Handlungs- und

Rollenverantwortung – oder gar der

moralischen Verantwortlichkeit (diese ist

nicht auf- und verteilbar!) – verlieren

würde. Es bedeutet aber, dass zusätzliche

Gesichtspunkte sozialer und moralischer

Verantwortlichkeit für die Institutionen

und deren verantwortliche Rollenträger

hinzukommen.

Artisten der Schwarzfahrerei, die allein

nach der Strategie des „Du sollst

Dich nicht erwischen lassen!“ vorgehen,

können nur zeitweilig und begrenzt

ihren Vorteil daraus ziehen, dass die

Mehrheit sich an die Regeln hält. Verfällt

die Regelbefolgung so weit, dass das

Regelbrechen die Regel wird, wird jede

Regel in effizient und sinnlos.


Ist der/die Faire am Ende stets der/die

„Dumme“? „Nice, i. e. fair guys finish

last!“ Geraten die Sportler, Politiker,

Wirtschaftler, zum Teil gar auch Wissenschaftler,

die sich an faire Regeln der Auseinandersetzung

in der Konkurrenz halten,

verdeckte Tricks scheuen und Foulspiel

verabscheuen, nicht nur ins Hintertreffen,

sondern in die soziale Konstellation

eines tragischen Dilemmas von der

Struktur der selbst-zerstörerischen Systemdynamik?

Normverletzungen, die für

den Übertreter profitabel sind, aber nicht

zu Ahndungen, abschreckenden Strafen

oder Ausgleichsentschädigungen führen,

die aber denjenigen, der sich brav an die

Regel hält, benachteiligen, zeugen geradezu

zwangsläufig Nachahmer. Nichtgeahndete

Regelverletzungen eskalieren im

Sinne einer positiven Rückkoppelung,

wenn sie den Verletzenden systematisch

besser stellen – etwa, indem sie nicht

oder nicht genau oder durch wirksame

Verfahren kontrolliert werden. Es entwickelt

sich eine Dynamik der Selbstzerstörung

des sozialen Systems. Allenfalls

bleibt der Schein der Normeinhaltung an

der Oberfläche gewahrt, im Untergrund

dagegen herrscht das Gesetz des

Dschungels und der Vorteilsmaximierung

– oder gar schon Regelanarchie.

Haben nicht Wirtschaft, Politik und

Hochleistungssport – oder auch andere

Konkurrenzen, etwa im Wettbewerb der

Wissenschaftler um Stellen und Aufstieg

– diesen Zustand bereits erreicht? Wird

nicht die Norm oft nur noch als leere Hülle

verbal mit weichen oder vollen Lippen

beschworen, während die Realität untergründig,

insgeheim ganz anderen Gesetzen

– eben denen des Dschungels oder

der Wolfsmeute – folgt? Das alles sind

zweifellos drastische Formulierungen

und Fragen, die jedoch eingehender Klärung

bedürfen. Jedenfalls lassen sich die

Probleme des fairen Umgangs mit Regeln

in den meisten Institutionen der Erfolgsund

Auszeichnungskonkurrenz nicht

mehr allein mit Blick auf das Individuum

und seine Verantwortlichkeit lösen.

Es handelt sich um strukturelle soziale

Problemkonstellationen, die ihre eigene,

nur sozial zu erfassende System-Dynamik

entfalten. Probleme von Fairness und

Chancengleichheit in der Konkurrenz

sind typische Probleme solcher

Art, die nicht mehr bloß individualistisch

behandelt werden können. Maßnahmen,

die nur den einzelnen Akteur

verantwortlich machen wollen, erweisen

sich als ohnmächtig,

EQOS

Glückwunsch Gunter

„Wo das Bewusstsein schwindet, dass jeder Mensch uns als Mensch

etwas angeht, kommen Kultur und Ethik ins Wanken“ (A. Schweitzer).

Das Wanken zu verhindern, zeichnet Gunter Pilz und seinen Einsatz

für ein menschenwürdiges Zusammenleben aus. So auch im Beratungsnetzwerk

der Kampagne „Sport und Politik verein(t) gegen Rechtsextremismus“,

wo er als Vorsitzender das Vertrauen aller genießt.

Ich gratuliere zu dieser verdienten Ehrung!

Friedrich-Wilhelm Moog, Bundesministerium des Innern

I 31


32 I

EQOS

Glückwunsch Gunter

Lieber Gunter,

Fankultur, Integration, Fairplay – kein Themenfeld im Fußball ohne Dich!

Fußball bewegt die Welt, Dein Input und Deine Visionen bewegen den

Fußball! Danke für Deine Freundschaft!

Dein Fan, Bibiana

Bibiana Steinhaus, FIFA-Schiedsrichterin

Mahnungen und

Beschwörungen als

Alibistrategien, als

Marketing- und Werbungsaktionen

von

bloß appellativem Charakter; sie können

allenfalls auf das Problem aufmerksam

machen, dieses ins Bewusstsein der Öffentlichkeit

und aller Beteiligten rufen,

aber natürlich nicht die strukturelle Dynamik

der Doppelzwangsituation lösen, die

unverändert verbleibt. Die Folge einer

kompromisslosen Wahrnehmung des eigenen

Vorteils um nahezu jeden Preis,

„nötigenfalls“ (!?) auch mit unfairen Mitteln,

ist: Zwischen verschärftem Erfolgsdruck

und hehren Fairnessidealen hin und

her gerissen, bleibt, wenn nur noch der

Erfolg zählt, der gutwillige Akteur mit

seinen Idealen auf der Strecke und wird

zudem noch als „blauäugig“, als unverbesserlicher

Idealist, Amateur, Dummkopf

o.ä. verhöhnt. Wenn aus: „Nice guys

finish last!“ logisch messerscharf folgt,

dass Gewinner ausgekocht-durchtriebene

Meister des Dschungelgesetzes sein

müssen: Wer möchte da noch bloß ein

„nice guy“ bleiben?

