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Management

Den Stress rausnehmen

der Weg zum gesünderen Arbeiten

Text: Gabi Kannamüller

Dem Alltagsstress kann sich Umfragen

zufolge kaum ein Arbeitnehmer entziehen: Zeitmangel

und immer höhere berufliche Anforderungen gelten

ebenso als Ursachen dafür wie Reizüberflutung durch

die Medien oder die allgegenwärtige Rastlosigkeit des Alltags.

Doch Stress kann krank machen, auch dies ist längst

bekannt. Arbeitswissenschaftler plädieren deshalb dafür,

den Blick für jene Ursachen von Stress zu schärfen, die

sich im Arbeitsalltag vermeiden lassen.

Die Diskussion in Gang brachten im vergangenen Herbst die

Krankenkassen: Immer mehr Menschen, so ihre Feststellung,

litten an psychischen Erkrankungen, viele Arbeitnehmer seien

über die Maßen gestresst – was letztlich über Leistungsminderung

und einen Anstieg des Krankenstandes auch auf die

Wirtschaft durchschlage. Als Mitverursacher dieser zunehmend

belastenden Situation nennen Arbeitspsychologen u.a.

den zunehmenden Trend, von Mitarbeitern zu erwarten, „allzeit

bereit“ zu sein: für E-Mails, SMS, Telefonanrufe rund um

die Uhr, am Wochenende und im Urlaub. Auf die Warnungen

reagierten manche Unternehmen rasch: Der Autokonzern

Volkswagen oder die Telekom beispielsweise legten klare (und

durchaus mitarbeiterfreundliche Regelungen) für den Umgang

mit Mails und Telefonaten fest.

Umdenken ist angesagt

Damit schlugen sie eine Denkrichtung ein, die immer stärker

greift: Im Hinblick auf die Stressprävention muss zwar jeder

einzelne für sich individuelle Maßnahmen nutzen; zugleich aber

sind auch die Unternehmen gefordert zu überprüfen, inwieweit

es am Arbeitsplatz zu psychischen Belastungen kommen

kann. Interessant: Einer Untersuchung des Wirtschafts- und

Sozialwissenschaftlichen Instituts der Gewerkschaften zufolge

mangelt es genau daran vor allem in Kleinbetrieben mit weniger

als 50 Beschäftigten. Sie sind nun gefordert, sich stärker

im „psychischen Arbeitsschutz“ zu engagieren.

Zugegeben: Der Arbeitsalltag ist (auch) in der Apotheke nicht

komplett planbar. Stoßzeiten mit hohem Kundenaufkommen

beispielsweise können trotz geschickter Personaleinsatzplanung

zu höherer Belastung des einzelnen Mitarbeiters führen;

kommen dazu noch ausführliche Beratungsgespräche oder

gar Störungen etwa durch technische oder sonstige Probleme,

kann dies schnell belastend werden.

Stressfaktoren ausschalten

Dennoch gibt es in allen Unternehmen Stress, der sich vermeiden

lässt. Folgende Informationen (Quelle: Kein Stress mit

dem Stress. Eine Handlungshilfe für Führungskräfte, Hrsg.

BKK Bundesverband) zeigen, wie Apotheken- oder Filiallei-

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Stressauslöser: Das stresst am meisten

Beruf

finanzielle

Sorgen

ständig erreichbar

sein zu müssen

Verkehr z. B. als

Berufspendler

59%

43%

30%

26%

Quelle: Techniker Krankenkasse

Familie

neue Medien

23%

19%

ter im Zuge ihrer Eigenschaft als Führungskraft regulierend

eingreifen können – zum Wohle des Teams.

Arbeitsabläufe optimieren: Ist Zeitdruck der Normalzustand?

Müssen einzelne Mitarbeiter viele verschiedene Aufgabenbereiche

abdecken? Sind manche Aufgaben extrem komplex oder

sehr einseitig? Belastung durch einseitige Tätigkeit lässt sich

manchmal durch Job-Rotation verringern. Mitarbeiter mit

komplexen oder vielen verschiedenen Aufgaben benötigen

evtl. weitere Unterstützung, um klare Prioritäten zu setzen.

