Bologna. Der Anfang war doch sehr verschwommen, Wann hat sie ...

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Bologna. Der Anfang war doch sehr verschwommen, Wann hat sie ...

Bologna.

Der Anfang war doch sehr verschwommen,

Wann hat sie den Beginn genommen,

Wann war’s zuerst, dass als Universität,

Sie als solche schon besteht?

Erst schrieb der Papst noch keine Bulle,

Die sie geistlich hoch einlulle.

Auch der Kaiser war noch fern.

Doch lehrt man in Bologna gern.

Erstmal ging es um die Rechte,

Dass auch niemand sie anfechte.

Wohl geordnet soll’n sie sein.

Gratian tritt dafür ein.

Da hielt man es mit Kanonistik,

Und der Gratian war listig,

Schrieb für Studenten auf sein Buch,

Das man durch die Zeiten trug.

Sein Decretum wohl bekannt,

Immer auch nach ihm benannt,

Steckt voll Weisheit aller Väter.

Das benutzte man auch später,

Auch noch in der Reformation

Fand man darin manchen Ton.

Gratian war raffiniert,

Hat gleich zwei Seiten aufgeführt,

Macht er da Concordia,

Das man so und so es sah:

Discordantium canonum.

Das war ganz bestimmt nicht dumm.

Passt das eine, andres nicht,

Gibt es fast ein Gleichgewicht.

Das eine kann man gar nicht brauchen,

Beim andren dann die Schädel rauchen.

Dialektisch ist der Ton,

Wie die Scholastik zeigt es schon.

Vor allem ist`s ein Arsenal

Der Väterstellen allzumal.

Sauber ist es auch gegliedert,

Für Studenten angebiedert:

Distinctiones und dann causae,

Auf quaestiones folgen dicta,

Die dann das zusammenfassen,

Was will auseinander klaffen.

Paedagogisch angemessen,

Der Studenten nicht vergessen

Hat es schon der Kamaldulenser,

Er trug wohl auch noch Mönchsgewänder.

Das war so um 1140.

Doch weiteres alsbald schon rührt sich.


Da kam der Kaiser Barbarossa,

Der Rechte Ordnung voll genoss er,

Gab das Scholarenprivileg,

Brachte die Schule auf den Weg

Mit eigener Gerichtsbarkeit,

Den Dominus, der dann bereit,

Eine Schutzfunktion zu üben,

Lehrern, Schülern zum Belieben,

Dass keiner sollte sie betrüben.

Barbarossa, interessiert

Am Recht, wie er das Reich auch führt,

Hob bald an mit Rezeption

Der Rechte für des Reiches Kron.

Bei Kanonistik blieb es nicht.

Bald kam das Römsche Recht in Sicht,

Wie der Kaiser Justinian

Es in ein Corpus hat getan.

Da gab es die Institutionen,

Die Pandekten nicht zu schonen,

Den ganzen Codex noch dazu.

Die Wissenschaft kennt keine Ruh.

Auch von dem Kaiser die Novellen

Sollten da das Recht erhellen.

So hat Bologna viel zu tun.

Doch damit wuchs dann auch sein Ruhm.

Auch der Papst ließ sich`s nicht nehmen –

Er müsste sich ja sonst auch schämen,

Bestätigt Ordo promotionis

Und alsobald gelingt auch schon es.

Das war Honorius der Dritte,

An den erging mit Gunst die Bitte.

Das war 1219.

Da kann man sich entwickeln sehn

Die drittgrößte Universität,

Die nicht nur nach Rom ausspät,

Vielmehr noch nach Napoli,

Deren Gründer war Genie

Rotbarts Enkel, stupor mundi.

Wie`s in Bologna weiter geht:

Vieles ward da ausgesät.

Es ging nicht nur durch eine Mühle,

Es gab der Schulen da sehr viele.

Man kann es wohl sogar so nennen,

Schulen, Universität nicht trennen.

An erster Stelle bleibt das Jus.

Doch wie es dann geschehen muss,

Die freien Künste sind auch wichtig,

Ohne die ist alles nichtig.

Und so heißt es dann: ergänz!


Denn da gibt es Konkurrenz.

Das wollt’ Bologna nicht versöhnen,

Wenn alle nach Neapel strömen.

Neapel war ja hochmodern

Und traf immer auf den Kern.

Bologna war sehr viel geteilt,

Hier und da die Schule weilt,

Hier und da Universität,

In Mehrzahl jeweils ausgesät.

Hier und da Zusammenschlüsse,

Dass man an alles denken müsse,

Hier Studenten, da Dozenten

Die Zerstücklung will nicht enden,

Ständig neue Fakultäten,

Die nach bessrem Wissen spähten.

Aber doch Bolognas Rechte

Man sehr hoch wohl loben möchte.

Sie machten auch das Deutsche Reich

Bald ja einem Staate gleich.

Was Barbarossa angefangen,

Sollt’ zum subsidiären Recht gelangen,

Mussten dazu auch die Glossatoren

Sehr viel arbeiten und bohren.

Was die dann noch nicht schafften,

Dafür Postglossatoren haften.

Das Römsche Recht ward so gebogen,

Dass für Deutsche es gezogen.

Immer hat es schwer gewogen.

Ja, und das Kanonsche Recht

Fand man erstmal auch nicht schlecht,

Auch der Päpste Decretalen

Zählt man zu des Rechts Denkmalen.

Vom Jus commune ist’s ein Teil.

Und es ist sogar auch feil

Bei dem Kammerreichsgericht,

Der Kaiser gibt ihm da Gewicht.

Kaiser Max, der es gegründet,

Hat da des Rechtes Licht entzündet.

Das war 1495.

Das heil’ge Reich darüber freut sich.

Hat Luther das Decret verbrannt,

So hat Bugenhagen wohl erkannt:

Martin, nein, so geht das nicht.

Gratian hat Schwergewicht.

Man muss sich auseinander setzen,

Auch wohl oft das Messer wetzen,

Doch es ist nicht alles schlecht,


Die Kirchenväter sind doch echt.

Auf denen gründen wir uns auch.

Sieh nur, wer steht auf dem Schlauch?

Also sieht man kritisch an,

Was einst Gratian getan.

Doch man kann ihn gut gebrauchen,

Um in die Väter ein zu tauchen.

Der Pommer ist da nicht allein,

Timann, Rhegius stehn im Reihn,

Greifen auf den Mönch zurück,

Der hat dabei nicht immer Glück.

Gratian schuf’s Fundament

Und Bolognas Testament.

Es zählt zu großen Opera,

Für Jahrhunderte war’s da.

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