Man sollte wirklich ein System von Strukturveränderungen

einzuführen versuchen,

durchtesten und verbreitet fördern,

indem man die systembedingten und

strukturellen Anreize zur Unfairness

demobilisiert, entdramatisiert – etwa dadurch,

dass man die Wichtigkeit des

sportlichen Siegs, die Singulärsiegerorientierung

(„Nur der Sieger zählt!“), bzw.

des Übertrumpfungs- bzw. Überlebenskampfes

in der Wirtschaftskonkurrenz

wirksam herabschraubt. Aber wie ist das

möglich, ohne dass Politiker, Wirtschaftler,

Medien, die Gesellschaft insgesamt

und der patriotische „Michel“ Wandlungszugeständnisse

machen und sich

selber an Brust und Portepee fassen? Wie

soll man in Leistungsbereichen, gerade in

trainingsintensiven Hochleistungssportarten,

die den jahrelangen Einsatz der

Gesamtperson samt allen Ressourcen

und Mitteln und Zeit, Kraft, Energie, Ausbildungsalternativen

usw. erfordern, die

Abrüstung des übertriebenen Konkurrenzegoismus

erreichen können? Taten

nicht, bis auf wenige Ausnahmen, viele

Sportfunktionäre, Politiker und Medienvertreter

und neuerdings manche Sponsoren

ein Übriges, den Leistungsdruck

und den Öffentlichkeitsdruck im Sport

geradezu anzuheizen, die Eskalation

der Erwartungen weiterzutreiben, den

Ernst der Auseinandersetzungen noch

zu forcieren, indem sie immer wieder


Medaillenerfolge fordern und zur Bemessungsgrundlage

der Sportförderung machen?

Professionalisierung, Leistungsprämien

– euphemistisch „leistungsbezogene

Kostenerstattung“ genannt – und so

genanntes materialistisches Erfolgsdenken

in der neurotisch verfassten Profilierungs-

und Ellenbogengesellschaft tun

ein übriges, verschärft noch durch die

existenzielle Konkurrenz um Ausbildungsplätze,

knappe Qualifikationen

und Zugänge zu qualifikationsgebundenen

Positionen und Privilegien. Nochmals:

verlangt man nicht das Unmögliche,

wenn man gleichzeitig rücksichtsvolle

Fairness einfordert und den Ernst

der Konkurrenz hochtreibt? Wie soll dies

angesichts der „zwei Seelen“ in der Brust

des Funktionärs und des Athleten, zum

Erfolg verdammt, aber stets fair und sauber

zu bleiben, möglich sein, solange

noch Geheimtricks der Vorteilssuche

möglich und die überwertige Gewinnorientierung

nicht herabgeschraubt ist?

Verstrickt in einer Zwickmühlen-Situation

zwischen existenziellem Ernst des sportlichen

Überlebenskampfes bzw. Siegenmüssens

und der traditionellen Deutung

des Sports als eines bloßen Spiels oder

einer ritualisierten Scheinaggression

ohne Ernstcharakter kann der Athlet geradezu

schizophrenieähnliche Geisteshaltungen

entwickeln. Der Sportkampf gerät

dann oft ernst und brutal, darf aber

nicht zu ernst und unfair geführt werden.

Verstrickt in die Doppelbindung zwischen

Ernstcharakter und spielerischer Fairness

hat der heutige Hochleistungssport offenbar

die Züge der paradoxen Polarität

eines solchen „Double bind“ (nach Bateson)

angenommen. Neurotische – gleichsam

der schizophrenen Spaltung verwandte,

geradezu „schizoide“ – Züge

kennzeichnen den verbissenen Ernst des

Athleten, in dieser Verstrickungssituation

zu bestehen. Angeheizt einerseits durch

öffentlichen Druck, durch übertriebene

und besonders betonte Bedeutsamkeit

und Existenzernst steht er vor der ständigen,

kaum noch geglaubten, nur noch

beschwörend-appellativ wirkenden Zurücknahmeforderung

der Fairnessregel

andererseits. Dies scheint eine neurosenförmige,

zumindest Neurosen fördende

Einbindung und Verstrickung zwischen

widersprüchlichen Forderungen zu erleichtern

– Doppelzwänge einer fast schizoiden

Spaltung struktureller Provenienz,

die angesichts des Existenzernstes nicht

mehr durch die bloße

Erkenntnis der

Doppelperspektiven

EQOS

Glückwunsch Gunter

Wenn es um Themen wie Faiplay, Fan-Kultur oder Rechtsextremismus

im Fußball sowie Gewalt im Sport geht, ist Gunter A. Pilz für die Medien

stets die erste Adresse. Seine Kenntnisse und Kompetenz sind unübertroffen.

Der DOSB zeichnet einen würdigen Preisträger aus. Herzlichen

Glückwunsch.

