Vater Luther spricht

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Vater Luther spricht

Vater Luther spricht

Messgewänder sind nicht nötig.

Nur zunächst ist man erbötig,

Sie ein bisschen da zu lassen,

Bis die Fetzen sie erfassen,

Sie dann für immer alle sind

Und man schnell was andres find.

Wann hat er das denn wohl gesagt?

Der Deutschen Messe es behagt,

1526 war das schon,

Auftakt zur Reformation.

Messgewänder soll man missen,

Die alten sind doch längst verschlissen.

Das „Wort“ hat sie doch eingerissen.

Lange gibt`s schon den Talar,

Der auch Luthers Amtstracht war,

Wenn er als Professor lehrte

Oder von der Kanzel wehrte

Allem Missbrauch der Papstei,

Deren Zeiten sei`n vorbei.

Sakrament – ein großes Wort,

Es ist ja des Wortes Hort,

Selbst ein sichtbares Wort.

Wollt ihr das nicht stehen lassen,

Könnt ihr das nicht mehr erfassen,

Meint, ihr müsst euch wichtig machen

Mit Papstes Maskeradensachen?

Das wollt ihr lutherisch dann nennen,

Unsern Luther nicht mehr kennen.

Schrecklich ist doch die Parade

Mit katholischer Fassade!

Die „reine Lehre“ zu verkünden,

Muss man Plünnen nicht erfinden.

Priesterweih – ein Sakrament?

Philippus` Apologie sie kennt,

Aber nur im weitren Sinn,

Da gehört noch manches hin.

Und was ist mit Ordination?

Die kannte Bugenhagen schon,

Hat ausführlich sie beschrieben

In Hamburgs Stadt für seine Lieben.

Da steht ihr Ritus ausgedruckt,

Wenn ihr mal nach Hamburg guckt.

Offiziell und anerkannt

In Wittenberg für`s ganze Land,

Wurd`sie 1535.

Damit war man dann ganz fleißig,

Zu wehren aller Konfusion,

Manchem dummen Ketzerton.


Ein Examen war dabei:

Der Ordinand auch kundig sei.

Handauflegung dient`zum Segen,

Das Wort soll stets der Geist bewegen.

Ein Zeugnis ward dann ausgestellt

Mit Gültigkeit in aller Welt,

Doch bestimmt für eine Pfarre.

Auf diesem Brauch man stets beharre.

Weitres kann ich nicht erkennen,

Nirgends Messgewänder nennen,

Die dem Ordinand zu reichen.

Das stellte ganz verkehrte Weichen.

Bugenhagen sagt`s direkt,

Hat das nicht erst ausgeheckt,

Dass da Kleider oder Pracht

Dabei sei`n nicht angebracht.

Ein separater Priesterstand

Gehört doch nicht in Luthers Land;

Denn auch immer ganz charmant

Ist Pastor auch im Hausmannsstand.

Eine Pfarrfrau nimmt es krumm,

Läuft ihr Mann so weibisch rum.

Sie hat nicht nur im Haus das Sagen,

Manchmal darf man gern sie fragen.

Sie weiß doch alles lange schon,

Kennt wohl Augsburgs Konfession,

Unverändert soll sie stehen,

Keinen Kompromiss eingehen,

Abgesetzt von Union,

Doch bitte nicht zurück nach Rom!

Mit katholischen Manieren

Könnt ihr uns nicht imponieren.

Und zuletzt will ich euch sagen,

Wo ihr findet Bugenhagen:

Im „Sehling“ treulich aufgereiht,

In Band V, auf Hamburgs Seit`.

In Hamburg bei sehr klugen Leuten,

Pfaffen nicht ins Auge streuten

Pfeffer römischer Couleur.

Denn klarer Wind, der weht da sehr,

Nicht allein vom großen Meer.

Wo Bugenhagen einst gesessen,

Da kann man ihn gar nicht vergessen.

Bugenhagen Luther ehrt,

Drum haltet ihn ganz unversehrt.

Den Antichrist lasst da nicht ein.

Der machte viel zu lange Pein.

Unser Michel schlägt darauf,

Macht doch eure Augen auf.

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