Störungsfreie Zeiten einrichten: Ein Stressor im modernen Arbeitsalltag

ist die ständige Unterbrechung. Störungsfreie Zeiten,

die im Team abgesprochen und akzeptiert werden, können

helfen. Das gilt auch für Chefs: Wer Vorbild sein will, richtet

ein Zeitfenster ungestörten Arbeitens ein.

Kurzer Draht zum Chef-- Wer frühzeitig mitbekommt, dass

Mitarbeiter überfordert oder belastet sind, kann mit dem Be-

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Management

Ausgebrannt-- Angsttörungen und

Depressionen gehören mittlerweile zu

den häufigsten psychischen Erkrankungen.

Berufliche Belastung gilt als

eine der Ursachen dafür.

Rasanter Anstieg

FAKT

Psychische Leiden, so meldet der BKK Bundesverband,

unterliegen einer hohen Dynamik. So hätten im Jahr

2011 die psychischen Erkrankungen mit einem Anteil

von 13 Prozent aller Krankentage bereits an dritter Stelle

der Krankheitsarten gestanden – vor rund 30 Jahren

dagegen seien sie in den Gesundheitsstatistiken kaum

aufgetaucht (1976: zwei Prozent). Weitere Informationen

zum Thema gibt es auch online: www.bkk.de.

troffenen rasch eine praktikable Lösung erarbeiten – und eine

Menge Stress, Fehler und Unmut vermeiden. Wer viel unterwegs

ist, kann Sprechzeiten einrichten.

Gesundes Arbeitsumfeld-- Wie hoch ist der Lärmpegel? Wie

ist das Klima in den Apothekenräumen? Gibt es eine geregelte

Mittagspause? Im Optimalfall wird das Team in die Überlegungen

zu einer Verbesserung eingebunden.

E-Mail-Regeln schaffen-- So manche Apotheke leidet bereits

unter einer E-Mail-Flut. Möglichst klare Absprachen sorgen

dafür, dass dies nicht zum Stressor wird. Wer sollte welche

Mails lesen und beantworten? Wie sind die Zuständigkeiten

geregelt? Wie rasch sollten Mails beantwortet werden? Und

in welcher Form?

Konflikte angehen-- Meinungsverschiedenheiten zwischen

einzelnen Mitarbeitern oder Unzufriedenheit mit dem Führungsstil

wird es immer wieder geben. Chefs sollten zeigen,

dass sie auch für kritische Anmerkungen und Konflikte ein

offenes Ohr haben – und gemeinsam mit Betroffenen nach

praktikablen Lösungen suchen.

Offene Kommunikation-- Wer offen mit seinen Mitarbeitern

kommuniziert, setzt damit nicht nur ein Zeichen für

Beteiligung, sondern sichert entscheidend die Qualität der

Arbeit. Vor allem in Zeiten der Veränderung sind Ehrlichkeit

und Transparenz angesagt. Schlechte Nachrichten kann

man nicht vermeiden, doch Mitarbeiter reagieren empfindlich,

wenn sie Neuigkeiten über Flurfunk erfahren. Relevante

Informationen sollten deshalb ohne Verzögerung bei den

Mitarbeitern ankommen.

Sichtbar sein-- Manche Chefs haben das Gefühl, nicht genug

Kontakt und Austausch mit den Mitarbeitern zu haben. Wer

jedoch einen stabilen Draht zu den Mitarbeitern aufbaut, spart

an anderen Stellen viel Zeit – denn er weiß, was im Team los

ist, wie die Stimmung ist, wo es belastend wird.

Gesundheit zum Gespräch machen-- Das Thema Gesundheit

gehört in die Kommunikation zwischen Chef und Mitarbeiter.

Beispielsweise lässt sich konkret fragen: „Wie geht

es Ihnen in unserem Team? Können Sie Ihre Arbeit gut tun?

Gibt es Verbesserungsmöglichkeiten? Was lässt sich tun, damit

Sie gesund und engagiert Ihre Arbeit ausführen können?“.

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