Hans-Joachim Zwingmann, Vizepräsident VDS (Verband Deutscher Sportjournalisten)

I 33


34 I

EQOS

aufgelöst werden könnte. Kein Wunder,

dass der Athlet dazu neigt, Vorteile aus

der Situation der sozialen Falle zu ziehen,

indem er Regeln zu umgehen oder heimlich

zu brechen versucht, um von dieser

relativen Selbstbevorteilung gegenüber

denjenigen zu profitieren, die sich an die

Regeln halten.

Nach wie vor lässt der oberflächliche

„hektisch-manische“ Aktionismus der

Öffentlichkeitsdiskussionen den Hochleistungssport

(genauer: dessen Management

und Betreuung) geradezu „im Dopingregen“

stehen, weil man nicht die

strukturellen Systemprobleme sieht, sondern

glaubt, dass diese durch Einzelpersonalisierung,

z. B. korrupte Verbandsfunktionäre

zu lösen seien (vor 20 Jahren

gab es korrupte IOC-Mitglieder, kürzlich

wurden wieder einmal FIFA-Bosse als bestechlich

bzw. Bestechende entlarvt).

Oder man folgt der alten Strategie der

Einzelkriminalisierung durch Sündenbockabstempelung

(einzelne Dopingüberführungen

von Athleten).

Nach wie vor jedoch überwiegen die

halbherzigen, eher nur den Imageschaden

begrenzenden Erklärungen in Sitzungen,

Symposien und öffentlichen Verlautbarungen.

Dieses „Krisenmanagement

in Ohnmachtssituationen“ („Hauptsache,

das Image stimmt, und der Sponsor

zahlt (noch)!“) – eine Ritualstrategie,

die sich immer wieder als bloße beschwörende

Imagepflege entlarvt, bleibt angesichts

von Systemzwängen und Strukturproblemen

nutzlos oder nicht „zielführend“

– gerade angesichts verschärfter

Kommerzialisierung und Konkurrenz um

Sponsorengelder und Teletermine. Dabei

sind die Probleme weder durch Einzelpersonalisierung

oder Sündenbockabstempelung

noch durch bloß publizitäres Imagemanagement

und medienplätscherndes

Krisengerede zu lösen.

Strukturelle Probleme, die ins System eingebaut

sind, und Systemzwänge wie die

genannten erzeugen (z. B. unfaire und

verdeckte Vorteilserschleichungen oder

die geradezu eine mentale „Spaltung“

fördernde Spannung zwischen dem edlen

Gentleman-Spiel und einem brutalen

Existenzkampf), sind so wirklich nicht zu

lösen. Vielleicht sind sie überhaupt nur zu

regeln, zu kontrollieren, abzumildern,

aber gar nicht endgültig zu lösen! Man

braucht internationale, institutionelle systemrelevante

oder gar System abändernde

Maßnahmen. Man muss endlich anfangen,

sich ernsthaft den Systemproblemen

und Strukturproblemen zu stellen.

Entscheidend sind dabei nicht nur die Ideen

oder Appelle, sondern besonders auch

Kontrollen, wirksame Anreize und institutionelle

Vorkehrungen, Erhöhung der

Sensitivität und „Operationalisierungen“

sowie die Institutionalisierung von Fairnesskontrollen

und vor allem -„incentives“

(wirksame Anreize) statt eines sich

Beschränkens auf Predigten und Appelle.

Ohne solche neuen Maßnahmen und

Sichtweisen „läuft“ offenbar nichts mehr.

Wenn man gleichsam in Kurzform

eine wichtige Leitregel zumal für die

„informelle Fairness“ formulieren soll, so

schlage ich als einige zusammenfassende

Thesen vor:

1. Behandle und achte den Partner und

Gegner, wie du selbst von diesem behandelt

und geachtet werden willst

und wie du, schon um der Erhaltung


des Wettkampfes und deines Sports

willen, wünschen musst, dass die

Spielregeln eingehalten werden.

2. Die generelle Überbetonung des Sieges,

die „Singulärsiegerorientierung

muss heruntergeschraubt werden:

„Nicht gewinnen ist kein Scheitern“

(so selbst der früher oft als „Leistungsfetischist“

verschrieene „Ruderprofessor“

Karl Adam, Trainer der

ersten „Deutschlandachter“).

3. Institutionelle und publizistische Möglichkeiten,

um die Doppelmoral des

„Fair nach außen und oberhalb der

Sichtlinie, unfair nach unten“, also

die „Wasserballmoral“, zu brandmarken,

sind m. E. äußerst wichtig, damit

der Ehrliche im Sport nicht länger

„der Dumme“ bleibt und „fair guys“

nicht zumeist als Letzte einlaufen

müssen.

4. Die wirklich unabhängige Schiedsgerichtsbarkeit,

Sondergerichtsbarkeit

des Sports muss ausgebaut werden.

5. Generell müsste auch die institutionelle

Sportethik viel weiter entwickelt werden

und nicht nur die ethische Anforderung

an den einzelnen Athleten.

6. Das notorische Dopingproblem muss

wirksam gelöst oder handhabbar

kontrolliert und effizient geregelt

werden: Die untersuchenden und die

urteilenden sowie Sanktionen verhängenden

Institutionen bzw. Instanzen

müssen wirklich unabhängig sein (wie

neuerdings durch die WADA angezielt)

und international gleichmäßig

tätig sein (was z. B. die überraschenden

Trainingskontrollen angeht).

7. Nicht nur einzelne Athletinnen und

Athleten sollen dabei zur Verantwortung

gezogen werden, sondern auch

verantwortliche Betreuer, Trainer, Ärzte

und Verbandsoffizielle, die für die Entstehung

und vor allem im Einzelfall die

konkrete Realisierung der strukturellen

Zwänge zur Unfairness und wie die

Presse sogar für die Spaltung der Moral

mitverantwortlich sind.

8. Um Athletinnen und Athleten besser

davor zu schützen, einzeln als Sündenböcke

abgestempelt zu werden,

wodurch geradezu die allgemeine

Aufmerksamkeit vom strukturellen

Zusammenhang abgelenkt wird, sollte

man so etwas wie einen Ombudsmann

für Fairness und Athleten einführen.

So könnte man eine gewisse

Kontrollinstitution oder zumindest

eine mahnende Stimme auch verbindlicher

machen.

9. Der Sport muss die Fairnessnorm (und

so seine eigene Glaubwürdigkeit) in

seinen Institutionen verteidigen; auch

diese selber müssen fair handeln und

urteilen.

10. Nur dann kann diese wahre kulturelle

Tochter des Sports ihre ethische

Vorbildwirkung in andere Bereiche

wirksam ausstrahlen: Vorfahrt für

Fairness! Eine wirkliche Fairnessgesellschaft

bleibt ein positiv-utopisches

Leitziel, wie die Zehn Gebote,

die man freilich auch nicht deswegen

abschaffen sollte, weil sie allzu oft

übertreten werden.

EQOS

I 35


36 I

EQOS

Gunter A. Pilz

persönlich


„Sozialwissenschaftler

in der Kurve“

von Dr. h. c. Alfred Sengle, DFB-

Sicherheitsbeauftragter a. D.

Meine persönliche und sehr subjektive

Sicht von Prof. Gunter Pilz

Kennengelernt habe ich „den Gunter“

bei meiner ersten oder bei einer meiner

ersten Teilnahmen an einer Sitzung der

Koordinationsstelle für Fanprojekte (KOS).

Es war nach der nicht besonders erfolgreichen

WM 1998 in Frankreich mit den

unvorstellbaren schrecklichen kriminellen

Gewaltexzessen deutscher Hooligans

in Lens, die zur lebenslangen

schweren Behinderung des französischen

Polizeibeamten Daniel Nivel

führten – ein bedrückender Vorgang,

der auf uns allen lastete, die sich mit

Fußball-Ausschreitungen beruflich oder

ehrenamtlich befassten. Ich war als DFB-

Vorstandsmitglied für besondere Aufgaben

einige Zeit zuvor zum DFB- Sicherheitsbeauftragten

und Vorsitzenden der

DFB-Sicherheitskommission berufen

wor den, weil mein hochgeschätzter

Vorgänger Willi Hennes diese Aufgabenbereiche

abgeben wollte und abgegeben

hatte.

EQOS

Willi Hennes war ein Verfechter und

Befürworter der Maßnahmen des „Nationalen

Konzepts Sport und Sicherheit“

– und das betraf organisatorische, bautechnische,

ordnungsrechtliche und

repressive Maßnahmen. Durchaus auch

von der Notwendigkeit der Prävention

überzeugt, verstand Willi Hennes darunter

aber eher eine unmittelbar auf die

Sicherheit ausgerichtete Konzeption,

und weniger die erzieherische, dialogoffene,

betreuende, auf mittel- und langfristige

Ziele gerichtete. So kam es

gegen Ende seiner Amtszeit in den

KOS-Beiratsitzungen zu Differenzen mit

anderen Mitgliedern, die dazu führten,

dass er fernblieb.

In dieser Situation nahm ich nach meiner

Berufung erstmals an der Sitzung

des KOS-Beirats teil, voller Skepsis, wie

ich gerne einräume. So traf ich auf G.A.

Pilz, Thomas Schneider und Michael

I 37


38 I

EQOS

Gabriel und fand zunächst meine auf

Willi Hennes’ Einschätzung beruhenden

Vorurteile bestätigt. Hier begegneten

mir Sozialarbeiter, die nach meinem damaligen

Empfinden im Fußballfan nur

den guten, vielleicht hin und wieder im

Einzelfall über die Stränge schlagenden

jungen Fußballanhänger sahen, der,

durch Ordnungs- und Sicherheitsvorschriften

gegängelt, erst recht zur Überschreitung

animiert, sogar geradezu gereizt

wird. Und dazu einen gestandenen

Sozialwissenschaftler – Gunter Pilz – der

stolz darauf war, mitten unter den Fans

in der Kurve zu stehen und auch noch

sich wie diese mit einem Schal und anderen

Fanutensilien schmückte und den

Eindruck erweckte – wie die Fans – alle

diejenigen, die sich auf der Tribüne, insbesondere

der Ehrentribüne am Fußballspiel

freuen und auch mit Begeisterung

dabei sind, für eher

negative Begleiterscheinungen

zu halten.

Und das mir, der

ich als ehemaliger Aktiver und AH-Spieler

in unteren Ligen selbstverständlich

stets auch heute an der Spielplatzumzäunung

und auf Erdwällen seinen Zuschauerplatz

fand und findet. Dazu diese

einem sprachlich eher nüchternen

Juristen weniger erschlossene Diktion

und Ausdrucksweise der Sozialwissenschaftler.

Eine weitere Gemeinsamkeit – abgesehen

von der Fußballbegeisterung und

dem deutlich spürbaren Engagement –

zwischen Gunter Pilz und mir war alsbald

erkennbar: Wir reden in Sitzungen

zu viel, zu oft, zu lange und zu hartnäckig.

Wir nerven damit Andere. Erkennbar

war auch, dass meine erste Antipathie

auf Gegenseitigkeit beruhte. Und

dennoch bot mir Gunter Pilz dann schon

in der nächsten Sitzung das „Du“ an. Er,

der Jüngere, mir, für den dies zwar unter

Fußballern und Sportlern wie auch in

meinem Dorf, in dem ich aufgewachsen

bin und wohne, eine bare und

Glückwunsch Gunter

Im Namen des Präsidiums der Leibniz Universität Hannover gratuliere

ich Ihnen herzlich zu der Auszeichnung mit dem Ethikpreis des Deutschen

Olympischen Sportbundes. Als renommiertester Konflikt- und

Gewaltforscher Deutschlands haben Sie sich bundesweit einen Namen

gemacht. Unsere Gesellschaft braucht Menschen wie Sie, engagierte Menschen, die aus

Überzeugung handeln und mit Ihrem Wirken Positives stiften. Möge es Ihnen vergönnt sein,

Ihr Engagement zum Wohl der Wissenschaft und zum Nutzen der Gesellschaft noch viele

Jahre fortzuführen. Ich wünsche Ihnen dazu Glück und Gesundheit!

Prof. Dr.-Ing. Erich Barke, Präsident der Leibniz Universität Hannover


erwünschte Selbstverständlichkeit ist, für

den aber im beruflichen und außerberuflichen

Bereich in dieser Frage eher Distanz

und Zurückhaltung die Leitlinie ist!

Alle diese Eindrücke der ersten Begegnungen

haben sich in den vergangenen

15 Jahren als falsch, mindestens als interpretationsnotwendig

herausgestellt.

Zunehmend wurde mir deutlich, dass

nicht nur diejenigen im KOS-Beirat,

deren Denkweise mehr auf die ordnungsrechtliche

Sicherheitskomponente

gerichtet ist, sondern auch die „andere“

Seite, also die Sozialwissenschaftler,

Sozialarbeiter, Sozialpädagogen ihre

Verständnisprobleme hatten, bei Einheitlichkeit

in dem Ziel, das Zuschauerund

Fanverhalten für den Fußball positiv

zu beeinflussen.

gelernt. Heute sind wir uns gegenseitig

Freunde, zu denen wir über langjährige

gemeinsame Ziele, Vorhaben aber auch

Auseinandersetzungen geworden sind.

Er hat sich um den DFB, den Fußball und

sein Umfeld verdient gemacht und sich

trotz mancher Enttäuschungen erfolgreich

um ein Umdenken in einem der

größten Problembereiche bemüht: Sei

es beim Dialog mit den unterschiedlichen

Beteiligten, sei es beim Rassismus,

beim Antisemitismus, bei der Auseinandersetzung

mit Neonazi-Szenen im Stadion

und im Umfeld des Fußballs oder

auch bei der wichtigen Suche nach dem

richtigen Weg bei der Integration. Oder

EQOS

Ich habe Gunter als Menschen, als Fachmann

und als Fußballer schätzen

Glückwunsch Gunter

Lieber Gunter, eine ganz besondere Auszeichnung,

die Dir durch den DOSB zuteil

wird. Als erst zweiten Preisträger hat es Dich

nun also direkt „erwischt“. Eine hohe Auszeichnung, die Du Dir durch Dein hohes Engagement,

Deine zahlreichen Projekte, Deine Vielzahl von nationalen und internationalen Beziehungen,

die Du auch uns immer wieder großzügig zur Verfügung stellst, sicherlich mehr als

verdient hast.

Für Deinen weiteren Weg, der sich ja auch immer wieder mit dem unsrigen kreuzt, wünschen

wir Dir alles erdenklich Gute, vor allem aber Gesundheit, Glück und vielleicht ein

bisschen mehr Ruhe und Zeit für die schönen Dinge im Leben.

Es grüßen Dich ganz herzlich Micha und Tanja – Fanprojekt Hannover

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40 I

EQOS

auch bei den Diskursen um die moralische

und ethische Verpflichtung des

Sports und um seine Verantwortlichkeit

in unserer Gesellschaft und das Handeln

nach diesen Grundwerten, die Probleme

der Sicherheit, seien es die Sorgen und

Nöte der Fangruppierungen, sei es sein

Werben um Verständnis für die Sichtweise

und Anliegen der Fans, der Kampf

gegen Gewalt und gegen Ausschreitungen

und nicht tolerables Verhalten, wie

z. B. die Pyrotechnik in den Stadien.

Ich sehe bewusst davon ab, diese pauschale

Behauptung und diese Bewertungen

durch Beispiele zu belegen, wofür

andere mehr berufen sind, aber auch in

der Erkenntnis, dass dies bei Gunters

Schaffenskraft ein allzu umfangreiches

Unterfangen darstellte und der kundige

eh` weiß, wovon ich rede.

Versuchen dagegen will ich, ein wenig

zu schildern, wie ich ihn heute sehe und

zu kennen glaube. Bewundernswert ist

sein nie nachlassendes, stetiges Engagement,

sein temperamentvolles Eintreten

für neue Wege und Vorstellungen, die

er für richtig erkannt hat, seine Beharrlichkeit

im Verfolgen von Ideen, seine

Fähigkeit, Rückschläge zu verkraften

und zu verarbeiten und daraus zu lernen,

seine Art, sich den Menschen zu

nähern, wie unterschiedlich deren Verhalten

und Ansichten sein mögen, auch

wenn ihm dabei Enttäuschungen nicht

fremd sind und erspart bleiben. Eine Einstellung,

die manche auch für eine gewisse

Schwäche seiner Denkweise halten

mögen, wie auch seine Beharrlichkeit,

daran festzuhalten, grundsätzlich

an das Gute im Menschen zu glauben.

In Gunter sehe ich einen Mann, des „sowohl

– als auch“. Er ist eloquent, ein diskussionsfreudiger

Partner und Gegner

mit erfreulicher Streitkultur, versteht

aber auch, zuzuhören und sich Argumenten

anderer zu öffnen. Er tritt zwar

vehement für die fordernden Anliegen

der Fans ein, aber ebenso auch dafür,

selbst gegebene Regelungen, Vereinbarungen

und unabdingbar notwendige

Ordnungsregeln einzuhalten, und

scheut sich nicht, „seiner Klientel“, dem

Fan, auch konträre Ansichten, mit denen

er sich wissentlich unbeliebt macht,

zu vermitteln. In Disputen fühlt man sich

an eine Art etwas abgewandelter dialektischer

Methode erinnert. These des einen,

Antithese des anderen. Versuch der

Synthese im Sinne einer gemeinsamen

optimalen Problemlösung.

Gunters außergewöhnlichem Engagement

ist es zu verdanken, dass er sich

stets fachlich und beruflich in Gänze einbringt.

Es kennzeichnet ihn aber auch,

dass er sich in seinem großen Verwandtschafts-

und Bekanntenkreis wohl fühlt

und Kontakte pflegt, wann und wo es

nur geht.

Gunter ist ein geselliger Mensch. Wer

ihn schon einmal zu später Abendstun-


de erlebt hat, wenn er seine Gitarre hervorholt

und rockt oder jazzt, wird mir

sicher zustimmen. Auch wer schon einmal

seiner Einladung folgt und ihn zu

Hause aufsucht, wird mir bestätigen,

dass die herzliche, offene Gastfreundschaft

die Gespräche in seinem Garten

befruchtet. Spätestens jetzt ist es nicht

nur geboten, sondern mir ein besonderes

Anliegen, an seine liebenswerte,

charmante, kluge, auf die Menschen zugehende,

gleichwohl zurückhaltende

Hilda zu erinnern, die zu treffen eine

stete Freude ist und ohne die Gunter für

mich nicht vorstellbar ist. Bei aller rastlosen

Tätigkeit nimmt sich das Paar Zeit,

gemeinsame Fahrten in die weitere Umgebung

zu machen, von Norwegen bis

in südliche Gefilde mit dem unabhängig

machenden Wohnmobil.

So macht es beispielsweise einfach

Spaß, sich unbeschwert mit Gunter und

Hilda und mit meiner Frau an einem

Wochenende in einem Weingut in der

Pfalz zu treffen und einen Abend lang

nicht nur über den Fußball und seine

Probleme zu diskutieren, sondern bei einem

Glas Wein und einem guten Essen

über Gott und die Welt zu reden.

EQOS

Glückwunsch Gunter

Gunter A. Pilz unterstützt die Soziale Arbeit der Fanprojekte schon seit

nahezu 30 Jahren und gehört damit zu den herausragenden Persönlichkeiten,

die diesen Ansatz der Jugendarbeit etabliert und kritisch

mitgestaltet haben. Dies macht er nicht nur theoretisch, wie es von einem Professor der

Sportsoziologie zu erwarten ist, sondern auch ganz praktisch. Er hat das Fanprojekt in Hannover

mitbegründet. Auch dem Beirat der Koordinationsstelle Fanprojekte gehört Gunter

A. Pilz seit Anbeginn an. Bei all seinem Engagement zeichnen ihn neben seinem rastlosen

Erkenntnisinteresse auch seine Lust am Diskurs und kritischen Widerspruch aus – und das

unabhängig davon, ob er mit einem Fan aus der Kurve, dem Innen minister oder mit dem

Präsidenten des DFB debattiert. Auch deshalb ist er ein würdiger Preisträger!

Michael Gabriel, Leiter Koordinationsstelle Fanprojekte (KOS),

bei der Deutschen Sportjugend

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EQOS


Lebenslauf

Gunter A. Pilz

Hon.-Prof. Dr. phil.,

Dipl.-Soziologe,

Akad. Oberrat i.R.;

geb. 5.12.1944

Studium:

der Soziologie, Psychologie und Volkswirtschaftslehre

an der Universitäten

Freiburg i. Brsg., München und Zürich

(1965-1971), Promotion zum Dr. phil.

an der Fakultät für Geistes- und Sozialwissenschaften

der Universität Hannover

(1981)

beruflicher Werdegang:

1972-1974 wiss. Mitarbeiter am Forschungsinstitut

der Eidgenössischen

Turn- und Sportschule Magglingen

(Schweiz), 1975-1976 wiss. Angestellter,

1976-1978 Akad. Rat, 1978-2010

Akad. Oberrat am Institut für Sportwissenschaft

der Leibniz Uiversität Hannover;

seit Januar 2000 Honorarprofessor

an der Fachhochschule Hannover,

Fakultät V, Diakonie, Gesundheit und

Soziales, seit Mai 2012 Leiter der

Kompetenzgruppe „Fankulturen und

Sport bezogene Soziale Arbeit“ am

Institut für Sportwissenschaft der

Leibniz Universität Hannover

Forschungs- und Arbeitsschwerpunkte

- Gewalt in der Gesellschaft und im Sport

- Rechtsextremismus und

Diskriminierung im Sport

- Fairplay

- sport-, körper- und bewegungsbezogene

Soziale Arbeit

- Sozialwissenschaftliche Fragestellungen

des Sports, besonders Gewalt,

Rechtsextremismus, Integration,

Fankultur und Fanverhalten

- Jugendsoziologische Fragestellungen

Gutachter

für das Bundesinnenministerium

- Sport und Gewalt (1981)

- Darstellung von Gewalt im Sport,

in den Medien und ihre Auswirkungen

(1987)

- Fanverhalten und Fankultur (1988)

- Wandlungen des Zuschauerverhaltens

im Profifußball (2006)

- Rechtsextremismus im Sport in

Deutschland und im internationalen

Vergleich (2008-2009)

für den DFB

- Fans und Ultras im Internet

(2002-2003)

- Evaluation Fan- und Besucherbetreuungsprogramm

WM 2006

(2005-2006)

- Evaluation der Schul- und Vereinskampagne

Team 2011 des OK der FIFA-

Frauenfußball-WM 2011

EQOS

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EQOS

- Wissenschaftliche Begleitung des Projekts

„Kinderträume wahrmachen“

des OK der FIFA-Frauenfußball-WM

2011

für das Deutsche Jugendinstitut

für den Europarat

für das Innenministerium

Niedersachsen

Mitbegründer und wissenschaftlicher

Begleiter

- des Fußball-Fan-Projektes Hannover

(seit 1985)

Beauftragter

- des Deutschen Fußball-Bundes für

Prävention und Anti-Diskriminierung

(seit 2010)

Berater

- des Deutschen Fußball-Bundes für

Fan-Fragen und Gewaltprävention

(seit Oktober 2006)

Vorsitzender

- Vorsitzender der Arbeitsgruppe „Für

Toleranz und Anerkennung, gegen

Rassismus und Diskriminierung“ des

Deutschen Fußball-Bundes (seit 2006)

- Vorsitzender der AG Gewaltprävention

im und durch Sport des Ministeriums

für Familie, Kinder, Jugend,

Kultur und Sport (MFKJKS) des Landes

Nordrhein-Westfalen (seit 2009)

- Vorsitzender der AG Qualitätssicherung

der Fan-Projekte nach dem

Nationalen Konzept Sport und Sicherheit

des Beirats der Koordinationsstelle

Fanprojekte (seit 2010)

- Vorsitzender des Beratungsnetzwerks

„Sport und Politik verein(t) gegen

Rechtsextremismus“ (Beratungsnetzwerk

REX) (seit 2011)

- Vorsitzender der AG Fairplay der Kommission

Nachhaltigkeit des Deutschen

Fußball-Bundes (seit 2011)

- Vorsitzender der AG „Prävention

sexualisierter Gewalt“ der Kommission

Nachhaltigkeit des Deutschen Fußball-

Bundes (seit 2012)

Ehrungen

- Verleihung der goldenen Ehrenspange

des Niedersächsischen Fußballverbandes

für „hervorragende Verdienste um

die Förderung des Fußballsports und

in Anerkennung unermüdlichen Eintretens

für seine Ziele“ (am

19.07.2012)

Ehrenamtliche Tätigkeiten

- Mitglied im Kuratorium der Stiftung

St. Laurentius Nienhagen

- 2. Vorsitzender des Vereins zur Förderung

aufsuchender Jugendsozialarbeit

Hannover e.V.

- Vorsitzender der Neuen JazzInitiative

Celle e.V.

(www.neue-jazzinitiative-celle.de)

- Ehrenmitglied des Fördervereins der

Big Band Celle


Bibliographie (Auszug)

Prof. Dr. Gunter A. Pilz

Publikationen

Neue Publikationen 2012

PILZ, G.A.: Von der Fankultur zum Gewalt-Event.

Wandlungen des Zuschauerverhaltens im Fußball.

In: Kriminalistik 66, 2012, 4, 203-209

PILZ, G.A.: Neue Entwicklungen in der Ultra- und

Fanszene. Folgerungen für polizeiliches Handeln.

In: Kriminalistik 66, 2012, 6, 339-348

Neue Publikationen 2011

LEMKE, W./KÜNZER, N./PILZ, G.A.: Osnabrücker

Friedensgespräche 2010 „Fußball-Spielfeld für

Integrationen oder Ausgrenzung?“ In: Buck, H.

(Red.): Veränderte Sicht auf Risiken? Osnabrücker

Jahrbuch Frieden und Wissenschaft 18, Göttingen

2011, 41 - 60

PILZ, G.A.: „Tatort Stadion“ – Jugendliche Fankulturen

und die Inszenierung von Gewalt.

In: Brinkmann, H.U./Frech, S./Posselt, R.-E. (Hrsg.):

Gewalt zum Thema machen. Gewaltprävention

mit Kindern und Jugendlichen. Paderborn 2011,

überarbeitete, erweiterte Neuauflage

PILZ, G.A.: Sport als Gewaltprävention.

In: HÖFLING, W./HORST, J.- (Hrsg.): Sport und

Gewalt. Tübingen 2011, 103-121

PILZ, G.A.: „Fangewalt, Rechtsextremismus und

Diskriminierung im Fußballsport.“ In: Deegener,

G./ Körner, W. (Hrsg.): Gewalt und Aggression im

Kindes- und Jugendalter. Ursachen, Formen,

Intervention. Weinheim und Basel 2011, 233-250

Neue Publikationen 2010

PILZ, G.A.: De la culture ultra à la culture de la

violence. Violence et racism dans le contexte du

football allemande. In: Allemagne d´aujourd´hui,

Nr. 193, juillet-septembre 2010, 194-205

PILZ, G.A.: Gewalt und Gegengewalt. Zur Notwendigkeit

von Dialog und Kooperation zwischen

Polizei, Fanprojekten und Fans. In: Möller, K.

(Hrsg.): Dasselbe in grün? Aktuelle Perspektiven

auf das Verhältnis von Polizei und Sozialer Arbeit.

Weinheim 2010, 56-63

PILZ, G.A./WÖLKI-SCHUMACHER, F.: Übersicht

über das Phänomen der Ultrakultur in den Mitgliedsstaaten

des Europarates im Jahre 2009.

Hannover 2010

PILZ, G.A.: La sociologie de la violence sportive

en Allemagne: un état et un itinéraire. In: IRSV.

International Review on Sport and Violence,

2009 Numéro 3 - Football, violence et sécurité,

www.irsv.org

Neue Publikationen 2009

Pilz, G.A. Rassismus und Fremdenfeindlichkeit im

Fußballumfeld - Herausforderungen für die Präventiion.

In: Braun, St./Geisler, A./Gerster, M. (Hrsg.):

Strategien der extremen Rechten – Hintergründe –

Analysen – Antworten. Wiesbaden 2009, 564-578

Pilz, G.A.: L´Agressivité: naturellement masculine?

In: Institut National du Sport et de L´Éducation

Physique (Ed.): Le Sport du Haut Niveau au

Féminin. Paris 2008, 47-58

Pilz, G.A. Sport und Gewaltprävention – Ein Interview.

In: Institut für Friedenspädagogik Tübingen

e.V. (Hrsg.): Fußball für Frieden und Entwicklung –

Essentials für die Entwicklungszusammenarbeit.

Tübingen 2009, 24-26

Pilz, G.A.: So funktionieren Sport- und Bewegungsangebote.

In: Gesundheit Berlin e.V: (Hrsg.):

Gesundheitsförderung in den Quartieren der Sozialen

Stadt. Berlin 2009, 108-112

Pilz, G.A.: Wie viel Soziale Arbeit und Prävention

kann der organisierte Sport leisten? In: Schuster, W.

(Hrsg.). Du brauchst Bewegung. Sport zwischen

Bildung, Bodycult, Doping und Wertevermittlung.

Schorndorf 2009, 111-125

Pilz, G.A.: Sport und Entwicklung. Plädoyer für

eine „Kultur des Sports“. In: InWEnt (Hrsg.): Bildkorrekturen.

Sport, Entwicklung und Medien.

Journalistenseminar 27.-29. November 2008 im

Internationalen InWEnt-Bildungszentrum

Starnberger See. Feldfing 2009, 4-7

HOCHMANN, B./PILZ, G.A.: Hat Rugby eine

gewaltpräventive Wirkung? Eine Fallstudie zur

Begleitung des Projektes „Rugby – ein Teamsport

zur Gewaltprävention?“ Hannover 2009

MARQUARDT, A./KUHLMANN, D./PILZ, G.A.:

Boxsport im Aktionsprogramm Schule-Sportverein

in Niedersachsen. Projektbericht Hannover 2009

EQOS

I 45


46 I

EQOS

Jailhouse Rock

Jazz, Blues und Rock – unser Preisträger ist auch Gitarrist und Musik liebhaber.

Deshalb ganz zum Schluss, die Noten eines seiner Lieblingssongs.


Impressum

V.i.S.P.:

Dirk Dirbach (DOSB),

Ralf Köttker (DFB)

EQOS

Redaktion:

Dirk Dirrbach,

Thomas Hackbarth,

Stefanie Schulte

Fotos:

Getty-Images, ap

Gesamtherstellung:

Braun & Sohn Druckerei GmbH & Co. KG

www.braun-und-sohn.de

I 47


Deutscher Olympischer SportBund l Otto-Fleck-Schneise 12 l 60528 Frankfurt am Main

Tel. +49 (0) 69 / 67 00 0 l Fax +49 (0) 69 / 67 49 06 l www.dosb.de l E-Mail office@dosb.de

Deutscher Fußball-Bund e. V. l Hermann-Neuberger-Haus l Otto-Fleck-Schneise 6

60528 Frankfurt am Main l Tel. +49 (0) 69 / 67 88 0 l Fax +49 (0) 69 / 67 88 266 l www.dfb.de

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